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Full text of "Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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WHITNEY LIBRARY, 


HARVARD UNIVERSITY. 


THIEIGIENZOF 


DD LEN AN 


Stunrgis Hooper Professor 


IN THE 


MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY 


lan 


Neues Jahrbuch 
für 
Mineralogie, Geognosie, Geologie 
und 


- Petrefaktenkunde, 


herausgegeben 2% 


von 


Dr. K. ©. von Leonhard und Dr. H. @. Bronn, 


Professoren an der Universität zu Heidelberg. 


Jahrgang 1834, 


Mit 6 Tafeln 


STUTTGART, 
E. Schweizerbart's Verlagshandlung. 


c 1834, 


# a. 
Eins N 


ei em 


: Inhalt. 


I. Abhandlungen. 


Seite. 
G. zu Münster: über das Kalkmergel-Lager von St. Cassian in 


Tyrol, und die darin vorkommenden Ceratiten, (mit Taf. I, IL) 1—15 
ZEUSCHNER: über die Syenite und Diorite in den Umgebun- 
BennvonKGieszyun. 2 lol se Maris co even 6.0 10-25: 
Kurzer Bericht über die in der mineralogisch-geologischen Sektion 
der Versammlung der Deutschen Naturforscher im September 
1833 zu Breslau abgehandelten Gegenstände . . . 2. 26—31 
Von LEonHARD: einige geologische Erscheinungen in der Gegend 
ven Meisen, mit Taf. HI und IV. . . 2 2 2.2.2... .127—150 
Cur. Kappe: über das erste Lebens-Alter der Erde . . . „ 151—204 
253—300 
Acassız: über das Alter der Glarner Schiefer-Formation nach 
ihren, Biseh-Resteni |, zn!) il ia anlelleniee 1 ..0480L--306 
B. Corra: geognostische Beobachtungen im Riesgau und dessen 
Umsebinsen Sins. lei Banane el 807—3l8 
L. M. Kersten: Untersuchung einer weissen Pulver - förmigen 
Substanz aus dem Dolomit von Ebermergen in Baiern . 319—321 
Acassız: allgemeine Bemerkungen über fossile Fische . . . 379—390 
Zenker: Delthyris flabelliformis; eine fossile Muschel-Art 
aus dem Thüringischen Muschelkalke m. Abb. auf Taf. V 391—394 
— Lingula keuperea und L. calcaria, zwei fossile 
‘ Muschel-Arten aus Thüringen m. Ab. auf Taf, V. . . 394—397 
Stupder: Bemerkungen za einem Durchschnitte durch die Luzer- 
ner, Alpen nit Tag, Ya il us ur. ae ns 
Purtıppı: über das Verhältniss der lebenden und untergegangenen 
Konchylien-Arten in Siziliens Tertiär-Bildungen . . . 516—520 
G. zu Münster: vorläufige Nachricht übar einige neue Repti- 
lien im Muschelkalke Baierns (Nothosaurus etc.) „ 521—527 
Zieser: über den Lievrit aus Ungarn, ein bei der Versamn- 
lung Deutscher Naturforscher in Breslau 1833 gehaltener 


Vortrag ° D D ° ° ° . . . . . & % . . . . 627 —631 
x 


N 


Seite. 
A. Kııpstem: über Kontakt-Verhältnisse zwischen vulkanischen 


'Gesteinen und neptunischen Bildungen der Wetterau, vorge- 
tragen bei der Versammlung Deutscher Naturforscher in Stuit- 
gardt, 1834 ERDE TEN N Be N ae 0 


I. Briefwechsel. 


I. Mittheilungen an den Geh. Rath von LEONHARD von 
den Herren: 


A. Kıwstein: Trachyt in Böhmen: gegen Zıere’s Gebrauch 
Bronsnuarr’scher Gebirgs-Nomenclatur; Reise in Westphalen 32 
Schreien: ?Mammont-Zahn in Trachyt-Tuf von Mexico; körni- 
ger Kalk; junger Malachit und Kupferlasur auf Holzkohle . 33 
ZeuscHner: sein Handbuch der Mineralogie; geognostische Bücher 
von FrREvER und Torsızewıcz in Krakau und Lemberg . . 34 
- Buöpe: über ?plutonischen Kalkstein bei Zagdainsko inPolen . . 34 
B. Corra: Thonschiefer mit Einlagerungen von körnigem Kalke 
u. s. w. zwischen Öderan und Kirchberg; drei Arten körnigen 
Kalkes ; Grünsteinschiefer mit dergl.; sublimirter Graphit auf 
Gängen in Thonschiefer bei Chemnitz . ». » x 2 22 2.835 
Hesse: Fundorte pyramidalen Mangan-Erzes; alter ?Baryt-Bau bei 
Marburg ; Unterscheidung von Bitterkalk und Kalkspath . . 39 
STUDER: Untersuchung der Italienischen und Bündtener Alpen . 41 
J. Schwarz: Geognostische Bemerkungen am T'epetonco in Mexico 205 
EzqueErrA Den BAyo: Basalt-Ausbruch durch Braunkohie bei Karlsbad 205 
Lanpy !"Akxınite am Göltlard ie U VIELEN RE 205 
v. Rostuorn: Chloritschiefer-Block im Granit; die Alpen ruhen auf 
GaeissKuppemii\ ws 1} u range, RER 
Heat: Braunkohlen bei Wemdingen auf.Jura- la und bei Tutt- 
Uingen "auf. Jurakalk Ur U TERN RER SDR 
R. v. Amar: Brasilische Golderze enthalten iktin;, Osmium etc, 
Basalt zersetzte den Feldspath des Gneisses zu Annaberg . 207 
ZIMMERMANN: der edle Gang des Härzer Schiefer-Gebirges durch- 
setzt auch den Grünstein; Vorkommen von Datolith, Cha- 
Darstenetedte an nl IN RE ET IE 4208 
Naumann: Nachtrag über den Linear-Paralleiismus der Ge- 
birgs Antenmii. VRR eh ELEND SR ER 
Kıöpden: Geschiebe, wie in der Mark, auch auf Rügen . . . 322 
Ezquerra Deu Bavo: Skundinavische Felsblöcke in Oberschlesien 322 
GEMMELLARO! tertiärer Schwefel, ein Erzeugniss verfaulter Mel- 
en Ar ar a 
Heut: Braunkohlen von Tuttlingen (s. S. 206.) . 2 2 2 2 2.324 
Vortz; Mineralogie als Wissenschaft 2 2 0 2 nen 325 
v. Hosr: Erdfall bei Gotha im Muschelkalk . . » 2 2 2 21.327 


Kr 


Bette, ' 


B. Corra: Verhalten des körnigen Kalkes im Triebischthale bei 
TNTEBSERER BER ee ee Deere Meike aus ie Were wer uien 920 
v. Sıruve: Erdfall bei Altona; Zinnerz am Ladoga; Murchisonit 
aus Devonshire; mineralogische Reise von Sarrorıus und Lı- 
BEING Dach Sizilien una Blei alchre  aefe ler a 30.1898 
Vorrz: Einwirkung von Porphyr-Gängen auf Schiefer und Kalkstein 
bei. Brament an in Re RN ie en ie, 309 
Ezquerra DeL Bayo: Vorkommen des Schwefels zu Swoszowice bei 


Wieliczka; Porphyr-Durchbrüche durch Steinkohlen in Schlesien 401 


v. Kosesu:. Unterscheidung von Kalk und Bitterkalk (S, 39); nach- 
trägliche Bemerkungen zu seinen „Tafeln“ . . 2 2 0 0.402 

M. Bwız: Karpathen-Sandstein;, über Bou£’s Beobachtungen in 
Siebenbürgen; fossile Wirbelthier- und Pflanzen-Reste daselbst 403 
Lr Pıay: Reise in Spanien; Societe d’histoire naturelle de Paris 406 
Kıipstein: Braunkohlen-Gebirge von Dietesheim am Neckar . ,„ 528 
Kıöpen: Kalklager bei Camin in Pommern, zum Cornbrash gehörig 530 
Krantz: Thonschiefer: an seiner Porphyr-Grenze mit Augit-Krystallen 530 
Berzeuıus: Arbeit über die Meteorssteme 2 2 2 2 8.000. 530 
Geyer: Bleiglanz-Anflug auf Steinkohlen von Obermoschel . .. 638 

Bröve: Enkriniten in Weissbleierz, auf Bleigängen in Übergangs- 
kalkshbeiskKeeice ans! leiden RU ae ser 638 

Stuper: geologische Bemerkungen in Bündten; gegen BouE das 
Alter, der Molässe betreffend 2 ey wien. 8 leere ei ie „eV 639 

B. Bernmarpı: Thier-Fährten auf Flächen des bunten Sandsteins 
aber Heldaunghausens-r 3 2 le ee re oh tete a ae 


II. Mittheilungen an Professor Broxn von den Herren: 


Howeierez uber Behiniden .. 2 se meer NEN al 
G. zu Münster: fossile Fische, Sepien, Krebse, Monotis salinaria, 
Saurier, Algaciten von Öningen, Schildkröte in Lias von Alt- 
dorf, Ciymenia, Glossopteris, Folliculites; Tertiär-Formation in 
Worddeutschlund Ss we ee Sl ma leiueilen eitee, A 
Jäger: Naturforscher-Versammlung in Stuttgardt; fossile Knochen 
in Württemberg » .. ..» Re za a 
B. Corra: Kalamiten-Reste im Keuder "bei Eisenach; im alten 
Kohlen-Gebilde von Hainchen . . .- A ee) 
SCHÜBLER: über Bestimmung Württember hisener Gebirgsarten in 
den Lieferungen des Comptoirs . . . ae N 
Acassız: seine „Poissons fossiles“, Heft II; Arbeit über fossile Krebse 213 
EzquerrA ven Bayo: Kiesel-Konkrezionen im Jurakalk von Pod- 
gorce und organische Trümmer darin . . » » o . 337 
Hısınser: „Anteckningar i Physik och Geognosie“, Heft v1; Be- 
schreibung fossiler Reste darin . » . 2 2 02 2 0 0. . 837 


Seite. 
v. Arzerti: Arbeit über den Muschelkalk; Conchorhynchus in 
einem, Sack +. «a He Hahn ie werte We, se .te ve halte Killer 338 
Acassız: „Poissons fossiles“, Heft III; fossile Crustaceeen . . . 339 
v. Autuaus: über Auzertr’s Monographie des Muschelkalks . . 406 
Maruer : fossile Fische in Sandstein von Comecticut . 2. . 531 
L. v. Bucn: Erscheinungen bei Meisen ; Deutsche Jura-Bildungen 
und deren Versteinerungen; Nautilus und Aganis . „ . 532 
Ezquerri open Bayo: geognostische Verhältnisse in Salzburg, He- 
bung” der. Alpen wa sie. ee 535 
v. Autuaus: Schildkröten im Torf bei Dürrheim! . « 2 2. . 537 
G, zu Münster: Konochenhöhle bei Rabenstein; Nothosaurus im 
Muschelkalk, Fische (Saurichthys und Hai) im Muschelkalk; 
Undina, Hai, Caturus, Seeschildkröte, Limulus von 
Kehlheim; Isticus aus Grünsand von Münster, Scaphiten, 
Hamiten etc. aus Kreide in Westphalen; Saurier- Zähne 
in Grünsand bei Regensburg; Mystriosaurus in Lias von 
Altdorf, Bairische Reptilien der Flötz-Formation; Voltzia im 
Gypse des Steigerwaldes; Equisetum etc. im Keuper da- 
selbst; Trippel und dessen Pflanzeu-Reste bei Regensburg 5 
Equisetum in Braunkohle des Fichtelgebirges;, Psammo- 
dus-Zahn im unteren Oolith; nicht alle Lumbricarien sind 
Golerkitheniii. ae te ne re 
W. W. Murner: Vorkommen von Cidariten-Stacheln in Amerika 642 


III. Neueste Literatur. 


1. Bücher: 

Lorenz, Fr. Horrmans, H. Davy, C. GEMMELLARO, PRESTEL, 
REICHENBACH FA ins hal ee Be na Nonne ar ee ee 
Bouvsmier et Lecoq, Fischer DE WALDHEIM, GUEYMARD, GIRAR- 
DIn, GuEyMARD, Hvor, Suckow, Dumont, EBENEzEr Emmons, 
GLocKkER, SHEPARD, BAKkEwELL, BoAsE, BoBLAvE et VIRLET, 

H. Corra, DesHaves, A. Eıton, GoLprVUss, GRATELOUP, Hız- 
BERT, LıinoLey and Hurtton, MANTELL, REBOUL, UHDe, v. ZIE- 
TEN , BAKkEwELL edit. Sınıınan, DesHAayEs et DUcHATEL, DES 
LDiongcHAmPps, HITCHCOcR .; ne ea. ee DE 
URrE, Werzer, Pour, v. ScHrEiBERs und v. HoLGER, v. Horr, 
DE: BORDEAUX Ws Sa ee ee te 
Hısınger, CArurLo, Kaup, Kerensteı , Kıöpen, Kunan, 
SCHMERLING WR. ande Del sonne Mlslar alen Mey ie ana ee 
WHEWwELL, DE La Büche, BERTRAND DE Dove, BosBLAyE et Vır- 
LET, BoUBEE, BRocHANT DE VILLIers, A. BRONGNIART, CAucay, JB. 
Hays, L. v. Buch, Eurengerg, HARTMANN, V. Blonz Bronn, . 
Covaza,; D’OmAuıus,D’HALLOX 0 eureiire. sale ae a nen 5A 
Dusvısson, Kuerrer, MoRREn, J. Rennen, BERGHAUS, J. R. Bıum, 

C. R. Brno, (O. C. D.), Duvreux, C. F. Gauss, G, GRAULBIE, 

Js. Lea, Lecog, Linux and Hurron, Norsn, Pusca, C.C.R..., 


“n Mk 


Seite. 
Reınwarnt, Le SAULNIER DE VAUHELLO, Jos. ScäuKTo, STARING, 
WırHam, AINsworTH, v. ALBERTI, De ıA Beonz, BERrTHIER, 
Dr Byranpr, Durkenoy et Erıe pe BEaAumons, Durrenox, J. 
Fournıer, TH. Haweıns, H. v. Meyer, Murcuison, LE Puav, 
Cu. ZIMMERMANN 2 ee ee een een. 643 


II. Zeitschriften. 
Proceedings of the geological Society of London, 1832, 4. März bis 
1833, 1. Mai, Lond. 8°. Dh airline leh neiyiehukasineiidenr AD 


Grocker: mineralogische Jahreshefte, Nürnberg, 8°. I, 1831, 
sah er RN ANN als 47 
Kongl. Svenska Vetenskaps Academiens Handlingar for 1831, 
ISTOERNOLmE 1SZL NE ee 216 
FEATHERSTONEHAUGH: the Monthly American Journal of Geo- 
logy 1831—32, IX Hefte 8%. . . 2... ERREGER 0 
©. Hartmann: Jahrbücher der Mineralogie, Geulekte; Berg- 
und Hütten-Kunde. Nürnberg 8°, 1834, I, L. . 2.2. ..216 
Annales des Mines (vgl. 1833, S. 422) 1833, III, v. 1.5 — . 217 


—_ _ —_ ums IV, 000413 

Bulletin de la Societe eg or 1833, S. 550) III, 209—376 
und I—CcLXxXXVIL . s . SER sera er LT 
_ = _ IV, 1—224. 544 


Karsten’s Archiv für Mineralogie (vgl. 1833, S. 332) Berlin, 
SEBS3 Van ne ah udameain Lana ı ru SA 

Transactions of the Royal Geological Society of Cornwall, 
18330 ME A, War. Dan ar ld en 

BrEwsTER, TayLor and Pnuıwnies: the London and Edinburgh 
Philosophical Magazine, London 8°, 1833, JulyIlI, 1—320 . 342 
- November III, 321—431 5.1834, IV, 1—159 „ 413 
Gornoi Journal, Petersburg 8°, 1833, Heft ı-ıv. . » 2. 646 
Journal of the Geological Society of Dublin, 1833, ,ı . . 547 
Gornoö Journal 1833, Heft V und VI. . 2. 2 2 8.000.645 


IV. Auszüge, 
I. Mineralogie, Krystallographie, Mineral-Chemie u. s. w. 


Rose: über die Krystallform des Mesotyps 2. 2 202 020.2.48 
Boussinsaunt; Analyse eines Minerals von einer heissen Quelle bei 
BOPRIORSSIE REIN REN ARE RI ea en AS 
BreırHaupr: Bestimmungen spezifischer Gewichte von Mineralien 48 
BERTHIER : analysirt Titaneisen von Baltimore in Maryland . .. 49 
—_ zerlegt oktaedrisches Eisenoxyd von Framont . . . 50 
— analysirt Eisenerz. von la Lizolle und Servan, Allier 50 
= zerlegt mehrere Galmei-Abänderungen . © 2 5 » s 50 
BreıtHaupr: über einige metallische Mineralien aus dem Ural, 
welche zum Theil schwerer als Platin sind . 2. 2 2 2. 0.52 


Seite. 


PLATTXER: haplotypes Eisenerz der Schweitz und Chondrodit vom 
Vesuv, vor dem Löthröhre . . » 2 2 2 2 2 0 en 00 
Norvenskiörn: Pyrargyllit, ein neues Mineral . » 2 2.2.0. 
_ Amphodelit, — — N  . 
Becquerer: über künstliche Bleiglanz-Kıystalle  . 2. 2 2 0.» 
Don Peoro: Besitzer der grössten Masse edeln Berylis ©...» 
Jounston: Untersuchung des geschwefelten Schwefelblei’s von Dufton 


'Zıere: hemiedrische Abtheilungen des pyramidalen Krystall-Systemes - 


STROMEYER u. Hausmann: mineralogisch-chemische Untersuchung des 
Antimon-Nickels von Andreasberg » 2 2 2 en oe leis a 
Gold im Alluvial-Lande bei Turn 2 2 2 2 2 2 000 0% 
BoussinacauLr: Analyse des Halloysit’s von Guateque in Neugranada 
Rose: über die Krystallform des Plagionits, eines Antimon-Erzes . 
Boussınsaust: Zerlegung des Alauns vom Vulkan von Pasto . » 
Rose: Krystallform des Silber-Kupferglanzes ;, Atomen-Gewicht des 
Silbersi rau) iii ee ee 
Breituaupr: Krystallisations-System des rothen Nickel-Kieses . . 


Berrnier: Analyse des Wolkonskoit . o 2 2 0 ee 0 eu. 
= “— des Kupfererzes von Escouloubre im Aude-Dept. 
=, — des Bunt-Kupfererzes v. Nadaud, Haute-Vienne 


Prarrser: Analyse des braunen Erdkobalts von Saalfeld . » » 
NorDensKıörn: Analyse des Tantalits von Tamela . » » 2... 
STROMEYER: chem. Untersuchung des kohlens. Mangans von Freiberg 
PLATTser’s Uran-Oxydul im Schwedischen Automolith ist wrig . 
BREwWSTER:; über die Struktur und den Ursprung des Diamants . 
Weıss: über den Haytorit Wi 2 u 2 0 ve era) nature 
Erman: über Elektrizität des Marekanits, Turmalins, Topases ,„ . 
Breituauer: chem. Untersuchung des schwersten metall. Körpers 
Brxce: Mineralien in den Grafschaften Down, Antrim und Derry 
Eiromann: Analyse von Wavellit u. Striegisan von Langenstriegis. 
Rose: Osmium- und Iridium-Verbindungen im Ural. . 2 2...» 
— Vanadin-Bleierz von Beresow im Ural. . » 2 2.2... 
Weıss: das Staurolith-System, vom regulären abgeleitet . . . » 
Breıt#auet: Krystallisation des Antimomnickel-Kieses . . » . 
Berruier: Zerlegung zweier neuen Varietäten von Haidingerit . 
Weıss: Zwillings-Krystalle von Kalkspath und Quarz, u. Dihexaeder 
Breıtuauet: spezifische Gewichte verschiedener Mineralien . 
Neumann: das Krystall-System des Albites und seiner Verwandten 
 SrromExEr u. Hausmann: neue Alaunart u. Bittersalz aus Südafrika 
SHEFARD: mineralogische Nachrichten über Neu-Enyland . » » 
Maruer: über den Xanthit . 2». 2 eu 2 2 2 nn. . 
Hess: über den Hydroborazt . 2 vo 2 2 2 2 2 2 02... 
Busser: ‚Allophan bei Bonn : . 2 2 es 2 8 2 er 2 200000. 
Guocrer: der Ozokerit, ein neues Mineral . 2. 2 2 2 2.0. 
Suckow: anomale Bildungen d, Schwefelkieses - » 2 2...» 


N 

Selte. 
Suckow: Cölestin-Krystalle bei Jena» » 2 2 0 2 8 0 0 2 2 354 
Fowıer: Saphire u. a. Mineralien bei Newton in New-Yersey . 354 

v. Kosern: über Naumann s Bezeichnung vertikaler Prismen im 
diklinoedrischen System . . » 2 2 0 2 ee ne 00 a 415 
— über die in der Natur vorkommenden Eisenoxyd-Hydrate 415 

_ Analyse des Braun-Eisenerzes in After-Krystallen von 
Bisnkiesaian Dh III EEE DENE ETAGE 
Platin in Frankreich entdeckt .: ... 2 = 2.2.20. 0. 0% 417 
Kröpen: einfache Fossilien als Geschiebe in der Mark Brandenburg 417 
Tyson: Fundorte einiger Mineralien in der Grafschaft Baltimore 418 
v. Koseıı: über Olivenit, Kupferschaum und Kiesel-Malachit . . 418 

Suerarp: Deweylite. und dessen Beziehungen zu Tysonw’s kiesels. 
Talkhydraten au Mr a I TERTELE 
—_ Datolith und Iolith (Cordierit) in Oonnektikut . » » . 419 
v. Coseru: Analyse einiger natürl. Verbindungen des Eisenoxyds 420 

Neumann: Elastizitäts-Maass krystallin. Substanzen der homoedri- 
Wisehen.Abtheilüng ... men a Ha nn ERDE ERTLRD 
v. Koseuu: Analyse des körnigen Porzellanspathes von Passau . 420 
— Krystallisation des Nickelglanzes von Sparnberg . . 421 
Rıcater: über einige merkwürdige Krystallisations-Erscheinungen 548 
ZierE: über einige in Böhmen vorkommende Pseudomorphosen . 553 
' Boorr: über das Arseniknickel von Riegelsdorf in Kurhessen . . 561 
Micnus: über das „fossile Wachs“ der Moldau » » 2» 2 2. 562 
Boussineaunt: Natur der Phosphorsäure in natürlichen Phosphorsalzen 562 
Suckow: merkwürdige neue Krystall-Formen . » . 2 2 002.646 
STROMEYER ! chemische Analyse des Allanits v, Iglorsoit in Grönland 647 
v. Koseız: über den Onkosin von Salzburg «© » = 2 0... 648 
Consern: Analyse des Lvypn 2 2 2. een... 689 
— über den Dysklasit, von Feroöe . . » 2 2 0 2 0.» 68 
SHEPARD: mineralogische Notizen über New England , . - . . 650 
Frick: chemische Untersuchung des Nadelerzes . ... 2 2. 651 

Naumann: über eine eigenthümliche Zwillings-Bildung des weissen 
Speiss=K.obaltesasan ui all ra ee SP RGBE 
v. Kosenu: über das Titaneisen aus dem Spessart. - » .» » » 651 
Rose: Verhältniss des Augits zur Hornblende . 2 2 2 2 2.6831 
v. Koseru: Chonikrit und Pyrosklerit, zwei neue Mineral-Spezies 654 
Zwere: über den Steinmannit, eine neue Mineral-Spezis . . . 655 
Kuprrer: Handbuch der rechnenden Krystallonomie „ 2 » 2 . 656 


II. Geologie und Geognosie. 


Biscnor : über die Quellen-Verhältnisse am Teutoburger Walde . 55 
Kröpen: über die Fels-Geschiebe der Mark Brandendurg » . . 58 
ReichengAcHh: Geognostische Darstellung der Umgegend von Blansko 59 


Seite, 
Ausbruch des Wesuvs im Jahre 1832 . 2: 8 2 sa 0 a2 2 8066 
JAUFFRET: Allg. Notizen über die Geologie der Kanarischen Inseln 66 
Horrmann: geognostische Beschaffenheit der Liparischen Inseln .„ 67: 
Durr£nox: Natur und Lagerungs-Art der Calcaires amygdalins . 77 
v. Escuweee: geognostische Übersicht der Umgebungen von Lissabon 79 


Muvrcnison: Sedimentäre Ablagerungen von Shropshire und Here- 
fordshire, durch Radnor, Brecknock und Caermathenshires 
siehverstreckend ‚sr. Ya un, Sl au RE 

Naumann: über die südliche Weissstein-Grenze im Zschopau-Thale 

Buckıneuam: über die geologische ‘Struktur der Insel Pantellaria 

Trımmer: fossile See-Konchylien lebender Arten am Mersey, über 
Hoehwasserstand sr: ıhsinianke na He 

Murcuison: dessgl. in Lancaslire . 2 2 2 22 er 0. 

v. Meyer: „Tabelle über die Geologie, zur Vereinfachung der- 
selbeufnete.!. 6.0 nennen a ne 

Hurron: der Whin-Sill von Cumderland und Northumberland 

Murcnison: Bestätigung dieser Beobachtungen . » » 2. 2. 

Puiwuips : Beobachtung desselben Gegenstandes . 2» x 2 en .2 0° 

v. Bonsporr: der Rapakivi in Finrland, eine eigene Gebirgsart 

 BorLavye: die geognostische Beschaffenheit von Morea . 2...» 

Wacner: Tabelle über die Überlagerung der Formationen, und die 
sie begleitenden Versteinerungen . . 2. 2 ee ne. 

SCHWARZENBERG: die Grobkalk-Formation in Niederhessen - » » 

Nora: über das Erdbeben in der Stadt und Provinz S. Remo i..J. 1831 

GEMMELLARO: Relariane dei fenomeni del nuovo Vulcana sorto 
dal mare“ ete. (Catania 1831 89.) een een. 

SILLIMANN: Anthrazit-Regionen am Susquehanna : .: .... 
_ Bemerkungen auf einer Reise in Pensylvanien » . » 

Maırner:; Durchschnitt eines 'Theils von Connecticut x 2». 

Sırvertop: Tertiär-Formation in der Provinz Granada . » .» .» 

Bronsnuart: über Gay’s geologische Arbeiten in Chi . 2...» 

Eurengere: Charakteristik der Nordafrikanischen Wüsten . . » 

Virter: geogn, Bemerkungen über die Nord-Grieckischen Inseln 

Winch: Beiträge zur Geologie von Northumberland und Durkam 

Carne: Alter und Richtung der Gänge in Cornwall . 2... 

v. StromBEcKk: Lagerung der Nieder-Rheinischen Braunkohlen . 

Scumipr: Kohlenstoff in Blasenräumen basaltischer Gebilde . .» 

VerscHoxLe: über die Geologie der Grafschaften Mayo und Sligo 

Savı: über die geognostisch-geologischen Verhältnisse in Toskana 

v. Buvcu: Lagerung von Melaphyr und Granit in den Alpen Mailands 

Weıss: das Süd-Ende des Gebirgs-Zuges in Brasilien uach SELLow 

MaAruer: Notizen über die Geologie der Hochländer von New York 

v. Rostnorn: über die Gegend von Radeboy in Croatien . » » 

WuaArker: die Ursache der Richtung von Kontinenten, Inseln etc. 

GORYBEARE: Notiz darüber. ur a N 


° . . ee. .. 


ini Seite, 
nano über die allmähliche Hebung des Landes in Skandinavien 440 
Tuırrıa: carte geologique du departement de la Haute-Saone . 441 
Schüsrer: Höhenbestimmungen in Württemberg und Grenz-Gegenden 442 
Bayrırıo: Geognosie von der Nordküste des St. Lorenz-Golfes an, 
bahCop Titten ee ee 
Fıncn: Mineralogie und Geologie der St. Lawrence - Grafschaft, - 
TEN ORTE N ae eu ea ea 
Pmuwrıps: Analyse zweier Schwefel-haltigen Quellen bei Weymouth 447 
ScHüßBLER und Vogen: geognostische Verhältnisse von Tübingen . 447 
Bıscnor: Bildung des Eisenockers etc., durch Quellen und Gas- 
Bxhalationen Myakmpatinn Bier g 
Durr£noy: üb. Vorkommen u. Zusammensetz. gewisser Thon-Silikate 451 
Harr’s Maschine.zum Messen hoher Temperatur. . . 2 2... .453 
H. Corra: der Kammerbühl nach wiederholten Untersuchungen . 455 
VirLeneuve: Durchschnitt von Toulon bis zum Vulkan von Rougier 455 
SHEPARD: Mineralogie und Geologie der Grafsch. Orange u. Sussex 455 
Eaübebenrim. Chilia. ee nenn Ag 
—_ zuudassy:ul: a: Ola ee Be wie 459 
Croizer: über das Erdbeben in Auvergne im_Oktbr. 1833 ee. 459 
WALrerdin: Ableitung. der Regenwasser durch Artesische Brunnen 460 
BovE: Auszug aus mineralogischen Berichten über Russland .. . 460 
Borta: Beobachtungen über den Libanon und Antilibanon . . . 464 
Heuser: zur Kunde der jüngern Flötz-Gebilde an der Weser . . 466 
Hısgert : der Süsswasserkalk der Steinkohlen-Formation zu Bur- 
diehouse' ber! Edinbung = au. 1 ans ae en late 46 
—_ Nachträgliche Bemerkungen über jenen Süsswasserkalk 469 
CoNYBEARE: über Hızserr’s Entdeckung fossiler Fische, Saurier ete. 470 
MurcnHıson: Süsswasserkalk zwischen d. Kohlenlagen b. Shrewsbury 470 
Fr. Horrmann: Gebirgs-Verhältnisse der Grafschaft Massa Carrara 563 
Durr£noy und Eier De Beaumont: über die Gruppen des Cantal, 
des Mont Dore und deren Hebungen . . 2. 2 2 2 2. „Bl 
Auıson: Ersteigung des Pic’s von Teneriffa im Febr. 1829. . . 572 
Höhle bei Erpfingen im Württembergischen aufgefuinden . . . 580 
Dunvas-Tuomson: Geologie von Berwickslire  » » 2 0. , 581 
Kapp: über Zentral- und Reihen-Vulkane . » 2 2 2 2 20. 581 
Rozer: Geologie von Algier und Tittery . » » 2 2 2 022.58 
MarHer: wichtigste Silber-Gruben in Mexiko und Süd-Amerika 585 
Burkart: geognostische Bemerkungen zwischen Ramos und Catorce 589 
Pırero und Gumont: über die Berge des Golfes della Spezzia und 
demAnuanssehen Alpe nen aa een Nele lets 0‘ 
De Virteneuve: der Kreide-Gipfel von Sainte Beaume von tertiä- 
rem Kalk mmlasenthan. lie oe ee oo 
Kelsensturzabe®@nurN...® al Ba NEON 
Dessgleichen daselbst . . . . Solo yes Mae a 
Lagerstätte des Platins in Sibirien RS ee RE EA ee = LESS 


— X — 


Selte. 


Vorkommen von Gediegen-Silber zu Kongsberg in Norwegen . . 
Du Commun: Hypothese über Vulkane und Erdbeben . « ... 
AınswortH: an Account of the Caves of Ballybunian . » » =» =» 
Karsten: über das Erz-führende Kalk-Gebirge von Tarnowitz . 
Kererstein: Naturgeschichfe des Erdkörpers in ihren Grundzügen 
Pırero: Note über den Gyps von Tortona .» 2» 2 2 2 .% 
L. v. Buen: einige Bemerkungen über die Alpen in Baiern . . 
S. Hiegert: Geschichte der erloschenen Vulkane von Neuwied . 
Brübeben! zu #Meronat !N NM RER ER 
Burr: über Gang -Bildungen, von Lager-artiger Entstehung . 
J. Pripeaux: Geognosie der Umgegend von Plymouth . x». 
N, Cuıeman: Steine, welche in See’n, Teichen u, s. w. bewegt 
werdennse 0% BREI RR a a 
Bov£: Geognostische Nachrichten von Narbonne, Pezenas, la Cor- 
niche und das Picentinische . x 2»: 2 sv 2. 2... 
F, Le Pravy: Tagebuch auf einer Reise durch Spanien geführt , 
B. Stuper : Geologie der westlichen Schweitzer-Alpen . .» » . 
H£rıcart oe Tuury: Kalkhöhlen von .Cusy in den Beauges-Ber- 
gen und Gold- und Edelstein - führender Sand des Cheran in 
SAVOYEen EN NR RI REES TIER RAN LER I EEE 
PırAnvıer : Notiz über die Ursachen der Existenz der Höhlen im 
Allgemeinen, und der des Dept’s. dw Dubs insbesondere .„ , 
Teixıer; Betrachtungen über die Geologie der Sieben Hügel] Roms 


III, Petrefaktenkunde. 


ne Serres: sind Land-Thier-Arten seit der Erschaffung des Men- 
(schen unterzepangent ei. > 2 0... 2 
L. v. Bucn: Silicifikation organischer Körper, nebst einigen andern 
Bemerkungen über wenig bekannte Versteinerungen . . 
—_ über zwei neue tertiäre Cassidarien Mecklenbury’s 
_ über de Ammoniten in den älteren Gebirgs- 
schichten ei. oe oil e au u 0 a 0200) 
_ über Goniatiten . ». x. 2 2 eo 0 0. 
Bresson: Bemerkungen über Sand und Dünen . » .» 2...» 
GırArnd, Prony und Georrrox Sr. Hıraıre: über CuAupruc DE 
Crazannzs’s Abhandlung „von Ablagerungen fossiler und nicht 
fossiler Austern im Dept. Charante-Inferieure . » » . - 
Core: Abguss von Plesiosaurus macrocephalus. . . 
Manteın: die zoologischen Charaktere der Wealden-Formation 
Buckrann: über neue Megatherium-Reste, aus Süd-Amerika 
v, Maver: Beiträge zur Petrefaktenkunde 
Gnathosaurus. .«. 0 .'le m ie sa neue de Zeiteie 
GOUCh3oSausus, »- ....,% bauuu ae Ju a ze 


593 
593 
593 
594 
606 
610 
612 
657 
688 
688 
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689 


689 
697 
Toi 


707 


710 
713 


403 


108 
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109 
109 
109 


110 
112 
112 
112 


113 
114 


— xU — 


Seite, 
Knochen in Muschelkalk . » : 2 2 2 rk 2 2 2... 113 
_ - buntem Sandstein © © se 9 ee. 0. 0. 115 
Aptychus . ee... nenne ee. 116 
Weiss: fossile Knochen- und Panzer-Stücke aus Süd-Brasilien . 117 
GEmMELLARO: sopra le Conchiglie fossili dell’ argila terziaria di 
fan ns en ee ea ern ee 
Bronenıurt: fossile Conifere (Taxodium) auf Ikodroma en 2A0 
Wıruan: Vortrag über die fossile Vegetation. » 2 2 2 2 0. 241 
Acassız: Recherches sur les poissons fossiles, I® livraison . » . 242 
v. Zieten: die Versteinerungen Württembergs, Heft XI, XII . 245 
Morron: organische Reste der Eisen-schüssigen Sand - Formation 
der Vereinigten Staaten » » = 2 2 2 ee 0.000000. 246 
_ Analogie der Mergel in New Yersey mit der Kreide. . 249 
De Bonnsarp: Knochen in den Höhlen von Arcy-sur-Cure „  » 366 
Virzer: über Knochenhöllen . » 2 2 ee ee ne ae 00 8367 
Prevost: über Knochenhöhlen . » 2 2 2 2 2 2 2 0.200. 368 
Erıe pe Beaumont: Hyänen lebten in den Höhlen von Kirkdale 368 
Bous£e: über Pr£evosr’s und Durre£noy’s Theorie der Knochenhöhlen 368 
Buckrann: neue Pterodactylus-Art in Lias von Zyme Regis 369 
Morren: sır les ossemens humains des tourbieres delaFlandre 370 
Rızrey. Squalo-raja, ein Fossil aus dem Lias von Lyme Regis 370 
Kaup: vier urweltliche Hirsche des Darmstädter Museums . . 371 
Tayror: Vertheilung fossiler Konchylien durch Grossbritannien . 373 
De Bramviırue: method. Anordnung der Geschlechter Purpura, Ri- 
einula, Monoceros und Concholepas . 2» 2 22 2.2.» 375 
Serres: Beobachtungen über die fossilen und humatilen Arten . 376 
Knochenhöhlen bei Plombieres-les-Dijions » x» . .» RE) 
Eırton: über Crotalus? reliquus oder Arundo? cr aaa 466 
Coorer: reklamirt dagegen . „we leiüe ne oe nein nl ln 0.8.1466 
v. STERNBER@’s Urtheil früher mitgetheilt . © » 2 2 22.0.2 466 
Kıöpen: die Versteinerungen der Mark Brandendurg . » . . 470 
Marcen ve Serres: Pflanzen-Abdrücke in Kalkschiefern bei Lodeve 474 
Guernsey: bei Rochester, New York, gefundene Mastodon-Reste 475 
Wacner: fossile Insektenfresser, Nager und Vögel im Diluviale . 475 
Acassız! Recherches sur les poissons fossiles, II® livrais. . . . 484 
Kur: eine Berichtigung den Hippopotamus betreffend . . . 489 
— ossemens fossiles de Mummiferes Sme Cahier . . » .. 490 
Linporex a. Hurton: Fossi Flora of Great Britain, Nr. I— vıı 492 
MarcEL DE Serres: Menschenknochen und Kunst-Erzeugnisse in 
Kalk-Hohleuy. 0 Yes sunny dan Suhmdle böse 494 
Goupruss: Abbildungen und Beschreibungen der Petsefahlen Meiisen. 
lands, Ate Lieferung . . . De OT jean 498 
DE Cariston: Thier-Bevölkerung Yo Becken des Her ault-Dept. 
inder tertiärennBeriode \. 2... 2 0.0 00 He ei Aoanietlts üakäncik 000 
Cooper: über die Lagerstätte fossiler Knochen im Big-Bone-Lick 501 


— IıRV 


Seite, 
Eıron: über pe Kıw’s Brongniartia, ein neues Trilobiten-Geschlecht 615 
L. v. Buca: über Terebrateln, ihre Klassifikation u. Beschreibung 616 
MarcEL DE SERRES, Duprueıs und JEAn-JeANn: Untersuchung über 
die fossilen Knochen der Höhlen von Lunel-viel , . . . . 714 
Borson: Notiz über einige Fossil-Reste der Tarentaise in Savoyen 726 
Prisser: Analyse fossiler Knechen von Himalaya. » .'. 2. . 727 
Wıruam: Notiz über Struktur und Lagerung eines fossilen Stam- 
mes in den Brüchen von Craigleth . » 2 2..2....n7 
Brown: über Reste einer Eiche, aus dem Torfe bei Lanfyne, Ayr- 
shire, gezogen! sn 0 N WERTE EEE TDE 
Merrtrer: ein Salamander und eine Schildkröte aus den Öninger 
Brüchen +. rear. vw a da ET es we SR ERIR NER SUSE REN 223 
DE La Fonteneire: über das fossile Kautschuck in den Steinkohlen- 
Werken der Venaee'\v. 7. NERSHR RI IT TUE EEE 76 
Georrroy St. Hıraıre: paläontologische Beobachtungen . . . . 728 
_ - — Notiz über die fossilen Knochen im Becken 
der Awergne . 2»... N et.) 
Neue Entdeckung von Tinto don-ichbekten a ed, 
Eıton: Vier Kardinal-Punkte in der stratiogr. le aa 2) 


IV. Verschiedenes 


Brunner u. PAGENSTECHER: Analyse d. Heilquellen von Leuk, Wallis 121 
Henrıcır?! Notiz über eine periodische Quelle bei Kissingen. . . 124 
Hausmann : über die Rothenfelder Quelle . . 2» 2 2 2.2.2124 
BrewsTter: Instrument zur Unterscheidung von Edelsteinen . . 124 
ScuügLer: Resultate sechzig-jähriger Beobachtungen über den Ein- 
fluss des Mondes auf die Veränderungen unserer ae 125 
Meteorsteinfall bei Blansko in Mähren. . . 2.» Ts RES 
TROMMSDORFF : Untersuchung des Alexis-Brunnens im Selke. Thale 126 
Antere Quell-AnalysenH Wa a il, 10 UT 2 
Sırıman: über den Fall der Meteoriten von Tennessee . . „ . 250 
— über das Meteor und den Aerolithen in Georgia . . . 251 
Dv M&nın: Analyse des Heilwassers zu Hiddingen in Lüneburg . 252 
GARDNER : über die relative Vertheilung von Land und Wasser . 376 
Corqunoun: bei Mexiko und Potosi gefundene Meteoreisen-Massen 376 
ScHhouw: über den mittleren Stand des Barometers am Meeresspiegel 377 
Jıcog: über die früheste Kenntniss von Gold und Silber . . . 377 
Henwoop: Steigen u. Fallen d. Wassersin einigen Gruben Cornwall's 378 
Hisınger: Anteckningar i Physik och Geognosi under resor, ete. I-V 501 
Erdbeben in Peru zu Arica, 1833, 18. Sept... . » 2. .2 00. 504 
Dessgleichen zu Pasto im Boyota-Staate, 1834, 20. Januar. „. . 504 
Eurengere: Natur und Bildung der Korallen-Inse!n und -Bänke im 
MRolnensMeere :» #22 2.8 880) PUR BEN ur 
Zerstörende Wirkungen der Gewitter . „2 en en. , 731 


Seite. 


Die Spanische Stadt Bergara und ihre Umgebungen . . . . . 
Hansten: erklärt, dass die Hypothese .von einer doppelten magneti- 
schen Achse und doppelten Polen der Erdkugel durch Beobach- 
timsen nicht bestätiot werde. 4. 00 00 bleu kanee oe 
v. Srromseek: über die von Fox angestellten Versuche in Bezie- 
hung aufdie elektro-magnetischen Äusserungen der Metall-Gänge 
Bernstein auf dem Landgute Schirwinti gefundn . : x. 2. 
Uher die oystallform des. Eises.. .. 2... 0... „sun 
Rıcn. Harıan’s Zoological And Medical Miscelany . .» .» . =» 
Preiss-Fragen der Sozietät der Wissenschaften zu Harlem . : - 
Verkäuflicne Gebirgsarten-Sammlung ı 2 2 2 2 2 202 0. 


731 


731 


732 
732 
732 


733- 


733 
733 


33 
45 
77 
96 
106. 
112 
24% 
244 
252 
413 
414 
439 


Verbesserungen. 


v. 0. streiche „an“ 

- - statt „L. v. Bucn“ setze „Frıepe. Horrmann“ 
u. — „Calcaire“ — „Calcaires“ .* 
— „Prasump’s“ -— „Parmuıes“ 

— „Deigatai“ — „Deigetai“ 


- „South“ — „und South“ 

- „Band II“ — „Band I“ 

SV Er „48“ 

.- ‚Hetdenberges — „Heldenberges“ 
0 ER it — „I, m“ 

N — „19“ 

- - — „Schichtung“ — „Richtung“ 


| en mn m ann a —— nm nn 


Über ' 


das Regel: Eger von St. Cassian 
» in Tyrol und die darin vorkommenden 
‘ Ceratiten, 


von 


Herrn G. Grafen zu MÜNSTER. 


Hiezu Tafel I, und IL. 


In der Abhandlung über die Versteinerungen des Salza- 
Thales*) hat Bronx bereits bemerkt, dass fast alle Glieder 
des Süd-Deutschen Alpen-Gebirges eine Vermengung fossi- 
ler Arten aus verschiedenen Formationen darbietet, welche 
bis jetzt an anderen Orten ohne Beispiel ist, und so lange 
als ein anomales und zugleich völlig isolirtes Faktum betrach- 
tet werden muss, bis genauere Untersüchungen an Ort und 
Stelle uns nähere Aufklärungen geben. 

Einen neuen Beweis zu‘dieser Bemerkung habe ich 
bei der näheren Untersuchums der Versteinerungen erhalten, 
welche in dem, meines Wissens bis jetzt noch nicht geogno- 
stisch bestimmten grauen Kalkmergel-Lager von 81. Cassian un- 
fern Brumecken, Landgerichts Enneberg, in Tyrol gefunden 
werden, wo sie in einer Höhe von 5000‘ bis 6000‘ über der 
Meeres-Fläche vorkommen sollen. | 


”) S, dieses Jahrbuch 1832. 2tes Heft. 
Jahrgang 1834. 1 


—- ı — 


Durch Leoror» von Bucn bin ich zuerst auf diese Ver- 
‚steinerungen aufmerksam gemacht worden; er brachte vor 
mehreren Jahren einige derselben aus Tyrol mit, und hatte 
die Gefälligkeit, mir bei seiner Durchreise einige davon zu 
überlassen, nämlich den Stachel eines unbekannten Echi- 
niten, welcher in .dem Gororuss’schen Petrefakten-Werke, 
Heft II, Tab. 40., Fig. 5, abgebildet und Cidarites Bu- 
chii benannt ist; ferner einen neuen, sehr flachen E u om- 
phalus mit gegitterter Streifung, der einem Ammoniten 
sehr ähnlich sieht. Diess veranlasste mich, von diesen Ver- 
steinerungen, so viel als möglich, sammeln zu lassen. Nach- 
dem ich -einige Tausend Exemplare mit Einschluss der in 
dem Ferdinandeum zu/nspruck, so wie in dem dortigen Mi- 
neralien-Komptoir befindlichen Exemplare sorgfältig unter- 
sucht und gezeichnet hatte, war ich bemüht, die versechie- 
denen Geschlechter ‚und Arten so genau als möglich zu be- 
stimmen. 

Wenn gleich die meisten Individuen noch mit der na- 
türlichen Schale versehen sind, so kommen doch von vielen 
Arten nur Bruchstücke vor; die zweischaligen Muscheln 
sind so fest ‚geschlossen, dass nur selten ‚das Schloss zu ‚se- 
hen ist, und die einschaligen sind gewöhnlich an der Mund- 
Öffnung so ‚beschädigt , dass die Geschlechter nicht. immer 
genau zu bestimmen sind; viele waren auch so fest mit ver- 
härteter Mergel-Masse umgeben , dass nicht mehr die Schale 
selbst, sondern nur die äussere Gestalt erkannt werden 
konnte: daher es leieht möglich ist, dass bei der Bestim- 
mung einer oder der anderen Art ein Irrthum vorgefallen 
ist; ieh glaube jedoch im Ganze... wenigstens 43 Geschlechter 
und 128 Arten erkannt zu haben, wie aus der nachstehen- 
den Übersicht näher ersehen werden kann. Die genauere 
Besehreibung und Abbildung derjenigen Arten, von welchen 
ich vollständige Exemplare besitze, wird in dem Goupruss-- 
sehen Petrefakten-Werke erfolgen. Aus der Übersicht er- 
gibt sich: 


— 3 — 


1) dass unter den 128 zu erkennenden Arten Verstei- 
nerungen | 
an Zoophyten: 24 Arten, 
— Radiarien: 11 Arten, 
— Mollusken: 
a) Bivalven: 27 Arten, 
b) Univalven: 50 Arten, 
ec) Cephalopoden: 13 Arten 
befindlich waren, von welchen 112 Arten neu, und nur 16 
Arten abgebildet und beschrieben sind. 

2) Wenn gleich die Zahl der einschaligen Mollusken 
sehr vorherrschend ist, und man dadureh geneigt werden 
könnte, auf eine tertiäre Bildung zu schliessen, so bewei- 
set doch das Vorkommen von Ammoniten und der Man- 
gelallercharakteristischen Versteinerungen der neuesten 
Formationen, dass diese Bildung nicht zu den tertiären ge- 
zählt werden kann, sondern entschieden älteren ÜUr- 
sprungs ist. 

3) Auch zeigt sich bei genauer Prüfung der grossen Zahl 
Univalven, dass unter den vielen Arten von Tracheli- 
poden nur die Phytiphagen Lamaror’s, aber durchaus 
keine wahren Zoo phagen vorkommen, welche nach mei- 
nen bestätigten Beobachtungen erst sehr sparsam in der Lias- 
Formation anfangen zu erscheinen. | 

4) Der gänzliche Mangel an Goniatiten, Clyme- 
nien nob. (Planuliten Parx.), Trilobiten, Pro- 
duetus oder an andern charakteristischen Versteinerun- 
gen der Übergangs-Formation lässt mit grosser Wahrschein- 
lichkeit schliessen, dass diese Bildung jüngeren Ursprungs 
ist, als die Übergangs-Formation ; ; obgleich zu dieser das 
in der Übersicht bemerkte, jedoch nur selten vorkommende 
Orthocera elegans und Turritella prisea zu rech- 
nen seyn möchte; allein das Vorkommen von Orthoceren 
in einer jüngeren Formation ist in den Alpen keine neue 
Erscheinung, da bei allein und bei Aussee auch in der 

1* 


Bee 


Lias-Formatin Orthoceren, indessen ebenfalls selten, 
gefunden werden. j 

5) Charakteristische Versteinerungen der Kreide-Forma- 
tion, wie Hippuriten, Peeten quinquecostatus, 
Ostrea vesicularis, Exogyra columba, Belem- 
nites mueronatus ete., habe ich nicht darin entdecken 
können; nur ein paar Arten haben einige Ähnlichkeit mit 
Versteinerungen aus anderen Kreide-Formationen. 

Es würde hiernach die Formation, zu welcher das 
graue Kalkmergel-Lager bei St. Cassian zu zählen ist, in der 
älteren oder in der mittleren Flötz-Periode zu suchen seyn. 

Untersuchen wir zu diesem Ende die bisher gefunde- 
nen und bestimmten Arten genauer, so finden sich 
darunter: 

7 Arten, die im Muschelkalk , 

2 — — in der Lias-Formatien und 

6 — — in der Jura-Formation 
vorkommen. | 

7) Unter den oben bemerkten Versteinerungen der 
Lias- und Jura-Formatien finden sick 2 Zoophyten, 2 
Cidariten, 2 Nuceulae, 1 Turbo und 1 Turritella; 
allein keine einzige charakteristische Versteinerung dieser 
Formationen, wie z. B. Belemniten und eigentliche 
Ammeniten mit ausgezackten Loben und Sätteln, die zu 
der. Annahme berechtigen könnten, dass dieses Kalkmergel- 
Lager dahin zu rechnen seyn dürfte. 

.S) Dagegen zeigen sich bei der näheren Prüfung der 
7 Arten Versteinerungen, welche auch im Muschelkalk und 
Keuper anderer Gegenden vorkommen , 

a) Encerinites liliiformis Lamk. und Scarorn., En- 
erinites moniliformis Mirrer und Gororuss Tab. 53, 
Fig. S, und Tab.54, der als besonders charakteristisch für die 
Muschelkalk-Formation angenommen wird. 

b) Terebratula vulgaris (Scuuorueıms Nach- 
träge „ Tab. 57, Fig. 53, bc, 63, be und, S, 9), 
die sich in grosser Menge im Muschelkalk vorfindet,, und 


RAN LER 


oft ganze Felsmassen bildet. Auch bei St. Cassian kommt 
sie nieht selten vor; allein nur die kleinere Spielart, Te- 
reb. vulgaris minor, die ich sehr häufig im Westphä- 
löschen Muschelkalk , vorzüglich bei Bielefeld gefunden habe, 
wo sie — wie Terebratula vulgaris major bei 
Bayreuth, ganze Fels-Massen bildet. 

c) Nucula elongata und trigonalis, die im Mu- 
schelkalk bei Bayreuth häufig Familien-weise in zahlloser 
Menge vorkommen, 

d) Turbo socialis und Turbo. Helieikes, (Heli- 
eites turbilinus v.. SourLorurım Nachtrag Taf. 36, Fig. 
5); auch diese beiden Arten finden. sich in den oberen 
Schichten des Muschelkalks von Bayreuth. nicht selten Fa- 
milien-weise zusammengehäuft. 

'e) Myophoria acuticostata kommt mit Avicula 
socialis und Myophoria vulgaris häufig im Keuper- 
Sandstein von Hassfurth, Bamberg und Zweibrücken vor. 

S) Ausserdem könnte wohl auch die in der Übersicht 
bemerkte Avicula arcuata nur eine kleinere: Spielart 
von Avicula socialis (Mytilus socialis v. ScuLoru.) 
seyn, und zwischen den Stein-Kernen von Myophorien 
Brosn (Trigonellites Schrora.) im Muschel-Kalk kom- 
men einige vor, welche gerade die Gestalt der Myopha- 
ria linearis bei Sf. Cassian haben; dessgleichen schei- 
nen von den vielen Stein-Kernen ven Turritellen und 
Melanien im Muschel-Kalk mehrere zu den häufig bei 
St. Cassian noch mit der Schale vorkommenden Turritel- 
len und Melanien zu gehören. 

9) Nicht zu übersehen ist der Eurteliobe Mangel anBe- 
lemniten bei ${. C@ssian, deren Vorkommen bekanntlich 
bis jetzt in keiner früheren Bildung als in der Lias-Forma- 
tion mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, die aber 
in der ganzen Muschelkalk-Formation inel. buntem Sandstein 
und Keuper stets fehlen, so wie ebenfalls der Mangel an 
Gryphäen, Monotis substriata etc. 

10) Die in der Übersicht beschriebnen und abgebilde- 


Bam N 


ten Arten kleiner Ammoniten (Ceratiten) mit ge- 
wöhnlich schön opalisirender Schale, haben zwar äusserlich 
keine Ähnlichkeit mit den mir bekannten 4 grossen Arten 
Ammoniten (Ceratiten) aus dem Muschelkalk, son- 
dern seheinen beim ersten Anblick mehr der Jura - Forma- 
tion anzugehören, wo einige ähnliche Formen vorkommen; 
betrachten wir aber die Septa ihrer Kammern nach vor- 
heriger Entfernung der Schale, so zeigen sich fast die näm- 
lichen Arten von Loben und Sätteln, wie sie mir bisher 
nur ausschliessend in der Muschelkalk-Formation vorgekom- 
men sind, nämlich glatte Sättel und gezähnte Loben, mit 
Ausnahme der ersten kleinen Art, Cerat. glaucus, bei 
welcher zwar die allgemeine Form der Loben und Sättel wie 
bei allen andern Ceratiten ist, allein an den Loben sind 
keine Zähne oder Ausschnitte zu erkennen). Bei den übri- 
gen 7 Arten haben die Loben 2, 3, 4 oder 6 kurze Zähne. 
Es würden mithin diese Ammoniten zu den Ceratiten 
der älteren Flötz-Formationen zwischen dem Bergkalk und 
dem Lias gehören können. 

11) Da nun sowohl auf der südlichen, als auf der nörd- 
lichen Seite der aus Urgebirgen bestehenden Central - Axe 
der Alpen an verschiedenen Stellen sich der bunte 
Sandstein wie der Muschelkalk vorgefunden hat, so glaube 
ich, das graue Kalkmergel-Lager bei Si. Cassian um so 
mehr zu der älteren Flötz- Formation rechnen zu müssen, 
als nach der neuen geognostischen Karte der: Alpen von 
Ron. Ime. Murcnison zu der Abhandlung über die Struk- 
tur der östlichen Alpen von ihm und Professor And, Sepswick 
in den Transaclions vom Jahre 1832, in der Nähe 
von Brunechen der Red Sandstone und Magnesian 
Limesione auf dem Übergangs - Gebirge vorkommen soll. 
Überdiess erhielt ich unter den gesammelten Versteinerun- 
gen einige Stücke Kalkstein von Si. Cassian, welche im 
Bruch von dem Muschelkalk Norddeutschlands nur durch 


die darin vorkommenden Petrefakten zu unterscheiden sind. 


Übersicht 


der in dem Kalkmergel-Lager von St. Cässian 
gefundenen Versteinerungen. 


A. Zoophyta. 
I. Tragos. 
1) T. astroites, »0v. sp., hat einige Ähnlichkeit 
mit er stellatum. Gororuss Tab. 30, 
. Fig. 2 
1. a 
1) C. rotula Gororuss Tab. 6, Fig. 6 
2) C. propinquum, nov. sp., hat einige Ähnlich- 
keit mit der vorhergehenden Art, die Sterne si- 
' tzen jedoch auf knelligen. Massen.. 
3) EC. astroites Gouoruss Tab. 35, Fig. 8: 
4) C. gracile, nov. sp., hat Ähnlichkeit mit 
mecium Goupruss. 
Ul. Seyphia. 
1) S. capitata, nov. sp: 
- IV. Achilleum. 
1) A. granulosum, nov. Sp. 
.2) A. punctatum, nov. sp. 
3) A. rugosum, nov. sp. 
4) A. milleporatum, nov. sp.- 
V. Ceriopora. 
1) C. subramosa, nov. sp. 
VI. Flustra. 
1) F. elegans, nov. sp: 
VI. Cellepora. 
1) C. granulata, nov. sp: 
VII. Anthophyllum. 
1) A. caespitosum, nov. sp. 
2) A. compressum, nov. sp. 


ee 


3) A. pygmaeum, nov. sp. 
4) A. rugosum, nov. sp.. 
5) A. gracile, nov. sp. 
6) A. granulosum, nov. sp. 
IX, Lithodendron. 
1) L. elegans, nov. sp. 
Ausserdem noch 4 undeutliehe, nicht genau zu 
bestimmende Zoophyten. 
B. Radiaria. 
l. Cidarites. 
1) €. maximus nob. Goror, T. 39, Fe. 1. 
2) C. Blumenbachii, nob. Goror, Tab. 39, 
Fig. 1. 
3) €. Buchii, nob. GoLor. Tab, 40, Fig. 5. 


neue noch nicht bestimmte Arten, von welchen 
zur Zeit nur die Stacheln gefunden worden sind. 


na Na uı 


I. Enerinites. 

1) liliiformis Lamk., Store. (E. monilifor- 
mis MürtLer, GoLpr,) — Die vielen untersuchten 
Säulen-und Gelenk-Stücke sind von dem gewöhn- 
lichen E. liliiformis aus dem Muschelkalk nicht 
zu unterscheiden. Einen vollständigenKelch habe 
ich von Enneberg noch nicht gesehen. 

II. Apioerinites. | 

1) A? granulosus, nov. sp. 

Die Strahlen auf den Rädersteinen sind fein 
gekörnt, gleichen sonst aber denen des Ap iocr, 
rosaceus Goupr. 

Vom Kelche sind nur einzelne Theile vorhanden. 
IV. Pentacrinites. | 

1) P. propinquus, nov. sp., hat einige Ähnlich- 
keit mit P. moniliferus Goror. Tab. 53, 
Fig. 3. 


€. Annulata. 
I. Serpula. 
3:neue Arten. 
D. Mollusca. 
L Pecten. 
1) P. alternans, nob. Gouor. Tab. 88, A 11. 
I. Avicula. & 

1) A. gryphaeata, nov. sp. 

2) A. deussata, nov. sp. 

3) A. angusta, nov. sp. 

4) A. arquata? nov. sp., ist dem Mytilus so- 
cialis v. Scuroru. aus dem Muschelkalk sehr 
ähnlich. 

II. Trigonia. 
1) T. linearis, nov. sp.,, an $ Myophoria 
Bronn, 
IV. Gervillia. 
3 neue Arten, 
V. Nucula. 
4 neue Arten, von welchen jedoch 2 Arten ana- 
log im Lias und 2 andere im Muschelkalk 
vorkommen, 
‚VI Cucullaea, 
. 2 neue Arten. 
VIL Cardium. \ 

I)C,acuticostatum, n00, sp,, an Myophoriat 
Bronx. Im Keuper-Sandstein von Bamberg und 
Hassfurth kommt die nämliche Art häufig vor. 

VIH. Cardita. 

1) €. decussata, n0v, sp., sehr ähnlich der C. 
lunulata Sow. Tab. 232, Fig. i, 2. Längen- 
Striche durehschneiden die @uerstreifen. 

IX. Isocardia. 

1) ? Zwei Arten, von welchen eine neu, die andere 
aber der I. minima Sow. Tab. 295, Fig. 1 sehr 
ähnlich ist. 


Ba | a 


X. Astarte. 

1) A. deeussata, Nov. Sp, am Venericar- 

dium? 
XI. Lucina. 

1) ? nov. sp., hat einige Ähnlichkeit mit L. colum- 
bella Lamk. und u ist aber viel feiner ge- 
streift. 

XI. Terebratula. 
1) T. vulgaris v. Scurorn. ver. minor, kommt 
sehr häufig im Muschelkalk vor. Ferner 
4 neue, noch nicht bestimmte Arten, 

XI. Orbieula. 
. . D ? nov. spec. 

XIV: Dentalium. 

1) D. undulatum, nov. sp. 

2) D. decoratum, nov, sp. 
XV. Emarginula. 

1) E. cancellata, nov. sp., ähnlich der E. ela- 

thrata Sow. Tab. 519, Fig. 1 
XVI. Patella. 
1) P. eostulata, nov. sp. 
XVI. Pileopsis. 
1) P. pustulosus, nov. sp. 
XVIM. Turbo. 

1) Helicites nod., Helieites turbilinus v. 
Scarorn., findet sich auch im Muschelkalk. 

2) T. socialis, nov. sp,, kommt Haufenweise 
im Muschelkalk vor, 

und S neue Arten, 
XIX. Monodonta: 2 neue Arten. 
XX. Sigaretus: 3 neue’ Arten. 
XXI Euomphalus (an. Delphinula?): 3 neue 
Arten. 
XXU. Trochus: 7 neue Arten. 
XXI. Neritina: 4 neue’ Arten. 


ER A 
XXW. Turritella. 


1) T. nuda, kommt auch in den Lias- Mergelu vor. 
2) T. prisea, kommt auch im älteren Übergangs- 
"Kalk bei Elbersreuth mit Orthoceratiten vor. 
XXV. Melania: 12 Arten, die sämmtlich neu zu 
seyn scheinen. Eine Art hat einige Ähnlichkeit 

mit Terebra? vetusta Phi. 

XXVI. Rissoa: 3 neue Arten. 

XXVI. Orthocera. 

1) O. elegans, eine sehr kleine, neue Art. 

XXVIN. Nautilus: 2 sehr kleine, ganz eigenthüm- 
liche Arten, 

XXIX. Ammonites. Die nachstehenden Arten gehö- 
ren, in so weit die Loben und Sättel durch Ent- 
fernung der gewöhnlich opalisirenden Muschel- 
Schale sichtbar sind, der Abtheilung Ceratiten 
mit glatten Sätteln und gezackten Loben an, und 
möchten in dieser Beziehung einer besonderen 
Aufmerksamkeit werth seyn, da sie einen An- 
halts-Punkt zur Bestimmung des relativen Alters _ 
dieses Kalkmergel-Lagers bieten. Desshalb, und 
da überhaupt noch so wenig Ceratiten bekannt 
sind, habe ich die verschiedenen Arten mit eini- 
gen Varietäten auf den beifolgenden Tafeln ab- 

. bilden lassen; nämlich: 
1) A. (Ceratites) glaueus: Tab. I, Fig. 1 
a, b, c, d. 

Er ist sehr flach, diseoid, wenig involut, und 
hat bei vollständigen Exemplaren 5 Umgänge. Die 
Schale scheint glatt, zeigt aber durch die Lupe 
eine feine Streifung, die ohne Biegung über den 
Rücken läuft. Sie scheint sehr klein zu bleiben. 
Die Kammer-Wände stehen sehr nahe zusammen; 
der breite Dorsal-Lobus hat einen flachen Sattel 
in der Mitte; er ist nur halb so tief, als der 
Zungen-förmige Lateral-Lobus; der Lateral- und 


Ventral-Sattel ist, (wie bei allen nachfolgenden 
Arten) Bogen-förmig, der Ventral-Lobus vertieft 
Bogen-förmig. Weder die Lateral-Loben, noch 
die Sättel zeigen ausgezackte oder gezähnte Rän- 
der, sondern nur derbreite Dorsal-Lobus hat 
eineu gewölbten Einschnitt; erstere er- 
scheinen glatt und unzertheilt, wie bei den @ o- 
niatiten, zu welcher Abtheilung diese Art den 
Übergang bildet. 

2) A. (Cerat) Beotus, Taf. I, Fig.2: a—d. Er 
ist flach, discoid, wenig involut und hat 5 lang- 
sam abnehmende , schmale Windungen, mit run- 
zelig gefalteter Schale; zwischen diesen feine 
Streifen; der Rücken ist flach, vorzüglich auf 
der letzten Windung 


59 
kleiner Knötchen zeigt, zwischen denen die fei- 


welche zwei Reihen sehr 


nen Streifen tief rückwärts gebogen sind. Die 
Kammer- Wände stehen weit von einander; der 
breite Dorsal-Lobus hat einen tiefen Ausschnitt 
in der Mitte: er ist um ein Drittheil tiefer als 
der Lateral-, und dieser wieder 4 tiefer als der 
Ventral-Lobus; beide haben einen kurzen Aus- 
schnitt, der zwei Zähne an jedem Lobus bildet. 
3), A. (Cerat.) Busiris, Tab. I, Fig. 3: a—d. 
Er ist discoid und so involut, dass zwar die 
sämmtlichen 5 Windungen sichtbar, allein von, 
den 4 innern Windungen drei Viertheile verhüllt 
bleiben. Die opalisirende Schale hat Wellen-för- 
mig gebogene Falten oder Rippen, und zwischen 
diesen eben so gebogene, feine Streifen. Zuwei- 
len zeigen sich auf den Rippen -einzelne Knoten. 
Die Rippen endigen von beiden Seiten mit einem 
abgerundeten Knoten. Die Kammer - Wände ste- 
hen nahe bei einander. Der breite Dorsal-Lo- 
bus hat in der Mitte einen tiefen Ausschnitt, ist 


eben so tief als der Zungen-förmige Lateral, wel- 


ee 


cher wie der kürzere ungleichseitige Ventral-Lo- 

bus zwei kurze Ausschnitte hat, die drei kleine 

Zähne bilden, von welchen der mittlere der 

längste ist. 

4) A. (Cerat.) Aon, Tab. I, Fig, 4: a—d. Er 

ist discoid, fast ganz involut, so, dass der enge 

Nabel an der Achse kaum die inneren 3 — 4 Win- 

dungen zeigt. Auf. den nahe zusammenstehen- 

den, sehr erhabenen Rippen ist &ne dichte Reihe 
von S—12 scharfen Knötchen. In den tiefen 

Zwischen-Furchen sind keine Streifen, wie bei der 

vorigen Art; auf dem vertieften Rücken laufen 

zwei gleiche Reihen Knötchen. ' 

Die Kammer - Wände und Loben scheinen von 
denen des Cer. Busiris nicht verschieden zu 
seyn. \ 

b) A. (Cerat.) Aon, var. difformis, Tab. I, 
Fig. 5: a—d, ist eine Spiel-Art, welche sehr 
dick und daher mehr rund als discoid erscheint. 
Rippen und Knoten stehen weiter auseinander, 
und sind nicht so spitz. Diese Varietät bildet den 
Übergang zum ©. Brotheus. 

ec) A. (Cerat.) Aon, var.? punetatus. Von 
dieser Spielart besitze ich nur Bruchstücke mit 
fast glatten Rippen , die weniger erhöhete Punkte 

und in den Furchen schwache, vertiefte Grüb- 
chen haben. 

d) A. (Cerat.)Aon, var.? bipunetatus. Bruch- 
stücke dieser dritten Spielart zeigen auf den schar- 
fen Rippen 5 bis 6 Reihen Paar-weise stehender 
kleinen Knötchen. 

5) A. (Cerat.) Brotheus, Taf. I, Fig. 6: a —d. 
Er ist völlig involut, noch Kugel-förmiger , als der 
Cer. Aon., und bleibt kleiner, Der Rücken ist 
gewölbt, auf den Rippen sind nicht so viele, aber 
dickere Knoten. 


u 


Die Kammer-Wände sind nicht sichtbar. Es 
ist möglich, dass diese Art nur eine ausgezeich- 
nete Varietät der vorigen bildet, obgleich sie we- 
sentliche Verschiedenheiten von den Varietäten 
Aon punetatus und bipunctatus bietet. 


6) A. (Cerat.) Acis, Taf. II, Fig. 7: a,b. Er 


7 


ist mehr discoid, als rund, sehr involut, so dass 
3 Viertheile der innern Windungen verhüllt blei- 


‘ben. @Die Schale hat feine, jedoch sehr scharfe, 


Wellen-förmige Streifen, von welchen einige ge- 
gen den Rücken 2- bis 3-gabelig werden, sich 
dann tief, fast Zunger-förmig auf dem eingedrück- 
ten Rücken zurückbiegen. In weiten Zwischen- 
räumen hat die Schale schwache Furchen. (In 
der Abbildung sind die Streifen nicht stark ge- 
nug, und die Kammer- Wand ist unrichtig ge- 
zeichnet). ' 

Die Kammer-Wände sind bei den untersuchten 
Exemplaren sehr undeutlich , scheinen aber wie 
bei dem Ceratites Achelous zu seyn. 


) A. (Cerat.) Achelous, Taf. U, Fig. S: a, 


b, ec. Er ist, wie der vorhergehende, mehr dis- 
coid, als rund und eben so involut, aber die 
Schale ist nicht, — wie in der Abbildung unrich- 
tig angedeutet, — gestreift, sondern glatt, nur 


"gegen die Achse sind schwache Eindrücke und ein- 


zelne Wachsthums-Streifen sichtbar, welehe aber 
auf dem ganz glatten, abgerundeten Rücken nicht 
vorhanden sind. 

Die Kammer-Wände stehen nah zusammen. Der 
Dorsal-Lobus, welcher einen flachen Ausschnitt 
hat , ist nicht breiter, aber kürzer, als der Late- 
ral; der Ventral-Lobus ist flach und breit. Die 
beiden letzteren haben in der Mitte zwei kurze 
aber scharfe Zähne, und auf der Seite zwei etwas 
kürzere, mithin 4 Zähne und 3 Ausschnitte. . 


I a 
8) A. (Cerat.) Agenor, Taf. H, Fig. 9: a, b. Die- 


ser in der Sammlung des Ferdinandeum zu Inn- 
spruck befindliche Ceratit mit glatter Schale ist 
discoid, sehr involut und zeichnet sich vorzüglich 
durch seine Kammer - Wände aus, welche einen 
sehr breiten, in der Mitte sehr tief, einfach und 
an den Seiten zweimal ausgeschnittenen Rücken- 
Lobus, zwei fast gleiche Lateral-Loben mit 6 Zäh- 
nen am Rande und einen Ventral-Lobus mit 3 Zäh- 
men haben, und daher den Kammer-Wänden der 
bekannten Ceratiten aus dem Muschelkalk sehr 
ähnlich sind. 

9) A.(Cerat.) Eryx, Taf. II, Fig. 10: a, b, e. Er 
ist discoid, sehr involut, die Schale hat Wellen- 
förmig gebogene Rippen, welche nach vorn in ei- 
nem spitzen Winkel zusammenlaufen, und eine er- 
höhete Rücken-Linie bilden. 

10) A. (Cerat.)? eingulatus, Taf. 1, Fig. 11: a, 
b, ec. Dieser zierliche Ceratit ist discoid, we- 
nig involut, und hat eine fast Zirkel-runde Mund- 
Öffnung; die Schale: ist ungewöhnlich dick, mit 
starken, weit ‚auseinander stehenden, ringförmi- 
gen Rippen umgeben, bleibt aber sehr klein. Bei 
3 Exemplaren meiner Sammlung war wegen der 
dicken Schale die Form der Loben nicht zu er- 
kennen. 

Ausser diesen Arten scheinen nach den untersuchten 
Bruchstücken noch mehrere Species bei St. Cussian vor- 
zukommen. | 


Über‘ 
ur Syenite und Diorite in den Umge- 
bungen' von Cieszyn , 


von 


Herrn Professor ZEUSCHNER. 


Am nördlichen Fusse der Karpathen. in einer anmuthi- 
gen Gegend liegt Cieszyn (Teschen), umgeben mit üppig be- 
waldeten Hügeln. Es ist ein grauer Kalkstein, der diese 
zusammensetzt und sich von Kenty über Beata nach Cieszyn 
und weit in Mähren hinein zieht. Anfangs bildet er nur 
einen schmalen Zug, ‘aber je weiter südlich, um desto 
breiter wird derselbe. Der Kalkstein ist dicht ,. von lichte 
gelblichen und graulichen Farben ; in der Gegend von Cier- 
licko (Zierlizko) und Kocobenc (Kozobenz) aber wird er grau 
und körnig. An diesem Orte finden sich Versteinerungen 
darin, aber. so fest verwachsen mit der Felsart, ‘dass die 
Species nur sehr schwierig bestimmbar sind. 'Gryphiten 
finden sich unbezweifelt dabei. Bei Beata und Bielsko ent- 
deckten wir, Hr. Pusch und ich, auf einer Reise, die wir 
diesen Sommer in die Karpalhen machten, im Kalksteine, 
besonders in den schieferigen Abänderungen, Fueoiden 
und darunter F. Targionii An. Bronenıarr. 

Im Kalksteine von Cleszyn finden sich unter ehe 
Lager von Schieferthon und von schiefrigem Sandstein, koh- 
lenschwarze Schiefer mit eingesprengtem Schwefelkies bei 


ADSNeEr NUR 


Grodziszcze, nicht fern von Skoczow (Skotschau). An vie- 
len: Punkten in der zuletzt genannten Gegend trifft man 
viele Eisen-haltige Kalksteine, die verschmolzen werden, ge- 
wöhnlich aber ist; die Felsart arm an Erzen. Bei Ustron, 
: Skoezow' wird Bergbau betrieben. Hr. v. OrynHausen rech- 
net..den ‚kleinen Zug des Kalksteins gegenüber /nwald zur 
Cieszyner Formation *), Es ist ein weisser derber Kalk- 
stein- mit häufig eingewachsenem Kalkspath, der sich an 
manchen: Stellen. auch in seltenen Krystallisationen zeigt.‘ 
Petrographisch betrachtet hat der /nwalder Kalkstein keine 
‚ Ähnlichkeit. mit dem Ciescyner, aber viel Übereinstimmen- 
des mit: dem Krakauer Jura-Kalk; obwohl ‘auch zwischen 
beiden ‚sich. wesentliche Unterschiede finden. Der Jura - 
Kalk von Krakau führt nur sehr selten Kalkspath; aber oft 
kommen Nieren und Knollen, selbst dünne Lager von Feuer- . 
stein vor, welche man nie’ im Inwalder Kalksteine gefunden. 
Diese. drei verschiedenen ‚Kalksteine sind ganz heterogen. 
Die Kalksteine bei Krakau sind Jura- Kalk: ‘Über das Al- 
ter. der Cieszyner Gebilde will ich nicht entscheiden, indem 
meine zu kurze Beobachtungen hier nieht ausreichen; Fu- 
coides-Targionii und die @ryphiten weisen indessen 
auf ein‘ jugendliches Alter hin. Was den letzten Kalkstein 
betrifft, dessen schroffe Klippen gegenüber /nwald hervorra- 
gen, so ist derselbe ein untergeordnetes Lager im Karpathen- 
Sandstein, denn seine Felsen werden von allen Seiten durch 
den Sandstein eingeschlossen. Südlich ‘sind zwar schwarze 
und braune schiefrige Sandsteine und Thonschiefer- artige 
Gebilde vorhanden, die ‚manchmal Ähnlichkeit zeigen mit 
Grauwacke-Schiefer; im Norden aber zieht sich noch eine 
Meile weit mürber Karpathen-Sandstein, dessen anstehende 
Felsen gut. zu beobachten sind. ey 
Somit unterliegt es keinem Zweifel, dass dieser weisse 
Kalkstein nicht zum Übergangs - Gebirge gerechnet werden 


*)  Geognost. Beschreib. von Oberschlesien. 


Jahrgang 1834. 2 


kann, sondern ein untergeordnetes Glied des Karpathen- 
Sandsteins ausmacht. Er beschränkt sich übrigens nicht auf diese 
Stelle; Lirv v. Liıensacn und Pusch erwähnen Kalksteine 
bei Sygneczow. ( Sygnetzow); im Berge von Mogilany  ent-: 
deekte ich mitten im Sandsteine Kalkstein - Lager; die voll‘ 
kommen übereinstimmen mit denen von Inwald.‘ Zieht man‘ 
eine Linie auf der Karte durch die drei benannten ‘Punkte, 
nämlich durch /nwald, Mogelany und Sygneczow, so wird: 
diese ziemlich gerade ausfallen, und ich glaube, dass die‘ 
Kalksteine ununterbrochen fortlaufen , und nur durch ter- 
tiäre Gebilde bedeckt sind. Dieser neue Zug würde: also 
parallel seyn mit dem, welcher ‚auf der anderen Seite der’ 
Bieskiden sich befindet, heim Dorfe Czarny Dunajec anfängt 
und gegen Osten fortläuft über Szaflory ‚"Ozorsziym, das 
Gebirge Piening ausmacht und dann nach Ungarn sich: wen- 
det. Die Breite der Bieskiden ist durch: beide 'Kalk- Züge 
genau angegeben, ihre Länge aber bis jetzt auf eine so un 
stimmte Weise nicht bezeichnet. real il 

Wie wir schon bemerkten, liegt Cieszyn (Teöbken) um- 
geben von Hügeln grauen Kalle als untergeordnete Glie- 
der zeigen sich in dieser Formation schiefrige Kalkmergel 
und Sandsteine, und schiefriger Thon macht ‘ganze: Hügel 
aus. Aus diesen Gebilden treten als ch SEHR und 
Diorit hervor. 

“Wo Syenite oder Diorite die rel EREON: ‚hei 
rühren, da ist eine unverkennbare Veränderung in letztern 
zu beobachten. Der Kalkstein erscheint körnig, die schie- 
frigen Kalkmergel und Sandsteine werden viel fester; dünne 
Schichten von Kalkspath sind darin ausgesehieden; ihre 
graueren Farben verwandeln sieh in bunte: gelbe, rothe und 
grüne Streifen wechseln mit einander, so dass Ähnlickeit mit 50- 
genanntem Band-Jaspis entsteht. Die sehiefrigen Thone wer- 
den hart und dunkelgrau, fast schwarz. BRIFT 

Das Vorkommen der Syenite und Dis ist ch 
abnorm. Sie bilden keine zusammenhängende ‚Berge, nur 


a 


hie und da sieht man sie in einzelnen Stöcken zwischen 
die Schichten des Mergels eindringen, so dass es scheint, 
als wären sie mit denselben abgelagert; aber diess ist nur 
Täuschung, denn theils keilen sich ihre Schichten aus, theils 
heben sie sich in die Höhe und durchbrechen die Rue [CN 
Gesteine, gleich den basaltischen Gängen. 

Der Syenit ist grobkörnig: weisser, seltner röthlicher 
deutlich blättriger Feldspath, und schwarze Hornblende sind 
die Gemengtheile.. Fremde Einmengungen fand ich nicht. 
Hr. v. Orynuausen *) will darin Kalkspath gesehen haben; 
mir gelang es nicht, dieses Mineral zu entdecken, obwohl 
ich sehr viele Stücke mit Säuren prüfte: darum bin ich ge- 
neigt zu glauben, dass der weisse Feldspath dafür gehalten 
worden. Manchmal scheiden sich Kugeln von Hornblende 
aus, die zuweilen die Grösse einer Faust erreichen. Der 


Syenit ist nicht geschichtet, nur zufällige Sprünge ziehen‘ 


sich durch das ganze Gestein. Er ist im Allgemeinen sehr 
fest; manche Abänderungen aber, besonders die, welche in 
Berührung mit der Atmosphäre stehen, sind zersetzt, und 
zerfallen in Grus. Der Feldspath wird früher zerstört und 
die Hornblende-Krystalle lassen sich sodann aus der Masse 
leicht herausklauben, jedoch haben sie auch an Frische ab- 
genommen. 

Die Diorite sind von dunkelgrüner Farbe und feinkör- 
nig, so dass man die Bestandtheile nicht unterscheiden kann. 
Weisse Kalkspath- Adern durchziehen manchmal das ganze 
Gestein, und es scheint, dass dieses Fossil sich inniger mit 
dem Diorit verbindet, denn gewöhnlich brauset er stark mit 
Säuren. Ob es Felsart die Hemithrene von Ar. Bronc- 
NIART ist, will ich nicht entscheiden. Der Kalkspath er- 
scheint auch in der Diorit-Masse in Erbsen-grossen Kugeln, 
und wenn diese sich anhäufen, so geht das Gestein in den 
sogenannten Kugelfels (Hausmann) über. Der Diorit ist gleich 


*) Geosnost. Beschreib. von Oberschlesien p. 333. 
D 


„er 


er. 


dem Syenit nicht geschichte. Oxynuausen fand ihn bei 
Bacanowice ( Bazanowize) konzentrisch kugelig abgesondert. 
Der Durchmesser der Kugeln beträgt mitunter einen Fuss, 
aber er vermindert sich auch bis zu einem Zoll. Der Dio- 
rit widersteht der Verwitterung sehr, aber in unmittelbarer 
Berührung mit andern Felsarten und an höheren Punkten 
zerfällt er leichter. _ 

Im Allgemeinen nimmt der Diorit die höheren Punkte 

ein, der Syenit die niedrigeren. 

Bei Stanislawic, einem nahe bei Cieszyn gelegenen Dorfe; 
ist ein verlassener Steinbruch, wo die feurige, Entstehung 
des Diorits sehr deutlich ausgesprochen ist. - In der ganzen 
Umgebung herrscht ein derber, grauer Kalkstein; an dem 
erwähnten Orte werden seine Schichten durchbrochen vom 
‚Diorit, der sich nicht ergiessen konnte, indem eine Fuss 
dicke Schicht von schwarzgebranntem Mergelkalk denselben 
bedeckt. Der mit dem Diorit in unmittelbarer Berührung 
stehende Kalkstein ist in einen grobkörnigen, blauen Kalk - 
Marmor umgewandelt; das körnige Gefüge verliert sich aber, 
je mehr man sich. vom Diorit entfernt, und in einer Weite 
von 15 Schritten erscheint wieder der gewöhnliche, dichte 
Kalkstein. Die Schichtung hat keine merkliche Störung er- 
litten. Der Steinbruch von Sianislawie gleicht vollkommen 
dem Berge Canzocoli bei Predazzo; nur sind die Verhält- 
nisse amı letzt genannten Punkte in viel grösserem Maas- 
stabe entwickelt. Des Canzocoli Höhe wird gegen tausend 
Fuss über Predazzo betragen; die eine Hälfte besteht aus 
Granit, die andere aber aus weissem Marmor, dem Carrari- 
schen völlig gleichend. In der Höhe wird der Kalk grob- 
körniger und blau. Diese Farbe stimmt, ganz überein mit 
jener des Marmors von Stanislawic. Woraus besteht das Pig- 
ment? Ist es vielleicht ein organischer Stoff, der dieselbe 
Farbe beim Anhydrit und anderen Mineralien veranlasst. 
In einer Strecke von einigen Tausend Fuss verliert sich das 
spathige Gefüge des Marmors und es "tritt gewöhnlicher 


Kalkstein auf, wie er-sich an so vielen Punkten im Val di 
Fiume findet. 

Ähnliche Umwandlungen des Kalksteines kann man be- 
obachten auf dem Plateau des Berges, der am nächsten bei 
Cieszyn liegt. Diorit ist bis in die Höhe vorgedrungen. 
Seine Farbe unterscheidet ihn deutlich von den angrenzen- 
den Gesteinen: er ist ganz verwittert und in kleine Stücke 
zerfallen; der Kalkstein ist in jener Höhe zu blauem, grob- 
körnigem Marmor geworden; die schieferigen Thone aber 
erscheinen schwarz und hart gebrannt. Nichts unterschei- 
det also diese beiden beschriebenen Punkte, obgleich am 
letzteren: die Verhältnisse nicht so klar aufgedeckt sind. 
Besonders deutlich erweisst sich der feurige Ursprung des 
Diorites am Abhange des Berges in der Richtung gegen 
Wyzsze Pastwiska (Wischsche Pastwiska). Der grosse Stein- 
bruch, welcher gerade stark betrieben wurde, liess Hrn. 
Pusc# und mir keinen Zweifel über den vulkanischen Ur- 
sprung des Diorites. Er durchbricht den schieferigen Kalk- 
mergel und schieferigen Sandstein, hat sich aber nieht über 
die festen Schichten ergossen, sondern ist zwischen dieselben 
eingedrungen, und bildet da drei paralelle Lager, 2—3 Fuss 
mächtige. An einem nicht aufgedeckten Ende findet sich 
Diorit in Masse, und es scheint, dass von hier die flüssige 
Lava eingedrungen ist zwischen die neptunischen Ablage- 
rungen. In diesem Steinbruche hat der Diorit seine grüne 
Farbe meist verloren, gewöhnlich findet er sich von hell- 
grauer Farbe, und hat mehr ein erdiges, als körniges Ge- 
füge: öfters sieht man Kalkspath ausgeschieden. Diese Um- 
wandlung des Diorites scheint wohl durch die bedeutende Auf- 
nahme von kohlensaurer Kalkerde hervorgegangen zu seyn; 
dieses beweisst das starke Brausen mit Säuren. Vor dem 
Löthrohre zeigt sich diese Abänderung leicht flüssig, und 
gibt eine schwarze Perle. Schwefelkies findet sich öfters 
eingesprengt, an manchen Stellen häuft er sich bedeutender an, 
und bildet kleine Schichten. Ausser dem Schwefelkies findet sich 


a 


ein rothes Fossil mit deutlich blättrigem Bruche;; es ist theils 
einzeln eingestreut, theils häuft es sich an und durchzieht 
das Gestein in gewissen Richtungen. Es hat viel Ähnlich- 
keit mit Glimmer; ob es damit identisch ist, kann nicht ent- 
schieden werden wegen der kleinen Quantität, die aufge- 
funden war. | 

Die mit dem Diorit wechsellagernden Schichten, beste- 
hend aus schieferigem Kalkstein, Kalkmergel und zum Theil 
aus Sandstein, sind vollkommen durchgebrannt und in ein 
festes Gestein umgewandelt; die Farbe ist auch verändert: 
man sieht schöne gelbe und grüne Streifen; letztere werden 
durch die Diorit-Masse bewirkt, und namentlich durch Horn- 
blende. Die abwechselnden bunten Farben, wozu noch ei- 


.nige graue treten, geben dieser gebrannten Masse ein sehr 


angenehmes Ansehen. Zuweilen dringen kleine Lagen von 
Kalkspath ein; seltener finden sich dünne Lagen von Schwe- 
felkies, die dem Diorit anzugehören scheinen, 

Der grosse Steinbruch von Wyzceze Paslwiska besteht 
aus folgenden Schichten: der oberste Theil aus Damm- 
erde; sodann folgt eine dünne Schichte von schwarzem schie- 
ferigen Letten; darunter liegt ein grünliches kalkiges Ge- 
stein, vom Diorit gefärbt, als eine vielfach gesprungene mas- 
sige Schicht. Nun folgen Schichten von gebrannten Schie- 
fern, mit deutlich erhaltener Schichtung. Darunter kommt 
die erste Lage von Diorit, die sich mit der zweiten verbin- | 
det: zwischen beiden liegen die erwähnten Schiefer, wie 
auch zwischen ihnen und der dritten Diorit- Lage. 

Die Schiefer sind auf ähnliche Weise umgewandelt, 
wie die Sandsteine der blauen Kuppe bei Eschwege: ebenso 
drang hier die Diorit-Masse zwischen die Schichten, wie 
dort der Basalt. 

. Am Fusse desselben langgestreckten Berges, dicht am 
Dorfe Bogueice ( Bogjuzize) sieht man eben so deutlich die 
Umwandelung neptunischer Gesteine; sie sind ‘ähnlich denen 
im grossen Steinbruche. Nicht nur die Veränderungen an 


den wässrigen Weederschliden treten hier deutlich hervor: 
man sieht auch, wie aus Syenit Diorit wird. Der Syenit 
von Bogueice ist grobkörnig, die schwarzen Hornblende- 
Säulen laufen strahlig auseinander und walten vor. Je hö- 
her das Gestein aufsteigt, desto kleiner werden die Körner 
und unmerklich wird es zu einem deutlichen Diorit, mit dem 
Unterschiede, dass in den niedrigeren Theilen ein gröberes, 
in den höheren ein kleineres Korn sich findet. Es scheint 
daraus zu folgen, dass die flüssige Syenit-Lava, indem sie 
kalkige oder mergelige Gebilde berührte, diese in sich aufge- 
lösst und sich so in Diorit verwandelt hat. Durch 
diese Verbindung aber erkaltete dieselbe zum Theil und 
hatte nur noch so viel Wärme, um die nicht aufgelössten 
Gesteine durchzubrennen. 

Ähnliche Verbindungen von Syenit und Diorit, die in 
Berührung mit Kalkstein stehen, finden am Monzoni - Berge 
Statt, den ich im J. 1828 bestieg, wo ich die vortreffliche 
v. Buch’sche Beschreibung vollkommen bestätigt fand. Blaue 
hörnige Kalksteine mit vielen eingeschlossenen prächtigen 
Fossilien, nämlich Pleonast, Idokras, Fassait ete., bilden 
das oberste Lager. Das erste Mineral ist der oberen Kalk- 
stein-Schichte, Idokras und Fassait den unteren eigen. Zwi- 
schen ‘diesem Kalksteine und dem deutlichen Syenite, der 
den Fuss und einen grossen Theil des Abhanges der Monzon:- 
Alpe bildet, findet sich ein Mittel- Gestein zwischen Diorit 
und Serpentin: an seiner Grenze aber zeigt der Syenit 
ein unverkennbares Schwanken: das Korn wird kleiner, 
weniger deutlich krystallinisch und stark zersetzt; man er- 
blickt noch weisse Feldspath-Punkte, bis er endlich zu Dio- 
rit wird. 

Es ist wohl möglich, dass alle Diorite Deuischland's, 
Schottland's u.s.w. aus Syenit entstanden sind: durch Auf- 
nahme von Kalkstein. Die krystallinische Syenit - Masse 
konnte nieht auskrystallisiren,, indem ein neuer Bestandtheil 
hinzugetreten. Gewöhnlich haben Diorite eingesprengten 


eo 


Kalkspath, oder machen einen Übergang in Diorit- Mandel- 
stein (Hausmann’s Kugelfels), dessen Mandeln, mit Kalkspath 
ausgefüllt, durch eine bedeutende Anhäufung des Kalkes 
entstunden. Von wenigen Geologen wird bei dem jetzigen . 
Stande der Wissenschaft bezweifelt, dass Syenit und Dio- 
rit pyrogener Natur sind; es können also gar wohl beide 
gleichzeitig gebildet seyn und nur verschieden erscheinen, 
indem einige, welche mit Kalkstein in Berührung kamen, 
zu Diorit umgewandelt wurden, andere aber, welche die- 
ses Material nicht bei ihrem Durchbruche trafen, Sye- 
nit blieben und so in die Höhe stiegen. | 

Dieselben Umwandlungen geschichteter Besteitte wie 
man sie bei Cieszyn so deutlich sieht, finden sich in der 
‘ Umgebung an vielen Orten; nur treten die geognostischen 
Verhältnisse nicht so klar hervor. Einige genauer beobach- 
tete will ich erwähnen. Bei Kozobenz, bei der Schanze 
dicht am Schlosse, trittDiorit hervor. Der schieferige Thon 
ist hier schwach gebrannt und schwarz. Der Diorit zeigt 
sich sehr kalkreich, und am Ende des ‚Dorfes Kozobenz 
wird er zu Kugelfels oder Diorit-Mandelstein. Bei Grod- 
ziszcze ( Grodschitsche), wo thoniger Sphärosiderit zu Tage 
gefördert wird, der im Kalkstein eingelagert ist, brieht an 
zwei Punkten Diorit hervor; an einem ist er ee 
am anderen von gröberem Korne. 

Schliesslich will ich noch eines Phänomenes gedenken, a 
für den ersten Blick in keinem Zusammenhang mit den Dio- 
riten zu stehen scheint. Ich meine den Karpathen-Sandstein 
der Bieskiden, der von Cieszyn bis weit hinter den Aus- 
fluss der Raba eine südliche Schichten - Neigung zeigt. An 
einigen Stellen sind die Schichten beinah auf dem Kopfe 
stehend, und dieses Einfallen dauert bis zum Fusse der 
Tatra, wo sie theils horizontal liegen (.Zakopanae), theils 
sehr zerrüttet sind (Poronin). Der Diorit findet sich am 
nördlichen Fusse nicht nur bei Cieszyn, sondern auch an 
anderen Punkten. Bei Sygnecszow, einem unfern Wieliczka 


_- 23 — 


gelegenen Dorfe in hügeliger Gegend, hat Pusch viele 
Diorit- Blöcke beobachtet. Weiter gegen Osten ist ein 
Trachyt - Kegel, der Berg Kwiatkowka bei Szczawnica 
(Schawniza). Das Gestein besteht aus Feldspath (Ryako- 
lith®) und deutlichen Krystallen von Hornblende, und hat 
Vieles gemein mit dem Syenit von Bogueice. Zieht man 
eine Linie über Cieszyn, Sygneczow und Szczawnica, so 
wird sie ziemlich gerade ausfallen. Sollte nicht das süd- 
liche Einschiessen des Karpathen-Sandsteins in den Bieski- 
den durch die erwähnten Felsarten bewirkt werden 


Kurzer Bericht 
über 


die in der mineralogisch-geologischen Sek- 

tion der Versammlung der Deutschen Na- 

turforscher im September 1833 in Breslau 
abgehandelten Gegenstände. 


(Eingesandt. ) 


Die mineralogisch-geologische Sektion bei der Versamm- 
lung der Deutschen Naturforscher in Breslau (im Septem- 
ber 1833) hat im Ganzen 6 Sitzungen gehalten, welche alle 
sehr zahlreich besucht waren und eine grosse Thätigkeit 
entwickelten. Durch die hohe Theilnahme Sr. Exe. des - 
Herrn Grafen K, v. STERNBERG und Sr. Exc. des wirklichen 
Geheimen Rathes Herrn Ar. v. HumsoLor wurden dieselben 
ganz vorzüglich belebt und lehrreich gemacht. 

Von den in diesen Sitzungen abgehandelten Gegenstän- 
den ist Folgendes ein ganz kurzer, übersichtlicher Bericht, 
nach den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft geordnet. 

1. (Krystallographie und Mineral-Physik.) 
Einen krystallographischen Vortrag hielt Prof. FrAnkenneım, 
dessen Gegenstand die Ausbildung der Krystall- Reihen und 
deren Verhältniss zu den Kohäsionsgraden war. — Über 
verschiedene Einschlüsse in Chalzedon und Berg - Krystall 
theilte Prof. GLocker einige Bemerkungen mit, unter Vor- 
zeigung von Exemplaren beider Mineralien. von denen ein 


u 


Berg-Krystall kleine isolirte, vollkommen durchsichtige, edle 
Granaten in scharf begrenzten Rhombendodekaedern, ein 
paar Chalzedone aber wahre Flechten enthalten. 

2. (Mineralehemie.) Von mehreren Schlesischen 
Fossilien machte Hof-Apotheker, ZerLıLner aus Pless neue 
chemische Analysen bekannt, nämlich vom Striegawer Bolus, 
vom Stilbit von Nimztsch, vom Kalait, von einem neu ent- 
deckten Chrom-Ocher aus der Waldenburger Gegend, vom 
Landshuter Steinmark, von einem feldspathigen Mineral vom 
Zoblen und von einem Kalkspathe aus Tarnowitz, welcher 
0,01 Humussäure enthält. | 

3. (Specielle Oryktognosie.) Oberbergrath 
SInGER aus Brieg sprach über den jetzt sehr selten gewor- 
denen Lievrit von Kupferberg; Prof. Zırser aus Neusohl 
über mehrere Ungarische Mineralien, namentlich über den 
Ungarischen Lievrit, Obsidian, Opal und Menilit;; Ar. v. 
‚Humsoupr über verschiedene Schwefel-Vorkommnisse ; Prof. 
'Grocxer über ein neues Vorkommen von Schwefel auf Blei- 
‘glanz und Bleierde in dem Dolomit des Muschelkalks bei 
Tarnowitz, — über den von ihm in Mähren entdeckten Spodu- 
men, — über einen durch die eigenthümliche lineare Gruppi- 
rung seiner Kügelchen merkwürdigen Hyalith von Siriegau 
— und über ein mit Braunkohle durchsetztes Steinsalz aus 
Wieliczka, das einen ausserordentlich starken, Ekel erregen- 
den Geruch verbreitet. — Dr. v. Mayer aus Bukarest hielt 
einen Vortrag über eine neue, in der Moldau entdeckte 
Wachs-artige Substanz von bituminösem Geruche, welche in 
ökonomischer Beziehung sehr wichtig zu werden verspricht, 
indem daraus Lichter, die den Wachsliehtern ähnlich sind 
und einen angenehmen Geruch verbreiten, verfertigt werden 
können. Prof. Grocker brachte für dieses neue Mineral 
den in alle Sprachen passenden Namen Ozokerit (von 
ö&om, riechend, und xneog, Wachs) in Vorschlag, statt des- 
sen jedoch in der Deutschen Sprache auch die Benennung 
Erdwachs gebraucht werden kann. — Vorgezeigt wurden 
unter Begleitung von wenigen Bemerkungen: ein schöner, 


u 


weisslich gelber Bernstein, der in Schlesien gefunden wor- 
den war, durch den geheimen Medieinalrath Dr. Wenpr; 
ein Silber-haltiger Bleischweif aus der Bukowina durch 
den Prof. Sawanskı aus Lemberg; einige zeolithische Mi- 
neralien, besonders Mesotyp, aus dem in der Nähe von 
Oppeln vorkommenden Basalte, durch den Apotheker GrA- 
BOWSKI aus Oppeln; eine sehr feste Kennelkohle aus 
Asturien, dort Azabache genannt, vom Bergwerks-Ingenieur 
Ezausrra DEL Bayo aus Zudela in Spanien; einige Exem- 
plare des vor Kurzem bei Friesdorf unweit Bonn entdeck- 
ten Elhuyarit’s durch den Prof. Grocker, und ein 
grosser Feldspath-Zwilling von Lomnilz im Riesenge- 
birge durch den Herrn Grafen ScHArrGoTscH aus ‚Breslau. 
4. (Geognosie, Geologie, physische Geo- 
graphie.) L. v. Buch liess das auf Ersuchen der vor- 
jährigen Versammlung von ihm angefertigte Farben- 
schema zur Illuminirung geognostischer Kar- 
ten in einer Anzahl von Exemplaren vorlegen und zu nähe- 
rer Prüfung vertheilen. Zugleich wurde die nach diesem 
Farbenschema illuminirte neue geognostische Karte 
von Deuischland, eine zweite Auflage der bekannten, 
bei Schropp in Berlin herausgekommenen Karte, im Auf- 
trage v. Buch’s vorgezeigt. Ar. v. Humsoror machte auf 
mehrere Vorzüge dieser Karte aufmerksam, und empfahl 
bei dieser Gelegenheit für Profile noch eine andere Be- 
zeichnungsart ohne Farben, mit symbolischen Zügen, deren 
er sich auf einer von ihm eben in Paris erscheinenden 
Karte des Thales von Mexico bedient hat. Inspektor Zırp£ 
aus Prag machte einige Bemerkungen über die Darstellung 
Böhmens auf der genannten Scuropp'schen Karte. — Prof. 
Zeune aus Berlin schilderte ein Relief des Riesenge- 
birgs, welehes ein Lehrer in Bunzlau Cin Schlesien) ange- 
fertigt hat, und Diakonus Bernor erinnerte an ein ähnliches 
Relief ebendesselben Gebirges, welches sich in der Bres- 
!auer Bauschule befindet. — Major v. STRANTZ zeigte einen 
Pendelquadranten zum Höhenmessen vor. 


ne u an 


‚Ezauerra DEL BAyo theilte allgemeine Betrachtungen 
über die Bildung der Urfelsarten mit. Seine Theo- 
rie gab zu einer Diskussion Veranlassung, wobei besonders 
die geäusserte Idee des Niederschlags des Kohlenstoffs aus 
der Atmosphäre von Seiten des Herrn v. Humsoror Wider- 
spruch fand. — Oberbergrath Steinseck aus Brieg hielt 
einen Vortrag über den Granit der Niederschlesischen 
Ebene, und machte vornehmlich auf die demselben eingela- 
gerten Gneiss-Brocken aufmerksam, an deren Grenzen der 
Granit durch Auflösung des Feldspaths sich umgewandelt 
zeigt. Derselbe verbreitete sich auch über die Basalte bei 
Striegau, in deren Nähe er den Granit gleichfalls verändert 
antraf, und über das ausgedehnte Quarz- Gebirge jener 
Gegend. — Prof. Grocker sprach über die bisher noch 
nicht mit Sicherheit bekannt gewesene Kreide-Forma- 
tion im südlichen Theile Oberschlesiens, und zeigte eine 
bei Zasswilz unweit Neustadt in Oberschlesien aus einer 
Tiefe von 40 Ellen unter Thon- und Mergel-Lagen ausgegra- 
bene reine Kreide und einen weissen körnigen Kalkstein 
vor, welcher von ihm mitten in dem dichten Kreide” Kalk- 
stein bei Oppeln gefunden worden war. 

Der Betrachtung über die Bildung des Erdöls 
war ein Vortrag des Bergamts -Direktors Dr. Reicnzngacn 
aus Blansko gewidmet *). Er bemühte sich zu beweisen, 
dass dasselbe ein präexistenter Bestandtheil der Steinkohlen 
und zwar. nichts Anderes, als das Terpenthinöl der Pinus- 
Arten der Vorwelt sey, wogegen v. HumsoLor die Einwen- 
dung machte, dass die Pflanzenreste, die man in Steinkoh- 
len findet, bei Weitem grösstentheils keinen Pinus - Arten, 
sondern Palmen und Farrenkräutern angehören, daher denn 
die Pflanzen wohl erst später von dem Öle durchdrungen 
worden seyn mögen. 

Diakonus Bernpr machte den Vorschlag zur Stiftung 
eines Vereins zur Förderung der allseitigen 


”) Vıgl. dieses Jahrbuch 1833. S. 523. Ss. 


u 


Kenntniss der Sudeten, sowohl: Schlesischen als Böhmi- 
schen und Mährischen Antheils, und zugleich zur Heraus- 
gabe eines diesemZwecke dienenden Journals, 
Graf v. STERNBERG erklärte sich geneigt, von Seiten der 
Gesellschaft des Bühmischen National-Museums die Hand zu 
einem 'solehen Vereine zu bieten; Dir. Dr. Rerıcuenesch 
versprach seine Unterstützung von Seiten Mührens. ‘Der 
Gegenstand wurde in zwei Sitzungen besprochen und ein- 
stimmig der Beschluss gefasst, zu dem angegebenen Zwecke 
durch gemeinschaftliches Zusammenwirken‘ der Schlesischen 
und Mährischen patriotischen Gesellschaften und der Gesell- 
schaft des vaterländischen: Museums in Böhmen ein Journal 
herauszugeben, dessen Redaktion in Breslau seyn soll. Die 
einzelnen Abtheilungen dieser Zeitschrift, die mineralogisch- 
geognostische, botanische u. dgl., sollen auch unter besonde- 
ren Titeln zu erhalten seyn, und namentlich soll sich die 
mineralogisch - geognostische Abtheilung an Grocker’s: Bei- 
träge zur mineralogischen Kenntniss der Sudetenländer (Heft 1, 
1827), deren Fortsetzung gewünscht wurde, anschliessen. 
Alles Weitere über diesen Gegenstand und die Art der 
Ausführung bleibt späteren, desshalb zu veranstaltenden Zu- 
sammenkünften der Schlesisch-patriotischen Gesellschaft, und 
gemeinsamen Verabredungen der drei genannten Gesellschaf- 
ten vorbehalten. 

Prof. GrockeEr theilte den Inhalt eines vom Sekretär 
der geologischen Gesellschaft in Frankresch, Hrn. A. Bouk, 
aus Paris erhaltenen Schreibens mit, welches über die dor- 
tige geologische Gesellschaft, deren neueste Arbeiten, deren 
Versammlung in Olermont, über die grosse naturwissenschaft- 
liche Thätigkeit, die gegenwärtig in Paris a u. dgl. 
sehr interessante Nachrichten gibt. 

5. nl ale) Oberbergrath v. Decuen 
hatte einige noch unbestimmte Fisch-Abdrücke im Kalk- 
schiefer der rothen Sandstein-Formation von Ruppersdorf 
in Böhmen eingesandt. Medicinalrath Dr. Orro legte eine 
grosse Anzahl von Versteinerungen vor, aus ver- 


Mehr Bi Me 


sehiedenen Kalksteinen Oberschlesiens, Niederschle- 
siens und der Lausitz, sowohl aus dem Oberschlesischen Mu- 
schelkalk, als aus Geschieben Niederschlesiens und der Lau- 
silz, von denen ein grosser Theil aller Wahrscheinlichkeit 
nach aus Skandinavien stammt. Prof. Zeune sprach über 
die zumal in Geschieben vorkommenden Versteinerun- 
gen der Mark Brandenburg nach des Direktors Krö- 
ven Beobachtungen , und ‚hob besonders hervor, dass nach 
des letztern Ansicht das Vaterland der Märkischen Ge- 
schiebe durch die Versteinerungen zweifelhaft werde, in- 
dem # aller Shandinavisch-Mürkischen. Versteinerungen bloss 
Märkisch, $ bloss Skandinavisch, 4 aber gemeinschaftlich Mär- 
kisch und Skandinavisch seyen. — Markscheider Bocksch aus 
Waldenburg zeigte ‚sehr schön erhaltene Terabuliten 
aus dem Übergangs-Kalkstein bei Freyburg in Schlesien, und 
eine neue Trilobite n-Art, Prof. Sıwanskı einen gros- 
sen Ammoniten aus den Zentral-Karpathen, Apotheker 
Grasowskı verschiedene neu "aufgefundene Versteine- 
rungen aus dem Kreide -Kalkstein von Oppeln. 
Prof. Acıssız aus Neufchatel ‘sprach. über‘ die fossilen Fi- 
sche, sofern sie zur Bezeichnung der Gebirgs- Formationen 
dienen , ‚und über die von ihm gemachte Eintheilung dersel- 
ben nach dem Baue der Schuppen in Plakoiden, Ganoi- 
den, Ktenoiden und Cykloiden. 

Vom Markscheider Bockscu wurde in einer der Sitzun- 
gen nebenbei ein grosser Grubenschwamm, dem Boletus 
turritus am nächsten verwandt, vorgelegt, welcher. in 
der Goithelf-Grube bei Hartau unweit Gotlesberg in Schle- 
sien gefunden worden war. 


Unter den Vorträgen, welche in den allgemeinen Sitzun- 
‚gen der diessjährigen Naturforscher - Versammlung gehalten 
wurden, befand sich auch ein mineralogischer, nämlich der 
Vortrag des Prof. GLocker über die Grundsätze der 
Klassifikationin der Mineralogie und Geo- 
gnosie. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 1 


— 


Giesen, den 17. März 1832 », 


Eine Mittheilung im 1. Hefte des II. Jahrganges Ihres Jahrbuches 
über meine Bemerkungen auf einer Reise durch Böhmen hätte ich bei- 
nahe übersehen. Ich wünschte sehr, einige Handstücke der als: Phono- 
lith bekannten Massen, welche theilweise gewiss einen trachytischen 
Charakter nicht verleugnen, äus Böhmen mitgebracht zu haben, um sie 
Ihnen zur Entscheidung vorlegen zu können. Zwischen dem Trachyt, 
welchen . Sie am 'Pferdskopfe im Rhön-Gebirge erkannten, und diesen 
Gesteinen würden Sie 'kaum einen Unterschied entdecken, Ich muss 
desshalb bezweifeln, dass Herr Zırre mit den lokalen Verhältnissen 
der dortigen Gebirge sehr vertraut geworden ist. Die Berichtigungen 
von Ortes- und Berges-Namen, welche er daselbst S. 81 gibt, ist sehr 
dankenswerth. Übrigens sind auf der von ihm bezeichneten Karte, welche 
ich auf meiner Reise auch benutzte, die meisten. in meinen Mittheilungen 

enthaltenen Berges-Namen nicht enthalten, und ich war auf die Angaben 
meines wohl Lokal-kundigen, aber mit der Kunst zu buchstabiren wenig 
: vertrauten Führers beschränkt. Ausser den Arbeiten des Kaiserl. General- 
- Quartiermeister-Stabes -— welche, so viel mir bekannt, noch nicht publik 
gemacht worden — besitzt man über jene Gegenden keine gründlich 
ausgeführte topographische Karte, so dass, wie Herr Zıpre sich ausdrückt, 
hiernach leicht Böhmische Dörfer: zum Vorschein kommen können. Doch 
denke ich, sind Böhmische Dörfer dieser Art immer noch mehr zu ent- 
schuldigen, als solche, welche man in die Wissenschaft einkleidet, zumal 
wenn das in Böhmen selbst geschieht. Denn die unsonor klingen- 
den Kunstwörter Bronsntarr’s, welche Herr Zıpre in seine Übersicht 
der Böhmischen Gebirgs-Bildungen aufnahm, dürften am wenigsten in 


*) Durch Zufall verspätet, D. R. 


u 


Deutschland, ‘dem Vaterlande der Geologie, als empfehlenswerth erschei- 
nen. Ein ganz eigenthümlicher Geschmack gehört dazu, die bisher 
bräuchliche, verständlichere Nomenklatur gegen ein solches Musterwerk 
von Wort-Kombinationen vertauschen zu wollen. — 

Auf der neulich nach Westphalen unternommenen Reise habe ich 
leider bei fast beständig schlechter Witterung nicht zur Hälfte meinen 
Zweck erreicht, aber doch einiges Bemerkenswerthe gesehen. Meile 
Beobachtungen liegen noch im Tagebuche da. Sobald es mir die Zeit 
gestattet, werde ich sie zusammentragen und Ihnen zusenden. Was sich 
mir aber vorzugsweise zu ergeben scheint, ist, wenigstens in vielfacher 
Hinsicht, die grosse Ähnlichkeit des Norddeutschen old red sandstone 
mit den alten Sandstein-Bildungen des linken Mittelrheins zwischen der 
Haardt und dem Hundsrück, sodann mit dem Darmstädter und Vilbeler 
Sandstein und noch anderen, Ich fange an zu glauben, der old red 
sandstone der Engländer sey in Deutschland nicht in beschränkter Ver- 
breitung vorhanden. 

Mit der Einreihung einiger Kalksteine in Westphalen. zu dem moun- 
tain limestone ist man, dünkt mir, etwas zu voreilig gewesen. Denn 
dieser müsste doch zwischen dem old red sandstone und den Steinkohlen 
zu suchen seyn. Aber da ist kein Kalkstein. Man hat also. wohl den 
zwischen Thon-Schiefer und Grauwacke-Schiefer weit sich erstreckenden 
Übergangs-Kalk damit verwechselt. Diesem Übergargs-Kalk gehört auch 
‚der 'versteinerungsreiche Kalkstein von Bensberg an, welcher. von dem 
Mineralien -Komptoir einige Mal in den geologisch - petrefaktologischen 
Lieferungen als Bergkalk ausgegeben ist, wie mich Herr Berameisier 
> in Siegen mit Beaktumppeut versicherte, a#”). 


A. Kuirstein. 


Mexico, am 29. Mai 1833 **). 

Die letzten Tage meines Aufenthaltes in Angangneo beschäftigte ich 
mich noch mit geognostischen Untersuchungen für eine später auszuar- 
beitende Revier-Beschreibung. Auf.der Reise hierher machte ich, unge- 
achtet der dringenden Eile, eine interessante Entdeckung: ich fand näm- 
lich einen Zahn von einem sehr grossen Kräuterfresser (wahrscheinlich 
 Mammuth) im Trachyt-Tuff, welcher allem Anscheine nach ein Produkt 
der Zersetzung. des Trachytes ist. Später werde ich weitere Nachsu- 
chungen ‚anstellen und die Resultate derselben nachfolgen lassen. Der 
“hiesige Trachyt selbst enthält auf den Klüften schr häufig einen Über- 
zug von Hyalith, 

Der körnige Kalkstein von St. Jassdel Oro scheint viele Phänomene 


*) Jene Angabe geschah nach den Versteinerungen; — Nachweisung entscheidender 
Lagerungs-Verhältnisse werden sehr. dankenswerth seyn. D. R. 

#*") Der Brief ist an Hr. Dr. B. Corra gerichtet, und von diesem mir mitgetheilt 
worden. %. 


Jahrgang 1834, \ \ 3 


darzubieten, welche für LeonuArp’s Ansicht sprechen. Er kommt mit 
Syenit und Trachyt zusammen vor, und häufig, entspringen heisse Quel- 
len. ‚aus ihm, Doch auch hierüber muss ich die; ausführlicheren Mitthei- 
lungen versparen, bis ich Zeit gewonnen naher diese Erscheinungen ge- 
näuer zu untersuchen. f 
Mineralogisch interessant schienen mir: Malachit und Kupferlasur, 
die ich als ganz jugendliche Bildungen auf einer Holzkohle in einer al. 
ten Schlackenhalde fand, und Eisenvitriol eingeschlossen in ganz ‚der- 
ben Schwefelkies, von einer unserer hiesigen Gruben, ry 


E. Scunzinen. 


Krakau, den .6. August 1833. 

Mein Handbuch der Mineralogie ist schon seit einiger Zeit 
fertig und führt folgenden Titel: Systemat Mineralow wedlug rasad 
J. J. Berzeliusza ulozyl Ludwik Zeiszner (d. h. System der Mineralien, 
nach den Grundsätzen von BERZELIUS Ehe rw von L, Z.), ip in 


8 1833. EN 
Auch ist hier vor Kurzem eine Dissertation erschienen von Dr, 


7 % 


en unter dem Titel: O0 Bursztynie. Krakau in 8. 1833. 


" Beide diese Bücher habe ich Ihnen durch Reisende zugesendet, una 
hoffe, dass Sie vielleicht schon eines davon erhalten haben. } 

In Lemberg ist ein Werk erschienen über die Schwefel-Quelle von 
Konopowka, von einem recht tüchtig wirkenden Manne, Herrn Toro- 
sıEwicz; es führt den Titel: Rozbior fizyczno-cheniczny zrodla siar- 
czystego u Kounopowce u Galicyi przez Teopora TorosıEewicza in 8. 
(Physikalische und chemische Untersuchungen über die Schwefel-Quelle von 
Konopowka in Gallizien v. T. T.) 


ZEUSCHNER. 


Kielce, den 12. August 1833. 

Es drängt mich, Ihnen eine Mittheilung zu machen; die gewisser- ! 
maasen durch Ihren letzten so lehrreichen Brief angeregt ward, und 
vielleicht mit den denkwürdigen Thatsachen in einen gewissen Einklang 
zu bringen ist, die Sie mir über den körnigen Kalk von Auerback mit- 
theilten. 

Schon seit längerer Zeit ist mir immer ein Kalkstein aufgefallen, 
der zwei Meilen von meinem Wohnort, im Dorfe Zagdainsko, die Kuppe 
eines länglichen Berges bildet, dessen Fuss und unteres Höhendrittel 
nebst der ganzen dortigen Umgegend aus rothem Sandstein oder Todt- 
Liegendem besteht. Dieser Kalkstein, mit dem kein anderer von den 
mehrfachen bierländischen Kalkstein-Bildungen ganz übereinstimmt, ist 
im Allgemeinen von’ theils grauen, theils bunten Farben, meist ausser- 
ordentlich schwer zersprengbar, schwer, und afficirt, obwohl nur theil- 
weise und schwach, die Magnetnadel. — Zweifelsohne rühren beide 


letztere Eigenschaften von einem gewiss nicht unbeträchtlichen Eisen- 
gehalt her, der sich übrigens auch noch sichtbar in einzelnen Körnern, 
Parthieen und Adern von Spatheisenstein, Eisenocker und Eisenglimmer, 
jedoch diesen mehr nur in Flimmerchen, zu erkennen gibt, und vorzüg- 
lich die Eigenthümlichkeit des Kalksteins mit markiren hilft. Im Ein- 
zelnen gleichen manche Kalkstein-Varietäten der Wacke, in andern spricht 
sich ein Jaspis-artiger Habitus aus, und alle diejenigen, welche ein 
körniges Gefüge und viele eingemengte Kalkspath-Blättchen wahrnehmen 
lassen, sind häufig mit Versteinerungen von Madreporiten erfüllt. Ge- 
wöhnlich aber haben diese wieder eine Umwandlung in Spatheisenstein 
erlitten, oder sie sind, mit Zurücklassung leerer Räume, gänzlich ver- 
schwunden, und die Wände der letzteren wieder mit kleinen Spatheisen. 
stein-Krystallen begleitet, worunter vielleicht auch noch sehr kleine Do- 
lomit [Bitterspath-] Krystalle seyn könnten. Doch wage ich dieses Letztere 
noch nicht bestimmt zu behaupten. Ausser jenen genannten Einmengun- 
gen sind mir. keine andere Fossilien zu Gesicht gekommen, eben so wenig 
bis jetzt Bruchstücke oder Brocken anderer, besonders benachbarter, 
Gesteine; aber es ist auch die ganze Kalkstein-Parthie nur wenig noch 
entblösst, und desshalb weder ein Beziehungs-Verhältniss zum 'rothen 
Sandstein, noch: die Art und Weise der Schichtung, und ob wirklich eine 
solche vorhanden ist, wahrzunehmen ; nur Das sieht man, dass das Ge- 
stein sehr zerklüftet ist, und die Zerklüftungen seiger niederzusetzen 
scheinen. vs 

Ich habe zeither diesen Kalkstein für eine dem rothen Sandstein 
subordinirte Einlagerung angenommen, und so darüber in meiner Schrift 
über die Polnischen Gebirgs-Formationen Erwähnung gethan, und ihn, 
in der derselben beigefügten petrographischen Karte angedeutet. Ihre 
neuen Beobachtungen aber über die Bildung körniger Kalke, und dabei 
der Umstand, dass die Fesseln des absoluten Neptunism immer mehr 
zu zerbrechen scheinen, lassen mich in diesem Kalkstein vielleicht 
ein plutonisches Gebilde erkennen. Ich sage, beim Mangel noch erst 
aufzufindender mehrfacher Fakta, nur vielleicht, und unterwerfe 
meine Ansicht Ihrer Meinung. Hauptsache bleibt es nun, noch viel- 
fältigere Thatsachen auszuforschen; ein Geschäft, das leider aber nicht 
ohne bergmännische Schurf-Arbeiten zu bewirken ist, weil Dammerde und 
Ackerland nicht bloss die Scheiden des Kalk- und Sand-Steins, sondern 
auch bis auf geringe Entblössungen beide Felsarten selbst gänzlich be- 
decken. 


BLöpe. 


Tharand, den 30. August 1833. 

So eben bin ich von einer geognostischen Reise zurückgekehrt , die 
ich auf Veranlassung des Oberbergamtes unternahm. Der Hauptzweck 
dieser Reise war die Untersuchung der Thonschiefer-Parthie zwischen 
Öderan und Kirchberg, welche auf der Südseite vom Gneiss und Glim- 

3 * 


ER ı- oe 


merschiefer des höheren Erzgebirges, auf der Nordseite vom Roth-Liegen- 
den und von einzelnen Porphyr-Parthieen der Gegend von Zwickau und 
Chemnitz begrenzt wird. 

Dieser Thonschiefer geht so vollkommen in Glimmerschiefer über, 
dass seine Grenze gegen denselben nur an einzelnen Orten, wo zufälli- 
ge Merkmale zu Hülfe kommen, genau zu bestimmen ist; ja ich bin oft, 
während ich mitten im Thonschiefer wandelte, zweifelhaft geworden, ob 
nicht Alles, was man hier als Thonschiefer kennt, eigentlich zum Glim- 
merschiefer zu rechnen sey. Fast immer erkennt man noch den Glanz 
des Glimmers und sieht deutlich, dass dieser Thonschiefer aus einem 
schieferigen Aggregate von lauter höchst feinen Glimmerblättchen be- 
steht. Auch Quarz ist üherall in grosser Häufigkeit eingemengt zu fin- 
den, nur gehört er nicht mehr, wie im eigentlichen Glimmerschiefer, zu 
den feineren Gemengtheilen, sondern er durchzieht in Lagen von einer 
Linie bis zu mehreren Zollen Dicke das schieferige Glimmergestein, wel- 
ches oft deutlicher Glimmerschiefer wird, sobald der Quarz, feiner ver- 
theilt, das Gestein als eigentlicher Gemengtheil zusammensetzen hilft. 
Jene Abänderungen, wo der Quarz als gesonderte Massen das schiefe- 
rige Glimmer-Aggregat durchzieht, kann man noch eher mit dem Namen 
Thonschiefer bezeichnen: man muss dann den Quarz für einen zufälli- 
gen Gemengtheil nehmen, wie er im Thonschiefer sehr häufig als sol- 
cher vorkommt; aber man kann auch eben so gut das Ganze einen gi- 
gantisch ausgebildeten Glimmerschiefer nennen, in welchem die einzel- 
nen Glimmerblättchen des gewöhnlichen Glimmerschiefers durch ein 
schieferiges Glimmer-Aggregat, und die Quarztheile durch 
grössere Linsen- oder Platten- ar Be Massen 
ersetzt werden. 

Wenn im eigentlichen Thonschiefer einzelne Quarz-Massen vorkom- 
men, so bringen diese in ihrer Nähe gewöhnlich auffallende Biegungen 
und Windungen der Schieferung hervor; — das ist hier nur selten der Fall, 
und man sieht daraus um so mehr, dass der Quarz ganz eigentlich zum 
Gesteine gehört — nicht als ein fremdartiger Körper störend auf das- 
selbe eingewirkt hat. 

S Die Schieferung und daraus abzuleitende Schichtung dieses EL. 
ist oft so gebogen und gewunden und an den verschiedenen Orten so 
abweichend, dass man aus ihr durchaus keine sicheren Schlüsse ziehen 
kann. Im Ganzen zeigt sich zwar ein der Längenverbreitung unge- 
fähr paralleles Streichen von ONO. nach WSW. mit nordwestlichem 
Einfallen, dieses wird aber durch so häufige und auffallende Abwei- 
chungen widerrufen, dass man nur wenig darauf geben kann. Es schei- 
nen danach die Schichten als unregelmässige Schlangen-Linien in der 
Längenrichtung der ganzen Verbreitung fortzuziehen. _ 

In diesem sogenannten Thonschiefer findet sich nun eine Menge 
anderer Gesteine eingelagert; z.B. Grünstein, Grünstein-Schie- 
fer, Alaunschiefer, körniger Kalkstein u. s. w. Der letz- 
tere ist es eigentlich, welcher mich veranlasst, Ihnen darüber zu schrei- 


ben. Sie haben es zuerst ausgesprochen: dass vieler körniger Kalk 
wahrscheinlich nicht aus dichtem in körnigen umgewandelt, sondern aus 
dem Erd-Innern emporgequollen sey, so wie viele der übrigen abnormen 
Gesteine, Jetzt, wo es einmal ausgesprochen ist, werden sich von vie-, 
len Seiten her Bestätigungen dieses Satzes ergeben, und Sie selbst 
sind darüber die ausführlicheren Mittheilungen dem grösseren Publikum 
noch schuldig. 

Einen kleinen Beitrag zu Ihrer reichen Sammlung von Thatsachen 
können Ihnen auch die erwähnten körnigen Kalksteine des Thonschiefers 
geben.. Ich glaube zwar nicht, dass diese als feurig - flüssige Ge- 
bilde den vorhandenen Thonschiefer durchdrungen haben, dagegen spricht 
hier Vieles; aber ich glaube sicher, dass sie mit demselben gleichzeitig 
entstanden, d. h. gleichzeitig an der feurig-flüssigen Erd- 
Oberfläche erstarrt sind. Wenn diess nun der Fall ist, wie ich 
für meine Person es überzeugt bin, so ist es ein neuer Beweis für Ih- 
ren Satz; denn dann ist auch hier das Kalzium als kohlensau- 
rer Kalk (körniger Kalkstein) aus der feurig-flüssigen Pla- 
neten-Masse ausgeschieden, und somit die Möglichkeit seines 
späteren selbstständigen Empordringens um so mehr zugesichert. 

Wir würden demnach dreierlei Formationen des körnigen Kalkstei- 
nes zu unterscheiden haben : 

1) ursprüngliche Erstarrung, zugleich mit den plutonischen Schie- 
fergesteinen, 

2) selbstständiges Empordringen, 

3) Umwandlung aus dichtem Kalkstein. 

- Doch ich kehre zurück zu den obenerwähnten körnigen Kalksteinen; 
sie bilden unter andern bei Plaue und Erdmannsdorf unweit Augustus- 
burg mehrere sogenannte Lager im Thonschiefer, d. h. der Thonschie- 
fer ist hier Kalk-haltig. Denn nicht als abgesonderte Lager-Massen 
findet sich der körnige Kalkstein, er ist vielmehr völlig mit dem Thon- 
schiefer verwebt und kommt in demselben ähnlich vor, wie an anderen 
Orten der Quarz. Oft ist er schön weiss und körnig, wie der Auerba- 
cher Marmor, und macht dann, als mehrere Zoll dieken Lage, alle 
Windungen des Glimmer-glänzenden Thonschiefers mit; oft ist er röth- 
lich und grau, weniger deutlich körnig, von vielen Glimmer-glänzenden 
Thonschiefer-Blättern durchzogen. Nie fand ich eine Spur von fremd- 
artigen Mineralien in ihm, oder in seiner Nähe; das war mir Anfangs 
sehr auffallend, aber ich sah bald ein, dass es eine natürliche Folge 
seiner gleichzeitigen Entstehung mit dem Thonschiefer ist *), denn hier 
fallen nun die chemischen Einwirkungen des heissflüssigen Kalks auf 
das Nebengestein und die Modifikationen der Erkaltung weg, welche an 
den Grenzen vieler anderen körnigen Kalksteine so denkwürdige Er- 
scheinungen, so manchfache Kontakt-Produkte hervorgerufen haben. 


*) Auf gleiche Weise entstanden, denke ich mir, die körnigen Kalksteine bei T’Aarand, 
bei Braunsdorf und bei Zaunhaus unweit Altenberg. 


Aber nicht nur im Thonschiefer selbst, sondern auch in einem da- 
zwischen liegenden wohl später entstandenen Grünsteinschiefer bei Har- 
thau unweit Chemnitz findet sich körniger Kalkstein, dort jedoch nur in 
sehr kleinen Massen, die höchstens die Grösse einer Hand erreichen, 
ebenfalls so innig mit der Masse verwebt, dass man an dent gleichzei. 
tigen Flüssigseyn beider Gesteine nicht zweifeln kann, wenn auch viel: 
leicht dieser Kalk dem Grünstein-Schiefer nicht eigentlich zugehören. 
sondern etwa durch denselben aus dem Thonschiefer mit in die Höhe 
gerissen und umgeschmolzen seyn sollte. 

_ Dieser Grünstein-Schiefer ist überhaupt sehr merkwürdig, er ent- 
hält eine grosse Menge Talk, der in Schuppen, etwa von der Grösse 
und Gestalt kleiner Weidenblätter, ziemlich gleichförmig vertheilt in der 
ganzen Masse, stets der Schieferung parallel umherliegt *). Dadurch 
erscheint das ganze Gestein als grüner Schiefer, überall mit gelben fet- 
tig glänzenden Flecken bedeckt, Einzelne Drusenräume des Gesteins 
sind oft mit Glinmer überzogen, und enthalten zuweilen Krystalle von 
Kalkspath, Prehnit und Magneteisen. Diese mögen wohl 
als Kontakt-Produkfe anzusehen seyn, d. h. ihr Vorhandenseyn ist be- 
dingt durch das verschiedene Alter des Grünsteinschiefers und Thon- 
Schiefers. s 

Dass ich diesen sogenannten Thonschiefer zwischen Öderan und 
Kirchberg für ein ursprüngliches Erstarrungsprodukt der feurig, flüssi- 
gen Erdmasse, und somit für eines der ältesten Gesteine halte, werden 
Sie aus dem Vorhergehenden ersehen haben. Dafür sprechen nicht nur 

"die ungeregelte Richtung der Schieferung und der gänzliche Mangel 
organischer Reste, sondern auch die deutliche krystallinische Zusammen- 
setzung des Gesteins aus Glimmer und Quarz, der genaue Übergang 
in Glimmerschiefer, und noch vieles Andere, was freilich Alles nur Dem 
Gründe sind, der überhaupt die Erde für einen erstarrten, ursprüng- 
lich feurig-flüssigen Weltkörper hält. | 


Noch eines interessanten Phänomens muss ich hier gedenken, was. 
ich unterhalb Olbersdorf bei Chemnitz beobachtet habe, Hier baut man 
mit einem Stollen mehrere Graphit-Gänge ab, welche im Thonschiefer 
aufsetzen. Das Gebirge ist daselbst wahrscheinlich vom sehr vielen 
solchen Gängen durchsetzt: desshalb ist der Stollen, den man gern in 
einem Hauptstreichen treiben wollte, so mannigfach gewunden, indem 
man bald den einen, bald den anderen Gäng verfolgte, und sich nach 
kurzer Zeit immer wieder nach der ursprünglichen. Riehtung zurück 
wendete. Alle diese Gänge lıaben sehr glatte Wandflächen, und sind 
gewöhnlich nur wenige Zoll’ mächtig, mit einem Graphit-haltigen Thone 
ausgefüllt. Der Thonschiefer in ihrer Nähe ist ganz sehwarz und eben- 
falls von vielen glatten schwarzglänzenden Kluftflächen durchsetzt, wei- 


*) Sie erhalten davon ein Stück, in der bereits abgegangenen Kiste, 


u  — 


che meist, wie die Gänge, eine der Schieferung ziemlich paralle Rich- 
tung haben, 

Fragt man nun: wie sind diese Erscheinungen zu erklären, so drängt 
sich gewiss sehr leicht der Gedanke auf, dass der Graphit hier durch 
Sublimation in die Höhe gekommen, und durch Zämentation mit dem 
Thone und Thonschiefer verbunden sey. Irgend eine plutonische Kraft 
mochte das Gebirge spalten, Klüfte aufreissen und durch Aufeinander- 
reiben des Hangenden und Liegenden derselben Rutschflächen, und als 
Reibungs-Produkt feines Thonschiefer-Mehl erzeugen, während flüchtiger 
Kohlenstoff in die Höhe getrieben ward und den Thonschiefer durch- 
drang, wie er den Pfeifenthon durchdringt, ‚wenn weisse thönerne Pfei- 
fen durch Zämentation schwarz gefärbt werden. Natürlich konnte er 
das losgeriebene Thonschiefer-Mehl am leichtesten durchdringen und die- 
ses ist es nun, welches abgebaut und statt Graphit benutzt wird. 

| B. Cotta, 


Marburg, den 22. Oktober 1833. 


1) Da die Anzahl der bisher bekannten Fundorte des sogenannten 
pyramidalen Manganerzes noch nicht übermässig gross ist, so erlaube 
ich mir Ihnen anzuzeigen, dass ich aus der hiesigen Gegend von Leisa 
bei Battenberg kürzlich Exemplare von Manganerzen erhalten habe, 
welche man dort versucht hat abzubauen. Sie waren Gemenge aus 
Weich-Mangan, Hart-Mangan und pyramidalem Manganerz, das letztere 
zum Theil in kleinen, jedoch ziemlich deutlichen Krystallen von etwa 1’ 
im Durchmesser; dabei war ein erdiges schwarzes Manganerz (vielleicht 
ein Gemenge aus mehreren Arten), etwas Spath-Eisenstein und Schwerspath. 

2) Bei Gisselberg, 3 Stunde süd-südwestlich von Marburg ist vor 
Kurzem der Eingang zu einem Stollen-artigen Gruben-Gebäude aufge- 
funden worden, das ziemlich weit in horizontaler Richtung in den Berg 
hinein sich erstreckt, aber noch nicht so weit von dem darin enthaltenen 
Wasser befreit ist, dass man eine gründlichere Untersuchung hätte vor- 
nehmen können. Es ist wahrscheinlich ein Versuchsbau, vielleicht veranlasst 
durch die in der Nähe beobachtbaren Baryt-Gänge, welche schwache 
Spuren von Eisen und Kupfer enthalten. — Das Merkwürdige dabei ist, 
dass bisher keine geschichtliche Nachweisung über diesen Stollen hat 
aufgefunden werden können; nur in einer Flurkarte ist der vor der 
Mündung gelegene Acker als „Acker unter dem Bergloch“ bezeichnet. 

3) Zu einer Zeit, als meine Sammlung noch nicht sehr reich an Bitter- 
kalken war, prüfte ich Bitterkalk und Kalkspath etc. vergleichend mit 
Säuren und glaubte als Resultat aufstellen zu müssen, dass Bitterkalke 
und die Glieder der Kalkspath-Gattung durch Prüfung mit Säuren leicht 
zu unterscheiden seyen, indem jene sehr schwach oder fast nicht, diese 
dagegen stark mit Kalten Säuren aufbrausten, und bei jenen, wenn sie braus- 
ten, dafür die Erscheinung weit länger dauerte. Als ich aber später 


u A 


mehrere Arten ächten Bitterkalkes unter die Hände bekam und der Prü- 
fung mit Säure unterwarf, salı ich mich genöthigt, diesen Ausspruch als 
irrig zu betrachten, indem zwar allerdings manche Bitterkalke jenes 
schwächere und langsamere Aufbrausen zeigten, andere aber ebenso le- 
bendig und rasch aufbrausten, wie Bittererde, rein kohlensaurer Kalk ete., 
und überhaupt zeigten die Bitterkalke so verschiedene Abstufungen in 
der Stärke und Schnelligkeit des Aufbrausens, dass man diese Ver- 
schiedenheiten nicht wohl auf Rechnung etwaiger Verschiedenheit in dem Ver- 
hältniss von Kalk- und Bitter-Erde in ihrer Mischung schreiben durfte. — 
Da nun in neuerer Zeit von Leuten, die wie v. Koserr *) als tüchtige 
Chemiker bekannt sind, der, obere als irrthümlich bezeichnete Satz nur 
in einer noch weniger allgemeingültigen Fassung öffentlich ausgespro- 
chen und verbreitet wird, so möchte es nicht überflüssig seyn, ihn auch 
öffentlich zu berichtigen. Nach desshalb angestellter Wiederholung der 
Versuche führe ich daher als Beispiele von lebhaft brausenden, allge- 
mein als ächt anerkannten Bitterkalken an: 

a) Dolomit von Campo longo, der durch seine weisse Farbe und 
Zucker-artig körnige Beschaffenheit bekanntlich ausgezeichnet ist. 

b) Zechstein-Dolomit von Bieber im Hanauischen und von Kahl 
bei Bieber. Er kommt als Zucker-artig körnig abgesondertes Ge- 
stein, d, h. als Rauhstein vor, der zum Theil Rogenstein-artige Beschaf- 
fenheit annimmt, zum Theil ins Feinerdige und Pulver-Förmige übergeht 
und dann Asche heisst, theils sich ins krystallinischkörnig Zusammen- 
gesetzte und ins Dichte verläuft und in jeder dieser Modifikationen 
in den manchfachsten von Eisen, Mangan, Kohlenstoff und Bitumen erzeug- 
ten (gelben, rothen, braunen, grauen und weissen) Farben auftritt, so dass 
eine und dieselbe Schichte stellenweise vertheilt, die verschiedenen Far- 
ben sowohl, als auch die verschiedenen Grade der Feinheit des Korns zeigt, 

c) Jura-Dolomit, vom Sternenberg bei Urach, der bekanntlich gleieh- 
falls Zucker-artig körnig (Raubstein-artig) ist, und gelblich weisse 

Farbe besitzt. 

Beim Zechstein-Dolomit insbesondere, der im Allgemeinen schwächer 
braust, als die beiden anderen aufgeführten Sorten, schienen mir die rei- 
neren Varietäten stärker, die mehr kohligen und bituminösen dagegen 
sowie die feinerdigeren und die dichteren schwächer zu brausen, — 

Die reineren Varietäten dieser unter a, b und c aufgeführten Do- 
lomit-Sorten, die ich, als allgemein bekannt, zu Beispielen gewählt habe, 
brausten mit Salzsäure so stark, dass man sie dadurch nicht mit Si- 


”) Tafeln zur Bestimmung der Mineralien mittelst einfacher chemischer Versuche auf 
trockenem und nassem Wege. München 1833. Er sagt auf Seite V. vom Dolomit: 
„Man befeuchtet das Mineral mit einem Tropfen Salzsäure, es braust nicht.“ Seite 
34 sagt er: „Bitterkalk und Magnesit brausen mit Salzsäure befeuchtet nicht, und 
nur vorübergehend, wenn sie zu Pulver zerrieben sind. Bei Einwirkung der Wär- 
me lösen sie sieh aber mit lehhaftem Brausen auf.“ WarcHner in s. Handbuch 
der Mineralogie in technischer Beziehung II. S. 57. „Lösst sich in Salzsäure weit 
iangsamer auf als Kalkstein, und braust damit weit schwächer als dieser.” 


— 41 —. 


cherheit von Kalksteinen unterscheiden kann. Dass‘ das Pulver de! 
Dolomite nur vorübergehend brause, ist gegen die Erfahrung bei den 
von mir geprüften Dolomiten, indem hier das Brausen meist länger 
dauert als bei den Kalken. Auch die verchiedenen Sorten des Bittererde- 
freien kohlensauren Kalkes brausen in Säuren mit sehr verschiedener 
Lebhaftigkeit und in sehr verschieden langer Dauer. Kalk und Bitter- 
kalk sind also keineswegs durch die Prüfung mit kalter Salzsäure leicht 
zu unterscheiden, 
Hesser, 


Bern, den 1. November 1833. 


Auf die Untersuchung der Italienischen Alpen würde ich gern län- 
gere Zeit verwenden. Das Konglomerat an der Basis des S. Salvador 
bei Lugano ist nur das westliche Ende einer im Bergamaskischen un- 
geheuer mächtigen Bildung, die ganz mit jener von Mels oder von 
Valorsine übereinstimmt, und sich hier, bei längerem Nachforschen, wohl 
als ein wirkliches Porphyr-Konglomerat erweisen würde. Es setzt diese 
Bildung im Bergamaskischen zwei oder drei gegen 6000 Fuss hohe, an 
Eisenerzen reiche, Gebirgs-Ketten zusammen. — Auch Bündten ist in 
hohem Grade merkwürdig, mehr vielleicht als irgend ein anderer Theil 
der Schweitz. Die Gebirgsart, besonders im Thale von Reichenau und 
Dissentis, so wie gegen den Jaulier zu, schwankt immerfort zwischen 
Kalk, gewöhnlich Mergelschiefer, Talkschiefer und Serpentin. Ausser- 
dem treten, oft wo man es am wenigsten erwartet, wieder die bunten 
Valorsiner Konglomerate, Granit-ähnliche Grauwacken und prachtvolle 
Granite und Syenite auf in Verhältnissen, welche auf eine genaue Un- 
tersuchung äusserst gespannt machen und mit einander alle Räthsel, 
welche gegenwärtig die Geologie beschäftigen, zu lösen versprechen. 
‚Allein ein oder zwei Sommer würden nicht hinreichen zu dieser Unter- 
suchung, und die Dauer unserer Ferien ist zu beschränkt. Auch be- 
sitzt Bündien nicht einmal eine mittelmässige Karte. 


B. Stuper. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Frankfurt, 23. Novemb. 1835. 
Meine Untersuchungen über die Echiniden habe ich nun wieder 
aufgegriffen. Ich habe sehr viel Merkwürdiges gefunden, und gedenke 
nach und nach diese ganze Thierbildung darzulegen. Galerites 
speciosus Münst. (GoLpr. 130,, tf. XLL, fg. 5) ist, wie sich auch 
schon aus der Beschaffenheit der Stachelwärzchen auf der Unterseite 
ergibt, kein Galerit, sondern, nach dem davon abgebildeten Theile zu 


|— \ 423 [—— 
urtheilen, mein Nucleolites discus, wovon ich ein vollständiges 
Exeniplar bekannt machen werde. 


'Herm. v. Mexer. 


Bayreuth, den 1. Dezemb. 1833. 

Unter den fossilen Fischen meiner Sammlung fand Professor Acas- 
sız 7 neue Geschlechter und über 50 neue Arten. Merkwürdig ist ein 
Fisch aus dem hiesigen Muschel-Kalk, der — so wie die Ichthyosau- 
ren den Übergang von den Sauriern zu den Fischen bilden, umge- 
kehrt — von den Fischen zu den Sauriern übergeht, daher Acassız ihn 
Saurichthys genannt hat. 

“Von sSolenhofen *) habe ich wieder einige neue Versteinerungen 
erhalten. " 

Besonders interessant darunter sind 2 neue Arten Sepien, von 
welchen die eine noch die am Kopfe befindlichen Arme mit den daran 
sitzenden Saugnäpfchen (Ventouses) zeigt. Bisher besass ich zwar 
schon mehrere dergleichen Arme von Sepien auf Solenhofer Schie- 
fer **); allein die eigene Form der Saugnäpfchen machte es mir unge- 
wiss, zu welcher Art von Cephalopoden diese Arme gehört haben könn- 
ten! Bei der kleinen neuen Art ist aber noch der ganze Sack vorhan- 
den. Alle bisher von mir beobachteten Saugnäpfchen sind nämlich 
nicht rund, wie bei den lebenden Arten, sondern fast wie ein S gebo- 
gen; es scheinen mithin diese Cephalopoden aus der Jura-For- 
mation sich eben so wesentlich durch die Gestalt ihrer Saugnäpfchen 
von den jetzt Lebenden zu unterscheiden, wie die Fische der älteren 
Formationen durch ihre Schuppen von den neuern verschieden sind. 
Von der zweiten Art Sepia ist der Sack fast 14 Schuh lang, hat 
grosse Seiten-Lappen (Nageoires), wie ein Loligo, und am Ende 
einen langen Schwanz-förmigen Fortsatz. Kopf-Knochen einer Schild- 
kröte auf einer Solenhofer Platte gehören einem ganz neuen Genus 
an; auch von Insekten von daher habe ich wieder einige neue Arten 
worunter ein Käfer ist, erhalten. Unter den neuen Krebsen befindet 
sich einer, der sich durch sehr breite, Ruder-fürmige Antennen und 
breite gleichgeformte Beine auszeichnet. 

Meine Sammlung von fossilen Krebsen hat sich so vermehrt, dass 
ich — aufgemuntert durch Prof, Acıssız — den Plan habe, mit ihm 
gemeinschaftlich dieselben bekannt zu machen, wobei Acassız vorzüg- 
lich die Bearbeitung des generellen Theils übernehmen wird. 

Das Vorkommen Ihrer Monotis salinarıa in der obersten 
Lage des Jura-Kalkes bei Regensburg wurde bisher von einigen Geog- 


*) Auch ist eine schöne Sammlung Solenhofer Versteinerungen von Pappenheim 
nach Zeyden um 750 fl. verkauft worden, ob sie gleich nicht den dritten Theil 
der Arten enthält, die ich von daher besitze. M. 

*) Wozu auch Caulerpites princeps in v. STERNB.'s Flora. 


= A > 


gnosten bezweifelt; im verflossenen Sommer fand ich indessen zwischeı 
Streitberg und Heiligenstadt in der nämlichen Formation eine grosse 
Röhren-Koralle (Scyphia), die mit vielen zusammengebackenen 
Exemplaren vonMonotis salinaria angefüllt war und meine frühere 
Behauptung ausser Zweifel setzt. 

‘Auch mit Überresten neuer Saurier ist meine ARME ver- 
mehrt worden, vorzüglich aus dem: Muschel-Kalk von Leineck bei En 
reuth und aus dem Pläner-Kalk bei Dresden. 

Vom Karlsruher Naturalien-Kabinette habe ich eine schöne Suite 
Öninger Fische, Insekten, Pflanzen ete, eingetauscht, und vor ei- 
nigen Wochen auch eine grosse Petrefakten-Sammlung in Augs- 
burg gekauft, welche eine ansehnliche Folge von Versteinerüungen auf 
Eichstädter Schiefern enthält, vorzüglich von Algaciten, worünter 
viele neue von STERNBERG im 5ten und 6ten Heft der Flora noch nicht 
beschriebene Arten, welche ich ihm für das nächste Heft mittheilen 

werde; auch aus den ganz eingegangenen Steinbrüchen von Altdorf 
waren seltene Sachen dabei, unter andern Überreste einer Schild- 
kröte auf Lias-Kalk. ‘ 

A. Bov£ will meine Abhandlung über Planuliten und Goniati- 
ten übersetzen — für die Annales des Sciences naturelles — ; ich habe 
ihn gebeten, den beanstandeten Namen Planulites Purkınson abzu- 
ändern und statt dessen Clymenia *) — von Crymene, Tochter des 
Oczans — zu setzen. Überhaupt habe ich noch einige neue Arten, 
welche ich seit der Herausgabe der Abhandlung im hiesigen Übergangs- 
Kalk gefunden, zugesetzt und kleine Änderungen vorgenommen. 

Bisher kannte man meines Wissens von dem Fahrenkräuter-Genus 
Glossopteris nur einzelne Blätter; ich war jedoch so glücklich, aus 
dem Keuper-Sandstein des Steigerwaldes einen Stengel zu erhalten, an 
welchem 4 Blätter Quirl-förmig um den Stengel sitzen; es ist eine sehr 
grosse, neue Art, welche ich wegen der breiten Blätter Glossopteris 
latifolia genannt habe. 

Den Folliculites Kaltennordhemensis Z. habe ich auch 
in der. Braunkohle der Rhön bei Than, und in der Braunkohle des Fich- 
tel-Gebirges bei Seussen gefunden, 

Lyerr hat mich dringend gebeten, meine Abhandlung über die ter- 
tiäre Formation Nord-Deutschlands bekannt zu machen, da die nähere 
Kenntniss des Beckens von Osnabrück, wie er es im vierten Bande 
seiner Principles nennen wird, von allgemeinem Interesse wäre. Die 
Versteinerungen, welche er von dort bei mir gesehen, haben ihn bewo- 
gen, nächstes Frühjahr dahin zu reisen. 

Sehr viele Franzosen werden in nächstem Jahre von Strasburg 
aus die Versammlung der Naturforscher in Stuttgart besuchen, und 
BronGNIART, BeRTRAND- GessLin und Bou£ machen mir Hoffnung, bis 
hieher zu kommen. 

Münster. 


%) Eine CIymene besteht schon unter den Anneliden. Ye 


—- 44 — 


Stuttgart, den 19. Dezemb, 1833. 


Da zu Herwärlen ist, dass bei der Versammlung der Naturforscher, 
die im nächsten Herbste hier Statt finden wird, wegen zu hoffenden 
Besuchs von Mitgliedern der Societe geologique von Strasburg her, die 
Anzahl der Geologen ansehnlich seyn werde, so wäre es vielleicht pas- 
send, über gewisse Probleme übereinzukommen, welche bei dieser Ver- 
anlassnng erläutert und entschieden werden könnten. — Orro in Bres- 
lau hat mir ein Paar Tafeln über Reptilien aus dem Muschelkalk 
gesendet, und es wäre zu wünschen, dass bei jener Gelegenheit deren 
fossilen Reste aus dieser Formation von mehreren Orten her zusammen- 
gebracht und verglichen würden. 

In den fossilen Knochen aus Württemberg habe ich jetzt aus der 
Molasse 7, aus den Bohnerz-Gruben 48, aus dem Süsswasser-Kalke von 
' Steinheim 6 Arten von Säugethieren erkannt, wovon einige neu 
sind. Auch habe ich ein paar neue Arten in der Diluvial-Formation 
aufgefunden, 


JÄGER. 


# [4 
Neueste Literatur. | 
A. Bücher. 
1831. 
F. Lorenz dissertatio inauguralis geognostica de territorio Cremsenst 
Viennae. 
R 1833. 
Freo Hoffmann 
EZ. v; Bucrr über die geognostische Beschaffenheit der Liparischen In- 


seln. Leipzig. 8°; 4 Taf. 

H. Dıvr die letzten Tage eines Naturforschers, oder tröstende Betrach- 
tungen auf Reisen. Nach der dritten Englischen Ausgabe ver- 
deutscht von €. Fr. Pu. v. Marrıius. München 8° [2 fl. 24 kr.]. 

C. GemmeLLaro : Cenni sopra le Conchiglie fossili dell’ argilla terzia- 
ria di Cifali presso Catania. Catania 13 pp. 4°. 

M. A. E. Prester Anleitung zur perspektivischen Entwerfung der 
Krystall-Formen. Für Mineralogen. Göttingen, 66 S. und 7 Stein- 
druck-Tafeln [1 tl. 12 kr.]. 


1S34. 


K. Reicnensacn Geologische Mittheilungen aus Mähren. Wien 8°. 


7 


B. Zeitschriften. 


Proceedings ofthe geologicalSociety ofLondon. Lon- 
don 8°. 
(Seit der Jahresfeier der Gesellschaft von 1833). 
Vom 14. März 1832 bis 13. Juni. 

R. J. Murcusson über die Struktur der Cotteswold-Berge und Gegend 
um Cheltenham, und das Vorkommen fossiler Pflanzen-Stämme in 
senkrechter Stellung im Sandsteine des Ixferior Oovlite der Cleve- 
land-Berge. [> Jahrb. 1833, S. 351.]. 


N 


wu ze JE 

1. W. Wann: Skizze ER Geolosie von Pulo-Pinang wi eh Beraa 
barten Inseln [>> Jahrb. 1833. S. 455—456]. 

A. L. Neeker: Versuch, die relative Lagerung die Erz-Lagerstätten 
rücksichtlich auf die Felsgebilde, woraus die Erdrinde zusammen- 
gesetzt ist, unter allgemeine geologische Gesetze zu bringen [Jahıb. 
1833, S. 584]. 

G. Gorpon: Brief über das Vorkommen des Lias auf der Südseite 
des Murray-Firth. [Jahrb. 1833, S. 584]. 

D. Suarpe: über die Gebirgs-Schichten in der unmittelbaren Nähe 
von Lissabon und Oporto. [Jahrb. 1833. S. 444]. 

Morricerzı: Versuch über die krummlinige Struktur der Lava, [Jahrb. 
1833, 8. 222223). 4,3; ,2 ’ı» f' 

J. Bryer: über die geologische Stmaltgr Pi No. -Theiles der Graf- 
schaft Antrim [Jahrb. 1833, S. 584]. 

A. Sepswick: über die geologischen Beziehungen der geschichteten 
und ungeschichteten Fels-Gruppen‘, welche die Cumbrian Moun- 
tains zusammensetzen. |[Jahrb. 1833, S. 444—446]. 

J. R. Wrıcurt: über den Basalt auf dem Titterstone Clee Hill, Shrop- 
..shire,, ‚als Schluss ‚einer ‚Abhandlung . über den ‚Ludlow - ‚Bezirk, 
-[Jahrb. 1833. S. 455]. Br 

J. Mixweır: über einen grossen Boulder--Stein an der Kaste von 
Appin, Argyleshire [Jahrb. 1833, S, 453—454]. 

‚E, Stanzey: über die ‚Entdeckung von Rhinoceros- und Hyänen- 
Knochen in einer der Cefn- Höhlen im Oyffredan- Thale SH 
[Jahrb. 1833,.S. 599—600]. 

N. Tu. Wersererr’s:? Beobachtungen über den KRanla Thon im 
Highgate-Bogenweg; LJahrb. 1853, S. 456]. 

Woopeine ParısH : über die Entdeckung von Theilen dreier Meg a- 
therium-Skelette in der Provinz Buenos-Ayres. [Jahrb.. 1853, 

8% 607—608]. 


"Proceedings ofthe geological PeucheS er London. 
(Fortsetzung). 


Nro. 28. 7. Nov. —5. Dez. 1852. 


W. J. Henwoop: über einige Durchsetzungen von Erseeneen in 
Cornwall. S. 405—407. [<< Jahrb. 1835. S. 638]. 

J. Vıres: Notiz über einen untermeerischen Wald in Cardigan-Bay. 
S. 407 [Vgl. Jahrb. 1833. S. 6230—621]. 

VERSCHOYLE : Notizen über die Geologie des NW.-Theiles der Graf- 
schaften Majo und Stigo. S. 407—409. 

A. Senewicr; über gewisse fossile Konchylien, welche auf der Insel 
Sheppey über London-Thon liegen. S.409—410 [> Jahrbuch 1853, 
S. 614]. 

G. Mintert: Beobachtungen über die Reste des FEmmIERLD nuw.% 
fossilen Reptilien der Schichten von Tügate-Forest in Sussez. 
S, 110—a11. [> Jahrb. 1835, S. 245). 


ee 


Nro, 29: vom 19. Dezemb. 1832 bis 6. Febr. 1833. 


W. LossparLE: Übersicht über die oolithischen Formationen in Glox- 
cestershire S. 415—415. [>> Jahrb. 1835. S. 360—361]. 

W. Hurron: Beobachtungen über Kohle. S. 415— 417. L[Jahrb. 
1853. S. 622]. 

N. Tu. WersererL: über eine zu Child’s Hill bei Hampstead ge- 
fundene Ophiura. S. 417. [>> Jahrb. 1833. S. 615]. 

W. H. Srkes: über einen Theil von Dukhun, Ostindien, S. 417—419. 
[>> Jahrb. 1333, S. 361]. 

J. Trımmer: über See-Konchylien lebender Arten auf dem linken 
Ufer des Mersey-Flusses. S. 419-420. D>: Jahrb. 1834]. 

H. MucravucHLan: Noten zu einer geognostischen Karte des Forstes 
von Dean und der Umgegend. S. 420—422. 


Nro. 50: vom 15. Febr. 1835. 


R. J. Murcnıson: Jahresbericht über A Fortschritte der ernloci 
schen Wissenschaften seit dem letzten Jahre. S. 458—464. 


Nro. ‚3%: vom 27, Febr.bis 1. Mai 1833. 


ac Beschreibung eines Theiles der Königreiche BENGRERN Mirmoid 
‚und Granada in Süd-Spanien.: ..8..465.: [Jahrb..'1833.:8.. 704]. 

D. Brewster :,, Beobachtungen über : Struktur: und Entstehung des 
Diamants. S. 466. 

Anker: über das Vorkommen von Thierknochen in Kohlen-Gruben 
Steyermarks: S. 469—467. (Vgl. Jahrb. 1833.'8. 61]. 

Leons. Horner: ‚Geologie der Umgegend von Bonn 8. AP 170: 
[>> Jahrb, 1833. S. 570—572] 

RB. J. Murenison: über ‘die Sedimentär- Ablagerungen ,' ‘welche die 
westlichen: Theile von ‚Shropshire und Herefordshire einnehmen, 
und.sich von NO. nach SW. durch‘ Radnor, Brecknock und Caer- 
marinenshires erstrecken; nebst Beschreibung der sie begleitenden 
Gesteine von feurigem Ursprung: 'S. 470-477. 

J. Hırr: Notiz über eine Maschine um hohe Temperaturen zu regu- 
liren. 8. 478—1479. 


E. F. Grocker: mineralogische Jahreshefte, zugleich als 


fortlaufende Supplemente zu des Verfs. Handbuch der 
Mineralogie. Heft I. und II. für 1851 und 1832. Nürnberg 8°, 


A ws zZ An 
I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


G.Rosz: über die Krystall-Form desMesotyps. (Pocsenov. 
Ann. d. Phys. XXVII. B. S. 424 #.) Die aufgefundenen Zwillings- 
Krystalle aus Island setzen es ausser Zweifel, dass die Krystalle 2- und 
1-gliedrig, und nicht, wie'man früher 'annahm, '2- und 1-axig' sind. (Der 
übrige Theil des Aufsatzes würde, ohne die Figuren, unverständlich seyn.) 


BoussinsauLt: Analyse einer Mineral-Substanz, welche 
von der heissen Quelle von 'Coconuco bei Popayan abgesetzt 
wird. (Ann. de Ch. et de Ph., Avril 1833., p. 396.) ‘Die Therme, 
deren Temperatur 72°,8 c. beträgt, entspringt ‘aus. Trachyt; zugleich 
haben Ausströmungen von geschwefeltem Wasserstoff- und‘ von kohlen- 
saurem Gase in Menge Statt. Als Resultat der Zerlegung ergab sich: 

Kohlensaurer Kalk il an. ni.larenın O7 
Kohlensaures Mangan u. . 0.0. 210 
Kohlensaurer Talk “il. 200202040 
Schwefelsaures Natron . . 2 ...0.0008 


100,0 


A. Breitmauer theilte neue Bestimmung en speeifischer 
Gewichte verschiedener Mineralien mit (SchwEIGGER-SEIDEL, 
n. Jahrb. d. Chem. 1833, 16. Heft, S. 441 ff.). 

Kokkolith oder eumetrischer Pyroxen, von Arendal in Nor- 
wegen — 3,299. 

Schwarzer Pyroxen, aus Finland — 3,356. 

Cancrinit — 2,287. 

Glasiger Felsit, vom Vesuwv — 2,577, 

Blassgrünes Felsit, von Bodemais in Baiern — 2,583, 

Lasulit, von Voran im Wiener-Walde — 3,047. 


A 


Chondrodit, vom Vesw = 3,122 bis 3,136. 

Amethyst — 2,744 bis 2,659. 

Kapnian er Quarz (Rauchquarz), von Chesterfield in Nord. 

amerika — 2,651. 

Dergl., von Haddam in Connektikut — 2,658. 

Rosenquarz, von Zwiesel in Baiern — 2,651 bis 2,658. 

Dergl., von Neustadt bei Stolpen in Sachsen — 2,653. 
Milehquarz, aus Grönland — 2,658, 

Chrysopras, aus Schlesien — 2,618. 

Opal, weingelber, von der Insel Elba = 2,074, 

Dergl., edler, aus Ungarn — 2,108. 

Prismatischer Andalusit, von der Insel Elba — 3,095, 
Dergl., Krystall- Geschiebe, von Krumen-Hermerdorf bei Freiberg 

— 3,126, 

Tetragonaler Anatas, aus der Schweitz — 3,759. 
Schaliger Granat, aus Tyrol — 4,048 

Almandiner Granat, von Haddam = 4,226. 

Hessonit (Granat) von Ala in Piemont — 3,615. 
Eumetrischer Zirkon, von Brevig in Norwegen — 4,656. 
Dergl., von Slatoust in Sibirien — 4,719. 

Rhomboedrischer Korund = 3,995 bis 4,023, 
Hexagonaler Beryll, von Haddam in Connektikut — 2,695. 
Archigonaler Topas, von Adontschelon in Daurien — 3,545. 
Leichteres Magneteisenerz, von Haddam in Connektikut— 5,048. 
Haplotypes Eisenerz, aus dem Tavetsch-Thale in a der Schweitz. 

— 4,985 bis 5,051 bis 5,087. 

Glanziges Eisenerz, aus Norwegen — 5,271. 
_ Dergl., aus der Gegend von Schwarzenberg in Sachsen — 5,260. 
Dergl., vom St. Gotthard — 5,217 bis 5,225 bis 5,270. 

Äschinit, aus Sibirien — 5,188 bis 5,210. 


Titaneisen von Baltimore in Maryland, analysirtvonP, 
Bertnier (Ann. des Min. 3me serie; T. III., p. 41 cet.). Findet sich, 
sehr mächtige Bänke ausmachend, im Gneisse, mit dessen Elementen es 
zum Theil innig gemengt ist, und erlangt sodann ein schieferiges Ge- 
füge. Eigenschwere — 4,9. Strichpulver grau , aber häufig mit einem 
Stich ins Rothe, in Folge einer sichtlichen Beimengung von Eisen-Per- 
oxyd. Resultat der Analyse: 


metallisches Eisen . ,„ . . 60,0 
SOHELSION ya a ed SON Be. RL IST 
Titansäure EM ENER. EN Fre elle SO 
UIaTz U IR 2 SE Et NER ee 6 00, 2,0 


100,0 0 


Jahrgang 1834, 4 


u ag 


Oktaedrisches Eisenoxydvon Framont, zerlegtvon 
demselben (Ibid. p. 44. cet.). Unter Eisenerzen, welches die zu Fra- 
mont'abgebauten Gänge liefern, kommt eines vor, welches mine noire 
genannt wird. Es besteht aus eisenschüssigen und sehr Mangan-halti- 
gen Thonen, in denen man zahllose kleine und :lebhaft glänzende 
Krystalle erkennt; ähnliche Krystalle finden sich auch im Quarz und im 
Eisenglanz, die den Thon häufig begleiten. Die Gestalten sind wohl 
ausgebildete regelmässige Oktaeder von eisenschwarzer Farbe; sie tra- 
gen alle äusserliche Merkmale des Magneteisens, aber es zeigt sich keine 
Spur von magnetischen Wirkungen. Es sind diese Krystalle aus ihrem 
Mutter-Gestein nicht ganz isolirt erhalten; aber durch Waschen und 
Schlämmen verschafft man sich dieselben nur mit Eisenglimmer-Blättchen 
gemengt. Die Untersuchung auf nassem Wege ergab auch nicht das 
geringste Anzeichen von reinem Eisen-Protoxyd. Die Krystalle gehören 
folglich nicht der Gattung‘ Eisen-Oxydul.an, sie müssen pseudo- 
morpbisches Eisen-Peroxyd seyn. 


Eisenerz von Z«Lizolle und von Servan im Allier-Depa'rt., 
analysirt von demselben. (Ibid. p. 45 cet.) Häufig ist das Vor- 
kommen von phosphorsauren Eisenerzen, allein bis jetzt war die Gegen- 
genwart von Arseniksäure noch nicht auf unzweifelhafte Weise darge- 
than worden. Die Erze von la Lizolle und von Servan enthalten die- 
selbe in namhafter Menge. Man triftt sie an der Oberfläche des Bo- 
dens, bei Montaigu ; das erstere unfern G@ros-Boinats m der Gemeinde 
von la Lizolle, das zweite bei Bioules in der Gemeinde von Servan. 
Es gehören dieselben übrigens einem Urgebilde,an. Das Erz von la 
Lizolle ist dicht, dunkelbraun, uneben im Bruche und glänzend. ‚Es 
ergab: | AR 
Eisen-Peroxyd. .. 2... 2» 0 0 .eue 79,0 
Phosphorsäure . 2... 2» 02 20.01 
Arseniksäure). 2. u a el eo). wa er 
steinige Substanzen . » 22.2 .2...86 
Wasser u. yar My. elite. mul ware a Aa 

r ‚100,0 
Das Erz von Servan ist braungelb, von blätteriger Struktur und mit 
zahlreichen kleinen Glimmer-Blättchen durchwebt. Es ergab, auf nassem 
Wege geprüft, 0,013 Arseniksäure. 


Chemische Zerlegungen mehrerer @almei-Abänderun- 
gen, von demselben. (Ibid. pag. 51. cet.) Der Galmei besteht 
wesentlich aus Wasser-freiem kohlensauren Zink ; aber nur selten wird 
diese Substanz rein darin gefunden, sondern fast stets mit einer gewis- 
sen Quantität kohlensauren Eisens verbunden, und häufiger noch ge- 
mengt mit kohlensaurem Blei, mit kohlensaurem Kalk und Talk, mit 


_— 51 — 


Wasser-haltigem Zink-Silikat und mit Eisenoxyd-Hydrat. Zuweilen ent- 
hält der Gaimei auch, gleich den Eisenerzen, etwas Manganoxyd und 
erscheint dadurch schwärzlich gefärbt. Die von B. unternommenen Ana- 
lysen thun dar, in wie mannichfaltiger Weise jene verschiedenen Sub- 
stanzen mit einander verbunden seyn können. Die untersuchten Erze 
waren von folgenden Fundorten: 

I. Galmei von Ampsin unfern Huy in Belgien. Blasig, porös, 
durchscheinend, graulich und von Chalzedon-artigem Aussehen. Hin und 
wieder mit gelben Flecken von Eisenoxyd-Hydrat. 

I. Galmei aus dem Ural. Grosse, innen hohle Stalaktiten mit 
Nieren-förmiger Oberfläche und von krystallinischer Struktur. Gefärbt 
durch Eisenoxyd-Hydrat. 

III. Galmei aus den westlichen Pyrenden. (Angeblicher Fundort 
eine sehr erhabene Stelle in der Gegend von Saint-Jean-Pied-de-Port.) 
Derb, gelblich, gemengt mit Bleiglanz. (Enthält Spuren von Cadmium.) 

IV. Galmei von Montoulin im Herault-Departement. Dicht, gelb 
(wie Eisenoxyd-Hydrat), glanzlos, durchmengt mit krystallinischen Ker- 
nen von kohlensaurem Blei. 

V. Galmei von Tunis. Derb, nur hin und wieder gelblich, körnig 
im Bruche, roth (wie Eisenoxyd), undurchsichtig, auch durchscheinend.: 
Enthält vollkommen Silber-freien Bleiglanz in Nestern und Adern. Der 
kohlensaure Kalk und kohlensaure Talk, welchen die Analyse geliefert, 
rühren vom Muttergestein her und weisen darauf hin, dass das Erz, wie 
die meisten Galmeien in Europa, im Kalk-Gebilde gefunden werden. 

VI, VII und VII. Galmei von Iserlohn in Westpkalen. Nr. VI 
ist voller kleiner Höhlungen, deren Wände mit Nieren-förmigem kohlen- 
sauren Zink, oder mit Eisenoxyd-Hydrat bedeckt sind. Hin und wieder 
findet sich eitigesprengter Bleiglanz. Nr. VII zeigt zerfressene Massen, 
fust zerreiblich, ockergelb. Nr. VIII zerfressen, schwarz (durch Mangan- 
Hydrat) und glanzlos. 

Die Ergebnisse der Analysen waren (die Nummern beziehen sich 
auf vorstehende Notizen): 

I. Hu TEEN. AHIVe v. VL. vu VI: 
Kohlensaures Zink 89,0 . 87,3 . 87,0 . 60,0 . 28,9 . 81,5 . 71,8 . 86,2 
Kohlensaures Eisen 6,5. 53. — — — 3,8 


un Blei in, A ee 
Kohlensaurer Kalk — . — .—- 2,3557. — - ,. 
Kohlensaures Mangan —ı . — .. = = 21,0... ee 
ante Sıhkab N ll EEE Na 
Eisen-Hydrat ..2.— . 53.:56.201. 30. 14.22%,2. 2,6 


Mansen Hyarat 24. wi In mn NINE ENT, 1050 
BErDARE in nn land 2 0A 3. 130. 07. 64. 38. 1.0 

99,7. 98,3 99,4 100,0 97,6 9755 99,6 99,8 
Der in Belgien und im Rheinischen Grossherzogthum vorkommende Gal- 
mei wird häufig von Eisenerzen begleitet. Bei Anglar unfern Lüttich 
findet sich eine solche Eisen-Niere, welche einen beträchtlichen Antheik 


4 * 


von kohlensaurem Zink und von Zink-Silikat enthält. Sie ist dicht (nur 
hin und wieder nimmt man kleine Höhlungen wahr), und dunkelgelb mit 
roth untermengt. Die Zerlegung ergab: 
Eisenoxyd . we... 8 He NE2,t 
Kohlensaures Zink . . 2 202. . 440 


Wasser-haltiges Zink-Silikat * . . .„ 122 
Wasser: 3 Wa SB Band VE 
100,0 


A. Breituaupt: über einige metallische Mineral-Körper 
aus dem Ural, welche zum Theil das bekannte höchste spe- 
eifische Gewicht des Platins übersteigen. (SchwEIgGER- 
SeipeL n. Jahrb. d. Chem, u. Phys. 4855. 41. H. S. 1 ff.) Aus der 
Gold- und Platin-Wäsche’ von Nischno-Pagilsk am Ural erhielt B. einen 
merkwürdigen Mineral-Körper, von dem er folgende Merkmale angibt: 
starker und vollkommenerMetallglanz ; äusserlich silberweiss, stark ins Gelbe 
fallend, innen silberweiss ins Platingraue ziehend; gerundete Körner 
mit Konkavitäten und Porositäten (ein Stückchen zeigte Krystallisation, 
scheinbar ein Fragment eines Oktaeders); im frischen Innern spaltbar 
in drei Richtungen (wie es scheint in denen des Hexaeders); Härte 8 bis 9 
(der Breirtnuaurr’schen Skale; demnach härter als alle Metalle und Me- 
tall-Kompositionen); Dehnbarkeit in niedrigem Grade; sehr schwer zer- 
sprengbar; spezifisches Gewicht mindestens — 22,199, und im vollkom- 
men reinen und dichten Zustande wahrscheinlich auf 24 bis 25 steigend. 
Ohne Zweifel ist das fragliche Metall mineralogisch eine neue Specie 
Über den Gehalt müssen chemische Untersuchungen entscheiden; allein 
wenn die zeitherigen Bestimmungen der chemisch-reinen Metalle richtig 


wären — der Verf. erklärt dieselben zum Theil für sehr mangelhaft — 
so würde die neue Mineral-Specie wohl auch ein neues Metall ent- 
halten. — Unter den Rückständen, die man in der Münze zu St. Pe- 


tersburg bei Ausziehung des Platins, als in Salpeter-Salzsäure unlöslich, 
erhält, fand B. ein grosses Korn des neuen Körpers; dasselbe ist jedoch 
so porös, dass vorherzusehen war, es werde im unzerkleinten Zustande 
kein reines Resultat der Wägung geben, allein dessen ungeachtet war 
das spezifische Gewicht — 20,887. — Unter jenen Rückständen findet 
sich auch viel chromatisches Eisen-Erz, zum Theil in deutlichen 
Oktaedern. Eigenschwere — 4,566. Meist stark magnetischh — Das 
iridische Osmin von Beresofsk bei Nischno-Pagilsk (nicht das 
bekannte Beresofsk bei Katharinenberg) scheint mit dem iridischen 
Osmin von Gorsplogodatsk nicht vereinbar zu seyn. Es hat eine 
schöne weisse Farbe und ‚steht in der Härte dem vorhin erwähnten neuen 
und schwersten Körper ganz nahe, Eigenschwere — 21,511 bis 21,698. 
Das Kıystallisations - System und die basische Spaltbarkeit sind jedoch 
bei beiden ganz einerlei. 


mn _ 


u 


C. F. Pramtner untersuchte das haplotype Eisenerz 
aus dem Tavetsch-Thale in der Schweitz, und den Chondrodit 
vom Vesuv vor dem Löthrohr; jenes Mineral besteht aus Eisen- 
oxyd und Titanoxyd, in diesem wurde Kieselsäure, Talkerde, Fluor-Was- 
serstoffsäure und Eisenoxyd nachgewiesen. (A. a. O. S. 7. ff.) 


Pyrargyllit, ein neues Mineral, von NorDENsKIöLD entdeckt und - 
untersucht. (Berzeivs Jahresber., Übersetz. von Wörter. XII. Jahrg. 
S. 174 #.) Schwarz und glänzend, auch blaulich, körnig oder roth und 
glanzlos, Sehr selten rein in Massen vorkommend, deren Form sich 
zuweilen einem vierseitigen Prisma mit abgestumpften Kanten nähert; 
öfter mit feinen Chlorit-Schuppen durchzogen. Eigenschwere — 2,505; 
Härte — 3 bis 3,5. Salzsäure zersetzt den Pyrargyllit — der den Na- 
men nach der Eigenschaft erhalten hat, beim Erhitzen Thon-Geruch zu 
geben — vollkommen. Findet sich in und um Helsingforss in Fin- 
land im Granit. Resultat der Analyse: 

Kieselerde . . » » 2 2.2.2 2..45,93 
Thonerde co ne a 0000,, 728,93 
Eisenoxydul . . . 2. 2... 0... 530 
Talkerde mit etwas Mangan-Oxydul . 2,90 
Bat ae ee an 4508 
IELDOTT A ae AR Et 
Wasser 0 ot le ae 0 17 
Werluser 0, Se alas 0558 


& 100,01. 
NorRDENSKIÖLD berechnet daraus die Formel: 

f 

© j 

mg) S?--4AS-+ Aq. 

n 

k 


Derselbe hat ein anderes neues Mineral, den Amphodelit, be- 
schrieben und analysirt (A. a. O. S. 174.). Vorkommen im Kalkbruche 
von Lojo. Die Krystallform hat viel Analogie mit der des Feldspaths ; 
Farbe röthlich; zwei Durchgänge, welche einen Winkel von 94° 49° bil- 
den. Härte — 4,5; Eigenschwere — 2,763. Chemischer Gehalt: 

Kieselerde it ta 8 Un 20 WER Me. 4,80 
Thonerde‘ u. nn a7 3548 
Kalkerde, 2%. una. 2009, Wan 0 10,15 
Talkerdey u. en. a et 5,05 
Eisenoxydull . 2. 2 22.0... .170 
Feuchtigkeit und Verlust . © 2. . 1585 

100,00 


Diese Zusammensetzung kann so ausgedrückt werden: 
C E 
EN: Skills AS. 
mg 


BecouereL: über künstliche Bleiglanz-Krystalle (Ann. 
--Chim. Phys. 1833. Mai LIII. 105—108). Man kann bekamntlich 
schwefelsaures Blei durch Sublimation in Würfeln und Oktaedern dar- 
stellen. Allein es kömmt natürlich auch auf Gängen vor, die sich auf 
nassem Wege gebildet zu haben scheinen. Daher B. versuchte und er- 
zielte Krystalle davon auf elektro-chemischem Wege darzustellen, wo 
sje jedoch die Form von Tetraedern annahmen, 

Er füllt nämlich eine unten geschlossene Glas-Röhre von 0,9005 
Weite und 0m,1 Länge zuerst 0m,03 hoch mit Schwefel- Quecksilber, 
giesst eine Auflösung von Magnesium -Chlorur darüber, steckt ein 
Bleiplättchen bis auf den Boden hinein, und überlässt den Apparat her- 
metisch verschlossen dem elektro-chemischen Prozesse. Nach 4—6 Wo- 
chen erscheint an den Wänden der Röhre über dem Schwefei-Quecksil- 
ber eine sehr dünne Schichte eines metallgrauen glänzenden Nieder- 
schlags, der sich leicht ablösst und mit andern Kryställchen bedeckt, 
Es sind die Bleiglanz-Tetraeder. Zweifelsohne hatte sich hier ein Dop- 
pel-Chlorur von Blei gebildet, Magnesium war frei, das Blei —, die 
Flüssigkeit 4 elektrisch geworden; das Blei zog nun das Quecksilber 
aus seiner Verbindung, machte so den — elektr. Schwefel frei, der 
sich nach dem Doppel-Chlorur begab, und theils diesem eine gewisse 
Menge seines Blei’s entzog (daher die Bleiglanz-Krystallisation), theils 
mit dem frei werdenden Chlor und dem Reste des Doppel-Chlorurs ein 
Magnesium-Sulpho-Chlorur bildete. 


Die grösste Masse edeln Berylis besitzt Don Penro. 

Sie hat bis 94” Länge, bis 63‘ Breite, und 225 Unzen Troy-Gewicht 
(ıs Pfd. 9 Unz.). Auf einer Seite sind schwache Andeutungen einer 
Krystall-Fläche. Sonst ist sie ganz von Wasser abgerundet, ihre Ober- 
fläche daher matt, die Masse darunter aber ganz hell und durchschei- 
nend und, so gross sie ist, ohne allen Riss. Die Farbe ist schön blass 
Bonteillen-grün. (ArLan in „Report of the 1 and 2 meetings of the 
British Assoc.“, London 1833, S. 86). 


3. F.W.Jounston: Untersuchung des geschwefelten Schwe- 
fel-Bleis von Dufton (Report ofthe 1and 2 meetings of the British Assoc., 
Lond. 1833.,p. 572). Es ist das „‚supersulphuretted Lead‘ von PrırLırs und 
besitzt eine reine weisse bis ins tief Bleigraue ziehende Farbe; — nimmt 
bald Eindrücke von dem Nagel an, bald widersteht es dem Federmes- 
ger; — ist stets derb, zuweilen aus Schichten yon verschiedener Fär- 


AAN — 


bung zusammengesetzt und.enthält zuweilen Bleiglanz-Krystalle. Eine 
dunkle Varietät dieses Minerals besitzt 5,275 Eigenschwere, Im Ker- 
zenlicht entzündet es sich und brennt mit blauer Flamme und Ent- 
wickelung von Schwefelgeruch. In geschlossener Röhre erhitzt, setzt 
es viel Schwefel ab. Terpenthin-Öl und kochender Alkohol nehmen, wenn 
es fein’ gepulvert ist, einen Antheil Schwefel daraus auf, welcher daher 
nicht chemisch an das Blei gebunden ist. 

Wird das Mineral in freier Luft bis zum Rothglühen erhitzt, so 
verliert eine bleigraue Varietät davon 0,10, eine weisse 0,07 an Gewicht. 
Mit erwärmter Salzsäure behandelt zersetzt es sich und lösst sich, bis 
auf den Schwefel, auf. Die Zusammensetzung einer bleigrauen Va- 


rietät ist Schwefel . . 2. 0,0871 
Schwefelblei . . . 0,9038 
0,9909 


Es kommt zu Duftom mitten in regelmässigen Gängen vor. Ohne 
eine Kenntniss der Lokalitäten ist es schwer, a Quelle des überschüs- 
sigen Schwefels nachzuweisen. 


Zıere sprach bei der Versammlung der Naturforscher in Wien 
(Isis 1833. S. 389.) über die hemiädrischen Abtheilungen des pyramida- 
len Krystall-Systemes; wies am Scapolith auch die trapezoedrische, 
den hemirhomboedrischen Formen des Quarzes analoge Abtheilung nach, 
und hemiedrische vierseitige Prismen am molybdänsauren Blei, das an- 
geblich aus Schemnitz, in Wirklichkeit aber von Berg, im Bannat 
stammt, 


1. Geologie und Geognosie. 


G. Biscnor: über die Quellen-Verhältnisse des westli- 
chen Abhanges vom Teutoburger Walde. (SCHWEIGGER - SEIDEL, 
n. Jahrb. d. Chem. B. VIII, S. 249 #.). Aus dem aufgeschwemmten Lande 
der Westphälischen Niederung erhebt sich das Kreide-Gebirge: höher 
aufwärts erscheint der zunächst untergelagerte Quader-Sandstein, und 
jenseits des Teutoburger Waldes treten die ältern Glieder der Flötz- 
Formation auf. Das Kreide-Gebirge fällt gegen die Westphälische Nie- 
derung, meist unter 10°, und so wie sich die Schichten ihr nähern, wer- 
den sie allmählich horizontal. Grosse, häufig 14 Fuss starke Spalten lassen 
sich Meilen-weit verfolgen, und auf der Oberfläche bemerkt man nicht 
selten Erdfälle, in welche die Meteorwasser eindringen. Die Zerklüf- 
tungen gehen durch sämmtliche Lagen der Kreide-Formation und setzen 
auch in den darunter liegenden Quader-Sandstein fort. Auf solche 
Weise erklärt sich der ungeheure Wasser-Reichthum dieses Landstrichs. 
Die Zerklüftungen, die dadurch gebildeten Höhlen, bieten grosse unter- 


BR - 


irdische Wasser-Sammlungen dar; sie geben die Yarzallidiänkntiih für 
die Quellen ab. In Quader-Sandstein scheinen alle die zahlreichen und 
so äusserst ergiebigen süssen Quellen des westlichen Abhanges des 
Teutoburger Waldes und des nördlichen der Haar zu entspringen, Das 
Kreide-Gebirge, welches den Quader-Sandstein bedeckt, und die letzte 
Hügelreihe am westlichen Abhange des Teutoburger Waldes und am 
nördlichen. der Haar bildet, lässt zwischen sich und dem Sandstein 
eine Thalmulde, in welcher ein grosser Theil der Wasser des letztern 
zu Tag kommt. — Die Becke versinkt in Spalten des Kreide-Gebirges, 
— Bei Lippspringe kommen bedeutende Wasser-Massen aus den Kreide- 
Gebirgen zum Vorschein. Ihre Temperatur beträgt 70,4 bis 70,5 R. 
Aus dem Kessel der Lippe-Quelle erhebt sich van Zeit zu Zeit ein 
Strom von Gasblasen; ebenso entwickeln sich überall aus den süsse : 
Quellen in Lippspringe Gasblasen, wie aus Kohlen-Säuerlingen. Das 
untersuchte Gas bestand aus: 

Sauerstoflgas . © » = 2 .20202.5,75M. 

Stickgas, =. .0 2) en 
100,00 — 
Nur 40 Fuss von der Lippe-Quelle entfernt entspringt eine Therme, 
deren Temperatur —+ 16°,6 R. beträgt. Auch aus dieser Mineral- 

Quelle entwickelt sich ziemlich reichlich Gas, welches aus: 

Sauerstffgas . . » -» 2 2 2....3,66 M. 

Stickgas a li ee ERBE 

Kohlensäuregas . «© x 2 2... 14,90 — 

100,00 — 
besteht. Diese Verschiedenheit in Her Zusammensetzung gegen die 
Gas-Exhalationen aus den heissen Quellen deutet darauf hin, dass die 
Mineral-Quellen in andern Regionen, als die so nahen, süssen entsprin- 
gen müssen, wenn nicht schon die um 9°,4 höhere Temperatur eine 
Entstehung in grösserer Tiefe vermuthen liesse. — Am merkwürdigsten 
zeigt sich das Hervorquellen sehr bedeutender Wasser-Massen zu Pa- 
derborn. Im untern Theil der Stadt sollen 4130 Quellen entspringen, 
wovon stets mehrere in gedrängtem Raum, oft nur 1 bis 2 Schritte 
von einander entfernt, zu Tag kommen und sogleich ansehnliche Bäche 
bilden, die in ihrer Vereinigung die Pader ausmachen. Sämmtliche 
Quellen kommen in einer Strecke von O. nach W. hervor; die am wei- 
testen gegen O. entspringenden haben die niedrigste Temperatur, welche 
aber ziemlich regelmässig gegen W. zunimmt. Mit der Wärme scheint 
in gleichem Verhältnisse der Gehalt von Chlor-Verbindungen (Kochsalz ?) 
zuzunehmen. Ebenso zeigen sich Gas-Entwickelungen in den kalten 
Quellen beinahe nicht oder gar nicht; sie nehmen aber fast in gleichem 
Verhältnisse mit der Temperatur zu. — Die so verschiedene Tempera- 
tur der so nahe neben einander entspringenden Pader-Quellen, 7° bis 
120,96 R., ist eine merkwürdige Erscheinung. Sie beweisst, dass im 
dortigen Kreide-Gebirge eine grosse Zahl einzelner Kanäle (mehr oder 
weniger senkrechte Spalten) neben einander vorhanden seyn ‚müsse, 


AR. ge” 


welche, wenigstens nahe am Ausflusse der Quellen, nicht mit einander 
kommuniziren können, so dass die Wasser sehr selten, oder doch nur 
auf höchst beschränkte Weise, in den Schichtungs-Flächen sich fortbe.. 
wegen *). — Über den Ursprung der Gas-Exhalationen, so wie des 
Gas-Gehaltes dieser Quellwasser dürften sich folgende Hypothesen mit 
grosser Wahrscheinlichkeit aufstellen lassen. Die Spalten und Klüfte 
des Kreide- und Quadersandstein-Gebirges kommuniziren mit der 
Atmosphäre und sind daher mit Luft angefüllt. Das Wasser dieser 
Klüfte absorbirt von dieser atmosphärischen Luft, und zwar um so 
mehr, je höher die darüber stehenden Wasser-Säulen sind, d. h, je 
stärker der Wasserdruck ist. Ein Theil des absorbirten Sauerstoffgases 
oxydirt Kohlenstoff-haltige Substanzen , wahrscheinlich organische Über- 
reste in Kalk u. s. w., und so bildet sich Kohlensäure, welche mit dem 
Wasser verbunden bleibt und die Auflösung kohlensaurer Erde bewirkt. 
Kommt nun dieses Quellwasser zu Tag, so reisst sich der Rest der un- 
ter höherem Wasserdruck aufgenommenen atmosphärischen Luft mit Aus- 
nahme des in Kohlensäure umgewandelten Sauerstoffes los, und es ent- 
wickelt sich eine an Sauerstoffgas ärmere atmosphärische Luft. Derje- 
nige Antheil der absorbirten atmosphärischen Luft, welchen das Wasser 
auch unter dem gewöhnlichen Luftdrucke zurückhalten hann, bleibt zu- 
rück. (Der Verf. ist jedoch weit entfernt anzunehmen, dass alle Koh- 
lensäure, die in Quellen und namentlich in Säuerlingen gefunden wird, 
auf gleiche Weise entstehe; schon jenseits des Teutoburger Waldes, 
am östlichen Abhange, müssen die dortigen Mineral-Quellen ihren Koh- 
lensäure-Gehait ganz andern Prozessen verdanken. Mit gleicher Wahr- 
scheinlichkeit können wir indessen annehmen, dass die nie fehlende 
Kohlensäure in allen Brunnen-Wassern, selbst in denen in aufge- 
schwemmtem Lande, eine Folge der Oxydation der Pflanzenerde (Humus) 
auf Kosten des atmosphärischen Sauerstoffes sey). — Die Bestimmung 
der mittleren Temperatur der Luft durch Quellen kann bei so sehr ver- 
schiedenartiger Temperatur so nahe bei einander entspringender süsser 
Quellen, wie diess bei manchen der oben erwähnten der Fall ist, nur 
unzuverlässige Resultate geben. — Was die vorzüglichsten fixen Be- 
standtheile der untersuchten Wasser betrifft, so enthielten 10,000 Ge- 
wichttheile Wasser aus der 12°, 85 warmen Pader-Quelle: 


EA] 10 Rich ea se 
Schwefelsäure »- . . 2. 2. 202779 
Kalk mit etwas Magnesia. 


ke — 


”), Diess dürfte beim Erbohren Artesischer Brunnen in diesen und in andern Land- 
strichen von ähnlicher geognostischer Beschaffenheit ein wohl zu beachtender 
Umstand seyn; denn von zwei ganz nahe neben einander getriebenen Bohrlöchern 
kann das eine einen Artesischea Brunnen geben, je nachdem es eine senkrechte Spalte 
trifft, das andere nicht; oder beide können Wasser von sehr ungleicher chemischer 
Beschaffenheit und Temperatur liefern, je nachdem das eine Bohrloch eine mehr, 
das andere eine weniger tief herabgehende Spalte trifft. 


= 


a a 


10,000 Gew. Theile Wasser aus Karpen’s Garten enthielten an fixen 
Bestandtheilen überhaupt 7,9873 Gew. Theile, worin 

Chlor EBEN ENT TBEBS 

Schwefelsäure . 2. 2 2 )e 2 2. 092400 

Kalk mit etwas Magnesia. 
Ist das Chlor an Natrium gebunden, so beträgt das Kochsalz im ersten 
der erwähnten Fälle = 7,9873 Gew. Theile, im zweiten aber = 4,6606 
Gew. Theile. Ungeachtet der Kochsalz-Gehalt nicht ganz unbeträcht- 
lich ist, so beträgt dennoch die Menge der fixen Bestandtheile über- 
haupt nicht viel mehr, als man sie in gewöhnlichen süssen Quellen 
findet. Man kann daher die warmen Pader-Quellen keineswegs für‘ Mi- 
neral- oder eigentliche Soolquellen halten. — Seitdem die neuerdings 
von verschiedenen Orten Deutschlands u. s. w. erbohrten Artesischen 
Brunnen konstant eine die mittlere Lnft-Wärme des Ortes übersteigende 
Temperatur gezeigt haben, und damit die Temperatur-Zunahme nach 
dem Erd-Innern auf sehr genügende Weise dargethan worden ist, so 
hängt natürlich die Temperatur einer Quelle, sey sie eine süsse oder 
eine Mineral-Quelle, erstens von der mittlern Luftwärme des Orts und 
zweitens von der Tiefe ab, bis zu welcher das Meteorwasser gelangt: 
Nur in dem Fall also, in dem diese Wasser nicht bis zu der Teufe ge- 
langen, wo die Wärme-Zunahme schon merklich wird, kann aus der 
Quellen-Temperatur die mittlere Lufwärme bestimmt werden. Da man 
dieses aber von keiner Quelle wissen kann, und nach den bisherigen 
Beobachtungen die Temperatur in SOF. Tiefe schon um 1° R. zunimmt, 
so bleibt es bei jeder Quelle unbestimmt, ob sie die mittlere Luftwärme, 
oder die höhere Temperatur aus grössern Tiefen angibt; obwohl im 
den meisten Fällen in nicht sehr zerklüfteten Gebirgen jener Fall der 
gewöhnliche seyn mag. 


K. F. Kröpden: über die Felsarten, welcheıinder Mark 
Brandenburg als Geschiebe vorkommen. (Beiträge zur min. und 
geognost. Kenntniss der Mark Brandenburg. Berlin; 1833.). Bei der 
grossen Manchfaltigkeit und dem Vielartigen der einzelnen Gesteine 
müssen wir uns auf Andeutung des Wichtigen beschränken. Granit 
(unter allen Geschieben vorherrschend; von sogenannten zufälligen Ein- 
mengungen: u.a, Zirkon, Pyrorthit, Orthit, Spodumen, Natron-Spodumen, 
Flussspath, Apatit); Syenit; Diorit; Dolerit; Gabbro, (unter 
den fremdartigen beigemengten Fossilien werden genannt: Rosenquarz, 
Magneteisen u. s. w.); Hornfels; Gneiss (enthält u. a. grosse Kör- 
ner von Dichroit); Glimmerschiefer; Dioritschiefer; Thon- 
schiefer; Feldstein-Porphyr; Augit-Porphyr; Aphanit; 
Grauulit; Quarz-Gestein; Hornblende-Gestein; kör- 
niger Kalk; körniger Gyps; Dolomit; körniger Stink- 
kalk; Talkschiefer; Hornblende-Schiefer; Chloritschie- 
fer; Serpentin; Basalt; Übergangs-Kalk und Bergkalk 


2% 


(beide sehr reich 'an Versteinerungen); Muschelkalk (dessgleichen); 
Oolith (ebenso); Kreide und Kreide-ar tige Gesteine, Feu- 
erstein (enthalten ebenfalls viele Petrefakten); Mergel; dichter 
Stinkkalk; Thon; Roth-Liegendes; oolithischer Sandstein (mit 
manchfaltigen Versteinerungen). (Die Fortsetzung wird der Verf, bei 
einer spätern Gelegenheit liefern.) 


Geognostische Darstellung der Umgegend von Blans- 
%o von K. ReicnensacH in dessen „Geologischen Mittheilungen aus Mäh- 
ren.“ Wien; 1834.) Wir empfehlen aus diesem Buche, dessen Erscheinen 


überhaupt jedem Freund der Wissenschaft willkommen seyn muss, als beson- 


dere Beobachtung verdienend: die Schilderung der Verhältnisse des Mähri- 
schen Syenits; die Nachricht von der Auffindung des alten rothen Sand- 
steins (old red sandstone; R. schlägt dafür den Namen Lathon vor), 
'so ‘wie jene über vermeintliche Mährische Grauwacke und über das 
rothe Todt-Liegende; die Ansichten über die Bohnerze; endlich die Nach- 
weisung des Leitha-Kalkes, so weit im Norden der Donau, als man 
diess bis jetzt nicht vermuthete. Nachstehendes entlehnen wir aus dem 
am Schlusse des Buches (S. 208. ff.) befindlichen geognostischen Über- 
-blick. „Es däucht mir unverkennbar“, sagt der Vf., „dass die Na- 
tur hier das Geschäft dessen, was wir Urbildung nennen, mit dem Sye- 
nite beendigt, und dann das der Flötz-Bildung mit dem Lathon begonnen 
habe. Will man aber, unsern Systemen gemäss, eine Übergangs-Reihe 
haben, so folgt beinahe, dass beide in dieselbe eingerechnet werden müs- 
sen. Im Liegenden des Syenits fehlt es an keinem der bekannten Über- 
gangs-Glieder, als an der Grauwacke und dem ihm mehr oder minder 
verwandten Thonschiefer, im Hangenden desselben aber sieht man, wie 
das Lathon, nach seinem ganzen Verhalten, mehr oder minder zu dem 
Wesen des Thonschiefers und der Grauwacke hinneigt. So fühle ich 
mich, Alles zusammengenommen, sehr zu der Meinung hingezogen, dass 
der Syenit hier im Ganzen genommen der Stellventreter der alten Über- 
gangs-Grauwacke sey, in welche er in seinem letzten Stadium ge- 
wisser Maassen wirklich überging, indem er nämlich mit Lathon endigte, 
und somit schliesslich seine eigentliche Natur einzugestehen genöthigt war.“ 

„Ich verkenne hiebei nicht den grossen Einwurf, welchen man mir 
durch den Umstand entgegenhalten kann, dass das Lathon ebensowenig 
als der Syenit ein Trümmer-Gestein ist, welcher Charakter wesentlich 
der Grauwacke anklebt. Indessen muss man doch wohl auch in der 
Trümmer-Grauwäcke ein Verbundenes und ein Verbindendes unterschei- 
den — ein Passives und ein Aktives — Gerölle und Geschiebe, welche 
einem äusseren Antriebe folgsam sind, und eine Formations-Substanz, 
welche selbstthätig wirkt, jene beherrscht, bewegt, konglomerirt und 
verkittet. Will man den Fall zulassen, dem nichts im Wege steht, dass 
es dieser Formations-Substanz stellenweise, sey es an Material von je- 
ner, oder sey es an zureichender Fortbewegungs-Kraft gemangelt habe, um 


Re: u098 


sich Geschiebe zu schaffen, so muss sie sich in solchen Gegenden ab- 
gelagert haben ohne selbe; also in ihrer Reinheit, in ihrer Eigenthüm- 
lichkeit und ungestört überlassen ihrem eigenen Bildungs-Triebe, ihrem 
Gestaltungs-Gesetze, das keinem irdischen Wesen mangelt. In diesem 
Falle nun scheinen mir die Dinge zur Zeit ihrer Entstehung hier gewe- 
sen zu seyn und, wo unter gestörten Umständen anderswo Thonschiefer 
und Übergangs-Grauwacke sich ablagerten, da bilden sich in Mähren 
unter ungesiörteren Verhältnissen Syenite, die sich nun mit jenen paral- 
lelisiren. Endlich denn, als diese Periode sich schloss, die Bildungs- 
Kräfte sanken, hüllte sich der Syenit in eine Haut von einer Art Ge- 
stein, das Ähnlichkeit mit der Grauwacke hat, aber immer. ohne Trüm- 
mer, nämlich in die Lathon-Formation, die auch bier ganz schwach 
auftritt. In England, wo der old re& sandstone mächtig wird und 
2000 Fuss übersteigt, enthält er schon Trümmer-Gesteine und BaAkzwerr 
will ihn mit der Übergangs-Grauwacke indentifieirt wissen; diess stimmt 
mit unserer Ansicht vortrefflich überein, da das Lathon chemisch aus den- 
selben ‚Elementen besteht, wie der Syenit; und da der Syenit in. das 
Lathon so allmählich übergeht, dass man die Herausbildung des letzteren 
aus dem ersteren Schritt für Schritt nachweisen kann, so dient diess 
meinem Dafürhalten sehr zur Stütze, dass das Lathon, so zu sagen, die 
Nachgeburt des Syenites sey, dass es aus demselben Material, aus demsel- 
ben Bildungstriebe, aus derselbem Richtung der Kräfte hervorging, je- 
doch in dem letzten Stadium, in welchem sie sanken und bald darauf 
erloschen. Das Lathon hat daher hier eine geringe Mächtigkeit, und 
hat die ruhige Ablagerung des Syenits ruhig beschlossen, daher Trüm- 
mer weder aufgewühlt, noch konglomerirt. Die geringe Mächtigkeit 
des Lathons ist ein Zeuge mehr däfür, dass das ordnungsvolle Bildungs- 
Geschäft des ‚Syenits, so zu sagen, bis zu dem letzten Augenblick unge- 
stört fortgewaltet hat und nur der letzte Best zu Grauwacke-artigem 
aber Trümmer-freiem Lathon sich gestaltete.“ 

„Die grössere Mächtigkeit des Old red Sandstone in England ent- 
spricht vollkommen einer grösseren Kraft- Entwicklung in der Periode 
seiner Bildung, und damit einer gewaltsameren Einwirkung auf das Lie- 
gend-Gestein, wovon die Folge Geschiebe und Trümmer-Einschluss dort 
war, was unter den hiesigen ruhigeren Umständen nicht geschah, Dort 
tritt also die Ähnlichkeit mit Grauwacke mit allen Charakteren stark 
hervor, und zur völligen Gleichheit fehlt es nur noch an der grünen 
Farbe, die statt dessen braun ist, Da aber grün, grau und rothbraun 
nur Wechsel-Farben in der Geognosie sind, die sich alle Augenblicke 
einander vertreten‘, so gibt diess keinen wesentlichen Unterschied ab; 
und BAkeweıı hatt nach meiner Ansicht vollkommen Recht, der rothen 
Farbe unerachtet auf Vereinigung des Old red sandstone mit der al- 
ten Grauwacke der Gattung nach zu dringen, wenn er gleich der Art 
nach sich immer von ihr unterscheiden und seine eigene Stelle, sey es 
vielleicht unter dem Namen Lathon, einnehmen wird. Meine Meinung 
geht also dahin, dass der Mährische Syenit und das Lathon zusammen- 


ae A 


genommen aus ein- und -derselben Thätigkeits- -Äusserung der Natur her- 
vorgegangen seyen, ungefähr wie Hagel und Regen aus einem und 
demselben Gewitter hervorgehen; dass die Veränderung, welche in je- 
ner Thätigkeit vorging, und in deren Folge sie vom Syenit zum Lathon 
überging, in einer Schwächung der waltenden Bildungs-Kräfte bestand, 
in Folge deren das Krystallisations- Geschäft, das den Syenit bildete, 
herabgestimmt, und dieselbe Materie nur noch als Sand und Thon schnell 
abgelagert wurde, ungefähr wie Graupeln und nasser Schnee, die sich 
auf einen schönen krystallinischen Reif werfen, wenn das Wetter durch 
ein Windumschlagen schnell sich ändert; dass kollektiv das ganze Ge- 
bilde des Syenits und Latbons die alte Übergangs- -Grauwacke hierlands 
vertreten, und zwar in dem Sinne und aus dem Grunde vertreten, weil 
die schaffende Kraft, die, anderswo durch Konflikte beunruhigt, Grau- 
wacke mit Trümmer-Gestein lieferte, hier in freierer Entwicklung ruhig, 
Syenit bilden konnte, der dann in dem letzten Stadium, in welchem 
endlich Herabstimmung eintrat, in Lathon stufenweise umschlug und 
damit endete,“ 

„In dieser Schwächung der waltenden Bildungs-Kräfte aber, ver- 
möge deren die Ablagerung der vorhandenen Materie vom Krystallini- 
schen zum Erdigen bestimmt wurde, liegt gerade jener grosse Unter- 
schied, der das Ur-Gebirge vom Flötz-Gebirge trennt, und so nahe von 
der einen so eben entwickelten Seite Syenit und Lathon einander lie- 
gen, so dass ich sie so zu sagen für Eins ansehe, so gross ist auf der 
anderen Seite die Kluft, die in naturhistorischer Hinsicht zwischen bei- 
den liegt, dergestalt, dass der eine an der äussersten Grenze der Ur- 
Bildungen, das andere aber an der Spitze der Flötz-Bildungen steht, 
Brüder sind sie wohl von einem Vater der Materie nach, aber von 
verschiedenen Müttern den bildenden Kräften nach, die ihnen Gestalt 
und Entwicklung gaben.“ 

„Ungeachtet der grossen Mannichfaltigkeit der Beschaffenheit und 
des Ansehens, unter welchem der Syenit im hiesigen Gebirge vorkömmt, 
habe ich doch keine einzige Thatsache auffinden können, welche mit 
einiger Wahrscheinlichkeit zeugte für die Vermuthung, dass er aus ei- 
ner unbekannten Tiefe, sey es in fester Gestalt, oder in halbflüssigem 
Zustande, herausgetrieben, mit einem Worte, dass er ein emporgehobe- 
nes Gebirge wäre. Die ganze Struktur desselben spricht sich viel. 
mehr geschichtet aus; es zeigt sich nirgends etwas über einander Ge- 
worfenes ; nirgends habe ich ‚Stöcke oder Stückgebirge darin wahrneh- 
men können; Alles, und selbst der Porphyr und Klingstein, so wie die 
Basalt-ähnlichen Diorite, zeigen ein unläugbares Streichen, das man in 
allen Straten auf halbe und ganze Stunden weit verfolgen kann, bei 
einer verhältnissmässig meist nur sehr geringen Mächtigkeit, Dieses 
als Regel ohne Ausnahme, wie sich bei genauer Untersuchung der 
Natur hier nachweisen lässt, ist nach meiner Ansicht unvereinbar mit 
tumultuarischer Hebung, und ich kann den Mährischen Syenit nur für 
ein Gebirge erkennen, das sein Daseyn dem nämlichen Bildungs- 


Gange der Natur, wie die anderen geschichteten Übergangs-Gebirge 
und keinem örtlichen Ausnahms-Gesetze zu danken hat.“ 

„Wenn ‚das Syenit-Gebirge jetzt auch nicht mehr in der il 
gegen die Kugelfläche der Erde liegt, in welcher sich ursprünglich sein 
Stoff abgelagert hat, so scheint doch alles dahin sich zu vereinigen, 
dass diese erste Ablagerung nach dem jetzigen Gesetze der Schwere 
und folglich in einer Richtung geschah, welche mit der Erdoberfläche 
entweder vollkommen parallel, oder bei unebener Unterlage wenigstens 
einem solchen Parallelismus, d. h. dem Horizontalen zustrebte,. Aller 
Stoff scheint von oben nach unten hernieder gegangen zu seyn, wie 
ein Reif, wie ein Schnee, wie ein Hagel, wie ein Regen,, jeder der 
verschiedenen Stoffe nach seiner Art. Aus welchem Medium, oder aus 
welchen übereinander befindlichen Straten von Medien, etwa wie aus 
verschiedenen Wasserschichten, Wolkenschichten und Luftschichten über 
einander, diese Stoffe sich abgelagert haben, ob es Wasserdämpfe in 
hoher Hitze gewesen seyn können, oder welche andere Substanzen, dar- 
über können wir nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft uns nur erst 
schwankende Muthmassungen erlauben; so viel möchte inzwischen da- 
von doch hierher gehören, dass dieses Medium mit demjenigen gleich 
gewesen seyn wird, von welchem alle anderen gesellichieien und geschie- 
ferten Übergangs-Gebirge ihre Herkunft ableiten.“ 

„Als dem Lathon in stetiger Fortbildung der Erd-Oberfläche Berg- 
Kalk folgte, so traten Erscheinungen gleichzeitig ein, wie Muscheln, 
Korallen ete., von denen wir wissen, dass sie nur im Wasser ent- und 
bestehen können. Wasser war es also, welches unmittelbar nach dem 
Lathon erweisslich in Meeres-Massen hier vorhanden war, und auf des- 
sen Boden der Kalk sich ablagerte (ohne desswegen aber nothwendig. 
ein Niederschlag aus diesem gewesen seyn zu müssen; denn Vieles 
legt sich am Boden eines Wasser-Behälters nieder, ohne darum eine 
chemische Ausscheidung zu seyn; es kann von oben herein gekommen 
seyn). Wenn nun erweisslich der Berg-Kalk schon ein Gebilde ist, auf 
dessen Gestaltung Wasser Einfluss nahm; wenn viele auf ‘den Berg- 
Kalk folgende Glieder fast sämmtlich Zeichen einer gleichen Mitwirk- 
samkeit von Wasser bei ihrer Entstehung aufweisen, wenn unter die- 
sen viele, wie Roth-Todtes, bunter Sandstein, Keuper ete., in ihren physi- 
schen Eigenschaften manche Übereinstimmung mit dem Lathon haben, 
namentlich in der Art der Schichtung der Schiefer, der Sandsteine, der 
Konglomerate und allem dem, was das Wesen der Flötz-Formation aus- 
macht; so hat man nicht bloss Ursache, sondern man ist nothwendig 
zu dem Schlusse hingeführt, dass auch das Lathon bei seiner Bildung 
vom Wasser abhängig gewesen sey, dass ebendasselbe auch, in Bezie- 
hung auf letzteres das Medium war, welches seine Ablagerung, oder 
vielmehr die Form derselben bedingte; und dass folglich überhaupt 
Wasser und Meer sicherlich wenigstens von da an herrschte, wo das 
Lathon beginnt, also ganz unmittelbar an den Grenzmarken der Über- 


1 « 
gangs-Formation. 


NN: a 


„In welchem Zustande hiebei das Wasser gewesen sey, ob heiss 
oder kalt, unter welcher Pressung es gestanden, ob unter jetziger at- 
mosphärischer von 0,76 Meter Quecksilber, oder aber unter einem viel- 
hundertmal stärkeren Drucke, bleibt hier unerörtert, und es kann höch- 
stens mir noch die Bemerkung nachgesehen werden, dass, wenn wirk- 
lich diese Umstände bedeutend von den jetzigen verschieden gewesen 
seyn sollen, diese Verschiedenheit im Alter aufwärts vom Lathon gegen das 
Übergangs-Gebirge sehr abweichend von der gewesen seyn muss, welche 
vom Lathon abwärts im Alter gegen die Flötz-Gebirge Statt hatte; dass 
jedoch diese Verschiedenheit denkbaren Falls so gross gewesen seyn 
kann, dass sie die Mitwirksamkeit des Wassers bei Bildung der Über- 
gangs-Gebirge weder nach physischer noch nach chemischer Nothwendig- 
keit ausschliesst, was die Plutonisten ja nicht zu leicht übergehen möch- 
ten; endlich dann, dass überhaupt die unorganische Natur, in ihrem 
Bildungs-Geschäfte der Erdrinde, da eine sichtbare Katastrophe traf, wo 
bei uns der Syenit mit schnellen Schritten in Lathon umsetzt, und dass 
die Grenze zwischen beiden in ihrer Geschicht - Epoche einen Zeitein- 
schnitt macht, von wo aus eine neue Periode beginnt.“ 

„Eine rubigeFortbildung des Meeresgrundes, auf welchem sich nun 
Bergkalk mit seinen Muschelbänken und Korallenriffen ablagerte, — des- 
sen mit organischen Geschöpfen bevölkerten Stellen vorzugsweise schwärz- 
lich und bituminös geworden, — dessen Schichtung und Pressung die 
zahlreichen Gewundenheiten bewirkte, — die Auflagerungen von einigen 
schwachen Steinkohlen-Häutchen, — die stellenweise Abwesenheit des Kal- 
kes durch Strömungen im Grunde des Meeres veranlasst und besonders 
da verursacht, wo dem Zuge des Wassers Grundgebirge, hervorragende 
Syenit-Massen, sich entgegenstämmten , ein Anprallen, eine verstärkte 
Bewegung, herverbrachten, — der Übergang des Kalkes in die Jüngere 
sogenannte Grauwacke oder die Hauptsteinkohlen-Formation, — die durch 
dieselben Meeres-Strömungen geschaffenen Geschiebe und Konglomerate, 
die übergreifend stellenweise den Kalk überlagern, — das Fortschreiten 
in Rothsandstein, — die Ablagerung von Pflanzen-Resten und Steinkohle 
in ruhigen Buchten desselben u. s. w.: alles dieses geht mit der herr- 
schenden Theorie Hand in Hand und bedarf keiner Erörterung,“ 

„Nun aber beginnt die weite leere Kluft, die zwischen hier und 
dem Quadersand in hiesigen Gegenden Statt hat, und die Theorie hat die 
Aufgabe, die Abwesenheit aller der Formationen zu rechtfertigen, welche 
in anderen Ländern zwischen der Hauptsteinkohlen-Formation , und dem 
Quadersand inne zu liegen pflegen. Ob sie hier nie vorhanden gewesen, 
oder aber ob sie alle nach einander aufgelagert und weggerissen worden 
sind, diess ist die grosse Frage, welche nicht bloss mich, sondern in 
ähnlicher Art alle Geognosten aller anderen Länder, Jeden in seiner 
Sphäre, zur Naturforschung auffordert. Ich habe aus der Beschaffen- 
heit und dem Ausfüllungs-Material unserer Bergkalk- Gruben einen Be- 
weis herzuleiten versucht, dass das Meer, das muthmaasslich mit dem 
Lathon stehend zu werden begann, fortdauernden Stand hier behaup- 


- di => 


tete, bis nahe zum Eintritt der Quadersand-Formation. Habe ich mich 
in dieser Berechnung nicht getäuscht, und darf ich von ihr ein Anhal- 
ten abnehmen, so leistet sie nicht unwichtige Aushülfe zur Aufklärung 
mancher geologischen Zweifel und Ungewissheiten, und wird sie noch 
weiter und umfassender leisten, wenn andere Geognosten die Zustände 
und Ausfüllungs - Materien anderer Gruben in ‚anderen Ländern, und 
besonders in anderen Kalk-Formationen , von demselben Gesichtspunkte 
aus untersucht haben werden, den ich für die hiesigen aufzustellen 
mich bestrebte.“ 

„Hiernach zu urtheilen, muss das Meer in hiesiger Gegend diese 
Periode über in einer solchen Bewegung gewesen seyn, dass sie die Abla- 
gerung der mittleren Flötz-Gebirge entweder unmöglich machte, oder 
wenn sie theilweise Statt gefunden haben sollte, eine völlige Vernich- 
tung dieser Theile wieder nachgefolgt seyn musste. Dieses Letztere 
wird, wenn nicht das Wahrscheinlichere, doch: in so weit von dem Zu- 
stande des hiesigen Gebirgs unterstützt, dass daraus eine gewaltige 
Wasserbewegung unverkennbar hervorgeht, die in solchem Grad Statt 
gefunden haben muss, dass sie einen grossen Theil des Hauptstein- 
kohlen-Gebirges, des Kalkes, des Lathons und des Syenits nieder- 
riss und fortschwemmte, und so unseren Syenit wieder entblösste, der 
wo nicht von den späteren Formationen, doch von .dem Lathon, dem 
Bergkalke und der theilweise selbst barometrisch höher liegenden Haupt- 
steinkohlen-Formation überdeckt seyn müsste.“ 

„Mit dem Abzug des alten Meeres, unter dessen Mitwirkung das 
alte und mittlere Flötz-Gebirge sich ablagerte, trat jene grosse Wasser- 
Bewegung ein, unter deren Einfluss erst die Kalk-Höhlen im Bergkalk 
entstehen konnten, was nicht bloss ein einfaches Abziehen des Wassers, 
sondern ein gewaltiges und häufiges Wiederkehren desselben in Form 
unermesslicher und langdauernder Regen, muthmaasslich in höheren Tem- 
peraturen voraussetzt, In die Zeit dieser Rotation des Wassers durch 
die Atmosphäre über die Erd-Oberfläche wieder hinab und hinein in 
die Zerklüftungs-Spalten des Kalkes, wo es gelegentlich davon kleine An- 
theile auflösste, fällt dann zunächst die Bildung und Ausätzung der 
Kalk-Höhlen, und die ähnliche Wirkung grosser Wasser-Bewegung, nam- 
lich der Ausfurchung unserer meisten Thäler, besonders der Hauptthäler, 
und das Durchreissen,, oder vielmehr durch fortgewälzte Geschiebe be- 
wirkte Durchkratzen derselben durch felsige Passagen, die so entstan- 
den, wie 'man mit Sand und platten Eisen-Schienen ohne Zähne Steine 
zu zersägen pflegt. Diesen Ereignissen unmittelbar folgten die Höhlen- 
Einstürzungen, die u nzen von Kalk-Abgründen , senkrechten Felsen- 
Wänden darin u. s. w.‘ 

„Die hiesigen Verhältnisse also, und darunter namentlich die Um- 
stände, dass in den Kalk-Gruben sich nirgends Ausfüllungen aus der 
mittleren Flötz-Zeit vorfinden, dienen der Ansicht zur Stütze, dass diese 
sich nicht vor Abzug des Meeres gebildet haben können, dass aber um- 
gekehrt das Meer dann auch wirklich abgegangen seyn müsse, weil 


U 


olıne seine Entfernung keine Wasser-Fälle und folglich keine Höhlen- 
Auswaschungen möglich waren, und endlich dass in der That das Meer so 
lange vorhanden gewesen seyn müsse, bis die Zeit der Höhlen-Bildung 
begann. Eines folgt aus dem Andern unmittelbar. Lehrt uns die Be- 
schaffenheit der Ausfüllung durch die Quadersand-Formation, dass bis 
an diese Periode hin jenes Ereigniss gegrenzt habe, so kann man einen 
Rückblick über die Formationen versuchen, welche alle unter dem Ein- 
fiusse dieses muthmasslichen alten Meeres sich gebildet haben müssten: 
es waren die vom Lathon an bis zum Jura-Kalke hin. Und in der 
That wird man dann mit Befriedigung wahrnehmen, dass alle die hier 
unter einem gemeinschaftlichen Gesichtspunkt zusammengefassten Forma- 
tionen eine gewisse Gemeinschaftlichkeit des allgemeinen Charakters 
haben, der so vielfach und so in die Augen fallend ist, dass man längst 
schon sie unter dem gemeinschaftlichen Namen der mittleren Flötz-For- 
mation zusammen fasste, eine Vereinigung, die dann aus den hier ent- 
wiekelten Verhältnissen in Mähren nur Verstärkung ihrer Bande ent- 
nehmen könnte. Die Formationen dann, welche mit dem Quadersand- 
stein, oder vielleicht schon mit dem Jura-Kalk beginnen, machen eine 
andere, nicht mehr unter denselben Umständen, sondern unter ganz ab- 
geänderten Verhältnissen gebildete Gruppe aus. Es tritt ein neuer Zeit- 
Einschnitt in der Bildungs-Geschichte der Erdrinde ein, eine abermalige 
Epoche, wovon sich auf diese Weise ein Grund mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit und Klarheit vor Augen stellen lässt.“ 

„Weil nun diese Kalk-Abgründe und Untiefen folgerecht unmöglich 
früher, als gerade unmittelbar vor der Periode der Quadersandstein.- 
Bildung entstanden seyn konnten, so legte sich dann auch diese 
unmittelbar da hinein, und bildete unsere Bohnerz - Formation in 
den. Kalk-Gruben, Wasser-Massen müssen dann aufs Neue stationär 
geworden seyn, und haben von ihrem Daseyn in den Muscheln Urkunde 
hinterlassen, die wir im Quader-Sandstein finden. — Auch der Abzug 
dieses zweiten Meeres war mit Verwüstungen und Beschädigungen des 
festen Grundes verbunden , jedoch weniger mit langdauernden Nachlie- 
ferungen starker atmosphärischer Wasser, da die Kreide und der Kreide- 
Kalk nicht den Reichthum an Höhlen besitzen, von welchem der Berg- 
Kalk ganz durchschwärmt ist. — Endlich haben spätere Ereignisse noch 
den durch die Braunkohlen-Formation, den älteren Grobkalk u. s. w. 
ziemlich weit davon abstehenden jüngeren Grobkalk, sogenannten Leitha- 
Kalk, nebst dem dazu gehörigen Tegel abgesetzt, dessen Erscheinung 
in die Verwicklungen der tertiären Formationen sich einschliesst, die 

grösstentheils örtlich sind, und hier nur eine untergeordnete Rolle spie- 
len. Er ist ein Ausläufer aus dem grossen Ungarischen Becken, und 
nimmt durch seine theils oolithische, theils krystallinische Bildung einige 
Aufmerksamkeit in geognostischer Hinsicht in so fern m Anspruch, als 
er diese Formen unerwartet spät zum Vorschein bringt.“ 


Jahrgang 1834. 3 


Ba 


Ausbruch des Vesuvs im Jahre 1832. (Osservatore del 
Vesuvio, No. 3. > Bibl. univers. Avril, 1833, p. 350. etc.) Heftige 
Gewitter hatten an den Tagen Statt, welche den Eruptionen im Julius 
und August vorangingen und die unmittelbar darauf folgten. Besonders 
in den gegen N. vom Vulkane gelegenen Provinzen war diess der Fall; 
allein sie zogen sich auch in östlicher Richtung, bis in die Capitanate. 
Die Temperatur erlangte plötzlich einen ungewöhnlich niederen Stand. 
Nach dem 31. Julius hörten die Gewitter im Norden des Königreichs 
Neapel auf, und nun wurde es sehr bald wieder wärmer. Der Ätna 
war während des Vesuvischen Ausbruchs vollkommen ruhig, erst am 31. 
Oktober begann er thätig zu werden und seine Katastrophen dauerten 
bis zum 22. November. Während des Septembers und später entstieg 
dem inneren Kegel des Vesuv’s eine kaum sichtbare Rauch-Säule. Am 16. 
Dezember endlich ereignete sich eine abermalige sehr bedeutende Erup- 
tion. Die Erzeugnisse der Eruption im Julius und August lassen sich 
in vier Klassen theilen: R 

1. Laven, welche dem Krater entflossen, theils mehr Stein - artig, 
theils mehr schlackig, letztere zeigen häufig Kerne von schwarzer porö- 
ser Lava, Gemenge aus Augit- und Leuzit-Körnern, denen sich mitunter 
sehr kleine Glimmer-Blättchen beigesellen. 

2. Auswürflinge: Schlacken verschiedener Grösse, Eisen-schwarz 
und von sehr regelloser Gestalt, im Inneren dicht, mit kleinen Leuzit- 
Kıystallen und mit Augit-Theilchen. Die, beträchtlichsten Auswürflinge 
von Bomben-Gestalt wogen 250 Pfund, 

3.SublimationenundErzeugnisse chemischer Reaktion. 
Dahin: Steinsalz (sehr häufig auf dem Plateau des Kraters und in 
den zahllosen Spalten, Staub-artig, als Effloreszenz, stalaktitisch u. s. w.); 
salzsaures Eisen; Eisen-Peroxyd (in Karmin-rothen Schüpp- 
chen); salzsaures und schwefelsaures Kupfer, endlich eme 
eigenthümliche, in kleinen Tropfsteinen sich darstellende Substanz, welche 
den vorgenommenen chemischen Versuchen zu Folge von sehr zusam- 
mengesetzter Natur ist. 

4. Gas-artige und flüchtige Substanzen: wässerige 
Dämpfe, salzsaures und schwefelsaures Gas. (Kolensaures Gas scheint 
sich bei diesem Ausbruch nirgends entwickelt zu haben.) 


j 


Allgemeine Notizen über die Geologie der Kanarischen 
Inseln von JAaurrrer. (Bibl, univers.; Avril 1833, p. 347. ete.)*) 
Vier grosse und scharf von einander abgeschiedenen Formationen sollen 
jene Inseln zusammensetzen: augitische Gesteine, feldspathige Gesteine, 
tertiäre Gebilde, neue Laven und Produkte der letzten Eruptionen. 


v 

*) Wir glauben die ausdrückliche Bemerkung des Verf’s. nicht übergehen zu dürfen, 
dass ihm L. v. Buch’s Werk über die Kanarischen Inseln un bekannt geblieben 
sey, weil er sich solches nicht zu verschaffen gewusst habe. ‚D. R. 


Sl a VL 


Die augitischen Felsarten nehmen das Küstenland und die mittlere 
Höhen ein; sie enthalten viele Hornblende- und Olivin-Krystalle [?] 
und nehmen oft Säulen-Gestalt an. Die Ablagerungen dieser Gesteine 
werden durch unermessliche Schichten von Tuff, von Konglomeraten, von 
vulkanischem Sand und Thon geschieden. Die Haufwerke von Bins- 
steinen, welche den Distrikt von Arico de las Bandas bedecken, so wie 
jene des grossen Plateaus von Las Canadas, gehören ohne Zweifel 
einer viel früheren Zeit an. Die Basalte und Tuffe von Madera sind 
jenen der Kanarischen Inseln beinahe identisch. Bei Jeod-el-allo auf 
Teneriffa enthalten die Tuffe Abdrücke von Blättern. Die inneren Berge 
der Eilande und die Abhänge:' ihrer ungeheuren primitiven Kratere be- 
stehen aus feldspathigen Gesteinen. In dem unteren Theile der Kalk- 
tuffe trifft man grosse Blöcke und Bruchstücke von Basalten. Die Kalk- 
Ablagerung ist nicht sehr mächtig auf den Kanarischen Inseln. Sie 
enthält in dem oberen Theile Land-, und in dem unteren Meeres-Muscheln 
u. s. w. [Unsere Leser werden aus obigen Mittheilungen das sehr 
Dürftige der Jaurrrer’schen Notizen entnehmen können.] 


Er. Horemann: über die geognostische Beschaffenheit 
der Liparischen Inseln *). Das erste unter den Gliedern dieses klei- 
nen Systemes von Vulkanen ist der immer thätige Stromboli, ein Kegel- 
förmiger, steil aufsteigender Berg von 2775 F. Meereshöhe und von 
kaum mehr als 2 Stunden im Umkreis an seiner Basis. Unter den Kir- 
chen von S, Vicenzo und S. Bartolo dehnt sich ein sanft geneigtes Vorland 
an der Basis des sonst überall steil abgeschnittenen Kegelberges aus, 
das der Bewohnung und dem Anbau die am meisten geeigneten Grund- . 
lagen darbietet, Die Hauptmasse dieses Vorlandes besteht aus schwar- 
zem, sehr feinkörnigem Eruptions-Sand (kleinen Bruchstücken von Ausgit, 
minder häufigen Oliyin- und noch selteneren glasigen Feldspath-Körnern). 
Aus dem Sande ragen die Überreste zweier Lavenströme hervor, deren 
Masse den Ätna-Laven, doch mehr noch jenen des bekannten Stromes 
deli’ Arso auf Ischia gleicht. Ganz damit übereinstimmend ist die 
Natur jener Laven, welche noch heute stets der Krater von Stromboli 
bildet. Aufsteigend vom Landungs-Platze nach den steilen Gehängen 
des Insel-Berges sieht man sehr bald einen ausgezeichnet verschieden- 
artigen Charakter in der Zusammensetzung des Landes hervortreten. 
Parallel mit der Oberfläche des Abhanges setzen überall rings umher 
Band-artige, mächtige Lavenbänke, abwechselnd mit Konglomeraten von 
aus ihren Schlacken-Krusten gebildeten Bruchstücken und mit hellfar- 
bigen Tuff-Bänken auf, Die Natur dieser Gesteine ist sehr wesentlich 
verschieden von den gleichnamigen Produkten, welche der gegenwärtig 
ihr Inneres durchbrechende Vulkan liefert. Die Laven-Masse stellt 
sich als ein Trachyt-Porphyr, oder als eine Porphyr-artige Trachyt-Lava dar; 


*) Leipzig ; 1832 (Abdruck aus den Ann. d. Plıys- und Chem.). 


N IS zn 


denn dass die Massen wahre Ströme bilden, dafür bürgen ihre ge- 
sammten Verhältnisse. Der Tuff, welcher dazwischen liegt, ist lichte 
braungelb, voll Lavastücken und von Bimsstein-Streifen durchzogen, 
Dieses Terrain bedeckt, in sehr ungleichen Verhältnissen des Wechsels 
und der Mächtigkeit, wenigstens zwei Drittheile von der Oberfläche der 
Insel. Seine Masse bildet den Kern und das Gerippe des ganzen Ke- 
gelberges. Diese Verhältnisse dauern an bis etwa 200 oder 300 F. 
unterhalb des Gipfels, und ehe man die höchste Bergspitze erreicht 
hat, zeigt sich das Ende der Erscheinung im Ausgehenden der Lava- 
und Tuff-Bänke, welche Ring-förmig fast wagerecht fortlaufen. Wir 
stehen auf dem Rande einer Krater-förmigen Bildung, welche wir 
leicht emen Erhebungs-Krater nennen dürften. Aber der Ring 
dieses Kraters ist nur zur Hälfte wirklich gebildet, zur Hälfte vielleicht 
einst wieder zerstört worden. Sobald man die ausgehenden Felsrän- 
der verlassen hat, tritt man in das Gebiet des sich fortwährend ent- 
wickelnden Eruptions-Kegels. Ein Rücken, aus Asche, aus schwarzem 
Sand und grossen Schlacken-Klumpen gebildet, erhebt sich, und hin- 
aufsteigend steht man bald am oberen Theile des Randes von der im- 
mer thätigen Werkstätte, welcher die Insel ihre Entstehung verdankt. 
Der Gipfel ist gleichfalls ein halbkreisförmig geordneter schmaler Berg- 
kamm, und der neue, wie der alte Krater öffnen sich mit nur halb 
erhaltenen Wänden ihrer Einfassung, der eine im andern, gegen das Meer 
hin im NW. steil abgerissen. Im Sande des deutlich geschichteten in- 
nern Ringes, dessen Schichten meist sehr steil, theils nach aussen, 
theils nach innen fallen, finden sich, neben schwarzen Schlacken-Klum- 
pen und grossen Bimsstein-Stücken, zahllose Augit-Krystalle. In einem 
tiefsten Theile der Biegung, welche die Mantel förmige Einfassung des 
alten Erhebungs-Kraters bildet, hängen die Aufschüttungen des neuen 
Eruptions-Kegels fast unmittelbar mit den Rändern der alten Lavabänke 
zusammen; das Innere des alten Kraters ist hier vollkommen von den 
Bildungen des neuen erfüllt worden. Im SW. und SO. aber ragen die 
Flügel der alten Einfassung zum Theil ‚hervor, besonders an dem von 
S. Vincenzo nach dem Dörfchen Inostra führenden sehr steilen Wege. 
Der neue. Eruptions-Krater hat einen Durchmesser. von ‚wenißstens 
2000 F. In ungefähr 600 F. mittler Tiefe liegen, auf schwarzem 
Sandboden, die Mündungen seines immer thätigen Schlundes, deren 
nach Zeit und Umständen, was Zahl und Grösse betrifft, sehr verschie- 
dene vorhanden sind. Die von H, beobachtete Haupt-Mündung lag ziem- 
lich in der Mitte des Krater-Ringes, hatte 200 F. Durchmesser, 
dampfte sanft und gleichförmig, und die Wände ihres Rauchfangs 
waren mit einer Schwefel-Rinde bekleidet. Im Innern einer andern 
kleinen Öffnung, die ununterbrochen explodirte und, in fast regelmäs- 
sisen Abständen, Dampfwolken ausstiess und Tausende glühender Lava- 
stücke emporschleuderte, blieb die auf- und niedersteigende flüssige 
Lavasäule noch stets 20 bis 30 F, unter der Öffnung ihres Schach- 
tes, und es zeigte sich klar, dass das Gewicht dieser Lavasäule nur 


a, 


durch die ungeheure Spannung erhitzter Wasserdämpfe getragen und 
bewegt werden konnte. Etwa 100 F. tiefer lag eine dritte Mündung, 
und aus ihr quoll ein kleiner Lavastrom am Abhange hinunter. — Die 
von Pouterr ScrorE versuchte Erklärung der stets fortdauernden 
schwachen Ausbrüche von Stromboli scheint dem Verf. die richtige. — 
Eine anziehende geognostische Erscheinung zeigen die vorspringenden 
steilen Felswände, welche dem Schlacken-Felsen zur Einfassung dienen, 
Hunderte von Band-artig übereinander: gelagerten Lavaströmen senken 
sich hier und meist sehr steil ins Meer nieder. Zwischen ihnen lagern 
sich oft fest zusammengebackene Schlacken- Konglomerate und lockere 


‘Sandschichten, und ihr Verlauf ist im Allgemeinen so regelmässig, dass 


man sie aus der Ferne für Massen eines stark geschichteten Flötz-Ge- 
birges halten könnte. Nur selten haben sich einzelne Lavenströme 


durch die lockern Substanzen hindurchgewunden. Besonders merkwür- 
(dig sind die seiger durchsetzenden Gangplatten, entschieden von 


neuer Entstehung und dem heutigen Eruptions-Kegel angehörig. 

Etwa in 15 Miglien Entfernung von Stromboli gegen SW. ragt 
aus dem Meere jene zusammenhängende Felsen-Gruppe hervor, deren 
Hauptinseln der hoch aufsteigenden Panaria, und nächst dem der viel 
minder bedeutende Basiluzzo bilden. Die Gestalt des letztern ist nicht 
Kegel-förmig; er senkt sich sanft gegen SO. und sehr steil gegen NW. 
Das herrschende Gestein ist ein Trachyt von eigenthümlicher Zusam- 
mensetzung (wir müssen, was eine sehr umfassende Schilderung des- 
selben betrifft, auf die, Schrift selbst, S. 17 fi. verweisen), auf deren 
Oberfläche locker zerstreut einzelne kleine Bimssteine liegen. An der 
Südküste von Panaria ist das Haupt-Gestein ausgezeichneter Trachyt- 
Porphyr. Einzelne Stücke der Massen sind mit Rinde weissen Kiesel- 
sinters bekleidet, obwohl man in der;Nähe keine Fumarolen oder warme 
Mineral-Quellen findet. Doromieuv und SrarLanzanı sehen die Fels- 
trümmer als Beste eines zerstörten Kraters von wahrscheinlich 6 Mig- 
lien Durchmesser an; nach H, dürften sie die nur veränderten und abge- 
nagten Theile einer ungleichföormig zu ihrer gegenwärtigen Höhe em- 
porgetriebenen Masse von der Oberfläche des vormaligen Meeresgrun- 
des seyn. 1 R ) 

Die Hauptinsel Lipari, welche dem ganzen kleinen Archipelagus 
den Namen ertheilt hat, weicht auffallend von Stromboli und Panaria 
ab. Ihre Oberfläche zerfällt in drei deutlich ven einander geschiedene 
Abtheilungen. Am Südrande der mittlern derselben, der beträchtlichsten 
und unstreitig der ältesten unter den Bildungen, welche das Innere der 
Insel zusammensetzen, erhebt sich der Kegel des Monte St. Angelo. 
Gegen O, fällt er sanft und sehr gleichförmig ab bis zur Meeresküste ; 
gegen S. ruht derselbe auf einer bereits ansehnlich über dem Meere 
erhabenen Basis, welche von O. gegen W. mehr und mehr ansteigt. In 
nordöstlicher Richtung verbindet sich der Abhang des Hauptberges mit 
dem Monte di tre puore durch ein flaches weites Thal, welches etwa 
1000 F, über dem Meere liegt, und man nennt hier den vom letzter- 


en 


wähnten Berge zu ihm übersetzenden sanften Höhenzug S. Eremo 
Das ganze, ringsum scharf begrenzte Stück Landes, welches das Innere 
und denKern der Insel bildet, besteht vorherrschend aus einer braunen, 
erdigen Tuffmasse, von vielfach zerkleinerten Bruchstücken vulkanischer 
Erzeugnisse gebildet. Dieser Tuff hat viel Ähnliches mit jenem von 
‘der Wilhelmshöhe bei Kassel. Kleine, schwarze, auch grau oder röth- 
lich gefärbte Lavenstücke mit vielen eingeschlossenen Feldspath-, seltner 
mit Augit-Körnern, sind die vorzüglichsten Gemengtheile; ausnahms- 
weise finden sich einzelne Schlackenbrocken und Bimsstein-Stücke. Die 
ganze Tuff-Bildung erscheint auf das Vollkommenste geschichtet. Nähert 
man sich dem Abhange des, auf diesen Grundlagen ruhenden Kegels, 
so richten sich die ringsum wagerechten Tuff-Schichten auf. Der Haupt- 
berg der Insel ist also sehr deutlich ein alter Eruptions-Kegel. 
Diess beweisen seine Schichten-Bildung und die von ihm ausgegangenen 
Lavaströme. Der Krater ist eine, von sanft gewundenen Abhängen ein- 
gefasste, fast Ei-förmige Vertiefung, Seine Längenaxe von O. nach 
W. laufend, hat etwa 700 bis 800 Schritte. Gegen W. ist 
er offen, und von dorther erheben sich die Ränder seiner Einfas- 
sung bis zum höchsten ihrer Punkte an der Nordseite, dessen Schei- 
tel-Linie etwa 200 F. über dem Boden dieser Vertiefung erhöht liegt. 
Wie der Monte S. Angelo, nur in kleinem Massstabe, sind auch die 
Monti russi gebildet, Beide Kegel bestehen aus konzentrischen, sie rings- 
um einschliessenden Tuf-Schichten, und die Vertiefung in ihrer Mitte 
ist sehr wahrscheinlich der Rest ihres eingefallenen Kraters. — Auf 
der Westseite der Insel bildet der Rand der Hochebene von @wattro- 
pani einen senkrechten Absturz von etwa 200 F. Höhe. Die Felswand 
besteht aus wagerechten Tuffbänken, zwischen denen, wohl hundertfach 
wiederholt, ein grauer‘, stark erhärteter Thon.1‘ bis 3” starke, dem 
Gängen stets deutlich parallel laufenden Bänder bildet. Sehr häufig 
geht dieser Thonstein in eine vollkommen dichte Kieselmasse über, 
In dieser Kieselmasse, nicht selten aber auch in den Thonsteinen und im 
Tuff, erscheinen die, bereits von Doromizv erwähnten Pflanzen-Reste; 
keine Überbleibsel von Fucus, wohl aber Dikotyledonen-Blätter und 
Blätter-Abdrücke scheinbar den im nahen sSicilien wachsenden Fächer- 
Palmen zugehörig. Gewiss befand sich hier ein mit Palmen und Diko- 
tyledonen-Sträuchern bewachsenes Festland in der Nähe, als die. das 
Tuffland erzeugenden Eruptions-Kegel in Thätigkeit waren, Ein un- 
tergeordnetes Glied der Tuffmassen sind die mit ihm zahlreich auftre- 
tenden Lavabäuke, Der Monte S. Angelo trägt am obern Theile seines 
Abhanges noch die Reste zweier deutlich unterscheidbaren Ströme. Ihre 
Masse ist sehr dicht, reich an Feldspath, ein wahrer Feldstein-Porphyr ; 
auf der Oberfläche zeigen sie keine Schlackenrinde, ein Beweis von 
sehr hohem Alter, der noch durch ihre vollkommene Zertheilung in 
unförmliche Felsblöcke vermehrt wird. Eine ähnliche Lava deckt den 
Abhang des westlichen unter den Monti rossi. Ungleich manchfaltiger 
ist die Beschaffenheit der Lava-Massen, welche im Innern der Tuß- 


bänke sich eingeschlossen finden; einzelne gleichen ganz den neuen 
Ätna-Laven. — An der steil abgerissenen Westküste entströmen. noch 
dem Innern des Monte S, Angelo, ausser ‘den heissen Quellen der 
Grotte di S. Calogero, auch die vielleicht eben so reichhaltigen Was- 
ser-Massen der Bagni caldi. Sehr nahe bei den erst bezeichneten 
Orten entweichen ferner noch immer dem Boden die mit Schwefel ge- 
schwängerten Wasserdämpfe einer ununterbrochenen Fumarole, die 
Stufe di S. Calogero, oder auch wohl il bagno secco genannt. Die 
zersetzenden und umändernden Einflüsse dieser Dämpfe auf die mit ihnen 
in Berührung kommenden umliegenden Gesteinmassen sind in hohem 
Grade merkwürdig und müssen früher noch viel ansehnlicher und aus- 
gedehnter gewesen seyn, Aus dem dunkelfarbigen Tuftbande der Stu- 
fe di S. Calogero tritt man plötzlich in eine schneeweise Fläche, Die 
Bank einer ausragenden dunkeln Feldspath-Lava ist in ein dichtes, 
groberdig körniges, fast Tripel-ähnliches Gestein umgewandelt. Der 
nahe Tuff zeigt sich gelblichweiss, sehr uneben, und ganz unregelmäs- 
sig ragen rauhe Knollen eines an Opal oder Pechstein erinnernden 
Gesteins hervor, mit Überzügen von Chalzedon und Hyalith-ähnlichem 
Kieselsinter. In innigster Verbindung mit den zahlreichen Zersetzun- 
gen und:Verwitterungen, welche hier bewirkt worden, sieht man überall 
an den Wänden der Abhänge der Stufe di S. Calogero wohl ausge- 
bildete Gypsmassen auftreten. Die ganze Tuffmasse ist von schnee- 
weissen oder blassrothen Gyps-Trümmern durchzogen, seidenglänzend, 
von faserigem Gefüge und bis zu 1 Zoll stark. Sehr häufig erscheint 
der Tufl längs den Abhängen in eine schmierige, unrein ockergelbe 
Thonmasse verwandelt. Und dieser Thon ist voll von Gyps-Blättern 
und durchzogen von Fasergyps-Schnüren. Diese Erscheinung findet 
man keineswegs auf eine eng umschriebene Örtlichkeit beschränkt; fast 
überall an den Abhängen einer stundenlangen Küste wird sie getroffen, 
und die Höhe der von Gypsmassen durchdrungenen Bergwände erreicht 
häuflg 200 F,; auch an einem andern Orte der Insel findet sich Gyps- 
Bildung unter ähnlichen Verhältnissen. — Die beiden andern Bezirke, 
‚welche Lipari zusammensetzen, sind unter sich im Wesentlichen von 
gleichartiger Beschaffenheit, An die Stelle der bisher beschriebenen 
Tuffmassen treten Bimssteine und Obsidian-Konglomerate, 
und der Charakter jener Stein-artigen Feldspath-Lava ist in den. einer 
aufgeblähten oder dichten, glänzenden Glasmasse verwandelt. Ob der 
Monte Guardia, dessen Seehöhe 1100 bis 1200 F, beträgt, auf seinem 
Gipfel einen Krater habe, scheint keineswegs ausser Zweifel; aber 
an der Nordseite des Berges, etwa 600 F. unter dem Gipfel, findet man 
einen Kessel-förmigen Thalgrund, 2a fossa della valle del monte, der 
sich, durch die Richtung der ringsum von ihm abfallenden Laven-Strö- 
me und Konglomerat-Schichten, als wahrer Krater zu erkennen gibt. 
In der dritten Abtheilung ‘von Lipari herrschen zumal die Bimssteine, 
deren Mächtigkeit und Reinheit diese Gegend bereits seit Jahrhunder- 
ten zur Fundgrube jenes Produktes für die Versorgung von ganz Eu- 


a 


ropa gemacht hat. Ausgezeichnet schöne Übergänge und Verbindungen 
des Obsidians mit dem Bimsstein trifft man hier in allen Graden und 
Verhältnissen. Bei weitem vorwaltend wechseln beide Fossilien in zahl- 


reich wiederholter, oft vollkommen schieferiger Streifung. Eine andere 


schöne Erscheinung bieten ferner die zahlreichen Beispiele der Entgla- 
sung, welche die schwarzen glänzenden Glasstücke darbieten. Sie be- 
ginnt mit den exzentrisch faserigen Krystall-Kugeln und endigt allmäh- 
lich mit einer röthlichgrauen, dichten, feinerdigen Thonstein-Masse. In 
Obsidian-Masse eng eingeschlossen, fand H. zwei Granit-Stücke. Auf 
dem Gipfel des im N. von Caneto emporsteigenden Monte Campo bianco 
sieht man sich am steil abgestürzten Rande eines prachtvollen Kraters; 


‘der mit steilen Bergwänden umschlossene Halbkreis hat wenigstens | 


3000 F. im Durchmesser und 500 F. Tiefe. Der Lavastrom vom Capo 
Castagno, den man vom Meere bis zu seiner Quelle im Krater des 
Campo bianco verfolgen kann, ist von wunderbarer Frische. Seime 


‘sichtbare Mächtigkeit, längs den steil aufsteigenden Rändern, beträgt 


über 100 F., die Breiten unter 4 Miglie, die Längen-Erstreckung we- 
nigstens 14 M. Seine Hauptmasse ist Bimsstein-Lava, deren Fasern 
stets der Erstreckung des Stroms parallel laufen. Eigentliche Schla- 
cken-Krusten werden an der Oberfläche nicht gefunden. Aber am An- 
fange des Stroms im Krater hat sich ein breiter Ring-förmiger Wall 
von Bimsstein- und Obsidian-Stücken locker aufgehäuft, welehe eine innere 
konzentrische Einfassung in den steil abgerissenen blendend weissen 
Kraterwänden bilden. Aber diese grossartige Fossa am Campo bianco 
war einst durch eine viel riesenhaftere eingeschlossen, von welcher die 
kreisförmig gebogene Westhälfte noch gut erhalten ist. Ganz Lipari 
stellt sich uns sonach als eine mehr zufällig zusammenhängende Reihe 
von Eruptions-Bergen dar, es ist keine in sich abgeschlossen zugerun- 
dete Vulkan-Insel, wie Stromboli und Vulcano; aber die Produkte der 
Ausbrüche von Lipari sind so manchfaltig und so auffallend von einan- 
der verschieden, dass die Art der Aufeinander-Folge ihrer Bildungs- 
Periode nur von höchstem Interesse seyn kann. Die Tuffmassen und 
die Porphyr-Laven sind die ältesten der successiv entwickelten Erzeug- 
nisse; die Bimsstein- und Obsidian-Stücke des nördlichen und südlichen 
Bezirkes finden sich häufig auf der Oberfläche des Tufflandes zerstreut, 
und zwar keineswegs bloss unregelmässig, oder zufällig. Am Abhange 
des Monte S. Angelo u. A. findet man den braunen Tuff mit dünner 
Bimsstein-Rinde wie beregnet, und auf dieser Rinde ruht sodann sehr 
deutlich der Lavenstrom della Perera u. s. w. 

Vulcano — der Verf. bezieht sich auf die früheren und späteren 
Schilderungen von Doromiev und P. Scrorz — ist das vollkommenste 
Modell einer in sich abgeschlossenen Vulkan-Insel. Von der Bucht, 


„ welche das Aufsteigen von Volcanello an der Ostseite der Insel erzeugt 
has hat, erhebt sich sogleich sehr steil der oben breit und flach abgeschnit- 


tene Eruptions-Kegel zu 1224 Pariser F. Meereshöhe. Sein Abhang an 


‘ der Nordseite ist aus fein geschlämmten Tuff-Schichten zusammenge- 


\ 


setzt, die, ım Allgemeinen regelmässig geordnet, dem Abhange parallel 
laufen. In der Richtung und Verbindung dieser Streifen-weise braun, 
grau, selbst schwarz gefärbten Schichten sieht man nicht selten einige 
Unregelmässigkeiten: oft sind sie gebogen und gewunden; oft ruhen 
die Produkte einer späteren Überschüttung auf den älteren in übergrei- 
fender und abweichender Lagerung. Hat man den oberen Rand des 
‚grossen Kegels erreicht, welcher etwa 800 F, hoch ist, denn der Berg- 
gipfel befindet sich an derSüdostseite, so trifft man auf eine schwach gegenN. 
geneigte Ebene, welche in nie aufhörende Schwefel-Dämpfe gehüllt ist. 
Diese Dämpfe, meist mit Schwefel-Wasserstoff beladene Wasser-Dämpfe, 
zischen siedendheiss aus den mit Schwefel-Krusten diek bedeckten Spal- 
. ten des Bodens hervor, Von der N.W.-Seite ist ein rauher Lavenstrom 
ausgeflossen. Der Haupt-Krater erscheint als eine ringsum geschlossene, 
kreisrunde Vertiefung von etwa 3000 F. oberen Durchmessers und mi. 
oft 600 F, hohen, senkrecht absteigenden Felswänden umgeben. Der 
Aufenthalt in der Tiefe ist sehr lehrreich durch den Anblick so zahlrei- 
cher veränderter € '* ine, welche von den Wirkungen der Dämpfe bis 
ins  Innerste zersetzt wurden, und dennoch Festigkeit und Zusammer- 
hang behalten haben. Die harte, schwarze Obsidian-Masse selbst i;t 
hier sehr deutlich in Schnee-weissen, dichten Thonstein verwandelt; auf 
den Klüften hat sich Schwefel gebildet; in kleinen Höhlungen findet man 
zierliche Gyps-Drusen, und fortwährend setzt sich, als Produkt von Suk- 
limation, Borsäure in seidenartig glänzenden Schüppchen ab. Auf dem 
Boden des Kraters, in 507 F. Meereshöhe, liegt ein etwa 80F. hoher Hü- 
gel von vielen durcheinander geworfenen Steinblöcken, welchen die 
Schwefel-Dämpfe mit besonderer Heftigkeit und Stärke entströmen. Aus 
dem Krater wieder hinaufgestiegen sieht man deutlich, wie die Produkt : 
verschiedener Aufschüttungen den oberen Rand seiner Einfassungen zu 
wiederholten Malen verändert und erhöht haben, Der Lavastron, von 
dem oben bereits die Rede war, ist Produkt des Ausbruches von 1775, 
Er besteht vorwaltend aus Glas- und Bimsstein-Lava und hat auf seiner 
Oberfläche stets eine Email-Kruste. In seiner Grundmasse finden sich 
sehr häufig, fest eingebackene, Nuss-grosse Kerne von röthlichgrauem 
und grauem dichten Thonstein, voll weisser glasiger Feldspath- und 
Augit-Körner. Der mächtige äussere Ring, welcher die Einfassung 
des Eruptions-Kegels von Volcano bildet, verhält sich zu diesem genau 
so, wie der Somma zum neuen Vesuv-Kegel. Auch er ist zur Hälfte 
zerstört oder vielleicht nie an beiden Seiten völlig ausgebildet worden, 
und ein tief eingeschnittener Zirkel-förmiger Thalgrund trennt den inne- 
ren vom äusseren Ringe; aber die Natur der Gesteine, welche beide 
Vulkane bilden, ist von ganz heterogener Beschaffenheit. Auf seinem 
oberen scharfen Rande theilt sich der Ring von Yulcano in zwei Gipfel, 
deren südwestlicher, stumpf Kegel-förmiger Monte Saraceno, der südöst- 
liche, ein sanfter langer Rücken, Colle chiano genannt wird. Auf dem 
Wege nach dem M. Suraceno sieht man deutlich das Ausragen 
der Schichten-Köpfe regelmässig wechselnder Laven-, Tuf- und Konglo- 


— 1m — 


merat-Bänke, In 4—500 F. Höhe erreicht man die ersten ansehnlichen 
Lavabänke, deren Masse ein wahrer Trachyt-Perphyr ist, mit kleinen 
Höhlungen, in denen sich Anflüge von Eisenglimmer zeigen, theils auch 
mit erdigen, lebhaft grünen Malachit-Krusten beschlagen. Übrigens lässt 
die Lava zahlreiche Abänderungen wahrnehmen ; zuweilen wird dieselbe 
dem Augit-Porphyr vollkommen ähnlich, in andern Fällen dem Hornstein- 
Porphyr. Der Lava folgt im Aufsteigen eine ansehnliche Tuff-Masse, 
braun, locker, feinkörnig, und den Gipfel des Berges bildet eine sehr 
starke Decke von unzusammenhängenden rothen Schlacken-Stücken, Das 
Ganze liegt sehr gleichförmig aufeinander und fällt sanft gegen SW, 
Nach dem Innern des alten Kraters biegen sich jene Schichten, Laven, 
Tuffe und Schlacken Haufen nicht selten über und fallen sodann dem 
Centrum ihrer vormaligen Eruption zu. Beim Hinabsteigen ias. Thal 
kehren noch zwei Mal etwa 10 F. starke Bänke des Trachyt-Porphyrs 
wieder, und ihre deutlich erkennbaren Schlacken-Krusten an der oberen, 
wie.an der unteren, Fläche-beweisen, dass sie einst wirklich als Lava- 
ströme geflossen sind. — Ausser dem grossen Eruptions-Kegel gibt es 
im N. desselben noch zwei minder bedeutende Kegel der Art, einen dicht 
neben dem Landungs-Platze, den anderen in dem fast, isolirten Volcanello. 
Die Schichten des ersten, von welchen gegenwärtig nur noch die süd- 
lich fallenden vorhanden sind, bestehen aus einem Wechsel von Laven- 
und Konglomerat-Bänken. Was sie sehr auszeichnet, ist die weit vor- 
schreitende Zersetzung, in welcher sich das Innere ihrer Massen befin- 
det. Man findet im Allgemeinen die nämlichen Erscheinungen, wie oben 
im Krater, oder wie solche früher als Wirkungen der Fumarolen auf 
Lipari beschrieben worden. Volcanello hat sich wahrscheinlich 200 
Jahre vor Christus zu bilden begonnen, Dieser Eruptions-Kegel, etwa 
300 F. höher, als die Meeres-Fläche, ist mit der Hauptinsel durch eine 
sehr flache, sandige Landzunge verbunden. Er besteht aus ringsum kon- 
zentrisch abfallenden, rothbraun gefärbten, sehr feinerdigen Tuf-Schich- 
ten, und der Gipfel zeigt noch deutlich drei Krater-Mündungen. 

Saline, von Lipari gegen NW. gelegen, ist, nächst dieser 
wohl die bedeutendste unter den Inseln der Gruppe. Die beiden höch- 
sten Gipfel steigen etwa 3500 F, über die Meeres-Fläche,empor. Der 
eine heisst Monte della Fossa di Filici (auf den Karten M, Salvaiore), 
der andere M. della Valle di Spina (M. Vergine),. Die Ablänge des 
ersten bestehen aus Tuff-Bänken, welche sehr an. die gleichnamigen 
Massen von Lipari erinnern. Sie fallen stets den Abhängen parallel 
mit 20° oder 30° gegen O. oder SO. In Zwei- Drittel der Erhebung 
dieses Berges erscheinen zahlreiche Lavenbänke zwischen den Tuff-La- 
gen. Der M. della Valle di Spina hat eine auffallend regelmässige 
Kegel-Gestalt. Konglomerat-Massen, aus grossen eckigen Schlacken- 
Stücken gebildet, welche meist lose aufgeschüttet über einander liegen, 
setzen den Berg zusammen. Auf dem Gipfel unterscheidet man deutlich 
die Gestalt einer hier vormals befindlich gewesenen Krater-Vertiefung, 
und ihr nahe finden sich wieder Bänke von Porphyr-Laven. An der 


Nordseite der Basis von M, della Valle di Spina, westlich von Amalfa, 
sieht man über dunkelbraune Tuff-Massen ganz locker aufgeschüttete 
Bimsstein-Konglomerate. Obsidian-Stücke sind nicht darunter, wohl aber 
Fragmente schwarzer und rother Porphyr-Laven; auch fand H, ein Gra- 
nit-Geschiebe. Bis Pedara ziehen sich die Bimssteine und ihre lockeren 
Schichten fallen stets sehr gleichförmig unter Winkeln von 12 bis 15°, 

Felicudi und Alicudi besuchte der Verf. nicht. Nach den Mitthei- 
lungen von G. Gussone in Neapel zeigt Felicudi, der Hauptmasse nach, 
einen einzigen Kegelberg von 2855 Pariser Fuss Seehöhe, Man findet 
hier die Bildung. zweier Kratere , deren einer dem Gipfel nahe, der an- 
dere niedrigere an der Südseite liegt. In ihrem geognostischen Bestan- 
de gleicht die Insel im hohen Grade den Bildungen von Saline; sie 
wird vorzüglich von Tuffen zusammengesetzt, welcher in Bänken vorkommt, 
und die ihm untergeordneten Lava-Schichten tragen ganz den Charakter 
der Feldspath- und Porphyr-Laven von Saline, oder vom älteren Theile 
von Lipari. — Alicudi ist noch einfacher als Felicudi: ein Kegelberg, 
dessen Gipfel von 1497 Par. Fuss Seehöhe die Spuren eines Kraters 
trägt. Seine Tuff-Massen scheinen verhältnissmässig bedeutend geringer 
im Vergleich zu den Laven, welche eben so sehr als die von Felicuds 
den gleichnamigen von Saline oder von Lipari ähnlich sind. — Das weit 
entfernte Eiland Ustica unterscheidet sich schon in seiner Form von 
allen bisher beschriebenen Inseln. Statt eines ringsum steil abfallenden 
. Kegelberges bildet Ustica einen sanft aufsteigenden, langgezogenen Rü- 
cken. Der höchste Punkt erreicht 964 Par. F. über der Meeres-Fläche. 
Die Hauptmasse des Eilandes besteht aus den innig verwachsenen Rän- 
dern zweier sehr grossen und halb eingestürzten Kratere. Die Tuf- 
Massen und die Laven zeigen sich übrigens von der oft beschriebenen 
Beschaffenheit, Im Tuffe finden sich, bei der Marina di Sta. Maria, 
einige Reste von See-Muscheln, u. a. Pectunculus, aber zugleich wohl 
kenntliche Landschnecken von der Gattung Helix. Ferner trifft man auf 
der Insel sehr ausgezeichnete Bimssteine; sie bedecken die Lava vom 
Krater-Rande der @uardia di mezzo. Endlich zeigen sich an vielen 
Stellen längs der Küste augenscheinlich sehr neu entstandene Kalkstein- 
Bildungen, welche bei Torre di Sta. Maria bis zu 320 F. Meereshöhe 
emporsteigen. In den Kalk-Massen kommen häufig Reste wohl erhalte- 
ner See-Muscheln vor. 

Am Schlusse seiner lehrreichen Schilderung sagt der Verf.: „Aus 
der vorliegenden Beschreibung geht hervor, was unstreitig auch wohl 
Niemand bezweifelt hat, dass diese Inseln keineswegs wie die abhängi- 
gen und untergeordneten Glieder eines Zentral-Vulkans auftreten. Denn 
ihr ansehnlichster genannter Vulkan, Stromboli, ist zu unbedeutend und 
zeigt durchaus keine so erweisbaren Verhältnisse der Wechsel-Wirkung 
und Abhängigkeit von den Vorgängen in den anderen Theilen dieses 
kleinen Archipelagus, dass wir irgend daran denken könnten, diesen un- 
bedeutenden Eruptions-Kegel auf einen so einflussreichen Standpunkt 
zu erheben, Ganz dasselbe gilt auch sehr wahrscheinlich von dem eben 


so wenig bedeutungsvollen Vulcano. Es bleibt uns daher nur übrig, 
diese Inseln als Reihen-Vulkane zu betrachten; doch es lehrt uns ein 
Blick auf die Karte, dass auch in dieser Beziehung keine Einfachheit 
ihrer Vertheilung könne nachgewiesen werden. Denn sie bilden weder 
eine einfache Kette, noch erheben sie sichin mehrfachen Parallel-Reihen, 
welche der Richtung einer Hauptspalte folgten. Wir würden daher sicher 
in Verlegenheit über die Art ihrer naturgemässen. Deutung kommen,_ 
zeigte uns nicht eine genauere Untersuchung, dass wirklich eine erweiss- 
bare, und bei erstem Anblick vielleicht kaum geahnte Verbindung Statt 
finde. Unstreitig ist es wohl von Wichtigkeit, beim Beginnen dieser 
Darstellung auf den sehr wesentlichen Unterschied in der Bildungsweise 
dieser Inselländer zurückzukommen, welcher aus der mitgetheilten Be- 
schreibung hervorgeht. Denn Stromboli, Vulcano, Lipari, Saline, Fe- 
licudi und Alicudi sind sehr deutliche, und zum grossen Theile äusserst 
einfache Eruptions-Inselu, welche durch Ausschüttung ihrer ausgebroche- 
nen Masse und durch späteres Verwachsen einer mehr- oder minder be- 
deutenden Anzahl von Eruptions-Kegeln ihre gegenwärtige Ausbildung 
erlangt haben, Panaria aber, Basiluzzo und die umgebenden Fels- 
massen sind entschieden auf eine ganz andere Weise gebildet, Ihre 
gleichförmige und sehr deutliche, niemals in Strömen abgesonderte Tra- 
chyt-Masse, ihre ringsum scharf aufsteigende Beschaffenheit und die auf- 
fallende Verschiedenheit ihrer Gestalt von der Ringform, oder den Kegel- 
Bergen der ändern Inseln nöthigen uns gleich sehr, ihren Ursprung als 
von dem aller Nachbar-Inseln verschiedenartig, ja als wesentlich 
von ihm abweichend zu betrachten. Solche ansehnliche und ganz mas- 
sive Felsblöcke, solche steil und scharf abgerissene Formen, welche 
nichts destoweniger doch von wirklich einmal geschmolzenen, oder im 
Innern ganz aufgelockerten, erhitzten Bestandtheilen gebildet werden, 
führen uns natürlich zur Vorstellung, dass einst hier ein grosser Theil 
von dem Meeres-Grunde gesprengt und in abgerissenen Stücken erhoben 
wurde, um das Auftreten einer Gruppe scharf abgeschnittener Insel-Fel- 
sen zu veranlassen. Wir möchten ferner wohl zugleich sehr geneigt 
seyn, diesen Vorgang in einer verhältnissmässig sehr alten Periode zu 
suchen. Denn die ringsum auftretenden Ausbrüche mussten damals hier 
den Meeres-Grund nicht verändert, oder mit Spuren ihrer Erzeugnisse 
bedeckt haben, Keine Tuf-Schicht, noch weniger irgend ein Lavastrom, 
war gebildet, als die Oberfläche der Erdrinde hier aufbrach, und doch 
waren höchst wahrscheinlich die emporgehobenen Felsmassen schon fest 
und verhärtet, als sie der Oberfläche des Meeres entstiegen. Ihre Ge- 
steine sind den sicher hier sehr nahe liegenden Graniten, oder der Gneiss- 
Masse, welche die Küstenländer des benachbarten Sieiliens und Cala- 
briens entblössten, in so auffallender Weise ähnlich und so vollkommen 
aus denselben Bestandtheilen gebildet, dass wir ferner nicht umhin kön- 
nen, auch von dieser Seite die Felsmassen von  Basiluzzo, Panaria 
u. s. w. als die ältesten jener Bildungen anzusehen, welche durch den 
Einfluss vulkanischer Vorgänge in dem Gebiete dieser Inselländer er- 


en 


zeugt wurden. Ganz ähnlich hatten wir auch einst als die. Grundlage 
des Ätna, in dem Innersten seiner oft genannten alten Caldera grosse, 
weit von einander getrennte Felsmassen von gleichförmiger Trachyt- 
Bildung angetroffen, welche wahrscheinlich den ältesten Theil von der 
Masse dieses wichtigen Zentral-Vulkans bilden. Mit sehr ansehnlicher 
Höhe, steilen Abstürzen und mit breit ausgedehnter Basis fest wurzelnd 
in dem Innern seines tief aufgeschlossenen Bergkörpers, dann bedeckt 
und vereinigt von den später über sie ausgebreiteten Lavaströmen, Tuf- 
und Konglomerat-Massen, war es sehr leicht, hier im Monte Colanna, 
Giannicola u. s. w. die hervorragenden Theile von den Grundpfeilern 
dieses riesengrossen Bauwerkes zu erkennen, und die Ähnlichkeit ihrer 
zusammensetzenden Gebirgsarten mit den Trapp-Gesteinen, Syeniten u. 
s. w. zog schon damals eben so sehr unsere Aufmerksamkeit auf sich, 
als der Anblick der Granit-, Gneiss- und Porphyr-ähnlichen Gesteine, 
welche die Felsen-Gruppe der Umgegend von Panaria bilden. Nichts 
kann auffallender, Nichts wohl merkwürdiger und befriedigender seyn, 
als die Auffindung solcher anstehenden und ausgedehnten Felsmassen in 
dem Innern eines uns aufgeschlossenen Vulkan-Kegels, und die Anwen- 
dung dieser am Ätna gefundenen Verhältnisse auf den augenscheinlich 
am Frühesten gebildeten Theil von der Insel-Gruppe von Lipari zeigt 
uns sehr sicher den Weg an, den wir bei Deutung des Zusammenhanges 
ihrer Glieder mit Erfolge jetzt zu betreten hoffen dürfen. Panaria also, 
Basiluzzo und das Gebiet ihrer umgebenden Insel-Felsen sind die Reste 
von den Grundpfeilern eines, in diesem Theile des Meeres von Sicilien 
einst sich festsetzenden Zentral-Vulkans. Hier war es, wo der Meeres- 
Boden gesprengt und erhoben wurde, um die Öffnung eines bleibenden 
Eruptions-Weges zu erzeugen, dessen Umfang und Grösse die Entste- 
hung eines dem Ätna ähnlichen Feuerberges zu versprechen schienen. 
Doch die frei gewordenen Kräfte, welche den Umkreis einer Erhebungs- 
Insel erzeugt haben, deren Grösse reichlich dem Umfange von Lipari 
gleichkommt, die nun frei gewordenen Dampf-Massen und Gasarten 
vermochten nicht zwischen den aufgetriebenen Felsen-Inseln nun die 
Ausbrüche der im Innern liegenden geschmolzenen Gestein-Masse her- 
vortreten zu lassen. Keine Lavaströme, keine Auswürfe verbanden diese 
vereinzelt stehenden Bruchstücke, welche die Zeugen einer hier Statt 
gefundenen Explosion waren, des ersten und gewiss würdigen Aktes der 
Thätigkeit, welehe die umliegende Insel-Gruppe gebildet hat,“ 


> 


Über Natur und Lagerungs-Art der unter dem Namen 
Calcaires amygdalins bekannten Kalksteine, von Dork£inor. 
(Ann. des Min. 3&me Ser. T. III. p. 123. etc.) Das Übergangs-Ge- 
bilde der Pyrenäen hat an vielen Stellen mit Thonschiefer gemengt vor- 
kommende Kalk-Lagen aufzuweisen, und die Verbindung beider Gestei- 
ne ist sehr innig; der Kalk stellt sich im Allgemeinen in kleinen mehr 
oder weniger rundlichen Massen oder Nieren dar, die vom Schiefer um- 


Be. 


schlossen werden, so dass das Ganze eine gewisse Ähnlichkeit mit 
manchen Mandelsteinen hat, woher der Provinzial-Name calcaire 
amygdalin rühren dürfte, Die verschiedene Färbung des Schiefers 
und des Kalkes verleiht den Gesteinen, wenn sie geschliffen und polirt 
sind, ein ungemein schönes Ansehen. Von den Arbeitern wird die Fels- 
art als Marbre griotte bezeichnet, wenn der den Kalk begleitende 
Schiefer röthlich gefärbt ist, und als Marbre Campan, wenn derselbe 
eine grünliche Farbe hat *), 

Eine genaue Untersuchnng zeigte, dass in den meisten Fällen die 
Kalk-Mandeln oder Nieren nichts sind, als Steinkerne von Nautilus, 
deren Gestalt, wenigstens in einzelnen Theilen, mitunter noch wohl er- 
kennbar ist. Es zeigen sich demnach diese „Calcaires amygdalins“ 
welche man lange Zeit hindurch den alten Formationen beizählen zu 
müssen glaubte, eben so reich an fossilen Körpern, als die sekundären 
Kalke. Die Lagen jenes Kalks, in denen deutliche Petrefakten vorkom- 
men, haben selten weniger als 4 F. Mächtigkeit, allein in manchen 
Fällen erlangen sie eine Stärke von mehr als 10 F., und dabei ist ihre 
Erstreckung bedeutend, so dass fast in allen Pyrenäen-Thälern von de- 
nen an, in welchen die Thermen entspringen, bis in die Gegend von 
Perpignan, man dieselben zu Tage gehen sieht. Die Gegenwart einer 
Menge von Nautiliten in jenen Calcaires amygdalins beweisst, 
dass, zur Zeit ihrer Ablagerung die Thiere, welche die Meere jener 
Gegend bevölkerten eben so zahlreich waren, als in irgend einer Periode, 
wo sedimentäre Absätze entstanden. Im „Marbre griotte“ erschei- 
nen die fossilen Reste bei Weitem deutlicher, als im „M. Cam- 
pan“. Am frühesten beobachtete der Vf. die Gegenwart der Petrefak- 
ten in den „Marbres amygdalin“ im Thale von Pardes unfern 
des Dorfes Sirach. Ausser den Nautilus-Resten wurden auch noch 
manche andere, dem Übergangs-Gebiete zustehende Versteinerungen auf- 
gefunden. Es erfüllt diese Formation bei Pardes nur ein Becken von 
sehr geringer Erstreckung, welches nach allen Seiten hin durch Granit 
umgeben ist. Die Stadt Pardes selbst steht auf Granit. Gegen Mont- 
Louis hin treten Schiefer-Gebilde auf, aber schon um Villefranche sieht 
man dieselben nicht mehr. Unmittelhar auf Granit liegen Thonschiefer 
von dunkelgrüner Farbe. Sie enthalten einige feldspathige Adern und 
kleine Haufwerke von Eisen-Glimmer, Roth-Eisenstein und von Eisen- 
spath. Die regelrechte Schichtung des Schiefers zeigt deutlich, dass 
derselbe in die Übergangs-Zeit gehöre. Durch Beimengungen von Kalk- 
theilen verlauft sich derselbe allmählich in der „Marbre Campan“, 
Die kalkigen Nieren desselben sind sehr krystallinisch; bestimmte Spu- 
ren von Organisation waren jedoch darin nicht beobachtbar. Auf den grü- 


*) Der Ausdruck Marbre Campan rührt daher, dass die bedeutendsten Steinbrüche 
im oberen Theile des Campan-Thales sich befinden; der Kalk hingegen, welcher 
das Gehänge am Adour zusammensetzt, vom Doxfe Campan bis Bagneres-de-Bi- 
gorre, und den man seither als ein Übergangs-Gebilde betrachtete, gehört zum 
Jurakalk. ; 


DD 


nen Marmor folgt ein Kalk, der zugleich splitterig und körnig ist, und 
von Thonschiefer-Adern durchzogen wird. Dieser Kalk setzt die Mas- 
sen des Berges zusammen, welcher bei Vilefranche emporsteigt. Er 
enthält mehr oder weniger mächtige Marmor-Lagen, aus kalkigen Nie- 
ren und Schiefer bestehend. Nur sehr sparsam zeigen sich hier in den 
Nieren Spuren von Organisation. Ausser den Nautilus-Resten trifft 
man in den nämlichen Schichten auch Orthbeceratiten und Terebrateln. 
Der splittrige Kalk aber führt Polypiten und Enkriniten. — Die ver- 
einzelnte Lage des kleinen durch Schiefer und Kalk erfüllten Beckens 
von Sirach bietet keine direkten Beweise über das Alter der Kalke; 
aber in der nämlichen Berg-Gruppe und in unbedeutender Entfernung 
kommt bei Tuchan ein Streifen von Schiefern vor, jenen von Sirach 
durchaus ähnlich, und diese werden durch älteres Steinkohlen - Gebilde 
bedeckt. In der Gegend von Saint- Girons folgt unmittelbar auf die 
Kalke und Thonschiefer der bunte Sandstein, und über diesen erscheinen 
der Lias und sodann der Jurakalk. Man sieht deutlich, wie die Schich- 
ten des Übergangs-Gebildes bei Weitem mehr Störungen erlitten haben, 
als die Jurakalk-Ablagerungen. — Im Baigorry-Thal, fast am westli- 
chen Ende der Pyrenäen-Kette, tritt der Schiefer unter buntem Sand- 
stein hervor. — Der „Calcaire amyydalin“ findet sich ziemlich 
mächtig im Übergangs-Gebiet der Montayne Noire, er trägt auch 
hier die bekannten Merkmale. Die Kalk-Lagen bilden mehrere, den äl- 
teren Formationen parallele Streifen; ein Theil des Gesteins ist sehr 
krystallinisch und frei von Petrefakten, aber an Stellen, wo dasselbe 
nicht von feldspathigen Massen umgeben wird, führt es mitunter fossile 
Reste in grösster Häufigkeit. — Bei Caunes endlich ruhen die oberen 
Kreide-Ablagerungen unmittelbar auf dem Übergangs-Gebilde; allein im 
©. der Stadt nimmt die Kohlen-Formation von Bedurrieux ihre Stelle 
über grünen Schiefern ein, weiche eine Fortsetzung des Übergangs-Ge- 
bildes von Caunes sind. 


v. Escuwece: geognostische Übersicht der Umgebun- 
gen von Lissabon (Karsten, Archiv für Min. V. B., S. 365. #.) Die 
Niederung zwischen der Serra da Cintra und der Serra da Arrabida 
bildet auf dem rechten Tajus-Ufer hügeliges Land, das gegen die zu- 
erst genannte Serra mehr ansteigt, während sich am linken Strom-Ufer 
grössere Ebenen zeigen, die erst in der Nähe der erhabenen Serra da 
Arrabida Coder d’Arrabida ?) zu Hügeln und niederen Vorbergen em- 
porsteigen. Die Schichten fallen von der Cinira aus NW. nach SO, 
und von Arrabida in entgegengesetzter Richtung, so dass eine grosse 
Mulden-förmige Vertiefung (Spalte) nicht zu verkennen ist, Der bunte 
Sandstein und die Jura-Bildung verschwinden auf der rechten Tajus- 
Seite unter jüngeren Gebirgs-Arten und kommen auf der linken Seite 
nicht wieder zum Vorschein. Die tertiären Formationen hingegen setzen 
auf dieser Seite noch fort, verlieren sich unter angeschwemmtem Lande, 


u 


erheben sich jedoch sodann am Fusse der Serra da Arrabida mit. dem . 
'aufgerichteten Alpenkalkstein wieder. — Das Cintra-Gebirge — eine 
isolirte Berg-Gruppe aus Primitiv-Gesteinen zusammengesetzt — erhebt‘ 
sich von der NW.-Seite aus dem Meere zu 1829 Engl. Fuss. Granit 
herrscht vor; er führt u. a. Magneteisen eingesprengt und in eingewach- 
senen Stücken. In der Richtung gegen das, allen Seefahrern so be- 
kannte, Cap Rock hin tritt Feldstein-Porphyr auf, welcher beim Dorfe 
Biseaya von Syenit begrenzt wird. So einfach die Zusammensetzung 
‘dieses hohen Gebirgsstockes, so manchfaltig stellen sich die geogno- 
stischen Verhältnisse der niederen Gegend dar. Dem Urgestein legen 
sich unmittelbar sekundäre Felsarten an. Östlich vom Gebirge erstreckt 
sich nach Ericaira Maffra und Igrega nova, ein hügeliges Land, in 
dem bunter Sandstein und Jurakalk vorherrschen. Auf der SO- und S.- 
Seite ruht, zunächst an dem Granit, ein Kalk, den der Verf. Alpen- 
Kalkstein .nennt; Petrefakten werden hier nicht darin gefunden, allein 
weiter gegen W., zwischen Charneca und Cascaes, kommen Muscheln 
darin vor, wie solche dem Übergangs-Kalk nicht eigen, und so wird 
jeder Zweifel, als sey die Felsart dahin zu zählen, beseitigt. Der 
„Alpen-Kalkstein“ umschliesst Einlagerungen eines Mergel-artigen Sand- 
steines, und auf denselben trifft man grosse Bruchstücke eines Konglo- 
merates, welche dem rothen Todt-Liegenden anzugehören scheinen, das - 
an der Küste in grossen Massen ansteht und den Alpen-Kalkstein un- 
terteuft. Aus dem Kalke treten auf, von S. Pedro nach O, laufenden, 
Vorsprüngen des Berges grosse, 2 bis 4 Fuss mächtige Bänke eines 
Stinkkalkes hervor, von blendend weisser, auch ins Blauliche sich ver- 
laufender Farbe und von krystallinischem Korne. Ob dieser Stinkkalk 
geschichtet sey, ist nicht ausgemittelt, und eben so wenig, ob ein Über- 
gang aus dem Alpen-Kalkstein in denselben Statt habe; unverkennbar 
aber erscheint der Stinkkalk an der tiefer gelegenen Seite des Städtchens 
Cintra unmittelbar an Granit ruhend, und folglich muss der Kalkstein 
bei S. Pedro von ihm unterteuft werden. Von S. Pedro nach Lissabon. 
fallen die Kalkstein-Schichten gegen SO. Auf der Höhe von Cogem 
stossen mehrere Trachyt- und Phonolith-Kuppen daraus hervor ;. auch 
Kuppen von schieferigem Grünstein werden getroffen. Der Kalk ver- 
birgt sich auf der genannten Höhe von Cocem unter buntem Sandstein, 
welcher auf den basaltischen Kegelbergen von Montachique, 1541 Engl. 
F. über dem Meere, seine bedeutendste Höhe erreicht zu haben scheint, 
indem er bis zu 1239 F. noch wahrgenommen wird. Der Sandstein von 
Montachique überlagert einen Kalk, der kaum 450 F. mächtig und, nach 
dem Verf., der Jura-Bildung beizuzählen ist. Aus dem Kalkstein erhebt 
sich, als höchster Punkt der Kuppe des Montachigue, Säulen-Basalt. — 
Von Cintra in westlicher Richtung gegen die Meeresküste von Cascaes 
hin bildet bunter Sandstein das hohe steile Ufer, und aus der Mitte des- 
selben steigt ein mächtiger Basalt-Fels hervor, dessen Masse, wie ge- 
sagt wird, grösstentheils aus schillernder Hornblende ‚bestehen soll. 
Nicht fern vom Basalt steht in Sandstein ein senkrechter Gang von 


mürben kohligen Substanzen zu Tag, überfüllt mit verwitterten Eisen- 

kiesen. Zur Zeit der Ebbe treten an derselben Stelle aus dem Meere | 
grosse Felsmassen eines grobkörnigen Konglomerates, aus Roth- und 

Thon-Eisenstein-Brocken und aus wenigem Quarz bestehend. Der bunte 

Saudstein erstreckt sich nach S. an der Küste bis zum Badeorte Estoril, 
wo salzige Quellen hervörsprudeln. Ferner kommen aus dem Sandstein, 

der 14 Stunden weit nach N. und NO, an der Küste bis Peniche und 

Caldas da Rainha reicht, viele und verschiedenartige warme und Eisen- 

haltige Queilen. — Beim Dorfe Cogem fängt die Auflagerung des Jura- 

Kalkes auf'den bunten Sandstein an; sie erstreckt sich von hier unter- 
halb der Strasse Boa Vista in Lissabon bis ans Tajus-Ufer, und 
längs desselben weiter gegen W. hinab bis zum Meere, und östlich bis 
zur Serra da Montachique am Abhange von Loures. Die Jurakalk- 
Schichten sind meist 2 bis 5 F. mächtig, und fallen unter 15 bis 20 Grad 
nach Süden. Parallel den Schichten findet man hin und wieder, be- 
sonders im Alcantara-Thale, Feuersteine ın Nestern und in schmalen 
Streifen. Auch dünne Thon-Schiehten und mürbe Mergel-artige Lagen 
.kommen mitunter zwischen den festen Kalkstein-Bänken vor. Andere 
mergelige Thon-Schichten enthalten Kalkstein-Knauern und Hippuriten; 

sie finden sich nicht nur zwischen den Kalk-Bänken, sondern auch den- 
selben aufgelagert. An manchen Stellen, u. a. bei Carcavellos, endigen 
die oberen Lagen des Kalksteins mit einer blendendweissen Kreide, 
Einige Bänke des Kalksteins haben ein vollkommen krystallinisches Korn 
und sind von Quarzadern durchzogen; andere zeigen sich als dichter 
sehr fester Kalk, Von fossilen Resten wird theils jede Spur vermisst, 

theils sind sie so häufig vorhanden, dass fast die Hauptmasse der Fels- 

art daraus besteht. Besonders zahlreich sind die Hippuriten. — Aus 
dem Jura-Gebilde steigen Basalte in isolirten Kuppen und in ausgedehn- 

ten Bergrücken hervor. Im Thale von Bemfica und Porcalhota bis nach 

Lumiar und Loures tritt, an Jurakalk und Basalt gelagert, ein Kon- 

glomerat auf aus Kalkstein- und Mergel-Bruchstücken und Basalt-Frag- 

menten bestehend. Auf der Jura-Formation liegen plastischer Thon, 

Grünsand [?], Kalkmergel und Grobkalk. Diese tertiären Gebilde rei- 
chen von den Höhen von Campo Lide, Lumiar und Friellas bis an die 

Ufer des Tajus und längs dieses Stromes, von der Strasse Boa 

Vista in Lissabon aufwärts, über Saccaveru hin bis Poroa und Alverca. 

Die niedrigsten und erhabensten Punkte um Lissabon, letztere mitunter 

von mehr als 300 F, Seehöhe, bestehen aus jener Formation, Die Schich- 

ten neigen sich noch geringer, als jene des Jurakalkes. Die ganze 

tertiäre Bildung dieser Geg:ad zerfällt in vier Hauptglieder. Das 

erste, wahrscheinlich bis zum Jurakalk hinabreichende, ‘Hauptglied be- 

steht aus einem. sandigen, gelben, mürben Kalkstein, der oft sehr 

reich an, Muscheln sich zeigt. Der Verf. führt Turritellen, Terebrateln [2], 

Belemniten [?], Echiniten, Heliciten, Melanien, Cardien, Orthocera [?] 

und, Eneriniten an, welche mit dazwischen gelagerten Bänken von Au- 

stern, deren Schalen meist noch in ihrem natürlichen Zustande sind, 


Jahrgang 1834, 6 


er Wan een > 

wechseln. Auf dieses Kalkstein-Lager folgt, 4 bis 15 F. mächtig, pla- 
stischer Thon, theils Muscheln enthaltend, auch Zähne von. Hayfı- 
schen, so wie Rückenwirbel von Fischen, seltner Beinröhren von grossen 
vierfüssigen Thieren. Am merkwürdigsten war der Fund eines grossen 
versteinten Kopfes, der wahrscheinlich zu den Cetaceen gehört, den man 
an der Seeküste von Adica in den Gold-Gräbereien getroffen hat, und 
welcher muthmaasslich aus dem Thon-Lager losgespült worden ' war. 
Auf den Thon folgt das dritte Hauptglied dieser Bildungs-Periode, ein feiner, 
thoniger, gelblich-grüner Sand, an Mächtigkeit wechselnd zwischen 
6 und 35 Fuss; mitunter enthält der Sand knollige 'Konkretionen, auch 
fossile Konchylien. Der Verf, bezeichnet den Sand, nach seiner grün- 
lichen Farbe, mit dem Ausdrucke Grünsand [was nicht zu billigen 
seyn dürfte, da solches leicht zu Missverständnissen führen könnte]. Aus 
diesem sogenannten „Grünsande“ sprudelm an mehreren Orten Lissabons he- 
patische Quellen hervor, auch führt derselbe hin und wieder Gediegen-Queck- 
silber. Über dem „Grünsand“ liest die vierte Abtheilung, aus verschie- 
denen Kalkstein-Schichten bestehend, von welchen der Verf. glaubt, dass 
sie vielleicht mit dem Pariser Grobkalk übereinkommen möchten. ' Das 
Gestein umschliesst viele Muscheln, auch Zwischen- Lagerungen von 
Kiesel-haltigem und mergeligem Sandstein, in welchem ebenfalls zer- 
trümmerte fossile Konchylien vorkommen. Die bedeutendsten Höhen von 
Lissabon bestehen aus jener Kalkstein-Bildung. Vorzüglich schön ent- 
wickelt findet man die gesammten tertiären Formationen längs des linken 

Yajus-Ufers bis hinab nach Trafaria. In südlicher Richtung gegen das 
Meeres-Ufer aber fehlen alle über dem plastischen Thon ausserdem ihre 
Stelle einnehmenden Schichten. Sie scheinen von hier durch die früher 
ins Meer sich stürzenden Wasser des Zajus fortgespült und aufge- 
schwemmte Sandlagen an ihre Stelle gekommen zu seyn, welche, 
einem mehr als 200 E. hohen Walle gleich, die ganze drei Legoas 
lange Küste bis zur Lagoa de Albufeira begleiten. Dann senken sich 
allmählich die Thon-Lager unter die Meeres-Fläche und werden vom an- 
geschwemmten Sande verdrängt. Diese neuesten Anschwemmungen 
haben eine Erstreckung von 3 bis 4 Stunden, sie reichen von der Meeres- 
küste ins Land hinein bis Monta und Coina, und ihre Breite-Ausdehnung 
beträgt ebenfalls über 3 Stunden; ausserdem verdienen sie besondere 
Beachtung, weil dieselben durchgängig Gold-führend sind. Diese An- 
sehwemmungen bestehen meist aus einem feinkörnigen Quarz-Sande, der 
nur locker zusammengebacken und weiss, gelb oder röthlich gefärbt ist. 
Längs der Küste zeigt sich der Sand, auf weite Erstreckung landein- 
wärts,.von aller Vegetation entblösst. An mehreren Stellen wurden Blitz- 
röhren, sogenannte Fulgurite, ausgegraben. Was den Gold-Gehalt be- 
trifft, so ist derselbe am reichsten da, wo die Sandmasse auf dem Thon- 
Lager ruht. Der mehr oder weniger vortheilhafte Betrieb der Gold: 
wäscherei-hängt von der Witterung ab, je nachdem Winde und starke 
Regengüsse den Gold-führenden Sand tieferen Stellen zu wehen und 
spülen u. s. w. — Überschreitet man das aufgeschwemmte Terrain vom 


AANEIP = 


Orte Piedada nach der Serra d’Arrabida, so tritt aus demselben in der 
Nähe von Azeitao, im Val de Pixaleiro, ein Konglomerat hervor, wie 
es scheint nur Lokal-Bildung. Abgerundete Quarz-Brocken, untermengt 
mit Kalkstein-Rollstücken, liegen in Thon oder eisenschüssigem Sande. 
Lager- und Nester-weise erscheint im Trümmer-Gesteine thoniger Sphä- 
rosiderit:. Worauf das Konglomerat ruht, ist nicht entschieden, — Die 
Thal-Niederung im N. der Serra d’Arrabida findet man ganz ‚mit auf- 
geschwemmtem Gebirge angefüllt. Die Serra d’Arrabida, steil und 
von 1744' Meereshöhe, besteht ganz aus Alpen-Kalk, 


Sedimentäre Ablagerungen, die westlichen Theile 
von Shropshire und Herefordshire einnehmend, und von da 
in nordwestlicher und südwestlicher Richtung durch 
Radnor, Brecknock und Caermarthenshires sich erstreckend. (R. 
J. Murcnison, in Proceed. of the geol. Soc. of London ; 1833. No.: 31, 
p- 470. ect.). Die Abhandlung zerfällt in drei Theile: der erste han- 
delt von den Ablagerungen unter dem new red sandstone, (bunten Sand- 
steine und rothen Todt-Liegenden): den Kohlen-Gebilden, dem Bergkalk 
und dem old red sandstone (alten rothen Sandstein), die sämmtlich in ei- 
nem Theile der geschilderten Gegenden, mehr oder weniger ıwahe, von 
Transitions-Gesteinen (Grauwacke u. s. w.) begrenzt werden. Der zweite 
Theil befasst sich mit grösserer Ausführlichkeit mit den einzelnen Glie- 
dern der Grauwacke - Formation, wie solche zwischen dem Wrekin bei 
Shrewsbury und: der Münduug des Towey unfern. Caermarthen verbreis 
tet sind, Der dritte Theil wird die emporgetriebenen: oder vulkanischen 
Gebilde und ihre: Wirkungen auf die Schichten abhandeln. 

‚Der new red sandstone ist die jüngste mit Transitions-Gesteinen i in 
Berührung tretende-Sekundär-Formation. Er überlagert an beiden Uferm 
des Severn das Übergangs-Gebilde, die verschiedenen Glieder der Grau- 
wacke und wird, so wie diese Felsarten, von manchen Trapp-Massen 
begleitet, ohne dass diese auf die Schichtungs-Beziehungen störend ein- 
gewirkt hätten. Die ältesten Lagen des new red sandstone werden dem 
rothen Todt-Liegenden Deutscher Geologen verglichen, oder mit dem older 
‚new red sandstone im nördlichen Eingland ; sie unterteufen ein dolomi- 
tisches Konglomerat in Alberbury und Cardeston. Die oberen Glieder: 
des Gebietes am nördlichen Severn-Ufer bestehen aus feinkörnigem, 
meist roth gefärbtem Sandsteine. Hin und wieder kommen Kobalt- 
_ und Kupfer-Erze: in geringer Menge in der Formation vor, so bei 
Grinshill und Haivkstone u. a. e. a. O. Barytspath ist sehr 
häufig verbreitet durch die Massen jener Gesteine. Von fossilen 
Besten wurde bis jetzt keine Spur nachgewiesen, 

Kohlen-Gebilde von  Coalbrookdale. Liegt bei Steeraways 
und in der Nähe von Little Wenlock auf einem gering mächtigen Kalk- 
stein, der nach seinen Petrefakten sich als unzweifelhafter Bergkalk dar- 
thut, während: die nicht unterbrochene Fortsetzung der Kohlen-Ablage- 

6° 


By. . 


rung in ungleichförmiger Stellung auf verschiedenen Gliedern der Grau- 
wacke-Bildung ruhen. Durch aus der Tiefe hervorgetretene Gänge vonBasal- 
ten und Dioriten erlitten die Schichtungs-Beziehungen manche Störungen. 
Kohlen-Gebilde in unmittelbarer Nähe von Shrewsbury. Das 
bedeutendste erstreckt sich in krummliniger Zone von der nordwestlichen 
Seite der Brythin-Berge nach Welibatch. Die Kohlen-Schichten ruhen 
auf dem geneigten Ausgehenden der Grauwacke und fallen, von new 
red sandstone bedeckt, einem gemeinsamen Centrum zu, Einzelne Thei- 
le jenes. Streifens werden zu Sutton und zu Uffington getvoffen; sie 
folgen den gebogenen Richtungen der Grauwacke auf der nördlichen 
Seite von Longmynd und Caer-Caradoc. Bei Pitchford stellt sich die 
ganze Kohlen-führende Serie als ein bituminöses Trümmer - Gestein von 
einigen Fuss Mächtigkeit dar. — In der Regel sind es drei Kohlen-Lagen von 
wenig beträchtlicher Stärke, und dazwischen kommen Kalksteine vor, im. 
äusseren Ansehen dem Süsswasser-Kalk des mittleren Frankreichs ähn- 
lich; diese Kalke enthalten übrigens auch Süsswasser-Muscheln. Die in 
den Kohlenschiefern (Schieferthon) vorhandenen Pflanzen-Reste sind ana- 
- log den in anderen Kohlen-Becken vorkommenden; allein jene ven Le 
Botwood zeigen sich reich an neuen Gattungen, wie Neuropteris 
cordata, während die Schiefer von Pontesbury Pecopteris blech- 
noides von ungemeiner Schönheit aufzuweisen haben, ” 
Kohlen-Gebilde in den Clee-Bergen. Man findet sie beträcht- 
lich emporgetrieben über den anstossenden, im alten rothen Sandstein 
gebildeten Landstrich ; dress hat sowohl in dem Brown-Clee-, als in dem 
Titterstone-Clee-Berge Statt; wo man die Kohlen in der Regel von 
Basalt überlagert findet. Der Brown-Clee ist durch zwei Gipfel, aus 
schwarzem Basalt bestehend-, ausgezeichnet *), der höchste steigt 1806 
F, über das Meer empor. Die Kohlen- Schichten ruhen auf einem har- 
ten Sandstein, der mitunter sich auch als ein wahres Konglomerat dar- 
stellt: er gehört dem millstonegrit an. Auf drei Seiten des Bergzugs 
aber liegen die geringhaltigen Kohlen auf altem rothen Sandstein, der 
gegen W. hin mehr und mehr den Charakter emer groben Breccie an- 
nimmt ; auf der vierten, der süd-östlichen Seite, ist zwischen dem alten 
rothen Sandstein und den Kohlen ein wenig mächtiger Kalkstein-Strei-, 
fen vorhanden; es dürfte derselbe dem Bergkalk angehören. Mehrere. 
Rücken und Wechsel durchsetzen die Kohlen- Ablagerungen aus SW. 
nach NO.; durch einen dieser Spalten hatte ein Ausbruch basaltischen 
Materials Statt. Am Titterstone-Clee-hill trifft man fünf Kohlen-Lagen 
und einige Eisenstein-Streifen. Die Schichten rund um den Rand des 
Beckens, welches die Kohlen umschliesst, sind sehr geneigt; ihr Fall- 
Winkel nimmt jedoch ab, so wie sich dieselben dem gemeinsamen Mit- 
telpunkte nähern. Profile, das kleine Becken durchschneidend , lassen 
beträchtliche Rücken und Wechsel wahrnehmen. Man erkennt an den- 
selben stets eine Richtung nach dem oberen Theile der Hügel; es ist 


*) Die Felsart führt, in dieser Gegend, den seltsamen Namen Jewstone (Judenstein). 


u, Wi 


dieselbe Richtung, der die basaltischen Massen. folgten. Die Kohle, 
zwischen beiden Spalten ihre Stelle findend, ist sehr dicht und gehört 
der sogenannten Kannelkohle an. — In den Knowlbury und Gutter 
Works (Kohlen-Gruben) trifft man manche fossile Pflanzen von bis jetzt 
unbekannt gebliebenen Gattungen; Linpzey hat solche untersucht und 
beschrieben. Neuere Beobachtungen von Lewis habe das Vorhandenseyn 
eines Central-Ganges von Basalt dargethan; eine Bestätigung der schon 
früher durch Bareweır dargelegten Ansicht. Aus einem vollständigen 
Queer-Durchschnitt der erwähnten Berge ergibt sich, dass einige Kohlen- 
Lagen durch den aufgestiegenen Basalt hoch emporgehoben worden, 
dass jedoch die vulkanischen Massen sich zugleich über dieselben ergos- 
sen haben, Im Allgemeinen ruhen zwar die Kohlen-Lagen auf altem 
rothen Sandstein; indessen erscheint stellenweise auch Bergkalk zwi- 
schen beiden Gebilden, er wechselt in seiner Mächtigkeit von eini« 
gen wenigen bis zu 60 Fussen, so namentlich unterhalb einem 
Theile des Cornbrook field. Am zuletzt erwähnten Orte enthält dersel- 
be untergeordnete Schichten feinkörnigen Ooliths, verschiedenartig ge- 
färbie Mergel, viele bezeichnende organische Reste, dabei zeigen sich 
seine Lagen sehr gewunden und zerstört. 

Alter rother Sandstein. Der Vf. zählt dahin die rothen und 
grünen Mergel, die Konglomerate, die Sand- und Kalk-Steine, welche unmit- 
telbar über dem Bergkalk, oder unterhalb der eigentlichen Kohlen-Ablagerun- 
gen beginnen und bis zur Grauwacke reichen. Die Formation nimmt ein 
weit gedehntes Becken in Shropshire, Herefordshire und Brecknock- 
shire ein. Das herrschende Streichen der Schichten ist aus NO. nach 
SW., das Fallen gegen SO. Die oberen Lagen des Gebildes, unfern 
Brown Ciee und theilweise auch bei’m Titierstone-Clee-hill, sind gering 
mächtige Konglomerate, sodann folgen, in absteigender Ordnung, rother 
oder grüner Mergel mit Schichten unreinen Kalks (genannt cornstone) ; 
ferner treten Glimmer-reiche Kalksteine (flagstone) auf, begleitet von 
mergeligen Lagen; noch tiefer sieht man rothen und grünen Mergel in 
Wechsel mit dem sogenannten cornstone erscheinen. Bauwürdige 
Kohlen-Lagen hat man bis jetzt im alten rothen Sandstein nicht aufge- 
funden. Lrovp entdeckte neuerdings unfern Leominster und Ludlow in 
den mittleren Kalk-führenden Sandstein-Lagen der Formation, Petrefak- 
ten, die bis jetzt noch unbeschriebenen Gattungen des Trilobiten-Geschlechts 
anzugehören scheinen, ausserdem auch einige Reste vegetabilischer Abkunft 
(wahrscheinlich Landpflanzen). Der alte rothe Sandstein erstreckt sich 
unterhalb des ganzen Waldes von Mynidd Eppint und ruht auf den 
obersten Grauwacke -Schichten , in welche er sich allmählich verläuft. 
Aber der alte rothe Sandstein und die Grauwacke müssen als zwei 
scharf geschiedene Gebilde angesehen werden; das eine derselben ist 
eben so arm, als das andere reich an versteinerten Überbleibseln ; eben- 
50 zeichnen sich beide durch Färbung und andere mineralogische Merk-. 
male wesentlich aus. Das Maximum der Mächtigkeit der Formation 
dürfte über 4000 F. betragen, 


Im Verfolg seiner Abhandlung trennt der Verf., nach dem Verschie- 
denaxtigen fossiler Reste und der Lagerungs-Folge, die oberen Theile 
dieser so sehr mächtigen sedimentären ‘Anhäufungen, welche man bis 
jetzt unter die Ausdrücke Transitions-Gesteine und Grauwacke zusam- 
menfasste, in mehrere bestimmte Formationen. Von dem alten rothen 
Sandsteine an, in absteigender Folge, sind es nachstehende: 

I, Upper Ludlow Rock — Grauwacke u. s. w. Die Gruppe 
trägt ihren Namen nach der Burg von Ludlvw, welche darauf erbaut ist, 
und ist eben so ausgezeichnet durch zahlreiche organische Reste, als der 
alte rothe Sandstein durch den Mangel derselben. Vorzugsweise charak- 
terisirt werden die oberen Lagen durch zwei Spezies von Strophomena 
oder Leptaena, eine Orbicula, eine Terebratulau. s. w., die 
' sämmtlich noch unbeschrieben sind. In den mittleren Lagen trifft man 
verschiedene Orthozeratiten, Serpuliten (?) u. s. w, von ansehnlicher 
Grösse. Die unteren Lagen zeigen sich überreich an kleinen Terebra- 
teln. Trilobiten und die Geschlechter Homalonotus und Caly- 
mene kommen ebenfalls vor. Die Gruppe erreicht in ihrer Mächtig- 
keit etwa 1000 Fuss. Ihre Glieder stellen sich meist als dünn-geschich- 
tete Sandsteine dar, bald sehr Kalk-haltig, bald sehr thonig. In Skrop- 
shire treten die Gesteine, erhabene Bergrücken bildend, zwischen dem 
alten rothen Sandstein und dem unteren Kalkstein auf. 

II. Wenlock Limestone = Dudley limestone und Übergan gS- 
Kalk. In der Gegend um Wenlock, namentlich an den Ufern des 
Severn ist die Gruppe ganz besonders reich an Korallen und Enkrini- 
ten, und beinahe alle diese Spezies, so wie gewisse Mollusken - Reste, 
erscheinen auch in den bekannten Kalksteinen von Dudley. Die tief- 
sten Lagen, unter dem Iudlow rock auftretend, sind dünn geschiebich- 
. tet und enthalten viele Konkretionen von sehr krystallinischer Struktur und 
mitunter ausgezeichnet gross. Im ganzen Landstrich zwischen dem Oney- 
und Lug - Flusse wird der Kalkstein vorzugsweise charakterisirt durch 
die Menge einer Spezies von Pentamerus, und zu Aymestrey findet 
man sowohl diese, als viele andere fossile Körper. Man sckätzt die 
Mächtigkeit dieses Kalkstrichs auf ungefähr 100 Fuss, 

Il. Unterer Ludiow rock = „Die Earth“. Die Gruppe be- 
steht zumal aus lockerem, grauem, thonigem, selten Glimmer-haltigem 
Schiefer. Die höheren Lagen zeigen sich stellenweise erfüllt von ver- 
schiedenen Orthozeratiten, neuen und unbeschriebenen Arten an- 
gehörend; ferner führen sie Lituiten, Asaphus caudatus!u.'s. w.In 
anderen Lagen trifft man vorzugsweise Konkretionen von thonigem Kalk- 
stein, die Korallen und andere organische Überbleibsel umhüllen. Ge- 
gen die Basis der Ablagerung ist in Shropshire ein, wenig starker, . 
Kalkstreifen bemerkbar, der Pentamerus laevis enthält, und eine neue 
Spezies von jener Bivalve, beide abweichend von der in der überlie- 
genden Gruppe Nro. Il. bezeichneten Art. Die Mächtigkeit soll 
über 2000 F. betragen. Durch Störungen, Rücken und Wechsel, am 
‘Severn, hat dieser unfruchtbare Schiefer, „Die Earth“, in Beziehung 


zu den Kohlen-Gebilden von Madeley und Brosely, bald eine ungleich- 
formige Lagerung angenomen, bald aber unterteuft er dieselben, 
wie gewöhnlich, 

IV. Shelly Sandstone = ?. Rothe und grüne Farbe herrschen in 
diesem Sandsteine vor, jedoch findet man auch weisse Nuanzen, Durch 
ihren mineralogischen Charakter, wie durch die in demselben enthalte- 
nen organischen Reste, zeichnet sich diese. Formation von allen höher 
gelagerten Gruppen aus. Mit den sandigen Schichten kommen kalkige 
Lagen vor, die beinahe ganz aus Productus, Leptaena, Spiri- 
fer und Crinoideen bestehen: alle sehr abweichend von den in 
den darüber ihre Stelle einnehmenden Felsmassen. In Shropshire 
stürzt das Gebilde aus den Thälern des unteren Ludlow rock, oder Die 
Earth, allmählich empor und verbreitet sich an der Südost- Seite des 
Wrekin und des Caer Caradoc. Einer ungefähren Schätzung nach be- 
trägt die Mächtigkeit 1500 bis 1800 F. 

V. Black Trüobite Flagstone = ?. Der in dr Formation vor- 
herrschende Trilobit ist der grosse Asaphus Buchii, welchen man 
mit den anderen ihm verbundenen Gattungen nie in der darüberliegen- 
den Gruppe antrifft. In der Longmynd besteht der „Flagstone“ ganz 
aus schwarzen Schiefern , aus hartem , dunkelgefärbtem Grauwacke- 
Sandstein u. s. w., in denen bis jetzt keine Trilobiten wahrgenommen 
wurden, obwohl dieselben sehr bezeichnend sind für die nämlichen Ge- 
steinmassen in ihrer weiteren Erstreckung durch Radnor-, Brecknock- 
und Caermarthenshire,, wo jene Fossilien im schwarzen Kalksteine, so 
wie im kalkigen „Flagstone“ und im „Grit“ vorkommen. Wahrschein- 
lich ist diese Gruppe mächtiger, als irgend eine der bisher geschilderten. 

VI. BRothes Konglomerat, Sandstein und Schiefer. 
Eine weit erstreckte Ablagerung, mehrere Tausend Fuss mächtig. Sie 
besteht aus sehr groben, quarzigen Konglomeraten, welche mit einigen 
schieferigen Lagen und mit dunkenlroth gefärbtem Sandstein wechseln. 
Die Schichten zeigen, namentlich bei Haughmond, Pulverbatch u. s. w., 
starke Neigung, oft stehen sie senkrecht. Organische Überbleibsel hat 
man bis jetzt nicht gefunden: dieser Umstand, so wie eine gänzlich 
verschiedenartige und eigenthümliche mineralogische Beschaffenheit schei- 
den diese Gruppe sehr bestimmt von der vorhergehenden. 

Die beschriebenen sechs Ablagerungen treten alle in Shropskire auf; 
sie erstrecken sich aus NO. nach SW.; mehrere Bergrücken und Thäler 
bestehen daraus. Weiterhin erscheint der „upper Ludlow rock“. Ge- 
stein-Schichten und Bänke, von demselben petrographischem Charakter 
und die nämlichen fossilen Überbleibsel führend, steigen sehr konstant 
unterhalb des alten rothen Sandsteins in den Grafschaften Hereford, 
Radnor, Brecknock und Caermarthen hervor. Der Schichtenfall ist oft 
sehr unbedeutend, allein an manchen Stellen, wie z. B. bei den Vorge- 
birgen von Ludlow und Brecon, erheben sich dieselben Sattel-förmig, und 
au der südwestlichen Grenze von Brecknock und Caermarthen stehen 
sie senkrecht, oder fallen doch sehr steil. — Die zweite Ablagerung, 


der „Wenlock (oder Dudley) limestone“, verliert sich allmählich gegen 
Aymestrey hin, und da die mit 1 und III bezeichneten Gruppen nur 
einander berühren, so bilden diese nun, in ihrer weiteren Erstreckung 
durch Süd-Wallis, die nämlichen jähen Abstürze. Darum schlägt der 
Verf. den Namen Ludlow-Formation vor (indem das obere und un- 
tere Ludlow-Gestein nur subordinirte Glieder sind) als anwendbar auf 
die ganze obere Abtheilung dieser Reihe, welche sich gleichsam unter 
dreifach verschiedenem Charakter in Salop und Hereford darstellt, eine 
Folge der Zwischen-Lagerungen von den Wenlock- und Aymestrey- 
Kalksteinen. — Die Ablagerungen Nro. IV, V und VI sind als drei zu- 
gleich abgesonderte Formationen zu betrachten, wesentlich von einander 
verschieden, sowohl was den mineralogischen Charakter und ihre Petre- 
fakten betrifft, als hinsichtlich der Lagerungs-Beziehungen. Es lassen 
sich dieselben übrigens in ihrer Erstreckung von Shropshire, an der 
nordöstlichen Seite, nach Coermarthenshire, von der Seite gegen SW., 
keineswegs ohne Unterbrechung verfolgen. — In jenen Landstrichen, 
wo parallele Züge der genannten Formation am Tage erscheinen inner- 
halb einer Zone von verhältnissmässig geringer Breite, zeigen sich Trapp- 
artige oder andere vulkanische Gebilde als gewöhnliche Begleiter der- 
selben, wie z. B. in der Nähe vom Wrekin und vom Caer Caradoc in 
Shropshire, und wieder, nach einem langen Zwischenraum, in der Ge- 
gend von Old Radnor, Builth und Llandegley. In den waldigen Distrik- 
ten von Clun, Knuckless und Radnor, wo keine solche plutonische Ein- 
treibungen wahrgenommen werden, erscheint die ZLudlow -Formation 
allein in Wellen-förmigen Massen verbreitet, und auf ihrer Oberfläche 
trifft man häufig einzelne und hoch gelegene Becken von altem rothen 
Sandstein erfüllt. — Die Erhabenheiten der verschiedenen Gruppen wech- 
seln, was ihre Meereshöhe betrifft, zwischen 500 und 2000 Fuss. — 
(Die Schilderung der zahlreichen Trapp- und Porphyr-Gesteine, welche 
das Grauwacke -Gebilde durchbrochen und manchfaltige Störungen und 
Umwandlungen hervorgerufen haben, für den dritten Abschnitt seines 
Aufsatzes.) 


C. Naumann: über die südliche Weisstein-Grenze im 
Zschopau-Thale (Karsten, Archiv für Min. V. B. S. 393. #.). Das 
Sächsische Weissstein- oder Granulit-Gebirge ist eine in vieler Hinsicht 
merkwürdige Bildung. Die Feldstein-artige Masse mit ihren charakteri- 
stischen Granat-Punkten, die innige aber durchaus regellose Verknüpfung 
mit kleinkörnigem Granit, die Nester und Gänge von grob- und gross- 
körnigem Granit, die zahlreichen Serpentin-Stücke, der scheinbar kon- 
zentrische, in sich abgeschlossene Schichten-Bau, endlich die Verhält- 
nisse zur umgebenden Schiefer- Formation müssen die besondere Auf- 
merksamkeit der Geognosten anregen. — Von Sachsenburg aus, das 
rechte Zschopau-Uter thalabwärts, tritt Grünstein- und sodann Thon- 
Schiefer auf, bis jenseits der Schenktelle.. Nun erscheint Glimmerschie- 


AU 


fer, der Stunde 4 streicht und unter 40—50 Gr, in SO. fällt; er ist bis 
zum Ausflusse des Vogelgesang-Baches zu verfolgen, wo sich das Strei- 
chen allmählich ändert: Stunde 7, Fallen unter 70 Gr. im S. Weiter 
aufwärts, im Bette des Baches, steht Weissstein an, von ausgezeich- . 
neter ebenflächiger Textur, dessen Schichten sehr bestimmt Stunde 1 
bis 1,4 streichen, und 20 Gr. in O. fallen. In der Höhe zeigen sich 
- andulirte, durcheinander geschlungene Schichten eines Mittel-Gesteins 
zwischen Weissstein und Glimmerschiefer, welche Stunde 7,4 bis 8 strei- 
chen und entweder vertikal, oder mit 80 Gr. im S. fallen. Sodann folgt 
charakteristischer Weissstein. Abwärts, am steilen Zschopau-Ufer : Glim- 
merschiefer, und im Flussbette ein kleiner Riff von grobkörnigem Gra- 
nit. Klimmt man aufwärts: dieselbe Gestein-Folge. Im Zschopau- 
Thale bietet sich dann noch die merkwürdige Erscheinung dar, dass der- 
zuletzt theils Gneiss-, theils Diorit-artige Glimmerschiefer in senkrech- 
ten Felstafeln endigt, dass an dieser Grenzwand der Weissstein sich 
anlegt, dass das Streichen des ziemlich flach fallenden Weisssteines 
rechtwinkelig auf jenes des Glimmerschiefers ist, dass jedoch die unmit- 
telbar an einander grenzenden Massen beider Gesteine verworren un- _ 
dulirt und in ihrer Beschaffenheit einander sehr genähert sind. Eben 
so grenzen am entgegengesetzten Zschopau - Ufer wieder Weissstein 
und Glimmerschiefer in höchst abweichender Lagerung an einander. 
Als Resultat ergibt sich, dass die, bisher angenommene, regelmässig- 
gleichförmige Aufeinanderfolge des Weisssteins und Glimmerschiefers 
für den, durch das Zschopau-Thal entblössten, Theil der Grenze nicht 
bestätigt gefunden wurde; aber der plutonische und eruptive Charakter 
der Weissstein-Formation und ihre Posteriorität hinsichtlich der sie um- 
gebenden Schiefer erscheinen als unbezweifelbare Thatsache; der so 
ausgezeichnete Platten-förmige und geschichtete Weissstein verhält 
sich, nach dem Verf., zum Granit, wie etwa Phonolith zu körnigem 
Trachyt. 


u 


Der Herzog von Buckincnam über die geologische Struktur 
der Insel Pantellaria (Report of the 1. and 2. meetings. 1833. 
884—587). Der Vf. hatte diese Insel 1828 mit Donarı aus Neapel 
besucht. Sie liegt 56 Seemeilen von Sicilien und 36 von Afrika, ist 
elliptisch, 10 Meil. lang, von NW. nach SO, 5 Meil. breit, und bis 
3500‘ hoch. Der Berg Bosco mit konischen Seiten und abgestutzter 
Spitze nimmt deren Mitte ein und erstreckt sich von NO. nach SW. 
Aus ihm scheint sich die erste Lava ergossen zu haben, welche Feld- 
spath-Krystalle, aber weder Augit noch Glimmer enthält, oberflächlich 
verschlackt, durch Eisenoxyd gefärbt und in rechtwinkelige Prismen 
zerspalten ist. Drei Fumarolen sind an den Bergseiten; eine, an der 
Stelle, welche Favaro heisst, gibt nur wässerigen Dampf von 60° R., 
ohne eine Sublimation zu bilden, oder die Schlacken nächst ihrer 
Mündung zu zersetzen; die zweite an der SW.-Seite des Berges, am 


s. g. Bagno Secco befindlich, entspringt nächst einem Trachyt-Strome 
mit grossen Feldspath- und unzählichen mikroskopischen Eisenoxyd- 
Krystallen, welcher gerade vom Gipfel herabgekommen zu seyn scheint ; 
— sie gibt ebenfalls nur Wasserdämpfe, die zu antirheumatischen Bä- 
dern benützt werden. — — Am SO.-Ende der Insel erhebt sich ein 
abgestutzter Kegel, Codia di Scaviri Supra genannt, 500‘ hoch über 
das Meer. Die Lavaströme, welche sich aus ihm, und zwar alle nach 
dem Innern der: Insel, ergossen, bestehen aus halbglasiger Materie mit 
kleinen Feldspath-Krystallen und Glimmerblättchen, welche mit Bims- 
stein durchmengt ist und Geoden mit zarten Nadel-förmigen Krystallen 
enthält. Fumarolen waren zu verschiedenen Zeiten im Innern seines 
Kraters geöffnet, jetzt aber keine in Thätigkeit. Steinmark, Hyalith, 
Cachvlong und verschiedenfarbiger Chalzedon erscheinen unter den vul+ 
kanischen Erzeugnissen, die Chalzedon-Gebilde ebensowohl an der Spitze, 
als am Fusse des Berges nächst dem Meere, als endlich in Lava-Strö- 
men an der WSW.-Spitze’ der Insel bei einer kochenden Quelle, durch 
deren Dämpfe sie stellenweise zersetzt worden zu seyn scheinen, — 
Der westliche Theil der Insel ist ein weiter Krater, wohl begrenzt, 
elliptisch im Umfange, von N. nach S. 4 Meile lang, 300° tief, innen 
erfüllt mit zerfallenen prismatischen Lava-Blöcken. Einige ihm entflos- 
sene Lava-Ströme enthalten Geoden von braunem Obsidian mit Feld- 
spath-Kryställchen und von Bimsstein. Alle diese Lava begleitende 
Schlacken sind zellig und glasig und zeigen Lagen von Obsidian und 
Bimsstein. Weder Fumarolen noch andere Spuren neuerer Thätigkeit 
sind an diesem Krater wahrnehmbar. — — Unfern dem Dorfe Tl Bayno, 
am Fusse des Berges gleichen Namens, sind warme Quellen von 70°R., 
aus denen sich viel kohlensaures Gas entwickelt, und welche in einen 
5 Meile haltenden See abfliessen, dessen Wasser milchwarm und seifig 
anzufüblen und zu schmecken ist. Es enthält salzsauren Kalk. mit 
etwas Schwefel und kohlensaurem Alkali und ist zum Waschen der 
Leinwand sehr gebraucht. — Der Berg il Bagno ist ein 300’ hoher 
Kegel mit deutlichem Krater, halb mit Detritus erfüllt, woraus ein 
Strom glasiger Lava in NW.-Richtung gekommen war. Unweit davon 
zeigt ein anderer Strom chloritischen Thon mit Feidspath - Blättchen. 
Beide sind nicht über 3'— 10° dick, — Der Berg Arca della Zelia ist 
ein anderer Kegel mit Resten eines ganz runden, 50° tiefen Kraters 
auf seiner Spitze. Er zeigt überall trachytische Lava, die theils Bims- 
stein-artig, theils glasig, aussen schlackig ist und grosse Perlit- und 
Feldspath-Massen enthält. — Auch Monte Saterno und einige andere 
kleine Berge sind von einander unabhängige vulkanische Kegel, die 
sich nach einander auf Basen von vulkanischen Stoffen, die der Monte 
del Bosco ausgeworfen, erhoben zu haben scheinen. — — Die Küsten 
der Insel bestehen aus wechsellagernder Lava, Breceie und Detritus 
von Schlacken, Bimsstein und Puzzolane, die mit Sand zusammen er- 
härtet sind. ‚Die ganze SW.-Küste besteht aus trachytischer Lava, die 
allmäblich in Obsidian übergeht. Einen grossen Theil der NO.-Küste 


ee, Gi 


nimmt ein Meerbusen ein, der von basaltischen Höhlen eingeschnitten 
und von allen möglichen Lava-Arten eingefasst ist. In allen Räumen auf der 
Insel, w.lche die verschiedenen Lava-Ströme zwischen sich lassen, sind 
Lagen von Bimsstein und Schlacke mit Sand und Brocken von Obsi- 
dian und Lava. Dazwischen werden an la Codia di Scaviri Supra 
grosse Granitello-Massen, die aus Feldspath- und Augit-Krystallen be- 
stehen, und einige kleine Stücke ächten Granites gefunden. — Die 
Baum-Vegetation der Insel ist lebhaft, das Wein-Erzeugniss reich; aber 
alle Quellen sind 'mehr oder minder Schwefel-haltig. Beines Wasser 
muss man in Zisternen sammeln. . 


J. Trımmer über fossile See-Konchylien lebender Arten 
auf dem linken Ufer des Mersey-Flusses über dem Niveau 
des Hochwasserstandes (Proceed. of the geol. Soc. 1833. 23. 
Januar, N. 29. S. 419—420). Bei einem kürzlichen Besuche zu 
Runcorn fand T. an einer niedrigen Stelle am Mersey einen 26’ dicken 
Durchschnitt des Ufers aufgeschlossen mit folgender Schichtenfolge von 
oben nach unten: i 
4. Grober gelber Sand mit einigen Geschieben, ohne Konchylien, 3’—6’ 
2. Zersetzte'vegetabilisehe Materie . . „2 2.000006 3°! 
3. Eine Schichte, oben aus Sand, unten aus Thon bestehend, bis zum 
Hochwasserstand 14‘ mächtig, mit einigen Stücken von New red: aus 
der Umgegend, und vielen zerstreuten Trümmern von Granit, Syenit, 
Grünstein, Kalk, Grauwacke und Quarzfels, je 4”—6‘' dick, mit eini- 
gen bis 4 Tonne schweren Blöcken. Im untern Theile dieses Flötzes 
nun kommen Reste lebender Arten von Cardium, Turritella und 
Buccinum in Trümmern vor, wie auf dem Noel Tryfane [Jahrb. 1833, 
S. 97.], 

Aus diesen Verhältnissen lassen sich drei Ereignisse folgern: 

a) Ein Meeres-Einbruch, welcher Seethier-Reste und Trümmer dort 
nicht anstehender Felsarten mit sich führte; b) eine Absetzung eines 
Torf-Lagers ; e) und eine Sand-Anhäufung. 

Diese Nachforschungen weiter verfolgend, entdeckte der Vf. über 
den Sandstein-Brüchen von Weston, 100' über Hochwasserstand, ein 
Bett sandigen Lehms mit ähnlichen zerstreuten Geschieben, wie bei 
3, doch ohne thierische Reste, 


Murenusson Beobachtungen über gewisse Anhäufungen 
von Thon, Kies, Mergel und Sand um Preston in Lancaslire, 
welche See-Konchylien von noch lebenden Arten euthal- 
ten. (Report of the 1. and 2. meetings of the British Associat., Lond. 
1833, p. 82—83). Die ersten Beobachtungen über diesen Gegen- 
stand rühren von GiLBertson in Preston her. M. wiederholte sie 1831. 
Er fand unter einer oberflächlichen Decke von Thon mit grossen Stü- 


cken von in der Nähe nicht anstehenden, Cumberland’schen Felsarten, 
mächtige Anhäufungen von Mergel, Kies und Sand, der gewöhnlich die 
tiefste Stelle einnimmt, über dem ganzen Delta von der Küste bei 
Blackpool bis einwärts bei Preston und von hier bis zu ansehnlichen 
Höhen hinauf, die als Hochebenen an den Ufern des Ridble und Dar- 
went sich mehrere Engl. Meilen landeinwärts erstrecken. Jene An- 
häufungen nun enthalten an verschiedenen Stellen See-Konchylien von 
noch dort lebenden Arten (Girzertson zählt deren über 20 auf), und 
zwar bis zu Höhen von 80‘—300' über dem Meere hinauf. ‘Jene An- 
häufungen tragen keine Spuren ruhiger Absetzung und regelmässiger- 
Schichtung, sondern scheinen vielmehr ein an unruhiger Küste entstan- 
dener Detritus. Ihre Emporhebung muss eine lange Zeit hindurch fort- 
gewährt haben. 

Diese Gebilde liegen auf geneigten und gewundenen Schichten von 
Millstone-Grit und Schiefer, auf darüber ruhendem rothem Sandstein, 
und auf dem Ausgehenden der reichen Steinkohlen - Schichten vom 
Choriey.. 

Die;Zentral-Höhen von Nord-England müssen daher ihre letzten 
Hebungen erst nach Entstehung von noch jetzt lebenden Thier-Arten 
erfahren haben. 


Herm. vow Meyer: Tabelle über die Geologie, zur Ver- 
einfachung derselben und zur naturgemässen Klassifi- 
kation der Gesteine (Nürndb. I833. XII. u. 112 SS. 8°). I. Ge- 
schichtliches und Allgemeines (S$. 1—28). Kurze Andeutungen 
über die geologischen Leistungen der Geologen in chronologischer Ord- 
nung nach der Weise Lyerr’s und Desnoyers’s, bis zu Entwickelung 
und Entscheidung des Streites zwischen Neptunisten und Vulkanisten. 
— Aufzählung der verschiedenen bisher üblichen Klassifikations-Weisen 
für die Gesteine, welche bald auf rein petrographische, bald auf geolo- 
gische Grundlagen gestützt gewesen, wovon erstere die verwandten 
Gesteine zu sehr von einander trennen und andere Nachtheile haben, 
und auch die letzteren nicht genügend sind, da „zur Grundlage der 
natürlichen Klassifikation eine Vereinbarung zwischen den Lagerungs- 
Verhältnissen und der Mineral-Beschaffenheit des Gesteines zu versu- 
chen ist“, wobei die Mineral-Bestandtheile auf ihren oryktognostischen 
Werth erkannt werden und ihnen eine geologische Bedeutung eröffnet wird. 
Nun ist die Gestein-Bildungs-Thätigkeit zweifach, zentral und periphe- 
risch, Feuer oder Wasser, und die Gesteine zerfallen daher in „Mas- 
sen-Gesteine“, durch die Art ihres Auftretens bezeichnet, und in 
„Abgesetzte, Versteinerungen führende Gesteins-Schich- 
ten“, welche auch beide durch eine Zusammensetzung aus verschie- 
denen Mineralien charakterisirt sind, jedoch so, dass in jeder dieser Ab- 
theilungen gewisse Mineralien sich gegenseitig vertreten können, übri- 
gens in wesentliche und ausserwesentliche unterschieden werden., We- 


ZEN. 


sentliche Bestandtheile der Massen-Gesteine sind Quarz, Feldspath, 
Amphibol, Pyroxen, Glimmer, Magneteisen und etwa noch Topas. Augit 
und Hornblende, obschon aus gleichen : Elementen entstanden, und mit 
aufeinander fast reduzirbaren Krystallwinkeln versehen, letztere wahr- 
scheinlich nur in Folge langsameren Erkaltens gebildet, können zur 
Bezeichnung der zwei Haupt-Gruppen der Massen- Gesteine dienen. 
Labrador kommt gerne mit Augit, gemeiner Feldspath gewöhnlich mit 
Hornblende vor. Augit-Gesteine bilden sich noch fortwährend; Horn- 
blende-Gesteine sah noch Niemand entstehen. Beiderlei Gebilde haben 
nie einen gemeinsamen Ursprung; wohl aber haben ihn oft sehr unähnliche 
Gesteine, die, je einer dieser zwei Gruppen angehören. Doch hat die 
Bildung pyroxener Gesteine schon begonnen, als die der Hornbleude 
haltigen noch fortdauerte. Säulen-förmige Absonderung ist den Mas- 
sen-Gesteinen ‚allein, doch lange nicht überall eigen, es seye denn, dass 
abgesetzte Gesteine diese Absonderungsweise durch Einwirkung der 
Massen-Gesteine angenommen. Gänge bieten keinen Anhalt zu Haupt- 
Abtheilungen, In der Zusammensetzung sehr ähnliche Gesteine können 
zu verschiedenen Zeiten, sehr, unähnliche gleichzeitig entstanden seyn, 
Auch manche Massen-Gesteine zeigen Schiefer-artige Absonderungen, 
die aber wohl nur Folge des Grades schnelleren oder langsameren Auf- 
tretens oder Erkaltens sind. 

I. Massen-Gesteine (S. 29—70). 

A. Amphibolische M., grossentheils die s. g. Urgesteine, ob- 
schon ihre Entstehungszeit mitunter, sehr‘ neu ist. Feldspath, Quarz, 
Glimmer, Hornblende und Magneteisen sind die wesentlichen Gemeng- 
theile, die sich gegenseitig überwiegen, selbst vertreten, ja sogar von 
anderen Mineralien vertreten werden können, wesshalb die Massen- 
Gesteine dieser Abtheilung nicht unumgänglich Amphibol zu enthalten 
brauchen, da er durch Glimmer, und mit dem Glimmer durch Chlorit 
und Talk ersetzt werden kann, auch „theilweise oder ganz 'sogar von 
Hypersthen, Diallagon oder Augit, die alsdann die Bedeutung 
von Amphibol haben“; zuweilen sondert sich der Amphibol nur in un- 
tergeordneten Lagern aus, In diese Abtheilung gehören Granit mit 
seinen Unterarten (Schrift-Granit, Kugel-Granit, Granulit, Aplit, Gra- 
nitell u. s. w.), Gneiss, Porphyr, Syenit, Diorit, dann die 
mehr untergeordnet vorkommenden Bildungen:; Quarzfels, Itacolu- 
mit, Tapanhoacango; Kryolith, Magneteisen, Protogyn, 
Turmalin-Schiefer, Glimmer-Schiefer, auch Urkalk und 
Ur-Dolomit. Vollkommene Übergänge lassen sich zwischen diesen ein- 
zelnen Gesteinen wahrnehmen. 

B. Pyroxenische. Ihre Bildung hat später begonnen und 
dauert noch fort. Die wesentlichen Bestandtheile dieser Abtheilung 
sind Feldspath, Augit und Magneteisen; Quarz und Glimmer können 
ebenfalls vorhanden seyn, doch sind sie es in untergeordneteren Verhält- 
nissen, als bei der amphibolischen Gruppe. „Die Hornblende ist gerade 
nichts Ungewöhnliches und hat die Bedeutung des Augites“, Tra- 


er 


chyte, Phonolithe, Dolerite, Basalte, Laven „u. a. Gesteine 
von augenscheinlicherer vulkanischer Entstehung“ gehören hieher, wie 
Obsidian, Pechstein, Perlstein, Bimsstein. Manche der- 
selben zeichnen sich noch durch eine blasige Struktur, eine Schlacken- 
artige, glasige und Tuff-Form aus. 

„Unter Berücksichtigung der Zulässigkeit, dass Hornblende und 
Augit sich gegenseitig vertreten, besteht keine strenge Grenze zwischen 
beiden Abtheilungen der Massen-Gesteine in Ansehung der Natur ihrer 
Gesteins-Massen. Es ist jedoch der Übergang der Gebilde jeder Ab- 
theilung unter sich weit inniger, als der der einen Abtheilung in die 
andere.“ Porphyr und Trachyt nähern sich von beiden Seiten am mei- 
sten. Viele ausserwesentliche, aber bezeichnende Mineralien sind bei- 
den Abtheilangen gemeinsam, worüber detaillirte Nachweisungen' folgen. 
„Die Allgemeinheit gewisser Mineralien drückt daher den gemeinsamen 
Ursprung der Massen-Gesteine aus. Die Verschiedenheit in der Summe 
der Mineralien der Massen-Gesteine, die wirklich besteht und bei der 
Vergleichung sich herausstellt, ist ein Mittel zur genauern Unterschei- 
dung der Massen-Gesteine, das nicht bloss eine mineralogische, sondern 
auch eine geologische Bedeutung hat, indem die Entstehung sich mit 
den Umständen im Zusammenhang befinden werde, unter denen das 
Massen-Gestein auftritt und sich. gleichsam ausbildet. Die Mineral- 
Verschiedenheit kann entweder im Mangel, oder. in der Gegenwart, 
oder auch im Zusammenvorkommen gewisser Mineralien enthalten seyn, 
Ein ähnliches Gesetz lässt sich auch über die Versteinerungen in den 
abgesetzten Gesteins-Schichten aufstellen.“ 

Auch das Meteoreisen gehört zu den Massen- Gesteiten, mit 
welchen seine Zusammensetzung übereinstimmt, und dessen Entstehung 
innerhalb der Grenzen unserer Atmosphäre dem Verf. wahrschem- 
lich ist. 

II. Abgesetzte, Versteinerungen führende Gestein 
Schichten [soll doch wohl heissen „Schicht-Gesteine“]. Sie sind 
Alluvium; Diluvium (Quaternär-Gebilde, Knochen-Breccie, Löss); 
obere Tertiär-Gebilde (Quaternär-Gebilde noch zum Theil, Kno- 
chen-Breecie z. Th., Crag, Paläotherien-Kalk, Knochen-Gyps, Subapen- 
ninen-Formation, Mo&llon [eine sonderbare Vereinigung!J)5 untere 
Pertiär-Gebilde (Grobkalk, Londonthon, Töpferthon, Braunkohle, 
Molssse und Nagelflue zum Theil, Tegel-Formation?); Mastricht- 
Schichten; Kreide (weisse Kreide, Scaglia); Kreidemergel 
(Craie tufau, Plänerkalk z. Th.); Obergrünsand (@lauconie craieuse, 
Chloritische Kreide, Plänerkalk); Gault (Glauconie compacte); Unter- 
grünsa.nd (Quader- und Karpathen-Sandstein z. Th.); Waldthon, 
Hastingssand; Purbeckstein; Portlandstein; Kimmeridge- 
Thon; Coralrag (Astarten- und Nerineen-Kalk); Oxford-Thon- 
Cornbrash; Forstmarmor (Stonesfield - Schiefer); Bradford- 
Thon; Gro ssolit (Great Oolit etc); Walkerde; Unteroolith; 
Ober-Liass andstein; Lias; Unter-Liassandstein; Keuper; 
Muschelkalk; bunter Sandstein; Zechstein; Todt-Liegen- 


des; Steinkohlen-Gebirge; Bergkalk; Rothliegendes (old 
red); Grauwacke. Jedem dieser Gesteine sind noch viele Synonyme 
und Äquivalent-Angaben, öfters einige sie charakterisirende Worte und eine 
sehr vollständige Liste der Versteinerungen beigefügt. Darauf folgen 
noch einige allgemeine Bemerkungen über die wenigen Substanzen, 
woraus diese Gesteine alle bestehen, über deren chemische oder mecha- 
nische oder organische, konglomerirende, regenerirende u. s. w. Ent- 
stehungsweise mit Rücksicht auf einzelne Lokalitäten, über die. Entste- 
hung, des Dolomites durch Veranlassung der Bildung von Massen-Ge- 
steinen u. S. w. 

‘ Den Beschluss macht eime Musterung der einzelnen Thier- und 
Pflanzen-Gruppen, welche organische Reste in den Gesteinen hinterlas- 
sen haben, mit Rücksicht auf die Folge ihres Auftretens, ihre Andauer, 
ihr Verschwinden u. s. w. 


W. Hurron hielt bei der Versammlung in York einen Vor- 
trag über den Whin-Sill von Cumberland und Northumberland 
(Report of the 1. and 2. meetings of the British Assoc., Lond. 1833, 
». 76 u. 77). Whin-Sill heisst in Alston Moor und der Umgegend 
ein in, Nord-England: sehr ausgedehntes Lager von Schichten-förmigem 
Basalt in Verbindung mit Bergkalk. Es geht zu Tage in mehreren 
Flussbetten, welche von W. her nach dem South Tyne gehen und im 
Tyne-Bette selbst bei T'yne-head. Es erscheint im. Wear-, im Teesdale- 
Bette sehr ausgedehnt, im Lune-Bett und durch den ganzen Distrikt hin, 
wo Wasser-Rinnen und Gruben-Arbeiten tief genug. einschneiden, und sein 
oberes Ausgehendes kann fast ununterbrochen.von Helton in Westmore- 
land bis Tindale-Fell in Northumberland verfolgt werden. Hier wird 
die ganze Steinkohlen-Formation von dem grossen Stublick-Dyke durch- 
brechen, welcher den Whin Sill mit den ihn begleitenden Schichten 
zu, einer unermesslichen Tiefe hinabdräckt, dessen ‚Ausgehendes jedoch 
wieder an der. Nordseite jenes Dykes zu Wall Town. Crags bei Glen- 
whelt in Northumberland erscheint, rasch gegen N. ansteigt, und von 
dieser Stelle an durch die ganze Grafschaft bis zur Seeküste bei Newton 
verfolgt werden kann, Mit anderen. Schichten der Kohlen-Formation 
kommt er in Folge einer allgemeinen Schichten -Einsenkung etwas 
südlich von Bamborough wieder vor, zieht sich um Belford im Bogen 
nach Kyloe an der Küste und verschwindet hier. In seiner Erstreckung 
nördlich von Alston Moor dringt er in die Schichten-Folge aufwärts ein 
und kömmt dadurch allmählich mit allen Varietäten der Gesteine der 
Kohlen-Formation in Berührung. Gewöhnlich bildet er nur ein, zuwei- 
len zwei, und zuletzt drei Lager. — Die Wirkung der Hitze auf die ihn 
begrenzenden Gesteine, in deren Folge sie härter und die Kalksteine 
krystallinisch geworden sind, kann man, in seinem Verfolge allgemein, 
aber nirgends in solchem Grade, wie in High Teesdale erkennen. Der 
Vf, glaubt, dass dieses Basalt-Lager durch Aussirömung aus einem Vul- 
kane während der Absetzung der Bergkalk-Gruppe und zwar nach der 


der tieferliegenden und vor der der dasselbe überlagernden Dann 


entstanden seye. 
# 


Murcuison bestätigte die Genauigkeit dieser Beobachtungen (a.a.0O. 
S. 77), schloss sich jedoch rücksichtlich der Entstehungs-Zeit des Whin 
Sill’s an Sepswicr’s Ansicht an. Die Anordnung der basaltischen 
Massen in High Teesdale, die umgeänderte Beschaffenheit der sie dört 
begleitenden, unterteufenden wie aufgelagerten, Kalk-, Sandstein- und 
Schiefer - Schichten, die gelegentliche Verästelung seiner Masse durch 
die angrenzenden und zumal höher liegenden Schichten scheinen 
ihm dafür zu sprechen, dass der Whin Sill erst nach der Ab- 
lagerung des ganzen von ihm durchsetzten Gebirgs - Systemes sich 
gebildet habe. — — Er wünscht, dass die Whin Dykes in 
Durham mit Rücksicht auf Senpewick’s Theorie weiter verfolgt wer- 
den, um zu bestimmen, ob sie Ausflüsse vom grossen Whin Sill, oder 
erst nach ihm entstanden seyen. Einige derselben lösen sich in ver- 
schiedene Äste auf, welche sich allegegen den Whin Sil richten, was 
eine Alters-Beziehung zwischen beiden anzudeuten scheint. 


’ 


Prnruips hat früher ebenfalls den Whin Sill sorgfältig verfolgt 
(ib. S. 77.), und glaubt, dass die zwei vorstehenden Ansichten sich mit 
einander verbinden lassen. Die beharrliche Lagerung dieser beträcht- 
lichen Basalt-Masse zwischen denselben Sandstein-Schichten auf eine 
ansehnliche Erstreckung hin, die allgemeine Beschränkung der Wirkung 
ihrer Hitze auf die zunächst unterlagernden Schichten allein, ihr Meilen- 
weiter Verlauf, ohne einen einzigen Dyk abzugeben oder in die vielen 
natürlichen Spalten des Kalkes einzudringen, das Durchsetztwerden der- 
selben durch Erz-Gänge deutet auf die Bildung eines grossen Theiles 
des Whin Sill durch untermeerische Lava-Ausbrüche, die sich während 


des Niederschlags der damit verbundenen Kohlen-Formation wiederhol- 


ten. Eben so erweisen die Beispiele heftiger Einbrüche des Basaltes 


in- die Straten über seinem gewöhnlichen Niveau, dass Teesdale der 


Sitz von mehreren vulkanischen Ausbrüchen gewesen, deren Heerde mit 


Wahrscheinlichkeit zu Caldron Snout in Teesdale zu erforschen seyn 


würden. 


von Bonsporr charakterisirte bei der Wiener Versammlung (Isis 
1833. S. 484—485.) den in Finnland sogenannten Rapakivi,d.i. 
Trebernstein, als eine eigene Gebirgsart. Sie ist nach ihm aus Feld- 
spath, Quarz und Glimmer zusammengesetzt, und aus einem den Feld- 
spath Schalen-förmig umgebenden Natron-Silikat. Die Säulen der Isaaks- 
Kirche in Petersburg und die kolossale Alexzanders-Säule bestehen dar- 


aus. — Mehrere anwesende Mitglieder hielten jedoch das angebliche 
Natron-Silikat für Albit, die Felsart mithin für eine blosse Abänderung ” 


des Granites. 


ee 


Bopraye: Beobachtungen über die geognostische Be- 
schaffenheit von Morea (Ann. sc. nat. 1831. XXII. 113—134.- 
pl. VI.). Die Halbinsel erhebt sich von allen Seiten steil aus dem 
Meere, hat eine mittle Höhe von 400m, einzelne Bergspitzen von 
1000m — 1500m, und im Taygetes selbst von 24050, Drei grosse Thä- 
ler, erhepen sich vom Meere nach dem Arcadischen Plateau in Form Staffel- 
artig übereinander liegender Becken. Alte Thon- und einiger Glimmer-Schie- 
fer bilden die Basis der hohen Monembasischen und Taygelischen Gebirgs- 
Ketten und des Plateaus der Chelmos-Berge nördlich von Sparta. Die 
Schichten streichen von N. nach S. — Talk- und Dach-Schiefer nebst 
anderen Übergangs-Gebirgen mit Marmor-ähnlichen Kalken vergesell- 
schaftet, kommen in den nämlichen Gebirgen so wie noch in Attica und 
der Insel Salamis vor. Die Phorphyre und Amygdaloide mit Ophit 
(antiker grüner Porphyr) von Helos und andern Punkten Laconiens mö- 
gen zur nämlichen Formation gehören. Die Lagerung ist abweichend 
von der vorigen. — Rauchgraue kompakte Kalke mit Belemniten, 
grüne Kalke, lithographische Kalke mit Jaspis sind mit vorigen innigst 
verbunden, und wahrscheimlich gleicher Formation. — Grünsand und 
Kreide mit Diceras, Hippuriten und Nerineen, wie am Mont 
Perdu zu 2300m Seehöhe ansteigend, ‘streichen von NW. nach SO. — 
Eine Thon- und Pudding-Formation mit vielartigen Gestein-Trümmern 
und Geschieben , selbst aus dem Grünsand und der Kreide, erhebt. sich 
mit aufgerichteten Schichten in Arcadien zu 800m, in Ziria zu 1500m 
Seehöhe; sie scheinen die Stelle der ältesten Tertiär-Schichten einzu- 
nehmen, Darauf folgt indessen erst das eigentliche Tertiär-Gebirge, zu- 
erst nämlich blaue Mergelmit Ligniten, drei Arten von Austern, Ano- 
mien, Gryphäen, Pectunculus glycimeris, Venus decus- 
sata, Cerithium vulgatum, Spondylus uw s. w.; — dann san- 
dige Kalke mit Terebratula vitrea, Pecten soleare, Spa- 
tangus,Cidarites, Clypeaster; — endlich mehr lokale Süss- 
wasser-Kalke, Puddinge u. dgl. — Die Sandmergel-Gruben der Ebene 
von Napoli bieten viele Univalven noch lebender, doch jetzt am schlam- 
migen Gestade des &olfes nicht vorfindlicher Arten, und verbinden die 
vorigen mit den Gebilden aus heidnischer Zeit, die viele Töpfer-Waare u. 
dgl. enthalten. Das Tertiär-Gebilde hat nirgend grosse Störungen er- 
litten, ist aber im Ganzen gehoben und stellenweise umgebogen ; seine 
meerischen Glieder steigen jedoch nirgend über 200m Seehöhe an. Zei- 
chen eines einst höheren Meeressiandes und zugleich Statt gehabter Be- 
wegungen des Bodens bemerkt man an der kompakten harten Kreide 
CNavarin), am Grobkalk (Modon) und an einem Konglomerat mit Land- 

. schnecken (Napo%). Das Gestade auf der ganzen Südseite der Halbinsel er- ' 
 hebtsich, welches auch seine mineralogische Natur seyn mag, in 4—5 Terras- 
sen. — Von Napoli aus besuchte B. die Insel Ägina. Er schiffte sich zu Epi- 
daurus ein und legte unterwegs noch an der unwirthlichen Halbinsel 
Methana an, wo ein steil abfallendes verbranntes Vorgebirge sich aus 
der See erhebt, welches aus rothen schon zersetzten, und aus dunkel- 


Jahrgang 1834. 7 


BE ee 


blauen halbflüssig. gewesenen Porphyr-Trachyten'besteht, die den dortigen 
harten Kalkstein gehoben und umgeändert haben; so dass er theils m 
erdigen, theils in faserigen Zustand übergegangen ist. Nach Ovıp’s. 
u. a. Dichter Anspielungen gehören die vulkanischen' Ereignisse dieser 
Gegend ‘schon der geschichtlichen Zeit an. Aber diese Halbinsel ist 
nicht auf einmal 'emporgehoben worden; sie gehört dem von Santorin 
nach Ägina .aus NW. nach SO. ziehenden breiten trachytischen Bande 
an, dem vielleicht auch auf dem Isthmus von Korinth die warmen Quellen 
entspringen. Die Hebung scheint zwischen der Absetzung der blauen 
Mergel und des sandigen Kalkes mit Terebratula vitrea Statt 
gefunden und die scharfe Trennung dieser zwei Gebilde veranlasst zu 
haben. — Auf Ägina selbst findet man einen harten oft körnigen Kalk 
von 'blaugrauer Farbe, dessen unteren Schichten roth ‘und schieferig 
werden, und Jaspis aufnehmen; — dann grüne Mergel mit Pflanzen- 
Abdrücken, Austern und Anomien, welche nach dem In- 
nern der Insel aufgerichtet sind und mit Puddingen aus Quarz 
und hartem Kalke "wechsellagern ; zuletzt folgt sandiger Kalk. 
Inzwischen 'aber-erheben sich hohe, von tiefen, engen, senkrechten Klüf- 
ten zerrissene, an der Oberfläche sehr zersetzte Trachyt-Massen, oft 
zugleich zur Bildung von trachytischem Sande und Konglomerat' mit 
Kalk-Zäment Veranlassung gebend, ‘welche bald auf den grünen Mer- 
geln, bald auf dem sandigen Kalke unmittelbar ruhen, sich selbst in die 
oberen Schichten‘ des ersten einmengen, so zwei Epochen der Hebung 
der Trachyte genau zu bezeichnen scheinen 'und zu oberst wieder von 
einer langen Reihe von Alluvionen bedeckt werden. Wo der grüne Mer- 
gel auf dem Trachyte liegt, ist er erhärtet und blätterig. — Das Strei- 
ehen der. Kalkschiehten, das der kleinen Argoh’schen Berg-Ketten, 
das der Trachyt-Klüfte von Methana und Ägina ist 'ONO,., wie das der 
Alpen von: Wallis nach ’Österreieh. — ‘Der Boden der Insel war von 
vielen Höhlen durchwühlt worden, theils um diese zu Gräbern zu ver- 
wenden, nachdem sie mit Stuck ausgekleidet ‘worden, theils um das 
Material zu den dortigen antiken Töpfereien zu gewinnen, theils end- 


"lich um. bessere Erde auf die Oberfläche kahler Felsen 'zu landwirth- 
schaftlichen Zwecken zu erhalten, 


R. Wacner’s Tabelle zum Verständniss der Überlage- 
rung der Formationen, welche die Erdrinde bilden, und 
der sie begleitenden Versteinerungen (Kuasın. Arch. 1831. 
II. 95—98., aus Wacners Geschichte. der Menschen und Völker und 
ihrer Krankheiten u. s. w.) enthält nichts Neues auszuheben; wohl aber 
mehrere Unrichtigkeiten 5; die obere Grenze der Nummuliten im alten 
Grobkalk ist zu tief, die obere Grenze der Orthozeratiten fraglich im 
Keuper viel zu hoch, die Belemniten und ?Echiniten im Muschelkalk 
unrichtig (wenigstens hier gewiss höchst zufällig, die obere 


er Me 
Grenze der Trilobiten im Zechstein zu hoch, die untere der Fische eben- 
‚daselbst zu hoch angegeben u. s. w. 


SCHWARZENBERG über das Vorkommen der Grobkalk-For 
matiom in Niederhessen. (Stud. d. Götting. Vereins bergmänn, 
Freunde, 1833. III. 219—252.) 

1. Verbreitung: Im Kreise Hofgeismar: bei Hohenkirchen 
SSO. von Waitzrott an der Langenmasse; NNW. und W. von Holz- 
‚hausen; am N.-Fusse des Gahrenberges; W. und NW. von Immen- 
hausen; an dem Hopfenberge und den Abhängen des von hier nach 
Burguffeln ziehenden Thales; W. vom Ahlberg gegen Mariendorf; zwi- 
‚schen Mariendorf und Udenhausen; WSW. von Beckerhagen im schwar- 
.zen. Loch; am: NW.-Fusse des Warteberges bei Friedrichsdorf ; W. von 
Beberbeck ; NO. vom Hombressen; N. von Sababurg; N. und NO. von 
Gottsbüren; W. und NW. von Gieselwerder. — Im Kreise Cassel: NO. 
‚von Niederkauffungen; ©. vom Eichwäldchen bei Bettenhausen; NO. 
und SO. von @chshausen; auf dem Möncheberge bei Cassel und bei 
Wolfsanger; am O.-Fusse des Habichtswaldes, namentlich auf Wü- 
helmshöhe, zu Moulang, Montcheri, am Apolloberge u. s. w.; im Ahne- 
that am Habichtswalde bei Nieder- und Ober-Zwehren; N. von Alten- 
.baune, zwischen Kirchbaune und Grossenritte; im SO. von Rengers- 
‚hausen. — Im Kreise Fritzlar: besonders bei @udensberg, am S.-Hange 
‚des Odenberges, am SO.- und SW.-Fusse des Lammsberges, am O.-Fusse 
des Kammerberges; S. und SW. von Fritzlar gegen Obervorschütz ; 
beim Posthause von Dissen ; am Lechenkopf bei Wehren. — Im Kreise 
Melsungen: zumal unweit Dorf Deute an der Felsberger Strasse; NO. 
vom Daudenberg zwischen Niedervorschütz und‘ Böddiger; SO. von 
Niedermöllerich; NO. von Gensungen am Heiligenberge ;. O. von Gen- 
sungen am.Rhündaer Berg; O. von Rhünda am Hahnenwinkel. — Im 
Homburger Kreise: ‚bei Hebel, Falckenberg, Mardorf.u. s. w. — Im 
Kreise Wolfhagen: am .S.-Fusse des Lahnerholzes, N. von Elberberg; 
am N.W.-Fusse des Erzeberges unweit Balhourn. 

2. Hauptgebirgs-Lager dieser Formation sind: Kallitdbu, 
nicht selbstständig, sondern nur untergeordnet, aber bezeichnend, in: Nie- 
ren-förmigen u. a. Stücken in den Mergeln, öfters Versteinerungen ent- 
haltend, wie die andern Glieder; auch Quarz, Chalzedon und Grünerde 
einschliessend; — dann Mergel, meist Thon-, doch auch Kalk-Mergel, 
schieferig, im Bruche erdig, sandig, von sehr mancherlei Farben ; wohl- 
erhaltene Schaalthiere, auch Abdrücke von Laubholz-Blättern und Schilf- 
stengeln (Hopfenberg) einschliessend. — Thon: plastisch und rein oder 
sandig, und kalkig von verschiedener Farbe, zuweilen Nieren von thoni- 

gem Sphärosiderit und‘ Thon-Eisenstein (Wilhelmshöhe , Ochshausen) 
aufnehmend. — Sand: bald‘ fein, bald in grobe Geschieb-Massen über- 
gehend, meist ockergelb, auch graulichweiss, bräunlichroth, schwarz, 


7% 


— 10 — 


äurch Chlorit berggrün u. s. w. Kalkigen Sand mit Versteinerungen 
hat man in der Hoheitsgrube bei Hohenkirchen, an der SW.-Seite des 
Ahlbergs, im Giesebach NW. von Hombressen, zu Montcheri. am Apollo- 
berg bei Wilhelmshöhe, im Ahnethal, zu Niederkauffungen, am Odenberg 
und bei Deute gefunden. Oft enthält er auch Nieren und Schnüre von 
braunem Thon-Eisenstein, schlackigem Gelb-Eisenstein und -eisenschüssi- 
gem Sandstein. Sandstein, körniger Quarzfels und Hornstein 
treten vorzüglich bei Hohenkirchen und Immenhausen, zu Wilhelmshöhe, 
oberhalb Zwehren, im Ahnethal, bei Niederkauffungen und am Rhündaer 
Berg auf. Was seine Natur anbelangt, so können wir hier auf das ver- 
weisen, was Hausmann darüber gesagt hat (Jahrb. 1833. S. 588). — 
Auch@&eschiebe von Quarz, Kieselschiefer, Horn- und Feuer-Stein fin- 
den :sich in dieser Formation, oft in grosser Verbreitung und Mächtig- 
keit, doch dann weniger genau bestimmbar rücksichtlich der ihnen zu- 
kommenden Einreihung in der Gebirgs-Folge (Fritzlar), da sie auf der 
Thon- und Sand-, wie auf der Grobkalk-Formation ruhen. — Muschehiger 
und ockeriger Gelb-Eisenstein, gemeiner, geiber und brauner Thon-Ei- 
senstein, sandiger gemeiner gelber Thon-Eisenstein setzen manchmal 
Lager und Flötze in der ‘Grobkalk-Formation zusammen. Eim wichtiges, 
stockförmiges Lager bildet der muschlige Gelb-Eisenstein amHopfenberg 
bei Berguffeln, dessen grosse Unregelmässigkeiten durch mehrere das- 
selbe Gang-förmig von N. nach S. durehsetzende Basalt-Massen veran- 
lasst werden. Es führt Graubraunstein, hat bis 26° Mächtigkeit, fällt 14° N., 
und scheint nächst bei dem Basalte etwas gehoben zu seyn. Nach den Un- 
gersuchungen von 4 Bergbeflissenen ist dieser Gelb-Eisenstein zusam- 
mengeseizt aus 


nach Mann ‚SCHWARZKOPF SPIECKER ZIEGLER 
Eisenoxyd . » - - 08166 . . 0,81225 . . 0,832. . . 0,8430 
Wasser 2 x 2 » » 01433 . . :0,14000 . „ 0,133 . « 0,1250 
Manganoxyd .» = . 0,0050 . . 0,08025 . . 0,008 „ . 0,0109 


Kieselerde . © » . 0,0346 | ....901700)° - 0,014) Ss 0,0070 
Thonerde : : . . ze . . 0,011} 

Kalkerde . . © » » 0,010 . . — ee N 2100 
Salzsaure Talkerde . TER elle _ > DD _ 


4,0095 . . 0,99950 . . 0996 . . 0,9923 


Die Hoheits- und die Erbprinz-Grube von Hohenkirchen bauen auf ei- 
nem Flötz aus ockrigem Gelb-Eisenstein, gemeinem gelbem und braunem 
Thon-Eisenstein, welches 4'’—10‘ Mächtigkeit und Mulden-Form besitzt. 
Auf der W. Hälfte fällt es 6,°0., auf der O. aber nach W. und ist in 
zwei je 2’ mächtige Lager getrennt, zwischen welchen eine 14° mäch- 
tige Schichte quarzigen Sandes auftritt. Buckeln und Mulden im Lie- 
genden des Flötzes und Wechsel von 4 Lachter machen das Flötz un- 
regelmässig. Es führt ebenfalls Wad und Graubraunstein in Menge 
und sein Eisenstein besteht 


— 101 — 


nach Mann, ScHWARZKorfF ZIEGLER 
aus Eisenoxyd . » 2 2.2.2. 05466 . 0,67725 . 0,6800 
Wasser - 2 : 2 2... .°.. 0,1300 . 0,13800 . 0;1000 
Manganoayd . . .» 2... 090613. . 0,03400 '. 0,0220 
Kieselerde . © » 2. x»... 0,2130 .. 0,09925 . 0,1300. 
Thonerde . : 2 2 2.2. 0,0510 . 0,040755 . 0,0650 
Bulkerde 2 ma... Zelte —_ . : 0,0040 
1,0019 . 0,98295 . 1,0010 


Das Eisenstein-Flötz der ehemaligen Mar-Grube scheint nur eine 
Fortsetzung hievon gewesen zu seyn: es besass 12’—46’ Mächtigkeit, 
bestand vorzugsweise aus schwarzem Eisenstein und lag in ‚höherem 
Niveau. Desgleichen das Flötz der eingegangenen Königsyrube. 

An der Langenmasse, 4% Stunde von Holzhausen, brechen ockriger 
Gelb-Eisenstein und sandiger gemeiner gelber Thon-Eisenstein, der weni- 
ger reich ist, miteinander in 6“—12’’ mächtigen übereinanderliegenden 
Flötz-Trümmern, welehe mit 8°—12°% O. fallen und in einem thonigen 
Sande aufsetzen. Der Thon-Eisenstein enthält 


nach MınN SCHWARZKOPF SPIECKER ZIEGLER 
Eisenoxyd . . . 0,6950 . 0,50157 . 0,523 . 0,6300 
Wasser . 2 » =» 91600 . 0,10400 . 0,110 . 0,1050 
Phosphorsäure . : — . 0,07800 . 0,009 . 0,0200 
Mansanoxyd . . Spur . 0,1525 . Spur . 0,0135 
Kieselerde . . . 0,0866 . 0,24000 . 0,305 . 0,2150 
Thonerde 2 ...0,0526 . 0,06000 . 0,035 . 0,0200 


Kohlens. Kalkerde ER _ . 0,012 . 0,0030 
— Talkerde Spur . _ ..0— 0,0055 
0,9942 . 0,99882 . 0,999 .. 1,0120 


Ob die Flötze von erdiger Braunkohle am Mäncheberge bei Cassel, 
am SW. Fusse des Lammsberges bei Gudensberg noch der Grobkalk- 
Formation angehören, ist nicht nachgewiesen, 

3. Fossile Konchylien sind. häufig in dieser Formation. Ih- 
re Schaale ist meist. wohl erhalten, doch locker. Angeführt werden nur 
die Namen der Genera, Wichtige Fundorte sind der Apolloberg , Mont- 
cheri und das Ahnethal am Habichtswald, der Ahlberg und Hohenkir- 
chen, Niederkauffungen und Deute. 

4. Allgemeine Lagerungs-Verhältnisse. Es herrscht 
kein allgemeines Streichen und Fallen, sondern beides scheint von der 
Beschaffenheit der Auflagerungs-Flächen abzuhängen. Die Grobkalk- 
Formation ruht auf der Thon- und -Sand- (Braunkohlen-) Formation, auf 
buntem Sandstein (Hopfenberg bei Hohenkirchen, Udenhausen, Giesel- 
werden), auf Muschelkalk (Ahnethal, Warteberg); -- und wird über- 
lagert von den mittleren Lagen der tertiären Gebilde, namentlich Süss- 
wasserkalk (Burguffeln, Obervorschütz), von Dammerde, Basalt-Konglo- 
merat und Basalt (Warteberg, Ahlberg, Gahrenberg bei Sababury uud 
Ahnethal). Die Lagerungs-Folge der Glieder der Grobkalk - Formation 


U 


— 1 | 


unter einander scheint im Allgemeinen von oben abwärts folgende zu 
seyn: ockergelber und gelblichhrauner Sand ‘mit Geschieb-Lagern, — 
kalkiger, Versteinerung-reicher Sand, — grüner Sand, zuweilen mit vo- 
rigem noch wechsellagernd und mit Versteinerungen, — Kalkstein-füh- 
rende Mergel-Lager, — zuweilen weisser Sand (Hoheitsgrube), — ein 
schwaches Lager grünen Versteinerungs-leeren Sandes oder weisser 
Sandstein, Quarzfels und Hornstein, — sandiger und reiner Letten, — 
Braunkohlen-Formation u. s. w. 

5. Verhältnisse zum Basalte. In der Nähe des Hopfen- 
berges setzen Gang-artige Basalt-Massen in dieser Formation auf; so 
in den dortigen Eisenstein-Werken; so einige hundert Schritte thalauf, 
wo eine aus diehtem Basalt bestehende Ausfüllung von N. nach S. streicht; 
so auch einige Hundert Schritte thalabwärts am rechten Berghange, wo. 
eine Ausfüllung aus rothem, an Mergeltbon reichen Basalt-Konglomerat 
zwischen gelben und grünen Sandmassen ebenfalls aus N. nach S. streicht 5 
so endlich im Ahnethal, wo der Basalt-Gang 2° mächtig in den Grob- 
- kalk tritt, und der schwarze Thon, wo er mit ersterem in Berührung 
kommt, mehr erhärtet erscheint. 

6. Der Grobkalk bildet, wo er selbstständig genug auf die Berg- 
Formen einwirkt, ( Hofgeismar, Cassel, Fritzlar, Melsungen) flache 
Hügel uud Thäler. FEN 

7. Die Quellen kommen vorzüglich in Thon und Mergel, unter 
Sand zu Tage, und sind oft Eisen- (Hopfenberg) und Kalk-haltig. 

8. Zersetzung. Die Thon- und Sand-Massen zersetzen sich 
leichter und sind der Vegetation günstiger, als jene der Braunkohlen- 
Formation, weil sie reicher an Kalk sind. Doch sind die Mergel selbst 
meistens nur Thonmergel, und daher nicht eben sehr fruchtbar, ver- 
bessern sich aber durch Beimengung von Sand und Lehm, Die Kalk- 
und Gelb-Eisensteine widerstehen der Verwitterung; der thonige Sphä> 
rosiderit aber (kohlens. Eisenoxydul) geht an der Luft i in en und 
braunen Thoneisensteiu (Eisenoxyd-Hydrat) über, 

"9. Anwendung. Thon zu Thonwaaren , doch ist er selten frei 
von Eisen und Kalk. — Weisser Quarz-Sand zum Streuen, auch zu 
Smalte-Glas. — Thonmergel zur Verbesserung des Sandbodens, nach 
dem er an der Luft zerfallen. — Hornstein zum Wegebau. — LVockerer, 
körniger Quarz zum Abschleifen von Steinen und me — ea 
zur Wegebesserung. ” 

Die Eisensteine werden insbesondere gewonnen: am Hopferberg 
bei Burguffein für die Veckerhager se ZU BET un an 
der Langenmasse. 

[Es bedarf übrigens kaum der Erinnerung, dass diese’ ii ee 
Grobkalk-Formation kein‘ Äquivalent der Pariser seye, sondern dem so- 
genannten jüngeren Grobkalke der Subapenninen-Formation, dem Tegel 
dem Moellon u. s. w. entspreche.] 


— 108 — 


Are. Nora über das Erdbebenin der Stadt und Provinz 
9. Remo im 3.1831. (Biblio. Ital. 1833. Febr. XC. 224—230. aus 
desselben Vfs. besonderer Schrift: cfr. Jahrb. 1833. S. 328.). Die er- 
wähnte Schrift des Vfs. zerfällt in drei Theile; im ersten gibt er die 
Erzählung der Ereignisse selbst; im zweiten die der Erscheinungen, welche 
der Erderschütterung vorangingen, oder sie begleiteten; im dritten einige 
geologische Beobachtungen und die Ansichten der Physiker über derar- 
tige Phänomene im Allgememen. -— ImJ. 1831 den 26 März um 11 Uhr 
95 Minuten (nach der Sonnenuhr) erfolgte zu S. Remo nach einem un- 
terirdischen -Getöse, einem starken Wagen-Gerassel ähnlich, eine heftige 
Erderschütterung; mit vertikalen Stössen und länger fortdauernden Schwin- 
gungen, Alles zusammen 14 Sekunden während. Die Gebäude wankten 
sichtlich und ein dichter Nebel, vielleicht Staub, erhob sich über die 
Dächer, wornach ein grosser Theil der Einwohnerschaft (die 12,000 
Seelen beträgt) aus der Stadt floh. 

Am 28. wurde eine- starke Erschütterung zu Taggia und Castel- 
Taro gespürt. Der Vf. hatte sich unmittelbar nachher an letzteren Ort 
‚begeben, wo er die Brücke geborsten und unbrauchbar, 52 Häuser zur 
Erde gestürzt, 49 dem Einsturze nahe, die drei Kirchen zerstört und 
viele andere Häuser beschädigt fand. Auf der Ebene wie auf der West- 
seite des Hügels war der Boden durch Spalten geöffnet. Fünf Personen 
waren umgekommen, sechszehn verwundet worden, 

Am 4. Dezember um 21 Uhr (Italienisch) wurde die Bevölkerung 
dieser Gegenden durch neue Erschütterungen in Schrecken gesetzt, 
welche, wie das erste Mal, zu Taggia und Castellaro heftiger als an- 
‘derwärts waren, so dass es: scheint, das Thal, welches beide Städte 
trennt, seye dem Mittelpunkte des Erdbebens am nächsten. 


C. GemmeLLARro Relazione dei fenomeni del nuovo Vulcano sorto 
dal mare fra la eosta di Siciia e Visola di Pantelleria nel mese di 
‚lıglio 1831. Catania 1831. 48 u. XXIV. pp. 8. et 1tav. Nitogr. fol. 
Die ersten 48 Seiten enthalten den Bericht des Vfs. etwas ausführlicher, 
als wir ihn aus seinem Original-Briefe schon in diesem Jahrbuche (1832. 
S. 65—69.) mitgetheilt haben. Die letzten XXIV Seiten bieten eine Zu- 
'sammenstellung zerstreuter Zeitungs-Nachriehten, die sich ebenfalls schon 
grösstentheils in diesem Jahrbuche finden, geringerentheils aber auf 
‚blossen Gerüchten beruhen, 


III. Petrefaktenkunde. 


MarceL De Serres: Abhandlung über die Frage, ob Land- 
thier-Arten seit der Erschaffung des Menschen unterge- 
gangen sind, und ob der Mensch Zeitgenosse von solchen 


— 14 — 


Arten gewesen, die verschwunden sind oder wenigstens 
keine Repräsentanten mehr zu haben scheinen, Biblioth. 
univers.; Scienc. et Arts; 1833, Juillet; LIII, 277—314. Jene 
Frage kann, ausser durch die geologischen Untersuchungen über das 
Zusammenvorkommen menschlicher Reste mit solchen von. ausgestorbe- 
nen Thieren, auch weiter beleuchtet werden mittelst der historischen 
Darstellungen von Thiere bei den Römern, Griechen und Ägyptern, und 
mittelst der Prüfung der in Grabmälern aufbehaltenen Reste, 


Die auf alten Münzen und in Bildhauer-Arbeiten - 


und Gemälden dargestellten Thiere sind theils phantastischer, 
theils wirklicher Art.- Aber die ersten sind meistens aus Theilen von 
wirklichen Thieren zusammengesetzt, und, wenn schon die Künstler 
keine Naturforscher gewesen, so verdienen ihre Darstellungen doch 
“ebensoviel Vertrauen, als die der heutigen: ihre Darstellungen wirkli- 
cher Thiere wie die der Elemente der phantastischen sind im Allgemei- 
nen getreu. Eine Idee von dem gegenseitigen Bedingen der Formen in 
deu Organen eines Thieres bestund bei ihnen schon, obgleich nicht aus- 


gebildet, und dieses Prinzip ist es auch, wornach die phantastischen 


Zusammensetzungen sich leicht erkennen lassen, 

I. Mythologische Thiere. Wenn die Griechen und Römer 
_ einem solchen Wesen den Kopf oder den Rumpf des Menschen gaben, so be- 
“ bielt es doch immer Füsse von einer anderen Art, wie sie demselben 
nach seiner mythologischen Natur und Lebensweise zusagen mussten. 
Die Ägypter benahmen sich ganz anders hierin und ohne Regel. — Die 
Centauren, Hippocentauren und Onocentauren' waren halb 
Mensch, halb Pferd oder Esel, welchem sorgsam überall ungespaltene Hu- 
fen verliehen wurden. — Die Bucentauren oder Taurocentauren 
besassen den Rumpf des Menschen mit dem Kopfe, aber auch den ge- 
spaltenen Hufen des Stieres vereinigt. — Umgekehrt verband der 
Minocentaurus mit dem Kopfe des Menschen den Rumpf des’ Stie- 
res, aber auch wieder seine gespaltenen Hufen. — Inzwischen soll nach 
Pıvusantas u. A., als Ausnahme, der Centaur des CypseLus  ws.w, 
vorn Menschen-Füsse gehabt haben, zweifelsohne, weil er auch einen 
doppelt gearteten Rumpf besessen. — Die obenerwähnte Regel‘ bestä- 
tigt sich wieder bei den Satyren, Faunen, Panen, Ägipa- 
neu, Faunisken, welche vom Menschen nur Gesicht, Hals und 
Rumpf, aber Haare, Hörner, Ohren und Schwanz mit den gespaltenen 


Hufen des Bockes besassen, auf dessen Geilheit sie anspielen sollten. 


(Die Künstler haben die Beziehungen zwischen den Formen überhaupt 
so wohl begriffen, dass man manche Details auf ihren Werken richtig 
angegeben findet, auf welche die Zoologen jener Zeit wenig Aufmerk- 
samkeit richteten). — Die Syrenen und Harpyen waren halb 


Frauen, halb Vögel. Erstere bedurften zum Wohlklang ihrer Stimme 


des Kopfes einer Frau und um ihre Opfer zu verderben, des Rumpfes 
mit den Krallen eines Raubvogels. Doch erscheint auf den Münzen 
von Cumae die Syrene ParrusnorE mit dem Kopfe und Obertheil eines 


— 105 — 
Weibes, mit Flügeln an den Schultern und mit dem Untertheile von 
See-Säugethieren entlehnt, wie bei den Nereiden. Die letztgenannten 
obiger Wesen verbanden das Gesicht einer Frau mit den Zehen eines 
‘Vogels, und zwar den Griffen eines Geyers, um ihre Gefrässigkeit an- 
zudeuten. Andere gaben ihnen Kopf, Hände und Füsse des Menschen 
mit den Flügeln der Geyer und den Ohren des gefrässigen Bären. — 
Die Stymphaliden, durch Wildheit der Sitten ausgezeichnete Vögel, 
hatten einen starken und scharfen Schnabel und stark gekrümmte 
‚Klauen, aber niez.B. an den Füssen einen Sporn, da er sich nie mit sol- 
chen Klauen findet. — Ohne dafür eine Theorie zu bilden, wie wir 
sie Camrper’n verdauken, verliehen die Alten ihren obersten und schön- 
sten Göttern (Jupiter, ArorLo) einen Gesichtswinkel von fast 90°, und 
die neuern waren bei allem Fortschreiten des Wissens richt im Stande, 


ihnen hierin noch etwas zuvor zu thun. — Die Sphynxe, welche“ 


Stärke mit Klugheit ausdrücken sollen, haben einen menschlichen Kopf 
mit dem Rumpfe und den Füssen eines Löwen. — Den Greifen, ana- 


log den Adiern und Geyern, gab man starke und gebogene Krallen, 


wie sie die Katzen besiizen, — und die Seepferde wurden mit ein- 
hufigen Füssen versehen. — Der Pegasus war ein vollkommenes 
Pferd mit Flügeln *),. — Die Tritonen waren Männer mit einem 
Hinterleibe wie bei den Cetaceen, — die Nereiden halb Frau, 
-halb Fisch. — So verschiedenund aus so vielen Elementen auch die Chy- 
'maera zusammengesetzt seyn mag, immer sind diese Elemente wenig- 
‚stens naturgetreu. — ' 

Die Ägypter in ihrer blühendsten Zeit vereinigen wenigstens noch 
immer gespaltene Hufen mit Hörnern auf der Stirne, Raubthier-Ge- 
bisse mit Raubthier-Füssen. Aber sie überliessen sich im Ganzen zu 
sebr einer ungeregelten Phantasie, um einer Thierart Realität zuschrei- 
ben. zu dürfen, welche bei allem Anscheine der Wahrheit heut zu 
Tage unbekannt wäre. Und doch finden sich auf den alten Agyptischen 
Denkmälern die Bilder von mehr als 50 Thieren aller Klassen, deren 
Art beim ersten Anblick kenntlich ist. 

Die phantastischen Zusammensetzungen neuerer Künstler haben 
ihre Elemente nicht von bestehenden Originalien entlehnt und entbehren 
daher des Zierlichen und Angenehmen in den Formen. 

Griechen und Römer haben auch viele kleinere Thiere und Pflan- 
zen sogar. mit einer bewundernswürdigen Treue abgebildet. 

I. Wirklich existirende Thiere, Winkermann **) und 


*) Bei dieser Komposition seye es ein Mal statt vieler erwähnt: Wo liegt hier auch 
nur eine Ahnung der Beziehung der Formen, die sich gegenseitig bedingen? Ein 
Vogel mit Menschenkopf mag fliegen, ein Weibsrumpf mit Seehund-Flossen statt 


der Füsse, noch wie dieser, schwimmen können, aber ein Pferd mit. den gröss- 


ten Vogel-Flügeln versehen würde sich nie einen Zoll vom Boden erheben 
können! Br. 

*) WINKELMANN Description des pierres gravedes du-Baron Sroscu, Florenz, 
1760, I. 49, l 


Be 


Mirrım *) sind schon mit Untersuchung der Thierarten auf Münzen und Bild- 
werken beschäftigt gewesen, und der Vf. hat diese Untersuchungen: weiter 
ausgedehnt. Diejenigen Thiere, wovon man ‚Abbildungen vergefunden und 


die Art erkannt hat, werden unten verzeichnet. 


Selbst die, versehiede- 


nen Rassen unserer Haustbiere, insbesondere der Pferde, lassen sich da- 
bei unterscheiden, wenn sie schon zum grossen Theile von unseren 


jetzigen Europäischen abweichend seyn: mussten, 


: Man würde die mei- 


sten der (etwa 15) Pferde-Rassen so wieder entdecken können, welche 


Oprıan beschreibt (Cyneget. I. 170). 


B. auf den Amerikanischen hieroglyphischen ‚Bildern die Natur nach- 
geahmt, wo Tiger und Leoparden mit Pferdehufen erscheinen. 


I. Säugethiere, 


1. Simiae, Affen, die meisten 
Arten des alten Kontinentes fin- 
det man abgebildet oder heschrie- 
ben unter dem Namen Pithe- 
cus, Sphynx, ‘Cebus, Cy- 

‚nocephalus, Cercopithe- 
cus, Satyrus, doch auf den 
Abbildungen immer ohne Ent- 
stellung der Füsse u. s. w, 

2. Vespertilio murinus (V e- 
spertilio.Cuv.) gemeine Fle- 
dermaus, 

3 Ya} 
cotus GEoFFR.) 

4. Erinaceus Europaeus, 
-gemeiner Igel. 

5. Talpa Europaea, 
ner Maulwurf. 


gemei- 


6. Ursus arctos, bramer Ex- 


ropäischer Bär. 
7... maritimus, Eisbär. 
8 — meles, Dach». 
9. Mustela furo, Frett. 


10, = vulgaris, grosses 
Wiesel, 

11: — ı. » foima;, Marder. 

12. — lutra, Fischotter, 


13. Canis familiarıs Haushund. 
Man erkennt unseren Schäfer- 
hund (oixovpos Homer’s), Dog- 
gen, Windhund, Fanghund etc. 


14. — Ilupus, Wolf. 
45. — vulpes,. gemeiner 
Fuchs. 


16. Viverra Genetta, Genette. 


17. Hyaena Indica, gestreifte: 
Hyäne. 
and crocuta,gefleckteH. 


aurıtus (Ple- 


19, Felis leo, Löwe. 

20. — tigris, Tiger, . 

21. — pardus, Panther, 

22. Castor Danubii GEoFFR., 
gemeiner Biber. 

23. Mus amphibius, Was- 
serratte. 

24. Dipus Sagitta, Springhaase. 

25. Sciurus vulgaris, Eichhorn. 


26. Hystrix cristata, Stachel- . 


schwein. \ 
27. Lepus timidus,  gemeiner 
Haase. Ma EM 
28. — euniculus, Kanin- 


chen, 

29. Elephas Der, Asiab: 
Blenkanis 

30, Africanus, Afri- 
kan. Elephant. 

31. Hippopotamus ‚major, 
Nilpferd. 

32. Sus scropha, Se 


33, — Africanus,; , Äthiopi- 
sches Schwein, 
34, Rhinoceros Indious, 


einhörniges Nashorn, 
35. — “Africanus 
zweihörnig, — (Der Äthiopi- 
. sche Stier des Pıusanus, auf 
mehreren Münzen des Domittan. ) 


'36. Equus caballus, Pferd in 


verschiedenen Rassen. 


37. hemionus, ? de 
Dzigatai. i 

33. — asinus, Esel. 

39. En Zebra. 


40. Camelus Baectrianus, 
zweihöckeriges Kameel. 
41. En dromedarius, 
einhöckeriges K. 


») Mıruın Dissertation sur quelques medailles des villes Grecques, qui offrent la re- 
presentation d’objets d’histoire naturelle — im Magazin encyclopedique, tom. F. 


Weniger gewissenhaft. ist z. 


42. Nur Alces, Elenn. 


43. — . Tarandus, Renn. 
44. — Dama, Damhbirsch, 
45. —  Elaphus,Edelhirsch. 
46. — axis. 

47. — capreolus Reh. 


48. Camelopardalis giraffa. 
49. Antilope dorcas, Gazelle. 
50, = eorinna. 

öl. — bubalıs (sehr 
kenntlich auf mehreren Münzen 
etc. an dem Mützen - förmigen 
Vorsprung der Stirne). “ 

52. = oryx, den Asyp- 
tern wohl bekannt, Wenn ein 
Horn durch ‚Abortus verschwin- 
det, scheint sie das Einhorn der 
Alten zu seyn. 


53. = saiga (Colus 
STRABO’S). 

54, — redunca (Kemas 
Arıan’s). 

55. _ gazella (Algazel), 

56. — gnu. 

87. —  _rupicapra,Gemse, 


58. Capra aegagrus, Ziege. 

59. Ovis tragelaphus, d, Muf- 
lon, mit mehreren Racen. 

60. — ammon, d, Argali, 
Mufflon. 

61. Bos taurus, Ochse mit ver- 

- schiedenen Racen. 

62. — bubalus, Büffel, der 
Ochse Arachosiens bei Arısto- 
TELES; bei grösseren Hörnern 
der Arni des Ärun u. s. w. 

63. — urus, Auerochse, (Bo- 
nasus Arısr.), 

64.,— grunniens, Yack 
(Ärun.). 

65, Trichechus manatus, 
Lamantin. 

5°: Delphinus delphis, Delphin. 


‚, Balaena mysticetus, 
7 rartksch. 
II, Vögel., Hievon lassen, sich 


erkennen 


68. Vultur fulvus, brauner Geyer. 

69. — ercnopterus, Agyp- 
tscher Mus. u“ Bu 

70. — barbatus, Lämmer:G, 

71. Falco communis, Falke — 
u.m,a. A. 

72. Strix bubo, Schuhu, u.m.a. A. 

73. Turdus, Drossel. 

74. Oriolus, Goldamsel. 


108. = 


107 ° — 


75. Motacilla, Bachstelze. 

76. Hirundo, Schwalbe, 

77. Alauda, Lerche. 

78. Parus, Meise. 

79. Fringilla, Finke, 

80. Sturnus, Staar, 

81. Corvus, Rabe, 

82. Upupa Epops, Wiedehopf. 

83. Pieus, Specht. 

84. Yunx, Wendehals. 

85. Cuehius! Kuckuck, 

86. Psittacus, Psittich, durch 
ALEXANDER etc, 

87. Pavo cristatus, Pfau, desgl, 

88. Phasianus pietus, Gold- 
fasan (Phönix d. A.). 

89. — gallus, Haushuhn, 

90, Tetrao cinereus, Feldhuhn, 

91. — . rufus, rothes F. 

92. — .coturnix, Wachtel, 

93.Columba palumbus, Wald- 
taube. 


94. —_ oenas, Holztaube, 

95. — livia, Felsentaube 
(domestica). 

96. —_ turtur, Turtel-T, 


97. Struthio camelus, Straus. 
98. Ardea grus, Kranich. 


99 — cinerea, Fisch- 
Reiher, 

100. — . eiconia, Storch. 
101. Scolopax rusticola, 


Waldschnepfe. 

102. Phoenicopterus ruber, 
Flamingo. 

103, Pelecanus ono irren, 
Pelikan, 

104, Anas olor, stummer Schwan. 

4105. — anser, wilde Gans. 

106. : mehrere Enten-Arten, 

II, Reptilien. 

107. Testudo graeca, Land- 
schildkröte, 

Europaea, 

Sumpfschildkröte. 


109. Lacerta Gangetica, Ga- 
vial des Ganges. 


110. — Crocodilus,Nil- 
Krokodil. 

111. — viridis, grüne 
'Eidechse. 


112.Coluber Aesculapii, Äs- 
culaps-Schlange. 

113, ann: naja, Brillen-Schl. 

114, er berus, Viper. 

115. Vipera haje, GEorFFR. 


116, Rana esculenta, Frosch. 
117. arborea, J.aubfrosch, 
118. bufo, Kröte, 


IV. Fische. 


119. Accipenser sturio, Stör. 

120. Syngnathus hippocam- 
pus, Seepferdchen, 

121. Salmo Salar, Salm. 

122. fario, Forelle. 

123. Clupea harengus Häring. 


— 


:124. Esox luceius, Hecht. 


125. Cyprinus carpio, Karpf. 


108 


V. Mellusken 


139. Sepia octopodia. 
140. officinalis, Sepie.. 
141. Ostrea edulis, Auster. 


VI. Insekten. 


142. Cancer moenas, Krabbe. 

143. Palinurus quadricornis, 
Languste. 

144, Astacusmarinus,Hummer. 

145. Astacus fluviatilis, 
Bachkrebs. 


126. — barbus,Barben. 146. Squilla fusca. 
127, — tinca, Schleih. 146. Ateuchus sacer. 
128. Silurus glanis, Wels. 147. Cetonia? 

129. Gadusmerlangus, Merlan. 148, Dermestes? 


130. PleuronectesSolea,Butte, 
131. Muraena anguilla, Aal, 
132. helena, Muräne, 
133. Mullus barbatus. 
134. Mugil cephalus. 
135. Perca fluviatilis, Bärsch. 


149. Grylla locusta. 
150. Formiea. 

151. Vespa. 

152, Apis. 

1535. Tabanus. 

154. Asılus. 


136. — labrax. 155. Musca. 
137. Scomber serombrus, 356, Scorpio. 
Makrele. 


157. L id tera 
138. Zeus faber. Sy 


Nun bleibt aber eine Anzahl alter Darstellungen übrig, welche we- 
der etwas Phantastiches an sich tragen, noch mit unseren jetzt bekann- 
ten Arten übereinstimmen, welche man daher für die zuletzt. ausgestor- 
benen Arten ansehen muss. Wären darunter Formen, wie die Orui- 
thorhynchen und Echidnen, oder Ichtyosauren, Plesio- 
sauren, Megalosauren, und diese uns noch unbekannt, wir wür- 
den sie gewiss für Phantasie- Gebilde erklären, wenn wir sie unter je- 
nen Darstellungen fänden. Und doch existirten diese Geschlechter einst, 
odersie existirennoch, Aberdiejenigen, welche zur Zeit der Ägypter, Grie- 
chen und Römer noch lebten, müssen im Allgemeinen mit den jetzigen 
mehr Übereinstimmung zeigen, als jene, weil sie den jetzigen geologi- 
schen Verhältnissen angemessen und viele Veränderungen zu überstehen 
im Stande seyn mussten. 

In einer nachfolgenden Abhandlung sollen die Darstellungen von 
uns jetzt unbekannten, aber mit dem Gepräge der Wahrscheinlichkeit 
versehenen Formen geprüft, — in einer dritten untersucht werden , ob 
wir wirklich alle Mineralien und Gebirgsarten kennen, deren sich die 
Alien zu ihren Kunstwerken bedient haben. — 


L. v. Bucnh über die Silizifikation organischer Körper, 
nebst einigen andern Bemerkungen über wenig bekannte 
Versteinerungen (Abhandl. d. Akad. d. Wissensch. z. Berlin, von 


=: 108 7 


4828, Berlin 1831, Physikal. Klasse S. 43—59). Ausgezogen im Jahrb, 
1832, 8, 249—250 nach besonderen Abdrücken, 


L.v.Bucu über zwei neue Arten vonCassidarienin den 
Tertiär-Schichten von Mecklenburg (Ebendas. S. 61-71), 
Vgl. Jahrb. 1831, S. 463; und 1832, S. 249. 


L. v. Bucn über die Ammoniten in denälteren Gebirgs- 
Schichten. (Abhandl. d. K. Akad. der Wissensch. z. Berlin. Von 
© 1830. Berlin 18325 Physik. Klasse, S. 135—158 = übersetzt ın den 
Ann. scienc. nat., 1833, Mai; XXIX, 5—42). Steht im Jahrbuche von 
1833, S. 231—234 schon nach einem besondern Abdrucke. 


‘ L. v. Buch über Goniatiten (ebendas. S. 159—187), übers. in 
den Ann. scienc. nat., 1833, Mai; XXIX, amt: Vgl. das Jahrbuch 
1832, S, 224—222, und 1833 S. 234, 


Bresson: Bemerkungen über Sand und Dünen. (Hertha 
1828, XT. ır. S. 177—196 ; ıı 279—291; ıv. 416—435). Die 
Vielzahl einzelner Beobachtungen und Folgerungen in dieser lehrreichen 
Abhandlung erlaubt nicht, einen Auszug des Ganzen zu geben, Nur 
zwei Gegenstände daraus können wir nicht übergehen. 

S. 420—425. Bernstein wird in einzelnen Stücken längs der 
ganzen Südküste der Ostsee gefunden; eine geregelte Fischerei aber be- 
steht hauptsächlich nur zwischen dem Danziger Weichsel-Arm und 
Palmnicken oder Brüsterort, nördlich von Lochstedt. Tritt nach einem 
Sturme Seewind ein, so beginnt das Meer Bernstein nebst einer gros- 
sen Menge‘ eines vegetabilischen, zum Brennen tauglichen Mulms, 
„Sprockholz“, auszuwerfen. Die Anwohner der Küste begeben sich nun 
an den Strand und gehen mit ihren Hamen-förmigen Netzen dem Wel- 
lenschlag entgegen; nur die grossen Wellen sind ergiebig; je 1—2—3 
derselben sind hinreichend, die Hamen mit Sprockholz zu füllen, wel- 
ches der Fischer nun, ans Ufer zurückgekehrt, ausleert, worauf Weib 
und Kinder solches nach Bernstein durchsuchen und diesen sortiren, 
So lange der Seewind. währt, dauert diese Beschäftigung Tag urd 
Nacht [?]; hört er auf, so findet man an dem alsbald verlassenen 
Strande nur hin und wieder noch Stücke aufzulesen, welche selten von 
Werth sind. Eine Welle kann bisweilen mehrere Pfund des schönsten 
Bernsteins ins Netz werfen. Zu heftige Winde zerschlagen denselben 
in frischeckige Stücke. Der erwähnte,Mulm besteht aus braunem, stark 
ausgelauchtem (nicht bituminösem) Holze, welches beim Trocknen hel- 
ler wird und zerfällt, und worunter man Holzsplitter von Eichen, Rinde 


a 2 2 


von Birken und Erlen, Zweige von Haseln, höchst selten Spuren von 
Kieferholz erkennt, obschon diese Baumart allein. häufig, die andern 
aber selten am Ufer wachsen, Es ist der NW.-Wind, welcher den 
Bernstein am häufigsten nach Polski, der NO,-Wind, der ihn nach Neu- 
fähr bei Danzig, der N.-Wind, welcher ihn nach Stutthof bringt. Diese 
drei Linien aber kreutzen sich in 36,50‘ O.-Länge von Ferro und 
540,38‘ N,-Breite, d. i. 4 Meilen nördlich von sStutthof, im Meere, wo 
also sein Lager seyn müsste. Auch landeinwärts in den Fluss-Gebie- 
ten der Spree, Havel, Elbe, Moldau, Saale, Oder, Weichsel werden 
einzelne Bernstein-Stücke gefunden. 

S. 427—431. Über Versandung der Betinebigaigei an 
der Ostsee: Schlägt man auf der Kurischen Nehrung den Weg vom 
Seestrande nach Kahlberge am Haff über die Düne ein, so sieht man 
zwischen dem jetzt versandeten Dorfe Schmergrube und dem nahen 
Walde eine Menge Kieferstubben, deren Stämme nach Angabe der Be- 
wohner von Kahlberge vor 50 Jahren abgehauen worden, wo auch die 
Versandung von Schmergrube begonnen hat. Die Stubben stehen 
etwa 13‘ hoch aus dem Boden hervor, und bestehen grösstentheils nur 
nach aussen aus Rinde, innen aus Sand, welcher von der Hiebfläche 
an bis 42’ weit sich in den Wurzeln fortzieht, sie entweder ganz allein 
auiulleng, oder (hauptsächlich zu unterst) nur eindringend in Zwischen- 
räume zwischen den härteren Theilen der einzelnen Jahresringe, so dass 
dadurch die Holz-Textur deutlich bewahrt wird. Beobachtung an nur 
wenig: mit Sand erfüllten Stubben ergab, dass der vom Wind auf der 
Hiebfläche bewegte Sand zuerst die weicheren Theile zwischen den 
einzelnen Jahresringen allmählich ausschleife, etwas langsamer die här- 
teren Theile derselben, während er die Rinde gar nicht angreift. Allein 
es ist schwer zu erklären, warum die letztere völlig unangegriffen 
bleibe; noch schwerer, auf welche Weise der Sand bis auf 12’ Entfer- 
nung von der Hiebfläche aus das Holz in den Wurzeln zerstöre, "und 
sich dahin Bahn mache. Die stehenbleibende Rinde ist schwärzlich- 
braun, gleichsam verkohlt. Die Überreste des Holzes sind ganz ver- 
trocknet, den Bruchstücken gleich, die man im Sande findet. Der Vf. 
sucht jene Erscheinung zu erklären durch die Annahme einer von „den 
kleinen Zwischenräumen des (nur) trockenen Sandes bewirkten Resorp- 
tion der holzigen Materie,“ ohne sich jedoch selbst zu verhehlen, dass 
diese Annahme nicht ohne Schwierigkeit seye, und dass sie namentlich 
unerklärt lasse, warum die Borke unangegriffen bleibe ? 


Gırarn, Pronr und Georrroy Sr. Hırııre: Bericht über Baron 
Chaupauc DE Crazannes’s Abhandlung „über einige natürliche 
Ablagerungen von fossilen und nicht fossilen Austern 
im Dept. Charente-Inferieure.“ (Ann. sc. nat. 1833. Mars, XXVIII, 
280-291.) Zu Saintes (Mediolanum Santonum) fand man vor mehre- 
ren Jahren Reste Römischer Gebäude, deren innerer Fussboden, ebener 


- HE = 


Erde, aus einer Schichte Mörtel bestand, worunter eine Schicht von 
flach neben einander gelegten Austern, 0,15m—0,20 dick, befindlich war, 
auf die eine aus Kohle und Asche folgte. Diese ganze Grundlage hatte 
0m,30—0m,50 Dicke. Au allen Austern waren beide Klappen noch bei- 
sammen, dureh das wohl erhaltene knorpelige Band vereinigt, und innen 
mit einem eingetrockneten Schlamme ausgefüllt. Diese Austern sind 
nach Bronentrr’s Untersuchungen völlig von der Varietät der Ostrea 
edulis, die man noch jetzt an den Küsten von Saöntonge fischt. — 
Zur Trockenhaltung ihrer Gebäude bedienten sich die Römer bekanntlich 
einer küıstlichen dreifachen Schichtung des Bodens, die sie als Statu- 
men, Ruderatio und Nucleus unterschieden, und welche der obigen ähn- 
lich zu seyn pflegte, nur dass man sich statt der Austern sonst zerbro- 
chener Kieselsteine, zerstossener Ziegel und Irdgefässe u. s. w. bediente; 
die hinreichende Lücken zwischen sich fassten, um die Capillar-Attrak- 
tion zu unterbrechen. Die Ausfüllung jener Austern mit thonigem Schlam- 
me schien anzudeuten, dass die Austern aus einem Lager ausser dem 
Meere entnommen worden seyen, Nach einem ersten Berichte über die- 
sen Gegenstand 1823 wünschte die Akademie vom Verf. Nachweisungen 
über das Vorkommen solcher Lager in der Nähe von ‚Saintes zu erhalten, 
die er erst jetzt zu geben im Stande war. Unmittelbar in der Nähe von 
Saintes konnte er das Vorkommen solcher Austern-Lager zwar nur auf 
die Angabe des Tribunal-Präsidenten GovusauLr anführen, wornach an 
den Küsten von Saintonge ganze Felsen aus Austern bestehen sollen, 
Sie mögen an der Scudre-Mündung wohl in ähnlicher Art vorkommen, 
wie bei Soubise an dem Ufer und der Mündung der Charente, wo sie 
Cu. selbst ebenfalls ganz wohl erhalten fand, vielleicht Bern. Parıssy 
schon beschrieb. Noch andere Bivalven, doch von Arten, die im dorti- 
gen Meere nicht vorkommen, setzen Bänke dort zusammen. — Auch Pa- 
ter Arckre, Verfasser einer Geschichte von La Rochelle von 1756, führt 
an, dass 4 Stunde von der Abtei St. Michel en VHerm, bei Marans 
und La Rochelle, sich auf der grossen, bis zum Ozean reichenden Ebene 
drei Stellen finden, wo Austern an Form, Farbe und Konsistenz wohl 
erhalten, 10m— 11m über dem Meere und in einer Ausdehnung* von 500m 
schichtweise abgelagert sind. — Nach demselben Autor kommen auch 
bei der Stadt Lucon Hügel von wohlerhaltenen Austern, 20 Kilometer 
vom Meere, vor. Der Vf. hat auch diese Austern-Lager an den von 
ÄARCERE angegebenen Orten selbst beobachtet, aber das Band daran fast 
ohne alle Konsistenz gefunden, und Frevamu DE Berrevur führt an, 
dass die fossilen Austern dieser Gegenden von der noch jetzt im Meere 
gemeinen Art sind (Journ. d. Min. XXXV.).— Schon i. J. 1801 hatten 
zwei Mitglieder obiger Kommission während der Französischen Expedition 
in Ägypten am Sattel der Vallee de P’egarement, des nördlichsten Queer- 
Thales vom Nil nach dem rofhen Meere, ein 5—6 Meter mächtiges Schutt- 
und Austern -Lager, 60 Kilometer von diesem Meere beobachtet, wo 
die knorpeligen Bänder zwischen beiden Klappen ebenfalls noch wohl- 
erhalten und die Erd-Oberfläche mit Seesalz-Krystallen bedeckt war. 


- m = 


Hiernach erinnern die Kommissäre nach an Rısso’s Beobachtung von 
Ablagerungen noch lebender Kon bei Nizza, 17 M. über 
dem Seespiegel (Journ. d. Min. XXXIV. I: Sie glauben, dass der 
überaus seltene Regen in jenen Gegenden von 1 Afrika das Seesalz seit 
der Trockenlegung des Bodens noch nicht, wie bei uns, habe auswaschen 
‚können, und dass dieses Seesalz im einen Falle, die Art der Einschlies- 
sung der Austern in jenen Fundamenten seit 15 Jahrhunderten in dem 
anderen Falle zu einer besseren Konservirung der Malsisieng des 
Schlossbandes beigetragen habe. 
’ 


Viscount Corg hat der geologischen Sozietät in London i. J. 1832 
einen Abguss von einem schönen Exemplar seines Plesiosaurus 
macrocephalus zum Geschenke gemacht (G@eol. Proceed, Nr. 30. 
S. 423.), einer Art, die uns noch nicht näher bekannt ist. 


Manteır: die zoologischen Charaktere der Wealden- 
Formation (Report. of the 1. and 2. meetings of the Brit. Assoc., 
Lond. 1833. S. 580—581.) zeigen am Besten die Art ihrer Absetzung 
und dienen am sichersten zur Wiederauffindung derselben in anderen 
Theilen Englands. Sie bestehen vorzüglich in dem Vorhandenseyn der 
Süsswasser-Konchylien in den Tilgate-Schichten und in der Abwesen- 
heit aller Reste von ausschliesslichen Meeresbewohnern, als Zoophy- 
ten, Echiniden, Ammoniten, Belemniten u.s. w. in der gan- 
zen Wealden-Reihe, Der Iguanodon ist bisher nur zwischen den North 
South Downs gefunden worden. 

Die Kreide ‚von Lewes hat kürzlich ein vollständiges Exemplar ei- 
nes Hippuriten geliefert, von welchem Geschlechte man bisher nur 
Trümmer: daselbst gefunden hatte. 


Buckzann über die fossilen Megatherium-Reste, welche 
neuerlich von Südamerika nach England gebracht worden 
sind. (Report of the 1. and 2. meetings of the British Assoc., Lon- 
don 1833, p. 104—107.). Nach vorstehendem Texte hielt S. Hochwür- 
den eine Rede, deren erster necrologischer Theil sich auf Cuvier, der 
zweite teleologische auf das Megatherium, der dritte theologische 
auf die Allmacht und Weisheit Gottes bezieht. Wir können daher nur 
aus dem zweiten Einiges ausheben. Er handelt von den, von Wooner- 
ne Purıs# überbrachten Resten *). — Wenn die Organisation des Mega'the- 
rium , gleich der des ihm nahe verwandten Faulthieres, in so vielen Stücken 
abweichend, ja zurückbleibend hinter der der übrigen Landsäugethiere er- 
scheint, so ist sie bei beiden gleichwohl höchst angemessen und voll- 


*) Jahrbuch 1833. S. 607. 


— 13 — 


kommen in Beziehung zu der ihnen angewiesenen Lebensweise. — Das 
Thier war über 8° hoch und 12° lang. Die Zähne sind zum Zermal- 
men der Wurzeln vortrefflich eingerichtet. Die Vorderfüsse, fast einen 
Yard lang und über 1' breit, waren mit 3 über Fuss-langen Klauen zum 
Ausscharren dieser Wurzeln aus dem Boden versehen. Kopf; Hals und 
Vordertheil des Rumpfes waren verhältnissmässig leicht und klein, der 
Hintertheil dagegen sehwerer , als beim grössten Elephanten. Diese 
Einrichtung sollte dem Thiere erleichtern, auf drei Beinen zu stehen, um 
sich fortwährend eines der Vorderfüsse zum Ausziehen der Wurzeln be- 
"dienen zu können. Seiten und,Rücken des Körpers waren mit einem: 
Panzer, wie bei dem Armadill, bedeckt, welche seine Nahrung ebenfalls 
durch beständiges Aufwühlen des Bodens suehen muss. Er war über 
1‘ diek. B. glaubt, dieser Panzer solle beide Thiere schützen gegen 
die Belästigung durch Sand und: Koth, der sich bei ihrer Lebensweise 
sonst in ihr Fell setzen würde, dann gegen die Myriaden von sie be- 
ständig umschwärmenden Insekten, endlich gegen Raubthiere, 


H, v. Merer Beiträge zur Petrefaktenkunde (Mus. Sen- 
kenberg. 1833. I. 1. 1—26. Tf. I. LI.). - 

I. Gnathosaurus subulatus v.M. (S. 1—7 Tf. I, Fe. 1. 2.). 
Name von yvaIos, Kiefer, da der unterscheidende Charakter im Unter- 
kiefer liegt, den man nur allein kennt. Der grösste Theil eines solchen, . 
‘ woran nur der hintere Theil fehlt, befindet sich nämlich in der Samm- 
lung des Grafen Münster, aus dem lithogr. Kalke von Sülenhofen. 
Seine lange Form deutet auf eine der des Gavials ähnliche Schnautze. 
Zähne entfernt stehend, bis in die Wurzeln hohl, welche in gesonder- 


ten Alveolen stecken, wie bei den Krokodilen. Einige kleinere Zähne ... 


finden sich neben der Basis von grösseren, wahrscheinlich bestimmt, 
dieselben zu ersetzen, Man zählt in einer Kieferhälfte 40, und zwar 
hinter der Symphyse 12 Zähne, doch dürfte der vollständige Kiefer deren 
hinten noch mehr besessen haben. Die 8 vorderen stehen dichter, sind 
auffallend stärker, die folgenden nehmen an Grösse allmählich ab. Sie 
sind glatt, Pfriemen-förmig, oben etwas schneller zugespitzt, von aussen 
nach innen wenig zusammengedrückt , vorwärts gerichtet und etwas 
nach hinten gekrümmt. Die Befestigungs-Art der Zähne entfernt die- 
ses Thier von den Lazerten, und nähert es den Krokodil-artigen Sau- 
riern, die Kieferform noch insbesondere dem Gavial, der aber nur 
35—30 Zähne in einem Kieferaste und nur 3—4 hinter der Symphyse 
besitzt, welche verhältnissmässig kleiner, und wovon die hinteren gleich 
gross sind. Auch besitzen die Kieferäste hinter der Symphyse nicht 
die eigenthümliche Reif-artige Biegung und grosse Entfernung, vorn 
nächst der Spitze nicht die Ausbreitung, wie bei dem Gavial. So un- 
terscheidet sich dieser Saurier von allen lebenden Geschlechtern und 
nähert sich unter den fossilen vorzüglich dem Aeledon, der nur 
25—26 feingestreifte Zähne von alternirender Grösse und nur 3—4 
derselben hinter der Symphyse hat, obschon diese verhältnissmässig 
Jahrgang 1834. 3 


— 11 — 


ebenso lang, als hier, ist. Vorn ist sie auch etwas mehr, als hier, aus- 
gebreitet, wie beim Gavial. Von Rhacheosaurus und Pleuro- 
saurus kennt man den Kopf nicht, um eine Vergleichung versuchen 
zu können, doch deuten die bekannten Reste des ersten auf ein viel 
grösseres, die des zweiten auf ein viel kleineres Thier, Plesiosau- 
rus verbindet den Charakter der grösseren Vorderzähne mit einer weit 
geringern Anzahl von Zähnen (27), einer kürzeren Schnautze und kur- 
zen Symphyse. Kein Pterodactylus hat über 30 Zähne, die zudem eine volle 
Zahnwurzel besitzen; die Form des Unterkiefers ist sehr verschieden, 


die Symphyse kürzer. — So steht dieses Thier noch dem Aelodem 


am nächsten, unterscheidet sich aber durch diejenigen Charaktere am meis- 
ten von ibm, durch welche sich dieser. dem Gavial am meisten nähert. 
II. Conchiosaurus elavatus v. M. (S.8—14. T£, I, Fg. 3—4). 
Ein Kopf-Fragment, ebenfalls in v. Münster’s Sammlung, aus dem 
Muschelkalk von Leineck bei Bayreuth, wesshalb dieses Thier ‘obigen 
Namen (von xovxiov, kleine Muschel, — Muschelkalk-Saurier) erhal- 
ten hat. Auch dieses Geschlecht hat die eingekeilten Zähre der Kro- 


kedil-artigen Saurier, aber die abgekürzte Schuautze der. eigentlichen . 


Krokodile und selbst der Kaimane. Indessen ist nur die Innenseite der 
unteren Knochenbedeckung dieses Schädels gut erhalten, Mit dem 
Schädel des Crocodilus rhombifer verglichen, hat dieses fossile Thier 
dieselbe Gestalt und Lage der unteren Augenhöhlen, aber. verhältniss- 
mässig breitere Gaumenbeine und wohl einen hinter den Augenhöblen 
kürzeren Schädel. Die allgemeine Form, das Hinterhaupt, Hinterhaupt- 
loch und der darunter stehende Condylus sind wie bem Krokodil. Doch 
stehen die Kieferknochen vor dem vordern Winkel der Augenhöhlen am 
weitesten auseinander; beim Krokodil ist der Schädel hier verengt und 
am hintern Augenhöhlen-Wiukel am breitesten. Die Schnautzen-Spitze 
ist abgebrochen; doch ergaben zwei an der abgebrochenen. Stelle er 
scheinende Löcher, dass die Nasenlöcher, wie bei den Crocodileiden, 
an der Spitze der Schnautze, nicht an deren Anfange lagen. Die 
Zähne sind gleichförmig, gerade, 0m,003 weit vorstehend, 0,001 bis 
0,0015 diek , doch zeichnet sich gegen das Ende der Schnautze ein 
etwas schlankerer, ein- und zurückgekrümmter Zahn von 0,012 
Länge und 0,003 Dicke aus. Die im Queerschnitt runden Zähne ver- 
dicken sich, so wie sie über der Kiefer-Fläche erscheinen, etwas, um 
sich dann zuzuspitzen, die kleineren mit sphärisch spitz-kegelförmiger, 
der grössere mit pfriemen-förmiger Gestalt. Sie sind auf dem Schmelze 
gestreift, bei den kleineren jedoch erreichen mehrere Streifen die Spitze 
nicht. Wenigstens ein kleiner Zahn stund noch vor dem grossen; ob 
mehrere, erlaubt der Mangel des Schnautzen-Endes nicht zu beurthei- 
len. Die kleinen Zähne sind an Form und Grösse gleich, an Zahl 
kaum 12 in einer Hälfte, wie es scheint, alle vor dem vordern Augen- 
höhlen-Winkel stehend, gewöhnlich hohl, und an einer Stelle sieht man 
die Wurzeln zweier Zähne theilweise in einander liegen. In den Kro- 
kodilen sind die Zähne ungleicher, jedoch übertrifft kein Zahn in dem 


— 115 — 


Grade die andern an Grösse, wie hier der grosse; ihre Zähne sind 
nicht gestreift, an der Basis wohl verdickt, aber auch nicht so spitz; 
‚ihre Anzahl geht bis zu 19—20—28 (—30), ihre Stelle reicht bis unter 
die Mitte der Augenhöhle, — Aelodon hat nur den grösseren Zahn mit 
diesem Fossile gemein; von Rhacheosaurus, Pleurosaurus und 
Maecrospondylus kennt man den Kopf nicht; Geosaurus, 
Mastodöntosaurus, Megalosaurus, Iguanodon, Mosasau- 
rus, Saurocephalus und Saurodon haben andere Zähne, auch 
eine andere Schädelbildung; bei Ichthyosaurus stehen die Zähne 
dicht in einer Rinne; bei Phytosaurus sind sie angewachsen; Teleo- 
saurus, Streptospondylus und Metriorhynchus haben sehr 
lange Schnautzen. Protorosaurus hat in den Zähnen Ähnlichkeit, 
besitzt jedoch nicht den starken vorderen Zahn; Plesiosaurus wie 
Ichthyosaurus hat keine terminale Nasenlöcher, mehr und unglei- 
chere Zähne, doch ohne jenen grossen Vorderzahn. Cuvıer erwähnt 
noch emes Saurier-Unterkiefers [oss. foss. V. ır. 484.] aus dem Mu- 
schelkalk von Lüneville, worin man aber 27 alternirend grössere, eben 
falls eingekeilte Zähne zählt. — Die Muschelkalk-Schichten derselben 
Gegend enthalten noch Fischreste, Riesen-Schildkröten,, Plesiosauren 
und Saurier unbekannten Geschlechtes. 

II. Knochen und Zähne aus dem Muschelkalk. 
(S. 15—17. Tf. II, Fg. 1—6). 

A) Die Knochen Fg, 1—3 stammen aus Sachsen, wahrscheinlich 
aus Muschelkalk. Es sind ein Wirbel (Fg. 1.), ein Wadenbein (Fg. 2), 
und ? das untere Ende eines Schienbeins, welches auf einem besondern 
Steine liegt. Ersterer hat einige allgemeine Ähnlichkeit mit dem von 
 Plesiosaurus, das zweite gleicht dem der Schildkröten (Chelonia 
oder Testudo), das dritte aber weicht von dem der Schildkröten sehr 
ab. [Weiteres im Orginal]. 

B) Die Zähne Fg. A—6 stammen aus dem Muschelkalk von Göttin- 
gen; sie sind von dreierlei Form; ob sie aber von Sauriern oder Fi- 
schen herstammen, ist schwer zu sagen. Schuppen-Fragmente liegen 
darneben. [Detail in der Abhandlung selbst]. 

IV. Knochen aus dem bunten Sandsteine (8. 18 — 33. 
Tf. U, Fg. 7—18). Es sind Reptilien-Knochen, dergleichen bekanntlich 
bisher vor dem bunten Sandsteine nur wenige, in demselben keine be- 
kannt geworden sind. Erstere bestehen nur in einem Saurier-Wirbel 
im Bergkalk Northumberlands (Vernon) und dem Protorosaurus 
des Zechsteins: da Müvrcnıson nach einer brieflichen Mittheilung an 
den Vf. den Kalk von Caithness mit seinen Trionyx-Resten nun zum 
Lias rechnet. Im bunten Sandsteine selbst haben nur Mrrıan Knochen 
zu Dezelen bei Basel, und Vorrz ein Cetaceen-Kieferstück zu Wasslen- 
heim angeführt. 

Im bunten Sandsteine von Babenhausen bei Zweibrücken hat Dr. 
Ar. Braun nun Reptilien-Knochen aufgefunden. So fünf noch aneinan- 


S 6% 


— 16 — 


derliegende Wirbel, dann Rippen u. s. w. Da die Untersuchung der- 
selben jedoch zu keinen näheren  anunnzen führt, so übergehen wir 


‚hier deren Detail. i 


Im bunten Sandstein zunächst unter dem Muschelkalke im Jenzig 


‚bei Jena hat Prof. CrEepDener ebenfalls Saurier-Rippen gefunden und 


dem Vf. mitgetheilt. — Andere Reptilien-Reste von da hat inzwischen 
ZEnker beschrieben *) und zu einem neuen Geschlechte Psamm o- 
saurus Zenk, (nicht Firzinser’s) gerechnet. 

V. Aptyehus ovatus v. M. und zur Kenntniss von 


'Aptychus überhaupt.. (S. 24—26. Tf. II.) Aptychus ovatus 


nov. spec. (Fg. 19— 20.) findet sich im Lias von Banz 0,045 lang und 
0.021 breit, so wie (kleiner) im obersten Liasschiefer des Badener Ober- 
landes, wo ihn WaLcHner gefunden. Schaale dünn, oval, innen mit 
feinen Anwachsstreifen, aussen mit dem Schlossrande parallel auflie- 
genden, oft etwas geschlängelten Wülstchen, die aber nicht gekörnt 


sind, wie die dem entigegengesetzten Rande parallel ziehenden des 


A. bullatus, Ihre Anzahl beträgt 9—10, bei obigem grösseren 


-Exemplare aber wenigstens noch einmal soviel. Bei A. bullatus lie- 


gen sie sich näher und sind daher, obschon stärker, doch zahlreicher 


und nach dem äusseren Rande hin gedrängter, als imnen, was bei die- 


ser neuen Art umgekehrt ist. f 
Von A. elasma (Fg. 21—22) hat der Vf. nenerkch Exemplare aus 
dem Württemberg’schen Lias erhalten, welche bestätigen, dass die 


äussere Fläche der dünnen Schaale mit dünnen, entfernt liegenden 


Längsstreifen oder Wülsten besetzt seye, die mehr denen von A. im- 
bricatus, als von A. elasma gleichen. Da sich aber Verschieden- 


heiten in den Umrissen und im Verlauf der Wülste verschiedener. 


Exemplare zeigen, so ist zweifelhaft, ob nicht noch mehrere Arten ln 
zusammenliegen. 

‚Der Vf. warnt durch zuweilen vorkommende Ablösungen einer 
innern Schichte von Aptychus-Schaalen, welche durch eine ebenso feine 
äussere Streifung, als sie sonst nur innen vorkommt, und durch eine 
schwärzere Farbe bezeichnet werden, sich nicht verleiten zu lassen zur 
Aufstellung einer neuen Art. Er habe solche Ablösungen zu bewirken 
selbst versucht und sich über die Wirklichkeit der Erscheinung so 
versichert. 

Bei den dickschaaligen Arten verlängern sich die zwei Hälften über 
ihre Verbindungs-Grenze hinaus; nicht bei den dünnschaaligen, obschon 
sie alle länglich sind, Erstere sind aussen glatt (A. laevis), oder 
gestreift (A. imbrieatus). Letztere haben entweder aufliegende Wül- 
ste parallel dem gerade innern Rande (A. ovatus), oder dem äussern 
gebogenen (A, bullatus), oder solche, die mehr vertieft liegenden Strei- 
fen gleichen (A, elasma). 


*) Jahrbuch 1833. S, 243. 


= 


— 127 — 


Weıss: Beschreibung fossiler Knochen- und Panzer- 
Stücke aus dem südlichen Ende des Brasilischen Gebirgs- 
zuges (Abhandl. d.K. Akad. d. Wissensch. zu Berlin von 1827. 
Berlin, 1830, Physik. Klasse, S. 276—293. Tf. IV, als Anhang zu ei- 
ner geognostischen Abhandlung.). Die folgenden, in natürlicher 
Grösse abgebildeten Stücke stammen aus der Banda oriental, der jetzi- 
‚gen Republik östlich am Uruguay, von wo sie SeLLow eingesendet. 

A. Die Panzerstücke, am Arapey chico unfern Cassapava 
gefunden, gehören ohne Zweifel Cuvier’s Megatherium an, von des- 
sen Panzerkleide Pfarrer Lıracnacaı in Montevideo schon lange zwei 
Bruchstücke aus der Gegend zwischen dieser Stadt und Maldonado be- 
sessen, wie Cuvier (Oss. foss. V. r. 191, Note) mittheilt. Aber die ein- 
zelnen Theile dieses Panzers besitzen keine Gürtel-förmige Anordnung, 
wie Laracnacaı geglaubt hatte. Drei Stücke (Tf. I, Fig. 1; Tf. II, Fig. 4, 
5) sind einander ziemlich ähnlich. Sie sind aus platten, unregelmässig 5—7 
eckigen Knochenstücken von 7°—13'' Dicke und 1'—2‘’ Durchmesser 
- zusammengesetzt, welche in der Mitte ein rundliches , etwas höheres, 
mit vielen kleinen unregelmässigen Vertiefungen ausgefressenes Feld, 
und um dieses eine niedrigere Einfassung mit wenigen, aber noch grös- 
seren Vertiefungen und vielen nach den Rändern hin auslaufenden un- 
regelmässigen Falten und Streifen besitzen. Am Rande des Panzers 
dagegen erheben sich diese Knochenstücke noch höher in unregelmässig 
pyramidaler oder Zitzen-Form in ihrer Mitte, und haben keine Falten 
(Tf. I, Fig. 2, 3). Von der Beschaffenheit jener unregelmässigen Ver- 
tiefungen und Falten wird man sich eine richtigere Vorstellung ver- 
schaffen, wenn man sich der verschiedenartig zelligen Struktur der 
Knochen überhaupt und insbesondere der Oberflächen- und Textur-Be- 
schaffenheit der Hirsch -Geweihe erinnert. Doch besteht diese Panzer- 
Masse vorzugsweise aus kohlensaurem Kalke. Die Nähte zwischen den 
einzelnen Knochenplatten gehen durch die ganze Dicke des Panzers 
hindurch, und lassen somit dessen Zusammenfügung auch auf der un- 
teren oder inneren Seite erkennen, wo auch die Scheiben-förmigen Er- 
höhungen der Aussenfläche durch entsprechende Vertiefungen angedeutet 
sind. — — Ein Tf. I. Fig. 7 abgebildetes Panzer-Stück scheint einer 
andern Spezies anzugehören. Die sechseckige Gestalt der Schilder er- 
lischt und geht in die rhomboidale über, die Nähte bilden daher auf 
grosse Erstreckungen hin gerade oder nur etwas “WVeilen-förmige Li- 
nien,. welche nur gegen den Rand des Panzers hin zackiger, wie die 
Schilder wieder sechseckig und Zitzen-förmig werden. Aber die Ober- 
fläche der Schilder ist überall nur flach gewölbt, ohne jene Vertiefun- 
gen und Falten, was vielleicht zum Theil wenigstens, einer weiter gekomme- 
nenen Zerstörung der Oberfläche zuzuschreiben ist — — Die grösseren 
Panzerstücke war S. genöthigt worden, nach Rio Janeiro abzugeben. 
Eines darunter, welches mit Knochen der linken Vorder-Extremität zu- 
sammengcelegen, schien ihm vom vorderen und unteren Theile der linken 
Seite zu seyn: es besass nur 0'6 bis 0‘9 Dicke, war der Queere und der 


Länge nach gewölbt, so dass die Längen-Sehne 23’ Engl. längs der 
Basis der Randzacken, die Tiefe des entsprechenden Bogens 24, die 
Queer-Sehne 10° und die Tiefe des ihr entsprechenden Bogens 0'4 be- 
trug, wornach S, die Länge des ganzen Thieres auf 10’, seine Breite 
auf 43’, seine Höhe auf 3‘ schätzte. — An einem andern Stück war der 
grösste Höcker vom Rande des Panzers unten Ya breit und 1'7 hoch; 
die übrigen nahmen „nach unten zu“ ab, so dass der vierte nur 15 
hoch war. Von dem damit vorgekommenen Unterarm nebst dem gröss- 
ten Theile der Hand-Knochen, so wie vom linken F usse und einen Theil 
der Fibula hat S. Zeichnungen eingesendet, welche später bekannt ge- 
macht werden sollen. Schädel, Zähne und Nagelglieder fehlten durch- 
aus. — Das: ganze Skelett, wovon diese Reste herrühren, war schon 
14 Jahre früher von Einwohnern gefunden, und unbeachtet geblieben, 
vor 3 Jahren wieder entdeckt und theils zerschlagen, theils zerstreut 
worden ; ausserdem muss der Fluss allmählich vieles weggeschwemmt 
haben. — Es lag 3° tief in einem Thonmergel voll kleiner oft ver- 
ästelter Kalkröhren, welcher auf Basalt und Trümmer- Mandelstein ruhet, 
zwischen der Estancia des Beraldo ‘und der Chacara del Larcon, ; Le- 
goa von beiden, am linken Ufer der Sanja pelada genannten Schlucht, 
welche in den Arap®y chico von der rechten Seite her eintritt, in einer 
Höhe, die noch. jährlich von den Überschwemmungen des Flus- 
ses erreicht wird. Dieser mündet 4 Legoas tiefer in den Arapey gran- 
de, auf dessen rechtem Ufer, und 10 Legoas ober dessen Mündung in 
den Uruguay ein. 

B. Einanderes Knochenstück von Megatherium hatte 
S. schon i. J. 1823 am Queguay ,- welcher südlich vom Arapey in den 
Uruguay fliesst, zwischen ersterem Flusse und dem Arroyo del Que- 
bracho bei der Estancia de Don Pedro Ansuateque oder Don Pedrito, 
an der Erd-Oberfläche gefunden, wohin es von einem benachbarten 
Bache gebracht worden war, Es ist das untere Ende des Schenkel- 


‘knochens (Tf. IIL, Fig. 1, 2), fast nur der Gelenkkopf, welcher von 


dem des Mesatheripm ‚„ wie ihn Cuvier, ‚auch PınDEr uud D’AL- 
zon beschrieben, nicht abweicht. 

C. Zwei Eckzähne, denen eines Bären nicht unähn- 
lich, doch in einem kaum fossil zu nennenden Zustande und sonst 
ohne Angabe eines Fundortes von S. eingesendet, sind Tf. II, Fig. 3, 
4 — und 5 abgebildet. Auf der inneren Seite macht eine scharfe Kante 
die Grenze zwischen der noch ursprünglichen und der durch Reibung 
beim Kauen entstandenen Oberfläche. 

D. Ein räthselhbaftes Knochenstück mit Schilder- 
Eindrücken (Tf. IV, Fig. 1, 2, 3.) hat ein Dragoner von einem 
grösseren Stücke in dem Passo del Catalan, dem über den Queguay 
nach dem Sulto grande führenden Furth abgeschlagen. Durch ver- 
schiedene Hände kam es an Serrow. Es ist fast die Hälfte eines sehr 
ünregelmässigen, der Länge nach gespaltenen hohlen Cylinders. Legt 
man es der Länge nach vor sich, so ist es etwa 10° Par. lang, fast 


— 119 — 
\ 

4 breit und bis 24° dick, vorn und hinten abgebrochen, von oben oder 
aussen queer gewölbt und mit mancherlei Schilder-artigen Eindrücken 
besetzt, unten queer konkav, so nämlich, dass es auf beiden ungleichen 
Seiten der Länge nach abgebrochen, und zwischen diesen Bruch-Flä- 
chen von einem offnen Längen-Kanale, der von dichterem Knochen-Ge- 
webe umschlossen ist, durchzogen wird. Betrachtet man nun dieses 
Stück von seiner äusseren oder gewölbten Seite, so lässt sich nur nächst 
dem einen (in der Zeichnung linken) Längenbruche das Vorhandenge- 
wesenseyn einer Mittellinie vermuthen, an die sich dieses Stück 
von einer Seite anlegte. Die Oberfläche ist von Furchen so durchzo- 
gen, dass sie in vier- bis viel-eckige Felder von sehr ungleicher Grösse 
getheilt wird, auf deren jedem ein Schild aufgesessen seyn muss. 
Denn die Nähte zwischen den einzeluen Feldern setzen nicht 
durch die Dicke der Knochenmasse hindurch: sie sind nnr oberflächlich, 
und die Masse selbst brausst weniger mit Säuren uud hat demnach 
mehr die Zusammensetzung eigentlicher Knochen, als die des Megathe- 
therium-Panzers: In den Furchen zwischen den Feldern stehen rund- 
liche Öffnungen mit grösserer Regelmässigkeit vertheilt, als man sonst 
an den für den Austritt der Gefässe bestimmten Öffnungen gewahrt. 
Zunächst längs der muthmaaslichen Mittellinie ist eine grosse Anzahl 
nur kleiner 3—7eckiger Felder. Darauf folgen in einer Längenreihe 
ziehend sechs ovale grössere, doch sonst an Form und Grösse unglei- 
che, deren grösstes bis 13‘ Breite und 21° Länge hat. Jenseits der- 
selben endlich liegen, durch kleine Zwischenräume von ilmen getrennt, 
drei noch grössere Felder, deren vorderstes und hinterstes, von mehr 
kreisrunder Form , sich etwas zwischen die Reihe der vorigen und das 
mittlere — ovale und grösste von allen — von vorn und hinten her- 
einschieben. Diese 9 grösseren Felder sind mit grossen und kleinen 
Unebenheiten, der Knochentextur entsprechend , besetzt, die sich nach 
unregelmässigen von deren Mittelpunkten ausstrahlenden Linien ordnen, 
Sie sind alle flach vertieft, bei den drei grösseren aber erhebt sich die 
Mitte wieder, und bei dem grössten zu einer ansehnlichen Höhe, Die- 
ses ist über 6° lang. — Serrow hatte geglaubt, dieses Stück gehöre 
dem Panzer des Megatherium und zwar an dessen Schwanze an, — 
Weiss’ vermuthet, dass es ein Schädelstück von einem Reptile oder 
vielleicht Fische seye, ohne ihm jedoch eine bestimmtere Lage anwei- 
sen zu können, was auch bis dahin keinem Zoologen oder Osteo- 
logen, der es gesehen, gelungen war. 

C. Nicht ferne von dem obenerwähnten Femur-Stücke sind Pan- 
zer-Stücke einer Schildkröte von ansehnlicher Grösse 
(Tf. V. Fig. 1—13) gefunden worden, die sich insbesondere denen einer 
Landschildkröte analog, in manchen Punkten aber auch von der bekann- 
ten Bildung abweichend zeigen, wesshalb W. diese Art Testudinites 
Sollovii nennt. ' Sie bestehen zum grössten Theile aus kohlensaurem 
Kalk. Es sind, mit Ausnahme von 2 Stücken, lauter Randtheile des Pan- 
zers. W, beschreibt und deutet sie in folgender Weise, 


— 10 — 


Vom Rückenpanzer der vorderste Rand-Schild rechts, welcher, 
auf sonst nicht gewöhnliche Weise, von einem entsprechenden linken 
Knochen-Schilde durch eineNaht getrennt [nämlich in 2 Schilde geschie- 
den] ist (Fig. 3, 4). Die äussere Fläche ist rauher, als bei den meisten fol- 
genden, auf eine einstige Bedeckung mit stärkeren Hornschuppen deu- 
tend. Es erhellt aus der Form dieses Stückes, dass der Rücken-Pan- 
zer vorn in der Mitte den gewöhnlichen Ausschnitt besessen. 

2, Der unvollständige Rand-Schild der linken Achsel oder des Ein- 
schnittes über dem linken Arm, welcher wegen der Theilung von 1 
nicht, wie gewöhnlich, der dritte, sondern der vierte Schild ist (Fig. 1, 2.) 
Auch bier ist die äussere Oberfläche sehr rauh, die innere aber oflen- 
bar, in Folge der hier Statt gefundenen Muskularbewegung , geglättet. 
Die eigenthümliche Krümmung und Bildung des wohl erhaltenen äus- 
seren Randes bis zur Stelle, wo der Rücken- mit dem Brust-Panzer 
verwachsen war, lässt über die Deutung dieses Beines keinen Zweifel. 

3. Der hintere der beiden mittelsten Schilde vom Seitenrande der 
der linken Seite, wo Rücken- und Bauch-Panzer verwachsen sind (Fig. 
11.). Durch die Theilung von 1 wird es der siebexte Rand-Schild statt 
des sechsten. Der Rand des Panzers war hier schärfer, die Rand-Schilde 
waren kürzer und nicht so nach oben in die Länge gedehnt, wie bei Tes- 
tudo Indica. 

. 4. Das vorletzte Randsehild der rechten Seite (Fig. 6.). Sein äus- 
serer oder Hinter-Rand ist mit einem tief stumpfwinkeligen Ausschnitte 
versehen, so dass der Hinterrand des Panzers mit mehreren Zacken 
versehen gewesen seyn muss, wie T. Indica deren 3 auf jeder Seite 
hat. Dieses Bein ist von aussen konkav. Der Eindruck der Scheide- 
linie zweier Hornschuppen zieht auf demselben mitten herab in die tief- 
ste Stelle des Ausschnittes , und die zwei, dieses Bein vorn und hinten 
begrenzenden Knochen-Nähte laufen in die Spitzen zweier Zacken aus. 
Den Linear-Dimensionen nach ist es 21—21 Mal so gross, als das ana- 
Joge bei T. Indica, deren Rücken-Panzer 15“ ur lang ist. 

Vom Bauceh-Panzer: 

5. Das vorderste Rand-Schild rechts (Fig .9, 10), etwas beschädigt, 
doch mit dem analogen der Testudo Indica sehr genau übereinkom- 
mend. Der ausspringende‘ Winkel dieses Beines, in welchem es mit 
dem gleichnamigen der linken Seite und dem unpaarigen mittleren Bei- 
ne des Bauch-Panzers zusammentrifft, beträgt 135%. Die Vertiefung 
der inneren Fläche des Knochens geht ganz nach vorn, wo er bei T. 
Indica eine tiefe Queer-Wölbung in der Halsgegend hat. Die Linear- 
Dimensionen sind nur 14 mal so gross, als bei ebengenannter Art. 

6. Der innere vordere Theil des vorderen linken von den vier Bei- 
nen, durch welche der Bauch mit dem Rücken-Panzer. verwachsen ist 
(Fig. 5.). Er hat den freien Rand des Panzers nirgends berührt, son- 
dern ist auf zwei Seiten abgebrochen, auf 2 andern mit Nähten ver- 
sehen, deren eine der Mittellinie, die andere konkave dem Hinterrande 
des unpaarigen Beines des Bauch-Panzers entspricht, Die innere Flä- 


- 21 — 


che ist durch eine strahlige Textur ausgezeichnet, die äussere sehr 
schwammig. 

7. Ein über die Hälfte mit Bruchrändern umgebenes Bruchstück 
entweder des dem vorigen entsprechenden rechten, oder des unpaarigen 
Mittelbeines (Fig. 12.). 

8. Wahrscheinlich das vordere Rand-Ende des rechten hinteren Za- 
ckenstückes des hintersten Bauchpanzer-Beines (Fig. 13.). 

9. Der Zacken-Fortsatz des linken von diesen 2 Knochen selbst 
(Fig. 7, 8). Er ist vollkommen entsprechend dem analogen Theile bei 
Testuda Indica, jedoch nach den Linear-Dimensionen 21—24 mal 
so gross. | 


C. GemmeLL»ro: Cenno sopra le Conchiglie fossili dell’ argilla 
terziaria di Cifali presso Catania (Catania 1833, 13 pp. 4°. Ein 
Abdruck aus den Atti della Accademia Givenia). Bei Catania kommt, 
von Lava überdeckt und nur im sg. Poggio di Cifali entblösst, ein 
unreiner Ziegelthon vor, welcher von Gängen röthlichen Sandes durch- 
setzt ist, gleich dem der Thon-Hügel der Umgegend, Er be- 
steht aus Körnern von Glas-artigem Quarz, feinerem Sande und Eisen- 
oxyd, und ist voll mikroskopischer Orbuliten und Lenticuliten, 
aber bis jetzt ohne die schönen Nummuliten und Milioliten, 
welche im Sande der Hügel von Trezza vorkommen. Dieser Sand nun, 
nicht der Ziegelthon selbst, ist voll fossiler Konchylien, deren der Vf. 
Anfangs eine kleine Anzahl, Horrmanın und Puızıerer nachher in Folge 
ausgedehnter Nachgrabungen 62 Arten aufgefunden haben; der Vf. be- 
sitzt deren jetzt 59, die er namentlich aufzähli nebst mehreren Ser- 
peln, Madreporen, Celleporen und Krebs-Scheeren, [Alle sind in 
Broccrr schon enthalten, ausser (wenigstens nicht unter diesen Namen) 
Pandora rostrata, Tellina rostrata Born., ? T. incarnata, 
Venus pseudocardia, Arca lactea [?J, Ostrea Mediter- 
ranea (O0. ? edulis Broecn.), Natica solida, Trochus Pha- 
raonis, Cerithium cancellatum Pur., Buccinum Ascanias, 
Columbella rustica und Mitra plumbea]. Sie leben alle 
noch im Mittelmeere, ausser — nach des Vfs. Versicherung — Buccinum 
musivum Broccn., Dentalium elephantinum Lin., wenn es 
nicht vielmehr das dort häufig lebende D. striatum ist, Cyrenae 
spec. dub. und Venus pseudo-cardia Gemm. [die aber nach der 
Beschreibung des Vfs. wohl nichts anderes ist, als Venus radiata 
BroccH., welche nach Rentert auch im Mittelmeere vorzukommen 
scheint]. Diese Konchylien besitzen grösstentheils noch Spuren ihrer 

. anfänglichen Färbung und ihren Perlmutterglanz. | 

Der Poggio di Cifali liegt aber heutzutage 300° über rer Meere 
und bildet nur den untersten Theil des Hügels, welcher bei Fasano 
600° Seehöhe erreicht. Auch ist dieser Thonhügel schon von dem ge- 
schichteten Alluvial-Gebirge von Fasano überlagert , welches die Härte 


a 


eines Tuffes besitzt, und seiner jetzigen Lagerungs-Weise zufolge ein- 
mal den Grund eines Wasserbeckens eingenommen haben muss, das 
von dem nämlichen Sand und Thon gebildet gewesen, welche heutzu- 
tage dessen übrig gebliebenen Theil bilden. Dazu. kommt endlich die 
Natur der, jenes Gebirge (beim Poygio) überlagernden Laven, die nach 
ihrer Masse, ihrer Struktur, ihrer Zersetzung, ihrer Bedeckung von an- 
dern anerkannt alten Lavaströmen und von verschiedenen mächtigen Allu- 
vial-Bildungen zu den ältesten gerechnet werden müssen, welche dieser 
Vulkan ergossen hat. So liegen auch die Basalte von Trezza auf dem schon 
erwähnten Nummuliten- und Milioliten-Gesteine dieses Ortes, das 
der Vf. mit dem von Cifali im Alter gleich zu stellen geneigt ist. 

Jene mikroskopischen Orbuliten und Lenticuliten möchte der 
Vf. schon als in dem Sande, der das Material zu obigen Ausfüllungen 
geliefert, fossil präexistirend ansehen [wohl weiler sie ausgestorbenen Arten 
zuschreibt, was aber, wenigstens für die Mehrzahl derselben, wohl der 
Fall nicht ist]. 


IV. Verschiedenes. 


Brunner und Pıcenstecuer Chemische Analyseder Heil- 
quellen von Leuk im Kanton Wallis (Denkschrift d. allgem. 
Schweitz. Gesellsch. f. d. gesammt. Naturwiss. 1829. 1. ı. 
239—270), Die allgemeine Schweitzerische Gesellschaft hat ein eigenes 
Comite zur. Einleitung einer allmählichen Untersuchung der Mineral- 
Quellen der Schweitz ernannt, welches dann die erwähnten zwei Ge- 
lehrten zur Analyse der Leuker Quellen veranlasst hat. Diese gedenken 
zuerst der älteren vorhandenen Arbeiten darüber, ehe sie ihre eigene 
beschreiben. Die Quellen von Leuk entspringen auf einer Wiese am 
Fusse der fast senkrechten Gemmi-Felsen, 4400°—4500' über dem Meere, 
aus den obersten Schichten eines Thonschiefer-Gebirges, welches nach 
Esrr von Alpenkalk überlagert ist, Diese Quellen sind die I. Haupt- 
oder Lorenz-Quelle, welche sich 2—3 Mal jährlich zu unbestimmter 
Zeit plötzlich auf 24—48 Stunden trübt und einen weissen Schlamm mit 
sich führt. Das Goldbrünnlein scheint nur ein Zweig derselben. 
II. Die drei Quellen des Armenbades liefern nur etwa 4 so viel Was- 
ser, als erstere. Einer derselben, der Koftzgülle, wurde eine Zeitlang 
Brechen-erregende Kraft zugeschrieben. III, Das Heilbad ist nur 
eine schwache Quelle. IV. Der entfernter liegenden Hügel-Quellen 
sind zwölf. V. noch 2—3 andere liegen weiter aufwärts an der Dala; 
welche, so wie VI. die Roosgülle, und VII. noch eine letzte Quelle 
in deren Nähe jenseits des Flusses, zu medizinischen Zwecken nicht be- 
nutzt werden. Die Temperatur der Haupt-Quelle ist ziemlich konstant; 
die der schwächern aber scheint durch zufliessende Tagewasser u. 8. w. 


2 


Sa 


etwas abzuändern, Nach mittleren Resultaten, in den letzten Tagen des 
Julius erhalten, ist sie nach Reaumur’s Scale 
I. Il. LEE IV. ya VI Vo. 
02.37 — 370,2 = 310,55. 380,10 — 300 = 290,5 = 270,7 
Die Untersuchung der Gasarten wurde an Ort und Stelle, die der fixen 
Bestandtheile in Bern vorgenommen. Sie ergab auf 24 Unzen Medizi- 
nal-Gewicht für die 


Lorenz-Quelle die Armen-Quelle 
Mellleneunwe 0 0 10,357 et Pas 3 u aneind 10,312 4 
Sauerstoflgass . 02336 — rn sure 0,256 
Stickstoffgas . . . 0,462 — A TAET 
Schwefels. Kalk . 17,083 Gran . . . . 17,361 Gran. 
_ Talkerde 2,654 — ER NEN LN EN en 
— Natron . 0,678 — a 5 2, CORON 
_ Strontian 0,045 — AP N EI Rem 
Chlor-Natrium . . 0,073 — Aue 1.2, 0,1207 
Chlor-Kalıium em .0,027 — RER LU U N Biken 
Chlor-Magnium . . 0,036 — NN NE ee 
Chlor-Calium . . 0,001 — Ba ODE A 
Kohlens, Kalk . . 0476 — 20,613 
—  Talkerde . 0,008 — OuRRRNRNER RN TBLLE RS) Pen 
— _ Eisenoxydul 0,032 — EIER DIS, 7 
Kieselerde . . . . 0,132 — BER TR: Ver 
Salpeters. Salze. . 0,001 — WHERE REISE SD UELI HERUM Ten 
21,243 — "20,12 — 


Ausserdem entwickelt sich aus den Quellen in grossen Blasen fort- 
dauernd ein Gas, nach 2 Versuchen bestehend aus 
Kohlensäure . . 1,017 Volum. . . 0,964 Volum. 


Sauerstoffgas . . 0,462 — . . 0,266 — 1100. 

Stickstoffgas . . 98,521 — ... 98,770 0, 
Der in der Lorenz-Quelle niederge- der Thonschiefer, woraus die Quel- 

schlagene Ocker — len entspringen, besteht aus 
Schiefersand . . ; 14,00 Gran Kieselerde . . . . 46,9 Gran 
Kohlens, Kalk . . 23,40 ° — Raleım.iny U, awn, PAG,Su 
Kohlens. Talkerde . 0,24 — Talkerdei a 5. au 10,58 
Eisenoxyd. . . . 32,50 — Eisenexd .. Ha u. 1m, 981 
Wasser)... ,'..2000 — IHBnerdeN 72 2, .,2 01087510. 
Yermel  .. . . 0,80 — ?Kohlensäureu. Verlust 1,02 — 

60,00 — 60,00 — 


Bittersalz wittert an mehreren Stellen aus den Thonschiefer-Felsen aus. 
Das Trinkwasser zu Leuk rührt aus Quellen her, welche ebenfalls 

bei obiger Quelle entspringen; es ist, ausser einem Gehalt an kohlens. 

Kalke, völlig rein und hat 8° R. Temperatur bei 161° Luftwärme. 


- m — 


F. C. Henrıcı Notiz über eine periodische Quelle bei 
Kissingen (Studien des Götting. Vereins bergmänn. Freunde, 
1833. III. 321—324). Die Salz-Quelle bei Kissingen liefert nach PrevrEr 
in 1 Minute 40 Kub. Fuss Wasser von 16°,5 R., dessen äusserst schwa- 
cher Salz-Gehalt durch Abteufen eines 325’ tief im bunten Sandstein 
getriebenen Bohrloches nicht vermehrt werden konnte. ‚(Auch ein, 4 Stunde 
höher im Saale-Thale über 330° tief niedergetriebenes Bohrloch lieferte 
weder Soole, noch durchdrang es den bunten Sandstein.) Die vielen 
Mineral-Quellen der Umgegend von Kissingen enthalten alle Kohlen- 
Säure; einige sind starke Säuerlinge. Jene Säure, in Gasform sich 
entwickelnd , ist auch die Ursache der periodischen Erscheinungen in 
oben erwähnter Salz-Quelle. Diese hat bei ruhigem Stande ihren Spiegel 
15° unter der Oberfläche des Bodens; bei stärkerer Entwickelung des 
Kohlensäure-Gases beginnt sie stark aufzuwallen und zugleich auzustei- 
gen, womit jenes Wallen und Brausen in erstaunlichem Grade zunimmt, 
bis ihr Wasser nach Verlauf einer halben Stunde einen Kanal an der 
Oberfläche erreicht, durch den es abfliesst. So erhält es sich schäumend 
etwa 2 Stunden lang und erreicht dann binnen 20 Minuten wieder seinen 
tiefsten Stand, auf dem es aber selten über 14 Minuten ruhig bleibt. 
Ein höherer Wasserstand der Saale soll die Erscheinung etwas schwächen. 


! 


Hausmann über die Rothenfelder Quelle (a. a. O. III. S. 324— 
325). Bei Rothenfelde im Osnabrück’schen ist eine Quelle von 14° oder 
15° R., aus welcher ebenfalls periodisch schwächere und stärkere Entwicke- 


Iungen von Kohlensäure Statt finden. Auch setzt dieselbe so viel Kalktuff ab, . 


dass ein ganzer Hügel dadurch gebildet worden, welcher viele Blätter- 
Abdrücke und auf den Absonderungs-Flächen konzentrirten Gelb- und 
Braun-Eisenstein enthält. Vermuthlich kommt diese Quelle aus der Kreide- 
Formation hervor, 

Die Entbindung der Kohlensäure scheint unabhängig von einem 
Salz-Gehalte der Quellen zu seyn, da zuweilen nahe beisammen, doch 
völlig von einander getrennt, Salz-Quellen, Säuerlinge und Eisenwasser, 
und selbst (Pyrmont) Ausströmungen von Kohlensäure vorkommen, Ver- 
bindet sich aber die Kohlensäure nur zufällig während ihres Verlaufes 
mit der Kissinger Salz-Quelle, so erklärt sich um so leichter das perio- 
dische Steigen und Fallen derselben durch dieses Gas. 


Brewster hat ein Instrument zur Unterscheidung von 
Edelsteinen und Mineralien erfunden (Report of the 1. and 
2. meetinys of the British Assoc., Lond. 1833. p. 72—73). Es be- 
steht aus einem dreiseitigen Prisma von Glas, zwischen dessen unterer 
Fläche und der dazu parallelen oberen des zu prüfenden Minerals man 
eine Öl-Schichte bringt; doch so, dass man durch die Einrichtung des 
Instrumentes die zwei erwähnten Flächen in beliebigem Grade gegen 


einander neigen kann. Hält man das Prisma nun so, dass die Sonne 
oder ein anderer leuchtender Körper von bleibender Intensität von bei- 
den Flächen zurückgespiegelt wird, so gibt die gleichbleibende Spiege- 
lungsfähigkeit der Fläche zwischen Prisma und Öl, verglichen mit der 
jedesmal veränderten des jedesmal zu prüfenden Minerals, wenn man 
Stärke des Lichtes und der Farbe zugleich beachtet, einen Maass- 
stab ab. 


G. Schuster Resultate sechzigjähriger Beobachtungen 
über den Einfluss des Mondes aufdie Veränderungen 
imunserer Atmosphäre. Synodischer Umlauf (Kasrn. Arch, 
f. Chem. u. Meteorolog. 1832. V. 169—212). Der Umlauf des Mon- 
des um die Erde scheint in der That nicht ohne Einfluss auf die atmo- 
sphärischen Ereignisse der letztern zu seyn. Der Regenniederschlag ist 

“an den Tagen des letzten Viertels am geringsten, einige Tage vor dem 
Vollmond am grössten (an einzelnen Tagen — 84,9 : 100). Ein kleineres 
Minimum tritt nach Neumond zur Zeit des ersten Oktanten und ein 
kleineres Maximum an den Tagen des Neumondes selbst ein, 


Meteorsteinfall bei Blansko in Mähren. Es war schon die Nacht 
eingetreten, als am 25. Nov. unsere Stadt durch eine plötzliche so helle 
Erleuchtung erschreckt wurde, dass die Meisten glaubten, in einem der 
nächsten Häuser sey Feuer ausgebrochen. Ein darauf gefolgtes anhal- 
tendes Donner-ähnliches Getöse in der Höhe zeigte indessen, dass die 
Erscheinung ein Meteor gewesen, und Personen, die sich im Freien 
befunden, hatten den ganzen Himmel von Norden her stark erleuchtet 
gesehen. Dieselbe Beobachtung wurde zu Posoriz, Butschowiz, Auster- 
liz, Sokolniz, Boskowiz, Raiz, Lissiz, Tischnowiz und an vielen an- 
deren Orten, auf einem Flächenraume von 70 bis 80 Quadratmeilen ge- 
macht. In der Mitte dieser Gegend hatte man einen glänzend feurigen 
Körper am Himmel ziehen sehen, der, Anfangs klein, mit reissender 

Geschwindigkeit sich vergrösserte, so dass er bald an Umfang dem 
Vollmonde, dann einer Tonne, und endlich einem ganzen Hause gleich 
‘ kam. Auf der Postlinie von Lipuvka bis Goldenbrunn steigerte sich 
diess so, dass man glaubte, ganze Feuermassen wie Wolken aus dem 
Himmel niederstürzen zu sehen. Auf der Strasse bäumten sich die 
Pferde, und viele Landleute waren von solchem Schrecken ergriffen, 
dass sie sich betend auf die Kniee warfen, ja manche plötzlich krank 
wurden. Der Lichtglanz war so ausserordentlich intensiv, dass ihn 
das Auge nicht auszuhalten vermochte. In der Nähe folgten ihm meh- 
rere starke Donnerschläge, die auf viele Meilen weit im Lande verhall- 
ten. Aber ungeachtet man aus diesem prachtvollen Meteore an meh- 
reren Orten feurige Streifen, einem Feuerregen ähnlich, zum Erdboden 


— 16 — 


niedergehen gesehen haben wollte, so verlautet doch nichts von einem 
Steinfalle, und man blieb lange in Ungewissheit über die eigentliche 
Natur des ausserordentlichen ‚Himmels-Ereignisses. Erst am eilften 
Tage gelang es den ausdauernden Bemühungen des Dr. REICHENBACH 
zu Blansko, der den Naturforschern Deutschlands durch verschiedene 
Entdeckungen bekannt ist, die Spur aufzufinden, und eine Stunde 'von 
seinem Wohnorte am Saum eines Waldes den ersten frisch gefallenen 
Meteorstein zu entdecken. Am folgenden Tage wurden noch zwei 
andere gefunden, so dass man jetzt bereits drei Beweis-Stücke der sel- 
tenen Begebenheit besitzt. Hoffentlich wird man noch mehrerer hab- 
haft werden, und die Meteorologen haben Hoffnung, ihre Sammlungen 
und Verzeichnisse bald durch den Meteorstein von Blansko bereichert 
zu. sehen. Hr. Dr. Reicnensach wird wahrscheinlich ‚selbst nähere 
Mittheilungen über den Hergung liefern, 


(Allgem. Zeitung). 


. Quell-Analysen. Trommsporrr chemische Untersuchung 
des Alexis-Brunnens, eines neuentdeckten, salinisch- 
kohlensauren, eisenhaltigen Mineralwassers im Selke- 
Thale am Harze (Trommsporrr Neues Journ. f. Pharmazie. 
1830. XXI. ı1. S. 1—35.). — Trommsporrr chemische Analyse des 
Mineralwassers des Alexis-Bades (ebendas. S. 35—68). — J. 
E. Herrereer die Heilquelle zu Überlingen am Bodensee, eine 
Inaugural-Dissertation (in freiem  Auszuge in Kasın. Archiv f, Che- 
mie etc. 1830. Il. ı1. 297— — 308). — Kastner (und Kınasr) über Er- 
langens Bohrbrunn en (ebendas. S. 288—297). 


Einige 


geologische Erscheinungen in der Gegend 
um Meissen 


geschildert 


von 


LEONHARD. 
(Hiezu die Tafeln II und IV.) 


Im Herbste des Jahres 1833 unternahm ich einen Aus- 
flug durch Franken, Baiern, Böhmen und Sachsen. Er ver- 
schaffte mir die erwünschte Gelegenheit, mich mit vielen 
dortländischen wichtigen, belehrenden und interessanten 
geognostisch-geologischen Erscheinungen durch Selbst-Ansicht 
vertraut zu machen. Haupt-Absicht meiner Reise waren aller- 
dings die körnigen Kalke der Gegend von Wunsiedel unfern Bai- 
reuth. Ich wollte an Ort und Stelle sehen — denn so manche lehr- 
reiche Mittheilungen, mündliche und schriftliche, waren mir 
früher durch die zuvorkommende Gefälligkeit der Herrn 
Grafen von Münster, F, C. Fıkenscher, Rentamtmann Bra- 
TER und anderer dortländischen Freunde der Wissenschaft 
geworden — ich wollte durch eigenes Anschauen mich über- 
zeugen, sage ich, in wiefern diese und jene Thatsachen, 

Jahrgang 1838. 9 


— 18 — 


welche ich, als mit dem Auftreten des körnigen Kalkes, 
des ehemals sogenannten Urkalkes verbunden, neuerdings 
bei Auerbach an der Bergstrasse zu beobachten Gelegenheit 
hatte *), auch um Wunsiedel sich bestätigt fänden, wo die 
Felsart in so schöner Entwickelung vorhanden, und an vielen 
Stellen ihrer Verbreitung durch bedeutende Steinbrüche auf- 
geschlossen ist. Nun will ich zwar keineswegs gegenwärtig 
in eine Darlegung von dem in Betreff des körnigen Kalkes 
Wahrgenommenen eingehen; diess behalte ich mir für eine 
umfassendere Arbeit vor, welche mich seit mehreren Jahren 
beschäftigt. Aber die Bemerkung sey ‚mir ‘gestattet, dass 
die Beziehungen, unter denen der Barreutker Kalk gefunden 
wird, mit den von mir über dessen Ursprung gefassten An- 
sichten nicht nur nicht im Widerspruche stehen, sondern 
dass sich mir vielmehr weitere und sehr werthvolle Beweise 
für jene Meinung dargeboten haben. — Noch ehe wir Wun- 
siedel erreichten, waren die Gegenden um Sireitberg und 
Muggendorf, mit ihren ausgezeichneten Jurakalk- und Dolo- 
mit-Bildungen, und mit den schönen Grotten, Gegenstände 
der Untersuchung, und Baireuth wird kein Geognost durch- 
reisen, ohne sich den Genuss der Ansicht jener seltenen 
Schätze zu verschaffen, welche Herr Graf von Münster be- 
sitzt. Es nimmt diese Petrefakten-Sammlung, y was. Vollstän- 
digkeit, Ausgezeichnetes fast eines jeden Exemplars betrifft, 
so wie das Belehrende, ohne Widerrede unter denen, welche 
sich in den Händen von Privaten befinden, ‚gegenwärtig die 
erste Stelle ein, ja sie möchte, mit Ausnahme des Reichthums 
an Knochen-Resten im Museum zu Darmstadt, selbst allen öffent- 
lichen Kabinetten den Rang streitigmachen. Von Baireuth führ- 
te unser Weg, nachdem wir, wie gesagt, die Wunsiedeler Gegend 
besucht, auch der Zuisen- oder Zurburg unfern Alexanderbadim 
Fichtelgebirge, um ihrer merkwürdigen Haufwerke kolossaler 
Granit-Blöcke willen, einen Vormittag gewidmet hatten, über 
Hof und Falkenau nach Eger. In der ersten der genannten 


*) Jahrb. d. Min. 1838. S. 312 f. 


- 2 — 


Städte besitzt Herr Rentamtmann Brartzr eine ungemein schöne 
oryktognostische und. geognostische Sammlung — welche na- 
mentlich die Erzeugnisse dieser Gegend von Baiern in selte- 
ner Vollständigkeit und Schönheit aufzuweisen hat — und in 
Falkenau trifft man die, an ‚Böhmischen Mineral-Produkten 
sehr reiche,;, Sammlung des Herrn Justitiar Lozssı. Die 
nächste Umgebung von Falkenau verdient um der Erdbrand- 
Erzeugnisse willen, ‘und wegen der manchfachen mit ihrem 
Auftreten: verbundenen: Phänomene, die Aufmerksamkeit 
reisender Geognosten. In nicht bedeutender Entfernung fin- 
den sich, am berühmten: Kammerberge oder Kammerbühl bei 
Zger, die interessanten vulkanischen Erscheinungen, welche, 
in‘ sehr verschiedenen Zeiten, bald aus diesem, bald aus jenem 
wissenschaftlichen Standpunkte, ‘von Born, Reuss, Görur, 
CorrA.d, V. u: A. geschildert: wurden *). In Karlsbad — 


.»*) Herr; Oberforstrath Corra beschäftigte sich, als ich bei ihm in Tha- 
randt war, mit.einer Arbeit über den Kammerberg. Ich glaube 
nicht, dass irgend einer seiner Vorgänger die denkwürdige Stelle 
genauer und öfter durchforschte; seine Mittheilungen — die kleine 
Schrift soll den Titel führen: der Kammerbühl nach wiederholten 
Untersuchungen aufs neue beschrieben von H. Corta — werden 
darum als das am meisten Genügende zu betrachten seyn. — Das 
Resultat dieser anziehenden Forsehungen ist: „‚dass der Vulkan 
bei’ Eger unter Wasser ausgebrochen sey, und die Eruptions-Pro- 
dukte von den, sanft nach Osten strömenden, Fluthen als wech- 
selnde Schichten abgelagert worden, wie man diess auf der Süd- 
ostseite des Hügels im grossen Bruche deutlich an den geschich- 
teten Schlacken sehen kann. An der Westseite steht basaltische 
Lava an.“ In Tharandt sieht man eine ungemein vollständige 
und sehr lehrreiche Sammlung der verschiedenartigen Erzeugnisse 
des Kammerbühls. Unter den Corta’schen Schätzen verdienen 
die schlackigen Auswürflinge, die Bomben, welche in 
geringeren und höheren Graden veränderte Glimmerschiefer- und 
Quarz - Stücke umschliessen, besondere Beachtung, ferner die 
Glimmerschiefer-Fragmente mit verglaster Oberflä- 
che (sie sind von den, vor uns liegenden, Vesuvischen Auswürf- 
lingen ähnlicher Art nicht zu unterscheiden), endlich die unver- 
kennbaren Bimsstein-Brocken 7). 


( ImAugenblicke, als diese Blätter dem Setzer übergeben werden sollten, erhalte 
ich die Corra’sche Druckschrift. Möchte solche recht bald in den Händen vieler 


q* 


—- mu —. 


dessen wundersamer Sprudel allein eine weite Reise lohnt, 
auch wenn man nicht hierher kommt, um ‘der Hygiea zu 
'huldigen — war mein Aufenthalt von zu beschränkter Dauer, 
auch die Witterung keineswegs günstig; ich vermag darum 
nicht zu sagen, in wiefern die dortigen Granite Thatsachen 
wahrnehmen lassen, welche den von mir in den letzteren 
Jahren an den gleichnamigen Fels-Gebilden um Zerdelberg, 
und an einigen Punkten des nachbarlichen Odenwaldes auf- 
gefundenen entsprächen; d. h. ob Granite aus verschiedenen 
Alters-Perioden neben und mit einander unter so lehrreichen 
Beziehungen vorkommen. Was ich zunächst um Karlsbad 
sah, lässt sich mit den Phänomenen am Neckar nicht ver- 
gleichen. In Elbogen, wo die Karisbader Granite vorzüglich 
schön aufgeschlossen seyn sollen, konnte ich, leider! nicht 
verweilen. — Bei Teplitz wurde der Schlossberg bestiegen. 
Ich erachte, unter den mir bekannt gewordenen Umgebun- 
gen des berühmten Badeortes, diese Stelle für besonders be- 
lehrend, wegen der Durchbrüche von Feldstein-Porphyr und 
von Phonolith durch die Kreide- (Plänerkalk-) Ablagerungen. 
An der unmittelbaren Grenze der kalkigen Formation und 
des Phonoliths namentlich sieht man an mehreren Punkten 
sehr deutlich die Störungen, welche die neptunischen Ge- 
bilde durch vulkanische Auftreibungen erlitten, und nicht 
minder augenfällig zeigen sich die Änderungen in der Ge- 
stein-Beschaffenheit des Pläners; die Felsart erscheint er- 
härtet, umgewandelt, klingend, oft wie Erz. Dabei ist 
an solchen Stellen der Boden übersät mit Blöcken, zum 
Theil gross, wie anstehende Felsen, von in geringeren und 
höheren Graden umgewandeltem, hin und wieder augenfällig 
gefrittetem Sandstein, wohl ohne Zweifel vom Grün- oder 


Freunde der Wissenschaft seyn. Der würdige Verfasser bestimmte seine Abhand- 
lung zunächst für die Badegäste von Franzenbrunn, welche oft diesonderbarsten 
Ansichten über den Kammerberg mit sich herumtragen, die sie, ohne ausführ- 
liche Widerlegung, nicht aufzugeben geneigt seyn dürften; aber die umfassende 
Entwiekelung, in welche €. sich einliess, wird auch gar manchen Andern zu Nutzen 
ond Frommen gereichen, welche, was die Basalt-Genese beirifit, noch an 
Hydropisie leiden. 


Wr ze 


Quader-Sandstein, ‘der Unterlage des Pläners abgerissene 
und gewaltsam 'emporgeschleuderte Trümmer. In der „Säch- 
sischen Schweilz“ — so ausgezeichnet. und mit gutem Grunde 
berühmt durch die herrlichen Formen ihres. Sandsteines, 
durch die malerisch schönen Gegenden und Aussichten — 
zogen uns die Umgebungen von Schandau zunächst an. Herr 
Bergamts-Assessor Harrına von Freiberg, dessen persönliche 
Bekanntschaft ich in TZeplitz machte, hatte die Güte, un- 
sere Aufmerksamkeit einigen Punkten jener Gegend zuzu- 
wenden. An der Ositrauer Mühle, dicht am Wege, welcher, 
längs des linken Ufers von dem in die Elbe sich ergiessen- 
den Kernitsch-Bache, nach der unter dem Namen desKuhstalles 
so bekannten offenen Grotte führt, sieht man, wie in un- 
mittelbarer Nähe des Granites und des Grün- oder Quader- 
Sandsteines die Schiehten der letztern Felsart gestört und 
mitunter wahrhaft ‘zerrissen worden. An einer Stelle, nicht 
fern von der: Mühle, tritt Granit sehr deutlich aus dem 
Sandstein hervor. Die Schichten des neptunischen Ge- 
bildes fallen der plutonischen Masse zu, und ihre Windun- 
gen, die in der Tiefe nicht unbedeutend sind, nehmen gegen 
oben allmählich ab. (8. Fig. 5. auf Taf. IV). Ähnliche Er- 
scheinungen sahen wir noch an mehreren Punkten der Säch- 
sischen Schweilz; was aber die Ostrauer Mühle besonders 
denkwürdig macht, das sind’ die Reibungs- oder Rutsch-Flä- 
chen — Spiegel, Harnische — welche der Sandstein da zeigt, 
wo der aufsteigende Granit durch ihn gewaltsam emporge- 
stiegen. Der Sandstein, welcher in solchen Fällen zugleich 
auffallend härter geworden — am härtsten in unmittelbarer 
Berührung mit dem Granite, so dass man das Phänomen er- 
littener Umwandelung in mannichfaltigen Abstufungen ver- 
folgen, eine gradweise Wirkung deutlich erkennen, und die 
belehrendsten Handstücke sammlen kann — stellt sich wie 
polirt dar, theils mit Längsstreifen in der Richtung, in wel- 
cher die Granite aufstiegen. Die granitische Grenze ist 
auch oberflächlich (e, ce) durch sehr wasserreiche Schluch- 
ten zu erkennen. — Besondere Auszeichnung erlangte der 


— 12 — 


Grün-Sandstein der Gegend von Schandau. durch die in ihm 
hin und wieder, und selbst in gewisser Häufigkeit, enthal- 
tenen Versteinerungen. Ich erwähne, ausser Ostrea ca- 
rinata:Sow., Lam., Brosen.,;, Exogyra eolumba (Gry- 
phaea columba, Lam), Pecten aequicostatus, 
Lam, , besonders des Catillus latus Lam., von: welchen 
ich ein seltenes Pracht-Exemplar, zu erwerben Gelegenheit 
fand, 

Eine andere höchst denkwürdige Stelle der Schandauer 
Gegend ist Hohenstein, wo, wie bekannt, der Granit über 
Jurakalk gelagert erscheint, welcher auf Quader-Sandstein 
ruht. Weiss hat uns eine genaue Schilderung von diesem 
wichtigen Orte geliefert *). Die ‘Verhältnisse des Granits 
gegen den Grün-Sandstein sind, nach Beobachtungen von 
B. Cotta, zwischen Zohmen unfern Pirna und ZTZaubitz in 
Böhmen durchaus die nämlichen: Überlagerungen des Gra- 
nits über dem Sandstein, und Einlagerungen von Gliedern 
der Jura-Formation zwischen beiden. Die Durchschnitts- 
Zeichnungen Fig. 1, 2, 3 und 4 auf Taf. II. stellen jene 
Beziehungen in der Nähe von Zohenstein auf das Deutlich- 
ste dar, und allen liegen bergmännische Arbeiten zum 
Grund; so dass die Angaben vollen Glauben verdienen. Die 
Verhältnisse, wie man solche in Fig. 1 sieht, wurden durch 
die Versuchs-Rösche im Kohlicht aufgeschlossen, jene in 
Fig. 2, durch die Versuchs-Rösche im Schielza-Graben ; was 
die Fig. 3 und 4 zeigen, ist ostwärts von Hohenstein wahr- 
zunehmen, die erste Stelle liegt 1 Stunde entfernt, die zweite 
nur 3 Stunden ®*). Ähnlich im Ganzen sieht man auch die 
Beziehungen zwischen Granit, Jura-Gebilden und Grünsand- 
stein in einem unterirdischen Steinbruche, welchen ein Pri- 
vatmann ganz in der Nähe von Hohenstein betreiben lässt. 


*) Kırsten, Archiv für Bergb. XVI. B. S. 10 ff. 
' = Hr. Dr. Corraı hatte die grosse Gefälligkeit, die Aufnahme für 
mich an Ort und Stelle zu machen. | 


- ws 


Hier treten‘ die Kalksteine' reiner und mächtiger auf, und 
enthalten sehr viele Versteinerungen. — Was die im Jura- 
kalke dieser denkwürdigen Stelle eingeschlossenen fossilen 
Reste: betrifft,; so beziehe ich mieh auf den Ausspruch des 
Herrn Grafen’'von Münster. Er sagt in einem unter dem 
32: Dezember 1IS33 an’ Herrn Professor Bronn erlassenen 
Schreiben: . 

'„Nachdem ieh schon im - September 1829 für den VII. 
Bd. von Kererstein’s Deutschland die Versteinerungen im 
Jurakalke von Hohenstein aufgezeichnet, hatte ich 'Gelegen- 
heit, noch'' mehrere derselben zu erhalten und im Septem- 
ber d. J. viele in der' ausgezeichneten Sammlung Corra’s 
zu Tharandt, und: der Lokal-Sammlung des kürzlich ver- 
storbenen Barorns von ObELesEN, zu untersuchen, wodurch 
ich in meiner früheren Ansicht im Allgemeinen zwar be- 
stärkt worden bin; nur dass ich jene Schichten jetzt nicht 
mehr‘ den untersten ‚Lagen ‘der eigentlichen Jura-Forma- 
tion, dem ‘Under oder .Inferior Oolite der Tingländer - 
allein, sondern den unteren und mittleren Lagen der 
Jura-Formation zuschreibe. Das Bruchstück von Pla- 
giostoma, welches Sie von da besitzen, würde sich, wenn 
es vollständiger wäre, wahrscheinlich als von Pl. cardii- 
formis Sow. Taf. 114, Fig. 3 aus dem Great Oolite Eng- 
lands (und dem hiesigen dichten Jurakalke) erkennen las- 
sen: Ich habe diese Art wenigstens in Obki&ssn’s Samm- 
lung gefunden. Sie ist den P. spin osum sehr ähnlich. 
Das Verzeichniss der Versteinerungen würde, wie folgt, zu 
vervollständigen seyn. 

1. Ammonites planulatus v. Scur, ®. 
2. — bipunetatus v. Scur. (A. biarmatus Sow. + 

A. longispinus Sow. Tab. 501, Fig. 2, wovon die 

erste Form im untern Oolith, die zweite im dichten 


*) Besitze ich ebenfalls von diesem Fundorte, ..  BronN. 


- mi = 


Jurakalk vorkommt.. Auch A, bispinosus Zier. 
Tab. XVI, Fig. 4). Ina 

3. Ammonites Parkinsonii Sow. 

4 — annularis Rem. Tab. VI, Fig. 56 (Zier. Tab. X. 
Fig. 10.), welcher häufig im Oxrford-clay von Raben- 
stein, Thurnau, Langheim, Utzing und im Württembergi- 
schen bei Gammelshausen vorkommt. : 

5. — coronatus v. SchL., welcher in Baiern. in. dich- 
tem Jurakalke, immer in Orford-clay und unterem Ooli- 
the, ebenso im untern Oolithe, aber kaum: im Lias 
Württembergs vorkommt, wo ihn Zıeten anführt.. 

6. Terebratula bicanaliculata v. Sen. (T. biplicata 

. Sow. Tab. 437, Fig. 3.) Zıer. (Tab. 40. Fig. 5. var.), 
auch im untern Oolith und dichten Jurakalke Württem- 
bergs und Baierns. Eine sehr ähnliche Art, die aber 
stets kleiner bleibt, weit stärkere und tiefere Falten 
hat und nie in vorige übergeht, findet sich in der 
Kreide-Formation von Neufchatel und im  Greensand 
Englands *). Ä 

7. — bisuffarcinata v. Scnz. Zuer. Tab. 40, Fig. 3. 
(T. perovalis Sow. Taf. 436, Fig. 3), findet sich 
sonst auch in der obern und untern Jura-Formation 
Nord- und sSüd-Deutschlands und im Under Oolie 
Englands. 

8 — cornuta Sow. Taf. 446, Fig. 4. Im Jurakalk 
Baierns und im Great Oolite Englands. 

9. — plicatella Sow. Taf. 503. Fig.1. In den unteren 
und mittleren Lagen des Jurakalkes in Baiern und im 
Inferior Oolite von England. 

10. — trilobata Mönsr. Zıer. Taf, 42, Fig.3. Im obern 
Jurakalk Baierns, und im Jurakalk und Oxford-clay 
Württembergs. 


*) Diese Art aus Englischem Grünsande, die sich auch zu Essen 
wiederfindet, kommt viel besser mit der in Württembergs und 
Baierns Jurakalke gewöhnlichen Form, so wie mit jener von Ho- 
henstein, als mit der Neufchateler überein. Bronm. 


11. 


12. 


13. 


— 1235 — 


Terebratula inconstans Sow. Taf, 276, Fig. 3, 4. 
(T. dissimilis v. Schr. und T. difformis Zur. 
Taf. 42, Fig. 2). Im Jurakalk Baierns und Württem- 
bergs, und im Ocrford-clay Englands. 

Gryphaea gigantea Sow. Taf. 391. Im Iron shot 
oder Inferior Oolite Englands. 

Trigonia costata v. Scur., Sow. Taf, 85, Zıer. 
Taf. 58, Fig. 5. Im untern Oolithe Baierns, Würt- 
lembergs, Englands, und im schwarzen Jurakalk der 
Weser-Kette. | 


14. — clavellata Sow. Taf. 87, Zıer. Taf. 58, Fig. 3. Im 


15. 


16. 


17. 


18. 


19. 


20. 


21. 


9) 


23. 


24. 


‘ untern Oolith Baierns, Württembbergs und Englands. 


Pholadomya acuticostata Sow. Taf. 546, Fig. 


1,2. Im schwarzen Jurakalk der Weser-Kette bei 


Lubbeke und bei Brora in Yorkshire; dann zu Sio- 
nesfield. | 

— clathrata Münst,. (De 1a Becug übers. v. DecHEN 
S, 394). Im mittlern Jurakalk Baierns und Würt- 
tembergs. 

Cucullaea oblonga Sow. Taf. 206, Fig. 1, 2. Im 
untern Oolithe Englands und Baierns. 

Modiola euneata Sow. Taf. 211, Fig. 1. Im /n- 
ferior Oolite Englands, Baierns, Württembergs. 
Nautilus sinuosus Park. In dichtem Jurakalke 
von Streitberg und Muggendorf. 

Trochus speciosus n. sp., in den untern Schich- 
ten des Bairischen Jurakalkes. 
Pleurotomaria ornata $ Derr., Zırt. Taf. 35, 
Fig. 5. im untern Oolith von Aalen und Frankreich. 

— decussata Münst. n. sp., eben so zu Rabenstein 
und Thurnau. 

Cidarites maximus Miünst., Goror. Taf. 39, 
Fig. 1. In den obersten und untersten Lagen der Ju- 
ra-Formation Baierns. 

Galerites depressus Laux,, Goror. Taf. 41, Fig. 3. 
Ebendaselbst. i 


— 126 — 


25. Zähne und Gaumenstücke einer, Sphaerodus-Art, die 
auch im Jurakalk der Weser-Kette am ee Berg 
vorkommen. 

Endlich Serpuliten, Zanplinig Holz, zum Theil 

als Steinkohle u. s, w.*).“ 

Unter den vielen, für‘ den Geolagsh “wichtigen, Dasli 
ten der reizenden Umgebungen von Dresden; zog mich be- 
sonders der Plauen’sche Grund: und das Tharandter‘ Thal 
an. Geführt. von einem jungen, ‘mir überaus werthen 
Freunde, dessen schöne Kenntnisse der Wissenschaft reiche 
Erndte bringen werden, wurde es. mir leicht, in :der-kur- 
zen Zeit weniger Tage, mich mit den bedeutendtsten Phäno- 
menen durch eigene Ansicht vertraut: zu: machen. | ‚Ich sah, 
geleitet von Dr. B. Cotra: die schönen Gänge von ‚Augit- 
Porphyr in Syenit an der‘ Königs-Mühle im Plauen’schen 
Grunde; den Durchbruch des Augit-Porphyrs zwischen dem 
ältern Kohlen-Gebilde und dem Syenit am Sauberge; den 
Feldstein-Porphyr, welcher. zwischen dem Weissritz-Thale 
und dem Zeisiggrunde oberhalb Tharandt, durch Gneiss und 
durch Thonschiefer, oder vielmehr an der: Grenze beider 
Gesteine emporgestiegen ist**); an der Ober-Mühle wurde 
der sogenannte Kalkofen besucht, wo körniger Kalk un- 
ter besonders Beachtungs-werthen ' Beziehungen auftritt 
u. sw, — Ich kann mich, was alle: diese: interessanten 


*) Ausserdem habe ich .noch eine, wie ich glaube, neue schöne Spa- 
tangus-Art von da. Bronn. 

“**) Nach Mittheilungen von B. Corrı hatte ich schon früher (Lehr- 
buch der Geologie, als Beitrag zur Naturgeschichte der drei Rei- 
che, Stuttgart; 1833, S. 181) Gelegenheit, der wichtigen Erschei- 
nungen zu erwähnen, welche mit dem Auftreten dieses Porphyrs 
verbunden sind. Es wird die plutonische Masse nämlich auf jeder 
Seite von einem\Konglomerat begleitet, das bei ihrem Hervortre- 
ten entstanden ist. An‘der Grenze des Porphyrs und: des Thon- 
schiefers sieht. mau. .die .Breccie aus Thonschiefer- und Porphyr- 
Bruchstücken zusammengesetzt, gebunden durch porphyritischen 
Teig; längs der Berührung des Porphyrs und des Gmeisses aber 
tritt ein Trümmer-Gestein auf, das aus’ Gneiss-Fragmenten be- 
steht, welche durch Porphyr-Masse verkittet werden. 


—- 17 — 


Thatsachen betrifft, um so mehr auf blosse Andeutungen 
beschränken, da wir.sehr ‚bald eine umfassende geogno- 
stische Beschreibung der Umgegend von Tharandt 
durch B. CorrTA zu erwarten haben, 

Von Dresden wendeten wir uns zunächst nach Wein- 
böhla, um die höchst wichtigen Verhältnisse zwischen Sye- 
nit und Plänerkalk zu sehen, durch. deren Auffindung und 
Untersuchung Herr Professor Weiss sich so. verdient ge- 
‚macht *). Endlich gelangten wir zur Stelle, deren. nähere 
Schilderung Absicht dieser Mittheilung ist, nämlich. nach 
Zscheila (Zscheilau). Man gestatte mir, die einfache Erzäh- 
lung gesehener Phänomene mit Wenigem zu. bevorworten. 

Als die Spanischen Bergwerks-Offiziere, die Herren 
von EZQUERRA, von Amar und von Bavuza, in Heidelberg 
verweilten, war Zscheila oft Gegenstand unserer ÜUnterre- 
dungen. Herr von EzavzrrA namentlich erzählte mir, wie 
durch einen eben so genauen als unbefangenen Beobachter, 
durch Herrn Prof. C. Naumann von Freiberg, daselbst Plä- 
nerkalk-Bruchstücke eingeschlossen in Granit 
gefunden worden sseyen. Indessen wurde die Sache von 
anderen Seiten her in Zweifel gezogen; man berief sich 
selbst auf eine, aus Sächsischen Mineralogen, Geognosten 
und Bergleuten. zusammengesetzte, Kommission, welche, 
nach an Ort und. Stelle vorgenommerer Untersuchung, der 
Meinung gewesen: es sey der Plänerkalk auf Gangspalten 
in den Granit eingedrungen. — Die Erscheinung, wie sol- 
che Naumann sehr richtig aufgefasst hatte, konnte übrigens 
für den Unbefangenen, nach dem was durch Weiss über 
Weinböhla bekannt geworden, nichts Befremdendes darbie- 
ten; war der Syenit bei Weinböhla durch Plänerkalk-Ab- 
lagerungen emporgestiegen, ‚und lag nun stellenweise als 
Decke über denselben, so konnte. bei Zscheila ebenso gut 
Granit durch jene eg Gebilde aufgedrungen seyn, 


*) Karsten, Archiv fi Bergb. XVI;.B. S. 3 ff., und Karsten, Archiv 
f. Mn, LBS. 155 &. 


— 13 — 


und Bruchstücke derselben als Einschlüsse enthalten. Man 
müsste denn, mit den wenigen Anhängern der neptunischen 
Hypothese, die Phänomene unfern Weinböhla für „Über- 
rollungen des Syenits über den Plänerkalk«, 
oder für „Unterwaschungen des Syenits und Ein- 
spülungen des Plänerkalkes“ zu betrachten ‘für 
gut finden, und sich auf solche Weise beruhigen. 

Herr von Ezaverra hatte — zur Zeit da er, mit sei- 
nen Landsleuten, geognostisch - petrefaktologischer Studien 
wegen, bei’ uns in Heidelberg lebte — Zscheila noch nicht 
selbst gesehen. Ich bat ihn darum als er, dem ausdrückli- 
chen Befehle der Spanischen Regierung gemäss, von hier 
mit seinen Begleitern nach Sachsen zurückkehren musste, 
an Ort und Stelle sich zu begeben, und mir von dem, was 
er sehen würde, Nachricht zu ertheilen. ‘‘'Unter dem 8. 
November 1832 schrieb mir der werthe Freund aus Fre- 
berg: „Sie erhalten anbei ein Bruchstück der Plänerkalk- 
Breccie aus dem Granit mit Terebratula biplicata, 
und ein Stück Granit mit einsitzender ähnlicher Breceie, 
beide von Zscheila. An derselben Stelle, wo Herr Prof. 
Naumann im Jahr 1830 die kalkigen Einschlüsse im Granite 
fand, sah ich ähnliche Erscheinungen vor wenigen Wochen; 
eines der von mir beobachteten Fragmente misst 2 Leipziger 
Fuss Länge. Am Granit selbst habe ich mehrere deutliche 
Rutsch- (Reibungs-) Flächen wahrgenommen“. 

Meine Reise -Genossen — Professor Karr, Dr. CorTTA 
und mein Schwager, Dr. R. Brum — und ich fanden, ob- 
wohl erst nach einer Stunde vergeblichen Suchens, die Stelle; 
denn sie war uns ganz im Allgemeinen bezeichnet worden, 
als „in der Nähe des Weges, welcher die Kinder vom nahen 
Dorfe zur Schule führt“ befindlich. — Am südwestlichen 
Abhange der granitischen Höhen, unmittelbar neben dem 
Kirchwege von Nieder-Fehre (oder Fähre), Meissen gegen- 
über, nach Zscheila, da wo jener Weg in einer kleinen 
Schlucht an dem ziemlich steilen Hügel hinanzieht, welcher 
die Kirche trägt, ist das Phänomen beobachtbar. Ein 


— a3 — 


Blick auf Fig, 1., Taf. IV., wird zureichen, um dem Leser 
ein Bild von den Umgebungen zu verschaffen*). Die Massen 
des Hügels, die steilen Felsen zur Seite, bestehen aus Granit, 
der, nach allen Merkmalen, zu den jüngern oder jüngsten 
Abänderungen dieses Gesteines zu gehören scheint. Er ist 
von grobem Korne, sehr reich an Feldspath, der häufig 
mehr oder minder zersetzt und zu Erdigem umgewandelt 
ist, und wird hin und wieder von sehr schmalen graniti- 
schen Adern, oder von Feldspath-Schnüren durchzogen. Nur 
an wenigen Stellen neigt sich das granitische Gefüge zum 
Gneiss-artigen. Die Kirche von Zschesla ruht auf Pläner- 
kalk, der zu dieser Höhe durch den emporgestiegenen Granit 
gehoben wurde; auch im Norden der Kirche findet man 
jenes Gestein, und ausserdem, einzeln auf den Feldern um- 
herliegend, grosse Blöcke harten Sandsteins; dass sie von 
der den Pläner unterteufenden @uader-Sandstein-Formation 
abstammen, ist sehr glaubhaft. 

Um deutlicher sehen zu können, liessen wir vor Allem 
die ganze Stelle, den Gegenstand unserer Untersuchung, 
mit Wasser abspülen. Nun zeigten sich, auf unzweideutig- 
ste Weise, mehrere eckige Plänerkalk-Bruchstü- 
ecke von verschiedener Grösse im Granit und zwar 
ringsum eingeschlossen; (a, Fig. 1. T£. IV); nichts erin- 
nerte, auch nur im entferntesten, an Gang-artige Spalten, wel- 
che das kalkige Gebilde durch Infiltration aufgenommen hätten ; 
die Bruchstücke ragten wenig über die granitische Oberflä- 
che hervor, während sie, ich wiederhole es absichtlich, 
nach allen andern Seiten von frischem Granite 
umgeben waren. Dass mit den gewöhnlichen Geräth- 
schaften des reisenden Geognosten hier nichts auszurichten 
sey, weder um die Kalk-Einschlüsse mehr frei zu legen, 
noch weniger um zu Handstücken gelangen zu können, diess 


*) Hr. von Ezquerra entwarf mir die Skizze in einem seiner Briefe; 
ich benutze dieselbe, da sie alle wesentlichere Verhältnisse deut- 
lich darstellt. 


— Mi). 


sahen wir sogleich; es wurden daher am Morgen des fol- 
genden Tages, dürch einen Steinbrecher aus Meissen *), zwei 
Schüsse 'weggethan. Von den Erscheinungen, welche sicht- 
bar wurden, folgt nun ausführliche Rechenschaft ="). 

"Es boten sich unserem Blicke — nachdem die Stelle 
abermals durch Abspülung mit Wasser gereinigt worden — 
die unteren Hälften von drei Plänerkalk - Bruckstücken im 
festen 'granitischen Gesteine sitzend dar. (Fig. 2 auf Tafel 
IV). Diese Trümmer — deren grösstes 2 Fuss Länge und 
4 bis 6 Zoll Breite hatte — waren dem Granite in dem Grade 
verbunden, oder vielmehr verschmolzen, dass man mit 
grösster Leichtigkeit Handstücke schlagen konnte, zur Hälfte 
aus Granit, zur Hälfte aus Plänerkalk bestehend. | 

Der Kalk der eingeschlossenen Bruchstücke — wie es 
alles Ansehen hat meist von den tiefsten sandigen Lagen 
des Pläners herrührend ***) — enthält Versteinerungen in 
grosser Menge, und nur solche, welche als der Kreide- 
Formation zugehörend bekannt, ja für dieselbe charakte- 
ristisch sind. Mein Kollege Bronx hat die Gefälligkeit ge- 
habt, alle durch mich von Zscheila mitgebrachte, fossile 
Reste enthaltende, Handstücke genau zu untersuchen. Nach- 


> Ich glaube Menoralopen: welche nach uns die Stelle besuchen 
wollen, keinen unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich ‘den 
Namen des Mannes beifüge, da er die Örtlichkeit genau kennt; 
er. heisst KersT, und ist im Gasthause zum Hirsch in Meissen 2 zu 
erfragen. 

®=) Wir kamen überein, meine Reise-Gefährten und ich, dass elle: von 
uns, Alles, was ihm Denkwürdiges vorgekommen, aufzeichnen 
solle; die durch mich verfasste. Zusammenstellung ist. also gewis- 
sermassen als ein Gemeingut zu betrachten, an welchem Dr. Corra 
wesentlichen Antheil hat, denn von ihm erhielt ich, unmittelbar 
nach meiner Heimkehr eme sehr umfassende schriftliche Mit- 
theilung. 

***) an unterscheidet beim Sächsischen Pläner, wie bei der red. 
drei Lagen: eine obere mehr thonige, eine mittlere, die am mei- 
sten kalkig ist, und eine untere, die sandige. Becerxer’s Beschrei- 
bung des Plauen’schen Grundes enthält manche genaue, den Plä- 
ner betreffende Angaben, die verglichen zu werden verdienen. 


_ Mi 


stehend schalte "ich seine Äusserung über dieselben wört- 
lich «ein. 
„Die Versteinerungen von Zscheila lassen nur schwie- 
rig eine Bestimmung zu, weil sie nicht leicht aus dem Ge- 
steine"ausgelösst werden können. Innen enthalten sie eine 
weissliche «weiche, 'Kreide-artige Masse, aussen aber sind 
‚sie fest mitidem’ sehr harten, mit vielen Geschieben durch- 
mengten, oft Feuer gebenden Gesteine von grauer, oft et- 
was röthlicher, violetter u. s. w. Farbe verwachsen. Die 
Schalen der Terebrateln und der ‘andern’ fossilen Körper, 
‘ die Oberfläche ihrer Steinkerne und ihrer Eindrücke, sieht 
man‘ häufig‘ mit‘ einer dünnen Rinde von Eisen-Silikat be- 
kleidet. Was ich von Petrefakten vorgefunden, lässt sich 
jedoch auf folgende Arten zurückführen: 
1 Turitella$ 
Drei Kerne von‘ einem ' verlängerten, 'Thurm -förmigen 
" Konehyle.:' Einer derselben hat von der’ Spitze an ab- 
wärts 0%,030 Länge auf 0,010 unterer  Dieke mit 5—6 
Umgängen; der: zweite 0w,023 Länge mit'5 Umgängen; 
"der dritte besitzt’ nur noch die drei unteren Umgänge mit 
0,020 Länge und 0,015 unterer ‘und 0,010. oberer Dicke. 
Die Umgänge der Kerne sind sehr konvex, im Durch- 
‘'sehnitte fast ganz rund. Die der‘ Schale selbst sind es 
fast eben so sehr, da sie durch: eine tiefe Furche von 
einander getrennt sind. Das zweite Exemplar allein zeigt 
den Abdruck eines Theiles ‘seiner Oberfläche,‘ welche 
völlig glatt ist. Dieses ungewöhnlichen Charakters unge- 
‚achtet kann ich eine nähere Bestimmung des Geschlech- 
tes und der Art nicht wagen. 
I. Trochus. 
Ein Kern, welcher auf 0,025 unterer Breite etwa 0,023 
Höhe bis zur Spitze, besitzt, und 4 sehr plattgedrückte 
Umgänge hat. Der unterste derselben hat einen grossen 
Theil des äusseren Abdruckes der Schale hinterlassen, 
deren Oberfläche fast glatt gewesen zu seyn scheint. Sie 
war ganz flach, an allen Umgängen gleichmässig abfallend, 


- 142 — 


diese nicht durch eine Vertiefung an der Naht getrennt. 

Auch erscheint die Unterseite der Schale des. vorletz- 

ten Umganges selbst, welche Spiral-förmig gestreift ist. 

Alle diese Merkmale stimmen völlig mit denen des Tro- 

chilites nilotieiformis Sc#LoTH., und: nur allein 'mit 

diesem überein, welcher in der Kreide ‚von Rouen, 

Aachen, Dünemark, Westphalen u. s.: w. sehr verbrei- 

tet ist. 

II. Pecten. fl 

1) Eine ‚Art, welche etwa 0,031 Höhe‘ auf 0,032 Breite, 
neben und unten einen fast Kreis-förmigen, 'gekerbten ® 
Umriss, S—9' breite, flachgewölbte, mit je 3. scharfen 
Furchen auf dem Rücken eines jeden und mit ebenso 
vielen in den Zwischenräumen zwischen je zweien der- 
selben besitzt. Auch zeigen sich Spuren von ‚schwa- 
cher @ueerstreifung. Diese Art steht dem P. quin- 
quecostatusSow. nahe, jedoch ist die einzige Klappe 
flacher als dessen untere, und konvexer als dessen obe- 
re Klappe. Es istP. deecemcostatus v. Münsr. Goror. 

2) Eine sehr flache und längliche Art scheint nicht sel- 
ten zu seyn, welche bei vollständiger Breite über 40 
feine, aber scharfe, fein gekerbte, strahlige Längen- 
streifen besitzt, zwischen je zweien, von welchen ge- 
wöhnlich noch ein feinerer, 'ebenfalls gekerbter, befind- 
lich ist. Sonst ist‘ die Schale fast platt, und von ei- 
nem Ohre nichts zu sehen. Die Höhe ist ungefähr 
0,035 auf 0,030 Breite.. Diese Art scheint recht wohl 
mit Nıusson’s P. serratus aus Schwedischer Kreide 
übereinzustimmen. 

3) Eine kleinere Art hat den untern Theil einer ebenfalls 
länglichen, noch. feiner gestreiften Klappe zurückge- 
lassen. 

4) Eine andere den Abdruck einer noch länglichern 
Klappe, aber mit gröberer Streifung als Nr. 2. 

IV. Terebratula. 
1) Eine sehr unvollständige, breite, dicke Art mit abge- 


—- 143 — 


rundeten Strahlen, welche nach dem, was davon erhalten 
ist, vielleicht mit T. ala Darm. (T. alata Nırs,) ver- 
glichen werden könnte. 
2) Terebratula 8 oetoplieata Sow., die sonst auch 
in Englischer,; Französischer, Westphälischer Kreide und 
: ‚in, Böhmischem Plänerkalk vorkommt. - | 
3) Eine kleine fast Kugel-förmige Species mit u) 20-40 
Strahlen und sehr spitzem Schnabel und feiner ‚Schna- 
bel-Öffnung; ‚welche völlig ‘mit ‚meiner, .T. parvirost- 
ris übereinstimmt, die sonst in,.der Kreide von Bochum 
in Westphalen und im Pläner von Sirehla bei Dresden 
... vorkommt. 
-ı4) Terebratula biplicata Sow. in 2 Abdrücken, die 
sonst auch-im Grünsand von Zssen in Wesiphalen und 

in England vorkommt. Ä 

5) Eine glatte Art scheint T, semiglobosa-Sow. zu 
seyn,..die ausser der Englischen und Französischen 

Kreide auch‘ im‘, Plänerkalk von Strehla bei Dresden 

gefunden worden ist. 

Unter: diesen fossilen Resten halte ich die Terebra- 
tula biplicata Sow., den Trochilites nilotieifor- 
mis v. Schrortu., ‚und die Terebratula parvirostris 
für die deutlichsten und bestbestimmten, so dass ich in 
zweifelhaftem Falle sie für genügend halten würde, die Ge- 
birgsart für ‚ein Glied der Kreide-Formation anzusprechen; 
obschon beide Terebratel-Arten. viele Ähnlichkeit mit eini- 
gen Arten.des Jura-Gebildes besitzen“. 

Was’ die Kalk-Masse betrifft, so ist diese meist unge- 
wöhnlich fest, dicht, zumal in ihren dunkelgrau oder braun- 
gefärbten Theilen. Sehr oft sieht'man darin, und stellen- 
weise in grösster Häufigkeit, kleine, lebhaft glasig glänzende 
Quarz-Körner, auch ist der Kalk fast immer durch die be- 
kannten schwärzlich-grünen Punkte und Körnchen von Ei- 
sen-Silikat — Grünerde- oder Chlorit-Ähnliches — bezeich- 
net. Dunkelgraue Trümmer des dichten Plänerkalkes, mit 

Jahrgang 1834. 10 


-_ m — 


scharfen Umrissen und mit vielen grünen Punkten liegen, 
Brekzien-artig, indem lichter gefärbten, 'an''Grüserde- 
Theilchen und an @uarz-Körnern überreichen ‘Plänerkalk, 
und in solehen Bruchstücken‘ finden: sieh "zuweilen ' kleine 
rundliche Parthieen 'krystallinischen Kalkspathes iund :eckige 
Quarz -Körner eingeschlossen. Auch Theile “reinen 'glän- 
zenden F a en unter- ähnlichen Verkältnis- 
sen vor! vera 

Der Granit, Be die Broöhierneile sure Aslhesst, 
zeigt sich, in der Runde‘ um dieselben; ‘in höheren und ge- 
ringeren Graden ee man erkennt "eine. bald mehr, 
bald weniger deutliche, 4 bis 1 Zoll starke Kontakt-Rinde, 
die durch ihre braune; voh "Eisenoxyd-Hydrat ‘herrühren- 
de‘ Färbung auffallend: ‘gegen die“übrige ‘granitische Masse 
absticht. An der Grenze sind gewöhnlich’ Grünerde-Theil- 
chen in den Granit eingedrungen; mitunter erscheintderselbe, 
auf einen Zoll weit und mehr, von solehen grümen Punkten 
wie durchsäet. — Die Scheidung beider Gesteine ist theils 
scharf und bestimmt, selbst ziemlich geradlinig, 'theils(aber 
auch höchst ungleich ; das Granitische ‘drang’ stellenweise in 
das Kalkige ein und umgekehrt; 'beide ’stellen sich; mit‘ ‚ein: 
ander verflochten dar. Kleine Granit-Trümmer: liegen hin 
und wieder 'ganz umschlossen in den Plänerkalk-Fragmenten; 
sie haben in der Regel vielen Kalk-Gehalt in sich aufgenom- 
men, wie’ das’ lebhafte Aufbrausen 'mit Säuren »darthut. Die 
kleinen ‘gränitischen ‘oder Feldspath-Adern, von''welchen im 
Worhergehenden gesagt worden, dass sie'die "Granit-Masse 
durchziehen, erscheinen an den eingeschlossenen 'Plänerkalk- 
Sticken bald wie abgeschnitten, bald’ sind 'dieselben'mehrere 
Linien weit in das Kalkige vorgedrüngen. ; 
Ehe wir versuchen, ‘aus den erzählten This all- 
gemeine Schlüsse abzuleiten, wie sich‘ solche bei ruhigem 
Nachdenken und Vergleichen darbieten, wird: 'es nothwen- 
dig seyn, einen Blick auf Weinböhla ‘zu werfen.‘ In den 
dasigen Kalkbrüchen liegt der Syenit augenfällig auf dem 


— 15 — 


Plänerkalk *); die Erscheinungen sind im Ganzen dieselben, 
wie solche Weıss, mit der ihm eigenen Klarheit und 
Genauigkeit, beschrieben, einige wenige Thatsachen abge- 
rechnet, welche der wvorgeschrittene Steinbruchbau auf- 
gedeckt hat **), 

Im Pläner erkennt man Spuren gewaltsamer Erschüt- 
terungen, welche er erlitten. Nahe beim Syenit. ist das 
Gestein von unendlich vielen Reibungs- oder sogenannten 
Rutsch-Flächen durchzogen, welche fast alle gegen den 
Syenit geneigt sind; und ausserdem. zeigt sich. dasselbe 
durch Spalten getheilt, deren Hangendes in der Regel um 
etwas an dem Liegenden in die Höhe geschoben ist, 'wie.man 
diess, besonders im Ecker'schen Steinbruche, an den ab- 
wechselnd mehr und minder mächtigen Schichten und an 
den Rutsch-Flächen beobachten kann, welche sich auf: den 
Klüften ‚finden. Auch diese Klüfte sind gegen den Syenit 
geneigt... Ferner ist, so zumal in dem Königlichen Stein- 
bruche, ungemein deutlich wahrzunehmen, wie Plänerkalk- 
Massen ‘an einander hin und her, und theilweise aufwärts 
geschoben worden (Fig. 3 auf Taf- IV.). Der Syenit, der auf 
dem Plänerkalk liegt, wird an mehreren Stellen von Granit-Gän- 
gen durchsetzt,idie fast bloss aus Feldspath und Quarz bestehen, 
und‘ offenbar jüngerer Entstehung sind, als der Syenit. Anden 
Sahlkändern ' dieser Gänge, — sie haben ‚eine Mächtigkeit 
von 14,bis 2: Fuss, — sieht man, zumal im.Liegenden, ein 
auffallendes : Kontakt-Produkt, meist, Eisenoxyd mit einge- 
backenen.' Stücken ‚des benachbarten Gesteins. . Ferner. ist 
der Syenit. in.ider Nähe ‘jener Gänge sehr. zerrüttet und 
oft in eine Art Reibungs-Konglomerat umgewandelt, das aus 


dm 


*) Man vergleiche: die sehr getreuen bildlichen Darstellungen, welche 
Hr. Hofrath Carus entworfen und die von Hrn. Prof. Weiss (a. 0, 
a. ©. Taf. VI und VII) mitgetheilt worden, 


9» Hr. Prof. Reıcn zu Freiberg sah — so erzählte man uns in Sach- 
sen — bereits 1818 die Auflagerung des Syenits auf Pläner bei 
Weinbühla. 


10 * 


— m — 


Granit- und Syenit-Trümmern besteht. Zwischen dem Sye- 
nit und dem Plänerkalk zeigt sich — besonders deutlich im 
grossen Bruche neben dem Kunst-Gestänge — ausser dunkel- 
farbigen Thonlagern, ein Trümmer-Gestein, dessen Binde- 
mittel thonige Kalkmassen, und dessen Einschlüsse (um 
nicht Geschiebe zu sagen) gewöhnlich sehr rundliche Gra- 
nitstücke sind, von ‘derselben Beschaffenheit, wie die oben 
beschriebenen granitischen Gänge. Die Granitstücke enthal- 
ten oft Eisenkies in kleinen ‚Krystallen und eingesprengt, 
auch sind dieselben mitunter zerklüftet, und auf den Kluft- 
wänden von Kalkspath- und Bitterspath-Krystallen bedeckt. 
Dieses Konglomerat findet sich nicht nur zwischen Syenit 
und 'Plänerkalk, sondern auch als Hacken-förmige Masse 
von ’5 bis 6 Fuss Länge (Fig. 4 auf Tafel IV.) in den Sye- 
nit’ hineingedrängt. Zwischen dem Syenit, und dem unter 
ihm liegenden Plänerkalk, erscheint an dieser ‘Stelle eine 
kalkig-bituminöse Schicht — schwarze Lage nennen'sie 
die Arbeiter —; auch dringen hier, wie an andern Orten, 
wo Syenit und Zum einander Ver Be 'Quel- 
len hervor. 

Diess waren die Erscheinungen, welche wir bei Wein- 


- böhla wahrnahmen. Dr. CortA, unser Führer, hatte die 


Stelle wenige Wochen früher schon besucht,’ seinem geübten 


Blicke waren ‘die Thatsachen nicht entgangen 5 dureh ihn 


wurden wir aufmerksam auf die 'einzelnen’ Phänomene. Die 
Stelle, wo die  auffallendsten Störungen im’ Plänerkalk zu 
sehen waren, das Geneigtseyn ‘der Reibungs-Flächen gegen 
den Syenit u. s. w., befand sich leider in Abbruch, als wir 
Weinböhla besuchten *). 3, 41,0 
Der oben erwähnten schriftlichen ee die von 
uns gemeinschaftlich beobachteten  Thatsachen betreffend, 
fügte Corra noch einige Bemerkungen bei; sie gehen Phä- 


*) Hr. Prof. C. Naumann sah, seiner mündlichen Äusserung gegen 
Dr, Cotta zu Folge, diese Verhältnisse früher noch um Vieles 
deutlicher. 


— 147 — 


nomene an, welche er an andern, von mir nicht besuchten, Stel- 
len wahrnahm, verdienen aber jedenfalls mit Weinhöhla 
und Zscheila im Zusammenhange aufgefasst zu werden. 

„Hinter der Krähenhälte bei Plauen unweit Dresden 
enthält der Plänerkalk, welcher daselbst viele Versteinerun- 
gen führt, eine Menge eckige, zuweilen etwas verwitterte 
Syenit-Bruchstücke.* 

„Bei Koschitz, am oberen Rande des rechten Weissritz- 
Gehäunges, so wie in der Nähe von Dölischen — beide Orte 
liegen nicht fern von Dresden — findet man, zwischen Plä- 
nerkalk und dem auf Syenit ruhenden @uader -Sandsteine 
eine mächtige Konglomerat-Schieht, deren Bindemittel gegen 
die Tiefe hin sandig, nach oben aber kalkig ist, während 
die Geschiebe derselben nichts Anderes sind, als grosse völ- 
lig abgerundete und oft sehr verwitterte Syenit-Massen *).“ 

„Mit dem Elbe-Stollen, welcherdie Zaukeroder Kohlengru- 
ben lösen soll ="), und mit seinen Lichtlöchern hat man an 
mehreren Orten den Pläner und Quader-Sandstein bis auf 
den Syenit durchfahren, überall aber eine sehr ungestörte 
Auflagerurg, und das grobe Konglomerat — von welchem 
bei Kochitz und Dölischen die Rede gewesen — zwischen 
den Schichten des Sandsteins gefunden.“ 

Was nun die allgemeinen: Schlussfolgen betrifft, zu wel- 
chen die wahrgenommenen Thatsachen führen, so würde 
aus dem Umstande: 

dass, wie wir gesehen, dr Plänerkalk bei 
Weinböhla durch Syenit überlagert wird, 
und bei dessen Hervorbrechen manchfaltige 
Störungen erlitten hat, dagegen aber bei Plauen 
Syenit-TrümmerimPlänerkalk vorkom 


”) Schon in Beexers Beschreibung des Plauenschen Grundes (T£.II,S. 
8) hat Tauzer dieses Konglomerates erwähnt, auch ist dasselbe 
von ihm recht gut beschrieben worden. 

*) Fig. XXVII. auf Tf. III des, zur geologisch-geognostischen Ab- 
theilung der Naturgeschichte der drei Reiche gehörigen, Atlasses. 
stellt den Elbe-Stollen im Profil dar. 


— 148 — 


men, unfern Koschitz und Döltschen auch das 
letztere Gestein dem erstern aufgelagert ist — 
eine Thatsache, die durch die bergmännischen 
Arbeiten bei Zaukerode bestätigt worden, 

der sonderbare Widerspruch sich ergeben, dass der 
Syenit der Gegend von Dresden auf der einen 
Elbe-Seitejüngerals Plänerkalk sey, während 
derselbe auf dem anderen Stromufer dem @ua- 
der-Sandstein im Alter voranging e Al. 
lein dieser Widerspruch ist nur scheinbar. DBerück- 
sichtigen wir nun: 

die Granit-Gänge, welche den Weinböh- 
laer Syenit durchsetzen, so wie die Konglo- 
merate, vondenen obengesagtworden, dass sie 
zwischen Syenit und Plänerkalk auftreten, 
und beachten wir sämmtliche mit beiden That- 
sachen verbundene Erscheinungen; 

rufen wir uns alle bei Zscheila wahrgenom- 
menen Phänomene ins Gedächtniss zurück, und fügen 
dem noch bei, dass man: 

an den Felsen, welche sich links neben der 
Strasse von Meissen nach Dresden gleich 
oberhalb Niederfehreerheben, im Syenit- der 
weiterhin eine sehr scharfe Grenze gegen Porphyr zeigt — 
mehrere Granit-Gänge aufsetzen sieht, deren 
Masse zunächst jener vergleichbariist, wel- 
che die Gänge im Syenit bei Weinbdböhla bil- 
det *); so vereinigen sich alle einzelnen Beobachtungen zu 
einem schönen Ganzen, und diess um so mehr, wenn auch 
die, im Vorhergehendenberührten, Verhältnisse 
bei Hohenstein — die Überlagerung von Jura- 
kalk durch Granit — mit in den Bereich der aufzu- 
stellenden Schlussfolgen gezogen werden. 


*) Nur scheinen, so weit Beobachtung möglich, in der Nähe von Meis- 
sen die granitischen Gänge auf den Syenit weniger störend ein- 
gewirkt zu haben, als diess um Weinböhla der Fall gewesen. 


= MI — 


Die sehr ;wahrscheinlichen, ‚bei ‚genauer. Betrachtung 
sich ergebenden, Haupt-Resultate wären: folgende: 

„sÖL). In der Gegend um Dresden und Meissen. sind die 
‚Glieder. der Kreide-Gruppe — Grün- oder @uader-Sand- 
stein: und: Plänerkalk — jüngerer; Entstehung, als 
der Syenit, ‘denn sie erscheinen diesem plutonischen  Gebil- 
des; und: BE inhrreiseh sehr regelmässig, eufgelageihe Diess 
ergibt sich: | | 

+4. aus. den ‚lehrreichen Aufsohlüssen, elek 5: Elbe- 

‚Stollen dargeboten: Plänerkalk und @uader- Sandstein 

ns 'öwurden ‚in ungestörter, Wen über: Syenit ge- 

: fuinden; 

3% aus.den Verhältnissen um Koschilz und Dilischen, wo 

\s jene neptunischen Formationen von ihrer plutonischen Un- 

‚ senlage durch ‚eine. Konglomerat - Schieht getrennt wer- 
' dem, .deren‘ uns ‚bekannten: Beziehungen darthun, dass 

: Pläuerkalk und Quader-Sandstein über den verhandenen 

Syenit abgesetzt worden; auch sprechen dafür; 

8.1. die: syenitischen ‚Bruchstücke, welche der Plänerkalk 

bei Plauen in sich aufgenommen hat, 

/IRsi.Jener. Granit hingegen, welcher‘ bei. Zscheila Plä- 
nerkalk - Fraguiente unischliesst, der bei Nieder --Fehre und 
bei Weinbühla Gänge,im Syenit bildet, endlich ‘der ‘Granit, 
von dem der Jurakalk bei Hohenstein über den @uader- 
Sandstein ‚gehoben worden, ist jünger, nicht nur im Ver- 
gleich zum Syenit, sondern auch was den @uader- oder 
Grün- Sandstein ‘und den Plänerkalk betrifft. Es erscheint 
mithin als 'schr glaubhaft , Ä 2 
EN RUITT; dass dieser jüngere Granit bei Weimböhla den 
Syenit. ebenso Süßer den Plänerkalk geschoben habe, wie 
der Jurakalk bei Zohensiein von ihm über den @uader- 
Sandstein getragen worden seyn. dürfte. Die. geringe Mäch- 
tigkeit: der'Granit-Gänge im Syenit bei Weinböhla'; wie wir 
solehe oben angegeben, widerstreitet dieser Ansicht’ keines- 
wegs; jene Gänge sind nur Verzweigungen sehr mächtiger 
Granit-Massen, welche in grösserer Tiefe ihren Sitz haben. 


- 0 — 


IV. Hin und wieder ist der Granit, wie wir wissen, 
in Bomben -Form in den Plänerkalk eingedrungen, ‘um sich 
mit ihm zu einem Konglomerate zu vereinigen (Weinböhla.). 

V, Einzelne Plänerkalk-Bruchstücke sanken durch Zu- 
fall ziemlich tief in die granitischen Massen; dass es deren 
so weit die gegenwärtigen Beobachtungen reichen, nur we- 
nige sind, darf nicht befremden, denn‘ das Kalkige war 
spezifisch leichter, als der feuerig-flüssige Granit. Jene Trüm- 
mer schmolzen fest mit dem sie umgebenden Granit zusam- 
men; dabei konnten einzelne Theile ‘des Kalksteines zu 
Kalkspath umgewandelt werden *), während das’ Ganze 
seiner Masse an Härte bedeutend zunahm; einzelne krystal- 
linische Feldspath-Parthieen und zahlreiche Quarz - Körner 
drangen in das Kalkige vor, mit einem Worte: es traten al- 
le die Erscheinungen ein, welche wir geschildert, wie wir 
solche bei Zscheila zu sehen Gelegenheit hatten, :und wie 
eine Folge ausgewählter Handstücke zeigt, die wir an Ort 
und Stelle aufnahmen. 

VI. Auch die Gegenwart der Blöcke festen 'Sandsteins, 
von denen gesagt worden, dass man sie im Norden der Zschei- 
!aer Kirche einzeln umherliegend finde, erklärt sich leicht, 
wenn man den in ihrer Nähe anstehenden Granit - für jün- 
ger erkennt, als den @uader-Sandstein. 


Zum Schlusse noch eine Bemerkung von Corra. Die 
Verbreitung des Granits, welchem wir einen neuen Ursprung 
zuschreiben, ist ungefähr dem Elbe-Thale ‚parallel ; es dürfte 
daher die Emportreibung desselben wohl mit der Bildung 


jenes Thales im unmittelbaren Zusammenhange stehen, 


*) Man vergleiche, was ich über ähnliche Umwandelungen durch Ein- 
wirkungen basaltischer Gebilde in meiner Schrift über die Basalte, 
I.’ Abtkeil;,'S. 238 ff. mit ziemlicher Evidenz :dargethan zu haben 
glaube. 


Über 


das erste Lebensalter der Erde *) 


von 


Herrn Professor CHrRistian Kapp. 


„Es hbiesse den höheren Zweck eines wissenschaftlichen Er- 
„kennens, einer philosophischen Naturbetrachtung ver- 
„fehlen, wenn man sich mit den Einzelheiten sinnlicher 
„Anschauung, mit der rohen Anhäufung ausschliesslich 
„sogenannter Thatsachen ‘(des Wahrgenommenen,. Ver- 
„suchten und Erfahrenen) begnügte, und, so die Einheit 
„der Natur verkennend, nicht das Allgemeine und. We- 
„sentliche in den Erscheinungen vorzugsweise zu 
„erforschen suchte.“ ° 


Worte ALExANDER’s v. HumBoLDr, 


(Abhandl., Berliner Akad. 1827. 3. Jul. S. 295. ff. mit 
S. 305 f.) 


Die Entstehung und: Ausbreitung des  Menschenge- 
schlechts auf der Erde, der Anfang der Geschichte, 
ohne dessen Verständniss keine wissenschaftliche Geschichte 
möglich ist, bleibt ein Räthsel, wenn uns die verschiedenen 
Stufen und Wege verborgen sind, auf, welchen die Oberflä- 
che und Rinde des Planeten, ‚den wir bewohnen, ihre ge- 
genwärtige Gestalt und Ausbildung gewonnen. Die Reste 


*) Dieser Versuch einer neuen Lösung des Räthsels der :Geogonie 
bildet den Vorläufer einer kritischen Abhandlung über Erıe DE 
BeaumonT’s, J. Tuurmans’s und Anderer Ansichten von den ver- 
‚schiedenen Erhebungs-Epochen der bekanntesten Gebirgs-Systeme. 


— 152 — 


organischen Lebens, die sie enthält, die Folge der Pflanzen- 
und Thierarten, die wir in den verschiedenen Schichten der 
Erdrinde in mehr oder minder deutlichen Überbleibseln 
wahrnehmen, die Beständigkeit dieser Folge selbst da, wo 
die Symmetrie der einzelnen Reihen durch gleichzeitiges Auf- 
treten sehr verschiedenartiger, höher und tiefer stehender 
Organismen gefährdet *) scheint, so wie die Beständigkeit 
der Aufeinander-Folge verschiedener Felsarten unter allen 
Zonen, vorzüglich das sogenannte abnorme Auftreten jener 
massigen oder plutonischen Gebilde, die in verschiedenen 
Epochen auf ähnliche Art aufgestiegen, Alles dieses weckt 
das Interesse des denkenden Menschen und lässt ihn, bil- 
dend, in der heutigen Physiognomie der Erde und ihrer 
- Geschöpfe das Resultat von Ereignissen ahnen, deren gesetz- 
mässige Folge die belebte und beruhigte Weltgestalt ist, die 
ihm heute vor Augen liegt. Die Gesetze, unter denen diese 
Welt der Manchfaltigkeit sich ‘entwickelte, zeigen sich in 
der: Allgemeinheit, in .der sie. Alles durchdringen, höchst 
einfach und lassen das Band aller Dinge erkennen, welches 
den Reichthum des Weltalls in 'ewiger Harmonie erhält und 
selbst da sich offenbart, wo dem Auge, das gerne auf vor- 
übergehenden Erscheinungen weilt und ruht, die Ordnung 
einzelner Weltkörper auf Augenblicke gestört erscheint. 
Wie nach ALEXANDER von HumsoLpr jedes Bestreben 
des Menschen nach einem wissenschaftlichen Begreifen 
von 'Natur-Erscheinungen sein höchstes Ziel nur in dem 
klaren Erkennen unserer eigenen Natur erreicht**), so for- 
dern, auch umgekehrt, gleich die ältesten, meist'mythischen 
Spuren vom Anfang des Menschen-Geschlechtes. Jeden auf, 
über die älteren Geschöpfe, über die Arten,’ die erst 'nach 
der Entstehung des Menschen‘ oder schon vor derselben 
von der Erde verschwunden, “sich 'zu verständigen. ‘Die 
Frage nach der Schöpfung des Menschen schliesst sich dem- 


*) Vgl. Lyerr’s Geologie. B. I. | 
*") Abhandl. Berlin. Akad. d. 3. Jul. 1827. S. 315. 


— Ma 


nach 'an die Frage nach dem Untergang anderer Geschöpfe 
an, und diese steht in der innigsten Beziehung mit der Frage 
nach der Bildung: der Schiehten, die uns die Hieroglyphen 
dieser Vergangenheit in organischen Resten: aufbewahren. 

Je tiefer man in die Betrachtung dieser Verhältnisse 
eingeht, desto bestimmter dürfte man auf die Ansicht geführt 
werden, dass der Untergang solcher Organismen 
meist auf demselben Grunde beruht, aus dem 
die Bildung der Schichten hervorging, in wel- 
chen sich Reste von ihnen finden, ohne die wir 
nur eine hypothetische Gewissheit von ihrem vormaligen 
_ Daseyn haben würden. 

Man wird daher diesen Untergang, wie die Schöpfung 
neuer Reihen, als Folge tiefer Prozesse betrachten müs-: 
sen und das Lebensziel ganzer Gattungen in den Gren- 
zen der grossen Epochen suchen, in welchen auch die 
Wärme der Erdoberfläche grosse Veränderungen erlitten 
hat, die’ den Untergang soleher Naturbildungen durch Zer- 
störung ihres Lebens-Prinzips, nicht bloss durch die 
mechanischen Ursachen des Stosses und Druckes erschütter- 
ter Gebirgs-Massen und Meere herbeigeführt. (Tod und 
Leben ganzer Systeme der höheren organischen Schö- 
pfung gehen nie von untergeordneten, bloss oberflächlichen 
Bewegungen — nie von irgend einer nur einzelnen, 
wenn auch noch so hoch stehenden Kraft der Erde aus) *). 

Wenn wir daher vor Allem auf die Geschichte der 
Wärme unserer Erde und ihrer Oberfläche aufmerksam 
machten, so geschah diess nicht darum, dass wir, wie man- 
che Naturforscher und Dichter gethan, in der alleinigen 
Wärme das belebende Prinzip der Erde suchen: vielmehr 


*) Wir erinnern an Trevıranus und Anderer bekannte Ansichten 
über den Lebens-Zyklus gewisser Thiergeschlechter. Denn diese An- 
sichten sind der Sache nach begründet, wenn sie gleich in der 
Form, in der sie gegeben und in andere, selbst in universal-histo- 
rische Werke (z. B. Scurosser’s) aufgenommen wurden, nicht be- 
sonders haltbar erscheinen. 


a 


wirkt deren ganze Natur belebend. In einer alleinigen 
Wärme würde Alles in Fäulniss und Auflösung verschwin- 
den; ja, eine solche Wärme selbst wäre an sich undenkbar. 

Die Natur konnte im grossen Ganzen unseres Planeten 
nie einseitig nur Eine Lebensquelle herauskehren. Wärme 
ohne Kälte lässt sich schon nicht denken. Wo man aber 
im grossen Ganzen der Natur eines Planeten, und des Welt- 
systems, mit dem er zugleich entstanden, Wärme und 
Kälte, da muss man auch, will man nicht aller gesunden 
Theorie und Erfahrung spotten, Licht und Finsterniss, 
Schwere und Ausdehnung *), magnetische, elek- 
trische und chemische Kräfte als gleich alt 
denken. Denn diese Momente sind die grossen Kategorien 


der unorganisch-lebendigen Natur, und von ihnen kann keine 


ohne die andere gedacht werden **). 

Die Wärme mussten wir hervorheben, um auf dem 
Grunde der Thatsachen, deren Feststellung der neueren 
Geologie vorbehalten war ***), darauf hinzuweisen, dass der 
älteste Zustand unseres und wohl auch der anderen Plane- 
ten eine Temperatur voraussetzt, deren Hitze seine ganze 
Masse in einer Form erhielt, die wir mit MırscuerLich 
und Andern flüssig nennen würden, wäre das nicht zu be- 
stimmt gesprochen. 


*) Das Wort: „Ausdehnung“ ist hier nur der Kürze wegen gewählt. 


®*) So hat man die Erde in neueren Zeiten z. B. einen Ther melek- 
tromagnet genannt. Vgl. Munke in Pocsennorr’s Annal. XX, 
417. und in Geurer’s phys. Wörterb. VII 1833. S. 260. mit v. 
Leonnuırnp Bedeut. und Stand der Mineralogie. Frankf. a. M. 1816. 
S. 104. 

“) Vorzüglich durch Nachweisung des Zusammenhangs der inneren 
Erdhitze mit der Bildung pyrogenetischer Gesteine etc. Hätte die 
Erde ihre Wärme nur von der Sonne (oder wie De Luc sagte, vom 
sog. Lichtstoff), so müsste sie in der finsteren Tiefe immer kälter wer- 
den. Übrigens vergleiche man ALrxander v. Humsorpr über die 
Temperatur - Verschiedenheit auf dem Erdkörper in den Abhandl. 
der Berliner Akad., 3. Jul. 1827. S. 306. und über das Klima 
Asiens a. a. O. 18. Jul. 1831. 


. 


— 15 — 


In diesem ersten, allseitig einfachen Zustand ist 
nämlich noch‘ kein rein Flüssiges zu denken, weil hier noch 
kein bestimmt Festes, noch kein Meer, weil kein Festland, ‘nicht 
einmal unser‘heutiges, von der Erde und ihrem Dunstkreis be- 
stimmt‘ geschiedenes Wasser angenommen werden kann, 

Die sog. physikalischen Elemente, Wasser, 
Feuer; ' Luft und Erde, stehen mit jenen .erwähnten: Katego- 
rie'n:in wesentlicher Beziehung. Das Wasser ist als: phy- 
sikalisches Elemeiit ohne Zweifel so alt, wie das Fewer; 
aber die anfängliche, mit ihm und mit dem Planeten: gleich- 
zeitig: »geborene Wärme durchdrang nothwendig ‘und 'mehr 
oder . weniger ' gleiehmässig » den‘: ganzen :Erdkörper, was 
schon: daraus hervorgeht, dass: dieser dabei :im: Zustande: ei- 
nier«Ungesehiedenheit gedacht: werden‘'muss;; die keine: (an- 
ders entscheidende) Differenz zulässt. Demnach konnte 
schon die ursprüngliche Wärme, — überhaupt 
die uranfängliehe.Natur. des. Erdkörpers, — 
Wasser nicht rein’ "als Wasser auftreten lassen ' ”), 


u 


ie), Ad hominem : Be Wasser Te sich nicht denken, ohne et- 
‚ ‚was, das ihm in ‚Form eines Beckens , Bodens oder. irgend einer, 
noch so ätherischen "Umhüllung | eine Grenze gesetzt (einen Auf- 
| "enthalt verliehen ) hätte. . Wäre. nun, um ‚das Feinste zu wählen, 
der Dunstkreis der Erde, gleich und ausschliessend der erste Auf- 
„enthalt des. ‚Wassers ‚gewesen, so ‚wäre dieser älter als Meer und 
Land. Aber aller Analogie seiner heutigen Verhältnisse zu Folge 
ist. er ohne beide ‚nicht denkbar. ‚Sollte er auf neptunische Man- 
__nier so vorgestellt werden , so ist es gleich mit dem Neptunismus 
aus. Er erstickt in ‚seinen Dünsten,, ‚wie, in seinen Wassern. 
Will man rein 'vulkanisch dabei . zu Werke ‚gehen „. So wird man 
sich verirren, wenn man .die allseitige Einfachheit verkennt, die 
der reelle Begriff desAnfangs, gegen. den eine Untersuchung des 
ursprünglichen Standes ‚der Erde nicht ‚ fehlen darf, unabweisbar 
fordert. Denn in der Annahme einer Feuer-flüssigen. Erdmasse 
‚mit einem wasserhaltigen Dunstkreis wäre der letztere nicht nur 
eine blosse Voraussetzung; zur Erklärung des vorhandenen Wassers, 
‚sondern man hätte nichts als Flüssigkeit und zwar eine sehr be- 
stimmte, doppelte schon in zwei Gebiete und Formen. getrennte 
Flüssigkeit. Diese Fluidisirun &. wäre allerdings Resultat der 
Hitze: die Ansicht wäre mithin durch. die Hitze vulkanisch, durch 
die Form, die sie mit sich führt, neptunisch, also, wie es scheint, 


- 6 — 


‚Eckelt es,auch den kritischen Geologen an, :sich diesen 
Zustand fortan in einer Brei-artigen Form — wohin die 
Theorieen vom Urschleim zum Theil: gehören. — vorzustellen; 
so wird er gerne gestehen, dass der- tropfbare Zustand 
einer: reinen, ‚bestimmten Flüssigkeit: nicht ‚älter seyn: kann, 
als der Gas-förmige, und sich erinnern, dass:noch‘ heute 
in. gewisser. Tiefe, bei einer ‚bestimmten "Temperatur: das 
"Wasser nur in Form von Dämpfen erwartet *) werden 
kann, deren ‚chemischer Inbalt ganz in diese. Form > 
nommen: ist: **). : kai 

‚Chemisch. ist > Wınsiahun u Eleilenkis Wasserstoß 
und Sauerstoff, in die es unsere Wissenschaft zersetzt, sind 
seine. Abstraktionen: ‚es. selbst ist. ursprünglieh: ihre 
einfache, oder einfach konkrete‘ Einheit und: Totalität: in‘ei- 


f 


anne ‚Aber diese Allseitigkeit ist mit “einer Trennung ver- 
bunden, ‘die der: Begriff des reinen’ Anfangs Jabhorrirt,der' jede’b e: 
stimmte ‚Scheidung, :mithin auch. die’ des Starren im Lande ,.des 
tropfbar Flüssigen im Meere und des Gas-förmig flüssigen in 
der Atmosphäre, koordinirt entstehen lassen will. So scheint 
uns’ wenigstens‘ das Verhältniss® der Sache, dessen völlige Ausfüh- 
rung hier natürlich unterbleiben muss. ‘Man mag nämlich das 
Feste, das Flüssige und das Gas-förmige als gleichberechtigt, oder 
Glieder Eines Begriffs, "immerhin wird man damage Meer und 
'Aimosphäre auf unserer Erde als koordinirte Begiike" im All- 
‚gemeinen betrachten müssen, da es nicht bloss. auf ihr quantitatives 
‚Verhältniss ankommt, bei welchem sogar die Natur des Meeresbo- 
dens, die Expansion des 'Flüssigen u. s. w. erwogen werden 
müsste. — Nun lässt sich aber die Entstehungszeit (dieser koordinir- 
ten ‚Sphären nur unter drei. ‘Fällen denken: entweder eine dieser 
Sphären, ‘oder zwei sind zuerst entstanden, ‘oder 'alle drei gleichzei- 
tig in Eimer "umfassenden ‘Epoche: da ergibt sich bald, welcher 
Fall die höchste Wahrscheinlichkeit für sich hat. _ 

"s) Vgl. v. Horr's treffliche Monographie über Karlsbad. 1855. 

7» Soll man fragen, was hier die Worte Dampf, Dunst, Brei u. s. w. 
noch bedeuten? Der Begrift der Dämpfe ist noch heute lange 
nicht genug bestimmt, aber doch so weit enträthselt, dass obige 
"Bemerkung als Thatsache feststeht. Es ist eben so natürlich als 
"misslich, dass in der Betrachtung des Ursprungs die Worte sehr 
‚leicht ihre Grenze verlieren. 


— 1 — 


nem bestimmten 'Moaa ss - Verhältnisse.» Gleicher. Weise die 
Luft. ‚Das reine ‚Scheinen des: ‚Feuers, seine‘ verbren- 
nende Kraft..(das: lauteste «Mysterium. der‘ Natur. —);iwird 
in: dieser. Beziehung; 'weniger'aängefochten *).: : Am härtesten 
ist) der: Streit süber: das; was man !Erde nennt**).: Erden 
sinil «oxydirte ‚Metalle!; Aber üwer: gibt: dem Hypothetiker 
das Recht, das Metall de:sisw ege'n: für einen rein ‚ursprüng- 
lichen Körper :zu:erklärei und ses noch heute dem Zentrum 
unseres Planeten anzuweisen? Sind: die Metalle nicht ;offen- 
bar sehon : viel zu: bestimmte; zuls pezifisch entschiedene 
Körper;ials; Massen des: reinen: Anfangs: und der: innersten 
Tiefel eines Zentrums:seyn ıruskönnen; unter welchem: man 
sich, «ohne: ällen Halt: san sicherer‘ «Erfahrung, \einens festen 
Kern. vorstellt *#*) 2: Wen kannsins: überhaupt: heute./schon 
werbürgen;:ob!-die, Metalle nicht: aus Diremtionen leiner 
Masseihervorgingen;.die'von Natar! allseitiger::iund «ünent- 
sehiedener. wat;»alsı die: Metalle; Was hindert: üns;:hier.'— 
an E rdien zu ‚denken $..DiesZersetzung: derselben | beweisst 
viel, aber. gegen diese Annähmel\ nichts. » Die: Oxydation der 
Metalle‘ könnte eine | Art. Rückgang in-ihren | Ursprung 'seyn: 
das Metall könnte zur Erde werden, wie es dureh-Direm- 
tion‘ 'aus Barden Di lRege mn le sich heute 


nn) Alte Völker (au, B.: die Ägyptier) ‚geben jedem. Element eine dop- 
pelte Natur. Die Persische D rache drückt. Erzeugen. und Ver- 
brenn en mit Einem Worte aus. “ Diess findet sich in ‚den, Spra- 
chen mehrerer Völker ; ‚die ihre Todten verbrannten. — In vielen 
Sprachen Or ientalischer, besonders derjenigen ‚Völker, die'im Feuer 
eine Mutter des Lebens verehrten, ist das Feuer ‚weiblichen 
Geschlechts, 
=) Vergleiche Christus und. ‚die a Heidelb., bei "Moun, 
1823. S. 148. 
>») Mit den Beweisgründen, die ‚man, in dieser Hinsicht auf die spe- 
zifische Schwere der ‚Erde stützt, ‚kann man Kinder, in den Schlaf 
singen. Sie sind für das Innere er ‚Erde ungefähr dasselbe, was 
für ihre Oberfläche die Gründe, aus ‚denen die sogenannte Natur- 
‚philosophie die Basalt-, Anamesit- und Dolerit- ‚Gebirge, der Erde als 
Meteorsteine vom Himmel. fallen. ‚lassen wollte, EN 
19) Die Chemie ist, wie v. Horr sagt, der Prüfstein” aller ‚geologischen 
Hypothesen und Theoricen. "Aber die Natur ist ein grössere» Che- 


— 158 — 


schon für’ so’ unterrichtet halten, ‘dass er sich zutraute, eine 
absolute Priorität des Einen“oder des Anderen beweisen 
zu können.“ In einem,«nochvimmer'trüben Gebiete, 
dessen jugendliche Aufdämmerung durchjedes 
beschränkte ‘Festhalten an, unbewiesenenVor- 
aussetzungen nufverzögert wird, darf sich:neben 
jeder ‚Hypothese eine‘ andere’ aufthun, : wenn sie ‚nur, | wie 
Kant *) gefordert, die 2 der .. ‘auf denen 
sie: a beweisen: kann.“ ns. odgun 

Die Berücksichtigung :der: physi ik. al ali Esie " em Eldmente) 
die: wir uns hier serlaubt,;: will’ an’ sich 'keineswegs’als sichere 
Überzeugung betrachtet: seyn und. sollte :nur. den »Boden 
bereiten, auf dem wir. mit Vorsicht unsere Aufgabe‘ weiter 
verfolgen müssen. Denn 'sie‘lenkt: unsere 'Blicke’'genauer: auf 
das Innere: des Planeten; undzugleich' auf: seine 'Atmo- 
sphäre, indem‘ wir: ihn’ fortan’in permanenter‘ Thätigkeit 
erblicken. Hier ‚handelt es sich‘darum, zu erkennen, ob: der 
erste, ‚allgemeine, ı aus: dem‘ Entstehen und: Daseyn der Erde 
unmittelbar hervorgehende Akt ihres Lebens: derselbe war; 
derodie elliptische, doch der: Eiform' sich’ nähernde: **), @e- 


EDIT  DEFINE 


«;,,mikus, als , Mancher., glauben’ dürfte. ‚So. lange ‚unsere ‚ Chemie 
nicht die wichtigsten Pseudomorphosen, z. B. die Afterkrystalle 
des Specksteins von Wunsiedel, welche in den verschiedenen For- 
men des Quarzes und Bitterspaths auftreten, zu erklären vermag, 
wird sie über die Primogenitur der Metalle — das sphinxische 
Räthsel ihres eigenen Ursprungs —.nicht entscheiden wollen. Über 
solche Pseudomorphosen hat mir Brum Ansichten mitgetheilt, 
deren Gehalt mich zur Äusserung® des Wunsches veranlasst „ dass 
er sie bald öffentlich aussprechen möchte, 

*) Kritik der reinen Vernunft. 

**) Eine Ansicht, die ich schon vor Jahren geäussert, und die auch Kro- 
DEN aufgestellt, ja mathematisch durchgeführt hat. Die Erdgestalt 
hat, zwar wie Alles auf der Erde, ihre Geschichte. Aber im 

Ganzen hat sie nur sehr untergeordnete Veränderungen erlitten, wie 
neuerdings wieder aus SOMMERVILLE’ s Untersuchungen über die Ver- 
änderlichkeit der Drehungsachse der Erde hervorgeht, da (seit der 
" Scheidung des Meeres und Landes) ı nur die jetzige Lage dieser Achse 
gegen die Form der Erde eine beharrliche seyn kann. S. v. LEONHARD’s 

ig und Bronn’s N. Jahrb. f. M. 1833. H. 4. S. 158. Über die Figur der 


- 19 — 


stalt der Erde, den Gesetzen ihrer Bewegung gemäss, fe- 
ster begründete, der das Flüssige vom Festen, den 
 Dunstkreis von beiden und das Innere der Erde von 
dem schied, was wirihre Rinde nennen können, ohne darum 
ihr Inneres als einen festen Kern zu betrachten, Wir’ wer- 
den, um es wiederholt zu sagen, nicht übersehen, dass man 
voneinerExistenz derErde gar nicht reden kann, ohne an- 
zuerkennen, dass der erste Nu ihres Daseyns gleich 
der Beginn ihrer Entwickelung nach allen Sei- 
ten hin war. — Ist man mit den tieferen Einsichten, die 
uns die astronomischen Sphären der Natur eröffnen, nur 
einiger Maassen vertraut, so wird man sehr geneigt seyn, 
die Schöpfung des Welt-Systemes, in welehem 
die Erde, um wenig zusagen, eines der wichtigsten 
Gestirne ist, im Ganzen als Einen Weltakt zu be- 
trachten und die Erde unmöglich für älter halten, als ihr 
(dermaliges) Verhältniss zur Sonne *). In dem Gebiete des 
Himmels aber, der, wie ArıstoreEugs sich äussert, nie er- 
müdet, vielmehr ewig in Bewegung ist, drückt sich diese 
gleichzeitig doppelte Beziehung mathematisch — als Bewe- 
gung der Erde um sich und um die Sonne aus, wie sich 
die eigene Differenz der Erde, die conditio sine qua non 
ihres Lebens, in dem Unterschiede ihres Äquators und der 
Ekliptik mathematisch an ihr selbst ausdrückt. — Man kann 
nach Kerprers grosser Weltanschauung in jener Bewegung 
einen kosmischen Magnetismus finden. Sie ist, in 
jedem Planeten so alt als dieser selbst, die erste 
Begründerin seiner sphärischen Gestalt. Diese geht sowohl 
aus seinem Wesen, aus seinem Innern hervor, wie aus seinem 
Verhältniss zum Ganzen, dessen Glied er ist **), 

Die Bewegung des Planeten im Weltraum, um sich und 


Erde s. Poserger in Abhandlung. Berliner Akad. 25. Okt. 1827. 
S. 59. ff. 

*) d. h. als ihre Beziehung auf sich und auf die Sonne. 

=") Vgl, Praron’s Timäos. 
Jahrgang 1834. 1 


— 0 — 


am die Sonne, ist daher ohne innere Bewegung, d. h. ohne 
Entwickelung seiner selbst gar nicht zu denken. Wer nur 
‚etwas die philosophischen Ansichten von dem Wesen der 
Materie, und Bewegung inne hat, kann unmöglich diesen Zu- 
‚sammenhang. (das Band, welches die Existenz der Welt- 
körper und ihre B eweg ung verbindet) bezweifeln. | 

Was aber istdas Innere derErde, da es so wenig wie 
derursprüngliche einfache Zustand ihres Ganzen als ein entschie- 
den Festes oder Flüssiges gedacht werden kann? Was die 
Umgebung, die den Plan- ;en mit seiner ganzen Atmosphäre 
einschliesst und den Weltraum füllt! Mit welchen Vor- 
stellungen wäre es wohl leichter und bedenklicher, Spiel zu 
treiben, als mit diesen beiden® Können sie aber ganz um- 
gangen ‘werden, wenn man nach einem Letzten fragt? Beide 
Räthsel scheinen uns so innig verbunden, als habe, wer das 
eine gelöst, das andere, im Allgemeinen, schon beantwortet. 
Dürfen wir dabei verweilen $ 

Der Mensch kann sich den Weltraum nicht anders, als 
unendlich denken, und doch kann ihm keine bloss sinnliche 
Erfahrung irgend etwas rein Unendliches zeigen. Ja, der 
Gedanke einer so unbestimmten Unendlichkeit *) erregt 
im Gemüthe ‘des ernsten Naturforschers eine gewisse U 
ruhe, weil er bei dieser Unbestimmtheit, die, selbst unruhig, 
sich aufzuheben droht, nicht verweilen kann: er will nicht 
den bloss unendlichen, er will den unendlich geordneten 
Himmel, das System der Welten, betrachten, das sein be- 
waffnetes Auge zu verspotten scheint. 

Eben so das Innere der Erde, das den menschlichen 
Sinnen ewig unzugänglich seyn wird. Da bleibt dem Men- 
schen nichts übrig, als an der Hand des erfahrungsreichen 
Begriffes mit freier Besonnenheit Schlüsse auf Schlüsse zu 
bauen,. die auf unerschütterliche Thatsachen vollständig ge- 
gründet sind. Nur auf solchem, Wege kann er in die Schachte 


*) Vgl. meine Einleitung in die Philosophie. Berlin und Leipzig bei 
Reimer 1835. I, 1. $. 15. S. 123. ff. 


— 161 — 


seiner eigenen Vergangenheit, der Urgeschichte, nur da- 
durch in die unnahbaren Tiefen des Weltkörpers dringen, 
dessen Herrn er sich nennt 

Dass das Centrum der Erde dem anfänglichen Zu- 
stande ihres Ganzen noch am meisten analog ist, erhellt aus 
seiner Einfachheit wohl von selbst. Dass es aber diesem 
nieht völlig gleich, ergibt sich schon daraus, dass das Erd- 
innere erst mit der Bildung der Erdrinde zu dem geworden, 
was es ist. Eine fest entschiedene, differente Masse ist in 
ihm, sahen wir, nicht zu suchen. Sie widerstreitet seiner 
Natur. Man könnte sagen: das Centrum der Erde sey 
hehl, wenn man mit der Hohlheit nicht die unhaltbare Vor- 
stellung eines leeren Raumes verbinden und das Innere zu 
einseitig von der Rinde scheiden würde. Man könnte mit 
demselben Rechte sagen: es sey, wie die Alten dachten, 
der Sitz des Chaos *) und der Hestia, der stille Heerd 
ihrer nie ersterbenden Flamme *%). Denn bei ArıstorzLgs 
heisst das Chaos, das Aufgähnende, gerade so viel als der 
leere Raum und der Weltraum heisst in alten Hymnen die 
Lunte der Schöpfung. 

Der Mangel an aller Bestimmtheit, die volle, reine, 
ungeschiedene Einheit wurde von den Griechen und andern 
Völkern unter dem schönen Bilde der Armuth, der Penia, 
gedacht ***) und in ihm das Prinzip der Bewegung, der 
Durst und Drang nach Erfüllung, der Keim aller Wirklich- 
keit, der erste Impuls des Lebens gesucht }). 


*) Erklärer zu H£sıop’s Theogonie. Die Vorstellung des Chaos als 
eines Irrsals und Wirrsals ist nicht die älteste, vielmehr das Er- 
zeugniss einer störenden Reflexion. 

“*) Erklärer zu Praron’s Phädros, 

”"") Erklärer zu Praton’s Gastmahl, zu Arıstoruanes Plutos, zu Mat- 
thäus 5,3. (Vgl. meine Schrift: über den Ursprung der 
Menschen und Völker, nach der Mosaischen Gene- 
sis. Nürnberg bei Scurac 1829. $. 16.) Denselben Gedanken 
stellten andere Mythen unter dem Bilde der Nacht vor, der Mut- 
ter aller Dinge. 

7) v. Scherring über die Geheimnisse von Samothrake. Dahin geben 
ferner die Mythen von dem Welt-Ei. 

11,* 


— 12 — 


Halten wir diesen Gedanken, der so deutlich ist als ein- 
fach, auch hier fest, so finden wir in der Öde des Welt- 
raums (d. i. in dem inneren Widerspruch, den der Ge- 
danke eines Äthers enthält, welcher das Unendliche und 
Einfachste, die Werkstätte aller Keime der Welten, die er 
umschliesst, .die Lunte des Lebendigen, vorstellen soll) zu- 
gleich den Impuls seiner Erfüllung. Eben so in der Öde 
des ursprünglichen Zustandes unserer Erde das treibende 
Prinzip der Scheidung ihres Inneren und ihrer Rinde. Auf 
dieser kommt zum Daseyn, zur Entfaltung, was in jenem 
bloss schlummert. ' 

Parva licet componere magnis. Die Natur ist in Allem 
Alles, darum können wir Grosses mit Kleinem vergleichen: 

Betrachten wir durch ein Sonnen-Mikroskop die Phä- 
nomene einer krystallisirenden Flüssigkeit: Hier sehen wir 
und dort einzelne Punkte hervortreten, die sich ihrer Um- 
gebung gleichzeitig zu bemeistern scheinen: es sind die frisch 
anschiessenden Krystalle. Warum tritt gerade dieser, warum 
jener Punkt hervor® Betrachten wir die Cuuapnzv'schen 
Klang-Figuren, die für das Reich der Töne, was für 
das Reich des Auges die Krystalle sind, gleich erklärte 
und gleich unerklärte Phänomene: Warum beruft gerade die 
Oktave das Achteck *)$ Blicken wir auf die Gebirge der 
Erde, die eine falsche Philosophie für Krystalle erklärt hat: 
warum treten sie gerade da, warum nicht dort hervor $ 
warum in dem Momente und in keinem anderen? 

Wie jene Punkte aus der kvystallisirenden Flüssigkeit, 
so treten im Weltakt der Schöpfung eines Sternen-Systemes 
mitten im Äther die Gestirne desselben — noch unbegrif- 
fen — in die Wirklichkeit. Selbst ihre Entfernung folgt 


einem Gesetz, 


”) Man denke z. B. an die inneren Oktaeder in Flussspathwürfeln, 
wo die Würfelecken weiss erscheinen, während das innere Ok- 
taeder blau ist, wie z. B. in v. Leonuaro’s Sammlung ein trefl- 


liches Musterstück zeigt. (Das Oktaeder ist die Keruform des 
flusssauren Kalkes.) 


— SS == 
Was der Äther als ihre Umgebung, ist für die Pla- 


neten selbst ihr Innerstes, das Einfachste, Unentwickelte- 
ste, und doch unmöglieh ganz das, was der 'unergründete 
Äther, vielmehr bestimmter als dieser, bestimmt nach der 
Individualität des Weltkörpers, ‚dessen Inneres es ist. Das 
Innerste der Erde dürfte mithin seyn, was der 
Ätherunseres Weltsystemes, aber'individualisirt 
nach demCharakter der Erde*). Denn nur im-allgemein- 
sten Sinne liesse sich sagen: die ganze Erde sey eine Indivi- 
dualisirung des Äthers, womit gar wenig gesagt wäre: nicht weil 
uns dor’ Äther, so gut als der Nerv der Erd-Individualität, ein 
Räthsel ist,. sondern: schon weil der älteste Zustand der Erde 
von dem jetzigen so.spezifisch abweicht, dass eben mit der Schei- 
dung der Rinde: und des Innern die sprechende Analogie nur 
letzterem verbleiben konnte.. (In das Innere der Erde wer- 
fen die Alten ihre Titanen, die Götter der Vorzeit.) 

Verfolgen wir diese Analogie, so müssen wir den un- 
reifen «Zustand unserer Naturkenntnisse in diesen Sphären 
gestehen, ‚denn ‘wir werden nur: sehwankende Antworten 
erhälten,; wenn wir nach den @renzen des Äthers und 
der Weltkörper — fragen, die in ihm, wie ARISTOTELES 
sagt, sieh: selbst: tragen. 

Die Atmosphäre ist unserer Oberfläche so wesentlich, 
als Land und‘ Meer. Sie gehört durch und durch zur Erde, 
vermittelt ihr: organisches Leben: und bewegt sich mit ihr, im 
Umsehwung derselben um sieh und:um die Sonne. Ihre Grenze 
gegen den Äther hin ist aber'in ein noch undurehdrungenes 
Dunkel gehüllt, und dieses Dunkel: überfällt uns, wenn wir 


*) Nach dem noch unenträthselten Begriff, der die Erde zu dem maeht, 
was sie ist. Der Äther ist der Heerd der Prinzipien, Anfänge 
Elemente, Keime (wie man sich ausdrücken möge) alles dessen, 

: was in: den Weltkörpern konkret auftritt. Das Erd-Innere ist die- 
ser Heerd für die Erde. Wie jener nie bestimmt ohne Welten, ist 
dieses nie bestimmt ohne Erdrinde zu denken, — Die bestimm- 
ten Prinzipien der Planeten etc. liegen aber in diesen selbst, 
nicht erst im Äther. Vgl. S. 167. 


— 164 — 


fragen, ob Wärme oder Wasser oder irgend etwas von der 
Erde in den Äther entweichen konnte. Es überfällt uns noch 
mehr, wenn wir die Analogie der Atmosphäre mit dem Äther 
verfolgen, da jene, so zusagen, eine entsprechende, eine Kehr- 
Seite des Inneren der Erde zu seyn scheint *). Gestehen wir, 
dass wir nichts wissen, wo wir noch nichts wissen, aber hal- 
ten wir auch fest an dem, was das Wissen sich erworben hat! 
Misstrauen wir jeder Theorie, die sich durch keine Erfah- 
rung, aber auch jeder vorgeblichen Erfahrung, die sich durch 
keine Theorie begründen lässt! 

Die Parallele des Innern und der Atmosphäre der Erde 
kann uns überzeugen, dass wir nieht geneigt sind, .jenem eine 
geringe Bedeutung zuzuschreiben. Dass es aber lauteres Me- 
_ tall sey und die höchste Bedeutung habe, halten wir für eben 
so irrig, als die alte Ansicht, die das Mark der‘ Bäume und 
der animalischen Knochen für das wesentliche Lebens-Elemenrt 
dieser Gebilde hielt, weil es ihr Innerstes ist. Wir verkennen 
darum nicht die Eigenthümlichkeiten der einzelnen organischen 
Sphären und wiederholen : gerade durch ihre Öde, durch ihr 
Bedürfniss nach Erfüllung ist vorzüglich die Mitte der Erde 
ein einfach. allseitiges, feuriges Agens, wie es’ vor ihrer Schei- 
dung von der Rinde ungetheilt der ganze Planet war. 

Vieles, was sich an diese Betrachtungen schliesst, müssen 
wir übergehen. Nur zwei Punkte erlauben wir uns heraus- 
zuheben, gerade weil sie zu den misslichstengehören:und 
zur speciellen Anwendung des Bisherigen dienen. Da wir 
es gewagt,: dieses Gebiet zu betreten, müssen wir offen 
genug seyn, Blössen, die eine hochgespannte Konsequenz geben 
und finden möchte, selbst zu zeigen. Der eine Punkt betrifft die 
Parallele der Atmosphäre mit dem Innern der Erde, der andere 


*) Und wenn in. der Bewegung der Erde ein kosmischer Magnetis- 
mus, so kann im meteorologischen Prozess derselben ein telluri- 
scher Chemismus gesucht werden. An diesem Prozess ha- 
ben Land, Meer und Atmosphäre Theil. Letztere ist sein Heerd 
und entspricht auch in so fern dem chemischen Heerde des 
Inneren. 


— 165 — 


die Ansichten über: den Heerd unserer heutigen Vulkane — 
beide gehen, so wenig es scheinen mag, in einander über, 
wie die Untersuchung zeigen soll. Für jene spricht unter 
andern das Übereinstimmende der Meteorsteine 
mit doleritischen Massen, das sich sogar in ihren: 
Einschlüssen (Augit,. Olivin ete.), wie in ihrer Struktur 
zeigt *). Interessant vor Allem könnte‘ da’ eine Betrachtung 
der Angabe oder Thatsache werden, dass jene bisweilen 
@z. B. der bei: Rochmond in Virginien am 4. Juni 1828 ge- 
fallene: Äerolith), wie manche unserer Granite, und zwar 
solehe; die man bisweilen zu den älteren rechnet, Apatit- 
spath enthalten, 'also — phosphorsauren Kalk, der 
sich in ihren Drusenräumen — vielleicht gleich bei der Ent- 
stehung dieser Räume ’— gebildet hat **). ‘Auch’ der kör- 
nige Kalk, der z. B. bei‘ Skröbölle in Finland , nebst Fluss- 
spath und Graphit, ‚die ihm auch: sonst eigen sind, Apatit- 
spath führt‘, ‘ist so gut pyrogenetisch, als der Granit und 
die Äerolithe, oder als das glasige Feldspath- und Horn- 
blende-Gestein des: Zaacher-See’s und der Gneiss: und .die 
Laven, die alle öfters Apatitspath: führen, wie auch der 
Talk am Greiner im Züllerthal und‘ die sogenannten Lager 
— ohne Zweifel Gänge ***) von Magneteisen in Arendal, 
Grengesberg, Karingbrika und. Gellivara in Schweden. Un- 
sere chemische Werkstätte bereitet den Phosphor aus 


*) Vgl. in PocGennorr’s Annal d;: Phys, IV, 173—198 die: Aufsätze 
v. &@, Rose und, Warmstepr. S. v. Leonsaros. Basalt-Gebilde B: I. 
Dessen Oryktognosie (1833.) S. 143, 333. £.. } 

**) Nach W. E. Pırry’s zweiter Entdeckungsreise. (Hamb. 1822. S. 
196—535) gleicht das gewöhnlich blasse Licht des Nordscheins 
ganz: vorzüglich dem Lichte, das; der verbrennende Phosphor 
entbindet. Auf seiner dritten Reise sah Parry viele Nordlichter nahe an 
der Erdoberfläche (nur wenige Grade über derselben) wie es schien. 
Aus einem dieser Nordlichter schoss ein Lichtstrahl plötzlich in 
das Meer nieder, zwischen Pırry’s Schiffe und dem Lande, von 
dem das Schiff nur 3000 Schritte entfernt war. 

***) Nach von Leonzarv’s glücklicher Hypothese trotz des sogenannten 
Magneteisens von Neuschottland, welches Versteinerungen führt. 


— i166 — 


organisehen Substanzen. Aber diese Substanzen ent- 
stammen am Ende doch dem unorganischen Le- 
bens-Elemente, dessenNatur dieOrganismen in 
sieh verwandeln. — Man ‚mag über die Phosphorsäure, 
die, Einige, wie die Ameisen-Säure, in mineralischen Quellen 
entdeckt *). haben wollen, se oder anders urtheilen, man 
mag sie der @uelle selbst oder einer zufälligen Beimischuug 
organischer Stoffe durch nahe liegende Ameisenhaufen und 
was dergleichen mehr ist, zuschreiben, — bei unserer Un- 
keuntniss. des Äthers kann man immerhin fragen, ob nebst 
anderen Gründen,-der Apatitspath der. Äerolithe nicht be- 
sonders darauf hindeute, dass sie höchstens den Grenzen 
unserer Atmosphäre und des Äthers entstammen 
oder doch, da die Grösse z. B. desLichtglanzes, der ihre Ent- 
stehung begleitet, nebst den Resultaten zahlreicher, zum Theil 
wohl gelungener Berechnungen der Entfernung so flüchti- 
ger Erscheinungen auf höhere Gebiete bezogen wird, an die- 
sen Grenzen innerhalb der Atmosphäre zu dem 
geworden, was sie eigentlich sind. Denn eine 
überkühne Einbildungskraft würde dazu gehören, sie ohne drin- 
gende Noth als ausserirdische Gebilde'zu betrachten. — Dass in 


Das Schwedische Magneteisen wenigstens ist plutonisch. Ich sah 
bei Brum ein Handstück desselben mit deutlicher Spiegelfläche. 

*) Spuren von Phosphorsäure traf man noch in mehreren einzelnen 
Mineralien, z. B. nach C. G. Gmerin im Lepidolith von Roze- 
na (Glimmer), nach Andern im Huraulit (auf kleineu Adern im 
Granit), im Hetepozit, im Uranglimmer, im Wagnerit, 
im Phosphorbleiete. Das Phosphoreisenete. ist postdiluvisch 
(Raseneisenstein), das klinorhombische Phosphoreisen kommt 
mit Quarz etc. auf Lagern in Grauwacken-Gebirgen, das oktaedri- 
sche in Drusenräumen eines Glimmerschiefers, phosphorsaurer 
Thon in Höhlungen vulkanischer Gesteine vor. Auf Quarz-Gängen 
in Granit zeigt sich bisweilen phosphorsaures Mangan. Phosphor- 
saure Yttererde (Ytterspath) trifft man im Granit von Lin- 
desnäs in Norwegen. Zu den bezeichnenden Begleitern des 
Lithion-haltigen Glimmers (Lepidoliths) gehört nach v. Leon- 
HARDT (Oryktognosie 1833. S. 218) auch der Apatit (vgl. v. Gö- 
Zus zur Naturw. S. 195). 


— 17 — 


äerolithischen Erzeugnissen gediegenes Eisen zumal da auf- 
tritt, wo unsere älteren Laven Eisenoxyd-Oxydul (Magnet- 
eisen) enthalten, beweisst nichts gegen unsere Ansicht über 
die Metall-Bildung der Erde, spricht vielmehr für dieselbe, 
da man das Eisen der Meteorsteine ‘weder ‘im Äther, noch 
in: der höheren Atmosphäre als fertig: vorhanden an- 
nehmen darf. Seine Schöpfung ist”) jedem Falls Re- 
sultat eines (— noch:unbekannten —) Prozesses, wenn 
dieser auch darauf hindeuten’ sollte, dass die Grenzen des 
äussersten Erdgebietes oder: der : Atmosphäre tiefer in den 
Äther hinausreichen, als man gewöhnlich glaubt. 

Irren wir aber nicht, wenn wir: die Meteorsteine. (einen 
Theil derselben, oder alle,;nach ihrem spezifischen Charak- 
ter) als Resultat eines kosmisch-tellurischen Prozesses 
an den Grenzen desÄthersinnerhalb unserer 
Atmosphäre betrachten **%, (=="wie auch die Bildung 
z.B. des Eisens im Schooss der Erde, dem allgemeinen (8.163. 
not.) Prinzip nach, gleich allenihren einfacheren Stoffen, dureh 
ihre Schöpfung im Äther bedingt ist —) und erkennen wir eine 
Analogie dieses Inneren mit jenen Höhen überhaupt an, erwägen 
wir:die Gründe, durch welche man einen Zusammenhang vulka- 
nischer Phänomene mit meteorisehen nachgewiesen, u, s. w. 


— 


.*).So gut als die, Bildung, anderer Metalle. des: Meteor-Eisens (z. B 
des Kupfers. Vgl. Stromexer in SCHWEIGGER-SEIDEL . +, Jahrb. d. 
Chem. 1833. H. 5. S. 266.). 

**) Wir nannten oben den meteorologischen Prozess 'einen tellurischen 
Chemismus. Wie in semer, Wolkenbildung eine Analogie 
mit der Bildung kometarischer Körper, so zeigt sich in der 
Schöpfung von Meteorsteinen schon der Versuch einer 
bestimmten Kernbildung. Nicht vom Monde, wie Viele sagten, 
kommen die Meteorsteine — diess scheint uns eine reine Unmög- 
lichkeit — aber ihre Natur mag der des Mondes in dem Maasse 
analog seyn, in welchem die Wolken der der Kometen. Doch mit 
solchen Vergleichungen wird nicht viel gesagt, wenn gleich mehr 
als mit manchen beliebteren. Übrigens scheinen die Nordlichter 
eine sehr extreme, wenn auch in tiefen Regionen der Atmosphäre 
vor sich gehende Äusserung des meteorologischen Prozesses 
zu seyn, der die einfache Mitte seiner Kraft in Gewittern offen- 
bart, die in den Regionen der Nordlichter höchst selten sich entwickeln. 


- 1685 — 


worauf wird uns dann: jene Übereinstimmung ärolithischer- 
und doleritischer Massen führen?  Keineswegs so schnell 
auf eine Thatsache, wohl aber auf eine Hypothese, die viel- 
leicht der Mühe lohnt, im Vorübergehen: erhoben zu wer- 
den und: dann .auf lange Zeit zu verschwinden. Diese Ana- 
logieen würden nämlich die deleritischen. Gebilde denjeni- 
gen Tiefen: der Erdrinde entquellen. lassen, die jenen: 
höchsten Höhen der- Atmosphäre. entsprechen und: diess: wä- 
ren die tiefsten’ Tiefen nicht des: Erdinnern überhaupt,, son-- 
dern der Erdrinde, innerhalb: deren ihre Bildung. entschie-- 
den wurde, . wie die jener Äerolithe innerhalb. der: Atmo- 
sphäre.: Denn der Äther: selbst lässt sich noch allgemeiner,, 
als die Atmosphäre dem Erdinnern vergleiehen. — Versinn- 
lichen: wir diese: Vorstellung, ‘ehe wir sie durch. andere 
Gründe zu stützen suchen.: Sie wurde durch eine Uhnter- 
redung mit einem Naturforscher geweckt, dessen Name: in. 
einer geeigneteren Stunde genannt werden wird, da wir 
den Tadel, den die: Verwegenheit dieser Betrachtungen 
nach sich ziehen dürfte, auf uns allein zu nehmen berech- 
tigt sind. 
Denken wir uns eleichenm in einem senkreehten Dureh- 
schnitt:das Erdeentrum :und den:Äther in diesem Sinne: 
als Extreme, jenes als der Erde selbst, diesen als ihrem 
Bereiche nicht mehr angehörig, 'beide im Wesentlichsten ver- 
wandt: Die lebensvolle Mitte der Erde ist ihre Oberfläche, 
auf der ihr wahres Wesen: sich am herrlichsten entfaltet *). 


| e) Wir a die wechselseitigen Sphären des tellurischen Lebens 
zu einseitig scheiden, wollten wir die Oberfläche geradehin den 
Heerd des organischen , die Atmosphäre den des meteorischen und 
das Innere den des chemischen Prozesses, der Wärme der Erde 
nennen. Und doch kann man sich vorübergehend so oder ähnlich 
ausdrücken, wenn man .sich im Ganzen über solche Ausdrücke 
schon genauer verständigt hat. Man könnte aber dann eben so 
sagen: das Innere sey das Reich des Feuers, die Atmosphäre, das 
der Luft, die Oberfläche das der Erde und des Wassers. Da in- 
dess diese Glieder nicht so koordinirt, noch überhaupt so getrennt 
sind, so wird jede solche Darstellung einseitig und unlogisch aus- 


= 109 = 


Die tiefste Tiefe der jetzigen Atmosphäre würde sich dem- 
nach zu ihrer höchsten Höhe verhalten, wie sich die tief- 
sten Regionen der Erdrinde zum Erdeentrum verhalten 
würden (mit dem Unterschiede, dass jene ein ideelleres, 
freieres Gebiet ist). Wiederum würden sich die tiefsten 
Tiefen der Erdrinde zum Erd-Centrum verhalten, wie sich 
im Allgemeinen die Atmosphäre zum Äther verhält (mit 
dem Unterschiede, dass jene als ein konkreteres‘ Gebilde 
mit der ganzen Erde sich vom Äther unterscheidet). Wollte 
man sich auch die Meteorsteine und Sternschnuppen — 
denn der Unterschied beider ist angeblich nur quantitativ — als 
Bildungen des Äthers denken, ‘so würde diese Analogie 
zwischen ihm und dem Erdinnersten sich gleich blei- 
ben. Aber dazu hat man keine entscheidende Ursache. 

Die äussersten Grenzen der Erdrinde gegen ihr tiefe- 
res Innere (gegen das unmittelbare Gebiet ihres Centrums 
oder wie man es nennen will); wären’ demnach der Heerd 
der Dolerite u. s. w., wie die äussersten Grenzen der Atmosphäre 
gegen den Äther *), der Heerd der Meteorsteine. Für diese Ver- 
gleichung, der zu Folgedie letzten Dolerite einer grös- 
seren Tiefe entquollen seyn dürften, alsz. B. die älteren 
Granite, spricht ferner das jugendliche‘ Alter‘ der  Basalt- 
Gebilde. Doleritische Laven entströmen noch heute vul- 
kanischen Tiefen, aber die fester gewordene, Erdrinde ver- 
gönnte seit der diluvischen Katastrophe, über die, 
unseres Wissens, kein Meteorstein der Erde **) hinaus- 


fallen, selbst wenn wir sagen wollten, "Alles sei nur Ein Prozess, das 
Innere sei nur der von unten nach oben wirkende chemische Heerd, 
der Atmosphäre gegenüber, in welcher der höhere Chemismus der 
Erde von oben nach unten wirkt ete: Humsoror beruft sich in- 
dess mit Recht zur Erklärung vulkanischer Phänomene auf stee- 
ke oder vorübergehende Verbindungen zwischen 
dem Inneren und Äusseren des Planeten. 
*) Über diese Grenzen weiter unten, N 

*s) Würden die Meteorsteine und Sternschnuppen, wie einige Materia- 
listen unter den Meteorologen annehmen, schon vorlängst vorhan- 
dene Trümmer anderer Erdkörper im Äther seyn, so liesse sich 


med 


reicht — solchen Bildungen der Tiefe bis daher nicht mehr, 
weit umfassende Gebirgsspalten mit Alles erhebender Ge-. 
walt sich zu: brechen. Doch mit den. einzelnen Lavafluthen 
der Tiefe erinnern die höchsten Regionen: des: Erdgebie- 
tes durch seltene Winke ‚an eine Vergangenheit, deren Ge- 
genbild nur dann: wieder eintreten möchte, wenn die Erde 
von Neuem ihre Stirne runzeln sollte; eine Zeit, welche 
die Theologen den jüngsten Tag nennen. 

An diese’ Betrachtung knüpft sich eine Reihe von Prob- 
lemen: Stehen z. B. die Höhen gewisser und darin wel- 
cher plutonischen Gebirgsmassen in einem ‘ähnlichen Verhält- 
niss zu den Schachten der. Tiefe, denen sie enthoben sind, 
wie die Höhe der Gebirge: überhaupt zu den Tiefen des 
Meeres? — die späte  Emporhebung der Protogyne des 
Montblanc dürfte“) ihrer Höhe und ihrem Alter 'nach als 
Beispiel erwähnt werden. : Diese Frage darf man indess 
nicht einseitig auffassen, ‘sonst würde sie zu eben so unhalt- 
baren Resultaten führen, als Euız os Beaumont's geistreiche 
Ansicht von’ der.Gleichzeitigkeit der Erhebung aller gleich- 
streichenden | Gebirgshöhen **), da er übersehen, die 
älteren Hebungen: so weit: zu beachten, um die Schwierig- 
keit erwägen zu können, die schon die Verschiedenartigkeit 


kein Grund denken, warum sie in keiner älteren Formation vor- 
kommen, es sey denn, dass man sie’ alle von den Asteroiden her- 
leiten und -diese erst während der Diluvial- Zeit entstehen lassen 
wollte. 

*) Sollten wir missverstanden werden können, um erst an die Worte 
ALEXANDER’S v. Humsorpr errinnern zu müssen, wo er sich in 
seiner Reise in die Äquinoktial- Gegenden des neuen Kontinent’s 
gegen die Vorstellungen ausgelöschter Vulkane sicher stellt. (B. 
V. Kap. 14, Theil III.,S. 21.): „Man wird den Montblanc, sagt 
er, und den Mont Dore nicht in die nämliche Klasse zusammen 
ordnen, wird die Auvergne und das granitische Thal von Caracas nicht 
unter dem gemeinsamen, Namen einer Landschaft ausgelöschter 
Vulkane bezeichnen“. 

**) Gleich hier im Vorübergehen die, Bemerkung, dass alle körnigen 
Kalke Deutschlands und Oberitaliens (nach v. Leowuarn offenbar 
plutonische Gebilde) dieselbe Streichungslinie hatten. 


"aM = 


des Widerstandes ‚gewisser Tiefen in verschiedenen Erdre- 
gionen. hervorbringen musste. — Diese Schwierigkeit wird 
auch hier von Bedeutung, wo wir nach einem Verhältniss 
der Höhe der Gebirge, wie ihrer Streichungs-Linien 
zu.den Tiefen fragen, denen ihre Masse entstammt und 
zu den Epochen; denen sie ihre letzte Hebung verdankt. 
Weitere Ausführung würde eine Darlegung der Länder- 
Vertheilung unserer Erdtheile,. die Rırrer Erdindivi- 
duen nannte, nach den Polen, im Verhältniss zur Achse, 
nach dem Äquator, im Verhältniss zur Ekliptik, nach den 
Länge- und Breite-Graden im Verhältniss zum Ganzen, mit- 
hin ein eigenes Buch, fordern, in welchem zugleich die Na- 
tur der magnetischen Pole untersucht werden müsste, weil 
diese in einem gewissen Zusammenhang *) mit dem Verhält- 
niss zwischen Land und Meer zu stehen scheinen — und 
ebenso die Natur der isothermen Linien **). 

Ferner: Da das Innere der Erde, und schon der Erd- 
rinde in gewissen Tiefen, keine scharfen Differenzen 
zulässt, und als das einfachste Gebiet des Planeten auch 
dasjenige ist, welches sich in seiner Entwiekelung unter 
alln am wenigsten verändern konnte, so müssen alle 
Gebilde, welche diesen Tiefen entstammen, (manche ältere 
und jüngere) einen ziemlich gleichartigen Teig vor- 
aussetzen. Nur im Erdinnersten ist die Möglichkeit einer 
Umwandlung aller Stoffe in alle, oder vielmehr, da in 
ihm bestimmte, gesonderte Stoffe gar nieht gedacht werden 
können, der grosse Heerd ihrer Stoffschöpfung zu 
denken *"*). Die Grenze dieses Innersten gegen die Erd- 


*) MuneeE in Artik, Nordlicht in GEHLer’s phys. Wörterbuch VI. 
(1833.) S. 260. Vgl. hier oben, S. 159. 

“”) Vgl. Ar.v. Humeorpr neuerdings in den Abhandlungen d. Berliner 
Akad. 3. Juli 1827. 

Umwandlungen zu Tage ausgegangener Felsarten, z.B. der Krei- 
de und anderer Kalke in körnigen Kalk durch plutonische Einflüsse, 
konnte man bisher nie tiefer, als, auf mehrere Fuss mit Zuverläs- 
sigkeit nachweisen, Veränderungen höchstens auf 30 F. Was man 


2) 


— 172 — 


rinde hin ist aber eine allmählige und die letztere ist in 
einer gewissen Tiefe von dem Inneren nur so weit bestimmt 
geschieden, so weit Alles, was dem Grade nach fort und 
fort verändert wird, am Ende auch der Art nach sich: än- 
dert, wie z. B. ein Ton durch allmähliges Höherstimmen 
in einen anderen Ton umschlägt. Dieser Übergang der 
Quantität und Qualität ist die Kraft des Maasses, ohne 
die keine Wirklichkeit, keine Natur gedacht ‘werden kann. 
— Mithinnimmt mit derEntfernung vom Erdeen- 
trum das Erdinnere an Differenz, jedoch so all- 
mählig zu, dass erst in bestimmten Regionender 
Erdrinde bestimmte Differenzen zu erwarten sind. — 
Steigen wir vom Erdinnern nach oben, so kommen wir aus der 
ätherischen Hitze allmählig in die Regionen feuer-flüssiger, 
so zu sagen, erdiger, d. h. solcher Massen, die den Keim 
sowohl der Metalle, als aller anderen Stoffe, (mithin auch 
unserer Erden) wie sie zu Tage liegen, immer bestimmter 
in sich tragen und entwickeln. Höher hinauf nimmt, stets 
mit der Hitze, die Feuerflüssigkeit ab. Wo das Reich des 
starren Festen begonnen, beginnt auch das Reich des 
tropfbar Flüssigen und über beide wölbt sich das Fir- 
mament der Atmosphäre. Erst mit und unter ihr kann auch 
das Feuer als Feuer, wie es uns in die Augen scheint (und 
wie es schon Herakteıros von seinem Wesen und Prinzipe 
unterschieden hat) zum Daseyn kommen. 

Nach Coroier’s geistreichen Berechnungen dürfte die 
erstarrte Rinde der Erde mindestens 12 bis 15 Meilen 
Tiefe haben, und auf jede 12 bis 15 Meter die Temperatur 
nach unten um 1° Cs. steigen. Die Berechnung der Tiefe 
der Erdrinde ist natürlich unzuverlässig. Die uns bekannte 
Tiefe beträgt kaum 3000 Fuss oder nicht ein Viertel einer geo- 
graphischen Meile, der Erdradius aber 860 Meilen. „Nach 
mehreren Erfahrungen, besonders den vulkanischen und den 


ausserdem Umwandelung nannte, ist entweder nur plutonisch ge- 
hoben oder gleich plutonisch emporgetrieben. 


— 193 — 


damit im Verbande stehenden, sind wir, wie Bıum *) sagt, 
vor der Hand wenigstens zu dem Schlusse berechtigt, dass 
in grösserer Tiefe die Bestandtheile der Erde noch diesel- 
ben sind. — Da nun, je tiefer wir steigen, um so mehr die 
Differenz der Stoffe abnimmt, so müssen (— abgesehen 
von der Geschichte des Erdinnern —) bei dem verschie- 
denartigen Einflusse der Bildungsweisen während des Em- 
pordringens und allmähligen Erkaltens in den höheren Re- 
gionen — verschiedenartige plutonische Gebilde in dem 
Maasse, in welchem sie aus grösseren Tiefen stammen, 
aus einem gleichartigeren Teige gebildet seyn. Diejenigen 
vulkanischen Gebilde also, die sich, abgesehen von dem Mi- 
nimum der Veränderung, die das Innerste der Erde wäh- 
rend der Ausbildung dieses Planeten erfahren und abgese- 
hen von den sekundären Einflüssen während ihres Empor- 
quellens, am meisten ähnlich sind, dürften wohl auch aus 
gleich tiefen Regionen kommen, natürlich dass man sich 
weder die Tiefe solcher Regionen auf einige Meilen, noch 
ihre peripherische Ausdehnung überhaupt anders beschränkt 
denken darf, als die Grösse und Gleichartigkeit ihrer Tiefe 
unter allen Zonen zulässt. Ermüden wir nicht, diese Punkte 
weiter zu verfolgen **), als hier geschehen darf, so stellt 
sich die Frage, ob sieh die Erdrinde im Laufe der 
Zeiten gar nicht nach der Tiefe, ob sie sich 
bloss nach der Oberfläche hin und auf ihr aus- 
gebildet hat. Beides in einem, der Natur der Sache 
gemäss, umgekehrten Verhältnisse: auf der Oberfläche näm- 


*) Brum, Lehrb. d. Oryktognos. Stuttgart. Scnweizersart. 1832, 8.7. 

“*) Indem ich dieses wieder durchlese, tritt mir Corvıer’s Ansicht in 
die Erinnerung, nach welchem die Übereinstimmun g heu- 
tiger Laven mit den ältesten vulkanischen Erzeug- 
nissen zu beweisen scheint, dass diese Feuergebilde aus dem- 
selben Behälter kommen. Betrachtet man gleichmässig die Über- 
einstimmung granitischer und porphyrischer Gebilde, so wie ihr 
Abweichendes von einander und von andern plutonischen Gebilden, so 
wird man auch von dieser Seite auf unsere Ansicht getrieben 
werden olıne Corpsur’s Bemerkung zu verkennen. 


— 11 — 


e 


lich durch Bildung fester, scharf begrenzter, und ‘mannig- 
faltiger, in der Tiefe durch fortgesetzte Bildung: feuer-flüs- 
siger, ausgedehnterer und einfacherer Stoffe, so dass die 
qualitative Veränderung ‚auf der Oberfläche ihr Mai- 
mum, im Erdcentrum ihr Minimum. behauptet. — Nun muss- 
ten sich aber im Beginn der Erd-Entwickelung, d. h.. wäh- 
rend der Scheidung des Innern und der Rinde, des Landes, 
Meeres und. der Atmosphäre, das Innere offenbar in dem- 
selben Maasse — die Atmosphäre mit eingerechnet — 
mehr expandiren, in welchem die Oberfläche sich zu einer 
Rinde konzentrirt hat. Denn diese Scheidung dürfen wir 
nur als eine Entscheidung, Entwiekelung, denken *). Es 
gibt aber keinen Grund, der mehr als scheinbar wäre, an- 
zunehmen, dass sich dieses Verhältniss seit jener Scheidung 
umgekehrt habe. Vielmehr wäre die. zunehmende Bildung 
feuer-flüssiger Massen — also treftlicher sog. Wärmeleiter 
— an den untersten Regionen der Erdrinde die Folge einer 
fortwährenden Regung und Ausscheidung aus dem tieferen 
Inneren, das sich dadurch immer reiner setzen würde, der 
Atmosphäre vergleichbar, die heute, aller Analogie zu 
Folge, reiner ist, als sie ursprünglich war. — Die ÜUner- 
schöpflichkeit, oder doch der ungemessene Reich- 
thum dieser innersten Quelle spricht für, wenig- 
stens auf keine Weise gegen diese Vorstellung, die die 
ganze Erderhaltung als eine. beständige Schö- 
pfung und Selbst-Entwiekelung ansieht. Ja man 
könnte sagen — seit mit der diluvischen Katastrophe die 
finsteren Gewalten der Vorzeit auf dem Boden des organi- 
schen Lebens einem beruhigten Weltentage weichen muss- 
ten, habe ihr Feuer in der Tiefe fortgewirkt und zürnend, 
um eines mythischen Bildes mich zu bedienen, selbst die 
ätherischen Höhen der Atmosphäre zu Hülfe gerufen. Diese 
vermochten nur — mit Meteoren zu antworten und seine 
eigenen wilden Gewalten konnten die fest gewordene Rinde 


*) Ad hominem: Sonst wären ja neue Stofie dazu gekommen! 


— 15 — 


nicht sprengen, deren obere Regionen durch minder dichte 
Massen noch überdiess' die, Ausstrahlung der Wärme aus 
jenen Tiefen hemmten, so: dass eine Zeit zu erwarten ist, in 
welcher ‚die innere Hitze, immer in sich zurückgebannt, bei 
Ausscheidung immer neuer, feuerflüssiger Massen in den 
Tiefen, durch die 'gewaltsamsten Eruptionen einst wie- 
der losbrechen, die Erde — durch ihre eigene Ent- 
. wiekelung: — zersprengen, die Entfaltung neuen Lebens 
einem anderen Planeten überlassen, und in ihrem Ende 
das wahre Gegenbild, ihres Ursprungs geben 
wird. Wer daher das letzte nicht bedenkt, kennt auch den 
Anfang und die Mitte nicht. So in der Geschichte der Na- 
tur, wie in der der Völker! Diess sey eine vorläufig 
hypothetische Antwort auf Beaumont’s Hypothese! — 
Man wird mich nicht pedantisch auffassen, als meinte ich: 
die Erde werde sich innerlich etwa verstopfen, an diesem 
Übel sterben, — oder unsere Vulkane spucken lassen, wenn 
sich im Innersten überschüssige Stoffe gebildet. Was sollte 
eigentlich in diesen Räumen überschüssig heissen® doch 
wahrhaftig nicht das Fingerhut-grosse Maas der Laven, die 
die. postdiluvische Zeit auf die Oberfläche ausgoss, selbst 
wenn man sich aussinnen wollte, solche Massen hätten seit- 
her zahllose Riesenhöhlen: im Innern der Erdrinde um ein 
Bedeutendes schon verstopft! Legt man auch. das Maas eines 
Infusionsthierchens an das Zimalaya-Gebirge und vergisst, 
dass dieses kaum ein Sandkörnchen auf einem Globus vom 
Durchmesser einer Elle ist$ Nein! ich denke, man wird mich 
verstehen und einsehen, dass ich mit dem mythischen Bilde 
„nur versuche, meine Gedanken ganz imAllgemeinen zu 
versinnlichen“ *). 

Diese Ansicht von der Erderhaltung, als einer fortge- 
setzten Schöpfung verträgt sich übrigens sehr wohl mit der 
spezifischen Diehtheit der Erde (= 4,713), die sich, 
gleich ıhrer (ganzen Gestalt, ohne ursprüngliche Hitze gar 


*) Vgl. v. Horr über Karlsbad S. 65. 
Jahrgang 1834, 12 


- MG — 


nicht erklären lassen würde, so wie mit der Annahme, dass 
einzelne Regionen der unbekannten Erdrinde 
durch vorzügliche Schwere sich auszeichnen, was 
gleichfalls ohne ihre innerlich bildende Thätigkeit nicht ge- 
dacht ‘werden könnte. 

Was haben wir aber, da wir doch von einer Anwen- 
dung solcher Art sprachen, über den Heerd unserer jetzi- 
gen Vulkane aus diesen Ansichten gewonnen? Dass wir 
uns entfernen müssen nicht nur‘ von Przystanowki's selt- 
samer Theorie, die bei allen sonstigen Verdiensten die Wär- 
kungen des Vulkanismus mit seinen Ursachen verwechselnd, 
den Ursprung namentlich der Jialienischen Vulkane im Schwe- 
fel und Asphalt sucht *), wie ihn Andere in anderen un- 
tergeordneten Produkten derselben suchen, — son- 
dern auch von der gewöhnlichen Ansicht, die alle vulkanische 
Erscheinungen des heutigen — beruhigten—W eltentages unmit- 
telbar von der Erdmitte, dem sog. Erdkern, ausgehen lässt. 
Denn allem Bisherigem zufolge **) müssen zwar diese Phänomene 
ihren spezifischen Heerd, wenigstens zum Theil, in den 
tiefsten Tiefen der Erdrinde, alle aber müssen ihn jeden 
Falls in dieser selbst haben, wenn sie auch nicht alle, 
direkt genommen, ven dem Punkte ausgehen, wo diese 

Rinde eben aufhört, fest und entschieden flüs- 
sig zuseyn, wo.also das Innerste mit ihrer Na- 
turim Konflikt oder Verkehr ist. Einige dürften 
vielleicht von den Grenzen ausgehen, wo das Feuer-Flüssige der 
Tiefe ein Festes zu werden beginnt ***); diess wären aber 
nicht diejenigen, die die treueste Ähnlichkeit mit unseren 
(wichtigsten) Äerolithen verrathen, denn diese würden in grös- 


”) Meine Vorlesung über die Natur Unteritaliens in den „Vermisehten 
Aufsätzen. etc.“ S. 198. 

**) Selbst wenn man die Ansicht halten wollte, die einseitig auf die 
Gesetze der Schwere sich beziehend, unsere wie die ältesten 
vulkanischen Phänomene einzig durch den Einfluss des Druckes 
erklären will, den die festen Regionen der Erdrinde auf die feuer- 
flüssigen Massen ausüben, die konzentrisch ihre Tiefe umgürten. 

*+*) Athene Heft 3. S. 284. 


m — 


seren Tiefen zu suchen seyn *), Wie dem auch sey, die Rinde 
kann auf keine Weise so gedacht werden, als sey sie haar- 
scharf (durch eine abstrakte Grenze) von dem tieferen In- 
nern geschieden. In der Rinde der Erde herrscht über dem 
Feuer-Flüssigen das Starre und mit und auf diesem das 
Flüssige, in der Erdmitte keines von beiden. Ihr höheres 
Innere kann man sich in dieser Beziehung als ein Gegen- 
bild ihrer Pole denken, deren einer der Länderwelt so nahe 
steht, als der andere dem Reich des Flüssigen anheiimgege- 
ben ist. Denn auf beiden ist das Flüssige durch Kälte un- 
mittelbar starr, es ist Eis; ein Gebilde, welches L£o- 
PoLd v. Buch früher unter die Felsarten aufgenommen wis- 
sen wollte. In jenem Inneren aber ist das Feste durch Hitze 
unmittelbar flüssig: im Zustande der Expansion. 
Die höchste Expansion herrscht im tiefsten Innersten. Wie 
kann diese einen Kern bilden® — Das Feuer ist nur ge- 
gen das Wasser ein Extrem. Die fluidisirende Kraft des 
Vulkanismus ist, wie gesagt, ein neptunisches Moment in 
ihm selbst, wenn man nicht sagen will, die fluidisirende Kraft 
überhaupt sey ein vulkanisches Moment im Neptunismus. 
Ja, man kann beides sagen, je nachdem man das Reich des 
Flüssigen, abgesehen von seiner Ursache, Temperatur etc. 
oder nicht, dem Neptun zuschreibt. Was soll nun der Streit 
solcher Extreme in der Wissenschaft? Aufräumen und neu 
gestalten, nichts weiter! Wasser ist nur flüssig in einer be- 
stimmten Temperatur. Diess muss der strengste Neptunist 
anerkennen — wo nicht, so hat sein Neptun nichts weiter, 
als ein gewisses Maass von Sauerstoff und Wasserstoff etc., 
nicht einmal allen Sauerstoff und Wasserstoff ete, zu seinem 
Gebiete (und dieses nur innerhalb der Grenzen eines be- 
stimmten vulkanischen Momentes — einer bestimmten Tem- 


*) Einige Geologen haben versucht, die grössere oder geringere Tiefe 
nach der längeren oder kürzeren Dauer der vulkanischen Krisis 
zu bestimmen, z. B. E. Donart (vgl. v. Leonuurn’s und Bronn’s 
N. Jahrb. 1833. V. S. 579... Man könnte sich eben so au deu 
Umfang halten. 

12 * 


- MB — 


» 


peratur, die man wohl übersehen, aber nicht ableugnen kann). 
Will man einen solehen Neptun mit den Gewalten des 
Feuers in die Schranken stellen$ Verständigte sich der 
Neptunist über das, was er Wasser nennt *), es würde bald 
kein Sektenmesser mehr an die Kehle eines Geologen gesetzt 
werden **). 

Wir kehren aus dieser Eryiätleese Sphäre allmählig 
auf den festeren Boden der Erde zurück und halten an der 
einfachen Wahrheit fest, dass die Ausbildung ihrer speziel- 
len (mithin ihrer wesentlichen ganzen) Natur hauptsächlich 
von ihr selbst ausging, dass weder ihr Inneres allein, noch 
irgend Eine Seite ihrer Rinde die aussehliessende Kraft 
dieser Ausbildung an sich reissen, und dass sich überhaupt 
die Rinde von diesem Inneren nicht so abtrennen konnte, 
als sey die Erde im Innern an einem scharf begrenzten Punkte 
mit einem Male Rinde und mit einem Male ganz hohl, In 
solchem Sinn hat die Natur, wie GörtuE in weiterer Be- 
ziehung sagte, weder Kern noch Schale. 

Der Akt, welcher den Dunstkreis um unse- 
ren Planeten bildete, war demnach der Akt, in 
welchem sichFestes und Flüssiges auf derErde 
geschieden und das Innere in demselben Maasse 
mehr expandirt, in welchem sich die Oberfläche 
konzentrirt hat oder erstarrt ist **), 


*) Nicht bloss im chemischen, sondern im allgemein physikalischen 
Sinne. Denn seine Kämpfe gegen die Chemie kennen keine Gren- 
ze, mag er sich unter dem alten Wasser immerhin etwas Anderes 
denken, als unter dem heutigen, mag er es sogar als eine Art 
Urschleim betrachten. 

®s) Es ist sonderbar, welche Vorstellungen manche Geologen von der 
Natur des Äthers und der Erde haben. Noch seit Menschengedenken, 
sagen sie, durch unbiblische Auslegung der mosaischen Genesis 
verleitet, "habe der Planet Wassermassen, welche die Himalaya- 
Gipfel und alle Höhen der Erde gleichzeitig fünfzehn Ellen hoch 
bedeckt hätten, in den Weltraum verdunstet, wie er die Seelen 
der Sterbenden auf andere Sterne entfliegen lasse. Alles, was 
sie für hoch ‚und herrlich halten, mit den Seelen lassen sie 
sogar die Wasser, Massen-weise der Erde entweichen und die 
allgedultige Erde leer ausgehen. 

”##) Mehr als die Grundzüge davon zu erkennen, wird man heute 


- 179 — 


Wir. haben damit die Grundzüge nicht‘ nur der N a- 
tur desErdinnern, sondern auch — seiner Geschichte! 
Werfen wir nun einen Blick auf die allgemeine Geschichte: 
‚des Dunstkreises, Meeres und Festlandes, um uns 
über: die Natur der Wärme auf der alten Erdoberfläche 
genauer zu’ verständigen! Denn diese ist doch. eigentlich der 
'streitvollste Punkt der heutigen Geologie. 

a) Nach jener Scheidung herrsehte imanfänglichen 
‚Dunstkreis das Wasser wohl noch mächtiger, als in der 
‚heutigen Atmosphäre. Denn die erste Scheidung war 
nur der Beginn der jetzigen und die erste Atmosphäre, al- 
ler Analogie zufolge, minder rein und ausgeschieden, als die 
«heutige, esmochte jene einen grösseren Reichthum an Stoffen 

verschiedener Art haben, als'diese, oder nur quantitativ, oder 
nursofern von ihr sich unterscheiden, sofern letztere noch heute 
einen Mikrokosmus des ganzen materiellen Wesens der Erde 
in der expandirtesten Form ihrer Stoffe, obwohl unter anderen 
Verhältnissen, darstellt. | 

‚Musste demnach die alte feuchte Atmosphäre ein stär- 
keres Gewicht auf die Oberfläche der Erde ausüben,’ als die 
heutige® Musste mithin: die Verdunstung der alten Erdober- 
fläche von dieser Seite mehr zurückgedrängt werden? Muss- 
ten die ältesten ‚Wolkenschichten, die man annehmen darf, 
das sog. Ausstrahlen der Wärme verhältnissmässig mächti- 
ger, als die heutigen, hemmen $ 

Die Erdoberfläche hatte damals eine weit höhere; seibst 
‚der: Dunstkreis tiefer durchdringende Temperatur. Wohl 


so wenig fordern, als man jemals zu wissen braucht, wie viele 
Sandkörner das todteMeer enthält. Fragt man z. B., ob das Erd- 
Innere unser Kalzium etc. enthalte, so sagen wir, wenn vom 
Innersten die Rede, ja und nein: Nein, weil es. dasselbe unmög- 
lich so enthalten kann, wie unsere chemische Küche. Ja, weil es 
nicht nur das einfache Wesen dieses, sondern aller Stoffe, die auf 
der Erde zum Vorschein kommen, enthalten muss. Aber einfach 
(so einfach, um es im Erd-Centrum suchen zü dürfen) i s t nicht 
was wir noch nicht zersetzen können. Diess ist bloss einfach 


für uns, darf aber auch nicht von uns willkürlich behandelt: 
werden. \ 


un 


begünstigt ein gewisser Druck einer bewegten Atmosphäre, 
niemals aber die Feuchtigkeit derselben die Verdunstung der 
Wasser, doch das Maas dieser Bewegung fehlt uns. Unsere 
Luft nimmt, je höher ihre Temperatur, um desto leichter 
Wasserdünste auf und in warmen Klimaten schlagen sich 
diese seltener, aber desto stärker als Regen nieder. Wasser- 
dämpfe vermindern indess die Dichtigkeit und das Gewicht 
der Luft *). 

Will man in der alten Umgebung der Erde, im Alche, 
eine luftleere Grenze ihres Gebietes suchen, so ist zu be- 
denken, dass die Flüssigkeiten im luftleeren Raum schneller, 
als im lufterfüllten verdampfen. Aber auch in jenem kann, 
nach neueren Ansichten, nicht mehr Dampf als in diesem 
existiren. Der Dampf der Flüssigkeiten hat so gut seine 
Grenze, als die Luft. Würde man also statt der atmosphä- 
rischen Luft nur eine Dampfhülle um die Erde annehmen, 
so würde desswegen die Verdampfung des Flüssigen, wie 
der Neptunismus zum Theil fordert, noch nicht ins Unbe- 
stimmte, Unendliche fortgehen, sondern dennoch eine be- 
stimmte Grenze haben **). Nur in Analogieen kann man sich 
bis jetzt weiter bewegen. Und diesen zu Folge nimmt nach 
Saussure und Gay-Lussac, ohnerachtet der grossen, durch 
die Atmosphäre genährten Feuchtigkeit hoher Berggipfel, 
mit der Höhe der Luft die Feuchtigkeit ab, wie sie in einer 
gewissen Tiefe der inneren Erde auf eine u Weise 
in heissen Dämpfen verschwindet. 

Dieses Verhältniss unterliegt nur innerhalb der Grenzen 
einer bestimmten Höhe (wie die Temperatur der Erde nur 
bis zu einer bestimmten Tiefe) dem Wechsel der Jahres- 
und Tageszeiten, so dass diese Differenz am Morgen stärker, 
als am Mittag, im Winter stärker, als im Sommer ist ***), 


*) Nur dadurch haben sie nach Sıussure und n’Aupuisson einen je- 
denfalls mittelbaren Einfluss auf Strahlenbrechung. Journal de 
Phys. 71, 39. 

**) Über diese Grenze vgl. mit DaLron’s neuem System etc. I. 185. 
Munczg in GeHLER’s phys. Wörterb. Leipzig, 1825. B, I. S. 473. 
Vgl. Kıstner’s Meteorolog. etc. 

»*+) Bibl. univ. X. 264. Muncks a. O. I, (1825.) S. 469. 


— 181 — 


Unter höheren Breitegraden, im Winter, und in grösseren Hö- 
hen vermindert sich, ganz entsprechend den bisherigen Bemer- 
kungen, der Wasserdampf der Atmosphäre und umgekehrt. 
Schon desshalb: fallen die stärkeren Regen in tropischen Ge- 
genden und :in den Sommer-Monaten. — Der. Anfang der 
Regenzeit. unter den Wendekreisen und der elektrischen 
Explosionen, welche beide unter den Tropen zu bestimmten 
Epochen eintreten, werden indess nach ALEXANDER von Hum- 
BoLDT *). von der veränderten Abweichung der Sonne und 
von den. dadurch in: ihrer Stärke modifieirten) oberen Luft- 
strömen. vom Äquator, gegen die.Pole. bestimmt. —: Wir über- 
lassen ‚dem denkenden Leser die Folgerungen. aus diesen 
flüchtigen Vorerinnerungen **). | 

.b) Mögen wir nun annehmen, es, habe sieh‘v.or jener 
Scheidung des Resten, Flüssigen und der Atmosphäre. die 
Wärme der: Erde: ***) allmählig,.oder in, verschiedenen Epo- 
chen. plötzlich vermindert .}).oder, mehr, nach Innen +}) ge- 
zogen, oder auf'ihrer Oberfläche auf beiden Wegen. zei 


"'>) Abhandl. Beri. Akad''3. Jul! 1827. S. 309. 

**) Meine Schrift über: den Ursprung; der, Menschen und. Völker nach 
‚der, mosaischen Genesi& $.: 96, f., wo S. 59, 2. 11. uns, statt aus, 
und S. 60. Z. 1. nach, statt noch zu lesen. 

*®*) Vgl. MaLten’s neueste Weltk. Jahrg. 1832. Th. XII. S. 186. ff. 
zum Theil wohl nach MurceL DE Serres Revue encyclopedique 
1832. Juillet. Vgl. v. LeonuarD und Bronn’s Neues ‚Jahrbuch 

„4833. Heft. V. S, 590. . 
_ D Durch diejenige Entwickelung derselben, die uns: in Form der sog. 
Ausstrahlung bekannt geworden. _ 

Diese würde hier die unbewiesene Annahme Aare „ dass 
die Erde, die kein. Sonnenstäubchen aus ihrem, Reiche entweichen 
lässt,. den erfüllten Weltraum von ihrer Wärme nicht wenig abge- 
treten habe, In gewissem Maase liesse sich in. dem ersten Lebens- 
‚stadium unseres Planeten. diese Annahme, wenn sie von anderen 
. Mängeln gereinigt würde, scheinbar rechtfertigen, zumal der sog, 
Wärme-Stoff nux eine Hypothese und mindestens ebenso unhaltbar 
et als die Erklärung der Wärme für eine _blosse Kraft. In je 
nem Fall wird sie. eine quantitas vcculta, wie, sie in diesem 
nur eine yualitas occulta ist, was sie in jenem zugleich bleibt. 

tt) Thatsache ist und bleibt es, dass die Erd-Oberfläche gegen- 
wärtig, eine ungleich geringere Temperatur, als früher, zeigt, und 
dass diese Temperatur schon in den ältesten Perioden, die uns 
kenntliche organische Reste hinterlassen, weit mehr abgenommen 


— 12 — 


abgenommen *), so haben wir den Akt, 'wo sich das Flüs- 
sige, das Wasser, sammelte und von dem Festen schied, der 
‚Vorstellung näher gebracht. 

Ohne eine solche oder ähnliche Bedingung — zu einer 
‘Zeit, da die gährenden Lebenskräfte ‘der Erde die Invidua- 
lität dieses Weltkörpers noch bei Weitem nicht so,'wie es heute 
oder seit der Bildung der Atmosphäre der’ Fall.isty von den 
Einflüssen des Äthers frei gemacht — bleibt: jene Scheidung 
kaum denkbar: Die erste Abnahme’ der Temperatur 
auf der ‘Oberfläche der" Erde erklärt:'aber 
schon eine Verdichtung ihrer‘ Rindeund eine 
Sammlung der Wasser auf dem Boden dieses er- 
sten Festen **). i 

‘Nach der Scheidung des un und Vestegi mag dieses 
zuerst nur 'Insel-artig der Sonne offen gelegen 'haben. Die 
ungleich ' grössere Ausdehnung des Wassers auf der Erdober- 
fläche dürfte sich durch eine‘ geringere Tiefe desselben ' aus- 
geglichen haben, da man nicht voraussetzen kann,'eine so un- 
geheure Wassermasse sey von der Erde grossentheils. ver- 
schwunden. ' Später erhöhte Gebirge erzeugten: grössere Tie- 
fen ***) und wiesen dem Meere ein nach oben begrenzteres, 


“als die gleich alte Sonne ersetzen konnte , von deren Geschichte 
so wenig zu sagen ist, als von der u Äthers, = „unser ner 
stem umgibt. | 
0) Könnte nicht die Selbstthätigkeit der Erde theils durch 
sog. Au sstrahlung, theils durch Con zenträtion der Wär- 
m e nach Innen (mittelst der späteren Überlagerungen ‘durch min- 
der dichte Massen und schlechte sog. Wärmeleiter) auf jenem 
Wege allmählisg, auf diesem oft plötzlich ihre Ober- 
fläche der früheren Wärme beraubt haben?? Im gesunden Or- 
| ‚ganischen "Leben zeigt sich die analoge Erscheinung, dass sich 
... der Puls des Kindes allmählig mässigt, im kranken oft plötzlich. 
„Und ist die Erdwärme nichtein eben so grosses und eben so löss- 
bares Räthsel, als die Blutwärme oder ame Wärme des 
Ai h Organismus? - — Davon weiter unten. 
=) Eigentlich hat diese Idee in früherer Zeit Niemand tiefer als 
Leienurz aufgefasst. Ihm war, das erste Erkalten der Erde 
ihr.erster Schöpfungsakt, während, nach ihm, De Lvc diesen 
Akt im ersten Aufthauen des Gefrorenen suchte. 
*::) Im stillen Ozean soll die mittlere Tiefe 4 Meilen betragen. Som- 
MERVILLE in Edinb. n. phil. Journal 1832. XXVI. 876. f. 


— 13 — 


aber tieferes Gebiet'an. Dazu kommt noch,'als untergeordne- 
tes-Moment, die ausdehnende Eigenschaft der höheren Tem- 
peratur des ersten Flüssigen der Oberfläche. Die Meeres- 
Temperatur kann aber seit der Schöpfung marinischer Orga- 
nismen in das ‘Gebiet dieser Erklärungsgründe nur so weit 
mit Erfolg gezogen werden, so weit sie ‘die Existenz solcher 
Wesen nicht'ausschliesst. Ulven und Moose leben noch heute 
am Rande ‘des  Karlsbader Sprudels wie des’ Isländischen 
Geysers. Ja das grüne, vegetabilische Wesen, das vom Äarls- 
bader 'Kalksinter oft eingeschlossen wird *), wurde von: Ei- 
nigen’ für ein Thier gehalten. Andere untersuchten 'die Hitze- 
Grade, unter ‘welchen pflanzliche und thierische Organismen 
überhaupt leben können. Aber: wie gross‘ auch: diese seyn 
mögen '— 'auf! die- Ausdehnung ‘der Wasser konnten'sie, 
selbst unter der: Voraussetzung, dass ‘die Natur der ältesten 
Organismen “ hohe‘ Wärmegrade ; liebte, - nur einen  be- 
sehränkten Einfluss’ üben. Diess gilt mehr oder weniger auch 
von späteren Erhitzungen 'empörter Gewässer durch 'plutoni- 
sche Aufregungen; ‘sowohl allgemeiner, als örtlich beschränk- 
ter Katastrophen; die’ gleichwohl 'ganzen Reichen 'von See- 
Geschöpfen den Untergang gebracht haben dürften. 

Dass aber das’ alte‘Meer'lange Zeit weit 'ausgedehnter 
war und eine »höhere Temperatur hatte, als’ das’ heutige, 
muss man, 'unter der höchst wahrscheinlichen Voraussetzung, 
dass die Analogie der alten‘ Felsarten, ‘die das heutigeMeer 
mit denen, die unsere 'Atmosphäre umhüllt, allgemein durch- 
greift; sehon aus der Natur: der organischen Reste folgern, 
die in den ältesten‘ und 'in' den sog. sekundären Schichten 
normaler Gebirgs-Massen iliesen.' Der bei‘ Weitem grösste 
Theil’ dieser‘ Organismen scheint‘ nämlich ’das Daseyn von 
bildungskräftigem Wasser und eine ziemlich hohe Tempera- 
tur vorauszusetzen. Selbst die Vegetabilien jener Zeit äh- 
neln zu einem grossen Theile solchen, die heute nur an 
feuchten Orten:oder durch Wasser gedeihen, wiewohl schon in 


den Gruppen des älten Steinkohlen-Gebildes, in dem Gebiete des 


”) Götne zur Naturwissenschaft I, S. 50. 


— 14 — 


Bergkalks und nach den Angaben einzelner- Naturforscher 
sogar schon in dem des alten rothen. Sandsteins: pflanz- 
liche Reste sichtbar sind, die eine: ziemlich entwickelte 
Landvegetation verrathen. Selbst die. Vegetabilien der 
Grauwacke, in denen man Palmen-artige-Blätter und Calamiten- 
Abdrücke findet, und’ die den gegenwärtigen. Pflanzenarten 
im Ganzen nur entfernt ähnelu, entsprechen denen der Stein- 
kohlengruppe,. in der man neuerdings. auch Seemuscheln 
gefunden., Was man aber von. diesen, ‚wie‘. von. den 
Monokotyledonen der Grauwackenschiefer,, urtheilen mag; so 
viel bleibt ‚gewiss, dass nicht nur ‚die. Anzahl; der Verstei- 
nerungen mit dem 'steigenden. Alter. der 'ersten:normalen Ge- 
bilde abnimmt, sondern auch dass ihre Mehrzahl ursprüng- 
lich auf umfangreichere Wasser hinweisst. ‚ Und wenn. — um 
an ve Luc’s und Buckrann’s Theorieen zu erinnern — in.der 
mosaischen Genesis. die! ersten Pflanzen: älter ‚erscheinen; 
als die Wasserthiere, so konnten! jene doch 'nur'einem feuch- 
ten Boden: entspriessen, oder unter den 'Nebeln der alten 
Erdoberfläche 'gedeihen *). ‚Darf. man‚sich. hier, nur salzige 
Wasser ‚oder überhaupt; schon; einen, vollkommen ;ausgebilde- 
ten Salzgehalt ‘des Meeres. denken $..Die' Frage wird. uns 
weiter unten beschäftigen. Hier ‚dürfen. wir, bloss bemerken : 
diese Eigenschaft des Meeres,,...sie sey eine ursprüngliche 
oder nicht, hängt keineswegs. von.den Gesetzen der blossen 
Schwere ab, was schon ‚daraus. ‚hervorgeht, dass der Salz- 
Gehalt ‚in der: Tiefe des: Meeres. nicht eigentlich zunimmt **). 
— Die Ursprüngliehkeit des. Salz-Prinzips im Meere wider- 
streitet, keineswegs einer, weiteren ‚Herausbildung, dieser Be- 
schaffenheit.. Das.‘ Salz. bleibt ;\jedenfalls, wie! BerzeLıus 
sagte ***) ein Produkt des Erogensos a ara 


*) 1 Mos. 26. ff, Meine, Schrift: her Pe "Urap. der Dein und 
Völker nach der mos. Genesis, Nürnberg. bei ScHRuc. 1829. $ 15 
und $. 90. 

») Vgl: P. H. Horzemann dissert, medico-chemica inauguralis de aqua 
marina. Trajecti ad Rhenum. 1833. v. LeonHarn’s und Bronn’s 
N. Jahrb. f. M. etc. 1833. V. S. 626. 

+3) Vgl. Berzeuıus Lehrb, der Chemie, Pour in dem Berliner Jahrb. 


— 15 — 


c) Die erste Bildung des Festen war also nach dem 
Bisherigen : auch .die erste. Bildung des Flüssigen' und der 
Atmosphäre. — Sie setzt demnach eine allgemeine. Einheit 
dieser drei Hauptmomente des tellurischen Organismus voraus. 

Fragen wir nun, woher das erste Feste_kam, so ha- 
ben wir im Allgemeinen: schon die Antwort!;-Es kann we- 
der bloss aus Aussonderungen des Wassers, noch. der At- 
mosphäre, noch bloss aus: Stoffen der: Tiefe herrühren *). 
Alles aber hat daran Antheil,; nur muss Eines,: eben:/wenn 
das. erste Feste schon ein bestimmtes; Festes: ist, ‚einen: 'vor- 
"zugsweise bestimmten Antheil haben. ‚Erinnern wiruns aber 
der Beschaffenheit der anfänglichen tellurischen Masse, so wer- 
den wir als das kräftigst wirkende Prinzip derselben: die von 
‚Innen heraustreibende Hitze — das Feuer — anerkennen **). 

Diese Kraftäusserung des Planeten ist aber: so .alt, als 
er selbst, mithin der erste Augenblick seines. Daseyns schon 
der Beginn des: Prozesses dieser Scheidung: |***), so, 


— 


',1824. April. Die ‘bekannten Worte von ESRSRFITE nennen..das 
Salz das Produkt vom. Gleichgewicht der entgegengesetzten Kraft- 
Äusserungen, (FRANKLIN sagte: das Meer bestehe aus nicht elek- 
trischem- Wasser ‘und’ aus elektrischem Salze. Experim. and ob- 
serv. of Electricity. London 1769. 4. Werke Th. Il, :S... 367.) 

®) Ad hominem: ‚Woher: sollten denn die Niederschläge eines W assers, 

das noch nicht als Wasser, einer Atmosphäre, die noch nicht als 
solche existirte, woher die festen Stoffe eines nicht‘ vorhandenen 
Erdkerns kommen ?; 2 

“") Wem es etwa'gefallen sollte, das Wort ur in einem Sinne zu 
nehmen, in welchem es in der verhüllten Tiefe unmöglich gedacht 
'werden kann, der fällt in einen Irrthum, der schon 'vor mehr 
als tausend Jahren widerlegt worden ist.: Er kann sich bei 
gutem Willen aus Puırıron. ad ArısroteL. de anima. 1], 2, zum 
„Theil sogar ‚aus dem Kirchenvater Cremens Strom. ‚V. 14, davon 

‚ überzeugen, um zu lernen, was Feuer heisse, wie .er aus einer 
oben gegebenen Weisung entnehmen konnte, was Wasser nicht heisst. 

”) Man dürfte, an die geringe Abnahme der Hitze erinnern, 

‚ unter, der die ältesten plutonischen Massen erstarren konnten. 
Ein Grad unter der Weissglühhitze würde die granitische Masse 
„schon in Erstarrung versetzen. Aber solcher Ausführungen bedarf 
es hier so wenig, als eines Beweises, dass die Gleichzeitigkeit der Bil- 
dung des Festen und Flüssigen dadurch nicht gefährdet wird. 
Die Natur will einfach gefasst, aber in allen Beziehungen 


— 186 — 


dass die Erde als glühender Planet im Äther geboren, so- 
gleich ‘einen grossen Theil ihrer Hitze entband, und ihr 
(eigenes): Wesen in ihr selbstfester zu:begründen — zu 
‚entwickeln strebte. 

«Dieser energische Prozess war in ihrer ist. 
sie in ihrer äusseren‘Bewegung ihr Umschwung 
‚um “sich: und um die Sonne''war, — Wollte'man sich’ für 
‚diesen anden Ausdruck kosmischer Magnetismus binden, 
‘so’dürfte man jenes einen kosmisehen 'Galvanismus der 
Erde‘ nennen %). Es: war: Entbindang der Wärme und: eines 
“Theilssder flüchtigsten Materie ($) in den umgebenden Äther 
-und Kontraktion ihres Wesens und ihrer Materie in sich selbst. 

“Nur 'in der: Einheit dieser doppelten Beziehung der Erde 
.offenbarte ‘sich die volle Kraft ihres chemischen. Wesens :. 
‘ähr absoluter Chemismus,: in eben demselben: Akte, in. 
'welehem »sie' sich dem ’Äther:'entwand ‘und sich “aus Sich "= zu. 
entwickeln, 'als Planet da zu seyn begann. 

Demnach treten erst mit der anfänglichen Scheidung des: 
Innern und der Rinde, des Landes, Meeres und Dunstkrei- 
ses auch die, physikalischen Elemente in ihre volle 
Existenz. ‚Das Feuer kann erst hier als F euer, das Wasser 
als Wässer,' die Erde in bestimmten Formen ‚auftreten 
und die Luft in der Atmosphäre sich ausbilden. Erst von 
er, an gibt, es einen meteorologischen Prozess, in 

welchem alle Elemente ihr Bestehen haben und :sich wieder 
ERBEN; wie sich auf der Erde a ai 


x): 


pfung begriffen ‚sind! 


erkannt werden. Es handelt sich um die Einheit ganzer Perioden, 
- nicht einzelner Tage und Stunden. (Selbst bei unseren Den 
dauert die Gluth im Innern oft Jahre lang.) 


” Vgl. v. LEonHArD Vorles. in der Münchner Akad. 12. "Okt. 181649 % 


Bedeutung und Stand’ der "Mineral. Frankf. a. M. 1816. "S 10£. 
»%) Je genauer ich z. B. die Streitfragen über die Wiedererzeugung 
des Sauerstoff’s in der Luft erwäge, je weniger kann ich mir den- 

i ken, dass der sogenannte Abgang ihres Sauerstof®’s durch die Aus- 
athmuugen der Pflanzen, durch ihre Zersetzung der Kohlensäure, 


— 197 — 

Ist nun die Atmosphäre der Erde wirklich, wie sie 
betrachtet wird, die Sammlung aller diesem Planeten ent- 
steigenden Dünste, — so kann offenbar seit ihrer Ausbil- 
dung *) der Äther keinen Stoff mehr von der Erde erhal- 


ten, wie er mindestens seit dem jetzigen-postdiluvischen 
Stand der Dinge **) auch keine Wärme mehr erhalten konnte ***), 


vollständig ergänzt wurde: eine Ansicht, gegen die unter Andern 
schon Berzerius gestritten. Auch die neueren Theorieen dieser 
Art scheinen mir zu künstlich. Mitwirkenden Antheil mögen die 
Organismen haben, aber sie haben ihn nur innerhalb des 
meteorologischen Prozesses, kraft dessen die physikali- 
schen Elemente der Erdoberfläche und ihrer Atmosphäre allseitig 
bestehen und sich erzeugen, Was gegen diese Ansicht geltend ge- 
macht werden könnte s. bei Muncke in GeuLer’s phys. Wörterb. 
B. I. a. 1825. S.’460. Man darf dabei an das von Horr bezeich- 
nete, weiter unten berührte Räthsel:'errinnern, dass der Spiegel 
des Meeres bei Erhöhung seines Bodens seit der Diluvialkatastro- 
phe so wenig gestiegen, als die Wärme der Erdoberfläche sich 
verändert hat. Das Räthsel löst sich, wenn man den Zusammen- 
hang dieser Erscheinung mit anderen vollständig untersucht und 
die Erhöhung des Meeresbodens weder zu hoch, noch die Ver- 
dunstung des Wassers, und was damit verbunden, zu gering an- 
schlägt, und nicht verkennt, dass die Atmosphäre , fortwährend 
in Thätigkeit, zersetzende Kräfte so gut als bildende, uns unsicht- 
bar,. auch da ausübt, wo man sie heute noch nicht verfolgen 
konnte, Wie könnte auch sonst, um nur etwas zu erwähnen, der 
"meteorologische Prozess derjenige seyn, durch dessen Vermittelung 
die unorganische Natur sich in die organische übersetzt? Die 
befruchtende Macht und die ganze Natur der Gewitter zeigt, 
dass diese noch unerklärte Erscheinung eine weit allseitigere 
Äusserung dieses Prozesses ist, als die Bildung von Sternschuppen 
einerseits und von Nordlichtern anderseits, 

*) Erinnern wir uns, was oben von der Feuchtigkeit und von den 
Wolkenschichten der alten Atmosphäre gesagt wurde, so werden hier 
viele Andeutungen klarer werden. \ 

”*) Ob etwa der Einfluss des Lichtes früher ein anderer war, ob 
er eben so, oder stärker oder schwächer auf die Erdoberfläche 
wirkte, kann man aus der Natur der alten Athmosphäre und aus 
den Spuren klimatischer Einflüsse entnehmen, die schon die ante- 
diluvische Welt zeigt. (Ausserdem vgl. Orzers in Bope’s astro- 
nomischem Jahrbuch 1826. S. 110. 

“**) Denn das Erkalten der Oberfläche nach der ersten 


Scheidung ist kein Kälterwerden der Erde im 
Ganzen. 


- 15 -— 


die nicht fortan in gleichem -Maasse, keineswegs bloss so 
sich wieder ersetzt hätte, wie der thierische Organismus 
einen Theil des entlassenen Blutes gleich wieder erzeugt. 
Die angegebene Begriffsbestimmung der Atmosphäre scheint 
uns nämlich eine der treuesten Bestimmungen zu seyn, die 
der Naturforschung oblagen, wenn man den Ausdruck Dün- 
ste mit Freiheit (d. i. allseitig) fasst, und alle Gas-artig aus- 
gedehnten Stoffe, die die Erde in Fülle aushaucht, und unter 
dem Worte Sammlung (gewöhnlich Sammelplatz) kein reines 
Passivum versteht, sondern einen im meteorologischen Pro- 
zesse wesentlich mitthätigen Heerd der Empfängniss und 
Fortbildung dieser expandirten Stoffe. 

Mit nad Selbstentwickelung hat also die Erde die Ein- 
flüsse des Äthers bis auf ein Minimum bezwungen. Ihre 
Ausathmungen hält sie in ihrer Atmosphäre gebunden. Sie 
lässt kein Stäubchen von sich, und spottet, so lange sieleben 
bleibt, seiner beraubenden Kraft, oder vielmehr sie saugt 
seine bildende Kraft so weit in sich ein, dass in ihrer Nähe 
kein neuer Weltkörper zu entstehen vermag. 

Diese Betrachtung führt uns weiter: Erwägen wir näm- 
lich statt der einfachen Natur des Äthers den vielbesprochenen 
Einfluss anderer Weltkörper auf unseren Planeten, so kenne 
ich, auch von dieser Seite her, bis jetzt keinen sicheren 
Grund, der mich zur Annahme verleiten könnte, die Erde 
habe jemals irgend einen Stoff in den Weltraum verlo- 
ren — ja, man müsste da entweder den Gedanken, dass 
dieErdeein wahres Ganze ist, völlig aufgeben, oder sich 
ein Wechselspiel ersinnen und sagen, sie habe alle solche Stoffe 
bei der Bildung ihrer Atmosphäre sogleich wieder an 
sich gezogen. Aber diese Bildung erfolgte mit jener 
Wärme-Entbindung *, so dass die erste Aus- 


®) Diese ist mithin kein förmlicher Verlust an Wärme für die Erde. 
Nichts zwingt uns, eine solche zu behaupten. Das Gesetz, nach 
welchem die Temperatur der Atmosphäre mit der Er- 
hebung von der Erdoberfläche abnimmt, ist nur durch 
Gaxr-Lussic’s Luftreise (Bullet. des science. math. phys. et chim. 
Mag. S. 304.) durch von HumsoLor’s etc. Beobachtungen auf Ge- 


- 


— 189 — 


athmung der flüchtigsten Stoffe der Erde, in 
denen sich, um kühn' zu sprechen, ein Mikrokosmus ihres 
ganzen materiellen Bestandes in der expandirtesten, durch 
eben diese Wärme vermittelten Gestalt darstellte, der 
Beginn der Bildung ihres durch ihre Kraft an sie 
gebundenen Dunstkreises war. Und sofällt jener Zwei- 
fel hinweg und mit ihm der Glaube an reellen Verlust der 
Wärme. 

Es bleibt allerdings, wenn wir die einfachen Gesetze 
der Schwere betrachten, eine anerkannte Thatsache, dass 
irgend ein Weltkörper, der eine Gravitation auf einen anderen 
äussert, die Schwere auf demselben (die Gravitation sei- 
ner Theile gegen einander) mässigt, wie man sagt, schwächt. 
Denn diese Äusserung der eigenen Schwere eines Weltkör- 
pers, die mit seiner Hitze die sphäroidische Gestalt dessel- 
ben bedingt, geht, im Ganzen gefasst, aus derselben Quelle 
hervor, aus welcher die Anziehung der Weltkörper gegen 
einander, die ihre Bahnen mitbedingt, und dieselbe Kraft kann, 
wenn sie einfach als Eine gedacht werden soll, nur insofern 
doppelte Wirkung äussern, sofern sie in dieser Äusserung 
sich selbst begrenzt, d. h. sofern jede dieser Wirkungen 
die andere mässigt und begleitet. So sind beide nur in und mit 
einander. Aber der Unterschied dieser Wirkungen liegt ei- 
gentlich schon in ihrer @uelle. 

Diese Thatsache ist, wie Parrot *) gezeigt, von Be- 
deutung für die Lehre von Ebbe und Fluth: es wird 
aber Niemand auf diese Weise Wasser oder Luft von 
der Erde entfliehen lassen: Wie aber mit der sg. Gra- 
vitation, so steht es auch mit den anderen Kräften, 
von denen man sagen mag, dass durch sie Weltkörper auf 
einander wirken, wenn wir dieselben auch dem Zustande 


birgshöhen und durch wenige Andere zum Theil von Arıco berührte 
Momente zu begründen. Vgl. Poccennorr’s Annal. IV. 1825. S. 
116. Noch räthselhafter ist die Höhe der Erdatmospsäre. 
*) Possennorr’s Annal. IV, 2. 224. Pırror scheint dabei die Lehre 
von der Ebbe und Fluth verwickelter gemacht zu haben, als sie ist. 


4 


— 10 — 


noch ganz nahe denken, wo sie 'alle,eben begonnen haben 
da zu seyn. Wie sich nun im ernsten Reiche der Wirklich- 
keit. das angegebene Verhältniss nirgends so einseitig: aus- 
gebildet, dass man ein System von 'Weltkörpern um irgend 
einen einzelnen Weltkörper annehmen könnte, welches die 
’Schwere an dem letzteren: nicht etwa: so weit, als sich alle 
Weltkörper gegenseitig tragen *), ‚sondern so©speziell auf- 
heben würde, dass „jeder nicht durch Flächen - Anziehung 
konglomerirte Theil über demselben frei schweben würde“ — 
noch weniger kann man von einem selbstthätig sich entwi- 
ckelnden ; Planeten erwarten, dass ihm irgend: ein anderer 
etwas von seiner Materie, ohne welche: nach der allgemeinen 
Ansicht auch keine "Wärme entfliehen ‘könnte, entziehen 
würde. Wäre ihm: seine eigene Masse so äusserlich, so 
wäre der Planet am Ende der wahre Tempel Swırr's, der 
so vollkommen nach. den Gesetzen des Gleichgewichts erbaut 
war, ‚dass ihn der erste: Flügelschlag eines Sperlings umge- 
weht. Die Wirklichkeit spottet einer solchen Theorie! 

Das innere Band, welches die Körper unseres Sonnen- 
systemes verbindet, mag noch so mächtig seyn, es wird nie 
darauf beruhen, dass ein Weltkörper irgend einen Stoff von 
dem anderen: erborgen, oder. letzteren veranlassen müsste, 
ihn dem Äther zu überlassen, damit dieser etwa seine Ko- 
meten oder Gott weiss welche Körper daraus bilden könnte. 
Ist die Werkstätte unseres Äthers so arm, dass er so weit 
von. den Grenzen der Welten, die in ihm kreisen — zur 
Bildung der Kometen soleher, so materieller Hülfe be- 
dürfte, er, dessen Schoosse das Weltall, gleich ursprünglich 
mit ihm selbst, entstiegen ist und noch entsteigt? soll man 
die Kometen in diesem Sinne Wolken unseres Welt- 
systems nennen? Man würde ein Gegenstück zur "Theorie 
jenes Naturforschers liefern, der Böhmen sammt seinen Be- 
wohnern als ein Meteor vom Monde auf die Erde fal- 
len liess! 


*) Vgl. in Uckerr’s Geograph. der G. und Römer I. 2, 8.29 #. 37. f. 
II. ı. S. ‘32. fl. die Ansichten der Alten über diesen Punkt. 


— 191 — 


In der. That,!; etwas ganz Anderes, als Verlust an 
‚Stoff ist das,scheinbare Verschwinden oder Sinken eines gewis- 
sen Maasses von Wärme, denkbar zumal, ehe es eine Atmosphäre 
gab. Es hat etwas, Analoges mit vielen Erscheinungen wahrer 
Körper, die es zum Theil begleitet, z. B. mit dem Festwer- 
den des Flüssigen in der Krystall-Bildung, fällt aber nicht 
in’ das Gebiet wirklicher (mithin wägbarer) Stoffe. Wahre 
Imponderabilien sind, wie jede Erfahrung und jede 
gründliche Theorie beweisst, so wenig Körper, so wenig 
ein Ton oder eine Empfindung ein Körper ist. — Sie wir- 
ken wohl auf Körper, gehen aber eben so wenig verloren, 
‚als irgend etwas. *). , Die Abnahme der Wärme auf der 
Erde, d..i. auf ihrer Oberfläche ist keine Abnahme ihres 
Wesens. : Die’ Erde ist noch heute so kräftig, als sie jemals 
‚war: Ihre ‚Kraft wirket, bis jetzo, nur vermittelter: ihre 
Kräftehaben sich nur. selbst gemässigt, in ihren Wirkungen 
sich geordnet: es’ hat keine Noth, dass sie je ermüde. Wie 
könnte das Verschwinden der Wärme in der Bildungszeit 
der Atmosphäre 'ein reeller Verlust seyn® Was verliert der 
wahre, Magnet, . was der bewegte Erdkörper an der Kraft, 
die er, äussert — oder vielmehr, verliert die Sonne Licht — 
wenn. sich Licht in ihrem Verhältniss zu. den Körpern, die 
sieh um, sie.bewegen, erzeugt und die Atmosphären derselben 
mitbelebt ? oder soll sie früher etwa mehr Licht im Welt- 
raum. entzündet) haben? — Aber die Vergleichungen wanken, 
wie man sie auch wählen möge. Jede Lebensseite hat ihre 
Eigenthümlichkeit. ‚Sollen wir erst fragen, was man 
Latentwerden der Wärme nennt, oder gar, wie weit etwa 
die sog. Wärme-Strahlen ‚oder ihre Undulationen von der 
Erde bei der Bildung ihrer Atmosphäre gedrungen oder 
welche Temperatur der alta Äther gehabt$? und der jetzige 
habe ?$ **) 


*) Die Erinnerung an Leisnitz allein vertritt eine Reihe von Bewei- 
sen für diesen Satz! 


“”) Kann man die ersten Wirkungen der von Innen heraustreibenden 
Jahrgang 1834. 13 


a — 


Man sieht, wohin man getrieben wird, wenn man den 
Boden der Wirklichheit verlässt, ' oder nach den Grenzen 
der Morgenröthe und der uns merkbaren 'Strahlenbrechung 
sogleich die Grenzen der Erdatmosphäre bis auf einzelne 
Meilen abmisst. Nehmet die Flügel der Morgenröthe und 
des Lichtes, erreichet diese Grenzen, ihr werdet auch da 
noch die Macht der Erde empfinden, anders zwar, als ihr 
sie fühlen würdet, wenn. ihr euch in die Höllen- Nacht ihrer 
Tiefe betten könntet, d. h. in ihrer Peripherie anders, als 
in ihrem Zentrum, ' Denn von jener steigt das Leben nach 
unten, von dieser nach oben und nicht weniger, als 
das Erdinnere von derErdrinde, mass vomÄther 
die Atmosphäre, ja sie muss von ihm'noch be- 
stimmter, als das Licht des Thierkreises und 
seine Bewegung *) geschieden seyn, weil die Erde 
ein konkreterer Körper, als die Sonne’ ist. 

Wir sehen dabei wohl, dass man sich diese Grenze als ver- 
schwindend denken kann, ja dass man sie in’gewissem Sinne, 
aber nicht ins Unendlich-Unbestimmte' so denken muss. "So 
weit nämlich die Erde von dem'Äther a ligemein er’ als 
irgend ein einzelnes grosses Gebiet ‘derselben 'vön einem an 
deren (ihm nicht völlig g gleich beordneten ‚[koordinirten]'Ge- 
biet) unterschieden ist, so'weit'oder insofern’ muss’ die 
Grenze der Ktindshkäre gegen den Äther nöthwendig (näm: 
lich im Allgemeinen) schärfer seyn, als ’die Grenze’des’Erd- 
innern gegen seine ausgebildete Kruste: Wir tennen' hier 
mit Absicht diese Gebiete, nicht'etwa ( wir'erwähnen es nur, 


UT S EERSRIE SF ET 


Hitze der Erde als eine Art Verdampfang- in den umgebenden 
‚ Weltraum ‚betrachten, so. beginnt offenbar mit ihr, die Bildung, .der 
Atmosphäre. Man kann aber diese darum, nicht älter als das Feste 
und Flüssige nennen, wenn ma* nicht das Verfahren einiger My- 
thologen nachahmen will, welche sich durch alle Kategorien ihrer 
Wissenschaft, durch die physischen, wie durch die ethischen hin- 
durch , darüber gestritten, warum Zeus der jüngste Bruder des 
Ais und Poseidon heisst. 
*) Man vergleiche La Price Exposition du Systeme du es Livr. 
IV. chap. 9. f. eine merkwürdige Untersuchung über die’ Grenzen 
des Zodiakallichtes. 


— 193 — 


um. dem: Gegner selbst einen Pfeil in die Hand zu drücken! —) 
die Grenzen des Festlandes, Meeres und Dunstkreises, Denn 
der Gegensatz derselben will. nicht bloss nach einem allge- 
meinen, sondern: nach: dem 'bestimmtesten Maassstabe der 
Coordination bemessen und so erkannt werden, dass jedes 
‚dieser‘ Glieder, mit dem: anderen, als eine Entwickelung des- 
selben Prinzips, welches das Innere von der Rinde geschie- 
den, und: aus dem: Gesiehtspunkte angesehen wird, auf dem 
es einleuchtet, dass in dieser Dreiheit die allgemeine Differenz 
der telluriseh en Natur ihre eigenthümlichste Grund- 
bestimmtheit:'gleiehzeitig .ausspricht. Selbst diese drei Mo- 
mente sind, sofern-sie dem Einen Ganzen der Erde gehören, 
von einander, :was«ihre innerste Beziehung angeht, ganz 
offenbar unendlich weniger getrennt, als die Erde von dem 
Äther, dessen Unbestimmtheit neben ihrer Realität gleichsam 
verschwindet.‘ Denner ist nur die allgemeinste reinste Grund- 
lage ihres Wesens, während das Innere der Erde schon eine 
individuelle -Grundlage ihrer Rinde ist. ‚Vor dem Leben 
der: Erde verschwindet: 'seine' Existenz und wird mehr oder 
weniger: gleich : Null, daher wenig beachtet von der heutigen 
enge ©), f 

‚Näher über. die: Grenze. der Fidatimesphäk und des 
Äthers zu''sprechen, ist: ohne die bestimmteste Erklärung 
über den Begriff des Weltraums, die hier zu weit führen 
würde, nieht wohl: möglich. ' Hier: kommt es auf die Grenze 
der ‚Atmosphäre, weniger sofern sie den Äther, als sofern 
sie die Erde begrenzt, an. Auch diese Grenze mag 


8 
ihre Geschichte‘ haben, aber noch Niemand hat sie ge- 


schrieben. 

Sollen wir also nach den heutigen. Grenzen der At- 
mosphäre, nach ‘ihrer Höhe.forschen, um die Möglichkeit 
zu beweisen, dass alle Wärme, die die Erde bei der Bil- 
dung ihrer Rinde auf der Oberfläche verloren, noch immer 
inihrem Gebiete gebunden sey, weil die Atmosphäre gleich- 


") Vgl. z.B. Newron Pr. Phil. Nat. Lit. II. propos. 10. Siehe 
hier S. 200. Not, "*). 
15 * 


— 194 — 


zeitig mit dem Land und Meere entstanden? Zu jedem 
Schlusse bedarf man mindestens zweier Prämissen. 

Zwei bestimmte, sichere, in das ganze atmosphärische 
Leben der Erde eingreifende Faktoren, die uns schon heute 
die Höhe der Atmosphäre vollgültig berechnen liessen, sind, 
mir wenigstens, nicht bekannt, denn die Zusammenstellungen 
der nur innerhalb gewisser Grenzen bekannten Abnahme 
der Wärme und der Dichtigkeit der Luft, die Bestimmun- 
gen der Punkte, wo die sog. Fliehkraft oder Schwungkraft 
der Erde und die speeifische Elastizität der Luft mit der 
Schwere ins Gleichgewicht kommt, wo das Licht keine merk- 
bare Strahlenbrechung *) mehr zeigt — eine Grenze, ‘die 
noch bedeutend höher, als die Grenze liegt, auf die die 
Beobachtung der Dämmerung zuerst geführt 'hat **), diese 
Untersuchungen geben zwarder Atmosphäre eine ungefähre 
Höhe von 25 bis 30 geographischen Meilen, aber 
sie belehren uns nicht über die Natur ihrer obersten Regio- 
nen, lassen mithin in der Seele des ernsten Naturforschers 
immer noch erhebliche Zweifel zurück. Er beachtet, ehne 
dabei zu verweilen, die Räthsel der Atmosphären der lunarischen 
und planetarischen Körper unseres Sonnensystems ***) 
und des Thierkreis-Lichtes, das man als Sonnen-Atmosphäre 
ansieht. Er verweilt nur kurz bei den Fragen; über die sog. 
Anziehung, welehe Sonne und Mond, wie auf das 
Meer, so mit anderem Erfolgf)aufdie Atmosphä- 


re üben, wenn er, im Sinne der Abgeschlossenheit oder des 


®) Eine Lichtverändernde Kraft schrieb Orsers auch ‚dem Äther zu. 
Diese würde auch hier von Bedeutung seyn, hätten diejenigen Recht, 
die der Atmosphäre gar keine Grenze beimessen. 

“*) Diese, die auch die höchste Höhe der Nordlichter zu seyn scheint, ist 
nach Branpes (in GsHrer’s phys. Wörterb. Il. 277.) etwa 4 geo- 
graphische Meilen. pr 

vos) Denn die Natur der kometarischen Weltkörper ist selbst so konkret- 
atmosphärisch, dass man keine weitere bestimmte Atmös- 
phäre von ihnen erwarten kann. 

»D La Pracz Mem. de Vacad, 1775. S. 76. Mec. cel. II. livr. IV. 
c. 4. n. 44. Dazu Munere in der neuen Ausg. v. GEHLER’s 
phys. Wörterb. 4. (1825.) S. 500 auch S. 67 ff. 


a 


eigenen Lebens unseres Planeten, ihre Höhe beurtheilt se- 
hen will. Er wird diess Alles erwägen, selbst die Frage 
sich stellen, welches Verhältniss die Höhe der 
Atmosphäre zur Masse des Festen und Flüssi- 
gen, so wie zurGrösse der Erde und zuden Aua- 
draten ihrer Entfernung von andern Weltkörpern des 
Systems, dem sie angehört, und zur vermeintlichen Höhe 
der Atmosphären solcher Weltkörper habe, an welchen man 
eine Art von Dunstkreis beobachtet. 

Er wird nichts zu klein achten, was ihn, auch entfernt, 
zu grösserer Gewissheit führen könnte: jedes einzelne Mo- 
ment, jede Ansicht wird er, wie der Philolog jede Lesart, 
wie der Zoolog und Geognost jedes Petrefaktum prüfen, auf 
nichts, was genau ist*), mit Stolz herabsehen, aber er wird 
sich nicht schmeicheln, wenn der Atmosphäre keine über 30 
geograph. Meilen hohe Grenze gesichert ist, ihre Wärmeab- 
sorbirenden Kräfte völlig bemessen oder die ausserirdische 
Stätte begriffen zu haben, aus der die Meteorsteine und Stern- 
schnuppen (Phänomene derselben Art) kommen sollen. 

Kennen wir noch nicht einmal die Tiefen des Meeres 
und des Landes, das Verhältniss ihrer Masse und Natur 
zu der der Atmosphäre, wie wollten wir sagen, welches 
Maass von Wärme bei der Bildung der letzteren **) noth- 
wendig war? Selbst die übrigen Wärme-absorbirenden Kräfte 
der Natur sind noch räthselvoll! Und auf den Boden unse- 
res in diesem Gebiete so jungen Wissens sollten wir, in 
babylonischer Verwirrung, die seltsame Vorstellung aufbauen, 
dass die Erde an Wärme reell verloren, wenn wir nicht hand- 
greiflich bis ins Einzelne nachweisen können, wie das 


*”) ArıstoteLes Metaph. B. II. gegen Ende. Ein Irrthum, so klein, 
dass man ihn gleich Null schätzen könnte, erzeugt bei weiterem Ver- 
folg (wenn ihm eine Einheit vorgesetzt ist) Millionen Irrthümer 
und erbt sich fort. 

“*) Bedeutende Winke über Lichtabsorbtioa im Luftkreise, über Wär- 
m e- Erzeugung durch Lichtschwächung etc. ‚gab kürzlich Araco. 
Vgl. Conn. des temps pour 1828. S 225. mit ALcx. v. HumsoLor 
in Abhandl., Berl. Akad. 3 Jul. 1827. 8. 307. 


— 196 — 


erste Sinken der Temperatur ihrer Oberfläche bei der Bil- 
dung ihrer Atmosphäre vor sich gegangen? Wie geht denn 
die Wärme-Abnahme des Organismus bei seinem Sterben, 
oder, weil jenes eher ein neues Leben, als ein Untergehen 
war, wie der Prozess vor sich, den wir Bewegung des Blu- 
tes, der Nerven etc. nennen? Wie unsere Physiologie in diesen 
organisehen Gebilden Kügelehen entdeckte, entdeckte unsere 
Chemie in der Atmosphäre eine Menge beweglicher Gasarten. 
Aber damit weiss weder diese noch jene sogleich, was sie 
eigentlich entdeckt hat, wie ihr reicher Fund entstanden, 
wie er zu begreifen ist? Denn ohne Genesis gibt es keinen Be- 
griff! und ohne Einsicht in die weitere Entwiekelung kein 
Verständniss der Entstehung! 

Die später abnehmende Temperatur der ' Atmosphäre 
geht Schritt vor Schritt mit der zunehmenden Ausbildung 
der Erdkruste. Je mehr diese an Massenbildung 'gewon- 
nen, je tiefer bannte sie die Wärme in das Innere der Erde. 

Wer also unter den bisher entwickelten Bedingungen 
wunderbarer Weise einen reellen Verlust der Erd- 
wärme behaupten wollte, müsste nicht nur die Grösse der 
Atmosphäre — der ursprünglichen und der heutigen, — 
sondern auch die wärme-bindende oder wärme-absorbirende 
Kraft der ganzen Erde, vom ersten Schöpfungsakte an, weit 
bestimmter, als es bisher gelungen, erkannt, und zugleich 
das ohngefähreM aass der Wärme bemessen haben, das 
bei dieser Scheidung des Landes, Meeres und Dunstkreises; 
wie der Rinde und des Inneren in das Gebiet der ur- 
sprünglichen Umgebung des Planeten 'entwichen und 
von ihm für immer — 'entflohen seyn soll. Er müsste 
auch sagen, ob dieses Gebiet immer Gebiet des Äthers 
blieb, oder sogleich, durch den bezeichneten Scheidungs- 
akt, in das Gebiet der Atmosphäre überging. 
Weil aber mit diesem Sinken der Temperatur jene gleich- 
zeitige Scheidung begonnen, so würde er sich vor dieser 
Scheidung die ganze Erdmasse gleichmässig etwa so weit 
expandirt denken, als noch jetzt die Erde vom Erdcentrum 


— BOT 


'an.bis zur Grenze der ‚Atmosphäre reicht, oder gar 
noch: weiter, wobei er ‘wiederum die plutonische von Innen 
heraustreibende Natur der ältesten Festgebilde — mithin 
den Verlust jener Wärme selbst, wenigstens zum Theil, also 
eben. das vergessen würde, worum es sich handelt. Einzelne 
dieser Fragen lassen schon heute eine beruhigende Antwort 
zu, ja diese liegt, wie man sieht, im Vorhergehenden *), na- 
mentlich die der letzteren. Denn wir sahen, dass die Tem- 
peratur, der Erde ursprünglich ihre ganze Masse gleichmäs- 
sig durchdrang und die Oberfläche nur dadurch, dass. sie 
von ihr entwichen ist, zum Heerd des Festen und Flüssigen 
machte ,- dass ferner jener Akt der. Scheidung, dem, Inhalt 
nach in so weit eine Kontraktion des Erdkörpers war, so 
weit er eine Expansion: Expansion nämlich des Inneren, 
Kontraktion der. Rinde, beides ‚ohne: Pause, gleichzeitig, 
ınit dem ersten Moment des Daseyns der Erde,. so dass die 
Theorien, welche unseren Erdkörper in solehem Sinne 
wachsen, wie die, welche ihn kleiner werden lassen, in 
ihrer Einseitigkeit verschwinden. Auch diese Lösung spricht 
für unsere Ansicht, gegen die Annahme eines‘, reellen Ver- 
lustes an Wärme, so dass man das Gegentheil nur .'dann 
behaupten könnte, wenn die befriedigende Lösung aller hier 


*) Das Maximum der Wärme -Abnahme bei der Entstehung des Mee- 
res bestimmt sich aus der Temperatur, unter welcher die ältesten 
Wasser (nach Maasgabe ihres damals entschieden reicheren Inhalts) 
als Wasser zuerst auftreten konnten. Das Minimum bestimmt 
sich nach dem geringeren, Sinken derselben, bei, welchem die 
ältesten plutonischen Gebilde erstarren mussten, Jenes ist 
noch räthselhafter als dieses, weil wir weder vom chemi- 
schen Inhalt des ältesten Wassers, noch von der ursprüng- 
lichen Wärme des ganzen’ Planeten ein Maass haben. 
Diese lässt sich eigentlich nur mit sich selbst oder im Ver- 
hältniss zur unbekannten Wärme anderer Himmelskörper messen, 
deren Bewegung, Dichtigkeit u. s. w. leichter auszumitteln war. 
Fragen kann man indess, ob das ‘Innere des Planeten in dem 
Maase an Wärme, in welchem an Expansion, d. h. in welchem die 
Oberfläche an Kontraktion gewonnen hat. Man müsste aber über- 
all die‘ Ausdehnung und Wärme der Atmösphäre mit einrechnen. 
‚ Diese ist eine noch unbekannte Grösse. 


— 198 — 


zusammengreifenden Räthsel und alles dessen, was mit ihnen 
im Verbande steht, für dasselbe sprechen könnte: und würde. 
Denn ohne die dringendsten Gründe darf man nichts vor- 
aussetzen, was der in sich geschlossenen Natur des einmal _ 
geschaffenen Planeten, so lang er besteht, bestimmt zu wi- 
dersprechen scheint, ja ganz offenbar dann widerspricht, 
wenn man das Verschwinden der Wärme als Verlust eines 
Stoffes vorstellt — als wäre es eine ergänzende Seite, 
eine Dankbarkeit der Erde, für den Äther, durch welchen 
sie nach derselben Hypothese das Licht der Sonne als einen 
Stoff erhalten soll, obwohl nirgends zu verspüren ist, dass 
die Erde immer lichter werde, oder alles Licht so lange 
abschwäche, bis es in Wärme sich verwandele. 

Das Rätlısel, das unsere Ansicht übrig lässt, ist, um 
viel zu sagen — nicht einmal so gross, als das, welches 
nach v. Horr in der Thatsache liegt, dass seit der Diluvial- 
Katastrophe der Meeres-Spiegel denselben Stand. innehält, 
während der Meeresgrund fortwährend sich erhöht und die 
‘Feuchtigkeit in der Atmosphäre nieht zunimmt, und doch 
kann niemand wegen dieser Schwierigkeit jene Thatsache 
in Abrede stellen *). 

Da aber jene Frage hier nicht ins Einzelne verfolgt 
werden darf, so stellen wir das Resultat unserer Betrach- 
tungen, nur so weit es unserem Zwecke genügt: die 
Grenze der Atmosphäre kann nicht beschränk- 
ter seyn und nicht weiter reichen, als die Kraft 
der Erde, an sich zu binden, was ihr gehört 
und vonihr kommt. — Will man sich diesen Gedanken 


.. *) Sie hängt zusammen mit der ungeheueren Menge von Wasserstoff, 
welcher alltäglich in die Atmosphäre emporsteigt, und die Pırrr 
durch die Nordlichter, wozu vielleicht schon die unzähligen Stern- 
schnuppen hinreichen würden, verzehren lässt. Ferner mit den 
Fragen nach der Widererzeugung des Sauerstoff’s in der Luft, 
nach der Abnahme des Wassers mancher Flüsse, nach den Sen- 
kungen einzelner Strecken des Meeresbodens bei Emportreibung 
neuer Inseln ete.; — überhaupt mit der Frage nach dem Begriffe 
der fortgesetzien Erhaltung aller Lebensseiten der Erde. S. 0. 8.187. 


— 19 — 


zur Anschauung bringen, so kann man sich, vorausge- 
setzt, dass man begreife, was Anschauung in diesem 
Gebiete heisse, da uns der Äther selbst unsichtbar bleibt, 
— am einfachsten aus Görur’s Weltanschauung darüber 
belehren, wenn man auf das Wesen des Lichtes, das 
erst in unserer Atmosphäre zu Dem wird, was es uns 
ist, den Blick zurückwendet, Der unendliche Weltraum 
oder der Äther unseres Sonnensystems erscheint uns dun- 
kel. Durch atmosphärische, vom Tageslicht erleuchtete Dünste 
angesehen, erscheint uns daher die Grenze dieser Finsterniss 
blau, denn Blau entsteht, wo das Helle über das Dunkle 
und Schattige sich ausbreitet *). Wo also im blauen: Him- 
melsgewölbe das Helle endet und der unendlich finstere 
Raum beginnt, da beginnt der Äther #*). Unbestimmt, wie 
diese Anschauung ist, hat man in ihr ein Bild jener Unbe- 
stimmtheit, in der die Grenze des Äthers und der Atınos- 
phäre gesucht wird. Man kommt von dem Subtilsten auf 
das Einfachste zurück. GörTuE sagt, in wenig. veränderten 


Worten: 


Blau ist der Äther und doch von unergründeter Tiefe, 
Offen dem Auge, dem Witz bleibt er doch ewig geheim! 


Allem Bisherigen zu Folge, hat die Erde weder an 
Wärme, noch an Wasser, noch an irgend etwas — je einen 
reellen Verlust erlitten, Sie ist ein Ganzes in sich. Der 
Äther ist zwar der Grund, aus dem sie entstand, und darum 
auch der Abgrund, in dem sie allein wieder zu Grunde ge- 
hen kann. Aber er geizt nicht nach dem Reichthum des 
Lebens, das mit ihrer Entstehung ihr verliehen ist. Er ist 
das einfache, allgemeine Element, in welchem alle Systeme 
der Welten kreisen. Seine Natur lebt in allen und ist, 


“) Görue’s Farbenlehre I. $.155. II. 109, mit I, 151, 778. II. 90, 92, 
114, 492, 493, 517, 520. Über die atmosphärische Luft in Bezie- 
hung auf die Beleuchtung s. :Görne’s Farbenlehre I. $. 153—173, 

**) Eine ‚Bemerkung, auf die mich ein Gespräch mit Dave in Heidelb. 
geführt hat. Man kann sie nicht missverstehen, wenn man be- 
denkt, was oben von der Grenze der Strahlenbrechung;. bemerkt 
worden. 


— 20 — 


wie:Scorus sagte, ohne Welten gar nicht zu denken. So 
ist er, als existirte er nieht —derreine Anfang des- 
‚sen, was in und mit ihm immer zugleich da ist *), ‘wie es 
nie ein Allgemeines gibt, ohne ein Besonderes, nie eine 
Leere, die nur Leere wäre, ohne Erfüllung. 

Lebt aber seine Natur'mittelbar auch in der Erde, 
so darf man ein Analogon der reinsten, flüchtigsten 
Stoffe, die uns die Erde zeigt, auch in ihm suchen. — 

Dahin geht z. B. der Gedanke: der dvadvniacıg Enpa 
(„trockene Dünste“) **) des ARISTOTELES, wenn man seinen 
Zusammenhang: mit dem aristotelischen Begriffe des Chaos, 
den wir oben berührt, und mit den uralten Streitfragen ***) 
über Luft und Äther würdigt 7). Denn je bestiminter man 
den Gedanken eines Äthers auf die Natur der Erde bezo- 
gen hat, um so mehr ging: er in dem Begriff der Luft, 
des nvevuc, u. s. w. auf. — 

Setzt man demnach f}) zur Versinnlichung der be- 
zeichneten Prozesse — -was bis heute das Wahrscheinlichste 


°) Man wird diesen Ausdruck keines unlogischen Widerspruchs zei- 
hen, wenn man sich ‘erinnert, was oben über den Impuls der 
-Weltentwickelung gesagt ‘worden und mit den, allgemeinen Räth- 
seln bekannt ist, die. Praron schon vor zweitansend Jahren im 
Parmenides und Sophistes gelösst hat. 
Dass die neuere Philosophie über den: Äther nirgends „etwas Er- 
kleckliches“: gesagt, erklärt. sich aus dem bisherigen Gang ihrer 
Entwickelung. 
“s) ARISTOTELES z. B. Meteorol. II. 7. mit II. 9. End. Vol. UrER? 
Geograph. der Gr. und Römer. 11. 1. S. 183. 
*#+) Diese avasuwadıs ist nach ArıstotELes dieselbe Kraft und die- 
selbe Natur (pV01s), die in der Luft den Wind, in.der Erde das 
Beben, in den Wolken den Donner schafft:, etwas anderes, als 
der erschütternde Äther des Anaxagoras.. 
+) Jacog BernouLLi de gravitate Aetheris. S. Acta eruditor. 1683. 
S..106. 
++) Über die materielle Bedeutung‘ des Äthers in Eis ‚auf die 
Schwere’ s. Newron Princip.. phil. natur. Lib. II. propos. 10, 
Lartace und Scuugerr’s Ansichten in Bope’s astronom. Jahrbuch 
1802. 8.165. und in Beziehung auf dasLicht Orzer’s in Bone’s 
"Jahrb. 126. S. 110. Man hat in diesen Citaten ein ganzes System 
mannigfach abweichender Ansichten, aber noch nicht die letzte, wahre. 


— 201 — 
—: das‘ Daseyny,:''und‘ bei der Bildung der Weltkör- 


per, eine Verdiehtung: Gas-förmiger oder unseren Gas- 
förmigen ähnlicher Stoffe im alten Äther voraus (so weit 
in'ihm ‘etwas Positives gedacht werden soll), so musste 
sich, gemäss den Gesetzen, die auf der Erde gelten, bei 
dieser Konzentration, (oder Kontraktion) ungemessene 
Wärme entbunden haben”): ein Gedanke, den, wenn ich 
nicht irre, in ähnlicher Beziehung unter Andern auch Krö- 
DEN geäussert. Seine Ausführung mit Anwendung auf die 
bisherige Entwieckelung läge in der Aufnahme weniger, doch 
auf unverrückte Analogieen gegründeter Bemerkungen, die 
ALEXANDER von Humsoror schon zu einer Zeit, da er noch 
der alten Schule huldigte, 'aussprach, dass nämlich das 
Festwerden der Felsarten bei der Bildung 
des Dunstkreises von wesentlichem Einfluss 
war, dass neue Mischungen sich ergeben und mit'den auf- 
steigenden Gas-artigen Substanzen eine grosse Wärme in 
den Dunstkreis übergehen musste. 

Übersetzen wir diese Ansicht in die Sphäre, in’ der 
uns das erste Bild von der Entstehung des Festlandes, des 
Meeres und Dunstkreises .aufging, so werden sich die ver- 
schiedenen Fälle, die sich gleich oben bei: der Frage nach 
der Abnahme der Temperatur auf der Erdoberfläche erga- 
ben, in einem deutlicheren Lichte zeigen. 

Wir werden nämlich nach Reinigung der dort 'gegebe- 
nen Vorstellungen, geneigt seyn, diese Abnahme, die die 
erste Scheidung des Landes, Meeres und Dunstkreises be- 
dingte, durch Ausstrahlung der Wärme bei. der Bildung der 
Atmosphäre, und mit: der gleichzeitigen Erstarrung der 
Oberfläche, durch Koncentration im Innern zu erklären, so. 
jedoch, dass wir mit dieser, die durch die Bildung des Fest- 
landes bedingt ist, — ein: unablässiges Streben der Hitze 
von Innen nach Oben, bis zu den Grenzen des Erd-Gebietes 


*) Unendlich, kleine Analogieen könnten uns :die Bildungen .der Me- 
teorsteine bieten, wären diese nicht selbst noch räthselhaft genug. 


— 202 — 


anzuerkennen, nie versäumen dürfen; Denn: so wenig, als 
das Mysterium des thierischen Organismus, seine Wärme, — 
bloss im Herzen oder Blute lebt, so wenig wohnt die 
Wärme. der Erde bloss im Centrum und in ihren Vulkanen, 
und so wenig sie in jenem, so lange er lebt, ‚mit den Jah- 
ren stirbt, so wenig kann sie im tellurischen Organismus 
jemals vermisst werden. Er ist mit ihr, sie mit ihm gebo- 
ren: Ihr Pulsschlag kann sich mässigen: sie selbst, seine 
Quelle, bleibt! 

Und da die Erhaltung der Erde eine a 
Schöpfung, so leben in ihr alle jene Mächte unablässig 
fort. Sie selbst haben sich durch ihre Wirkungen die 
jetzigen Grenzen ihres Kreislaufes bestimmt *). Die schei- 
dende Kraft der Vergangenheit thront in der Tiefe der 
Erde: ihr Inneres ist ihr chemischer Heerd, ihre Ober- 
fläche die Krone, ihre Atmosphäre der. königliche Nimbus 
und Heiligenschein ihres Hauptes. So lässt die griechische 
Mythe den alten Hephästos erlahmen, ohne dass er aufhöre, 
der unübertreffliche Künstler zu seyn. So setzt sie ihre 
neuen Götter in den heiteren, spiegelreinen Olymp. Hier 
herrschen sie trotz aller Empörungen der Titanen und Gi- 
ganten „in ewigen Festen und schreiten von Beugen zu 
Bergen hinüber.“ — 


*) Ad hominem: Allem Bisherigen zu Folge setzt die verän- 
derte Temperatur der Erde eben so wenig einen 
reellen Verlust an Wärme, als der veränderte Stand 
des Meeres einen reellen Verlust an Wasser, oder 
das Festwerden der Erdkruste einen Gewinn an an- 
derswo herkommenden materiellen Stoffen voraus. 
Vielmehr erklärt sich der Stand des Dunstkreises, Meeres und 
Landes, wie uns scheint, einfach aus dem Einen Akte, dem 
siealle gleichzeitig ihren Ursprung danken. — Eine Hypothese 
aber, die ihre Möglichkeit im Allgemeinen bewiesen, ist nur so 
weit zu tadeln, so weit sie die Phänomene, die sie erklären soll, 
nur einseitig und unvollständig fasst und mit irgend einem wirk- 
lich erkannten Naturgesetze unverträglich ist. Die bleibt die 
beste, die die meisten Erfahrungen für sich hat und durch spre- 
chende Analogieen unterstützt wird. 


— 200 — 


Wir'haben dem gemäss in jener von Innen heraustrei- 
benden, auf der Oberfläche sinkenden Hitze der Erde die 
anschaulichste, in'ihr und ihrer Stellung‘ zu dem Weltsy- 
stem, dem sie angehört, ‘gegründete (wenn auch nicht aus- 
-schliessende) Initiative ihrer Entwickelung — als eine Auf- 
‚forderung' an »allie' Seiten ihres Lebens, sich thätig zu ent- 
scheiden; zu‘ dem sich: 'zu bestimmen‘, ‘was sie’ ‚werden 
mussten,''so'dass in und mit diesem Agens ihre ganze, 
-noch unentschiedene Natur allzumal und unabläs- 


‚sig wirkte. 5 9 
Diese noch durch Sr durch  räthselvolle “Zeit ist bis 

zum Anbruche‘ der nächsten Umbildung diejenige, welche 

‚man mit Fug und Recht Urzeit' nennen könnte, | 

Wer'aber' möchte heute'schon zu entscheiden wagen, 
dass ihr dieses'oder jenes einzelne Gebilde, was dieSchule 
„primitiv“ nannte,''angehöore® —: Und doch’®:" denn das 
Schlimmste, was gegen die Wissenschaft"begangen werden 
kann, ist in jeder Sphäre, wenn der Mensch verzichtet 
auf die Erkenntniss der Grundlagen seines Wis- 
sens! Da ist eine irrige, wenn nur tief, gehende Hypo- 
these oft verdienstlicher, als vornehme Gelassenheit. — Wer 
möchte dieses leugnen? 

Weil indess ein verneinender Satz, wie WINKELMANN 
irgendwo *) ironisch sagt, eher, als ein Bejahender gefun- 
den wird, so liessen sich Kennzeichen, welche unserer älte- 
sten Formationen dieser Urzeit nicht angehören, 

leichter aufstellen, als positive Merkmale eines sol- 
chen Alters. Aber die negative Betrachtung muss sich von 
selbst in eine positive umkehren. So kann z. B. unserer 
Ur-Periode keine granitische oder andere Felsart zugeschrie- 
ben werden, welche Gänge bildet. Ob man ihr aber 
Granite zutheilen darf, die auch im entferntesten Sinne keine 
Spur einer Gang-ähnlichen Form erkennen lassen, kann man 
schwerer sagen, weil diese doch Statt finden dürfte (wie 


*) WinkeLmann Kunstgesch, V. 6.$. 13. (Arıstorzr. Methaph. III, 2.) 


— 21 — 


selbst. bei dem. ältesten. Heidelberger Granit), ohne.'uns irgend 
wie aufgeschlossen zu seyn: und weil:die: Form aller Granite 
eine mehr oder. minder. 'gestörtere.; Bildungsweisei, zu ‚ver- 
rathen scheint, als man von dieser: Periode,;wondie Ent- 
stehung des Festen durchaus keine Kruste vor- 
fand, die sie 'hätte. ‚durchbrechen müssen, ‚erwarten: kann. 
‚Wir, sprechen. es unverholen aus: Eine ‚Epoche ‚wie die 
‚dargestellte, war in’Beziehung iau f.. Störungen, die ein 
äusserer. Widerstand veranlässen: könnte ,..die 'ein- 
fachste, ruhigste, so sehr, als sie die jallge- 
meinste"war,,'ganz gegen die.;gewöhnlichen: Vorstellun- 
‚gen ‚von .der ÜUrzeit.. . Das. Wort: „Gott: ‚sprach: es"werde 
Licht und ‚es, ward Licht!“ ‚dessen ‚Erhabenheit ‚ein 'Alexan- 
drinischer, Grieche *), als..Musterbild ‘erkannte, gleicht hier 
.dem' Worte ; „Es werde eine.Veste, zwischen.den Wassern !« 
and gibt. uns‘ ein Bild der Hababegbeit, dieser a in 
Mitten ihrer: Ruhe. 


u Der ne u in, seinem lese, ‚über ‚das: Erbähene 
‚Man erinnere, sich an Huypen’s Schöpfung , ‚wenn ‚man sich diese 


'Epöche zur Ans sc h auung bringen will, 


N Schlers folgt. IM 


r R £ » J . f ’ E ufgadyegy “on H 
-NUIEIT TODNIASTIE U9 Sin „RTEF SB“ etz Vmran 


Briefwechsel. 


"Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD. 
gerichtet. | 


Hacienda ‚Stma, Trinidad, Real. Angangueo, 7. Junius, 1833. 

',Meine,..durch. ‚anhaliendes Erz-Probiren, angegriffene ‚Gesundheit 
veranlasste mich: ‚zum. Besuchen. der „ ‚nur. eine Tagereise von hier, ent- 
legenen Badequelle. T’epetonco.,,Der..Weg führte, fünf Leguas weit, 
über unseren Porphyr; ‚sodann 'erreichte; ich, das ‚Revier von. Tialbux- 
huaba, wo Thönschiefer herrscht , ‚der von’ vielen Quarz-Gängen durch- 
setzt wird, auf-welche, die nun.verlassenen Gruben gebaut; haben. Zwei 
Leguas jenseits Tlalbuxhraba tritt weisser Sandstein: auf, und nun, folgt 
ein ‚jhöchst. fester :schwarzer Kalkstein, frei von, allen. Beimengungen. 
Er. setzt’ in dieser. Gegend viele Berge 'zusammen. ‚Im Thale, steht ein 
: Konglomerat an, aus Rollstücken jenes Kalksteines ‚und, aus, Porphyr- 
Geschieben, lose; gebunden durch einen. sandigen Kitt,,, 


JuLius Sal 


Freiberg, 22. Aug. 1833, 

Im verflossenen Monate ühabe: ich eine Exkursion nach Teplitz und 
Karlsbad gemacht.; Es; unterliegt‘ keinem Zweifel, ‚dass! der’ Ausbruch 
dortiger Basalte mit der Braunköhlen - Formation: gleichzeitig ist, Bei 
Stracka. unfern Teplitz!war ich glücklich‘ genug , in. dem. Erdbrande ei- 
‚nen Eisenkönig zu finden,‘ ein Stück Thon-Eisenstein mit einem.;Knopf 
von mefallischem Eisen; 


Ezavsrra DeL 'Bayo, 


Lausanne, 31. Aug. 1833. 


Ich habe der Versammlung unserer Helvetischen naturhistorischen 
Sozietät zu Lugano beigewohnt. Die Sitzungen fanden am 22., 23. 


— 206 — 


und 24. Julius Statt. Es waren unser mehr als dreissig Mitglieder 
von der anderen Alpenseite und ausserdem mehrere Italienische Ge- 
lehrte. Mein Rückweg führte mich über den Gotthard. Hier sah ich 
zum ersten Male die prachtvollen Axinite, welche man neuerdings auf- 
gefunden hat. Sie kommen, zuweilen von opalisirendem Feldspathe be- 
gleitet, am Scopö oder Pcopello vor, oberhalb Santa Maria in Grau- 
bündten. — 


Larpr. 


Wolfsberg, 23. Nov. 1833, 


Im Granite der Murizen Scharte habe ich eine Chloritschiefer- 
Masse als Einschluss bemerkt, die in zwei Theile geschieden ist, welche, 
obwohl von einander getrennt, durch dazwischen eingedrungenen 
granitischen Teig, sich so scharf und bestimmt zeigen, dass man sie 
auf das Genaueste zusammenfügen könnte. Das grössere unter beiden 
Schiefer-Stücken hat zwei, mit Granit erfüllte, Sprünge. Niemand kann 
zweifeln, dass der Schiefer fest war, als er vom Granit umhüllt wurde, 
und dass dieser in flüssigem Zustande ‘gewesen ist, da derselbe den Schie- 
fer einschloss. -— Mich beschäftigt gegenwärtig die’ Ausarbeitung einer 
‘Abhandlung, in welcher ich zeigen’ werde, wie‘die Schichten der Alpen 
gestellt sind, dass Alles auf Gneiss,'der'in Granit übergeht, ruht, und 
dass dieser Granit-Gneiss nicht Züge, sondern Kuppen: bildet, auf denen 
die anderen Glieder aufliegen. Ich habe’ dieses’ durch zahlreiche‘ Beob- 
achtungen ausgemittelt. Leider‘ war’ich auch'den heurigen schlechten 
Sommer nicht im Stande, die Arbeit ‘zu schliessen und muss nun deren 
Vollendung bis zum nächsten Herbste aufschieben. —:—' Der Glimmer- 
‘schiefer von’ @uttenstein führt keine Turmaline;: dagegen trifft man'in - 
den Schiefern, welche "scheinbar mit ‘Granit:»wechseln ,: bisweilen - Ti- 
tanspath.. —:: 

F. v. Rostuorn. 


: Stuttgardt, 15. Daant 1833. 


"JIch‘ eile,) Ihnen eine eh mektishhe ae ee die Ih- 
nen, wie ich hoffe, interessant sein’ wird. sb iin trob 

Sie "erinnern ' sich. vielleicht‘ noch, ieh ich Ihnen voriges ' Jahr 
schriebj'von Wemdingen, bei’ Nördlingen, Braunkohlen aus dem Jura 
erhalten zu haben, und, wenn ich nicht irre, legte ich ihnen ein Exem- 
plar dieser’ Kohle bei. ‚Unser Präsident des Bergraths, Herr Geheime- 
rath v. Kerner, der sich für alles Neue in dieser Beziehung sehr inter- 
essirt, reisste selbst nach Wemdingen, und brachte eine Suite der Ge- 
birgs-Art und des Kohlen-Gebirges mit, aus welcher ersichtlich war, dass 
die, Kohlen auf Jura-Dolomit liegen und mit Lehm (Diluvial) bedeckt 
sind. Das Flötz oben her aus erdiger, unten aus fester Braunkohle be- 


stehend, war 10—14' mächtig, und wurde durch Schachtbau ausgebeutet. 
Mehrere bei uns in vorigem und diesem Jahre . vorgenommene Bohr- 
versuche, die v. Kerner vornehmen liess, gaben kein genügendes Re- 
sultat, bis es in diesen Tagen unserem Hüttenverwalter Zoger in Lud- 
wigsthal bei Tuttlingen glückte auf dem Plateau des Jura, 2500° hoch, 
nachı mehreren misslungenen Bohrversuchen zuerst durch 5 Fuss Jura- 
Trümmergestein, dann durch ein 14° mächtiges, oben herab weisses, dann 
braunes, graues und endlich schwarzes Letten-Lager, in welchem sich schon 
viel bituminöses Holz zeigte, in 20° Tiefe auf ein bis jetzt 16° mächti- 
ges, noch nicht durchsunkenes Braunkohlen-Lager zukommen. Die Braun- 
kohle besteht mehr aus bituminösem Holz, als aus erdiger Braunkohle, 
und geht mit der zunehmenden Tiefe des Schachtes immer mehr in Pechkohle 
über; das Kohlen-Lager durchziehen einzelne Lettenschichten, wie im 
Thüringischen, und in diesen Lettenschichten liegen sehr häufig Bruchstücke 
von Kreide, die man allda noch nirgends auf ihrer uranfänglichen La- 
gerstätte gefunden hat. 

Es kommt nun noch darauf an zu wissen, ob diese Braunkohlen 
unter dem Bohnerz vorkommen und zur Formation desselben gehören, 
was jetzt genauer untersucht wird, und worüber Sie das Weitere er- 
fahren sollen: bei Ludwigsthal ist bis jetzt wenigstens kein Jura-Dolo- 
mit, wie in Wemdingen, weder als Dach, noch als Seiten - Gestein vor- 
gekommen. — 


Heur, 


Wien, 21. Dezemb. 1833. 

Herr v. Brant, Sohn des Marquis v. BareacenAa, brachte aus den 
ihm eigenthümlichen Gruben in Brasilien einige Golderze mit nach 
Freiberg. Er schreibt mir so eben, dass zn Folge der von dem Herrn 
Prof. Lampanıus und Gewerke-Probirer PLrattner angestellten Versuche 
jene Stoffe kein reines Gold sind, sondern Verbindungen dieses Metalls 
mit Platin, Osmium, Palladium, Iridium und Rhodium. — Den letztver- 
flossenen August-Monat verbrachte ich zu Annaberg im Erzgebirge. 
Die Stadt ist auf dem oberen Theil des Gehänges eines Gneiss-Berges 
erbaut; den Gipfel der Höhe bildet ein etwas zugerundetes Plateau, in 
dessen Mitte sich eine grosse Basalt-Masse erhebt, der Poehlberg ge- 
nannt. Man hatte mir gesagt, dieser Basalt ruhe auf einer Töpferthon- 
Lage. Ich fand rings um den Fuss des basaltischen Berges in der 
That den Töpferthon, blaulichweiss von Farbe und, wenn man ihn 
frisch aus der Grube erhält, so weich, dass er mit einem Messer sich 
in die dünnsten Blättchen schneiden lässt, welche, nachdem sie trocken 
geworden, sich sehr zerbrechlich zeigen. Meiner Ansicht zu Folge ist 
der Thon eine Lage zersetzten Feldspathes , welche aus den Gmeissen 
abstammt, und die sich in Berührung mit dem Basalt befunden hat. Diese 
Meinung erscheint mir um so mehr glaubhaft, da, je näher man dem 
Poehlberg kommt, die Sand-Menge von zersetztem Gneisse berrüh- 

Jahrgang 1834. | ‘ 14 


— 208, 


rend, mehr und mehr zunimmt. Am Fusse des Berges liegt auch an 
Stellen, wo örtliche Verhältnisse das Wegführen des Gneiss- Detritus 
durch Wasser hinderten,, ein Konglomerat aus jenem Material und aus 
kleinen Basalt-Rollstücken, 


R. v. Amar. 


Klausthal, 21. Dezember 1833. 


Zur Beschreibung der Gangzüge in meinem Buche über das 
Harz - Gebirge ”) kann ich jetzt schon den Nachtrag liefern, dass 
höchst wahrschemlich der im Schiefer - Gebirge aufsetzende edle 
Gang auch in den Grünstein mit seiner Schwerspath-Ausfüllung, die 
Cür diesen Gang charakterisirend ist, einschneidet, d. h. den Grünstein 
durchsetzt. Die Bestätigung der Thatsache behalte ich mir noch vor, 
und Sie werden sich alsdaun entschliessen müssen, einen ziemlich um- 
ständlichen Bericht über die bergmännischen Arbeiten in Ihr Jahrbuch aufzu- 
 aser-Orte zu St. Andreasberg ist vor einiger Zeit scl:warzer Datolith 
derb mit krystallisirtem Apophyllit, Desmin, Schwefelkies u. s. w. vor- 
gekommen, als Einlagerung zwischen Thonschiefer, jedoch nur in einer 
sphäroidischen Masse von geringer Ausdehnung. Auf der Grube Neu- 
fang hat sich Chabasie auf Kalkspath gefunden. 


ZIMMERMANN. 


Freiberg, 30. Dezember 1833. 


Zu dem, was ich in meiner letzten Zuschrift über den Linear-Paral- 
jelismus mancher Felsarten mittheilte, erlaube ich mir noch Folgendes 
zu bemerken: 

In manchen Fällen scheint dieser Parallelismus unmittelbar mit der 
Richtung der Emportreibung der Massen zusammenzufallen. So lässt 
x. B. der faserige Diorit von Böhringen (bei Hainichen) sehr auflal- 
lend senkrechte Linear-Textur in den gleichfalls senkrechten Felstafeln 
wahrnehmen, welche er mitten zwischen regellos gewundenen und ganz 
konfusen Massen zeigt. Weit auffallender ist diess an dem Gneiss von 
Geringswalde, dessen sehr Feldspath-reiche Masse eine Dependenz des 
Granulites zu seyn scheint, und in dem das Granulit-Gebirge begren- 
zenden Glimmerschiefer-Walle Stock-artig eingeschoben ist. Dieser Gneiss 
fällt 40°—50° inNW. und zeigt den Linear-Parallelismus mit einer Voll- 
kommenheit, wie ich ihn selten gesehen habe; 2 bis 3 Ellen lange, völ- 
lig gerade und parallele Linien treten durch die Vertheilung und Stre- 
ckung der verschiedenen Gemengtheile auf den Schichtungs-Klüften hervor, 


“) I, Theil, S. 320. fi. 
+) Bine solehe Zusage kann uns nur sehr erfreulich seyn. D. R. 


- 0 


und zwar immer so, dass ihre Richtung mit der Richtung‘ der Fall-Li- 
nien der Schichten genau zusammenfällt. 

Dagegen hat der Übergangsgneiss, welcher das unmittelbare Lie- 
gende für die steil aufgerichteten Südflügel des älteren Steinkohlen-Ge- 
birges von Hainichen und Ebersdorf bildet, zwar gleichfalls einen mehr 
oder weniger deutlichen Linear-Parallelismus , dessen Richtung sich je- 
doch im Allgemeinen mehr der Streichlinie der Schichten nähert. 

Dass die Erscheinung am Glimmerschiefer nicht selten vorkommt, 
ist bekannt; die stängelige und Scheit - förmige Absonderung manches 
Glimmerschiefers hängt unmittelbar mit ihr zusammen, und ist nur eine be- 
sonders gesteigerte (z. Th. durch Verwitterung erhöhte) Manifestation 
derselben. Gewöhnlich verräth sie sich dureh eine mehr oder weniger 
deutliche parallele Faltung auf den Schichtungs- und Spaltungs-Flächen, 
auch, wo der Quarz sehr hervortritt, durch ein streifiges Arrangement 
der Gemengtheile. Auch vieler Thonschiefer zeigt die Erscheinung be- 
sonders auffallend durch eine zarte Streifung oder Fältelung seiner Spal- 
tungsflächen; so höchst deutlich die Schiefer im Liegenden des Zwic- 
kauer Übergangs-Gebirges; aber wohl kaum der wirkliche Grauwacken- 
Schiefer aus der dortigen Gegend. Es ist auch nicht wahrscheinlich, 
dass ursprünglich Schlamm-artige Sedimente die Erscheinung so zeigen 
können, wie sie z. B. an dem gefalteten Thonschiefer zwischen Haara 
und Kärchberg und, nach Dr. Corrz»’s Beobachtungen, an so manchen 
anderen Schiefern im Erzgebirge vorkommt, in welchen sich, nur in 
kleinerem Maassstabe, die parallele Fältelung vieler Glimmerschiefer 
wiederholt. Sollte vielleicht dieses Verhältniss dazu geeignet seyn, ein 
sicheres Kriterium für die bisweilen so schwierige Fixirung der Grenze 
zwischen Ur- und Übergangs-Schiefer an die Hand zu geben? — Wenn 
die Urschiefer der primitiven Erstarrungs-Kruste des Erdballs au 
ren, während die Übergangs-Schiefer aus dem, durch tief eingvei- 
fende mechanische und chenische Zerstörungen dieser Kruste gebildeten 
Schutte und Schlamme hervorgingen, so möchten wohl, gleichwie die 
Bedingungen ihrer Entstehung, also auch die inneren Textur-Verhältnisse 
wesentlich verschieden seyn. 

Es war mir bei einer, zunächst nur auf Grenzbestimmungen be- 
rechneten, Revisionsreise nicht vergönnt, den Erscheinungen ein so zu- 
sammenhängendes Studium zu widmen, dass eine genaue Erforschung 
ihrer räumlichen Gesetzmässigkeit möglich gewesen wäre. 


gehö- 


Nach einigen 
zerstreuten Beobachtungen dürfte sie einem allgemeineren Gesetze un- 


terworfen seyn, als ich Anfangs glaubte; der Glimmerschiefer zwischen 
Wittchensdorf und Röhrsdorf (bei Chemnitz) zeigt z. B. fast genau die- 
selbe Richtung des Linear-Parallelismus (wenn man die geneigten Schich- 
ten auf ihre ursprünglich horizontale Lage reduzirt), wie der Gneiss 
bei Freiberg. Es wäre daher zu wünschen, dass die Geologen dieses 
Verhältniss, wo es bestimmt ausgebildet ist, berücksichtigen möchten, 
weil die, auf die ursprüngliche Lage der Schichten reduzirte Richtung 
des Linear-Parallelismus der ältesten Gneisse und Schiefer ein Beob- 


14 ® 


" achtungs-Element zu seyn scheint, welches für manche geologische 
Probleme wichtig werden kann. Ist wirklich die Erdkugel ursprüng- 
lich aus dem Zustande feuriger Flüssigkeit zur Konsolidation gelangt, 
so müssen ja wohl durch die Rotationsbewegung ähnliche Strömungen 
der Masse veranlasst worden seyn, wie sie noch jetzt der Ozean dar- 
bietet; Strömungen, welche in dem Linear-Parallelismus der erstarrenden 
Massen ein Monument fanden, aus welchem sich noch gegenwärtig ihre 
Richtung erkennen liesse. Vielleicht würde die so oft ventilirte Hypo- 
these einer Axen-Verrückung des Erdbalis in den einfachen Zügen die- 
ser Lapidarschrift ihre Bestätigung oder Widerlegung finden. 


NAUMANN. 


Mittheilungen an Professor BRoNN gerichtet. 


Tharand, 26. Dezember 1833. 


Der Herr Baurath Sarrtorıus in Eisenach hat vor Kurzem einen 
recht schönen Fund gethan. Unter seiner Aufsicht wurde die Strasse 
von Kreuzburg nach Trefurth gebaut, und bei dieser Gelegenheit fand 
er in dem graugelben Keupersandsteine des Pferdeberges eine grosse 
Anzahl zum Theil sehr schöner und wohl erhaltener Pflanzen-Abdrücke, 
Ich war so glücklich, die schönsten davon durch seine Güte zu erhal- 
ten: es sind Exemplare von Equisetites Bronnii STERNE. (Ca- 
lamites arenaceus major Jic.) und Calamites arenaceus 
minor Jäs,.; aber auch der untere Theil eines Cycadeen- Wedels ist 
dabei, und zwei andere Abdrücke, die ich-ohne vollständigere Exemplare 
nicht zu bestimmen wage. Der eine davon ist wahrscheinlich eine 
Giossopteris, der andere aber eine runde, platt gedrückte Frucht, 
oder der Abdruck einer Abgliederung von Equisetites Bronnii: 
ich vermisse jedoch jene radialen Streifen, die man bei Ihren Exempla- 
ren so deutlich erkennt; auch bemerkt man auf den Rückseiten der bei- 
den Sieinplatten, welche diesen Abdruck einschliessen, keine Spur von 
durchgehenden Stengeln. | 

Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir zugleich eine Frage über 
jene Calamiten-ähnlichen Stämme, welche in dem Konglomerate bei 
Hainchen (in Sachsen) zuweilen aufrecht stehend gefunden werden. 
Ich weiss nämlich nicht, ob man berechtigt ist, diese Stämme zu dem 
Geschlechte der Calamiten zu rechnen, da sie eine ganz andere Art 
der Abgliederung zeigen, als die, welche man als bezeichnend für das 
Geschlecht der Calamiten beschrieben hat. 

Man findet bei Hainchen zwei Aıten solcher Stämme; die eine Art 
zeigt 2‘ bis 4' breite, wenig erhabene Streifen, die durch die Abglie- 
derungen hindurch gerade fortsetzen, so dass diese Abgliederungen als 
blosse Einschnitte erscheinen, die rings um den Stamm herum durch alle 
Streifeu rechtwinkelig hindurchgehen. Wo sie die schmalen 'Furchen 


—_ un —- 


durchkreutzen, da erweitern sich dieselben etwas auf Kosten der Streifen 
so, dass kleine rbombische Vertiefungen entstehen. 

Wenn man .diese Stämme vollkommen erhalten und aufrecht stehend 
lindet, so zeigen sie gegen oben eine schnell zulaufende, abgerundete 
Spitze. Diese schnelle Abnahme an Dicke bringt auch eine Modifikatien 
der äusseren Struktur hervor, indem immer einzelne Streifen gegen oben 
verschwinden [gleichsam sich auskeulen]. Diess geschieht dann gewöhn- 
lich in regelmässigen Abständen und so plötzlich, dass man von einem 
Streifen, der am oberen Ende einer Abgliederung sich bis zum Ver- 
schwinden verengert, am unteren noch ganz die normale ‘Breite 
vorfindet.- 

Die andere Art dürfte vielleicht nur eine Modifikation der vorigen 
seyn; sie entspricht ziemlich genau dem von Scurorsemm Tf. XX, Fig. 
4. abgebildeten Calam. serobiculatus, bei welchem die Abgliede- 
rung nicht durch eine zusammenhängende Zirkellirie, sondern nur durch 
eine kleine Zusammenschnürung der Längesfreifen hervorgebracht wird, 
während es doch eigentlich als Regel gilt, dass die Streifen der Cala- 
mitten an den Abgliederungen abwechselnd stehen. 

Das Konglomerat, in welchem sich diese Stämme bei Hainchen fin- 
den, wurde früher für Rothliegendes gehalten. Herr Professor Nav- 
mAanN hat aber bei genauerer Untersuchung gefunden, dass es keines- 
wegs Bothliegendes ist, sondern einer älteren Kohlen - Formation angce- 
hört, welche unter dem Zwickauer und Chemnitzer Kohlen - Gebirge 
liegt, und wahrscheinlich dem Englischen Steinkohlen-Gebirge entspricht. 
‚Das Nähere hierüber wird H. Prof. Naumann. bald selbst bekannt ma- 
ehem ; ich erwähne der Beobachtung nur, weil sie einigen Aüfschluss 
über die abweichenden Formen der Haincher Versteinerungen zu geben 
vermag. Denn nicht nur diese gestreiften Stämme sind jenem Konglo- 
merate eigenthümlich, sondern auch kolossale, Lepidodendra-ähn- 
liche Pflanzen bis zu 2° Stammdurchmesser, welche theils langgezogene, 
theils flach gedrückte, rhomboidale Gestalten auf der Oberfläche zeigen, 
die jedoch den Blattnarben von Lepidodendron keineswegs ent- 
sprechen, da sie entweder nur aus flachen, entfernt von einander stehen- 
den Erhöhungen, oder aus unregelmässigen, in die Breite gezogenen 
Vertiefungen bestehen. Beide Formen scheinen in einander überzugchen, 
und zwar so, dass man zu glauben geneigt wird, der obere jüngere 
Theil der Stämme habe die ersteren erzeugt, welche sich beim älter- 
werdenden in die letzteren umgewandelt hätten, 

Sind ‚Ihnen vielleieht ähnliche Formen aus der alten Englischen 
Kohlen-Formation bekannt?*”) 


B. Cotta. 


*) Dieser Brief veyanlasste mich, meine Pflanzen-Reste von Hatnchen, die ich der 
Güte der Herrn Ezavzrra verdanke, genauer anzusehen, Ich fand jene Calami- 
ten darunter, blieb aber wegen dieser Lepidodendra noch etwas zweifelhaft. 


— 212 — 


Täbingen, 29. Dezember 1833. 

Einige Bemerkungen zu den 10 Lieferungen der geo- 
gnostisch-petrefaktologischenSammlungdes Heidelberger 
Comptoirs. Die beiden unter dem Namen Lias-Sandstein von Weilheim 
gelieferten Gebirgsarten, Nro. 325 und Nro. 327 der älteren, oder Nro. 
234 und 236 der neueren Ausgabe gehören zum Inferior-Oolite (Eisen- 
Rogenstein); es sind dieses die Sandsteine dieser zwischen dem Jura- 
kalk und Lias liegenden Formation, welche in Handstücken allerdings 
oft viele Ähnlichkeit mit Liassandstein haben und aus diesem Grund 
auch früher oft obere Liassandsteine (in Württemberg Eisensandsteine) 
genannt wurden. — Der körnige Thoneisenstein von Wasseralfingen 
Nro. 326 der ältern oder Nro. 235 der neueren Nummern liegt in diesem 
Sandstein des Inferior-Oolite’s. 

Die beiden unter Liassandsteime von Tübingen und Göppingen ge- 
lieferten Gebirgsarten (Nro. 502 und 324 der älteren, oder Nro. 237 und 
238 der neueren Ausgabe) sind die ächten Liassandsteine: sie liegen 
oft unmittelbar auf Keupermergel und sind in einigen Gegenden, wie 
bei Tübingen, von dem Nagelkalk der Lias-Formation bedeckt; nach ih- 
rer Alters-Folge würden sie daher richtiger zwischen Nro. 250 und 251 
der neuern Nummern, zunächst unter den Nagelkalk, eingeordnet. Der 
quarzige (sog. krystallisirte) Keupersandstein von Stuttgart (Nro. 412 
der älteren oder Nro. 257 der neueren Nummern) liegt nicht über, son- 
dern unter dem oberen Keupersandsteine von Degerloch (Nro. 412 der 
älteren oder Nro. 258 der neueren Nummern). 

Der Fundort des Muschelkalks mit eingewachsenen Bruchstücken 
von Keupermergel (Nro. 275 der neueren Nummern) ist Unter-Jesingen 
bei Tübingen, nicht Ischingen. 


SCHÜBLER. 


Auch waren Stigmarien mit ansitzenden Blättern dabei. Diese Resfe sind äus- 
serst merkwürdig und wichtig, weil an der Stelle der gewöhnlichen Kohlenrinde 
sie noch oft mit einer dicken Lage einer Substanz umgeben sind, welche die vege- 
tabilische Textur deutlich zeigt. Aber kaum traue ich meinen eigenen ‚Augen. 
Die schwächsten Exemplare zeigen das oben beschriebene Wesen der Calamiten 
am dentlichsten. Die Längenstreifen bestehen immer aus einer Doppellinie. Die 
Gliederung ist von obiger zweifacher Art; doch gehört die undeutlichere den grös- 
seren Exemplaren an. Ein Exemplar mittler Grösse zeigte Streifüng und Glie- 
derung zwar undeutlicher, doch zum Erkennen noch immer genügend, und auf 
jedem Gliede eine Menge rundlicher Brüche: Ast oder Blätter-Ansätze. Bei noch 
grösseren Exemplaren endlich verschwindet die Gliederung fast völlig, die Strei- 
fung verliert an,Regelmässigkeit, die Narben treten deutlich hervor: es sind Stig- 
marien. Ich wünschte sehr, dass Hrr. Corra diese Beobachtungen bei einem 
reichereu Materiale, als mir zu Gebote steht, zu bestätigen suchte. Die Lepi- 
dodendra, wenn es anders dieselben sind, wovon er spricht, scheinen mir eben 
nicht sehr von Lycopodites elegans STERNE. abzuweichen. Br. 


m a — 


Neufchatel, 28. Januar 1834, 


Die zweite Lieferung meiner Recherches sur les pvissons fossiles ist nun 
ebenfalls gedruckt; sie zu versenden warte ich nur auf einige Tafeln, 
welche noch gezeichnet werden mussten, da sie Arten vorstellen, die ich 
noch auf meiner letzten Reise gefunden. In 4 Wochen sollen Sie indess die- 
selbe haben. Eben so regelmässig werden die anderen Hefte folgen. 
Ich bin jetzt an der Ausarbeitung einer kleinen Abhandlung über fossile Se e- 
sterne, die Sie erhalten sollen; auch eine Notitz über unsere Kreide 
und deren Versteinerungen werde ich Ihnen bald senden können, 
Wenn nur die Tage doppelt so lang wären, so gienge es leichter. — Wenn 
ich kann, komme ich nach Stuttgart und Strassburg. Es wäre aber 
auch möglich, dass ich diesen Sommer nach England oder nach 
Italien ginge, wenn ich bis dahin die 3. und 4, Lieferung fertig brin- 
gen kann. 

Acassız. 


— nn 


« 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 
1S30. 


Bovirrer et Lecoo: Vues et Cowpes des principales [ormations yeologi- 
ques du departement de Puy-de-Döme, accompagnees de la 
description des echantillons des roches, qui les composent. (266 pp. 
et 31 tbb. 8°.) Clermont. 

Fischer DE Warpneim: Oryclographie du gouwvernement de Moscou 
(32 pp. et 65 pll. in Fol.) Moscou. 

Em. GvEYmarD: sur la mineralogie et la geologie du departement des 
Hautes-Alpes. (121 pp. S’ avec 1 carte geol.) Grenoble. 


1831. 


- GIRARDIN: Considerations generales sur les Volcans et un ecamen cri- 
tique des diverses theories proposees pour expliquer les phenome- 
nes volcaniques. Rouen. 

Em. GuUEyMmarD! sur la mineralogie et la geologie du departement de 
VIsere (219 pp. 8° avec 1 carte geol.) Grenoble. 

Huor: Coup doeil sur les volcans et sur les phenomenes volcaniques 
consideres sous les rapports mineralogiques, geologiques et physi- 
.ques. Paris. 

G. Suckow : die bedeutendsten Erz - und Gestein - Lager in Schweden. 
Jena 8°. 


1832. 


A. H. Dumont: Memoire se la constitution geologique de la Province 
de Liege (372 pp. 4°, 1 carte ygeol. et 2 feuill. de coupes). 
Bruzelles. t 

EBENEzER Emmons: Manual of Mineralogy and Geology. Second Edi- 
tion. (299 pp.12°). Albany. [Die Krystallographie nach Brooke, 
Klassifikation und Nomenklatur nach Mons]. 


re 


Grocrer: Versuch einer Charakteristik der Schlesischen mimeralogischen 
Literatur von 1800 bis 1832. 65 SS. Breslau 4°. 

Ch. U. Suerirn: Treatise on Mineralogy. _ New Haven. [Terminologie, 
Klassifikation, Nomenklatur, Charakteristik und Physiographie der 
Mineralien, zum Theil nach Mons]. 


1S33. 


R, Bikewerr: an Introduction to Geology, intended to convey a practi- 
cal Knowledge of the Science and comprising the most recent 
Discoveries. 4h edit. (609 pp. 8° mit 8 Kupfert. und ı8 Holz- 
schnitten), Zundon [1 Pf. 1 Sh.]. 

H. S. Bosse: 'contributions towards a Knowledge of the Geology of 
Cornwall. 8310 pp. 8°. with a map and 2 plates. (aus den Geol. 
Transact. Cornwall, IV.). 

Bograye et Vırıer: Expedition scientifique de Morde, — Section des 
Sciences physiques , geologie et mineralogie. (Livrais. I—-LI 

53 pp. avec 1 planche). Paris. 

H. Corsa: der Kammerbühl nach wiederholten Untersuchungen auf's 
Neue beschrieben. Dresden 8°. 

Desnayes. Description des coquilles fossiles des environs de Paris, #°. 
Livr. XXX— XXÄIP, Paris. 

A. Easton: geological Text Book, second edition (140 pp. S° mit 68 
lithogr. Figures of organic remains.) New York. [Diess ist 
eigentlich die 6te Auflage; die fünf ersten waren erschienen unter 
den Titeln 

I. et II. = Index to the Geology of the Northern States, 
1818 und IS20. 


III. — Reportof a geological survey of Erie Cunal, 1824. 
IV. — Geological, Nomenclature. 
V. — Geological Text Book, 1830.) 


A. Gorpruss: Abbildungen und Beschreibungen der Petrefakten der 
K. Pr. Rhein - Universität zu Bonn. Heft IV. Fol. Düs- 
seldorf. 

GrATELouP: Notice geognostique sur les roches de Feras aux environs 
de Dax, Dept. des Landes. Bordeaux 8°. 

S. Hıesert: History of the extinct Volcanves of the Bassin of New 
Wied on the lower Rhine. (261 pp. S° mith maps). Edinburgh. 

Linprey and Hurron: the Fossil Flora of Great Britain, Nro. VIII. 
[Vgl. Jahrb. 1833. S. 329]. 

G. MunteLn: Geoloyy of the South East of England, containing a com- 
prehensive Sketch of ihe Geoloyy of Sussex and of the adjacent 
parts of Hampshire, Surrey and Kent, with Figures and Descrip- 
tions of the Exctraordinary Fossil Reptiles.of Tülgate-Furest (with 
75 Plates, Maps and Woodeuts, 8°.) London [21 Sh.). 

#H. Resoun: Geologie de la Periode quaternaire et introduction a Uhi- 
stoire ancienne. 8°. Paris. 


— 2l6 — 


A, W. J. Uupe: Versuch einer genetischen Entwickelung der mechani- 
schen Krystallisations - Gesetze, nebst vorläufigen. Erörterungen 
über die mechanischen Bedingungen des dreifachen Aggregat- Zu- 
standes der Körper überhaupt, (395 pp. 8° mit 4 Steindrucktafeln). 
Bremen. 

C. H. v. Zieten: die Versteinerungen a enbenge: XI. und XI. Heft. 
Stuttg. roy. fol. [Das ganze, nun vollendete Werk kostet nun 40 fl. 
mit schwarzen, 48 fl. mit illuminirten Abbildungen]. i 


Angekündigt sind: 


R. Bıreweın: Indroduktion to Geology ete. (s. S. 215), zweite Amerikani- 
sche nach der vierten Englischen, sehr vermehrte Ausgabe, unter 
Aufsicht von SILLIMan. 

Desnayes et DuchAten: Monographie des füssiles du sol cretace, en par- 
ticulier de celui de la Belgique. 

Des Lonschamps: sur les Crocodiles fossiles. 

Hırcucock: Report of the Geology of Massachusetts, 1 Band in 4° von 
600 — 700 Seiten, mit mehreren Karten und Zeichnungen, und vie- 
len Holzschnitten. 


B. Zeitschriften. 


1.Kongl. SvenskaVetenskaps AcademiensHandlingar 
f. 1831. Stockholm 1832. gr. S°’ mit 7 Tafeln. 


S, Nırsson: in Schoonen gefundene fossile Gewächse, mit 4 lithographir- 
ten Tafeln S. 340—351, (F. f.) 

S. Nırsson: über Thier-Versteinerungen in den Steinkohlen-Gebilden von 
Schoonen, mit Abbildungen. S. 352—355. [Metallglänzende Flügel- 
Decken eines Insekts, ein ?Krokodil-Zahn, ein Fisch (Handling. 
1823.), Avicula inaequivalvis Sow., Ostrea Hisingeri 
Niırs., Modiola Hoffmanni Nırs., Donax arenacea Nırs, 
und Venerites)]. 


3. W. FEATHERSTONEHAUGH: the Monthiy AmerikanJournalof 
Geoloyy etc. 8°. IX. Hefte von Juli 1831 bis May 1832.) 


3. C. Harımann’s: Jahrbücher der Mineralogie, Geolegie, 
Berg- und Hütte n-Kunde. Nürnberg 8°. Jährlich ein Band 
in 3 Heften. I. 1. 1834. 199 SS. 

SEEBEcK: über die Prüfung der Härte an Krystallen.: S. 123—144”). 


*) Das Übrige sind Übersetzungen aus dem Report of the British Association, aus) 
Lyenn's Principles of Geology, aus Tayıor’s Records of Mining, eine kleine An- 
zahl Auszüge aus andern Zeitschriften und Bücher-Anzeigen. Wer bei dem Ver- 
leger StEın in Nürnberg „MoırL’s neue Jahrbücher“ und Kasrner’s Grund- 
zügeder Physik und Chemie“ vor Ende März für 20 fl. zusammennimmt, 
erhält dieses Heft gratis. 


m 297 — 


A, Annales des Mines etc. [efr. 1833. S. 422.] 


IH. 1, 1833. enthält, ausser Berg- und Hütten-männischen Aufsätzen 
und Auszügen. 

P. Bertsıer: Analyse verschiedener metallischen Mineralien S. 39—62. 
[Jahrbuch 1834, S. 49 ff.]. 

Durr&noy: über die Natur und geologische Lagerung der unter dem 
Namen „ealcaires amygdalins“ bezeichneten Marmore. S. 
123—137. Tf. I. [Jahrb, 1834, S. 77 fl.)]. 

IN. m, 1833. enthält 

Durr£noy: Note über Lagerung und Zusammensetzung einiger Alaun- 
Silikate. S. 393—400. 

A. Bov£: über die grosse Jahresversammlung der Deutschen Gelehrten 
zu Wien im Septemb. 1832, und über den jetzigen Zustand der 
Mineral-Industrie im Östreichischen Kaiserthume S. 401—122, 


5. Bullet. de la Societe geologique de France. Paris 8°. 
1832 — 1833; III, 209-376 und p. I— CLXXXVIL. 
[Jahrb. 1833. S. 550. 


E. Rogert: Geologische Beobachtungen in der Picardie und Normandie 
i. J. 1831. S. 209— 211. 

Durre£nox: theilt v. Leonuarn’s Beobachtungen mit über die Granite von 
Heidelberg. S. 214—215. 

Dr Monrtrosier: über die Bildung der Thäler und die Theorie’n der Ge- 
birgshebungen. S. 215— 217. 

SCHMERLING: über die Knochen-Höhlen der Provinz Lüttich. S. 227— 222. 
(Vgl. Jahrbuch 1833. S. 592.) 

DE Bonwarn: Knochen in der Höhle von Arcy sur Cure. S. 222—223. 

Virzer: über Knochen-Höhlen, S. 223—224. 

v. Leonsarn: über körnigen Kalk. S. 226— 228. (= Jahrb. 1833. S. 312). 

D. Pr£vost: über Knochen-Höhlen. S. 228. 

HERICART DE Tuurr: Notiz über die Kalk-Höhlen von Cusy in den Beau- 
ges in Savoyen, und über den Gold- führenden Sand im Cheran. 
S. 229—234,. (Jahrb, 1834. Heft 2). 

Rozert: Geologische Abhandlung über die Umgegend von Oran in Afrika 
S. 234— 236. 

HERrICART DE Tuury: Gold bei Turin. S. 236—237. (Jahrb. S.834, S. 221.) 

Bovueee: Erinnerungen von seiner letzten Reise nach den Pyrenden. 
S. 237— 238. 

Leymerie : über gediegenen Schwefel und Selenit in der Kreide von 
Montqgueuxz, Aube. S. 240— 241. 

C. Pr£vost : über den Sandstein von Beauchamp. S. 241— 242. 

Razoumowszı: Geologischer Versuch über das Thal, in dessen Grunde 
die Stadt Karlsbad liegt, und über dessen Umgebungen. S. 242— 248. 

Dyurr£noy: über die Lagerung des Eisen - Erzes von Rancie, und das 
Gebirge, worinn es eingeschlossen ist. S. 248—249. (ausführlicher 
in Ann. Scienc. nat, 1833, XXX, 59—79.) 

Vırter: Nachtrag (zu S. 585. des Jahrbuchs 1833.) über die untere 


BB = 


Kreide von Morea. S. 251—253. Sie ist in 3 Etagen getheilt. [Vgl. 
BosLayE Jahrb. 1834, S. 97]. 

Darcurac: über einen Bohr-Brunnen zu Laneuville sous. Laon, Aisne. 
S. 254—255, 

Bov£: Plan seiner „Bibliographie generale des sciences geologique, mi- 
neralogique et paleontologique“. S- 259—261. 

J. Levarrois: über die unterirdische Temperatur der Steinsalz-Grube zu 
Dieuze. S. 261. 

Resovur: Erläuterung eines geognostischen Durchschnittes des Cevennen- 
Pyrenäen-Beckens. S. 261—264. 

Teixıer: Betrachtungen über die Geologie der Sieben Hügel Roms. 
S. 264— 267. ’ 

Über die Knochen-Höhlen von Plombieres-les-Dijuns. S. 267. 

BousEe: über die Anfüllungs-Weise der Höhlen. S. 267—268. 

A. Benoit: Beschreibung der Lagerungs - und der Gewinnungs - Weise 
des Blei-Erzes von Longwilly, Canton Bastogne, in der Provinz 
Luxemburg. S. 272—-174, 

Erız pe Beaumont und Durrünoy: (dritter Theil einer) Abhandlung über 
die Gruppen des Cantal und Mont-Dore und über die Hebungen, 
welchen diese Gebirge ihre jetzige Form verdanken. S. 274—276, 

BERTRAND-GEsLIN: über einen Megalosaurus-Wirbel. S. 281. 

H£rIcart-Ferrand: Erläuterung eines geognostischen Durchschnittes 
von Paris bis Ham. S. 281—285. 

BERTRAND-GESLIN: Geelneische, Notiz über die Insel Noirmoutiers , im 
Vendee-Dept. S. 285— 287. 

Virtet: Prüfung vou L. v. Bucn’s Theorie der Erhebungs - Kratere. 
S. 287—295, 301—309, und 315—316. 

‚v. Rostuorn: über die Gegend von Radeboy in Croatien, 8. 299—300. 

DE Beiumont, Durrknoy, Pr£evost, D’Omarıus p’HarLoy, DE Monrtro- 
sıer und Bousfe Bemerkungen über Vıirrer’s Prüfung von L. v. 
Buen’s Theorie. S. 195—197, 309—313 und 317—326. 

Caucay: über die Erzlager der Ardennen. S. 321—324. 

Bou£: über die Gegend von Narbonne, Pezenas, la Corniche zwischen 
Nizza und Genua, und einige Örtlichkeiten im Vicentinischen. 
S. 324—326. 

Über ein Austern- [Grypheen?]Lager zwischen Germiliy C Yonne) 
und Ervy (Aube), S. 347. 

M. pe: Serres: Beobachtungen über die Ursachen des grösseren Schla- 
ges der fossilen und humatilen Arten, mit den lebenden verghehen. 
S. 356. 

A. Bou;: Zusammenstellung der Fortschritte der Geologie und einiger 
ihrer Haupt-Anwendungen in dem Jahre 1832. S. I-CLXXXYIU. 


Ru siz m oe. 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


STRomMEYER und Hausmann haben der K., Soz. d. Wissensch. am 5. 
Dez. 1833. mineralogische und chemische Bemerkungen 
über eineneue Mineralsubstanz übergeben, deren Eigen- 
ihümlichkeiten zuerst von K. Vorkmar aus Braunschweig wahrge- 
nommen worden. Das Mineral, welches im Audreasberger Erzgebirge 
auf den durch das sogenannte Andreaser Ort überfahrenen Gängen, ın 
Begleitung von Kalkspath, Bleiglanz und Speiskobalt sich gefunden hat, 
zeigt einige Ähnlichkeit mit Kupfernickel, unterscheidet sich 
aber von diesem schon durch seine Farbe, und besteht aus Nickel 
und Antimon, daher ihm der Name Antimonnickel gebührt. Es 
kommt eingewachsen vor in kleinen und dünnen, theils einzelnen, theils 
zusammengehäuiten oder aneinandergereihten, sechsseitigen Tafeln, wel- 
che Bildung in das Krystalloidisch-Dendritische übergeht; oder auch klein 
und fein eingesprengt, und dann mit dem Bleiglanz oder Speiskobalt oft 
innig verbunden; selten in etwas grösseren, derben Parthieen. Die 
Krystalle scheinen regulär-sechseckig zu seyn; doch ist bis jetzt eine 
genaue Winkeimessung nicht möglich gewesen. Ihre Endflächen haben 
eine sechseckige Reifung, die den Endkanten des Prisma entspricht, 
und worin sich eine Anlage zur Bildung von Flächen einer pyramida- 
len Krystallisation, vermuthlich eines Bipyramidaldodekaeders, zu erken- 
nen gibt, sind aber übrigens glatt. Die bis jetzt wahrgenommenen 
Krystalle messen selten über eine Linie. Versuche, eine Spaltung zu 
bewirken, sind nicht gelungen; hin und wieder sind aber Zusammen- 
setzungs-Absonderungen bemerkbar, die den Endflächen der Tafeln ent- 
sprechen. Der Bruch ist uneben, in das Kleinmuschelige übergehend, 
Die Endflächen der Krystalle sind stark metallisch glänzend ; die Bruch- 
flächen glänzend. Die Farbe erscheint anf den Krystallflächen, wegen 
des lebhaften Glanzes derselben, lichter als auf dem Bruche, und wird 
durch das Anlaufen etwas dunkler. Das Pulver hat eine röthlichbraune 
Farbe und ist dunkler, als der Bruch. Das Erz ist spröde. In der Härte 


% 


22.,20 


steht es dem Kupfernickel ziemlich nahe, indem es von Feldspath ge- 
ritzt wird, aber Flussspath ritzt. Das spezifische Gewicht konnte we- 
sen der Kleinheit der bis jetzt erhaltenen Stücke und wegen ihrer 
innigen Verbindung mit anderen Körpern nicht bestimmt werden. Das 
Mineral hat keine Wirkung auf den Magnet. — Vollkommen von einge- 
mengtem Bleiglanz, Speiskobalt und gediegenem Arsenik freie Stücke 
dieses Erzes gaben beim Glühen und Verblasen vor dem Löthrohr we- 
der einen arsenikalischen Knoblauchgeruch, noch einen sulphurischen 
Geruch aus, und auf der Kohle zeigte sich nur ein Antimon-Anflug. 
Dabei bewies sich dasselbe sehr strengflüssig und liess sich nur in 
ganz kleinen Stücken zum Fliessen bringen. — In einer Glasröhre ge- 
glüht sublimirte sich aus demselben etwas Antimon. — Die einfachen 
Säuren haben nur eine sehr geringe Einwirkung darauf. Aus Bleiglanz- 
haltigen Stücken scheidet Salpetersäure Schwefel aus. Salpetersalz- 
säure löst dasselbe aber leicht und vollständig auf. Diese Auflösung 
mit Weinsteinsäure versetzt, wird, wenn das Erz keinen Bleiglanz einge- 
mengt enthalten hat, durch salzsauren Baryt nicht gefällt, und gibt mit 
Schwefelwasserstoff vollständig niedergeschlagen einen rein Orange- 
farbenen Niederschlag, der von Kali gänzlich wieder aufgenommen wird 
und bei der Reduktion durch Wasserstoffgas nur Antimon ausgibt. 
Die durch Schwefelwasserstoff von Antimon befreite Auflösung gibt 
mit kohlensaurem Natron einen rein apfelgrünen Niederschlag, der in 
oxalsaures Nickel umgeändert, sich in Ammoniak vollständig mit rein 
Saphir-blauer Farbe auflöst. Diese an der Luft von selbst zersetzt, hin- 
terliess eine völlig ungefärbte Flüssigkeit. — Da es nicht möglich war, 
für eine quantitative Untersuchung eine hinreichende Menge ganz rei- 
nen Erzes zu erhalten, so wurden dazu etwas bleiglanzhaltige Stücke 
angewandt. Diese fanden sich in 100 Theilen zusammengesetzt, aus: 
nach Analyse 1. U. 
Nickel 1 EN 98910 a RIO 
Antimon elare, 03USE Me rl‘ 
Busen) a 0. 120002.2010,5007 eo u 202 
Schwefelblei . .'. 6,437 0. 7. 00 1 125357 
"99,983 99,959 
Wird nun das Schwefelblei und Eisen als nicht zu der Mischung die- 
ses Erzes gehörend abgezogen und aus beiden Analysen ein arithmeti- 
sches Mittel genommen, so ergibt sich daraus die Mischung des Anti- 
mon-Nickels in 100 Theileu zu: 
Nickeli\ Wu aus 28 10 oz 
Antımon. Dana a ln 89 RN 
100,000 
Die Bestandtheile dieser natürlichen Legirung befinden sich dem- 
nach in dem Verhältniss gleicher Äquivalente mit einander vereinigt, 
‚ und der Antimon-Nickel ist mithin eine dem Kupfernickel, in dem eben- 
falls gleiche Äquivalente Nickel und Arsen zusammen verbunden vor- 
kommen, ganz analoge Verbindung, — Durch Zusammenschmelzen 


= 21 — 


gleicher Aquivalente Nickel und Antimon erhält man eine diesem Erze 
in der Farbe, dem Glanze, der Härte und der Sprödigkeit völlig ähn- 
liche Legirung, die ebenfalls nicht magnetisch ist, und auch im Feuer 
und gegen die Säuren ganz dasselbe Verhalten zeigt. In dem Augen 
blick, wo beide Metalle sich mit einander verbinden, findet, wie dieses 
schon von GEHLENn beobachtet worden ist, eine sehr lebhafte Feuerer- 
scheinung Statt. Bei einem grösseren Verhältnisse von Antimon nimmt 
die Legirung eine weisse Farbe an, und wird schmelzbarer, (Götling. 
gel. Anz. 1833. Nro, 201.) 


Nach H£rıcart de 'Tnury hat man kürzlich ein Stück Goldes von 
8,000 Frances Werth im Alluvial-Land bei Turin gefunden. (Bull. Soc. 
geol. France, 1833, III. 237.) 


Bovussincauer Analyse des Halloysit’s von Guategue in Neu- 
Granada. (Annal. d. chimie et de physique, 1833, Aoüt, LIIT. 439—441.) 
Das Dorf Guateque liegt in der östlichen Cordiliere unweit Sogamoso. 
Das Gebirge ist ein sehr verbreiteter Sandstein, welcher auf der Por- 
phyr- und Schiefer-Gruppe von Pomplona ruht. Bei Guateque geht der 
Sandstein in einen schwarzen sehr Kohlen-reichen Schiefer über, worin 
unansehnliche Nester von Anthrazit vorkommen, Indier, welche eine 
Smaragd-Lagerstätte suchten, fanden 1826 in diesem Schiefer den Hal- 
loysit. Er ist weiss, kompakt, sehr zart anzufühlen , mit muschligem 
und wachsartigem Bruche, an den Kanten durchscheinend, wird im Was- 
ser unter Entwickelung vieler Luftblasen durchscheinend, lässt sich mit 
dem Nagel kratzen, und klebt sehr stark an der Zunge. Er stimmt in 
seiner Zusammensetzung (nach Verdunstung des mechanisch gebundenen 
Wassers im Wasserbade) völlig überein mit einem zu Avreur bei Lüt- 
tich gefundenen, von BERTHIER analysırten und nach Omarıus n’HarLoy 
(von dem es entdeckt worden) benannten Minerale, wie folgende Ne- 
beneinanderstellung ergibt 


Halloysit I von Avreur Il von Guateqgue, 
Mueselende, . ...,..05449,.,..02707..,0460 ., 0,470 038 
RIARNERBEL 20.2.4708 0,39, u 200000402, oder J 0,262) 
en 
Wasser 2. NIOLEOND, Volas" ı 0,137 0,268 
1,000 1,010 


was der Formel 2 Al Si? + AH? entspricht. 


G. Rose: über die Krystallform des Plagionits, eines 
neuen Antimon-Erzes, (Poccenn. Ann. d. Phys. XXVII. B. S. 
421. #.) Die Krystalle sind 2- und 1- gliederig, und in Drusen auf 
der derben Masse, so wie auf krystallisirtem Quarz aufgewachsen. Das 
derbe Mineral hat unebenen Bruch. Wegen der übrigen Merkmale wird 


a 


auf Zin£en’s Abhandlung (A. a. O. XXII. B. S. 492) verwiesen, der 
die Substanz unter den Antimonerzen vom Wolfsberg eutdeckte. Nach 
H. Rose besteht dieselbe aus: 

Bien Was en. a a a 

Au Elan O2 ee, Zul De ae 

Sehrvetell 1.04.2335 0 hehe ea N 


99,99 


! m 
‘und die Formel ist Pb*Sh3. 


BoussincauLt: Zerlegung des Alauns vom Vulkan von 
Pasto (Ann. de Chim. et de Phys. Avril, 1833. P. 348. eic.): 
Schwefelsäure’. .. 1. «u. wm 0.0. 02856B 
Rhomerden .\.. .. emneı Se meneaten 1 
Wasser. #0). 87 Kama en Se ZUerE 
100,00 
Die Zusammensetzung, identisch mit jener des Alauns von Saldagna, ent- 


spricht der Formel: AI S? + 18 Aq. Der zerlegte Alaun findet sich im 


Krater des Vulkans von Pasto, begleitet von Gypsspath, auf einem durch 
schwefelige Dämpfe zersetzten trachytischen Gestein. 


G. Rose: über die Krystallform des Silber-Kupfer- 
- glanzes, und das Atomen-Gewicht des Silbers. (Poc- 
GEND. Ann.d. Phys. XXVIIU. B.S. 427.) Fundort: Rudolstadt in Schle- 
sien. Die Krystalle sind sechsseitige Prismen, deren Winkel wenig von 
120° abweichen, und die mit sechs Flächen zugespitzt sind, welche mit 
den Flächen des Prismas Winkel von ungefähr 116° machen. Sind auch 
die Winkel weder beim Silber-Kupferglanz, noch beim Kupferglanz mit 
grosser Genauigkeit bestimmbar,, so kann dennoch kein Zweitel Statt 
finden, dass die Krystall-Formen beider isomorph sind. In der chemischen 
Zusammensetzung kommt der Silber-Kupferglanz von Rudolstadt mit 
dem vom Schlangenberge überein, er enthält Schwefelsilber und Schwe- 
felkupfer in demselben Verhältnisse. — Die wiederholten Beobachtungen, 
dass sich Schwefelsilber Ag S und Schwefelkupfer gegenseitig erset- 
zen, und dass nicht allen Schwefelkupfer Cu S in der Form des Glas- 
erzes, sondern auch Schwefelsilber Ag S in der Form des Kupferglanzes 
vorkommen, scheinen es nun immer mehr nöthig zu machen, das Atomen- 
Gewicht des Silbers durch 2 zu dividiren, und die chemische Zusam- 
mensetzung des Glaserzes mit Ag S zu bezeichnen, wie die des Kup- 
ferglanzes mit Cu S, damit die chemische Formel des Glaserzes dieselbe 
Anzahl Atome enthalte, wie die des Kupferglanzes. 


— 23 — 


Nach A. Breituauer ist das Krystallisations-System des 
rothen Nickel-Kieses rhombisch und zwar holoedrisch, (Scuwsıe- 
GER-SEIDEL, n. Jahrb. d. Chemie 1833. Heft 16, S. 444.) 


Wolkonskoit, zerlegt von P. BerrHıer.. (Ann. des Min. 3me 
serie T. II, p. 39 etc.) Vorkommen in Adern und auf Nestern am 
Berge Jefimictski im Permischen Gouvernement. Das Mineral ist schön 
grasgrün, dicht, muschelig oder uneben im Bruche, matt, erlangt aber 
durch Reiben mit den Fingern Glanz. Hin und wieder findet man Kör- 
ner eisenschüssigen Quarzes. Der Wolkonskoit gibt viel Wasser und 
wird, in der Glasröhre erhitzt, unrein bräunlich- und grünlich-grau. Mit 
erhitzter konzentrirter Salzsäure gelatinirend. Chemischer Gehalt: 

Chnemuryder We RR 730,0 
Bisen- Peroxydl UN EI IN ZIEH 1762 
Ballsendent ci Wen el u RS ER NS ENNTEZ 
eselendersn er BE RENNEN DTZ 
Wasser 5 a ae ee Aare 23 


Kupfererz von Escouloubre im Aude-Departement, ana- 
lysirt von demselben. (Ibid. p. 46. etc.) Derb, oder körnig- 
blätterig, dunkelbraunroth und mit Kupferkies durchadert. Hin und wie- 
der nimmt man in den Massen zarte Spalten wahr, deren Wände mit 
grünem kohlensaurem Kupfer bedeckt sind, Gehalt: 

grünes kohlensaures Kupfer . . .‘\. 32,6 
Basen-Peroxyd-Hydrat. | ..\,.e. 22.5155 
Basen Beroxyd.... Wo. N. 
Quarz und Kieselerde . x» 2 2.2.2.8 


Bunt-Kupfererz von Nadaud im Dep. Haute-Vienne, zer- 
legtvon demselben. (Ibid. p. 48. etc.) Vorkommen im Walde von 
Nadaud in der Gemeinde Saint-Sylvestre. Derb, dicht, uneben im Bru- 
che. Chemischer Bestand: 

Kupternaa0 1lakun BER 0 nr, 700 
Eisenmann si Das ie pe elaginp irig 
Schwere ol Hau sungagahlen, ab 4 332050 
Glimmer und Quarz . 


C. F, Praroser untersuchte den charakteristischen 
braunen Erdkobalt von Saalfeld vor dem Löthrohre und 
fand ihn zusammengesetzt aus: Kobaltoxyd, Eisenoxyd, Manganoxyd, 

Jahrgang 1831. 15 


— 24 — 


arseniger Säure, Thonerde, Talkerde und Wasser. (SchwEIssER-SEIDEL, 
n. Jahrb. d. Chem. 1834, 1. H., S. 9 ff.) Brerruaupr- sieht jenes Erz 
als ein homogenes Opal-artiges, zu den Porodinen gehöriges Mineral an. 


Tantalit von Tamela, analysirt von NoRDENSKIÖLD (BERZELIUS, 
Jahresbr., XTl. Jahrg. S. 190): 
Dantalsaumeze ve . 1. 1 EB RS Sy 
Bisenoxyaul.“ . ... as a losne 
Mansanoxydul . =... sen N 0 el 
FENDT N RER EDER ER ; 
100,00 
Er ist also Fe Ta mit Spuren von Mn Ta. Eigenschwere — 7,264. 
Krystallform prismatisch, Winkel der Grundform 98° 59°; 1050 1/5125 47°. 


STROMEYER: chemische Untersuchung d“s kohlensauren 
Mangans (Manganspath) von Freiberg, von Kapnik und von Na- 
gyag. (Gött. gel. Anz. 1833. 109. Stück, S. 1081 #.) Nach einem Mittel zweier 
Analysen des blättrigen und des krystallisirten Manganspatbs enthält der: 

von der Grube Be- von Kapnikin von Nagyag in 
schert Glück bei Siebenbürgen: Siebenbürgen! 


Freiberg: 
Manganoxyd =... 45.003: 1.11. 1. 055.093 Wa Wa 0 555UN8 
Eisenoxydull . . x 3570... N EN IE RR NE 


Kalk. en NA ISO ADS RL 0 
Talkerde "sr. ulaistar. MER 18000, Velen dee 
Kohlensäure nebst De- 
krepitations-Wasser 39,849 . . . 39,221 . . . 39,235 
99,901 99,852 _ 99,977 
Die beiden krystallisirten Abänderungen des Manganspathes aus 
Siebenbürgen unterscheiden sich demnach sehr wesentlich in ihrer. 
Mischung vom blätterigen Manganspath von Freiberg dadurch, dass sie 
nicht eine Spur von kohlensaurem Eisenoxydul enthalten, wie diess 
schon BERTHIER an dem von Nagyuag bemerkte. Da beide mit eisen- 
haltigen Fossilien vorkommen, und alle andern bekannten Mangan-Erze 
steis etwas Eisen enthalten, so ist diese Eigenthümlichkeit um so auf- 
fallender. Übrigens ist das kohlensaure Manganoxyd, wie das Freiber- 
ger, mit etwas kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Talkerde verbunden, 
und die Behauptung Bertsıer’s, dass im Nagyager Erze ebenfalls keine 
Talkerde vorkomme, wird durch die Analyse Srromzxer’s widerlegt. 
Kieselerde aber ist in keinem der untersuchten Manganspathe gefunden 
worden; es steht demnach zu vermuthen, dass der von Lamravıus und 
pu MenıL angegebene Kieselerde-Gehalt entweder bloss von beigemeng- 
tem Quarz (dieses Mineral findet sich eingewachsen im Freiberger und 


u 


Ra — 


Nagyager Manganerze), oder vielleicht auch von etwas eingewachse- 
nem Rotlsteine herrühre, 


Prarrner’s Auffindung des Uran-Oxyduls im Schwedischen Automo- 
lit hat sich nicht bestätigt. (SCHWEIGGER- SEIDEL. neues Jahrb,. der 
Chem. 1833. Heft i8; S. 105.) 


D. Brewster: über die Struktur und dem Ursprung des 
Diamants. (1 Proceedings of the geol. Soc. of London. I833. N. 31. 
2. 466.) Nach Newron’s Muthmaassung ist der Diamant, gleich dem 
Bernstein, eine geronnene, fettige Substanz. Als Beweis des innigsten 
Verhältnisses zwischen der Entzündbarkeit und der absoluten Refraktiv- 
Kraft von Körpern fügt Br. die Thatsache bei, dass Schwefel und Phos- 
phor sogar den Diamant in diesem Vermögen übertreffen, und dass die 
drei genannten Inflammabilien alle anderen festen und flüssigen Körper 
in ihrer absoluten Wirkung auf das Licht übertreffen. Eine andere, dem 
Diamant und dem Bernstein zustehende, Analogie beruht auf ihrer 
polarisirenden Struktur. Beide enthalten kleine mit Luft erfüllte Zellen 
oder Höhlungen, durch deren Expansiv-Kraft die, die Atmosphäre un- 
mittelbar berührenden Theile jener Substanzen eine polarisirende Struk- 
tur erhalten haben. (Zeichnungen erläutern dieses Verhältniss.) Der 
Verf, behauptet, dass die polarisirende Kraft in der Rundung der kleinen 
Höhlungen, im Bernstein sowokl als im Diamant, ihren Grund haben 
müsse, in. der Expansiv-Gewalt der eingeschlossenen Substanz, für 
welche mutbmaasslich ein Gas-artiger Zustand angenommen wird; wäh- 
rend die Körper noch weich oder nachgebend waren, erlitten die Wände 
jener ‚Höhlungen eine Zusammendrückung. (Eine ähnliche Struktur lässt 
sich im Glase oder in gelatinosen Massen hervorbringen durch eine 
von einem Punkte aus sich Kreis-förmig verbreitende Kompressions-Kraft). 
Von der Annahme ausgehend, dass der Diamant einst in weichem oder 
Teig-artigem Zustande sich befunden habe, schliesst Bra, dass er kein 
Feuergebilde sey. Seine Untersuchungen der Höhlungen manchfacher 
natürlicher und künstlicherKrystalle — Topas,Quarz, Amethyst, Chrysoberyll 
— so wie der salzigen Substanzen, liessen, weder in den durch feurige 
Schmelzung,noch durch wässerige Auflösung erzeugten,Krystallen auch nicht 
eine Höhlung bemerken, in welcher das eingeschlossene expansible Fluidum 
eine polarisirende Struktur mitgetheilt hätte, ähnlich jener, die man im 
Diamant rund um die Höhlungen wahrnimmt. Er glaubt demnach, dass die 
einstige Weichheit des Diamanten jener eines halb erhärteten Gummis am 
nächsten gestanden haben müsse, und dass derselbe, gleich dem Bern- 
stein, aus dem Pflanzenreiche abstamme und Resultat Statt 
gefundener Zersetzung sey. Die krystallinische Struktur der Diamanten 
spricht nicht gegen diese Folgerung, denn auch der Honigstein erscheint 
regelrecht gestaltet, obgleich er, sowohl seiner Zusammensetzung nach, 
als in Betreff seines Vorkommens, unläugbar vegetabilischer Abkunft ist. 


15 * 


— 226 — 


Weıss: über den Haytorit (gelesen in der Akad. d. Wissensch. 
zu Berlin am 31. März 1828, abgedruckt in den, 1852 erschienenen 
Abhandl. der K. A. d. W. aus dem Jahre 1829; physikalische Klasse; 
S. 63 ff.) Der Haytorit ist — obwohl er nach Wönrer’s Untersuchung 
nur Kieselerde im Wesentlichen in seiner Mischung hat, und sonach von 
Quarz sich chemisch nicht verschieden zeigt — eine eigenthümliche 
Gattung; er bietet für den Quarz ein Gegenstück von dem, was Arra- 
gonit für Kalkspath, was Binarkies für Schwefelkies, und was Graphit 
für den Diamant (vielleicht auch, was Vesuvian für den Kalk-Granat) zu 
seyn scheint. Sein Krystallsystem ist ein zwei- und eingliedriges; in 
der Härte steht er dem Quarz fast gleich; Eigenschwere etwas unter 
2,6. Sein gewöhnliches Bruch-Ansehen gleicht dem des gemeinen Quar- 
zes, jedoch zeichnet ihn ein #5bhafter Fettglanz aus. Die von Levr be- 
merkte überaus grosse Übereinstimmung, wo nicht vollkommene Iden- 
tität des Krystall-Systems des Haytorits mit jenem des Datoliths oder 
Humboldtits, bewog ihn und Prırrırs, die Haytorit-Krystalle für After- 
krystalle von Humboldtit zu halten. Weiss thut dagegen die Ächtheit 
der Haytorit-Krystalle dar. Er sagt am Schlusse seines Aufsatzes, in 
dessen Einzelnheiten wir, aus Mangel an Raum, nicht eingehen können: 
Beobachtet man die feineren Unterschiede, welche mit mehrerer oder 
minderer Deutlichkeit ın ächten Krystallen immer die Flächen verschiede- 
nen Werthes auszeichnen, an Afterkrystallen hingegen in der Gleich- 
und Einförmigkeit des Ansehens der Masse verschwinden, und bloss 
mechanisch nach den Stellen, die etwa ein Angriff getroffen hat, wäh- 
rend er den Nachbar nicht traf, einen Unterschied lassen’, aber keinen 
physikalisch konstanten an jedem Individuum, entsprechend dem inneren 
physikalischen Unterschied in seinen verschiedenen Richtungen, und 
verfolgt man diese schönen konstanten Züge der physikalischen Eigenthüm- 
lichkeit der verschiedenen Krystallflächen des Haytorit’s, so ist jeder 
Zweifel an der Ächtheit seiner Krystalle als beseitigt zu erachten. 


Erman: Beiträge zur Monographie des Marekanits, 
Turmalins und des Brasilianischen Topases in Bezug auf 
Elektrizität. (Abhandl. der K. Akad. der Wissensch. zu Berlin 
aus dem Jahre 1829. Physikal. Klasse. S. 41 #.). 


A. Breitnaupt: vorläufige chemische Untersuchung 
des schwersten metallischen Körpers, den man kennt 
(SCHWEIGGER-SEIDEL, neues Jahrb. d. Chem. 18335; Heft 18, S. 97 ff.). 
Nach den mit Lamrivıus und unter dessen Leitung angestellten Ver- 
suchen erscheint er als Irid mit sehr wenig Osmium, und wird, als neue 
Mineral-Spezies, gediegen Irid genannt. Es erscheinen vier sehr 
merkwürdige Eigenschaften bei dem Irid vereinigt, indem es nicht bloss 
das härteste und schwerste der bekannten Metalle ist, sondern auch der 


BR = 


Einwirkung der Säuren vollkommen widersteht und in kohem, vielleicht 
in höchstem Grade strengflüssig ist. 


J. Bryce: Ür*rsicht der einfaghen Mineralien in den 
Grafschaften Down, Antrim und Derry. (London and Edinb. 
phil. Mag. August, 1833. p. 83 etc.). In einer kleinen Schrift: „Tab- 
les of simple minerals, rocks and shells, with local catalogues of 
species“ hatte der Verf. vor einigen Jahren ein Verzeichniss sämmtli- 
cher im nördlichen Irland vorkommenden Mineralien mitgetheilt; er 
beschränkte sich jedoch auf die Mineralien der drei nördlichen Graf- 
schaften, indem die unorganischen Erzeugnisse der übrigen Theile des 
Landes weniger bekannt sind. GiEsEcke hat neuerdings eine Irländi- 
sche Mineralogie herausgegeben, als Anhang zu seinem beschreibenden 
Katalog von der Sammlung der königlichen Gesellschaft von Dublin. 
Die Veranlassung zu obiger Zusammenstellung fand Bryce in den Lü- 
cken, welche man hin und wieder m der Giesecre’schen Arbeit trifft. 
Seine Übersicht enthält manche neue Spezies; alle sind von Tuomson 
analysirt und benannt worden, manche derselben wurden durch den 
thätigen Mineralien-Bändler Pırrıicr Doran entdeckt. 

Gemeiner Quarz. — Sehr allgemein verbreitet; setzt mächtige 
Gänge in der Grauwacke von Down zusammen, so wie im Glimmer- 
schiefer des westlichen Derry. 

Bergkrystall. — Häufig in der Trapp-Formation in besonders 
grossen Krystallen, so namentlich zu Benbradagh unfern Dungiven : 
man fand vor Kurzem eine 70 Pfund wiegende Masse, allem Anschein 
nach nur Bruchstück eines Krystalls. Auch die Granite von Down und 
die Glimmerschiefer von Derry führen den Bergkrystall. — Rauch 
topas. Im Mourne-Granit *) und in dem trachytischen Porphyr von 
Sandy Brae, Antrim. —- Amethyst. Im Granit von Mourne. — 
Chalzedon, Sehr gewöhnlich im Trapp. Karniol. Am Ufer von 
Lough-Neagh; auch Chalzedon, Onyx und Achat finden sich da- 
selbst. — Heliotrop. Am Ufer von Lowgk-Neagk. — Jaspis. In 
manchen Theilen des Trapp-Distrikts, auch mit der Kohle von Coal 
Island, ferner in Rollstücken zu Holywood und in Down. — Horn- 
stein. Als Geschiebe, Bullymeva; im Grünstein, Carnmoney bei 
Belfast. Holzstein. Im Ailuvial-Boden der Gegend des JLough- 
Neagh. — Kieselschiefer. Im Trapp [?] zu Magilligan in Derry. 
Feuerstein. In der Kreide von Derry und Antrim. 

 Gemeiner Opal. — Sehr gewöhnlich in dem Trapp-Gestein, so 
wie in den Grüustein-Gängen, welche die Grauwacke in Down durch- 
setzen, — 


*) Diess ist bekanntlich der ausgezeichnet schöne Granit, in dessen Drusenräumen 
man nicht selten die drei Gemengtheile des Gesteins in den vollkommensten Kıy- 
stallen mit einander gruppirt findet. D. R. 


Ze 7 


Halbopal. Selten, im Trapp von Antrim. — 

Edler Opal. Im Porphyr von Sandy Brae; spielt mit rothen 
und grünen Farben. — Hyalith. In wasserhellen, 'Trauben-förmigen 
Massen im Mourne-Granit. — Pechstein. Auf Gängen im Granit 
bei Newry, auch in den Porphyren von Sandy Brue. Perlstein, 
Häufig in den Porphyren der genannten Gegend, dessgleichen in dorti- 
gem Grünstein. | 

Gemeiner Feldspath. Sehr häufig verbreitet. — 

Glasiger F., in oft sehr grossen Massen in den Trapp-Gesteinen. 
— Opalisirender F., meist etwas zersetzt, Mourne. — Labrador, 
daselbst. Auch in den, im Granit aufsetzenden, Porphyren. — 

Albit, Mourne. 

Apophyllit, Dimseverie unfern Giants Causeway. 

Mornit, grünliche und rothe Massen, bestehend aus Kieselerde, 
Thonerde und Kalk (Tuomson). Vorkommen im Grünstein von Morne. 

Chlorophäit. Im Grünstein von Carnmoney bei Belfast. Derb, 
dunkelgrau, Glas-glänzend; begleitet von Eisenglanz. (Übertrifft die 
Englischen und Schottischen Chlorophäiten bei weitem an Schönheit.) 

Hornblende. Sehr allgemein. 

Kirwanit. Im Grünstein und Porphyr von Mourne. Strahlige, 
dunkelgraue Massen. Bestand — Kieselerde, Eisen-Protoxyd, Kalk, 
Thonerde und Wasser. 
 Asbest-artiger Tremolith. In der Grauwacke zu Mourne. 

Olivin 

Augit 

Turmalin. Im Glimmerschiefer von Antrim und Derry; im 
Granit von Mourne. 

Zoisit. Im Thonschiefer zu Annalong in Mourne. 

Granat. Kleine Rauten-Dodekaeder im Glimmerschiefer; auch 
im Granit. 

Natrolith, Skolezit, Mesolith, Stilbit, Heulandit, Me- 
sole,Analzim undChabasit, mehr oder minder häuüg in allen Trapp- 
Gesteinen. Der Stilbit wird auch im Mourne-Granit getroffen. — 
Laumontit ebenso. — Thomsonit, im Grünstein, Ballymoney. 

Aydrolith und Levyne, im Mandelstein von Little Deer Park 
in Glenarm. 

Antrimolith. Analysirt und beschrieben von Tuomson. Bestand 
= Kieselerde,. Thonerde, Kalkerde, Kali und Wasser. Zylindrische 
und konische Massen ‚mit einer Kalkspath-Axe; Textur strahlig. Hat 
viel Ähnlichkeit mit dem gewöhnlichen Faser - Mesetyp. Eigenschwere 
-—20% | 

Lehuntit. Derb; gelblichweiss. Bestand — Kieselerde, Thon- 
erde, Natron und Wasser. Vorkommen zu Carncasile bei Glenarm. 

Harringtonit. Derb; schneeweiss. Bestand = Kieselerde, 
Thonerde, Wasser, Kalk und Natron. 

Erinit. In stängligen Massen im Grünstein. Bestand = Kie- 


sehr gewöhnlich in allen Trapp-Gesteinen. 


— ED. 
selerde, -Wasser, Thonerde, und Eisen - Protoxyd. Vorkommen zu 
Dunseverie. ih, n 

Phillipsit. Gelblich; rhomboedrische‘, ' manchfach modifizirte 
Krystalle. Im Mandelstein auf der Insel Maygee. 

Chalilit. Im Porphyr von Sandy Brae. Bestand —. Kieselerde, 
Thonerde, Kalkerde, Wasser und Eisen-Protoxyd. 

Harmotom, In kleinen Kugel-förmigen Massen (wie der vordem 
sogenannte Gismondin) im Mandelstein auf Magee. 

Epistilbit. Im Trapp von Rathlin und Portrush. 

Speckstein. Im primitiven Trapp-Gestein nicht selten. 

Chlorit. Hin und wieder in primitiven Felsarten. 

Bergleder und Bergkork. Angeblich zwischen den Schichten 
von Kreide. 

Smirgel. Angeblich n Mourne. 


A Ph im Monrne-Granit. 
Kalkspath, in manchfachen Krystallen; sehr allgemein. — Fa- 


serkalk, häufig in Trapp-Gestein. — Kalktuff und kalkige Sta- 
laktiten, letztere zumal in Höhlen von Trapp-Gesteinen. — 

Bergmilch, im Innern von Feuerstein-Massen, Ballycastte. 

Faser-Arragon. Zu Downhill und auf Giants Causeway. 

Schaumkalk. Angeblich im Transitions-Schiefer, Mourne. 

Hydrocarbonate of lime and Magnesia, im Mandelstein 
von Downhill. Sphäroidische Massen *). 

Bitterspath, im Dolomit zu Holly und Belfast. 

Gyps, in verschiedenen Varietäten an mehreren Stellen von Antrim 
in den, dem neuen rothen Sandstein untergeordneten, bunten Mer 
geln. — Vulpinit, blätterig und von Himmel-blauer Farbe, in einem 
Trapp-Gang am Fusse des Cave Hill unfern Belfast. 

Barytspath, an mehreren Orten in Bieigruben, ferner im alten 
rothen Sandstein von Cushendun. 

Schwefelsaurer Strontian, angeblich in den Bleigruben 
von Newtonards in Down. | 

Kohlensaurer Strontian, mit dem Arragen in Giants Cause- 
way, aber nur in geringer Menge. 

Alaun, als Ausblühung auf Liasschiefer zu White Head unfern 
Carrickfergus und auf Coal Island in Derry. 

Aluminit, im Trapp zu Gerron Point und Portrush. 

Kupferkies, begleitet von Bleiglanz zu Newtonards. 

Eisenkies, häufig in Trapp- und andern Gesteinen. 

Magneteisen, oft in Oktaedern krystallisirt, sehr häufig ım 
Trapp zu Portmuck, auf Island Magee. 


*) Ob dieses Mineral das nämliche ist, welches. von Prıtuips als Hydrocarbonate of 
lime beschrieben worden, möge dahin gestellt bleiben. Nach ihm soll das Mineral 
ein Produkt der Einwirkung der Trapp-Gänge auf die Kreide an der Giants Cau- 
seway seyn. DA Costa hat dasselbe zerlegt und gefunden, dass ‚es aus 4 Atomen 
kohlensauren Kalkes und aus 3 Atomen Wasser besteht! m 


Eisenglanz, mehreren Trapp-Gesteinen eigen, und mitunter in 
rhomboedrischen Krystallen sich darstellend. — Eisenglimmer, Mourne 
Mountains. — Roth-Eisenstein, Thon-Eisenstein und Sumpf- 
erz, an mehreren Orten. { 

Bleiglanz und phosphorsaures Blei, in den Bleigruben 
von Newtonards in Down. 

Antimonglanz, angeblich in der Nähe von Londonderry. 

Rutil, in Quarz, Mourne. 

Bernstein, angeblich in der Kohle von Rathlin, in kleinen 
Stücken. 


O. L. Erpmann: chemische Untersuchung des Wavel- 
lit und Striegisan von Langenstriegis. SCHWEIGGER-SEIDEL, neues 
Jahrb. d. Chem. 1833. H. 19. S. 154 ff,). 

Blauer Wa- Grüner und 

“ vellit gelber Wa- 
| veilit. 
Thonerde . . . 36,600 . . . 36,393 
Phosphorsäure . . 34,064 . . . 33,280 
"Eisenoxyd . - 15000 .,..2.292,694 
Wasser Sn Kan 275400. 7202 .,2.27-099 
Flusssäuvre . -. » Spur . .. . Spur 

99,064 99,466 * 

Die Ursachen der blauen Färbung des einen der zerlegten Wa- 
vellite scheint phosphorsaures Eisenoxydul zu seyn; von Kupfer fand 
sich wenigstens keine Spur. Diese Analysen stimmen sehr nahe mit 
denen des Englischen Wavellites von BerzeLivs und des Amberger 
von Fuchs. 


Brauner „ Schwarzer 

Fhonerde 7... 34.000 ade Kama 
Phosphorsäure . . 31,553 . . „22,458 
Eisenoxyd . . » 2,210. 17 2... 1,500 
Wasser;\. 4cisel .,1.245010 . 1,0. 17462: 4 22,000 
Kieselerde . .'. 7,300, sı.,'4.4-5 56,030 
Plasssäure, .%.% wı. SPUR 1. 2.044. ui Spum 

99,973 100,000 


Der aufgefundene Kieselerde-Gehalt, so wie ein Theil der Thon- 
erde und -das Eisenoxyd gehören dem Mineral nicht wesentlich an; 
diess ergibt sich daraus, dass der gepulverte Striegisan sich sowohl in 
Salzsäure, als in Aezkali-Lauge bei längerer Digestion mit Hinterlas- 
sung eines gelbbraunen oder schwärzlichgrauen, sandigen Pulvers auf- 
löst, welches sich als unreine Thonerde und Eisen-haltige Kieselerde 
ohne Spur von Phosphorsäure erwiess. — Bareıruaurr’s sogenannter 


—ı al — 


Striegisan ist nichts als ein von der Masse des Kieselschiefers, auf 
welcher er vorkommt, mehr oder weniger verunreinigter Wavellit. 


G. Rose: im Ural vorkommende krystallisirte Verbin- 
dungen von Ösmium und Iridium (PossEnDorrr, Ann. d. Phys. 
1833, N. 11. S. 452 fi). Das Osmium-Irid von Newiansk findet 
sich in Krystallen uud Körnern. Jene sind Kombinationen eines Hexa- 
gon-Dodekaeders und des sechsseitigen Prismas, und parallel der gera- 
den Eudfläche ziemlich vollkommen spaltbar. Zinnweiss; metallisch 
glänzend; ritzt Feldspath; Eigenschwere — 19,386 bis 19,471. Vor 
dem Löthrohr auf Kohle unveränderlich; nicht nach Ösmium riechend. 
Im Kolben mit Salpeter geschmolzen, wenig nach Osmium riechend und 
nach dem Erkalten eine grüne Masse bildend. Mit Phosphorsalz ge- 
schmolzen wird die Substanz nicht aufgelöst, eben so wenig, wenn sie 
mit Königswasser gekocht wird. Vorkommen im Goldsande von Newi- 
ansk, 95 Werste nördlich von Katharinenburg; Platin findet sich mit 
diesem Osmium-Irid, jedoch in viel geringerer Menge. Ausserdem bei 
Bilimbajewsk, Kyschtein u. m. a. OÖ. im Ural. — Die Krystalle des 
Osmium-Irıd von Nischne Tayil haben dieselbe Form und die näm- 
lichen Winkel, auch sind sie eben so vollkommen spaltbar. Bleigrau. 
Härte, wie beim vorigen. Eigenschwere — 21,118. Schmilzt vor dem 
T,öthrohr auf Kohle nicht, verliert aber seinen Glanz, wird etwas 
schwarz, ufd verbreitet dabei einen durchdringenden Geruch nach 
Osmium. Vorkommen im Platinsande von Nischne Tagil, ohne Gold. — 
Da beide Verbindungen von Osmium und Iridium gleiche Krystallform 
haben, so bestätigt die Rose’sche Beobachtung die schon von BERZELIUS 
ausgesprochene Vermuthung, dass Osmium und Iridium isomorph seyen. 


Derselbe: Vanadin-Bleierz von Beresow im Ural (a. a. OÖ. 
S, 455 ff). Findet sich in sechsseitigen Prismen von kastanienbrauner 
Farbe und ist stark glänzend. Vor dem Löthrohr stark dekrepitirend 
und zur Kugel schmelzend, die sich unter Funkensprüben zum reguli- 
nischen Blei reduzirt und dabei die Kohle gelb beschlägt. In Phosphor- 
salz auflösbar und damit zu Glas schmelzend, das in der äusseren 
Flamme röthlichgelb, in der inneren chromgrün erscheint. In Salpeter- 
säure leicht auflösbar. Vorkommen auf dünnen Klüften im Granit, wel- 
che von den Quarzgängen ausiaufen, in denen das Gold sich findet, 
welches der Gegenstand des Beresower Bergbaus ist. — Bemerkens- 
werth ist bei diesem Vanadiu-Bleierz die Umhüllung des Grün Bleierzes 
durch dasselbe. Da beide Substanzen in regulären sechsseitigen Pris- 
men vorkommen, und beide Verbindungen von einem Bleioxyd-Salze mit 
Chlorblei sind, so könnte man auf die Vermuthung kommen, dass sie 
isomorph seyn könnten; was jedoch weder bewiesen noch wahrschein- 
lich ist. — Das Vanadin-Bleierz von Beresow ist mit dem von Zimapan 


— 2322 — 


übereinstimmend , verschieden aber davon scheint jenes vanadınsaure 
Blei, welches Jounston von BErzeLivs erhielt, und das nach dessen 
Vermuthung ein zweifach vanadinsaures Bleioxyd ist. 


Weıss: über das Staurolith-System, als abgeleitet aus 
dem regulären Krystall-System. (Abhandl. der Königl. Akad, 
der Wissensch, zu Berlin a. d. J. 1831, S. 312 f.). Zu einem Aus- 
zuge nicht geneigt. 


II. Geologie und Geognosie. 


Sırcıman! Notiz über dieAnthrazit-Regionen im Lache- 
wanna und Wyoming-Thal am Susquehanna (Sırr. Amer. Journ. of Science. 
1830, July; XVIII. 308—328, with 1 map and 3 woodeuts). Es gibt 
in Pennsylwvanien drei Gegenden, wo Anthrazit hauptsächlich gewonnen 
wird; am Susquehanna, am Lehigh bei Mauch Chunk, und am Schuilkill. 
Das Wyoming-Thal ist eine Strecke des Susquehanna-Thales und geht 
an einer Krümmung desselben in gerader Richtung ins Thal des Lacka- 
wanna aufwärts fort, welcher sich in jenen Fluss ergiesset. Der An- 
thrazit in beiden Thälern gehört nur einer Formation an, und die Thal- 
gegend, in der er gewonnen wird, ist 60—70 Meilen lang und 5 M. 
breit, Dieses Thal stelit seiner Form nach einen horizontalen, eben 
offenen, hohlen Halbzylinder dar, mit dessen konkav - bogen - förmigem 
Queerschnitte auch die Gebirgs-Schichten parallel sind, doch so dass 
sie durch eine Menge kleinerer Undulationen noch viele kleinere Bogen- 
linien in der Hauptform hervorrufen. Auf der tiefsten Linie dieses 
Halb-Zylinders nun, etwas mehr nach der westlichen Seite, winden sich 
die zwei Flüsse fort. Wo die ganze Schichtenfolge der Anthrazit - For- 
mation vorhanden ist, findet man von oben nach unten: 

1. Ein Trümmergestein mit meist kieseligen Bruchstücken und 
kieseligem Zäment; erstere sind bald grösser, bald nur von der Fein- 
heit des Sandes, wornach man Puddingstein und Sandstein unter- 
scheidet; Geognosten bezeichnen dieses Gestein als Grauwacke und 
Grauwacke-Schiefer. 

2. Thonschiefer von verschiedenen Graden der Härte und Feinheit, 
oft voll Pflanzen-Abdrücken , die zuweilen auch einzeln in ersterer Ge- 
birgsart vorkommen. 

3. Anthrazit-Kohle in regelmässigen Schichten zwischen Dach und 
Sohle. — i 

Diese letzteren werden gewöhnlich von Thonschiefer gebildet; zuwei- 
len aber fehlt der Thonschiefer darüber und der Sandstein bedeckt die 
Kohle unmittelbar; zuweilen fehlen beide, so dass sich die Kohle mit 
dem Ackergrunde mengt. Das Streichen geht zwischen N. und NO. 


0 el 


nach S. und SW.; das Fallen geht von beiden Seiten dem Thale zu, 
und wechselt fast vom Vertikalen bis zum Horizontalen; im Detail aber 
ist es Wellen-förmig. Nur wo der Fluss sich sehr auf die Seite wen- 
det, findet auf einer der Thalseiten ein entgegengesetztes Fallen Statt, 
Die Kohlen-Lagen dieses Thales haben 1’—27° Mächtigkeit; wenn sie 
aber nicht mindestens 3’”—4’—6’ Mächtigkeit besitzen, werden sie nicht für 
bauwürdig geachtet. Zuweilen bilden sie den Grund des Flusses. Ihre 
seitliche Erstreckung ist sehr beträchtlich, und gar nicht genau bekannt. 
Man hat sie mit verschiedenen Stollen durchsunken , ohne sie in ihrer 
ganzen Mächtigkeit kennen zu lernen. Eine mindest fünfmalige 
Wechsellagerung der oben erwähnten Gebirgsschichten mit den Kohlen 
wird allgemein angenommen, ein Unternehmer behauptet eine sieben- 
malige in einer Mächtigkeit von 3 Engl. Meilen beobachtet zu haben, 
ohne das Ende zu erreichen. Zu Carbondale, am obern Ende des La- 
ckawanna-Thales findet ein ausgedehnter Tagebau auf diese Kohle Statt. 

Der Anthrazit ist von verschiedener Qualität und ungleichem Werth 
bei seiner Verwendung, selbst jener, der aus einer Grube kommt, Die 
besten Sorten aber sind auch die besten in der Welt. Obschon es an 
Braunkohblen und Holz in jener Gegend nicht mangelt, so geht das An- 
thrazit-Feuer in den Schmiede-Essen und in denKüchen nicht aus. Auch 
kommt viel Thoneisenstein und Sumpferz in Verbindung mit diesem An- 
thrazite vor, die aber noch nicht genug beachtet werden. Stahlquellen 
- kommen an vielen Orten zum Vorschein. 

Man hat einen Kanal begonnen, der schon 8 Meilen von Wilkes- 
barre (im Wyoming) vorgerückt ist und durch das ganze Thal fortgesetzt 
und nach Norden bin mittelst mehrerer anderen Kanäle mit den See’n und 
Flüssen von New York in Verbindung gesetzt werden soll. Auch grosse 
Eisenbahnen sollen dazu kommen; kleinere sind bereits in den Minen 
selbst angelegt. Der Boden ist gegen den gewöhnlichen Fall in Berg- 
werks-Gegenden ausserordentlich fruchtbar; die Gegend schön und 
blühend. 

Die Pflanzen-Abdrücke kommen meist wohlerhalten und ausgebreitet 
im Dach.über, zuweilen in der Sohle unter dem Anthrazit, weniger im 
Sandstein, selten im Anthrazit selber vor. Zuweilen füllen sie den Schie- 
fer in einer Mächtigkeit von 10° aus und deuten, bei ihrer grosser Zu- 
sammendrückung ein einst viel grösseres Volumen dieser Schichten an. 
Sie stammen nicht von weit hergeflössten Vegetabilien, meistens von 
Fahren, die alle tropisch und ausgestorben seyn sollen; — andere Ab- 
drücke stellen mehrere Fuss lange und breite Rinden von Riesengewäch- 
sen, ? Palmen, dar; — andere: Blätter von 6° — 7'' Durchmesser; — 
auch Halmgewächse und Wasseralgen sind häufig; — auch sollen nach 
Cısr’s Versicherung Stern-förmige Blüthen [?Rotularien] gefunden 
worden seyn, — und Hırcucoor glaubt eine Blume mit entfalteten Blu- 
meublättern zu besitzen. 

Dass die faserige Holzkohle, welche zwischen dem Anthrazit häufig 
erscheint, vegetabilischen Ursprungs seye, ist wohl keinem Zweifel un- 


= WE 


terworfen, aber der Anthrazit selbst, dem der Vf. früher einen unor- 
ganischen Ursprung zugeschrieben, scheint ihm nun auf demselben Wege 
gebildet worden zu seyn, seitdem er ihn in so inniger Berührung mit 
dieser unsäglichen Menge von vegetabilischen Resten gefunden, Die 
Pflanzentheile scheinen ihm durch Wasser eine theilweise Zersetzung 
erlitten, und sich daraus rein, oder mit Erde verunreinigt (— bis zum 
Übergang in wirklichen Thonschieen niedergeschlagen zu haben, und 
der mächtige Druck hat unverkennbar zur weiteren Zerstörung: der or- 
ganischen Textur mitgewirkt. 


Folgt noch die detaillirte Angabe der Schichterfolge in mehreren 
(16) einzelnen Grubenwerken. 


SırLıman: Bemerkungen aufeiner Reise von New Haven 
Coxnekt,, nach Mauch Chunk u. a. Anthrazit-Gegenden Pennsylvanien’s 
(SırLım. Amer. Journ. of Scienc. T830, Oct. XIX,1—-21, tb. I). Mauch 
Chunk liegt am Lekigh, weicher 46 Meilen weiter hin und 364‘ tiefer, 
bei Easton, in den Delaware fällt. Ein Kanal mit 54 Schleussen und 7 
Dämmen zieht, die Kohlen-Ausbeute zu verführen, längs des Lehigh bis 
Easton, von wo der Absatz hauptsächlich nach Bristol und Philadelphia 
geht, welches nach den Kanälen 124 Engl. Meilen von Mauch Chunk 
ist.. Eine Eisenbahn verbindet die Kohlenwerke hier vollends mit dem 
Flusse. — 

Die geognostische Konstitution der Gegend ist ausserordentlich ein- 
fach. Zu oberst liegt wieder ein gröberer oder feinerer Sandstein mit 
Quarzgeschieben und Kiesel-Zäment, eine Grauwacke, welche Pudding- 
stein-artig wird. Darunter folgen thonige Schiefer von verschiedenen 
Abänderungen, dann die Kohle, zuweilen aber folgt sie auch unmittel- 
bar unter der Grauwacke. Der Schiefer kommt wieder als Soblengestein 
der Kohle vor. Die jetzige Kohlengrube ist ein Tagebau von 8 Acres 
Ausdehnung mit mehreren Flächen-Stufen, wo der Anthrazit in unge- 
heuren Massen liegt. Er steht in mehreren Bänken von 10’—45’ 
Mächtigkeit zu Tage, welche nur von einigen dünnen Schiefer- 
streifen durchbrochen sind; allein man weiss bereits, dass er in 
einer Mächtigkeit von 54° und an einer Stelle von 100° nieder- 
setzt. Im Allgemeinen fallen die Schichten 5°—15° und zwar mit 
der äusseren Bodenfläche ein, öfters aber werden sie auch Wellen-, 
Sattel- und Mantel- förmig, nehmen selbst auf kurze Zeit eine fast 
senkrechte Stellung an, und winden sich auf eigenthümliche Weise. 
Die Grauwacke hat an einigen Stellen, wo sie in Berührung mit der. 
Kohle ist, ein gebackenes Ansehen, sie ist erhärtet, spröde, trocken, und 
wie voll feiner Bläschen. — Eine Meile von dieser Grube entfernt sind 
neuerlich ganz andere Gruben angelegt.worden, welche guten Fortgang 
versprechen. Ausserdem hat man neuerlich noch mehrere Stellen 
in der Umgegend aufgefunden, wo fünf 12° — 50° mächtige Anthrazit- 
Bänke übereinander zusammen 120° Mächtigkeit einnehmen; an einer 
zweiten Stelle kennt man eine 15° mächtige Bank, — eine dritte, wo 


—- 2. = 


eine solche von 39’ Mächtigkeit zu Tage geht. Etwas später hat man 
noch 8 andere Schichten von 19°, 10°, 5’, 20°, 11’, 6’, 5‘ und 5° Mächtigkeit 
gefunden, welche alle übereinander zu liegen scheinen, so dass die reine 
Kohlenmasse im Ganzen noch 240° betrüge, ausser der des ersten 
Werkes. — 

Schlägt man von Mauch Chunk den Weg über den Broad Moutain 
nach dem berühmten Wyoming-Pfad ein, dessen sich die Indianer zu 
ihren Wanderungen vom Lehigh nach dem Wyoming-Thale am Susque- 
hanna bedienten, so gelangt man auf diesem nach der Beaver-Meadow- 
Grube, 14 Meilen vom Wege, der nach dem 22 Meil, entlegenen Berwick 
am Susquehanna führt. Diese Grube ist zwar seit 1813 eröffnet, ge- 
winnt aber jetzt erst Fortgang. Eine Eisenbahn soll nach dem Schusdl- 
kill odar dem Lehigh angelegt werden, nach welch’ letzterem Flusse 
der Weg ı1 Meilen, und 7 bis Mauch Chunk beträgt. Doch soll die 
Kohle von erster Qualität und ganz frei von Schwefel seyn. Sie wird 
ebenfalls zu Tag abgebaut. 

Von den Gruben am Susguehanna war schon oben die Rede. 


W.W.Muarner: Erläuterung eines Durchschhnittes durch 
einen Theil von Connecticut, von Killingly bis Haddam am Connec- 
ticut-Flusse (Sır.ım. Amer, Journ. of Scienc.; 1831, Oktob.; XXI, 
94—97, mit einer Zeichnung). Der Durchschnitt beginnt schon nörd- 
lich von Killingly mit Feldspath-Gestein, dessen Schichten, 1”’—1' dick, 
mit 15% N. nach W. fallen, und im Ganzen wenigstens 300° Mächtig- 
keit besitzen. Zuweilen kommen dünne Glimmerschiefer-Lagen darin 
vor; weiterhin geht das Gestein in Kaolin über. — Nach ihm folgt 
körniger Quarz-Fels mit ? einem Lager faserigen Arragonites; es fällt, 
wie alle 13—14 Meilen weit westlich davon vorkommenden Schichten, 
mit 100—15° in WNW. — Dickschichtiger Gmneiss beginnt und geht 
etwas weiter nördlich (Killingly) in Granit über. Zwischen Killingly 
und Brooklyn, nördlich und südlich von‘ der Durchschnittslinie, erschei- 
nen die Gmeisslagen nach allen Richtungen Wellen- und Zickzack-för- 
mig; gegen den vorhergehenden Gneiss hin wird dieser Porphyr-artig. 
In Brooklyn geht er in Hornblendeschiefer über und wird in allen Rich- 
tungen von dünnen Epidot-Gängen durchsetzt, welche Eisenglimmer und 
zuweilen Sphen aufnehmen. Kleine Steatit-Lager sind mit Gnmeiss- und 
Granit-Blöcken bestreut. Dieser Charakter der Gesteine hält bis Wind- 
ham so an, nur dass zuweilen der Gmneiss in Glimmerschiefer übergeht, 
4 Meil. W, von Brooklyn ist der Schichtenfall sichtlich, nach WNW,, 
bei Windham aber unter 6°—7° nach OSO. Hier wird der Gneiss 
überall von Granit-Gängen durchsetzt, worin der Feldspath oft durch 
Albit ersetzt wird. Cleavelandit bildet im Allgemeinen die Masse der 
Gänge, welche auch phosphorsauren Kalk und Granaten enthalten. 
Von Windham nach Lebanon hat man nur anstehendes Gestein an der 
nördlichen Strasse. Längs der südlichen und noch südwärts von ihr 


— 236 — 


bemerkt man umherliegende Syenit- und Hornblendefels-Trümmer vom 
Shetucket-Flusse bis Lebanon. 1—2 Meil, W. von diesem Orte ge- 
hen beide Felsarten in Gneiss über, welcher, mit Übergängen in Glimmer- 
schiefer bis East Haddam am Connecticut fortsetzt. Vom Shetucket-River. 
an ist der Schichtenfall im Allgemeinen in W. nach N., und übersteigt 
gewöhnlich nicht 20°, bei Haddam ‚aber. wird er fast vertikal. — W. 
von Colchester zerfällt der Gneiss zu Hügeln von geschichtetem Gneiss. 
— Von Millington nach Lyme sieht man den Gneiss mit 10° nach N. 
gegen W. fallen. — Bei der Baptist-Kirche in Bast Haddam. bis 
nach Old Haddam am W.-Ufer des Connecticut setzen mächtige Granit- 
Gänge in Gueiss auf; ja der Granit erscheint zwischen den Gneiss- 
schichten selbst in Lagern, welche mit jenen ‘Gängen gleich alt zu 
seyn scheinen. ‚Dieser Granit enthält: Smaragd, Beryll, Chrysoberyll, 
sehwarzen, an beiden Enden. auskrystallisiiten Turmalin, Columbit, 
Granat, Cleavelandit, u. s. w. In dieser ‘nämlichen Gegend hört man 
öfters die sg. „Moodus noises,“ die in der Geschichte von Connecticut 
wichtig geworden. Es sind Töne, die so genannt- werden, weil man 
sie am deutlichsten am Moodus-Flusse vernimmt; sie erinnern an den 
Fall eines schweren Baumes zur Erde, und, wenn man sie vernommen, 
sollen oft ausgedehnte Spalten im. Boden gefunden werden. 


C. Sırvertop: Skizze der Tertiärformation in der Pro- 
vinz Granada, mit Kupfertafeln: (James. Edinb. n. phil. Journ. 1833, 
XV, 364 — 377. F. f.) Die. zerrissenen Tertiär- Ablagerungen dieser 
Provinz werden durch die Ur- und Übergangs-Gesteine der Sierra- 
Nevada -Kette in südliche umd nördliche getheilt. Erstere ziehen sich 
längs der Küste des Mittelmeeres von. Malaga bis Cartagena, die äl- 
teren Formationen oft bis zum Meere herab unbedeckt lassend, hin und 
setzen, in kleinere Theile. zerrissen, in die Queerthäler fort. Sie sind 
die Küsten“ Gebilde der nämlichen Formation. Die. binnenländ’schen 
Theile nördlich von der Nevada-Kette stellen verschiedene Züge dar, 


I. Gebilde der Küste von Malaga bis Cartagena. 

A. Bei Malaga selbst erscheinen sie hauptsächlich am oberen Theile 
der Stadt, — aufwärts am Guadamedina, der zwischen der Stadt und 
Vorstadt durchfliesst, und zu Alaurin el grande in einem Thale, das 
zwischen der Stadt und dem 8 Engl, Meilen S.W. gelegenen Dorfe 
Churiana gegen das Meer ausmündet. 

a) Die untere Gruppe besteht aus bräunlichgelbem und dunkel- 
blaugrauem, zähen Ziegelthon, welcher gegen 70° mächtig, von 
unregelmässigen Selenit - Gängen von 3° — 2" Dicke durchsetzt ist 
und eine Menge fossiler Konchylien enthält, worunter DEsuaxes, 
Sowerer und Crirt Peeten pleuronectes, ? P. corneus, 
Dentalium sexangulare, D. striatum, Lucina inceras- 
sata, Natica canrena, Tritonium nodiferum, Strom- 
bus gallus, Kanilla [? Tornatella] gigantea, Pleu- 


— 37 — 


rotoma colon, Turritella inerassata, Ostrea, mikro 
skopische Foraminiferen, Hai-Zähne und Wirbel von Del- 
phinus u. s. w. erkannt haben. Zu Malaga hat das Gebirge nur 
50', zu Alaurin aber 1000° Seehöhe; es ruht hier auf einem Kalke 
von sehr krystallinischer Beschaffenheit und unfern einer tiefer ge- 
legenen Serpentin-Masse, 

b) Die obere Gruppe ist aus horizontalen Wechsellagern von 
Sand, grobem Sandstein, sandigem Lehm, Mergel und Konglomerat 
gebildet, enthält grosse Austern (?Ostrea erassissima Lamk.), 
Pecten, Balanen, auch Cardien lebender Art u. s. w. Doch 
scheint diese Gruppe nicht in unmittelbarer Überlagerung mit vo- 
riger vorzukommen, Sie liegt jedoch in deren Nähe in höherem 


Niveau. — — Ausserdem finden sich beide Gruppen noch an mehreren 
Stellen dieser Gegend, doch in minder beträchtlicher Ausdeh- 
nung vor, 


Bemerkenswerth ist noch, dass sich seit Menschengedenken das 
Mittelmeer von dieser Küste so sehr zurückgezogen hat, dass jetzt ein 
Theil der Stadt und die von zwei Reihen schöner Häuser eimgefasste 
Alameda da Steht, wo einst Schiffe ankerten. Die Stelle des alten 
See-Thores und der Maurische Wall, einst vom Meere bespült, liegen 
jetzt einwärts der Küste. 

B. Von da bis Velez Malaga, 20 Meilen östlich von Malaga, findet 
man nur beim Castillo del margquez einen kleinen Strich tertiären quar- 
zigen Sandsteines und Konglomerates voll Pecten, Ostreen, Ba 
lanen u.s.w.; auch etwas Muschel-Konglomerat und sandigen Lehm. — 
Weiterhin hat man nördlich vom Weg hoch ansteigendes Glimmerschie- 
fer-Gebirge, südlich erheben sich tertiäre Hügelzüge. Wo derselbe 
nach dem Rio de Velez (noch 1 Meil. von Velez Malaga) hinabgeht, 
sieht man einen Durchschnitt, wo Konglomerat aus Stücken von Glim- 
mer-, Talk- u. a. Schiefern und von Quarz in erhärteter thoniger Erde 
gebunden, ohne alle Konchylien-Reste, überlagert wird von einem Gliede 
der obenerwähnten zweiten Gruppe: Lehm mit abgerundeten Stücken 
tertiären Sandsteines und vielen Exemplaren von Pecten, Chama, 
Balanus und Trümmern von Austern. Südwärts grenzt das Ende 
jenes tertiären Hügels an, welcher aus dicken herizontalen Schichten 
verkleinerter Konchylien (Chama, Pecten, Cardium edule, Ba- 
lanus, Ostrea), mit Quarzsand oder Geschieben in Wechsellagerung 
mit anderem Sandstein-Konglomerat besteht, bis 250° Seehöhe hat, und, 
obschon er fast 1 Meile von der Küste entfernt ist, auf der Seeseite 
steil, überhängend, von der Brandung zerrissen und voll Höhlungen ist. 
Nach N, hin verliert sich diese Bildung über Ur-Schiefer. Velez Ma- 
laga liegt in einem nach S. offenen Amphitheater, über dessen Boden 
aus Glimmerschiefer sich noch einzelne tertiäre Parthieen erheben. 

C. Auch von Velez Malaga bis Almeria geht der Weg über Thon- 
schiefer, Glimnierschiefer mit Andalusit und Kyanit, südlich an 
und durch die Sierra de Gador, deren Übergangskalk die reichsten 


— 2383 — 


"Bleierz-Gänge in Spanien enthält. Tertiäre Bildungen sind auf dem 
ganzen Wege kaum oder nur von geringer Ausdehnung und nicht 
sehr bezeichnet, vorhanden. 

Fast zwei Meilen vor Almeria erscheint die Tertiär-Formation wie- 
der in Form eines ungeschichteten, weisslichen erdigen Grobkalkes oder 
feinen Kalk-Konglomerates mit Geschieben jenes Übergangskalkes und mit 
Pecten, Cardium, Balanus und Ostrea, und hält bis Almeria 
an, dessen altes Schloss darauf erbaut ist. Doch reicht sie nicht über 
2—3 Meilen Land-einwärts, und nicht über 200‘ — 300’ über den Seespie- 
gel. Noch diesseits Almeria tritt ein dunkelbraunes Konglomerat mit 
vielen grossen und kleinen Kalksteinstücken darunter hervor, welches 
selbst auf jenem Übergangskalkeruht, der sehr zersetzt istund 30° N, fällt. 

D. Östlich von Almeria, welches noch 18 Meilen vor Cabo de Gata 
liegt, findet man in der Niederung bis La Carbonera einen Zug vulka-. 
nischer Felsarten, theilweise von tertiären Gesteinen überdeckt, Nord- 
wärts erhebt sich der Boden bis zum Fusse der aus Glimmerschiefer 
gebildeten Sierra de Alhamiüla und ist bis dahin wahrscheinlich aus 
neuem Sand, Mergel, Thon und Lehm gebildet; im westlichen Theile 
dieses Striches aber, bei Almeria, findet man noch groben Quarzsandstein, 
losen und gebundenen Kies, erdigen und erhärteten Thonmergel mit 
Pecten benedictus, P, dubius, P. striatus (nach Desuayes’s 
Untersuchung), Balanen, Austern, Echiniten-Stacheln u. s. w. 
Diese Schichten fallen 20° WSW. und scheinen unter die Tertiärgebilde 
des Schlossberges von Almeria einzuschiessen. — Offenbar bespülte das 
Mittelmeer früher, den Fuss der Sierra de Alhamilla und der Sierra 
de Gador. 


Ar. Bronenzart: Bericht an die K. Akademie der Wissen- 
schaften über Gay’s geologische Arbeiten (Ann. scienc. nat.; 
1833, Avril; XXVIII. 394—402.). C. Gay hatte sich in Frankreich 
schon. 6 Jahre lang zu einer naturwissenschaftlichen Reise vorbereitet, 
als er eine Anstellung als Professor der Physik und Chemie in Saz- 
tiago, der Hauptstadt Chil’s, erhielt, hier eine Zeit lang seine Lehr- 
stelle verwaltete, dann aber mit Unterstützung der dortigen Regierung 
das Land in naturwissenschaftlicher Absicht zu bereisen begann. Er 
machte grosse Sammlungen in allen Reichen der Natur, und brachte sie 
grösstentheils mit nach Paris, als er 1832 dahin ging, um physikalische 
Apparate einzukaufen, wozu ihm die Regierung 25,000 Franken gegeben, 
Diese mitgebrachten Sammlungen und die Reise - Journale sind es, mit 
deren Hülfe Ar. Bronentart gegenwärtigen Bericht verfasst hat. 

Die geognostischen Beobachtungen Gay’s erstrecken sich hauptsäch- 
lich nur auf die Umgegend von Santiago und auf das Becken der Flüsse 
Cochapual und Tinguiririca (woran Juan Fernando liegt), von deren 
Quelle in den Cordilleren an bis zu ihrer Veremigung zum Flusse 
Rapel und bis zu dessen Einmündung ins Meer, Es sind Urgebirge, 


— 239 — 


plutonisch-vulkanische und neptunische Gebirge, ‚welche jenes Gebiet 
zusammensetzen. Erstere sind selten unbedeckt zu Tage stehend , die 
zweiten herrschend, die dritten nur lokal und oft. den zweiten ver- 
bunden. — Die krystallinischen Urgebirge bieten nichts Eigenthümliches 
dar. — Die plutonischen oder Feuer-Gebilde begreifen , wie anderwärts, 
Porphyre, Basalte, Trachyte, Argilophyre, Dolerite u. s. w. in sich, die 
bald in Massen und unregelmässige Bäuke gesondert auftreten, bald 
ohne Ordnung durcheinander gemengt erschemen. Sie bilden Hügel und 
Berg-Züge, welche sich durch steile, spitz und zackig eingeschnittene 
Säge-förmige Kämme auszeichnen, wesshalb sie den Namen Cerro er- 
halten. Die Thäler zwischen ihnen stellen nach Länge und Tiefe un- 
ermessliche Spalten mit so senkrechten Wänden dar, dass es oft in 
meilenweiter Erstreckung nicht möglich ist, sie zu erglimmen, Unfern 
der Hacienda de Cauquenes, wo auf 10 Meilen in die Runde keine an- 
dere als solche plutonische Felsarten vorkommen, sind diese Thäler bis 
zu % ihrer Höhe und auf 10--12 Stunden Länge durch eine unermess- 
liche: Anhäufung von Granit- Biöcken und - Stücken ausgefüllt; das 
Phänomen der Felsblöcke wiederholt sich daher hier in der grössten 
Entfernung. von Europa nach einem unerhörten Maasstabe und auf 
einer sonst nie beobachteten Unterlage, Von allen Seiten durch die 
steilen Thalwände umgeben, scheinen sie ihrer weitern Fortbewegung eine 
unübersteigliche Schwelle gefunden zu haben. G. weiss weder eine 
Quelle anzugeben, woraus, noch eine Kraft, durch welche jene Blöcke 
dahin. gekommen. — 

Die neptunischen Gebilde erreichen über 25" Mächtigkeit über dem 
Meeresspiegel und nehmen zwischen ihren regelmässigen, durch Absatz 
aus dem Meere entstandenen Schichten wohl zuweilen Trümmer der vo- 
rigen auf. Diese Gebirge zeigen in ihren Beziehungen zu den plutoni- 
schen Gebilden die allergrösste Ähnlichkeit mit denen des Vieentinischen, 
Die plutonischen Gesteine selbst, ihre Aggregate , ihre Mineralien u. s, 
w. sind dieselben. Bei La Navidad an der Mündung des Rio Rapel 
wechsellagern Schichten von niedergeschlagenen zerreibhehen Stoffen mit 
solchen, die aus vulkanischen Trümmern gebildet worden und zuweilen 
durch ein Kalk-Zäment gebunden sind, in welchem fossile, versteinerte 
Konchylien vorkommen. Diese letztern sind von den nämlichen Ge- 
schlechtern, wie die der Europäischen Tertiär-Formation und zeigen mit 
diesen überhaupt ein weit grössere Ähnlichkeit als mit jenen, die noch 
in den Chileser Seegewässern wohnen: es sind Arten von ?Cytherea, 
Cardium, Peetunculus (dem P, pulvinatus ähnlich), Pyrula, 
Fusus, Cassis (fast ganz wie C. intermedia Broccur), Ancil- 
laria, Oliva, Dolium, Natica und ein Sigaretus, welcher 
dem S. canaliculatus von Bordeaus sehr nahe steht. Das Aggregat, 
worin sie liegen, und welches oft ganz frei von Kalk ist, stimmt mit 
der Vicentinischen Brecciole überein. Selbst solche Schichten von 
Navidad, welche dem. Ansehen ‚nach feine Mergel zu seyn scheinen, 
enthalten (im Gegensatze jener von Val nera) keine Spur, von Kalk: 


Jahrgang 1834, 16 


— 240 ° — 


sie sind ein feiner, Tripel-ähnlicher Sand. — Von diesen Gebilden 
im Alter verschieden, jünger, sind andere, welche nur wenige Meter 
hoch über das Meer ansteigen, aus Sand und losen Stoffen bestehen 
und nur wenig veränderte Konchylien-Reste enthalten, zumal von Con- 
cholepas, welches für jene Gewässer so bezeichnend ist. Auch diese 
sind auf ähnliche Art emporgestiegen, wie ein grosser Theil der Küste 
Chil’s i. J. 1822. gehoben worden ist. 


1Ii. Petrefaktenkunde. 


An .Bronsnuart: Note über eine fossileConifere des Süss- 
wassergebildes der Insel Ilivdroma, Nord-Griechenland (Ann. 
scienc. nat. 1833. Aoüt, XXX, 168—176). Von den Lagerungs-Ver- 
hältnissen dieser Reste ist an einem anderen Orte die Rede, Sie 
sind zahlreich, wohlerhalten und bieten selbst Früchte dar. Die Stel- 
lung der Zweige und Blätter ist wie bei den Coniferen im Allgemeinen ; 
die Früchte, aus deutlichen Schuppen bestehend, schliessen jedoch so- 
gleich jede Annäherung von Juniperus aus, und gestatten nur die von 
Callitris *), Cupressus, Thuja und Taxodium; die Form 
der Schuppen der Frucht, welche Blatt-, nicht Nagel-förmig ist, schliesst 
Cupressus, die spirale, nicht entgegengesetzte, Stellung dieser Schup- 
pen wie der Blätter Cupressus, Thuja und Callitris aus, und 
nähert sie dem Geschlecht Taxodium gänzlich Taxodium näm- 
lich hat wechselständige Blätter, deren 8 auf drei Umgänge einer Spi- 
rale kommen, mithin fast 3 Reihen der Länge nach entstehen müssen, 
die Schuppen der Früchte stehen in ähnlicher Spirale, in 8 Längenrei- 
hen. Br. rechnet ausser T. distichum, (Cupressus disticha 
Lin.) noch T. Chinense (Cupressus Chinensis Aort. Paris.), 
T. Japonicum (Cupressus Japonica Tuunz.) und eine Varietät 
desselben, vielleicht besondre Art, Taxus nucifera Tuune., endlich 
T, sempervirens Lame. zu jenem Geschlechte, dessen Verbreitung 
auf Nordamerika und Ostasien beschränkt ist, und es ist T. Japoni- 
eum, die sich der fossilen Art am meisten nähert. (Aus den Cupres- 
sus- und Thuja-Arten, welche ebenfalls wechselständige Blätter und 
sehr abweichende Früchte haben, bildet er ın einer nachfolgenden Note 
sein Geschlecht Pachylepis ““), mit den Arten Cupressus juni- 
peroides Wırrn., Thuja eupressoides Lin., und einer Art, die 
Commerson von Isle de France brachte, P. Commersonii). Die fossile 
Art von Taxodium nun wird auf folgende Weise charakterisirt: 


*) Callitris hat kurze Zapfen mit 4—6 Schuppen, welche in doppelter Reihe gegen- 
über oder zu dreien in einem Wirtel stehen, ‚mit in Zahl und Form ungleichen, 
nämlich je 5, 6 und 9 Eychen in der Achsel jeder Schuppe, die geflügelt sind und 
oft theilweise verkümmern; die Blätter sind gegeuständig oder zu3in einem @uirle. 

#2) Pachylepis hat kurze Zapfen aus 4 Schuppen, welche in einfacher Reihe wie 
Klappen stehend, an der Spitze zusammen neigen und alle gleich viele geflügelte 
Saamen decken, deren nämlich 5 oder 10, in 1 oder 2 Reihen unter jeder Schuppe 
sind. Blätter wechselständig, Sauf 3 Umgänge der Spirale. 3 Arten aus Südufrika. 


— 241 — 


Taxodium Europaeum Br. ramis fastigiatis, elonga- 
tis, gracilibus; foliis subtristichis, alternis, brevis- 
simis, basi in ramulos decurrentibus, apice acutiug- 
eulis; strobilis subglobosis vel ovoideis; squamis suboc- 
tofariis, disco terminalisuperne arcuato, crenwulato, 
medio crista transversali prominente partito, sulcis 
radiantibus in parte superiore notato. Auf Ilodroma, zu 
Oeningen (Karlsruher Kabinet) und zu Comothau. 

Die Äste sind mit vielen geraden: Zweigen dicht besetzt, die sich 
übereinander kreutzen, und abwechselnd zu beiden Seiten entspringen. Die 
‚Zweige sind! schlank, verlängert, an ihrer Basis sehr getheilt, bald 
dick: (0m,002) mit dichten, bald schlank mit entfernt stehenden Blättern; 
Blätter wechselständig, in .2—3 Reihen der Länge nach, bald in Form 
kleiner 3-eckiger Wärzchen, welche weit herablaufen, bald verlängert, 
so dass der freistehende Theil 0m,002 lang: ist , fast dreikantig, an. der 
Spitze mässig abgestumpft. Die Früchte stehen zu je 1-3—4 amıEnde 
der Haupt-Zweige, die oft schlank und’ schon kahl sind, und bereits 
‚Seitenzweige tragen. Sie sind Ey- oder Kugel-förmig, an Grösse das 
Mittel» zwischen. jenen von; Thuja orientalis und, Cupressus 
sempervirens haltend, bestehen aus 18—20 Schuppen, die‘in8 Län- 
genreihen zu stehen scheinen, so dass 2— 3 auf eine Reihe kommen. 
Die Schuppen entspringen aus der Basis des Zapfens, bilden mit ihrer 
freien Aussenfläche eine Scheibe‘, wie bei Pinus, Thuja und Ta- 
xodium,:der: obere Rand: dieser. Scheibe ist! gerundet “und gekerbt, 
unten ist sie von den Eindrücken :der :Ränder zweier tiefer stehenden 
Schuppen begrenzt; in der‘ Mitte hat sie einen gebogenen, nach oben 
konvexen Queer-Kamm, an dessen oberer ‚Seite Furchen entspringen 
und bis zu jenen 'Kerben fortsetzen. 

T. Japonicum hat längere und BpitäBre Blätter, aber ähnlich- 
stehende Zweige. Die Blätter: der übrigen Arten sind noch viel länger, 


Wırnam: Vortrag über die fossile Vegetation, bei der 
Britischen. Versammlung in Oxford 1832 gehalten, (Report of the 1. 
and 2. meetings of the Britisch. Associat. Lond. 1833. pP. 578.) *) 
Die gymnospermen Phanerogamen sind in. den ältesten Steinkohlen - Ab- 
lagerungen schon viel häufiger, . als die Schriftsteller über diesen Ge- 
genstand wollten gelten lassen. Bei Edinburgh, Berwick, New Castle 
und Durham sind sie ‚überaus zahlreich, Die Stämme von Craigleith 
bei Edinburgh, 40'—50' lang undbis' 5 dick, und jener von Widespen 
bei New Castle.von 72' Länge scheinen. Coniferen anzugehören. 
Aber gleichwohl, zeigen einige aus dieser Abtheilung Eigenthünlichkei- 
ten der Struktur, zumal auf dem Längenschnitte, wodurch sie sich den 
wahren Dicotyledonem mehr nähern. — Die kryptogamischen 


* Vgl. Jahrb. 1833. S, 457-461. 
16* 


Gefässpflanzen jedoch sind ohne ‘Zweifel noch häufiger in einigen 
Theilen derselben Formation; aber in dem Lothian-Becken, welches 33 
Kohlen-Flötze enthält, in der unteren Kohle von Northumberland, Dur- 
ham und Yorkshire sind die Reste kryptogamischer Pflanzen,.-zumal 
der Fahren ausserordentlich ‚selten, so dass'der Vf. geneigt ist; ‘den 
Unterschied zwischen dem Kohlensystem von Yorkshire und Nawcastle 
einerseits, welches in seinen oberen Theilen an kryptogamischen Resten 
so reich ist, und von Schottland ‘anderseits, wo ‘so ‚viele ‘phanero- 
gamischen Stämme ‘vorkommen, einer Verschiedenheit in der alten en 
zengeographischen Natur jener Gegenden zuzuschreiben. Ir 

Auch W. hat Spuren von organischer Struktur in mehreren Kohlen 
Arteu gefunden *). Bowey-Kohle und Gagat sind beide sichtbarlich 
Holz gewesen, und bei ersterer lässt sich, ' wenn schon unklar, eine 
Ähnlichkeit zwischen parallelen Reihen vier- oder sechseckiger 'Zeich- 
nungen in derselben mit. (der Struktur der Coniferen' nicht verkennen, 
Die Cannet-Kohle zeigt auf ihrem Längsschnitte  verwirrtes Zellgewebe, 
dem 'von Gefässpflanzen ähnlich, 'In der Faser- und 'Schiefer- Kohle 
des Bergkalks erkannte’ der. Vf. 'entschiedene' Spuren einer Struktur, 
welche der der Coniferen ähnlich: ist und keinen Zweifel'gestattet, 
dass die Pflanzen, wovon’sie abstammen, zu den Phanerogamen gehörten. 


L. Acassız! Recherches 'sur les Poissons fossiles (Neufchatel 1833, 
Premiere livraison). Diese erste schon im Juli ausgegebene uns aber 
verspätet zugekommene Lieferung des ersehnten Werkes über. die fossilen 
Fische enthält den'Anfang des Textes und: die ersten Tafeln: aus vier 
verschiedenen Bänden, 'woraus: dasselbe: bestehen ::soll (Jahrb.: 1833.:8. 
247.), um den Leser sogleich mehr in’ die Tendenz des’ Werkes 'einzu- 
führen und zugleich den: Beweis ‘zu geben‘, dass das Material ‚für das 
ganze Unternehmen bereits vollständig‘ geordnet seye. 

Band HU, S. I—-XI und 1—16. Tf. A—G. Einteitne Das 
Studium der fossilen Fische ist äusserst wichtig, weil es uns von den 
ältesten Gebirgs - Formationen bis zu den’neuesten eine ‘Reihe ‘von 500 
Arten mit ihrem ganzen Skelette und meist auch mitihren Schuppenierhaltener 
Organismen von einer schon hohen Organisation kennen lehrt, die wesentli- 
chen Lücken in der Zoologie wie der vergleichenden Anatomie ausfüllen, und, 
aufs Innigste an das Wasser geknüpft, uns auch ambesten die Veränderungen 
anzudeuten vermögen, denen dasselbe während der Bildungszeit der Erd- 
Oberfläche unterworfen gewesen. Denn man vermag wohl von einander 
zu unterscheiden jene Arten, welche'im‘ Meere, in Sümpfen, ‘in Flüssen, 
jene welche an der Küste und in der Tiefe des Ozeans.lebten, jene 
welche einem wärmeren und einem '&emässigten’Himmelsstriche ange- 
hörten. Sie zeigen uns die Entwicklungs - Weise einer'ganzen Klasse 
von Organismen. Alle Knochenfische vor der Kreide’ sind mit grossen 
rhomboidischen, Schmelz-artigen Schuppen versehen und gehören ausge- 


*) Ygl. Nıcor, Jahrb. 1833, S. 618, 619. 


— 43 — 


storbenen Geschlechtern an; die mit ihnen vorkommenden Knorpelfische 
haben alle abgeplattete, rauhe und faltige Zähne, wie jetzt Cestracion. — 
Bei seinen Vorarbeiten zur Naturgeschichte der Brasilischen Fische und 
der Europäischen Süsswasserfische hat der Vf. überall auf die Charak- 
tere sorgfältig geachtet, welche zum Erkennen der Familien, ‚Genera 
und Arten im fossilen Zustande dienen könnten. Er hat die Schuppen 
von‘200 Arten in ihren Formen - Übergängen zeichnen und die von 50 
wieder einzeln aufkleben lassen. Ohne die in Paris aufgestellten 
tertiären Fische vom Bolca hat der Vf. etwa 10,000 Exemplare fossiler 
Fische für die gegenwärtige Arbeit untersucht: — Von seinen übrigen 
Hülfsmitteln und der Eintheilung des Werkes war schon früher (a. a. 0.) 
die Rede. — — I. Nachweisungen über die vom Vf. unter- 
suchten Sammiungen fossiler Fische und über die von 
ihm benutzten Materialien zur Bestimmung ihrer Arten 
(S. 1—7). Wir haben sie bereits genannt (Jahrb. 1833. S. 247). — 
Ihnen folgt eine Notitz über diejenigen Sammlungen, welche der Vf, 
noch nicht gesehen hat (S. 8—11.). Es sind vorzüglich die von England 
(obsehon' er viele gute Zeichnungen von da benutzen konnte), von Italien 
(woher er jedoch eine reiche Sammlung in Paris studirte), einigein Frank- 
"reich und im östlichen und nördlichen Deutschland (woselbst er jedoch die 
wichtigsten seither besucht hat (Jahrb. 1833. S.675.). — II. Nachweisun- 
gen über die Literatur von den fossilen Fischen (S.12—16), 
Man könnte noch einige, meist minder wichtige hinzufügen: HırcHcock (in 
SILLIMman’s Americ. Journ. of Scienc. 1823. VI.1—86 und 201—237.) 
über Ganoiden; — Notitz über (die ältesten?) Fisch-Schuppen in old 
red Sandstone (Brewst. Edinb. Journ. 1829. Jan. 184—185) ; H. v. 
STERNBERG Note über einige Fische in des Grafen Coronını’s Samm- 
lung zu Görz bei Triest, aus Jura-Schiefer (Flora, 1826, 1., Beilage I. 
53. 54.)5 Germar. über die Mansfelder Fische (v. Leonn. Mineral, Ta- 
schenb. 1824. 1.61); Bourver über fossile Fischzähne ( Meısswer’s 
Naturwiss. Anzeig. IV. 1. 27—28); Knox über die Grösse „der fossilen 
Haifisch-Zähne (Brewsr. Edinb. Journ. No. IX.16—18); DEsLoNGcHAm?s 
über einen fossilen Rogen- Schwanzstachel *) (Mem. Soc. Linn. Cal-- 
vados II. 271—282 > Ferus. bullet. 1826; VIII, 279.) ; Sowersgr, 
GEORGE und Ure über ?Balistes-Stacheln (Zoolog. Journ. 1825, 
April, II. 5, p, 22—24. tf. I. >> Isis 1830. p. 820; Ure hist. of Buther- 
glen tf. XII, fy. 6). — Die sieben erwähnten Tafeln in Folio aus dem 
1. Band enthalten ergänzte Umrisse von Acanthodes, Catopterus, 


Amblypterus, Palaeoniseus, — Platysomus, Tetragono- 
lepis, Dapedius, — Notagogus, Pholidophorus, Semio- 
notus, Lepidotus, Microps, — Acrolepis, Ptycholepis, 


Pygopterus, Sauropsis, Pachycormus, Trissops, Uraeus 
Megalurus, Leptolepis, -- Aspidorhynchus, Blochius — 
Pycenodus, Spaerodus und Microdon. 


*) Auch ich besitze einen solchen, tertiären aus Italien. Br. 


—_ 1 — 


Boand'll,.S. 2—48, Taf. A, B, C und 1—7; : Von’l..der Klassi- . 
fikation der Ganoide:n aufden 'ersten 418 ‚Seiten des zweiten Ban- 
des häben! wir bereits.'eine. Übersicht mitgetheilt .(Jahrb.. 1833..,S.. 470, 
481). Ihr folgt in derselben. Ordnung. die... Monographie ‚der einzelnen 
darin: ‚aufgestellten Genera: So zuerst: /II, das: Geschlecht . Acan- 
thodes (S. 49—22.);«dann III, das. 'Geschlecht‘'C ato,pterusı(S, 
23—27.)5 IV, Amblypterus (S. 38—40)5:V,.Palaeoniseus,.(S. 
u), nach deren: ausführlicher Charakteristik ‘ihre schon: früher .er- 
wähnten‘ Arten: beschrieben: und ’abgebildet..‚werden., Die;"zu, ‚diesem 
Bande‘ gehörigen Tafeln!.'geben auf: A—C .die. genaue äussere: Ansicht 
und : Osteologie «zweier: lebenden, Geschlechter ‘derselben; Klasse: ;des 
Lepidosteus und des:Polypterus, und auf/Tf}1—7. Abbildungen 
ausgewählter Exemplare von Acanthodes Bronni, — von Dipterus 
macropygöpterus, D.brachypygopterus,. D. Valeneiennesii 
und. D::macrolepidotus,.—:von Amblypterus macropterus 
and:A, eupterygius;.—.A, lateralis und A. .latus;;—.von 
Palaeconiscius Blainvillei, — R. Volzii, — P. Duvernoy. 

„Band IV,:S: 17—32, Tf; A. und 1—2. ‚Diese. Blätter, geben. die 
Monographie I. des Geschlechtes Cyelopoma,($.: ‚47—23,) 
mit seinen Arten: C. gigas: Ac.ı Tf. 2, und:C..spinosum Ac.: T£.1° 
vom Bolca; — dann III. des Geschlechtes: Late:s (S.,24—31.),. dessen 
Osteologie durch. Abbildung: des L.: Niloticus «T£fi .A.)ierläutert,;und 
dessen fossile Arten L..gracilis Ac. (Tf.. 3.) vom Bolca, L..gibbus 
:A6..(Tf: 4.), L. notaeus Ac, (T£;: 5.) alle.vom Bolca, L.imaerurws 
Ac. aus :Grobkalk von Sevres beschrieben werden, IV, Von, Smerdis 
ist nur noch der: Anfang vorlianden, OR: U IRINTER Aa 1 

Band V,S. 17-24, T£ A: und 1—2..' Hier ‚erscheint eine ‚Abbil- 
dung einer lebenden-V'omer- Art, T£f. A, zum ‚Vergleiche.der fossilen 
Formen mit‘ den lebenden; dann: die Monographie II... des ‚Geschlechtes 
- Gasteronemus' Ac. (8. 17—23) mit;zwei Arten; @&:rhonbheus 
Ac.,-Tf. 2, und G. oblongus Ac. Tf. 15 welche ‚beide: vom ‚Monte 
Bolca: abstammen, «Von III. Acanthonemus ist der Anfang, gegeben. 

Wir: haben in«diesem Werke, dessen gründliche. ‚Bearbeitung, kei- 
ner: Lobeserhebungen bedarf,‘ noch insbesondere die Namengebung zu 
rühmen, und anderen Naturforschern im Gebiete. .der ‚Petrefaktenkunde, 
die'nicht selten ohne alle Rücksicht auf die: bestehenden Regeln verfah- 
ren, als Muster zu empfehlen : die neuen Geschlechtsnamen' sind;.ele- 
gant und richtig gebildet, bezeichnend, und die Personen-Namen, welche bei 
Benennung der Arten angewendet werden, erscheinen unverstümmelt. 
Ebenso zweckmässig ist es, dass der Vf, in einem Werke .der Art die 
besten unter den vor ihm liegenden Exemplaren, seyen sie,auch noch so 
unvollständig, oder das Fehlende noch so leicht beizufügen,; unverändert 
und pünktlich (in meisterlicher Arbeit!) abbilden lässt, und die aus al- 
len bekannten Details ergänzten Figuren für sich besonders ‚gibt. 


% 


m an 


» C.H. v, Zıeren:; die: Versteinerungen Württembergs, XI. 

und XII Heft, Stuttg. 1833. (vgl. Jahrb. 1833; ,S. 624.) a 
‘ Heft XI. enthält Muscheln,, deren Schloss ‚man, selten kennt, deren 

Eenik daher meisst zweifelhaft ist. 

Unio (Tf. LXD: 4. U. depressus Z.5 5 U. liasinus ne 6 
‚ U.;abduetus Pur... | 

Astarte: 1. A. elegans Sow.: (TE. LXxm 2 elesans, Hein 
;3.,Crassina,minima, Ben sh 

Tessa" 41.1 cordiformis Schüer.; 9. 1. minima keaabs 3 I. 
leporina. Krön.; 4. I elongata Z,; 5.1. null: Be ’ 

Cardium: 1. C. aculeiferum SchüßL. RR: ae 

Lucina (Tf. LXIID: 1. L. lyrata Pair, 

Amphidesma: 1.A. recurvumPnır.; 2.R. a ee Var 

Cytherea: 1. C. trigonellaris Vorrz (Venulites :tr; ‚SEHLOTH.) 
[kaum! wenn die Zeichnung nämlich genau ist.] 

Corbula: 1. C, cardioides, Pinrr. [ist aber gleichklappig!] _ ü 

Lutraria (TE. LXIV.): L. gregaria Mer. [und Donacites 
‚Al duini Bronen.; doch, nicht gut. gewählt, oder nicht gut ger 
zeichnet!]. 

Mya: 1. M, depressa Sow.; 2, M. ventricosa SCHLOTH. 3: ‘=. 
angulifera Sow. 4. M. literata Sow. 

Pholadomya: (Tf. LXV.) 1. Ph. ambigua Sow.; (Lutraria a. 

. Sow. antea); 2, Ph. fidicula Sow. (Lutrarialyrata ‚Sow, 
antea) 3. ?Ph., ovalis ‚Sow., (Lutraria 0.Sow. antea.). [vollkom- 
men]; 4. Ph, Murchisoni Sow. [diese Art scheint ‚uns eher Ph. 
productaSow. zu seyn, und das Cardium Protei Broncn.]. — 
(Tf. LXVL) 5. Ph. acuminata Hanau. ; 6. ‚Ph, decorata ur 
‚et variet.; 7: Ph. clathrata Münst, et var. oviformis ZiEren. 
[Die Figuren der letzten Tafel verlieren dadurch an Bestimmtheit, 
dass die Seitenansichten in schiefer Richtung gegeben sind, ‚daher 
die Form des Längendurchschnittes unbestimmt bleibt.) 
Heft XII. enthält Nachträge zu allen vorhergehenden: 

Ammonites (Tf LXVIL): A. colubratus Scurors. (seine Loben); 
98. A. Humphresianus Sow.; A, Blagdeni Sow. (Loben) 
(Tf. LXVII.) 99. A. Jurensis Z,; und A. Murchisonae Sow, 
(Loben.) 

Nautilus giganteus im Längen-Durchschnitte. 

Turritellaterebra Lam. (Molasse), 

Trochus: 8. T. Albertinus’Gorpr, 

Gryphaea (Tf. LXIX.): 4 G. ovalis Z. Een nur junge 

- Individuen]. 

Plagiostoma: 8. Pl. pectinoides Sow.; 9. Pl. regulare Krönv. 

Pecten: 15. P. laevigatusGoror. (Pleuronectites 1. SchLorw. 
5. P. discites (Pleuronectites discites ScHLorn.) 

Avicula: 3. A. subcostata. Gorpr.; 4. A. soci-alis Desu. (My- 
tulites soc. Scuroru.); 5. A, substriata Z. 


— 246 — 


Arca (Tf. LXX): 3. A. gigantea en A. obliqua Z.; 5. A. 
inaequivalvis Gorpr. \ 
Trigonia (Tf. LXXD: 6. T. Goldfüssii Aug. Ene anne 

ria, Br.]; 7. T. laevigata GoLpr. [eben a ’ 
Venus:1. V.nuda Goıpr. 1 
Mactra: 1, M. trigona Gorpr. [Scheint ebenfalls eine Myophoria) 
Mya: 5. M. musculoides ScaLor#, ' 
phone 1. M. Kern? [Allerdings! und zwar der Kern von Tri- 
"gonia laevigata, Br.] 2. M. Kern *). 
Amphidesma: 3. A. rotundatum Par, | 
Astarte: 4. A, excavata Sow. abe: 
Lucina: 2. L. plana Z. 
ei 1. I. spec. indet.; 2. 1. dubius Sow. ah 
"gryphoides Sckrora.); 3. I. undulatus Sow. 


Diesem Hefte ist versprochener Maassen ein alphabetisches Re- 

gister beigegeben , wo die Autoren, die Namen, die Tafein der Abbil- 
dungen, die Seite des Textes, die Formation und Berichtigungen, theils 
bei Angabe der Formationen nach an Ort und Stelle gemachten Beob- 
achtungen, theils bei der Bestimmung der Arten beigefügt sind, letztere 
entnommen hauptsächlich aus den Bemerkungen von Gorpruss in 
Decuzn’s Bearbeitung von DE va B£che und aus unseren. Anzeigen in 
diesem Jahrbuche. Inzwischen scheinen dem Vf. noch zwei Quellen 
von ‚Berichtigungen entgangen zu 'seyn, nämlich die Recension in der 
Jenaischen allgemeinen Literatür-Zeitung 1831, IL, nro. 68, S. 57—67; 
und ein Brief von Vorrz im Jahrbuche 1830, S. asa-—485. 
n Dieses Werk enthält auf 102 Seiten Text und 72 Tafeln Abbil- 
dungen, nun alle in "Württemberg bekannt gewordene Fossil-Reste von 
Mollusken , und bietet wenigstens durch die meistens schönen Abbil- 
dungen ein willkommenes Mittel leichter Verständigung über die mei- 
sten in Deutschlands Flötzgebilden (ausser der Kreide) öfters vorkom- 
menden Versteineruugen, für den mässigen Preiss von 40 fl, (schwarz). 
Vollständigere Übersicht und Hülfsmittel wird uns freilich das 
Gorpruss’ sche Werk gewähren, dessen Voranschreiten leider nur gar zu 
sehr ‚gehemmt ist. 


Te 


S. G. Morton: Übersicht der organischen Reste in der 
Eisen-schüssigen Sand-Formation der Vereinigten Staaten, 
mit geologischen Bemerkungen (Sırcım. Amer, Journ. of 
Science 1830, July; XVIII, 243—250, if. 1—3.) Indem sich der 
V£. auf eine frühere Abhandlung. (Sır.ım: XVII, 295) bezieht, berichtet 
er, dass er die Kalk-Ablagerungen im, Mergel- Distrikt von New Yersey 


m 


*) Wenn die Einkerbung der Einschnitts an den Buckeln fg.a. links natürlich ist, 0 
ist es eher eine Trigonia. ‚BR. 


a 


nun von der Grafschaft Gloucester an mehrere Meilen weit in die 

Grafschaft Burlington verfolgt habe, wo sie bei Vincentown vorkommen, 

Auch im südlichen Theile der Halbinsel, bei ‚Salem, scheinen sie sich 

zu finden. ‚Sie nähmen demnach, mit zufälligen Unterbrechungen, ; gegen 

50 Engl. ‚Meilen Erstreckung parallel dem Delaware ; und, 7 bis 11 

Meil. östlich von ihm ein. Sie finden sich nunmehr in. fast ‚allen Staa- 

ten von New ,Yersey bis, Alabama. Ein wissenschaftlieher. Beobachter 

habe sie auf gemeinen, grünen und blauen Mergeln aufgelagert gese- 
hen, so dass die Sand- und Kalk-Schichten jener Gegenden in, Lage- 
rungs- und organischen Charakteren ganz mit Europäischer Kreide und 

Grünsand übereinstimmten. «ln den .Mergeln. aber kommen ,, mit den 

wichtigeren der schon früher angezeigten und zum Theil im. VI. Bande 

des. Journal ‚of the Academy..of ‚Natural ‚Sciences gut ‚arhijdeien, 
folgende Arten vor: 
Ammonites; waren, früher 2 ‚Arten angegeben, nämlich 

1 — placenta M. tb. II, fg. 1—3;;wird bis 15‘ hoch 

2.— 

Dazu kommen } | all 

3 — Delawarensis M. (tf. U: a a): Bruchstücke in :den. unteren 
Schichten des Chesapeake-. und. Delaware-Kanals 

4 — Vanuxemi M. mit vorigem, doch selten. .(tb. HI. fg. 3, 4.) 

5 — Bruchstücke, unbestimmbar, in. der Sammlung der Akademie; 
Sceaphites (in der früheren Abhandlung) 

1 — Cuvieri (Journ. Acad. Nat. Scienc.:vol, WIE.) 

Baculites. 

1 — ovatusM. (in der früheren ee rt tb. L En 6-8. ap 
gebildet. Er findet sich ausser im Mergel New Yersey's auch am 
Missouri mit Resten, die. dem Saurocep:h.alu s: nahe ‘stehen, 
Belemnites (in der früheren Abhandlung). | 

3 — Americanus M. tb. I, fg. 1—3. [dem B. mucronatus'isehr 
nahe verwandt]. } 

2 — ambiguus M. tb, I, fg. 4—5. (klein, ganz aylindisch) 
Patella Lamk, 

1. — eine kleine: Art, 4‘ breit, fein gerippt. 

Cypraea, 
',Natica, " sl d 
ı Sealaria | ‚18 

1 — angulata M. in en Abhakel, p: 281. ohne Nomen angeführt, 
hier tb. III. fg. 6 abgebildet. .(cfr, Journ. acad. vol, wo 
Plagiostoma Sow. } 

1 — Eine 1'’—3‘' lange: Art mit vielen zarten hei, un erha+ 
benen konzentrischen schuppigen 00 ‚An, andern ' Bachylien 
ansitzend, [?} | Y 

2? — Bruchstücke , ‚welche, Seueru ‚nicht einmal; zu ren Be 
gehören; jedoch ‚mit P..rusticum ;Sow., ff. 881 sonst Eu Biber. 
einstimmen, — mit Ammon. Delaw. ; 


ı 


— 2148 — 


Ostrea 

1 — falcata M. tb. III. fg. 19—20. 

2 eristagalli? tb. II. fg. 22. 

5 — Eine über 1’ lange Art, zusammengedrückt mit vielen atıs einan- 
“ derlaufenden dornigen Srupeit, Wohlerhalten, von Arneytown N.Y., 
 Gryphaea REN SO 

1 — mutabilis (Journ. Acad. nat. scienc. vol. VI, Fig.) 

2 — convexa (Journ. acad. nat. Sc. VI, Fig.) 

; —'vöoimer M. tb, II, fg. 1—2. 

' Exo gyra Rn \ U EEg 

1’— costata (Journ. Acad. Nat. +Se. vol. Y, » Fig.) 10 Ditbanline 

"Pecten ob arrsarhtot 

’— quinquecostatusSow. ‘(in voriger Abhandl. a hin 1m. ig: 

2 par 101 

3 — zusammengedrückt, dünn, A "und dem P. witrdd Sow. 
tb. 394 aus der Kreide sehr“ähnlich. 

4 — Bruchstücke einer grossen Art, mit grossen konvexen Rippen, 
zwischen denen immer eine feinere ist. 

Cüculläea (in früherer un 

1 — vulgaris M. Kern tb. In. f 21. 
Clavagella Sow. 

1 — Ein' Exemplar aus’ ‚New Yersey. ’ 
Terebratula N 

1— SayiM. tb. II, gay Is WW 

2 — HarlaniM, — — 16. 

3’— fragilis‘M. u an HR lin Mi» Fe 

“ Vermetus Aal 3 une neaz 

1 — rotula' (ein Spirorbiä' in: früherer Auiandlung;; pe: 282) 

tb. III. fg. 18. 
Cidarites Limr. 

1 — Warzenschilder tb. III, 15: 12. 

2 — Stacheln, tb. III, fg. 13. 
Spatangus 

1? — cor marinum Park. aus voriger Kbtıhnähng hier tb. I, fs, 10. 

23» — 

3 — stella M. tb. III. fg. 11, klein, kugelig, mit Furchen, tanz eine 
fünfblättrige Blume darstellen, und sich von der ersten (früher be- 
schriebenen) Art dadurch unterscheidend, dass die Längengrube 
nicht bis zur Basis reicht. - Gemein in den Kalkmergeln. 
Ananchytes 

1 — cinetus M. im voriger "Abhandlung p- ze angeführt, hier 
tb. UI fg. 7 abgebildet. 

2 A. cruciferus M. tb. IH, u 8; oval, nicht 1° lang5' Scheitel 
"subeentral; die" zwei Tinten der fünf Paare: von Fühlergängen 
‘durchaus ‘parallel; keine en — ae etwas RE Be 
T. BR, Pzure. ” ; i 


_— 19 — 


3 — fimbriatus M. tb, III, fg. 9, mit 4 Paaren punktirter Fühler- 
gänge, mit 8—9 von dem Scheitel nach dem Munde ziehenden 
Linien und einer Längengrube hinten. Mit voriger Art von PrıLz 
aus den Kalkschichten von New Yersey. 

‚ Alveolites Lamk. 

1 — Eine Art sehr ähnlich A. glomeratus Say, welche an dortigen 
Seeküsten lebt und gemein ist. 

Anthophylinm (in voriger Abhandlung) 

ı — Atlanticum M. tb. 1, fg. 9—10. 

Im Kalke. 


Saurodon Hass. 
1 S, Leanus Hays, Kieferstücke, Verwandschaft mit denen von Sau- 


rocephalus Harran zeigend, im Mergel von Woodbury, New 
Yersey. 


Mosasaurus 
1 — Brumvirıe hatte die Zähne für solche von Ichthyosaurus 


erklärt, De Kar sich neuerlich unbedingt dafür ausgesprochen, 
dass die, vom Vf. schon vordem erwähnten, Reste zu Mosasau- 
rus gehörten (Annals of the New York Museum, vol. III.) 
Geosaurus Cw. 

1 — Auch hievon versichert De Kıy einige Zahnreste gefunden zu 
haben (a. a. O.) 


Pflanzenreste. 
Die Lignite des eisenschüssigen Sandes stammen durchaus von 


Dikotyledonen ab, deren Holzfaser in einigen seltenen Beispielen 
durch Feuerstein ersetzt ist, in welchem Falle, wie auch sonst wohl 
öfters, sie von Teredo durchbohrt sind. — 

Thonschiefer mit Ligniten liegen bald in, bald über, bald unter den 
sandigen Mergeln dieser Formation. Auch Bernstein kommt vor. 


S. G. Morton: über die Analogie zwischen dem Mergel 
von New Yersey und der Kreide-Formation in Europa. 
(Sır.ım. Amer, Journ. of Sciences, 1832, Aprü; XXIII, 90-95.) 
M. führt zwei Briefe von ALex. BroncnIart und ManTEeLL an, welche 
seine Ansicht über obige Formation bestätigen. BronscnIartT bezieht 
sich auf dasjenige, was er bei Gelegenheit seines Berichtes über die 
Durrenoy’schen Beobachtungen in der Kreide-Formation im SW. von 
Frankreich über Morron’s Abhandlung schon gesagt hatte, dass sich nämlich 
in New Yersey die charakteristischsten Kreide-Geschlechter vorwaltend 
mit einigen Exemplaren von solchen Geschlechtern finden, die man 
sonst erst in tertiären Formationen zu sehen gewöhnt ist, wie Cypraea, 
Scalaria, Ampullaria, Patella, und hier mithin derselbe 
Fall eintrete, wie in der Kreide zunächst den Pyrenäen. Übrigens 
wagt Br. nicht zu entscheiden, ob die Amerikanischen Versteinerungen 


mehr für den untern Kalk (Kreide-Glauconie und Tufeau) oder für den 
obern, weissen Kalk sprechen, oder ob die ganze Reihe dort ent 
wickelt seye. ’ 

Manteır hatte von Morton einige fossile Reste zugesendet bekom- 
men, wornach er jene Formation mit Bestimmtheit für die untere Ab- 
theilung der Europäischen Kreide:Formation erklärt; der Kalk jedoch, 
welchen Morron in seiner ersten Abhandlung Kalk über Grünsand 
nenne, scheine ihm den Schichten von Mastricht zu entsprechen, die 
sich schon mehr den tertiären Bildungen nähern, und Baeculiten 
neben Turritellen und Voluten enthalten. Es ist diess jener 
Kalk zwischen Salem und Vincentown (40 Meilen auseinander), wel- 
cher Belemnites ambiguus, Scalaria, Gryphaea convexa, 
G. vomer, Echiniten und Madreporen geliefert hat. 

NvrirL hat kürzlich die Grünsand-Formation auch bei Cahawba in 
Alabama und somit in einer Erstreckung von 1000 Meilen nachgewiesen, 
Sie enthält dort Exogyra costata, Ostrea falcata u. a. A., wie 
in New Yersey. Dr. Branvins hat sie bei Camden in Süd Carolina 
mit Exogyren, Belemnites Americanus u. s. w. gefunden, 
welch letztere Art auch ManteLr für verschieden von B. mucrona- 
tus hält. 


IV. Verschiedenes. 


Sır.ımas: über den Fall der Meteoriten von Tennessee 
(SıL.ım. Amer. Journ. of Scienc. 1830, July; XVIII, 378-379). Zu- 
erst theilt Sırııman eine Nachricht des Wohlehrwürdigen Huc# Kirk- 
PATRIicK mit, welche seiner Zeit auch im Nashville Banner erschienen 
ist. Am 9 Mai um 4 Uhr Abends bei schr hellem Wetter waren der 
Sohn und mehrere Arbeiter des Berichterstatters zu Drake’s Creek in 
der Grafschaft Sumner, 18 Engl. Meilen von: Nashville. im. Felde be- 
schäftigt. Sie hörten einen Schlag, dem einer Kanone ähnlieh, der sich 
in der Luft fortsetzte, wie ein Peloton-weises Abfeuern von Mus- 
keten und das Trommelwirbeln während einer Schlacht. Man sah einige 
kleine Wolken mit einem Schweife von schwarzem Rauche, die Schre- 
cken erregten, und von ihnen, ohne Zweifel, kam eine Anzahl von 
Steinen unter Zischen oder Sausen (Whizzing noise) und fielen mit 
einem Schalle wie von schweren Körpern auf die Erde. Einen dersel- 
ben sah der Sohn des Berichterstatters, 50 Yards weit von ihm, zur 
Erde fallen. Er traf und zersplitterte im Fallen ein Baumstämmchen, 
wodurch es möglich wurde, den Stein sogleich aufzufinden, welcher 
noch 8”— 10‘ tief in den Boden gedrungen war, und 5% Pfd. wog. 
Auch James Duscz war dabei zugegen., Der Stein wer nicht warm, 
als man ihn fand, hatte aber einen Geruch nach Schwefel, — — Am 


_— 3 — 


nämlichen Tag und zur sehen Zeit befand sich auch der Schwiegersohn 
des Berichterstatters, Peter Kersine, mit seinen Arbeitern im Felde, 
über eine Meile von vorigen entfernt, als ein 114 Pfd. schwerer Stein 
herabfiel neben ihm, semer Frau und drei andern Weibern, Viele 
respektable Leute waren gegenwärtig, als man ihn 12’ tief unter der 
Oberfläche des Bodens eingedrungen fand. Einen dritten Stein sah der 
Referent, der bei Davıp GaArrErTT’s, ein Stück eines vierten, welcher 
bei Joun Bones’s gefallen war, und von einem fünften höhrte er noch 
sprechen. Alle waren sich ganz gleich im Ansehen, verglaset, und mit 
einer dünnen Kruste, welche die Einwirkung des Feuers und schwar- 
zen Rauches zu verrathen schien. 

SırLıman fügt diesem Berichte nach Ansicht eines Exemplars noch 
bei: Zahllose Metall-Punkte erscheinen durch die hellgraue, (meist 
weisse) Oberfläche der Masse, welche, obschon durch die Hitze abge- 
rundet, fast wie Silber glänzten. Dabei findet sich ebenfalls eine zahl- 
lose Menge glänzend schwarzer Glaskügelchen, die in völligem Flusse 
gewesen zn seyn scheinen, und die ganze Masse fühlt sich rauh und 
scharf an, wie Laven und trachytische Felsarten. Die schwarze [?] 
Kruste war im Zustande wenigstens Teig-artiger Flüssigkeit gewesen, 
ihre Rauigkeiten sind abgerundet und lassen, wenn man sie anfeilt, 
sogleich das glänzende Eisen wahrnehmen. Dass eine Feuerkugel beim 
Falle dieser Meteoriten sichtbar gewesen, wird nirgend berichtet; viel- 
leicht fiel sie am hellen Tage nicht genug auf. 

(Eine weitere Beschreibung steht im nämlichen Journal XVIIL, 
200; die Analyse ist ebendaselbst XVII, 326 mitgetheilt.) 


Sır.ıman über das Meteor und den Aerolithen in Georgia 
(Sırım. Am. Journ. of Scienc. 1830, July; XVIII, 385—389.). Es 
war, — so berichtet Erias Best in einem Briefe Dr. Bovxın’s, welcher 
auch Stücke des Aerolithen übersandte, im März 1829, zwischen 3 und 4 
Uhr, als eine kleine schwarze Wolke südlich von Forsyth erschien, aus 
welcher sich zwei Explosionen unmittelbar hintereirander vernehmen 
liessen, worauf ein schreckliches Rauschen oder Rumpeln durch die Luft 
2—4 Minuten lang anhielt. Dieses Brausen wurde an diesem Abende 
auch von Herrn Srarks und Capt. Postian, welche eine Meile südlich 
im Felde waren, gehört, und von ihnen dabei ein Stein aus der Luft 
herabfallen gesehen, welcher, wie sich nachher ergab, 36 Pf. IE: 
Er wurde jedoch erst am andern Morgen früh gefunden. Er war 2l 
tief in den Boden gedrungen. Äusserlich sah er aus, als ob er aus ei- 
nem Ofen gekommen wäre, eines Federmesser-Rückens dick war seine 
Oberfläche mit einer schwarzen Substanz, wie geschmolzene Lava, be- 
deckt, beim Abschlagen von Stücken entwickelte er einen starken Schwe- 
felgeruch, und liess eine metallische Substanz, wie Silber, wahrnehmen. 
Er war innen weiss, mit Adern und gab Funken mit dem Stahle. 

Nach einer anderen von Boykın erhaltenen Notiz kann Niemand 


ze. BB = 


sagen, aus welcher Richtung das Meteor kam. Zuerst wurde der Knall 
wahrgenommen ähnlich dem eines groben Geschützes; dieser :Haupt- 
explosion sollen nach Einigen mehrere schwächere rasch. aufeinander 
gefolgt seyn, wie beim Abbrennen eines Schwärmers; Einer versichert 
jenes Rumpeln seye ein Wiederhall gewesen. Kurz nach der Explosion 
hörten einige Neger das Zischen (whizzing), und als sie darnach blick- 
ten, gewährten sie einen schwachen „Rauch“ gegen den Boden herab- 
kommen und hörten daun den Fall. des Steines. Sie liefen darnach, 
und fanden den Steinin einem in den harten Thon-Boden geschlagenen 
9‘! tiefen Loche, bemerkten auch einen Schwefelgeruch. Er war unter 
einem schwachen Winkel mit dem Horizonte eingefallen, 

“Nach Sırrıman’s Zusatz ist der Stein sebr einförmig licht aschgrau, 
jedoch mit Tausenden von glänzenden Punkten metallischen. Eisens be- 
sprengt, welches fast die Farbe und den Glanz des Silbers hat. Jene 
Puukte sind selten über Nadelkopf-gross, aber so häufig, dass der Mag- 
net fast alles aus dem Steine geriebene Pulver anzieht, so dass dann 
die Spitzen jener Punkte vom Magnete wegstehen. Er ist dem Meteo- 
rit von Tennessee sehr ähnlich. Er hat allerdings eine, wie halb ge- 
schmolzen gewesene, schwarze Kruste, in der man aber mit der Feile 
die Eisen-Punkte sogleich hervortreten machen. kann. Innen ist er 
voll halbgeschmolzener schwarzer Punkte und Streifen, die der Kruste 
ähnlich sind, so dass er einem unvollkommen geschmolzenen Glase 
gleicht. Eigenschwere = 3,37. 


Du Menır Analyse des Heilwassers zu Hiddingen im Lün- 
neburgischen (Kısıner’s Archiv 1829. XVII. ı. 257— 270.) Dorf 
Hiddingen am Fusse eines Sandhügels, des Hedenberges, liegt niedrig 
von Torfmooren und sauern Wiesen umgeben; der Boden aus Lehm und 
Letten und in 25‘—30' Tiefe mit schwarzem saurem Schlamme, 10 Pfd, 
Wasser enthalten in 2 benachbarten Quellen 

I. (1829) 
70,49 Cubzoll. 
13,333 Gran, 
9,250 


Kohlensaures Gas . . . 
Caleiumoxyd-Carbonat . « 
Eisenprotoxyd-Carbonat . 
Magniumoxyd-Carbonat 
Chlornatrium . . . 


Chlorcalium . 2 2 22 2.2650 — 
Chlormagnium 2... ..340 — 
Schlammige Materie . x «2310 — 
Humussäure . 2 ©»... ..180 — 
Silieiumoxyd . » 2 2. . 050 — 
Essigsäure Pe ii 1,040 — 
51,553 
II. (1822) 
Koblens. Gas - -» 2. . 71,40 Cub. Zoll. 
Calciumoxydsulphat o .2.1,0,25. Gran. 
Eisenprotoxyd-Carbonat . . 10,00 — 
Chlornakuma rn ee. emo IST 
Chlorealeium "20... 710,48 7 — 
Chlormagnium . » . » 2,60. — 
Extractive Theile. . © » 12,76 — 
Humussäure . +... 0. 162 — 
und noch muthmaaslich . . 1,50 — 
Essigsäure 
55,12  — 


Über 


das erste Lebensalter der Erde 


von 
Herrn Professor CHRISTIAN Kapr. 


( Schluss). 


Vergleichen wir die Katastrophen der Folgezeit, so 
entsteht der neue Zweifel, ob noch ein Theil dieser ältesten 
Bildungen zu Tage ausgeht, ob sie nicht alle von jüngeren 
ünd jüngeren Gebirgsmassen ähnlicher und verschiedener 
Art unergründlich bedeckt sind. Es gibt nichts, was uns 
zwingt, die erste Frage zu verneinen, wenn wir mitten in 
der Betrachtung der sturmvollsten Perioden unseren Blik 
auf die Einfachheit ihrer Natur werfen. Halten wir aber 
bei der raschen, gesetzlich wechselnden Aufeinanderfolge 
der Bildungen an diesem Glauben mit Vorsicht fest, so 
müssen wir nach der Felsart fragen, die wir suchen dürf- 
ten. ‘Die ganze sog. Flötzzeit zeigt eine Reihe thoniger, 
kieseliger und kalkiger Gebilde in gesetzmässiger Folge. 
Eine andere Dreiheit zeigen uns die alten Granite unmit- 
telbar in sich selbst. Sie geben uns das Bild einer gewis- 
sen Allseitigkeit, der jedoch die geschichtete Natur kalkiger 
und anderer Massen als ein ergänzendes Moment — 

Jahrgang 1834. 17 


m ad 


mächtig zur Seite tritt. Eine andere Einfachheit verrathen 
bei gleicher Allseitigkeit die ältesten Gneisse: nirgends eine 
Spur von Gang-Bildung, oder von eingebackenen Stücken, 
die sie enthielten. Nicht einmaldie ältesten Glim merschie- 
fer zeigten sich bisher in Formen, die jeder Geognost für 
Gänge angesprochen hätte. — Und wo der Gneiss in Gra- 
nit übergeht, wissen wir weder, ob diess kein jüngerer 
Gneiss ist, der nur wo ersich widerstandlos bilden konnte, 
seine einfache Struktur entwickelte, wo er durch ältere 
Massen gestört wurde, in granitischer Form *) sich gestal- 
tete, noch ob der Granit beim Emporsteigen durch den 
Gneiss mit dieser gleichartigen Masse sich verband **). Der 
Gang wäre in beiden Fällen vorhanden, nur seine Spur bis 
jetzt verhüllt. 

Im Ganzen scheint der @neiss eine einfache Mitte 
zwischen Granit und Glimmerschiefer zu behaupten, 
Jener ist ihm seinem Bestande, dieser seiner Form nach 
am ähnlichsten. Durch diese entfernt sich jener von ihm, 
während der Glimmerschiefer durch seinen gewöhnlichen 
Mangel an Feldspath ihm ungleich wird, was beim Granit, 
namentlich dem jüngeren ***) oft durch ein ungeheures 


Übergewicht an Feldspath geschieht, Alle drei sind feuer- 


*) Dieser Granit wäre nur ein granitischer Gneiss, oder eine durch 
die ältere Kruste nach oben strebende Entfaltung des Gneisses. 
(Vgl. Schugerr’s allgem. Naturg. 1826. S. 186.) 


”*) Vielleicht Kontaktprodukte erzeugte? Gehört z. B. daher der 
kleinkörnige Granit, den L. v. Buch bei Kielwig im nördli- 
chen Norwegen, gefunden und der dem auf den sShetlands-Inseln 
gleicht? Er geht in Granat-führenden — Gmeiss über. — Sei- 
ner übrigen Merkmale wegen verglich ihn Arrx. v. HumsoLor 
dem sog. Urporphyr und rechnete ihn desswegen nicht zu 
den ältesten Graniten. (Geognost. Vers. a. d. Franz. v. Leox- 
HARD S, 98.) 

*»*) Diess ist bei dem dritten Heidelberger Granit der Fall, dem die 
berühmten sog. Feldspath-Gänge im Karlsbader Granit sehr ähn- 
lich sind. Diese sind offenbar Granitgänge. (S, die Anmer- 
kung 8. 257). „ 


2a 


geborene Brüder, aber der Gneiss scheint im Durchschnitt 
der älteste zu seyn, wenigstens scheint der älteste Gneiss 
älter, als die meisten Granite, auch da, wo diese stellen- 
weise in ihn eingedrungen sind, so dass er sie scheinbar 
überlagert. Oder man setze Glimmerschiefer und 
Syenit als die Extreme — dann behaupten Gneiss und 
Granit die Mitte. | 

Betrachten wir die äussere Form, oder das innere Ge- 
füge, die gleichmässige Vertheilung der Gemengtheile des 
Gneisses, beide verrathen eine Einfachheit und Ruhe, unter 
der seine Bestandtheile die Struktur annehmen konnten, die 
so Viele) an seiner pyrogenetischen Entstehung zweifeln 
machte. Auf diesem Wege ist seine Struktur einfach 
erklärt, ohne dass die denkwürdigen Unterschiede des 
Alters, die manche Gneiss-Gebirge zeigen, dagegen sprächen. 
Sie folgt seiner inneren speziellen Natur so ungehin- 
dert, als dem allgemeinen Zug und Trieb der Schwere 
und Erkaltung. Hat man doch selbst die jüngeren Gneisse 
für älter erklärt, als alle Granite, obwohl sie mit einigen 
Graniten gleich alt und jünger seyn können **), als die 
ältesten Granite. Ist nun der älteste Gneiss, er gehe heute 
noch zu Tage aus oder sey überall ringsum bedeckt, das 
erste Feste, oder ein Theil desselben, so hindert das nicht, 
an seiner im Allgemeinen gleichartigen Entstehung mit den 
jüngeren Graniten im Geringsten zu zweifeln. Denn es 
leuchtet nunmehr ein, dass der Teig der Tiefe, 
der dieser entstiegen, im Allgemeinen dersel- 
beist, der vor aller Bildung des Festen auch 
die Grundmasse des Gneisses war. — Die allge- 


®) Auch Lyerr liess sich dadurch auf Irrwege verleiten: vielleicht 
aus Mangel an Würdigung; oryktognostischer und solcher Merk- 
male, die besser als alle Übergänge die Feuer-Geburt des Gneis- 
ses beweisen. Man vergleiche v. LeonnArp’s entscheidende Worte 
in der Geologie zur Naturgeschichte der drei Reiche. S. 432. ff. 

”») Über die primitiven Formationen des Granits etc. vgl. z. B. d’Au- 
Bulsson Traite de Geol, Sirasb. 1819. mit v. HumsoLor's geogn, 
Versuch S, 71, 

10% 


u, 


meine Bildungsweise aber bleibt in beiden dem Prinzip nach 
gleichfalls dieselbe: die Bedingungen des Widerstandes, und 
was mit ihnen verbunden, die weitere Ausbildung der gan- 
zen Erde, bewirkten Änderungen. _ 

Diese Analogie kann uns sogar über das Alter der 
Granite einige Aufschlüsse geben. Sie gibt sie jedoch 
in einem zum Theil entgegengesetzten Sinne mit der An- 
sicht, die ALEXANDER von HumsoLpr früher *) äusserte, in- 
dem er den Granit um so älter schätzte, je weniger er 
geschichtet, je reicher er an @uarz und ärmer an Glim- 
mer ist "*). : 

Die sog. Schichtung des Granits, Gneiss und Glim- 
merschiefers ist immer und überall nur eine vermeint- 
liche Schichtung. Sie ist (oft ganz deutlich) *"*) eine ein- 
fache Folge seiner Feuerflüssigkeit, indem sich die Natur 
seiner Masse da, wo sie beim Aufsteigen am wenigsten 
Widerstand fand, am einfachsten entwickeln konnte. Im 
Durchschnitt aber musste gerade der älteste Granit den 
geringsten Widerstand finden, mithin am meisten eine ver- 
meintliche Schichtung zeigen: er hatte nur durch die erste 
Kruste (wenn er nirgend zu ihr gehören sollte) und über 
ihr nur durch das Meer zu steigen. Daher zeigen alle un- 
sere bekannten Granite, die man “geschichtet nannte, weil 
sie alle Widerstand in der Erdrinde fanden, diese Form nie 
durchaus. Die vermeintliche Schichtung der Granite hört 
überall, wo ich sie verfolgen konnte, bald auf und verliert 
sich in eine Zerklüftung ihrer Masse, die sich nach allen 
Richtungen, vorzüglich nach der senkrechten, verbreitet; 
in der Fortsetzung Eines und Desselben, nicht bloss an den 
Grenzen eines anderen Granites. Diess ist z. B. deutlich 
im Harz, noch deutlicher im Fichtelgebirge an den 
Granitfelsen, die sich auf dem Rücken der Kösseine nach 


*) Geogn, Vers. S. 71. 80. Vgl. Gorpruss Fichtelgeb. I. 172. #. 
**) Und doch tritt nach BovE gerade im Gneiss der Quarz öfters, 
als die anderen Bestandtheile zurück. 
) Man vergleiche sogar Unz’s Neue System der Geologie. $. 138. 


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De 


der Lussenburg hinziehen, am Burgsiein (und wahrscheinlich 
auch am ZHaberstein, dessen Tiefe verschlossen ist). Eben 
so am Sauerbrunnen bei Karlsbad. Obgleich die Karlsbader 
Granit-Bildung verschiedenen Epochen zugeschrieben 
werden muss *), so ist doch der Granit, in dem die ver- 
meintliche Schichtung sich verliert, offenbar Ein und Der- 
selbe mit dem sog. geschichteten. Seine Bestaudtheile sind 
von ungleichem Volumen und in ungleichem Verhältnisse 
gemengt: er hat auch da das Porphyr-ähnliche Ansehen, 
das den ganzeu Äarlsbader Gebirgs-Granit auszeichnet und 
ihn so wohl von den Graniten, die ihn Trümmer-weise ein- 
schliessen, als von denen, die ihn in ganz schmalen Gängen 
durchsetzen, unterscheidet. 

Die sog. Schichtung plutonischer Felsarten 


geht nach dem Bisherigen — wir müssen diesen Gedanken 
ganz allgemein und bestimmt fassen! — aus der wesent- 


lichen Natur des Gesteins hervor, wo dieses 
unter offenem Himmel, oder im Gebiete überde- 
ekender Wasser (!) Raum und Ruhe hatte, 
sich einfach zu entwickeln, wo es ungestört er- 
kalten und dem Zug der Schwere, der.alle Kör- 
per bindet, nur so weit folgen musste, als diese 
Folgsamkeit in seiner speziellen Natur lag. 
Kraft dieser Natur quellen durch die Bedingungen ihrer 
Entstehung diese Gebilde nach oben, und stürzen in Feuer- 
flüssigem Zustande nur da, wo sie abhängige Zwischen- 
klüfte oder Gipfelpunkte erreicht, wieder nach unten. Die 
ältesten dieser Gebilde, unbezwungen durch die Hindernisse, 
die erst eine schon dichtere Kruste verursacht, konnten 


*) Eine Ansicht, die ich in einer Anmerkung zu meiner Vorlesung, über die 
Natur Unteritaliens, in. der Athene. B.I. H. 3. S. 284. angedeutet, 
obgleich v. Horr in seiner trefflichen Monographie über Karlsbad das 
Gegentheil annimmt: ich fand Granit im Granit eingebacken und 
muss ausserdem, wie gesagt, die sog. Feldspath-Adern für Granit- 
Gänge in älterem Granit erklären, was ich ohne Kenntniss der 
Leonsarp’schen Entdeckung des dritten Heidelberger Granits 
nicht gewagt haben würde. (Vergl. 267. not.) 


zeeys > 


ungehemmt ihre Natur entwickeln. Dass uns aber diese 
noch räthselhaft, begründet keine Einwendung gegen diese 
Ansicht *). 

Um letztere so deutlich zu erklären, als in Kürze mög- 
lich, müssen wir vor Allem spätere Absonderungen vulka- 
nischer oder plutonischer Massen, wenn sie noch so Schich- 
ten-ähnlich sind, von primären, von solchen unterschei- 
den, die gleich bei Entstehung und Erkaltung dieser Mas- 
sen sich bildeten. Auf letztere kommt es hier eigentlich 
allein an, wie wohl man auch sie in gewissem Sinne sekun- 
där nennen kann, so fern sie nämlich nicht im Momente 
der Bildung **), sondern erst durch den Einfluss umgeben- 
der Gesteine und erkaltender Massen entstanden sind ***). 

Bei jüngeren vulkanischen Erzeugnissen, namentlich bei 
Laven, ist die lagenweise Absonderung oft eine Folge mehr 
oder weniger ungleichzeitiger, sich über einander legender 
Ergiessungen. Das auffallendste Beispiel der Art zeigten 
mir die inneren Krater-Wände des Vesuv im Jahre 1829, 
wo die sog. Lavenschichten durch den früheren Einsturz 
der Kraterdecke entblösst waren. Von Innen aus erschie- 
nen die verschiedenen Lagen der Laven ziemlich horizontal, 
während sie in der Richtung nach Aussen ringsum, zum 


*) Ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass mich auf diese 
Ansicht von der sog. Schichtung der Granite einige Gespräche 
mit Brum in den Marmorbrüchen von Wunsiedel und auf dem Gra- 
nitgebiet des Fichtelgebirges, so wie v. Leonuard’s Entdeckungen 
an dem Heidelberger Granit geführt haben. Es wird sich sogleich 
zeigen, dass mit dieser Form die materielle Natur des Ge- 
steins, so weit es zu Tage ausgeht, in wesentlichem Ver- 
bande steht. 

“") In einem folgenden Abschnitte hoffe ich Gründe aufzustellen, die 
es wahrscheinlich machen, dass auch die Schichten ächt neptuni- 
scher Gebilde, z. B. des bunten Sandsteins, keineswegs alle 
im ersten Momente der Bildung entstanden sind. Die Form ih- 
rer Ebenen und gewisser Absonderungen derselben, verlangt eine 
andere Erklärung, als die Bildung gewisser Wellenlinien und Ein- 
drücke, die sie zeigen. — — 

*»*) Vgl. v. Leonnarp’s Basalt-Gebilde I. 296. £. 


— 29 — 


Theil unter bedeutenden Winkeln, der Tiefe zufielen. Da 
sich nun auf dem ebenen Boden des inneren Kraters ein 
kleiner thätiger Kegel erhoben, so hätte man hier, wenn 
an den Streit über die sog. Erhebungskratere erin- 
nert werden soll, eigentlich einen Senkungskrater ”). 
Denn die Lava-Schichten, die diese Kraterwände des Veswv 
bildeten, dessen Kegel-Erhebung den Einsturz des Somma 
zu den Zeiten des Titus () verursachte, sind nichts ande- 
res, als die Lagen verschiedener, dem Krater entflossener 
Lavaströme. Sie mussten demnach, rechtwinkelig gegen ihren 
Abfall entblösst (was durch den Einsturz der Kraterdecke 
des Vesuv geschah) nothwendig mehr oder weniger hori- 
zontale Linien zeigen. Solche Erscheinungen sind, da sie 
auf Strömungen vulkanischer Massen beruhen, die ein- 
zigen, die man vulkanische Schichtungen nennen 
könnte und gerade da sieht man unverkennbar, dass von 
Neptunismus keine Rede”), Man sieht aber mehr, als die- 
ses, was auch der orthodoxeste Neptunist keinen Augen- 
blick zu verkennen im Stande wäre. 

Man hat nämlich in diesem Fall Ströme verschiede- 
nen Alters vor sich. Die Zwischenzeit konnte aber bei 
ähnlichen Erscheinungen (wo vulkanische Massen über 
gleichartige Gesteine von oben nach unten, als wo sie von 
der Tiefe nach oben hinströmten) sehr ungleich seyn. Sie 
fällt nicht immer in getrennte Perioden und Epochen. In 
einer Epoche, die kurze Zeit anhielt, hat man oft volle 
Ursache, eine Emportreibung verschiedener Lagen unmit- 
telbar nach einander anzunehmen. Dieser Annahme steht 


*) Man sieht daraus, dass nicht alle Einwendungen gegen die Er- 
hebungs-Kratere LeoroLo v. Bucn’s berechtigt sind, was schon aus 
seiner Reise nach den Kanarischen Inseln erhellt. 

“*) Eine genauere Beschreibung des Vesuw im Sommer 1829 gab ich, 
unterstützt v. K. F, ScuoLter, im dritten Heft der Athene, d. i. 
in den vermischten Aufsätzen aus philosophischen und historischen 
Gebieten von mehreren Verfassern, herausgegeben v. Cur. Karr. 
(Kemten 'bei Dannueimer 1833.) S. 253. ff., wo ich das Vul- 
kanen-System Italiens im Ganzen darzustellen versucht habe. 


nichts entgegen, als einige wässerige, in sich zerfliessende 
Theorien. Die Gewalt des Wassers selbst, deren Bedeu- 
tung nicht verkannt werden darf, widerspricht ihr nirgends. 
Wo diese dazu kam, hat sie solche Bildungen nur ‚modifi- 
zirt, nirgends völlig umgeändert. Diese Betrachtung. führt 
uns von vulkanischen Bildungen im engsten Sinne zu 
dem sog. plutonischen, wenn man nur diejenigen vulka- 
nisch nennen will, die einem Krater entflossen *). 

Wir halten uns an Erfahrungen, die den Geogno- 
sten bekannt sind. Diesen zu Folge dürfte ($) die lagen- 
weise Absonderung gewisser Porphyr-Massen auf ein jün- 
geres Alter, als die granitartige Gestalt anderer Porphyre 
bezogen werden. Wir sehen z. B. in Dossenheim an der 
Bergstrasse Porphyrmassen emporsteigen, die jünger zu 
seyn scheinen, als die granitartigen Porphyre z, B. von 
Wurzen, deren ganze Natur nach von Leoxuarn’s; Beobach- 
tungen, einen dem granitischen sehr ähnlichen T eig, keines- 
wegs einen durch Umwandlung veränderten Granit voraus- 
setzt. Jene Porphyrmassen sind nicht bloss durch Kluft- 
flächen, sondern zum Theil durch Flächen getrennt und 
verbunden, die als halbe Rutschflächen erscheinen. 
Man wird daher sicher. gehen, da das Ganze. den Charak- 
ter Einer Entwickelung an ‚sich trägt, anzunehmen, dass 
hier der Porphyr ‚stossweise, arterienartig, aus der Tiefe 
nach oben in verschiedenen Lagen emporgestiegen. Diese 
Lagen sind alle mehr oder, weniger senkrecht. ‚Wer könnte 
sie aber Schichten nennen, da unter Schichten nur nep- 
tunisch gebildete, erst später vulkanisch  aufgerichtete Ab- 
sätze verstanden werden, die niemals Spiegelflächen zeigen, 
wo sie nieht durch plutonische Gewalten an: sich selbst, oder 
an anderen Massen, wie schon SAussurE sagte, von der 
Natur polirt worden! (1833. VI. 664, ff.) 


*) Ein äusserlicher Unterschied, selbst wenn sich v. Humsorpr, der 
Granit, und Rozet, der sogar Dolomit Strom-artig gefiössen beob- 
achtet haben will, geirrt haben würden. — Was heisst am Ende 
Krater und Spalte? plutonisch heisst, was antediluvisch vom 
Feuer gebildet wurde! 


— 23561 — 


Diese lagenweise Absonderung der Porphyr-Massen ist 
indess was anderes, als die sog. Schichtung der Gneisse 
und Glimmerschiefer, Letztere steht mit der einfachen Ver- 
theilung der vielartigen Gemengtheile in wesentlichem Ver- 
bande. Die Porphyre dagegen haben eine mehr gleichartige, 
feldspathige Masse, in der sich jene Absonderungen leichter 
entwickeln konnten. Sie haben stets ein anderes Anse- 
hen, als die derberen der Granite, die im Durchschnitt mehr 
massig als lagenweise vereinzelt emporgequollen seyn.dürf- 
ten. Übrigens ist jene Ansicht ihres Alters noch zweifelhaft. 

Hier kommt es, wie, nach ALEXANDER von Humsondr's *) 
entschiedener Warnung, „in allen Aggregaten empirischer 
Kenntnisse, die zu früh Wissenschaften genannt worden, 
auf ein denkendes Begreifen der Natur, auf eine richtige 
Ansicht dessen an, was aus den wohlgeordneten Ein- 
zelheiten gefolgert werden darf.* Wer möchte demnach 
sagen: wenn die schiefrig abgesonderten Granite im Durch- 
schnitt älter sind, als die massigen, körnigen, gleich bei 
ihrer ersten Entstehung verworfenen, müssten auch die 
schieferartigen Porphyre älter seyn, als die granitartigen! 
Mag immerhin das Material beider in der Tiefe, in der es 
schon anfieng, zu werden, was es geworden, gleicharti- 
ger gedacht werden, als das, Material, woraus Gänge von 
Quarz und Gebirge von körnigem Kalke hervorgingen, wenn 
man diese, wie jene, nicht vereinzelt, sondern unter sich 
vergleicht **) — mag es sogar einen wesentlichen Fort- 
schritt der geologischen Wissenschaft bedingen, wenn es ihr 
gelingt, die mannigfaltigen Gebilde Einer Kategorie unter 
ihrem höheren, einfachen Gesichtspunkte, der allein das 
rechte Licht über sie verbreitet, zusammenzufassen — nim- 
mermehr wird man sagen können, ganz dasselbe, was bei 
den Graniten, sey auch bei den Porphyren die sog. Schich- 


In den Abhandlungen der Berliner Akad. d. 3, Jul. 1827. S. 305. 
*) Denn in Beziehung, jedes dieser Gesteine auf sich sind Quarze 


und. Kalke gleichartige, Granite ‘und Porphyre - ungleichartige 
Felsarten. 


— 262 — 


tung. Eher noch könnte man die sekundären, durch die 
Grenzen und Stadien der Erkaltung bedingten Absonderun- 
gen plutonischer und vulkanischer Felsarten in diesem 
umfassenden Gebiete, dem vergleichen, was in einem weit 
anderen, vereinzelten Gebiete die Versuche einer Krystall- 
Bildung (il. 162.) sind. Aber auch da würde man sich leicht 
ins Vage verlieren, denn solche Absonderungen sind, wie 
v. LeonnarD in seinen Basalt-Gebilden entscheidend gezeigt, 
nichts weniger als Krystallisationen. Nur der könnte sie 
noch so nennen, dem es jückte, mit Frıeprıch v. SchLEsEL's 
Lüsternheit die Baukunst eine gefrorene Musik zu nennen, 

Da wir an v. Leonuarp’s Basalt-Gebilde erinnert, dür- 
fen wir uns enthalten, über die Natur soleher Absonderun- 
gen bei den Basalten, Porphyren ete. ausführlicher zu 
sprechen *). 

Noch müssen wir des Falles gedenken, wo sich eigen- 
thümliche Schichtungs-artige Absonderungen vulkanischer 
Auswürflinge unter dem Einfluss neptunischer Anschwem- 
mungen gebildet haben. 

Ein solcher Doppel-Prozess zeigt sich, wie CorrA **) 


*) Nur- hier unten bemerken wir, dass die vielbesprochene Säulen- 
förmige Absonderung, die sich vorzüglich an Basalten, auch an 
Porphyren, körnigen Kalken (z. B. bei Wunsiedel) und anderen 
plutonischen Massen zeigt, nach v. LeonHarn nichts ist, als eine 
Folge des Abkühlens, des Zusammenziehens dieser Gebilde mittelst 
“der Berührung mehr oder weniger dichter oder flüssiger Medien 
(Wasser und Luft) oder fester Körper (Wandungen der Spalten). 
Dadurch erklärt sich auch genau die Richtung und Lage dieser Ab- 
sonderungen, die bisweilen Formen annehmen, welche in Freiberg 
und München noch heut zu Tage (mitunter) als Schichten be- 
trachtet werden. Platten-förmige Absonderungen fand ich seither 
auch in Quarz- Gängen. 

“) Der Kammerbühl v. Hzınrıcn Corra mit Zusätzen von .B. Corra, 
Dresden; 1833. 8. Ich beziehe mich zugleich auf einen Brief 
an v. Leonsarp, in dessen und Bronn’s N. Jahrb, Jahrgang 
1833. VI. 670. über den Pechsteinkopf in Rheinbaiern und sein 
Verhältniss zum Systeme des Hardgebirges, um hier nicht 'aus- 
führlicher darlegen zu müssen, dass die schieferige Form plutoni- 
scher Urgebilde nicht etwa durch einen Einfluss überdeckender 
Fluthen zu Stande gebracht worden. 


— 208 — 


dargelegt, am Kammerbühl bei Eger. Er fand unter andern 
Verhältnissen anders geartet, auch sonst und ohne Zwei- 
fel häufiger Statt, als die Einseitigkeit entgegengesetzter 
„Schulen“ bisher einsehen oder zugestehen mochte. 

Was soll man vollends von Theoretikern sagen, die un- 
kundig der belehrungsreichsten Erfahrungen, alles verwech- 
selnd und in alles die Vorurtheile, die sie fern von der 
offenen Natur auf Schulbänken eingesogen, hineintragend, 
noch heute jede Schichten-ähnliche Absonderung vulka- 
nischer Massen für Schichtung erklären! Sie würden, 
hätten sie von seiner Entstehung nichts gelesen, den 
Monte Nuovo bei Pozzuoli”) für eine neptunische Aufschich- 
tung erklären, gebräche ihnen nicht die Kraft des Ent- 
schlusses, den Berg selbst zu sehen, wie WERNER bei seiner 
Reise nach Paris versäumt hat, die nahe liegenden Basalte 
zu untersuchen. Sie müssten sogar die Lava-Reihen im 
Innern des Veswvischen Kraters für Niederschläge einer 
neptunischen Brühe ausgeben, ermangelten sie nicht der Kraft 
ernster, kühner Konsequenz! Würde ihnen der Jorullo 
oder die Auvergne Lavaströme über den Mund ausgiessen, 
sie würden sterbend sagen: nein! es brennt mich nicht, es 
galvanisirt mich nur — zum Tode! Warum! Werner hat 
A gesagt und Keıruau Z! Der Vulkan ist nur der Zu- 
ckerhut dieses ABC’s, das Stiebfass alter Kinderbücher: die 
Mitte des Lebens das juste milieu Neptuns, die ganze 
Erde ein ab- und ausgewaschener Katechismus der „heiligen 
Salzfluth.“ Lass sie gehen, sagt ScHILLER, es sind „Zöe- 
fenbacher!“ (U. 177.) 

Wir ziehen in Kürze das Resultat: die sog. Schichtung 
plutonischer Felsarten ist nichts anderes, als entweder eine 
schieferige Bildung, wie beim Gneiss, Glimmerschiefer 
ete., oder eine stärkere lagenweise Absonderung, wie 
bei mehreren Graniten, körnigen Kalken und bei den Dolo- 


”) Vgl. Vermischte Aufsätze etc, herausgegeb. v. Chu. Kapr. Kempten 
1333. S. 274. 


— 264 — 


miten dieser Kalke *), wo sie aus der speziellen Natur des 
Gesteins, wenn es Zeit und Ruhe hatte sich zu gestalten, 
hervorging. Oder sie ist eine Folge lagenweiser Auf- 
quellungen der Tiefe bald Einer, bald verschiedener 
Epochen, wie besonders bei einigen Porphyren. Das aus- 
gebildetste Extrem dieser letztgenannten Erscheinung herrscht 
vorzugsweise bei jüngeren vulkanischen Produkten, nament- 
lich bei Laven, deren Ströme sich oft über einander 
ergossen, Da dieses nur da genau beobachtet worden, wo 
es langsam und unter offenem Himmel, nicht in allseitig 
widerstrebenden, durch ihr Empordringen gebrochenen 
Spalten geschah, darf es uns nieht wundern, dass man 
‚hier keine Reibungsflächen, wie an Porphyren ete., be- 
merkt hat **). 

Erwähnen müssen wir noch, dass Granite, die in ihrer 
Zerklüftung eine vermeintliche Schiehtung zeigen, oft fremd- 
artige sogenannte Lager enthalten, Aber mit diesen sog, 
„Lagern“ sieht es sehr zweideutig aus, wie z. B. mit den 
angeblichen Lagern von sog. Ur-Grünstein im Granit einiger 
Gegenden des Fichtelgebirges. Solche Granite rechnete 
v. HunsorLor zu den jüngeren .—- mit Recht, wenn er sieh. in 
der Vorstellung jener Lager nicht getäuscht, wenn. diese 
Lager keine Gänge sind. a, 

‘ Es ist hier nicht der Ort, über das Alter der Gra- 
nite und anderer sog. Urgebilde ausführlich zu. urtheilen, 


*) Etwas ganz anderes ist die Schiehtung des Rabensteiner Dolomits, 
der den Jurakalk begleitet, im Baireuthischen. Versteinerungsreich 
nicht bloss an seinenGrenzen ist er plutonisch nur gehoben und von 
ganz anderem Ansehen, als der Dolomit bei Wunsiedel. 1833. VI. 669. 

*) Und wie lange ist es denn, dass man Saussure’s Winke über 
Felsen, die die Natur polirt hat, ‚benutzt? Laven haben schon eine 
dickere Erdkruste; zu durchbrechen, als Granite, also schon in der 
Tiefe kältere Erdschichten als diese, zu berühren. Wo sie halb 
erkaltet und fest, durch enge Spalten aufstiegen, müssen sie Rutsch- 
flächen an sich, und an dem umgrenzenden Gestein gebildet ha- 
ben. :Wo sie nach. oben: flüssig blieben, konnten sie höchstens 
dieses, nicht sich an ihm poliren. 


- 65 — 


bemerken müssen wir aber, dass, bei Erwägung und Ver- 
gleichung örtlicher Verhältnisse, so wohl ‘das innere 
Gefüge, als die äussere Struktur Anhaltspunkte ge- 
ben kann, die bedeutend werden, wenn man ’'sie alle zusam- 
menfasst. Aırzx. v. Humeoror legte bei dieser Frage mit 
Recht ein Gewicht auf die Form scheinbarer Schichtung, 
wenn er sich gleich in der Anwendung geirrt.. Denn lagen- 
weise Absonderung wird der jüngere Granit nur da zei- 
gen, wo er sich durch weite Spalten ungehindert ergos- 
sen. Aber alle Granite, die für die jüngsten ‘gelten 
müssen, haben bisher nirgends solche Absonderungen 'erken- 
nen lassen, sie sind vielmehr, wie die Schriftgranite, reich 
an inneren Durchkreutzungen. 

Ehe wir von der Betrachtung der äusseren ‘Struktur 
auf die Anhaltspunkte, die die innere Struktur, das Gefüge 
bietet, übergehen, dürfen wir nicht übersehen, dass vorzüg- 
lich jene öfters durch spätere Einflüsse verändert worden. 
Granite aber, von denen sich nachweisen lässt *), dass 'sie, 
wie z. B. ein Theil der Kurlsbader, in fester Form, itheils 
wieder durch Granite, theils durch’ 'andere Gesteine’ geho- 
ben worden, sind nichts desto minder, als sie gebildet wur- 
den, in Feuer-flüssiger Form emporgestiegen. Jene Hebun- 
gen sind offenbar spätere Veränderungen, wie sie sich an 
vielen sehr alten Porphyr-artigen 'Graniten finden, ‘wovon 
z. B. die steilen Wände des Karlsbader Granits 'mit zacki- 
gen und spitzigen Enden Zeugniss geben **), 

Wie demnach die äussere Struktur, so muss sich das 
innere Gefüge, das, was man im engeren ‘Sinne Struktur 
nennt, bei den ältesten Felsarten einfach darstellen ; um 


*) Wie es z. B. Murcuison versucht hat. Vgl. Ure a. d. S. 432. 


*®) Ist der von Maccurzoc# untersuchte, durch ConvgeAre und Prırrırs 
bekannte Gneiss der Hebriden, der zum Theil über Lias liegt, 
in fester, Form emporgestossen, oder Feuer-flüssig nach der 
Bildung des Lias aufgetrieben worden? Ist es vielleicht blosser 
Granit? 


— 266 — 


so mehr dieses mit jener, wie z. B. bei dem Gneiss, oft 
augenscheinlich zusammenhängt. 

Sehr schwierig, sagt v. HumsoLor *), würde es seyn, 
einen Granit namhaft zu machen, den alle Gebirgsforscher 
einstimmig für älter ansehen, wie alle übrigen Formationen. 
Was vom Granit gilt, gilt auch, wenn gleich in geringerem 
Maasse, heute noch vom Gmneiss, Glimmerschiefer etc. 
Wenigstens gibt es einen Gneiss, der älter ist als alle 
wahrhaft geschichteten Felsarten, und diesen keineswegs 
ergänzungsweise zur Seite steht. In Beziehung auf seine 
inneren, so zu sagen, oryktognostischen Verhältnisse dürfte 
der älteste Granit derjenige seyn, der meist, jedoch nicht 
ausschliessend, und auch nicht er allein — bei etwas grob- 
körnigem **) Gefüge ziemlich gleichförmig gemengt 
ist. Seine Krystallisation wird jedenfalls einen sehr ein- 
fachen, wenig gestörten Charakter haben. Dieses alles 
negativ, ausgedrückt, heisst: er ist, wenn auch entfernt 
Porphyr-artig, doch nicht auf vermittelte Weise, weder 
durch einseitiges Hervortreten eines besondern Momentes, 
noch durch Einsprengung fremdartiger Bestandtheile quali- 
tativ verungleicht, noch durch eingebackene Stücke jünge- 
rer Felsarten ***), — um die Streitfragen über die Auf- 
nahme untergeordneter sog. Lager und Nester kaum zu be- 
rühren — förmlich charakterisirt. 

Betrachten wir dieses näher, so zeigt sich, dass auch 
der unterrichtetste Geognost aus solchen Bestimmungen nur 


*) Geogn. Vers. Lag. Geb. S. 70. ff. Vgl. L. v. Bucu. Reise nach 
Norw. 1I. 188. geogn. Beob.I, 16. f. und in GitzerT’s Ann. Phys. 
1820 S. 130. v. LEowuarn Charakteristik der Felsarten. 

**) Der jüngste Heidelberger und Karlsbader Granit ist noch grob- 
körniger, als der älteste. Der Granit von Hohenstein, Weinböhl« 
und Zscheila zeichnet sich keineswegs durch feines Korn aus, der 
Albit-führende von Massachusets ist auch grobkörnig, wenigstens 
in den Handstücken, die ich gesehen, 

“»*) Der Granit von Zcheila hat Versteinerungs -reichen Plänerkalk 
eingebacken. — S. v. LEONHARD, in Dessen und Bronn’s neuem Jahr- 
buch 1834, H, 2. 


— 267 — 


im Angesichte deutlich aufgeschlossener Brüche, nach ihren 
speziellen Verhältnissen, etwas machen kann, und doch 
sind sie zu beachten, keineswegs aber als förmliehe Regeln. 
Die Natur überhaupt kennt nur Gesetze, keine 
Regeln. Nur jene können entscheiden. 

Das grössere oder kleinere Korn des Granits 
und anderer sog. Urgesteine entscheidet allein nichts 
für ihr Alter und kann, vorsichtig, nur als untergeordnetes 
Moment, nach seinem Verhältniss zu den übrigen Merkma- 
len beigezogen werden. Schon ALsxAannder v,. Humsouor *) 
bemerkte ausdrücklich, dass, bei dem häufigen Vorherrschen 
des Feldspaths im Granit, die Grösse seiner Krystalle ver- 
schiedenen Formationen zuständig sey und selbst den erfah- 
rensten Beobachter irre leiten könne: immerhin scheint der- 
jenige Granit, der noch besondere Feldspath-Krystalle ent- 
hält, in vielen Fällen sehr alt, wie der Schriftgranit, dessen 
Feldspath oder Albit @uarztheile einschliesst, sehr jung 
zu seyn ”*). 

Wo aber der alte Granit feinkörnig erscheint, ist er 
darum noch nicht fein durchbildet, so dass er diese Form 
dem widerstrebenden Einfluss bestehender Verhältnisse in 
den Tiefen der Erde, die sich schon weiter entwickelt hat- 
ten, während seines Emporsteigens verdanke. Sie ist kei- 
neswegs nothwendig von irgend einer Vereinseitigung 
oder vorherrschenden Entwickelung eines seiner 


” Geogn. Vers. Lag. Geb. S. 8. 

7 Der jüngste Granit in Karlsbad, wie der in Weinböhla zeigt sich 
hie und da als Schrift-Granit. Die Erfüllung seines Feldspaths mit 
Quarz scheint bestimmte Hemmungen vorauszusetzen, und errinnert 
z. B. an die Hornblende-Krystalle mancher körnigen Kalke, welche 
köruigen Kalk einschliessen, der wieder Hornblende führt. Der 
älteste Heidelberger Granit, wie der Karlsbader u. s. w. zeich- 
net sich durch besondere Feldspath-Krystalle aus. (v. LeonHArD.) 
Der Schrift- Granit unterhalb des Neubronns in Karlsbad dürfte 
dem, der die sog. Feldspath-Gänge dort bildet, sehr nahe stehen. 
Ich errinnere mich nie etwas von einem sog. geschichteten 
Schrift-Granit gelesen zu haben. Gesehen habe ich keinen. 


— AR — 


Gemengtheile bedingt, so dass er zugleich‘ fremdartige' und 
solche Bestandtheile in sich enthalten könnte,: welche ‘.die 
Unterdrückung eines seiner wesentlichen ‚Bestandtheile 'er- 
gänzen oder ausgleichen würden. Die Feinkörnigkeit und 
Grobkörnigkeit ist mehr eine quantitative, als eine qualita- 
tive Verschiedenheit, minder durch das: Alter, als durch 
das Verhältniss während der Bildung bedingt. 
Daher ist derselbe Granit in Einem Stücke: grob und fein- 
körnig, und diese Verschiedenheit hängt vorzüglich von der 
Art seiner Erkaltung ab, so dass der in der Tiefe ‚grob- 
körnige Granit auf seinen Höhen hie und‘ da das’ feinste 
Korn zeigt*). Nur das qualitativ, nieht das quantita- 
tiv Feinere kann über ein jüngeres Alter ent- 
scheiden, ‘und auch: dieses steht in der engsten Verbin- 
dung mit der Lagerungsbeziehung, mit der’ Stelle, 
‚die ‘eine Felsart in der allgemeinen Reihe der Gebilde ein- 
nimmt:**). .Was bloss auf der äusseren Haltung  (habitus) 
beruht, kann überall und immer täuschen *"*). 

Etwas sicherer als die Grösse des Korns, weil sie 
nichts entscheidet, könnte die Gleichförmigkeit der 
Mengung der Bestandtheile für das Alter einer plu- 
tonischen Felsart sprechen. Aber bei ihr allein bleibt man 
auch verlassen. Nach v. Humsouorr) neigt sieh z.B. die 


*) Auf der. Oberfläche wird der im Inneren grosskörnige Granit oft, 
aber nicht immer, feinkörnig. . Grosskörnige Granite enthalten 
in ihrem Inneren hin und wieder znsammengedrängte Glimmer- 
reiche Massen von feinem Korne. Vgl.,v. Humzorpr.a. O. S. 112. 
In den Cordilleren hielt v. Humsoror einen kleinkörnigen Granit 
mit weissem und gelblichweissem Feldspath für. den ältesten. Geogn. 
v. S. 71. und 79., dessen Relat. hist. d. voyag. aux reg, Vol. 1. 
100, 299. 207. Welche Bedeutung die krystallinische Aus- 
bildung für das Alter habe, ist schwer bis ins Einzelne zu ver- 
folgen: In den Drusenräumen eines Irländischen Grauit’s hat die Kry- 
stallisation alle Bestandtheile ergriffen. Auch im Schwarzwald und an- 
derwärts kommen solche Erscheinungen vor, an jüngeren (?) Graniten, 

w») L, v. Buc# über den Begriff einer Gebirgsart im Magazin der Ge- 

° sellschaft naturf. Freunde zu Berlin. Jahrgang 1810. S. 128—133, 

*=#) y, HumsoLpr geogn, V. S, 7. f. 

» Geogn. Vers. S. 71. 


’ 


— UBEI -— 


Struktur des Granits in Hochgebirgen, durch Häufigkelt und 
Gleichmässigkeit der Glimmerblättchen öfters zur Blätter- 
Textur, während sie in den Ebenen mehr gleichartig kör- 
niges Gefüge zeigt: eine Bemerkung, die ganz dem ent- 
spricht, was wir oben von den Übergängen des Granits in 
"Gneiss und von seinem Alter im Allgemeinen gesagt, und 
sich daher mit der Ansicht,‘ die von Humsorpr‘ über das 
Alter scheinbar geschichteter Granite geäussert, nieht wohl 
verträgt. Ebenso zeigen höhere Regionen nicht bloss fein- 
körnigeren, sondern auch gleichförmiger gemengten Granit, 
wo er in der Tiefe grobkörniger und, wie man sich aus- 
drückt, Porphyr-artiger auftritt *). Hier ise indess die 
Gleichheit des Alters nicht überall bewiesen, obwohl die 
Stadien der Erkaltung überall mächtig auf die Ausbildung 
seiner krystallisirenden Masse einwirken. Denn die 
neuere Chemie, besonders Mırscnh£rLich, hat nachgewiesen, 
dass der Krystallisations-Akt, dem Vulkanismus kei- 
neswegs fremd, aus Feuer-flüssigen Erdarten deutlich her- 
vortritt. 

Was die eingebackenen Stücke betrifft, so er- 
hellt, dass gar wohl der älteste Granit Stücke von Gneiss 
eingebacken haben kann, wenn der älteste Gneiss älter ist, 
als jeder Granit. Hat aber der Granit Stücke jüngerer 
Felsarten in sich eingeschlossen, so ist ausser Zweifel, dass 
er jünger ist, als diese. — Denn es würde der ganze Über- 
muth eines sogenannten Naturphilosophen erfordert, um 
etwa anzunehmen, diese Stücke seyen objektive Prophe- 
zeihungen einer Bildung, die da kommen sollte. — Bevor- 
wortungen späterer Bildungen kündigen sich allerdings in 
älteren Felsarten an. Die thonige und kieselige Reihe der 
Flötzzeit ist schon im Gneiss, die kalkige, wie sich wei- 
ter unten zeigen wird, vielleicht im alten Meere bevorwor- 
tet. Alle Momente des Gneisses legen sich in der Folge- 
zeit, wie GöTuE sagte, auseinander, aber ein eingebackenes 


*) v. Horr. Karlsbad S. 8. f. 
Jahrgang 1834, 18 


— 0 N 


Stück ist und bleibt eine Reliquie der- Vergangenheit. — 
Daher kann man auch auf das Alter der Granite 
schliessen, die so gut, als manche Gneisse in uralten 
Trümmergesteinen, in Grauwacken, liegen. Man verfolge 
die Natur dieser Trümmer und die Gebirge, denen sie ur- 
sprünglich vielleicht angehört, und man wird erhebliche 
Aufschlüsse gewinnen. 

Fremdartige Bestandtheile können sich in ur- 
alten Felsarten durch das Spiel chemischer Verwandschaf- 
ten auch sekundär erzeugt haben, wo sie an ihren Gren- 
zen, durch das Feuer-flüssige‘ Aufsteigen einer jüngeren 
Masse, die, mit der durchbrochenen, die Bildungs-Elemente 
derselben enthielt, (d. h. als Kontakt-Produkte), entstanden 
sind. Diess ist bisweilen mit den Granaten, mit dem Pinit 
und Idokras, selbst mit dem 'Turmalin (2) und vielen anderen 
Mineralien, auch, wie v. Leoxuarn gezeigt, mit dem Speck- 
stein der Fall, den man besonders als Urkunde einer jun- 
gen sog. Ur-Gebirgsart betrachtet. Er ist durchaus ein 
vermitteltes (sekundäres) Produkt: selbst wo er ziemlich 
mächtig ist, erscheint er als Erzeugniss des Kontaktes, so 
B. bei Thiersheim ohnweit Wunsiedel“), wo in mitten eines 
mächtigen Glimmerschiefer - Gebirges der körnige Kalk an 
den Grenzen eines Protogyns oder Protogyn-ähnlichen Gra- 
nits Rutsch-Flächen von Speckstein gebildet **), wie er hei 
Auerbach am Gneiss Idokras erzeugt hat. 

Man muss daher mit grosser Vorsicht die Theorie prüfen, 
die alle granitische Gesteine, welehe Hornblende ***), Speck- 


*, Eine Stelle, auf die uns Fr. Fikenscher in Redwitz ausdrücklich 
hingewiesen. 

*) Der Speckstein muss daher schon in grösseren Tiefen während. 
des Emporsteigens entstanden seyn, selbst dann, wenn jenes Pro- 
togyn-artige Gestein statt von Kalk gepakt worden zu seyn, in 
diesem selbst als jüngeres Gebilde aufgestiegen wäre. 

“r) Mornblende ‘tritt im Ganzen mehr in älteren, Augit mehr in 
jüngeren plutonisehen Gesteinen auf. Jene fordert nach Rose eine 
langsame, dieser eine schnelle Abkühlung. Daraus erklärt. 


re: =. 


stein, Granaten, Epidot, Strahlstein, Zinnerz und Eisenglim- 
mer statt des Glimmers, führen, für jünger erklärt, als die, 
denen sowohl diese Bestandtheile und Einsprengungen , als 
jene feinkörnigen und glimmerreichen Nester’ fehlen, welche 
nach v. Humsoror *) von gleichartiger Entstehung und der 
Hauptmasse gleichsam eingebacken sind **), 

Wo solche Bestandtheile nur an den Grenzen, nicht 
tief im Innern des sog, Ur-Gesteins ***), oder nur in schma- 
len Gängen sich finden, hat man in den meisten derselben 
Kontaktprodukte beim Aufsteigen jüngerer Massen zu er- 
warten, wenn sie gleich in der älteren, die sie berührt, so 
gut, als in letzteren sich entwickelt haben }). 

Man sieht hieraus den untergeordneten und bedingten 
Werth aller einzelnen Merkmale des Alters, die der 


sich vielleicht dieser Unterschied ihres Alters im 
Allgemeinen. — Die jüugeren Felsarten finden schon in grös- 
seren Tiefen, durch die sie emporsteigen, kältere Massen, ganz 
analog der vorhergehenden Entwickelung, 

*) Geogn, Vers. S. 72. 

*) Letztere trifft man z. B. in dem alten Granit der Lowisenburg im 
Fichtelgebirge, so dass sie beim ersten Anblick das Ansehen kleiner, 
dureh die ursprüngliche Hitze des sie umschliessenden Gesteins ver- 
änderter Glimmerschiefer-Trümmer haben, was sie keineswegs sind, 

En Wo z. B. die Granaten im Granit uud Gneiss mehr als blosse Kontakt: 
produkte sind (254, Anmerk,), da könnte sich vielleicht durch die 
ruhigere Ausbildung des letzteren die durch v. Leonurd schon vor 
"Jahren entdeckte Thatsache erklären, dass die Kernform des Gra- 
nates, das Rautendodekaeder, nie im Granit, aber immer im Gneiss, 
im Granit dagegen nur das Trapezoeder vorkommt? — Doch wir 
müssen sparsam seyn mit vereinzelnden Andeutungen und unz 


u- 
länglichen Folgerungen und mit der Bemerkung schliessen, 


dass 
nur in Granit-artigem Gneiss, wie an dem Oulmer Berge in Böhmen, 


Granaten in Trapezoedern vorkommen. Diese Gestalt entspricht 
der gestörteren Form des Gmneisses. Sie bestätigt unsere Ansicht. 

D Grundbestandtheile der älteren Felsart durchdringen öfters das 
ganze eingedrungene Gestein, wo es, wie z. B. der Quarz bei 
Wiesbaden, in schmalen Adern sich verliert. Der Quarz ist da 
chloritisch durch das chloritische Schiefergestein , das er durch- 
setzt. ‘S. meine Bemerkungen in v, Leonnarv’s und Bronw’s N. 
Jahrb. etc. 1833. H. 4. S, 416). 


18 * 


u). — 


chemische oder mineralische Bestand gibt *), wenn 
man die geognostischen Merkmale der Felsarten nicht 
verfolgt. Diese, nicht z. B. der Zirkon, der statt des @uar- 
zes auftritt, lassen über das jugendliche Alter des grobkör- 
nigen Gesteins von Christiania urtheilen, das von Vielen für 
die schönste aller sog. Ur-Gebirgsarten erklärt wurde. 
Aber die nähere Betrachtung dieser Felsart würde uns auf 
das Gebiet des Zirkon-Syenits, überhaupt des Syenits füh- 
ren, der allerdings, wie z. B. bei Weinböhla, oft älter ist, 
als mancher Granit, da er von diesem bisweilen durchsetzt 
wird, während er an vielen Stellen Spuren jüngeren Alters, 
als andere Granite, trägt. 

Wer kann daher verlangen, das A der Granite 
durch einseitige Merkmale zu bestimmen? Und der Kom- 
plexus aller Merkmale, der allein entscheiden könnte "*), 
ist so lange nur durch Vermuthungen zu verfolgen, bis man 
das Alter verschiedener Granite Eines Gebietes an vielen 
Punkten der Erde unter den verschiedenartigsten Verhält- 
nissen mit vollständiger Zuverlässigkeit bestimmt hat. Diess 
ist aber bis jetzt vielleicht nur auf Einem Punkte — der 
Erde geschehen. Denn andere, z. B. Maccurroch’'s gewicht- 
volle Untersuchungen auf 7yree, einer der westlichen In- 
seln Schoiltlands, deren Gneiss-Gebirge wohl von zwei Gra- 
nit-Formationen durchsetzt wird, sind bald durch Mangel 
an oryktognostischer Sicherheit, bald durch andere Mängel, 
meist dadurch, dass die sprechendsten Stellen nicht aufge- 
schlossen waren, bei weitem nicht erschöpft. Wir meinen 


*) v. HumsoLot, Geogn. Vers. S. 196. 

**) Bisweilen spricht schon die Verbindung einzelner Merkmale (— wenn 
die Lagerungs-Verhältnisse dafür entscheiden) sehr deutlich, z. B. 
der Albit-führende Granit, der reich an Turmalin ist, zu 
Chesterfield in Massachusets scheint ziemlich jugendlich, und zeigt 
(unseres Wissens) keine Lagenweise Absonderung. Der Turma- 
lin- führende Granit scheint zwar ziemlich alt, keineswegs aber 
der älteste zu seyn. Iu Heidelberg tritt der Turmalin im ersten 
Gang-Granit, nirgends im älteren Gebirgs - Granit auf. Erscheint 
er da vielleicht als Produkt des Kontaktes ? 


Zu 


v. Leoxuarv’s Entdeckungen in dem Granit - Gebirge von, 
Heidelberg, die jeden Zweifel nicht nur an der ohnediess 
entschiedenen Pyrogeneität der Granite, sondern auch an 
ihrer velativen Altersfolge in diesem Gebiete niederschlagen. 
Sie eben sprechen vor Allem für unsere Ansicht. Denn 
wäre auch der älteste der Zeidelberger Granite, den der 
Naturforscher, der ihn enträthselt hat, Gebirgs - Granit 
nannte, nicht der älteste von allen — immer gehört er 
nachweissbar zu den sehr alten, und sein inneres Gefüge 
verräth grosse Ähnlichkeit mit dem ältesten Karlsbader 
Granit, und mit dem Fichtelbergischen, der an den oben be- 
zeichneten Stellen nicht bloss Polster-förmige und  schalige, 
sondern lagenweise, dem Schieferigen hie und da nahe kom- 
mende Absonderungen angenommen. Wenn daher der in 
Heidelberg gleichwohl keine solchen Absonderungen zeigt, 
so: spricht er in dieser Zusa mmenstellung dennoch 
mehr für, als gegen die Vermuthung, dass in Bezie hung 
auf Gehaltund Form, — mithin auf sein gan- 
zes, durch seine Genese bedingtes Wesen, — im 
Allgemeinen derjenige Granit der älteste seyn 
dürfte, dessen Bestandtheile noch die einfachste 
Differenz, die gleichförmigste Vertheilung und 
dessen Struktur die ruhigste Bildungsweise 
verräth, Eben diese Vermuthung fanden wir oben — 
um auf das andere Extrem zu blicken! — in den Brüchen 
von Hohnstein oder Hohenstein, Weinböhla und Zscheda in 
Sachsen auch an dem jüngsten Granit bestätigt. Keiner 
dieser Granite, die beiden letzteren offenbar Einer Formation 
angehörig, zeigen Spuren lagenweiser Absonderung. (8. 265.) 
Sie sind, wohl mit Einschluss der Granite, die Graf Marzarı 
Pencarı im südlichen Tyrol schon im Jahre 1806 entdeckt 
hat‘*), jünger, als Kreide, so dass sie ihrerseits die erson- 


*) Murzarı Pencarı Cenni geologici. S. 21 und 45. Vgl. BreısLar 
sulla yenitura di alcune rocce porphyritiche e granilose. a. 1821. 
S. 22—35. Dessen v. Stromseer’s übersetzte Geolog. Ferner Mar- 
zarı in Nuovo wsservatore Weneziano. 1820. Nro. 113. 127. und 


ee = 


nene, nur in Theorieen existirende Lücke zwischen der 
E eo. oe es . ETVRNE rt 

sekundären und tertiären Zeit erfüllen, und die Katastrophe 

mitbedingen, in der Erir oz Braumont jene Haupt-Erhe- 


bung im Pyrenäen-System sucht, die er mit Hebungen söge- 


nannter Ur-Gebirge in der Gegend von as, und des 
Harzes gleichzeitig setzt ®). 

Diese Granite Sachsens und der Gebirgs- Granit von 
Heidelberg bilden bis jetzt die Extreme unserer ent- 
schiedenen Erkenntnisse vom Alter der Granite. Wird 
man diese Extreme auch an andern Orten” verfolgen, so 
wird man nicht bloss über ihre Mitte, sondein selbst über 
das Verhältniss der Granite zu den Gneissen und 
Glimmerschiefern urtheilen können. | 

Bis dahin kann Niemand auf rein. empirischem Wege 
eine Entscheidung fordern, ob’ unsere ältesten 
Gneisse dieser Ur-Periode a . 30 viel nn 


dessen lettere al Signor Cördier.' 1822. S.'3.” Wir’ führen diese 
letztere, uns ‘unbekannte, Stelle »nach; v.. HumzoLpr’s, geogn, 
V. 8. 265. an. (LeoroLp v. Bucr’s Einwendungen scheinen ‚uns 
zu kühn), ; 
*) Vgl. z. B. 1833. VI. S. 664 und Jenaische. Lit. Zeit. Okt. 1819. 8. 86; 
'#=#) Wo Thatsachen fehlen, sprechen blosse Analogieen: sieiigeben' keine 
‚ Entscheidung, wenn sie nicht-vollstän düg; durchzuführen sind, 
Bildet z. B. der Gneiss eine wahre Mitte zwischen Glämmerschie- 
fer und Granit, so wird man im Ganzen "die beiden letzteren, 
wenigstens wuter sich, für gleich alt halten ‘müssen. Entsprächen 
‚sich: Gneiss und 'Glimmerschiefer . (— ‚in welchem. der. Feldspath) 
wie Granit und Syenit (— in welchem der Quarz zurück tritt), 
so würde man im Ganzen den Syenit nicht für jünger erklären kön- 
nen, als den Glimmerschiefer, wenn man den 'Gränit für eben so 
alt erklärte als den Gmneis. Wollte. man diesen: Satz von ‚den ‚äl- 
testen dieser Gesteine fest behaupten, so: würden unsere ältesten 
Granite mit den ältesten Gneissen , unsere ältesten Glimmerschie- 
fer mit den ältesten Syeniten die’ Urgrunäfeste unserer Länder 
bilden. Findet man’'auf der anderen. Seite -im Gneiss'allein’die 
einfachste und allseitigste Felsart, so würde er allein «die ursprüng- 
liche Felsart seyn. (8. 254.) Allen andern; Usgebilden; würden bald 
andere, neptunische Felsarten zur Seite. treten,“während, statt 
dieser, neben ‘dem Gneiss nichts ‚als: das.-inhaltvolle «alte Meer 
angenommen würde. — Entscheide,.wer.es kann! Man 


- 115 — 


indess, dass die ältesten Gneisse nach ihren Lage- 
rungs-Verhältnissen, wie nach ihrer einfachen 
inneren und äusseren Struktur unterallen uns 
aufgeschlossenen Felsarten diejenige sind, 
die man um so mehr als Resultat der ersten Schei- 
dung des; Festen, Flüssigen und der Atmo- 
sphäre betrachten dürfte, je gewisser einzelne Trümmer 
derselben. — wie ‘auch der Granite — in uralten normalen 
Felsarten eingeschlossen sind, und je gewisser sie in uner- 
gründete, Tiefen der Erde hinabreichen. Denn wir sahen 
uns (8.1173.) zur Annahme berechtigt, dass in grösseren Tiefen 
die.Bestandtheile der Erde noch dieselben sind, und 
dass sich der Stand der Wasser (8. 182.) seit der Urzeit 
zwar der Ausdehnung, wie der Art nach verändert, dass er aber 
am Umfang; verloren, nur an Tiefe und Reinheit gewonnen. 
Niemand, wird ferner alle Reste der ältesten Landbildung 
für‘ jetzt untermeerisch halten, der sich einigermassen über 
die, Bildung und Vertheilung der Länder auf der: Erd-Ober- 
fläche verständigt hat*). Sind demnach die Gneisse der 
bisher ‚entdeckten tiefsten Tiefen dieselben, welche an eini» 
gen'Stellen ‚noch zu Tage ausgehen, so dürften wir in ihnen 


bewegt sich da in einem Formalismus, den.man leicht weiter fort- 
spielen könnte, — z. B. durch Beachtung der Bove’schen Bemerkung, 
‚nach welcher im Gneiss der Quarz öfter als die andern Bestandtheile 
zurücktreten sollete. Vollständig durchgeführte Erfahrungen, 
die,an die Stelle formeller Versuche treten könnten, sind im Ge- 
biet der Urgebirge bis heute nur Wünsche. — Daher kommt man 
heute mit solchen Parallelen weder auf dem Wege der mineralo- 
gischen, noch auf dem der geognostischen Charakteristik der Fels- 
ärten zum Ziel, wohl aber dem Ziel ‘allmählich. näher. Selbst der 
fernste Wink zu diesem verdient Beachtung so lange, bis er über: 
flüssig geworden. 

*) Die Thatsache, dass wir Reste von Pflanzen und Thieren in den 
Kohlen-Gebilden der Englischen Küste und bei VWalenciennes 600 
bis 900 Fuss tief unter dem Meere finden, spricht so we- 
nig gegen diese Bemerkung, als die Thatsache, dass Arex. von 
Humsoror Knochen von Landthieren in Amerika 8000 F. über dem 
Meeresspiegel traf und dass andere in Asien solche Reste sogar 
16,000 F. hoch annehmen, für sie spricht. 


a - 


einen Theil der Ur-Grundlage unserer Erdfeste 
erkennen. — Man mag den späteren Epochen noch‘ so 
grosse, zerstörende und umbildende Wirkungen zuschreiben, 
in ihrer Tiefe können sie nicht ohnmächtiger, als auf ihrer 
Oberfläche — auf ältere Felsarten gewirkt haben, weil die 
gewaltigsten Stürme der Erde alle von der Tiefe ausgehen. 
Daher würde man auch junge plutonische Gebilde bis in 
ähnliche Tiefen verfolgen, nie aber annehmen können, die 
späteren Erdrevolutionen hätten bloss die äusserste Ober- 
fläche der Erde zerrissen. Dass aber die Tiefe der Erd- 
rinde, bis zu der wir unsere Gneisse getroffen, so durch: 
aus verändert worden, dass von ihrem ersten Bestande 
auch keine Spur mehr zu finden wäre, wer möchte dieses 
behaupten ? 

Will man sich die erste Bildung des Festen ganz ein- 
fach, doch allseitig denken, so hätte man im Gneiss'und 
im alten Meere die Grundlagen der doppelten Ober- 
fläche. Glaubt man sich, vielleicht durch das’ Alter neptu- 
nischer Gebilde, befugt, schon von diesem Anfang bestimm- 
tere Differenzen zu erwarten, so bleiben nur glimmerschie- 
ferige und granitische Gebilde übrig. Beide ‘wären dann 
entweder in einer späteren Epoche dieser Periode, indem 
sich die ganze Erde weiter fortgebildet., oder gleichzeitig 
mit jenem hervorgetreten. Im ersteren Fall könnte diese 
Epoche den Anfang der zweiten Periode, wie das 
Ende der ersten bilden. Im anderen Fall aber kann 
man diese Differenz wenigstens nicht leicht auf die Natur 
unserer Erdtheile gründen, deren Eigenthümlichkeit kein 
gleichgültiges, aber ein höheres Moment ist, als dass sie von 
jener hypothetischen Differenz abhängen könnte. Allgemei- 
ne, sich entsprechende Felsarten bildet die Natur unter al- 
len Himmelsstrichen sehr gleichartig aus, nur wenige ein- 
zelne, meist jüngere *), sehr einfache und individuelle Mi- 


*) Einzelne Spielarten alter Mineral-Gattungen machen charakte- 
ristische Ausnahmen von untergeordueter Bedeutung. In Eu- 


— ER — 


neralien, namentlich solche, die die Technik der Menschen 
als Edelsteine liebt, zeigen in verschiedenen Erdtheilen sehr 
ungleiche Reinheit etc. 

Mit dem Gneiss ‘würde der Glimmerschiefer, mit dem 
Granit der Syenit, alle mit einander, nämlich die ältesten 
derselben, in Einer Periode gebildet worden seyn. Finden 
wir bei dieser Annahme eine höhere Befriedigung,, als bei 
jener, oder ist sie geeignet, auf dem heutigen Standpunkt 
der Beobachtung noch mehr zu verwirren! Diess würde 
sie nicht, wüsten wir die ältesten dieser Gebilde immer 
von den jüngeren zu unterscheiden ! Indess haben die Spuren 
von Übergängen des Thonschiefers, der keines Falls ein Urge- 
bilde im aufgestellten Sinne dieses Wortes seyn kann, in Glim- 
merschiefer, wie z. B. bei Chur, noch immer etwas ebenso 
Zweideutiges, als die angeblichen Übergänge des Thonschie- 
fers in das talkige und chloritische Schiefergestein des Tau- 
nus, wie lehrreich auch Kererstein’s und Anderer Bemer- 
kungen über jene, und Stirrr's: ete. über diese seyn mögen. 


ropas sind z. B. die Tur mailin,e meist schwarz, im Nord - Ame- 
rika meist grün und roth. Doch kommen grüne auch auf Elba und in 
der Schweiz, wie in Brasilien, und rothe in Mähren und in Sibe- 
rien, blaue in Schweden etc. vor. Vgl. Reıuarp Brum’s Taschb. 
der Edelstein-Kunde $. 27. Weit entscheidender sind die Eigen- 
thümlichkeiten der Pflanzen- und Thierwelt verschiedener Erdtheile, 
als die ihrer Mineralien, ferner ihre klimatischen Verhältnisse, ihre 
Stellung zum Meere und zu einander, die von der Natur ihrer 
Gesteine unabhängig ist. Das vereinzelte Auftreten eigenthüm- 
licher Felsarten, z.B. des Pyromerid’s (kugeligen Granits, Por- 
phyre Napoleon) und des Kugel-Diorits auf Kursika oder 
des Topasfels (eines vielleicht granitischen durch Berührung 
eines Anderen veränderten Gesteins) am Schneckenstein bei Auer- 
bach im Sächsischen Voigtlande sind höchst bedeutende, doch im- 
mer nur lokale, keine solche Ercheinungen, die einen. Welt- 
theil charakterisirten. Bedeutender wäre noch der Mangel 
ganzer Formationen (z. B. des Muschelkalks in England). Aber 
auch dieser Mangel trifft nie ganze Welttheile, und ob er auffallend 
in einigen herrsche, in anderen eben so auflallend ‚verschwinde, 
gehört zu den Zweifeln, bei welchen ein allverehrter Geognost 
sagen würde: „Frage mich das nicht: ich weiss es nicht!“ Nur bei 
wenigen Gesteinen lässt sich darüber heute schon etwas sagen. 


— 73 — 


Sie sprechen hicht von bloss eingebackenen, durch das um- 
schliessende Gestein veränderten Stücken. 
Der wahre Thonschiefer setzt eine neptinische Um- 
wandelung des älteren Glimmerschiefers voraus. Gehörte 
nun der Feldspath-reichere, dem Thonschiefer ähnlichere 
Glimmerschiefer, wie z. B. der bei Tharand — zu den äl- 
testen Glimmerschiefern, so würde jene Auflösung von Glim- 
merschiefer in Thonschiefer offenbar eine Art Rückkehr in 
seinen Ursprung seyn, jedoch nur eine halbe. Denn der 
wahre Glimmesschiefer ist plutonischen Ursprungs und die 
Masse, aus derer in der Tiefe gebildet wurde, könnte wohl 
eine sehr thonerd ige, nie aber Thonschiefer gewesen 
seyn. Enthält nun gleich der letztere chemisch 'alle Be- 
'standtheile des ersteren, so‘ ist eine Umwandelung desselben 
in Glimmerschiefer durch 'vulkanische Einwirkungen, weil 
diese auf der Erdoberfläche hätte vor sich gehen’ müssen, 
doch nur in wenigen Fällen und’ nur so weit denkbar, so 
weit die Mächtigkeit der 'Lage nicht widerstreitet. Ein 
solcher Glimmerschiefer wäre keines Falls der älteste. Der 
älteste, vielleicht am meisten zerstörte, bliebe 
eher der an sich thonreichere, der stellenweise, 
wie. z. B. der angeführte Tharander, mit dem Thonschiefer 
fast verwechselt werden könite, zumal wo dieser ‘gleich in 
der Nähe auftritt. — Auf einem ähnlichen Schein - Grunde 
dürfte vielleicht ‚die gewöhnliche Ansicht beruhen, welche 
jenes räthselhafte Schiefergestein bei Wiesbaden auf rein 
neptunischem Wege entstehen lassen will. Denn ausserdem 
zeigt es Spuren plutonischer Abkunft. Talk- und Glimmer- 
Schiefer gehen in einander über, sind oft dieselbe Formationen 
wie z. B. die Trümmer von beiden zeigen, die der kör- 
nige Kalk von Wunsiedel einschliesst. 
Blicken wir auf die ältesten Gebilde, so bleibt als Haupt- 
sache die Wahrscheinlichkeit, dass nach der ‘ersten Schei- 
dung des Festen und Flüssigen die Natur nicht lange ge- 
ruht, sondern. sogleich bestimmtere Ausbildungen durchge- 
setzt, dass sie bald darauf immer neue Massen ausgestossen, 


andere: niedergeschlagen *), und nicht viel'später sehr ent- 
gege ngesetzte @ebilde, einerseits Quarzgänge**), 
andererseits körnige Kalke u. s. w.' in'den Schooss äl- 
tere Pelsgebilde emporgetrieben, diese von unten ans 'durch- 
sehüttert,’wie von" oben verändert habe. 

Von jeher liebte die Natur 'eine Vereinigung‘ entgegen- 
gesetzter Momente und gefiel‘ sich in gleichzeitigen: Bildun- 
gen solcher "Massen und Formen ‚’ die‘ sich gegenseitig’ er- 
gänzen, so jedoch, ‘dass’ dieses immer unter dem allgemeinen 
Charakter einer bestimmten Periode oder Eyrwohlid ge- 
sehah, deren Typus wieder durch den Typus anderer Perio- 
den und Epochen ergänzt wurde.” Denu diese gros- 
sen Zü ge der Erdawsbildung’machen Ein Gan- 
zes, Ein System; in welchem jedes Glied’ nach Maas- 
gabe seiner' Bedeutung einen ‘bestimmten Mikrokosmus dar- 
stellt, ‘den ’die Natur’ erhält, so’ lange sie’ sich in ihrer Selbst- 


IE OBEN? 5% a } 3 Bi 


a Da die ältesten Thonschiefer zu den ersten neptunfschen Gebilden 
‘ der Erde 'gellören, und das Daseyn von Glimmerschiefern 
| voraussetzen; so: dürften letztere schon z usden äktestem (plu- 
‚tonischen), Felsar ten. gehören —; es bleibt dabei unentschieden, 

ob zur ersten, oder zur zweiten Epoche der wahren Urzeit? _ 
Da das alte‘ "Meer wohl an Inhalt reicher , an Tiefe aber unmäch- 
AL timeht war lalsiidas)' ‚spätere, ' so lässt sich micht!wohh'annehmen, 
‚ dass, die ‚ältesten .Glimmersthieier, glei e.h., ‚nach, ihrer ‚ Eut- 
.stehung in Thonschiefer umgebildet wurden, wo die ältesten Thon- 
schiefer schr mächtige Schichten bilden. 
*) Die Dyrogenetische‘ Natur eines solchen Auirzsängtg glaube ich 
"om v2) Leonmurp’ssänd Bronn’s Neuem Jahrbuch ete, 1833. Hft. 4, 
Io: 184412—417., bewiesen zu ‚haben, ‚Sie wäre leicht dureh. neue Beob- 
‚achtungen — z. B. durch ‚die, Angabe zu unterstützen, dass, Quarz- 
gänge unweit Badenweiler, die dureh Glimmerschiefer setzen, ein- 
gebakene '(?) Bruchstücke won’ letzteren enthalten ‘sollen, Statt 
 sdessemyrhemerken) wir, dass. uns ‚solche, Quarzgäng® oft unmittel- 
bar nach der Bildung mancher alten Felsarten, z. B. der Gneisse 
(vielleicht der ineeren®)} die sie durchsetzen, aufgestiegen zu 
seyn scheinen, wie z. B. bei Mariaschein unweit Töplitz, wo die 
Gneisslagen ganz den Windungen der schmalen Quarzgänge fol- 
‚Ben, deren \Hlitze, feinen. schen ganz. fest ‚gewordenen ‚Gneiss un- 
möglich se ;weit, hätte erweicken können. «(S. 300.) 


._ 


En — 


entwickelung seiner 'erfreuen kann. So im. Grossen wie, im 
Kleinen, im unorganischen wie im organischen ‚Leben., . Die 
erste Entwickelung muss aber nothwendig als: die einfachste. 
gedacht werden.: Die erste allgemeinste. Differenz, 
wären demnach die Gneisse und das alte Meer unter der 
ersten Atmosphäre der Erde. ' 

Betrachten wir : die ursprüngliche Physiognonie, der, 
Erde, so erhellt, dass wir uns nie eine reine Ebene auf, 
der: Festrinde der Erde denken werden. Selbst ‚vor. .der, 
Ausbildung eines bestimmten Festen ist eine ‚solche Ebene 
noch undenkbarer, als eine mathematisch gerade Linie *) in 
der Natur. Vollends war. die erste Scheidung des. Festen, 
und Flüssigen schon die erste Entstehung der Gebirge. ‘Ohne 
allgemeines Becken kein Wasser! Erst mit und nach dieser Schei-, 
dung tritt der Gegensatz neptunischer und vulkanischer Bil-, 
dungen in zunehmeuder und ab- und zunehmender. Schärfe, 
auf, so dass massige und geschichtete Gebilde oft 
mit einander, oft plötzlich nach einander entstanden. 

Diese weitere Entwickelung. der Erdoberfläche, war 
eine Erhebung neuer fester Massen, die aufsteigend die äl- 
teren verschoben , durchbrochen , zerrissen, trümmerweise 
festgebacken,, ganze Schichtenreihen seitwärts gedrängt, an- 
dere völlig zerstört und: die Meere erschüttert haben, Die 
dadurch empörten Fluthen wälzten die Trümmer der’ zer- 
sprengten Gebirge so oder so zusammen, und setzten einen 
Theil ihres eigenen älteren Inhalts mit ab, den ihre Natur aus- 
geschieden, so lange sie in dieser Katastrophe sich selbst 
reiner ausbildete. (8. 285.) Auch die Atmosphäre konnte bei sol- | 
chen Bewegungen nicht theilnahmlos bleiben. Auch ‚sie hat 
ihre Geschichte und nach einem alten Westes ‚das wir. auch 
auf diese Katastrophen anwenden dürfen, mögen‘sich mit 
den Feuern und Brunnen der Tiefe auch die Fenster des 
Himmels geöffnet haben. 


*) Selbst der kleine Bienenstachel, die geradeste bekannte Linie 
in der Natur ist keine mathematisch-gerade Linie. 


—- 1 °— 


So erfolgten, wie man leicht begreift *), Flötzablage- 
rungen auf vulkanische Hebungen. So mussten selbst die 
Wasser mitwirken, den Länderboden zu erweitern, ihr ei- 
genes Reich auf der Erdoberfläche zu begrenzen. 

Was nun diesen Länderboden betrifft, so waren zuerst 
die Insel-artigen Grundlagen unserer heutigen Erdtheile 
vorhanden. Ein Meer umfasste alle, bis neuere Gebirge 
neben und zwischen den älteren sich hoben, und mit den 
Grundlagen der jetzigen drei Meeresbecken, die ersten Bin- 
nen-Meere bildeten. Diess wäre die eigentliche interme- 
diäre und die sekundäre Zeit. In dieser Periode 
könnte man auch den Ursprung der Seen suchen, wenig- 
stens sind diese wohl nicht so alt, als die ersten Hebun- 
gen, vielleicht aber so alt als bestimmte submarinische Flüsse 
und als die ersten Landflüsse. 

Denn ehe das Land ausgedehnte Seen halten konnte, 
musste es schon eine ziemlich umfassende Bedeutung ge- 
wonnen haben. Diese Bedeutung gab ihm die Kraft, aus 
seinen offenen und aus seinen meerbedeckten Tiefen mäch- 
tige Quellen zu entsenden. Selbst das Extrem des 
Flüssigen, das Meer, ist, wie die ganze Erde, 
vulkanisch begeistet: Daher seine alte Temperatur, 
sein Salzgehalt, seine schichtenbildende Kraft. Ebenso of- 


*) Ich brauche hier nicht einmal an die Vergleichuug zu errinnern, 
die ich einigen Bemerkungen über den Pechsteinkopf in Rheinbaiern 
und sein Verbältniss zum System der Gebirge, die das dortige 
Becken des Rheines bilden, gewählt habe: die Rezen-Ergüsse, die 
ölters xach wulkanischen Ausbrüchen fallen, überhaupt der nach- 
gewiesene Zusammenhang vieler vulkanischen Phänomene mit Re- 
genstürmen, mit meteorischen Erscheinungen, mit ungewöhnlichem 
Empordringen der Wasser aus der Tiefe (1824), nicht bloss mit 
Verschwinden der Quellen. Ziehen wir die alte Temperatur der 
Erdoberfläche, wie wir müssen, in diese Betrachtung, so sprechen 
noch zahliose Analogieen für diese Ansicht (zum Theil selbst die 
oben erwähnte Thatsache, dass cs in warmen Klimaten zwar sel 
tener, doch mächtiger regnet, als in kälteren ete). Genug: je- 
des gründliche Lehrbuch der Meteorologie bietet eine Reihe spre- 
ehender Thatsachen zur Vergleichung. 


— MB — 


fenbart sich in dem Extreme des Festen, in den. Gebirgen, 
da, wo sich Felsarten von verschiedener Masse und. Struk-. 
tur begrenzen, das neptunische Moment in ‘der: quellbilden- 
den Kraft, welche Flüsse und Seen hier erzeugt, dort nährt 
und deren tiefstes, vielleicht galvanisch-vulkanisches %) (we- 
nigstens vulkanisches) Prinzip in der Schöpfung: ‚minerali- 
scher Quellen: und ächter Thermen -durch seine Wirkungen 
selbst dem Zweifler die Augen aufschliesst **). 

Mit der Entstehung von bestimmten Festlanden, ‚Mee- 
ren und Seen ist demnach das Daseyn  flussbildender 
Landquellen, wohl von abweichender ‚Temperatur, entschie- 
den. Die jetzige Temperatur der: &uellen scheint. indess, 


zum grössten Theil, nicht älter zu seyn, als die diluvische 


5 
Katastropke, der die meisten unserer ‚heutigen‘ Flüsse, 
wenn man auch De Lvc’s und Anderer Bereehnungen be- 
zweifelt, angehören dürften. Denn die Hauptrichtung die- 
ser Flüsse kann nicht älter seyn, als die letzte Hebung 
der Gebirge, deren @ueerthäler sie. durchschneiden, und 
diese Hebung scheint an mehreren Stellen, als. Viele ‚glau- 
ben, jener Katastrophe zugeschrieben: werden zu müssen. 
Man hat wohl die Scheidung innerer und 'äusserer 
Meere zu spät gesetzt, wenn man sie erst durch die Erhö- 
hung: des Fertiärbodens entstehen liess, dem man, wenn 
das Diluvium von ihm, wie es muss, getrennt wird, auch 
darin zu viel zumuthet, wenn man ihm zugleich die Bil- 
dung der Grenzen beimisst, inner welchen sich die Meere 
jetzt bewegen *"*). Diese Grenzen-Bildung scheint uns 
erst die Diluvial-Katastrophe, die die tertiäre beendet, und. 
die heutige Zeit beginnt; jene Scheidung innerer und äus- 


>) Vgl. v. Horr über Karlsbad. 1825. S. 81. 

=») Thermen mögen so alt seyn, als Gebirge, wenn kühlere Quellen 
eben so alt sind, obwohl letztere noch mehr als erstere über- 
all ein näheres de ferneres Zusammentreffen verschiedener Fels- 
gebilde, oft nur Einer Art, voraussetzen. 

=) Vgl. Martens Neueste Weltkunde Jahrg. 1832. Th. xN. ‚S. 188. 
MuarceELL DE Serrss Revue encyclopedique 1832. Juillet, 


— 2853 — 


serer Meere schon die sekundäre (wenigstens die jüngere 
sekundäre) Zeit theilweise bewirkt zu haben. Letztere 
schliesst mit einer grossen kalkigen Absetzung, mit der 
Kreide-Bildung, deren, Ende schon der Anfang der tertiären 
Zeit ist, Dieses Ende oder dieser Anfang dürfte, so weit 
5 5) 
man ihm *) die Bildung von Süsswasser-Seen zuschreiben 
muss, die jetzige Natur des Salzgehaltes im Meere 
vorzüglich mit entschieden haben. Denn die Erdrinde dul- 
det, als die Region aller Entfaltung ($.168), kein einseitiges Mo- 
ment: Seit es Süsswasser gab, muss es auch Salzwasser 
gegeben haben, die jenen nach dem Verhältnisse der Zeiten 
in demselben Maasse entsprechen, in welchen: das heutige 
Meerwasser dem heutigen Süsswasser entspricht. Die letzte 
allgemeine, die diluvische Umwälzung, hat aber weniger das 
Meer, als das Land betroffen und umgebildet. 
Da aber nicht einmal das Verhältniss, in welchem die 
Siüsswasser und Meerwasser heute zu einander stehen, voll- 
P) 
kommen ermittelt ist, wie will man verlangen, zu sagen 
$) 8 gen, 
wie dieses früher stand® Hypothesen lassen sich leichter 
ersinnen, als Thatsachen bestimmen. Es ist misslich, hier 
zu urtheilen. Wer wird uns sagen, ob die Versteinerungs- 
sen, 8 
Kunde ganz recht thut, wenn sie stillschweigend annimmt 
5 s 5 ’ 
alle antetertiären Gewächse hätten nur von Salzwassern 
und etwa noch von atmosphärischen Dünsten gelebt? Wa- 
rum erfolgt die Trennung gewisser Thierarten in verschie- 
dene Geschlechter erst dann, wenn man weiss, aus welchen 
Schichten sie abstammen, ob aus meerischen oder Süsswas- 
ser-Niederschläge;° So unsicher steht es oft mit der Er- 
kenntniss des Lebens-Elementes längst entschwundener Or- 
8 
garismen. Man weiss wohl, dass es untermeerische Süss- 
wasser-Quellen und Strömungen gibt, aber noch Niemand 
hat die Natur des Wassers der ältesten Flüsse und 
‚Quellen chemisch bemessen und das Maass der Petrefakto- 


*, Schon die ältesten Tertiär-Formationen enthalten Reste von Süss- 
wasser- Organismen. 


— 2834 — 


logie ist noch nicht für alle Fälle gemacht. Aber es ist 
gefährlich, an seiner Autorität zu rütteln.’ (II. S. 184.) 

Nachdem wir indess bemerkt, dass die Geschichte der 
pflanzlichen und thierischen Organismen — so alt, als die 
erste Bildung der Meere und Länder — eine weit umfang- 
reichere Oberfläche des Wassers, als die heutige, bei ge- 
ringerer Tiefe, voraussetzt; so dürfen wir nicht unterlas- 
sen, einige Lichtpunkte zu bezeichnen, die diese organischen 
Reste auf die Natur des alten Meeres warfen, um seine 
Qualität sowohl, als seinen Umfang zu beleuchten. — 
Denn das Meer hat so gut, als das Land und die Atmo- 
sphäre, wie alles Wirkliche, eine innere Geschichte. Nach 
BLUMmENBACH und CAMPER haben Cuvier, BRoNGNIART, v. SöM- 
MERING, DE LAMARK, DerRAnNck, BEUDANT, DE LA Bechr, 
DesmArEST, Prevost, MARcEL DE SuERRES, v. Ferussac, Wer- 
STER, PniLLıPs, GREENOUGH, BUCKLAND, WARBURTON, PARKIN- 
son, Nırson, SovErBY, Broccnı, SoLpanı, Cortesı, WAH- 
LENBERG, DESHAYES, DESNoYER, vV. ScHLOTHEIM, GoLDFUss, 
G. JÄcER, Graf v. STERNBERG, BRoNN, Graf v. MünsTER, STUDER, 
Bovr, F. W. Hönınsuaus und viele Andere die Erkenntniss die- 
ser Organismen und ihre Beziehungen zu den Felsarten, die sie 
umschliessen, so weit gefördert, dass sie immerhin zu über- 
raschenden Resultaten führen kann, Betrachten wir die 
Extreme der Ur-Geschichte dieser Geschöpfe, besonders 
der Konchylien, nämlich die ältesten und die letzten ante- 
diluvischen — so wird auch die Mitte ihres Lebens klar, 
die wir hier nicht in der Bestimmtheit, in der sie, wie 
Cuvier sie erfasste, das System der heutigen Pflanzen- und 
Thier-Welt dieser Klassen gleiehsam ergänzt, sondern in 
Beziehung auf die Natur des alten Meeres verfolgen, 

Die Spuren organischer Wesen in den ältesten Grup- 
pen neptunischer Gebilde, sind nicht bloss aus dem Thier- 
reiche. Die ältesten jedoch, die aus diesem sich vorfinden 
und die häufigsten sind, verrathen im Allgemeinen solche 
Formen, deren Leben, aller Analogie zu Folge, dem Meere 
anheimfällt. 


—. 2385 — 


Diejenigen dagegen, die in tertiären Gruppen legen, 
haben Beupant, MaccurLoch und Andere *) zur Untersu- 
chung veranlasst, welehe Wasser-Thiere sich durch allmäh- 
lige Abstumpfung an See- und Süsswasser gewöhnen kön- 
nen. Die Schlüsse, die man auf untergegangene Arten an- 
wendete, ruhen natürlich auch hier nur auf der Natur 
jetzt lebender Geschöpfe. 

Welches Gewicht: man auf Schlüsse der Analogie ae 
diese untergegangenen Wasser-Thiere legen möge, so viel 
bleibt, (dass sie nicht olıne Bedeutung für die Frage nach 
dem Ursprung des Salzgehaltes im Meere sind. (11. 184.) 

Dieser Gehalt scheint aus: vielen Gründen dem Meere 
"so wesentlich zu seyn, als dieses sich selbst ist. Er muss 
demnach an sich so alt, seyn, als Meer und Land. Aber 
seine eigentliche Entscheidung oder Ausbildung 
(— .d. i.. die Natur, die er jetzt im Meere behauptet —) 
scheint dennoch auf ‚eine spätere Epoche, ja auf mehrere 
Epochen — zurückzuführen. — Und hiemit haben wir 
den Schlüssel zur Würdigung der Ansicht, die wir oben 
aufgestellt, dass das alte Meer unter den Aufforderungen 
einer plutonischen Tiefe (bis zu einer bestimmten Katastrophe) 
oft mächtige (immer kalkreichere) Schichten aus seinem eigenen 
Inhalt ausgeschieden und mitten in den ungleich grösseren 
Massen abgesetzt, deren Bänke, ausserdem durch und durch, 
eine Abkunft aus zerstörten Felsarten verrathen. (S. 280.). 

Man darf es, hoffe ich, wagen, diesen Gedanken der 
Prüfung vorzulegen. Seine Entwickelung könnte auf eine 
ganz andere Weise, als die alte, anfangs ganz willkürliche, 
schon von D£LaM&THERIE, dann besser von WERNER versuchte, 
endlich mit kenntnissreichem Zweifel v. Rıumer wieder 
hervorgezogene Ausdehnung der Krystallisations - Theorie, 


*) Über die neuesten Beobachtungen der Art, wo das durch einen Ka- 
nal in den Süsswasser-See Lotking zu Lowestoft plötzlich einge- 
drungene Seewasser Süsswasserfische tödtete vgl. v. Lsownunp’s 
und Bronn’s n. Jabrb. f. M. ete. 1833. H. V. S. 613. 


Jahrgang 1834. 19 


nd 


die: Thatsache erklären, dass die einzelnen Theile‘ächt nep- 
timischer Massen nicht immer nach ‘den 'Gesetzen:“der 
Schwere vertheilt sind und dass ‘die 'Schichten-W echsel 
Einer Formation oder Gruppe oft so gesetzlich mannigfach, 
so gleichzeitig *) gebildet erscheinen, als die Wolken 
Schichten der Atmosphäre Eines Sonnentages. — Man darf 
nur nicht übersehen, dass in jeder allgemeinen Ent- 
wickelungs = Epoche, mehr ‘oder minder die 
ganze, auch die neptunische Erd-Oberfläche, 
so weit sie Neues bildete, ER ra 
stet war. (8. 281. 294.). 

Wir wollen ‘uns gegenwärtig 'auf keine Untersuchung, 
die überraschen könnte, einlassen, z, B. ob sich vielleicht 
mit der Scheidung des Meeres und Landes eine Theilung 
der beiden mächtigsten und verbreitetsten Alkalien entschie- 
den habe, so dass sich im Festen (Granit'u. s. w.) mehr 
das Kali, im Seewasser mehr das Natrum hervorgestellt. 
— Schon v. Saussurz und Krarrorn haben‘ gezeigt, dass 
.das Natrum auch in ziemlich alten und in sog. Ur-Felsarten 
vorkommt **). Diess ist anders gar nicht: 'zu erwarten, 
wenn auch jene Theilung eine gewisse Wahrheit enthalten 
möchte, ‘von der mich das Urtheil' eines ausgezeichneten 
Chemikers auf eine frühere Anfrage überzeugt hat, obgleich 
die neuere Chemie in noch mehreren Bestandtheilen ‘alter 
massiger Felsarten Natron entdeckte ***). 


*) Ich beziehe mich auf eine vorhergehende Andeutung über die Bil- 
dung: neptunischer Schichten. (S.258.: Anm.). 

**) Namentlich im Feldstein des Weisssteins und des ee 
im Jade der Euphotiden und im Lasurstein von Baldalkschan. 
Vgl. Ar. v. Humsoror’s geogn. Vers. a. d. Fr. v. v. Leonnurn. 
S: 101. mit'S. 380. Ausblühungen ‘des kohlensauren Natrum’s fin- 
den sich auf dem Biliner Glimmerschiefer und mancher Lava. 

*=s) Z. B. ım Albit, Periklin, Labrador, Saussurit, Pinit etc. Dass: z. B. 
der Albit-führende Granit; meist zu den jüngeren Graniten zu 
gehören scheine, haben wir oben bemerkt. Eben so herrscht der 
Labrador vorzüglich in den mittelzeitigen und jüngeren pluto- 
nischen Gebilden, kommt aber auch, wie der Periklin, im Syenit 


— 2897 — > 


Ohne alle Berücksichtigung müssen wir aber die längst 
widerlegten Vorstellungen Derer verschwinden lassen, deren 
Neptunismus so gross war, dass sie die Urgebir ge für 
Süsswasser-Gebilde‘der Tiefe erklärt haben, — ohne 
sich Rechenschaft zu geben, ' was "beide Worte bedeuten, 
wein gleich achtungswürdige ‘Männer *) dieser Hypothese 
freundlich gedachten. 

Das Ähnliche der wesentlichen Beschaffenheit vieler 
organischen Reste, die den Kalk‘ der ältesten Übergangs- 
Zeit, wie mancher, die den jüngsten Flötzkalk hin und 
wieder erfüllen **), mit’ der Natur heutiger Seethiere, 
sprieht, mit anderen Gründen für einen frühen Sal zge- 
halt des Meeres. ' Aber sie entzieht sich in den ältesten 
Schichten nicht selten einer genauen Prüfung. We nig- 
stens beweist sie nirgends, dass das älteste 
Meer, in gleichemVerhältnisse zu seinen unter- 
geordneten Beimischungen, nicht einmal, dass 
es, abgesehen von diesem — ebenso reichan 
Salz war, als das heutige. Vielmehr verträgt sie. 
sich sehr gut’ ‘mit den Thatsachen, auf die man die Ansicht 
gebaut hat, dass das alte Meer reicher an Kalk war, 
als das jetzige ***). 

Man braucht es darum keineswegs als ein juste miheu 
von Salz- und Süss-Wasser vorzustellen. Eine solche mit- 
telmässige Einheit würde, wäre sie überhaupt denk- 
bar +), jedem entwickelten Leben, das ein bestimmtes 


vor. Der Pinit tritt zwar in einem Granit auf, der älter zu seyn 
sch eint, als der bunte Sandstein, doch nicht imältesten, In Hei» 
delberg kommt er im dritten Granit (Gang-Granit nro. 2) vor, in 
Grönland im Feldstein-Porphyr (sog. Giesekit) etc. 
*) Z. B. Schugerr allgem. Naturgesch. 1826. S. 192. (174. f.) 

=) Vgl. D’Auguisson Traite de Geognosie. Strasb,. 1819. I. 379. f. 

#”%*) Die Hypothese eines Reisenden, dass dieser Kalkgehalt von Mu- 
scheln herrühre — er hat, durch einzelne Riffe betrogen, nie ge- 
sagt, woher die Bildung solcher Muscheln kam — wird weiter 
unten,‘doch nur im Vorbeieilen erwähnt werden. 

.„ %) Eine solche Annahme würde in die Zeiten passen, da Bzrinser 
seine Iuithographia Würceburgiensis (1726) schrieb. Wie man 

LI 


- BB — 


Element fordert, selbst dem amphibischen *), widerstreiten, 
und doch ist nicht zu leugnen, dass das Meer, so bald’ es 
da war, sein unendliches Lebens-Prinzip, so gut als das 
Festland, sogleich in vielseitigen, nicht bloss in. infusorisch 
anfangenden Schöpfungen äussern musste. Ja, die Wasser- 
thiere werden im, Ganzen für ‚älter gehalten als die Land- 
thiere, und der Beginn der Pflanzen- und Thier-Welt ist 
nothwendig so alt, als Land ‚und Meer, die Heerde ihres 
Lebens unter der Atmosphäre des Himmels. 

Die Versteinerungen in den Kalk-Gebirgen mussten 
wir aus mehrfachen Gründen hervorheben **), einmal, weil 
es darauf ankommt, den Kalkgehalt des alten Meeres: zu 
prüfen — es ist bekannt, dass sich die ältesten‘ plutoni- 
sehen Gebilde, Granit, Gneiss, Glimmerschiefer, eben so 
wenig durch kohlensauren Kalkgehalt auszeichnen, so wenig 
sie Muscheln etc. enthalten ***), 

Dann, weil der Kalk, besonders der sekundäre, fast in 
demselben Maasse thierische Reste, in welchem der 
Sand pflanzliche, zeigt, obwohl beide auch beiderlei enthal- 
ten, und weil er im Durchschnitt an organischen Resten die 
reichste Felsart ist. 

Drittens weil Niemand leugnen kann, dass viele grosse 


etwa „Nothstaaten“ angenommen, so wäre das alte Meer da 
nur „ein Nothmeer“ gewesen: eine Ansicht, unhaltbar wie die, 
welche ‘in den Versteinerungen nur Versuche der Natur, das 
Organische hervorzubringen, sieht. 

*) Obgleich z. B. unsere Krokodile in süssem und salzigem Was- 
ser leben. Man. denke an die Untersuchungen von Dr ri Becue 
über die alten Saurier. 


”*) Wer über das Ganze der Erdgeschichte in Kürze sprechen soll, 
sieht sich genöthigt, oft einzelne Punkte hervorzuheben, Warum 
gerade diese, davon muss er sich’ überall strenge Rechenschaft 
geben, braucht aber diese Rechenschaft nur bei den auffallendsten 
Verhältnissen auszusprechen. So thun wir es hier, wie oben bei 
der Wärme. (S. 153. 179.) 


*+*) Über den Kalkgehalt mancher für schr alt gehaltener Granite vgl. 
2. B. A. v. Humsorpr geogn. Vers. S. 79, af 


za > 


und mächtige Kalkgebirge dem Meeresgrunde mit Ge- 
walt enthoben wurden. 

Nun ist aber durch v. Leronnarn’s grossartige Beobaclı- 
tungen entschieden*), dass der körnige (der älteste) Kalk, 
der sog. Ur-Kalk, nichts weniger als eine marinische Bil- 
dung, vielmehr überall, wo er in grossen Massen auftritt, 
ein plutonisches ens sus generis, und nur, wo er in schwa- 
chen Lagen erscheint, ein später **) umwandeltes Ge- 
bilde ist. 

Demnach mögen viele zerstörte Gebirge körnigen Kal- 
kes die Masse zur Bildung unserer Flötzkalke geliefert ha- 
ben. Wer aber diese, wie sie offen am Tage liegen, genau 
verfolgt, wird schwerlich geneigt seyn, sie alle und alle 
bloss aus zertrümmerten Massen körniger, sogenannter ur- 
kalkiger, nach Art anderer plutonischer Gebilde, die 
Felsarten, durch die sie in Gängen emporstiegen, hie und 
da überdeckender Gebirge entstehen zu lassen. Es müssten 
ja diese, deren Spuren keineswegs die häufigsten sind, und 
deren Material, wenn aueh locker genug, doch nicht das 
lockerste ist, verhältnissmässig ärger zerstört worden seyn, 
als weiter verbreitete, theils ältere, theils jüngere, nicht 
eben festere Felsgebirge. — Und abgesehen davon, wie 
wollte man dann auch denjenigen Habitus der einzelnen 
Theile ihrer Schichtenglieder fassen, der den Gesetzen der 
blossen Schwere widerstreitet, ohne durch später eingrei- 
fende, vulkanische Hebunggn und Erschütterungen erklärbar 
zu seyn! Sturmvolle Bewegungen bei Ablagerung der zer- 
trümmerten Reste der älteren Flötzkalkmassen würden ohne 
Annahme einer gleichzeitigen Erregung der plutonischen 
Tiefe zur Erklärung solcher Verhältnisse nicht ausreichen. 
Denn bei anderen Stürmen ist das Meer in seinen Tiefen 


*) Vgl. meine Vorlesung über die Natur Unteritaliens im 3. Heft 
der Athene. (Vermischte Aufsätze aus philosophischen und histori- 
schen Gebieten von mehreren Verfassern. Kempten bei Dınneımer 
1833.) S. 277. f. 

“) Nämlich auf plutonischem Wege. 


Bi 


ruhig. Nur oben spielt der Sturm, wie der Schmerz, nach 
WiNkELMAnN’S Kunstanschauung, auf Laokoon’s Stirne, wäh- 
rend die Tiefe seines Gemüthes unerschüttert bleibt. Wer 
aber möchte einer solehen. plutonisch erregten 
Tiefe die Kraft der Aufforderung an das alte 
Meer absprechen, sich in sich selbst bestimmter 
zu entscheiden! DasnächsteResultat dieser Aus- 
scheidung wäre dann ein Theil der Ablagerung 
kalkiger und anderer Massen, solcher, die Jem 
Meere selbst, mit solchen, die ihm nur durch 
Zerstörung älterer Gebirge einwohnten ®..— 
Sein Salzgehalt würde sich nach diesen Niederschlägen 
nothwendig reiner entschieden haben, und zwar im Gan- 
zen, weil man annehmen muss, dass Katastrophen der 
Art nicht wohl vereinzelt eintreten konnten. —. Freilich 
sind diess Momente, wo der ernsteste‘ Mann, nach einer 
schwachen Seegelstange greift, um dem Sturm‘ zu ‚ent- 
rinnen, in den ihn die Bewegung auf diesem Elemente 
stürtzt. Aber nur der Feige wird den tadeln,: der es wagt, 
sich dem Sturme anzuvertrauen, ohne den Keiner das er- 
sehnte Ufer erreichen kann, 

Die erhöhte Temperatur, die die ganze Erde, mein 
auch, wie vor Allen Mırscheruich geltend machte, das alte 
Wasser durchdrang, das in keiner Erdgeschichte umgangen 
werden darf, steigerte die auflösende Kraft des alten Nep- 
tuns, zumal in kohlensauren Gewässern. Unsere chemischen 
Versuche, ob zwar unendlich schwache Naehahmungen der. 
Werkthätigkeit des chemischen Heerdes der Natur, über- 


*) Von diesem Gesichtspunkte aus glauben wir bei näherer an 
lung viele der schwierigsten Probleme der Geologie einfach und 
allseitig, auf dem Grund entschiedener Thatsachen, lösen zu können, 
— Denkende Leser errinnern wir hier nur an die letzte kolos- 
sale, für die Geschichte des jetzigen Salzgehaltes im Meere be- 
deutungsvolle Epoche der Kalkablagerung: an die Kreidebildung, 
an ihre Feuersteine, die der Richtung der ursprünglichen und gehobe- 
nen Schichten folgen, an ihren eigenthümlichen Klang beim Zerschla- 
gen grosser Blöcke ete., an das Gewebe von Versteinerungen in der 
Kreide, an die Formen ihrer Schiehtung oder Ablagerung. (S. 283. 


—_ 291 — 


zeugen uns indess, dass eine erhöhte Wärme die Auflöss- 
barkeit der Erden im Wasser nur wenig steigern kann. 
Wir gestehen, dass die Wärme unserer Öfen und Heerde 
nicht. erwirkt, was die Wärme der Sonne und der Erdtiefe, 
wenn. sie auch quantitativ denselben Grad erreicht. Der 
Karlsbader Sprudel und seine gelungenste Nachahmung ge- 
nügt, diesen Satz zu begründen. Die Kalkerde aber 
zeigt unserer Ghemie im Wasser eher eine verminderte, als 
eine erhöhte Auflössbarkeit bei gesteigerter Temperatur *). 
Nur ein Neptunist, der so urtheilte, wie der Rezensent der 
Basalt-Gebilde v. Lroxuarp’s in den Baierischen Annalen, 
könnte sich versucht fühlen, vielleicht auf solehem Wege **) 
die schroffen Gestaltungen der grossen und mächtigen Kalk- 
gebirge zu erklären, die eine plutonische Emporhebung aus 
dem  Meeresgrunde verrathen. Wollte man aber — wenn 
wir. den leichten Schluss, der ‘daraus zu ziehen ist, noch 
andeuten sollen — alle Übergangs- und. Flötzkalke nur aus 
mechanischen Zertrümmerungen körniger Kalkgebirge, ohne 
andere Mitwirkung chemischer Bildungskräfte, im Meer ent- 
stehen lassen, woher kam dann z. B. die Autlössung dieses 
Kalkes im alten (wärmeren) Meere, die. unsere Flötzkaike 
voraussetzen? Aus Zertrümmerungen intermediärer Kalk- 
gebirge können aber unsere Flötzkalke nimmer mehr erklärt 
werden, weil sich dann. Niemand den konstanten Charakter 
ihrer Versteinerungen und den Mangel an eingebackenen 
Stücken jener Kalke denken könnte. Reichen aber ‚weder 
diese noch jene hin, was bleibt dann übrig, als unsere auf 
anderem Wege entstandene Ansicht? Auch dieses scheint 
für sie zu sprechen, dass man von so vielen Seiten zu ihr 
getrieben, ; von keiner. abgestossen wird. Ja, der sog. 
Übergangskalk selbst; nicht bloss die späteren, grösseren, sekun- 
dären Kalkablagerungen — blieben ohne Annahme wachsender 


®) Vgl. z. B. Muncke in Genter’s ph. Wörterb. N. Ausg. IV. B. S. 
1289. a. 1828. (Atmosphärische Wasser und noch mehr 
'kohlensaure Quellen haben die Kraft der Auflössung 
kalkiger Massen in hohem Grade), 
*°) Der Auflössuug im Wasser. 


7 ee 


innerer Ausscheidungen des Meeres unbegreiflich. Denn jener 
kann, trotz seines Reichthums an Versteinerungen, (der einer 
Entstehung nach Art der Moja an vielen Stellen widerspricht) so 
wenig als die Flötzkalke bloss aus Schaalthier-Resten abgeleitet 
werden. Das Material, welches der Bau dieser Thiere voraus- 
setzt, gab das Meer, und sein Kalk war ihm anfänglich, bevor 
es sich selbst reiner ausgeschieden, so wesentlich, als ihm 
heute noch sein Salz-ist. Das Meer war nänlich so gut 
als das Festland Anfangs, wie oben dargelegt wurde, unent- 
wickelter als beide jetzt sind. 

Es würde indess zu weit abführen, wollten wir auf die 
Geschichte des Salzgehaltes im Meere genauer eingehen. 
Wir müssten die chemische Natur der Salze, die im Was- 
ser theils leichter, theils schwerer auflösslich sind, so wie 
das Verhältniss des Salzes zum Meere, in welchem es nicht 
völlig gleichmässig vertheilt ist, das Auftreten der Salze in 
Quellen, Thermen und Gebirgen des Festlandes nach allen 
ihren Formen, mit Beachtung des Alters und der Streichungs- 
Linien. dieser Gebirge und Quellen darlegen; das Steinsalz 
verfolgen, das bis in die ältesten Flötz-Bildungen der sog. 
Übergangs-Zeit wunderbar hinaufreicht, dann zwischen Zech- 
stein, buntem Sandstein u. s. w. auftritt, mit Gypsgebilden, 
besonders des Muschelkalks, in nachbarlichen Verhältnissen 
steht, und mit Gyps, dem Keuper, selbst dem Grünsand und 
der Kreide, ja nach Durr£noy allen Formationen zukommt ; 
müssten bemerken, dass Salzkrystalle in thonigen und kalki- 
gen Gebirgen vorzüglich zu finden sind. Wie sie in den 
erkaltenden Laven des Vesuvs vorkommen und verschwinden, 
müssten wir angeben, die Ansichten über die Erzeugung 
der salzsauren Dämpfe, die man fast bei allen vulkanischen 
Ausbrüchen beobachtet, prüfen; die Blasen von Hydrogen- 
Gas, welche das Knistersalz zu Mieliczka, unter grossem 


Drucke erstarrt, in mikroskopischen Räumen einschliesst, und 


die Thatsachen würdigen, auf deren Grund schon Durr£xoy 
das Steinsalz von Cardona im südlichen Pyrenden-Gehänge 


— 293 — 


durch plutonische Massen emportreiben lässt *); müssten zahl- 
lose Streitigkeiten und die widersprechendsten Theorieen be- 
rühren, da selbst nach den Ansichten antivulkanischer Natur- 
forscher das Streichen der Salzgebirge keineswegs auf nep- 
tunische Prinzipien zurückgeführt werden kann, da Jameson, 
noch zu der Zeit, als er ein eben so eifriger Neptunist war, 
wie jetzt Vulkanist, bemerkt haben will, dass diejenigen Ge- 
bivgslager, denen die Salzbildungen, die man auf marinische 
Prozesse bezog, ganz nahe verwandt seyen, keine Seethier- 
reste enthalten **). Ja einige Naturforscher nahmen me- 
teorologische Prozesse zur Erklärung der Salzbildungen 
zu Hülfe, 

Es genügt vorab, zu wissen, dass weder die geschicht- 
liche, noch die chemische Natur des Salzgehaltes im Meere 
gegen die Annahme streitet, er sey an sich so alt als dieses 
selbst, und zu vermuthen, er habe sich im Verlaufe der 
ersten Perioden nach der Bildungszeit der ‘wahren Urge- 
birge auf bestimmtere Weise hervorgebildet, als vordem, da 
das Meer noch kalkhaltiger war, und habe sich mit der 
Ausbildung der Süsswasser in ein Verhältniss gesetzt, wel- 
ches, vielleicht mit geringer Veränderung, noch das jetzige 
ist. — Die Geschichte des Salzes im Meere ist eine Ge- 
schichte seines Vulkanismus, wie die Geschichte der Quellen 
und Flüsse unserer Gebirge eine Geschichte ihrer neptuni- 
schen Kraft ist. 

Die neptunischen Bildungen waren, wie sie es mussten, 
und wie sie jederzeit sind, in der ganzen sog. Flötzperiode, 
in der sie doch am meisten geherrscht haben sollen, zwar 
an Umfang oder an Ausdehnung auf der Erdober- 


*) Leonsarn, Geol.zur Nat. d. drei R. 3 Liefer. S. 321. ff. 

**) Vgl. Nöcczrarn Übers. v. Cuvier’s Umwälz. Erdr. II. 1830. S. 204. 
Ausserdem vgl. Nösceratu’s und Pıur’s Sammlung von Arbeiten 
ausländischer Naturforscher über Feuerberge und verwandte Phä- 
momene, S. 106 f. Anmerk. J. v. Cuirrentier und L. v. Buc# in 
Pocsenvorrr’s Annal. III, 1. S. 75 ff. mit IV., S. 115. über die 
wulkanische Bildung der Steinsalz-Lagerstätten im Übergangs- und 
Flötzgebrige etc. 


a 


fläche grösser und überwiegender, an Gewalt aber .ge- 
ringer, überhaupt oberflächlicher, als die vulkanischen. 
Dieser äusseren (vorzüglich auf der Oberfläche herrschen- 
den) Extension der neptunischen entspricht (durch die ganze 
Erdgeschichte) die Intension der vulkanischen Mächte. 
Jene geht in die Breite, diese erhebt. Sie extendirt sich 
durch Explosionen. Beide geben sich immer gleichsam Rede 
und Antwort. Ihre Bildungen berühren. sich nicht nur, son- 
dern sie ziehen und gehen in einander, bis in die äusser- 
sten Erscheinungen. Sie laufen sich. nicht äusserlich paral- 
lel, sondern durchdringen sich einander und sind in ein- 
ander. (S. 286.) In der Massenbildung — soweit sie zu Tage 
ausgeht — sparsamer, wirkten die vulkanischen Mächte — 
immer mitthätig — auch in der tertiären Zeit stärker, als 
die neptunischen *). Den letzten gewaltigsten Konflikt mit 
neptunischen Prozessen mögen sie in. der diluvischen 
Katastrophe bestanden haben, in der der heutige Welten- 
Tag anbrach, da sich in ihr die Erdoberfläche beruhigt, wie 
sie mit der ersten Scheidung des Festen und Flüssi- 
gen ihre Entwickelungen und Umwälzungen begann. 

Die Umwälzungen der tertiären Epochen scheinen sich 
uns von denen der sekundären auf doppelte Weise zu unter- 
scheiden: sie sind einerseits einfacher, oder vielmehr den 
Ereignissen und Wirkungen der geschichtlichen Zeit ähn- 
licher, andererseits, weil ihre plutonischen Gebilde alle äl- 
teren Formationen durchbrochen haben, complieirter. Die 
neptunischen Gebilde auf den Festländern der tertiären Zeit 
sind zwar viel weiter verbreitet, als man früher glaubte, be- 
sehränken sich aber mehr auf Binnen-Gebiete, als die älteren, 

Dazu liegen die tertiären Gebilde schon mehr disseits 
der Grenze ganz ausgestorbener und noch lebender Geschöpfe, 
sofern man **) diese Grenze in der Kreide suchen darf, mit 


*) Wenn gleich die Wechsel von Meeresgrund und Festland, die man 
gar zu häufig anzunehmen geneigt ist, weit sparsamer oder doch anders 
und weit einfacher, individueller zuerklären sind, als von Vielen 
versucht worden, wie z. B, im Mainzer-Becken. 1833, VI. 670. f. 

*%) Zum Theil mit Link. 


— .295 0 — 


deren Ablagerung sich der jetzige Stand der Salz- und Süss;- 
Wasser im Allgemeinen entschieden zu haben scheint. 

Im ‚Durchschnitt, worauf es hier allein'’ankommt, be'- 
rechnet, , nähert sich die tertiäre Pflanzenwelt schon 
der, welcher unsere gemässigte Zone in der mittleren’Breite 
von Nordamerika und Europa sich erfreut., Nur: wenige 
Reste forderten einen weit milderen Boden. ; Viele zeugen 
schon von einer Einwirkung verschiedener Erd- oder Him- 
melsstriche auf das organische Leben. Eine mithin‘ noch 
mildere,. doch nach verschiedenen Himmelsstrichen schon 
merklich abweichende Temperatur des Bodens und der At- 
mosphäre beurkunden, im Verhältniss zur postdiluvischen 
Zeit, bei immerhin noch geringerer Ausdehnung der Erd- 
theile *), die organischen Hieroglyphen in den Mausoleen 
der tertiären Wunderwelt. 

Die diluvische Katastrophe setzt kein Übermaass. von 
Gewässern voraus, wohl aber eine gewaltige Empörung :der 
Meere, Seen, Bergkessel, Flüsse und Quellen und bei Ver- 
nichtung vieler Seen eine Schöpfung neuer Flüsse, ein Auf- 
brechen neuer, mineralischer und gewöhnlicher Quellen **). 

Kein blosses Zusammenlaufen von Wassern in einzelne 
Mulden, wenn gleich die Seethierreste dieser Formation. 
tief im Lande nur sparsam vorkonımen und meist von Thier-- 
arten sind, die in den nächsten, wenigstens in den südliche - 
ren Meeren (selbst Europa’s, wie die diluvischen Seethier e 
Polens) noch heute leben ***). | 


*) Was auch Ure, unter vielen anderen Verkehrtheiten, in seine m 
Neuen System der Geologie Verkehrtes dagegen wieder entwickelt 
haben mag. 

**) Stammen einzelne unserer kalten Mineral-Quellen noch aus antı»- 
diluvischer Zeit — was keineswegs ausgemacht ist — so daı f 
man fragen, ob vielleicht einige derselben vorher Thermen waren . 

5) Meine Schrift: über den Ursprung der Menschen und Völker naclı 
der mosaischen Genesis $. 94. S. 154. ff. Die grosse Verände.- 
rung der Temperatur in der Diluvialkatastrophe suchte die Süd-- 
europäischen Länder weniger, stark heim, als viele annehmen. 
Athene B, I. H, 3. (Vermischte Aufsätze etc.) S. 168. #. 229. not. 


ar u 


Kein Schmelzen des Gletscher-Eises, wie Erır pg Braumont 
mit Entschiedenheit behauptete. Er hat das Daseyn ante- 
diluvischer Gletscher *) so wenig bewiesen, so wenig die- 
jenigen, die der Atmosphäre keinen Antheil an dieser Ka- 
t:astrophe gönnen, das Daseyn antediluvischer Meteorsteine 
tand Nordlichter, 

Zwei Hauptmomente sind es, deren Missachtung die 
grössten Irrthümer über die Natur dieser Katastrophe 
ganz besonders veranlasst haben dürften, um so mehr, da 
Einige bloss darum an ihr fest halten, weil sie in alten und 
heiligen Sagen lebt, während sie von Anderen gerade dess- 
halb hartnäckig übersehen wird. | 

Der eine Irrthum scheint uns darauf zu beruhen, dass 
man oft nicht einsehen will, wie diese Katastrophe eben so 
sehr durch vulkanische Umwälzungen, als durch Bewegun- 
gen der Gewässer herbeigeführt wurde; der andere, dass 
man nicht gestehen will, dass sie mehrere untergeordnete 
Epochen gebildet, ohne aufzuhören, Ein Ganzes zu seyn. 

Würde man diese beiden Momente ernstlich und in 
ihrem tieferen Zusammenhang **) gewürdigt haben, so hätte 
‚der‘ fromme Fraysmous ***) weder die Allgemeinheit die- 
ser Katastrophe im Ganzen bezweifelt, noch dem Cuvier 
verdacht, dass sieh dieser über die Höhe ihrer Wasser so 
vorsichtig geäussert, noch hätte Cuvier selbst, mit sich in 
offenbarem Widerspruche, den seltsamen Gedanken ausge- 
sprochen, alles von Menschen bewohnte antediluvische Land 
sey submarinisch geworden; auch hätte BuckLann nun und 
nimmermehr seine sonderbare Theorie von der Thalbildung 


— 


“*) Die Entstehung der Hauptgletscher scheint uns Ein Akt zu seyn, 
der mit einer mehr oder weniger plötzlichen Abnahme der Wärme 
zusammenfällt: ein Akt der Diluvial-Katastrophe. 

%#, Meine Ansichten darüber habe ich vorläufig in dem zweiten und 
dritten Hefte der Athene S. 120—128 und S. 168. . ent- 
wickelt. 

so) Wenn ihn keine feineren Gründe aus einem ganz anderen Gebiete 
dazu veranlasst haben. Vgl. meine Schrift über den Ursprung der 
Menschen und Völker nach der mos. Genesis $. 94. £. 


— 297 — 


ausführen, noch hätten Andere diese Katastrophe ‚mit. einer 
jüngern verwechseln mögen und was dergleichen mehr: ist. 

Man hätte sich vor Allem gehütet, die Ur-Sache die- 
ser Umwälzung, die uns noch so gut, als die Ursache, wa- 
rum z. B. gerade nach der Kreide-Bildung die Granite von 
Zscheila und. Weinböhla. aufgestiegen sind, verdeckt ist, mit 
ihren Veranlassungen, die man klar erkannt, haben 
würde, zu verwechseln, und sich weniger darauf eingelassen, 
ob diese Katastrophe noch irgend eine Veränderung in der 
sphärischen Gestalt der Erde, oder in ihrer Achsenstellungr 
bewirkt; als darauf, welche Veränderungen sie im Stande deı 
Gebirgssysteme und der Meereshöhe, welche in der Temperatur 

- der Oberfläche und im Reiche der Pflanzen und Thiere, und 
welche sie selbst im menschlichen Organismus, dessen Daseyn 
vor ihr trotz des völligen Mangels ächter Anthropolithen — aus 
physiologischen und urgeschichtlichen Gründen *), bewiesen 
werden kann, hervorgebracht hat, und warum alle diese — 
unter sich völlig analogen — Umbildungen fortan konstant 
geblieben. 

Diese: Untersuchung wäre geeignet, mehr denn irgend 
eine andere, den Geschichtforscher mit dem Naturforscher 
so zu versöhnen, dass jener sich selbst gestehen müsste: 
Ohne Geologie keine Geschichte! Sie würde sogar 
den sprödesten Feind der Natur, den modernen Theologen, 
zwingen, die Predigt der Erde, wie sich SuAKESPEARR aus- 
drückt, aus den Steinen zu vernehmen und sich fest zu stel- 
len, bevor er Andere zu erbauen hofft. Eben in diesen 
Beziehungen ist jede Prüfung der v. Braumont'schen An- 
sichten von allgemeiner Wichtigkeit. 

Schliesslich nur noch Folgendes: Alle diese grossen, 
Land, Meer und Atmosphäre bildenden, umbildenden und 
ausbildenden Perioden und Epochen sind von Veränderungen 
der Erd-Temperatar begleitet, welcher gleichmässige Verän- 


*) Jene erklären noch dazu den, schon von Prarom gewürdigten, 
Mangel an Authropolithen. 


a 


derungen 'in der Geschichte der organischen Welt entsprechen. 
Plötzliche Wärme-Abnahme war plötzlicher Tod "ganzer Ge- 
schlechter’ und mit der Abnahme dieser eigenthümlich be- 
lebenden und Leben bedingenden Kraft auf der Oberfläche 
der Erde giengen ganze Reihen von Geschöpfen unter: Er- 
hebungen neuer, Zertrümmerungen' älterer Gebirge, Empö- 
rungen und Zurückzüge, ausgedehnte oder beschränkte Er- 
hitzungen der Meere, Durchbrüche mächtiger Berg- und 
}Birinen-Seen, im Verein mit förmlichen vulkanischen *) Aus- 
brüchen an einzelnen Stellen, Gährungen einer wilden At= 
mosphäre, veränderte Mischungsgrade der Feuchtigkeit, 
Elektrizität, des Druckes der Luft und derWirkungen des 
ILichtes, Veränderungen des Lebensbodensete. —alles dieses 
wirkte mehr oder minder mächtig störend und neubelebend 
auf die Reiche der orgänischen Welt. Riesenartige Schilfe 
und Fahren, Baum-artige Kännenkräüter, deren Gattungsver- 
wändte jetzt nur noch Zwerg-artig auf der Erde leben’**), 
an Grösse und Muskelbau eigenthümliche Thiere bewohnten 
(lie heissere Oberfläche des ältesten Bodens. Gewächse mit 
unkenntlichen Befruchtungsgliedern (Kryptogamen) herrschten 
auf diesem Boden, denen bald eine reichere, manniefaltigere, 
tiefer ausgebildete Pflanzenwelt, ‘deren Anfänge sehr 'hoch 
Tiinaufreichen, folgte. Mit der Entstehung der Süsswasser- 
See entstanden Geschöpfe, die wir in salzigen Binnen-Mee- 
ren’ vergeblich suchen. Sie alle sind Ergänzungen oder 
Vorboten’ des ausgebildeten Systems der Thier- und Pflan- 
zen-Welt, das heute die Erde bewohnt. | 
Endlich trat, noch mitten unter ihnen, ein’ Zuschauer 
der jüngsten Katastrophe, das Wunder der Welt (und sei- 
ner selbst), der Mensch, an das Licht des Tages und erhob 


”) So fern man nämlich solehe schon in der diluvischen Zeit anneh- 
men muss. Der Unterschied von plutonischen und vulkanischen 
Bildungen zeigt sich auch hier schwankend. (S. 260. Anmerk.) 

“#) Marten’s:N. Weltk. a. OÖ. De Serres Revue encyclopediyue 1832. 
Juillet. 


—_— 24 — 


sich‘ zum «Herrn ‘seiner Umgebung *). Sein Geschlecht 
wusste, als Herr seiner Welt, die Stürme zu bestehen, die 
die Umwälzung: heraufgeführt, in der sich die Unterschiede 
seiner Ragen erst au s gebildet**). Mit dieser Umwälzung, 
welche im!'Ganzen versöohnend wirkte, waren keineswegs 
alle Veränderungen der Länder, Meere und Flüsse: been- 
det***), In ihr hatten sich die Naturkräfte auf die umfas- 
sendste Weise geäussert. Nachher wirkten sie fort und 
fort, nur weit gemässigter, nicht mehr mit der Tendenz, neue 
Schöpfungen hervorzubringen 7). 

In ihr hatten sich die Mächte der Tiefe auf Jahrtau- 
sende genug gethan und die Temperatur der Erd-Oberfläche 
sich in das Verhältniss gesetzt, das ‚sie seither, im Durch- 
schnitt, gleichmässig j7) behauptet. Die letzte Erhebung 
ganzer Länderstrecken und neuer Rücken in älteren Ge- 
birgen, die ungeheure Ablagerung von Sand, Lehm und 
Gruss, vorzüglich in den nordischen Gegenden, deren Wär- 


meabnahme am grössten war, kurz alle ihre Wirkungen 


'®) Dadurch erklärt sich mir auch die Bevölkerung des Norden ‚' dass 
' sieh die Menschheit über ‘diese Länder vor der Katastrophe, 
- die ihr mildes Klima vertilgte, verbreitete. Vgl. Vermischte Aufs. 
(Athene) a. 0. S. 173. #. 
=") Vermischte Aufsätze etc. (oder Athene Heft. 2.) S. 120-128, Eine 
ähnliche Ansicht finde ich über diesen Pankt nun auch bei Mar- 
CELL DE Serres Revue encyclopedique 1832. Juillet. S. v. Leon- 
HARD’S und Bronw’s N. Jahrb. 1833. V. S. 591. 
=**) Nach dem grossen Götterkampfe, d. i. nach dem Siege der neuen 
Götter über die alten, suchen in der griechischen Mythe die Gi- 
' "" ganten jene Titanen zu rächen. 
7) Sie bildeten nur einzelne Theile der Erdoberfläche weiter aus. 
"Unter ihnen zeichnet sich vorzüglich Eine aus, die die sog. alte 
Welt betraf. Wir nannten sie die Umwälzung unter Peleg. Ver- 
mischte Aufsätze etc. S. 170. 
ir) Vermischte Aufsätze etc. (oder Athene H. 2.) S. 134. ff. (aus mei- 
ner Vorlesung über die Natur Oberitaliens). Seit der Diluvial- 
Katastrophe haben sich die Klüfte der Tiefe fast überall geschlos- 
sen oder ausgefüllt, so dass die äussere Temperatur der Erde 
fast nur von ihrer Stellung gegen die Sonne herrührt, in der sich, 
nach A. v. HumsorLpr’s Ausdruck, Wärme durch Lichtschwächung 
erzeugt. Abhandl. Berlin. Akad..3 Jul. 1827. S. 307. 


— 300 — 


auf dem unorganischen Boden des Lebens bannten ‚ ‚obwohl 
ihre Wasser nicht mehr im: Stande waren, auch nur Eine 
Schicht, deren Festigkeit den älteren Formationen gleich 
käme, zu bilden *), die Feuer der Tiefe wnter .die ausge- 
bildete Kruste, und, zu dem neuen Olympos empor dampft 
aus ihren Schlünden nur sparsam, doch beruligend,. „der 


Athem 


erstickter Titanen, 
gleich Opfergerüchen, 
ein leichtes Gewölke.“ — 
Görns im Lied der Parcen. 


——— 


*) Stoffe der dichtesten Art sind im Allgemeinen die besten Wärme- 
leiter. Sie ruhen in dem tieferen Schooss der Erdrinde. Unter 
ihnen nimmt die Feuerflüssigkeit des Inneren mächtig zu: Gewal- 
tige lose Massen hemmen das Aufsteigen der Wärme aus den 

‚ Tiefen am meisten, — Dadurch wollen wir, aber! die Tempera- 
tur-Veränderung der diluvischen Katastrophe nur zum Theil er- 
klärt haben. 


Nachträglich muss ich (zu S. 273 und 265.) bemerken, dass ich 
seither auch in Heidelberg, auf. dem linken Neckar-Ufer „ östlich von 
der Brücke, lagenweise abgesonderten ‚Granit fand. Auch hier 
ist es der älteste Granit. , Seine Lagen zeigen. mitten in ihrer, Zer- 
klüftung Spuren von Verschiebungen dureh spätere Hebungen. ‚Quarz 
spielt in :den ältesten: Graniten Heidelbergs eher eine untergeordnete, 
als eine ausgezeichnete Rolle. (S. 256 und 275. Anmerk.). Ebenso im 
ältesten Karlsbader und Fichtelberger Granit etc. 

Zu S. 279. Z. 1. von unten setze man: Dass aber solche Quarz- 
Gänge die Wandungen des Glimmerschiefers, oft schon im Zustande 
einer gewissen Erkaltung trafen, geht aus den Platten-förmigen Abson- 
derungen hervor, die ich an mehreren Quarz-Gängen wahrnahm, 
(S. 262. Anmerk.): 

Zu S. 292: Die Mojen habe ich nach der geistreichen Hypothese 
eines der ruhmwürdigsten deutschen. Geologen berührt. Demselben 
verdanke ich auch die Ansicht über den Sächsischen Topasfels. (S. 277. 


Anmerk.). 


Über das Alter 


der Glarner Schiefer - Formation, nach 


ihren Fisch-Resten, 
von 


Herrn Professor AGassız. 


Anenchelum: Dieses Genus hat pe BramviLLe so 
genannt, ohne es gerade genau zu charakterisiren; er sagt 
nur, die Schriftsteller seyen einig, dieses Fossil unter die 
Aale zu rechnen, aber mit Unrecht; doch gibt er gar nicht 
an, wohin er es stelle. Hätte pe BrauvirLe selbst die 
Verwandtschaft dieses Fisches mit den jetzt lebenden nur 
geahnt, ich zweifle daran, dass er ein neues Genus daraus 
gebildet haben würde, weil die charakteristischen Merkmale 
alle auf Eigenthümlichkeiten beruhen, von denen er nichts 
‚meldet. Von der Ansicht aber ausgegangen, als gehörten 
die Glarner Schiefer zur Grauwacken -Formation, musste 
ihm jede etwas auffallende Fisch-Form als ein von jetzt leben- 
den ganz verschiedenes Genus erscheinen; und in der That 
ist es ihm mit der Aufstellung der Genera Anenchelum 
und Palaeorhynchum so ergangen. Keinem von bei- 
“den weiset er einen Platz im Systeme an, und doch sind 
Jahrgang 1834. 20 


zu a 


beide Genera mit jetzt lebenden Fischen so nahe verwandt, 
dass sie kaum generisch zu unterscheiden sind; nämlich 
Anenchelum mit dem Genus Lepidopus, Palaeo- 
rhynchum mit Histiophorus, welche beide in die Fa- 
milie der Scomberoiden im weitern Sinne des Wortes 
gehören, und zwar in die Abtheilung der Band-förmigen 
und langschnäbligen. Bei dieser Ähnlichkeit mag die allge- 
meine Bemerkung nicht unwichtig erscheinen, dass bei den 
vielen fossilen Fischen, die ich zu untersuchen Gelegenheit 
gehabt, mir in Formationen vor der Kreide noch nie 
eine Spur vorgekommen ist, welche mit Sceomberoiden 
eine nur entfernte Verwandtschaft zeigte; während man in 
den Schiefern des Monte Bolca, im Grobkalke der Umge- 
gend von Paris, in den Mergeln von Sheppey viele Arten 
aus dieser Familie antrifft, ja sogar mit den Glarner nahe 
verwandte, Aber auch in der Westphälhschen Kreide kom- 
men schon Scomberoiden vor. Indess kenne ich eigentliche 
Anenehelum- und Palaeorhynchum- Species bloss von 
Glaris. Der Hauptunterschied zwischen Lepidopus und 
Anenchelum liegt in der Beschaffenheit, der Bauchflossen, 
welche bei dem letztern aus einigen langen Strahlen .beste- 
hen, während sie bei ersterem bloss durch. ein Sehüppchen 
angedentet, sind, Übrigens ist das Skelett beider Genera 
bis in die kleinsten Verhältnisse sich gleich. 

Unter dem Namen An. Glarisianum hat: pe BraımviLLe 
mehrere Arten verwechselt, welche sich durch. die verhält- 
nissmässige Dänge der Wirbelkörper und. ihrer Stachel- 
Fortsätze unterscheiden. Ich habe dieselben. unter den 
Namen An. latum, A. isopleurum und ‚A. hetero- 
pleurum unterschieden, von jeder Art mehrere, zum Theil 
auch ganz vollständige, „alte und junge Exemplare gesehen, 
so dass über ihre Versehiedenheit. kein Zweifel obwalten 
kaun; sie hier zu beschreiben. ist nicht der Ort, da-Be- 
sehreibungen ohne Abbildungen der. fossilen ‚Arten nicht 
-hinreichen würden. Die schönsten befinden sich in. den 


Sammlungen von Bern, Zürich und Basel; auch Hr. v, Hager 


— 805 — 


in Karlsruhe hat ein sehr lehrreiches Exemplar eines jun- 
gen Individuum. 

Palaeorhynchum steht Tetrapturus si als 
Histiophorus sehr nahe, unterscheidet sich aber von 
beiden durch die schlankere, längere Gestalt, und vorzüg- 
lich durch die langen und hohen Rücken- und After-Flossen, 
wovön erstere den ganzen Rücken, letztere über die Hälfte 
der untern Seite des Leibs einnimmt. Auch sind. bei 
Palaeorhynchum Bauchflossen vorhanden, mit mehreren | 
langen Strahlen. Dieses Genus hat mit Esox Belone 
nicht die entfernteste Ähnlichkeit in seinem Bau, sondern 
bloss die gestreckte Gestalt bringt einen solchen Schein her- 
vor. 'Belone hat ja eine nur sehr kurze, weit hinten ste- 
hende Rückenflosse, und Bauchflossen, welche an der Mitte 
der Leibshöhle befestigt sind; bei Palaeorhynchum sitzen 
sie am Brustgürtel fest. Was die Ähnlichkeitmit Blochius 
betrifft, so ist sie auch nicht sehr gross: dieses Genus hat 
sehr kurze Strahlen in der Rücken- und der After-Flosse im Ver- 
hältniss za Palaeorhyncehum. Mit den langschnabeligen 
Aspidorhynehus-Arten aus der Jura- Formation hat 
Palaeorhynehum endlich auch nur diese äussere Ähn- 
lichkeit in der Form des Kopfes ; jedes dieser Genera ge- 
hört aber, wie Belone und Blochius, in andere Fami- 
lien. Mit Palaeorhynchum eigentlich verwandt, dem 
Baue nach nämlich, sind also bloss Tetrapturus und 
Histiophorus aus der Familie der Scomberoiden; 
von welchen Gattungen zwei Arten im Grobkalke bei Parzs 
und in den Mergeln von Sheppey vorkommen. 

Unter dem Namen Pal. Glarisianum hat oz Bıraıx- 
virte die ihm bekannt gewordenen Stücke aufgeführt; da 
indess in den Pariser Sammlungen Bruchstücke von mehreren 
Arten vorkommen, von denen ich in Zürich, in Bern, in 
Basel, bei Prof. ScugitLin und geh. Rath v. Lronnarv 
ganz vollständige Exemplare gesehen habe, so bin ich in 
Stand ‘gesetzt worden, diese genau zu charakterisiren, ohne 

20 * 


— 304 — 


bestimmen zu können, nach welcher die bereits über die- 
ses Genus bestehende Notiz entworfen worden. 

ich weiss noch nicht ganz gewiss, in welche Familie 
ich zwei Genera einreihen muss, die ich unter den Namen 
Palimphyes und Archaeus aufgestellt habe. In meinem 
vorläufigen Verzeichnisse standen sie bisher mit Fragzeichen 
in der Familie der Gadoiden, von welcher mir sonst 
nichts Fossiles bekannt ist. Es wäre aber auch möglich, 
dass diese Fische in eine andere Abtheilung gehörten; ich 
babe noch nicht sehr vollständige Exemplare gesehen, und 
da bei den G/arner Versteinerungen keine Spur der orga- 
nischen Substanz, mithin auch die Form der einzelnen Kno- 
ehen nicht sehr gut erhalten ist, so sind vollständige Ex- 
emplare noch durchaus nothwendig zur festen Begründung 
einer Ansicht der Organismen dieser Ablagerung. Indess 
kann ich eine Angabe pe Braisvirze's berichtigen, der den 
Palimphyes zu einer Clupea macht, die er Clupea 
elongata nennt. Palimphyes hat aber ganz bestimmt 
wei Rückenflossen und die Bauchflossen am Gürtel befe- 
stigt, mithin niehts mit Clupeen gemein! Ich übergehe 
indess das Nähere über die beobachteten Theile dieser 
Genera, da sie ein bloss zoologisches Interesse haben, und 
mir sonst nirgends vorgekommen, sie auch keine Zusanımenstel- 
lung und Vergleichung mit andern geologisch wichtigen Gat- 
tungen jetzt schon zulassen. Dasselbe ist der Fall mit zwei 
andern Sippen, deren Existenz mir aus Exemplaren des 
Baseler und Karlsruher Kabinets gewiss geworden. 

Ich gehe daher zu den angeblichen Clupeen von Glaris 
über, von denen ausser der bereits erwähnten noch zwei 
‚Arten anfgeführt worden: Cl. Scheuchzeri und CI. me- 
gaptera pe Br. Eigentliche Clupeen sind diese Fische 
gewiss nicht, obgleich sie wohl in dieselbe Familie mit 
ihnen zu stehen kommen mögen. Die Häringe haben in- 
dess an der Bauchkante ein eigenes Gerippe, sogenannte 
Sternal-Rippen, von welchen man bei den Glarner Fischen 
nie eine Spur wahrnimmt; auch sind die Flossenstrahlen 


- oo. = 


bei"diesen Fischen stets schlanker und länger, als bei den 
‚Clupeen, und die Wirbelkörper schmächtiger. Sie zeigen 
daher’ weit mehr Ähnlichkeit mit einigen Salmoneen, na- 
mentlich Osmerus und Mallotus, als mit Clupea. Beide 
Familien kann ich aber nicht sondern; ich halte vielmehr da- 
für,'dass Clupeen und Salmonen nur eine Familie aus- 
machen, deren ganzer Unterschied in der Anwesenheit der 
Fettflosse beruht, die aber wahrlich nicht als ein wichtiges 
organisches Merkmal angesehen werden kann; um so weni- 
ger als sie in mehrern andern Familien bei manchen Gattun- 
gen vorhanden ist, und bei andern fehlt. Die so ausgedehnte 
Gruppe soll dann Halecoides heissen. In der weissen 
Kreide, im Pläner von Böhmen, so wie in dem Westphähschen 
Kreidesandstein kommen mehrere solche Osmerus-artige 
Fische vor, eigentliche Clupeen aber kenne ich nur iu den 
tertiären Ablagerungen vom Monte Bolca, vom Libanon und 
von Oran an der Nordafrikanischen Küste. Bis in die juras- 
sische Zeit reichen beide Gruppen gewiss /nicht, und die 
Ichthyolithen ‚ welehe bisher aus dieser Formation für 
Clupeen gehalten worden, gehören in eine andere Ordnung 
der Klasse, in das Genus Leptolepis. Das Genus der 
Kreide-Halecoiden will ich mit dem Namen Osmeroi- 
des belegen. — 

Noch wichtiger scheinen mir für die Bestimmung des 
Alters der Glarner Schiefer diejenigen Fische, welche von 
Bramvirıe als Zeus Regleysianus, Z. platessa und 
Z. spinosus bestimmt worden, indess gar nicht zum Ge» 
nus Zeus gehören, sondern in die Familie der Percoi- 
den zu bringen sind, wo sie ein eigenes Genus bilden, das 
jetzt keine Repräsentanten mehr hat. Ich habe es Acanus 
geheissen;; sein Platz im System ist neben Holocentrum 
und Beryx. Diese Erscheinung ist mir darum geogno- 
stisch sehr wichtig, weil ich in allen Formationen vor der 
Kreide nie eine Spur von Stachelflossern gesehen habe, in 
welche Familie die Fische auch gehört haben mögen. .Da 
ich die Abtheilung der Fische in Weichflosser und Stachel- 


flosser nicht annehme, will ich damit sagen, dassıbei den zahl- 
reichen Fisch-Gattungen der ältern: Formationen, die Rücken- 
Flossen nie aus harten, einfachen, stacheligen Strahlen ‚gebildet 
sind. Zwar habe ich noch nie, Acanus- Arten angetroffen, 
als von Glaris; aber bei der oben angeführten ‚Wahrneh- 
mung scheint mir das Vorkommen, ähnlicher „ wenn (‚nieht 
identischer Formen in andern Ablagerungen von grosser 
Wichtigkeit für die Erkenntniss der, Bildungsperiode ‚der 
erstern. So kommen eigentliche Beryx- Arten vor:, eine 
Species, die ich Beryx Zippei geheissen, im: Pläner von 
Prag, eine andere in der weissen Kreide von Kent,‘ die ‚von 
Manterr den Namen Zeus Lewesiensis erhalten hatte. 
In Westphalen kommt ein anderes nahe verwandtes Genus 
in der Kreide vor, das ich Acrogaster nenne, welches 
mit einem zweiten Genus der Percoiden aus;Glaris grosse 
Ähnlichkeit hat, mit meinem Podocys minutus. ‚Holo- 
eentrum und Myripristis-Species kommen ‚dagegen 
mehrere am Monte Bolca vor. 

Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass die 
ferigen Gebilde von Glaris. jünger sind, als alle jurassischen 
Ablagerungen; ich halte sie aber für älter als die tertiären 
Formationen , theils wegen der Übereinstimmung, mit den 
Fischen anderer Ablagerungen, theils weil in Glaris, mehr 
ausgestorbene Genera vorkommen, ‚als in den tertiären 
Schichten. Demnach hätte die Ablagerung von. Glaris, das 
Alter der Kreide, ohne dass ich im Stande wäre, die For- 
mation mit einer ähnlichen in andern Ländern genau zu 
parallelisiren, 

Alle die hier erwähnten Fische sollen in ‚meinen Re- 
cherches sur les poissons fossiles genau beschrieben und .ab- 
gebildet werden; dazu kommen dann noch einige kleinere 
Arten, dig ein mehr Re ahnen Interesse haben und hier 


732? 


Geognostische Beobachtungen 


im Ziesgau und .dessen Umgebungen, 


von 


Herrn Dr, B. CoTTA. 


Das Riesgau ist eine flache fruchtbare Ebene, rings von 
Kalkbergen umgeben. Die Wernitz und die Eger durch- 
strömen es von NNW, nach SSO,. und vereinigen sich bei 
Heroldingen, ehe sie den Kalkdamm der östlichen Rauhen 
Alp durchbrechen, um bei Donauwörth in die Donau zu 
münden. "Beide Flüsse laufen vorher in der Ebene neben 


einander hin, ohne durch eine merkbare Erhöhung getrennt 


8 
zu seyn; denn das ganze flache Riesgau zwischen Nördlin- 
gen, Ötlingen und Wemdingen besteht bloss aus Marschland, 
dessen Dicke überall die Untersuchung des Grundgebirges 
verhindert. 'Es ist desshalb sehr fruchtbar, und würde 
einen hohen landwirthschaftlichen Ertrag geben, wären die 
Dörfer wie in Sachsen an den Bächen ünd Strassen hin 
vertheilt, und nicht auf kleine Plätze- zusammengedrängt, 


so dass mancher Bauer mehr als eine Stunde Wegs zurück- 


U 


legen muss, ehe er seine entfernten Felder erreicht. Bei 
solcher Beschaffenheit kann natürlich der flache Boden des 
Riesgaues dem Geognosten wenig Interessantes darbieten; 
diesen Mangel ersetzen jedoch seine bergigen Ränder zur 
Genüge. 

Das Riesgau liegt in dem Jurakalkzuge, der sich aus 
Württemberg nach Regensburg zu erstreckt, und die umge- 
benden Berge bestehen daher meist aus Jurakalk, nur we- 
nige aus Dolomit; der kleine Hügelrand aber, welcher den 
flachen Marschboden zunächst einschliesst, aus Süsswasser- 
kalk, der an den Felsen bei Wallersten und Nördlingen 
besonders schön entwickelt ist. Untersucht man die dahin- 
ter liegenden Jurakalkberge genauer, so findet man sie bei 
1 bis 2 Stunden Entfernung von dem Süsswasserkalk-Rande, 
der die eigentliche Ebene einschliesst, an vielen Orten von 
Basalt-Gebilden durchbrochen, die aber nirgends zu einer 
eigentlichen Entwickelung gekommen sind, sondern sich 
nur durch vulkanischen Tuff zu erkennen geben,‘ den man 
in dieser Gegend Trass zu nennen pflegt. 

Diese Eruptions-Punkte liegen fast in einer regelmässi- 
gen Kreislinie rings um die Ries-Ebene herum; ich selbst 
kenne sie theils durch eigene Beobachtungen, theils durch 
die gefälligen Mittheilungen des Herrn Oberjägermeisters 
v. SECKENDORF zu Wallerstein, an folgenden Orten: bei 
Zipplingen, Osterholz, Altenburg, Bollstadt und Mauer. Auf 
der Kererstein’schen Karte *) sind aber dergleichen auch 
noch bei Haarburg, Wemdingen und Öttingen angegeben, se 
dass dadurch der Kreis ziemlich vollkommen  geschlos- 
sen wird. M 

Es scheint nicht Zufall zu seyn, dass diese Basalt-Ge- 
bilde den Süsswasserkalk auf diese Weise einschliessen ; 
doch darauf werde ich später zurückkommen und will jetzt 
erst einiges Genauere über die.Gesteine und ihre Lagerungs- 
Verhältnisse vorausschicken. 


*) In Kersastein’s Deutschland, B. 6 H. 1. 


= 00 


Jurakalk und Dolomit. 


Beide werde ich petrographisch nicht schildern: diess 
ist in Bezug auf diese Gegend hinlänglich geschehen durch 
v.'Buch im Taschenbuche f. M. XVII 2. Abth. 1824, und 
durch Bou& in seinem geogn. Gemälde von Deutschland. Auch 
über ihre Lagerungs-Verhältnisse ist nichts Näheres zu sa- 
gen nöthig. Der Dolomit nimmt den oberen Theil der 
Berge über dem dichten Kalksteine ein, und erscheint da- 
selbst gewöhnlich in grotesken Felsen. Nur einer beson- 
deren Erscheinung muss ich gedenken, die man an einem 
Felsen östlich von Ebermergen bei Haarburg beobachtet. 
An diesem links neben der Strasse nach Donauwörth gele- 
genen Felsen, findet innerhalb des grossen daran angelegten 
Steinbruches eine Art von Übergang aus dichtem Kalkstein 
in Dolomit Statt. Während nämlich die westliche Seite des 
Bruchs aus graugelbem Dolomit besteht, findet man in der 
östlichen nur dichten Kalkstein, ohne jedoch eine eigentli- 
che Grenze und noch weniger eine Auflagerungsfläche zwi- 
schen beiden angeben zu können. Der: Kalkstein selbst 
aber besteht an den meisten Stellen dieses Bruches (undeut- 
lich vielleicht überall) aus einem scheinbaren oder wirkli- 
chen Konglomerate; d. h. abgerundete feste Kalkstücke von 
Erbsen- bis Nuss-Grösse werden von einer gleichfarbigen 
aber weniger festen Kalkmasse in so grosser Menge einge- 
schlossen, dass das Volumen des Bindemittels ungefähr dem 
Volumen der Geschiebe gleichzusetzen ist. Oft ist diese 
Verbindung so innig, dass jene Struktur nur durch Ver- 
witterung erkennbar wird, und ich kann desshalb nicht ent- 
scheiden, ob nicht auch der scheinbar gleichförmige Kalk- 
stein hier auf dieselbe Weise zusammengesetzt ist. Scharfe 
Grenzen zwischen beiden kann man eben so wenig. 'beob- 
achten, als nach dem Dolomite zu. Ob es scheinbare oder 
wirkliche Geschiebe sind, die hier durch ganz’ ähnliche 
Kalkmasse gebunden worden? ich wage es nicht zu ent- 


- SB — 


scheiden; in manchen Stücken, wo die Geschiebe alle klein 
und sehr abgerundet sind, sieht das Gestein dem Roggen- 
steine ähnlich werden: unterscheiden kann man es jedoch immer 
davon. Merkwürdig ist es, dass ein. ganz ähnliches Kon- 
glomerat bei zweien der obenerwähnten Trass-Brüchen sich 
wiederfindet, wo es, durch Einwirkung, ‚vulkanischer Kräfte 
erzeugt zu seyn scheint. Der Dolomit enthält in der: Nähe 
dieser Kalkstein-Abänderungen. eine. Menge’ kleiner Höhlun- 
gen, die mit einem weissen Kreide-ähnlichen Pulver ange- 
füllt, sind. Dieses Pulver besteht: nach ‚den, ‚Untersuchungen 
des Herrn Oberhüttenamts-Assessors ‚Kersten. in Freiberg 
aus: Kieselerde, kohlensaurer Kalkerde,. Talkerde, Alaun- 
erde, Eisen und Mangan. _Wir lassen‘ die ausführlicheren 
Resultate dieser, Analyse in einem .besondern Anhange ‚nach- 
folgen, da dieselben für. die Erklärung. der Dolomit-Entste- 
hung, nicht unwichtig zu seyn scheinen. 


Trass. 


++ Unter diesem allgemeinen Ausdrucke: verstehe ich hier 
eine ziemliche Anzahl von. Mineralien und Felsarten, die 
sich‘';zu einer. ungleichartigen, Masse vereinigt haben, welche 
zum. Theil abgebaut, gemahlen und als Trass benutzt‘ wird, 
‘ Ähnlich. wie‘ jener. Trass'im  Brohl-Thale am Rhein. Damit 
will. ich‘ aber keineswegs eine nahe Verwandtschaft und 
Ähnlichkeit beider Produkte ‚andeuten, die im Gegentheile 
sehr von einander verschieden sind. Vulkanischer Tuff 
wäre vielleicht ein: besserer Name dafür; da aber in jener 
Gegend: der Name. Trass einmal eingeführt ist, so wähle 
ich ‚diesen ‘zur allgemeinen ‚Bezeichnung für ein: gebundenes 
Häufwerk von vielerlei 'Gesteinen und: Mineralien, 
Die Mineralprodukte., welche diesen Trass zusammen- 
setzen, :sind folgende‘: ih} 
1s:Das Bindemittel, eine : graue, ‘im: Bruche 
ertige;: etwas kalkhaltige , 'hauptsächlich'; aus verwitter- 
ten. Keldspath - Theilen - bestehende ‚Masse. Dieses ‚ist es 


— si — 


eigentlich, ‘was gemahlen und als Trass benutzt wird; 
wobei natürlich die vielen fremdartigen Einschlüsse nur 
störend einwirken, un 

2. Kalkstein, theils als einzelne Bruchstücke 
in» Nro.»1. enthalten, theils zusammenhängende Kalk- 
Konglomerate mitten in der übrigen Trassmasse bildend; 
so:'in ' den Brüchen bei Altenburg und bei Baldern.‘ Diese 
Kalk-Konglomerate gleichen mehr oder weniger dem vorhin 
. beschriebenen. bei Zbermergen. Bei Altenburg unweit Nörd- 
lingen finden:sie sich’ von zweierlei Art; die einen bestehen 
aus hellgelben völlig abgerundeten Kalkgeschieben, gebun- 
den durch reine’ gleichfarbige Kalkmasse, die andern aus 
dunkelgrauen Kalkbruchstücken, durch etwas hellere Kalk- 
masse fest 'verkittet,' zuweilen noch von Spathadern durch- 
zogen: Wahrscheinlich gehört‘ der Kalkstein der ersteren 
Art: der Jura-Formation, der der letzteren dem Lias an. 
Versteinerungen’ liessen sich leider nicht darin auffinden. 

3. Basaltische Lava und Schlackenmassen, 
beide 'theils als‘ runde ,; Bomben-ähnliche Klumpen, theils 
ohne bestimmte Gestalt in die Masse von Nro.'1 hineinge- 
drängt, so ‚dass: oft: keine scharfen Grenzen erkennbar sind. 
Die Schlackenmassen ‘selbst scheinen häufig‘ bloss aus Augit 
zu bestehen, der auf dem frischen Bruche sich durch Glänz 
und Blättergefüge zu erkennen gibt; ihre Blasenräume sind 
gewöhnlich mit Kalkspath' ausgefüllt, oder doch wenigstens 
ihre Wandungen damit überzogen. Die basaltische Lava 
findet sich auch 'Gang-förmig, die übrigen Massen durchset- 
zend, und einzelne Stücke, welche bei Altenburg umherlie- 
gen,; zeigen ‘mit grosser »Deutlichkeit jene merkwürdige, 
‘Tau-ähnlich gewundene Struktur, die man mehrorts auf der 
Oberfläche der Lavaströme beobachtet hat. Die eigentliche 
Geburtsstätte dieser Stücke konnte ich nicht auffinden; sie 
liegen im Bruche und auf den nächsten Feldern zerstreut 
umher und sind gewöhnlich von vielen Sprüngen durchzo- 
gen, Schwerlich-rühren sie ‚von ..der Oberfläche. eines La- 


= 32 —- 


vastromes her, da man von einem solchen keine ‚Spur 'wei- 
ter findet; wahrscheinlicher sind sie durch :gewaltsames 
Hindurchtreiben durch unregelmässig gestaliEM Klüfte ent- 
standen *). 

;:.4 Obsidian-ähnliche Gesteine finden sieh Bezont 
ders: bei Baldern, wo der Trass im. Wege ansteht; wie es 
scheint, gewaltsam ee zwischen: ' en Übrige, 
geringmächtige Gänge bildend, wur 

‚9 Bruchstücke älterer Gesteine, uch verän- 
men aus, der Tiefe mit emporgebracht.. »Am: ‚Kolbus, bei 
Bollstadt und bei Altenburg liegen in der -Trassmasse, ge- 
wöhnlich mit Schlacken verschmolzen, in hohem Grade ver- 
änderte Gneiss-Stücke ($). Sie sind gänzlich von ‚Kalkspath- 
masse durchdrungen, der Feldspath ist mürbe ‚und Kaolin- 
artig geworden, der Glimmer schwarz, der @uarz unschein- 
bar und zerborsten; nur. bei. genauer Untersuchung ) kann 
man, erkennen, dass es früher Gneiss: gewesen seyn mag. 
Die @uarztheile ritzen noch am Glase;!die Feldspaththeile 
schmelzen vor dem Löthrohre; der sehwarze. Glimmer:'gibt 
dem: Ganzen ein flaseriges Ansehen. Überall aber hat sich 
Kalkspath . zwischen . die. ursprünglichen Theile: hineinge- 
drängt,, und macht dadurch die Masse um so mehr un- 
en 

Auf, ähnliche Weise liegen bei en dunkelßfrdumg 
wenig. veränderte Schieferthonstücke in der: Trassmasse 
inne, und als besonders merkwürdig muss noch ein Hand- 
stück vom Kolbus bei Bollstadt erwähnt werden, welches 
ausser vielen eingetriebenen sehlackigen  Theilen ein stark 
gewundenes Stück Schieferthon enthält, dessen Klüfte über- 


*) Herr v. Mever in Frankfurt bewahrt ein wahrscheinlich auf 

‘gleiche: Weise entstandenes, sehr merkwürdiges Stück Dolerit auf, 
welches einem unregelmässig auf einen Haufen zusammengeleg- 
ten Taue gleicht, und ausserordentlich an die. Gestaltung .des 
Spritzkuchens erinnert, den man gewaltsam durch eine sternförmig 
ausgezackte Öffnung hindurchpresst. 


— 313 — 


all mit kleinen Gypskrystallen bedeckt sind. — Beide ge- 
hörten wahrscheinlich der Lias-Formation zu. 

6. Endlich ist die ganze Trassmasse noch häufig von 
Kalk- und Kalkspath- Trümmern und Drusen durchzogen, 
die jedoch oft keine eigentlichen Krystalle, sondern nur 
körnigen Kalkspath enthalten. 

Im Ganzen genommen ist dieser sogenannte Trass dem 
Basalttuff des Zabichtswaldes ausserordentlich ähnlich; nur 
enthält er noch mehr und besonders grössere fremdartige 
Bruchstücke eingemengt als jener, so die Kalksteinbreceien, 
welche bei Altenburg als hausgrosse Massen darinne liegen. 
An bearbeiteten Stücken ist die Ähnlichkeit zwischen bei- 
den täuschend; wenn man z. B. die Werkstücke am Nörd- 
linger Kirchthurme mit den Stufen und Einfassungen der 
Freitreppe unter dem Herkules auf Wilhelmshöhe vergleicht, 
so sollte man kaum glauben, dass sie aus zwei verschiede- 
nen Brüchen entnommen seyn können, Gewöhnlich ist aber 
der Trass in der Gegend um Nördlingen. nicht fest genug, 
um ihn bearbeiten zu können. 

Eigentlichen Basalt habe ich nie in oder neben diesen 
Trassbrüchen anstehen sehen; wahrscheinlich steckt er noch 
in der Tiefe und ist durch das viele Haufwerk durchbro- 
chener Gesteine, das er vor sich herschob, am Ausbru- 
che behindert worden. Ganz besonders gilt hier, was 
v. Leonuard im Allgemeinen über die basaltischen Konglo- 
merate sagt *): 

„Die Basalte umgaben sich, aus den Erd-Fiefen empor- 
steigend, mit eigenthümlichen Hüllen, bezeichnet durch be- 
sondere Struktur, eine Folge ihres Entstehungs-Prozesses, 
und auffallend durch gewisse Manchfaltigkeit des Bestandes, 
welche im Beisammenseyn der Basalte mit anderen Felsar- 
ten ihren Grund hat. Es sind diess die basaltischen Kon- 


glomerate, Phänomene, die keineswegs zu den am wenig- 


*) In der Iten Abthl. der Basalt-Gebilde pag. 310. 


sten denkwürdigen gehören bei den Untersuchungen, welche 
uns beschäftigen; denn obwohl die Basalte als bedingende 
Ursachen des Daseyns jener Trümmer-Gesteine gelten müs- 
sen, so‘ liefern diese wiederum über die basaltische ‘Genese 
und über mancherlei dabei eingetretene Umstände aufklä- 
rende Andeutungen, werthvolle Belege und selbst entsehei- 
dendes Zeugniss, besonders wenn sie als: Hüllen fester 


Massen sich darstellen.“ 
Süsswasserkalk. 


Er bildet, wie schon früher erwähnt, den Rand des 
eigentlichen flachen Riesgau-Beckens und ist am Deutlich- 
sten entwickelt an den Felsen bei Nördlngen und bei 
Wallerstein. 

Am ersteren Orte erstreckt sich ein Hügelzug dessel- 
ben von Oberreimlingen bis nahe an die Stadt heran, wo 
am Richtplatze früher mehrere Brüche darin betrieben 
worden sind. In diesen alten Brüchen beobachtet man mit 
ziemlicher Deutlichkeit die Auflagerung dieses’ Süsswasser- 
kalkes auf ein Gneiss-ähnliches, höchst verwittertes Gestein, 
das einzige der Art, was in der Gegend weit und breit 
anstehend zu finden ist, wahrscheinlich dasselbe, von dem 
die veränderten Gneiss-Stücke im Trass bei Bollstadt und 
Altenburg herrühren. 

\. Diese Auflagerung ist keineswegs eine scharf begrenzte; 
denn gangartige Ausläufer des Kalks gehen tief in den Gneiss 
hinein, und Bruchstücke des letzteren finden sieh bis zu 
einer ziemlichen Höhe in den Kalk eingebacken, während 
da, wo man die eigentliche Grenze zu vermuthen hat, ein 
Breceien-artiges Gestein sieh findet, fast bloss aus verwit- 
terten Gneiss-Bruchstücken bestehend, fest gekittet durch 
kaum sichtbaren Kalkteig. 

Doch ich gehe nun über zur näheren Beschreibung des 
Kalkes selbst. Er ist blassgelb und graulichgelb, porös, 
voller Höhlen und Löcher, gewunden, und merkwürdig wech- 


) 
selnd in seiner Beschaffenheit. Bald ist er dicht und fest, 
bald locker, zellig und mürbe, bald horizontal geschichtet, 
bald konzentrisch gewunden, bald wieder kraus durcheinan- 
der gewirrt, an vielen Orten von jüngeren Kalksinter-Bil- 
dungen tropfsteinartig überzogen. 

Betrachtet man den merkwürdigen Felsen, auf dem 
früher das 'alte. fürstlich Örtınsen’sche Schloss Wallerstein 
gestanden hat, so wird man von lauter Widersprüchen 
überrascht; man kann es kaum für möglich halten, dass 
alle diese sonderbaren Bildungen, auf einerlei Weise, auf 
dem Wege ruhigen Niederschlags, entstanden seyn können. 
Konzentrisch schalige Kugeln und Cylinder, durch merk- 
würdig gewundene Zwischenlagen ineinander greifend oder 
unmittelbar verbunden, dazwischen wieder gerade Schich- 
ten und andere Wellen-föürmig gebogen, alle aber von un- 
regelmässig gestalteten Höhlungen und Löchern durchzogen, 
von späteren Kalksinter-Bildungen unter manchfachen For- 
men überkleidet, bieten sich dem Auge dar, und bei nähe- 
rer Untersuchung findet man einzelne Parthie'n des Gesteins 
voll kleiner Paludinen und Cypris-Schalen, oder wohl 
gar nur, daraus bestehend, während an anderen Orten mit 
Kalkspath ausgefüllte Gehäuse einer grösseren Helix-Art 
unregelmässig vertheilt sind. Da ist nichts zu sehen von 
einer Übereinstimmung zwischen der Lagerung der Schich- 
ten und der Vertheilung der Versteinerungen; Alles liegt 
bunt durcheinander; selbst in dem tropfsteinartigen Kalk- 
sinter-Überzuge finden sich dieselben Versteinerungen einge- 
schlossen, die den Kalkstein selbst charakterisiren. Bouk 
schildert diesen Kalk *) mit folgenden Worten: „Dieser wahr- 
hafte Travertin ist weisslich oder gelblich, sehr porös, und 
zeigt alle denkbaren Übergänge einer zusammengehäuften 


Struktur, bis zum Zustande geringerer und grösserer Bicht- 


”) In seinem „geogn. Gemälde von Deutschland, übersetzt durch v. 
LronHarp“ p. 410, 


’ 


— sb — 


heit, so dass man endlich einen, von röhrenförmigen Wei- 
tungen durcehzogenen, Süsswasserkalk vor sich hat.“ Nach 
ihm enthält er Versteinerungen aus den Geschlechtern Lym- 
naeus, Planorbis, Paludina, Physa und Helix nebst 
Wasser- und Sumpf-Pflanzen. Bei Nördlingen und Waller- 
stein habe ich nur Helix fruticum (Mürrter), Paludina 
similis (Pr.), oder wenigstens eine, dieser sehr ähnliche 
Art, Cypris ornata*) und geringe Spuren einer Schilf- 
ähnlichen Pflanze gefunden. 

Der Generalsuperintendent Micser **) erzählt, an zwei 
Bergen bei Hainsfurth Folgendes gefunden zu haben: 

„1) Lithoxylon, 2)Osteocolla, 3) Cochlites ter- 
restrifornmis minor, 4) inkrustirte Binsen und Rohr mit 
dazwischenliegenden Schnecken, 5) eine Masse von Millionen 
kleinen, kaum eines Hirsekorns grossen Muscheln und Tur- 
biniten, welche mit dazwischen gemengtem Mergel und kla- 
rem Sand zusammengebacken. Diese Masse macht ein 
ganzes Stratum aus, welches in gleicher Höhe fast eine 
Klafter diek durch beide Berge hindurch geht.“ Auch bei 
Reimlingen und Mayhingen erwähnt er ähnlicher Vorkomm- 
nisse, die er für seine Zeit recht. ausführlich schildert. 

An der Aussenfläche dieser Kalkfelsen findet man bei 
Nördlingen zur Herbstzeit häufig festangeklebte sandige 
Erdballen; schlägt man sie entzwei, so sieht man darin eine 
Menge eingesponnene Wespen liegen. Es ist Apis eae 
mentaria, die sich auf diese Weise mit einem ziemlich 
festen künstlichen Sandsteine umgibt, um so ihren Winter- 
schlaf ungestört zu halten. 


Resultate. 


Fassen wir nun die eben geschilderten Verhältnisse 
dieser Gesteine und ihre gegenseitigen Beziehungen in der 


*) Dieselbe Art, welche auch im Dict. d. Sc. Nat. T. XII p. 407, 
als im Süsswasserkalk von Balme Dallier vorkommend, er- 
wähnt wird. 

**) In seiner Öttingischen Bibliothek. Anspach 1758. pag. 154. 


= Ma 


Kürze zusammen, so ergeben sich ungefähr folgende Resul 
tate hinsichtlich der Erklärung des Vorhandenen. 

Das Riesgau war wahrscheinlich ein Süsswassersee, 
als rings an seinen Ufern basaltische Eruptionen begannen. 
Aufgeregt dadurch, und vielleicht mit Kohlensäure und koh- 
lensaurem Kalke geschwängert, bildete dieser See an seinen 
Rändern kalkige Absätze, deren regelmässige Gestaltung 
durch heftige Bewegungen oft gestört wurde, bis endlich 
ein gewaltsamer Durchbruch des See’s zwischen Aaarburg 
und Donauwörth erfolgte, wo noch jetzt die Gewässer des 
Riesgaues ihren Abfluss nach der Donau hin nehmen. Nicht 
ohne mächtigen Einfluss können dabei die nahen basaltischen 
Eruptionen gewesen seyn, die eine grosse Menge zerstörter 
Gesteine aus der Tiefe vor sich herscheben und aus ihnen 
die bedeutenden Trassmassen bildeten, die wir oben be- 
schrieben. Der Basalt selbst ist, wie es scheint, nirgends 
zum eigentlichen Durchbruche gekommen; er beurkundet 
sich aber hinlänglich durch jene basaltischen Schlacken und 
durch die veränderten Bruchstücke unterliegender Gesteine, 
die zugleich mit dem mürben Trasse zwischen den Jura- 
kalk hineingeschoben sind, der selbst theils in einzelnen 
Bruchstücken, theils in grossen Breccien-Massen jenem merk- 
würdigen Haufwerke beigemengt ist. Die Umänderung vie- 
ler dieser Gesteine deutet auf bedeutende Einwirkungen 
“durch Gas, Hitze und Druck hin: so die Zersetzung der 
Gneiss-Gemengtheile, die Kalkspath-Eintreibungen manchfa- 
cher Art, die Umänderung in körnigen Kalk, die Gyps-Bil- 
dung, die merkwürdigen Gestalten mehrerer Schlacken und 
basaltischen Laven. 5 

Dieser Trass möchte demnach ein eigentliches Eruy- 
tions-Produkt, ein Reibungs-Konglomerat seyn, während 
jener im Brohlthale am Rhein vielmehr durch Wasser um- 
geändert und abgelagert zu seyn scheint. Oder sollte viel- 
leicht auch hier eine Einwirkung des Wassers anzunehmen 


Jahrgang 1834. al 


Ba 


seyn Könnten vielleicht jene basaltischen Ausbrüche inner - 
halb der Grenzen unseres See’s Statt gefunden haben! 
Könnten sie nicht unmittelbaren Antheil an der Bildung und 
Erhärtung des Süsswasserkalkes haben ® 

Nicht zu verkennen ist jedenfalls die Einwirkung der 
abnormen Gesteine auf die Bildung oder Umbildung der 
normalen (hier die Einwirkung des Basaltes auf den Süss- 
wasserkalk und auf die Breceien-Bildung des Jurakalkes), 
eine Einwirkung, die sich in grösserer Ausdehnung viel- 
leicht noch für die meisten Flötzgebirge, besonders für die 
Kalk- nnd Sandsteine, nachweisen lassen dürfte. 


Untersuchung 


einer 


weissen Pulver-förmigen Substanz aus dem 
Dolomit von Ebermergen in Baiern, 


von 


Herrn Ober-Hüttenamts-Assessor L. M. KERSTEN. 


Diese Substanz besitzt eine blendendweisse Farbe, völ- 
lige Homogenität und fühlt sich zwischen den Fingern rauh, 
wie geglühte, bei Mineral-Analysen erhaltene Kieselerde 
an. — In Borax ist diese Substanz leicht löslich und bildet 
ein Glas, welches nach dem Erkalten klar bleibt und nur 
schwach die Reaktion des Eisens zeigt; in Phosphorsalz löst 
sie sich nur äusserst wenig auf, bildet dagegen mit kohlen- 
saurem Natron ein ungefärbtes, nach dem Erkalten klar 
bleibendes, Glas. Wird dieses Mineral mit Soda auf einem 
Platinblech geschmolzen, so bemerkt man nur eine höchst 
geringe Reaktion auf Mangan. Bei dem Erhitzen dieses 
Minerals in einer Glasröhre entwickelt sich ein wenig Was- 
ser, welches die Pigmente nicht verändert, und nach dem 
Verdampfen keinen Rückstand hinterlässt ; dieses Was- 
ser möchte keineswegs dem Minerale angehören, sondern von 
diesem bloss, wegen seines Pulver-förmigen Aggregat-Zustan- 
des aus der Luft angezogen worden seyn. Wird diese 
Substanz mit mässigstarker Chlor-Wasserstoffsäure über- 

21* 


—. 320. — 


gossen, so findet nur eine geringe Entwickelung von Kohlen- 
säure Statt, und es scheint sich nur wenig aufzulösen. Die 
Solution ist gelblich gefärbt und_enthält Kalkerde, Talkerde, 
Eisenoxsyd nebst einer Spur Mangan; Kali wurde in derselben 
nicht aufgefunden. Der Rückstand besass eine reine weisse 
Farbe und löste sich vollständig vor dem Löthrohre in kohlensau- 
rem Natron, dagegen unmerklich in Phosphorsalz auf. Mit 
Kobalt-Solution zusammengerieben und auf Kohle geglüht, 
bemerkte man weder eine blaue noch rothe Färbung; — 
der Rückstand schien demnach aus reiner Kieselerde zu 
bestehen. Um völlige Gewissheit hierüber zu erhalten, 
wurde er mit Ätzkali im Platintiegel geschmolzen. Die ge- 
schmolzene Masse lieferte, nach dem Aufweichen mit Chlor- 
Wasserstoffsäure, Eindampfen ete., Kieselerde und eine nur 
höchst schwach gefärbte Flüssigkeit, in welcher weder 
Thonerde noch Talkerde, dagegen eine Spur Kalkerde und 
Eisenoxyd aufgefunden wurde! — 

Durch Digestion des zum feinsten Pulver zerriebenen 
Minerals mit Wasser wurde nichts anfgenommen, denn das 
Wasser reagirte weder auf die Pflanzenpigmente, noch hin- 
terliess es nach dem Verrauchen einen Rückstand. 

Zur Bestimmung der quantitativen Zusammensetzung 
dieser interessanten Mineralsubstanz wurde dieselbe mit 
Chlor - Wasserstoffsäure digerirt, und aus der Auflösung 
Kalk, Talkerde und Eisenoxyd gefällt. Der unauflösliche 
Rückstand wurde geglüht, und nachdem sein Gewicht be- 
stimmt war, mit Ätzkali geschmolzen, die geschmolzene 
Masse mit Chlor-Wasserstoffsäure versetzt und auf die be- 
kannte Weise weiter zerlegt. Hundert Theile des bei 
50° R. zuvor erwärmten Minerals wurden zusammengesetzt 
gefunden aus: 

65.8 Kieselerde 
0,5 Alaunerde 
20,1 kohlens. Kalkerde 


11 - Talkerde. — 
2,1 Eisenoxyd mit einer Spur Mangan. 


100,0 


ze 3 


Die untersuchte Mineralsubstanz besteht also im We- 
sentlichen aus Kieselerde; denn da Säuren aus dersel- 
ben sogleich die kohlensauren Erden ausziehen, ohne dass 
die Kieselerde gelatinirt, oder sich in ihrem ‚Aggregat-Zu- 
stand verändert, so hat es den Anschein, dass sie nur mit 
Dolomit gemengt ist.. Schliesslich will ich nochmals auf die 
Ähnlichkeit dieser Substanz mit frisch geglühter Kie- 
selerde, die zuvor im gelatinösen Zustand war, aufmerk- 
sam machen. 


Freiberg den 7. Jan. 1334. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Berlin, 1. Septbr. 1833 *). 


Auf meiner diessjährigen Reise durch Rügen habe ich unter den 
Geschieben, welche sich auf dieser Insel finden, dieselben Gebirgsarten 
gefunden, welche in ähnlicher Weise auch in der Mark vorkommen. 
Auch der Übergangskalk ist derselbe, und führt dieselben Versteinerun- 
gen. Interessanter aber ist es mir noch gewesen, auch den von mir 
beschriebenen Oolithenkalk ganz in gleicher Weise vorzufinden, wie in 
der Mark, und eben so reich an schönen Versteinerungen. Namentlich 
besitzt der Gastwirth ScHEPELFR zu Sagard in seiner Sammlung einen 
ansehnlichen Block dieses Gesteins, in welchem ein schönes Exemplar 
des Ammonites communis Sow. enthalten ist. Obgleich dieser 
Kalk noch nicht auf der Baltischen Halbinsel gefunden ist, so macht 
doch ein so nürdliches Vorkommen eine Herleitung aus südlichen Ge- 
genden nicht wahrscheinlich. Denselben Kalk habe ich auch in Pom- 
mern in der Gegend des Madüe-See’s gefunden. Unter den Versteine- 
rungen aus dem Übergangskalke, welche ScuerzLer besitzt, befindet 
sich auch eine sehr schöne Conularia quadrisulcata Sow. — 


KLöpen. 


Wien, 20. Dezbr. 1833. 


Ich habe den verfiossenen Monat in Ober-Schlesien verbracht. Ich 
besuchte die Zinkgruben und die zahlreichen Eisenschmelzen; aber 
auch zu manchen nicht uninteressanten geognostischen Beobachtungen 
bot sich Gelegenheit dar, In mehreren Gegenden sah ich die Blöcke, 


*) Duteh Zufall verspätet. L. 


— 3223 — 


von denen gesagt wird, dass sie aus Skandinavien abstammen, Zwi- 
schen Gleiwitz und Tarnowitz, in ungefähr 1000 F. Meereshöhe kom- 
men sie in Menge vor, und wechseln in der Grösse von der einer 
Faust, bis zu 4 und 5 F. im Durchmesser. Bei Untersuchung dieser 
Blöcke kann man in denselben die Trümmer einer vollständigen Granit- 
Formation erkennen; d. h. einen Granit von gressem Korne, einen 
feinkörnigen, und einen dritten von noch feinerem Korne, der schon 
ein Porphyr-artiges Aussehen hat. Hornblende findet sich häufig in 
allen diesen Felsarten ein, und durch Abwesenbeit des Glimmers ent- 
steht sodann mitunter Syenit. Der Feldspath ist in manchen Stücken 
roth; diese lassen sich gewissermassen als die am meisten charakteri- 
stischen betrachten. Man kann die granitischen Trümmer in zwei Klas- 
sen abtheilen; eine derselben würde der Formation von weissem, die 
andere der von rothem Granit angehören; aber in jeder von beiden 
Klassen trifft man eine Folge, eine Reihe von verschiedener Grösse 
des Korns. Auch mehr und weniger grosse Quarz-Blöcke kommen vor; 
sie scheinen von Gängen abzustammen. An Quarz-, wie an Granit- 
Blöcken sind mitunter Reibungs- oder Rutschflächen wahrnehmbar. 
Alle diese Phänomene deuten darauf hin, dass an den Orten, wo diese 
Granite u, s. w. anstehend vorhanden sind, die nämlichen Verhältnisse 
bestehen, wie bei Ihren Heidelberger Graniten: wie ich solches unfern 
Meissen, der Brücke gegenüber gesehen habe, bei Karlsbad (an der 
Böhmischen Ruhe) und an so vielen anderen Orten; d. h., dass auf 
eine erste Eruption von grobkörnigen Graniten eine andere folgte, in 
einem (aus geologischem Standpunkte genommen) ziemlich kurzen Zeit- 
raum; letztere hat die erste durchsetzt und ist hin und wieder in sie 
eingedrungen. — Die losen Felsblöcke finden sich, wie bekannt, im 
Diluvial-Boden begraben. Um Gleiwiz ruht das Diluvium, wie man 
behauptet, unmittelbar auf Kohlen-Sandstein; allen bei Sabrze, im 
Distrikt der Grube Königin Louise, sieht man sehr deutlich in einem 
dicht neben der Hauptstrasse angelegten Steinbruche, dass über dem 
eigentlichen Kohlen-Sandstein eine 20 bis 30 F. mächtige Ablagerung 
eines andern Sandsteins ansteht; auf diesen Sandstein folgt erst das 
Diluvium, welches die Blöcke unschliesst. Der letzte Sandstein könnte 
wohl, nach der Art wie seine Körner verkittet sind, dem Süsswasser- 
Quarz der tertiären Epoche angehören. Aber was auffallend, das ist 
die Analogie zwischen diesem Sandsteine und den die Granit-Blöcke 
zusammensetzenden Theilen, Man könnte geneigt seyn zu glauben, dass 
jener Sandstein aus dem Detritus der Berge gebildet worden, von denen 
die Blöcke abstammen. Die feinsten Körner dürften in Sandform durch 
Wasser bei den grossen Überschwemmungen am Raschesten weggeführt 
und niedergelegt worden seyn; die gröbern Körner, die Blöcke, folgten 
nur schr langsam, wegen ihrer Masse, sie wurden folglich um Vieles später 
in den nämlichen Gegenden abgesetzt, wo die Sandlagen bereits gebil- 
det worden waren. Der Sandstein, von welchem die Rede, ist keines- 


ma 


wegs auf die Umgebung von Sabrze beschränkt; ich habe ihn in meh- 
reren geognostischen Sammlungen in Ober-Schlesien gesehen, und stets 
als „Kohlen - Sandstein“ bezeichnet. Was zu dieser Verwechselung 
Anlass gegeben haben kann, dürfte der Umstand seyn, dass der frag- 
liche Sandstein in gleichförmiger Lagerung auf dem Kohlen-Sandstein 
ruht; aber das beweisst nur, dass das Relief dieses Gebiets zwi- 
schen den Bildungs-Epochen beider Felsarten keine Änderung er- 
fahren hat. 


Ezausrra per Baro. 


Catania, 5. Januar 1834. 


ich habe kürzlich eine Abhandlung über den Ursprung des Schwe- 
fels in der Accademia Gioenia vorgelesen. Aus dem Vorkommen 
des Schwefels in einem tertiären Mergel in der Nähe von Sandstein 
und von Salz-führendem Thon, so wie aus der niederen Lage glaube 
ich beweisen zu können, dass derselbe von thierischen Theilen herrührt, 
welche bei den Fäulniss-Prozessen von Mollusken. zersetzt worden, die 
in der Tertiär-Periode beim Rückzuge der Wasser in Meeres-Busen, 
oder in See’n zurückblieben, Diese Ansicht dürfte als eine etwas kühne 
erscheinen; allein bei genauer Untersuehung sämmtlicher geognostischen 
und geologischen Umstände scheint sie mir sehr evident. Sie erhalten 
mit erster Gelegenheit meine Abhandlung. 


©. GEMMELLARO. 


Stuttgart, 6. u. 19. Jan. u. 9. Febr. 1834, 


In Betreff der Braunkohlen-Untersuchung bemerke ich, nachträglich 
zu meinen früheren Mittheilungen, Folgendes. Jetzt ist man mit dem 
Schacht 24° in der Kohle und 19° im Hangenden, also im Ganzen 
43' tief. In der Kreide, die sich in den untern Lagen mehr der Craie 
Zufau nähert, fanden sich emige Terebratuliten: also doch wohl 
keine Infiltration von oben! Mit dem Abteufen in Braunkohle wurde 
bis auf 30° fortgesetzt, dann kam eine 5’ mächtige Letten-Schicht, und 
nach dieser wieder ein Flötz, bei dem die Kohle weit vorzüglicher ist, 
als die in der obern Teufe, namentlich ist die erdige Kohle so rein, 
dass sie in einzelnen Schichten in Glanzkohle übergeht, also wie am 
Meissner in Hessen. Der nächste Basaltberg bei Höweneck in. Högau 
ist aber zwei Stunden von LudwigsthaB entfernt. Nun sind noch 
2 Schächte, jeder 1000‘ vom ersten Schacht, einer gegen W., der andere 
gegen S. angefangen worden, um die Erstreckung des Kohlen-Lagers 
zu untersuchen. 

Feuersteinkugeln finden sich in den obersten Schichten des Jura- 


kalks, der vielleicht Dolomit ist, am Rande der Ebene, auf der das 
Kohlen-Lager aufgefunden worden. 

Bei dem Versuchbau auf Steinkohlen ist der Schacht in dieser 
Woche (vom 27. Jan. — 1. Febr.) nur wenige Schuh tiefer geworden, 
und der braune Thon hält immer noch an, dagegen sind in geognost, 
Beziehung sehr merkwürdige Verhältnisse eingetreten. Die Schichten 
von gelbem Tlıon, Dolomit, grobem Sand, braunem Thon mit verkohl- 
ten Pflanzen, wieder gelbem Thon, und Mergelsandstein mit Konglo- 
merat stehen in einem Winkel von fast 80° saiger. 


Heur. 


Strassburg, 8. Fehr. 1834. 


Ich habe nun angefangen, Mineralogie zu lehren, und da ist mir 
aufgefallen, wie sehr empirisch deren ganzes Wesen noch ist: kaum 
dass man ihr den Namen Wissenschaft geben darf; denn als wahrhaft 
wissenschaftlich kann nur das Krystallographische gelten, und aus dem 
Gebiete des Krystallographischen wiederum nur das zur Physik und 
Mathematik Gehörende. — Was soll eigentlich die Mineralogie seyn? 
„Die Lehre der physischen Kennzeichen, welche jeder chemischen Na- 
tur angehören.“ Und wenn sie eine Lehre seyn soll, so muss sie all- 
gemeine Grund-Prinzipien aufstellen: also soll Mineralogie nur die Ge- 
setze der Verhältnisse zwischen der chemischen Natur und den physi- 
schen Eigenschaften der Körper kennen lehren, so wie die Anwendung 
dieser Lehre zur Erkenntniss und Klassifikation der unorganischen Kör- 
per; sie soll den Grad der Wichtigkeit und den Sinn jeder physikali- 
schen Eigenschaft zeigen. Wie arm erweiset sich aber die Mineralogie 
nicht in dieser Hinsicht; ist sie doch meistens nicht viel mehr, als 
Spezies-Krämerei. Und damit sie noch ärmer werde, so hat man das 
Studium der Laboratoriums-Produkte ausgeschlossen- So dürfen die 
verschiedenen Salzarten nur in so fern im System eine Stelle finden, 
als dieselben in der Natur vorkommen; und das mineralogische Studium 
der vielen Salz-Krystallisationen, welche man so leicht in den Labora- 
torien erzeugt, würde der Wissenschaft ganz gewiss sehr grossen Ge- 
winn bringen. Sind es nicht die nämlichen Natur-Gesetze, welche die 
einen, wie die andern Körper entstehen lassen? Werden die Natur- 
Kräfte verändert, wenn des Menschen Hand chemische Verbindungen 
und Krystallisationen hervorruft? Wie kann man leichter die Gesetze 
der Yerhältnisse zwischen chemischer Natur und den physischen Eigen-. 
schaften kennen lernen, als durch das Experimentiren im Laboratorium. 
Da heisst es nun: solches Experimentiren ist Chemie oder Physik ge- 
trieben. Aber diese Einrede hat keinen Grund; denn Chemie und Phy- 
sik suchen die Gesetze zu ergründen, nach welchen die chemischen 
und physischen Kräfte sich äussern; beide Wissenschaften zeigen uns, 


— 336 — 
» 


wie sicheze Kräfte in den verschiedenen Substanzen verhalten. Die 
Naturhistorie der unorganischen Welt hingegen, die Mineralogie, soll 
nur die Charaktere dieser Substanzen darstellen, d. h. nur gesetzmäs- 
sig die Eigenschaften zeigen, an welchen wir sie bestimmt zu erken- 
nen vermögen, die uns ihre chemische Natur entziffern lehren, wie 
die Zoologie durch ihre Gesetze der vergleichenden Anatomie nur die 
Charaktere der Thierarten zeigt, an welchen wir sie bestimmt erkennen 
‚können, und aus denen man ganz untrüglich auf ihre innere organische 
Natur schliessen kann. 

Die erste Frage, welche sich darbietet, ist: was soll man sich für 
einen Begriff von der Materie machen, und von was soll man die phy- 
sische und chemische Natur herleiten? Die Materie kennen wir nur 
durch die Eindrücke auf unsere Sinne, und diese Eindrücke sind nichts 
Anderes, als Äusserungen der Kräfte, die in ihr liegen. Wir können 
folglich von den Substanzen durchaus nichts Anderes wissen, als was 
von den Kräften herkommt, welche sie, so zu sagen, beleben, und alle 
Phänomene, welche uns dieselben darbieten, müssen von solchen Kräf- 
‘ten hergeleitet werden. Diese Kräfte bilden nothwendig ein Ganzes, 
Unveränderliches, woven nichts vereinzelt werden kann. Hätten die 
Grundkräfte der Materie nur eine Richtung, so würde die Materie sich 
als Linie darstellen, und könnte nicht die Eigenschaft haben, einen 
Raum zu erfüllen; auch würden die Substanzen nur durch die Inten- 
sität dieser einzigen Kraft von einander differiren, was gar nicht mit 
den chemischen und physikalischen Verschiedenheiten der unorganischen 
Körper übereinstimmt; auch müssten dann diese Körper eine ganz ein- 
fache Reihe bilden, wo jedem seine Stelle nach dem Werth dieser Kraft 
angewiesen wäre); eine solche einfache Reilie ist aber in offenbarem 
Widerspruch mit der Natur jener Körper. Hätten die Grundkräfte der 
Materie nur zwei Richtungen, so vermöchten sie noch immer keinen 
Baum zu füllen; aber ihre Eigenschaften könnten schon anders als 
durch ihre Intensität differiren, denn sie hingen auch noch vom Ver- 
hältnisse der Intensität dieser Kräfte in beiden Richtungen ab. Drei 
Richtungen müssen also zum wenigsten diese Kräfte haben und ihre 
Intensität kann nicht die nämliche in den drei Richtungen seyn. Man 
kann diese drei Kräfte immer auf drei rechtwinkelige a, ß, » reduzi- 
ren; ja man muss es sogar thun, wenn man den Effekt jeder Kraft 
rein berechnen will. 

Von diesen Grundkräften, welche die Natur jeder Substanz ausma- 
chen, müssen nothwendiger Weise alle ihre Eigenschaften herkommen. 
Die Dichte und das spezifische Gewicht stehen in einem einfachen Ver- 
hältnisse mit dem Produkt a + ß+%. Die Krystall-Form ebenfalls ; 
denn sind die Axen a, b, c so ist ß — ar und p — az. Weil die 
Dichte und das spezifische Gewicht von den Kräften a, ß, % abhängen, 
so muss die Dichte in der Richtung der drei Axen verschieden seyn; 
daher kommen theilweise die Reflexions- und Refraktions-Verschieden- 


heiten des Lichtes auf den verschiedenen Krystallflächen, daher auch 
die doppelte Strahlenbrechung, die nur in jenen Krystallen Statt hat, 
wo ab e sich nicht alle drei gleich sind. 

Die Ungleichheit der Kräfte a, ß, scheint mir ein Grundprin- 
zip für alle einfache und zusammengesetzte Substanzen zu seyn; also 
müssen in den Urformen auch die Axen a, b, c ungleich seyn. Hier- 
mit befinden sich die tetragonalen, tessularen und hexagonalen Krystall- 
Formen gar nicht im Widerspruch, denn diese Formen entstehen nur 
aus Kombinationen der Kräfte a, ß, p. Das hatte Weiss schon längst 
angedeutet; nur muss man nicht vom regulären System ausgehen, son- 
dern von dem trimetrischen; das Reguläre ist sodann die äusserste 
Grenze der Verbindungen der Kräfte a, ß, y, welche auf den drei 
Axen'so verbunden sind a+ß Lt ya- ßB+y,a+ß-+y. 

In Kurzem werde ich Ihnen eine Mittheilung über meine Theorie 
des Dimorphismus nach diesen Grundsätzen machen. 


VoLTz. 


Gotha, 27. Februar 1834. 


Indem ich Ihnen, verehrtester Freund, den richtigen Empfang eini- 
ger in der letzten Zeit von Ihnen mir zugegangenen Mittkeilungen und 
Sendungen dankbarlich bekenne, darf ich nicht unterlassen, Ihnen ein 
geologisches Phänomen, das sich vor Kurzem in meiner Nähe ereignet 
hat, zu berichten. 

Am 9. Februar d. J. entdeckte ein Landeigenthümer beim Besuchen 
eines seiner mit Getreide besäeten Äcker einen Erdfall, der sich ganz 
neuerlich ereignet hatte, doch von dessen Entstehurg Tag und Stunde 
nicht bekannt geworden sind. Erst einige Tage nach dieser Wahrneh- 
mung von derselben benachrichtigt, begab ich mich am 16. an Ort und 
Stelle und fand Folgendes. 

Der Erdfall befindet sich westlich von Goth@, auf der ersten An- 
höhe, über welche die Landstrasse von dieser Stadt nach Eisenach führt, 
und die eine Fortsetzung des Krahenbergs (der beträchtlichsten der 
Anhöhen um Gotha) gegen Süden bildet. Ungefähr fünf- bis sechshun- 
dert Schritte nördlich von dem höchsten Theile der Strasse (welcher 
zugleich der höchste Punkt der ganzen Strassenlinie von Jena bis 
Eisenach ist), auf einer von diesem Punkte zum höchsten Punkte des 
Krahenbergs - Waldes gezogenen Linie ist die Öffnung des Erdfalls. 
Der letztgenannte Punkt (S. 25. Nr. 20 meines Thüringischen Höhen- 
büchleins, welches Ihnen, wie ich hoffe, richtig zugekommen ist) liegt 
461 P. F. über dem tiefsten Punkte der Stadt Gotha, und 1354 F. über 
der Meeres$liche. Der erstgenannte Punkt (Birnbaun, ebendas. S. 24 
Nr. 19) 337 F. über dem tiefsten Punkt von Gotha und 1230F. über der 
Meeresfläche. Die Stelle des Erdfalls mag ungefähr 30 F. höher liegen 


— 3233 — 


als der Birnbaum. Die ganze Hochfläche umher von Gotha bis zu die- 
sem Punkte und noch viel weiter westlich bis nahe an Eisenach besteht 
aus Muschelkalk, der nur wenig von Dammerde bedeckt ist, und dessen 
Schichten auf dieser Höhe horizontal liegen. 

Das, was man vom Erdfalle sieht, ist ein länglich rundes Loch von 
unregelmässig ausgezacktem Umkreise, im grössten Durchmesser 10 bis 
12, im kleinsten 7 bis 8 Fuss haltend, Die Öffnung setzt in ziemlich 
gleicher Weitung und Form senkrecht in die Tiefe nieder, soweit man 
dieses, wegen der tiefer Statt findenden Dunkelheit von oben hinab 
erkennen kann, d. i. ungefähr 40 bis höchstens 50 Fuss. Sie hat ganz 
das Ansehen eines alten Schachtes, in welchem die Zimmerung nieder- 
gegangen ist. 

Von oben herab bis ungefähr in 10—12 F. Tiefe bestehen die 
Wände dieses hohlen Cylinders aus loser schlechter Erde mit eckigen 
Stücken von Muschelkalkstein vermengt. Von da an abwärts Zeigen 
sich die horizontal liegenden soliden Schichten dieser Felsart mit ihren 
ringsum scharf abgebrochenen Enden. 

Ich liess ein grosses Bündel angezündeten und mit heller Flamme 
brennenden Strohes hinabwerfen, um etwas tiefer hineinsehen zu können; 
aber dieses erlosch, als es kaum 50 Fuss tief gefallen war. Tags zu- 
vor hatte man eine Sondirung der Öffnung vorgenommen, und wollte 
bei 180 Fuss Grund gefunden haben. 

Einige Tage später liess man einen Menschen in die Tiefe hinab. 
Leider aber ist dieser gefährliche Versuch nicht auf eine Weise vorge- 
nommen worden, welche einige Belehrung hätte gewähren können. Die 
Leitung des Versuchs war einem Polizeibeamten anvertraut worden, 
der nicht verstand, was dort eigentlich zu untersuchen war. Dieser, 
ungeachtet sich zwei Bergleute freiwillig zum Einfahren erboten hatten, 
nahm einen gemeinen Steinbrecher dazu. Dieser Mensch wurde mit 
einem Stricke um den Leib hinabgelassen, und es ist nicht einmal kon- 
statirt, ob er Licht mitgenommen hat. Das Seil, an dem man ihn hinab- 
liess, war nur 110 Fuss lang, und als er in diese Tiefe gekommen war, 
zog man ihn sehr bald wieder herauf. 

Er hat ausgesagt, dass er in eine sehr grosse Höhle gekommen 
sey und Alles umher aus Thon und Schlamm bestehend gefunden habe. 
Gesteins-Proben hat er nicht mitgebracht, Aus Besorgniss grosser Ge- 
fahr ist der Versuch nicht wiederholt worden. 

Auf der Oberfläche um die Öffnung her, bemerkt man nur eine un- 
bedeutende Einsenkung des Bodens, die im Halbmesser von etwa 12 F. 
von der Öffuung nicht über zwei Fuss Tiefe haben mag. Der Boden 
hat cinige kleine Risse. 

Ungefähr 100 bis 150 Schritte östlich von dem neuen Erdfall sieht 
man den Überrest eines sehr alten, von dessen Entstehung die jetztle- 
bende Generation Nichts weiss. Dieser besteht aus einem vollkomme- 
nen Zirkel-förmigen Trichter von mehr als 100 Schritten im Umfange 


a 


und einer Tiefe von etwa 30 bis 40 Fuss. Sein Boden und seine Wände 
sind mit Gras und kleinem Gesträuche bewachsen. Noch weiter oben 
auf der Höhe befinden sich einige flache runde Vertiefungen, die Igel- 
See’n genannt, weil sie gewöhnlich Wasser enthalten, die auch für Erd- 
fälle gelten. In der Krahenbergs Waldung selbst sind ein paar alte 
Erdfälle. 

Da in unserer Gegend das Lager des Muschelkalks ein mächtiges 
Lager von Gyps bedeckt, das in einigen Thälern zu Tage ausgeht, am 
Seeberge durch grosse Steinbrüche entblösst, und bei dem Salzwerke 
zu Buffleben erbohrt worden ist, so ist mir sehr wahrschemlich, dass 
sich unter der Hochfläche des Krahenbergs beträchtliche Höhlen in 
diesem Gypslager befinden, durch welche die Erdfälle entstehen, wenn 
einzelne Siellen ihrer Gewölbdecken, zernagt, zu schwach geworden 
sind, um die aufliegende Masse zu tragen. 

In der Ebene von Buffleben, die 455 F. tiefer liegt, als die Höhe 
des Krahenbergs, wo aber der Muschelkalkstein noch von: 134 Fuss 
dicken neueren Felsarten bedeckt ist, so dass dort seine Oberfläche 
589 F. tiefer, als auf dem Krahenberge liegt, ist er selbst 367 Fuss 
mächtig, und erst in dieser Tiefe liegt die Oberfläche des Gypslagers. 
Da aber diese überall, wo man sie in Thüringen kennt, sehr ungleich 
ist, und beträchtliche Bogen macht, so kann es wohl seyn, dass auf 
der Höhe, wo der Erdfall entstanden ist. der Gyps mit seinen Höhlen 
sehr hoch hinauftritt, und nicht mehr als 110 Fuss Muschelkalk über 
sich liegend hat. 

Da alle alten Erdfälle, die ich gesehen habe, eine Kessel- oder 
Trichterform haben, und eben so die aus alten verfallenen Schachter 
entstandenen Pingen, so vermuthe ich, dass auch dieser neue Erdfall 
allmählich durch Nachbrechen der Seitenwände diese Form erhalten 
wird. Ich werde nicht unterlassen, ihn dann und wann zu besu- 
chen. Die unaufhörlichen Regengüsse der verflossenen Monate haben 
vielleicht den letzten Akt des, wahrscheinlich in der Tiefe schon 
seit längerer Zeit vorbereiteten, Einbruchs der obersten Schichten her- 
beigeführt. 


Horr. 


Tharand, 28. Februar 1834, 


Sie erhalten hier einen etwas ausführlichen Brief über gewisse 
Verhältnisse des körnigen Kalksteins, die mir von grosser Wichtigkeit 
scheinen. Auch ist es kein Wunder, wenn mich der reiche vorliegende 
Stoff zur logisch geordneten Schreibweise nicht kommen lässt; da sich 
bei Betrachtung eines jeden einzelnen Umstandes immer zehn andere 
melden, die auch berücksichtiget und beschrieben seyn wollen. Die 
Hauptresultate der nachfolgenden Untersuchungen scheinen mir schr 
augenfällige Beweise für Ihre Hypothese vom Ursprunge körnigen Kal- 


- En 


kes; darum beeile ich deren Mittheilung auch in diesem rohen Zustande; 
später wird sich wohl Gelegenheit finden, sie weiter zu bearbeiten. 

Gestern lockte wich das schöne Wetter nach dem Triebischthale. 
Meine Hauptabsicht war, mir Aufschluss über die dortigen körnigen 
Kalksteine zu verschaffen; Sie werden bald sehen, in wie höchst erfreu- 
lichem Grade mir derselbe zu Theil wurde. 

Das Triebischihal ist von Herzoyswalde bis Meissen überhaupt so 
überaus lehrreich, und aus so vielartigen Gesteinen zusammengesetzt, 
dass es den Raum für die lohnendsten Exeursionen darbietet, die man 
in hiesiger Gegend unternehmen kann. Ehe ich nun aber zur Haupt- 
sache, zur Beschreibung der äusserst wichtigen Phänomene bei Miltitz 
übergehbe, erlaube ich mir, Sie flüchtig durch dieses ganze Thal hin- 
durchzuführen. 

Schon in. Herzogswalde, ehe noch die Strasse den Triebischbach 
erreicht, sieht man zwischen dem Thonschiefer des rechten Gehänges, 
der häufig von festen Grünsteinmassen durchzogen ist, einen Porphyr- 
gang von 40 bis 50 Schritt Mächtigkeit in die’ Höhe steigen. Leider 
sind seine Grenzen zu beiden Seiten mit Boden und Vegetation uber- 
kleidet, so dass man von den Kontakt-Gebilden nur einzelne umherlie- 
gende Stücke finden kann. Im Triebischtkale abwärts wechseln her- 
vorstehende Grünsteinfelsen unzählige Male mit dem gewöhnlichen 
Tıhonschiefer, und gewähren beiden Thalgehängen eine höchst anmu- 
thige Abwechslung. Auch einzelne Lager körnigen Kalksteins finden 
sich ein, ich übergehe jedoch einstweilen ihre nähere Beschreibung, um 
sie weiter unten im Zusammenhange nachzuholen. 

Vor Munzig kommt man aus dem Thonschiefer in Glimmerschiefer 
und Gneiss, die zuweilen von Porphyr durchsetzt sind. Sodann folgen 
die merkwürdigen Gebilde bei Miltitz: Hornblende- und Glimmer- 
Schiefer, wechseind mit Granit und körnigem Kalksteine; ferner die 
Syenite bei Robschütz, ein Petrefakten-reiches ”) über 30 Fuss mächtiges 
Kalktufiager tragend, und endlich die schönen Meissner Pechsteine 
und ihre Übergänge in Porphyr, von denen man zwischen Karsbach 
und dem Buschbade (also in halbstündiger Entfernung) mehr ais 100 
wesentlich verschiedene Varietäten sanımeln kann **). 

Ich wende mich nun zu dem Mlütitzer Kalksteinbruche ***) zurück, 
von dem ich Ihnen eine fiüchtige Skizze hier beilege. Stellen Sie Sich 
in Gedanken mit mir vor diese interessante 60 bis 70 Fuss hohe Fels- 


/ 


*) Mein Vater besitzt eine sehr vollständige Suite der dort vorkonımenden Versteine- 
rungen, worunter sich ein Menschen-Schädel besonders auszeichnet. Blätter, 
Moose, Haselnüsse, Hirschgeweihe, Knochen, vollständige Schlangengerippe, Land- 
schnecken u. s. w. sind alle in grosser Deutlichkeit vorhanden, 


*") Herr Professor RossmäÄsster allhier sammelte in kurzer Zeit eine Meissner Pech- 
stein-Suite von mehr als 150 Abänderungen. 


*=*) Am linken Gehänge des Triebischthales, östlich von Miltitz gelegen, dem Herrn 
v. Hrısırz gehörig. 


— 3351 — 


wand, die durch einen früheren Tagebau auf Kalkstein gebildet worden 
ist, und jetzt leider einzustürzen droht. 


! Zuoberst sehen Sie ein dunkelfarbiges Schiefergestein (a), welches 
sich auch in der Mitte wiederholt, und aus Hornblendeschiefer 
besteht, der jedoch oft in grauen Glimmerschiefer übergeht, ohne 
dass man irgend eine Grenzlinie zwischen beiden wahrnehmen könnte. 
Nur aus heruntergefallenen Bruchstücken kann man dieses Phänomen 
beurtheilen, da die Felswand selbst sich ohne hohe Leiter nicht be- 
steigen lässt. 

Das erste auffallende Lager von oben herein ist hierauf eine 4 bis 

6 Fuss mächtige Granitbank (b), das zweite, am Boden des Bruches, 
Sur 8 bis 25 Fuss mächtige Lager-förmige Kalkmasse (ec). Alle 
diese Gesteine zeigen theils durch ihre Schieferung im Innern, theils 
durch ihre äusseren Begrenzungen, ein unter sich paralleles Fallen von 
etwa 20° gegen WW. — Das Gehänge ist mit Schutt und Gerölle 
bedeckt (d), 

Betrachten wir nun zunächst jene Granitbank genauer, so finden 
wir ihre obere und untere Grenzfläche etwas Weilen-förmig gebogen, 
so dass dadurch die Verschiedenheit ihrer Mächtigkeit hervorgebracht 
wird, die wir oben angaben. An der südlichen Kante der Felswand 
enthält diese Lager-förmige Granitmasse ein ansehnliches Schiefer- 


R a 


Fragment (a) völlig in sich eingeschlossen und, wie es scheint, mehrfach 
von Granitadern durchdrungen. Ausserdem zeigt dieses Gestein überall 
scharfe Grenzen gegen den Schiefer, die, wie es sich aus umherliegen- 
den Stücken ergibt, zum Theil glatte Rutschflächen sind. Es ist scharf- 
kantig und glattflächig abgesondert, fleischroth von Farbe, viel mehr 
Quarz und Feldspath, als Glimmer enthaltend *), von mittelmässigem, 
doch ungleichförmigem Korne und auf den Klüften gewöhnlich mit tal- 
kiger Substanz überzogen, welche auch im Innern sich wieder findet. 
Oft sind kleine Granaten eingemengt und an den Grenzen gegen den 
Hornblendeschiefer führt es einzelne Turmalin-Krystalle und enthält da- 
selbst sogar ansehnliche Massen dieses Minerals, wie man an einem 
grossen Blocke sehen kann, der neben dem Stollenmundloche liegend, 
halb aus Granit, halb aus Hornblendeschiefer besteht, die, beide fest mit 
einander verschmolzen, dennoch eine scharfe Grenze zeigen. 

Sie werden in,diesem Gesteine leicht den Granit von Hohenstein, 
Zscheila, Weinböhla und Meissen wieder erkennen “”), der hier aber 
nicht den Syenit, sondern den Hornblendeschiefer durchbrochen hat, 
and zwar nicht Gang-förmig, sondern in Gestalt eines Lagers, wie es 
ihm die Richtung der Schieferung am leichtesten gestattete. 

Der körnige Kalkstein wurde an dieser Stelle schon seit der Mitte 
des vorigen Jahrhunderts abgebaut, zuerst steinbruchweise, jetzt unter- 
irdisch durch Pfeilerbau, der bei Fackelschein befahren einen grossarti- 
gen Eindruck hervorbringt. Dieser Kalkstein ist nach allen Richtungen 
zerklüftet, und auf den Klüften stets mit- rothem Eisenoxyd überzogen, 
so dass seine Masse im Ganzen als rothber Streif im dunkelfarbigen 
Schiefer erscheint. Im frischen Bruche aber ist er gewöhnlich rein 
weiss und vollkommen körnig blätterig, selten ins Röthliche oder Grau- 
liche spielend "**). Seine Grenzen gegen den Schiefer sind stets sehr 
scharf, im Grossen oft, im Kleinen selten Wellen-förmig, oder, wie es 
aus umherliegenden Bruchstücken hervorgeht, verzahnt, in der Weise, 
dass der Kalk Gang-förmig in den Schiefer eingedrungen ist. Merk- 
würdig sind besonders die manchfachen Kontakt-Erscheinungen, welche 
an diesen Grenzen sich finden. Gegenwärtig lässt sich am anstehen- 
den Gestein über Tage nur die obere Grenze beobachten ; hier ist der 
Schiefer zunächst dem Kalk gewöhnlich sehr verwittert und, wie es 
scheint, an sich selbst herumgerieben, ohne jedoch eigentliche Butsch- 
flächen zu zeigen. Braunes Eisenoxyd, kleine Kalkfragmente enthal- 
tend, dient oft als Zwischenlage, und ein anderes ähnlich vorkommen- 
des pulveriges Mineral ist wahrscheinlich Mangan. Noch auffallender 
und schöner sind die Kontakt-Erscheinungen, die mar an ausgeförder- 
ten Stücken beobachtet, und die, wie ich vermuthe, von der unteren 
Grenze herstammen. Der körnige Kalk ist hier dicht mit dem Horn- 


*) Letzterer fehlt zuweilen ganz und das Gestein erscheint dann als Schriftgranit. 

”=) S, oben S. 132 ff. 

**#) Auch Drusenräume, mit skalenoedrischen Krystallen besetzt, ünden sieh im In- 
nern, doch selten. 


s 


a ar 

blendeschiefer zusammengeschmolzen, welcher letztere in seiner Nähe 
gänzlich verändert, viel fester, blasser von Farbe und undeut- 
lich schieferig geworden ist”); er verhält sich zum unveränderten 
etwa so, wie am Harz gewisse Hornfelse zum Grauwackenschiefer. 
Einige scharfkantige Bruchstücke sind rings vom körni- 
gen Kalksteine umschlossen, der hier an der Grenze zuweilen 
viel feinkörniger, (fast dicht und Chalzedon-artig) oft mit einem bräun- 
lichen Rande umgeben ist. Besondere Mineralien als Produkte der 
gegenseitigen Einwirkung: finden sich ein: Eisenkies in ziemlicher 
Menge, kleine schwarze Magneteisenkörner und feine prismati- 
sche Krystalle eines bis jetzt nicht näher bestimmten Minerals, Zwar 
sieht man über Tage den Kalk nirgends von Glimmerschiefer begrenzt, 
dennoch befinden sich unter den ausgeförderten Stücken solche, wo. 
körniger Kalk in das Gewebe des Glimmerschiefers eingedrungen ist, 
und hier gerade Magneteisen, nebst jenen feinen Krystallen enthält, 

Ausser diesen merkwürdigen Kontakt-Produkten finden sich auf der 
Halde auch noch Breecien-artige Gesteine, deren Lagerstätte und Be- 
ziehung ich leider nicht zu ermitteln vermochte. Sie bestehen fast nur 
aus Kalk; indem nämlich körnige Kalkstücke dureh Kalkmasse 
‘ gebunden sind, die zuweilen krystallinisch und drusig einzelne Gra- 
nit- und Schiefer-Fragmente enthält. Ein ähnliches Gestein 
haben Sie, wenn ich nicht irre, in dem unteren verfallenen Bruche ne- 
ben der Rossbach bei Auerbach gefunden, und desshalb erwähne ich 
seiner, ohne mich in weitere Vermuthungen über seine Entstehung einlas- 
: sen zu können. 

Suchen wir nun für alle die obigen Erscheinungen eine befriedi- 
gende Erklärung, so sind wir offenbar genöthigt, den Miltilzer körni- 
gen Kalkstein gleich vielen anderen nach Ihrem Vorgange für feurig 
flüssig zwischen die Lagen des Hornblendeschiefers 
eingedrungen zu halten; eben so wie wir dieses von dem darüber 
liegenden Granite mit Bestimmtheit zu glauben berechtigt sind. Ohne 
hier die ungezwungene Weise, mit welcher diese Hypothese alle Neben- 
umstände von selbst erläutert, weiter zu entwickeln, müssen wir so- 
gar anerkennen, dass es an und für sich die einzige mögliche Erklä- 
rungsart ist. 

Dem Neptunisten steht bei diesem Falle schon der plötzliche Wech- 
sel dreier, ihrem Wesen nach ganz verschiedener, Gesteine entgegen; 
denn wie sollte es wohl denkbar seyn, dass durch krystallinischen Nie- 
derschlag aus einerlei wässeriger, oder anderer Auflösung, mitten wäh- 
rend der Hornblende- und Glimmerschiefer-Bildung, erst ein 
gering-mächtiges Lager ganz reinen Kalksteins, und dann eine 
schwache Schicht von Granit gebildet worden sey, ohne dass die geringste 


*) Auf 1 bis 2 Zoll Entfernung erscheint der ausserdem dunke!gräne Schiefer 
hellgrün, dicht und splitterig im Bruch, 80 dase-er nieht mehr sclıieferig, sondern 
nach allen Richtungen spaltet. 


Jahrgang 1834, 22 


—. 1088. 7 


Spur von Übergang: (sondern vielmehr überall vollkommen scharfe Gren- 
zen) zu sehen wären. Nicht zu gedenken, dass auch die anderen Um- 
stände die manchfachen Kontakt-Erscheinungen u. s. w. auf neptunische 
Weise unbedingt nicht erklärt werden können. Fast alle diese Hinder- 
nisse stehen auch der Annahme einer gleichzeitigen Erstarrung aus 
heissflüssiger Planetenmasse im Wege. 

Wer dagegen allen körnigen Kalkstein für umgewandelten dichten 
halten wollte (wie es einiger allerdings gewiss ist), auch dem stehen 
hier eine Menge Verhältnisse entgegen, die auf solche Weise nicht zu 
erklären sind. So besonders die scharfkantigen Bruchstücke des Schie- 
fers im Kalk, und die allgemeinen Lagerungs-Verhältnisse, welche zu 
erklären man voraussetzen müsste: der Hornblendeschiefer habe bei 
seinem heissflüssigen Empordringen eine ungeheuer grosse, aber nur 
einige Fuss dicke Kalkplatte aus allem früheren Zusammenhange ge- 
rissen, zwischen sich eingeschlossen und durch und durch gleichförmig 
umgewandelt, so dass von dem ehemaligen dichten Kalksteine nicht eine 


Spur mehr aufzufinden wäre: — so eine grosse dünne Platte, ohne sie 
zu zerbrechen!! — Die vieljährigen Abbaue haben ihren Umfang schon 


auf mehrere 1000 7) Fuss mit Bestimmtheit nachgewiesen. 

Für die Annahme des selbstständigen Empordringens hingegen 
sprechen nicht nur alle am Kalke zu beobachtenden Umstände, sondern 
auch der darüberliegende Granit bietet in aller Hinsicht ein sehr ana- 
loges Parallel-Phänomen dar; so dass die Erklärung des einen gewiss 
auch die des anderen seyn muss. 

Vergleicht man nun aber die Erscheinungen, unter welchen dieser 
Kalkstein bei Miltitz auftritt, mit denen, welche man an den anderen , 
körnigen Kaiksteinen, weiter oben im Trriebischthale, (und in dessen 
Nähe) bei Schmiedewalde, Burkhardsdorf, Blankenstein, Steinbach und 
Helbigsdorf beobachtet, und vergleicht man ferner diese Gesteine selbst 
nit jenem, so ergeben sich eine Menge wesentlicher Unterschiede. 

Was zunächst das Gesteim selbst betrifft, so sind alle jene anderen 
Kalksteine in hiesiger Gegend mehr grau von Farbe und weniger 
krystallinisch ; nie durchaus weiss, sondern höchstens von weissen kry- 
stallinischeren Lagen in der Richtung der Lagerung durchzogen, in 
der Art, dass oft eine auffalleude Streifung dadurch entsteht: ein Wech- 
sel von grauen und weissen Streifen, die auf merkwürdige Weise ge- 
bogen, durchemander gewunden und aneinander abstossend, aber immer 
der. Lagerung mehr oder weniger parallel erscheinen. Diese Kalksteine 
entsprechen alle in vieler Beziehung dem Tharander, den Sie selbst 
anstehend gesehen haben; nur so viele Drusen und Braunspathadern 
enthalten sie nicht, wahrscheinlich weil sie von keinen Porphyr-Gängen 
durchbrochen sind, wie der hiesige "). Ihre Grenzen gegen den um- 
1005 NONE LEODERLRRLEN 


*) Die fremdartigen Mineralien in den Drusenräumen des hiesigen Kalksteins — 
Braunspatli, Schwerspath, Gyps, Bleiglanz, Eisenkies. Blende u. ». w. — sehreibe 
ieh der Einwirkung des später eniporgedrimgenen Porphyrs au. 


schliessenden Thonschiefer sind nie scharf, sondern durch immer dün- 
ner werdende, in den Schiefer eingewebte Kalk-Lamellen bezeichnet. An 
eingebackene Stücke ist nicht zu denken — zwar sind die wunderlichen 
Biegungen der nächsten mit Kalk durchwebten Schieferlagen oft sehr 
auffallend, so besonders bei Steinbach (ähnlich bei Tharand); diese an- 
scheinenden Zeugen gewaltsamer Eintreibung scheinen jedoch keine 
‘andere Entstehungsursache zu haben, als die sonderbar gewundenen 
Streifen im Innern des Gesteins selbst. Wenn man nämlich mit mir 
annehmen wollte, diese Kalksteine seyen mit dem Schiefer- 
'Gebilde zugleich an der feurig-flüssigen Erd-Oberfläche 
erstarrt, so würde sich aus der mehr krystallinischen Beschaffenheit 
und aus dem anderen Schmelzgrade des Kalkes von seibst ergeben, 
dass er in ungleicher Zeit mit dem Schiefer — und zwar später — 
fest wurde: hierdurch aber musste die zwischen zwei erstarrte Flächen 
eingeschlossene bewegliche, zähflüssige Masse nothwendig zu solchen 
‘Störungen und Biegungen im Nebengesteine und in sich selbst Veran- 
lassung geben, wie wir sie finden. Es sind diess Erscheinungen, wel- 
che ein nicht undeutliches Bild vom fluthenden Hin- und- Herdrängen der 
im ‚Erstarren begriffenen Steinmasse zu geben vermögen. 

Noch eine andere besondere Eigenthümlichkeit, welche die gleich- 
zeitig mit dem Nebengestein erstarrten Kalksteine wesent- 
lich von den später emporgedrungenen, noch ausser jenen in- 
neren Biegungen und ausser dem Verwebtseyn im Hangenden und Lie- 
genden, zu unterscheiden scheint, ist ihre weniger weisse und röthliche, 
mehr graue, blauliche oder grünliche Farbe, vielleicht von dem Grad 
der Oxydation des beigemengten Eisens herrührend, und der Umstand, 
dass sie seltener fremdartige Mineralien enthalten. 

Zum Schluss will ich Ihnen nur noch kurz diejenigen Belegstücke aus 
dem Miltitzer Bruche schildern, die Sie mit nächster Gelegenheit von 
mir erhalten, ’ 

Mit No. 1. sind drei Varietäten des Schiefers bezeichnet, welcher 
den Granit und Kalkstein einschliesst, zwei davon sind Hornblendeschie- 
fer, das dritte Glimmerschiefer. Ä 

No. 2. Sind zwei Stücke Granit, von denen das eine eine deutliche 
Rutschfläche zeigt, die beim Formatisiren eben so abzusprinvgen droht, 
wie das bei den Heidelberger Granit-Rutschflächen gewöhnlich der 
Fall ist (Wirkung der schnellen Erkaltung). 

No, 3. Sind lauter Grenzstücke, an denen der Kalkstein und Horn: 
blendeschiefer dicht verschmolzen erscheinen, und zwär: 

a) der Kalk ist Haken-fürmig in den Schiefer eingedrungen, ein 
bräunlicher, weniger körniger Rand umgibt ihn. Der Schiefer ist 
auf 3 bis 2 Zoll Entfernung gebleicht, wit kleinen Kieskrystalleu 
imprägnirt und Hornstein-artig fest geworden, 

b u. ec) zeigen ungefähr dieselben Erscheinungen, doch mehr gerade 
Grenzlinien zwischen Schiefer und Kaik. 

d) Der Kalk erscheint Keil-föürmig zwischen die Schieferlagen einge- 

DAS 


ga 


zwängt, an mehreren Stellen dunkelbraun und glänzend, zo dass 
man geneigt ist, ihn für Granat zu halten. 

e) Die Grenze geht der Schieferung vollkommen parallel, und ist 
durch eine Eisenkies-Lage bezeichnet, deren im Schiefer noch 
mehrere aufeinander folgen, sich Gang-artig in den Kalk hinein 
verzweigend, der an diesem Kontakt-Punkte höchst feinkörnig 
(Chalzedon-artig), grau und röthlich gefärbt erscheint, und eine 
Menge Schiefer-Fragmente umschliesst. 

D Der Kalkstein enthält eine grosse Anzahl zum Theil sehr scharf- 
kantiger Schiefer-Bruchstücke, ist mit Eisenkies durchzogen, und 
zeigt kleine schwarze Punkte — vielleicht Magneteisen. 

g) Der Kalkstein ist von Glimmerschiefer (alles Vorige war Horn- 
blendeschiefer), doch überall mit scharfen Konturen, durchwebt. 
Er enthält grüne Glimmertheile, Magneteisen und an einer 
Stelle feine prismatische Krystalle eines noch zu bestimmenden 
Minerals, ; 

No. 4. Braunes Eisenoxyd, mürbe Kalk-Fragmente enthaltend, wel- 
ches sich an der oberen Grenze zwischen Kalk und Schiefer findet. 

No. 5. Verwittertes mit Eisenoxyd überzogenes Schiefergestein, von 
der oberen Grenze des Kalks, welches gegenseitig aneinander herunige- 
rieben zu seyn scheint. 

No. 6. Braunes Pulver-förmiges Mineral von der oberen Kalk-Grenze 
— vielleicht Mangan? 

No. 7. Weisser Kalkstein aus der Mitte der Lager-fürmigen Masse. 

No. 8. a) Kalk-Brecciengestein, dessen Lagerung mir unbekannt. 

b) Dessgleichen, mit krystallinischem Bindemittel, Granit- und Kalk- 
Stücke einschliessend. Eins der letzteren zeigt eine auflallend 
gestaltete, abgerundete, wie geflossene Oberfläche. 


B. Corra. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Wien, 25. Dezember 1333. 


Nachdem ich Breslau verlassen, durchwanderte ich Ober-Schlesien 
und Galizien. LiuL von Liriensach sagt in seiner Abhandlung über 
das Becken von Galizien und Podolien (Mem. Soc. geol, 92), dass 
der Jurakalk von Podgorze kieselige Konkrezionen enthalte, worin man 
hin und wieder Muschel-Abdrücke finde, von denen er jedoch mit Ge- 
wissheit nur Pectiniten nennt. Nachdem ich an Ort und Stelle 
seibst gewesen, scheint mir, Jasse sich die Sache so auflassen: 

Diese kieseligen Massen (Feuersteine) sind im Allgemeinen abge- 
rundet, übrigens aber von allen Gestalten, zylindrisch, Thierknochen- 
ähnlich, von Löchern durchbohrt u. s. w. Sie sind zwar einzeln von 


“ 


Na 7 


einander gesondert, bilden im Ganzen jedoch 1°— 3’ dicke Schichten, 
welche 2'— 5° von einander entfernt sind. Diese Schichten sind fast 
söhlig, und die Feuersteine liegen darin mit ihrem grösseren Durch- 
messer fast nach allen Richtungen. Sie. enthalten keine Muschel-Ab- 
drücke, wie Lirr angibt, sondern auf ihrer ganzen Oberfläche ringsum 
sind Trümmer von lauter kleinen und mikroskopischen Individuen von 
Konchylien angekittet. Nach allem dem scheinen jene Kieselsteine keine 
Konkrezionen, dem Kalkstein selbst angehörig, zu seyn, sondern wirk- 
liche Geschiebe, welche lange Zeit auf der Oberfläche des Kalksteines 
gelegen, oder von Ferne dahin geführt worden sind, und auf ihrem 
Wege jene Konchylien-Trümmer gleichsam aufgesammelt haben, weil 
der kompakte Kalk selbst gar keine Konchylien — oder wenn ja, doch 
von anderer Art — enthält. Ich habe hier nur Terebratula obovata 
finden können, während alle Kiesel-Steine ganz mit kleinen Konchylien- 
T'heilen überzogen sind, um welche zu entdecken man jedoch die Steine 
gut waschen und von einem Überzuge eisenschüssigen Lehmes befreien 
muss. Ich sende Ihnen von der Gebirgsart sowohl als von diesen Feuer- 
steinen Muster zur Untersuchung der daran befindlichen: Kouchylien, 
damit sie das Formations-Alter bestimmen *). 

Es ist noch zu bemerken, dass Lırr, von den Tertiär-Bildungen 
bei Cheim an den Ufern des Raba, SO. von Wieliczka, sprechend, 
eines kalkigen Sandsteins erwähnt (S. 72), welcher viele zerbrochene 
kleine Konchylien nebst Pflanzen-Resten enthalte, und zuweilen sehr 
“ eisenschüssig seye. Sollten die erwähnten Feuersteine, wie es doch fast 
scheint, mit ihm einige Beziehung haben, so müsste der Kalk von Pod- 
gorze jünger als dieser, er daher entweder älter als tertiär, oder der 
Kalk jünger seyn, als Lırr angibt. 


J. EzauvErrA DEL Barvo. 


tr 


Stockholm, 7. März 18314, 
“Im Thoneisenstein von Höganäs in Schoonen, welcher wahrschein- 
lich zur Lias-Formation gehört, findet man kleinere oder grössere Ku- 
geln, die ich auf Taf. II, Fig. 3 a, b, in dem noch nicht erschiene- 


*) Das übersandte Exemplar Feuerstein ist unregelmässig zylindrisch, schwarz, aussen 
kaum auf eine Dicke von 3‘ —6'’ weiss. In beiden Theilen gewahrt man auf dem 
Bruche kleine Flecken, aus deren Form jedoch nichts über ihren Ursprnng zu 
entnehmen ist.- Auf der weissen Oberfläche aber stehen allerwärts kleine, un- 
deutliche Konchylien-Reste hervor und machen sie rauh. Drei bis vier davon 

stanınen bestimnıt von Muscheln ab, und zwar von zwei verschiedenen, kleinen 
Arten, wovon eine strahlig gerippt und konvex, die andere glatt und ziemlich 
flach ist, keine aber sich, ihrer Unvollständigkeit wegen, näher bestimmen lässt. An- 
dere Reste sehen wie Milioliten aus. Genauer lässt sich nichts mehr crken- 
nen. Aber alle diese Reste sind selbst in Kieselmasse verwandelt, folglich bei 
der Bildung dieser Konkretionen schon vorhanden gewesen, und walırscheinlieh 
durch Zersetzung der Oberfläche wieder heraus getreten Br. 


— 8538 — 


nen sechsten Hefte meiner „Anteckningar i Physik och Geognosie" ab- 
gebildet habe, und von welchen mehrere, wie es scheint, durch einen 
zylindrischen Stiel, der zur Hälfte von jeder Kugel umwachsen ist 
und so durch sie hindurch geht, vereinigt gewesen sind. Keiner un- 
serer Naturforscher vermag eine wahrscheinliche Hypothese über 
ihren Ursprung. aufzustellen; — wären sie vielleicht vegetabilischer Ab- 
stammung? 

Auf derselben Tafel, Fig. 1 finden Sie den Kopf eines Krinoideen, 
welcher viele Verwandtschaft mit Actinocrinites tesseraeconta- 
dactylus von Gorpruss besitzt; und Fig. 2 ist ein anderer von zwei- 
felhaftem (?Platyerinites oder ?PEugeniacrinites) oder wohl 
ganz unbekanntem [so scheint es, Br.] Geschlecht abgebildet. Beide 
stammen von Klinteberg auf der Insel Gottland und zwar aus den obe- 
ren mergeligen Schichten des jüngeren Intermediär-Kalkes. 

Meine Genera Euomphalus und Cirrus. sind nicht ganz iden- 
tisch mit denen von GoLpruss und Sowergy, das erstere wenigstens ist 
nur eine Unterabtheilung von Solarium, wie auch Desuayezs bemerkt, 
Mein Geschlecht Centrifugus, Heft V, Taf. I, Fig. e, d (Helici- 
tes centrifugus Wanrene.) ist ohne Scheidewände im Inneren, 
kann daher nicht zu Lituites gehören, wie ich lange geglaubt hatte. 
— Von meiner Turritella cingulata (HeftV, Taf. I, Fig. 1.) habe 
ich in allen Sammlungen bis jetzt nur ein Exemplar gefunden, aber 
ibre Steinkerne sind auf Gottland nicht selten. 


W. HıisınGer. 


Wühelmshall bei Rothweil, 9. April 1834. 


Mit meiner Arbeit über den bunten Sandstein, Muschelkalk und 
Keuper bin ich endlich fertig, und hoffe sie Ihnen noch im Laufe des 
Sommers gedruckt zusenden zu können. Sie hat eine grössere Aus- 
dehnung erhalten, als ich ihr Anfangs zu geben im Sinne hatte. Ich 
habe die Absicht, eine Suite aus jenen Formationen als Belege meiner 
Arbeit im September mit nach Siutigart zu bringen und sie dort auf- 
zustellen. — 

Neulich fand ich, was Sie wohl interessiren wird, den Schnabel 
des Conchorhynchus ornatus Bramv. in einem theilweise mit 
Scpia überzogenen, Flügel-artig nach beiden Seiten verlängerten Sacke. 


v. ÄALBERrTI. 


Neufchätel, 10. April 1834. 


Nun ist auch die 2te Lieferung der Poissons fossiles an die Buch- 
bandlungen versendet, und his Ende Juni wird die dritte fertig werden, 
von welcher schon ein paar Bogen gedruckt sind. Im Sommer denke 


— 339 — 


ich nach England auf den Fischfang zu gehen, wenn es meine Gesund- 
heit erlaubt. 

Die Untersuchung der harten Theile der Crustaceen zieht mich 
jetzt sehr an. Ich widme ihr alle freie Zeit, um dereinst diese Theile 
mit denen der fossilen Arten vergleichen zu können. Es gibt wohl 
nichts Aufmunternderes, als in dem unzähligen Heere der Glieder-Thiere 
auch so bestimmte Formen, solche Gesetzmässigkeit der Anordnung und 
der Verhältnisse wahrzunehmen, dass nach langem Studium die Her- 
stellung eines Ganzen aus losen Theilen möglich scheine. Schade nur, 
dass die hartschaligen Glieder-Thiere, ihrer Kieinheit wegen, in den 
Sammlungen so vernachlässiget worden *). In der That ist auch die 
Unzahl ihrer lebenden Arten und die Vervielfältigung ihrer Genera fast 
zurückschreckend. 


Acassız. 


—————n 


€) Herr Dr. De Haan in Leyden Ist eben mit ähnlichen Untersuchungen, doch haupt- 
sächlich nur rücksichtlich der Fresswerkzeuge der Crustaceen beschäftigt. Br. 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 
1530. 


_ Anpn. Ure: neues System der Geologie; a.d. Engl. Weimar, gr. 8°. mit 
17 lithogr. Tafeln (6 fl. 18 kr.) 


1831. 
Werger: Theorie der Quellen, und über die Heilquellen am Knibis. 
Freiburg, 55 pp. 8°. 
1532. 


J. E. Pont: Beiträge zur Gebirgs-Kunde Brasiliens, nebst Aufzählung 
alier eingesammelten und im K. K. Brasilianer Museum in Wien 
aufbewahrten einfachen und zusammengesetzten Fossilien. Ite Ab- 
theilung, mit einer Iithographirten geognostischen Ansicht, Wien, 
8°. (1 fl. 50 kr. — Besonders abgedruckt aus desselben Reise ins 
Innere von Brasilien, Iter Thl.) 

©. v. Schreigers: über den Meteorsteinfall auf der Herrschaft Wessely 
in Mähren, am 9. Septbr. 1834, nebst der Analyse dieses Steines 
von Dr. vom Horcer, Wien, S° (besonderer Abdruck aus Baum- 
GaRrn. Zeitschrift, III.) 

1833. 

K.E. A. vox Horr: Höhen-Messungen in und um Thüringen, gesam- 
melt, verglichen und mit Bemerkungen begleitet, nebst 2 Steindruck- 
Blättern, @otha 170 SS. kl. 4°. 

Tu. oe Borpesux: Recherches sur les eauz minerales des Pyrenees. 
Paris 8°, 


B. Zeitschriften. 


C. J, B. Kursten’s Archiv für Mineralogie, Geognosie, Berg- 
bau u. Hüttenkunde, Berlin, 1833. VL. 448 SS. u. XV Tafeln. 


— 341 — 


v. OEYNHAUSEN und v. Decnen: über den Steinkohlen-Bergbau in Eng- 
land, gesammelt auf einer Reise in den Jahren 1826-1827 (Be- 
schluss). 8. 3—216. 

Kaur: Vier urweltliche Hirsche des Darmstädter Museums. 8.217—223. 

— Eine Berichtigung, den Hippopotamus major betreffend. 
S. 223—228. 

Fr. Horrmann: die Gebirgs-Verhältnisse in der Grafschaft Massa Car- 
rara. S. 228—263. 

v. Escuwege: Geognostische Verhältnisse der Gegend von Porto, nebst 
Beschreibung des Steinkohlen -Lagers bei 8. Pedro da Cova. 
S. 264-276. 

C. Naumann: über einige geologische Erscheinungen in der nen 
von Mittweida. S. 277—289. 

Du Bois: Geognostische Bemerkungen über einige Gegenden in der 
Ukraine. 8. 290—298. 

A. v. STRoMBEcK: über die Lagerung der Niederrheinischen Braunkohle 
S. 299— 316. 

Nozsceratu: Nachschrift hiezu. S. 317—318. 

Burkart: über die geognostischen Verhältnisse und Betriebs-Resultate 
der Silber-Bergwerke von Veta Grande in Mexico. S. 319—342. 

Serro: über Seilbehren nach Art der Chinesen. S. 343—369. 

w. Decuen: Versuche über die Tragkraft gegossener eiserner Schienen 
S. 370—412. 

Burkart: Geognostische Bemerkungen über die Berge von Santiago im 
Staate St. Louis Potosi. S. 413—421. 

_ Beobachtungen auf einer Reise von Ramos nach Catorze. 
S. 422—430. 

A. v. Stromgeer: über die von Fox angestellten Versuche in Be- 
zug auf die elektro-magnetische Äusserungen der Metall- Gänge. 
S. 431—438. 

Burr: über Gang-Bildungen, welche eine Lager-artige Entstehung zu 
haben scheinen. S. 439—443. 

Scumivr: Vorkommen des Kohlenstoffs und seiner Verbindungen in den 
Blasenräumen basaltischer Gebilde. S. 444—448. 


Transactions of the Royal Geological Society of Corn- 
wall. Vol. IV, 1833. 
enthält, ausser den Berichten in Beziehung auf die Gesellschaft selbst, 
folgende Abhandlungen: 


J. Cırne: Nachträge zur Mineralogie des Kirchspiels St. Just. 

W. J. Henwoonp: Bericht über die weiteren Fortschritte in der geolo- 
gischen Übersicht der Minen Cornwalls. 

G. Pıcorr: Vorläufige Bemerkungen über die Küste des Lands-end- 
Bezirkes. 

H. S. Bosse: Versuch, die Natur der Primär-Gebirge und insbesondere 
des Quarzfels zu beleuchten. 


u Va 


J. Cunnz: über das Vorkommen von. erdigem phosphorsaurem Eisen auf 
Erzgängen. 

W. J. Henwoop: Beobachtungen über die Stärke des Erdmagnetismus 
zu Carn-Brea Castle, au der Oberfläche der Do2coath-Grube und 
in 210 Faden Teufe in derselben. 

G. Piscorr: Notitz über einen Granit-Elvan in Granit zu Pedn-merer- 
mere bei St. Levan. 

H. S. Bosse: über Natur und Ursprung der einheimischen und der her- 
beigeführten. Ablagerungen in Cornwall aus der neuen geologischen 
Epoche, 

W. J. Henwoon: über einige sonderbare Kreutzungen von Gängen in 
der Dolcoath-Grube. 

J. CArne: Bericht über die Menge von Zinn, weht, in Cornwall 

und Devon in dem Jahre bis im Sommer.- Quartal 1833. erzeugt 
worden, 

A. Jenkın: Bericht über die Menge von Kupfer, welche. in Cornwall, 
und in Grossbritannien und Irland im Jahre bis zum 30. Juni 1833 
erzeugt worden. 


D. Brewster, R. Tayıor and R. Puıcries: the London and Edi» 
burgh Philosophical Magazine and Journal of 
Science. London 8°. Nro. 13, July 1833; Vol. III. 1—-320. 

Tu. Peruerick: Versuch über den Elektro - Magnetismus von Metall- 
Gängen in einer Kupfergrube Irlands. S. 16—17. 

J. BEenserr’s: über den Elektro-Magnetismus von Kupfergängen in 
Cornwall. S. 17—18. 

Bericht über eine von Eow. Turser in einer von den Abend-Versamm- 
lungen bei der Universität London gehaltenen Vorlesung über 
Chemie und Geologie. S. 21—28. 

N. J. Wıncn: Beiträge zur Geologie von Northumberland und Durham. 
S. 28—35. (F. £.) 

R. J. Murcuıson: Jahresbericht über die Leistungen in der Geolo- 
gie, beim Abgang vom Präsidenten - Stuhl der geologischen Ge- 
sellschaft in London am 12. und 15. September 1833. (Schluss). 
S. 42—59. 

J.. Horpsworru: Notitz, über (die Entdeckung von Kohlen: - Lagern 
und fossilen Früchten zu Billesdown Coplow: in: Leicestershire. 
S. 76-79. 

J. Bryce: Liste einfacher Mineralien in den Grafschaften Down, Antirım 
und Derry. S. 83—87, 

N. J. Wıinen: Fortsetz. zu S. 35. — S. 92-99. 

W. D. Conyseare: wiber Horpswortu’s (S. 76) angebliche Entdeckung 
von Steinkohle. S. 112—114. 

N. J. Wıncu: Fortsetzung zu S. 99. — S. 200—204, 

Verhandlungen der geologischen Sozietät: S. 219—231. 

Coox: Beschreibung von Theilen der Königreiche Valencia, Murcia und 
Granada im Süden von Spanien. S. 219. [Jahrb. 1833. S. 704.) 


- 43 — 


D. Brewster: Beobachtungen über Struktur und Entstehung des Dia- 
mants. S. 219—220. [Jahrb. 1834, S. 225.] 

L. Horner: Geologie der Umgegend von Bonn. 8. 220—224. [Jahrb. 
1833. S. 570.] 

R. J. Murceuison: über die Sedimentär - Ablagerungen im westlichen 
Theile von Shropshire und Herefordshire, welche SW. durch Rad- 
nor, Brecknock und Caermarthenshires fortsetzen u. s. w. S. 
224—231. [Jahrb. 1834. S. 83]. 

G. FurrHoLme: einige Bemerkungen über die Natur der Steinkohle und 
die Art, wie die verschiedenen Schichten der Kohlen-Formation ab- 
gesetzt worden seyn mögen. S. 245—252. 

N. J. Wıncu: Beschluss zu S. 204 — S. 273—277. 


Auszüge. 


— 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


Krystallisation des Antimonnickel-Kieses oder synthe- 
tischen Markasinkieses (Nickel-Antimonglanz), nach Breıruaurr. 
(SCHWEIGGER-SEIDEL, n. Jahrb. d. Chem. 1833. H. 16, S. 445 ff.). Die 
von LommeL auf der Grube freudiger Bergmann zu Klein - Frössen 
bei Ebersdorf im Reuss-Lobensteinischen aufgefundenen Krystalle sind 
Oktaeder, einige mit abgestumpften Ecken, auch wolıl noch mit abge- 
stumpften Kanten, 


Zerlegung zweier neuen Varietäten von Haindingerit 
von Bertuier. (Ann. des Mines; 3€me serie; T. III, p. 49 etc.) 
Unter dem Namen Haidingerit hatte B. eine neue Gattung bekannt 
gemacht, welche aus A Atomen Schwefel-Antimon und 3 At. Einfach- 
Schwefeleisen besteht, und die zu Chazelles im Dept. Puy-de-Döme 
vorkommt; aber der Haidingerit ist nicht die einzige Verbindung von Schwe- 
fel-Antimon und Schwefel-Eisen, die sich in der Natur findet. Neuer- 
dings hatte B. Gelegenheit, zwei andere zu untersuchen; die eine stammt 
von der Grube des Martoures, unfern Chazelles, die andere von Anglar 
im Dept. de la Creuse. Jenes Erz ist, dem Anschein nach, gleich- 
artig, obwohl dasselbe steinige Substanzen in grosser Menge enthält. 
Seine Textur ist faserig, der Bruch körnig; dabei zeigt sich das Mineral 
matt, blaulichgrau. Chemischer Gehalt: 

Schwefel-Antimon . 2 2 2 2. 02.0...843 
Einfach-Schwefeleisen . . . 2 2. 157 
100,0 

Das Erz von Anglar kommt mit Antimonglanz und Eisenkies vor. 
Der letztere bildet, nahe am Hangenden und Liegenden des Ganges, 
einen fast dichten und reinen Streifen; sodann folgt ein Streifen eisen- 
Schüssigen Schwefel-Antimons , und in der Mitte sieht man das reine 


m a — 


Erz, hin und wieder mit Adern und Nestern mehr Eisen-haltiger Theile. 
Das Eisen-haltige Antimon ist stahlgrau, körnig im Bruche, krystalli- 
nisch oder faserig. Chemischer Bestand: 
Schwefel-Antimon ER Ne rer) BONO 
Einfach-Schwefeleisen - 2 2 2. ..194 


—— 


100,0 


Weıss: über die herzförmig genannten Zwillings- 
Krystalle von Kalkspath und gewissen analogen von 
Quarz (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. zu Berlin aus dem Jahre 
1829; physikal. Klasse; S. 77 ff.) und über das Dihexaäder, des- 
.sen Flächen-Neigung gegen die Axe gleich ist seinem 
ebenen Endspitzen- Winkel; nebst allgemeineren Betrach- 
tungen über Invertirungs-Körper (a. a. O.S. 89 fl.), Beide 
Abhandlungen sind zu Auszügen nicht geeignet. 


A. Breıtuaupt: neue Bestimmung spezifischer Gewichte 
verschiedener Mineralien. (SCHWEIGGER-SEIDEL, neues Jahrb. 
d. Chem. ; 1833, 18. Heft S. 94 ff.). 

Gemeiner Schwefelkies (von Freiberg) —= 5,001 — 5,007. 

Prismatischer Eisenkies (Zellkies; von Freiberg) = 4,601. 
— desgl. (in Krystallen von Schemnitz) — 4,878. 

Synthetischer Markasin-Kies (von Klein-Frössen im Reuss- 
Lobenstein’schen) = 6,281. 

Nickel-reicher Markasin- Kies (von Schladming in Steyer- 
mark) = 7,065. 

Anthrazit (aus Pennsylvanien) — 1,590. 

Gyps (Krystalle von Kollosoruk bei Bilin) — 2,307. 

Diaspor (aus Siberien) = 3,358. 

Eumetrischer Pyroxen (aus dem Platin-Schiefer am Ura}) 


2 712205, 
Kalaminer Schörl (grüner Natron-Turmalin, von Penig) 
sin, 
Dichter dystomer Prasin-Chalcit = 4,167. 
Faseriger dessgleichen (vom Ural) — 4,213 
Tetragonaler Mellit (von Bilin in Böhmen) — 1,575. 
Meroxener Topas (von Böhmisch-Zinnwald) == 3,439. 


Neumann: das Krystall-System des Albites und der ihm 
verwandten Gattungen. (Abhandl. der Königl. Akad. d. Wis- 
sensch, zu Berlin aus dem Jahre 1830. Berlin; 1832. S. 189 ff.). Der 
Aufsatz zerfällt in zwei Abtlheilungen; in der ersten betrachtet der 
Verf. die Methoden und Fehler der Messungen, die Kombinationen der 


— 346 — 


Messungen und die Tyroler Albiten. Die zweite Abtheilung ist uns 
noch nicht bekannt geworden; ergeben sich allgemeine Resultate, so 
werden wir solche später mittheilen. Zu einem Auszuge eignet sich 
die Arbeit nicht. 


In der Versammlung der K. Soz. d. Wissensch. zu Göttingen am 
7 Dezbr. 1833, theilten Stromeyer und Hausmann Bemerkungen über 
eine neue Alaunart und ein Bittersalz aus Südafrika mit. 
Hausmann berichtete zuvörderst über das Vorkommen jener Salze, von 
denen er zugleich Exemplare vorzeigte, und knüpfte daran Bemerkungen 
über ihre mineralogischen Beschaffenheiten und ihre muthmaassliche Ent- 
stehung. Herrtzos fand beide Salze auf einer Reise in die östlichen 
Gegenden der Cap-Colonie, am Bosjesmans - Flusse, ungefähr unter 
30° 30' südl. Breite, 26° 40° östlicher Länge von Greenwich, und 20 
Eng. Meilen von der Küste, in einer etwa 200 Fuss über dem Bette 
liegenden, 30 Fuss weit und 20 Fuss tief in den Felsen sich erstre- 
ckenden, 7 Fuss hohen Grotte, deren ‘horizontalen Boden sie bilden. 
Die oberste, ungefähr 3 Fuss starke Lage besteht aus Federalaun 
von ausgezeichneter Schönheit. Er ist zart- und langfaserig, indem die 
Länge der senkrecht gegen die Hauptbegränzungs-Ebenen gerichteten 
Fasern wohl an 6 Pariser Zoll beträgt. Sie sind theils gerade, theils 
gebogen, zuweilen stark gekrümmt und dabei oft dinnstänglich abge- 
sondert. Das Faserige geht, an einigen Stellen, nach einem Ende in 
das Dichte mit splittrigem Bruche über, Wie der Körper in der fase- 
rigen Gestalt grosse Ähnlichkeit mit Fasergyps zeigt, so ist er in der 
letzteren Abänderung dem dichten Gypse oder sogenannten Alabaster 
schr ähnlich. Das Salz ist schneeweiss, durchscheinend, selbst noch in 
Stücken von 4zölliger Stärke. Die faserige Varietät ist auf Flächen, 
die durch Reibung noch nicht gelitten haben, stark seidenartig glänzend. 
Der Glauz vermindert sich, wo das Faserige in das Dichte übergeht, 
und verschwindet in der vollkommen dichten Abänderung ganz. Lange 
und dünne Fasern sind stark elastisch biegsam. Der Körper ist ziem- 
lich spröde, und die Enden der Fasern sind stechend. Unmittelbar un- 
ter diesem Alaun bildet Bittersalz eine etwa 14 Zoil starke Lage. 
Dieses Salz ist theils dünn-, theils diek-stänglich abgesonderrt; die abge- 
sonderten Stücke sind meist gleichlaufend , seltner durcheimander lau- 
fend. Oft ist eine Anlage ‚zur vierseitig- prismatischen Kıystallisation 
wahrzunehmen. Die Länge der Stängel ist zum Theil der Stärke der 
Lage des Salzes gleich, indem sie rechtwinklig gegen die Hauptbe- 
gränzungs- Ebenen stehen; zum Theil sind sie aber kürzer und durch 
eine Lage einer lockeren, fremdartigen Masse getrennt, welche hin und 
wieder auch zwischen den einzelnen abgesonderten Stücken sich befindet. 
Die stärkeren Stücke des Salzes gestatten voilkommene Spaltungen, 
Der Bruch ist muscehlig. In reinen Stücken ist das Salz weiss, in dün- 
nen Stücken halbdurchsichtig, in stärkeren durchscheinend ; es ist glas- 


— 347 — 


artig glänzend, ziemlich spröde. — Die das Bittersalz begleitende Masse 
hat das Ansehen einer verwitterten Felsart. Sie ist erdig, zerreiblich, 
zeigt aber noch (deutliche Spuren von Schieferung. Sie hat eine grün- 
lich-weisse Farbe, ist matt, undurchsichtig, etwas fettig anzufühlen, und 
schwach an den Lippen hängend. Es werden einzelne zarte, silber- 
weisse Glimmer- oder Talk-Schuppen darin bemerkt, die der Schieferung 
parallel liegen. Der Geschmack gibt einen Salzgehalt zu erkennen. 
Nach der von Stomzeyer damit vorgenommenen chemischen Prüfung 
sind darin enthalten: Kiesel- und Alaun-Erde in bedeutender Menge, sehr 
wenig Eisen, viel Mangan, und einige Prozente Kalk- und Talk-Erde. 
Durch Wasser wird ausgezogen: viel Kochsalz, Gyps, Bittersalz, schwe- 
felsaures Mangan und eine Spur von schwefelsaurer Alaunerde, — 
Das Gestein, auf welchem das Bittersalz liegt, ist ein ziemlich lockerer, 
körniger,, schiefrig abgesonderer Quarzfels von blass grünlich-grauer 
Farbe, mit kleinen, silberweissen Glimmerschuppen. Er ist von salzi- 
ger Substanz ganz imprägnirt, die daraus effloreszirt und theils in Flo- 
cken, theils Krusten-artig an der Oberfläche erscheint. Die flockigen 
Theile bestehen aus Bittersalz , mit einem kleinen Antheile von Alaun; 
die Krusten-artigen aus Alaun, mit einem kleinen Gehalte von Bitter- 
salz. Das Gestein, welches das Bette des Flusses begrenzt, ist ein 
fester, körniger Quarzfels "von rauchgrauer Farbe, mit einzelnen, klei- 
nen, silberweissen Glimmerschuppen. Die Decke der Grotte, welche 
sich hinten bogenförmig schliesst, besteht aus einem rostfarbenen, festen, 
groben‘, Konglomerate, in welchem hauptsächlich Quarzgeschiebe sich 
befinden, welche durch Brauneisenstein verkittet sind. Hin und wieder 
zeigen sich kubische Eindrücke von Schwefelkies, aus dessen Zersetzung 
vermuthlich das Eisenoxydhydrat hervorging. Nach der Angabe Hrrrzoc’s 
kommt auch Braunstein in dem Konglomerate vor. Die Gegend umher 
besteht aus Hügeln von 700 bis 800 Fuss Höhe, welche von vielen tie- 
fen Thälern durchschnitten sind. Auf ihren Gipfeln findet sich dichter 
Kalkstein. Dieser ist im Bruche eben, in das Erdige neigend, mit ein- 
zelnen, sehr kleinen Blasenräumen; undurchsichtig, matt, von licht- 
bräunlichgrauer Farbe, mit einzelnen, schmalen, dunkler gefärbten, wel- 
lenförmigen, verwaschenen Streifen. Nach der Untersuchung STRoMEYER’s 
enthält er eine geringe Beimischung von koblensaurer Magnesia und Spuren 
von Maugan und Eisen. Es kommen zugleich grosse, wohlerhaltene, 
fossile Austerschalen vor. Ähnliche Muscheln fand Herrzos auf 
der oberen Fläche der sogenannten Grashbügel (Gras- Ruggens > 
zwischen Uitenhage und Enon, in weit. ausgedelinten, 2 bis 3 Fuss 
tief niedergehenden Ablagerungen. Sie werden in dortiger Gegend zun: 
Kalkbrennen benutzt. Vermuthlich gehört der beschriebene Kalkstein 
nebst den Östraciten einer schr jungen, tertiären Formation an; und 
ohne Zweifel ist das erwälnte, tiefer liegende Eisen-Konglomerat, wel- 
ches in den Gegenden der Cap-Colonie sehr verbreitet zu seyn scheint, 
ebenfalls ein tertiäres Gebilde. Der Quarzfels an dem Bosjesmans» 
Flusse ist dagegen nach aller Wahrscheinlichkeit weit älter, worüber 


— 343 — 


aber freilich für jetzt nichts Näheres anzugeben ist. Über die Erstre- 
ckung der Lagen des Alauns und Bittersalzes geben die erhaltenen Nach- 
richten ebenfalls keinen Aufschluss, Es ist indessen wohl .nicht .un- 
wahrscheinlich, dass ihr Vorkommen beschränkt und ganz lokal ist, 
Auch dürfte sich Manches für die Vermuthung anführen lassen, dass 
jene Salze später als die sie umgebenden Steinmassen entstanden sind. 
Dass sie sich nicht aus einer Wasserbedeckung, durch Verdunstung des 
Lösungsmittels, krystallinisch abgesetzt haben, scheint dadurch bewie- 
sen zu werden, dass das leichter auflössliche Salz die untere Lage 
ausmacht. Vielleicht bot die Zersetzung von Schwefelkies im Konglo- 
merat die Schwefelsäure dar, welche sich mit den Basen verband, die 
eie in der oben beschriebenen, lockeren, zwischen dem Konglomerate 
und dem Quarzfels befindlichen Masse antraf. Merkwürdig ist es, dass 
sich das Bittersalz in einer so scharf von dem Alaun gesonderten Lage 
ausgebildet hat. Auch ist es auffallend, dass beide Salze ganz frei von 
Eisen sind, da doch das in unmittelbarer Berührung damit stehend: 
Konglomerat so reich an Eisenoxydhydrat ist. Das in der oberen, 
lockeren, Quarzfels-Lage enthaltene Salz ist ohne Zweifel erst nach 
der Entstehung der Salzdecke, durch Tagewasser, welche etwas davon 
auflössten, hineingeführt. — Aus der von STRoMEYER mit dem Feder- 
alaun aus Südafrika angestellten Analyse ergab sich, dass derselbe 
eine neue, bisher noch unbekannte Alaunart bilde, in welcher die 
schwefelsaure Alaunerde mit schwefelsaurem Manganoxyd und schwe- 
felsaurer Magnesia zu Alaun verbunden vorkommt. Es besteht nämlich 
dieser Alaun aus: 


schwefelsaurer Alaunerde . . . 38,398 
schwefelsaurer Magnesia . . . . 10,820 
schwefelsaurem Mangan ln 4,597 
Wasser DRRSDE ERROR DRIN AZ 

hlorkalium.r nel. AuH. bee. 10 2 


99,759 ®). 


. 


*) Dieser Analvse zufolge kommen die schwefelsaure Magnesia und das schwefelsaure 
Mangan in diesem Salze genau in eben de Verhältnisse mit der schwefelsauren 
Alaunerde verbunden vor, wie das schwefelsaure Kali, Natron und Ammoniak 
in dem Kali-Natron und Ammoniak-Alaun, und da auch der Gehalt an Krystall- 
wasser in demselben dem der genannten Alaunarten vollkommen eutsprieht, 50 

“ kann kein Zweifel darüber obwalten, dass sich die aufgefundenen BePndtheite 
dieses Federalauns im Zustande einer wahren chemischen Verbindung, und nieht 
in dem einer blossen Auflössung, mit einander vereinigt befinden, und man wird 
daher diesen Alaun als einen Mangan-Magncsia-Alaun zu unterscheiden 
haben. Das Vorkommen von schwefelsaurem Mangan in diesem Alaun ist für 
denselben um so ausgezeichneter, weil dieses Salz noch in keiner der bis jetzt 
untersuchten Alaunarten angetroffen worden ist. Schwefelsaure Magnesia ist zwar 
schon in einigen Alaunarten gefunden worden, indessen nur in sehr geringer 
Menge und kommt daher höchst wahrscheinlich in denselben nur in Auflössung 
vor, so dass auch dieses Salz in dem Südafrikanischen Alaun zuerst als wirk- 
licher Bestandtheil dieses Doppelsalzes beobachtet wird. Ungeachtet des schwefel- 


— 349 — 


Bei dieser Gelegenheit ist von STROMEYER auch der, in dem Braun- 
kohlenlager bei T'schermig in Böhmen vorkommende Alaun einer neuen 
Analyse unterworfen worden, weil derselbe nach den ersten Untersu- 
chungen von Fıcinus ein Magnesia-Alaun seyn sollte. Die mit demselben 
angestellten Versuche haben indessen nur einige Tausendtheile schwe- 
felsaure Magnesia darin auffinden lassen, und die Resultate der Ana- 
lysen von Lamrapius und Gruner , welchen zufelge dieser Alaun ein 
Ammoniak-Alaun ist, vollkommen bestätigt. 


In 100 Theilen desselben wurden nämlich gefunden: 


schwefelsaure Alaunerde . . . . .: 38,688 
schwefelsaures Ammoniak . . . . 12,479 
schwefelsaure Magnesia . . ... . 0,337 
Wasser ash febmsas It eier 148,390 


99,893 

Das mit dem Südafrikanischen Alaun vorkommende Bittersalz zeich- 
net sich in seiner Mischung durch einen namhaften Gehalt an schwefel- 
saurem Mangan aus, ist aber ebenfalls vollkommen eisenfrei, und ent- 
hält auch nicht die geringste Beimischung von schwefelsaurer Alaun- 
erde, welches wegen der Nähe, in der dieses Salz sich mit dem Alaun 
findet, gewiss sehr auffallend ist. Hundert Theile dieses Bittersalzes 
enthalten: 


schwefelsaure Magnesia . . . . . 42,654 
schwefelsauren Mangan . . . . . 7,667 
VASSETET a ana eye ware, 29.943 
99,564 
Dasselbe enthält also dieser, Analyse zufolge auf 7 Äquivalente schwe- 
felsaure Magnesia 1 Aquivalent schwefelsaures Mangan. 
Die Untersuchung dieses Bittersalzes hat Srromever veranlasst, noch 
einige andere besonders ausgezeichnete und ihm von Hausmann gütigst 
‚mitgetheilte natürliche Bittersalze zu analysiren, deren Mischungs- 
Bestimmungen von ihm ebenfalls der Königl. Sozietät vorgelegt‘ wor- 
den sind. 


Die noch untersuchten Bittersalze sind: 
1. Das Haarsalz von Idria. 


Dasselbe ist zwar schon von Krarrorn einer Analyse unterworfen 
worden, indessen beschränkt sich dessen Untersuchung nur darauf, zu 
zeigen, dass es kein Federalaun sey, wofür man es gehalten hatte, son- 
dern ein natürliches Bittersalz. 


sauren Mangangehalte ist dieser Alaun, wie sehon bemerkt, durehaus frei von 
aller Beimisehung von schwefelsaurem Eisenoxydul, und die empfindlichsten Rean- 
gentien haben in dessen Auflössung nicht die geringste Spur eines Bisengehaltes 
erkennen lassen. 


Jahrgang 1831. 23 


Nach der mit demselben angestellten Analyse ist dessen Gehalt in 
100 Theilen: 

Maguesing. kalserehb Lian Sal 16,389 

Eisenoxydnl eya- yusnia use nl + 104228 

Schwefelsäure! 9. 2 aa „u: 132,308 

Wasser RERBEINERESER RR A HU RAR 50.934 


99,852 

2. Das bei Calatayud in Aragonien in ausgezeichnet 
schönen langen seidenglänzenden Nadeln gefun- 
dene Bittersalz. 


Von diesem Bittersalze besitzen wir schon Untersuchungen von Gonza- 
zes und Gancı DE THuERAN und von Tuomson. Auch ist es nicht un- 
wahrscheinlich, dass das von VocerL untersuchte und angeblich in Cata- 
lonien gefundene Bittersalz mit diesem identisch ist. Da indessen die 
Resultate dieser Untersuchungen sehr von einander abweichen, und 
rach Tuomson. dieses Salz 1,35 Procent schwefelsaures Natron enthalten 
soll, welches weder nach den Versuchen der Spanischen Chemiker, noch 
nach denen von Vocer darin vorkommt, so schien eine Wiederholung‘ 
der Analyse dieses Salzes wünschenswerth za seyn. Durch diese hat 
sich nun ergeben, dass dieses, Bittersalz weder Glaubersalz enthält, 
nsch sonst eine andere Substanz demselben beigemischt ist, und dass 
sich dasselbe mithin von allen übrigen natürlich vorkommenden und bis 
jetzt untersuchten Bittersalzen durch seine völlige Reinheit sehr auflal- 
lend unterscheidet. 

Dasselbe fand sich in 100 Theilen zusammengesetzt, aus: 
Macsnesia u oe le. 2000. 10540 
Schwefelsäure «2 . 0.) 0. 0220315809 
Wasseries syllies aaveaud warnen 31202 

99,596 
3. Das stalaktitisch zu Neusohl in Ungarn vorkommende 
Bittersalaz. 

Dasselbe zeichnet sich durch eine blass rosenrothe Farbe aus, die 
es, wie schon frühere Versuche nachgewiesen haben, einem geringen 
Gehalt an schwefelsaurem Kobalt verdankt. Auch kommt darin etwas 
schwefelsaures Kupfer, Mangan und Eisenoxydul vor. Besonders ist 
es aber noch dadurch merkwürdig, dass es einige Procente mechanisch 
eingeschlossenes Wasser enthält, welches in kleinen darin vorkommen- 
den Höhlen enthalten zu seyn scheint. Dieserwegeu wird dieses Bit- 
tersalz auch beim Zerreiben feucht. 

Der mit diesem Bittersalze vorgenommenen Analyse zufolge besteht 
dasselbe in 100 Theilen aus: 


schwefelsaurer Magnesia . . . . 44,906 
schwefelsaurem Kobaltoxyd . . - . 1,422 
schwefelsaurem Kupferoxyd . . . . 0,764 
schwefelsaurem Maganoxyd . - . . 0,725 
achwefelsaurem Eisenoxydull . . . 0,197 
Kıystallwasser . - . » 2.2... 48600 
mechanisch eingeschlossenem Wasser . 3,100 


99,714 


= ah — 


C. U. Suerann: mineralogische Nachrichten über die 
nördlichen Theile von Neu-England, (SıLLıman, Americ. Journ. 
Vol. XVIII, p. 289 etc.). In den White Mountains kommen Granite, 
Glimmer- und Thonschiefer vor; letztere enthalten stellenweise zahllose 
Chiastolithe, jedoch findet man sie meist nur in den, aus grösseren 
Höhen herabgestürzten Blöcken; denn die Thonschiefer und ihnen ver- 
bundenen Konglomerate reichen bis zu 4000 F. Höhe. Oktaedrische Kry- 
stalle von grünem Flussspath, in Quarz eingeschlossen, dürften auf 
Gängen vorkommen. — Bei Fryeburg kommen auf einem Quarz-Gange 
von einigen Fuss Mächtigkeit im Granit Berylle vor; die einzelnen 
Krystalle wechseln in.den Dimensionen von 2 bis 3 Zollen, da sie in- 
dessen sehr dicht in einander gedrängt vorkommen, so zeigen sich diesel- 
ben meist wenig vollendet ausgebildet. Ihre Farbe schwankt zwischen 
bläulichgrau und weiss. Hin und wieder enthält der Quarz auch Feld- 
spath-Xrystalle. Manche Beryli-Prismen sind zertrümmert und durch 
Quarz-Masse von neuem verkittet. Andere Krystalle zeigen sich gebe- 
gen, ohne zerbrochen. zu seyn. — Bei der Stadt Waterford setzen zahl- 
lose Trapp-Gänge in Granit auf; ihre Stärke wächst von einem Zoli 
bis zu ungefähr einem Fusse. Meist steigen dieselben in senkrechter 
Richtung auf. — Besonders interessant ist die Gegend von Paris; sie 
überbietet vielleicht alle anderen Nord-Amerikanischen Mineralien-Fund- 
orte, sowohl was Menge als Manchfaltigkeit der Substanzen. angeht. 
Turmalin, fast in jeder Abänderung von Farbe und Durchsichtigkeit, 
und in Krystallen, welche an Grösse kaum ihres Gleichen haben dürf- 
ten, Zierliche Quarz-Krystalle dringen in die Turmaline ein und zeigen 
sich von ihnen umschlossen; grüne Turmaline erscheinen eingewachsen 
in grossen Glimmer-Blättern. Auch Farben-spielender Feldspath und 
überaus schöner Rosenquarz kommen damit vor. Die Fundstätte ist 
am Cuestey’schen Pachthofe, zwischen Paris und Buckfield. Das Ge- 
stein ist. Schrift-Granit, häufig sehr zersetzt; grosse eckige Massen 
dieses Granits gehen an vielen Stellen zu Tag; der Boden ist meist 
granitischer Gruss. Durch die zahlreichen Beimengungen ist der Cha- : 
rakter des, im Allgemeinen sehr Feldspath-reichen, Granits oft ganz 
fremdartig. Glimmer bildet Adern und Gänge von 6—8 Zoll Mäch- 
tigkeit und umschliesst kleine Theile von Quarz und Feldspath. Man- 
che, jedoch nicht vollkommen ausgebildete, Glimmer-Krystalle, haben 
eine Länge von 1 F. und 7 bis 8 Zoll Breite. Mit diesem Glimmer 
kommen die Turmaline vor; sie liegen in langen, Nadel-förmigen, 
meist grün gefärbten Krystallen zwischen den Blättern und den 
Durchgängen des Glimmers parallel. Die grössten haben ungefähr 
3—4 Zoll Länge und 17. Dicke, In der Regel erscheinen sie auf 
vielartige Weise gruppirt; mitunter schneiden und durchdringen sich 
zwei Turmalın-Krystalle unter rechtem Winkel. Mitunter sieht man 
höchst zarten, Faum-ähnlichen Albit von den Turmalin - Krystallen 
umschlossen. Lepidolith wird in vorzüglicher Schönheit getroffen. 


25 * 


— 352 — 

Man kann sich leicht Stücke von 1 Fuss Durchmesser verschaffen. 
Seine Färbung ist höchst manchfach, das Gefüge körnig. Rothe 
Turmalin- (Rubellit-) Krystalle begleiten den Pariser Lepidolith, 
wie jene von Rozena in Mähren. Vorzüglich schön ausgebildet finden. 
sich die roth gefärbten Turmalin-Krystalle in dem mit Albit gemengten 
Lepidolith. Sie haben mitunter 4 Zoll Länge, und sind ausgezeichnet 
rosenroth. Der dunkler gefärbte Lepidolith, mit welchem zugleich 
Quarz und Feldspath verbunden sind, umschliesst grosse krystallinische 
Massen von rothem Turmalin in Krystallen von 1—2 Zoll Durchmes- 
ser und darin, als Einschlüsse, dunkelblau gefärbte Turmaline. Seltner 
kommt grüner Turmalin vor. Weisser krystallisirter Talk er- 
scheint in Drusenräumen des Quarzes im Lepidolith; in ihm sind grös- 
sere Krystalle von grünem Turmalin eingeschlossen. Berylle werden 
vorzüglich da getroffen, wo die schwarzen Turmaline am meisten ge- 
häuft sich zeigen; sie liegen zwischen unvollkommen ausgebildeten 
Krystallen dieser Substanz, zwischen Feldspath und Quarz. Auch 
Zivkon-Kirystalle stellen sich in diesem Gemenge ein. Der Rosen- 
quarz liegt lose unter den Trümmern von Schrift-Granit. — Der Verf. 
schildert nun mehrere Krystallisations - Abänderungen von Turmalinen 
und fügt deren Abbildungen bei. 


W. W. Marker: über den Xanthit, dessen Krystallform 
und Fundorte (loc. cit. pag. 359 etc.). Der Verf. bezieht sich 
auf Tuomson’s Beschreibung und Analyse des Minerals (Ann. of the 
Lyc. of New York, Aprü 1S28). „Farbe: lichte graulichgelb:; besteht 
aus zusammengehäuften sehr kleinen Körnern, welche unter der Lupe 
als unvollkommene Krystalle sich darstellen; mit blättriger Textur; durch- 
scheinend bis durchsichtig; harzglänzend; Eigenschwere — 3,201. Sehr 
weich; ritztKalkspath nicht. Für sich, so wie mit kohlensaurem Natron, 
vor dem Löthrohr unschmelzbar. 


Chemischer Bestand: 
Kieselerde . » 2 2 2.2.2.0... 832,708 
Kalkerde 0.2.0200. Hua Sn 
Thonerde: zu... 0 a0» Da E22 
Eisen-Peroxyd . . » 2°... . 12,000 
Mangan-Protoxyd . » 2 2 2... 3,680 
Wiasser N. Denen te leute ale le 05000, 
97,576 
So weit Tuomson’s Untersuchung. Nach Maruer ist das Mineral, 
auch in krystallographischer Hinsicht, als ein selbstständiges ausge- 
zeichnet. Durchgänge parallel den Flächen einer schiefen rhomboidi- 
schen Säule, Winkel: P|| M = 97° 30; P|| T= 94° 00°; M || T 
— 107° 30°. Vorkommen zu Amity in der Orange-Grafschaft (New- 
York), in blätterigen Massen; Die aus Körnern durch Spaltung erhal. 


tenen Prismen hatten ungefähr „1; Zoll im Durchmesser. Blätterige 
Massen, gegen das Licht gehalten, zeigen sehr deutlich die Durch- 
gänge. Doppelte Strablenbrechung. Schmilzt auf Platinblech vor dem 
Löthrohr unter Anschwellen zur grünen durchsichtigen Glaskugel, wel- 
che vom Magnet schwach angezogen wird; mit Borax zu gelbem Glase, 
das nach dem Abkühlen die Färbung einbüsst. 


H. Hess: über den Hydroborazit, eine neue Mineral- 
Gattung (Poscenp. Ann. B. XXXI, S. 49 ff.). Vorkommen im Kau- 
kasus. Weiss, nur hin und wieder röthlich durch mechanisch beige- 
mengtes Eisenoxyd-Silikat; strahlig blätterig; weich wie Gyps; in dün- 
nen Blättern dnrehscheinend; die ganze Masse durchlöchert, ungefähr 
wie wurmstichiges Holz, und die holılen Gänge mit einer Thonmasse 
ausgefüllt, die verschiedene Salze eingemengt enthält. Eigenschwere 
— 1,9. Im Wasser etwas auflösslich; in erhitzter Salz- oder Salpeter- 
säure leicht lössbar. Ergebniss der Zerlegung: 

alas er ae el a EIER 
ENalKerdemman ae ae ee Veran (LO,7A 
Wasser. 1 ae ee at 20,33 
Boraxsäure BIER 0er 952 


Nach R. Bunsen ist.das in den Friesdorfer Braunkohlen-Lagern 
bei Bonn vorkommende, und von Sıck als eine neue. Substanz be- 
schriebene *) Mineral nichts, als eine Abänderung von Allophan. 
(Possenn. Annal. B. XXXI, S. 55 ff). Er fand darin: 

\VESBER EN 
Bionerdeis aus an anal. 5 1,0006 7192,508 
Pisenoxyd . una. 
Beselerder 2a als an. an 1822,30 


Dieser Allophan findet sich auf den Absonderungs-Flächen einer 
Holz-förmigen Braunkohle als Überzug oder in stalaktitischen und klein- 
traubigen Massen. Bruch flachmuschelig ins Unebene, Auf frischem 


Bruche wachsartig glänzend; durchscheiuend; Bernstein - gelb, oft 
weisslich. 


E. F. Grocker: der Ozokerit, ein neues Mineral, von Dr. 
v. Meyer aus Bukarest der Versammlung der Naturforscher in Breslau 
im September 1833 vorgelegt. (Scuweiscer-SEiDer, nenes Jahrb. d. 


*) Bchuwesegen’s Journal f. Chem. B. V. 6. 110. 


— Wa 


-Chem. IX. B. S. 215 f.). Derbe, zum Theil beträchtlich grosse Massen, 
stellenweise von faseriger Textur, Längebruch gross- und flachmusche- 
lig; Queerbruch splitterig. Durch Gypsspath ziemlich leicht ritzbar. 
Vollkommen milde, zähe und gemein biegsam. Von Wachs-artiger Kon- 
sistenz, Eigenschwere — 0,955 bis 0,970. Farbe zwischen lauchgrün 
und gelblichbraun; jedoch an einem Stücke. je nach dem Winkel, unter 
welchem man dasselbe betrachtet, wechselnd. Glänzend bis starkglän- 
zcad, von Wachsglanz; auf dem Gueerbruche nur schimmernd. In 
s:hr dünnen Splittern halbdurchsichtig, ‘bis durchsichtig. Fein, glatt 
und etwas klebrig anzufühlen. Durch Reiben stark negativ elektrisch 
werdend. Angenehmer Geruch, welcher zwischen dem des reinen Erd- 
öls und jenem des Erdpeches ungefähr in der Mitte steht. — Schmilzt 
schon in der Lichtflamme, ohne sich zu entzünden, zur klaren gelblichen 
Flüssigkeit. Erleidet im Wasser, auch bei der Siedhitze, keine Ände- 
rung. Salz- und Salpetersäure erweichen das Fossil, üben jedoch 
ausserdem keine Wirkung aus. Im Schwefeläther lösst- sich dasselbe 
langsam auf, in Alkohol bloss beim Kochen und auch alsdann schwierig. — 
Die Substanz gehört in die Familie der Mineralharze, — Vorkommen 
bei Slanik in der Moldau, unter einem mit Bitumen durchdrungenen 
Sandstein, in der Nähe von Kohlenlagen, Mineral-Quellen und grossen 
Steinsalz-Massen. Es soll aufänglich 8 bis 9 Fuss tief unter der Ober- 
fläche, später aber noch tiefer, in ausgedehnten Massen und in einzelnen 
Nestern gefunden worden seyn. 


G. Suckow: Beschreibung, anomaler Bildungen des 
Schwefelkieses. (PogsEnn. Ann.,.d. Phys. B. XXIX; S. 502 f.). 

Derselbe: die Krystalle des Cölestins von Pornburg bei 
Jena. (A. a. O. S. 504 fi.). Beide Aufsätze eignen sich nicht zu 
einem Auszuge. 


S. Fowrer: Saphire und andere Mineralien im Gebiete 
von Newton in der Grafschaft Sussex in New Yersey. (SILLIMAN, 
Americ. Journ. Vol. XXI. Jan. 1832; p, 319 etc... Das Thal, wel. 
ches Sparta, Franklin, Warwick und Newton einschliesst, wird, seiner 
Mineral-Schätze wegen und hinsichtlich seiner naturhistorischen Denk- 
würdigkeiten, mit gutem Grunde mit Arendal in Norwegen verglichen. 
In beiden Gegenden herrscht grosser Reichthum an Magneteisen, be- 
gleitet von denselben Gestein - Bildungen. Sämmtliche interessante 
Mineralien findet man in dem genannten Thale mit einem weissen kıy- 
stallinischen Kalkstein verbunden; sie werden vorzugsweise an den 
Grenzen desselben mit granitischem Syenit geiroffen. So. trifft man: 
Spinelle, Zeylauite, Granaten u. s. w., dessgleichen die berühmten La- 
ger von Zink- und Mangan-Erzen. Die meisten sind ein Allein-Eigen- 


= da 


thum dieses Welttheils. Das Thal erstreckt sich. ohne Unterbrechung 
von Byram, in der Grafschaft Sussex und dem Staate von New. 
Yersey — wo das SW.-Ende des weissen kohlensauren. ‚Kalkes ist — 
bis zu den Adam- und Eva-Bergen im Bezirk von Warwick. in der 


Grafschaft Orange und dem Staate von New York, dem nordöstlichen 


Ende des weissen Kalksteins;: eine ‚Entfernung ‚von 23 Meilen. Auf 
die ganze Erstreckung streicht der körnige Kalk aus NO. nach SW. 
Der Franklinit und das rothe Zinkoxyd begleiten denselben; sie neh- 
men 4 Meile NO. von der Franklin-Schmelzhütte ihren Anfang, und 
ziehen sich .bis 2 Meilen südwestlich von Sparta, eine Weite von 9 Mei- 
len. _ An: mehreren Stellen im Gebiete von Warwick: fanden sich noch 
manche, interessante, Mineralien; hier hat das Kalk-Thal: die grösste 
Breite. ‚Vor mehreren Jahren entdeckte man Saphire und Spiuelle 
in der -Nähe von Franklin; aber allem: Anschein nach nur in einem 
einzigen Gestein-Blocke, der von seiner ursprünglichen. Lagerstätte ent- 
fernt worden, so dass die Fundgrube bald erschöpft war. Jene Mine- 
ralien, theils blau, . theils weiss gefärbt, kamen in einem Gemenge aus 
dichtem Skapolith und Feldspath vor, begleitet von schwarzem Spinell 
und schwarzem Turmalin. Vor etwa vier Jahren entdeckte der Verf. 
im Bezirke, von Newton, 6 Meilen von Franklin und 9 Meilen im .W. 
von.den, Kalk-Lagern von Byram, Saphire von blauer und weisser 
Farbe eingewachsen in weissem Feldspath, nahe an der Grenze zwi- 
schen Syenit und weissem körnigem Kalk. : Dieses, Kalkstein-Lager ist 
vollkommen getrennt und unabhängig von dem vorhin erwähnten; ein 
hoher Bergrücken scheidet beide. Im Feldspath,,.. der die Säphire um- 
schliesst, findet man gewöhnlich Rutil-Krystalle. Kleine Saphir-Par- 
thieen, theils. regelrechte sechsseitige Säulen, kommen ‘in einem Horn- 
blende-Gestein-vor., Stets zeigt sich der Saphir vergesellschaftet, oder 
umhüllt von kohlensauren Kalk. Die blasigen Oberflächen dieser Gestein- 
Massen zeigen ebenfalls Nester ven Spinell in oktaedrischen Krystal- 
len, die, mitunfer, einen Zell Kanten-Länge haben und zum Theil von 
‚Glimmer begleitet werden. Hin und wieder erscheinen Idokras Kry- 
stalle;von „3 bis 4° Durchmesser und über 6'’ in der Länge. Speck- 
‚stein-artige Substanzen kommen häufig vor. Sie stellen sich in After- 
Krystallen‘ nach Quarz-, Skapolith- und Spinell-Formen dar. Endlich 
trifft ;man ‚Skapolith-Säulen von Faust-Grösse und Bıucite von aunol 
gelber Farbe in körnigem Kalk. 


- 1. Geologie und Geognosie. 


Enrengers: Beitrag zur Charakteristik der Nordafrlka- 
niscen Wüsten (Abhandlung d. K. Akad. d. Wissensch. «. 
Berlin f, 1827, Berlin 1830; Physik. Klasse, S. 73— 88). Nur 


a: 


eın einfaches Bild hatte innerhalb dreier Jahre steter Orts-Veränderung 
das von den Reisenden in vielen Richtungen durchstreifte‘ Nordafrika 
ihnen geboten: einen einzigen endlosen Fluss (Nil), mit schmalem einför- 
mig-grünem Ufer, und eine einzige für den Wanderer unermessliche Wüste. 
Aber leichter und grossartiger selbst entwickelt sich der Geist des Men- 
schen da, wo die Natur ihn sparsamer, doch kräftig leitet, als dort, wo in 
der überschwenglichen Fülle ihrer Erscheinungen jede einzelne untergeht. 
In dieser eimförmigen Ebene erhält jeder einzelne der wenigen vorkom- 
menden Sup ein grosses, oft mit seiner Form sehr kontrastiren- 
des Gewicht, eine hohe physische und symbolische Bedeutung. "Nicht 
nur die Löwen, Stiere, Antilopen, Schakals und Krokedile, auch die Vö- 
gel und die Pflanzen und selbst die unscheinbaren Käfer zogen die Men- 
schen in den Kreis ihrer Symbolik. Die unergründliche‘ 'Stille der 
Nacht, die grenzenlose Einförmigkeit der Fläche beraubt Ohr und Auge, 
des ungewohnten Fremdlings zumal, so sehr alles Maastabes, und die 
epiegelnde Eigenschaft der erhitzten Luftschichten wirkt leicht so sehr 
auf das geblendete Gesicht ein, dass die einzeln auftretenden Natur- 
. körper oft geisterartig plötzlich erscheinen und sich verwandeln, Sich au- 
genblicklich nähern, und wieder Meilen weit entfernen, "Aus dem Vogel 
wird ein Kameel und aus der Hyäne ein Strauss, und ‚der Fusstritt ‘oder 
das Lispeln des Stundenweit heranziehenden Beduinen, ‘oder das Fort- 
rollen einer feuchten Sandkugel durch den kleinen Ateu‘ chus säcer 
erschreckt schon den sich überfallen wähnenden Wanderer. Einige strap- 
pige Dattelstr äucher, ein Tamarisken-Gestrüppe, etwas feuchtes, kauın 
Kultur- fähiges Land und ein dünner, meist aus Salzpiläntzen” i) "bestehen- 
der grüner Überzug des Bodens, im Vereine mit einigen 'armseeligen 
Hütten Kultur-loser Menschen vermögen sich ‘m der Phantasie ’ des 
erschöpften Reisenden mit der Idee von den Inseln der Seeligen zu 'ver- 
einigen, und so konnten die Oasen die garap@» v7j001 HERronoT’s werden. 

‘Vom Atlantischen Ocean bis zu dem Indus, vom Mittelmeere‘ bis 
zum Fusse des Schnee-bedeckten Semehn - (Samen-) Gebirges Habessy- 
niens, welches mit dem Mondgebirge und den Gebirgen von Mandara 
und der Quellen des Senegal’s ein Joch queer durch Afrika bildet, er- 
streckten sich über Hunderttausende von Quadratmeilen, wenn’ auch oft 
ihren Namen ändernd, die Liby’schen Ebenen. '100°— 200’'über dem 
Meere erhaben bildet ein ganz ebener oder sanft wellenförmiger Boden 
ihren Grund, der von 100'-- 300° höheren Felsbänken mit‘ söhliger 
Schichtung und oft schroffem Abfalle in Form von zuweilen ungeheuren 
Plateau’s durchzogen wird. Geringere und stärkere Einsenkungen im 
niedrigen Theije des Bodens, wohin sich aus nahen Höhen das eingeso- 
gene Regenwasser sammelt, oder wo.eine mit dem Ni oder einem 
auderen Behälter in Verbindung stehende Wasser-leitende Mergelschichte 
Quellen zu Tage führt, bilden die Oasen, von schwachem Gestrüpp 


% Hedysarum Alhagi, Cressa Cretica, Daetylis repens, Cynodon 
daetylon, Zygophyllum album. 


— An — 


und spärlichem Grün besetzt. Auf den Plateau’s erscheinen sie nur spär- 
lich und klein, grösser nur 10—12 Meilen vom Meere, so weit es durch 
Verdünstung Feuchtigkeit verbreiten und Küstenpflanzen nähren kann, 
Dann werden sie immer kleiner und flacher und verschwinden ganz. 
Auch die Chalcedon- und Carneol-Geschiebe sind auf den Plateau’s mehr 
oder weniger auf Kreisflächen angehäuft und geordnet. Die 'niedere 
Grundfläche der Wüste bildet das Gestein, welches die Basis der Pyra- 
miden in Mittel - Ägypten und die Zitadelle von Masr el 'Cahira trägt: 
ein ziemlich fester tertiärer Kalkstein voll Versteinerungen. "Grosse 
Nummuliten-Lager, besonders vom Nautilus major und N. Gy- 
zehensis Forsk. (welche 'STRABO wegen ihrer Ähnlichkeit mit "Linsen 
für die versteinten Überreste der Mahlzeiten der Arbeitsleute gehalten), 
dann in Lybien bei Bir Lebuk und Mogarra, und in Nubien bei Suckot 
vorkommende Palmen- und Dikotyledonen- Versteimerungen (wohl 
von den einzigen auch noch jetzt dort lebenden Bäumen der Dattel- 
palme und Gummi-Acacie) nebst Serpeln charakterisiren 
dieses Gebilde, dessen Schichtungs - Verhältnisse wegen‘ Mangels an 
Durchschnitten nicht beobachtet werden konnten. Die horizontalen Flötze 
der Plateau’s aber bestehen aus Kalk, Mergel, Thon und Gyps, und’ sind 
offenbar noch neuer.’ Unter den 65 Arten aus ihnen &esammelter See- 
thier - Versteinerungen lassen sich nur eine Auster und ein Pe eten 
auf ähnliche‘ Formen in’ der vorigen Formation zurückführen; Nummu- 
liten und Phytolithen kommen nicht damit vor. Zu diesen Plateau’s 
beim Katabathmus gesellen 'sich ihrer Bildung nach wohl‘ auch jene 
400‘ 600‘ hohen Bergabfälle, ' welche: die Oasen im Lühde der Tihbus 
begrenzen, wovon DeEnmam‘ spricht. — Zu jener ersten Formation scheint 
dagegen noch der ‚südlich von Assuan verbreitete Den Haltige Sand- 
stein zu gehören. R A 

Diese Bildungen Ichnen sich an die den Ni begrenzenden ältern, 
wahrscheinlich der Jüraformation ‚entsprechenden, Kalkgebirge ohne Ver- 
. steirerungen, das Muttergestein: der Äyyptischen Jaspisse. Daraus tritt 
wieder bei Assuan ein Urgebirge von Granit, in Nubien von Urkalk, auf 
der Ostseite des Rothen Meeres von Quarz -haltigem Syenit -Porphyr 
hervor, welches durch ganz Arabien, von einer von SO. nach NW. 
ziehenden Reihe von Vulkanen begleidet, zu verlaufen scheint. Zu die- 
ser Reihe kommen nach des Verfassers Beobachturgen noch die in 
einem grossen Umfange mit erloschenen- Auswurfs-Kegeln und Lava 
bezeichnete Gegend bei Kl Wussem am S. Abfalle des hohen Assör- 
Gebirges, mit der Felsen-Insel Ketumbul, welche einem ‚Halb-Krater 
gleicht ,, und die aus vulkanischen Gesteinen Des anne ‚grosse Insel 
Hanakel an der Habessynischen Küste hinzu. 1 

Übertrieben sind die gewöhnlichen Erzählungen und Vorstellungen 
von den wandernden Sandbergen, den giftigen Winden und den Pe 
losen Sturmwirbeln. 

Der Boden im Allgemeinen ist fest, fast wie eine Chaussee. Die 
Plateau’s enthalten nicht mehr Sand, als zwischen einigen Geschieben 


= OEL a 


Schutz ‚findet; und so, viel sich durch Zersetzung. des Gesteines wieder 
neu. bilden ‘mag, führt der nächste Wind davon. Längs der Küste von 
Damiette ‚und Alexandrien bis zum Katabathmus magnus thürmt: die 
Brandung: hundertmal hohe Dünen auf, und reisst sie hundertmal wieder 
weg, bis ‚ein grosser. Sturm sie einmal über das Land hinwirft. Der 
immer ‚herrschende Nord und Nordwest führt sie dann tiefer ins, Land, 
und erfüllt ‚die, Luft mit heissem Staube. Auf dem festen Grunde .der 
Ebenen aber ‚kann sich dieser Sand nur da sammeln und anhäufen ,, wo 
die Richtung, und Kraft des Windes sich bricht. Hinter kleinen Erhöhungen 
des Bodens lagert er sich um kleine Gestrüppe sammelt er. sich ‚zu 
grossen ‚Wällen und in Vertiefungen bildet er. viele Sandkegel, aus 
deren vertieften Spitzen ein holziges Pflänzchen hervorragt; — vor. schroffen 
Felsenwänden. bildet er einen Hügelzug, der von jenen wegen des zu- 
rückprallenden. Windes. immer getrennt bleibt; — hinter; freien Felsen ent- 
stehet in südlicher Richtung ein oft lang hinziehender Sand-Anhang, zu- 
weilen über 100° hoch. Einige Thal-artig fortziehende Vertiefungen 
der Ebene jedoch sind zusammenhängend mit ‚Sand erfüllt, und.da sie, 
ebener ‚als ‚die übrige Fläche, den Karawanen oft als Weg und zugleich 
als Richtsehnur dienen, so vergrössern, sie allerdings. bei vielen Reisen- 
den. die ‚Vorstellung ‚von der sandigen Beschaffenheit der Wüste. Aber 
da,im Gebirge der Unebenheiten mehr sind, so ist dort der Sand auch 
bei. Weitem verbreiteter und tiefer und ermüdender. — Die. Wirbelwinde, 
der. gefürchtete Typhoa, führen Sand und leichte Körper wohl bis über 
100‘ hoch. in die Höhe , besitzen aber wenig ‚Gewalt, und können den 
Reisenden:nie gefährlich werden. —: Zur Zeit der, Südwestwinde finden 
freilich die, hinter Felsen u. s. w. gebildeten . Sand- Ablagerungen kei- 
nen Schutz mehr; diese, schon an und für sich..heiss, führen daher 
in kurzer Zeit eine weit grössere Masse heissen Sandes fort, als, die 
Nordwinde; die Luft gewinut dadurch ein. Nebel-artiges Ansehen ;, ‚aber 
Verschüttung ist nieht dadurch zu fürchten, und die, stärkste Wirkung, 
welche die Reisenden davon. gesehen, :war , dass, die Zelte umgeworfen 
wurden, und ‚innerhalb: eines Tages sich, hinter ihren Effekten der Sand 
1°. .hoch ansammelte. Die Knochen von Menschen ‚und Kameelen, 
welche hin und wieder aus dem Sande hervorragen, sind ‚mehr die, Ur-, 
sache, ‚seiner, Anhäufung um sie, als er die Ursache. des/Todes der Wesen 
war, dem ‚sie angehörten. 


Tu. Vır.et: Geognostische Bemerkungen en die 
Nord- Griechischen In seln, und insbesondere über ein 
Braunkohlen-führendes Süsswassergebilde (Ann. d. science. 
nat. 1833, Oct. XXX, 160 —168.) Die Nördlichen Sporaden, ein 
Departement des jetzigen. Griechenlands, bestehen aus der Insel Skyros 
und dem Teufels- Archipel, am Eingange des Golfes von Volo und 
Salonichi an ‚den Küsten von Thessalien und Macedonien. Jener Ar- 
chipel zählt 12 Inseln und eben so viele Klippen. Die Inseln Skiathos, 


u a — 


Skanzura und die Felsen 'Dio - Delphia bestehen fast ganz aus Urge- 
birgen. Xero, Xera- Panagia, Jaura oder die Teufels- Insel, Piperi 
us s. w. gehören grösstentheils der Kreide- Formation an; S%kopelos. bei- 
den Formationen zugleich, da Kreide den: oberen Theil der hohen Berge 
einnimmt. So würden am Berge ven Syndukia,, 1% Meil. N. der Stadt, 
die‘ körnigen, graublauen , auf Thonschiefer ruhenden Kalke leicht 
der Übergangszeit zugeschrieben werden können, wenn sie nicht viele 
Kreide-Versteinerungen, namentlichHippuritessemicostellataDesn, 
enthielten. Im ganzen W. Theile, vom Dorfe Glossa bis zum Süd-Ende 
der Insel, herrscht dieselbe Formation ; in. der Nähe der Höhle Krifo- 
spilia enthält ‘er ‘viele in. «schwarzen Kalkspath verwandelte Versteine- 
rungen, wobei Tormatella-priscaDesn. undTurritella antiqua 
Desn. sieh befinden. — : Jaura und 'Piperi sind zwei Kalk - Felsen, die 
an den einander zugekehrten Seiten fast senkrechte Risse zeigen, was 
die Einwohner zur Meinung veranlasste, dass es nur die Enden einer 
versunkenen Insel seyen, worauf eine sehr grosse Stadt gewesen, deren 
Trümmer man bei ruhigem Meere noch ‘soll sehen könne, Jaura be- 
sitzt eine schöne grosse ‘Höhle’ mit einer runden Halle, deren Gewölbe 
durch’ schöne Stalaktiten - Säulen‘ unterstützt scheint. — 2 Meilen vom 
Dorfe' Tliodroma, auf der 5—6 Meilen langen, schmalen‘ bergigen Insel 
dieses Namens, glaubte man "ein Steinkehlen-Lager entdeckt zu haben, 
welches V, von Caro v’Istrıa zu untersuchen beauftragt war, Die Insel 
besteht: 1) aus Glimmerschiefer, Thonschiefer uud körnigem Kalke; 2) 
aus blauen und 'hellgrauen Kalken  der'Kreideformation; 3) aus einem 
tertiären Süsswasser-Gebilde mit Ligniten, ' welches fast die Hälfte der 
Oberfläche der Insel einnimmt. Von’ unten nach oben besteht es in einer 
Mächtigkeit von 50m — 60m im Ganzer‘ aus blauen und grünlichen 
Mergeln voll Lanud- und Süsswasser -Konchylien, als, Planorben, 
Paludinen, Helix-Arten u. s.w.; — aus vielen dünnen Schichten 
weissen mergeligen Kalktuffs ohne‘ Fossilreste, ‘doch in der Mitte 'ent- 
haltend eine 2° mächtige Schichte und mehrere 'dünnere‘ 'abgerissene 
Lagen von Braunkohle mit Thon und Konchylien 'geneugt, welche stel- 
len weise in Gagat übergeht und bei einem Bergsturze dus Gerücht von 
einem Steinkohlen-Lager veranlasst hatte;  — aus graulichen Mergel- 
kalken voll von Resten fossiler Vegetäbilien; und aus kompakterem Kalke 
in 2’— 3‘ mächtigen Bänken, mit geradem Bruche. Ein Stollen, 25°M. 
weit in das Gebirge getrieben, um die‘ Braunkohle zu verfolgen, gab 
kein grosse Hoffnungen rechtfertigendes Resultat. — Von den aufgefun- 
denen Resten fossiler Pflanzen, gehören die reisten dem ausgestorbenen 
Taxodium Europaeum Bronen. an, das sich auchinoch zu Comouthau 
in Böhmen und zu Öningen gefunden hat, obgleich die Formationen dieser 
drei Orte nicht von ganz gleichem Alter sind. Jenes des Gebildes von 
Comothau kennt man zwar nicht genau; der Kalk von Öningen ist nach 
Murcnison jünger als die Molasse. Das Gebirge von Iliodroma aber scheint 
dem Verf. etwas älter zn seyn, da es sattelförmig gehoben worden zur 
Zeit, wo die Meerenge der Dardanellen und viele Spalten im Teufels- 


— 3560 — 


Archipel entstanden, welche, wie jene Insel selbst, alle eine Richtung 
von N. 40° O, besitzen, die nur um 10° — 2° verschieden ist von der 
Richtung. der Westlichen Alpen, deren Hebung demnach gleichzeitg mit 
der vorigen seyn dürfte, und früher als die Absetzung der Subapeninnen- 
Formation Statt gefunden hat. Das Gebilde von Idiodroma ist daher 
älter als diese, und wohl gleich alt mit der grossen Meeres - Formation _ 
der Gompholithen Morea’s und mit der Nagelflue der Schweitz, auf welcher 
die Öninger-Formation ruht. ‘Es erhebt sich zu.250m — 300m Seehöhe, 
und seine Entstehung ist nur erklärlich durch die Annahme, ‚dass diese 
Insel einst ein Theil des Festlandes, oder einer grösseren Insel mit einem 
Süsswasser-Becken gewesen, wo dann auch mehrere angrenzende Theile 
eingesunken seyn müssten. . Überhaupt muss man nach der Theorie der 
allmähligen Abkühlung des Innern der Erde annehmen, dass die einge- 
sunkenen und die gehobenen Massen sich ungefähr kompensiren, — 


N. J. Wınc#: Beiträge zur Geologie von Northumberland und 
Durham (Lond. and Edinb. phil. Mag. 1833. III, 28 f.; 92—99; 
200—304; 273—277. Der, mit; dem Namen ':Main- oder. Nineiy- 
fathom-Dyke bezeichnete mächtigen‘ 'Gang, welcher in. den Kohlen-Abla- 
gerungen jener Englischen Provinzen so denkwürdige, Erscheinungen 
hervorrief, ist aus früheren Beschreibungen der Gegend bekannt. Am 
östlichen Ende jenes Dyke, an.der Meeresküste :von' Norikumberland 
findet sich, bei Whitley in. der Nähe ‘von Cullercodtes, ein, schmaler 
Streifen von Maygnesian limestone,; geschieden von seiner Formation 
durch eine von jener 'gewaltigen Kluft herbeigeführten Senkung. Lange 
Zeit hindurch wurden in dem; Kalk: Steinbrüche- betrieben , allein erst 
1831 entdeckte man, zwischen dem Kalk und dem; oberflächlichen Boden, 
ein regelloses, aber dennoch mächtiges Lager von schwefelsaurem Baryt. 
Die nähere Untersuchung ergab, dass die Barytspath-Masse aus kleinen, 
sehr zerbrechlichen (bröcklichen) Krystallen von’ weisser Farbe bestand, 
nur hin und wieder auch .ockergelb gefärbt. Eingeschlossen in dieser 
Masse traf man, jedoch nicht häufig, grosse, lichte lazurblaue Krystalle, 
ähnlich dem bekannten Dufton spur. Dass der Barytspath auch in den 
ältern Steinbrüchen den Kalk überdecke, scheint ausser Zweifel. Trau- 
ben-förmig gestalteten, fleischrothen Barytspath entdeckte man vor eini- 
gen Jahren in den Zwischenräumen des, zum Theil krystallinischen, 
Magnesian limestone zu Man Haven unfern Whitburn. Haufwerke von 
"Muscheln, auch der Abdruck eines Fisches sollen in den Steinbrüchen 
von Whitley vorgekommen seyn; kleine Blende-Kıystalle sah der Verf. 
im Dyke an der Seeküste, woselbst der weiche gelbe Sandstein, die 
Unterlage des Magnesian-Kalkes, in Klippen an der Nordseite des 
Dykes zu Cullercoates auftritt. — Besonders interessant in geologischer 
Beziehung ist das Kohlenwerk von Gosforth, zwei Meilen im N. von 
New Castle, nicht allein wegen der Menge der durchsunkenen Kohlen- 
schichten, sondern auch um der Aufschlüsse willen, welche man über 


— 861 — 


die Verhältnisse des Dyke erhielt, so wie über die durch ihn verur- 
sachten Störungen. Die Mächtigkeit der Spalten, unter 370 gegen N, 
fallend und erfüllt mit schieferigem Thon und mit Sandstein-Stücken, 
beträgt 4 Fuss. Auf einer Strecke von ungefähr 300 Yards von der 
Grube genannt West Pit, erheben sich die Schichten allmählich und 
gleichförmig in nördlicher Richtung, um weiterhin gegen die Spalten zu 
fallen. Die Senkung der Haupt-Kohlen-Lager beträgt 160 Klafter. — 
Kohlen-Ablagerungen, geringer an Mächtigkeit, als jene von New Castle, 
und begleitet von Bergkalk sowohl, als von Sandstein und Schiefer, 
findet man durch beinahe ganz Northumberland verbreitet. Über ihre 
Fortsetzung gegen die Teufe wurde bis jetzt nichts Bestimmtes ausge- 
mittelt. — In Kohlen-Gebilden von @uiülsland im Frihing-Thale westwärts 
von Blenkinsor ist der Kohlenschiefer ungewöhnlich reich an Lagern 
und Nieren-förmigen Massen von Thon-Eisenstein. Ein Kalkstein-Lager 
wird in der Gegend getroffen; es erscheint hier der Kalk im innigen, 
Gemenge mit kleinen Kohlen-Trümmern. — Bei Thirlwall Castle ruht 
ein Bergkalk-Lager auf Basalt, und nimmt, wie gewöhnlich, in seiner 
unmittelbaren Nähe krystallinisches Gefüge an. 


Cirne: sprach bei der Versammlung in Oxford über das rela- 
tive Alter und die Richtung der Gänge in Cornwall (Report 
of the 1. and 2. meetings of the Brit. Assoc., Lond. 1833. S. 580). 
Er unterschied (mit der Gebirgsart) gleichzeitige oder Ausson- 
derungs-Gänge, (veins of Segregation), die zuweilen Mettall-füh- 
rend sind, und sich nach der Längen - und Tiefen - Erstreckung auskeu- 
len; und Erz-führende Spalt-Gänge ‚Cveins of fissure), welche sich 
nicht auskeulen. Er zeigte Zinnerze von Arten vor, die bisher nur im 
Alluvial - Gebiet gefunden worden, neuerlich aber in Situ in wahren 
Gängen in Cornwall entdeckt worden sind. Holz - Zinn oder faseriges 
Oxyd, Kröten - Auge oder straliges Oxyd, Zinn in kugeligen Konkrezio- 
nen sind in regelmässigen Gängen nächst der Oberfläche unter Verhält- 
nissen vorgekommen, welche anzunehmen gestatten, dass eine Strömung 
aus NNW. nach SSO. sie als Alluvial- Bestandtheile hier hineinge- 
führt habe. 


A. v. Stromgeck: über die Lagerung der Nieder-Rheinischen 
Braunkohlen (Karsten, Archiv f. Min. VI. B. S. 299 #.). Noxc- 
GERATH hatte bereits gefunden, dass der grösste Theil jener sehr bau- 
würdigen Braunkohle unter der Kreide liegt; des Verf’s. neueste 
Untersuchungen der Gegenden von Brühl, Aachen, Henry Chapelle 
und Mastricht ergeben, dass jene Ansicht vollkommen begründet ist. 
Zwischen Aachen, Maztricht und Lüttich u. a. folgen, unter dem Ge- 
steine von Mastricht, die eigentliche Kreide und der 


— 3562 — 


grüne Sand, sodann aber eine Sand- und Thon-Bildung mit 
Braunkohlen. — Auch in der Normandie und in der Provence fin- 
den sich Braunkohlen-Formationen unter der Kreide. 


Scnhmior: über das Vorkommen des Kohlenstoffs und 
seiner Verbindungen in Blasenräumen basaltischer Ge- 
bilde (A. a. ©. S. 444 ff.). Im Basalte des Wttschert- Berges bei 
Siegen trifft man ein für Kohlenblende anzusprechendes Fossil, 


Verscnoyte: über die Geologie der Grafschaften Mayo 
und Sligo (Proceed. of the geol. Soc. of Lundon. 1832—1833. No. 28, 
p. 407 etc.). Der beschriebene Landstrich liegt im westlichen Theile 
“der Provinz Connaught und wird gegen N. und W. vom Atlantischen 
Meere begrenzt. Durch seinen östlichen Theil erstreckt sich, aus NO. 
nach SW., eine Kette von sogenannten Primitiv - Gesteinen, die 0x 
mountains, deren mittlere Höhe 1300 F. beträgt. Gegen N. erheben 
sich die Berge sehr steil und gehen in wahre Piks aus; gegen S. ist 
das Fallen bei Weitem unbedeutender. Die vorzüglichsten Gebirgs- 
Pässe sind zu Collvony, Lough Talt und Foxford. Als herrschende 
Felsarten findet man Glimmerschiefer, Hornblende- und Quarz-Gesteine, 
Über diesen ältern Gebilden liegt em Konglomerat, welches dem 014 
red sandstone angehören dürfte, und sodann folgen in aufsteigender 
Ordnung wechselnde Schichten von Sandstein und von Schiefer, und 
über diesen tritt Bergkalk auf. Im S. der Kette ist der Kalkstein ge- 
gen Roscommon und Galw.uy verbreitet, indem er der grossen Irlan- 
dischen Kalk-Ablagerung sich anschliesst, und im NW. bildet er eine 
Fläche von Stigo bis zur Baronie Erris, woselbst die Neplein-Gruppe 
emporsteigt, der Anfang des primitiven Gebirgszuges, welcher sich in 
nördlicher und westlicher Richtung bis zum Ozean erstreckt. Die Küste 
zeigt meist steiles Gehänge, aus Gneiss bestehend, ferner aus Glimmer- 
schiefer, Quarz-Gestein und Bergkalk; hin und wieder machen jedoch 
auch niedere Sand-Hügel das Gestade aus. — Der Verf. schildert 
sämmtliche vorkommenden Gesteine in absteigender Ordnung: 

1. Bergkalk mit Lagern von Oolith. Er ist zumal ver- 
breitet im N, und S. der 0x mountains; der Benbulben, 1700 Fuss 
hoch, der Knocknodie, 1025 F., der Knocknashee, 980 F., bestehen 
ganz aus jener Felsart. Die tiefern Lagen enthalten schwarzen Feuer- 
stein (chert) in eckigen Massen; häufig findet man in denselben orga- 
nische Reste. Der Kalk wechselt, was sein Gefüge angeht, vom Dich- 
ten bis zum Krystallinischen; er geht aus dem Grauen bis ins Grau- 
lichbraune über. Arragonit, Flusspath, Braunspath, Eisenkies und 
Quarz-Krystalle kommen mitunter darin vor. Die Erze-führenden Gänge 
hat man neuerdings beinahe ganz vernachlässigt; nur einer in der Nähe 


— 363 — 


von Ballisadere, welcher Bleiglanz und Blende enthält, wird noch ab- 
gebaut. Fossile Reste hat der Kalk in Menge aufzuweisen, zumal aus 
den Geschlechtern Caryophyllia, Productus und Spirifer. Im 
Skreen-Berge trifft man gegen die Teufe hin geringmächtige Lagen 
von Quarz-Rollstücken durch Kalk gebunden. — Die oolithischen 
Schichten erscheinen nur zwischen Moyne und Rathrea; angeblich 
sollen sie ihre Stelle unterhalb des Kalksteins einnehmen. Zertrüm- 
merte Reste von meerischen Thieren kommen darin vor, selten verkohl- 
te vegetabilische Überbleibsel. Ferner enthalten diese Lager rundliche 
Massen von schwarzem Schiefer, welche Pechkohlen-Theile einschliessen, 
auch werden die kalkıgen Lager durch dünne Zwischen-Schichten von 
braun gefärbtem Schiefer geschieden. 

2. Kalk-haltiger grobkörniger Sandstein (caleareous 
grit) und Schiefer. Diese Formation folgt unmittelbar auf den Berg- 
kalk und die oolithischen Schichten und verlauft sich gegen die Teufe, 
wo das Konglomerat fehlt, allmählich in ein Quarz-Gestein; bei Glen- 
lassera sollen jedoch der Sandstein und das Quarz Gestein in ungleich- 
förmiger Lagerung zu einander sich befinden, 

3. Alter rother Sandstein. Vorkommen in den niedern Thei- 
len der nördlichen und südlichen Abdachungen der Ox mountains. Die 
Bollstücke bestehen aus Quarz und aus Jaspis; ihre Grösse übersteigt 
selten die eines Eies, das Bindemittel ist eisenschüssiger Thon. Orga- 
nische Überbleibsel wurden bis jetzt nicht beobachtet. An der Südseite 
der Berge, wo das Konglomerat auf Quarz-Gesteinen ruht, soll sich 
dasselbe allmählig in diese Felsart verlaufen; nach N. hin aber, wo 
kein Quarz vorkommt, liegt das Konglomerat ungleichförmig auf Glim- 
ınerschiefer. 

4. Quarz-Gestein ist sehr verbreitet und besteht, in seiner 
einfachsten Beschafferheit, aus feinkörmigem weissem Quarzsande, Die 
Lagen zeigen Schiefer-Gefüge. Hin und wieder enthält das Gestein 
Theile weissen Feldspaths und Glimmer-Blättchen, so dass es sich nach 
und nach in Gneiss verlauft. 

5. Hornblende-Schiefer, Glimmerschiefer und Gneiss,' 
Das letztere Gestein ist zumal auf der Halbinsel Erris vorkanden und 
'in den Bergen oberhalb Coolany, zu Mullinashie; der Glimmer- und 
Hornblende-Schiefer werden besonders in den Ox mountains und in der 
Gebirgs-Gruppe von Erris getroffen. 

6. Granit tritt nur am Süd-Ende von Erris auf. Er dringt 
Gang-förmig in den über ihm liegenden Glimmerschiefer ein. 

7. Trapp. Eilf, unter einander parallele, basaltische und Man. 
delstein-Gänge durchsetzen, in beinahe östlicher und westlicher Rich- 
tung, im nördlichen Theil des Landstriches alle Formationen von Gneiss 
bis zum Bergkalk. Einer dieser Gänge lässt sich auf 60 bis 70 Engl. 
Meilen weit verfolgen, und muthmasslich ohne dass sein Ende erreicht 
wäre. Die Entfernung zwischen dem nördlichsten und südlichsten Gange 
beträgt nicht mehr als 114 Meilen. Zwei von diesen Gängen sollen 


— 364 — 


von andern Gängen durchsetzt werden, welehe, iw.NS. streichen. Ein 
ausgedehntes Trapp-Lager bedeckt, an der O. und .W.-Seite ‚der, Bucht 
von Killala, den Bergkalk, den Sandstein und den Schiefer, ; 


Sıvı: über die geognostisch-geologisehen Verhältnisse 
in Toskana (nach dem Resume des progres de la Geologie im Bullet. 
de la Soc. geol. T. III, p. xrr etc.). Zu Folge des Verf, Beob- 
achtungen inder Gegend von Campiglia, in,den Maremmen 
von Pisa, besteht der Berg Calvi aus körnigem nicht geschichtetem 
Kalk und ist in rhomboedrische oder prismatischen Massen abgeson- 
dert. Der Kalk enthält Eisenoxyd-Hydrat, strahlige Hornblende mit 
Lignit gemengt, gelben Augit, Granat, Quarz, Bleiglanz, Blende, Ei- 
sen- und Kupferkies. Diese Substanzen dienen den kugeligen Horn- 
blende-Massen als Kern, und häufig bilden sie konzentrische Zonen, 
deren jede, in ähnlicher Weise wie bei dem Kugel-Diorit aus Korsika, 
aus einem einzigen Mineral besteht. Manche dieser Kugeln haben einen 
Fuss im Durchmesser. Grosse Porphyr-Massen, zuweilen Quarz-Theile 
und Glinmer-Blättchen führend, auch Säulen-förmig abgesondert, durch- 
setzen den Kalk und scheinen mit den Hornblende-Nestern in Verbin- 
dung zu stehen. Auch der Fucoiden-führende Sandstein der Apenninen 
berührt den Kalk; er zeigt, unter solchen Umständen, Spalten, kleine 
Gänge von Manganerzen und andern Anomalien. Der Verf. ist der 
Meinung, der Sandstein habe das langdauernde Einwirken einer, im ge- 
schmolzeuen Zustande befindlichen Felsart erfahren. (Nuov. Giorn, de’ 
letterati No. 63). — In einer andern Notiz, 1829 erschienen, stellte S. 
die Sätze auf: 1) der Dolomit von Campiglia, der Marmor von 
Carrara und vom Monte Altissimo, der Bardiglio von Serravezza 
und der rauchgraue, kavernöse, Bitumen-haltige Kalk 
seyen nur Modifikationen eines und des nämlichen Gesteins; 2) diese 
Dolomite kämen stets ungeschichtet oder auf Gängen vor, und bilde- 
ten für sich bedeutende Erhöhungen, wie die Pania, die Corchia und 
den Altissimo;, 3) der weisse Dolomit und der körnige Marmor träten 
nur in den mächtigen Theilen der Ablagerungen, so wie in deren Mitte 
auf, während die Grenze von unreinem Dolomit, vom Bardiglio-Marmor, 
von Bitum-haltigem kavernösem Kalk u. s. w. zusammengesetzt würden; 
4) in reinem Dolomite und körnigem Kalke kämen die, ihnen sich bei. 
gesellenden, Substanzen auf kleinen Gängen (Serravezza und Carrara) 
oder in kleinen konzentrischen sphäroidalen Massen ( Campiglia) 
vor; 5) die dolomitischen Gebilde seyen, aus der Tiefe, unterhalb 
der Talkschiefer und des sekundären Maeigno herausgetreten, indem sie 
Emporhebungen, Brüche und Änderungen hervorriefen; 6) der Jaspis 
von Barga wäre nichts Anderes, als der durch Berührung mit dem Do- 
lomit umgewandelter Apenninen-Sandstein; 7) der mit dem Namen 
Alberese bezeichnete Kalk und der Apenninen-Sandstein, oder Ma- 
cigno, seyen von einer Formation; 8) an mehreren Orten ersckiene der 


letzere Kalk zu Dolomit umgewandelt, (Calloman), cder zu unvollkom. 
nen körnigem Kalk (Compigtia). (Nuov. Giorn. de’ letterati, Okt. 
1829). — Diesen Beobachtungen und Annahmen fügte Sıvı in einer 
dritten Abhandlung neue Wahrnehmungen bei. Gurpont fand einen 
Kalkstein mit Bivalven in Verbindung mit dem Marmer von Carrara, 
der letztere wird folglich nichts weiter, als ein umgewandelter sekun- 
därer Kalk. Bei genauer Untersuchung der Kalksteine von Verrucano, 
unfern Pisa, fand Sıvı darin aus Kalkspath bestehende Steinkerne von 
Melania, Natica, Peeten, Terebratula, auch Entrochiten 
und Zoophyten, und zu Mommio, unfern Fivizzano, Steinkerne von 
Cardium und von Venus. Er schliesst daraus: 1) der Marmor von 
Santo-Giuliano, wie jener von Campiglia, Corfino, Gerfalco und Do= 
noratico, wäre umgewandelter Kalkstein; 2) dass die nämliche Abla- 
gerung, welche Entrochiten aufzuweisen hat, auch Univalven enthalte; 
3) dass, da diese fossilen Körper im Kalk der Berge von Pisa gefun- 
den worden, wie in jenen des Meerbusens der Spezzia, beide Gesteine 
von gleichem Alter sind; 4) dass der, den Marmor von Verrucano be- 
deckende, geschichtete Kalk in den von ihm umschlossenen kieseligen 
Nieren die nämlichen Petrefakten enthält, wie in seiner Masse selbst; 
endlich dass die Muscheln - führenden Gesteine auch am Fusse des 
sekundären Sandsteins der Apenninen vorhanden seyn müssen, In 
den Apuanischen Alpen dürften die plutonischen Wirkungen nur um 
Vieles stärker gewesen seyn, als in der Gegend von Pisa. — An der 
Küste von Torcana und an jener des Herzogthums von Massa-Carrara 
werden die Apennin-Sandsteine in ungleichförmiger Lagerung von den 
subapenninischen Ablagerungen und von Alluvionen bedeckt; man 
kann die Sandsteine als geschieden in drei Massen ansehen. Die obere 
scheint, wenigstens hin und wieder, durch ein Gemenge von Fukoiden 
und von Resten dikotyledonischer Land-Pflanzen charakterisirt zu wer- 
den; ihre Anhäufung bedingte mitunter selbst das Entstehen von Braun- 
kohlen-Lagen (Caniparola im Lande Sarzana, Val di Cecina unferh 
Volterre). Der, als Macigno bezeichnete, Apenninen-Sandstein lässt 
in seiner Hauptmasse Lagen dichten oder lithographischen Kalksteins 
wahrnehmen; zumal in seiner obern und untern Abtheilung stellen sich 
dieselben gedrängter dar und sind begleitet von kieseligen Schichten. 
An den tiefsten Stellen kommen kieselige Sandsteine vor; wechselnd 
mit Talkschiefer und mit talkigen Konglomeraten, — Savı theilt in Ab- 
sicht der Entstehungs-Weise dev letztern die Meinung Bour’s; sie sol- 
len ihren fremdartigen Charakter den Umwandelungen durch Fener und 
Gase zu verdanken haben. Der Sandstein erscheint härter und Kiesel- 
reicher; er ist zu einer kieselig-kalkigen krystallinischen Felsart ver- 
ändert worden, oder, wenn Talk sich entwickelte [?], zu einer Art 
Grauwacke [die mit dem Beisatz steaschisteuse oder Talcschiste-nodu- 
laire bezeichnet wird]; endlich sollen auch kohlengesäuerte oder schwe- 
felige Gase Umwandelungen zu Tripel-ähnlichen Massen (Masses #ri- 
poliennes) bedingt haben, Der schieferige Thon wurde stets zu Jaspis, 
Jahrgang 1834. 2A 


2. 


oder Hornstein, der dichte Kalk zu körnigem, wobei er die Schiehtung 
einbüsste und fast alle seine Petrefakten. Waren im Kalk kieselige 
Massen vorhanden, so sollen diese durch die plutonische Aktion ver- 
schwunden [?] und die kieselige Materie unter der Gestalt von kry- 
stallisirtem Quarz zerstreut [?] worden seyn. In einigen Theilen des 
massiven Marmors verbinden sich, wie gesagt wird, die Spuren erlit- 
tener Expansion oder Aufhebung mit denen der Schmelzung. Wurden 
die kalkigen Lagen von gesäuerten Emanationen durchzogen, so sollen 
sie in „Zripoli,“ „Alunite“ oder in Thon u. s. w. umgewandelt worden 
seyn, mitunter auch in wahren Dolomit mit Drusenräumen von Bitter- 
spath-Krystallen ausgekleidet. — Ausser diesen Umwandelungen haben 
die Ablagerungen auch grosse Bewegungen durch mechanische Aktion 
erfahren. Gruppen von Bergen wurden auf solche Weise gebildet, und 
der nicht, oder nur wenig veränderte Sandstein setzt die Masse der- 
jenigen zusammen, welche am Weitesten von dem Erhebungs-Zentrum 
entfernt sind; während wenig, oder sehr, oder gänzlich umgewan- 
delte lithographische und kieselige Kalke jene Berge fast ganz 
zusammensetzen, die in paralleler Richtung mit den vorhergehenden, 
aber näher gegen das Erhebungs - Zentrum aufsteigen. Unterhalb der 
kalkigen Massen, oder unterhalb der ganzen Ablagerung, finden sich 
quarzige Sandsteine, theils wenig umgewandelt, geschichtet, auch Brec- 
cien-artig, oder in hohem Grade verändert, und sodann erscheint ein 
schöner „Talcschiste nodulaire,“ nicht geschichtet, auf Gängen oder in 
Massen. Als die plutonischen Gebilde (depöts ignes), durch welche 
jene Umwandelungen und Änderungen hervorgerufen worden seyn sol- 
len, werden bezeichnet: Gänge von Magneteisen (Berg Stazzema), oder 
von Eisenglanz mit Epidot gemengt (bei Fivizzano und Tambura in 
den Apuanischen Alpen); an anderen Orten sollen es Massen von 
Wacke gewesen seyn (Capo Corvo), oder mächtige Gänge von Porphyr, 
der ein trachytisches Aussehen hat [?], von Granit, Eurit, Pelagit, Euphotid, 
Serpentin und Diorit. Die Magneteisen- und Eisenglanz-Gänge, die Wacke, 
der Eurit und der Granit sind, wie gesagt wird, alle von gleiehem Alter und 
erschienen, als der Sandstein noch eine gewisse Weichheit hatte; diese 
Massen sind es, welche, so wird behauptet, den Talkschiefer, den körnigen 
Kalk und den Dolomit erzeugten. Die übrigen vulkanischen Gebilde brachen 
in einer neueren Zeit hervor, als die Sandsteine bereits erhärtet waren; 
muthmasslich geschah diess vor dem Entstehen der Gyps-, der Salz- 
und Schwefel-Bildungen des snbapenninischen Gebiets. (Nuov. Giorn. 
de’ letterati etc. No. 63), — (Bullet. de la Soc. geol. de France. Vol. 


III; pag. XLT etc.) 


nn 


Ifl. Petrefaktenkunde. 


Dr Bonsarn: Knochen in den Höhlen von Arey sur Cure 
(Zultet. d, 1. Socieie geolog. de France 1833. III. 232 — 2323). Die 


— 367 — 


Verlesung der Mittheilungen Schmeruine’s über die Knochentiöhlen von 
Lüttich veranlasste mehrere Mitglieder zur Äusserung ihrer Ansichten. 
C. Pr£vosr beharrte bei seiner früheren Meinung, dass die Knochen mei- 
stens von Wasserströmen in die Höhlen geführt worden seyen. Durr£nxor 
dagegen hat in mehreren, zumal Südfranzösischen, Höhlen unverkenn- 
bare Spuren eines verlängerten Aufenthalts der Thiere wahrgenommen, 
deren Gebeine jetzt dort ruhen. 

De Bonnarp wollte im J. 1829 in den Höhlen von Arcy sur Cure 
(Yonne) Knochen aufsuchen, und beschäftigte zwei Tage lang mehrere 
Arbeiter damit. Obschon er vorzugsweise an jenen Orten nachgraben 
liess, welche nach Buerrann’s Anleitung am meisten Ausbeute verspra- 
“ ehen, so war er doch nur an einer einzigen Stelle glücklich darin, in- 
dem er daselbst ein ansehnliches Bruchstück eines Hippopotamus- 
Kiefers entdeckte, in Gesellschaft von andern ganz unkenntlichen Kno- 
chertheilen, welche die Arbeiter „verfaulte Knochen“ nannten. Alle 
lagen über im tief in Thon, und fast unmittelbar auf der Kalkstein- 
Sohle, in einer Kanal-artigen Verengerung derselben, durch welche sie, 
durch Wasser bewegt, im weiteren Forttreiben festgehalten worden zu 
seyn scheinen. 


ViRLET: über Knochen-Höhlen (a. a. O. S. 223 — 224). Der Verf. 
ebenfalls durch obigen Vortrag veranlasst, kam auf seine früheren Mit- 
theilungen bei Gelegenheit seiner Abhandlung über die Höhle von Sillaka 
auf der Insel Termia zurück, welche ganz in Glimmer-, Thon- und Talk- 
Schiefer ausgehöhlt ist. (Bullet. geol. II. 330.) Dort kommen nämlich 
mehrere sog. Katavothron’s oder Schlünde vor, in welche die Gewässer der, 
durch mehrere sich durchkreutzenden Gebirgs-Hebungen eingeschlossenen 
Ebenen von Morea und dem kontinentalen Griechenland sich verlieren, 
oft an sehr. entlegenen Stellen wieder zum Vorschein kommen, und mit- 
unter zur Bildung der grösseren Flüsse beitragen. Er ist in mehrere 
dieser Schlünde hineingedrungen, fand sie aus grösseren und kleineren, 
durch engere Gäuge mit einander verbundenen Kammern bestehend, und 
theilweise von neuem Schlamme, Pflanzenresten und Knochen von Thie- 
ren aus der Nachbarschaft angefüllt, denen zuweilen Menschen-Gebeine 
beigesellt sind, die seit den letzten mörderischen Kriegen in jenen Gegenden 
über die Erde zerstreut vorkommen. Sie sind durch die Gussregen des 
Griechischen Winters dahin geführt worden. Wenn die Wasser nun 
einen andern Abflussweg fänden, so könnten diese Schlünde noch leicht 
Raubthieren zum Aufenthalts-Orte dienen, die dann dort noch eine Knochen- 
Ablagerung ganz andrer Art veranlassen, und ganze Skelette, angenagte 
Knochen und Knochen - Exkremente zu den vorigen gesellen würden. 
Tiefer in jenen Schlünden vordringend, würde man wahrscheinlich Kno- 
chen jetzt in Griechenland lebender Thiere mit denen von in geschichtlicher 
Zeit daraus verschwundenen und selbst noch früher ganz ausgestorbe- 
ner Arten im Gemenge finden. Denn die neuesten der dortigen Ge- 


— 68 — 


birgs-Katastrophen,, und somit auch jene Ebenen und Gebirgsschlünde 
sind älter als das Subapenninen-Gebilde. Stalaktiten kommen in diesen 
Höhlen nicht vor. 


C. Pr£vost trug in einer späteren Sitzung noch einige Bemerkun- 
gen über Knochenhöhlen nach (a. a. ©, S. 228). Er beruft sich 
auf die von BuckLanD gegebenen Details über die Fränkischen Knochen- 
höhlen, um zu beweisen, dass die Thiere in diesen Höhlen nie haben ° 
leben können, und dass ihre Leichen daher viel wahrscheinlicher von 
Wasserströmen, wie sie sich noch heutzutage häufig in jenen Höhlen 
verlieren, mit den Schlamm-Niederschlägen und Geschieben dahin geführt 
worden seyen. Auch beruft er sich, für diese Ansicht, auf die ven 
Dersier (Coup d’oeil sur les volcans de la Kill superieure) über das 
von der Lesse durchströmte Trou-d«-Han, 1 Stunde von Rochefort 
(Liege), mitgetheilten Thatsachen. 


ErLie DE Beaumont sieht es als erwiesen an, (ebendas.) dass Hyä- 
nen in den Höhlen von Kirkdale gelebt haben, bezweifelt jedoch nicht, 
dass in jenen andern Höhlen sich verlierende Ströme daselbst Knochen- 
breceien bilden mögen. 


Bovs£e (ebendas. S. 267.)erklärt später, dass man weder PreEvosr’s, 
noch Durr£nor’s Theorie der Knochenhöhlen allein huldigen dürfe. 
Einige Höhlen seyen gewiss durch fiiessendes Wasser mit Knochen an- 
gefüllt worden; andere seyen ebenso gewiss die Wohnorte von Thieren 
gewesen, deren Kuochen sie jetzt einschliessen. So habe Tournar in 
der Höhle von Bise eine enge Felsspalte gefunden, in die man kaum die 
Hand einführen könne, und welche voll wohl erhaltener Knochen kleiner 
Thiere, wie Ratten u. s. w., seye, die mithin darin gelebt haben, Aber 
es gebe noch zwei andere Ursachen, nämlich 3) grosse periodische Was-. 
serfluthen, wie sie von Bächen und Flüssen nicht abgeleitet werden 
können, und wodurch Erde, Geschiebe, Thier - Gebeine durcheinander 
gemengt und in die Höhlen eingeschwemmt worden seyen; daraus erklä- 
zen sich, warum so oft alle Höhlen eines Thales oder Beckens nur Kno- 
chen von denselben Thierarten enthalten. Welches aber auch die Art 
und Weise gewesen, wie die Knochen in die Höhlen gekommen, immer 
haben 4) noch andere Wasser- Bewegungen sie darin durcheinander- 
werfen und anders absetzen können, so dass man die ursprüngliche 
Einführungs- Weise nun nicht mehr zu erkennen vermöge. So seye es 
in der von ihm untersuchten Höhle des Arriege Depts. und in einigen 
Höblen der Pyrenäen der Fall. (Pa£vosr bemerkt noch schliesslich, dass 
diese beiden letzten Arten der Einführung der Knochen in seiner allge- 
meinexren Theorie mitbegriffen seyen). 


— = — 


W. Bucktannp: über dıe Entdeckung einer neuen Ptero- 
dactylus-Artim Lias von Lyme Regis (Transact. of the geolog. 
Soc. Lond. N. S. 1829 III. 217—222. tb. 27). Diese Reste liegen 
auf einer Platte von Liasschiefer und begreifen den grössten Theil der 
vorderen und hinteren Extremitäten in sich nebst einigen Wirbeln ; leider 
fehlt der Kopf gänzlich. Diese Art zeichnet sich durch die ansehnlichere 
Stärke ihrer Klauen aus, und erhält daher den Namen P. macronyx. 
Sie hat die Grösse eines Raben, und mit ausgebreiteten Schwingen 
mag sie über vier Fuss in die Breite gehabt haben. Den Halswirbeln 
parallel liegen knöcherne Sehnen yon Drahtdicke, den schweren Hals 
und Kopf zu halten. An den Rückenwirbeln erkennt man konvexe und 
konkave Gelenkflächen. Brustbein und Becken sind gross und ziemlich 
erhalten. Schulterblatt und Hakenschlüsselbein sind wie bei andern 
Arten gestaltet, doch inniger verwachsen, letzteres nicht stielrund, son- 
dern flach und kürzer als gewöhnlich. Oberarm etwas beschädigt. Vor- 
derarm aus zwei Knochen der Länge nach verwachsen, was man auch 
aus einer der Länge nach ziehenden Rinne erkennt. Von der Handwur- 
zel sind vier Knochen da; von der Mittelhand drei kleinere, vom Flug- 
finger die drei ersten Phalangen und ein Stück des vierten , wovon je- 
doch BuckLanD die ersten irriger Weise für die Mittelhandknochen die- 
ses Fingers hält; sie sind ganz wie beiP, crassirostris gebildet. An 
den andern Fingern erkennt man 2, 3 und 4 Phalangen; mit Klauen, 
so dass also wohl ein eingliedriger Daumen hier fehlte. Der letzte Pha- 
lanx ist immer der längste. Vom Becken ist das Hüftbein, das Scham- 
bein (Ischium bei Buckr.) und der fächerförmige Schambein - Fortsatz 
(Os pubis Buckr.) vorhanden. Oberschenkelbein, Unterschenkelbein mit 
einer Längenrinne, seine Verwachsung aus 2 Knochen andeutend, ziem- 
lich lang. Am linken Mittelfuss sieht man 4 Knochen. An den Zehen 
fehlen die Klauen, und man zählt noch 1, 2, 3 und 4 Phalangen, so 
slass hier die äussere fünfgliederige Zehe zu fehlen scheint, da an den 
vorhandenen vier , wie gewöhnlich , das letzte Glied länger ıst. Doch 
sind hier auch die ersten Glieder länger als sonst. 

In derselben Lokalität mit Ichthyosauren und Plesiosauren hatman ei- 
nen vorn und hinten abgebrochenen Unterkiefer gefunden, den BuckLann 
zweifelhaft zu dieser Art zählt. Er ist flach; aber die Zähne sind nied- 
riger, breiter, als bei allen andern Arten, und stehen dicht an einander, 
was ebenfalls sonst nicht der Fall ist. Er befindet sich in der Miss 
PuırLror Sammlung zu Lyme. Von einem wahrscheinlich auch dazu ge- 
hörigen Vogelskelette in Rowe’s Sammlung zu Charmouth hat B. schon 
seit 20 Jahren reden hören, doch es noch nicht gesehen. 

Auch die Knochen sind für Pterodactylus-Reste zu halten, welche 
als Vogelknochen von Prevosr in den Jura-Schiefern zu Sionesfield und 
von MaAnTtELL in den noch jüngeren Jura-Schichten von Tilgate Forest 
angeführt werden, so dass jenes Geschlecht also in der ganzen Periode 
existirt hätte, welche von Absetzung der Liasformation bis zu der der 
letzten Jura- Bildung verfloss. 


—_- m — 


Morren lässt eben ein „Memoire sur les ossemens humains des 
tourbieres de la Flandre“ drucken, woraus Bou£ folgende Resultate 
mittheilt (Bull. geol. de France, I8S33, III, p. CXXXII und CXXXIII). 
1) Neben die fossilen Menschenknochen, welche mit Hyänen, Bären, Hir- 
schen, Rhinozeros in den Höhlen Südfrankreichs und Belgiens und in 
den Felsspalten des Kalkes bei Wien vorkommen, neben die in den 
Knochenbreccien Dalmatiens [?], im mergeligen Alluvial- Boden von 
Krems und in der grossen Alluvial- Ablagerung am Rheine, muss man 
auch die der Torflager stellen, weil mit ihnen die nämlichen ausgestor- 
benen Thier- Arten vorkommen. Gehören aber nun gewisse Hirsche, 
Biber, u.s. w. zu den erst nach dem Auftreten der Menschen ausge- 
storbenen Thier-Arten? 2) Theilt man die Torfmoore in hochgelegene und 
in solche der Niederungen, so enthalten diese letzteren jedenfalls mehr 
Knochen von Menschen und ausgestorbenen oder ausgewanderten Thieren, 
als die ersten. Oft ruhen sie auf einem sandigen Süsswasser - Lehm 
mit Süsswasser - Konchylien noch lebender Arten, und sind daher nicht, 
wie man von den Amerikanischen Torflagern annimmt, in Salzsee’n ab- 
gesetzt worden. 3) Während die fossilen Menschenschädel, welche hin 
und wieder in Europa mit Resten von ausgestorbenen Thier-Arten vor- 
gekommen sind, sich durch ihre Bildung bald denen der Neger, der 
Caraiben oder Chilesen näherten, bald in Folge einer längeren Gewohn- 
heit des Lasttragens eine Zusammendrückung zeigten, so gehören die 
Menschenschädel der Flandrischen Torfmoore, wo sie sich ebenfalls mit 
ausgestorbenen Thier - Arten finden, der Kaukasischen Rasse an, und 
weichen von jenen im heutigen Flandern nicht merklich ab. 4) Aus 
diesen Verhältnissen folgt ein verhältnissmässig sehr hohes Alter [?] 
der niederen Torfmoore und der Aufnahme der Reste des Auerochsen, 
des Hirschs, des Wolfs, Hundes, Fischotters, einiger Widerkauer 
und der Biber-Art, die erst nach dem Erscheinen des Menschen ver- 
schwunden ist. Von dieser alten Periode an bis zum heutigen Tage hat 
mithin, obschon ganze Thier-Arten ausgestorben, unsere Art keine merk- 
liche Veränderuug in diesem Klima erlitten. 


Rırerr: über ein Fossilim Museum von Bristol aus dem 
Lias von Kime Regis (Lond. geol. Soc. 1833, 5. May > Lond, a. 
Edinb. philos. Journ. 1833. Novemb. III, Nro.17, pg. 369. > Frorızp 
Notitz. 1833, XXXVIL, 330). — Der Verf. hält diesen Fossil - Rest, 
den noch Niemand mit einiger Wahrscheinliehkeit zu bestimmen vermochte, 
für einen Knorpelfisch, den Rogen verwandt, und beschreibt seine Ana- 
tomie ausführlich. Die Kiefer sind sehr verlängert; Respirations-Öffnun- 
gen konnten am Oberkiefer nicht entdeckt werden; auch keine Zahn- 
Alveolen; den Kiefern zunächst lagen Stacheln mit strahliger Basis, 
jenen ähnlich, welehe bei Rogen und andern Knorpel-Fischen vorkom- 
men. Die Augenhöhlen sind ungeheuer gross, von einem erhabenen 
Rande eingefasst, der Raum beiderseits am Kopfe zwischen der Mittel- 


a 


linie und diesem Rande dem Wand- und Stirnbein entsprechend, ist 
flach, nicht unähnlich diesen Theilen bei den Sauriern ; vielleicht aber nur 
desswegen, weil dieser Theil des Schädels, wie bei andern Sauriern, nur 
aus einer dünnen Haut bestanden. Die Wirbelsäule ist wenig beschä- 
'digt, doch fehlen die Fortsätze an den Wirbelbeinen ; von 260 Wirbeln 
sind 28 Halswirbel, 143 Rückenwirbel und 90 Schwanzwirbel. Die 
Höhle zu Aufnahme des Rückenmarks ist einfach, die Halswirbel von 
einander gesondert, wodurch sich dieser Fisch sehr dem Geschlecht 
Squalus nähert. Die Glieder, welche vom Brustkasten und vom Be- 
cken abhängig, sind sehr beschädigt, doch was davon übrig ist, deutet 
ebenfalls auf einen Knorpelfisch hin. — So betrachtet der Verf. diesen 
Fisch als Typus eines neuen Geschlechtes, und nennt ihn Squaloraia 
dolichognathos. 


Kıup: vier urweltliche Hirsche des Darmstädter Mu- 
seums (Karst. Arch. 4833, VI. 217—223, Tf. IV.) 

1) Cervus anocerus K. Fg. 45”). Die linke Hälfte eines Ge- 
weihes von Eppelsheim zeigt am meisten Ähnlichkeit mit dem Geweihe 
einer Art des Indischen Archipels, des &. muntjac Z. nämlich, der 
auf Ceylon und Java lebt. [Doch hat Cuvier schon Hirsch-Zähne von 
Nizza mit denen von Arten aus derselben Gegend verglichen]. Wie 
bei jener lebenden Art sind die Rosenstöcke ungeheuer lang und nach 
dem Nacken hin gerichtet; gleichwohl ist hier der Rosenstock kürzer, die 
Augensprosse fehlt und die Krone ist Gabel-förmig. Ferner ist der Ro- 
senstock an der Wurzel fast dreikantig, nach der Rose hin abgerundet, 
und an der Rose selbst so ausgebreitet und geperlt, wie diese, während 
beim Muntjac die Rose ringsum über den Rosenstuhl hinausragt, und nur 
an ihrem erhabensten Rande Perlen zeigt, welche gross nnd ausgebildet 
sind. Die Stange ist au der Wurzel zusammengedrückt, die Geweih- 
Oberfläche glatt, nur hie und da mit kaum sichtbaren Streifen. Hätte 
das Thier auch die langen Eckzähne des Muntjac, so würde es mit die- 
sem die Abtheilung Stylocerus Ham. Smıte’s bilden. 

Ganze Länge des Geweihes . . ». 2. 2 2° 2... 0,170 Met. 
Von der Wurzel des Rosenstocks bis zur Rose. . . . 0,101 — 
Von der inneren Mitte der Rose bis zum Gabelrand . . 0,072 — 
Von der äusseren Mitte derselben bis zum Gabelrand . 0,062 — 
Dicke des Rosenstocks in der Mitte © 2 2000 0,01AN — 
EN LONEN NEE er Se ET LEE. AOSORTNe- 
Entfernung der äussern Ränder der Kronen-Sprossen . . 0,027 — 
Dicke der Stange in der Mitte . . 2 - 2 22.2.6001 — 
2) Cervus dieranocerusK. Fg. 6—11**). Drei Geweihstan- 


*% Im Original ist irrig Fg. A und 2 angegeben. 
*®) üben so hier Fz. 4—8, 


anna 


gen von Eppelshkeim. Die Stange des jungen Thieres (Cervus bra- 
chycerus K. in Merer’s Palaeolog.) ist sehr kurz, Gabel-förmig 
und hat eine ovale Rose und eben solche Ansatzfläche gegen den Ro- 
senstock. Die vordere Seite der Stange ist mit tiefen Furchen und er- 
habenen Falten versehen; ihre beiden Enden sind abgestumpft, etwas 
höckerig, und in der Gabel steht noch eine sie verbindende, zugeschärfte 
Queer-Leiste. Das Geweihe hat einige Ähnlichkeit mit dem noch im 
Wachsen begriffenen des Muntjac (Cvv. oss. foss. IV, tb. ım, fg. 50, b), 
“wovon es sich jedoch wieder unterscheidet durch die von hinten nach 
vorn (nicht von aussen nach innen) in die Breite gezogene Rose u. s. w. 
Von der Mitte der Rose bis auf die Queerleiste in der Gabel . 0,025 Met. 
Entfernung beider Enden am äussern Rande . . . . 0,038 -- 
Breite der Rose von hinten nach vorn . .» x 2 2 2.094 — 
Von aussen nach innen .-.. „0a 0a re — 

An der Stange des ältern Thieres ist die Rose undeutlicher, fast 
kreisrund, die Queerleiste minder ausgebildet, das vordere Ende dick 
und breit (halb abgebrochen). Das hintere stark gerieft, lang, zusam- 
mengedrückt mit abgerundeter Spitze. 

Von der Mitte der Rose bis in die Gabel . . . .. . 0,055 Met. 
—-— — —- - -—- -— zurSpitzedes hintern Endes. 0,108 — 
Breite des vordern Endes . » 2 2 > 2 2 2 20202 0025 — 
Durchmesser der Rose ‘. . . 2.0... 0. ea Oro 

Bei noch ältern Thieren nehmen die Stangen an Länge (in der 
Gabel bis auf 0,07), die Furchen und Falten derselben an Stärke zu. — 
Bei der Ähnlichkeit dieses Geweihes mit dem der ersten Art könnte es 
ebenfalls auf einem hohen Rosenstock gesessen seyn, wo aber jeden- 
falls die Rose frei über den Rosenstuhl weggestanden hätte. 

3) Cervus trigonocerus Kaur. Ein Stück der linken Ge- 
weih-Stange (Fg. 12, 13, 44”)) von Eppelsheim. Die Stange war aus- 
gebildet und, nach dem Mangel an Poren auf der Ansatzfläche der 
Rose zum Rosenstock zu urtheilen, schon abgeworfen. Sie ist drei- 
kantig, die äussere und innere Kante abgerundet. Die äussere Fläche 
hat hohe und scharfe Rippen, die sich in ihrer Mitte nach hinten bie- 
gen. Die vordere, nach der Stirne zu gerichtete Fläche ist glatt, nur 
ander Wurzel und nach innen zu gefurcht. Die innere Seite zeigt nach 
aussen hin der Länge nach ziehende erhabene Rippen und mehrere 
kleine an der Wurzel; der übrige Theil ist mit feinen erhabenen Ripp- 
chen netzartig überzogen. Rose scharf ausgebildet, regelmässig, oval. 
Das Thier war wahrscheinlich von der Grösse des Anocerus und 
kleiner als unser Reh; die Stangen wahrscheinlich ohne Sprossen, 
spiessig, wie bei C. rufus und nemorivagus Süd-Amerika’s. 

Ganze Länge des Geweihbstückes . 2» 2... 0,047 Met. 
Durchmesser der Rose . 2... 2... (eacEMOuGZBN 


*) Statt 9, 10 und 11, wie im Text steht. 


Breite der Stange in der Mitte . . ». » 2 22.2. 0,015 Met, 
ae AN ea a RE TR 


4) Cervus curtocerus Kavue. Das Untertheil einer rechten 
Stange (Fg. 1, 2) und ein Backenzahn (Fg. 3), mit ersteren bei Eppels- 
heim gefunden; jedoch in einer jüngeren Formation, im angeschwemm- 
ten J.ande, wie sich aus ihrer hellgraubraunen Farbe und aus dem noch 
in den Ritzen klebenden Letten ergibt, in welchem dort sonst noch 
keine Hirschreste gefunden worden. Es kommt den Geweihen des 
C. elaphus und C. Canadensis am nächsten, und hat die Stärke 
wie bei einem Edelhirsch von 18 Enden. Unmittelbar über der Rose 
ist eine Augsprosse und etwas höher noch eine andere, kleinere Sprosse 
abgebrochen. Doch ist es sehr gut bezeichnet durch eine plötzliche 
Biegung der Stange nach hinten, 1‘ hoch über der. Rose bei der zwei- 
ten Sprosse (statt einer unbedeutenden Krümmung beim Edelhirsch); — 
durch die Abflachung und selbst leichte Vertiefung der innern Seite 
des Geweihes über dem zweiten Ende, welche dann mit der äussern 
runden Seite nach vorn in eine scharfe Kante zusammenstösst, so dass 
der Durchschnitt halbkreisförmig (statt rund) wird, 


Känger des Bruchstückes 2... aneneiue.a. ec . 20.0 0,810. Met. 
Vom Hinterrand der Basis des Rosenstocks bis zum Augen- 
hHomlenobvand el ieh yenlenehiasn  enete 8,0 05086 N 
Dreitenbei den 2ten Sprosse 2... 0.2) 0 0. ‚05056 — 
Dicke ea N el) 11 003 
Breiteiuber der Diegung , . os co u. le,. 0 ..,.0,0,054 — 
Grösste Dicke daselbst . . . 2 2 =..." 2.2.0036 — 


Der Backenzahn ist der vorletzte des rechten Oberkiefers, ein völ- 
lig unabgenutzter Zahnkeim, der mithin ein nicht sehr altes Thier an- 
deuten würde. 

SeinenElöhe vonin.äst,,, .y4elh nein eäleianunieimeltsihren. 0,0,0255Met. 

nz hinten stil neh ar ee era er 00 

Länge ander Wurzeln sunelneiye Uhse. 61050250, 
Grösste‘ Längexoben , s.% u. viele u bei zlta tenie) 15.040285, — 


€. Tayzor: Vertheilung fossiler Konchylien durch 
Grossbritlannien (Magaz. of Natural History — Philos. Magaz, and 
Annals of philos. N. S. 1829. August 149—150.) Zufolge Sowersy’s 
Mineral-Conchology und vielen vom Vf. gemachten Verbesserun- 
gen, was Lokalität und Formation anbetrifft, besitzt Grossdrittannien 
:n fossilem Zustande, 

Einfache Univalven , . 58 Geschlechter mit 404 Arten 

Einfache Bivalven ANTRIGON 1, UNE DEN INIRISESIN ET. 

ZusammengesetzteBivalven 3. 2... 2.31 — 

Vielfächerige Univalven . 12 Eh, ANIUMINAZD \ 


SON Un Men DOMAIN Gm — 


— 3714 — 

Davon enthält die älteste Formations-Reihe folgende Arten-Zabl: 
bis zum Kohlen-Gebilde inclus. von da bis zum Lias inclus. 
27 2 2 08%. einfache Univalven „. . » 9 Arten 
34 2 2 2.0.2 0° 0° einfache Bivalven . . . 3 — 
6a u im zusammenges- Bivalven.f., (510, 

33 ». 2 2° 0... vielfächrige Univalven. . 50° — 


_— S —— 


140 . . L} e . . . [) im Ganzen . [) ° 97 Ko 


Die zweite Formations-Reihe Die dritte Formations-Reihe 
von da bis zur Kreide inclus. die Tertiär-Gebilde enthaltend 
106 . © 2 . . einfache Univalven . . . 259 Arten 
3755 2 2° 2... einfache Bivalvren . . . 4 — 

0... 2... zusammenges. Bivalven . 0 — 

139 . 2 2. . vielfächrige Univalven . . :s — 


620 en. am Ganzen. N. uk WAS m 


‚Hievon erscheinen Arten in mehreren Formationen oder Formations- 
Gliedern 
der ersten Reihe der zweiten u. dritten Reihe 
36. 2 0 0... einfache Univalven . . 365 Arten, 
67 2 2 800. . einfache Bivalven . . . 56 — 
Sl . 2 2.00. 0. zusammenges. Bivalven . 0 
83 2. 2 2 0. . vielfächrige Univalven . 147 


—_— —. 


DIT esse am Ganzen) va 1098 


Die zusammengesetzten Bivalven sind daher ganz auf die erste Reihe 
beschränkt. Sie und die Vielfächerigen zusammen machen hier so viel 
Arten aus, als in der grossen Anzahl’ nachfolgender Gebilde überhaupt. 
Die Anzahl der Individuen in der ersten Reihe ist viel grösser, als in 
den folgenden, daher jene besser charakterisirt ıst. Vergleicht man die 
erste und dritte Reihe mit einander, so sind die einfachen Univalven 
— 1:7; die zusammengesetzten Arten aber umgekehrt — 17:1. — 
Vergleicht man die Arten-Zahl in den verschiedenen Klassen einer Reihe, - 
so sind in der ersten die Univalven: Zusammengesetzte Arten = 1:4; 
in der zweiten —= 1:14; in der dritten — 32:1. — Zusammengesetzte 
Konchylien charakterisiren die erste, Bivalven die zweite, Univalven die 
dritte Reihe. — Unter diesen zählen die Zoophagen 22 Geschlechter 
mit 171 Arten, fast alle auf die tertiäre Zeit beschränkt, fast alle Genera 
noch in unseren Meeren lebend; von den Phytophagen sind 22 Geschlechter 
mit 168 Arten in den sekundären und tertiären Formationen zerstreut 
(DırLwrn). Von den Univalven gehören in der ersten Reihe fast alle, 
nämlich aus 12 Geschlechtern, in der zweiten ebensoviele den Phyto- 
phagen an, in der dritten aber verhalten sie sich nur = 5:19 [?]. — 
Gedeckelt sind fast alle Univalven der Straten, welche an den fleisch- 
fressenden Polythalamien reich sind; nachdem diese aber mit der Kreide 
fast erloschen, tritt eine grosse Zahl neuer Univalven- Geschlechter, 
worunter viele ungedeckelte, und Zoophagen auf. In den sekundären 
Formationen sind nämlich 200 Polythalamien mit nur drei Geschlechtern 


134 147 


und 18 Arten fleischfressender Univalven, aber 17 Genera und 87 Arten 
Phytophagen enthalten. Mit den Polythalamien verschwinden in der Kreide 
die zahlreichen Echiniden , die Trigonien, fast alle Terebrateln, ersetzt 
von 19 Geschlehtern, 153 Arten Zoophagen, 

Vergleicht man die noch lebenden Arten nach Woon’s Index testa- 
ceologieus mit den Fossilen Englands, so findet man folgendes Verhält- 
niss der Arten: 


Einf. Univalv.!Biv.u. Multiv. Vielf. Unival. Im Ganzen 
Lebende 1961 874 | 58 2893 
Fossile a01 634 | 230 1265 


wobei hauptsächlich das zweifache Verhältniss der vorletzten Spalte zur 
letzten merkwürdig ist. 

Die, wie es scheint, detaillirte Darstellung dieses Gegenstandes 
findet sich in Loupon’s Maygaz. of nat. hist. of London 1830 März, 
262 u. Juli... Sie ist voll interessanter Vergleichungen, doch kön- 
nen wir das Original nicht benützen. 


H. oe Bramsvizze: methodischeAnordnung der noch leben- 
den und der fossilen Arten der Lamarcr’schen Geschlech- 
ter Purpura, Ricinula, Monoceros undConcholepas, und 
Beschreibung der neuen Arten im Pariser Museum (Nouvell. 
Annal. d. Mus. 1832, I, 139—263 pl. 9—12). Jene vier Lamarcr’schen 
Genera bilden hier nur eines, das jedoch in mehrere Gruppen zerfällt. 
Die Fossilen sind in folgender Weise geordnet: 

Purpura. 
(Columbelloides). 
1.P. cancellaroides Br. (Nassa cansell. Bist), Dax, Touraine. 
2. P. Lassaignii Bast. Bordeaux, Montpellier. 
(Pyriformes). 
3. P. thiara n. sp. Paris. 
(Licornees). 
4. P. monacantha (Buceinum monacanthos Brocen,, Sub- 


apenninen. 
5. P. Laudunensis Derr. bei Laon, tertiär. 
(Lapillennes). 
6. P.tetragona (Buccinum tetragonum Sow.) Im Crag 
Norfolk’s. 


7. Pe crispata (Buccinum erispatum Sow.) desgl.;? Ana- 
logon des B. lapillus? 
8. P. incrassata (Bucecinum mincrassatum Sow.) desgl. 
9. P.imbricata (Murex imbricatus, Broccnı.) Subapenninen. 
10.? P. lapillus Lamk., Courtagnon, bei Reims. 
Fremine’s P. deserta im Londonclay ist wohl eine Nassa. Ei- 
nige von MaArceL DE Serres und Rısso zitirte Arten sind nicht bekannt 
genug. In und vor der Kreide kennt man das Geschlecht nicht. Im 


= Sn — 


Ganzen kennt man jetzt mindest 115 lebende und fossile Arten genau; 


sie sind in allen Meeren verbreitet, etwas häufiger in den wärmeren, 
| 


M. os Senres: Beobachtungen über die Ursachen des 
grösseren Schlages der fossilen und humatilen Arten 
im Vergleich zu den lebenden (Revue encyclopedige 1833, 
April — Mai). Nach dem Bullet. geol. de France (III. 356) zerfällt 
diese Abhandlung in 3 Theile, indem sie 1) den Einfluss von Wärme und 
Feuchtigkeit auf die Grösse der Arten, 2) die Ausdehnung der in jeder 
geologischen Periode vom Meere entblössten Landflächen, 3) die gegen- 
wärtige Vertheilung der Wärme auf die Erdoberfläche prüfet.. Als Resul- 
tat ergibt sich: dass die einstige grössere Wärme und Feuchtigkeit und 
die damit gegebene reichlichere Nahrung den grösseren Schlag der Land-, 
wie dor Wasser - Thiere veranlasst habe. 


Knochenhöhlen bei Plombieres -les- Dijons (Jour. du Com- 
merce, 1833, 15. Avril. = Bullet. geol. de France, 1833, IIT, 267). Der 
Contard-Berg, t Stunde von Plombieres - les - Dijons, enthält grosse Höh- 

len, welche neuerlich von emigen Naturforschern zuerst untersucht wor- 
den sind. In grosser Tiefe wurden darin fossile Knochen von grossen 
Raubthieren, insbesondere Katzen und von Hirschen wit Riesen-Geweihen 
entdeckt. Eine noch grössere Menge scheinen die Stalagmit - Massen 
einzuschliessen. 


IV. Verschiedenes. 


Gurpser: über-die relative Vertheilung von Land und 
Wasserim Vergleich zu der bei unsern Antipoden (Zond. 
yeol. Soc. 1833, 12. Juni > Lond. a. Edinb. phil. Mag. 1833, Nov. ; 
III, Nro. 17, S. 372). Nur ar der bestehenden Kontinente und Inseln 
hat trockenes Land zum Antipoden. 


Corovnoun: Beschreibung von in Mexico und Potosi ge- 
fundenen Meteoreisen-Massen (Hond. geol. Soc. 1833, 12. 
Juni > Lond. a. Edinb. philos. Mag. 1833, Nov. III, Nro. I7, p. 
372). Eine der beschriebenen Massen befand sich vordem in der 
Strasse San Domingo zu Zacatecas in Mexico, war 44° lang und 14° 
breit, auf einer Seite nit tiefen Einschnitten. Die anderen waren zu 
Charcas und Pablazon bei Catorze gefunden worden, 


da 


J. F. Scuouw: über den mittlen Stand des Barometers 
am Meeresspiegel. (Ann. d. Chim. et Phys.; 1833, Juni; LITT. 
113-163). Eine kritische Zusammenstellung der Barometer-Beobach- 
tungen in verschiedenen Breiten und zwischen 45° O. und 45° W. L. 
von Ferro ergibt unter Berücksichtigung der Temperatur, der Capilla- 
rität, der Beobachtungs-Zeit und Dauer mit grosser Beständigkeit fol- 
gende mittlere Stände, 


Breite Barometerstand am Meeresspiegel 
und bei 0° Temp. 
0° — — .; 337.70 
10 — N n32S 
2 — N IgBg 5 
50 — 339,0 
RN — ..,338 , 0 
Ba 103970 
0 — BD 
Br 3330 
0. — — 334,0 
wc I 


Aber auch die geographische Länge scheint von Einfluss zu seyn. 
Die Undulationen, welche obige Reihe zeigt, stehen mit den Grenzen 
meteorischer Zonen auf der Erde in Beziehung. 

1) So die Zone vom 0° bis 15° ist sehr heiss, die Bildung von Wol- 
ken und Regen auf eine gewisse Jahreszeit beschränkt, daher 
der Barometerstand ein mittler. 

2) Die Zone vom 15° bis 30° hat fast beständige Winde, welche tro- 
ckene Luft mit sich führen, fast nie Regen bringen; der Baro- 
meter erreicht den höchsten Stand. 

3) Die Zone vom 30° bis 45° hat sehr veränderliche Winde, zumal 
im Winter, wovon der SW. die warmfeuchte Luft der heissen 
Zone und viele Wolken und Regen herbeibringt; der Barometer- 
stand sinkt. 

4) Die Zone vom 45° bis zum Polarkreis sieht fast das ganre Jahr 
hindurch den Kampf derselben Winde mit den kalten trockenen 
Nordwinden, wodurch beständige Wolken, Nebel und Regen ent- 
stehen. Der Barometerständ sinkt am Tiefsten herab; doch wo 
der SW.-Wind abgehalten ist, etwas minder. 

5) Jenseits des Polarkreises, wo der Einfluss der feuchten Südwinde 
ausgeschlossen zu seyn scheint, steigt der Barometerstand wieder. 


Über die früheste Kenntniss von Gold und Silber, — 


Hesıopd. — Scandinavisches Museum. — Die Patriarchen. — Das 
Buch Hiop’s. — Anhäufung von Reichthümern beim Volk 
der Hebräer, — in Syrien, — Persien, — Griechenland — Rom. 


(James. Edinb. n. phil. Journal 1832. Juli. XXV. 136-150; aus Jacor 
listorical inquiry into the production and consumption of the precious 
gmztals IT, London 183TI. 8°.) 


nl 


J. Henwoop: Beobachtungen über das Steigen und Fal. 
len des Wassersin einigen Brunnen ın Cornwall mit kur- 
zen Notizen über einige andere Yerhältnisse der Quellen 
(Lond. a. Edinb. Phil. Magaz. 1833. Dez.; III. Nro.18. pg. 417—421). 
Zuerst eine tabellarische Zusammenstellung der Beobachtungen an 24 
Brunnen, welche keinen Auszug zulässt. Doch ist ‘mit einer einzigen 
Ausnahme der Wasserstand im Januar und, seltener, im Februar am 
höchsten und im Schiefer-Gebirge im Oktober und November am nied- 
rigsten; im Granite jedoch tritt der niederste Stand etwas früher ein, 
und ist im November schon wieder in Zunahme begriffen. Nach Tuomas 
Berechnung betrug die Wassermenge, welche dem Fowey-Flusse zugeht, 
im April 1825 mindest 160 Cub. Fuss per Acre täglich, und über das 
Doppelte, wenn der Fluss angeschwollen war nach heftigem Regen. 
Im Juni 1826 bei trockenem Wetter konnte man nur 75C° annehmen. — 
Folgen einige dem Vf. mitgetheilte Notizen über die Kohlenwerke in 
Flinshire. Im Kalkgebirge nimmt bei Regenwetter der Wasserzufluss 
gewöhnlich schon nach einigen Stunden zu Die Menge der aus 5 
Werken monatlich ausgeschöpften absoluten Wasser-Mengen von 1829 
bis 1832 ist in einer zweiten Tabelle zusammengestellt; in einer dritten 
Tabelle, die wir mittheilen, sind nur die Proportionen für die einzelnen 
Monate aus der 2ten berechnet. \ 


EEE EEE EEE SET EEE BE TR EEE EEE EEE EEE EEE EETEEEREEEREEEEN 


Werke: : Talar- | @werny | Bagilit | Begen- 
Seehöhe u nn goch | Munydd | Colliery nee 
in Faden 25 125 2 
(Er Te EN EEE Er EEE TEE EEE TE TER STE DEE TE FE TER TV ER ET EEE ET TE EEE, 

Januar ° |1,21|1,65 | 1,23 | 1,08 1,11 1 1,25 1, 
Februar |1,1011,25| 1,20 1, 1, 1,13 1,15 
März 1,2211,40| 1,31 | 1,17 1,47 1,19 1,07 
April 1,2611,09| 1,24 1,28 1,50 1,12 1,72 
Mai 1,18|1,03| 1,19 1,40 1,55 1,18 1,34 
Juni 1, 11,39] 1,21 1,51 1,30 1,11 2,77 
Juli 1,05/1,21| 1,10 1,77 1,65 1, 2,73 
August |1,38|1, 1,01 1,51 1,39 1,10 3,52. 
Septembr.| 1,38|1,17 | 1,18 1,21 1,34 1,11 2,57 
Oktober |1,23|1,26 | 1, 1,48 1 1,13 2,08 
November | 1,19|1,88 1,09 1,03 1,29 1,08 2,81 
Dezember! 1,16[1,72 | 1,45 1,10 1,46 1,16 1,32 


Abgerissene Bemerkungen 


über 


fossile Fische, 
von 


Herrn Professor L. Acassız. 


I. Neue Fundorte fossiler Fische: 


Von jeher ist mir die Kenntniss eines neuen Fundor- 
tes bei charakteristischen Versteinerungen wichtiger gewe- 
sen, als die Auffindung selbst einer neuen Speeies, wenn 
sie sonst durch keine besondere Charaktere auffallend war. 
Es war mir daher sehr willkommen auf meiner diessjähri- 
gen Herbstreise so viele neue Lokalitäten als Lagerstätten 
von mir wohlbekannten Arten kennen zu lernen. Hier nur 
die interessantesten, zugleich als Nachtrag zur ersten Lie- 
ferung meiner Recherches sur les poissons fossiles: 

Das Genus Gyrolepis, obgleich noch nicht vollstän- 
dig, ist doch jetzt besser bekannt. Die Zähne sind stumpf 
und stehen in mehreren Reihen. Gyr. maximus kommt 
ausser Zuneville auch bei Rottweil und Breslau vor; Gyr, 
tenuistriatus zu Zunevelle, Breslau, Rotiweil und Bay- 
reulh; Gyr. Albertii zu Breslau und Bayreulh, — Lune- 
ville und Schwenningen waren schon als Fundorte bekannt; 

Jahrgang 1834. 25 


— 380 — 


alle 3 Arten finden sich immer im Mauschelkalk, bei Rott- 
weil aber auch im Keuper. 

Der als Semionotus Spixii in meiner Übersicht 
angegebene Fisch kommt nicht aus Zrasilien, wie mir fälsch- 
| lich berichtet worden war; er ist bei Koburg gefunden 

worden und identisch mit Bercer’s Palaeoniscum are- 
naceum, das ich früher nur aus seiner Beschreibung 
kannte. Ich habe mich dieses Jahr in München genauer 
nach dem Fische umgesehen, und muss nun den Namen 
Semionotus Spixii aus der Reihe ausstreichen und der 
Species den passendern, S. Bergeri, lassen. Es soll aber 
meine Vermuthung über die Lagerung sich bewährt haben, 
‚die ich doch bloss aus der Organisation des Fisches entnom- 
men hatte, und die Fundstätte dem Liassandstein angehö- 
ren, Diess wäre eine mir sehr erfreuliche Bestätigung der 
Gesetze, die ich für die Aufeinanderfolge der Fische gefun- 
den habe. 

Semionotus latus ist eines mit Dapedius alti- 
velis; ersterer Name bleibt, und Seefeld ist mithin als 
Fundort für beide bekannt. 

Lepidotus Gigas hatsich auch im Lias bei Altorf, Banz, 
Bayreuth und Schwarzach bei Culmbach vorgefunden. 

Thrissops formosus, dessen Fundort mir bisher un- 
bekannt geblieben, habe ich bei Hrn. Ober-Bergrath von 
Voır# in mehreren schönen Exemplaren von Kelheim [ Jura- 


kalk?] gesehen. 


Uraeus nuchalis kenne ich mit Bestimmtheit aus ÄKel- 


heim und aus Weltenburg. 
U. macrocephalus kommt zu Solenhofen und Eich- 


slädt vor. 

Leptolepis Bronnii kommt auch im Lias, der obern 
Belemniten-Schiehte, zu Oberschrälz bei Bayreuth vor. 

EL, sprattiformis scheint ausschliesslich bei Solenhofen 


vorzukommen. 
L. Knorrii dagegen am häufigsten bei m auch 


zu Mühlheim, Dailing und Solenhofen. 


Bel. 


Placodus Gigas hat jetzt folgende Fundorte: Bayreuth, 
Wilhelmshall bei Rottweil, Lunevdlle, Breslau und Malschbach 
im Badischen. 


Sphaerodus rhomboidalis von Solenhofen ist nach 
Bloslegung der Zähne ganz bestimmt ein Gyrodus, so 
dass jetzt auch die äussere Gestalt dieses sonderbaren Ge- 
nus angegeben werden kann nach dieser Art und nach ei- 
nigen neuen, die vor Kurzem aufgefunden worden ist. 

Die vielen Beiträge über die Verbreitung der fossilen 
Fische aus anderen Ordnungen kann ieh nicht mittheilen, be- 
vor die Übersicht derselben gedruckt ist; ich werde aber 
Sorge tragen, dass dieselbe mit den nächstfolgenden Liefe- 
rungen erscheine, damit möglichst bald ein vollständiges 


Verzeichniss der jetzt bekannten Arten vorliege. 


I. Über die fossilen Fische aus der Krei- 


deformation. 


Von keiner Formation sind im Allgemeinen so wenige 
vollständige Versteinerungen bekannt, als aus der Kreide. 
Vorzüglich gilt diess von den Überresten der darin vorkom- 
menden Wirbelthiere, die meistens von einem lockern Ge- 
steine umgeben in so viele Stücke auseinander fallen, als 
das Skelett derselben deren zählt. Jeder Beitrag zur 
Kenntniss, der Organismen dieser Periode des Bestehens 
und der Umbildung unserer Erde mag daher um so will- 
kommener den Zoologen und Geognosten erscheinen, als er 
eine grössere Anzahl vollkommen erhaltener Thiere kennen 
lehrt und zu allgemeinern Schlüssen über ihr Daseyn und 
ihre Verbreitung mit frühern und spätern Geschöpfen Stoff 
liefert. Die nähere Bekanntschaft, die ich in letzter Zeit 
mit einer grössern Anzahl von fossilen Fischen aus der 
Kreideformation im weitesten Sinne des Wortes gemacht 
habe, verleitet mich vorläufig eine kurze Notiz. über diesel- 
ben mitzutheilen in der Absicht auf den grossen Reichthum 


der Fische dieser Epoche aufmerksam zu machen, bis ich 


25 * 


— 38392 — 


in meinem Werk über diese Klasse von Wesen den schick- 
liehen Ort finde, jede Art an ihrem systematischen Platze 
genau zu beschreiben und abzubilden. Ich werde dabei 
bemüht seyn alle bereits erschienenen Abbildungen genau 
zu zitiren, damit sie indessen zur nähern Bestimmung be- 


hülflich seyn können. — 


Il. Über Coeloptychium acaule Gorpr. 


In Zwischenstunden bin ich jetzt beschäftigt vor Allem 
die Versteinerungen meiner an die Stadt Neufchätel ver- 
kauften Sammlungen zu bestimmen und zu ordnen und das 
einzuschalten, was in der Umgegend vorkommt. Besonders 
reich fand ich die in der Jurakette jetzt ‘anerkannte und 
ziemlich weit verbreitete Kreide; namentlich sind es die 
untern Mergel (wohl dem Gault analog) derselben, worin 
auch einige noch unbeschriebene Arten vorkommen, dieich zu 
bestimmen oder an Gorpruss zu schieken gesonnen bin; denn 
es ist immer am Besten, wenn das Neue ergänzend dahin 
strömt, wo schon so Vieles und so Vorzügliches beisammen 
ist. Indess im Vorbeigehen eine Bemerkung über ein Fossil 
aus jenem Prachtwerk, über Coeloptychium acaule 
Taf. 65, Fig. 12 a, b, c, d, das mir aufgefallen. Beim 
ersten Anblick wollte es mir scheinen, als ob dasselbe wei- 
ter nichts sey, als ein mir bekannter Hayfisch-Wirbel; doch 
weiss ich zu gut, wie leicht man bei Versteinerungen ver- 
führt werden kann, ein Organ oder ein Theil eines Thieres 
aus einer Thierreihe für etwas ganz Anderes aus einer an- 
dern Thierreihe zu halten, bloss um der äussern Ähnlich- 
keit willen. Ich sah also die Tafel genauer an und durch- 
las prüfend die Beschreibung, in welcher Gorpruss dieses 
dem Genus Coeloptychium zugesellte Fossil als eine 
unvollständige und zweifelhafte Species ausgibt; ich erkannte 
jedoch in demselben um so bestimmter den eigenthümlichen 
Bau gewisser grossen, Rad-förmigen Hayfisch-Wirbel, und 
zweifle jetzt gar nieht mehr daran, dass die zitirten Figu- 


ren einen Wirbel der Lamna acuminata Ac, vorstellen, 


— 383 — 


welche in der Mastrichter Kreide, in der weissen Kreide 
von England, Frankreich und am Delaware in Nord- Amerika, 
sowie auch im Green-Sand von Regensburg vorkommt, und 
von welcher Zähne und Wirbel mir wohl bekannt sind, 
Wer mit den Schwierigkeiten solcher Bestimmungen vertraut 
ist, wird sich über die Möglichkeit eines solchen Irrthums 
nicht wundern; ich werde noch öfters Gelegenheit haben 
darauf aufmerksam zu machen beim Beschreiben der fossi- 
len Überreste mancher untergegangenen Genera aus der 
Abtheilung der Plagiostomen (Haye) im weitesten 
Sinne des Wortes, deren Flossenstrahlen so eigenthüm- 
lich gestaltet sind, dass ich sie eine Zeit lang für Kiefer- 
knochen mit Zähnen! gehalten habe, als welche sie 
auch iu allen Sammlungen stehen!! 


IV.Über fossile Fische in derBraunkohle. 


Da im 4ten Hefte des Neuen Jahrbuches der Ar- 
beit v. Lecoa über Menal gedacht und dabei der Fische 
erwähnt wird, so kann ich als Ergänzung zufügen, dass 
dort wirklich ein Cyprinus vorkömmt, der aber verschie- 
den von Ü. papyraceus ist und zu meinem Subgenus 
Aspius gerechnet werden soll, und den ich in meinem 
Manuseript als Aspius Brongniarti beschrieben habe. 
Auch besitze ich Abbildungen von sehr vollständigen Exem- 
plaren. Zudem kommt zu Menat eine ächte Perca vor, 
die ich Perca elongata nenne; — sie ist verschieden 
von der Oeninger Species, die viel breiter; auch verschieden 
von meiner Perca Beaumonti von Air, welche gröbere 
Zähne am Praeoperculum zeigt. Perca elongata zeich- 
net sieh durch seine schlanke Gestalt und durch die grössere 
Anzahl von Strahlen in der ersten Rückenflosse aus. Es 
ist derselbe Fisch, den Bronx einmal in einer Note des Jahr- 
buches fraglich als zum Genus Cottus gehörig zitirt hat. 
Bei Gelegenheit anderer Mittheilungen im Jahrbuch 
werde ich noch mehr solcher abgerissenen Notizen über die 
in geologischen Abhandlungen erwähnten Fische geben; es 


ist doch besser, dass diese Geschöpfe in den Versteinerungs- 
Verzeichnissen gleich unter einem ordentlichen Namen ein- 
getragen werden. Beschreibungen und Abbildungen ‘der so 
bloss getauften Fische werden an gehörigem Orte nieht 
ausbleiben. Was Zexker's Leueiseus Cephalon, (es 
gibt schon einen lebenden Leucisceus Cephalus!) be- 
trifft *), so kann ich in seiner Beschreibung kein einziges 
Kennzeichen finden, das auf eine Verschiedenheit von L. 
papyraceus hindeutete. Ein mehr oder weniger gedrück- 
ter Kopf gibt im Abdruck ein rundes oder spitzes Pro- 
fil, und das ist die einzige Verschiedenheit die herausgeho- 
ben ist; zur Charakteristik einer fossilen Art ist die An- 
gabe wirklicher osteologischer Verschiedenhei- 
ten durchaus nothwendig, denn wie jetzt die Genera in 
der Familie desCyprinoiden charakterisirt worden, reicht 
die Zahl der Flossenstrahlen allein auch nicht hin eine 
Art zu bezeichnen. Es gibt auch keinen Leuciseus, der 
nur 5—6 Strahlen in der Afterflosse hätte; die Normalzalıl 
ist für das ganze Genus zwischen 12 und 15; auch die 
Rücken- und Brustflossen haben immer mehr Strahlen als 
ZENKER angegeben; der Höcker am Rücken istdurch das Her- 
vortreten der Flossenträger (0s inlerapophysaires superieurs) 
bedingt, welche in der Beschreibung nicht erwähnt worden. 
Ungefähre Angaben der Wirbel-Zahl und Rippenpaare ist 
auch unzulänglich, da diese Verhältnisse durch ganze Ge- 
nera meistens konstant sind. Die Grösse der Schwanzflosse 
lässt wohl auf Identität mit L. papyraceus schliessen. 
Diess ist indessen keine bestimmte Behauptung, da ich keine 
Original-Exemplare von L. Cephalon vor mir habe. Die 
Rüssel-förmige Verlängerung des Mundes rührt aber gewiss 
bloss von den hervorstehenden Zwischenkiefern her; und 
dass bei ganz unverletzten Kopfknochen der Kopf fossiler 
Fische oft doch grösser erscheint, als er wirklich war, 
rührt davon her, dass häufig die rechte und die linke Kopf- 


*) Jahrb. 1833. S. 395. ff, 


=. 8 


Hälfte übereinander gleiten und einen grössern Umviss zei- 
gen. Wenn es sich bei L. Cephalon anders verhält, so 
ist zur Kenntniss der Art, die eine besondere Abtheilung 
im Genus begründen könnte, die Angabe unerlässlich: ob 
die Schädelknochen, oder die Gaumen- und Temporal Platte 
(Gaumenbeine,  Flügelbeine und Theile des Schläfen- 
beins), oder ob die Kiemendeckel diese besonders starke 
Entwicklung zeigen. Damit meine ich doch nicht, dass man 
lange Beschreibungen machen müsse; es lässt sich das alles 
mit wenigen Worten sagen; und dafür kann man das Zu- 
fällige am vorliegenden Exemplar unberücksichtigt lassen. 
Wollte ich z. B. beschreiben, in welchem Zustande sich alle 
die Exemplare befinden, die ich bisher gesehen, so müsste 
ich unnützer Weise Bände anfüllen; ich erwähne dieser 
Nebendinge nur dann, wenn sie anderweitige Bedeutung 
gewinnen können, etwa Aufschluss über fehlende Theile 
geben, oder die Vollständigkeit eines Theiles erweisen sollen. 


V. Noch einige neue Genera aus der Ord- 
nung der Ganoiden‘). — 


1. Lepidoides, Homocerei, mit Spindel-föürmigem Leibe. 

1. Ophiopsis Ascass., neben Pholidophorus ein- 
zureihen. 

Kopf verhältnissmässig klein; Zähne im Vomer und 
den Gaumenbeinen Raspel-förmig. Leib schlank; Brustflos- 
sen sehr gross; Schuppen schief am obern Schwanzflossen- 
Lappen hinaufreichend, Schwanzflosse schwach gabelig. 

Oph. Münsteri Ac. Alle Schuppen erscheinen auf 
der Aussenseite des Fisches gleichseitig Rauten-förmig, mit 
; ihr hinterer 
Rand dagegen ist stets fein gezähnelt; sie sind indess län- 
ger als hoch, da der bedeckte Theil bedeutend ist; die ein- 


greifenden Haken sind nicht lang, aber sehr bestimmt und 


welliger Oberfläche, ohne bestimmte Streifung 


*) Die neuen Arten der schon charakterisirten Genera werde. ich erst 
dann aufführen, wann ich an die spezielle Bearbeitung derselben 
komme. 


scharf, genau eingreifend. Jurakalkschiefer von Kelheim. 
Sammlung des Hrn. Grafen v. Münster. 

2. Propterus Acass., neben Notagogus 'einzu- 
schalten. 5 

Wirbelkörper hoch, kurz (wesshalb ich zuerst das Ge- 
nus Acrospondylus geheissen und mit diesem Namen 
in der Sammlung des Herrn Ober-Bergraths v. Voırk eti- 
quettirt habe) ; Stachelfortsätze kurz. Wie bei Notagogus zwei 
gesonderte Rückenflossen, deren vordere bedeutend lange 
Strahlen am vordern Rande hat; die hintere wie bei Nota- 
gogus, dessen vordere Strahlen auch kurz sind. Flossen- 
träger verhältnissmässig lang. Afterflossen weit zurück. 
Oberer Schwanzflossen-Lappen etwas länger. 

Pr. mierostomus Ac. Leib ziemlich breit, oval; 
Schuppen mittelmässig gross, Mund ‚klein, Oberkiefer etwas 
länger. Auge hoch am Kopf und klein. In Jurakalk-Schie- 
fer von Kelheim. Sammlung des Herrn Ober-Bergrathes 
v. Voırn in Regensburg. Graf y. Münster besitzt auch ein 
beschädigtes Exemplar. 

II, Familie Sanroides. 

3,8 anrichthys Acıss. (Der Formation nach wird 
er in die Abtheilung Heterocerei gehören, der Leib fehlt 
aber, es ist bloss ein Unterkiefer bekannt). | | 

Der Name, mit dem ich diese Sippe belegt habe, esne: 
schon darauf, dass dieses Thier Merkmale mit Sauriern und 
Fischen gemein hat; esist sogar beim ersten Anblick schwer, 
sich für die eine oder die andere Klasse zu entscheiden, | 
Die ganze Familie der Sauroiden hat überhaupt viel 
Saurier-Artiges an sich, und ich werde bei Festsetzung aller 
Charaktere derselben Gelegenheit haben zu zeigen, ‚wie die 
Wirbelthier-bildende Thätigkeit in der Natur keinen rein 
fischlichen Charakter gehabt, sondern wie die 
Fische als zuerst einziger Ausdruck derselben Reptil-artig 
erscheinen mussten. Und diess werde ich in facto zeigen 
können: nicht etwa als blosse apriorische Lehre. Rein 
fischlich erscheinen die Fische erst mit dem kraftvollen Auf- 


= Ba m 


treten der Reptilien und am vollständigsten els solche in 
der jetzigen Periode, neben den übrigen Wirbelthier-Klassen. 
Dasselbe Verhältniss kehrt wieder bei den Reptilien in Be- 
zug auf die 2 höhern Wirbelthier-Klassen. 

Saurichthys hat einen schmalen Unterkiefer mit ei- 
ner Zahnrinne, ähnlich der von Plesiosaurus, wie man sie 
aberauch beiFischen antrifft. Der Knochen selbst ist längsfa- 
serig und auf der Aussenfläche queer retieulirt. Die Ge- 
lenkfläche, überhaupt der hintere Theil des Kieferastes 
fehlt leider; aber gerade die schuppige Ablössung spricht 
für einen Fisch. Die Zähne stehen in unregelmässigen 
Abständen, grössere und kleinere mit einander a b- 
wechselnd, wenig nach hinten geneigt, konisch und 
schwach von der Seite komprimirt; an der Basis bis über 
die Mitte des Zahnkegels sind sie feingestreift, an der Spitze 
hingegen vollkommen glatt und diese glatte Spitze selbst 
scheint wie aufgesetzt, da sie nicht unmittelbar mit dem 
gestreiften Kegel fortsetzt, sondern mit schmalerer. Basis 
auf demselben ruht. Die Art heisst S. apiealis Ac. Sie 
befindet sich in der Sammlung des Herrn Grafen. v. Mün- 
STER, dem ich so viele andere Seltenheiten verdanke‘, und 
stammt. aus dem Muschelkalk bei Bayreuth her. Man mag 
über dieses Thier eine Meinung haben, welche man wolle: 
immerhin ist es ein. neues höchst sonderbares Genus,..das 
die Frage rechtfertigt, ob alle den Reptilien zugeschriebene 
Kiefer wirklich solche sind $ 

4. Wacuer’s Genus Uraeus war mir recht gut'bekannt, 
als ich eine Fischsippe mit ‚diesem Namen belegte. Ich 
glaubte aber, Wacrer’s Genus würde nicht angenommen wer- 
den, da es auf zu speziellen ‚Charakteren 'beruhe.  Fırzın- 
GER, den ich seither ‚gesprochen, vertheidigt Waczer's An- 
‚sieht, und so will ich gerne, meinen Genus-Namen gegen ei- 
nen andern vertauschen. und. die -Fisch- Sippe Caturus 
heissen. 

5. Maerosemius. Acıss. Dieses Genus ist nahe 
verwandt mit Aspidorhynchus, obgleich der Schnabel sehr 


— 388 — 


kurz ist. Was dasselbe besonders auszeichnet, ist eine 
lange Rückenilosse, die den oberen Theil des Leibes ganz 
einnimmt; Afterflossen klein, weit hinten. Schwanzflossen 
abgerundet. Brustilossen wie beim Polypterus auf ei- 
ner 'beschuppten Verlängerung der Handwurzelknochen ge- 
tragen. Bauchflossen nahe an der Afterflosse,e Es sind 
viele nach hinten grösser werdende Kiemenhaut - Strahlen 
vorhanden. Schuppen von mittler Grösse. 

1 Art M. rostratus Ac., von Solenhofen. Aus der 
Sammlung des Grafen von Münster und im Münchener 
Museum. 

6. Belonostomus Acass. Es ist nothwendig den 
langschnabeligen Aspidorhynchus tenirostris nebst 
einigen neuen Arten in ein besonderes Genus zu vereinigen, 
dessen‘ Charakter ist, sehr lang gezogene Kiefer zu haben, 
die beinahe gleichlang sind, und von welchen der Oberkiefer 
keine Kerbe hat zur Aufnahme des Unterkiefers. Auch 
ist bei diesen Arten die Afterflosse schmäler als bei Aspi- 
dorhynchus, und der Leib allgemein gestreckter. 

II. Familie: Pyenodonten. 

7: Das Genus Gyrodus war mir bisher bloss nach 
‚den Zähnen bekannt; nun "habe‘ich mehrere ganz: vollstän- 
dige Arten im Münchner Museum und'in der Sammlung des 
Herrn Ober-Bergraths v. Voıtu in Regensburg gesehen, nach 
denen ich die Charaktere dieser Sippe ergänzt habe. Der 
Leib ist breit, flach, sehr hoch, ' mit langer Rücken- und 
After-Flosse und gabeliger Schwanzilosse. Es sind grosse 
und grosszahnige Microdonten mit starken Furchen auf der 
Zahnkrone. 

IV. Familie: Selerodermen. 

S. Blochius. Wenn man (die langgestreckten Alute- 
ren vergleicht, gelangt man Zur Überzeugung, dass das selt- 
same Genus Blochius, welches zuerst von dem Verfas- 
ser der Ittiolitologia veronese aufgestellt worden, und das 
bisher keinen Platz im Systeme erhalten hat, hieher zu 


setzen sSey. 


= 8b. = 


9. Dercetis Mtsst. et Acass. Unter diesem Na- 
men habe ich in der Sammlung des Herrn Grafen v. Mün- 
STER einen Fisch gefunden, der ein ausgezeichnetes Genus 
ausmacht, dem ich diesen Namen gerne beibehalten will. 
Es ist so eigenthümlich gestaltet, dass es jeden Ichthyologen 
bei dem Versuche, es unter ‘die schon bekannten Fische 
unterzubringen, in grosse Verlegenheit setzen müsste. Die 
äussere Ähnlichkeit in der Gestalt des Blochius ist nicht 
zu verkennen, desshalb und der nun anzugebenden Eigenthüm- 
lichkeiten wegen setze ich es in die Familie der Selero- 
dermen. Der Leib ist sehr langgestreckt; der Kopf nach 
vorn in 'einen Schnabel verlängert, der aber nicht so lang 
ist, als bei Blochius. Der Oberkiefer ist länger als 
der untere; beide sind mit sehr spitzen, langkonischen, 
grossen Zähnen besetzt, die mit kleineren in mehreren Rei- 
hen abwechseln; die Zähne aus der Mitte des Kiefers sind 
die grössten ; vorn und hinten sind sie kleiner; .der Unter- 
kiefer wird nach hinten nicht bedeutend dieker. Die Tem- 
poralplatte besteht aus starken Knochen; Praeoperculum stark, 
gerade und schmal; Operculum und Kiemenhaut - Strahlen 
abgerundet, diese gerollt, wie beim Aal.  Augenhöhle klein 
in der Mitte der Kopflänge, von einem Kreise stacheliger 
Knöchelehen umgeben. Die’ Schädelknochen sind leider alle 
von oben verdrückt. Brustflossen sehr’ gross, aus neun mittel- 
mässig starken, tief gespaltenen Strahlen gebildet. Die 
Bauchflossen haben stärkere, aber wohl kürzere Strahlen 
(sie sind jedoch abgebrochen); es sind 5 sichtbar. Diese 
Flossen sitzen eine Kopflänge hinter dem OÖpersulum. Der 
ganze Fisch hat fünf Kopflängen. Vor den Bauchflossen 
fängt die Rückenflosse an; sie ist an ihrem vordern Rande 
aus längeren Strahlen gebildet, und setzt sich ganz allmäh- 
lich kleiner werdend bis nahe an die Schwanzflosse fort; 
man zählt in ihr 51 Strahlen, welche bis zur Mitte dop- 
pelt gespalten und nahe gegliedert sind: die vordern Strah- 
len sind so lang als der Leib hier dick ist, die letzten nur 
halb so lange, als der Leib bei ihnen. Die Afterflosse fängt 


N 


hinter der dritten Kopflänge an und erstreckt sich so weit als 
die Rückenflosse; ihr Anfang ist also entfernter von den 
Brustflossen; die vorderen Strahlen sind leider abgeschnitten, 
die hintern entsprechen aber in ihrer Länge den gegen- 
überstehenden der Rückenflosse. Schwanzflosse fächerför- 
mig, wenig ausgeschweift, aus sehr tief und vielfältig ge- 
spaltenen, nahe gegliederten Strahlen gebildet; die äusseren 
längsten Strahlen sind einfach, an ihrer Basis stehen vier 
ganze kurze Strahlen. Die Wirbelsäule besteht aus mittel- 
mässig langen Wirbeln, die ziemlich schmal sind, also doch 
länger als hoch; am Vorderrumpfe sind sehr dünne Rippen 
sichtbar, die bis zum Rande ‘des Bauches reichen ; hinten 
sind bloss kurze Stachelfortsätze. Jede Seite des Leibes 
ist von 3 Reihen sonderbarer Schilder bedeckt, ähnlich de- 
nen von Accipenser, aber doch so, dass hier die Schilder 
den ganzen Leib decken und keine leere Stelle zwischen 
sich lassen. Diese Schilder sind knöchern, auf der innern 
Fläche glatt, 3eckig, \/ förmig mit nach vorn gerichteter 
Spitze, stark vertieft und: in dieser Vertiefung mit einer 
Queerleiste versehen ; die Aussenfläche ist erhaben, ganz 
höckerig, körnig gestreift, mit einem mittleren höhern Längs- 
kiel: Die Spezies habe ich.Dercetis seutatus benannt. 
Aus der Kreide Westphalens zu Baumberge bei Münster. 
Bald folgen meine: Bemerkungen über die Ostracionten, 


Deithyris flabelliformis ZEnK,, 


eine fossile Muschel-Art aus dem T’häringischen 
Muschelkalke, 
erläutert 
von 
Herrn Professor ZENKER. 
Mit Abbildungen auf Tafel V, A, Fig. 1—6. 


D. laevis, flabelli inslar piicata; concha superiore con- 
vexiore semicirculari, 12—l4plicata, plicis (radıs ) subcari- 
natis, sulco longiludinali iniermedio maximo, roslro (apice) 
aculıssimo, area trianguları concava; cuncha inferiore de- 
pressiore 9I—-Ilplicata, rostro obtuso. 

In siratis calcis conchiferae supremis; ad Jenam. 


Die Länge einer geraden, vom Schnabel bis zum ent- 
gegengesetzten Rande der obern oder grösseren Schaale 
gezogenen Linie beträgt bei ausgewachsenen Exemplaren 
gegen 7 Paris., die grösste Breite 1‘, die Höhe beim Aus- 
sehnitt 3”; die Breite des Ausschnittes unten an seiner 
Basis 2, oben gegen sein Ende 1’ Die grösste Länge 
der Unterschaale vom Schnabel bis zum entgegengesetzten 
Rande ist (in horizontaler Projektion) etwas über 5, die 
grösste Breite 11‘, und endlich der grösste @uerdurchmes- 
ser der ganzen Muschel mit geschlossener Schaale 5". 


An den kleinsten mir vorgekommenen Exemplaren fand 


Slges = 


ich die Breite für die Oberschaale nur 3. Die Länge (in hori- 
zontaler Projektion) vom Schnabel bis zum entgegengesetzten 
Rande etwas über 2“', und endlich als grössten Durchmes- 
ser beider aufeinandergelegten Schaalen 2'. 

Gewöhnlich haben sich die Schaalen noch recht gut 
erhalten, doch findet man sie meist nur einzeln, nicht leicht 
beide vereinigt. Die Farbe pflegt bleigrau perlmutter-artig 
zu seyn. Einen Haibkreis stellt die Figur der Peripherie 
der einzelnen Schaale ziemlich genau dar, doch sind die 
Ränder wellenförmig oder fast ziekzackförmig, was durch 
die halbzylinderförmigen oder vielmehr kielförmigen Falten 
(plicae carinatae, radii, Strahlen nach Einigen), von denen 
man an der Öberschaale grösserer Exemplare 14 und mehr, 
bei kleineren Exemplaren 10-12 zählen kann, bedingt wird. 
Alle sind mit ihrer Spitze gegen den, genau in der Mitte 
des geraden Randes (Sehne des Kreisbogens) liegenden 
Schnabel gerichtet, wobei die breitern zu beiden Seiten 
von den schmälern umgeben werden. Letztere verlieren 
sich endlieh in die scharfe die Schenkel des Schnabelwin- 
kels bildende Randkante (Fig. 2,d,d), ohne bis zum Schna- 
bel selber zu gelangen. Auf der Öberschaale findet sich 
auch in der Mitte sämmtlicher Strahlen die breiteste und 
tiefste Furche. (Fig 1, b). Die Profil-Fisur der Ober- 
schaale stellt oben das Segment einer Parabel dar, deren 
grösste Krümmung nach unten gerichtet ist (Fig. 4, a, ik); 
noch gekrümmter erscheint ein ähnliches Parabel-Segment, 
welches die Schlosswand (Fig, 4, g) bildet. Letztere besteht 
aus 2, durch einen spitzen Triangel-förmigen bis an das spitzige 
Schnabelende verlaufenden Ausschnitt (Fig. 2, 6) von ein- 
ander getrennten Triangel-förmigen, aber der Breite nach 
konkav gebogenen Seitenwänden (Fig. 2, e. b. a. d.) 

Die Unterschaale zeigt nur S—-11 Falten oder Strahlen, 
welche auf ähnliche Weise, wie bei der Öberschaale be- 
schaffen sind, nur mit dem Unterschiede, dass hier in 
der Mitte keine Furche, sondern eine erhabene Falte 
(Fig 3, 1. m.) getroffen wird, Der Schnabel erscheint an 


— 393 — 


dieser Schaale ganz stumpf und die Schlosswand leistenar- 
tig niedrig. In ihrer Profilansicht kann man das Segment 
einer nach dem Schnabel hin fast gekrümmten Parabel er- 
kennen (Fig. 4, k, m. s.). 

Die kleinen Exemplare haben eine weit mehr pyrami- 
dal geformte oder gekrümmte Obersehaale (Fig. 5 und 6), 
so dass sie, wenn keine Übergänge vorlägen, leicht für eine 
besondere Art gelten könnten. 

Einige Ähnlichkeit zeigt diese höchst zierlich und regel- 
mässig gebildete Art mitSpirifer octoplicatus SowErBy 
Mineral. Conch. f. 562, f. 2—4 aus Derbyshire, indess ist hier 
die Querdehnuug vorwaltend, wodurch eine ganz andere 
Form entsteht, sowie die Querstreifen und die Gebirgsfor- 
mation, worinn sie sich finden, auf bedeutende Verschieden- 
heit hinweissen. Übrigens möchte man glauben, dass Fig. 4 
gar nieht zu Spirifer oetoplicatus gehöre, sondern 
wahrscheinlich eine andere Art darstelle. Andere von dem- 
selben abgebildete Delthyris-Arten, sowie die in ScHLoT- 
HEIMS Petrefaktenkunde dargestellten übergehn wir um so 
eher, als ihre Verwandtschaft mit unserer Art viel zu fern 
ist, als dass sie hier in Betracht kommen sollten. Kaum aber 
mögen die unter dem Namen von Terebratulites pa- 
rasiticus und T. fragilis aus dem Z’hüringischen Muschel- 
kalke von v. Scurorurım beschriebenen und abgebildeten 
Muscheln (v. Scutorueım Beiträge zur Naturyeschichte 
der Versteinerungen in geognostischer Hinsicht in v. 
Leonuarns Taschenbuch für gesammte Mineralogie. 1831. 
I,) von unserer Delthyvis flabelliformis verschieden 
seyn; aber weder die Abbildung, noch die Beschreibung 
reicht hin, um diesen problematischen Punkt zur völligen 
Entscheidung zu bringen. 

In dem Handbuche der Geognosie von Ds 4 
Bicu£, bearbeitet von H. v. Decurn 1832. S. 454 wird in 
einem Verzeichnisse der im Muschelkalk vorkommenden 


Fossilien auf eine Delthyris semieireularis Goupr. 


—- 9394 — 


als von Villingen stammend, erwähnt; sollte sie mit unserer 

Art völlig identisch seyn *). 

Erklärung der Abbildung. Fig. 1. Die Oberschaale 
eines ausgewachsenen Exemplars von Delthyris fla- 
belliformis. a. der Schnabel. Bei b die tiefste und 
breiteste Mittelfurche. ec, ee triangelförmige on 
de des bei a befindlichen Ausschnitts. 

Fig. 2. Die Schlosswand mit dem Triangel-förmigen 
Ausschnitt b, a der gekrümmte Schnabel; bcd die gebo- 
genen glatten Seitenwände. 

Fig. 3. Eine Unterschaale des ausgewachsenen Exemplars. 
I m die erhabenste Mittelleiste; bei I ist der Schnabel. 

Fig. 4. Profilumriss beider aufeinander gelegten Schaalen ; 
fh k die Unterschaale, g h k Oberschaale. 

Fig. 5. Die Oberschaale eines kleinen Exemplars von 
vorn; Fig. 6. die Ansicht desselben von der Seite, 


Lingula keuperea ZEnK. 
und 
Lingula calcaria ZENK., 
zwei fossile Muschelarten aus Thüringen, 
beschrieben 
von 


Herrn Professor ZENKER. 
Mit Abbildungen auf Taf. V. 


1. Lingula keuperea Zenkkr, 
L. vbovato-depressa, subcuneiformis, strüs parallelis subeunei- 
formibus, tenuissima, nitida, apice obtuso conspecuo. 
In summis keuperi coeruleo-grisei siralis ad Ilmam flu- 


”) Die Art von Villingen, welche ich kenne, ist davon sehr verschie- 
den. D. flabelliformis scheint neu. Br. 


0895 


vium, prope viam stratam publicam Vinarid Bahnen du= 
eenlem, ubi Caupona blane 'Zacke dicta. 

Eine sehr schöne Art, deren Schaalen besonders da- 
durch hervorgehoben werden, dass der feine Keupermer- 
gel, worin sie getroffen wird, etwas dunkel blaulich-asch- 
grau ist, 

Die Länge vollständiger Sohaalen beträgt gegen 7'', die 
grösste Breite etwas über 4’. Zugleich ist die Schaale so 
dünn und zart, dass sie mit durchscheinenden Fischschup- 
pen verglichen werden kann. Die Farbe ist ein schmutzi- 
ges Gelbbraun. Die äussersten Ansätze erscheinen dunkler 
gefärbt, als die gegen das Schloss hin liegenden. An der 
Spitze (Schnabel?) bilden die zarte Streifen verkehrt ei- 
förmige konzentrische Figuren. 

Man kennt schon die Schwierigkeit, welche die Unter- 
scheidung der noch existirenden Lingula-Arten hat, allein 
diese steigert sich bei fossilen Arten noch mehr. Um diese 
Art wenigstens mit einem besondern Namen zu belegen, 
haben wir das Beiwort von dem Muttergestein, dem Keu- 
per, gewählt, weil vielleicht die Erdschichten gerade für 
Bestimmung dieser Arten von Wichtigkeit seyn mögen. 
Der hier in Frage stehende Keuper kommt als ein sehr 
thoniger dunkelblau-grauer Mergel an dem Flussbette 
der Jim bis da vor, wo die von Weimar nach Ekartsberge 
führende Chaussee über genannten Fluss setzt. Ausser der 
Lingula-Art trifft man daselbst noch andere fossile Kör- 
per und auch eingesprengte Kryställchen von Schwefelkies, 

Zwar hat sich die Schaale der Lingula keuperea, 
was ihre Substanz betrifft, fast unverändert erhalten, allein 
wegen ihrer Zartheit tritft man selten ganz vollständige 
Exemplare. Übrigens könnte man aus der eigenthümlichen 
Beschaffenheit der Schaalen zu der Meinung veranlasst wer- 
den, dass in dem Gewässer, worin sich diese Muscheln ur- 
sprünglich in der Vorzeit befanden, wenig Salztheile ent- 
halten seyn mussten, weil nach der gewöhnlichen Erfahrung 
die Muschelschaalen um so dicker zu seyn pflegen, Gedoch 

" Jahrgang 1834. 26 


— 396 — 


nicht ohne Ausnahme), je salzreicher das Wasser war, in 
dem sie erzeugt wurden. 

Sehen wir uns nach verwandten Arten um, so könnte 
man einige Ähnlichkeit mit Lingula mytiloides Sower- 
sy Min. conch. f. 19, f. 1, 2. auffinden, doch ist unsere 
L. keuperea weit keilförmiger, selbst aber die Farbe, viel- 
leicht auch die Dicke der Schaalen und endlich die geognos- 
tischen Verhältnisse, unter denen sie vorkommt, sind andere. 

Erklärung der Abbildung Taf. V,B. Eine völlig 
ausgebildete Schaale von Lingula keuperea in ihrer 
ganzen Integrität. 

2. Lingula calcaria Zenk,. 


L. Obovato-elliptica elongala convexiuscula, sublihter pe- 
ripheriae parallelo-striata, apice brevissimo subobsolelo. 

In infimis calcis conchiferae siralis in vicinia Jenae; ad 
Dornburg et Wöüllnilz. 

Die Länge beträgt 4", die grösste Breite 21‘, dieForm 
ist fast oval, doch vor dem Rücken mehr gewölbt, die den 
Rändern parallelen Striche ziemlich undeutlich. Die an ei- 
nigen Exemplaren gut erhaltene Schaale ist glatt, glänzend, 
blassgelblich , übrigens weit diker, als bei vorhergehender 
Art. Bei andern war sie kalzinirt. 

Nur entfernte Ähnlichkeit hat Lingula ovalis So- 
werßy Tb. XIX, F. 4., wiewohl gerade diese Art unter 
den fossilen unserer am nächsten kommen mag. Doch ist 
die Grösse, Form, (beiL. ovalis völlig elliptisch) und das 
geognostische Verhalten völlig verschieden. 

Bis jetzt wurde unsere Art nur in den untersten mer- 
gelhaltigen hellgelblichen Schichten des Muschelkalks getrof- 
fen. So fand sie Herr Professor Urepner bei Dornburg und 
ich in ziemlicher Anzahl bei einander in der Nähe von 
Wöllmtz (einem 1 Stunde von ‚Jena entfernten Dorf.) 

Ist sie vielleicht Lingnla tenuissima Bronx *), 


”), L, tenuissima aus dem untersten Wellenkalk vou Rothweil 
und den Zwischenlagen vou Kalk in Steinsalz bei Sinsheim hat 


— 892 — 


wovon mir weiter keine Abbildung und Beschreibung be- 
kannt wurde. 

Erklärung der Abbildung Taf. V, Fig. C. 
Eine vollkommen entwickelte Schaale von Lingula calcaria 
mit ihren Streifen gut erhalten. 3 


in etwas flach gedrückten Exemplaren völlig die Form von L. 
keuperea, namentlich deren Grösse (ist selbst noch etwas 
grösser) und den stumpfen Unterrand; im wohlerhaltenen Zu- 
stande aber, wo sich die häutigen Seitenränder der zwei Klap- 
pen weniger nach aussen umlegen, erscheint sie etwas schmä- 
ler, fast gleichbreit-elliptisch, oft mit zwei zierlichen Längenli- 
nien von der Spitze bis zum gegenüberstehenden Rande, Eine 
ihr sehr ähnliche Form geht mit Posidonia keuperina bei 
Sinsheim in die unteren Keuper-Lager herauf, 


BRonxNn 


26 * 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
we gerichtet. 


Hamburg, 1. Febr. 1834. 

In der stürmischen Nacht v. 24. auf den 25. des vor. Mon. sind 
bei Bahrenfeld (Z Stunde von Altona) vier Krüppeleichen , denen später 
noch eine fünfte nachgefolgt ist, mit Gekrach versunken. 

Zu bemerken ist, dass diese Bäume an dem Abhange einer ehema- 
ligen Sandgrube standen, deren mooriger Grund, etwa 12 Fuss tief, 
obgleich mit Gras und Gestrüppe überwachsen, einen unsichern und 
schwänkenden Boden gewährte. 

Die durch diesen Erdsturz entstandene bedeutende Vertiefung, in 
welche die etwa 30 Fuss hohen Eichen versunken sind, ist mit Was- 
ser angefüllt.e. Einzelne Risse in dem Boden auf der Höhe lassen ver- 
muthen, dass noch mehr Erdreich nachsinken werde. Der Schauplatz 
dieses Naturereignisses ist Gemeinde-Land und dem Erdfalle gegenüber 
steht eine Kathe, die zu zwei Armen-Wohnungen eingerichtet ist. 

Aus St. Petersburg schreibt man, dass, bei Gelegenheit der Her- 
stellung einer Rasenbank unlängst an dem Ufer des Ladoga -See’s bei. 
Pitkarendar (Gouvernement Wiburg , Distrikt Sernebol) das schönste 
Zinnerz gefunden worden ist. Man hofft, dass das ohnehin so Metali- 
reiche Russland bald Zinn - Bergwerke besitzen werde. Ein aus Sach- 
sen. angekommener Hüttenmann wird in diesem Jahre (1833) die ersten 
Schmelzversuche leiten. — Die Stbirischen Gold und Platin - Wäsche- 
reien hatten auch im J. 1833 in hohem Flor gestanden. 

Aus England erhielt ich kürzlich unter dem Namen Murchisonite 
aus Devonshire ein angeblich neues Mineral, das nach dem letzten Prä- 
sidenten der geologischen Sozietät in London benannt worden ist. 
Nach den mir zugekommenen Bruchstücken ist es ein schillernder Feld- 
spath, eine Abänderung von Adular, von fleischrother Farbe; die blät- 
terige Textur, der Bruch und andere äussere Kennzeichen sprechen für 
diese Vermuthung ; der silberartige Schiller zeigt sich nur (wie beim La- 


RN.) 


brador) auf den mit der Krystallisationsform gleichlaufenden Flächen. 
Die Eigenschwere (nach Hrn. Dr. Smeissers Untersuchung) — 2,494. 

Mein junger Freund Worrsıne v. Sarrorıus (Sohn des verstorbe- 
nen Göttinger Gelehrten) wird in diesem Frühjahre mit seinem Freunde Dr. 
Listings aus Frankfurt a.M., der fast 4 Jahre hindurch mit ihm in Göt- 
lingen studirte, eine naturhistorische. Reise antreten, von der die Freunde 
der Wissenschaft sich gewiss eine reiche Ausbeute versprechen dürfen. 
Beide Reisende sind voll Eifer für ihr Fach, unermüdet, jung, kräftig, 
gesund und mit schönen Kenntnissen in allen Theilen der Naturwissen- 
schaften ausgerüstet. Den Mai wollten sie in Tyrol, den Juni in Ober- 
italien und den Juli in Rom und der Umgegend verleben, die Monate 
August und September sollten auf Neapel verwandt werden; dann geht es 
nach Sizilien, wo der Ätna zu einer grösseren Arbeit Stoff geben wird; 
sie gedachten ein Jahr und länger am Fusse dieses dampfenden Kegel- 
berges zu leben. Wie es dann wird, wissen wir selbst noch nicht, 
schreibt Sırtorıus;5 Griechenland gewährt eine lockende Aussicht ; 
Elba, Sardinien und Corsica eignen sich gut zur Rückreise; den Schluss 
macht der Montblanc; ausgerüstet sind wir mit den besten Instrumen- 
ten aller Art, die wir zu wissenschaftlichen Untersuchungen verwenden 
werden. 

SARTORIUS ist ein tüchtiger Mineraloge in der Schule des trefflichen 
Prof, Mırx in Braunschweig und des würdigen Prof, Hausmann in 
Göttingen gebildet. 


H. v. Srruve. 


Strasburg, 11. Februar 1834. 


Was das Granitstück von Framont betrifft *), so sind. die Verhält- 
nisse des Vorkommens sehr interessant. Das Gebirge besteht hier aus 
Übergangsschiefer mit untergeordneten Lagern von dichtem Kalkstein, 
Diese Schiefer sind ‚durch häufige sehr grosse Massen von Porphyr 
durchbrochen , ‚so dass sie fast nur :Stückweise erscheinen, Die Por- 
phyre verändern die Kalksteine nicht, aber die Schiefer werden am Kon- 
takt mit den: Porphyren gehärtet, so dass sie etliche Lachter weit ganz 
Eurit-artig sind. Die Erzgäuge halten sich gern an die Porpliyre, 
jedoch nicht immer,‘ Nur wo sie an Kalklager sich ‘anreihen, werden 
dieselben mächtig. Die Kalksteine werden dann immer köruig und sehr 
oft sogar dolomitisch. Die Lagerstätten sind von zweierlei Art: die 
einen ganz kıystallinisch , die Gangart ist sodann Grünerde-artig, diese 
wird oft körnig und sieht verwittertem Kokkolith ähnlich. Manchmal 


*)H rOber-Bergwerks-Ingenieur Vourz hatte mir dasselbe, begleitet von der Eti 
quette mitgetheilt: Fragment de Granite altere, englobe dans la Dolomie dans les 
Carrieres & Chaux grise des Minieres & Framont. Ich wünschte mir um so melır 
einige genaue Nachricht, als ich im vorigen Jahr in der Nähe vou Aschaffenburg 
in Dolomit eingeschlossene Gneiss-Fragmente gefunden hatte. L. 


—- 0 — 


findet sich auch währer Augit mit Granat und Epidot in grossen Massen. 
Die grünerdigen Lagerstätten haben viele Drusen, entweder mit Quarz 
oder mit Braunspath krystallinisch ausgekleidet. Die Erze sind .hier 
rhomboedrische Eisenglanze. Die andere Art Lagerstätien ist sehr 
merkwürdig. Sie sind ausserordentlich mächtig und. bestehen fast 
nur aus Sand mit seltenen Blöcken von Vogesen - Sandstein und 
Thon, Dieser Thon besteht oft aus fast nichts, als feinen Bröckchen 
von verwittertem Schiefer. Manchmal enthalten diese Thone abgerun- 
dete Stücke von körnigem Kalkstein, die Oberfläche ist glatt und glän- 
zend; enthalten diese Stücke Schiefer-Parthieen, so erscheinen die wei- 
- ehen Schiefer Relief-artig auf dem harten Kalkstein; gerollt. sind. sie 
also nicht, das zeigt ihre Form auch schon. Sie sind von Säuren an- 
genagt, abgerundet und geglättet. Legt man körnigen Kalk in Salz- 
säure, so wird er so angefressen, wie diese Stücke es sind. Die Thone 
sind oft bunt. Die blauen, braunen und weissen Streifen laufen sodann 
höchst unregelmässig auf jede Art gekrümmt durch die Masse. Das 
Neben-Gestein ist oft ganz zerfressen. Die Porphyre sind. weich und 
Speckstein-artig geworden; die Schiefer haben alle Festigkeit verloren. 
Zuweilen sind sie auch gebacken , zerklüftet und hart geworden. In 
’dem Kalksteine sind die Schiefer-Parthieen zu Eisenglanz-Schiefer ver- 
wandelt; der Kalkstein ist oft roth geworden, die Eisenglanz-Schiefer 
zeigen sich häufig mit schönen oktaedrischen Eisenglanz - Krystallen 
durchsäet. Das Erz in diesen Lagerstätten besteht theils in Eisenglanz- 
Schuppen, die sich im Thon befinden, theils in dichtem Eisenglanz, der 
sich in der Nähe der Kalksteine oder Dolomite findet, theils in einem 
schwarzen Thon, der auch nur da vorkommt und aus nichts als feinen 
Bröckchen von Schiefer, Eisensteim-Schiefer und Dolomit zusammenge- 
sezt und mit einer Unzahl von ausserordentlich kleinen oktaedrischen 
Eisenglanz-Krystallen angeschwängert ist. 

Deutlich sieht man, dass das Ganze dieser Lagerstätten ein Produkt 
von Zerfressungen und Zämentationen von plutonischen Dämpfen ist, 
welche hauptsächlich Eisenoxyd und Bittererde enthielten, oder Eisen 
und Magnesium, Diese Dämpfe haben die Schiefer zerfressen, die Gang- 
spalten dadurch gar gewaltig erweitert; eine Art Diluvial-Strömung hat 
Sand und Sandblöcke hergeführt und der Detritus der Zerfressung mit 
diesem gesammten Material hat einen Brei gebildet, durch den die plu- 
tonischen Dämpfe aufgestiegen sind. — Diese Dämpfe haben auch 
manchmal die Kalksteine zämentirt, und dasist der Fall in der Kalkstein- 
Grube des Minieres. Hier wird Dolomit als hydraulischer Kalk ge- 
wonnen. Dieser Dolomit ist manchmal mit Eisenerzen angeschwängert. 
Oft enthält er grosse Brocken von Granit und von Porphyr oder Gneiss, 
diese sind sodann mehr oder weniger Speckstein-artig geworden, und 
mit kohlensaurer Bittererde angeschwängert, So das besagte Stück. 


VoLtz, 


— 401 — 


Wien, 28, Februar 1834- 

Auf meiner letzten Reise machte ich einen Ausflug nach Swoszo- 
wice unfern Wieliczka gegen W. Man gewinnt hier Schwefel, 
Herr Lirr von Lirıeneach, Sohn des bekannten Geologen, ist Direktor 
des kleinen Werkes, und von ihm erhielt ich alle erwünschte Aufklä- 
rung über die geologischen Verhältnisse. Die Schwefel- führende For- 
mation von Swoszowice steht mit der von Wieliczka in Verbindung, 
aber nach aller, aus Beobachtungen sich ergebenden, Wahrscheinlich- 
keit muss sie unterhalb der letztern ihre Stelle einnehmen. Das 
Haupt-Gestein ist ein grauer Mergel, muthmaasslich der nämliche, wel- 
cher den Boden des Salz-führenden Beckens von Mieliczka ausmacht ; 
denn er zeigt sich ihm nicht nur vollkommen ähnlich, sondern seine 
Lagen fallen auch, immer tiefer sich senkend, gegen O., oder vielmehr 
gegen NO. Der Schwefel, bald in Gestalt von Kugeln oder kleinen 
Nieren, bald die Gestein-Masse imprägnirend, seltener in kleinen Kıy- 
stallen erscheinend, setzt eine geringmächtige Lage zusammen, die re- 
gellos gewunden ist und sich, wie schon bemerkt, stets gegen Wielicz- 
ka hin neigt. Über der Schwefel-führenden Lage tritt eine andere von 
mergeligem Sandstein auf, und in beiden Felsarten kommen zuweilen 
zerstreute Braunkohlen vor; daraus würde sich für die Salz-Lagerstätten 
von Wieliczka ein sehr jugendliches Alter ergeben, und diess scheint 
nun auch aus andern Gründen glaubhaft. Die Braunkohle, mitunter 
auch etwas Pech- oder selbst Schwarz-Kohle, bildet kleine Lagen, wel- 
che mit Gyps-Lagen wechseln und dazwischen finden sich Stücke von 
Schwefel. Die Kohlen - Stücke trifft man häufig ganz von Schwefel 
durchdrungen ; in andern Fällen zeigen sich die Schwefel - Krystalle 
Kohlen-haltig. In der Sammlung zu Swoszewice nahm ich ein merk- 
würdiges Handstück wahr: einen sehr grossen, jedoch nicht vollkommen 
ausgebilteten Schwefel-Krystall auf dem mergeligen Mutter - Gestein 
und zum Theil von der Kohle imprägnirt, wovon noch ein ansitzendes 
Stück zu sehen ist, einem geflossenen Liquidum gleich, Ich will mich 
deutlicher ausdrücken: das Exemplar bestand aus Mergel, Kohle und 
krystallisirtem Schwefel, und ein Theil des letztern war von Kohle im- 
prägnirt, als wäre sie einst ein flüssiger Körper gewesen. (Als ich 
später die interessanten Versuche Rricuengacuhs im 5. Hefte des Jahrb. 
las, wurde ich sehr lebhaft an Swoszowice erinnert.) Die beschriebenen 
Verhältnisse scheinen darzuthun, dass die Kohle, der Schwefel und 
vielleicht selbst der Gyps gleichzeitig im Mergel abgelagert worden. 

In den Gruben des Waldenburger Distrikts in Schlesien findet man 
sehr interessante Erscheinungen. Porphyr -Durchbrüche durch Stein- 
kohlen - Ablagerungen hier senkrecht, dort in paralleler Richtung mit 
den Kohlen-Lagen, Im letztern Falle, wo der Porphyr über die Koh- 
len geflossen ist, hat er denkwürdige Beweise seiner höbern Tempera- 
tur hinterlassen , er hat die Kohlen zu Säulen-förmigen Massen umge- 
bildet, wie solches von basaltischen Laven bei buntem und bei Grün- 


— 42 0 — 


Sandsteine geschehen. In der unmittelbaren Nähe des Porphyrs er- 
scheint die Säulen-förmige Absonderung sehr deutlich, aber in gewisser 
Weite verliert sich dieselbe gänzlich, 


EzausrrrAa ven Bayo, 


München, 6. März 1834. 


Im ersten diessjährigen Hefte Ihres Jahrbuches für Mineralogie 
macht Professor Hesser. die Bemerkung, dass man Dolomit und Kalk- 
stein nicht leicht durch das Verhalten zur Salzsäure unterscheiden könne, 
wie ich es in meinen Tafeln angeführt habe, und wie es allgemein an- 
erkannt ist. Er führt einige Dolomite an, welche mit Salzsäure so 
stark braussen, wie Kalksteine. Dagegen erlaube ich mir zu bemer- 
ken, dass diese Gesteine, wenn sie sich nicht vielleicht im Zustande 
eines sehr feinen Pulvers befanden, gewiss nicht reiner Dolomit, 
sondern Gemenge von Dolomit und Kalkstein waren. Ich habe den 
reinsten Dolomit von vielen Fundorten und auch mehrere Abänderungen 
vom St. Gotthard untersucht, aber bei keinem ein ähnliches Braussen 
bemerken können, wie beim Kalkstein. Die meisten Dolomite zeigen, 
wenn man auf ein ganzes Stück einen Tropfen der Säure bringt, gar 
keine Gasentwicklung oder nur einzelne Luftblasen, werden sie aber 
gerrieben, oder sind sie von Natur aus sehr feinkörnig und locker, so 
entsteht beim Übergiessen mit der Säure ein schnell vorübergehendes 
Aufbraussen, und dann erfolgt eine langsame Gasentwicklung, welche 
mit der rasch und gleichförmig vor sich gehenden beim Kalkstein nicht 
zu verwechseln ist. Was ich vorübergehendes Braussen genannt habe, 
bezieht sich auf die erste raschere Gasentwicklung, welche von den 
feinsten Theilen des Pulvers herrührt; wenn man das langsame Auf- 
steigen der Gasblasen Braussen nennen will, so braussen die Dolomite 
freilich länger, als die Kalksteine, gerade weil sie sich langsamer auf- _ 
lössen, — Reiner Kalkstein brausst immer gleich lebhaft, wenn die 
Säure hinlänglich stark und in hinreichender Menge vorhanden ist, 
dass aber in Bezug auf die Oberfläche der Masse im Braussen ein Un- 
terschied Statt findet, versteht sich von selbst, und in soferne braussen 
 Kalksteinpulver oder lockere Kreide, Schaumerde etc. lebhafter. 

Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir noch einige Bemerkungen 
in Beziehung auf meine Tafeln. — Das Steinsalz, welches sich 
p. 30 unter Nro. 10 befindet, ist unter Nro. 8. @. zu setzen, denn nach 
dem Schmelzen reagirt es alkalisch. — Vom Flussspath bekommt 
man die alkalische Reaktion erst deutlich, wenn man die geschmolzene 
Perle hinlänglich erhitzt. — Bei den p. 27 unter 7. angeführten Mine- 
ralien ist zu bemerken, dass der Nickelkies die Reaktion auf den 
Magnei erst zeigt, wenn er lange genug im Feuer erhalten wurde, so 
dass er nicht mehr nach Arsenik riecht, und sich mehrmals aufgebläht 
und Funken gesprüht hat, Die unter @. angeführte Reaktion, dass das 


= A403 - 


mit Ätzammoniak in der Salpeter-sauren Auflössung entstandene Präzipi- 
tat sich theilweise in Überschuss mit saphirblauer Farbe wieder auflösst, 
wird öfters durch die Gegenwart von Eisen unkenntlich. gemacht, in- 
dem sich arseniksaures Eisenoxydul mit auflösst. Um dieses zu ver- 
hindern, hat man nur vor der Präzipitation Chlorkalk- Auflössung zuzu- 
setzen, bis ein Niederschlag zu entstehen anfängt, und dann mit Ätzammoniak 
zu fällen. — P. 34. 1. ist beizufügen, dass auch mancher Eisenspath, 
Manganspath und Zinkspath nach dem Glühen alkalisch reagirt. Auch 
auf manchen Pyrolusit ist zu verweisen, — Einige Varietäten von 
Eisenspath, besonders der Sphärosiderit, können in gutem 
Feuer gerundet werden; es ist also bei den schmelzbaren wasserfreien 
Mineralien daraufzu verweissen. — Manches Uranpecherz wirkt nach 
dem Glühen im Reduktionsfeuer auf die Magnetnadel. Schliesslich ersuche 
ich noch um Anzeige eines Druckfehlersin weinen Granat-Analysen. 
Der Almandiın aus Ungarn enthält nicht 41,43 Eisenoxyd, sondern 
32,7 Eisenoxydul und 5,0 Eisenoxyd. Sie haben die unvollendete Analyse, 
bei welcher noch die nöthige Reduktion des Eisens fehlte, aufgenom- 
men: diese gäbe ein ganz unrichtiges Resultat. — 


v. KosEt. 


Hermannstadt, 27. März 1834. 


Im neuesten mir zu Gesicht gekommenen Hefte Ihrer Geologie (zur 
Naturgeschichte der drei Reiche) hat mich besonders die sehr genaue 
Erörterung des Karpathen - Sandsteins ergötzt, welchen ich im Jahre 
1832 selbst zu beobachten die Gelegenheit hatte. Aus den von einem 
meiner Freunde im J. 1833 darin gefundenen Versteinerungen lässt 
sich Mehreres über die Altersfolge desselben entnehmen. Die in jenem 
Sandsteine häufig vorkommenden Salz- und Mineral-Quellen scheinen 
hierlands mehr den die Felsart durchbrechenden und deutlich erheben- 
den Trachyten anzugehören. Solche Quellen sind beinahe zahllos, um 
die Trachyt-Gebirge, welche den östlichen Theil von Siebenbürgen ein- 
nehmen. Was die dem Karpathen - Sandsteine- untergeordneten Lager 
von Mergel und Thon betrifft, so dürften eben diese zu manchen inte- 
ressanten Erörterungen führen. Ihr Schichtenfall deutet auf gewaltige 
Erhebungen. Selbst da, wo die Trachyte nicht ans Licht getreten sind, 
dürften diese auf ihrem Rücken jenen Sandstein tragen. Schwieriger 
ist allerdings die Erklärung des Karpathen-Kalks, welcher besonders in 
der Umgebung von Kronstadt so mächtig sich erhebt. Die, auf eine 
Angabe des Herrn Bou£ gestützte, Bemerkung Seite 320 und 321 über 
die unter dem Namen Marmoroscher Diamanten bekannten wasserhel- 
len kleinen Bergkrystalle veranlasst mich zu einigen Berichtigungen. 
Diese so schönen, losen Krystalle liegen zwar in den, meist mit Kalk- 
spath-Krystallen ausgeschmückten,, Klüften. eines schwarzgrauen zum 
Karpathen - Sandsteine gerechneten Thonschiefers (wie dieselben in Un- 
garn im Marmoroscher Comitate vorkommen, ist mir unbekannt), aber 


— 40 — 


dieser Thonschiefer, eine Stunde südöstlich von Kezds Wasärhely 
(welches Deutsch Kesdi Wuascharhey, aber nicht Vasurhaly gelesen 
wird) tritt hier bei dem Dorfe Osdola (lese Oschdola) und ven da an 
weiter gegen Süden bis Kovaszna als ein mehr selbstständiges Ge- 
bilde hervor, so, dass ich geneigt bin denselben für die Unterlage des 
Karpathen-Sandsteins zu nehmen. Erbildet ein eigenesGebirge, dem Über- 
gangs-Thonschiefer ähnlich, und wahrscheinlich auch ruhend auf Urgebirgs- 
massen, wovon in den Gebirgs-Schluchten hinter Osdola Blöcke 
und Geschiebe gefunden werden. Manche Schichten des genannten 
Thonschiefers sind einer halbgeschmolzenen Kieselmasse nicht unähnlich. Zu 
bemerken ist noch, dass in den sehr untergeordneten Kiüften dieses Thon- 
schiefers die losen Bergkrystalle oft in Kohlenstaub eingehüllt sind, ja 
dieser Kohlenstaub ist mitunter selbst in die Masse der Bergkrystalle mit 
eingeschlossen, so dass sie ganz schwarz und mit einem lebhaften Glanze er- 
scheinen. In Hinsicht der Häufigkeit dieser Krystalle muss ich ge- 
stehen, dass ich mich bei der Angabe desHrn. Bou£, als ob man mit den- 
selben die Wege in den Gärten bestreuen könne, des Lachens nicht 
erwehren konnte, und dabei sehr lebhaft an J. FripvaLnzey’s Gold ge- 
wächse in seiner 1767 gedrucken Mineralogia Magni Principatus Trans- 
silvaniae erinnert wurde. — Ich bin in Osdola an Ort und Stelle ge- 
wesen; man kann nur durch Vermittlung eines Führers zu den im 
Muttergestein sitzenden Quarzkrystallen kommen, Wären diese so häu- 
fig, wie Herr B. angegeben , so müssten die Bäche und Schluchten, die 
über ihre Lagerstätte gehen , dieselben in solcher Menge mit sich 
führen, dass man sie ohne Mühe ersetzen könnte , was jedoch nicht der 
Fall ist. — — Zugleich finde ich mich bewogen auch auf die im 2ten 
Hefte Jahrg. 1833 des Neuen Jahrbuchs für Mineral. Seite 181 und 182 
eingerückten Äusserungen des Herrn Bov£ noch Folgendes zu erwidern: 
Wenn ich auch auf den Namen eines Geognosten oder Mineralogen 
keine Ansprüche mache, und bloss aus Liebhaberei in den Mussestunden 
mich mit den Natur-Wissenschaften beschäftige, wenn ich meine Äusse- 
rungen über Basalte in Siebenbürgen mehr auf Ihre Charakteristiken und 
auf die Schilderungen anderer allgemein geachteter Mineralogen ge- 
stützt, und meine Beobachtungen darnach gerichtet habe, 50 glaube ich 
durch die angeführte Äusserung des H. Bour doch keineswegs widerlegt 
worden zu seyn. Herr Pırısch selbst hat ja das Dasein des Basaltes 
in Siebenbürgen nicht geläugnet. — Wenn vielleicht bei dem Worte 
Zalathna ein kleiner Fehler eingeschlichen ist, so möge dieser als ein 
Druckfehler angesehen werden, denn mir ist er gewiss nicht zuzuschrei- 
ben. Ich müsste mich schämen, wenn ich in meinem Vaterlande ergraut, 
dasselelbe nicht besser kennen sollte, als ein Fremder, der es in 3 Mo- 
naten durchfliegt. Die Richtigkeit meiner Angaben kann ich jeder Zeit 
verbürgen; Herr B. aber bestätiget seine Irrungen immer mehr dadurch, 
dass er wiederholt will Worospatak geschrieben haben; denn es heisst 
aus besondern Ursachen, die ich nicht weiter erklären will ganz gewiss 
Verespatak, von dem Worte veres roth, und patak Bach (Thal); 


— MB — 


so wie H,. B. anstatt Hayda Hunyad vichtiger hätte Vayda Hunyad 
schreiben sollen. In Hinsicht des Vulkaner Passes hat H. B. Recht, 
wenn er den Irrthum erkennt, der in Karstens Archiv aufgenommen 
ist. Ob übrigens Herr Parrsc# bei der Entwerfung seiner schönen geo- 
gnostischen Karte von Siebenbürgen den Angaben des H. B., oder des 
Herrn LirL und seinen eignen Beobachtungen gefolgt ist, weiss ich nicht; 
so viel aber weiss ich aus den mir gegebenen mündlichen und briefli- 
chen Äusserungen des H. Pırrsen, und ersehe es auch aus seiner vor 
mir liegenden geognostischen Karte und den darauf bezeichnenten Rou- 
ten, dass Herr Lirr und Herr Pırrscn den östlichen Theil von sSie- 
benbürgen und die grosse Trachytische Kette im Szekler Gebiete eben- 
falls bereiset haben und somit auch die Ergebnisse ihrer umsichtigen Be- 
obachtungen durch eine Karte beurkunden konnten. Was meine Mei- 
nung in Hinsicht der geologischen Ansichten betrifft, so habe ich aus den 
vielen sehr schätzbaren Leistungen im Allgemeinen, aus dem regen Stre- 
ben die einzelnen geognostischen Gebilde so deutlich als möglich zu beschrei- 
ben und unter besondern Namen zu charakterisiren, so wie aus den weni- 
gen eigenen Beobachtungen erhoben: dass man, von den einzelnen 
Erscheinungen hingerissen, den Totalhabitus immer mehr aus dem 
Auge verliert, und von den höhern Ansichten sich entfernt, die uns al- 
lein in’den Stand setzen, die einzelnen Erscheinungen auf der Erdober- 
fläche im wahren Verhältnisse zum ganzen Weltkörper zu erfassen. Was 
ist z. B. auch das Haufwerk eines Mont-Blanc mit seinen Schichten 
und Massen, Klüften und Schluchten im Verhältniss zur ganzen Erd- 
fläche? — Meines Erachtens müssten daher bei Aufstellung eines geolo- 
gisch geognostischen Systems auch andre Kriterien zum Grunde gelegt 
werden, als Schichtung und Nicht geschichtet seyn. Und 
dass es solche Kriterien gibt und geben muss, zeigen die vielen treuen 
Beobachtungen im Einzeluen, so wie die obwaltenden Widersprüche in 
den meisten aufgestellten und jetzt herrschenden geologischen Systemen. 
Die übermässigen Zersplitterungen der Gebilde mit ihren vielen Syno- 
nymen erschweren die Mittheilungen, so wie den Fortgang der Wis- 
senschaft, und bewirken, drss man, nach dem gewöhnlichen Sprich- 
worte, den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. 

Vor einiger Zeit habe ich, in Gemeinschaft eines Freudes, meine Auf- 
merksamkeit mehr den in Siebenbürgen vorkommenden Resten der vorwelt- 
lichen höhern Tbierklassen zugewendet, um, nach Maassgabe meiner Kräfte 
FicHteLs sehr reichhaltige Angaben der Vorkommnisse von Konchylien u. 
d. gl. zu ergänzen. Ich habe bereits gefunden, dass auch in gedachter 
Hinsicht Siebenbürgen dem Forscher ein weites Feld öffnet und reichen 
Lohn darbietet. Mehrere Mahlzähne und Stosszähne , zwei sehr gut 
erhaltene ganze untere Kinnladen und Schenkelknochen vom urweltlichen 
Elephanten, zwei Schädel des Rhinozeros, wovon der eine noch ganz 
und gut erhalten ist, emige Zähne dieser letzten Thierart, mehrere an- 
dere Zähne vom Höhlenbären, von urweltlichen Pferden, Ochsen und 
Schweinen, Hirschgeweihe, ein grosser Kern vom Horne des Urstieres, 


— 106 — 


auch Zähne von unbekannten Thieren, mehrere Fischabdrücke sind vor- 
gekommen. Auch habe ich einige schöne Pflanzen-Abdrücke gesammelt. 
Wenn es meine Verhältnisse zulassen, so will ich die in Siebenbürgen 
vorkommenden nicht unbedeutenden Tropfstein-Höhlen ebenfalls unter- 
suchen, welche vermuthlich auch thierische Reste enthalten, wie die 
Höhlen anderer Gegenden. Einige der genannten Thierreste sind in der 
hier erscheinenden Zeitschrift „Transsylvania,, schon beschrieben. 


Micuazı Bıeız, 


_— — 


Paris, 1. April 1833, 


Ich bin zurück von meinem Ausflug nach Spanien, der mich 'sehr 
befriedigt hat. In Zeit von drei Monaten besuchte ich den grössten 
Theil von Castilien, Estremadura und Andalusien. Meine Absicht war 
durch Murcia, Valencia und Catalonien heimzukehren; aber eine Krank- 
heit, von der ich befallen ward, nöthigte mich, meine Rückreise auf 
dem Meere zu machen. Von meinem Tagebuch werden Sie in der Kürze 
die erste Abtheilung in unsern Annales des mines lesen, 

In diesem Jahre liess man die Societe d’histoire naturelle de Paris 
neu aufleben. Sie ist nur ein freier Verein, dem Jeder beitreten kann 
welcher sich zu einem Jahres-Beitrag von 25 Francs verbindlich macht, 
Dieses Einkommen wird zur Anschaffung fremdländischer Journale ver- 
wendet. Man bat auch die Absicht eine Bibliothek zu bilden, in welcher 
sämmtliche in Europa über Naturgeschichte erscheinende Schriften eine 
Stelle finden sollen. Vielleicht wird von Seiten dieses Vereins ein Bul- 
letin des Sciences unternommen werden, umin gedrängter Kürze von allen 
Forschungen der Gelehrten in Europ@ und Amerika Rechenschaft zu geben. 

Man streitet hier sehr lebhaft gegen die Meinung derjenigen, welche in 
den geologischen Phänomenen nur Folgen der heutigen Tages noch unter 
unsern Augen wirkenden Ursachen erkennen wollen, so, dass die er- 
habensten Berge nichts weiter wären, als die Ergebnisse einer grossen 
Menge von Hebungen des Bodens ähnlic“. denen, welche gegenwärtig 
Statt haben. Die Abhandlung über das Oisans-Gebirge, die Sie in den 
Annales des Mines finden, ist vorzüglich bestimmt, jene Ansicht zu bestreiten, 


Le Pıar. 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


Ludwigs-Saline Dürrheim, 26. Mai 1833. 


Hiebei erhalten Sie eine Anzeige von der Schrift: Beiträge zu 
einer Monographie des bunten Sandsteius, Muschel. 


” 


m 40 — 


kalks und Keupers und ihre Verbindung zu einer For- 
mation von FriEDrIcH v. ALBERTI, 1834, 

Wenn auch die schnellen Fortschritte im Gebiete der Geognosie seit 
20 Jahren bewundernswerth sind, so ist doch nicht zu läugnen, dass 
noch viele Lücken auszufüllen seyen, Wir besitzen geniale Zusammen- 
stellungen über sämmtliche Ablagerungen der Erdrinde, welche zu wich- 
tigen Schlüssen führten; eine scharfe Abgränzung der einzelnen Ge- 
birgsglieder ist dagegen weniger versucht, — oder sie beruht häufig 
auf Lokal-Verhältnissen , — oder entspricht nicht dem tieferen Geiste 
der Natur. — So treflliche Monographieen über einzelne Formationen 
erschienen sind, so bleibt, doch bei fast allen dasselbe zu wünschen, 
dass die äussere Abgränzung schärfer seyn möchte. — Zuerst sollten 
die einzelnen Haupt-Epochen und ihre Felsbildungen mit kritischem 
Geiste und mit Klarheit, jede für sich, bestimmt nachgewiesen, und 
abgemarkt, — dann die speziellen Fälle zu einem Ganzen zusammenge- 
stellt werden; der Gewinn von dieser Arbeit müsste für die Geologie 
von nicht berechenbaren Folgen seyn. 

Von dieser Ansicht ging ArgerrI aus; — er hat es unternommen, 
den bunten Sandstein, Muschelkalk und Keuper von den älteren und 
neueren Formationen zu trennen, und jeden derselben einer ins Detail 
gehenden Forschung zu unterwerfen. 

So entstund die oben angezeigte, in kurzer Zeit in der J. G. Cor- 
raschen Buehhandlung erscheinende Schrift, — an welcher grosser 
Fleiss, ruhige Beobachtung und scharfer Blick nicht zu verkennen sind. 

Vielleicht ist es nicht uninteressant, wenn ich, dem das Manuscript 
zur Durchsicht mitgetheilt wurde, eine kurze Übersicht über den In- 
halt dieser Schrift ehe sie in den Buchhandel kommt, mittheile, ohne 
desshalb der Kritik vorgreifen zu wollen. 

Sie zerfällt in 3 Abschnitte : 

Der erste gibt eine Schilderung des bunten Sandsteins, Muschel- 
kalks und Keupers im südwestlichen Deutschlande, — der zweite sucht 
die von andern Naturforschern ausserhalb dem südwestlichen .Deutsch- 
lande gemachten Entdeckungen diesen Beobachtungen anzureihen und 
in Verbindung mit dem ersten Abschnitt ein allgemeines Bild über sie 
zu geben; — der dritte endlich fasst alle die erwähnten Beobach- 
tungen zusammen und sucht vorzugsweise darzuthun, dass die 3 er- 
wähnten Gebilde das Resultat einer geologischen Epoche seyen. — Als 
Anhang ist ein Verzeichniss der Literatur beigegeben, welche Aufschlüsse 
über diese Gebirge enthalten und von Arserrı benützt wurden. 

Die Einleitung fängt damit an, die verschiedenen Erhebungs-Systeme 
die Statt gefunden haben müssen, auf das südwestliche Deutschland zu 
beziehen, um ihre Einwirkung auf die Lagerung der 3 benannten Fels- 
gebilde und grossen Mulden nachzuweisen. Hierauf folgt, im Allge- 
meinen, ein Blick auf die Verbreitung dieser letzteren , ihre Berg- und 


— 408 — 


Thal-Bildung und eine Übersicht der Höhen, bis zu denen sie sich er- 
heben. — 

In dem ersten Abschnitt wird zuerst der bunte Sandstein im süd- 
westlichen Deutschland abgehandelt, und dessen Vorkommen vom Lie- 
genden bis zum Erscheinen des Muschelkalks in vielen Durchschnitten 
auseinander gesetzt. Dabei wird auch der Sandstein-Gänge im Granit 
gedacht, die Auflagerungen auf Rothliegendes oder auf ältere Gebirge 
nachgewiesen. Der Verfasser beschreibt in dieser Zusammenstellung 
die verschiedenen konstituirenden Gebirgsarten in2 Gruppen, nämlich die 
des Vogesen- und die des bunten Sandsteins. Alle die Einzelnheiten, 
welche die Charakteristik des bunten Sandsteins ausmachen, sind bei 
’ einer nicht zu grossen Ausführlichkeit möglichst bestimmt angegeben, 
so dass sie nach diesem Bilde auch eine Vergleichung für andere Ge- 
genden mit Bestimmtheit zulassen. Hierauf geht der Verfasser in der 
zweiten Abtheilung zum Muschelkalk über, und zeigt dessen Lagerungs- 
Verhältnisse und dessen konstituirende Gebirgsglieder, welche aus den 
3 Gruppen des Weilenkalks, des Anhydrits und des obern Muschelkalks 
besteheu. Diese drei Gruppen werden in ihrem einzelnen Vorkommen 
am Odenwalde und Schwarzwalde durchgangen, und. die Charakteri- 
stiken der einzelnen Glieder auch hier umfassend gegeben. Beson- 
ders bietet die erste Gruppe manche Abweichungen dar; sie ist am 
Schwarzwalde durchgehends dolomitischer, am Odenwalde dagegen fast 
rein kalkiger Natur. Besonderer Fleiss ist der Auseinandersetzung der 
Salz- und Dolomit-Bildung, — der Beschreibung der in den 3 Gruppen 
vorkommenden Versteinerungen, und den Lagerungs - Verhältnissen der 
lezteren nach den einzelnen Gliedern der Schichtenreihen gewidmet. 

Die Irrthümer in Betreff der Petrefakten werden nachgewiesen, wo- 
raus erhellt, dass sich in Süddeutschland an keinem Schaalthier des_ 
Muschelkalks die Identität mit Versteinerungen aus andern Formationen 
ausser mit denen des bunten Sandsteins und des Keupers mit Bestimmt- 
heit nachweisen lässt. 

Der Keuper in der 3. Abtheilung ist in 3 Gruppen abgetheilt, wo- 
von die erste die Lettenkohlengruppe und die hiezu gehörigen Dolomite, 
Sandsteine, Mergelschiefer und Gypse, die 2te Gruppe den Keupergyps 
und die hiezu gehörigen dolomitischen Gesteine (den geognostischen 
Horizont E. pe Beaumonr's) und die bunten Mergel. die 3te Gruppe 
die Keuper-Sandstein mit bunten Mergeln, feinkörnigen und kieseligen, 
grobkörnigen Sandsteinen und der Keuperkohle enthält, — und welches 
gleichfalls mit vielen Profilen erläutert ist. Der Verfasser geht alle 
einzelnen so mannigfaltigen Schichten des Keupers durch, und weisst 
genau die Lagerungs-Verhältnisse derselben in ihren einzelnen Gliedern. 
nach. Wir sehen auch in ihrer Detail - Beschreibung genau die Reste 
der Reptilien, Fische und Schaalthiere nachgewiesen, die sie 
im südwestlichen Deutschland enthalten. Diese genauen Beschreibungen 
sind von der Art, dass sie den Beobachter in den Stand setzen, sie 
an andera Orten wieder zu erkennen, Zuletzt wird die genaue Grenze zwi- 


N 


schen Keuper und Lias angegeben, was an manchen Punkten um so 
schwieriger ist, als das oberste Glied des Keupers eine Knochenlage 
bildet, während eine solche an anderen Orten als unterstes Glied des 
Lias erscheint. Wenn die in dieser Schrift beschriebenen Petrefakten 
mit denjenigen zusammengestellt werden , welche bisher in andern Län- 
dern als dem bunten Sandstein, dem Muschelkalk oder dem Keuper an- 
gehörig nachgewiesen worden, so muss es auffallen, (lass die Zahl der- 
selben in einem kleinen Strich im südwestlichen Deutschlande beinahe 
auf das Doppelte vergrössert wird, und doch keine einzige Art darun- 
ter früheren oder späteren Formationen angehören dürfte. 

Würde nicht die Autorität eines Gorpruss, Acassız u. A. für die Richtig- 
keit mitverbürgt seyn, so wären Zweifel über diese Angabe zu erhe- 
ben; nur eine grosse Beharrlichkeit und genaue Forschungen, auf viel- 
jährige Beobachtungen gegründet, konnten diese Resultate liefern. 

Der zweite Abschnitt, welcher das Vorkommen des bunten Sand- 
steins, Muschelkalks und Keupers ausser dem südwestlichen Deutschland 
zusammenstellt, hatzum Zweck, die einzelnen zum Theil abgerissenen Er- 
fahrungen über die Gesammtverbreitung dieser 3 Gebirgsglieder zu ei- 
nem Ganzen zu vereinigen. Obgleich hier auf die Schwierigkeiten 
der Frage aufmerksam gemacht wird, welche die Aufgabe dieses 
Abschnittes ist, so sehen wir doch auch hierin, dass der Verfasser 
keine Mühe scheute, so viel möglich nach den vorhandenen Hülfs- 
quellen, diesem Ziele näher zu rücken. Um diesen Zweck zu ereichen, 
geht er zuerst in eine allgemeine Beschreibung des Rothliegenden ein. 
Es werden im Allgemeinen die Eigenheiten der Auflagerungsverhält- 
nisse der Zechsteins - Formation, „und sodann die Unterschiede zwi- 
schen dieser und dem bunten Sandstein, Muschelkalk und Keuper aus- 
einandergesezt. — Hierauf geht der Verfasser zur Beschreibung des 
bunten Sandsteins mit seiner Schichtenfolge im nordwestlichen Deutsch- 
land, ın England, im innern Frankreich, an den Vogesen, an der 
Hardt, und bei Saarbrüken über, und reiht sie einzeln mit den im 
ersten Abschnitt beschriebenen zusammen. Die Abweichungen im Vor- 
kommen des bunten Sandsteins in andern Gegenden, mit seinen Rog- 
gensteinen, Kalksteinen und Gypsen werden nachgewiesen; es geht daraus 
hervor, dass, ungeachtet der verschiedenen Lokalverhältnisse, der 
Haupicharakter überall derselbe bleibt. — Ebenso werden das Vorkom- 
men des Muschelkalks, seine Lagerungsverhältnisse nach unten und nach 
oben durch verschiedene Profile erläutert und von Frankreich und dem 
nördlichen Italien bis nach Polen verfolgt. Den fremdartigen Fossilien, 
die in dem Muschelkalk vorkommen, und dessen Versteinerungen ist be- 


sonderer Fleiss zugewandt; es werden in einer Zusammenstellung die 
Petrefakte, welche 


a) in Franken, 

b) im nordwestlichen Deutschland, 
c) bei Berlin, 

d) in Polen, 


=. 


e) auf der linken Rhein-Seite und in Frankreich, im Jura und den Al- 
pen aufgefunden wurden, zitirt, die Werke bezeichnet, worin die Abbil- 
dungen derselben zu finden sind, oder wo sie in dieser Schrift selbst be- 
schrieben oder deren Abbildungen nachgewiesen worden , endlich die 
Irrthümmer, welche im Betreft der Versteinerungen vorkommen, berichtigt. 
Auch den Dolomiten der Salz- Gyps- und Thon-Bildung ist eine grosse 
Aufmerksamkeit gewidmet, ohne dabei die Metail-Einlagerungen, die 
Gänge und Basalte in denselben zu übersehen, Die Zusammmenstel- 
lungen über das Vorkommen des Keupers, dessen Lagerungsverhältnisse 
und Unterabtheilungen sind besonders interssant und weisen den grossen 
Salzreichthum dieser Gruppe in Frankreich und wahrscheinlich auch in 
England und andern Orten nach. Diesem wichtigen 2ten: Abschnitt 
folgt der 3te, welcher die Folgerungen aus dem bisher Gesagten enthält, 
Es wird eine Parallelisirung des in verschiedenen Gegenden beobachte- 
ten Vorkommens. des bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers 
versucht; — die verschiedenen Gesteine in diesen Gruppen werden 
näher bezeichnet, die Sandsteine, der Gyps mit dem Steinsalz, die Thone, 
die metallischen Bildungen und Dolomite der verschiedenen Gegenden 
näher mit einander verglichen und daraus der Schluss gezogen, dass 
Sandstein, Gyps, Steinsalz, Thon, die metallischen Bildungen und Dolo- 
mite Aceidenzien der Kalkstein-Formationen seyen. Hierauf wird die Ver- 
schiedenheit des bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers von 
dem Zechstein und den jüngern Formationen auseinandergesetzt und 
eine Zusammenstellung der Versteinerungen dieser 3 Gebirgsabthei- 
lungen gegeben, wobei sie in die 3 Hauptabtheilungen des bunten Sand- 
steins, Muschelkalks und Keupers nach ihrem Vorkommen und nach fol- 
genden Gruppen zusammengestellt sind: 

a) Bunter Sandstein, 

b) Muschelkalk, 

c) Lettenkohlen-Gruppe, 

d) Dolomit E. pe Beaumone’s, 

e) Gyps-Gruppe, 

f) Keupersandstein-Gruppe, 

8) Der Sandstein von Tübingen. 

Diesem folgt endlich eine Zusammenstellung der einer jeden der 3 bis- 
herigen Formationen gemeinschaftlichen Versteinerungen. Alle diese 
Zusammenstellungen führen zu dem Schluss, dass die 3 bisher getrenn- 
ten Formationen nur einer geologischen Haupt-Epoche angehören, ihre 
Trennung daher nicht angemessen, und dass es nothwendig sey sie zu einer 
Formation zu verbinden, welche vom Verfasser Trias genannt wird. 

Um diese gegen die bisher aufgestellten Ansichten zu vertheidi- 
gen, werden die Systeme von Horrmann, FREIESLEBEN, De 1 Becue, 
E. ve Beaumont u. A. näher beleuchtet. Zuletzt folgt eine Bildungsge- 
schichte der Trias, wie diese durch den Gang der Erdrevolutionen sich 
nach und nach gestaltete, das Naturleben sich in derselben verbreitete 


— 411 — 


und zuletzt, vor Erscheinen des Lias, gänzlich eriosch. Die Trias soll 
in 4 Gruppen eingetheilt werden, nemlich in 

1) die des bunten Sandsteins, mit Schieferletten , 
und Roggenstein, 

2) die ds Muschelkalks, mit Thon, Gyps und Steinsalz, 

3) die der Mergel, Kalksteine und Sandsteine der Lettenkoh- 
len mit roth und blauen Schieferletten, Gyps und Steinsalz, 

4) die der bunten Mergel mit Gyps und Sandstein. 

Der Anhang;: Beitrag zu einer Literatur der Trias in chronologischer 
Ordnung, führt zuerst die hierüber im Allgemeinen erschienenen Werke, 
sodann die 

A. für Deutschland und seine Abtheilungen: für Württemberg, 
Baden, den Odenwald, Spessart, die angrenzenden Länder , das nord- 
westliche Deutschland und die Rheinländer, 

B. für Schlesien, Polen und Russland, 

C. für England, 

D. für Frankreich und Spanien, 

E. für den Jura, 

F. für die Alpen, 

G. für Amerika und Indien, einzeln nach ihren Titeln auf; — 
dann kommen die Werke über Petrefakten, ferner diejenigen über Do- 
lomit, Gyps, Steinsalz, Salzquellen und Basalte. 

Dem Ganzen ist ein nach der verschiedenen Mächtigkeit der ein- 
zelnen Gebirgsgruppen verglichener Durchschnitt sämmtlicher Gebilde 
beigegeben, in welchem die in den einzelnen Schichtungen vorkommenden 
Petrefakten eingeschrieben sind, und ein 2tes Blatt gibt einzelne merk- 
würdige Profile dieser Gruppen etc. 

Aus dieser Darstellung; dürfte sich ergeben, dass diese literarische 
Arbeit von hohem Interesse für die Geologie und nicht ohne Einfluss 
auf die Fortschritte der Geognosie seyn werde. Da sie bereits unter 
der Presse ist und vor der Versammlung der Deutschen Naturforscher 
in Stuttgardt im September d. J. im Buchhandel erscheinen wird, und 
überdem der Verfasser seine hiernach geordnete geognostische Samm- 
lung mit den hiezu gehörigen Petrefakten bei dieser Versanimlung auf- 
zustellen gedenkt, um vielleicht zu Erläuterungen Anlass zu geben, und 
daes zu diesem Zwecke sehr erwünscht wäre, wenn die nach Stutigardt 
kommenden Naturforscher ihre seltenern Versteinerungen des bunten 
Sandsteins, Muschelkalks und Keupers zur Vergleichung mitbringen woll- 
ten, sosäume ich nicht, dieses hiemit zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, 


Gyps 


Als besondere Merkwürdigkeit melde ich Ihnen, dass in unseren 
Torflagern eine Schildkröte gefunden worden, die ich zur Beurtheilung 
an Herrn Vortz in Strasburg abgesendet habe. 


v. ALtHaus, 


Jahrgang 1834. 27 


Neueste Literatur, 


A. Bücher. 


1828 ‚und 1831. 


W. Hısıncer Bidrag till Sveriges Geognosi, Stockkolm 8°, Häftet 
I och II, 
oder 
W. Hısıncer Fortsättning of Anteckningar # Physik och Beognas 
under resor uti Sverige och Norige, Häftet IV, och V. 


1853. 


T. A. CırurLo Elementi di mineralogia, applicata alla midicina e alla 
farmacia. II voll. di 512 pp. con 2 tavole in rame. Padova 8°, 
[12 Uire). 


1834. 


De ı1 Bscue: A Geological Manual, third Edition, London 8°. 

J. J. Kıup Description d’ossemens fossiles de Mammiferes inconnus jusgu’& 
present, qui se trouvent au Museum grand-Ducal de Darmstadt; 
IlIme Cahier, Darmstadt 4°, avec Atlas in fol. 

‚Cu. Kererstein: Die Naturgeschichte des Erdkörpers in ihren ersten 
Grundzügen dargestellt; I. Band: Physiologie der Erde und Geo- 
.. gnosie; Il. Band: Geologie und Paläontologie; Leipzig, 896 SS. 
8°, (8 fl. 6 kr.) 

K. F., Kröden: Beitrag zur mineralogischen und geognostischen Kennt- 
niss der Mark Brandenburg, Vlls. Stück. Berlin, 97 SS. 

K, A. Könn: Handbuch der Geognosie mit Rücksicht auf die Anwen- 
dung dieser Wissenschaft auf den Bergbau bearbeitet. Ir. Band 8° 
mit 1 Zeichnung, Freiberg, KXII und 1018 SS. (8 fl. 6 kr.) 

Schmeruing Recherches sur les ossemens fossiles , decowverts dans les 
Cavernes de la Province de Liege. IIe, Partie, completant le 
premier volume, 4°, Planches in [ol. 


— 41535 — 


B. Zeitschriften. 


Annales des mines (cfr. Jahrb. 1834, S. 217). 
Ill,gı, 1833 enthält (ausser Berg- und Hütten-männischen Aufsätzen 
und Journal-Auszügen): 

Durrknor und Erıe oe Beaumont: Abhandlung über die Gruppen des 
Cantal, des Mont Dore, und über die Hebungen, welchen diese 
Gebirge ihr jetziges Relief verdanken. S. 531—618, tb, X, XL; 
mit Zusätzen, S. 771—774, 

-Levarcoıs: Note über die unterirdische Temperatur in der Steinsalz- 
Grube von Dieuze. S. 629. 

IV, ı. 1833 enthält: 
I. Fouaner: Untersuchungen über die Schwefelmetalle und Bemerkungen 
über einige Resultate ihrer metallurgischen Behandlung. S. 3—36. 

J. Levarroıs; über die Arbeiten zur Aufsuchung und Gewinnung des 
Steinsalzes im Meurthe-Departement. S. 37—76, tb. I. 

BogLare : über die Land- oder epigäischeu Bildungen auf Morea, S. 99—126, 

V. Reenaurrt: Auszug aus G. Rose’s Elementen der Krystallographie, 
S. 157—224. ) 


D. Brewster, R. Tarcor a, R. Punurs the London and Edin- 
burgh Päüilosophical Magazine and Journal of: 
Science. London. 8° 

1833. Novenher, III, Nro. 17. 

Proceedings of the Geological Society, 1883, 15. May — 12. Juni. 

J. Micuert: Beobachtung über die Kliffe in der Nähe von Marwich 
im Dezemb..1832. S. 368. (bestehn aus Londonthon). 

R. Dapp: Abhandlung über das Flussthal des Medway und die Um- 
gegend, S. 368— 369. 

Rırey: über ein Fossil im Museum von Bristol aus dem Lias von 
Lime Regis, S. 369. 

J. Cuanıns Pearce; über die Oolith- Formation und ılıre Einschlüsse 
in den Brüchen zu Bearfield bei Bradford, Wilts. S. 369—370. 

Ch. SıLvertor: über die Tertiär-Ablagerungen in der Provinz Granada 
und einem Theile von Sevilla, längs der Küste von Maluga bis Car- 

‚ tagena in Süd-Spanien. S. 370. [Jahrbuch 1834, S. 236— 238]. 

Pu. pe Marras Grey Ecerton: Notitz über einige Musterstücke aus 
dem Kohlenschiefer von Kulkeagh und dem 
Kalkstein in der Grafschaft Fermanagk, S. 371. 

8. Pesce Pratt; über die Knochenhöhle von Santo Ciro, 2 Meil. SO, 
von Palermo, 8. 371—372. [ist schon genauer bekannt durch Turn- 
BULL Curistıe und Fer, Horrmann. Hier ist nichts Neues, Auch 
Pratt nimmt eine allmählige Hebung Siziliens an.) 

Corgunoun: Beschreibung von Meteoreisen - Massen, in Meriko und 
Potosi gefunden. S. 372. 

GARDNER ; über die Verbreitung von Land und Meer, DEEHUNE: 
weise zu der vei den Antipoden S, 372. 


darunter liegenden 


20% 


= A 


1833. Dezember ; III, Nro. 18. 

W. I. Henwoon: Beobachtungen über das Steigen und Fallen das Was- 
sers einiger Brunnen in Cornwall, mit kurzen Notitzen über andere 
Verhältnisse bei den Quellen, S. 417—421. 

Arex. WaLker: über Ursachen der Richtung von Festland und In- 
seln, Halbinseln, Bergketten, Schichten, Strömen, Winden, Wande- 
rungen und Zivilisation. S. 426—431. 


4834. Januar, IV, Nro. 19. 

W. D. Convseare: Notitz über WaLker’s Mittheilung über die Rich- 
tung der Bergketten in Europa und Asien. S. 1—5. 

Cu. G. B. Dauseny: über den verglichenen Gehalt der Salzquellen in 
verschiedenen Tiefen, S. 31—33. (Die Beobachtungen über Ab- 
nahme und Wiederzunahme des Salzgehaltes der Quellen mit der 
Tiefe aus „v. ALgertr’s Gebirge Württembergs, 1826“ enthaltend). 

Proceedings of the Geological Society, 1833, vom & Novemb. bis 10 Nov. 

A. Sepswick: über einen Zug von Übergangskalk und über Granit- 
Gänge im Grauwacken-Schiefer von Westmoreland bei Skap Wolls 
und Wastdule Head, S. 48—149. 

W. H. Fırron: Notiz über einige Punkte am Küsten-Durchschnitt bei 
St. Leonards und Hastings, S. 49—50. 

Woopsıne Parisu: über eine Sammlung von Versteinerungen bei 
Hastings gemacht, S. 50—51.l 

BayrıeLp: Noten über die Geologie der Nordküste des St. Lorenz- 
Flusses und Golfs, von der Mündung des Saguenay (69° 16' Läng.) 
bis Cap Wkittle (60°), S. 51—52. 

W. D. Conyseare: über die Entdeckung von fossilen Fischen, Saurier- 
Zähnen u. a. Resten .im Kalk von Burdiehouse bei Edinburgh, S. 
77—79, 


1834. Februar; IV, Nro. 20. 

Cu. T. Bere: über die vormalige Ausdehnung des Persischen Meer- 
busens und die verhältnissmässig neue Vereinigung des Tigris und 
Euphrat, S. 107—112. 

Proceedings of the geological Society vom 4. Dez. bis 18 Dez. 1833. 

HE. StrickLann: über die Ausdehnung des rothen Mergels und Lias 
in einigen Distrikten, S. 147—148. 

J. MırcseLr : über die Schichten von Oxinton und Brill in Bucking- 
hamshire, S. 148—149. [Angaben über die Mächtigkeit der ein- 
zelnen Schichten von -Portlandsitone auf Greensand.] 

— Bemerkungen über das Kliff zu Reculwer in Kent, S. 149. 

R. Wrichr: Noten über die Geologie des Brown Ciee Hill, Shropslire, 

S. 449—150. 

R. I. Murc#ison: über den Se eezekelk zwischen den Kohlenschich- 

ten bei Shrewsbury, S. 158—1359. 


A u 8 HzwUng; (ei 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


v. Koseır; über Naumanm’s Bezeichnung vertikaler 
Prismen im diklinoedrischen System (Erpmann und Schwlc- 
GER-SEIDEL, Journ. f. Chem. I. B. S. 92). Eignet sich nicht zu einem 
Auszuge. 


Derselbe: über die inder Natur vorkommenden Eisen- 
oxyd-Hydrate (A. a. OÖ. S. 181 fi.): 
a) Nadel-Eisenerz: chemischer Gehalt: 
Bisenvxydanı. .. 0.) „run Da lan. a 89,03 
WaASSerIN rn ua ee len Na REN. ERHLOITZ 


—— 


100,00 
b) Goethit oder Rubinglimmer; Ergebniss der Zerlegung : 

Ersenoxydiu is ua REM IHRE 186,35 

NVasserii ana en 2 Sr en, 
Kreselerden „u Ynanız (ae. MN 60,85 
Manganoxyd Sale . 0,51 
Knpferoxydi.. 1. me Wann: N ROOT 
Kalkerde ala NSpUr 

100,00 


e) Lepidokrokit; Gehalt: 
Eisenoxydii y,n:8. 2; 1chRAEER Wera 185,6 


Masseruit ZEHN TREE ZENEN 0 RIES 
Bueselerde, . . 0. un NEHROBE 
Mansanoxyd , , vu 8 u... 206 aferala2a5 
Bnlkerden lvo lache uhr) Spur 


— 46 — 


d) Stilpnosiderit; Resultat der Analyse: | 
Bisenoxyaiaa ann. DAN RN N | 
Wasser er Sa ee nee. NOS 


Phosphorsäure SUN RN N = 
Kieselerdensn u Sue. 20507 
100,00 


Dieses Mineral ist mit der geringen Menge von phosphorsaurem 
Eisenoxyd-Hydrat nur verunreinigt. 
e) Brauneisenerz von Kamensk im Gouv. Perm; Gehalt: 


Bisenosydi ou one Mena 021 088538 


lassen, nu. 0. Wem ke ga IHEON 
Kieselerda 8. Wit,  RSCREE RG 
100,00 


Aus diesen Untersuchungen geht hervor, dass in der Natur zwei 
wesentlich verschiedene Eisenoxyd -Hydrate vorkommen, das eine beste- 
hend aus1 Mischungsgewicht Eisenoxyd und 1 M.G. Wasser, dasandere aus 
9 M.G.Eisenoxyd und 3M.G. Wasser. Das erstere ist ziemlich selten und 
umfasst diejenigen Mineralien, welche man mit den Namen Nadeleisen- 
erz, Goethit, Rubinglimmer, Pyrosiderit, Lepidokro- 
kit, Weichbrauneisenerz, Stilpnosiderit und Pechei- 
senerz bezeichnethat. Alle dürften nur als Varietäten einer Spezies anzu- 
sehen seyn, für welchen der Verf. den Namen Goethit vorschlägt. 
Das andere, sehr allgemein verbreitete Hydrat bildet den Brauneisen- 
stein oder das Braun-Eisenerz. 


Derselbe: Analyse des Braun-Eisenerzes in After- 
Krystallen von Eisenkies (A. a. 0. S. 319 ff.) 
a) Varietät aus Sachsen; die Krystalle sind Kombinationen des 
Hexaeders und Oktaeders, Analyse: 
Eisenoxyd, 0... 0.0000 ae a RZ 
Wasser u... 0. PIE 
Kieselerda, ...... 2000 ee ne der 1 
100,00 - 
b) Varietät von Maryland; Hexaeder; Analyse: 


Eisenoxydı: NE. NL ARRSR 
Massen. „UN a er SR 
Kieselerde.)., en al 2,88 


2) Varietät von Beresof ; Hexaeder; Analyse; 
Plaenoxydı „u 0 00 u N 
MWRSRer = 53 0.0 a NOT 
Misselerde‘ „1 2.0.1.0 wenn 


d) Varietät von Preussisch-Minden; Pentagon-Dodekaeder; Analyse: 


Eisennaydan A) usa HONDA 
WASSER Gun ER SANS NN AU IEZG 
Kiegelerde ERREEIIENEAREN AE A950 

100,00 


Platin in Frankreich entdeckt (National; 26. Mars, 1834). 
Vırraın hat der Akademie in Paris eine neue Sendung von als Platin- 
haltig bezeichnetem Erze übermacht. Berruier’s und BecQurrEL’s ana- 
Iytischen Untersuchungen zu Folge enthält der Braun - Eisenstein von 
Allone, Epenede, Planveille und Melle (Dept. Charente und Deux-Sev- 
res) Platin, jedoch in sehr geringer Quantität: nur ein Hunderttausend- 
theil des Gewichtes der Eisensteine. Im Bleiglanz von Grand-Neuville 
und Allone wurde eine geringe Menge Silber gefunden, allein von Pla- 
tin auch nicht eine Spur. Die Gegenwart dieses Metalls im Bleiglanz 
von Melle blieb höchst zweifelhaft. 


K. F. Krönden: einfache Fossilien, welche sich als Ge<- 
schiebe in der Mark Brandenburg finden, oder die, als 
Einschlüsse, in Rollstücken verschiedener Felsarten 
getroffen worden. (Beiträge zur mineralog. und geognost. Kennt- 
nıss der Mark Brandenburg. St. VII. Berlin, 1834, S. 15 ff.) Quarz, 
als Bergkrystall, gemeiner Quarz, Fett-, Rosen- und Saphir-Quarz, auch, 
jedoch seltner, Amethyst, ferner Eisenkiesel, Chalzedon, Feuerstein (be- 
sonders häufig, obwohl nur strichweise in Menge, oft als Versteinerungs- 
Mittel) ®), Hornstein, Jaspis, Kieselschiefer;, Hyalith (nur als Über- 
zug auf Dolomit); Schwimmstfein; Feldspath, Kali- und Na- 
tron-Feldspath (Adular, glasiger Feldspath in Trachyten und Doleriten, 
Albit, Labrador, dichter Feldspath), Spodumen; Natron-Spodu- 
men; Skapolith; Glimmer (als Gemengtheil dieser und jener Ge- 
steine, nur selten in reinen Stücken); Chlorit; Talk; Pinit (bei 
Berlin, in Granit- Geschieben); Magnesit (unter den Rollsteinen 
trifft man öfters Stücke, die theils zum Magnesit, theils zu Meerschaum 
zu gehören scheinen); Hornblende (gem. Strahlstein); Augit, Sahlit 
(dem bei Sahla in Schweden vorkommenden vollkommen ähnlich) und 
gemeiner A.;Bronzit;Anthophyllit;Epidot,Cyanit:strahliger 
faseriger und körniger; Diehroit,; Turmalin (die Krystalle mitun- 
ter vollständig und regelmässig ausgebildet); Granat; Idokras (nur 
einmal, in der Nähe von Potsdam, gefunden, als Geschiebe von 9 Zoll 
Durchmesser, das beim Zerschlagen sich als fest verbundenes Haufwerk 


*) Von den durch den Hrn. Verf. im Feuerstein beobachteten Petrofakten weyden 
wir unter der Rubrik Petrefaktenkunde Reehenschaft geben. 


— 418 — 


von Krystallen zu erkennen gab): Zirkon (in Granit); Olivin; koh- 
lensaurer Kalk, Kalkspath selten, meist körnig, krystallisirt nur 
in den Drusenräumen von Kalksteinen, Faserkalk, dichter Kalk, Roggen- 
stein, Stinkstein; Braunspath; Gyps (nur sehr selten in muth- 
maaslichen Rollstücken auf so unyerdächtige Weise, dass man sie füglich 
von Rüdersdorf oder Speerenberg ableiten kann); Flussspath, in 
Graniten; Apatit, ebenso und in Gmeissen; Bar ytspath, sehr selten; 
Grapbit, in Graniten, oder verwachsen mit Quarz; Bernstein, 
höchst selten; Eisenkies, Arsenik- nundKupferkies als Gemeng- 
theil dieser und jener Gesteine, nur die letztere Substanz auch als 
wirkliches Geschiebe; das Nämliche gilt vom Bunt-Kupfererz, 
Bleiglanz, Magneteisen, Eisenrahm und Titaneis en; 
Sphen; Orthit, im Granit und Gmeissen nicht selten; Pyrorthit 
in Granit; Roth-Eisenstein; Thon-Eisenstein ”); Bohn- 
erz; thoniger Sphärosiderit. 


P. T. Tyson: Fundorte mancher Mineralien in der Grafschaft Balt:- 
more in Harford (Sır.ıman Americ. Journ. Vol. XVIII, p. 78 ect.). 
Himmelblauer Chalzedon von vorzüglicher Schönheit zu Falls turnpike 
unfern Baltimore. Turmalin in körnigem Kalk, nicht weit von Yorkturn- 
pike, Weisser Augit in Krystallen von 5 Zoll Länge (Variete peri- 
hexa@dre Hıuy), daselbst. Kieselsaures Talkhydrat (magnesian hy- 
drate of silica), kastanienbraun und dunkelhoniggelb; halbdurchsichtig 
bis durchscheinend; Harz-glänzend; Eigenschwere —= 2,19 bis 2,21; 
büsst vor dem Löthbrohr die Farbe ein, und schmilzt schwierig au den 
schärfsten Kanten; mit Phosphorsalz und Borax zu farblosem, durch- 
scheinendem Glase. Chemischer Bestand nach ALLE: 


Kieselarde” U 0 7 0° 0 en ie Man 
Talkerde a u zelnen ee ae Eu 
Bhonerde a). .22 m kauen Be 70 
Wasser DT SR NO SO AN OR le) 
Venrlmsfe ya 1 ss u Da a a a ONE 

100,0 


Vorkommen im Serpentin, unfern Cooptown (Harford). Graphit 
in Gneiss (York turnpike) und in Kalk (unfern Baltimore) u. s. w. 


v. Koserr: über Olivenit, Kupferschaum und Kiesel- 
Malachit (Abhandl. d. physik-mathemat. Klasse der Bair. Akademie 
der Wissenschaft, 1832, I, 115—136.) S. Jahrb, 1832, S. 84, 


Tr nn 


&) Auch dieses Mineral führt zuweilen Petrefakten; es soll davom an andern Orten 
dis Rede seyn. ü 


— 49 — 


C. U. Suerannp: über die mineralogischen und.chemi- 
schen Charaktere des Deweylits und die wahrscheinliche 
Identität des „Maynesian hydrate of Silica“ mit dieser Spezies (SıLLım. 
Journ. 2. cit p. 81.). Die von Tyson als Magnesian hydrate of Silica geschil- 
derte Substanz stimmt mit einem in Middlefield (Massachusetts) vor- 
kommenden Mineral sehr überein. Es ist. der von E. Emmons unter 
dem Namen Deweylit beschriebene Mineralkörper "). 

Der Verf, besuchte, gemeinschaftlich mit Emmons die Fundstätte. 
Das Mineral kommt in Serpentin vor, auf Adern von 4 bis 14 Zoll 
Mächtigkeit, welche meist horizontal laufen. Surrarp. beschreibt die 
Substanz so: derb; Bruch unvollkommen muschelig ins Ebene; Glas- 
glanz zum Harzglanz sich neigend, auch matt; weiss, mit gelben, grü- 
nen und rothen Adern; durchscheinend ; Strichpulver weiss; Bruchstücke 
ins Wasser gebracht erscheinen beim Durchsehen blau; spröde; leicht 
zersprengbar; Härte zwischen denen von Kalk- und Flussspath; Eigen- 
schwere = 2,246. Vor dem Löthrohre heftig zerknisternd, bei allmählichem 
Erhitzen den Glanz und die Durchsichtigkeit verlierend, und an den 
Kanten zu weissem Schmelz fliessend; mit Borax zu farblosem durch- 
sichtigem Glase, Chemischer Bestand: 

Kieselerde: 1. Kane un Sina nr 20,0 
Talkerde en 80 8.2 2 ur 40,0 
NVlasseru on aka 5 2050 

100,0 

Ob der Deweylit eine wahre chemische Verbindung sey, oder nur 
ein mechanisches Gemenge aus Talk-Hydrat mit a, lässt der 
Verf. unentschieden. 


Derselbe: Datolith und Iolith (Cordierit) in Connektikut 
(loc. cit. Vol. XXII. p. 389 etc.) Das erstere Mineral findet sich 
beim Dorfe Middlefield, in Blasenräumen von Trapp, und ist theils fase- 
rig, theils körnig, während in den drusigen Höhlungen die zierlichsten 
Krystalle getroffen werden, vollkommen wasserhell und durchsichtig 
oder gelb und grün gefärbt und nur durchscheinend. Es kommen also 
hier der Humboldtit, Datolith und Botryolith miteinander vor. 
Mit dem Datolith erscheinen hin und wieder Gypsspath, Kalkspath, 
Chlorit und Prehnit. Der Iolith wird bei Haddam in Gneiss getroffen 
und ist in dieser Felsart oft in Menge enthalten; seine Massen haben 


*) Er gab davon nachstehende Charakteristik: Weiss ins Gelbe und Grüne; durch- 
scheinend ; mit dem Messer leichtritzbar; vor dem Löthrohr stark dekrepitirend und 
schneeweiss werdend, zuletzt schwierig, jedoch ohne Aufbraussen, 'zu Email fliessend. 
Struktur dicht ins Blätterige, im Innern mit Nieren -förmigen und stalaktitischen 
Konkrezionen, die, wie es scheint, mit überaus kleinen Krystallen bedeckt sind. 
Bestand: Kieselerde und Talkerde mit ungefähr 30 Prozent Wasser. Vorkommen 
im Serpentin, wie es das Anseheu hat, als Infiltrations-Produkt. 


— 4 


jedoelı nur selten über einen Zoll im, Durchmesser. Granat, Anthophyl- 
lit, Talk und Magneteisen gehören zu den begleitenden Substanzen. 


v. KoperL über einige in der Natur vorkommende Ver- 
bindungen des Eisenoxyds (Abhandl. d. mathemat.-physikal. 
Klasse der K, Bairischen Akad. der Wissensch. 1832, I. B. S. 159). 

1. Magneteisenstein. Ausgezeichnet schöne und frische Kıy- 
stalle am Schwarzenstein im Zillerthale, woselbst sie eingewachsen in 
Chloritschiefer vorkommen. Eigenschwere = 5,16. Chemischer Gehalt: 

Bisenoxyan, 4. RAND DRMAR RENNEN 
Eisenoxyauls ii a aus 
100,00 

2. Martit. Durch v, Srıx und v. Mirrıus aus Brasilien mitgebracht 
und von BRreItHAUrr zuerst näher untersucht und als eigene Species 
aufgestellt, oder vielmehr anhangsweise zu seiner Spezies caminoxenes 
Eisenerz, unter dem Namen Martit. Oktaedrische Krystalle mit 
sehr deutlichen Blätter-Durchgängen; häufig zu derber, sehr grobkörniger 
Masse verwachsen. Eigenschwere nach BREITHAUPT = 4,809 bis 4,832, 
besteht im Wesentlichen nur aus Eisenoxyd. 

3. Franklinit. In der bekannten, der Berruıer’schen Analyse die- 
ses Minerals entsprechenden Formel ist nichts zu ändern, 

4. Lievrit. (Der Verf. behält sich die Berichtigung seiner Unter- 
suchung vor, sobald er über reine Krystalle disponiren kann.) 

5. Cronstedtit. (Es ergab sich bei der Analyse ein merklicher 
Überschuss, darum lässt sich die Mischung nicht wohl genau berechnen.) 

6. Thraulit: 

Kieselerde 1.5 4 Warn BR ER 
Eisenoxydo AH. I). AT DE NVA ZEI0 
Bisenaxydula®d 217 A „UN a ARE 35,23 
Wasser @t\ DDV BURUNDI 


7. Granat (bereits in diesem Jahrbuch, Jahrg. 1833, S. 201, 
mitgetheilt). 


F. E. Neumann: über das Elastizitäts-Maass krystal- 
linischer Substanzen der homoedrischen Abtheilung. 
(Possenn. Ann. B.XXXI, S. 177 f£.). Zu einem Auszuge nicht geeignet. 


v. KogeıL: über den körnigen Porzellanspath von 
Passau (ErDmann und SCHWEIGGER- SEIDEL , Journal für Chemie, I B., 
S. 89). Resultat der Analyse: 


Kieselerden SH .-Maane une. 1250 

Thonerdeat  .yermdaas nl RN 127,39 

Kalkerde AS ahmBN ak re a 13503 

Natapul Suusıuelia Sin a Nr 

aha ua au walkniaıa Nalık Key vatnr 1 054 

97,30 
Die Ursache des, nahe an 3 p.C. betragenden, Verlustes: war nicht 
zu ermitteln. Unter den bekannten Mineralien steht der sogenannte 
Porzellanspath dem Skapolith oder Wernerit am näehsten, dürfte jedoch, 
für jetzt wenigstens, als eigenthümliche Spezies anzusehen seyn, bis 
künftige Analysen reiner Abänderungen von Wernerit vielleicht über 

die Identität beider Mineralkörper uns belehren. 


Derselbe: über den Nickelglanz (A.a.0.,S. 95). An Krystal- 
len von Sparnberg beobachtet v. Koserr die Flächen des Pentagon-Do- 
dekaeders in Verbindung mit denen des Oktaeders. 


1. Geologie und Geognosie. 


L.v. Bucnüber die Lagerung von Melaphyr undGranitin 
den Alpen von Mailand (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. in 
Berlin v. 1827, Physik. Klasse. Berlin 1830. S. 205—215 mit 1 Karte). 
Diese Abhandlung ist zwar erst im April 1829 gelesen, gleichwohl aber 
noch in den Band für 1827 aufgenommen, weil sie sich ihrem Gebiete 
nach unmittelbar an jene über den Luganer See, welche im nemlichen 
Bande enthalten ist”), anschliesst. FLeuriaU DE Bertevue, Pını, DoLomıeu 
hatten über die Vulkanität dieser Gebirge schon entgegengesetzte Ansich- 
ten geäussert, BREIsLAcK sie zum Gegenstande längerer Untersuchungen 
gemacht, doch vor seinem Tode nichts mehr darüber ins Publikum ge- 
geben. 

Die Hügel von Cunardo und Grantola stehen mit der Halbin- 
sel von Lugano in fast unmittelbarer Verbindung und zeigen von den Er- 
scheinungen des Melaphyrs deutlicher, was hier noch versteckt geblieben. 
Die bis 6000’ hohen Alpen zwischen Zaygano und dem Lago maggiore, aus 
Feldspath-reichem Gneisse bestehend, fallen sehr steilnach dem 900“ hohen 
Tresa-Thale zwischen beiden See’n ab. Jenseits desselben ist Glim- 
merschiefer. Bei Marchirolo öffnet sich ein weites Thal, welches 
im S. durch hohe Kalkstein-Ketten begrenzt ist, und in dessen Mitte ein 
langgestreckter Hügel von 1 Stunde Länge und 4 Stunde Breite von 
Grantola bis Cunardo hinzieht, der ganz aus getrennten Stücken 


”) Abgedruckt im der Zeitsehrift f, Mineral. 1827. 8. 299. ff. 


— 4922 — 


ohne Schichtung besteht, und auf seiner N. Seite bei Fabiasco wie 
eine senkrechte Mauer 400° hoch erscheint. Von seiner Höhe gegen 
Cunardo senkt sich ein flaches Thälchen, welchesmit eckigen Steintrümmern 
bedeckt ist und dazwischen viele schwarze oft poröse Pechsteine enthält, die 
mit einer braunen Kruste voll Albit Krystallen umgeben sind. Wie der Pech. 
stein von Meissen fliesst er leicht und bläht sich vor dem Löthrohre und ent- 
wickelt eine bituminöse Substanz. Seine Stücke sind höchstens 14‘ gross, 
nie rund, immer von zwei Seiten parallelflächig und schon im Innern 
des Hügels mit jener Kruste versehen. Die übrigen Massen, mit denen 
diese Pechsteine zu einem Konglomerat oder Tuffe vereinigt sind, beste- 
hen aus schwarzem, dichtem Melaphyr mit vielen eingewickelten Albit- 
Krystallen und aus gelben und bräunlich-grauen Stücken von Melapyr- 
Masse, welche mit den schmalen Seiten gleichlaufend nebeneinanderge- 
reihete Trümmer von Glimmerschiefer mit glänzendem oder mit brau- 
nem, erdigem Glimmer, — von rothem Quarz-führendem Porphyr, — von Ba- 
veno-Granit mit deutlichem Feldspath und Quarz-Dodekaedern, — und ausge- 
fallene Quarz-Krysalle fest umschlieset. Dieser nemliche Tuff bedeckt und 
umgibt die feste Melaphyr-Masse fast in allen Gebirgen, und verräth 
durch die in ihm eingeschlossenen Bruchstücke, welche Gebirge jener 
durchbrochen habe. — Jn der That erhebt sich nordwärts von Fabiasco 
der Melaphyr an dem über 4000’ hohen Berg von Argentera ununter- 
brochen bis zum höchsten Gipfel, und ist auf allen Seiten von Glimmer- 
schiefer umgeben. Zwischen PViconagoe uud Marchirolo an der 
Cima di Tarca legtsich zwischen beiden ein Streifen rothen Porphyrs mit 
vielen grossen Quarz-Krystallen und mit röthlich weissen, nicht glän- 
zenden Feldspath-Krystallen. Über Marchirolo bei der Kapelle S. Paolo 
trennen wieder senkrechte Tuff-Felsen, wie bei Fabiasco, dieses schwarze 
Gestein von der Ebene, Mitten am Abhange und auf dem Gipfel des 
Berges erscheinen auf die geringe Erstreckung von 4 Stunde, 60—80° 
hohe Felsen von dichtem Kalksteine, der unverändert und in Schichten 
getheilt ist, deren Richtung regellos und bei jedem Felsen verschieden 
ist. Die Melaphyr-Masse hat sie abgerissen und mit emporgehoben. 
Auch zu Mesenzano südlich von Grantola, und an der Strasse von 
da nachFerrara erscheint jener Tuff mit seinen Pechsteinen, und zwar 
unmittelbar auf der Grenze des Kalksteins, 

Der merkwürdige rothe Granit des Monte Arbostoro auf der Halb- 
insel Lugano setzt auch auf der Westseite des See’s fort und bildet zwischen 
Kalkstein-Ketten ansehnliche Berge. Das Gana-Thal und der Ghirla- 
See liegen in ihm. Von den übrigen Urgebirgs-Arten der Alpen ent- 
fernt hat er auch eine eigenthümliche Zusammensetzung. Durch die 
Röthe des kleinkörnigen Feldspathes erscheinen ganze Berghänge ge- 
färbt; Glimmer zeigt sich nur wenig und nicht ausgebildet, wie im 
rothen Porphyr; glänzender Quarz in Dodekaedern ist zuweilen fast so 
häufig als Feldspath; selten gewahrt man einen Hornblende-Krystall, 
aber fast in jedem Stücke eckige Höhlungen, worin Quarz und 
Feldspath mit krystallisirten Endflächeu hervortreten. Jeder Feldspath- 


u A 


Krystall ist dann überdem an seinen zwei Endflächen M durch ein Paar , 
paralleler, um ihn hinausragender, durehsichtiger Tafeln von Albit ein- 
gefasst. Zylinder-‚Kegel- und Kugel-förmige Anhäufungen von schwärzlich- 
grünen Chlorit-Krystallen bedecken noch zuweilen diese Albite,, die nur 
in Drusen erscheinen und daher später zugetretene Fossilien sind. Mitten in 
diesem Granite zeigt sich wieder Melaphyr scharf abgeschieden. Von 
dem Ufer des &hirla setzt er in hohen schwarzen Felsen bis zum 
Gana-See hinauf, auf den Berührungs- Flächen zum Granit von gros- 
sen Tuffmassen umgeben. Er ist vom Granite bedeckt, der allein bis 
zum Gipfel ansteigt. — So auch im Brincio - Thale, wo der Granit 
viele und dabei ansehnliche Schwerspath-Gänge enthält, so dass er sich 
auch hierinn dem rothen Porphyre nähert. Bei den letzten Häusern von 
Brincio steht Glimmerschiefer nahe am rothen Granit an, aus dessen 
fester Masse mehrere Fuss breite Gänge in den Glimmerschiefer hineinset- 
zen und sich in feine Trümmer auflösen. Die Erstreckung dieses Glim- 
merschiefers ist so unbeutend (nicht 100 Schritte), dass man ihn offen- 
bar als ein vom Granit losgerissenes uud umhülltes Stück betrachten muss. 
Eine Stuude unterhalb des Dorfes, wo das Thal sich zu einer Spalte ver- 
engt hat, und bei einer im Walde am Weg erbauten Kapelle sieht man 
eine ähnliche Glimmerschiefer-Masse im Granite, überall scharf umgrenzt. 
Erst bei der Tresa und dem Lago maggiore kommt jene Felsart anstehend 
vor. — Dieser Granit ist identisch mit dem von Baveno am Lago mag- 
giore, dessen Inneres durch mächtige Steinbrüche und bei Omegna 
durch 2000° hohe Abstürze aufgeschlossen ist. Nach dem Innern hin 
geht die rothe Farbe in eine gelblichweisse über, der Glimmer wird 
glänzender und ausgebildeter, der Quarz zeigt sich, ausser in Dodeka- 
edern, auch zu grössern Massen verbunden; statt den eckigen Höhlungen 
‚erscheinen grössere Klüfte und Drusen bis von 1‘ Länge, worinn die 
Feldspath - Krystalle mehrere Zolle Grösse erreichen , aber noch immer 
mit einer dünnen Lage von Albit-Krystallen überzogen sind, die sich 
nach dem früheren Gesetze vollständig auf den M-Flächen , theilweise 
auf den Flächen T und I, wie auf den glänzenden Flächen P und x an 
legen. Flussspath kommt nicht selten, Schwerspath vielleicht in 
diesen Drusen mit vor, welche mitdem Albite im weissen Kern dieser 
Granitmassen gänzlich verschwunden sind. Diese am Mergozzolo-Berge 
bis zu 4600’ Höhe ansteigende Masse wird südlich und östlich ganz von 
Glimmerschiefer umgeben, dessen Schichten stets von ihr wegfallen, 
aber nördlich und westlich durch das weite Thal vom Glimmerschiefer und 
vom Gneisse geschieden. Auch der kleine aus dem nördlichen Thale sich 
kegelförmig erhebende Monte Orfano besteht aus weissem Granit, da 
er von der grösseren Masse nur abgerissen ist. — Eine andere Kruppe 
von rothem Granit, dem Porphyre jedoch ähnlicher, erhebt sich höher am 
Orta-See bei Camaldulenser-Kloster von Ameno. Nahe dabei scheidet 
sich wirklich rother Porphyr von Glimmerschiefer und bildet einen Berg- 
zug bis nach Arona am Lago maggiore. Er scheint seiner Formation 
nach nicht vom rothen Granite getrennt werden zu können, 


— 414 — 


Der Kalk stein, welchen dieseFelsarten durchbrechen, ist in dessen 
Folge in sonderbar durch- und nebeneinander-laufenden, scharfen und steil 
abfallenden Ketten geordnet. Die nächste Umgebung des Melaphyrs aber be- 
stehet, statt seiner, aus ungeschichtetem Dolomite, welcher in grösserer 
Entfernung wieder unverändertem, geschichtetem Kalke mit dünnen, 
manchfaltig gestürzten und gebogenen Schichten weicht. Von Ferrara 
bis Brusimpiano am See von Lugano, und in allen Bergen, die in wei- 
tem Umkreise den See von Cunardo umgeben, erscheint nur weisser, kör- 
niger Dolomit, obschon die Berge zu 2400° Höhe ansteigen. Am äussern 
Rande bei Ferrara dagegen zeigt sich dunkelrauchgrauer und dichter 
Kalkstein, aber durchaus mit Klüften durchzogen, welche mit Dolomit in 
häufig sehr schönen Drusen angefüllt sind. In diesen Klüften hat die ver- 
ändernde Materie den Weg bezeichnet, worauf sie sich verbreitet hat. 
Steigt man von Varese oder Gavirate aus der Lombardischen Fläche die 
Hügelreihe hinan, worauf Madonna del monte zu 2670' und der Monte 
Beuscer zu 3810' sich erheben, und gelangt auf der Höhe nach dem 
Abfalle ins Brincio-Thal, so hat man zuerst am Fusse weissen, fast 


- . erdigen, oder im Bruche grossmuscheligen und matten, der Kreide ähnli- 


chen Kalk, Mojolica genannt, welcher nach der Höhe in weissen körnigen 
Dolomit übergeht, so dass man von der Höhe gegen das Brincio-Thal 
und auf dem gegenüberliegenden Monte Robbio nichts anderes mehr 
sieht. Am Fusse des letztern senken sich Schichten von weissem Kalkstein 
in den Berg, dann einige andre von grobkörnigem weissem Sandstein , 
ähnlich dem Quadersandstein von Pirna. — Die organischen Reste 
dieser Dolomite sind, wenn noch nicht gänzlich zerstört, doch bis zum 
Unkenntlichen verändert. Im Raza-Thale unter Madonna del Monte 
erscheinen häufige Univalven-Kerne mit Dolomit-Kıystallen an der Stelle 
der Schaale. De Cristororı in Mailand hat Ammoniten von da aus 
der Familie der Coronarii, welche nur im Jurakalk, nicht in der 
Kreide vorkommen. Alle Kalkstein-Berge zwischen Lugano und Varese 
scheinen jedoch völlig in gleicher Lagerung und Richtung mit denen 
am südlichen Ufer des Comer-See’s und mit den Hügelzügen zwischen 
den zwei Armen-des Luganer See’s bei Riva und Porto Morcote zu 
seyn, an welchen beiden Versteinerungen sehr häufig sind: am Comer- 
See nemlich in’ den Brüchen von Moltrasio und zu Erba unter Vai 
Assina; am Luganer-See über Arzo und bei Tremena. Aber meistens 
findet man sie von den Regenwassern herabgeführt in den Bächen so, 
dass sich die Schichten , denen sie angehören, nicht näher angeben 
lassen, Es sind Amomoniten, die nicht über die obersten Schichten 
des Lias hinab reichen, und auch den neuern Juraschichten unter der 
Kreide um Como und Varese nur einen kleinen Raum anzuweisen 
scheinen. 

1. Ammonites Conybearı Sow. bei Moltrasio, bis 2’ hoch. Ia 

England dem blauem Lias gehörend. 
p) — parallelus Rem. S. 31, zu Moltrasie, Pian @Er- 
ba und zu Arzo über Porto. 


— 23353 — 


3.Ammonites Hylas Reın. S. 24, von Pian d’Erba. 

4. Be subarmatus Sow. Eben da, 

er _ heterophyllus Sow. (A. complanatus Reim, 
Tf. VIL) Von Pian d’Erba. Er ist sonst ganz be- 
zeichnend für die untern Jura-Schichten und die Gry- 
phiten-Schiefer. 

€. — Strangwaisii Sow. tf. 254. Von Pian d’Erba. 

7. _ Walcotti Sow,, zwei Zoll gross, in weissem Kalk- 

° stein wohl der untern Oolithe, zu Pian d’Erba. 


Weıssüber das südliche Ende des Gebirgszuges von Brasi- 
tienin der Provinz S.Petro do Sul und der Banda orientaloder dem 
Staate von Monte Video, nach den Sammlungen desHerrn 
Fa. Serzow (Abhandl. d. K. Akad. d. Wisseusch., zu Berlin, 
von 1827. Berlin 1830. Physikal. Klasse S. 217 — 293. Taf. I—V.) 
Herr v. Orrers hat schon früher eine Mineraliensammlung aus den Ge- 
genden zwischen dem 16° bis 24% S. Br. Brasiliens an das Museum 
in Berlin gesendet. Doch ist diese Gegend seitdem bekannter gewor- 
den. Nachher in den Jahren 1821—1827 hat Fr. SeLLow, sein anfäng- 
licher Begleiter, die südlicheren Gegenden vom 29° bis 35° S. Br. be- 
reist, und von da sehr schöne Gebirgsarten- Sammlungen, bis jetzt von 
960 Nummern, eingeschickt, abgesehen von einigen spätern Sendungen, 
zu denen das Manuskript der Verfs. noch fehlt. Die nachfolgende allge- 
meinere Übersicht ist aus SerLows Bericht an den Minister v. ALTENSTBIN 
entnommen; die speziellen Angaben grösstentheils aus den Etiquetten 
der Sammlung u. s. w. 

Das granitische Küstengebirge Brasiliens, die Serra geral, geht 
von der Provinz $S,. Paulo, südwärts, im 28°und29° S. Br. Plateau’s von 
mehr als 4000‘ Höhe bildend, bis zum Plata-Strome fort, und endigt 
erst im N, von Montevideo, so dass wirkliche Ebenen erst jenseits des 
Plata und Uruguay sich ausbreiten, mit Ausnahme der söligen 
Ebene zwischen dem Uruguay und dem Meere am östlichen Fusse 
der Serra do Herval und dos Tapes. — Unter dem 28° S. B. zieht 
jedoch ein Mandelstein-und Melaphyr-Gebirge (ohne eigentlichen 
Basalt) vom Meere an in hora 7 über 5° der Länge weit queer landein- 
wärts, so dass Porto Alegre an seinem Süd-Fusse bleibt, und verbindet 
sich nächst dem Uruguay mit einem Gebirgszuge gleicher Art, welcher 
hora 12 streicht. Dieser Mandelstein-Zug ist die Quelle der zahllosen 
Chalcedone , Achate, Karneole, Bergkrystalle und Amethyste, welche 
die Ufer des Uruguay bis über den Rionegro hinab bedecken. Beide zu- 
sammenstossende Gebirgszüge theilen das Land in eine nördliche und 
eine südliche Hälfte, welche südwärts an der Portugiesisch-Spanischen 
Grenze offen ist. Die Formation geht warscheinlich noch über den Uru- 
guay hinüber. Am Abhange des Mandelstein-Gebirges verbreitet sich eine 
ausgedehnte, zweifelsohne sehr junge, zum. Molasse- oder Braunkohlen- 


ie 


— 41216 — 


Sandstein gehörende, thonige Sandstein-Formation über das Land (Roth- 
liegendes, Serrow), und steigt am Fusse des granitischen Küstenge- 
birgs wieder an. Wenigstens finden sich in spätern Sendungen die von 
Porto Alegre nach S. Paulogemacht worden, die evidentesten Tertiär-Ver- 
steinerungen in einer, der obigen ähnlichen und wieder mit Mandelstein 
verbundenen Sandstein-Bildung. 

Reise über Monte Video, Villa de Minas, Maldonado, Montevideo 
und Colonia del Sacramento Buenös Ayres: 

Monte Video liegtzwar in der Ebene, welche jedoch besteht aus Feld- 
spath-reichem und Glimmer-armen Gneisse; — aus Glimmerschiefer mit 
Granit-Lagern und Granaten und einem Lager feinkörnigen, schwarzen 
Kieselschiefers, der mit Quarzadern durchsetzt ist (und welchem in Hand- 
stücken grauer Thonschiefer ansitzt); — aus Hornblendeschiefer, welcher 
Gänge von Gneiss und Lager von kleinkörnigem Granit mit Granit ein- 
schliessen soll, bei reicherem Zutritt von Feldspath seine Schiefer -Form 
verliert und in einen dichten krystallinischen Grünstein übergeht, der 
an dem Gipfel des Cerro und des Serrito mit ersterem vorkommt; — 
aus einem tertiären sandıgen Kalkstein zwischen dem Serro von Montz 
video und der Mündung des Rio de S. Luzia, an welchem weiter 
aufwärts dann noch ein manchen Jurakalken ähnlicher, doch wohl 
ebenfalls tertiärer Kalkstein mit Braunstein-Dendriten und Spath-Adern 
vorkommt. 

Die folgenden Gesteine sind aufdem Wege nach Minas und weiter gesam- 
melt. N.von der Villa de S. Luzia:: Granit ; weiterhin mit Gneiss ; dann röth- 
lichbrauner Mandelstein mit grossen Höhlungen voll Blätter-Zeolithes, 
und mit zahllosen kleineren voll erdigen Zeolithes ; gleich darneben an der 
Mündung des Gassuda ein Glimmerschiefer, der dem Thonschiefer nahe 
ist. — Längs dem Rio de S. Luzia, zwischen dem Passo del Baranco 
und dem P.del Durasuo: Mandelstein dem Thonporphyr ähnlich, weiter- 
hin mit Nestern von Hornstein-Porphyr , endlich bei der Estancia de 
la Inveinada mit parallel in die Länge gezogenen, platt gedrückten Bla- 


senräumen. — An der Canada de las Conchas wird er einem gelblich- 
braunen Porphyr voll Quarzkörnern ähnlich und ist voll Höhlungen mit 
erdigen Ausfüllungen. — An der W. Grenze des Gebirges von Miras 


bildet Quarzfels einen Bergrücken , welcher dem Glimmer- und Thon- 
Schiefergebirge angehört. Weiterhin perlgrauer Porphyr, worinn die 
Zellen kleiner, die Feldspathkrystalle häufig und der Quarzgehalt ver- 
schwindend werden. Gleich dabei ein körniger, weisslicher Dolomit, 
(mit 0,21 kohlens. Bittererde und 0,17 Kieselerde), und endlich ins Thal 
Villa de Minas hinab ein reiner Thonschiefer. — 

Von Vila de Minas bis Minas riejas herrschen Urthonschiefer, 
wenig von Granit unterbrochen, ächter Urkalk (ohne Bittererde), Dolomit 
(mit 0,25 kohlens. Bittererde und 0,14 Quarzsand), Urtrapp (Grün- 
stein mit sehr vorwaltender krystallinisch - körniger Hornblende) und 
Magneteisenstein, welcher in Oktaedern krystallisirt in feinkörnigen Horn- 
blende-Lagern, theils als derber Magneteisenstein in körnigen Quarzlagern 


ME 


eingewachsen vorkommt. Thonschiefer geht in vollkommnen feinblättrigen 
Glimmerschiefer über. — Näher bei Minas viejas endlich : schwarzer dichter 
Kalkstein, darneben körniger Dolomit (mit 0,41 kohlens. Bittererde und 
0,01 Quarzsand) mit eingesprengtem Bleiglauz und salinischen Bleierzen, 
welche beide im Thonschiefer gangartig vorkommend der Gegenstand 
des. dortigen Bergbaues zu seyn scheinen. — Am Arroyo de S. Fran= 
cisco: feiukörniger Dolomit (mit 0,12 kolilens. Bittererde, und 0,19 Kie: 
selthon). Hyalith mit Quarz-Krystallen und etwas Brauneisenstein kommt 
auf einem Gange in Granit vor. — — 

Von Villa de Minas aus wurden auf zwei Exkursionen, deren 
eine in OSO. nach der Serra dos Penitentes , die andere nach Bar: 
riga Neyra gerichtet war, dort Horublende-Gestein, Glimmerschiefer 
mit untergeordnetem Quarzfelz , Gneis-artiges Gestein, körniger Kalk; 
schwarzer und Rauch-Quarz, — hier ein Melaphyr-artiges Trappgestein; 
wie. am HAarze, Thonschiefer mit Dolomiten, Porphyre, Granite und 
ein, wahrscheinlich sehr junges, Konglomerat-Gehirge gefunden und ge- 
sammelt. Thonschiefer werden porös und gehen durch entschiedene 
Konglomerate bei fortschreitender Zerrüttung in gewöhnlichen quarzigen 
Sandstein mit Thonnestern über. Nahe bei Villa de Minas nemlich 
begannen (bei der zweiten jener Exkursionen) schon jene zerrütteten 
Sandsteine, dann jener ?Melaphyr, grobes Konglomerat, fester Feid- 
spath-Porphyr, blasiger ? Melaphyr mit Stilbit-Ausfüllungen, Trapp mit 
Chalecedon-Mandeln und -Trümmern; Eisenslanz mit derbem Quarz die 
Thonschiefer-Schichten völlig durchziehend, sie von kleineren Quarz- 
gängen aus völlig mit Eisenglimmer imprägnirend und in Eisenglimmer- 
sehiefer umwandelnd. Darneben Gneiss-Schichten und porphyrartiger Gra- 
nit, sm SO. Abhang des Serrito de la Cnalena erscheinen Kalksteine 
und unreine Dolomite des Thonschiefer-Gebirges (mit 0,00 bis 0,42 
kohlensaurer Bittererde und 0,03—0,52 Kieselthon)*), zuweilen mit Horn- 
stein Nieren, Kieselschiefer-, Thonstein- und Tripel-Lagern. An der 
Sierra de los erystales treten die allergröbsten Konglomerate, aus Thon- 
schiefer , Glimmerschiefer, Grünstein und Granit zusammengesetzt, 
auf und scheinen am Fusse des Berges feiner werdend in Grauwacke 
und Übergangs-Thonschiefer überzugehen. Auf dem Rückwege nach 
Minas wurden der Reihe nach wieder Granit, Grünstein, Quarzfelz, 
weisser körniger Dolomit mit reichlicbem Tremolith, Glimmerschiefer, 
seiner Dolomit und Porphyr mit Zeolithen gefunden. 

Der Weg von Minas nach Maldonado bleibt beständig im Urgebirge, 
und lieferte Granit, Glimmerschiefer , Gneiss, körnigen Quarz, körnigen 
Dolomit von schon angegebener Zusammensetzung und zum Theil in 
Sand zerfallend wie am Gotthard, Kalkstein, Urthonschiefer, Ehlorit- 
schiefer, Hornblende-Gestein, Grünsten ganz dem früherun ähnlich, 
auch mit Spuren von Kupfererzen, ein kalkiges Konglomerat, endlich 


*) Alle Dolomite hiesiger Gegend sind dureh ihre körnige Beschaffenheit, Reichthum 
an Bittererde, oder, im Verhältnisse als diese sparsamer vorhanden ist, an_Kiesel-; 
auch an Thon-Erde ausgezeichnet. Die Analysen sind von Karste». ı a 


Jahrgang 1834. 28 


Proben von immer häufiger werdenden Thonschiefer-ähnlich dünn ge- 
schichteten Lagern von dichtem Feldspath, welcher durch Krystalle 
oft Porphyr-artig wird und endlich in vollkommene Band-Jaspisse, 
in Trappmassen (corneennes), oder in Hornfels übergeht. Sie scheinen 
(wie die Eisenglimmerschiefer durch eindringendes Eisen) durch die 
Porphyr-Bildung auf ihren Lagern veränderte Thonschiefermassen zu seyn, 
wenn nicht jemand sie lieber für schon ursprüngliche Lager im Thon- 
schiefer halten will. Bei Maldonado selbst erscheinen noch Gneiss und 
Hornblendeschiefer. 

Von Maldonado ging S. über den Pan d’Azucar nach Monte Video 
zurück. Zuerst fand er noch. den vorerwähnien Hornfels. Am Pan 
d’Azucar begann Epidot-Gehalt sich zu zeigen in hornblendigen Gneissen 
neben sehr grob- und feinkörnigem Granit, nach welchen sich Porphyre 
und Syenite, ganz wie im südlichen Norwegen anreiheten, aus Osten 
herziehend. Der nächste Berg in N. vor dem Pan d’Azucar besteht aus Sye- 
nit mit fleischrothem lang- und schmal - blättrigem Feldspath und von 
zelligem kleindrusigem Gefüge, Bildung auf gangartigen Lagerstätten an- 
deutend. Im NW. des Pan am Fusse der Ponta de la Sierra erscheint 
der Bucn’sche Nadel-Porphyr von Christiania , übergehend in rothbrau- 
nen und grünen Mandelstein, die Mandeln erfüllt mit Kalkspath und 
Chalcedon ; auch setzten Pistazit und Quarz in kleinen Gängen auf. 
Offenbar steht diese Formation in Verbindung mit der von S. Luzia und 
Cassupd. Der ©. Fuss und Gipfel der Ponta de la Sierra ist aus- 
gezeichneter Syenit- Pophyr in den reinsten Feidspath-Porphyr übergehend 
und zuweilen Quarz und Epidot als Überzug in kleinen Blasen aufneh- 
mend; zuweilen grosse Feldspath-Krystalle einschliesend und dann in Syenit 
von gemeiner Art übergehend. Derselbe Syenit-Porphyr erscheint am 
nächsten Berge im W. wie im N.O. und am zweiten Hügel‘im N. 
des Pan d’Azucar zuweilen mit Nestern feinkörniger Hornblende; — 
gemeiner Syenit am nächsten Berge im S. und im OÖ. davon, auf Klüften 
zuweilen mit Uranglimmer ; ‘schwarzer Porphyr, dem Basalt ähnlich, tritt 
noch weiter südlich .auf. Zum Syenit-Porphyr im N. gesellt sich Man- 
delstein mit Grünstein-artiger Hauptmasse und Quarzmandeln, die sich 
dann verlieren und einen dichten Grünstein-artigen Trapp zurück lassen. 
— — Weiter gegen Monte Video erscheint nochmals dieser Mandel- 
stein mit Epidot- und Quarz-, selbst fleischrothen Feldspath-Ausfüllungen, 
welche letztre weissen Kalkspath einschliessen, — auch schiefriger Grün- 
stein mit eingesprengtem Kupferkies und mit Epidot auf Trümmern, endlich 
reines , dichtes Feldspath-Gestein. — Nach einem merklichen Abschnitte 
tritt man wieder in die Gneisse, jenen von Monte Video ähnlich, mit 
grossblättrigen Syeniten und Lagern oder Gängen von Granit, — Am 
vorletzten Tage, vor Monte Video, erschienen Sandsteine von einer For- 
mation, welche im zweiten Abschnitte viel berührt werden muss, an- 
fangs grossentheils noch als umgeänderte Thonschiefer-Schichten, welche 
durch Zerstörung immer feiner werden, in wahren Sandstein endigen 
undin sehr aufre'»kerten Stellen Schwefelkies-Krystalleund deren Abdrücke 


_— 4 — 


zeigen. Parallele Trümmer durchschneiden das Schiefergefüge schräg. — 
Nun folgt noch einmal Granit, auch schöner Schriftgranit, wornach 
man Monte Video erreicht. 

Die Reise von Monte Video nach Colonia del Sacramento gieng 
über Guadelupe, S. Luzia (wo S. schon auf voriger Reise gewesen), 
S. Jose und Rosario, und lieferte der Reihe nach: grobkörnigen Syenit 
mit rothem Feldspath und vielen Quarzkörnern, zeısetzte Granite, weiche 
eisenthonige Massen mit abgerundeten groben Quarzgeschieben,, mit 
vielen feinen von weissem Erd-Zeolith erfüllten Höhlungen, und, an Eisen- 
freien Stellen, mit Chalcedon-Mandeln,; — dann im W. von S. Luzia 
Abänderungen von Granit, zuweilen mit vielen parallel stehenden 
Schörl-Krystallen, dünnschiefriger Gneiss, Granit, Gneiss, auch wieder 
dichter Feldspath-Schiefer , welcher durch grosse Krystalle rothen Feld- 
spathes Porphyr-artig wird und in schwarzgefärbten Grünstein mit ähn- 
lichen weissen Feldspath-Knauern übergeht ; — endlich folgen grobkörni- 
ger Syenit, am Is Plata Kieselschiefer des Übergangs-Gebirges mit vie- 
len Glimmerschüppchen auf den Schieferklüften. 

Buenos Ayres liegt auf dem Kalkmergel, dessen bei S. Luzia 
schon Erwähnung geschehen, und dessen Verbreitung in der Banda 
Oriental so beträchtlich ist, und am Flussufer selbst findet sich ein 
junger Kalktuff voll Konchylien , deren Gleichartige vermuthlich noch 
leben. 

H. Reise von Oolonia del Sacramento nach dem Salto grande 
am Uruguay, und von da nach Porio Aleyre (S. 237—250). 

Der erste Theil des Weges ging von Colonia über Vivoras nach 
S. Domingos Soriano und Capilla de Mercedes am Rio negro und 
lieferte in folgender Ordnung: jungen mergeligen Kalkstein, wie bei 
S. Luzia, aber voll kleiner Geschiebe und ruhend auf Kieselschiefer ; 
Grauwacke; Dolomit mit Tremolith und Quarzkörnern; — am zweiten 
Tage Granit; — und am Uruguay wieder den sandigen Tertiär-Kalk 
von Monte Video gegen S. Luzia, hier jedoch voll Steinkernen dick- 
schaliger Seemuscheln (Venus, Peeten), welche Kerne wieder selbst 
ganz von Sandkörnern ausgefüllt sind, — Das von hier bis Salto grande 
und Porto Alegre auftretende Gebilde ist nach allem Anscheine ebenfalls 
tertiär. Es besteht aus mürben Sandsteinen, welche durch eingesickerte 
Hornsteinmassen erhärtet, mit Chalcedon-Nieren in Drusenräumen durch- 
zogen sind und sich mit Kalk mengen, den, wo er einem Süsswasser- 
Kalke ähnlich wird, auch die Hornstein-Trümmer durchsetzen ; — aus 
einer neuen Breccie voll Sandstein-Stücken, in welche eine Menge von 
Eisenoxyd eindringt, sie als Eisennieren-Bildung umschliest, oder in 
Eisensandstein umgestaltet; — aus Mandelsteinen, welche die vorigen 
Gebilde von Salto grande an oft unterbrechen. So treten von Vivoras 
an auf: das rothe eisenschüssige junge Konglomerat, die anscheinenden 
Süsswasserkalksteine, bei Capilla Geschiebe von versteinertem Holz 
und Achate aus Mandelstein, ganz von Hornstein- und Chalcedon-Masse 

’ 285? 


— 430 — 


durchdrungener Sandstein, weicher thoniger Sandstein mit Bergmilch 
in Klüften, und Eisensandstein, 

Die Fortsetzung des Weges führte über Pay-Sandu und S. Jose 
do Uruguay nach dem Salto Grande. Sie both der Folge nach: von 
Hornstein durchdrungene Sandsteine mit Braunstein-Dendriten und in den 
Höhlungen mit Chalcedon-Nieren, — Sandsteine von Brauneisenstein durch- 
drungen, — grosse Hornstein-Massen in diesem Tertiärsandstein ge- 
bildet, — Sandstein mit Hornstein-artigem: Bindemittel; — !Fleisch- 
und Ziegel-rothen weichen thonigen Sandstein mit ästigen Röhren 
durchzogen, welche, wie es scheint, von Korallen-Trümmern herrjihren 
und von anders gefärbtem Sandstein oder spätbigem Kalke ausgefüllt 
sind, — anscheinenden Süsswasserkalk mit Kalksinter, Tripel, Horn- 
stein-Konkrezionen und Chalcedon-Nieren, Pudding-artige Breccien. Die 
Kalkspath-Masse in obigem Sandsteine wurde stellenweise so vorherrschend, 
dass er im Bruche gossblättrig spiegelnd erscheint. Neben dieser Ab- 
änderung steht Mandelstein, an, dessen braune Eisenthon-Masse ganz 
mit reinen Kalkspath-Mandeln angefüllt ıst, anderntheils aber auch in 
‘ den Sandstein einzudringen und so das mit vorkommende Basalt-artige 
Gestein zu bilden scheint. — Bei Salto Grande selbst erscheint ein 
blasiger Mandelstein, dessen Höhlen leer, oder selten mit Kalkspath, 
und um diesen mit grünlichgelbem Ocker, erfüllt sind, oder allmählich 
verschwinden, wodurch das Gestein in einen dichten, röthlichbraunen 
Eisenthon übergeht, der von Kalkspath - Gängen durchsetzt wird. Als 
Geschiebe kommen Chalcedon-Kugeln und Quarzdrusen, auch versteiner- 
tes Holz u. s. w. vor. 

Von Salto Grande nach Porto Alegre währte die Reise länger als 
einen Monat, während dessen — bis zum Cerro de Batuvi nur Mandel- 
stein-Gebirge mit Sandstein anzutreffen war; erst an genanntem Orte be- 
gann wieder älteres Gestein. Den Beginn machten nämlich, mehrere 
Tage anhaltend, schwarze Porphyre, erst körnig, dann dicht, von 
dunkeln Farben, zuweilen unvollkommen schiefrig und so dem Kling- 
steine sich nähernd, und meistens in Abänderungen den Liebauer und 
Landeshut-Waldenburgischen Porphyren in Schlesien, oder denen der 
Feröer ähnlich erschemend, für weiche der Name Eisenthonstein viel- 
leicht bezeichnender, als jener erstere seyn würde, Sie enthalten Chal- 
cedon-Mandeln, Grünerde auf Klüften, Jaspis- und Heliotrop-Bildungen, 
einzelne Körner von starkglänzendem , dunklem Chlorophäit , (Sidero- 
clepte Sıuss.), Erbsen-förmige, weisse Erdausfüllungen. Diese Eisen- 
thonsteine gehen weiterhin in, zuweilen schlackige Mandelsteine über, 
worinn wieder bis Fuss-grosse Kugeln von blassem auf Chalcedon sit- 
zendem Ametyste, Chalcedon-Massen, Band-Achate ete. wie auf Island 
und den Feröern vorkommen, Der Manrdelstem erreicht abermals den Me- 
laphyr, der ganz von, wie bei jenem Sandstein, spiegelndem Kalkspathe 
durchdrungen und in seinen meisten Höhlungen ausgefüllt ist, erscheint 
dann aufs Neue, und beide wechseln so wiederholt mitihren schon bezeich- 
neten Abänderungen, um zuweilen dem Sandsteine Platz zu machen: 


ee 


Der Mandelstein im Mata-ojo - Thale entliält Drusen mit ansehnlichen 
Krystallen von Analcym, Chabasit, Mesotyp und Stilbit, auch Bruch- 
stücke des Fleisch-rothen Sandsteinues eingeschlossen, welcher umge- 
wandelt ist bis zur Aufnahme von Blasenräumen. Am Cerro de Lunare- 
jo enthalten die Mandeln Chalcedon und Bitterkalk; weiterhin ist Mag- 
neteisenstein in die Masse eingesprengt. — — Mit dem Gipfel des 
Cerro ‘de Batuvi ändert sich der geognostische Charakter der Gegend: 
Kieselschiefer, Grauwache, Übergangs-Sandstein mit Quarzgängen reich- 
lich durchsetzt, treten auf, wovon einzelne Stücke ähnlich sind dem 
zu Sandstein zerrütteten Thonschiefer von Bariga Neyra auf der ers- 
ten Reise. Übergangs -Thonschiefer folgt später; dann mürber, leicht 
zerfallender Tertiär-Sandstein, worauf bis zum Granite von Porto Ale- 
gre ein Terrain aus ebenso neuen oder noch neueren Schichten folgt, 
welches nur durch die an Zeolithen und langgezogenen Blasen reichen 
Mändelsteine der Serra de S. Martinho unterbrochen wird. (S. ging 
nämlich nicht durch den Gold-Distrikt von Cassapava, sondern längs der 
alten Grenze von Brasilien über S, Maria und Rio Pardo.) Jene 
jüngeren Schichten sind: blauer und grauer schiefriger Letten mit Mer- 
gelnieren, Eisennieren, blaue und rothe Lettenschichten, kalkige Sand- 
steinschichten mit Faserkalk und mit Quarz-Platten auf den Ablösungs- 
Flächen, : in einzelnen ziemlich festen Lagen mit vielen kleinen Zähnen 
(wie von Squalus) und Kiemendeckeln von Fischen; — dann isa- 
bellgelbe Mergel mit Braunstein-Dendriten, auch versteinertes Dikotyle- 
donen-Holz. — Ferner erscheinen östlich von S. Maria ein offenbar 
aus verwittertem Granit entstandener Sandstein, Raseneisenstein , Wie- 
senerz, Sumpferz, thoniger Sandstein ganz mit schwarzem Manganoxyd 
durchdrungen, und in Nierenform aufsitzendes oder in Platten ihn durch- 
ziehendes Graubraunstein-Erz führend, — endlieh bunte Thone, nach 
welchen die weichen Sandstein wieder überhandnehmen, bis der Granit 
von Porto Aleygre auftritt. 

II. Reise von Porto Alegre nach Cassapava, die Cerros de 
Baye, Cerros de Jagegua, Serro do Herval nach Rio grande de 8. 
Pedro (S.- 250-—276.). 

Um Porto Alegre gesellt sich zum Gvänite wieder die Trapp - For- 
mation. Erstrer trägt die Stadt, setzt über den Viamäo-Sce in die 
Serra do Herval fort, und bildet im ustern Graiba -Thale das Südge- 
hänge; das nördliche wird von Melaphyr gebildet. Junger Thon, Sand- 
stein, Sand und Kalk füllen es aus, und werden von Gängen und Kup- 
pen von Basalt durchsetzt. Doch erhebt sich jener Sandstein auch in 
einige hohe Berggipfel. Der Granit in der Sierra de Viamäo ist 
Gneiss-artig, erscheint am NW. Abhange derselben bei der Annäherung 
des Porphyrs aufgelösst, Trümmer - Porphyr mit Granit- und Mandel- 
stein -Fragmenten tritt in dessen Nähe auf. Zerfallender Granit er- 
scheint auch am Ausflusse des Viamäo-Sees. — Auf der Exkursion 
nach Estancia dos Moretos fanden sich die gewöhnlichen Sandsteine, 
rotb, fein, Glimnger-reich, bis T'honstein-artig, Höhlungen aufnehmend ; 


— Ma — 


oder aus durch weissen Thon schwach verbundenen Quarzkörnern be- 
stehend, wo sie dann Lagen- weise mit dünngeschichtetem Schieferthon, 
oder mit einem Lavendel-blauen Übergang aus Sand- und Thonstein 
verwachsen ; — ferner Kalkschichten mit ähnlicher Färbung, theils erdig, 
theils späthig; — sogen. Basalte mit konzentrisch-schaaligen Absonde- 
rungen, hier ganz entsprechend einem mit Eisenoxydul imprägnirten 
grauen thonigen Sandstein. 

Eine Reise westlich am Jacuy aufwärts bis: Vill« da Cazxoeira, 
ergab: Blaueisenerde in cder unter der Dammerde; — porphyrartigen 
Granit; den ebenerwähnten sg. Basalt mit deutlichem Albit-Korne und 
anscheinend aus tkonigem Sandstein umgebildet; dunkelgrauen  Sand- 
stein mit Halbopal-Bindemittel; Breccien-artigen thonigen Sandstein mit 
Trümmern von Granit, Feldspath und grauem erdigem Thonsteine, wel- 
cher aus einem in die Thonschiefer - Region eingedrungenen Theile der 
Porphyr-Formation stammen möchte; dann gewöhnlichen, rothgefleckten 
Sandstein mit Opal-Zäment. — Eine Reise in das Braunkohlen - Gebiet 
am rechten Jacuy-Ufer, Rio Pardo gegenüber, ging durch Melaphyr, 
der durch Verwitterung in Thonstein, und durch Kalk-haltigen Sandstein 
und Mergel, der in Lehm übergeht, durch Lagen von dichtem Brauneisen- 
stein, und von Raseneisenstein in das Kohlen-Gebirge selbst, wo eine, sehr 
thonige Braunkohle Lagen einer schieferigen Kohle aufnimmt, und gro- 
bes Konglomerat, zum Theil mit Schwefelkies - Nestern, nebst Schiefer- 
thon mit Pflanzen-Abdrücken sich beigesellen. Etwas nordöstlich glaubt 
man noch die Stücke Gneiss, so eben zu Sandstein aufgelösst vor sich 
zu sehen, welche dann durch eindringende Braunstein - Masse wie- 
der verkittet werden, während Schiefertextur allmählich verschwindet; 
mehr südöstlich aber erscheint ein Sandstein, welcher das Ansehen ei- 
nes so eben zerstörten und durch Brauneisen - Oxyd wieder gebundenen 
Glimmerschiefers hat. Etwas südlich steht Granit an, Porzellanerde, 
weisse Thonlagen und Braunkohlen treten auf. Bei der Estancia grande 
bricht ein durch Manganoxyd lavendelblau gefärbter dichter Kalkstein, 
welcher mit Quarz- und Hornstein - Schnüren durchzogen ist, die sich 
hin tad wieder zu Quarz- und Achat-Drusen erweitern. Bei der Estun- 
cia dos Pombas erscheint ein Kalkstein (mit 0,10 Kiesel und Thon-Ge- 
halt), welcher grossblättrig, auf den Ablosungen bunt, lettig. im Innern 
mit in Flächen geordneten Punkten versehen ist, wodurch sich die al- 
ten Flötzlagen verrathen, welche vor dem Späthigwerden vorhanden 
gewesen. — Am Cerro de Buiucaray bricht Sandstein-ähnliche Wacke 
brauner Eisenthon, Mandelstein mit Chalcedon- und Quarz-Mandeln, und 
auf den Klüften ganz mit Blätter-Zeolith überkleidet. — Ein grösserer 
Braunkohlen-Distrist, rechts am Jacuy etwas oberhalb des ersten, gab 
Eisensandstein, Braunkohle, sandigen Thon und Thoneisenstein. — Bei 
der Filla do Cazxveira selbst erscheint der gewöhnliche röthliche Sand- 
stein mit dunklem feinkörnigem Melaphyr , auch Granitsand, Breccien 
aus grossen Mandelstein-Geschieben und Brauneisenoker. 

Von Caxveira südlich nach Cassapava. Es tritt zuerst derselbe 


— 433 — 


Sandstein in manchfaltigen Abänderungen auf; Schieferthone mit Faser- 
kohle und Schwefelkiesen; Geschiebe von versteinertem Dikotiledonen- 
Holz. Beim Eintritt in den Serrito do Quro von S. Sepe beginnt eine 
Übergangs - Formation, der der Brasilianischen Goldgebirge ähnlich. 
An den Sandstein reihet sich ein Grauwacke-artiges Übergangs-Gestein ; 
Glimmersehiefer, durch Aufnahme von Feldspath dem Gneisse sich nä- 
bernd, mit Quarzlagern, Eisenglimmer und Magneteisen treten auf; — 
dann Übergangs-Grünstein mit kohlensaurem Kalk gemengt; — und ein 
dichtes Feldspath-Gestein als Hauptmasse eines Porphyrs ; — weiterhin 
grüner und perlgrauer Thonschiefer mit Quarzlagen, der zuweilen er- 
dig aufgelösst ist, und gleich dem Glimmerschiefer das Gold liefert. 
Merkwürdig sind die Glimmerschiefer, deren Glimmer ursprünglich 
weiss, aber durch eingedrungenen Brauneisenocker gefärbt ist, deren 
Quarzlagen in Adern und Knauern übergehen und, ohne von Glimmer- 
blättchen unterbrochen zu werden, durch die Schichten durchsetzen und 
Zinnstein. und Gold in diesen verbreiten. In eine Fettquarz - Masse 
sind Schörlnadeln und Graphit eingewachsen; — auch Magneteisenstein, 
körniger Rotheisenstein und Eisenglanz dringen in Quarz und Sehiefer 
ein, und. Waschgold kommt in’ Magneteisensand vor. — — Der Cerro 
do Polteiro ist ein Syenit - Granit mit fleischrothem Feldspath, Quarz 
Glimmer und Hornblende, dann ebenfalls Hornblende - und Quarz - füh- 
render Porphyr in Verbindung mit ersterem. — Von hier bis Cassapava 
wieder: Thonschiefer,, Sandstein, Syenit-Porphyr, dichter Feldspath-Por- 
pbyr, kalkhaltiger Übergangs-Trapp mit Albit-Krystailen, Sandstein, der 
in grobes Konglomerat mit. grossen Schiefer - Geschieben und Syenit- 
Porphyr-Stücken übergeht, Quarz - führender Feldspath-Porphyr, Basalt- 
ähnlicher Porphyr, fester Mandelstein- Porphyr, Massen von Schwer- 
spath, — Thonschiefer, Talkschiefer, Chloritschiefer mit eingewachsenen 
Magneteisen-Krystallen, der Thonschiefer theils in Glimmerschiefer über- 
gehend, theils weilenförmig, mit knieförmig gebogener Schieferung und 
in dünnen Lagen mit späthigem oder dichtem Kalkeisenstein wechselnd. 

Cassapava liegt auf einem Granit -Rücken, hat nördlich Gmeiss 
und körniges Hornblende- Gestein mit etwas rothem Feldspath, Horn- 
blendeschiefer, weissen körnigen Dolomit mit vielem Tremolith; — süd- 
lich: Melaphyr mit. Sideroclepte und Chalcedon-Kugeln; weiter Gneiss 
und in Tafeln krystallisirten Eisenglanz ; — östlich: neben Hornblende- 
schiefer wieder rothen Sandstein und grobes Konglomerat mit grossen 
Geschieben von älterem Konglomerate, Grauwacke, dichten Kalkstein 
und Nadel-Porphyr. Nach Südwesten führte die Fortsetzung der Reise 
nach S. Pedro do Sul. 

Von Cassapava bis Gabriel Maxado traf S. auf Gneiss, Thon- 
schiefer zu Grünstein sich neigend, Glimmerschiefer, schiefriges Feld- 
spath-Gestein, die rothe Sandstein-Formation mit grobem Konglomerat, 
Thonporphyr, Trümmer - Porphyr, rothen Sandstein mit ? Grauwacke- 
Trümmern, rothen Thonporphyr mit fremdartigen Gesteins-Einschlüssen ; — 
weiterhin Melaphyr aus verändertem Sandstein gebildet, welcher von 


“ 


— 434 — 


mürber Beschaffenheit dazwischen ansteht, Thonsteinmasse, Trümmer- 
porphyr der in Sandstein übergeht, Melaphyr, grauen Feldspath-Porphyr, 
dann Granit, zelligen Gangquarz, Gneiss, Grünstein-Porphyr (wie von 
Arran), aufgelösten Gneiss, viele Hornblende-Nadeln und Kugel- för- 
mige Geschiebe von feinkörnigem Glimmer-armem Granite aufnehmend ;— 
Hornblendeschiefer, Von Maxado bis Serpe; aufgelösster Gneiss, 
körnige Quarzlagen mit Chlorit und Schwefelkies; aufgelösster Granit; 
Talkschiefer zum ersten Male in Serpentin übergehend, worinn an 
den Ablosungsklüften der Talkschiefer sich erhält; — Granit, Syenit, 
Grünstein; Schiefer, Urtkonschiefer in Glimmerschiefer übergehend, end- 
lich ein verdeckt schiefriges Gestein, zwischen Grünstein und verhär- 
tetem Talk das Mittel haltend, voll ansehnlicher Krystalle frischer ba- 
saltischer Hornblende. Südlich von Estaneia de Serpe: körniger Kalk, 
derber. Magneteisenstein, gemeiner Kieselschiefer,, en und ver- 
härteter Talk. 

Von Gabriel Maxado bis Baye: — Bis Pontas de Jaguary findet 
man Granit-Konglomerat, dann Granit. Nachher die eigentliche Gold- 
führende Brasilianische Quarz-Bildung : körniger Quarz mit Eisenocker- 
absetzenden Klüften durchzogen, Magneteisenstein, Fettquarz mit Chal- 
cedon in Drusenhöhlen oder mit Hornstein, zu Breccien-Achat verbunden, 
Breccie aus Quarz-Krystallprismen und durch Hornstein oder Steinmark 
verkittet; ein anfgelösstes Thonschiefergestein mit vielen Quarzkör- 
nern; — zuletzt Granit, Granitsand und Waschgold in den „Flüssen. Kr 
In Ve de Mandingeira: das wohlbekannte Urthon - und Glimmer- 
Schiefergebirge Brasiliens mit Quarzlagen, die"von Gangklüften mit 
Eisenocker oder strahligem Trewolith durchzogen sind. — Bis zum Passo 
da Lavra velha: Granit, grobes Konglomerat, Sandstein mit grossen 
Quarz-, Granit- und Thonschiefer-Geschieben ; Grauwacke-artige Schich- 
ten; Mandelstein- oder ‚Nadel-Porphyr, dessen Mandel-Wände mit grü- 
nen Epidot - Krystallen besetzt sind, und welöher allmählich in dichten 
Melaphyr übergeht; — dunkelrother Porphyr mit Quarz, meist ent- 
schiedener Trümmer-Porphyr, stellenweise mit lang-gezogenen Blasenräu- 
men, die von Epidot ausgekleidet sind- — Jenseits des Passo erschei- 
nen rothe Sandsteine. — Bis zum Arrojo da Seibal wieder blasiger 
Mandelstein, der in den Höhlen fleischrothen Zeolith, Mehl-Zeolith und | 
Kalkspath führet; auch hielt er ein Stück thonigen Sandsteines einge- 
schlossen. — Bis zum Arrojo de Curaja: vorstehende Quarzfeisen 
des Thonschiefergebirges, veränderte Thonschiefermasse, erdige Grau- 
wacke und zelliger Gangguarz; dann wieder jener Sandstein voll 
Geschieben von Granit, Quarz-führendem Porphyr, körnig schiefrigem 
Quarz und älterem Trümmergestein. — Bis zur Estancia de Alexandre 
Simoes Mandelstein, durch blassrothe , nadelförmige Krystalle Porpbyr- 
artig, die Mandeln mit Quarz und Kalkspath; ein zu Wacke aufgelöss- 
tes Gestein, von Rotheisenstein durchzogen; der dabei gewöhnliche 
mürbe Sandstein, mit Wacke durchmengt und in Wacke übergehend; 
mit Hornsteinmasse Kieselschiefer-artig‘ durchzogene Grauwacken-, oder 


= Mi = 


Sand-Lagen und ein anscheinender Strom dürrer Lava, welche noch 
poröse Mandelsteinstücke (?noch nicht ganz veränderte Urgebirgs-Beste, 
umschliesst; dann wieder Gneiss, Granit, Syenit, körniger Grün- 
stein mit Schwerspath und grünem Flussspath auf Gängen. — Bei 
der erwähnten Estancia: Granit-Gneiss. — Bis Numnez Severino: Gneiss, 
Feldspath- und Trümmer-Porphyr; Mandelstein-Porphyr mit Grünerde- 
Kugeln ; Rotheisenstein; — rother Sandstein, welcher zu Letten aufge- 
lösste Thonschiefer - Fragmente aufnimmt. — Bis zur Estancia da Syl- 
va: Mandelstein; ein fast zu Eisenkiesel gewordener quarziger Sand- 
stein; mürber Sandstein mit Chalcedon-Mandeln und Quarz-Drusen. — 
Seitwärts der Strasse ist hier eine Höhle im Sandstein, auf derem roth- 
sandigem Boden Glaubersalz auswittert. Sie ist 50 Schritte lang, 85 
Sch. breit und 10° hoch. Die Sandsteine umher sind von manchfaltigen 


Abänderungen und gehen wieler in grobes Konglomerat über. — Bis 
zur Estancia Gonsalvez: braune Eisensandstein-Breccie, 'Feldspath-Ge- 
stein, Granit, mürber Sandstein oft mit Chalcedon - Mandeln. — Bis 


Baye; Konglomerat-artiger Sandstein aus Granit- und Thonschiefer-Frag- 
menten; Lehmlagen; Granite und gelbe thonige Sandsteine; ein san- 
diges Trappgestein und Hornstein mit Röhren organischen Ursprungs 
und Chalcedon - Adern durchzogen , Porphyr-artiger Granit mit grossen 
Feldspath-Krystallen ; ein jetzt in Zersetzung begriffner blättriger, ro- 
ther Feidspath, der ein krystallinisches Continuum bildete und viele Trüm- 
mer grünlichgrauen Thonschiefers in nicht parallelen Richtungen in 
sich schliesst und welcher, Gneiss ähnlich, Quarzkörner aufzunehmen 
scheint, wo jene Trümmer verschwinden; — grosskörniger Urkalkstein 
mit Serpentin und Glimmer gemengt, oft mit Eisenglanz auf seinen 
zahlreichen Klüften. m 

‘Von Baye bis zu den Cerros de Jacegua. Yon Baye nach 8. 
Tecla: Konglomerat-artiger und mürber Sandstein, dieser noch mit 
Chalcedon-Mandeln. — Die Cerros de Baye sind Granit- und Syenit- 
Höhen, wo auch krystallinisch-grobkörniger Urgrünstein, dessen blätte- 
rige Hornblende von dem wenigeren Feldspath ganz geschieden ist, — 
derber Quarz, körniger Quarz mit Thonschiefer dünn geschichtet, und 
Quarz- und Thonschiefer- Gemenge mit vorkommen. — Bis zum Passo 
do Valente: grauer Flötzkalk mit rauchgrauem Feuersteine und musche- 
ligem Hornstein und erdigen Kalkstücken; dann Geschiebe von verstei- 
nertem Dikotyledonen-Holz. — Von Baye nach der Estancia Martins: 
Mergel mit Quarzdrusen; dichter Kalk mit Kalkspath und eingeschlos- 
senem versteintem Dikotyledonen-Holz , in den Drusen mit Brauneisen- 
ocker und Graubraunsteinerz; endlich wieder der mürbe Sandstein. — 
Den Cerro de Jagegua grande bildet Granit, oft grobkörnig und dann 
mit viel Quarz; nach der Estancia Pinto hin folgt quarziger Sandstein 
mit gestürzten Schichten, neben ihm perlgrauer Trümmerporphyr. — 
Bei der Estancia de Jacegua chico: Syenitporpbyr; dichter und merge- 
liger Kalkstein; gebänderte Lagen thonigen Sandsteines; — am Cerro 
»de Jacegua chico: Syenit-Gestein in Gneiss übergehend. 


— 436 — 


Bis zum Capella, do Herval: zuerst am Passo de S. Diego thonige 
Sandsteine und sandige Schieferthone, begleitet von dunkelrothen La- 
gen ‚erhärteten: Mergels mit Pflanzen - Abdrücken, die denen der Braun- 
kohle am Guaiba-Thale gleichen. — Zwischen dem Jaguaron und Ar- 
royo de.S. Francisco: fester Kalkstein, mürber gelber Sandstein mit 
Lagen kleiner Quarzgeschiebe, ganz wie in Sachsen der Quadersand- 
stein; — Granit-Sand durch Brauneisenocker zusammengebacken. Am 
linken Ufer jenes Flusses: frischer Granit mit grossen Feldspath-Kry- 
stallen,. auch Zwillings-Krystallen nach dem Gesetze der Karlsbader ; — 
am rechten Ufer: dichter Feldspath - Porphyr, reich an Quarz, unver- 
kennbar jenem Granite verwandt ; — bis zum Jaguaron chico: mürber Sand- 
stein. — Zwischen diesem und der Estancia Coruja: jener Porphyr 
mit deutlicherer Schichtung und Quarzkörnern, ohne Feldspath-Kırystalle, 
an Thonschiefer angrenzend; und nochmal jener Quadersandstein weiss, 

Nun. verschwindet der Sandstein gänzlich und man tritt wieder in 
die; Fortsetzung des Küstengebirges, in welchem zwei grössere Berg- 
rücken zu übersteigen sind, ehe man das Meer wieder erblicken kann. 

Der. erste dieser Rücken ist die Serra do Coruja, an dessen west- 
lichem Fusse man den Sandstein noch einmal, und zwar mit gestürzten 
Schichten erblickt, dessen Höhe aus Gneiss und Granit zusammenge- 
setzt ist, welche viele Abänderungen zeigen, und wovon der erste in 
Glimmerschiefer übergeht, der auch den zweiten Rücken, die Serra do 
Madrugo, ganz zusammensetzt und sich wieder einem körnig-schiefri- 
gen Quarzgesteine nähert, auf der Serra do Herval (mit gestürzten 
Schichten) anhält, vor der Capella ein Hornblende-führendes Lager auf- 
nimmt und sich’ wieder mit Granit verbindet. Letzterer erscheint auch 
bei der Zstancia Barcellos und Est. Ferreira Porto, wo Gmeiss hinzu- 
tritt, welchem noch vor der Serra dos Asperezas ein Lager von Quarz 
und Feldspath mit Hornblende und ?Sahlit untergeordnet zu ‘seyn 
scheint. Dann folgt Glimmerschiefer und Granit. Die kleine Serra 
dos Asperezas hat Granit, körnigen Urkalkstein mit Magnetkies und 
Asbest-artigem. Strahlstein; dann aufgelössten Glimmer- und Urthon- 
Schiefer, und wieder Granit in verschiedenen Abänderungen bis zur 
Ebene von S. Pedro do Sul. Diese Serra ist noch mit grossen, über- 
einandergethürmten Granit-Kugeln, gleich einigen früheren, bedeckt. 

Die Stürzung der tertiären Formationen durch den Durchbruch 
sogenannter Urgebirge durch dieselben ist an vielen Stellen auffallend 
und sehr der Beachtung würdig. 

IV. Beschreibung fossiler Knoehen- und Panzer- 
stücke aus dem bereisten Distrikte, S. 276—293. [Wir ver- 
weisen desshalb auf die Auszüge für Petrefakten-Kunde.] 


W. W. Murser: Notitzen über die ‚Geolo gie der Hoch- 
länder von New York. (Sırıım. Amer. Journ. of Scienc.; 1831, 
Ckt.; XXI, 97-99). Gneiss, Syenit,; Gneiss-Hornblendefels und Granit 


a, 


bilden die Hauptmasse in den Hochländern. Der Gneiss geht zuweilen 
in Glimmerschiefer, der Syenit in Gmeiss-Hornblendefels über. Eaton 
versichert, dass Granit in diesen Hochlanden auch selbstständig, ausser 
in Gängen und Lagern in andern Felsarten, vorkomme; der Vf. aber 
hat ihn nie anders als in solchen gefunden. Auf Lagern, welche 30‘ 
Mächtigkeit erreichen, ist er grobkörnig, hat rothen Feldspath zur Grund- 
lage und enthält oft Adular. Auf Gängen ist er feinkörniger und ent- 
hält selten rothen Feldspath. Das Streichen der Gänge ist sehr ver- 
änderlich, doch durchsetzen die meisten die Schichten rechtwinkelig. 
Die Schichten streichen im Allgemeinen mit der Gebirgskette von NNO, 
nach SSW., sind aber sehr gebogen und gewunden und liegen bald 
söhlig, bald richten sie sich bis zum Vertikalen auf. Augit, Serpentiu, 
Urkalk, Magneteisen und Gemenge aus diesen u. a. Mineralien setzen 
in den ganzen Hochlanden eine Menge von kleinen Lagern zusammen. 
Von Augit kommen fast alle Varietäten in den Augit- Gesteinen vor. 
Kieseliger Kalk kommt anstehend nur an einer Stelle, in Blöcken aber 
häufig vor. — Pyrophyllit erscheint bei Westpoint in grauem Augit auf 
einem 1° mächtigen Gange. — Ein Konglomerat-Gestein ist nach jetzt 
in Bildung begriffen: 1 Meile NNW. von Westpoint am Hudson er- 
scheint es in einem schönen Durchschnitte von 20’—40‘ Höhe. Es be- 
steht aus Geschieben und Blöcken bis zu beträchtlicher Grösse von 
Schiefer, Kalkstein, Hornstein, Syenit, Granitu.s. w., welche vom Flusse 
herbeigeführt worden. Diese werden durch kohlensauren Kalk verkittet, 
welchen das Wasser von den Geschieben in den obern Theilen dieser 
Ablagerung auflöst und im untern wieder absetzt, so dass jugendliche 
Krystalle der metastatique oft diese Gesteine überkleiden. 

Skapolith und Sphen kommen überall mit Augitfels vor. Horn- 
blende scheidet sich zuweilen zu eigenen Lagern im Syenit aus, welche 
der Zersetzung länger zu widerstehen scheinen. Magneteisen kommt 
in den Hochlanden auf vielen Lagern und Gängen im Gneiss u. a. Fels- 
arten vor, meist begleitet von Kupfer- und Eisen-Kies, Augit, Hornblende 
u. s. w. Magneteisen-Sand bedeckt das Ufer 3 Meil, N. vom Cold 
spring - Landungsplatze. Der rothe Kalkstein der Hochlande enthält: 
Skapolith, Hornblende und phosphorsauren Kalk, der weisse: Brucit und 
Spinell, oder Graphit, Glimmer und Hornblende, und, wo Serpentin mit 
ihm in Berührung ist, Diallagon, Amianth, Diopsid, weissen, rothen und 
grünen Coecolith., Der Augitfels enthält glasigen Feldspath, Adular, 
Glimmer in sechsseitigen Säulen, Skapolith, Sphen, Kupfer- und Arse- 
nik-Kies. Kleine Lager von Milch-Quarz in Gneiss enthalten Schwefel- 
Molybdän. — Es ist noch nicht wohl möglich, die Lagerungs-Folge die- 
ser Gebirgsarten anzugeben. 


v. Rostuorn: über die Gegend von Radeboy in Croatien 
(Bull. geol. de France, 1833, III, 299-300). Die dort übereinanderlie- 
genden Gebirgsarten sind: Muschel-führende Grauwacke, schwarzer 


ern 


Kalk mit Schiefer und zuweilen mit Grauwacke, grünliche Gesteine vom 
Ansehen bald des Porphyrs, bald des Schaalsteins, rothe Schiefer, zu- 
weilcn rothe Sandsteine, oder sekundärer Kalk der Alpen, zuweilen in 
Dolomit übergehend, oft ansehnliche Höhen mit aufgerichteten Schichten 
bildend; endlich tertiäres Gebirge. Dieses besteht von unten nach oben 
aus Sandstein mit Cerithien, Austern, Venus, nebst Thon mit Lignit; — 
aus Grobkalk und einem Kalkmergel mit Echiniten, SpatangenundPekten, 
welcher ‚beträchtliche Anhöhen bildet; — aus blauem Mergel mit Echi- 
niden, Fischen und mit einer Schwefel- Absetzung, welche Insekten, 
Fische und fossile Pflanzen enthält. — Alluvionen bedecken das Ganze, 

In den Central-Alpen hat der Vf. oft sehr neue Emporhebungen von 
Granit und Gneiss wahrgenommen, 


Ar. Warger: über die Ursache der Richtung von Kontı- 
nenten und Inseln, Halbinseln, Bergketten, Schichten, 
Strömen, Winden und Civilisation '(Lond, a. Edinb. philos. 
Magaz. 1833. Dezemb. ; III. Nro. 18, pg. 426—431). Die Richtung 
aller jener Verhältnisse folget eine aus der andern. Die Richtung von 
Norden nach Süden ist die des neuen, wie des alten Kontinentes im 
Ganzen genommen, des Schwarzen, des Weissen, des Kaspischen Mee- 
res, des Golfs von Obi und aller grösseren Halbinseln. Es Ast die 
aller Haupt-Gebirgsketten, der Anden, der Allegany’s, des Ural’s, der 
Skandinavischen Kette, der Apenninen, Cevennen, Vogesen, wie der Ge- 
birge in Afrika und Asien, wo alle Abweichungen von dieser Richtung 
nur untergeordneter Bedeutung sind. Die Gebirge pflegen ihren steil- 
sten Abfall an der Westseite zu haben, weil dort die Schichten aufge- 
rissen und am höchsten gehoben worden; nach Osten verflächen sie 
‚sich allmählich (England, Norwegen, Libanon, Ghauts). Diese Verhält- 
nisse, meint der Vf., seyen bisher nie im Zusammenhange mit einander 
betrachtet worden, Daher, sagt er ferner, scheint es, dass die Achsen- 
drehung der Erde nach Osten auf diese Art der Aufrichtung der Schich- 
ten nach Westen hin von Einfluss gewesen, und sodann auch die Rich- 
tung der Gebirgsketten, der Inseln, Halbinseln und Kontinente bedingt 
habe; denn die Erde muss bei ihrer Bewegung nach Osten eine Tendenz be-. 
sitzen alle beweglichen Stoffe im Westen zurück zu lassen. Denn diese 
beweglichen Stoffe werden durch die Centrifugal-Kraft aufwärts getrie- 
ben, beharren aber noch in der geringereu Geschwindigkeit, die sie in 
der Tiefe (näher dem Mittelpunkte) besessen, müssen daher eine schiefe 
Richtung nach hinten (Westen) nehmen, und das so lange, als sie eine 
feste Unterlage finden, auf der sie fortgleiten können. Das ergibt sich 
auch aus der westlichen Richtung des Äquatorial-Stromes und aus der 
der nördlichen und südlichen Pol-Ströme, die sich mit jenem verbinden. 
Murre Brun erklärt diese Erscheinung allein aus der vis inertiae, wel- 
che die von den Polen nach den Tropen zu Kompensation der Verdun- 
stung fliessenden Wassermassen mit sich bringen, statt zu berücksichti- 


— 49 — 


gen, dass die Centrifugal-Kraft an den Polen gar nicht, unter dem 
Äquator aber im höchsten Grade wirksam seyn. Dieselbe Ursache gilt 
auch für die Richtung der tropischen Winde und der polaren Luft-Zu- 
strömungen, wo Mare Braun in den nämlichen Fehler geräth, wie oben. 
Von diesen Strömungen und Winden sind die Züge der Wilden in ihren 
Canots nach nämlicher Richtung bedingt, und so konnte schon von 
frühester Zeit an kein Theil der Erde lange unbewohnt bleiben. Über- 
lässt sich der Wanderer aber nicht mehr dem Ozean, so sucht er von 
der Küste aus freiwillig das westliche Hochland auf, oder wird durch 
neue Ankömmlinge dahin getrieben. Daher alle Nachrichten den Völker- 
wanderungen eine westliche Richtung bezeichnen, in der alten, wie in 
der neuen Welt.: Auch richten sich die Wanderungen desswegen von 
der Küste nach dem Gebirge, weil dieses ein gesunderes Klima und 
einen gesicherteren Besitz zu gewähren pflegt; die Veränderlichkeit des 
Gebirgs-Klima’s weckt manche Künste mehr, als die Ebene; so bilden 
sich im Gebirge Charakter, Energie, Verstand, Kunst mehr aus. Die 
Civilisation ging bekanntlich, so weit unsere Geschichte reicht, von 
Indien aus, über Ägypten nach Griechenland, Italien, nach dem Rheine, 
nach Britannien. 


W,„D. Conyeeare: Notitz über Warrer’s Mittheilung über 
die chung der Bergketten in kuropa und Asien (Lond. 
a. Edinb. Philos. Magaz., IS34 Januar, IV, Nro. 19, py. 1—5). 
ConYBEARE zeigt, dass schon SruckeLy (Itinerarium curiosum, pg. 3, 
4.) (vgl. Fırronv Geschichte der Engl. Geologie, in demselben Magazin 
I, 153) auf die Richtung der Gebirgsketten von Norden nach Süden und 
ihr steileres Abfaillen nach Westen aufmerksam gewesen seye, solches 
als Regel angenommen und von der Rotation der Erde abgeleitet habe. 
Auch schon Bercmann 1773, Burron 1778, Hermann, De La MertHeErıe, 
Foster, Kırwanw machten jene Bemerkungen; der erste und die letzten setz- 
ten hinzu, dass bei den west-östlichen Gebirgsketten die Südseite die steilere 
zu seyn pflege, und Kırwan insbesondere suchte diese beständige südli- 
che und westliche Steilheit von der Brandung und den Erscheinun- 
gen der Ebbe und Fluth herzuleiten. (Cfr. Encyclop. Britann., Art. 
Geology). 

In neuer Zeit ist man aber von diesen Ansichten wieder abgekom- 
men, weil genug Gebirge auch andere Richtungen haben, und weil die 
grössere Steilheit des einen ihrer Abhänge von der Richtung der Anti- 
klinal-Linie ihrer Hebung bedingt ist. Alle Nebenketten eines Gebirges 
haben nemlich ihren steilsten Abfall gegen den zentralen Antiklinal- 
Rücken, und verflächen sich nach aussen allmählich. Geht dieser daher 
von N. nach S., so haben die westlichen Nebenketten ihren Steil-Abfall 
nach O., die östlichen nach W. u. s. w. Daher man ‘in einer Gegend _ 
wohl immer mehrere Beispiele bald für die eine, bald für die andere 
Meinung finden kann. So sind die Steil-Abfälle der Asiatischen Neben- 


u. Ai — 


ketten des Ural nach Westen. Im Innern Afrika’s sind die Steilabfälle 
gewiss nicht nach W. gerichtet. — Was die Richtung betrifft, welche 
die Civilisation genommen, so würde WıALker wohl durch Lektüre der 
Werke von ApeLuns, Krarrorn, PricHarn etc. auf andere Gedanken 
kommen, 


J. F. W. Jounston: über die allmähliche Hebung des Lan- 
des in Skandinavien (James. Edinb. n. philos. Journ.; 1833, Juli ; 
XXIX, 34—48). Durch die Untersuchungen vorzüglich, weiche die 
Schwedische Akademie i. J. 1821 gemeinsam mit dem Russischen See- 
Ministerium anstellen liess, ergab sich — obschon im Baltischen Meere die 
Richtung des Windes schon allein vermögend ist, den Spiegel um ei- 
nige Fuss steigen oder fallen zu machen, und die Ausmittelung des 
mittleren Standes daher sehr erschwert — als unzweifelhaftes Resultat, 
dass eine Hebung des Landes über den Meeresspiegel in Skandinavien 
noch fortwährend Statt finde, die vorzüglich aber an den inneren nörd- 
lichen Küsten und mehr im Bothnischen, als im Finnischen Meerbusen 
bemerkbar seyn, woselbst dann die Hebung in einem Jahrhundert 3’—5° be- 
trägt. — Lyerr u. A. sind zwar der Meinung, dass sich der Grund 
des Meeres und der See’n durch Fluss- und Meeres-Niederschläge längs 
der Küste auffülle, und dass nur aus dieser Ursache mehrere Binnen- 
see’n im Umfang abgenommen, und die Seeküste zu Lulea in 28 Jahren 
eine Meile, und zu Pitea in 45 Jahren 4 M. weit ins ehemalige Meer 
vorgerückt seye. Aber es hat wirklich eine Niveau-Veränderung Statt 
gefunden, in deren Folge der obere Theil der Grundpfeiler der Gebäude 
im untern Theile von Stockholm allmählich über die Oberfläche des 
Wassers hervorgekommen, mehrere Inseln im Mälar-See ın Halbinseln 
verwandelt worden, der See am Palaste von Haga im nördlichen Theil 
von Stockholm, nachdem er an Umfang schon sehr abgenommen, durch 
Dämme 4°—5° hoch gespannt und an seinem gänzlichen Abfluss ins 
Meer gehindert werden musste u. s. w. Skandinavien ist nun das ein- 
zige Land, wo die Hebung in einem sehr langsamen Grade noch immer 
fortdauernd mit Bestimmtheit nachgewiesen ist: ein Ereigniss, welches 
aus der allmählichen Abkühlung der Erdkugel, und nur aus dieser, voll- 
kommen erklärt werden zu können scheint. Die Abkühlung nämlich 
hatte eine Zusammenziehung der Erdkugel zur Folge, welche beide 
jedoch zunächst den Polen rascher voranschritten, weil dort die Erwär- 
mung; durch die Sonne geringer ist. Als aber dort die Temperatur so 
weit gesunken, dass Wärme-Ausstrahlung im Winter und Wärme-Erzeugung 
durch die Sonne im Sommer, mit einander ins Gleichgewicht kamen, 
die Abkühlung und Zusammenziehung in den Äquatorial-Gegenden noch 
fortwährte und somit die Richtung gegen die Pole hin die des gering- 
sten Widerstandes wurde, so musste hier eine Wiedererhebung des Bo- 
dens beginnen, und je nachdem einzelne Punkte oder Linien (Spalten) 
eine geringere Stärke besitzen, als die übrige Masse, so konnte der Druck 


— 48 — 


auch auf diesen Punkten oder Linien die grösste Wirkung äussern, ein- 
zelne Berge oder ganze Bergketten mussten so emporgehoben werden, 
und das übrige Land ihnen um so mehr folgen, je näher es ihnen liegt 
oder je mehr es sogar von ihnen umgeben ist. Wo aber zwei solcher 
Linien sich näher kommen, da biegen sie gegeneinander ein und verei- 
nigen sich schnell mit einander. So geht denn in der That eine lange 
Gebirgskette durch die Skandinavische Halbinsel hinauf bis zum Nord- 
kap, und eine andere durch Finlund heranziehende, doch viel schwä- 
chere Kette biegt sich im Norden um, um sich schneller mit der erste- 
ren zu vereinigen. Wo aber zwei Hebungs-Linien zusammen treffen, 
da muss die Wirkung der Hebung auch sich stärker äussern, und so 
erklärt sich denn, warum die Hebung des Landes nach Norden zu- 
nehme, gerade am Ende des Bothnischen Meerbusens sich am beträcht- 
lichsten zeige, im Fünnischen nicht oder kaum, und im Süden des Bal- 
tischen Meeres gar nicht mehr bemerktwerde: warum sie sich endlich nach 
dem Innern des Landes, wo viele Seen durch breite Kanäle mit dem 
Meere zusammenhängen und einen Maasstab zur Vergleichung abgeben 
können, stärker als an der Küste zu seyn scheine. 

Sind nun aber gleich diese noch thätigen, hebenden Kräfte von den 
eimstigen der Art nach nicht verschieden, so darf man doch nicht be- 
haupten, dass die einstigen nicht mächtiger gewesen. War ja doch die 
Wärme der Erde einst weit grösser als jetzt, so muss auch ihre Wir- 
kung weit mächtiger gewesen seyn. Nehme man auch die Hebung im 
Innern des Gebirges zehnmal so gross, als an der Küste an, so würden 
7500 Jahre dazu gehören, um die Norwegischen Alpen von 3000° Höhe, 
und 17,500 Jahre um ihren Gipfel von 7000° emporzuheben. Dann aber 
müsste die Kirche in Alt-Upsala, einst ein Tempel des Tuor, welche 
100° über dem Mälar-See steht, einst tief unter der Erde erbaut wor- 
den seyn. Die Hebung ist also viel langsamer. — Korrespondirende 
Beobachtungen an den Felsküsten von Italien, Biscaya, West-Amerika 
wären selır zu wünschen. 


E. Tuıreıa: carte geologique du departement de la Haute Saone. 
Paris et Strasbourg, 16 pp. 4°. et 2 planches. 
Diese kleine Broschüre gibt: 

1) eine geognostische Karte in Folio des erwähnten Departenents, 
welche auf eine sinnreiche Weise einfach, und doch detaillirt 
illuminirt ist. 

2) Eine ähnliche Tafel in Folio mit 7 geognostischen Durchschnitten, 
deren Richtung schon auf jener Karte angedeutet ist. 

3) Einen kurzen Text von 4 Seiten über die einzelnen Formationen, 
ihre Glieder, ihre Synonyme und ihre Verbreitung. Man bemerkt 
Granit, Übergangs-Porphyr, schwarzen Porphyr, Übergangs-Ge- 
birge, altes Steinkohlen - Gebirge (32m), rothen Sandstein (280m), 
Vogesen-Sandstein (15%), bunten Sandstein (18=@), Muschelkalk 


—. 42 — 


(15%), Keuper (80%), Unter-Liassandstein, Mittel-Lias und Ober- 
Lias (95), eineıu ersten, zweiten und dritten Jura-Stock (292m), 
Lager von Erbsen-förmigem Eisenerz (15m), und tertiäres Süss- 
wasser-Gebilde (10), 

4) Eine Aufzählung der einzelnen Gebirgsschichten mit detaillirter 
Angabe ihrer Mächtigkeit und der in ihnen eingeschlossenen fossi- 
len Körper, — bis an die Keuper-Bildungen abwärts. 


G. Senügter: Höhenbestimmungen in Würtiemberg und 
den angrenzenden Gegenden von Baiern, Baden, Sigmarin- 
gen und Hechingen, mit Bemerkungen über deren geogno- 
stische Verhältnisse (Memmincer’s Württembergische Jahrbü- 
cher, 1832, Heft 2, — welches bei Corra 1833 erschienen und auch 
einzeln zu haben ist — auf S. 121—412). Eine Masse von etwa 1600 
Höhenmessungen, vom Vf. selbst und von Andern veranstaliet, meistens 
‚auf, oft mehrfältige, Barometer-Beobachtungen, die wichtigsten auf tri- 
gonometrische Bestimmungen und Nivellements gegründet, erscheinen 
in dieser wichtigen Abhandlung in zwei Reihen geordnet. Auf sie ist 
das von Raru verfertigte Gebirgs-Relief von Württemberg gestützt. Die 
erste Reihe enthält die Messungen des Gebirgs-Bodens nach den 64 
Oberämtern Württembergs so geordnet, dass Stuttgart, als ziemlich 
im Mittelpunkte des Landes gelegen, den Anfang macht, und die übri- 
gen Oberämter im Verhältniss als sie weiter nach den Grenzen hinrü- 
cken, darauf folgen. Bei jedem Oberamte ist die geognostische Beschaf- 
fenheit des Bodens in Hauptumrissen bemerkt, und bei jeder Messung 
angegeben, in was für einer Formation der gemessene Punkt liegt. Oft 
sind es eben die Höhengrenzen der Formationen, welche gemessen wor- 
den sind. Die zweite Reihe enthält eine Anzahl von Messungen zu 
Bestimmung des Falles des Neckars und seiner wichtigsten Zuflüsse, 
nach den einzelnen Bächen geordnet. Sie bieten folgende Resultate: 
die Flüsse des Schwarzwaldes haben den stärksten Fall; bei ihrenı Be- 
ginne jene nach der Rhein-Seite hin 500’—600', jene nach dem Neckar 
300’—400' für jede der ersten Stunden ihres Laufs durchschnittlich. Dagegen 
liegt die Quelle des Neckars selbst in der Ebene, sein Fall ist daher 
gering. Die Flüsse der Alp haben in der ersten Stunde, jene auf der 
Seite des Neckars bis 200°—300’, jene gegen die Donau nur 30'—50’, 
was dem Schichtenfalle gegen die Donax hin entspricht. Der Fall eines 
Flusses ist dann in der Regel geringer, wenn er nach dem Streichen 
einer Formation fliesst, grösser bei jenen Flüssen, die darauf eine recht- 
winkelige Richtung besitzen. Einige Flüsse erhalten da wieder einen 
stärkern Fall, wo sie in das Hauptthal einmünden. 

Diese Höhenmessungen liefern in soferne von früheren ein verschie- 
denes Resultat, als sich erst neuerlich ergeben, dass das Beobachtungs- 
Zimmer der Sternwarte zu Tübingen 1194’, und der Neckar unter der 
Brücke zu Kanstatt 669’, also beide 11‘ höher über dem Meere biegen, 


— 4M3 — 


als man früher angenommen, und bei andern darauf basirten Berechnun- 
gen in Anschlag: gebracht hatte. — Über die Höhe des Bodensee’s wa 
ren die Angaben schwankend. Im Mittel aus einer Reihe von 160 kor- 
respondirenden Beobachtungen ergibt sich die mittle Höhe desselben 
zu Friedrichshaven — 1355‘ über dem Meere. — Vom Neckar werden 
die mittlen Höhen des Wasserstandes nach den Monaten beigesetzt. — 
Den Beschluss macht eine eigene kleinere Reihe von Beobachtungen 
über die Höhen der Grenze je zweier Formationen. Die des Granit» 
Gneisses zum Sandsteine ist in 2616’ bis 963° Seehöhe, die zwischen 
buntem Sandstein und Muschelkalk in 2136°— 415°, die zwischen Mu- 
schelkalk und Keuper in 2159' — 511‘; die zwischen Keuper und Lias in 
1561°— 821’; die zwischen Lias und Eisen-Rogenstein in 1936’ 1262°, 
zwischen diesem und Jurakalk in 2617’ — 1468'; die zwischen Jurakalk 
und Molasse, gegen das Donau-Thal, in 1652’ bis 1574’. Die Gebirgsfor- 
mationen fallen im Allgemeinen vom Schwarzwalde ostwärts gegen das 
Neckar-Thal ein, von wo aus sie wieder ansteigen. Der Jurakalk und 
die nächst unter ihm liegenden Formationen fallen zugleich stark gegen 
S. und SO. Das obere Niveau der Molasse-Formation liegt sehr regel- 
mässig zwischen 1617’ und 1652‘. Ein Register über die Namen aller 
gemessenen Orte erleichtert das Nachschlagen ausserordentlich, 


Capitaine Bayrıeın: Bemerkungen über die Geognosie 
von der Nordküste des St. Lorenz-Flusses und- Golfes, 
an der Mündung des Saguenay (in 69916‘), bis Cap Whittle 
(60° L.) (Geolog. Society, 20. Nov. 1833 > Lond. a. Edinb. philos. 
Magaz. 1834, Januar, IV, 5T—52). Die untersuchte Küstenstrecke 
hat 150 Engl. Meilen Länge. Abgerundete Berge, selten von 1000° Höhe, 
durchziehen das Land und reichen stellenweise bis zur Küste; am Ost- 
Ende des Bezirkes aber liegt der Boden kaum höher als der Meeres» 
Spiegel. Das Festland wie die benachbarten Inseln bestehen hauptsäch- 
lich aus granitischen und syenitischen Verbindungen, aus Kalkstein, 
Thon, Sand und Geschieben und neuen Alluvial - Ablagerungen. Die 
Granit- und Syenit-Gesteine bilden den ganzen Gebirgs-Distrikt, mit 
Ausnahme der den Mingan-Inseln gegenüberliegenden Strecke. Doch 
kommt eigentlicher Granit nur an einer Stelle vor, da das Gestein ge- 
wöhnlich aus Feldspath, Quarz, Hypersthen und Hornblende zusammen- 
gesetzt ist. Porphyr, in Syenit übergehend, findet sich an den Fällen 
des Maniton-Flusses und Trappgänge durchsetzen den Syenit. Magnet- 
eisen findet sich in grösser Menge längs der ganzen Küstenlinie, theils 
als Fels-Bestandtheil, theils im Sande. — Kalkstein bildet die Mingan- 
und Esquimauzx-Inseln so wie das gegenüberliegende Festland, wo er 
den Syenit in horizontalen Schichten überlagert. Auch setzt er die 
ganze Insel Anticosta, südlich von den Mingans, und- das Cap Gasped 
am S.-Ufer des Lorenz-Flusses zusammen. Er ist sehr‘ veräuderlich, 
fest, erdig, sandig, schieferig oder krystallinisch, und meist reich an 

Jahrgang 1834. 29 


— 44 — 


Versteinerungen, welche mit jenen am Huron-See und bei Ouebee über- 
einstimmen. Die Schichten fallen, ausser beiCap @aspe, schwach nach 
SW. — Die Thon-, Sand- und Kies-Ablagerungen bilden eine Reihe 
horizontaler Schichten, oft bis 300° mächtig in den Thälern und Becken 
der Syenit-Berge. Der Thon liegt immer zu ünterst, der Kies meist zu 
oberst. Die Gewässer schneiden in sie ein. Konchylien werden nicht 
in ihnen bemerkt. — Die neuen Alluvioneu sind von grosser Ausdeh- 
nung und einige Strecken der Küste rücken durch sie rasch vor: ja in 
Outard-Bay (100 Faden tief) war die Oberfläche des Wassers sehr mit 
erdiger [?] Materie beladen, welche das Schiff durchschnitt, so dass 
die reine See dahinter zum Vorschein kam. Torfmoore finden sich 
nach Cap Wahittle hin, im Osten des untersuchten Bezirks, auf Syenit 
ruhend. 

Auch Zeichen von mehrfältigen Niveau’s-Änderungen hat der Vf. 
wahrgenonnmen. Auf den Mingan-Inseln sieht man eine Übereinanderfolge 
früherer Gestade, wovon das vom Meer entfernteste und nun mit Bäu- 
men bewachsene 60° über der höchsten Wasserhöhe des Meeres hat. 
In der Bucht der Sieben Inseln, so wie in einigen andern, und an der 
Ausmündung der Thäler gegen die See hin sieht man parallele Sand- 
streifen, wovon einige bis 100° erreichen und Konchylien enthalten, wie 
sie jetzt im Lorenz-Flusse leben. Diese Niveau-Änderungen schreibt 
der Vf, nicht dem Sinken des Wassers, sondern wiederholten Hebungen 
des Landes zu, da erstere in diesen Buchten nicht wohl möglich ge- 
wesen, ohne einen gleichen Vorgang im Atlantischen Ozean u s. w. 

Auf der Südseite des Lorenz-Flusses zwischen dem Meridian vom 
Saguenay und Cap Gaspe besteht das Land aus Wechsellagerungen 
von Schiefer und Grauwacke, welche an leizterem Orte von einem 
Kalksteine gleichförmig überlagert werden, dessen Versteinerungeu de- 
nen der Mingan-Inseln und des Huron-See’s entsprechen, 


J. Fıncn: Versuch über die Mineralogie und Geologie 
der St. Lawrence-Grafschaft, New York. (SırLım. Amer. Journ. 
Scienc., 1831, Januar; XIX, 220). Jene Grafschaft liegt im Norden 
von New York am Lorenz-Strome. Der Vf. begann seine Ausflüge 
von Heuvel bei Ogdensburg. Massige Geschiebe von Granit, porphyri- 
schem Granit und Gmneiss bedecken den Boden; meist sind sie von den 
südlich anstehenden Gesteinen verschieden, und müssen daher aus Ca- 
nada abgeleitet werden. — Zu Laurentia kommen viele Blöcke einer 
eigenen Gebirgsart aus Labrador, Horublende und glasigem Feldspath 
vor; sie enthalten Pargasit, Augit und schillernde Hornblende. Auch 
Massen von Sandstein und Übergangs-Quarzfels. aus der Nähe abstam- 
mend, kommen dort am Boden vor. — Denn die anstehende Formation 
von Heuvel, welche queer durch die ganze Grafschaft fortsetzt, 
ist graulich- oder röthlich - weisser körniger. Quarzfels, welcher aus 
Quarzkörnern, einem Zämente aus zersetztem ‚Feldspath, auch etwas 


=ı.din — 


Alaunerde besteht, oft zellig ist, Schichten von 2-2’ bildet, nicht 
über 10° Fallen hat, zuweilen mit Übergangskalk wechsellagert, und 
in losen Bruchstiicken zuweilen Tubiporen und Madreporen enthält. Er 
zersetzt sich nicht, ist ausserordentlich hart und der Vegetation un- 
günstig. 

Ogdensburg, die Hauptstadt der Grafschaft, steht auf Diluvial-Bo- 
den über kieseligem Kalkstein. Seine Schichten sind sehr unrein durch 
Hornstein und Thon, 4°—12‘' mächtig, gelbbraun. Bleiglanz-Geschiebe, 
bis 16 Pfd. schwer, sind im Boden gefunden worden, und die Indianer 
sollen hier stark auf dieses Mineral gebaut haben. 

Von Heuvel nach Rossie geht der Weg an dem nördlichen Gestade 
des Black Lake, durch eine ausgedehnte Formation von Quarzfels, wel- 
cher bei Richter Davızs’s Wohnung mit Kalkstein wechsellagert, und 
an einer andern Stelle, vom See gegen Hammond, mit einer 80° hohen 
Felswand plötzlich aufhört. Von Hammond nach Rossie erreicht man 
auf einem Dammwege durch ein Moor das Urgebirge, welches 20 Mei- 
len breit aus OÖ. nach W. durch die ganze Grafschaft fortsetzt, den 
Lorenz-Strom bei Chippeway-Bai und Alexandria durchschreitet, und 
wieder bei Kingston in Canada erscheint. Feldspath, Quarz und Horn- 
blende in manchfachen Menge-Verhältnissen setzen die Gebirgsart zu- 
sammen: sie bilden meist einen Hornblende Schiefer, dessen oft gewun- 
dene Schichten aus O. nach W. streichen und von kleinen Granit- 
Adern durchsetzt werden. Glimmer ist selten darin. Der daraus be- 
stehende Gebirgs-Zug ist 150° hoch und # Meile breit. Vier Meilen 
hinter Hammond geht Dolomit mit gelben Glimmerblättchen und Gra- 
phit-Theilchen, auch verwittertem Augit, zu Tage. 

Zu Rossie, am Indian River gelegen, sind ansehnliche Eisengru- 
ben, von welchen % Meil. ostwärts weisser Kalkstein mit eingespreng- 
ten gelben, braungelben und grünen Chondrodit-Körnern, mit blauen Kry- 
stallen von phosphorsaurem Kalke, mit braunem Glimmer, mit purpur- 
farbenem Flusspath in Kalkspatlı, und mit kleinen Oktaedern von Au- 
tomolith oder Zink-haltigem Spinelle vorkommen. Einige Granit - Hügel 
um Rossie enthalten kleine Schörl-Adern; Magneteisenerz soll an meh- 
reren Stellen reichlich brechen. — Auf dem Gute des Richters 
STREETER in Rossie findet sich weisser Kalkstein, glasiger Tremolith, 
Graphit-Blättchen, Kokkolith, weisse unvollständige Augit-Krystalle und 
Zoisit. — Die Eisengruben von Rossie liegen 1 Meile südlich vom Wege 
von Antwerp nach Gouverneur, 7 Meil. südwestlich von diesem Orte, 
Sie liefern: Rotheisenschaum, derb, meist aber als Überzug, — Eisenglim- 
mer, derbes Eisen-Protoxyd, Spatheisenstein, Eisenkiesel, Schwefeleisen, 
schwefelsaures Eisen, Gelbeisenocker, eisenschüssigen Quarz. 

Eine Meile südlich von Gouverneur kommen seitlich vom Wege 
grosse Feldspath- und Quarz-Felsen vor. Hier wurde eine sechsseitige 
- Säule von phosphorsaurem Kalke gefunden, 3‘ lang und 1’ dick; fer- 
ner Quarzkrystalle von A’' Länge in Kalkspath, Braunspath, weisser 
Augit, Skapolith, Kokkolith, Graphit, silberglänzender Glimmer, und 

29° 


— MG — 


Turmalin in 2° dicken Krystallen. Beim Dorfe selbst sieht man am 
Wasserbrecher nächst der Brücke krystallisirten Serpentin und Kalk- 
spath. In einem Bruche am östlichen Ufer des Oswegatchie River da- 
selbst brechen Argentin, Serpentin in Kalk, Kokkolith, Magnesit und 
Asbest. Vier Meilen NW. vom Orte ist eine Quelle, welche Pflanzen 
mit kohlensaurem Kalke überzieht. Bräunlich schwarzer Steatit kommt 
f Birreır’s Gute vor. Im Dorfe De Kalb steht Quarzfels in einiger 
Usdehnung an, und 1 Meile N. vom Orte bricht weisser Kalkstein. 

Ein zweiter Ausfiug von Heuvel war nach dem ©. und S. der Graf- 
schaft gerichtei. Kieseliger Kalk bildet den grössten Theil der Gemar- 
kungen Lisbon, Madrid, Louisville, Norfolk und Massena, auch den 
nördlichen Theil jener von Potsdam und Stockholm. Am Lorenz ist 
die Gegend eben, 10 Meilen davon hügelig, und in 15 M. Entfernung 
bergig. Eine Meile von Massena entwickeln sich fortwährend Blasen 
von Schwefelwasserstoffgas vom Boden einer Mineralquelle, und auf 
den Steinen umher setzt sich Schwefel ab. Andere, doch schwächere 
Quellen der Art sollen noch längs des Flusses vorkommen. — Zu Nor- 
folk verschmilzt man dreierlei Eisenerze: Lehm-Erz, Schrot-Erz und 
Pfann-Erz, die sich aber nur durch ihren Aggregat-Zustand unterschei- 
den. Bei Potsdam durchsetzt eine niedrige Urgebirgs-Hügelkette, aus 
rothem Granit mit wenig Glimmer und aus Hornblendeschiefer gebildet, 
den Fluss, und in einer Grube nächst der Brücke hat man grosse Kıy- 
stalle schillernder Hornblende, Talk, Sahlit, grauen Skapolith, Quarz, 
grünlichen Feldspath, Eisenglimmer-Erz und Kupferkies-Theilchen ge- 
funden. Zwei Meilen südwärts von dem Orte sind beiderseits des Flus- 
ses Brüche in Sandstein, dessen Textur mit der des Sandsteins von 
Heuvel übereinstimmt, der aber mehr durch Eisenoxyd roth gefärbt ist. 
Sieben Meilen von Potsdam, am Wege nach Pierrepont, bricht röthli- 
cher Serpentin mit Magnesit und Talk. Acht Meilen von ersterem Orte, 
am nemlichen Wege, liegen Urgebirgs-Trümmer über das Feld zerstreut: 
Granit, der aus Adular, rothem Feldspath, grünem Quarz und schwar- 
zem Glimmer besteht; Granit aus weissem und röthlichem Feldspath 
und Turmalin; brauner Quarz; 3’ dicke Turmalin-Krystalle; Augit in 
Trapp-Fels; Feldspath mit 12’ dicken Krystallen in Granit; schwarzer 
Glimmer in 7‘ langen Tafeln. Diese Trümmer scheinen nicht weit 
herbeigeführt worden zu seyn. — Von Pierrepont nach Russel sind 
Primitiv-Gesteine. Von Russel 1 Meil. N. kommt graulichweisser und 
brauner Steatit mit Quarz durchmengt, Tremolith und erhärteter Talk 
vor. Im SW. des Ortes ist ein Hügel weissen Kalkes mit kleinen Augit- 
Krystallen und Kalkspath ; ihm gegenüber setzt ein Schwefelkies-Gang 
mit schwarzem Schiefer auf. — Bei Allen’s Mühle am Oswegatchie 
sind Hügel, wo Krystalle weissen Augites von 2° Dicke, gelbbrauner 
Augit, weisse Hornblende-Krystalle an beiden Enden ausgebildet und 
bis 3° dick, in Kalkstein vorkommen; auch edler Serpentin. Eine Meile 
weiter ist ein Hügel aus stark rothem Feldspath mit kleinen Quarz- 
Theilchen. — Eine Meile von Little York, an der Nordseite des Weges, 


— 47 — 


bricht Steatit-Fels mit Seifenstein, breitblättrigem, Perl- und graulich- 
weissem Talke, glasigem Tremolith, Asbest u. s. w. 


R. Puıcries: Analyse von zwei Schwefel-haltigen Quel. 
len unfern Weymouth (Lond. and Edinb. phil. Mag. 1833, August 
p. 158. ect.). Eine dieser Quellen, unter dem Namen Nottington Spa 
bekannt, entspringt etwa 3 Meilen von Weymouth; die andere Radi- 
pole Spa, wurde erst neuerdings entdeckt, sie ist nur eine Meile von 
der Stadt entfernt. Gehalt: 


1) in der Quelle Nottington Spa: 


geschwefeltes Wasserstofgass . . ». 4,5 Kuk. Zoll 
Stickgas ° . Ü ° [} . [) “ ® ° Ü 9,4 ra nn 
Sauerstoflgass . . ». . 2.2. .:...10 —- — 


Kalk-Bikarbonat . » © 2 2 2 0 000. 33,62 Gran 
Talk- „ SUSHI TOR Are antiwer A DBHAL— 
Eisen- „ RIED IRRE NR REN 10920: 
Kochsalzuineı sy. ie ken her 197 
np REINE ENTE SEEN INEL7U 
schwefelsaurer Talk . . . 2 2...0.193 — 
schwefelsaures Natron . 2. 2 .2....189 — 
BIAUDELAENEEIER INN TE a a1 
ieselerdes iu. „I ela DL Re are en 
kohlige Substanz : 2. 2 2 2.2..2.2.0236 — 


2).In der Quelle Radipole Spa: 


geschwefeltes Wasserstoffgas . . . 6,1 Kub. Zoll 
Stickgas . ° © 0) ° . D . “ 0 10,4 Gr me 
Sauersiolleas‘ .. oe een A — 


Kalk-Bikarbonat mit einer Spur von Talk- 

Bikarbonat . 2 2. 2 2 2.» 39,41 Gran 
Eisen-Bikarbonat a N RE EN LER 
Noch salz!777.% BEER NIE III TR. 13 NSUN 
CHEMIE N ERBEN AUT ART UP 
schwefelsaure Talkerde » . 2 2.2.8449 — 
Kıieselerdet.!» , MER URN AEN- 0F0973 EPFI I 
KohligellSubstanzi HH) MR Us). 2N2927720,37 8 


Über die gseognostischen Verhältnisse der Umgebun- 
gen von Tübingen von ScuüsLer ”). Ein Bohr-Versuch, welcher in 


®) Aus einer vor Kurzem in Tübingen unter diesem Titel erschienenen Dissertation, 
welche, unter Scuüßer’s Präsidium, H. Vogeı der öffentlichen Prüfung vorlegte, 
und wovon keine Ezemplare in den Buchhandel kamen. 


— 448 — 


der Nähe der Stadt bis auf die bedeutende Tiefe von 269 Würtemb. F- 
unter die Erdfläche fortgesetzt wurde, gab die erwünschte Gelegenheit, 
den Bau der Gebirgsschichten, auf welchen Tübingen ruht, ihre Reihen- 
folge, Mächtigkeit und Verhältnisse zu den angrenzenden Formationen 
näher kennen zu lernen. ‘ T. liegt mit: seinen Umgebungen in den Ge- 
bilden der mittlern Flötz-Gebirge, welche an mehreren Stellen ‘mit Di- 
luvial- und Alluvial-Absätzen bedeckt sind. Gegen zwei Stunden weit 
nach S.W. und N.W. geht Muschelkalk zu Tag. Er fällt zwischen T., 
und Rottenburg unter das Niveau des. Neckars, ‘und liegt bei T. ‘selbst 
schon 106 Par. F. unter dem Niveau des’Flusses. Die Keuper - For- 
mation ist übrigens in den nähern Umgebungen der Stadt herrschend. 
Die höheren Stellen der Berge um 7, sind von. der Lias-Formation be- 
deckt, welche 11 Stunden ven der Stadt in zusammenhängenden Schich- 
ten auftreten, und weiter in südöstlicher Richtung mit Eisen-Rogen- 
stein und weissem Jurakalk überlagert erscheinen. Die Diluvial - Bil- 
dungen finden sich in ‚einzelnen, zum Theil Mulden-förmigen Vertiefun- 
gen und Einschnitten zwischen den Flötz-Gebirgen. Die Schichten der ein- 
zelnen Umgebungen von T. steigen westlich und nördlich gegen den Schwarz- 
wald, und fallen südlich oder südöstlich mit ihrer Annäherung zur Schwä- 
bischen Alp. — Bei Pfäjfingen u. a. e. a. O. ist die Grenze zwisehen Keuper 
und Muschelkalk beobachtbar. Sie wird durch zellige Rauchwacke gebildet. 
Der Muschelkalk ist im Ganzen arm an Versteinerungen 5; hin und wie- 
der enthälter Ammonites nodosus Scerorm. Die Höhen um 
Niederrau bestehen aus Muschelkalk-Dolomit, der sich an steilen Ge- 
hängen stellenweise deutlich geschichtet zeigt. Die Bittererde-haltigen, 
zugleich etwas Bitumen und Schwefelwasserstoff führenden Mineralwas- 
ser von Niedernax entspringen im Thale, 1108 F. über dem Meere und 
300 F. unter der Muschelkalk - Grenze. Die tieferen Keuper-Glieder, 
Sandsteine und Mergel, gehen zumal in den westlichen Gegenden zu 
Tag. Bei Wendelsheim findet man im Keupersandsteine grössere Cala- 
miten und Equisetaceen. An der Wurmlinger Kapelle erreicht der 
Keuper-Gyps eine ungewöhnliche Mächtigkeit.: Die durch ihr Vorkom- 
men bei Stuttgart bekanuten „krystallisirten Sandsteine“ findet man 
an mehreren Stellen. Sandsteine und Krystalle bestehen vorherrschend 
aus Kieselerde. Von den einzelnen Gliedern der Lias-Formation erscheint 
vorzüglich der Sandstein, seltner sind im Ganzen Liaskalk und Schie- 
fer. Der zwischen dem Lias - Gebilde und dem Jurakalk. seine Stelle 
einnehmenden Eisen-Rogenstein (inferior Oolith) fehlt zunächst um Tübin- 
gen; dagegen findet man ihn in den meisten Gegenden am nördlichen 
Abhange der Alp unmittelbar über dem Lias. Jurakalk bildet die Haupt- 
Gebirgsart der 3 bis 4 Stunden südostwärts von T, vorüberziehenden 
Gebirgskette der Alp. Zu. den der Stadt am nächsten befindlichen. äl- 
teren vulkanischen Bildungen gehört der Georgenberg. Die erhaben- 
sten Stellen dieses, eine Meereshöhe von 1876 F. messenden, Kegels 
besteht aus Basalttuf. — In dem Diluvial-Lehm wurden zu verschiede- 
nen Zeiten fossile Überreste gefunden, u. a. ein Backenzahn vom Mam- 


— 223 — 


muth und einige Schenkelknochen vom Rhinozeros. — Torf-Ablagerun- 
gen scheinen im untern Theile des Ammerthales ‚sehr verbreitet. Kalk- 
tuff tritt im Neckarthale nur bei Hirschau in einiger Ausdehnung auf; 
häufiger sieht man ihn in den Thälern am Fusse der Alp, —. Das Ne- 
ckar-Gerölle besteht aus Jura-, Lias- und Muschel-Kalk, seltner aus Bruch- 
stücken der älteren Schwarzwälder Sandsteine. Mitunter erheben sich 
seine Ablagerungen bedeutend über das gegenwärtige Fluss-Niveau: so 
u. a. bei Kiebingen, 


G. Biscnor: Bildung des Eisenockers, des Braun- und 
Gelb-Eisensteins, des Spkärosiderits, in und durch 
Mineralquellen und dureh Kohlensäuregas-Exhalatio- 
nen (in der Fortsetzung seiner Abhandlung über die Bedeutung der 
Mineral-Quellen, Schweigeer-Seiper, n. Jahrb, d. Chem. 1833, 16. Heft 
S. 420 ff). Eisenocker- Ablagerungen in der Nähe eisenhaltiger Mineral- 
Quellen, zumal da, wo viele solcher Quellen nahe bei einander entsprin- 
gen, gehören zu den gewöhnlichen Erscheinungen. So sind u. a. die, 
durch Quellen bewirkten, Eisenocker-Ablagerungen in dem Kesselthale, 
in welchem das Dorf Wehr liegt, unfern des Laacher See’s — wahr- 
scheinlich eines ausgebrannten Kraters — so bedeutend, dass sie Gegen- 
stand einer Gewinnung werden. Unter dem Ocker findet sich, in ge- 
wisser Tiefe, kohlensaures Eisenoxydul. Ebenso kam man, bei Abteu- 
fung eines Schachtes , auf einem Ockerhügel bei Burgbrohl, durch ein 
3 F. mächtiges Eisenocker - Lager, unter welchem ein 6 F. mächtiges 
Lager eines zur Braunkohlen-Formation gehörigen Thons sich befand, 
das da, wo es es den Eisenocker berührt , mit Wurzeln und Grassten- 
geln durchzogen war, und im Innern verkohlte Holzstücke enthielt. 
‘_ Unter dem Tbone traf man auf eine ungefähr 3 F. dicke Schale von 
festem kohlensaurem Eisenoxydul (Sphärosiderit), und unter der Schale 
lag Trass. Nach B. ist die Entstehungs - Weise des Sphärosiderits von 
oben herab wahrscheinlicher , als die umgekehrte Annahme einer Bil- 
dung desselben von unten herauf; denn letztere würde voraussetzen, 
dass ursprünglich eine Höhlung zwischen dem Thon und dem Trass 
bestanden hätte, welche nach und nach durch den Sphärosiderit ausge- 
füllt worden wäre. Dieser Voraussetzung steht aber entgegen, dass 
der weiche Thon wohl nicht im Stande gewesen wäre, sich selbst zu 
tragen. Bei den Ausgrabungen fanden sich, 2 F. unter dem Ocker-La- 
ger, also 5 F. unter Tag, sehr viele gebrannte Ziegelsteine von ver- 
schiedenen Formen... Mehrere davon waren Bruchstücke eines Gesimses, 
andere hohl, als wenn sie Theile einer Röhren-Leitung gewesen wären. 
Diese gebrannten Steine lagen unordentlich, theils unter, theils zwi- 
schen grösseren Grauwacke-Bruchstücken. Da letztere die gewöhnliche 
Form und Grösse der Mauersteine hatten, so gewinnt die Vermuthung 
an Wahrscheinlichkeit, dass sämmtliche Steine Überreste einer ehemali 


eh 


gen Römischen Quellen-Fassung, vielleicht eines gemauerten ‘Bodens 
bildeten. Der Trass, die Grundlage des Ganzen, welcher auf Thon- 
'schiefer ruht, ist von der relativ ältesten Entstehung. Später lagerte 
eich der, zur Braunkohlen-Formation gehörige Thon auf den Trass.. 
Zwischen beiden bildeten die Mineral-Quellen das Sphärosiderit-Lager, 
wodurch sie sich nach und nach selbst den Weg. verstopften. Dieses 
Alles geschah vor der Römerzeit. Das muthmassliche Römische Bad 
etand wahrscheinlich unmittelbar auf dem Sphärosiderit. Als später 
dasselbe zerstört und wahrscheinlich auch der Abfluss der Quelle ver- 
schüttet wurde, arbeitete sie sich durch die losen, hineingeworfenen 
Massen hindurch und kam so auf die Oberfläche über den Thon. Hier 
setzte dieselbe, unter Mitwirkung der Luft, Eisenocker ab, der nach 
und nach eine Mächtigkeit von drei Fuss erreichte. Dadurch verstopfte 
sich die Quelle abermals, suchte neue Auswege und brach an einer 
tiefer gelegenen Stelle hervor. Der Ocker-Hügel möchte wohl durch 
eine Hebung von unten entstanden seyn *). — Im Trasse des Brohl- 
:thales finden sich häufig Gang-förmige Adern, oft kaum 1 Zoll mächtig, 
die mit Braun-Eisenstein erfüllt sind und Eisenerz-Gänge darstellen, 
welche keine andere Entstehung haben dürften, als dass ehedem Eisen- 
haltige Wasser durch die Spalten flossen, darin nach und nach Eisen- 
oxyd absetzten, sich so selbst den Weg verschlossen, indem sie eine 
Ausfüllung bildeten, welche von gewöhnlichen Gängen nur in Hinsicht 
auf Mächtigkeit unterschieden ist, Auch im Basalt, in der Grauwacke 
u. 8, w. trifft man solche mit Eisenoxyd-Hydrat erfüllte Gänge *"), — 


*) Der Verf. hat versucht, durch annähernde Rechnung auszumitteln, wie viel Eisen- 
ocker eine gewisse Anzahl Mineral-Quellen in einem bestimmten Zeitraum abse- 
tzen können. Auf der Nordseite des Zuacher See's fliesst der Brohlbach dem 
Rheine zu, welcher alles Wasser vom Nord-Gehänge seiner Umgebungen, und da- 
her bei Weitem die grösste Menge dortiger Mineral-Quellen aufnimmt. Da die süs- 
sen hier zu den Seltenheiten gehören, so ist die Annahme gewiss nicht zu hoch, 

' dass die Hälfte des Bachwassers von Eisen-haltigen Sauerquellen herrühre. Die 
Wasser-Menge des Brohlbuehes wurde gemessen, und ergab In 24 Stunden 
89,856,000 Pfund Wasser. Eine der reichsten dortigen Eisenquellen hält, in 10,000 
Theilen, 0,972 Bisensxyd. Die Hälfte vorstehender Wassermenge, oder 44,928,000 
Pfund Wasser fördern also in 24 Stunden 4367 Pf, Eisenoxyd zu Tag, mithin im 
Jahr 1,595.955 P£., und in 1000 Jahren 1,593,955,000 Pfund. Ist nun das spez. 
Gewicht des Braun -Eisensteins — 4, so wiegt ein Kubikfuss. desselben 64 X 4 
== 256 Pf.;, mithin ist der kubische Inhalt dieser @uantität Eisenoxyd, als 
Braun Eisenstein gedacht, 6,226,336 Kubikfuss. Unter diesen Voraussetzungen 
können also sämmtliche Mineral-Quellen des Eaacher See’s in tausend Jahren 
ein Braun-Eisenstein-Lager von 6,226,386 Quadratfuss bilden, oder nahe ein Ach- 
tel Quadrat-Meilen von 1 F. Mächtigkeit. ? i 

®, Wie viel Eisenoeker e’'ne einzige Mineral-Quelle absetzen könne, hat der Verf, 
gleichfalls auszumitteln gesucht. Nach seiien Messnngen liefert sie in 24 Stunden 
74,048 Pf. Wasser, fördert daher 7.2 Pf. Eisenoxyd zu Tage, folglich im Jahre 
2623 Pf. Nimmt man an, dass das Wasser 1090 Jahre lang durch die Gebirgsspal- 
ten fliesse, so können sich während dieses Zeitraums nicht weniger als 2,628,000 
Pf. Eisenoxyd absetzen. Diese Masse Eisenoxyd, in Braun-Eisenstein umgewan- 
delt, kann daher eine Gebirgs-Spalte von 2 Zoll Mächtigkeit, die 2566 F. in ilırer 


— 451 — 


Bemerkenswerth ist ferner das so häufige Zusanmenvorkommen des 
Eisenspathes und des Braun-Eisensteins auf Gängen im Grauwacke- 
und Thonschiefer-Gebirge im Siegen’schen. Da stets der Braun-Eisen- 
stein in obern, der Eisenspath in untern Teufen sich findet, so stellt 
sich, nach dem Verf,, eine unverkennbare Ähnlichkeit zwischen diesen 
Vorkommen und -dem oben erwähnten des Eisenockers in oberen, 
und des Sphärosiderits in untern Teufen heraus. So wie in jenen 
Gängen der Eisenspath häufig in Braun - Eisenstein umgewandelt 
erscheint, so sieht man auch hier, wo Luft Zutritt hat, das koblensaure 
Eisenoxyd in Eisenoxyd-Hydrat sich umwandeln. Nach dem Vf, dürfte 
es bei solcher Ähnlichkeit sehr wahrscheinlich seyn, dass aller Eisen- 
spath [?] und Braun-Eisenstein in Gängen von eisenhaltigen Quellen 
herrühre. — Als Bildungen aus Quellen sind wohl auch die Wiesen-, 
Sumpf- und Morast-Erze zu betrachten, 


Durr£noy: über die Art des Vorkommens und der Zusam- 
mensetzung gewisser Thon-Silikate (Ann. des Min, Zme 
serie. T. III, 393 ete.), An vielen Orten treten an der Grenze alter 
und sekundärer Formationen Sandsteine auf, Einer der denkwürdigsten, 
mit solchen Erscheinungen verbundenen Umstände ist, dass jene Sand- 
steine sich theilweise als Erzeugnisse chemischer Prozesse darstellen, 
dass dieselben manchfaltige Mineralien enthalten, wie namentlich Baryt- 
spath, Flusspath, Bleiglanz, Blende und Manganerze. Diesen Substan- 
zen vergesellschaftet trifft man in grosser Menge Wasser-haltige Thon- 
Silikate, welche den metallischen Mineral-Körper begleiten, zumal das Man- 
ganoxyd, theils in Nieren-förmigen Massen, theils als Gangart. BERTHIER 
hat mehrere jener Silikate unter dem Namen Nontronit und Hal- 
loysit bekannt gemacht, Jenes Fossil kommt im Sandstein vor, wel- 
cher an der Grenze von Jurakalk und Granit in der Gegend von Non- 
tron auftritt. Der Sandstein enthält Bleiglanz, Blende, Fluss- und 


Barytspath, — Was die allgemeinen Charaktere der erwähnten Silikate 
‚betrifft, so zeigen sich dieselben — wenn sie noch keine Änderung er- 
fahren haben — splitterig, durchscheinend und, besonders die grün ge- 


färbten, den Chrysopras sehr ähnlich (so namentlich jene von Huel 
goät), nur dass sie stets äusserst weich sind. Der feuchten Lippe hän- 
gen sie an und saugen Wasser in grosser Menge ein. Durch den Ein- 
fluss der Luft werden die meisten unserer Silikate undurchsichtig und 
erdig, ohne dass jedoch ihre chemische Natur eine Änderung erlitte, 
Eigenschwere = 2,0 bis 2,2. Fett, mitunter fast Seifen-artig anzu- 
fühlen. Der Wasser-Gehalt sehr beträchtlich, 16 bis 25 Prozent. In 
Säuren lösbar, vor dem Löthrohre schmelzend, 

Silikat von Villefranche. Bildet kleine Haufwerke im Sandstein 
an der Grenze von Granit und Lias. Die ersten Schichten der letztern 


Dimension in die Tiefe und eben so viel in der nach der Richtung 'des Streichens 
hat, ausfüllen, und mithin einen nicht ganz unbedeutenden Eisenerz-Gang bilden. 


m Aa: — 


Formation sind dolomitisch, enthalten Galmei und hin und wieder Blei- 
glanz-Körner. Das Silikat, in äusserlichen Merkmalen wie rücksicht- 
lich seiner chemischen Beschaffenheit dem Nontronit von BerrHIer 
sehr ähnlich, ist undurchsichtig,' von splitterigem Bruche und seine Ei- 
genschwere beträgt —= 2,08. Die Analyse ergab: 
Kieselerde: 3. NE a WDR More 
Eisen-Peroxyd . . „ar... 7230,19 
Thonerde - «N ER ale 3296 
Talkerdeii.. „is EN IE RE 2 
Wasser 0 wre Ni BSR 23300 
100,20 
Sılikat von Za Youth. Die Stelle ist berühmt durch die Gegeu- 
wart eines ungemein mächtigen Lagers von rothem Eisenoxyd und von 
dichtem kohlensaurem Eisen, welches zwischen den Mergeln vorkommt, 
die den Lias von den untern Oolith-Abtheilungen scheiden. In viertel- 
stündiger Entfernung von der Eisengrube sieht man die Überlagerung 
des Granits durch Jurakalk; die Überlagerung ist bezeichnet durch 
Lias-Sandstein (arkoses), welche Eisenoxyd-Hydrat enthalten. Das 
Silikat, auffallend hydrophan, ist weich, an den Kanten durchscheinend 
und löst sich vollkommen in Säuren auf, Eigenschwere — 2,05. Der 
Luft ausgesetzt, zerklüftet sich dasselbe, zerfällt in Trümmer und wird un- 
durchsichtig. Das Resultat der Analyse war: 
Kieselerde „ . . 2 . . 2... 40,66 
Dhonerde®. en ea. 202789560 
Wassers 20 na A Wa PDArSS 
s 99,15 
Silikat von Saint Martin. In der Gemeinde dieses Namens, 
im NW. der Stadt Thiviers, findet sich eine Mangan-Ablagerung an der 
Grenze der ältern Fels-Gebilde und des untern Ooliths. Das Mangan- 
erz wird von Barytspath, Jaspis u. s. w. begleitet, namentlich auch 
von sehr Seifen-artigem Thon, welcher alle Merkmale thoniger Silikate 
trägt. Diese Arkose-Ablagerung macht die Basis des untern Ooliths, 
und nicht jene des Lias; mithin zeigt sich an der, Stelle, welche der 
Arkose einnimmt, nichts Konstantes, ein Umstand, der dadurch erklär- 
bar wird, dass derselbe keine eigenthümliche Formation ausmacht, son- 
dern nur eine Varietät von Sandstein ist, deren wesentlicher Charakter 
darin besteht, dass sie an der Grenzscheide granitischer und sekundärer 
Formationen vorkommt. Das Silikat von St. Martin enthält: 
Kieselerde ARRHRBBNG an oa 
Thonerde „01. 2: . 00. u. 932,48 
WTalkerdeh 2a 0 0 ea a 
Wasser. 2 2 0000 00000. 22,30 
99,55 


Die Silikate von Za Vouth, so wie jene der Gegend um Thiviers, 
nähern sich, was ihre chemische Zusammensetzung betrifft, sehr dem 


— 455 — 


Halloysit von Berrnier; man kann‘ sie als Abänderungen dieser 
Mineral-Substanz betrachten. 

Thone aus der Arkose der Gegenden von Brives und 
Mont-Morillon. Sie machen den Teig der wenig festen Sandsteine aus, 
die der untern Abtheilung des Ooliths angehören, und sind röthlich von 
Farbe. Auch diese-Thone tragen die Merkmale thoniger Silikate. Ihr 
chemischer Bestand ist: 


Brives: Mont-Morillon. 
Kieselerde . . 2.9 3940 all Man 26550 
Thonerde STE 28,60 Ei il DA 
Eisenoxyd. .0. 0. 10,00 0 880800 

Wasser ira. Ina x 22,00 hen. en 21,20 
100,00. 100,00 


Silikat von Huelgoät, dicht, auch erdig, im erstern Falle von 
splitterigem Bruche, durchscheinend, lichtegrün, hat einige Ähnlichkeit 
mit Chrysopras, aber es’ist um Vieles weicher, und in Säuren vollkom- 
men lösbar.  Eigenschwere = 2,25. Resultat der Analyse: 

dichte erdige 

Abänderung: 
Kieselerde . 0.7. .9:48,50 3 W. BMWAB,SZ 
Thonerde. . .:. 0 209: 831,75 ke Mei 


Talkerde nun ©% 3,80 a Sale 97 
Wassers sy us 30% 14,75 RAT, 
98,80 98,14 


Dieses Silikat findet sich auf dem obern Theil des Bleiganges von 
Huelgoät, welcher eine feldspathige Masse begrenzt; es weicht dasselbe 
folglich in dieser Beziehung von der Art des Vorkommens der übrigen 
Silikate etwas ab. 


J. Harr’s: Maschine zum Messen hoher Temperatur, be- 
schrieben von B. Harz (Proceed. of the geol. Soc. of London; 1833, 
No. 81, p. 478). Der verstorbene J. Hirı überzeugte sich, bei seinen 
Experimenten die Schmelzung‘ der Granite und anderer Gesteine 
wie die verschiedenartigen Wirkungen bei allmählichem Abkühlen der 
geschmolzenen Massen betreffend, dass dem Experimentator nothwerdig 
die Macht’ zustehen müsse, auf solche Weise die Temperatur reguliren 
zu können, dass die Natur möglichst getreu nachgeahmt werde. Zu 
diesen Zwecken erfand er die Vorrichtung, wie solche nun von B. Hırı 
beschrieben wird, Das Prinzip der Maschine beruht darauf, dass, wenn 
irgend eine Änderung der Temperatur in jenem Theile des Ofens Statt findet, 
in welchem das zu untersuchende Material 'befindlich ist, auch eine ent- 
sprechende Änderung in dem Luftzuge vorgenommen werden kann, der 
die Hitze unterhält. « Der Ofen 'hat: ungefähr 3 F. Länge, 18 Z. Weite 
und 24 F. Tiefe. Von einer Wänd zur andern erstreckt sich eine Muf- 
fel, wovon das eine Ende vermittelst eines Pflocks (Pluy) verschlossen 


— 441 — 


werden kann, versehen mit einer dünnen Glimmerscheibe, durch welche 
der Gegenstand des Versuchs sichtbar ist, und an dem entgegengesetzten 
Ende der Muffel befindet sich die Maschine selbst. Diese besteht aus einer 
Spiral-förmig gewundenen, in eine wagerechte Ebene zusammengedrückte 
Feder, welche der Muffel gegenüber ihre Stelle einnimmt, Die Kon- 
struktion der Feder beruht auf denselben Grundsätzen, wie jene in 
Harrıson’s Chronometer: zwei Metalle, denen verschiedene Grade der 
Expansibilität zustehen, sind mit eimander verbunden, und zwar so, dass 
die Feder sich öffnet oder schliesst, je nachdem die Hitze vermehrt oder 
vermindert wird, Der äussere Theil des Gewindes ist befestigt, wäh- 
rend das innere Ende an einer Axe sich befindet, welche, da sie freien 
Spielraum hat, sich herumdreht, wie das Spiral sich auf- oder abwin- 
det, oder wie die, aus dem Innern der Muffel ausstrahlende Hitze ab- 
oder zunimmt, In das äussere Ende der Axe greift ein Rad ein, um 
dessen Umfang sich ein Faden windet, der mit einem kleinen Gewichte 
versehen ist, welches steigen oder niedergehen muss, je nachdem das 
Spiral sich auf- oder zuthut. Unter dem Gewichte ist ein kleiner Be- 
cher angebracht, das Ende eines Hebels bildend, und an dessen entge- 
gengesetztem Ende befindet sich eine kleine Metallscheibe, unmittelbar 
über einer Öffnung von etwas kleinerer Dimension, und in der Nähe 
vom Ausgehenden einer langen Eisenröhre, durch welche allein dem 
Ofen Luft zugeführt wurde. Unmittelbar unterhalb dieser: Öffnung be- 


“findet sich ein anderer von gleicher Grösse, so wie eine zweite Scheibe, 


N 


verbunden mit der obern Scheibe durch einen Metall-Draht, an Länge 
gleich der Entfernung zwischen den beiden Öffnungen. Der Zweck 
beider Öffnungen ist: zu bewirken, dass oben und unten stets glei- 
che Luft-Mengen zuströmen. Wäre nur eine Öffnung vorhanden, und 


“nur eine Scheibe, um dieselben zu schliessen, so würde die eindrin- 


gende Luft solche niederdrücken und geschlossen halten; allein durch 
jene Vorrichtung wird dem Eindringen der Luft an der tiefern Öffnung, 
welche gegen die untere Oberfläche der tiefern Scheibe drückt, ein ge- 
naues Gegengewicht dargeboten. Ausser dem oben erwähnten Rade, 
um welches der das kleine Gewicht ‘tragende Faden gewunden .ist, 
hat die mit dem Spiral verbundene, Axe einen langen Arm, der bis .zu 
einem grossen, in Grade getheilten Kreise reicht. Der Arm lässt sich 
an das, das Gewicht führende, Rad befestigen und dient demnach, um. 
sehr schnell die Änderungen in der Temperatur anzuzeigen. ‘Um gleich- 
mässige Wärme zu erhalten, waren das Spiral und der Apparat über- 
haupt, in so weit solches nur möglich war, in eine mit siedend heis- 
sem Wasser erfüllte Zinnkapsel gebracht worden; so. lass die einzige 
Änderung, der das Spiral unterworfen war, von der Hitze herrührte, 
welche die Muffel ausstrahlte. — Die Wirkung des Instruments ist ganz 
einfach folgende. Nachdem die Ofenwärme den: gehörigen Temperatur- 
Grad erreicht hat, so bringt die aus der ’Muffel ausstrahlende Wärme 
eine Änderung in der Aktion des’ Spirals hervor; ‘der das Gewicht tra- 


‚gende Faden wird verlängert oder verkürzt. Nimmt die Wärme zu, so 


— 459 — 


verkürzt sich der Faden, das Gewicht entfernt sich vom einen Ende 
des Hebels, und da dem zu Folge die Scheiben am andern Ende nie- 
dergehen, so wird der Lufistrom gehemmt und das Nämliche hat hin- 
sichtlich der Ofenwärme statt, Erleidet aber die ausstrahlende Hitze 
eine Verminderung, so treten die entgegengesetzten Erscheinungen ein, 
und mit dem zunehmenden Luftstrom wächst auch die Temperatur des 


Öfens. 


H. Corra: der Kammerbühl nach wiederholten Untersu- 
chungen auf’s Neue beschrieben. (Dresden; 1833). Die eben 
so anziehende als wichtige kleine Schrift, ursprünglich nur zur Beleh- 
rung der Badegäste in Franzensbrunnen über einen oft besprochenen, aber 
von Manchen selbst heutigen Tages noch verkannten Gegenstand ver- 
fasst, verdient ganz allgemein gekannt und gelesen zu werden. C. nimmt 
an: „der Ausbruch dieses Vulkans“ — Berzerivs nennt ihn den klein- 
sten seiner Art — „sey auf der Abendseite des Hügels unter dem jetzi- 
gen hintern Rande der höchsten Höhe erfolgt. Dort habe die Erde 
auf dem Anfangs noch ebenen Boden des grossen Wasserbeckens ihren 
Schlund geöffnet und die geschmolzene Masse in das nach Morgen zu 
sanft abziehende Wasser geschleudert; so mussten nothwendig die 
Schlacken vom Wasser eine Strecke nach Morgen zu mit fortgeführt 
werden. Sie mussten sich aber, nach dem Gesetz der Schwere, allmä- 
lich niedersenken und sodann m dem Wasser die Lagen bilden, die wir 
jetzt sehen.“ Die grossen basaltischen Massen, welche an der westli- 
chen Seite des Hügels bis zur Spitze desselben ansteigen, erklärt C. 
sehr naturgemäss für das letzte Produkt des Yulkans, für eine Lava- 
Emporquellung. Nun erlosch der Feuerberg, der herausgedrängte Ba- - 
salt erstarrte, und die Wasser flossen ruhig ab, 


DE ViLLeneuve: Durchschnitt von Toulon bis zum Vulkan 
von Rougier. (Ann. des Sc. et de Vindustr. du midi de la France, No. 
3; Bullet. de la Soc. geol. de Fr. T. III, p. XXIII). Über dem 
Glimmerschiefer von Zoxlon liegen bunter Sandstein und Muschelkalk; 
letzterer führt die ihm gewöhnlich zustehenden fossilen Körper, nament- 
lich Terebrateln und Enkriniten. Der Kalk steigt nur bis zum: dritten 
Theil der Berghöhen an und wird hier von Gyps bedeckt. Weiter auf- 
wärts folgen: thoniger Kalk, Sandstein, Jurakalk, Dolomit, Grün-Sand- 
stein und Kreide. Der Basalt von Rougier tritt aus Muschelkalk her- 
vor, welcher von Grünsandstein und von Kreide bedeckt ist. 


C#. U. Suerarp: Skizze der Mineralogie und Geologie 
der Grafschaften Orange (New York) und Sussex (New Yersey) 


— 456 — 


(SırLıman, Americ. Journ. XXI, No. 2, p. 321 ete.). Beide Graf: 
schaften sind von besonderem mineralogischem Interesse. Die Manch- 
faltigkeit und Seltenheit ihrer Erzeugnisse nahmen schon im Jahre 1820 
die Aufmerksamkeit in Anspruch, und seitdem wurden jene Landstriche 
von einheimischen und auswärtigen Naturforschern zu wiederholten 
Malen mit bestem Erfolg besucht. NurraL schilderte die Verhältnisse 
von Franklin und Sparta (loc. cit. Vol. V, p. 239) und lieferte ein 
Verzeichniss der vorkommenden Mineralien (ibid. p. 296); auch trifft 
man einige Notitzen von Torrkry (Ann. of the New York Lyceum of 
nat. history. Vol. III, p. 8). Eine geologische und mineralogische 
Karte, entworfen von Youns und Heron, begleitet den Aufsatz 
Suerarns. — Vom Dorfe Goshen ausgehend, trifft man denselben Ar- 
gilit (Thonschiefer), welcher den ganzen Landstrich charakterisirt, 
wie man diess von Newburgh bis Goshen sieht. Der Weg führte über 
eine Gegend mit Wellen-förmiger Oberfläche zu den Drowned-Lands, 
durch ihre jährliche Überschwemmungen sehr bekannt; ihre Längen- 
Erstreckung beträgt 20 Meilen, die Breite wechselt stellenweise von 
ı Meile bis zu 5. Durch den sumpfigen Landstrich fliesst der Walkill 
mit kaum merkbarer Strömung; von ihm rühren zur Frühlingszeit die 
Überschwemmungen her. In dem Sumpfland werden ungeheure Auf- 
häufungen von vegetabilischem Material getroffen, dessen Oberfläche 
zu Bauboden umgewandelt und im Sommer mit üppigem Pflanzenwuchs 
bedeckt ist. In einiger Tiefe kommt überall Torf von vorzüglicher Güte 
vor. Mehrere Insel-artige Hervorragurgen sind trefflich angebaut. Die 
kleine Insel Woodville besteht aus körnigem Kalk, dem nämlichen Ge- 
stein, welches das anstossende Land zusammensetzt. — Die eigentlichen 
mineralogisch - geologischen Untersuchungen beginnen am Fusse des 
Mount Eve. Thonschiefer herrscht auch hier. Der auftretende körnige 
Kalk könnte, wegen seines Verbundenseyns mit blauem Kalkstein, als 
eine neuere Felsart angesehen werden; die von ihm umschlossenen Mine- 
ralien thun jedoch augenfällig seinen primitiven Charakter dar. Der 
blaue Kalk enthält vielen Hornstein, auch führt derselbe an mehreren 
Orten leicht erkennbare fossile Reste. Hin und wieder nimmt er einen 
oolithischen Charakter an. Die Verbindung des weissen Kalksteins mit 
dem Thonschiefer ist nirgends beobachtet worden, indem der blaue Kalk 
jene beiden Felsmassen, da wo sie einander begrenzen, stets bedeckt. 
Das gleichzeitige Entstehen des weissen Kalkes mit dem Gmeiss-artigen 
Syenit und dem Thonschiefer ist jedoch eben so wenig zu begreifen, 
als dass der blaue Kalk von Warwick mit dem im Thale von Eden- 
ville einer Bildungs-Epoche angehört. Das allgemeine Streichen der 
primitiven Schichten entspricht der Längen-Erstreckung der Bergkeiten; 
das Fallen ist gegen W., wechselnd von 40° bis zur beinahe senkrech- 
ten Stellung. Der blaue Kalkstein liegt ungefähr wagerecht; obwohl 
derselbe stellenweise ziemlich hoch gelagert erscheint. Der weisse 
Kalk, das einzige den Mineralogen interessirende Gestein, beginnt am 


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Mount Eve und erstreckt sich, ohne Unterbrechung, 25 Meilen weit 
gegen SO. nach Byram ”), Seine Breite wechselt von wenigen Ruthen 
bis zu 2 und 21 Meilen. Nur stellenweise tritt derselbe zu Tag; so 
dass sein Zusammenhang oft bloss durch zerstreute Blöcke und Trüm- 
mer, welche auf der Oberfläche des Bodens liegen, nachgewiesen wer- 
den kann. — An der südlichen Basıs des Mount Eve wurde ein Schacht 
abgeteuft in der Hoffnung, Gold- und Silber-Erze zu finden; statt dessen 
traf man körnigen Kalkstein, überreich an krystallisirten Mineralien. 
Vor Allem zeichnen sich Hornblende-Krystalle aus, welche in einem Ge- 
menge von Kalk und Skapolith vorkommen, Ferner trifft man Zirkon, 
Augit, Brucit””), Spinell und rothen Flussspath. Der Brucit, roth und 
gelb in verschiedenen Nüanzen gefärbt, erscheint eingewachsen, in 
Körnern, die zum Theil beträchtlich gross sind, und eingesprengt ih 
den Kalk-Blöcken, mitunter von. Glimmer-Krystallen und -Blättchen be- 
gleitet. Auch die grün gefärbte, mit dem Namen Pargasit bezeichnete 
Hornblende kommt in solchen Blöcken vor. Unfern Horzkıns Land- 
gut bildet Arsenik-Eisen einen Gang im weissen Kalkstein, der hier 
sehr viel Hornblende und Augit führt. Man hat diesen Gang auf 5 
bis 10 F. Tiefe aufgeschlossen. Stellenweise findet sich das Arsenik- 
Eisen in Würfeln krystallisirt (Würfelerz) und erfüllt Drusenräumen 
von nicht unbeträchtlicher Grösse. Mit dem Arsenik-Eisen wird Faser- 
Arragon (Eisenblüthe) in Adern getroffen. ‚ Skapolith, Augit und 
Sphen kommen in der Nähe vor. — Unfern des „Amity meeting house“ 
hat man an einigen Stellen den Kalk gebrochen. Bronzit, Spinell, 
Hornblende, Augit und Graphit sind die vorzüglichsten Erzeugnisse die- 
ser Gegend. Die Hornblende erscheint nicht nur in Krystallen im Kalk, 
sondern auch auf Adern. Wo Hornblende von Kalkspath begleitet in 
drusigen Räumen gefunden wird, sieht man die Krystalle der erstern 
Substanz mit groben sechsseitigen Graphit-Blättchen bedeckt. Der Au- 
git ist vorzüglich wegen der grossen Manchfaltigkeit seiner Farben in- 
teressant. Er erscheint im Kalk in kleinen rundlichen Körnern, oder 
in Massen aus scharfeckigen Körnern bestehend. Zuweilen begleiten 
ihn Kalkspath-Streifen ganz erfüllt mit kleinen oktaedrischen Spinellen 
von schwarzer Farbe und schr lebhaft glänzend. Lose im Boden trifft 
man grünlichschwarze Spinell-Krystalle, auf den Flächen mit dreiseiti- 
gen Vertiefungen; sie haben oft einen Zoll im Durchmesser. Bruecit 
kommt, vom Glimmer begleitet, ebenfalls im Kalk vor. Etwas weiter 
gegen NW. geht der weisse Kalkstein zu Tag aus. Er führt Spinelle, 
durch besonders schöne Krystallisation ausgezeichnet, auf einer 
andern Seite Pargasit und Idokras. Die körnige Abänderung des 
letztern Minerals dürfte ohne Zweifel diejenige seyn, welche Tuomson 


*) Wahrscheinlich aber setzt es noch bis Easton am Delaware fort. 
x) Chondrodit. 


— 453 — 


Xanthit genannt hat *). Auch schöne Zirkon-Krystalle kommen in 
der Nachbarschaft vor, so wie Granaten, Sphen und Apatit. — An der 
Strasse nach Layron’s Pachthof, eine Meile gegen SW. vom Amity. 
meeting house, kommen die, durch ihre Grösse und Formen-Vollkommen- 
heit so ausgezeichneten schwarzen Spinelle vor. Man hat, um ihre 
Lagerstätte genauer kennen zu lernen, den Boden bis zu einer Tiefe 
von 16 F. aufgeschlossen. Durch einen Grund, die Erde abgerechnet, 
bestehend aus einem Aggregat von Kalkstein, Brucit, Serpentin, Spinell 
in einzelnen Krystallen und in Gruppen, Hornblende- und Eisenglanz- 
Krystallen, ging man nieder. Diese Substanzen dürften ursprünglich 
auf Drusenräumen in Kalkstein vorhanden gewesen seyn. Der Spinell 
kommt im weissen Kalkstein vor. Seine Krystalle messen, um die Ba- 
sis herum, 9 bis 16 Zoll. Auch die grössten Krystalle zeigen sich voll- 
kommen ausgebildet. Häufig sind Krystalle, mit ihren Flächen parallel, 
zu grösserem geregeltem Ganzen zusammengewachsen. Die Eisenglanz- 
Krystalle, interessant durch Grösse (nicht selten 1 Zoll im Durchmes- 
ser) und Form (Fer oligiste imitatif, Hauy), finden sich in den Spinell- 
Krystallen, dieselben durchdringend, eingewachsen. — Dreiviertel Mei- 
len weiter gegen SW. werden schöne Apatit-Krystalle, begleitet von Au- 
git getroffen, so wie von Skapolith und Graphit. Diese Mineralien 
kommen im Kalk auf einem Gang-ähnlichen‘ Raume vor, der 2 bis 4 
Fuss Mächtigkeit hat. — Viele interessante Mineralien finden sich fer- 
ner in der Nähe von Danıer Lavyrons Gute: Krystalle von Spinell, von 
Serpentin, Sphen und Augit. — Beim Landgute von Moses Posr trifft 
man ebenfalls grosse Spinell-Krystalle; einer derselben wiegt 59 Pfund, 
In kleinen Höhlungen dieser Spinell-Xrysialle wurden Korund-Krystalle 
entdeckt. Öfter kommen letztere verbunden mit Hornblende vor, — 
Unfern der Amity-Kirche, in einem Walde, geht der Kalk zu Tag aus 
und zeigt sich ganz erfüllt von Brucit, schwarzem Spinell und Magnet- 
eisen-Oktaedern. Auch Hornblende und Serpentin finden sich darin. 
Bei Isaac Smiıru’s Landgut, in der Nähe von Edenville, kommen schöne 
Gruppen von Spinell-Krystallen vor in einem Aggregat aus Hornblende, 


Glimmer und Kalkstein. — Unfern des Gehänges des Bellvale-Berges 
werden Rutil-Krystalle von nicht unbedeutender Grösse in syenitischem 
Granit, zugleich mit Zirkon und Eisenkies getroffen. — Ältere Nach- 


richten reden von einem Magneteisen-Lager, das im blauen Kalkstein 
vorhanden seyn soll; wahrscheinlicher ist, dass dasselbe dem weissen 
Kalk angehört. 


*) Die Resultate seiner Analyse waren: 


Kieselerde . . 2% 2.2... 52,708 
Kalkerde RS See 186,808 
Thonerdee ° 2... 2.02 20. ..12,230 
Eisen-Peroxyd “3 SUR 2,000 
Mangan-Protoxyd . . . . . 3,680 
Wasser 2. 2. leo, = 10600 


97,576 


— 459 — 


Erdbeben in Chili. Am 26. Oktober 1829 hat ein heftiges Erd- 
beben zu Valparaiso Statt gehabt. Es dauerte 20 Sekunden, und eine 
grosse Menge Häuser wurde mehr oder weniger zerstört; doch ver- 
lor Niemand das Leben. Allein zu San Yago, wo das Erdbeben noch 
stärker war, sind mehrere Einwohner umgekonmen. Das Dorf Casa 
Blanca, das 30 Meilen von San Yago entfernt ist, liegt gänz in 
Trümmern, 


Am 26. Noveniber 1829 gegen 4 Uhr Morgens wurde zu Jassy ein 
starkes Erdbeben verspürt. Die Sıösse desselben hielten in einer zu- 
nehmenden Stärke gegen 70 Sekunden lang an. Die Bewegung kam 
in horizontaler Richtung von Westen nach Osten. Von ebendaher liess 
sich ein dumpfes unterirdisches Getöse vernehmen. Einige Kirchen 
und Gebäude haben durch bedeutende Risse in den Wölbungen Scha- 
den gelitten; ebenso sind die Schornsteine mehrerer Häuser theils ein- 
gestürzt; theils' stark beschädigt worden: Zwischen 7 und 8 Uhr 
Abends am nämlichen: Tage ward eine neue, jedoch sehr leichte, Er- 
’schütterung verspürt. — (Nachrichten aus Czernowitz zufolge wurde 
daselbst am .nänilichen Tage und zur selben Stunde, wie zu Jassy und 
zu Odessa, ein: ziemlich starkes Erdbeben ‚verspürt, — Ein sehr star- 
ker Wind, welcher sich zu Czernowitz am 26. November um. Mitter- 
naeht erhob, hatte sich, ungefähr eine Stunde vor jener Naturerschei- 
nung gänzlich gelegt. Nach dem Erdbeben erfolgte; — dessgleichen 
auch in der Moldau — ein starker Schneefall, der beinahe zwei Tage 
lang anhielt), 

(Zeitungs-Nachrichten), 


Croizer? über das Erdbeben in Awergne im Oktober 
1833. (Ann. de V’Auvergne. T. VI, p. 459 etc.) Die erste Bebung 
verspürte man in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober, Sie war nicht 
sehr heftig, desto stärker aber der Stoss am 9. um 14 Uhr Mittags: 
er hielt 3 oder 4 Sekunden an. Das Getöse, welches dem Phänomen 
voranging und dasselbe begleitete, einem unterirdischen Donner ähnlich, 
hörte man 8 oder 9 Sekunden lang, Die Katastrophe betraf nur einen 
Theil des Departements und einige Gemeinden in jenem von Cantal 
und der Hohen Loire. In den Kantonen von Ardes, Innuaux, St. Ger- 
main, Issoire und Champeix nahmen die Landleute mitten auf dem 
Felde die Bebung wahr. Mauern und Schornsteine wurden in geringen 
Graden beschädigt. Über die Richtung, welche Getöse und Stoss ge- 
nommen, ist man nicht einig; an einigen Orten kam das Getöse aus 
SW., an andern, wie es schien, aus NW. Der Himmel war bedeckt, 
das Wetter übrigens ruhig, das Thermometer 16° R.; eine Walke schien 
Regen und selbst ein Gewitter anzuzeigen. Wenige Tage vorher hatte 
es gedonnert, und dureh heftige Regengüsse waren, nach zwei trocke- 


Jahrgang 1834. ‚30 


mm RED. 

nen Jahren, die Flüsse sehr angeschwollen und hatten ihre Ufer über- 
schritten. Unmittelbar nach der Bebung erhob sich ein ziemlich leb- 
hafter NW.-Wind, und das Thermometer fiel um 3°. Gegen Abend wurde 
die Atmosphäre wieder ruhiger. Vom 9. bis zum 18. Oktober wurden 
mehrere Stösse, meist zur Nachtzeit, verspürt. Am 48., Morgens 8 Uhr 
40 Minuten, erfolgte eine Bebung weit heftiger, als jene vom 9.; das 
ganze Departement, so wie ein Theil vom Cantal und von der Hohen 
Loire empfand sie sehr stark. Der Himmel war bedeckt, aber es fiel 
kein Regen. Thermometerstand — 7°; NW.-Wind. Die Bäume in den 
Wäldern geriethen in Bewegung; mehrere Rauchfänge und Mauern be- 
kamen Risse ”) oder stürzten ein. Um Vernet senkte sich der Boden. 
— Der Verf. handelt nun von den bedingenden Ursachen der Erdbe- 
ben u. Ss. w.. 


Z 
f 


Warrerpin: über die Ableitung der Regerwasser durch 
artesische Brunnen (Bullet. de la Soc. geol: T. III, p. 320). 
Bei mehreren, im Becken von Paris angestellten, ‚Bohr-Versuchen hat 
man die Beobachtung gemacht, dass der Bohrer plötzlich einige Fuss 
tief niederfiel und so die Gegenwart‘ ziemlich‘ ausgedehnter Höblungen 
anzeigte. Ferner wurde bemerkt, dass man häufig in'grossen Tiefen 
auf unterirdische Wasser-Strömungen 'stiess, welche nicht bis zur Ober- 
fläche des Bodens emporsteigen. Jene Höhlen, diese Strömungen wur- 
den mit gutem Erfolg benutzt, um die‘ oberflächlichen, die Regenwasser 
abzuleiten. 


A. Bove: Auszug aus mineralogischen Berichten 
über Russland (aus dem Russischen Bergwerks-Journal oder Gornot- 
Journal, welches. in Petersburg jährlich in 12 Heften erscheint, von 1831 
bis August 1832, im. Bullet. geol. de France, 1833, III, pg. XLIX— 
LVII). Da wir jenes Journal nicht besitzen, so theilen wir obigen 
Auszug ‚mit, 

Eines Bergbeamten Bericht über die Bergwerke, Polens (1831, 
Vol. I, 23 und II, 122 und 433). 

Beobachtungen über das Delta der Newa und deren Flussweg 
(1832, Nro. 1, p. 1). 

Crirorisin und GovrteEw geognostische Untersuchungen über die 
Ufer der Wolga zwischen den Städten Samar und Sviarjsk (1831, 
Nro. 7, p. 15). Kreide. 

Jasıkow: über die Kreideformation und die en! Schichten im 
Gouvt. Simbirsk an der Wolga (1832, Nro. 5,.p. 155)... Daselbst 
kommen folgende Versteinerungen vor: Baculites vertebralis, 
Belemnities Scaniae, B. mucronatus, B. semicanalicula- 
tus Bıv., Lenticulites Comptoni Nıurs., Nodosaria sulcata 


#) Manche dieser Spalten in Mauern von einigen Zoll Breite sollen sich nur ge- 
öffnet haben, um sich sogleich wieder zu schliessen. 


— 461 — 


Nırs., Frondicularia complanata Derek, Dentalium, Pa- 
tella, Terebratula carnea Sow., T. intermedia Sow., T. oc- 
toplicata Sow., T. pectita Sow., T. Defrancii Br., T. aspera 
Derr., Crania, Ostrea vesicularis Lamx,, O. curvirostris 
Nırs., Pecten fragilis, P. corneus Sow., P. serratus Nıus, 
P. undulatus Nırs., P. arachnoides Derr., P. versicostatus 
Lame., Plagiostoma spinosum, P.punetatum Sow.,P.semisul- 
catum Nırs., Catillus Cuvieri, ©. Brongniarti Nırs., Penta- 
crinites, Spatanguscor anguinum, Ananchytes ovata, 
Cidarites variolaris, C. vesiculosus Goipr., C. scutiger 
Münsr., Polyparia. 

Prorasow hat eine Expedition zur Aufsuchung von Gold-Lagerstät- 
- ten in dem nördlichsten Theil des Ural’s, über die Kolonien hinaus, ge- 
leitet und seine Abhandlung darüber mit einer Karte und sechs kleinen 
Durchschnitten begleitet (18314, Nro. 11, p. 165). Das beschriebene 
Gebiet befindet sich zwischen den Flüssen Gross-Talmüa und Lozwa. 
Syenit nimmt die oberen Ufer der T’almüa ein, Kalk bildet die unteren, 
und die Seitenthäler des Irdil und Tochenka ; aus Diorit besteht der 
Rest. Gold-führende Anschwemmungen finden sich an den Bächen 
Malinowka, Cholodnaia, Bilnaia; Klein-Chapcha, Garnitchenaia und 
Olenai, ruhen meist auf Diorit und sind bedeckt von Anschwemmungen 
ohne Gold und von Torf, Am Olenai und Chupcha ist unter diesem 
Torfe noch ein Thon-Lager. 

Note über die Entdeckung Gold-reicher Anschwemmungen im Hüt- 
ten-Distrikte Goroblay datsk, und 

Beschreibung einer ähnlichen Gold-Grube, welche 1831 im Hütten- 
Distrikt Bogoslowsk entdeckt worden (1832, Nro. 2, p. 163). 

Repısortsow: Notitz über den Gold-führenden Alluvial-Sand zu 
Prinz - Alexander um die Hüttenwerke von Slatoust (1832, Nro. 6, pg. 
215). In diesem Theile des südlichen Ural folgen die Gebirgsarten unge- 
fähr in folgender Ordnung auf einander: Thonschiefer, Kalk, Serpentin, 
Kieselschiefer, Thonschiefer, Kiesel-Breccie, Kieselschiefer, Kiesel-Brec- 
cie; Quarzit, grüner Porphyr, Thonschiefer, Kalk, Mandel-Diorit. Die 
Gold-führenden Anschwemmungen scheinen hier von der Zerstörung 
der Ausgehenden der Quarz-Gänge in den Schiefern herzurühren; denn 
noch bestehen viele dieser Gänge, aber sie enthalten sehr wenig Gold, 

Rıcuter’s Beschreibung von vier Gold-Gruben zu Kaskinow in der 
Nachbarschaft von Tachkoutargansk, (1832, Nro. 8, p. 145) ergibt un- 
gefähr dieselbe Reihenfolge von Gebirgs-Arten: Thonschiefer mit Kie- 
selschiefer, Kiesel-Breccie, Talkschiefer, Serpentin, Diorit mit grünem, 
Porphyr, Kalk mit Dolomit, und Quarzit. (Nach Terrorr ist der hie- 
sige Sand der Gold-reichste von allen, und liefert die grössten Gold- 
Stücke). = 

Lisener: Geognostische Beobachtungen über den . Hütten-Distrikt 
Miask und dessen Umgegend (4832, Nro. 3, p. 309). 1) Die Ilmen- 

30 ? 


— 462 — 


Gebirge bestehen aus Granit-Gneiss und Talkschiefer mit Syenit, Lep- 
tinit, Pegmatit, körnigem Kalk und Quarzit. 2) Die Gebirge von 
Quachkowsk bestehen aus Granit; 3) die am rechten Ufer des Ouach- 
kowsk und gegen seine Mündung in den Müask aus Thonschiefer ; 
4) die von Tachkou-targawsk und Maldakaewsk aus dioritischen Fels- 
arten, Talkschiefer und feinkörnigum Granit. Die Erstreckung der 
einzelnen Gold-Ablagerungen wird noch genauer angegeben. 

JGNATIEwSsKI, anf die Entdeckung von Goldsand im Gebiete von 
Varsinsk, Gouvt. Vutka, an der W.-Seite des Ural ausgesendet, lie- 
ferte eine Beschreibung und geognostische Karte dieser Gegend (1832, 
Nro. 2, p. 170), weiche mit Kalktuff- Alluvionen stellenweise bedeckt 
ist. Diesen zur Grundlage dienen rother Thon auf buntem Sandstein 
und sekundäre kompakte Kalke in geneigten Schichten. Goldsand ist 
daselbst nicht gefunden worden, wohl aber Nester (Amas) von kohlen- 
saurem Kupfer und von Eisen, wie sie sich an vielen Stellen am Eu- 
ropäischen Fusse des Ural finden. 

Srozın : Notitz über die Gebirge des Distriktes von Jakoutsk und 
deren nutzbare Mineralien (1831, Nro. 10, p. 17). Es finden sich fünf 
Arten sekundären Kalkes mit Inbegriff eines bituminösen Kalkes, Gyps, 
bunter Sandstein und rother Sandstein. 

Über die Ausbeute an Gold und Platin, welche der Ural in den 
letzten Jahren geliefert (1831, Nro. 9, p. 479 und 1832, Nro. 3, p. 443), 
Über weitere Entdeckung von Diamanten auf den Gütern der Gräfin 
PoLier u. s. w. verlautet nichts. Vielleicht liegt der gauzen Sache nur 
der Betrug irgend eines Bergbeamten zu Grund. 

G. Rose: über die mechanische Zusammensetzung des Gediegen- 
Goldes, vorzüglich im Ural (1832, Nro. 4, p. 71). 

An den Ufern des Bolchoi, 85 Werst ven Ekaterinenburg kommen 
Nester von Smaragd in Glimmer- und Talk-Schiefern zur Seite eines 
grossen Granit-Gebietes vor (1831, Nro. 1, p. 147, und 1832, Nro, 3, 
p: 342, wit Karte und Durchschnitt). 

Anweisung an die Bergwerks-Behörden zur Aufsuchung von Silber- 
und Gold-Lagerstätten im Kolywano- Woskresenski’schen Hütten-Distrikt 
im Altai. (1831, Nro. 12, p. 371). Das Land besteht aus ‚Taikschie- 
fer, Thonschiefer, Kalk, Quarz und Diorit, Kohlen - Sandstein und 
Agglomerat. 

Entdeckung von Gold-führendem Sande und von Silbererz-Lager- 
stätten im Kolywan-Woskresenski’schen Bergdäistrikte i. J. 1831 (1832, 
Nro. 7, p. 128). Nach der obigen Anweisung wurden i. J. 1831 zwölf 
Expeditionen unternommen, um die Saluir-Berge beim Kleinen Altai 
auf Gold-führenden Sand, und die Gebirge von Cholsoun von den alten 
Gruben zu Smiernegorsk an bis zu jenen bei Sirianowsk auf Silber- 
erze zu untersuchen. Durch die erste derselben wurden zwei sehr reiche 
Ablagerungen Gold-führenden Sandes, durch die zweite zwei andere, 
die schon in Betrieb stehen, durch die dritte eine, welche viel Ausbeute 
verspricht, durch die vierte drei dergleichen entdeckt. — — Die Nachfor- 


— 463 °— 


schungen nach Silber waren weniger erfolgreich, vielleicht weil die 
Bergleute auch dabei zu sehr für die Entdeckung von Gold verwendet 
wurden. Doch fand man bei der ersten Expedition unter Ların eine 
Silber-Mine und drei Gold-Lagerstätten. Das Silber liegt auf einem 
Quarz-Gang mitten in Porphyr-Gebirgen, mit Eisenocker, kohlensaurem 
Blei, Kupferoxyd, Kupferkies und Bleiglanz. Die Sohle dieses Ganges 
ist Thon-Porphyr, das Dach Kieselschiefer; man ist bereits mit dessen 
Abbau beschäftigt. — Die zweite Expedition hat nur Spuren von ähnli- 
chen Lagerstätten entdeckt; — die dritte Quarzgänge mit oekerigem 
Eisenoxyd und Silber-haltigem Bleiglanz mitten in Wechsellagerungen 
von Thonschiefer, porphyrischem Talkschiefer und talkigem Kalksteine 
gefunden. — Die vierte endlich hat Quarz-Gänge mit Eisenocker, 
Kupferoxyd, Kupferkies und kohlensaurem Kupfer aufgefunden. (Ein 
Auszug auch bei Karsten, Arch. f. Min, V. 469), 

Kreımenov: über die geologische Zusammensetzung und den Me- 
tall-Reichthum des Kachetin-Thales und der Umgegend (1832, Nro. 2, 
S. 186): Das Thal, im SW.-Theile des Kaukasus befindlich, hat Thon- 
schiefer mit Quarz-Gängen, welche Pyrit und Bleiglanz führen. Ausser- 
dem brechen in der Nähe Feldspath-Gesteine, Kalke, Thon- und Sand- 
Alluvionen, wobei auch Goldsand. 

Voskopoinıkov: über das Steinsalz-Lager von Kagisman am Ara- 
zes im Paschalik Karsk in Armenien (1832, Nro. 7, p. 96). Granit, 
Leptinit, grüner Thonschiefer, körniger oder kompakter grauer Kalk 
bilden die Ufer des Arazes; Basalt bedeckt diese Felsarten, Tiefer 
im Flusse brechen Thonschiefer, grobe Sandsteine, und Thon von ver- 
schiedenen Farben. Zu Kers bildet zelliger Basalt die Kuppen der 
Sandsteinhügel; Trachyte und Perlite treten auf, kurz: ein grosses vul- 
kanisches System. Das Salz kommt mit Gyps in Form von Nieren und 
kleinen Gängen in gelbem und röthlichem Thone vor, welcher mit und über 
einem rothen und grauen Sandsteine gelagert ist. Dieser ruht an der 
Südseite des Thales wieder auf Granit, Kalk und Thonschiefer; an der 
Nordseite kommt nur grober Sandstein und rother Thon vor. Grosse 
Anschwemmungen und zu Pudding gebundene Blöcke von den obenge- 
nannten Felsarten und von Quarz bedecken die Salz-führenden Schich- 
ten und die Oberfläche des Thales, 

Voskoroinıkoy und J. GourRIEv: geognostische Beschreibung der 
Halbinsel Taman im Kosacken-Lande am Schwarzen Meere (1832, 
Nro. 1. p. 21). Alles Gebirge ist tertiär: Subapenninen-Thon, Mergel, 
Sand, Kalk, zum Theile mit Korallen, mit Gyps und Eisenhydrat, wel- 
che in geneigter Schichtung mit einander wechsellagern. Der Mergel- 
tbon führt Lignit, Pyrit und Selenit-Krystalle, Die Halbinsel bietet mehrere 
Naphtha- oder Steinöl-Quellen, und mehrere kleine Vulkane, von Parras, 
Pırror und EncerHarpr beschrieben, hauchen Kohlenwasserstoff-Gas 
aus. Jm J. 1805 haben sich dergleichen im Meere selbst unter Wasser 
gebildet und sich allmählich über den See-Spiegel erhoben, um dann 
wieder von den Wellen zerstört zu werden. Auch die anderen jener 


— 1a  — 


Vulkane sind nicht weit vom Meere und zweifelsohne im Zusammen- 
hang mit demselben. 


P. E. Borta: Beobachtungen über den Libanon und Anli- 
ibanon (Mem. soc. geol. France 1833. I. 134—160 Tf. XII). Der 
Verf. hat den Theil der Libanun-Kette vorzüglich studirt, der zwischen 
dem eigentlichen Libanon, dem höchsten Punkt im Norden, und dem 
Sannine (Antilibanon), dem höchsten Berg im Süden, oder, an der Küste 
unmittelbar genommen, zwischen Trpoli und der Mündung des Hunde- 
flusses liegt. Diese Kette steigt vom Meere her ziemlich steil, in meh- 
reren hintereinanderliegenden Gebirgszügen, vom Lande aus aber fast 
senkrecht und ohne Unterbrechungen an. Die Thäler sind eng und tief, 
ausser Verhältniss mit den Bächen, die sie durchströmen, und ohne 
herrschende Richtung. Die Thalwände bestehen bald aus einer langen 
Reihe übereinanderliegender Schichten, bald aus einer einzigen Schicht, 
deren Oberfläche steil aufgerichtet ist. Die geognostischen Resultate 
der Beobachtungen in der Libanon-Kette sind folgende, 

Es lassen sich dreierlei Gebirgsarten unterscheiden. A. Die oberste 
besteht aus einem in Ansehen und Härte sehr veränderlichen Kalke, der 
mit Kalkmergeln wechsellagert und zuoberst mergelig und ohne Horn- 
stein, in der Mitte aus schwachen Kalkschichten von abwechselnd un- 
gleicher Härte mit Hornstein in Bänken und Nieren gebildet und mit 
Fischen *) und Seeigeln versehen ist, zu unterst aber Wechselschichten 
von löcherigem Kalk und Mergeln voll Hornstein darstellt, — B. Die 
zweite Gebirgsart ist sandig, von ungleicher Mächtigkeit. Zwischen 
ihr und der vorigen befindet sich eine Anzahl von gelben kieseligen 
Kalkschichten und eine deutliche Lage löcherigen Kalkes, worunter 
das Gebirge daun mehr und mehr sandig wird, bis es in einen harten 
Sandstein übergeht. Er ist sehr eisenschüssig, enthält Eisenerze und 
Lignit-Ablagerungen. — C. Die dritte, unterste Gebirgsart am Libanon 
besteht aus zahlreichen Schiehten löcherigen Kalkes, wovon die ober- 
sten Hornstein enthalten “”). — Die Gesteinschichten fallen mit den 
Berghängen nach beiden Seiten ab; auf den Höhen biegen sie sich 
durch die horizontale Lage um; auf untergeordneten Gebirgskämmen 
aber neigen sie sich mehr nach dem auf dieser Seite eben herrschen- 
den Fallen. — Diese Verhältnisse zu erklären scheint es am natürlich- 
sten, eine Emporhebung nach einer Linie anzunehmen, die dem Kamme 
oder Rücken der umgebogenen Schichten parallel, doch etwas westlich 


*) Das Ansehen des Gesteins, die Beschaffenheit der Fischabdrücke und ihre Verge- 
sellschaftung mit Comateln erinnern — nach den durch HemrrIcH uud EHrEN- 
BERG nach Berlin gekonimenen Mustern, — aufs Lebhafteste an die lithographischen 
Schiefer Pappenheims, jene Reste gehören jedoch wohl zu denen der Kreide? Br. 

»?) Herr Bov& sieht es, nach Vergleichung der vom Vf. eingesandten Sammlung als 
fest ausgemacht an, dass diese dreierlei Gebirgsarten dem unteren er 
dem Grünsand und dem oberen Jurakalke entsprechen. BR. 


— 465 — 


von der Gebirgs-Achse hinzieht. Je weiter nach Norden, desto schmä- 
ler wird die gehobene Masse. ‘Indem die untersten Schizkten emporge- 
hoben wurden, barsten die oberen und wichen vom Rücken nach bei- 
derseitigen Abhängen auseinander, so dass erstere bald durch deren 
Öffnung über sie emporsteigen, bald nur in der Tiefe der letztern sicht- 
bar werden, so dass sehr häufig die physischen Niveau’s der Ausgehen- 
den einer Schichte an. zwei Thalseiten sich durchaus nicht entsprechen, 
und auf einer Seite die ältere Formation viel höher gehoben ist, als die 
jüngere auf der audern, oder vertikale Schichten ganz nahe neben hori- 
zontalen derselben Gebirgsart anstehen. — Längs der Küste, immer 
unter der Linie, bis zu welcher die Wogen reichen können, sieht man 
auf dem Seesande an vielen Orten Puddinge von offenbar sehr neuer, 
noch fortdauernder Entstehung. Man kann sich die geognostische Karte 
der Gegend so versinnlichen : zwischen. dem Antilibanon und der Küste 
erscheint ein länglich gleichschenkeliges Dreieck mit nach Norden ge-. 
kehrter Spitze, aus der Gebirgsart C. bestehend. Um dasselbe ziehen 
parallele Bänder der übrigen Formationen und ihrer Glieder, die ähnli- 
che aber immer grösser werdende Dreiecke bilden, deren westliche 
Ecke dann bald ins Meer fällt, und wovon die obersten Schichten von 
A mit ihrem spitzen Winkel auf den Libanon fallen, und mit ihrem 
östlichen Schenkel über die ganze Kette und den Antilibanon wegzie- 
hen, mit regelmässig horizontaler Schichtung. Sie bestehen aus Quarz- 
und Kalk-Geschieben, denen der Küste ähnlich, von feinstem Korne bis 
zur Grösse eines Apfels, und sind, wie es scheint, durch ein Kalkzäment, 
gebunden. Wenn sie beginnen sich aus dem Meere zu erheben, sind 
sie weich; erhärten aber allmählich sehr; einige erinnern beim ersten 
Anblick an die sich noch bildenden Puddinge von Palermo und Messina. 
Von Konchylieu können sie nur wenige Spuren enthalten, da diese über- 
haupt an der Küste rar sind. 

Wir heben aus den Details nur noch ‚einige Bemerkungen über 
Knochen-Höhlen und-Breccien heraus. (8. 148— 149). Eine 
Knochen-Breccie nämlich findet sich in der Höhle, woraus der Hunde- 
fluss am Fusse des Antilibanon entspringt, und in mehreren andern Höh- 
len der Kette. Jene Höhle liegt im unter» Theil der Formation C, ist 
nieht sehr tief, mit herabhängenden Stalaktiten geziert. Einige Schritte 
höher, 40° über dem Flusse, ist eine zweite Höhle mit engerer Öffnung, 
sehr weit und horizontal in die Bergseite hineindringend, Sie theilt 
sich in Zweige, wovon einige mit voriger zusammenhängen. Die rund 
gewölbte Decke ist mit Stalaktiten bekleidet; der Boden besteht aus 
einer schwarzen fetten Erde, worin Quarz- und Kaik:Blöcke und -Ge- 
schiebe nebst Knochen - Trümmern und Land-Konchylien liegen. Am 
Eingang liegt eine 12'—15’ lange, 7’—8' breite Schichte yon unbekann- 
ter Dicke. aus durch Kalkzäment;gebundenen Geschieben. Knochen von 
‚ Wiederkäuern, Ziegen ete. sind. so häufig darin, dass jeder Hammer- 
schlag dergleichen; entblösst;; auch. Konchylien kommen darin vor, zu 
Helix, Turbo etc. gehörig, also: theils Land-, theils See-Bewohrer 


406 '— 


von Formen, wie sie noch jetzt dort leben. Einige Trümmer von Töpfer- 
waare sind ebenfalls in der Breccie bemerkt worden, Andere Knochen 
sind durch Kalk-Inkrustationen an den Wänden befestigt, und Spalten 
und Löcher 4'—5‘ hoch über dem Boden sind damit angefüllt. Dr, 
Henensops hat eine, m Lagerung und Menge der Knochen sehr ähn- 
liche Höhle an der Quelle des Baches Eut Elias entdeckt; sie ist wei- 
ter, nicht so tief, und besitzt ebenfalls eine Knochenbreccie-Bank neben 
dem Eingange. Eine dritte Höhle an der Strasse von Tripoli enthält 
wenige Knochen. 


A. Eıron: über Crotalus? reliquus oder Arundo?P cro- 
taloides (SırLım. Amer. Journ. of Scienc. 1831. April; XX, 122—123 
tb. IV). Dr. Rose zu Montrose in Susquehanna, Pensylvanien, schickte 
an Earon einen fossilen Körper, oder vielmehr Abdrücke aus der dorti- 
gen Grauwacke der Anthrazit-Formation (oder aus der anasphalti- 
- sche Kohle Earon’s?) ein, den dieser nicht zu bestimmen vermogte, 
und unter Beifügung der 2 obigen zweifelhaften Namen in SıLLıman’s 
Journal abbilden liess, um das Urtheil der Kundigen zu vernehmen. 
Jene Grauwacke, Glimmer-frei, enthält eine Menge von Schilf-, Fahren- 
und Palmen-Abdrücken. Auch W. Cooper am New-York Lyceum soll 
es für eine Arundinacee erklärt haben. 


Dagegen reklamirt dieser letztere später (Sır.ım. Journ. 1831. 
July; XX, 415): das seye ihm nie ringefallen. Jener organische Ab- 
druck seye ein Lepidodendron von STERNBERG und BRoNGNIRT, 
das man zu den Lycopodiaceen rechne, dergleichen in SırLımamn’s 
Journ. Vol. III, bei Pırkınson u. s. w. mehrere abgebildet worden. 


v. STERNEER@’sS Urtheil haben wir schon früher mitgetheilt (Jahrb. 
1833. S. 619), da das Amerikanische Journal durch Verspätung uns 
lange nicht zugekommen, 


Hruser: Beiträge zur Kunde der jüngern Flötz-Gebilde 
in den Weser-Gegenden (Stud. d. @ötting. Vereins bergmänn. 
Freunde 1833, Ill, 207—218). 

1) Flötz-Dolomit, 

A. Die Jura-Formation (Lias nach Hausmann’s früherer Ansicht) des 
Amtes Rodenberg enthält zwischen den Dörfern Aptern und Pohle 
einen ausgezeichneten Dolomit mit deutlicher Schichtung, = 
körniger Textur und grauer Farbe. — 


u. do u 


B. Ein anderer findet sich in der Buntmergel-Formation bei Lemgo als 
untergeordnetes Lager zunächst dem Muschelkalke; er ist lichter 
und grobkörniger. Die Zusammensetzung von beiden ist: 

A. B. 
Kohlensaure Kalkerde . . 2 . » 0,643 . . . 0,650 
_ Talkerde . 2 . » 2. 0261 . . . 0,249 
_ Eisenoxydul . . . . 0,066 . . . 0,070 
Unauflöslicher Rückstand 205205005 %7.  , 705005 


Mechanisch gebundenes Wasser . « . 0. 0,008 
bei Verlust von . . . 202 00N.882.0,.0257.° 2) 7.%80,018 
1,000 1,000 


2) Zink-Blende im Gryphiten-Kalk. :Sie kommt auf drei- 
fache Weise vor. a) Höchst fein eingesprengt, in kleinen derben Par- 
thieen ünd feinen Schnürchen in den Nieren des thonigen Sphärosideri- 
tes der Lias-Mergelschiefer; nie in den Schiefern selbst, noch im Kalke. 
b) Im Obernkircher Revier (Schacht Nro. XIII) in Bivalven-Versteine- 
rungen einer 4° mächtigen Schichte mitten in einem mergeligen Schie- 
ferthon aus den oberen Lagern der Gryphitenkalk- (? vielmehr Jura- 
kalk-) Gruppe; kaum aber in den übrigen Theilen dieses Schieferthons, 
und gar nicht in einem unterteufenden, 6 Lachter mächtigen Sandstein. 
Manche der hier zahlreichen Bivalven haben eine Schaale aus späthi- 
gem Stinkkalk und sind innen wieder mit der Lager-Masse ausgefüllt; 
andere sind inhen hohl mit einer Auskleidung von kleinen Krystallen 
weissen Kalkspathes, auf welchem dann die schwarze Zinkblende in 
unvollkommenen, doch bis 4‘ langen Krystallen liegt. c) Am Deister, 
insbesondere am Süerser Brinke unweit Egisdorf, hat man mit einem 
Schachte ebenfalls ein Schieferthon-Lager durchsunken, dessen Kon- 
chylien eine Schaale hatten, die selbst aus brauner Zinkblende bestand. 

3) Eigenthümlichkeiten des rothen Mergels in der 
Buntmergel-Formation. Letztere ist hauptsächlich aus  rothen 
und grauen Mergeln zusammengesetzt. Wo die rothen Mergel herr- 
schend sind, finden sich Bergkrystall und Schwefelkies, die in den 
grauen fast nie fehlen, gar nicht. Während der rothe Mergel den Gyps- 
stock unweit Vlotho rindenartig umgibt, und selbst in ihn eindringt, 
ist er selbst von grauem Mergel mit Schwefelkies und von mergeligem 
Sandstein begrenzt. Jene rothe Farbe deutet schon die Oxydation 
des zertheilten Eisens an, welches sich, wo Schwefel vorkam, sammelte 
und mit diesem verband; während dagegen da, wo Kalkerde in der 
Nähe war, diese sich den Schwefel aneignete und das Eisen frei blieb. 
Sehwieriger ist die Beziehung zwischen Bergkrystallen und grauen 
Mergeln zu erklären. 

4) Alaunsvhiefer im bunten Mergel über dem Muschelkalk 
findet sich bei Vlotho an zwei verschiedenen Stellen: bei Seebrok im | 
Kirchspiele Walldorf, und zwischen den Dörfern Babenhausen und 
Hollwiesen. Es ist ein an bituminösen Theilen sehr reicher Schiefer- 


— 468 — 


thon voll kleiner gelber Schwefelkies-Klümpchen, An der ersten Stelle 
war der Alaunschiefer in alter Zeit Gegenstand bergmännischen Be- 
triebs, An der zweiten ist er nur durch einen Wasserriss entblösst, 
einige Lachter mächtig, 


Hiegert: Mittheilungen über den Süsswasserkalk der 
Steinkohlen-Formation zu Burdichouse bei Edinburgh (Procee- 
dings of the roy. Society of Edinb. — Jımzs. Edinb. n. phil. Journ. 
1834, Jan. ...). Von Joppa, an der Küste des Firth of Forth, S. 
und SW.-wärts bis zu den Pentland Hills gehen Bergkalk-Schichten 
stellenweise zu Tage, deren meerischer Ursprung durch Stylastriten, 
Produkten, Korallinenu.s. w. angedeutet wird. Zwischen Edmonstone 
‘und Muirhouse, insbesondere bei Bourdiehouse, erlangt er 12'’—20’ 
Mächtigkeit. Er selbst wie der überlagernde Schiefer und Sandstein 
sind vielfältig zerrissen und gehoben durch eine von NO, nach SW. 
wirkende Kraft, wodurch die Schichten unter 25° SO. einfallen und 
“weiterhin mit jenen höhern Schichten unter die Steinkohlen-Gebilde von 
Gilmerton, Loanhead u. s. w. einschiessen. Er bedeckt eine 27° mäch- 
tige Schichte von Süsswasserkalk, welche unterteufet wird vom Schie- 
fer, der ein 1° mächtiges Kohlen-Lager enthält und sich über fast senk- 
rechte Sandstein-Schichten erstreckt. Jener Süsswasserkalk ist hart, 
dicht, zuweilen durch zwischenabgesetzte bituminöse Materie schieferig, 
nie krystallinisch, von verschiedener Farbe und reich an organischen 
Überresten, welche eben keine eigenthümliche Entstehungsweise andeu- 
ten, insbesondere an Pflanzen, wie Sphaenopteris affinis, Sph, 
bifida, Lepidostrobus variabilis Linor., Lepidodendra, — 
dann an Süsswasser-Fischen aus der Familie der Cyprinoiden, 


wovon ein Bruchstück ein 1° langes Individuum andeutet”); — an zahl- 
losen kleinen Crustaceen, aus dem Geschlechte Cypris, — an 
kleinen Conchiferen, — endlich an grossen Koprolithen, — ohne 


alle Meeres-Erzeugnisse 


Zusätzein einem Briefe an Prof. Jameson über Sau- 
rier-Reste in demselben Kalke, AlsHısserr später mit Wırsam 
jene Steinbrüche wieder besuchte, erhielt er von einem Arbeiter einen 
wohlerhaltenen Reptilien-Zahn von 24° Engl. Länge uud mit einem nussbrau- 
nen glänzenden Schmelz-Überzug versehen [unsere Taf. VI. Fig. 2]. Eriist 
den Zähnen des Gavials im Ganges sehr ähnlich, hat jedoch nach oben hin 
tiefe Streifen, wie die der Ichthyosauren, welche allerdings als Mee- 
res-Bewohner gelten *”). — Inzwischen hat schon Ure (History of Ru- 


*) Ziei beigefügten Abbildungen zufolge (Fig. 3, 4:) sind diese Fische keineswegs 
Cyprinoiden, sondern charakteristisch Ganoides Heterocerci, mit Ne- 
benstrahlen auf den Flossenrändern, dem Palaeoniscum ähnlich, aber das eine 
Exemplar mit bis zum Schwanze fortlaufender Rückenflosse, Br. 


%*) Ein später gefundener Zahn hat nach einer vom Vf. mitgetheilten Skizze sogar 31 fa‘ 


— 469 — 


therglen) i. J. 1793 einen sehr ähnlichen Zahn abgebildet, welcher un- 
mittelbar über der Kohle gefunden worden seyn soll. — Auch einige 
Wirbel, zweifelsohne von Sauriern, sind zu Burdiehouse gefunden wor- 
den, und vor einigen Tagen hat Arru. Conner Kalkbruchstücke mit 
grossen, prächtig glänzenden Schuppen dort bekommen. Er beabsich- 
tigt auch eine Analyse der Koprolithen zu veranstalten. 


Hiegert: Nachträgliche Bemerkungen über jenen Süss- 
wasserkalk (James. Edinb, n. philos. Jonrn. 1834, April......). 
Die Edinburger Sozietät liess durch ihren Sekretär Rorıson weitere 
Nachsuchungen anstellen, wobei noch Fische aus dem Geschlechte Pa- 
laeoniscum, grosse Schuppen, wahrscheinlich von Sauriern, 
Wirbel-Epiphysen, Bruchstücke von Knochen und Zähnen, deren innere 
Beschaffenheit auf einen Zahnwechsel hindeutet, wie beim Gavial, da 
sie an der Basis hohl sind und kleine nachwachsende Zähne einschliessen, 
entdeckt wurden. — Der Süsswasserkalk kommt jedoch auch noch an andern 
Orten in dieser Formation vor. So SW. von Mid Calder und zu East Cal- 
der, wo man in einem Steinbruche von unten nach oben verfolgen 
kann: Sandstein; — gelblichen Kalkstein, 16°; — Kalkstein mit vege- 
tabilischen . Resten der Kohlen - Formation und Saurier-Schuppen, 
43’; — bituminösen Schiefer, entzündlich, 9'5 — Schiefer 16°; — 
Alluvial-Land. — So ferner zu Kirkton, 1 Meile östlich von Bathgate, 
wo in einem Steinbruche die verschiedenartigsten Erd - Materien 
bandartig in verschiedene, oft ausserordentlich dünne gewundene Schich- 
ten getrennt sind: reiner Kalkstein, durchscheinender Hornstein (dem 
Feuerstein ähnlich), thonartige Erde, fast wie Porcellanit, eisenschüs- 
sige und bituminöse Schichten u. s. w.; oft zeigt der reinere Kalkstein 
eine kugelig-konkrezionäre Struktur. Aus dem Umstande, dass grünli- 
cher Trapp-Tuff in Form eines heissen Schlammes an verschiedenen 
Orten zwischen die Schichten eingedrungen ist und Lagen bis zu 9° 
Mächtigkeit bildet, erhellt, dass die Kalkschichten von Kirkton mit einem 
vulkanischen Heerde in Berührung gewesen, welcher wahrscheinlich 
heissen Quellen Entstehung gegeben, deren Erdniederschläge zur Bil- 
dung dieser Gesteine wieder mit beigetragen haben. Fahren, jenen 
der Steinkohlen-Formation ähnlich, sind auch in diesem Süsswasser- 
kalke gefunden worden; Fische nicht; wohl aber, wie es scheint, ein‘ 
Schildkröten-artiges Thier“). Die obersten dieser Schichten wechseln 
mit thonigem Schiefer, oder werden davon überlagert. Alle fallen nach 
W. oder NW. ein, werden dann von Wechsellagern von Sandstein und 


Engt. Höhe auf 2%“ unterer Dicke, ist regelmässig Kegel- ns) oben: ee? 
unten etwas mangelhaft, fein gestreift (Taf. vn. 
*) Einer brieflichen Nachricut des V£s, zufolge wäre eine Schildkröte wirklich serin- 
den worden, welche am meisten der noch lebenden Süsswasser-Schildkröte Chelys 
matamata gliche, | D.R. 


— 410 — 


Schiefer bedeckt, auf welche 4 Meile vom Kirkton Bruche dicke Kalk- 
stein-Schichten mit See-Konchylien und Korallinen folgen. — [Einer brief- 
lichen Nachschrift des Vfs. zufolge sind später noch Saurier-Reste in 
andern Theilen der Kohlen-Formation dort in der Nähe entdeckt worden]. 


W.D. Conyseare: über Hisgerr’s Entdeckung von fossilen 
Fischen, Saurier-Zähnen u, a. Resten im Kalke von Bur- 
diehouse bei Edinburgh (Lond. a. Edinb. Philos. Mag. IV; Nro. 19; 
1834, Januar, S. 77—79). Nachdem ConyBEaAre einen Auszug aus 
dem ersten obigen Aufsatze gegeben, äussert er die Meinung, diese 
Schichte könne für gleichalt mit dem bituminösen Schiefer von Caith- 
ness gehalten werden, worin Sepewick und MurcHiıson 1830 so viele 
(anscheinend Fluss-) Konchylien und Fische entdeckten. Er er- 
innert zugleich an den Saurier-Wirbel, welchen, nach Lyerr (Prin- 
cipl. I. 129.) Cu. V. Vernon im Bergkalk von Northumberland gefun- 
‚den; an den Monitor, der im Kupferschiefer Thüringens mit Süss- 
wasser-Fischen [??] vorkomme [die Ichthyosauren, Plesiosauren 
etc, des Muschelkalks bleiben unerwähnt]; endlich an die zahlreichen 
Reptilien des Lias, in welchem in England, — mit Ausnahme obiger 
2 Fälle, — die Reptilien zuerst auftreten. 


R. J. Murcutsson: Süsswasserkalk zwischen den Kobhlen- 
Lagen bei Shrewsbury (ibid. 1834, Fehr. IV, Nro. 20, S.158—I59). 
Eine Süsswasserkalk-Schichte mit Süsswasser-Konchylien hatte M. schon 
früher als Fırron, und zwar 1831 bei Pontesbury, Uffington, Le Bot- 
wood zwischen der oberen und der Central-Kohlen-Lage gefunden, und 


1832 bestätigt. (Proceed. Nro. 31; > Lond. a. Edinb. phil. Magaz. 
III. 225). 


"UI. Petrefaktenkunde. 


K. F. Kröven: die Versteinerungen der Mark Branden- 
burg, insonderheit diejenigen, welche sich in den Rollsteinen 
und Blöcken der sSüdbaltischen Ebene finden (378 SS. und 
X illum. Tfln., 8%. Berlin 1834). Diesem Werke ist eine Reihe ver- 
wandter Untersuchungen schon vorausgegangen; es ist als das Resultat 
langjähriger Forschungen zu betrachten, dessen Zweck, ausser der bes- 
seren Kenntniss der fossilen Reste an und für sich selbst, hauptsäch- 
lich der ist, über die Formation der Geschiebe, in welchen jene Ver- 
steinerungen sich finden, und über die Gegend, woher jene Geschiebe 
gekommen seyn mögen, ein neues Licht zu verbreiten : eine Forschung, 


— 41 — 


welche gewiss vom grössten Interesse für die Wissenschaft ist. Voraus 
müssen wir indessen noch bemerken, dass die fossilen Reste, so gross 
auch ihre Anzahl ist, doch hauptsächlich nur aus der Nähe von Berlin 
und Potsdam entnommen sind, die eigentliche Mark aber in Rücksicht 
auf dieselben noch fast gar nicht untersucht ist. 


Die wesentlichste Inhalts-Übersicht des Buches ist folgende; 


1. Einleitung 8. 1—11. 

Il. Geschichte des petrefaktologischen Studiums in der 
Mark, S. 12—32, 

UI. Nachweisung der benützten Hülfsmittel (Sammlun- 
gen, Bücher) S. 33—43. 

IV. Schwierigkeit des Studiums und der Bestimmungen 
S. 43—50. 

V. Gesteine und Lager der Mark, welche Versteinerungen 
führen S. 50—614. 

VI. Aufzählung und Beschreibung der Petrefakten 
S. 65—506. 

vll. Vergleichende Übersicht des geognostischen Wer- 
thes der Versteinerungen, S. 306—354. 

VII. Über das ursprüngliche Vaterland der Märkischen 
Geschiebe und der in der'Südbaltischen Ebene ver- 
breiteten Rollsteine und Blöcke überhaupt, 
S. 354—374. 

IX. Erklärung der Abbildungen: S. 375—378. 

Die vom Verf. benützten Sammlungen Märkischer Versteimerungen 
sind seine eigene, — die des Potsdamer Gymnasiums; — in Berlin die 
des Dr. Diezirz, die ehemalige Errzster’sche, die des Dr. Kuntzmann, 
die des königlichen Museums, die des Geh. Rathes Marrın, die der 
Gesellschaft Naturforschender Freunde, die GrausaLkt's. Zur Verglei- 
chung und Bestimmung bei dieser Arbeit dienten die Versteinerungen 
der Lieferungen des Heidelberger Komptoirs und die von GoLpruss 
etiquetfirte und nach Berlin gesandte Sammlung von Doubleten 
von Bonn. 

Die Schwierigkeiten bei diesen Untersuchungen sind weit grösser 
als gewöhnlich, indeın Heimath und Formation hier kein oder wenig 
Anhalten biethen und die Versteinerungen meist fast in Geschieben 
eingeschlossen liegen, aus denen sie beim Zerschlagen nur theilweise 
heraustreten und zerbrechen; denn wo die Gebirgsart eine losere Be- 
schaffenheit als der organische Überrest hat, da ist sie sicher schon 
längst zerstört worden. - 

Die Mark ist eine von Süden nach Norden sich senkende, flach 
wellenförmige Ebene, deren grössten Erhöhungen bis 500° betragen? 
ein Sand- und Heide-Boden von tiefen und ebenen Flussthälern durch- 
schnitten, worin Alluvial-Gebilde, wie Dammerde, Wiesenmergel, (Schne- 
ckenmergel), Torf, Raseneisenstein, Schlamm, Sand und neuester Süss- 


— 42 — 


wasserkalk die ältere Unterlage bedecken; auf den Höhen kommt aus- 
ser Sand nur Süsswasser-Mergel mit Landkonchylien, mit Fischgerip- 
pen. und Landthier-Knochen vor. — Die Diluvial-Bildungen, welche 
vorzüglich auf den Plateau’s der Mark auftreten, sind 1) Felsblöcke und 
Geschiebe aus Übergangs- und Berg-Kalk, Muschelkalk, Oolithen-Kalk 
mit Oolith- Sandstein und Thoneisensteinen, Kreide und Feuerstein, 
Sandstein des London clay mit mehrern andern Sandsteinen; dann 
2) Sand und Gruss mit Versteinerungs-Geschieben und Vierfüsser-Kno- 
chen, 3) Lehm und Thon, und 4) hauptsächlich Mergel, welche wieder 
auf Fels-Gliedern der Tertiär-Periorde ruhen. — Diese sind 1) Sand, 
3) Mergel, 3) ?Grobkalk mit zu Mehl zerfallenen Versteinerungen ; 
4) Thon, auch Kies und Braunkohle. — Kreide mit Feuersteinen ohne 
Versteinerungen tritt bei Potzlaw in der Uckermark auf. — Gyps bei 
Speerenberg unfern Zossen. — Muschelkalk bei Rudersdorf zwischen 
Berlin und Müncheberg, 700° mächtig, auf buntem Sandstein ruhend. — 
Bergkalk in Storkow bei Templin. R 
In die Aufzählung der Petrefakten im Einzelnen können wir hier 
nicht eingehen. Sie ist sehr fleissig gearbeitet, die Synonymie ist sorg- 
fältig beigebracht und alle bleibenden Zweifel sind gewissenhaft ange- 
zeigt; eben so sind die Sammlungen einzeln angegeben, wo Reste je- 
der Art zu seben sind. Diejenigen organischen Reste, deren Natur 
nicht näher bestimmt werden konnte, sind in einem Anhange be- 
schrieben. So 
Seit Auerswarp leitet die Mehrzahl der Geognosten bekanntlich 
die Nord-Deutschen Geschiebe aus Schweden ab. Um diese Frage 
einer neuen Prüfung zu unterwerfen, stellt nun der Verf. sämmtliche, 
668 von ihm aufgeführte Arten von Versteinerungen nach den Forma- 
“tionen zusammen, denen sie muthmasslich oder gewiss angehören, und 
nennt die Fundorte, wo sie bisher vorgekommen sind, mit besonderer 
Rücksicht auf Schweden. Unter jenen 668 Arten sind 11 Säugethiere, 
2 Amphibien, 8 Fische, 21 Crustaceen, 53 Cephalopoden, 96 Gasteropo- 
den, 290 Acephalen, 61 Radiarien, 107 Zoophyten, 7 Phytolithen und 
3 problematische Körper. 


475 


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YaaNIsıg Joeu uajıy Jey Napamyas' A0A UAWWON YaAuzA] AOp uU] 


Yyez - uogay 


—. AA. — 


Der Überschuss in der Summe gegen die oben angegebene Anzahl 
Märkischer Arten rührt von der mehrfältigen Aufzählung einer Art her, 
die in verschiedenen Formations -Gliedern gefunden worden. In den 
Oolithen stimmen sehr viele Arten mit solchen von England überein; 
im Grünsand alle, so weit sie anderwärts ihre Analogen haben; in 
Braunkohlensandstein wieder die meisten (70 im Ganzen, im ifton ir 
clay 40 Arten). Die Oolithe enthalten 11 Arten, welche ausser der 
Mark bisher nicht vorgekommen sind. 

Von jenen 668 Arten gehören 61 den anstehenden Gebirgen der 
Mark (dem Muschelkalk hauptsächlich) eigen an, 607 den Geschieben, 
und von diesen besitzt Schweden nicht 4 in anstehenden Gebirgen, 
und nicht % der im Schweden bekannten Arten findet sich in der Mark 
wieder (vergl. d. Anmerkung). Doch mag nach aufgehellter Synonymik 
die Zahl der Schweden und der Mark gemeinsamen Arten noch etwas 
zunehmen. Dagegen besitzt ein sehr kleiner Bezirk der Mark eine 
sehr grosse (doppelte) Menge von Arten, welche Schweden durch- 
aus fremd sind. — Berücksichtigt man dagegen das Vorkommen der plu- 
tonischen, ohne allen Zweifel aus Schweden stammenden Geschiebe, so 
ergeben sich folgende Resultate: 

4) Ein, wie es scheint, überwiegender Theil der INorddekiehen Ge- 
schiebe stimmt mit Nordischen Gesteinen überein; eben so ein 
Theil ihrer Versteinerungen, wovon manche bisher nur in Skan-' 
dinavien gefunden worden sind; andere der nordischen Arten aber 
sind bis jetzt nicht in Deutschland vorgekommen; die dort häufig- 
sten sind es hier nicht, u. u. 

2) Andere, und darunter die häufigst vorkommenden, Geschiebe mit 
Versteinerungen sind den nordischen ähnlich, aber enthalten Ar- 
ten, die dem Norden fremd sind. 

3) Noch andere Geschiebe stammen von Gesteinen, die im Skandina- 
vischen Norden gar nicht vorkommen, und enthalten Versteine- 
rungen, die dort gänzlich mangeln. 

4) Nur die ersten können mit Wahrscheinlichkeit, die zweiten zwei- 
felhaft, die dritten Versteinerung-reichsten gar nicht aus Skandi- 
navien abgeleitet werden. - 

5) Letztere können auch nicht mit Wahrscheinlichkeit aus dem die 
Südbaltische Ebene jetzt begrenzenden Gebirge abgeleitet werden. 

6) Auch nicht [?] von, an Ort und Stelle zerstörfen, Gebirgen. 

7) Auch sind sie wahrscheinlich früher im Norden nicht anstehend 
gewesen. 

Die Annahme, dass sie aus England stammen, setzte eine schwer 
zu erklärende Kreutzung einer Wasserfluth mit einer gleichzeitig aus 
Skandinavien kommenden voraus. 


MarceL DE Serres! über die Pflanzen-Abdrücke in den 
thonigen Kalkschiefern von Tuderie bei Lodeve (Annales du 


— 15 — 


midi de la France Nro. 8 et 5. und Act, de la Soc. Linn. de Bor- 
deaux V, 1. > Bull. geol. de France 1833, III, pg. cıxxır), 
Unter diesen Pflanzen-Resten sind 12 Arten Lycopo dites, wovon ei- 
nige Exemplare, an den oberen Enden mit Fruktifikationen versehen 

sind; dann viele Fahren, nämlich 6 Arten Sphaenopteris, 1 Neu- 
“ropteris, 1 Cyelopteris; auch 1 Stigmaria, mehrere Astero- 
phylliten und Gramineen. Bronenurr’s Fucoides hypnoides 
erklärt der Vf. für einen Lycopoditen. Das Alter der Gebirgsart, 
worin diese Reste entkalten sind, setzt derselbe vor das der Steinkoh-, 
len-Förmation [Bouz hält es für jünger und Durr£noy scheint es zwi- 
schen Zechstein und Lias zu setzen]. 


J. A. Guersnsex: über die bei Rochester, New York, gefun- 
denen Mastodon-Reste (Sırrım. Americ. Journ. of Scienc. 1831, 
Januar. XIX, 358—359). Anfangs Oktober 1830 wurde im Ufer des 
Irondoquoit-Baches, 24 Meil. von Pittsford, der Stosszahn eines Ma- 
stodon, 5’ tief im Boden gefunden, welcher beim Herausnehmen in 
5 Stücke zerbrach. Er hatte 74’ Länge bis zur Spitze und muss im 
Ganzen 9° gehabt haben; doch war gegen die Wurzel noch eine, 
18° lange Höhle. Der grösste Umfang ist 164‘, das Gewicht des 
Ganzen 574 Pfd. — Ein dabei gefundener, weit mehr zersetzter Hals- 
wirbel wog 2 Pfd., 2 Unzen. 


R. Wacner: über die fossilen Insektenfresser, Nager 
und Vögel der Diluvial-Zeit, mit besonderer Berücksich- 
tigung der Knochen-Breccien an den Mittelmeer-Küsten 
(Abhandlungen der mathemat. physikal. Klasse d, Bairisch. 
Akad. d. Wissensch., München 1832. S. 751—786, Taf. I, I). 
Die Reste dieser kleineren Thiere sind bisher mit weniger Genauigkeit 
studirt worden. Was der Vf. hier beschreibt, stammt hauptsächlich aus 
den Breccien von Sardinien !), Nizza, Villafranca, welche derselbe 
1828 selbst besucht hat, und aus der Muggendorfer Höhle, wo diese 
kleineren Reste hauptsächlich vom Vf. und vom Grafen v. Münster ent- 
deckt worden sind. 


A. Insektenfresser, 


1. Vespertilionen sind bisher %) nur von Cuvier am Monl- 
martre?) — und 2) von Münster in der Knochenhöhle von Brumberg 
im Baireuthischen) [später noch von Schumerrins in Belgien] fossil 


t) Darüber Cuv oss. fos. IV. 206; — R. Wasser im Jahrb f. Min. 1830, S. 23% 
und S. 382, und insbesondere 1833, S. 324. 3 

2) Discours prelim. s5me edit. 1928, p. 325, mit Abbild. 

3) Bullet. des sciene. nut. IX, 275, 


Jahrgang 1834. I 3ı 


— MM — 


gefunden worden. Aber die letzterwähnten haben weder ein sehr altes 
Ansehen, noch liegen sie mit andern Arten ausgestorbener Thiere zu- 
sammen: sondern finden sich lose oder in einen kreideweissen Tuff einge- 
schlossen bei Gebeinen von Fröschen, Fischen, Mäusen, Spitzmäusen, 
Maulwürfen, Vögeln, welche alle mit den noch dort zu Lande lebenden 
Arten die grösste Ähnlichkeit besitzen. — 3) Dagegen fand der Vf. in 
der Knochen - Breecie von Cagliari mit Lagomys Sardus einen 
wirklich fossilen Vespertilionen- Unterkiefer (Taf. I. Fig, 1, a, b.) 
mit einem Lücken- und 3 Backen-Zähnen, vor welchen sich noch die 
leeren Alveolen für einen ersten Lücken- und den Eck-Zahn befinden; 
so dass mithin nur 5 Backenzähne im Ganzen vorhanden gewesen. 
Er ist dem von Phyllostoma hastatum sehr ähnlich, fast eben 
so lang, aber dünner. Sonst hat er auch die Grösse und Bildung wie 
von Vespertilio discolor. — 4) In einem Breccienstück von Anti- 
bes in der Bronn’schen Sammlung sah der Vf. neben einem Coluber- 
oder Eidechsen-Wirbel auch ein Unterkieferstück mit zwei ächten 
Backenzähnen, entweder von einer Vespertilionen- oder vielleicht 
auch von einer Sorex-Art, kleiner als die vorige, etwa wie von 
Vesp. pipistrellus. 

9. Sorex-Reste zitirten 1) BıLLaupeL ın der Höhle von Avzson 
bei St. Macaire, Gironde!), mit Hyänen-Gebeinen beisammen lie- 
gend; — 2) SchLorseim in den Gypsschlotten von Köstritz ?), zweifels- 
ohne von sehr jugendlichem Alter und übereinstimmend mit unseren le- 
benden Arten; — 3) Cuvier in der Knochen-Breccie von Sardinien °) 
(ein Kieferstück mit 3 Backenzähnen und ein Oberarmbein von der 
Grösse, wie bei S. fodiens); — 4) NoEscEraTrH in der Knochen- 
Breccie von Dalmatien *), doch ohne Anführung seiner Quelle. — Dazu 
kommen nun (ad 3) die Reste, welche W. ebenfalls in der Sardinischen 
Breccie gefunden, und welche mit den von Cuvıerr beschriebenen 
übereinstimmen ; der Vordertheil eines linken Unterkiefers (Fg. 2 a, b.), 
und der Hintertheil eines solchen (Fg. 3.); ein Oberarmbein (Fg. 4.), 
ein Oberschenkelbein (Fg. 4. b), letzteres wenigstens wahrscheinlich 
zum nämlichen Geschlechte gehörig. Die Spitze des Schneidezahnes 
ist gelb. Er verglich diese Reste mit den Breum’schen, ihm wohl be- 
gründet scheinenden Arten, und fand das erste derselben abweichend 
von den entsprechenden Theilen von S. pratensis Brrum durch die 
einfache oder nur schwach ausgerandete (nicht gezähnelte) Schneide 
des Schneidezahns; von S. leucodon Herm., durch die gelbe (nicht 
weisse) Farbe dieses Zahns; vonS. araneus ebenso und durch wohl etwas 
beträchtlichere Grösse; — mit S.fodiens und mit S.rivalıs BREHuM 
scheint diese Art dagegen ziemlich übereinzustimmen, Das zweite 


1) Bullet. Soc. Linn. d. Bordeaux 1, 319. > Bullet. Science. nat. Xlll, 427. 
2) Petrefaktenkunde, Nachtr. I, S. 9. 

3) Erst in der ?ten Ausgabe der Ossem. foss. IV, 206, pl. XV, fg. 27, 25. 

4) in Curıers Umwälz. der Erdrinde, 1830, II, 421. 


— ME — 


Stück mit dem entsprechenden Theile bei S. araneus? verglichen, 
ist grösser und stärker, mit breiterem, dickerem, längerem mehr nach 
hinten und nicht abwärts ragendem Fortsatze der hinteren unteren Ecke. 
So scheint die Art dem Sorex fodiens ähnlich, doch nicht völlig 
übereinstimmend. 


B. Nagethiere. 


3. Von Histrix fand Pentrann einen Zahn im Arno-Thale 1); 

4. vom Biber Fischer eine grosse Art (Trogontherium 
Cuvieri Fisch. — Castor Trogontherium Cvv.) bei Taganrog ?). 
Vom Gemeinen ? Biber finden sich Reste in den Torfmooren Eux- 
ropa’s, und andere kommen nach Croızer und JoBErRT in Auveryne 
vor ?), von welchen allen der Verf. nichts zu untersuchen Gelegen- 
heit hatte, 

5. Lepus, Haasen- und Kaninchen-Reste kennt man bereits in 
mehreren Knochen-Höhlen Frankreichs und Englunds und in den Kno- 
chen-Breecien des Mittelmeeres. So führt 1) Buckzanp Haasen-Reste 
in der Höhle von Kirkdale an; — 2) Cuvıer bei Cette *) Reste eines 
Oberarmbeines, eines Oberschenkelknochens und der Ellenbogenröhre, 
wie bei unserem Kaninchen beschaffen; — und 3) ein kleineres 
Schulterblatt5), welches wohl eher zu Lagomys gehören dürfte, 
das MarceL DE SerREs ebendaselbst fand €), obschon auch er einer 
kleineren Kaninchen-Art dort gedenkt; — 4) ferner einen Unterkiefer 
aus der Breccie von Pisa, dem unseres gemeinen Kaninchens ähnlich 7); 
— und 5) Knochen von der Grösse eines Kaninchens in der Breecie 
von Korsika °), von wo 6) Bourper einen Kiefer abbilden liess 9), — 
7) Rısso spricht von Haasen-Resten in der Breccie von Nizza !°); und 
von da sah auch der Vf. welche. Die akademische Sammlung in Er- 
Langen besitzt ein, wahrscheinlich von da stammendes Stück Breccie, 
worin ein rechter Kaninchen-Unterkiefer mit 5 Backenzähnen liegt, der 
kaum grösser ist, als bei unserem gemeinen Kaninchen. — Dagegen 
mögen die von Cuvier nach Camper abgebildeten kleinen Kaninchen- 
Kiefer von Gibraltar !!), über welche Cuvıer selbst wieder zweifelhaft 
wurde, eher zu Lagomys gehören. — 

6. Lagomys, Hiaasen maus. Reste davon führte Cuvıer in der 


1) Cuvr. oss. foss. V, ı1, 518. 

2) ibid. V, 1, 44. 

3) Croızer et Jopert recherches sur les Ossem. foss. du Puy de Döme. 
4) Oss. foss. IV, 177, tb. zıv, fg. 13—18. 

5) tbid. pg. 178. 

6) MARcEL DE SERRES hist. d. anim. d, midi de lu Frunre, pg. 9. 
7) Cuv. 1. ce. pg. 196. 

8) ibid. pg. 199. 

9, Mem. d. 1. Soc. Linn. d. Paris 1825, IV, pg. 52, fg. 3. 
10) Rısso hist. nat. d. product. de U’Europ, merid. 1, 151. 
11) Oss. foss. IV, 174, tb. zııı, fg, 4. 


31 


zu 


Breecie von Korsika!) und von Sardinien ?), — so wie nach des Vfs, 
obiger Deutung von Cette und Gibraltar; — Rı6so 3) in jener von 
Nizza; — CuisrıoL und BoviLrer *), so wie Croızer und JoBERT °) 


unter den Knochen von Puy de Döme — der Vf. selbst (an den schon 
oben zitirten Stellen) in ungeheurer Menge in der Breccie Sardiniens 
an, Er besitzt Schädel-Fragmente, Ober- und Unter-Kiefer mit den 
Zähnen u. s. w. (Fg. 5—23). Die inneren oder hinteren Schneidezähne 
bei Lagomys sind von vorn nach hinten, bei Lepus von aussen nach 
innen dicker; ihre Durchschnittsfläche ist dort oval, hier ungleichseitig 
viereckig (Fg. 5.); jenem fehlt der hakenförmige Fortsatz auf der Mitte 
der äussern Fläche des Oberkiefers, welcher hei diesem so charakteri- 
stisch ist; diesem dagegen fehlt der sechste kleine Backenzahn des 
Haasen. Paukenknochen. Das Unterkieferbein ist beim Kaninchen am 
hinteren, untern Theile stumpfer, gewölbter, und hinten am aufsteigen- 
den Aste mit einem tieferen und kürzeren Ausschnitte versehen, als bei 
Lagomys (Fg. 7). Jenes hat 5, dieses 4 untere Backenzähne (Fe. 8), 
indem der vierte dagegen mit einem kleinen Anhange versehen ist 
(Fg. 12), der dort durch den fünften Zahu ersetzt wird 6). Die Spei- 
che ist, wie auch Cuvier gefunden, bei Lagomys (Fg. 18.) platt, 
beim Kaninchen und Haasen mehr rundlich. Die übrigen Theile zeigen 
sieh von denen des Haasen weniger verschieden. Die Sardinische 
Lagomys-Art ist beträchtlich (1) kleiner als die Korsikanische, 
und etwas kleiner als die obenerwähnte von Gibraltar. Sie hat nicht 
den kleinen spitzen Fortsatz vorn am aufsteigenden Aste des Unterkie- 
fers, wie L. ogotonna und L. alpinus. Hier folgen einige vergli- 
chene Ausmessungen, in Französ. Dezimal-Maass, wobei die für L. 
Sardus angegebenen Grösse-Variationen wohl nur individuelle Ver- 
schiedenheiten bezeichnen. 


1) Oss. foss. IV, 199, tb. xıv, fg. 4—6. 

2) ibid. IV, 203, tb. xv, fg. 16—20. 

3) Rısso Product. etc. |, 151. 

4) in ihrem grossen Werke, Anhang. 

5) Croız. et JoBERT I. c. > Bullet. sciene. set. 1829. Mars, 346. 
6) Ausführlieheres über die Zähne s, Jahrb. 1830, $. 382. 


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— 480 — 


7. Arvicola s. Hypudaeus, Feldmaus. Reste davon zitir- 
ten bereits 1) Cuvier in der Breccie von Cette!), von Korsika ?) und 
Sardinien?); — Rısso in jener von Nizza *); — BirLaupeL in der 
Höhle von Avison?®) — Darron und A. in der von Sundwich; — 
BuckLınn solche von zweierlei Arten in jener von Kirkdale®). — In 
der Breccie von Cugliari auf Sardinien hat auch der Vf. eine grosse 
Menge solcher Reste zusammengebracht (Fg. 26—35). Unter den le- 
benden Arvicola-Arten hat A. Argentoratensis am ersten un- 
teren Backenzahn aussen 3, innen 4 dreiseitige Prismen, die übrigen 
Arten (A, amphibius, A. arvalis, A. oeconomus) nur 2 und 
3, wie Cuyier gezeigt ?). Bei der Sardinischen Art bildet unten der erste 
Zahn (Fg. 29.) vorn einen stumpfen, innen 5, aussen 4 scharfe Winkel; 
der zweite und dritte haben deren innen 3, aussen 3, und der zweite 
vorn noch einen stumpfen Vorsprung, so dass der Zahnbau noch zu- 
sammengesetzter ist als bei A. Argentoratensis (und beim Onda- 
tra), etwa wie bei der von Fr. Cuvıerr (Dents des Mammiferes) 
p. 156 etwas unvollkommen beschriebenen Arvicola-Art; übrigens 
kennt man den Zahnbau vieler ausländischen Arten noch gar nicht. 
Die mancherlei Grössen-Verschiedenheiten dieser fossilen Theile von 
Cagliari scheinen nur Alters-Verschiedenheiten zu entsprechen. Die 
abgebildeten Oberarmbeine, Becken, @berscheukel- und Schien-Beine 
und Zehen-Glieder (Fg. 31—35.) scheinen dieser Art zugezählt werden 
zu müssen, da sie bei der ebendaselbst vorkommenden Mäuse-Art (Mus) 


wohl etwas grösser seyn würden. — Der Unterkiefer von Cette bei 
Cuvier ist zwar eben so lang, als die obigen, aber höher, dicker und 
stärker, weniger zierlich, — Die eine Buexzanp’sche Art ist um 3 grös- 
ser, als die Sardinische; — die andere (wovon ein Becken) kleiner, 
als diese, nach Cuvier etwa wie H, arvalis. — — Endlich fand W. 


1829 in der Muggendorfer Höhle ein Stück Breccie, worin bei einem 
Bären — Wirbel auch ein Unterkiefer-Stück, ein Oberschnenkel-Knochen, 
ein Becken-Theil und Phalangen einer Arvicola- Art enthalten waren, 
welche, obschon ausgewachsen, nicht viel über die halbe Grösse der 
Sardinischen Art gehabt haben kann. Ein Oberschenkelbein davon ist 
Fg. * f. abgebildet. 

8. Mus, Ratte, fand Buckrann sowohl von der Grösse unserer 
Hausmaus in der Kirkdaler Höhle ®), als Wacner neulich in der, 
Sardinischen Breceie. Letztere ist 4 grösser als jene, und steht 
der gemeinen Ratte somit [?] an Grösse nicht viel nach. Die Kiefer 


1) Cuv. ass. foss. IV, 179. 

2) ibid. pg. 202, tb. XIV. fg. 7. 

3) ıbid. pg. 205, tb. XV, fg. 21 ff. 

4) Rısso prodxct. ete. I, 151. 

5) Bırzauper, Bullet. sc. nat.1. e. Alll, 427. 
6) Buck. relig. diluv. tb. XI. 

D Cuv. oss. foss. IV, 179. 

8) ebid. 


— 481 — 
(Fg. 36, 37) und beide vordersten Backenzähne (Fg. 39, 40) sind 
abgebildet, 


C. Vögel 


Die sog. Vögelknochen von Stonesfield und Tilgate, von Pappen- 
heim und Solenhofen (selbst der früher so benannte L’arus-Kopf 
Münster’s !) von da) gehören fliegenden Reptilien, Pterodactylen, 
an. Die wirklichen Ornitholithen sind auf die Tertiär-Formationen 
beschräukt. So zu Öningen nach Brumensacn ?), — so am Monte 
Bolca? nach Cüvier ?), — so wenigstens von 9 Arten im Pariser 
Gypse nach demselben *); so Knochen und Eier von Vögeln in der 
Auvergne, nach: Croızer und Jogerr®); — so in Kalktuff und Braun- 
kohle nach ScuLotueım 6), Das zu verschiedenen Zeiten darüber Be- 
kannte; haben von Horr ’), Derrance ®) und Bronn ?) zusammengestellt. 
—. Dazu kommen die Vogelreste in der Breccie von Gibraltar nach 
Imre 10) und J..Hunter !!);5 — das Ellenbogenbein von der Grösse 
wie bei. der Bachstelze in der Breccie von Cette nach Cuvier !?); — 
Schienbein-Knochen wie von der Amsel und Flügel-Knechen wie von 
Larus und Sterna in der Breccie von Nizza nach Rısso !3); — andere 
Theile in. der ‚Breecie von Cette und in den Höhlen bei Mortpellier 
nach M. DE Serres 14),.— ein Oberschenkelbein von der Grösse wie 
bei der Wachtel: in der Höhle von Avison nach Bırraune !?); — und 
Knochen von fünferlei Vögeln in der von Kirkdale nach BuckLann !®); 
— ein Oberarmbein von der Grösse wie bei der Gans im Diluviale 
von“ Lawford mach demselben 7); — ein Oberschenkelbein wie beim 
Geier im Dilluvial-Lehme von Westeregelin nach Germar !P); — Kno- 
‚chen von wenigstens. vier. Arten in der Breccie von Sardinien nach 
‚Wäsner’s ‚früherer Angabe, wozu nun wenigstens noch eben so viele 
andere kommen, — aus welchem Allem der Vf. zu folgern geneigt ist, 
dass; „auch, die Vögel'dem Tode durch die grosse Fluth nicht entgin- 


19. Bullet. .d. science. nat.X, 15. 

%), BLumeng. Naturgesch., Bte Aufl. 731. 

3).Cuv. 0ss.,foss. Ill, 305. 

4) ibid. 310. 

5) Bullet. d. scienc. nat. XVI, 346. 

6)ScHtorn. Petrfk. 320. 

7) Magaz. f..d. gesammte Mineral. I, 283. 

8) Derrance tahleau ete. 1824, pg. 122. 

9) Zeitschrift f. Min. 18%6, I, 57. fneulich vollständiger in Erscu und Gruser’s Eu- 
eyelop. Art. Ornitholithen]. 

10) Buck. velig. diluv. 155. 

11) Philos. Transact. 1794, 1, 412. 

12) Cuv. oss. foss. IV, 179. 

13) Rısso produet. ete. 1, 151, 

14) Annal. Chim. Phys. 1826, XXX , 212. 

15): Bullet. sc. nat. XUl, 427. 

16) Buckı. relig. diluv. 

17) ibid. tb. X, fg. 9, 10. 

18) in KErERsTEIN’s Deutschland Ill, 601. 


— 4323 — 


gen, welche einst alles Lebendige in den Wellen begrub, -wie Bronn 
geneigt scheint anzunehmen *)“ und zwar an einer Stelle, wo derselbe 
gleichwohl mehrere fossile Vögelarten aufzählt. Ref” erlaubt sich hier- 
bei gegen des Vfs. Folgerung zu bemerken, dass bei alle dem: 1) noch ein 
gar sehr entgegengesetztes Verhältniss bestehe zwischen der enormen 
Zahl lebender Vögel gegen die der lebenden Säugethiere und Amphibien, 
wenn man sie vergleicht mit der höchst unbedeutenden Zahl fossiler 
Vögel in Beziehung zu den fossilen Säugethieren und Amphibien, — 
und 2) dass wir weder (gegen BuckLann’s Sündenabwaschungs-Ansicht) 
in den Ablagerungen der Knochen-Höhlen und in den Knochen-Breccien, 
noch im Puriser Gypse, noch im Diluvial-Lehme, noch im gemischten’ 
(zum Theil Süsswasser-) Kalke von Öningen Erzeugnisse ‚der grossen 
Fluth“ erkennen, sondern ledigliche Lokai-Bildungen. — Leider pflegen 
sich die Theile des Vogel-Skelettes, welche die besten generischen Merk- 
male geben würden, Köpfe, Schnäbel und Füsse im Fossil-Zustande 
nicht zu erhalten, und leider hat Cuvıer in dieser an. Arten reichsten 
Klasse nicht so vorgearbeitet als in den zwei zunächst angrenzenden, 
so dass es vor dem Erscheinen von Nitzsc#’s osteologischen Untersu- 
‚chungen über die Vögel wohl schwer halten dürfte, zu ‘genauen’ Bestim- 
mungen zu gelangen. So müssen bei derartigen Untersuchungen einst- 
weilen folgende Verhältnisse zum Anhalte dienen. Ein je besserer Flie- 
ger ein Vogel ist, desto mehr sind, bei gleicher Körper-Grösse, die 
Ober- und Vorder-Armbeine verlängert (Raubvögel: Gallinaceen). Der | 
Oberschenkei-Knochen ist nur bei wenigen Gattungen lufthaltig ' (bei 
den Tag-Raubvögeln: nicht bei den Eulen, höchst selten bei den’ Sing- 
vögeln, ausser beim Pirol; — beim Strauss; nicht beim Kasuar; — 
beim Wiedehopf, Trappeu, Pfau, Pelikan, Storch ete.; nicht bei fast 
allen übrigen Kletterern, Hühnern, Sumpf- und Wasser-Vögeln). Das 
Luftloch liegt in der Nähe des oberen Endes, bald vorn unter dem 
grossen Rollhügel (Tag-Raubvögel, Storch), oder hinten (Pirol, Strauss) 
— (S. Meczer’s Anat. II, ı1, 124). — 

Die nun vom Vf. insbesondere untersuchten Vögel derSar@inischen 
Breccie sind folgende: Bi 

1. Falco? — Ein Knochen, welcher die Fusswurzel- und Mittel- 
fuss-Beine bei den Vögeln repräsentirt, etwas beschädigt (Fg. 41), vom 
rechten Fusse, unten und hinten mit der Stelle, wo der kleine Neben- 
knochen gesessen, höher als breit, hinten der ganzen Länge nach mit 
einer tiefen Rinne zur Aufnahme starker Beugesehnen, welche nur bei 
Raubvögeln vorkommt. Er ist dem bei Falco Buteo ähnlich, und 
ohne die bei andern Raubvögeln oft vorfindliche knöcherne Brücke vorn 
am oberen Ende, doch ist er etwas kürzer und schmäler, genau von 
der Grösse wie.beim Kolkraben und Haushuhn, wo. aber die, Bildung 
sehr verschieden. — Ein Ellenbogenbein (Fg. 42) von einem Vogel mit 
grossen Flügeln, ähnlich dem von F. Buteo, doch etwas kleiner. — 


€) Zeitschr. f. Mineral, 1826, XXI, 58. 


— 485 — 


Das vordere Ende eines Oberarmbeins (Fg. 44, 45) so gross, wie bei 
F. Buteo. — Ein Bruchstück einer Speiche (Fg. 43), und eines Mit- 
telhand-Knochens (Fg. 46) stimmen in der Grösse dazu, oder letzteres 
‘ist etwas kleiner; und jenes nicht mit der .durchbrochenen Knochen- 
J.eiste am obern Drittheil, welches viele Eulen haben. Alle diese Theile 
hat W. in mehrfachen Exemplaren; auch eine Rippe‘, welche dazu ge- 
hören könnte (Fg. 46). 

2. — ? — Von einem grösseren Vogel stammt das Bruchstück des 
oberen Endes der linken Tibia (Fg. 47), wovon man die vorspringende 
Knochenleiste für den Ansatz des Wadenbeines, und. oben, wo es sich 
mit dem Oberschenkelbeine verbindet, 2 breite Leisten sieht, welche 
einen abgerundeten Kamm bilden, wie bei vielen Land- und Sumpf- 
Vögeln, insbesondere Falco, Corvus, Strix, Columba, Gallina 
(2), obschon der Fortsatz. bei den Hühner-artigen schon schärfer und 
vorspringender, 'noch mehr bei den Enten wird, während bei vielen 
Wasservögeln die Tibia vorn und oben in einen mehr oder weniger 
‚beträchtlichen Fortsatz ausgezogen ist. So stimmen Form und Grösse 
ausserordentlich mit denen bei Falco milvus überein. Hiezu kommt 
noch ein oberes Ende des Mittelhand-Knochens (Fg. 48), grösser als 
das erste (Nro. 9). 

3: 2 Anas.. Fünf rechte Oberschenkelknochen (Fg. 49), kleiner, 
als dass sie zu vorigen passten, vom grossen Rollhügel‘ bis zum äus- 
seren Gelenkhöcker 0,053 lang (bei Buteo 0,078), nicht lufthaltig, 
ohne Spur von Luftloch unter dem grossen Rollhügel. Er gleicht voll- 
kommen dem bei Anas boschas, welcher 0,052 misst. — Ein ande- 
res Bruchstück und ein Knochen scheinen dem Schienbein einer Ente 
(Fg. 50), und dem Schlüsselbein einer solchen (Fg. 51), anzugehören 
und sind ebenfalls unbedeutend kleiner, als bei A. boschas. Die 
Fingerglieder (Fg. 52) dagegen gehören eher zur folgenden Art. 

4. ? Krähe. Ein Oberschenkel-Knochen (Fg. 53), schlanker als vori- 
ger, dem von Corvus corone sehr ähnlich, kaum etwas grösser, 
So sind auch die oben erwähnten Fingerglieder etwas grösser, und 
ohne jene Unebenheiten und jene schmale Queerleisten auf ihrer Ober- 
fläche, die bei den meisten andern Vögeln vorkommen. 

5. ? Rabe. Ein Speichen-Fragment (Fg. 54) hat nach seinem brei- 
ten unteren Ende und nach seiner ganzen Stärke Ähnlichkeit mit dem- 
selben Theile beim Raben. Hieher vielleicht auch das untere Tibia- 
Ende (Fg. 55). 

6 ? — Das obere Ende eines Schlüsselbeins (Fg. 56) und einer 
Ulna (Fg. 57) sind kleiner, als von vorigen Arten. Ersteres war lang 
und schmal, wie bei Spechten und Raben, grösser als bei Picus 
viridis und Corvus caryocatactes, etwa wie bei Picus 
martius, 

7.2? Drossel. Ein Oberarmbein, noch kleiner als bei vorigen 
(Fg. 57), von den Dimensionen, wie bei Turdus merula oder 
T. pilaris. 


—- 434 — 


8. P Lerche. — Zwei kleine, einander ‘gleiche, wohlerhaltene 
Ellenbogen-Beine, von der Grösse, wie bei der Lerche (Fg. 58). 

9.? Fringilla. Ein Oberarmbein (Fg. 59), früher zu voriger 
Art gerechnet, aber schwächer, als dass es dazu passte, da es nur 
0,021 (bei der Feldlerche 0,025) misst, in allen Verhältnissen aber wohl 
mit dem des Haus-Sperlings übereinkommt, 

Dann besitzt der Vf. noch einige grössere waeHe Wirbelbeine von 
Cagliari. 

Das Ellenbogenbein der Lerche stimmt ganz mit dem bei Buck- 
LAND (tb. XI. fg. 24, 25) überein; das Ellenbogen - Bein des Falken 
(Nro. 1) ist sehr ähnlich demjenigen, welches BuckLanp einem Raben 
zuschreibt (tb. XI, fg. 19—23). i Bi 

Alle diese Vogelreste stimmen mit den entsprechenden Theilen an 
lebenden Vögeln sehr gut überein, wenn sich auch’ ihre spezifische Iden- 
tität nicht ganz nachweisen lässt. Sie stehen in so ferne im Gegen- 
satze mit den fossilen Säugethieren. Nirgends sind Formen, welehe 
den Übergang von Straussen (Brevipennen — 4 Arten) zu den übrigen 
Vögeln (8000 Arten) vermittelten. Nur der noch sehr problematische 
Riesen-Geier der Lächow’schen Inseln würde als fremde ausgestorbene 
Form auftreten. 

Die Dimensionen der oben erwähnten Wopehäste stehen. in der 
schon 'S: 479 mitgetheilten Tabelle beisammen. 


L, Acassız: Recherches sur les poissons fossiles; IIe livrais. 2 
Neufchätel 1834, Fevrier “). Die erste Lieferung haben wir bereits 
S. 242 angezeigt. Die zweite tritt uns mit der höchst erfr eulichen An- 
zeige entgegen, dass jener von der. geologischen Sozietät im London 
der von Worrsston gegründete Preiss zur Aufmunterung der Geologie 
zuerkannt worden seye. Sie enthält 104 Bogen Text aus verschiedenen 
Bänden und 22 Tafeln. 


Band 1.8.17 — 40. (Il. a ak über die Litera- 
tur von den fossilen Fischen:und Nachträge. Schluss 
(S. 16—20). ‘Auf der letzten Seite ist die Übersicht der geognostischen 
Sammlungen in England irrig einem, der Herausgeber. dieses Jahrbu- 
ches, statt Dausenv, zugeschrieben. Ein Anhang: zu diesem Abschnitte 
enthält eine Übersicht der Fische, von welchen sich noch nicht publi- 
eirte Abbildungen in Cuvier’s Portefeuille finden, das mit dessen Bib- 
liothek von der Regierung angekauft und den Gelehrten zur Benützung 
dargeboten ist (S.. 21—23). — III. Angabe der Orte, deren fos- 
sile Fischreste dem Vf. noch nicht näher bekannt sind 
(S. 24—25). Da deren Bekanntwerden sehr von Nutzen seyn kann, 
so wollen wir sie bier mit dem Wunsche bekannt machen, dass es 


*) Uns auf dem Wege des Buchhandels erst am 17 Juli zugekommen! 


— 45 — 


Allen, welche fossile Reste von daher besitzen, gefallen möge, sie dem 
Vf. zur Ansicht zu stellen. In dem Gebiete der Grauwacken-Gruppe: 
Dudley, Herefordshire (Stacheln); ‚Tortworth in Gloucestershire (Kno- 
chen und Zähne); Cork in Irland (Wirbel-Abdrücke). Im Gebiete der 
Steinkohlen-Formation: Inch Keith bei Edinburg (Zähne); Bristol und 
Northumberland (Stacheln und Zähne); Shale in Durham,  Butherglen, 
Sunderland (dessgl.); Tong bei Leeds (Zähne); Schonen an der Weser 
(Fische); Lüttich (dessgl.); Westfield in Connecticut (dessgl.). Im ro- 
then Sandstein und Zechstein: Obermoschel (mit Zinnober angelaufene 
Fische); Low Pallion in Northumberland, East Thickley und Midd- 
leridge (Fische). Im bunten Sandstein, Muschelkalk und Keuper: Co- 
burg und Sinzheim [welches ?] (Fische). In der Oolith-Reihe: Lyme 
Regis, Barrow iu Leicestershire, Pietra Roja bei Neapel, Raibel in 
Kärnthen, Insel Creta, Plattensee in Ungarn (überall Fische); Oxford 
und Stunesfield (Schuppen und Zähne). In der Wealds-Gruppe: Ha- 
slings, Ashburnham und Purbeck. Im Kreide - Gebiete Jablonka in . 
Gatlizien (Fische in Karpathen - Sandstein), Dobromil, Lyme Regis, 
Brochterbeck in Yorkshire und Wight. In dem tertiären Gebiete end- 
lich: Wight und Hampshire, Indien, Vereinte Staaten, dann Radeboy, 
Nicolschitz und Wieliczka; Sagor an der Sau, Rädersdorf bei Pfird 
am Oberrhein. — IV. Dermatologie, insbesondere von den 
Fischschuppen. Vergleich mit den analogenProduktionen 
der Haut bei den andern Thier-Klassen (S. 26—40). Die 
Haut der Thiere ist für deren Klassifikation ein wesentlicheres Merk- 
mal, als wofür man sie bis daher hat gelten lassen wollen, Noch nicht 
von der Masse des Körpers trennbar bei den Polypen, und Medusen, 
bildet sie kalkige Schaalen bei den Echinodermen und Mollusken, horn- 
artige Ringe bei den Kerbthieren, blättrige Schuppen bei den Fischen, 
hornartige Schilder bei den Reptilien, Federn und Haare bei den Vö- 
. geln und Säugethieren. Aber die Haut dringt auch durch verschiedene 
Öffnungen in den Körper ein und überzieht dessen innere Oberflächen, 
und erzeugt auch dort verschiedene Gebilde:' Zähne und hornartige 
Platten in den Eingeweiden. Sie bildet so gleichsam zwei Haut- 
Skelette, die unter sich in innigster Beziehung stehen, und zu welchen 
bei.den Wirbelthieren noch das Knochen-Skelett kömmt, dessen Entwi- 
ckelung im umgekehrten Verbältniss mit der der vorigen steht. Oft 
zeigen sich Übergänge zwischen jenen und diesem, wie bei den Fischen 
namentlich zwischen den Kiemendeckeln und den Schuppen, zwischen 
den Hinterhaupt- und Oberarm - Beinen und den Schuppen, zwischen 
den Zähnen und den Schlund-Beinen u. s. w. — Die Haut nun im 
Allgemeinen besteht bekanntlich aus drei Schichten: aus der hornarti- 
gen Empfindungs- und Gefäss-losen, jedoch noch aus vielen Lagen zu- 
sammengesetzten Epidermis, — aus dem Malpighi’schen Schleimnetz, 
welches nur die jedesmalige innerste noch nicht erhärtete Lage der 
vorigen ist, — und aus dem allein belebten, aus dichtem schleimigem 
Gewebe bestehenden und mit Gefässen und Nerven durchzogenen Corion, 


- as -- 


das nach aussen die Lagen der Epidermis successive erzeugt, die Pig- 
mente des Malpighi’schen Netzes ausscheidet und resorbirt, und nach 
innen durch Zellgewebe mit den Muskeln zusammenhängt, das endlich 
allen Funktionen der Körper-Oberfläche vorsteht. Bei den Fischen ins- 
besondere bestehen nun jene Pigmente aus kleinen Kryställchen ver- 
schiedener Erden und Metalle unter den Schuppen, deren Farben im 
Leben wie bei dem Tode veränderlich sind, jedoch sich sogar bei eini- 
gen tertiären Fisch-Abdrücken (schwarz) erhalten haben, Zahlreiche 
Poren am Kopfe und auf der Seitenlinie scheiden einen Schleim zu 
Bedeckung der Epidermis des Körpers aus, welche dünner als bei 
andern Wirbelthieren ist. Ihr gehören die Schuppen (die Schilder, die 
Federn, die Haare, die Schaalen) und selbst die Zähne an, und werden 
in ähnlicher Weise, wie sie selbst, erzeugt. Doch verschiebt der Vf. 
aus besonderen Gründen die Betrachtung der letzteren bis auf den Be- 
schluss der Osteologie. — Die Schuppen aber beschäftigen ihn hier 
vorzugsweise als Grundlage seiner eigenthümlichen Klassifikations- 
Weise. Da sie sich gegenseitig theilweise bedecken, so ist ihre jedes- 
malige wahre Form sehr verschieden von der des unbedeckt bleibenden 
Theiles. Sie stehen auf dem Körper gewöhnlich in Queer-Reihen und 
bedecken einander von vorn nach hinten, Dachziegel-artig, wobei bald 
jede Schuppe an der über und unter ihr in derselben Reihe befindli- 
chen nur anliegt (wechselständig zu denen der folgenden Reihe, oder 
zugleich auch mit ihnen in geraden Längen-Reihen geordnet), wie bei 
fast allen Ganoiden, entweder mit rechtwinkelig abgestutzten, oder 
mit meiselartig zugeschärften Seitenrändern, von welchen dann zuwei- 
len auch oben noch ein Fortsatz in einem Ausschnitt am unteren Rande 
der darüber stehenden Schuppe einpasst. Bald bedecken sich die auf- 
einanderfolgenden Schuppen von vorn nach hinten und von oben nach 
unten zugleich, mehr oder weniger, wobei die Reihen gewöhnlich schief 
und sonst manchfaltig modifizirt erscheinen. Zuweilen aber liegen die 
Schuppen auch mikroskopisch verkümmert ganz in die Haut versenkt, 
oder bedecken sie in Form grosser Schilder, die mit allen ihren Rän- 
dern nur aneinander liegen, oder diese sind weit auseinander gerückt 
und die Zwischenräume mit Dachziegel-ständigen Schuppen ausgefüllt. 
Die Queer-Reihen der Dachziegel-ständigen Schuppen gehen gewöhnlich 
von der Mittellinie des Rückens an schief abwärts nach hinten (Dorso- 
ventral-Reihen) sich kreutzend mit andern, die von hinten nach vorn 
herabziehen; — die Schuppen werden mitten an den Seiten am grössten, 
unten am Bauche am kleinsten. Eine mit Poren versehene, längs der 
Seiten hinziehende Schuppen-Reihe (die sog. Seitenlinie) trennt die obe- 
ren von den unteren Schuppen; über ihr sind die nach hinten aufstei- 
genden, unter ihr die nach hinten absteigenden Reihen deutlicher, als 
die mit diesen sich kreutzenden. Da die Richtung derselben demnach 
von der Mittellinie ausgeht, so ist es nöthig, sie selbst für die halben 
Schuppenreihen zu beobachten und anzudeuten, wesshalb dann „vordere 
und hintere Mediodorsal-Reihen“ und vordere und hintere Medioventral- 


— 487 —, 


Reihen, d. h. von der Mitte an nach vorn oder nach hinten zum Rücken 
ziehende, und von der Mitte an nach vorn und nach hinten zum Bauch 
hinabgehende Reihen unterschieden werden. [Diese Benennung ist 
höchst unlogisch und zweideutig; besser wäre vielleicht zu sagen: 
Dorso-Medial-R., Medio-Dorsal-MR., edio-Ventral-R. und Ventro-Medial- 
R.]. Bei den grossschuppigen Fischen stimmt die Anzahl dieser Reihen 
fast immer mit der der Wirbelbeine, die Richtung der deutlichsten Rei- 
hen-Hälften mit der der Dornen-Fortsätze nach oben und der Rippen- 
und untern Dornen-Fortsätze nach unten überein. Oft kommen noch 
besondere Schuppen-Reihen längs der Rücken- und der Bauch-Linie vor. 
Einigen Fischen jedoch scheinen alle Schuppen gänzlich zu fehlen 
(Petromyzon, Myxine); — wo sie aber vorkommen, liegen sie 
frei in Vertiefungen des Corion, nur festgehalten durch eine Verdoppe- 
lung der Epidermis um ihren hintern, die nächsten Schuppen überde- 
ckenden Rand, ohne mit der Lederhaut irgend durch Gefässe zusammenzu- 
hängen. Wie dünne sie auch seyen, so bestehen sie immer aus mehreren, 
durch erhärteten Schleim von innen auf einander gekitteten Horn- oder 
Kalk-artigen Blättchen, wovon die kleinsten aussen, die grössten, zuletzt 
gebildeten aber zu innerst liegen, wesshalb die äussere Oberfläche eine 
Anzahl den Rändern paralleler Streifen -erkennen lässt, während die 
innere glatt erscheinen muss. Die Anzahl jener Streifen auf einer 
einzelnen Schuppe kann, mit andern verglichen, über das relative Alter 
verschiedener Individuen (? einer Art) Aufschluss geben; aber etwas 
Gesetzliches über die Zahl dieser Streifen zur Dauer eines Jahres 
kennt man noch nicht. Wir würden dadureh vielleicht in den Stand 
gesetzt werden zu beurtheilen, welches Alter Individuen verwandter 
Spezies in verschiedenen geologischen Perioden zu erreichen vermogten. 
Die Schuppen vieler Ganoiden sind ferner von aussen mit Schmelz be- 
deckt. Von den aufeinander gekitteten Blättern breiten sich die spätern, 
grössern, untern, bald gleichmässig um alle Ränder der früheren aus, 
bald stärker um den hintern Rand als um den vordern, so dass die vordere 
Streifung dichter als die hintere, und das erste Blatt im Verhältniss 
zum letzten exzentrisch werden muss. Bei allen Individuen vertrocknen 
die ältesten Blätter zuweilen und lösen sich ganz ab. Der Rand ist 
bald einfach, bald bogig, zähnig oder sägezähnig, so dass es auch jene 
Streifen werden müssen; die Zähne legen sich am binteren Rande un- 
vollkommener anf einander, wodurch die Schuppe rauh wird; oder sie 
erscheint strahlig-gestreift dadurch, dass der jedesmalige vorstehende 
Rand einer neugebildeten Lage so gestreift erscheint, u. s. w. 


Band U, S. 49— 84. Von V. Palaeoniscus folgt noch die 
Beschreibung der Arten, welche mit Ausnahme von 7 und 8 (Jahrb. 
1833. S. 676) schon in der früheren Übersicht (Jahrb. 1833, S. 347 ff.) 
enthalten waren. S 

5. P. Voltzii Ac. S. 55—57. Tf. VI, Fg. 1—7 von Autun. 
6. P. angustus Ac. S. 57—60, Tf. IX, Fg. 1—5, von Autun. 


— 4188 — 


7. P. Vratislaviensis Ac. S. 60-63, Tf. X, Fg. 1—6; im Roth- 
liegenden zu Ruppersdorf an der Schlesisch-Böhmischen Grenze 
von v. DECHEN zuerst angeführt, 

8. P. lepidurus Ac. S. 64--66, Tf. X, Fg. 3, 7—9. In Kalkschie- 
fer gleicher Formation zu Scharfeneck in der Grafschaft Glatz 
von demselben gefunden. 

9. P. Freieslebeni Ac. S. 66—78, Tf. XI und XII. 

10. P. magnus Ac. S. 78—80, Tf. XIII und XIV. 

11. P. macropomus Ac. S. 81—82 (Palaeothrissum gigas Ac. 
mss.) Tf. IX, Fg. 6 und 7. 

12?P. elegans Sencw. S. 82. (cfr. Geol. Transact. N. S. III, 
tb. IX, fg. 1). 


Noch zu untersuchen bleiben die Arten von Wise (Davreux in 
Annal. de Vacad. de Bruxelles, tb. IX); — von East Thickley (Sepew. 
geol. Trans. l. c. Tb. VIII w. IX); — von Yorkskire (Young Geol, 
of Yorksh. Tb. XVI, Fyg. 7, 8); — eine Art in Gissons Sammlung, 
welche in Cuvıer’s Atlas abgebildet ist. 

Den Beschluss dieser Abhandlung macht die Beschreibung eines 
Skelettes von P. Voltzii von Autun, welches sehr interessante, und 
um so werthvollere osteologische Aufschlüsse gewährt, als es das ein- 
zige ist, das man bisber von diesem Genus hatte, 

Von Osteolepis hat der Verf. noch immer nichts untersuchen 
können. 

Die zu diesen Lieferungen ausgegebenen Abbildungen liefern auf 
Tf, F. das Skelett eines lebenden Balistes; dann fossile Reste, näm- 
lich 11 und 12. Palaeoniscus Freieslebeni,;, 15. Platysomus 
gibbosus; 16. Pl. rhombus; 22. Tetragonolepis Bouei und 
T. semicinetus; 26. Semionotus leptocephalus und S. Ber- 
geri; 27. S. latus; 28 und 29. Lepidotus gigas; 30. Schuppen 
von L. umbonatus, L, radıatus, L. subdenticulatus, L. 
unguiculatus, L. Mantellii, 32. L. ornatus; 33, L. undatus; 
40. Pholidophorus macrocephalus. 

Band IV. gibt nur Tafeln, als Taf. 3. Lates gracilis Ac.; 
4. L. gibbus Ac.; 5. L. notaeus Ac.; 6. L. macrurus Ac. 


Band V. Text. S. 25 — 32. 


III. Acanthonemus, Fortsetzung. 1. A. Filamentosus 
Ac. S. 25— 27, Tf. m und w. (Zeus gallus Iitiol. Veron. 
tb. 19 und Chaetodon aureus ib. p. 50. Tf. 51, Fg. 3, = 
Chaetodon subaureus Bıamv.) vom Monte Bolca. — 2. A. 
Bertrandi Ac. von Schio im Vicentinischn. — IV. Vomer 
S. 28-33. 1. V. longispinus Ac. S.28—31., Tf.V und VI. (Zeus 
Vomer Vorra, tb. 35, fg. 3, und Zeus triurus tb. 44, fg. 2); 
eben daher. Ein eigentlicher fossiler Zeus ist dem Vf. nicht bekannt; 
da, ausser den in vorstehenden Synonymen hieher verwiesenen, die 
übrigen bei Brumvirtz aufgezählten Arten zu den Pyenodonten und 


— 489 — 


den Percoiden (Acanus) gehören. — Die Abbildungen zu diesen 
Hefte sind die so eben zitirten Tafeln 3-6. 

Ein Feuilleton additionel, welches mit jeder neuen Lieferung fort- 
gesetzt werden soll, enthält (S. 1—20.) Zusätze und Berichtigungen 
zu früheren Heften und periodische Bekanntmachungen des Vfs, an seine 
literärischen Freunde. Der grosse Umfang, den dieses Feuilleton schon 
gleich nach dem ersten Hefte erlangt, zeugt hinreichend von dem rast- 
losen Eifer des Vfs., seinem vielseitigen Verkehre, lässt aber auch 
fürchten, dass bei Beendigung des Werkes von seinem anfänglichen In- 
halte wenig Zusammenhängendes mehr übrig bleiben wird. Daher soll 
dieses Beiblatt alsdann in systematischer Ordnung umgedruckt, und 
jedem Bande pro rata beigegeben werden. So enthält es jetzt Notitzen 
über die erst neuerlich vom Vf. besuchten Sammlungen und einen Nach- 
trag neuer Genera und Species zu seiner früher mitgetheilten Übersicht 
fossiler Ganoiden, was Alles schon grösstentheils aus seinen, in diesem 
Jahrbuche abgedruckten Briefen und abgerissenen Mittheilungen be- 
kannt ist. (Jahrb. 1833, S. 6755; und 1834, S. 301 ff.;, 379 fi). Pas- 
sender dürfte wohl auch der oben erwähnte Illte Abschnitt des ersten 
Bandes hier seine Stelle gefunden haben, da nach Beendigung des 
Werkes derselbe keinen Werth mehr behalten wird. 


Kaup: eineBerichtigung, den Hippopotamus major be- 
treffend (Kaasr., Arch. 1833, VI, 224— 228, Tf. V). Cuvier 
hat die grossen hintern Backenzähne der Mastodonten von denen 
der Hippopotamen genügend unterscheiden gelehrt. Aber die klei- 
nen im Alter ausfallenden Zähne, besonders der erste des Oberkiefers 
haben mit den hintern Oberzähnen des Hippopotamus eine so grosse 
Ähnlichkeit, dass man sie leicht mit einander verwechseln kann. So ist 
in der That der Hippopotamus-Zahn bei Croızer und Joperrt 
S. 142, tb. II, fg. 6 nur der zum dritten Male gewechselte Zahn ihres 
Mastodon Avernensis, des Tetracaulodon longirostris 
Kıup’s. Unter dem Namen Mastodon angustidens beschrieb 
Cuvıer nämlich Reste von zweierlei Thieren, einen Unterkiefer, dem 
wahrscheinlich die Stosszähne wirklich fehlten, und welcher jenen Na- 
men behalten muss, und einen Zahn von Trevaux (tb. I, fg. 5), 
der einem mit zwei Stosszähnen im Unterkiefer versehenen Thiere, dem 
Tetracaulodon longirastris Kaur’s (Isis 1832) angehörte, dem 
grössten fossilen Landthiere, welches das Dinotherium an Grösse über- 
traf und nach einem Humerus zu urtheilen 18° Paris. erreichte, — und 
von welchem das Mastodon Avernensis Cr. et Jog. nur das Junge 
ist, — zu welchem endlich alle von Cuvıer, SoemMmeEring, Meyer und 
Kaup früher dm Mastodon angustidens des Darmstädter Mu- 
seums zugetheilten Reste angehören; mithin auch das linke Oberkiefer- 
Fragment, welches Meyer (in den Act. LeoroLp XV, 11, 113, tb. LVII) 
unter diesem Namen beschrieb und abbildete. Es trägt drei Zähne, 


— 20 — 


wovon die zwei vordern mit dem Alter verschwinden. Hoch über dem 
ersten Milchzahne entdeckte K. darin den Keim des Zahnes, der diesen 
mit der Zeit verdrängt haben würde, 


Länge, vordere Breite, hintere Breite 
1. Der Milchzahn hat . . . 2.0026 . ..0,019 . = 0,024 


2%. Vom ersten Wechsel: 


Der oben erwähnte Keim (Fg. 1.) 0,039 . . 0,031 . . 0,035 
Ein anderer, rechter, kleinerer, 
etwas abgenutzt (Fg. 2) . . 0,055 . . 0,0255 . . 0,027 


Ein linker mehr abgenützter (Fg.4) 0,0465 . . 0,0405 . . 0,043 
5. Vom 2ten Wechsel sind die Zähne ähnlich, aber schärfer ausgebil- 
det, ihre Spitzen getrennter, und namentlich lassen das vordere 
und hintere Spitzen-Paar ein breites Thal zwischen sich. Von den 
drei Wurzeln steht die kleinere, freie nach vorn und aussen.’ 
Ein solcher Zahn misst . . . 0,0445 . . 0,059 . . 0,0405 
4. Nach dem dritten Wechsel wird der Zahn noch grösser, zeigt 
einen vordern und einen hintern Ansatz (Talon), auf den äusseren 
Spitzen die Kleeblatt-förmigen, auf den innern aber längliche Ab- 
nutzungs-Flächen. 
Ein solcher Zahn, wenig abgenutzt (Fg. 3). 
Ein linker mehr abgenutzter 
(Ee, 5) hat... ......... 0055 . 20080492 210,052 
der bei Croizet u. JoBERT . . 0,056... ..,7 304053 
Doch ist die bei diesen Autoren als Hintertheil angegebene Seite 
(tb. II, fg. 6) die vordere, und Cuvier hatte wohl einen Zahnwechsel 
von oben nach unten angenommen, allein die Entdeckung, dass solcher 
bei den vorderen wie bei den hinteren Backen Zähnen von Mastodon, 
resp. Tetracaulodon dreifach seye, gehört K. an. Jene Vorder- 
Backenzähne vom dritten Wechsel unterscheiden sich von den hintern 
Backenzähnen des Hippopotamus durch ihre Grösse, ihren doppel- 
ten Ansatz, ihre fast kreisrunde Form und durch das Fehlen der Fläche 
am Vorderrande, die durch das Vorhandenseyn eines noch mehr nach 
vorn stehenden Backenzahns veranlasst werden würde. 


J. J. Kıup description d’ossemens fossiles de Mammiferes incon- 
nus jusqu’a present, qui se trouvent au Museum grand-ducal de Darm- 
stadt. 3me cahier, (1834, 4°. avec les planches lithogr. X— XV; — 
Vgl. Jahrb. 1833, S. 490). Dieses Heft ist wieder ganz den Pachy- 
dermen, und zwar dem Genus Rhinoceros (und Acerotherium) 
gewidmet. 

Kap. V. Rhinoceros. 


4. Rh. Schleiermacheri K. S.33—45, Tf. XI u. XII und theil- 
weise Tf. X und XII., dem Rh, Sumatrensis ähnlich, aber grösser, 
der Winkel des Nasen-Einschnittes fällt über den II. Mahlzahn, das 


— 1 — 


Zwischenkieferbein ist gerade. Da wir das Wesentlichste über diese 
Art aus der Isis schon früher mitgetheilt haben (Jahrb, 1833, S. 369— 
370), so glauben wir keinen neuen Auszug aus dieser auf alle Theile 
des Skelettes sich beziehenden Abhandlung geben zu müssen, welche na- 
mentlich rücksichtlich der Zähne von erster oder zweiter Bildung sehr 
belehrend ist. 

2. Rh. leptodon Kave n. sp. S. 46, Tf. XI, Fg. 2. ist nur be 
kannt aus einem Schneidezahn, im Hasselt zwischen Biberich und Wies- 
baden gefunden. Er ist dem bei voriger Art änlich, aber mehr verlän- 
gert, nicht sehr dick, fast gerade. Seine Länge aussen ist 0,045, innen 
0,045, seine von aussen nach innen schief abgenutzte Kaufläche ist 
0,023 lang und hat 0,012 Durchmesser. Es scheint nicht der Milchzahn 
zu dem schon bei R. Schleiermacheri beschriebenen Ersatz-Zahne 
zu seyu, da bei Rh. incisivus jener viel kleiner als dieser ist. 

“3. Rh, minutus Cwv., S.47—48,; Tf. XI, Fg. 8—11. [vgl. Jahrb. 
1835, S. 419]. Cuvier zitirt diese Art zu Moissac, CuristoL in den 
Höhlen von Lunel, Pondres und Souvigynargues; Kaur hat 4 Backen- 
zähne derselben von Eppelsheim erhalten, und Krirstein einen unteren 
Zahn zu Weinheim bei Alzei mit Hai-Zähnen gefunden. — (Fg. 10) 
der obere Ilte Backenzahn rechts ist 0,081 lang, 0,033 breit, und ähnelt 
den Zähnen von Rh. incisivus und Rh. Africanus durch die 
Schmelzleiste an den innern Jochen. — (Fg. 9) der obere IVte Backen- 
zahn links ist 0,057 lang, 0,040 breit, von einem nicht alten Thiere. — 
(Fg. 8) ebenfalls ein oberer IVter Zahn, hat 0,038 Länge, 0,014 Breite 
(der bei Cuvıer 0,035 und 0,040), Jene 3 Zähne sind von eben so 
vielen verschiedenen Individuen. — Der von Krirsteiın gefundene Ba- 
ckenzahn (Fg. 11) ist der letzte des rechten Unterkiefers. Sein An- 
satz (Talon) erstreckt sich über der Wurzel herum bis zur Mitte des 
Zahns nach vorn. Ein ähnlicher Ansatz ist auch vorn, so dass nur 
der Hintertheil der vordern Hälfte des Zahns von beiden frei bleibt. — 
Wahrscheinlich gehört indess diese Art zu folgendem Geschlechte, 

Kap. VI. Acerotherium Kaur. Zähne von der Form wie bei 
Rhinoceros, das Nasenbein dünn, schmal und nach aussen zurückge- 
krümmt. Vorderfüsse mit 4 Zehen (bei Rhinoceros 3). Kein Horn 
auf Nase und Stirme. [Jahrb, 1833, S. 327}. i 

1. Rh. ineisivus Cuv. S. 49—61. — Tf. X, Fg. 2 und Tf. XIV— 
XV. Hievon gilt dieselbe Bemerkung, wie bei Rh. Schleierma- 
cheri; wir verweisen desslalb auf das Jahrbuch 1833, S. 368—369. 
Seine bis jetzt bekannten Fundorte sind in Rheinhessen: Eppelsheim, 
Budenheim, Mombach, Windheim; — dann Wien, — in Baiern: Geor- 
gengmiünd, — ın Frankreich Avaray und Abbevwille. 

2. Rh, Goldfussii Kave. n. sp. S. 62—64, Tf. XII, Fg. 12—14 
[vgl. Jahrb. 1833, S. 419]. Aus dem rechten Oberkiefer hat K. den 
IVten Backenzahn, welcher an seiner äussern Seite einen ringartigen 
Vorsprung besitzt, der sich nach hinten erstreckt, und die innere Seite ist 
durch eine Schmelzfalte gefurcht, welche das vordere Queerjoch um- 

Jahrgang 1834. 32 


— 412 — 


zieht, sich dann in das Queerthal fortsetzt, und aus diesem sich längs 
des hinteren Queerhügels erhebt. Vergleicht man die Maase mit denen 
der andern Arten, so ergibt sich für 


Rh. Gold-|Rh. ticho-| Rh. Afri- | Rh. Indi- |Rh. Java-|Rh.Schlei- 


fussit rhinus canus | ceus nıcus |ermacheri. 
Länge 0,051 0,040 0,042 0,051 0,043 0,043 
Breite 0,070 0,060 0,069 0,059 0,057 0,060 


Von dem entsprechenden Zahne bei Rh. Schleiermacheri unter- 
scheidet sich dieser beständig durch den Schmelzring an der äusseren 
und inneren Seite, wie er auch kei den vorderen Zähnen des Rh, 
(Aceroth.) incisivus vorkemmt. — Aus dem Unterkiefer kennt K. 
drei letzte Backenzähne, wovon jedoch nur einer gut erhalten ist; jeder 
stammt von einem andern Individuum, wovon jedoch keines so gross 
gewesen, als dasjenige, von welchem jener Oberzahn herrührt. Der 
best erhaltene darunter (Fg. 13) ist 0,061 lang und 0,030 breit und be- 
sitzt an der vorderen Hälfte der äusseren Seite eine gezähnelte Verlän- 
gerung (oder Ansatz), wie sie nie bei den mit vorkommenden Zähnen 
von Rh. Schleiermacheri vorhanden ist; — hinten hat er Spuren 
eines Ansatzes. Der zweite (Fg. 14) ist, obschon nicht ganz vollstän- 
.dig, doch noch grösser, 0,068 lang und 0,034 breit. — Der von Merk 
(3r. Brief, S. 20, T£. III, Fg. 2) bei Frankfurt gefundene Zahn ist 
ebenfalls nur 0,060 lang und 0,030 breit, ohne Spuren jenes Ansatzes. Der 
Zahn, welcher nach Jäcer bei Canstatt (Cuv. tb. VI, fg. 7) gefunden 
worden, hat 0,061 Länge und 0,040 Breite. Die zwei letzt erwähnten 
scheinen K. zu einer grösseren Art oder Varietät von Rh. tichorhi- 
nus zu gehüren. Die Ausmessungen sind für 


Rh. Gold- | Rh, tichorbi-| Rh. Afri- |Rh. Indi- [Rh. Schleier- 


- fussii nus canus cus macheri 
Länge 0,061—0,066 0,046 0,061 0,050 0,044 
Breite 0,030—0,034 0,032 0,035 0,033 0,031 


Nur jenes Schmelzringes wegen ist diese Art zum Geschlecht 
Acerotherium gezogen worden, da man die übrigen für dieses Genus 
bezeichnenden Theile (Schädel, Vorderfüsse ete.) nicht kennt. — Viel- 
leicht gehört hiezu — vielleicht auch zuRh. incisivus — der Schnei- 
dezahn in der v. Sömmerine’schen Sammlung. 

Diesem Hefte liegen noch Taf. XVI—XVII über Mastodon lon- 
girostris bei, doch ohne Text. 

Wir freuen uns des glücklichen Fortganges eines Werkes, welches 
uns mehr als irgend ein anderes jetzt mögliches über die Organisation 
der frühesten Säugethier-Formen zu belehren beitragen wird, 


Linpuex and W. Hurron the Fossıl Flora of Great Britain. Eon- 
don, in Fol. Nro. I— VII. 1832—1833. Diese 7 Hefte enthalten 59 
Tafeln mit 54 Pflanzen-Arten, wovon 32 neu sind, nämlich im Heft TI: 


— 493 — 


Pinites Brandlingi (Steinkohle), PP, Withami und ?P. medul- 
laris; Ulodendron minus; Lepidodendron dilatatum, L. 
acerosum, L. gracile und Lepidophyllum lanceolatum; — 
in Nro. II: Lepidostrobus variabilis; Sphenophylium ero- 
sum; Asterophyllum grande; — in Nro. III: Calamites: zwei 
Arten; Peuce Withami; Asterophyllites foliosa; Noeg- 
gerathia flabellata,; in Nro. IV: Pinites Eggensis; Pecop- 
teris adianthoides, P. heterophylla; Sphaenopteris cre 
nata; — in Heft V: Caulopteris primaeva (der erste in der 
Steinkohlen-Formation aufgefundene wirkliche Baum-Fahren); Cyperi- 
tes bicarinata; Lepidophyllum intermedium; Cyclopteris 
Beani (im System der untern Oolithe): Sphaenopteris affinis, 
S. dilatata, S. caudata, $. erithmifolia; — in Nro. VI: 
Sphaenopteris? bifida (in Bergkalk); Sigillaria reniformis 
(in Steinkohlen und als Palmacites sulcatus in Grauwacke und 
in Keuper-Sandstein von Gotha); Sph. affinis (im Bergkalk von 
Edinburgh); endlich im VII. Hefte: Lycopodites falcatus (Oolitls) 
und Polyporites Bownanni, vielleicht ein Fungus. 

Die Vorrede des vierten Heftes enthält die Umrisse der periodisch 
nacheinander gefolgten fossilen Floren. In der Periode der Steinkohlen- 
Formation waren riesenmässige Coniferen, den Lykopodiaceen 
ähnlich, dann viele Cacteen oder Euphorbiaceen, Palmen u. a, 
Monocotyledonen vorhanden. — Nach dem rothen Sandsteine ver- 
schwinden dieCacteen, und die Fahren herrschen. — In der Periode 
des Lias und der Oolithe vermindern sich dieFahren verhältnissmässig, 
die Riesen-Gewächse verschwinden, Cycadeen, den Pflanzenformen 
am Cap und in Neuholland analog, werden sehr gemein, dieConiferen 
erscheinen im Übermaas, theilweise in Arten, die schon früher vorhan- 
den gewesen. Eigentliche Dikotyledonen sind mit Gewissheit noch 
wicht bekannt. — Nach der Kreide nähert sich die Flora immer mehr 
der noch bestehenden: die Cycadeen sind verschwunden, die Fah- 
ren vermindert, die Coniferen nehmen an Arten-Zahl zu, Palmen 
u. a. tropische Monokotyledonen treten auf mit Erlen, Weiden, 
Pappeln, Kastanien-Bäume, Sycomoren u. a. Dikoty- 
ledonen. Palmen, Cecropien, Stereulien und einige Mal- 
vaceen erscheinen in den mittlern und obern Tertiär-Niederschlägen, 
und die letzten Süsswasser-Schichten, bieten nur noch Arten der gegen- 
wärtigen Flora. 

Die Lepidostroben bringt Browsenurr mit den Lepidoden- 
dren zu den Lycopodiaceen und sieht die Ulodendren als 
die alten Stämme jener letzteren an; Lınptey aber (Heft II, Seite 36) 
findet die Lepidostroben zu abweichend von der Fruktifikation der 
Lykopodiaceen und Lepidodendra, und will sie lieber mit 
den Fahren und Calamiten zusammenstellen. DieLepidoden- 
dra selbst stellt Lınorer nicht zu den Lykopodiaceen, sondera 
zwischen sie unddieConiferen. — Sphaenophyllum hatte Brons- 


32 * 


a. aa 


NuRT zu den Marsileaceen gestellt, womit sie aber Linorey’w keine 
Verwandtschaft zu haben scheinen. Sie nähern sich durch ihre gequirl- 
ten Blätter den Coniferen, ihre Blattnerven sind aber zweitheilig: 
‚an der Basis sind sie schuppig und der Stamm ist tief gefurcht. Sie 
scheinen daher (Heft II, S. 43) die alten Repräsentanten von Pinus 
zu seyn, — Die Calamiten weichen nach Linnpıry (Heft IV, S. 106) 
dadurch von den Equisetaceen ab, dass sie Holz und Rinde haben, 
und er glaubt, dass ihre häutigen Scheiden vielleicht nur als gequirlte Blät- 
ter zu betrachten, de Calamiten selbst aber als dykotyledonische 
Gewächse anzusehen seyen, deren Verwandten in der lebenden Schö- 
pfung noch nicht nachgewiesen worden. — Nachdem Marrın die Si- 
gillarien für Reste von Cacteen, SchLoruziım von Palmen, Arrıs 
von Euphorbiaceen, v. STErNLERG und Broncnurr für Fahren 
angesehen, bemerkt Linprey, dass die Insertion der Blätter ganz an- 
ders als bei den Fahren seye, indem sie mit der inneren Rindenhülle, 
einer eigentlichen Rinde, artikuliren, während die Fahren nur die fal- 
sche Rinde der Palmen besitzen; die Sigillarien theilen sich auch 
“ dichotomisch, die Fahren nicht; daher Linnrer die Sigillarien 
für Dikotyledonen mit einer eigentlichen , ablösbaren Rinde erklärt 
(Heft VI. S. 151), welche eine besondere Familie in der Nähe der 
Euphorbiaceen und Cacteen bilden. — Ferner büzweifelt er, 
dass Wırnam’s Coniferen-Stämme wirklich dieser Familit angehören, 
weil er darin keine Jahresringe und an den Zellen keine Poren ent- 
decken kann, und weil die Zellen mit einer Art Netz umgeben sind. 
Jene Stämme bilden ihm daher eine eigene Familie neben den Coni- 
feren. Doch gehört Peuce Withami diesen letztern an (A. BouE 
im Bull. geol. de France, 1833. III. p. CLXIV—CLXVIIT). 


MarcEL DE Serres: über die Menschen-Knochen und 
Kunst-Erzeugnissein den Kalk-Höhlen (Annal, d, scienc. 
et de Vindustrie dı midi de la France > Bull. geol. de France, 1833, 
III, p. CXXX— CXXXD) Eine Erwiderung auf die Ansichten 
Desnovers’s [Jahrb. 1833. S. 496]. Der Lehm der Höhlen und Spalten 
(Knochen-Breccie) enthält nur dann fossile Knochen, wenn er auch Gesteir- 
Brocken einschliesst. Er kommt nur bis zu 500 Met. Seehöhe vor, und 
wenn jene Beste sich noch höher finden, wie in Auvergne, so ist es 
an der Oberfläche des Bodens in Sandschichbten, die ihrer Natur nach 
von dem röthlichen thonig-kalkigen Lehme der Höhlen verschieden sind. 
Die Ochsen u. a. Landthier-Arten in diesem Lehme erseheinen schen 
in verschiedenen Racen, wodurch sich der Einfluss des Menschen auf 
sie, mithin sein gleichzeitiges Daseyn bereits beurkundet. — Die Höh- 
len von Mialet enthalten Menschen-Reste. aus verschiedenen Zeit-Ab- 
schnitten. So sind die in den obern Lehmschichten gleichzeitigen Ur- 
sprungs mit den meisten dortigen Töpferwaaren, der Lampe u. s. w., 
während die in den unteren Schichten gleichzeitig mit den Gebeinen 
von Bären, Hyänen, Panthern, Luchsen abgesetzt worden sind. Unter 


— A495. 


diesen sind einige so frisch, als ob sie erst einige Jahre. vergraben 
wären, In derselben Höble sind einige Bären-Schädel unter grossen, 
mit Absicht angeordneten und zuweilen selbst roh vermauerten Steinen 
gefunden worden. In den Höhlen von Anduze gibt es drei Lehmschich- 
ten, wovon nur die mittle keine Knochen enthält, und nur die untere 
stark veränderte Menschen-Knochen mit Bären- und Hyänen-Resten und 
Trümmer der gröbsten Töpferwaare einschliesst. — Daher die archäc- 
logisch interessanten Untersuchungen Desnorers’s über die druidischen 
Grabhügel und die von den Galliern bewohnten Höhlen nicht weit ge- 
nug zurückgehen, um über das relative Alter der Thier-Reste in den 
Knochenhöhlen etwas zu entscheiden, 


‘A. Gororuss: Abbildungen und Beschreibungen der 
Petrefakten Deutschlands und der angrenzenden Länder, 
unter Mitwirkung des Herrn Grafen G. zu Münster heraus- 
gegeben. Vierte Lieferung. (Düsseldorf 1833. Fol, enthaltend 
Band I, S. 341—252 und Band II, S. 1—68. und Tf.72—96.) L[Vgl. Jahrb. 
1833. S. 104.] Die vierte Lieferung dieses Werkes, dessen nunmehri- 
gen rascheren Fortschreitens wir uns freuen, gibt den Schluss des 
Textes nebst Zusätzen, Register und Titel zum ersten Bande, der mit 
den Anneliden schliesst, und den Anfang von Text und Abbildungen 
des zweiten Bandes mit den Geschlechtern Ostrea, Anomia, Gry- 
phaea, Exogyra, Pecten.... Der in der dritten Lieferung noch 
abgebildeten, aber nicht beschriebenen Anneliden sind noch 9, näm- 
lich 8 Serpula- Arten und 1 Terebella, deren aus Sandkörnchen 
zusammengekittete Röhren auf grossen Korallen und Becherschwämmen 
der mittlen Jura-Formations - Schichten von Baireuth aufsitzen. Von 
ihnen sind nur 1 früher durch SchLot#seIm und 3 durch v. Münster, 
(am Kressenberg gefundene) beschrieben worden. Bei Serpula 
spirulea Lamk. wäre Schrorseim’s Serpulites nummularius 
noch als Synonym anzuführen, 

Die Zusätze zu diesem ersten Bande (S. 243—246) sind sehr wich- 
tig: theils berichtigen und bereichern 'sie die Synonymie, oder die Dia- 
gnostik und die Fundorte und Formationen der Geschlechter und Arten, 
theils enthalten sie Erwiderungen auf die grossentheils sehr ungegrün- 
deten und auf gänzlicher Unkenntniss beruhenden Einreden,, welche 
BrainvicLLe, im Dictionnaire des sciences naturelles, Vol. LX, bei Gele- 
genheit seines Systemes der Zoophyten gegen mehrere Geschlechter macht. 

Das Register erstreckt sich bis auf die einzelnen Arten; doch hät- 
ten wir gewünscht, auch die hin und wieder im ersten Bande, so wie 
am Schlusse desselben enthaltenen Zusätze oder Berichtigungen nicht 
bloss bei jedem Genus im ‘Allgemeinen, sondern ebenfalls bei den ein- 
zelnen Arten angefülırt zu sehen, 

Unter Berücksichtigung der vom Vf. nachgetragenen Verbesserun- 
gen ergibt sich folgende Übersicht der Zahlen - Verhältnisse fossiler 
Pilanzenthiere mit Einschluss der Anneliden in den Gebirgs-Formatio- 
nen Deutschlands und der angrenzenden Länder, 


Arten in der 

A. B °C. D. EB. Bulina@, ah. 
Ne] = en © |“ E|$ 
&® [7 = je sw“|i 5 5 

Namen der Ge- | S2 | & E: = :I|2ZelSs=| © 
Ä un en ) n5 =. zn er o {ep} 
schlechter und | =2 | © 7 ® 2 | 75 len Par S 
Ordnungen s®a| 5 Ein Ins = aAslzS|E| 8 
u D M 6 © 
a4| 7 OR, Ieadeln SE = 

1. Polyparien. 

Achilleum vos N) » » 5 4 N) » 1 10 
Manon RR IT, 1 » » 3 6 ” D) „ 9 
Scyphia 1) RO, „ }) ) 41 10 » ” ” 51 
!Coscinopora . 1 » » 1 2 » BD) ” 4 
Tragos ?) Zu » » „ 9 5 )) » » 14 
Cnemidium >) ® » » D) 9 D) » ” ”» 9 
Siphonia =”) .. » » ”» » 8 » » » 8 
! Myrmecium. . 5 » > 1 „ » » „ 1 
!Coeloptychium | „ x, » » 3 »|» » 3 
Gorgonia 908 5 » » » 1 » „ ) 6 
Isis nen er. D) 2) ”» ”» 2) ” 2 ”» 2 
Flustra een » » » ) » » 1 1 2 
Nullipora eo... „ ” » » 1 ” 1 ” 2 
Millepora oo. 7) 53) » „ 2 » „ » 2 
!Stromatopora. p) © 7 N „ » » 2 
Eschara oe. ) „ 7) )) 10 „ 2 2) 12 
Cellopora®).. | 2 » » 1 8 » 8 » | 18 
Retepora®) .. 2 En ch ex 6 „ 3 » | 10 
Ceriopora 7) .. 4 » ) 9 22 „ 1 ” 54 
!Glauconome . | „ » " „ “ » 4 ) 4 
! Dactylopora 5 » » » » „ 1 » „ 4 
! Conodictyum . ns » n 4 H » „ „ 1 
! Ovulites ..o. )) }) }) „ „ 1 „ „ 1 
!Lunulites oe „ „ » „ ” 2 H 4 | „ 4 
{ Orbitulites . . » » ) D) 1 si en D) 1 
Explanaria. . . n » ” 2 » „in ” 2 
Pavonia oo... ” „ N) 1 „ » | „ ” 1 
Agaricia .o00. „ „ „ 4 „ „ I) 2 16 
Lithodendron . „ » » m) ” „ „ » » 
Oculina .oeoo » „ „ „ „ 1 009 )) 1 
Caryophyllia . 1 » | Mi 6 2 1 1: ER 
Madrepora. .. ) ) » »„ „ Sad x 4 
Anthophyllum . | 2 „ 1 4 1 1... 22.2 a] 
Fungia 2) ..oo. „ | „ #7) 3 3 3G „ 1 10 
! Diploctenium,. ION Blu Zadar len: ine 


&) Die bei Gosau vorkommenden Arten sind noch mit G bezeichnet worden; die Ar- 
ten vom Kressenberg stehen in der jüngern Tertiär-Fomation, obschon sie besser 
in der ältern stehen dürften; die überschüssigen Zahlen in der letzten Spalte 
entstehen durch mehrfaches Vorkommen einer Art in verschiedenen Formationen. 
Die Genera, vor deren Namen ein ! steht, sind ganz fossil. 


1) Hiezu Choanites Manr., Ventriculites Manr, Eudea und Hippali- 
mus Lamx. 


2) — Chenondopora Lamx. 
3) — Lymnorea — 
4) — Polypothecia Bexer. und 
6) — Berenicea Lamx, 


6) — Idmonea Lamx. 
7) — Chrysaora, Terebellaria, Tilesia, Absenthesia, Spiropora 
Lamx., Heteropora, Cricopora, Pustulopora Buaıny. 


8) Wozu Pelagia Lamx. — Defrancia Bronn und Cyclol 


Mamillopora Bronn. 
< Choanites Mant., nach Jerea Lamx. 


ithes Lanz. 


a 


Arten in der 


AuusBer C D E. F. G HH 1 
=: 
Es ES = 0 een 
Namen derGe- | S2 | & E = 8 |28l3=8| >: 
schlechter und | 2 ® 3 17 S = ES Bio | & 
©, ü 0 : = 2 © >p = 
Ordnungen al = = HM |m® IMs | 5 S 
ee Ela Zu 
F 
Turbinolia .. . 3 hs 1 10 
!Cyathophyllum | 22 ” 2 © » 24 
!Strombodes. . 1 > ) » » „ [ 
Meandrina!) > 5 » 3 1 5 
Astrea?) ... 1 S one 15 36 
!'Sarcinula. . . 1 „ „ » » ” 6 
! Catenipora 3) 2 „ N) „ „ „ 2 
!Syringopora *) 5 » „ » „ » < 
!'Calamopora. . 8 » » „» 1 N) 9 
!Aulopora ... . 4 „ „ 3 „ „ 7 
Plerrodietyum R | NH „ »_ D2 D2 „ D 1 
Polyparien Een! 121 | 115 l 23 | 35 | 13 | 364 
ll. Radiarien. 
Cidarites Sal, 5 4 15 7 » BD) » 1149 
& Echinus. Soll » » 5 3 BD) 4 MD) 9 
RS) !Galerites .| „ ” » 2 6 „ D) »| 8 
E Clypeaster |» „ „ „ 1 ” 40 „| 11 
= \'!Echinoneus | „ hs 3, » 2 ) 2 » 4 
[65] „lueleolites " R ». 4 41 » 3 »„ | 17 
Ananchytes » » » „ 5 „ „ ” 5 
Spatangus .| „ » „» 3 17 ” 4 „| 24 
! Glenotremites ” „ „ BD) 4 » ) ) 4 
‚Pentatremat. 2 ) „ „ „ ”„ ”„ „ 2 
!Eucalyptoer. 1 N) » » „ | » ” „ 4 
Eugeniacrn.| 1 „ » 6 » :09 „ ” 7 
n Solanoerin. hs ss „ 3 » „ » » 3 
3 : Pentacrinit. 1 4 5 6 » „ „ „ | 12 
8 : Encrinites „ 1 „ ” ”„ „” ”„ „ 1 
2 ! Apioerinites ” ss „ 7 4 BD) „ ” 8 
= ar ygrnıl. 4 „ „ ” „ „ „ N) 4 
2 !Cyathoecrin. 5 „ „ „ „ „ „ „ 5 
!Aetinocerimit. 8 „ „ „ „ D) ) P}) 8 
!Melocrinites 3 ) ” » „ „ D) ”„ 3 
5 !Rhodocrinit. 5 „ „ dir „ „ „ N) 6 
Ss !Cupressoeri. 3 » 2) ”„ » » » ) 3 
5 Comatula | „ „ 4 „ ” ” „ 4 
2 Opkiura. sale 2 „ 2 „ „ „ „ 4 
w 'Asterias. . ss 1 3 5 1 ” s „ 10 
Pe nn rennen u Bene > nen Soma SrenSe Sure uw sn AL > Su ee un ne munnnenn un nu ne are nr] 
Radiarien 25 | 33 | 5 | 9 | 63 |55 | 0 | 20 | o | 189 


III. Anneliden 
Lumbricaria?) . 
Serpula.....ı|,4 2 5 38 | 23 2,1 dA „» | 80 
Terebella .. . H „ „ 1 „ „ „ „ 1 

Anehden Ba TEEN EI 

Alle Summen:71| 102 | 7 | 47 | 223 | 193 | 25 | 66 | 43 | 633 


1) Wozu Dictyophyllia Bramv. 2) Astrea undMonticularia Lamk., Hyd. 
nophora-Arten Fıscnh. 3 Halysites Fıscn. 4) Harmodites Fisch. 
5) Übergehen wir, da es nach Agassız, bis auf Eine Art, Fischdärme sind. 


Diese Zahlen-Verhältnisse sind richtiger, als andere bisher gemachte 
Zusammenstellungeu der Art, was die Bestimmung der Arten und ins- 
besondere der Formationen anbelangt; allein da sie von einem zu klei- 
neu ‘Theile der Erdoberfläche entnommen sind, so sind sie zu sehr von 
der gegenseitigen Entwickelung der Formationen, ihrer freien oder über- 
deckten Lagerung und ihrem lokalen Reichthri an deutlichen fossilen Re- 
sten abhängig. Namentlich ist die ältere Tertiär- Formation in Deutschland 
fast gar nicht repräsentirt. Auch sind unter diesen fossilen Arten eini- 
ge exotische, und mussten die vom Kressenberg und der Gosau gänz- 
lich ausgeschieden bleiben, wenn die Zahlen sich dem richtigen Ver- 
hältnisse noch mehr nähern sollten. 


Der zweite Band beginnt mit der Bezeichnung der Weise, wie man 
die Muscheln zur Verständigung über die Beschreibung derselben vor 
sich legen müsse. 

Die aus den schon erwähnten Geschlechtern bier aufgeführten Ar- 
ten sind bereits nach den Formationen geordnet, und bieten folgende 
Zahlen-Verhältnisse dar: 


e: Überhaupt 
= = 2 = erhaup 
ler} un —! — er © m. 
2 a > = er u = 
5 all enıe en] 
= r S 
Ostrea . 2... | EROTEN a 18 47. |) STERN ZE 
Gryphaea ... » » 5 2 „ 4 8 1 
Exogyra.... „ 5 > 5 14 ” 49 8 
Anomia .„...» " » » » » 5 5 0 
Pecten: gestahlte 2 | 4 40 16 29 30 91 | 54 
FEN glatte 9 „ ” ” „ ”„ „ ”„ D) 
Im, Ganzen: .%. 1 al 7 42 1520. 8 ao es 


Wir erlauben uns hiezu einige Bemerkungen: bei Ostrea co- 
stata, ©. tuberosa, Pecten textorius und P. aequico- 
status Lamk. und P. solarium scheinen die Kworr’schen Tafeln un- 
richtig zitirt zu seyn. Ostrea gregaria, O. colubrina und O, 
rastellaris sind SchLotueim’s Ostracites erista hastellatus, 
Zu O.larva Lame. gehört noch O.angustivalvis Könıs. — O.pu- 
silla Nirs. von Aachen ist nicht angeführt. O. lateralis Nırs, 
nähert sich schon so sehr den Exogyren durch den spiralförmigen 
Schnabel, wie er bei keiner Auster vorkömmt, und durch eine — bei 
vielen Exemplaren — ganz schiefe Schlossrinne, dass wir sie zu diesem 
Geschlechte zählen zu müssen glauben. Zu O. callifera ist Ostra- 
cites fossula SchHrLorn. synonym. Eine noch unbenannte Tertiär-Auster- 
Art von Geschlief bei @münden ist hier nicht angeführt. — Zu Gry- 
phaeacymbium Lamk. gehört Gryphites rugosus v. ScHLOTH. 
(v. Leonu. Taschenb. VII. 4813, S. 93) als Synonym. — Der Exogyra 
virgula ist dieser Name schon von VoLrz (Tuurmann essai sur les 


- — . 499 — 


soulevemens jurassiques du Porrentruy, p. 53 etc. in den Mem. d. 
Strasb, I. 1832.) beigelegt worden; auch ist es die Gryphaeaan- 
gusta Lame., deren spezifischer Name wohl die Priorität haben würde, 
Die E. spiralis Gorpr. scheint die E. Bruntrutana Tuunm. 
(l. e,) zu seyn. Die schöne Gryphaea Coulonii Derr. (?G. se- 
cunda Lam.) von Neufchatel fehlt ganz. Zu Exogyra columba 
Lume. gehört Gryphites spiralis Sceuror#, als Synonym. Ist 
E. laciniata (Nırs.) Goror. hinreichend von Chama digitata 
Sow. verschieden? Zu E. aurieularis Goror. gehört SCHLoTHEIM’S 
Ostracites haliotoideus zum Theil, anderntheils zu E. pla- 
nospirites Gorpor. — Von Anomia werden nur tertiäre Arten 
aufgeführt: wir besitzen jedoch eine aus dem Muschelkalk, eine andere 
aus der Lias-Formation, welche auf einem Ammoniten aufsitzt. — Zu 
Pecten aequivalvis Sow. gehört wohl P. acuticosta Lmrk, als 
Synonym. — P. barbatus (Sow.) Gorpr. scheint uns P. tegulatus 
SCHLOTH, zu seyn, den wir unter diesem Namen von Grar von Amberg 
erhalten haben. P. Solarium Lamr. ist Pectinites gigas Scar. 
(Taschenb. 1815. VII, 92, Petrefk,. S. 221). Die zweitelhaft zuP.Bur- 
digalensis gebrachte Art ist Broccnrs Ostrea maxima und un- 
ser P. maximus, obschon er sich auch von der lebenden Art dieses 
Namens durch einige leichte Merkmale unterscheidet. Aus Kreide und 
aus Jurakalk besitzen wir eine oder die andere hieher gehörige, ausge- 
zeichnete, aber nicht beschriebene Art. Der Vf. scheint sich bei diesem 
Hefte ganz auf die Bonner und die Münster’sche Sammlung be- 
schränkt zu haben, da schon in diesen beiden das Material über alle 
Erwartung reich und die Sichtung der Arten zuweilen nach nur einem 
oder nach unvollständigen Exemplare schwierig genug ausfiel. Zweifelsohne 
werden die vorliegenden Beschreibungen die Sammler schon auf manche 
"Art mehr aufmerksam machen und den wesentlichen Charakter zu stu- 
diren veranlassen, so dass wir dann am Zweckmässigsten im Supple- 
mente alle Ergänzungen und Berichtigungen zu einem ganzen Bande 
oder einem grösseren Abschnitte des Werkes beisammen finden werden, 
— Noch können wir mit Beziehung auf die vom Heidelberger Minera- 
lien-Komptoir ausgegebenen Gebirgsarten- und Petrefakten-Sammlungen, 
die der Vf. bei mehreren Gelegenheiten ohnehin berathen zu haben 
scheint, die Bemerkung nicht unterdrücken, dass es in der Botanik, wie 
in der Zoologie Grundsatz geworden, die Namen der von Sammlern 
und Händlern in regelmässigen Lieferungen käuflich ausgegebenen Pflanzen- 
und Thier-Arten unter den Synonymen ebenso und mit ebenso vielen 
Rechte in den systematischen Werken aufzuzählen, als die Namen, wo- 
mit solche Objekte in Büchern, oft ohne Abbildungen und nicht selten 
mit sehr fehlerhafter und unvollkommener Beschreibung oder Diagno- 
stik bezeichnet werden (S. Koch und MERTENs, DE CANDoLLE u. S. w.), 
obschon nicht zu läugnen ist, dass es gerade bei fossilen Körpern ihrer 
häufigen Unvollständigkeit wegen viel schwieriger wird, für die Iden- 
tität der Art bei allen Exemplaren ider einzelnen Sammlungen einzu- 


= NS300 


stehen, als bei vollständiger erhaltenen Organismen, wo jedoch in die- 
ser Beziehung ebenfalls Fehler unterlaufen können. 


De CrristoL: Vergleichung zwischen den Thier-Be- 
völkerungen beider Becken des Herault-Departs. wäh- 
rend der tertiären Periode (Annal. des science. du midi de la 
France, 1832, Mars—Mai, — Bull. geol. de France 1833, IIT, p. 
CXXVII—CXXVIII). Die Ablagerungen aus dieser Epoche sind nach 
Art der Delta’s entstanden; so bieten sie im Becken von Mont- . 
pellier Geschiebe dar, wie sie noch jetzt die Rhöne, die Durance u.s.w. 
führen und sie täglich an der Seeküste ausgeworfen werden, während 
man zu Pezenas die Felsarten von Castelnaudary wieder erkennt. — 
Dieses letztere Becken enthält keine Cetaceen-Reste, wornach sich 
sein Tertiär-Land nächst dem Ufer oder an der Münduug eines Etangs 
gebildet haben muss. Zu Montpellier aber war das Wasser tief, der 
tertiire Sand hat 200° Mächtigkeit und lässt Züge von gröberen Ge- 
schieben erkennen, welche kleinere Flüsse in das Meer geleitet haben. 
— Zu Pezenas findet man Knochen vom Elephanten, dem grossen 
Hippopotamus, von 2 Arten von Einhufern, von Ochsen, 
von Hirschen mit Riesengeweihe, von einer Art von der Grösse des 
Edelhirsches, vom Elenne, Rennthiere und einem Laman- 
tine. Zu Montpellier kommen Reste vor des Elephauten, des 
Mastodon angustidens, des kleinen Hippopotamus, des 
Rhinoceros leptorhinus und Rh. tichorhinus, des Tapir, 
des Palaeotherium, Anthbracotherium, Lophiodon, Hipp- 
arıion [?], des Ochsen, eines Hirsches von der Grösse des 
Edelhirsches, dann Capreolus Cuvieri und Toluzani, Antilope 
Cordierii, Felis, Ursus, Hyaena, Lamantin, Dugong, 
Delphin, Balaena, Cachalot, Rorqual, Crocodil, Trio- 
nyx, Chelonia, Emys, Testudo, Schwimmvögel, Squali, 
Rajae und Doraden; — der Hirsch mit dem Riesen - Geweihe 
kommt nicht in Auvergne vor. — Bronenurr hat Unrecht, die tertiäre 
Knochen-Ablagerung von Pezenas in Parallele mit den Knochen-Brec- 
cien zu setzen, 


W. Cooper: über die Lagerstätte fossiler Knochen im 
Big - Bone- Lick (Monthly American. Journ., I831, Oct. Nov. — 
nebst Karte; — Bullet. geol. de France, 1833, III, pg. CXxxIn— 
cxxxıv). Diese reiche: Fundstätte liegt in einem engen Thale der 
Grafschaft Boone im nördlichen Theile von Kentucky, 2 Engl. Meilen 
vom linken Ufer des Ohio und 80 M. nördlich von Lexington. — Im 
Mittelpunkte des Thales ist eine Quelle; die Knochen liegen 50—60 
Ruthen von ihr entfernt und 5’—20’ tief im Boden. — Dieser besteht 
von unten auf aus einem Muschel-führenden Kalke, Mergel, weissem 


— 501 — 


Thone, aus Kalk- und Quarz-Stücken mit Knochen und Süsswasser- 
Konchylien, und aus gelbem Thone. — Die bis jetzt gesammelten Kno- 
chen-Reste haben angehört ungefähr 100 Individuen von Mastodon, 
20 Elephanten, 1 Megalonyx, 3 Ochsen und 2 Hirschen; — 
ferner Pferden, Bären, Büffeln und 2—3 Hirsch-Arten, die 
alle noch im Lande leben, deren Reste jedoch der Vf. nicht als fossil 
ansieht. Reste von Pferden, die doch vor der Ankunft der Europäer 
dort nicht lebend vorkamen , hat Mırcnien (Catal. of org. remains) 
auch in New Yersey gefunden, — Die oben erwähnten ausgestorbenen 
Arten sind: 1. Mastodon maximus Cuv., wovon Gopman’s Tetra- 
eaulodon nur ein junges Individuum ist. In den Vereinten Staaten 
kommt nur diese einzige Mastodon-Art vor. — 2. Elephas primi- 
genius Brumene. — 3. Megalonyx Jeffersonii, welches JerrEr- 
son vor 35 Jahren zuerst (in den T’ransact. Amer. phil. Soc. Philad.) 
beschrieben, Drare und MansrıeLd in ihrer Beschreibung von Cincin- 
„ati 1826 erwähnt, und D. T. Muppox auch in der Höhle Big Bone 
Cave in der Grafschaft White, Tennessee, (a description of Big-Bone- 
Cave etc, 17. Aug. 1813) angegeben haben. — 4. Bos bombifrons 
HarLan, zuerst von Wıstar (Transact. Amer. philos. Soc. 1817) ab- 
gebildet. — B. Pallasii De Kar, ? identisch mit B. moschatus. 
Dann Bos latifrons Harrın, den Cuvier als zu Bos urus gehörig 
ansieht, und welcher noch im Lande lebt, nebst zwei andern Arten; — 
Cervus Americanus u. a. A. — Doktor Gorortu scheint zuerst, 
im J. 1804, von diesen Knochen gesammelt zu haben, General Crark 
1806, Coorer und Cozzens 1828, und im 11ten Bande des Medi- 
cal Repository hat Dr. MırcuiLL eine Note über diese Knochen be- 
kannt gemacht. 


IV. Verschiedenes. 


W. Hısıncer: Anteckningar € Physik och. Geognosi under resor 
uti Sverige och Norrige. Upsala 8°. Heft I, 1819, II, 1820; III, 
1823; IV, 1828; V, 1831 (die zwei letzten Hefte in Stockholm auch 
unter dem Titel Bidrag till Sveriges Geognosie). Da. diese periodisch 
erscheinende Schrift, wovon das 6te Heft eben unter der Presse ist, 
früher von uns nicht angezeigt worden, so wollen wir hier eine kurze 
Inhalts-Übersicht mittheilen. 

Ihr wesentlicher Inhalt ist grösstentheils schon (Heft I—IMI) in 
des Verfs. Mineralogische Geographie von Schweden übergangen (1826). 

Heft I, S. 1—112, Dalarne: Höhe und Lage des Landes; Höhe 
der Schneegrenze; Vegetation; Gebirgsarten und deren Verhalten. — 
Jemtland: Höhe und Lage des Landes u. s. w. (wie vorhin) — Tabel- 
len mit Barometer-Beobachtungen in beiden Provinzen und in Norwe- 
gen. — 5 Kupfertafeln mit dem Gebirgs-Profile von Fämundsjön und 


— 502 — 


Runn bei Fahlun;, Aussicht auf den Fjel Städjan; Profil zwischen 
Trondhjems Fiord und Östersjön ; Gebirgsarten-Lagerung von Trond- 
hjems Fiord bis Jemtland; Aussicht auf den Areskut-Fjell. 


Heft U, S. 1—90. (Herjedal): Höhe und Lage des Landes zu 
Röros und bei dessen Kupferwerk; Reise nach dem Töns und dem 
Tron-Fjell, nach dem Syl-Fjell und Ljusnedal; dessen Kupfer- und 
Eisen-Werk,; von Ljusnedal nach Fahlun. Höhe der Schneegrenze., 
Vegetation. Gebirgsarten und deren Verhalten am Ljusna-Elf; von Tennäs 
nach Röros und bis zum Tron-Fjell und Syl-Fjeil. Bemerkungen über 
einige Gebirgsarten, — desgl. über Höhen-Messungen. — Tabellen über 
Barometer - Beobachtuugen im HMerjedal und in Norwegen. — Prolil 
zwischen dem Fjell-Rücken und Östersjön längs dem Ljusna-E!f. 


Heft III, S. 1—103. Reise und Lage des Landes zu Kongsvin- 
ger; Boden-Temperatur und Vegetation; Gebirgsarten und deren Ver- 
halten. — Landes-Beschaffenheit zwischen Kongsvinger, Christiania und 
Holmestrand; Gebirgsarten; Versteinerungen; Vegetation; die Städte 
Christiania, Drammen und Holmestrand. — Das Land von Christiania 
nach Wang bei Mjösen; Vegetation; von Kongsvinger nach Vang, 
Gebirgsarten. — Das Land von Yang nach Dovre-Fjeld; Snöhättan ; 
bleibende Schneegrenze daselbst; Vegetation; Höhe; Vegetation auf 
Dovre-Fjeld; Grenze der Baum- Vegetation; Verschwinden von Ge- 
wächsen im Gudbrandsdal, Niedersteigen der Fjell-Vegetation. Tafeln 
über Baum- und Schnee-Grenzen im Norden. Gebirgsarten in Hede- 
mark, Gudbrandsdal und auf dem Dovre-Fjeld, 2 Tabellen mit Ba- 
rometer-Beobachtungen. — 8 Kupfertafeln: Aussicht auf das Gudbrands- 
dl; Pantoppivdans Charte von Norwegen geognostisch illuminirt; Ge- 
birgs-Profil zwischen Mjös und Dovrefield; bei der Kirche von Sande ; 
Versteinerungen von Fangberg [Schraubensteine und das Innere von 
?Echinosphaerites pomum]; Aussicht von Jerkind auf Snöhät- 
tan; dessen höchste Spitze von 2 Seiten, Verbesserungen. 


Heft IV. S. 1—-258. Beitrag zu Schwedens Geognosie, 

Ir. Bezirk: Uppland, Theil von Westmanland, Nerike und Söder 
manland. i 

IIr. Bezirk: Wenerns Becken, Skaraborgs und Eifsburgs-Lehen ; 
Theil von Dahl und Wermeland. 

Illr. Bezirk: Östergötland. 

IVr, Bezirk: Smäländ’sches Bergland mit Blekinge und Halland. 

Vr, Bezirk: Skäne. 

VIr. Bezirk: Öland. 

VIIr. Bezirk: Gottland. 

Übersicht der Schwedischen Gebirgsarten. 

9 Kupfertafeln: 1) Geognostische Karte über einen Theil von We- 
stergötland,; — 2) Profil von Schoonen zwischen dem Cattegat und Öster- 
sjön; — 3) Profile von Fogelsang; Fruali, Bollerup und Ask in Schoonen; 
— 4) Profile von Limnham’s Kreidelagern und Bursvik’s Sandstein 
und Oolith; — Graptolithen und unbekannte Versteinerungen; — 


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— 508 — 


5)Sphaeronites granatum, Sph. pomum, Encriniten-Krone; 
Gypidia conchydium; Encriniten-Kronen; Atrypa prunum; 
— 6) Cyrtia trapezoidalis; Helicites? centrifugus; Tur- 
ritella; Leptaena euglypha; Terebratula cuneata: 
Turbinites. — 7) Unterer Theil einer Crinoideen-Krone; kleine 
Crinoideen-Krone; Sphäroniten-Platte; Delthyris crispa; 
Terebratula bidentata; Delthyris cardiospermiformis; 
Mytulites; Orthoceratites undulatus; Mytulites retro- 
flexus; Phacites Gothlandicus. — 8) Geognostische Karte von 
Süd-Gottland; — 9) Ammonites Dalmani in Gottland [!)]. 


Heft V. S. 1—174. Dalarne. Herjedalen. Angermannland. Nor- 
wegen. Uppland. Rosiagen und Gestrikland. Westmanland. Nerike. 
Östergöthland. Westergöthland. Smäland. Götheborgs und Bohus-Lehen. 
Dahlsland. Schoonen. Öland. Gottland. Anmerkungen zu den Gebirgs- 
arten. Beilage über Höhen-Messungen. 

Alphabetisches Register über alle 5 Hefte, 

8 Kupfertafeln in 4° voll Versteinerungen aus dem Bergkalke, 
nämlich : 

Taf. I. Euomphalus = Delphinula catenulata. — b.E.D. 
‚subsulcata. — c. Centrifugus — Euomphalus costa- 
tus. — d. Euomphalus centrifugus — Centrifugus 
planorbis. — e. Cirrus — Euomphalus substriatus. 

Taf. I, Fg.1. Turritella cıingulata; 2.Trochus ellipticus; . 
3 Arca; 4. Pectunculus; 5. Avicula reticularis; 6. A, 
retroflexa [?Pterinea Gornr.]. 

Taf. II. Fg. 1. Tellina. Kern; 2. Delthyris|sulcata; 3, 
Atrypa dorsata; 4&. A. reticularis ß. alata; 5. Den- 
talium; 6. Serpula. 

Taf. IV. 1. Orthoceratites communis; 2. O. turbinatus; 
3.0. trochlearis; 4. ©. imbricatus; 5. O. annulatus; 
6. ©. undulatus; 7. O. centralis; 8. O. angulatus; ®. O, 
erassiventris. 

Taf. V. 1.0. striatus; 2. Lituites convolvans; 3.L. lituus; 
4.Hamites baculoidesMünsr. 5.Scyphia empleura Münsr. 

Taf. VI. ?Nautilus complanatus [undeutlich]. 

Taf. VII. 1. ?Fucoides; 2, Entrochit; 3. Trochiten; 4. Tar- 
binolia mitrata; 5. T. turbinata var. pyramidata. 

Taf. VII. 1. Fucoides antiquus; 2 Cytherina Balthica; 
3. C. phaseolus; 4. Fungites rimosus; 5. Turbinotia 
turbinata ß. verrucosa; 6. T. t. y. echinata; 7. T. mi- 
trata ß. obliqua; 8 Cyathophyllum vermiculare; 9, 
Caryophyllia explanata, 

Diese Abbildungen sind sehr gut lithographirt, und liefern 
vorfreffliche Mittel zur Vergleichung der alten Versteinerungen Skan- 
dinaviens mit unseren Deutschen, welche um so erwünschter sind, 


— 504 — 


da die Fortsetzung von Nirsson’s Petrificata Suecana auszubleiben 
scheint. 


Ein Erdbeben zerstörte am 18. Sept. 1833 die Stadt Arica in 
Peru bis auf 43—14 Häuser; — 100, nach Andern aber 600—700 Per- 
sonen sind dabei umgekommen. Der berühmte Berg: Morro.blanco am 
Eingange des Hafens, der sich 200° über die Umgegend erhob, ist jetzt 
fast dem Meeresspiegel gleich. Zwei kleine Inseln in seiner Nähe sind 
so tief eingesunken, dass eine Fregatte ohne Gefahr über sie wegse- 

geln könnte; das schöne Zapa-Thal ist ganz zerstört. Der erste Stoss 
_ fand Abends 104 Uhr Statt; ihm folgten nach 2, 3 und 5 Minuten noch 
drei Undulationen. Das Meer hat sich mehr als 30° über den Boden 
erhoben, (Ann. d. voy. 1834 Jan. I, 132—133). 


Die Stadt Pasto, im Bogota-Staate unter dem Äquator gelegen, 
wurde am 20. Januar 1834 durch ein Erdbeben fast ganz verschüttet. 
Um 7 Uhr Morgens begann dasselbe mit dem ersten der Stösse, die 
sich in Perioden von nie mehr als einer Stunde bis um 3 Uhr des folgen- 
den Morgens immer stärker wiederholten. Von allen Klöstern und 7 
Kirchen blieb nur eine, von allen Häusern blieben nur 3—4 stehen. 
Nach einigen Tagen hatte man bereits 50 Leichen unter den Trümmern 
hervorgezogen. Auf den Strassen nach Quito und Popayan haben sich 
ungeheure Klüfte aufgethan. Die versengende Gluth der Sonne ist 
beispiellos; die Nachtluft dumpfig. 


(Zeitungs-Nachr. vom Mai). 


Bemerkungen 


zu 


einem Durchschnitt durch die Luzerner Alpen, 


von 


Herrn Prof. B. Sruper, 


Mit Tafel VI. 


Die Profil-Zeiehnung, die ich mit einigen erläuternden 
Notizen begleiten will, ist mir im verflossenen Winter durch 
ihren Verfasser, Hrn. ArnorLn EscHkr, gütigst mitgetheilt wor- 
den. Sie enthält die Ergebnisse unserer gemeinschaftlichen 
Beobachtungen auf einer kurzen Reise durch das obere Ent- 
lebuch und einige Gegenden von Obwalden, und macht nicht 
Anspruch auf den letzten Grad von Genauigkeit, da Hr. 
Escher uns hoffen lässt, dass er die Geologie dieser Gegen- 
den in Verbindung mit derjenigen der mittlen und östli- 
chen Schweilzeralpen späterhin zum Gegenstand einer um- 
fassenderen und gründlicheren Arbeit machen werde. Den- 
noch glaubte ich sie dem geologischen Publikum nicht vor- 
enthalten zu sollen, da mehrere wichtige Verhältnisse sich 
darin mit genügender Klarheit darstellen, und da dieselbe 
überdiess zum besseren Verständniss einiger Abschnitte 
in meiner Arbeit über die westlichen Schweitzeralpen die- 
nen wird. 

Jahrgang 18314. 33 


ln 


Eine Eigenthümlichkeit der nördlichen Kalkalpen, die 
sehr viel beiträgt das Studium dieser Gebirge zu verwi- 
ckeln, besteht in dem abnormen Eindringen schiefriger und 
sandiger Bildungen zwischen die regelmässige Folge der 
Kalk-Formationen. Man hat diesen Bildungen bis jetzt we- 
niger Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie meist mit Vege- 
tation bekleidet sind und neben dem felsigen, in hohen 
Zaubergestalten aufgeworfenen Kalkgebirge wenig ins Auge 
fallen, vorzüglich aber, weil ihre Gesteine durch vorherr- 
schenden Kalkgehalt und andere Charaktere sich so enge an 
die Kalkbildungen anschliessen, dass die älteren Geologen diesel- 
ben nicht als selbstständige Gruppen, sondern als unwesent- 
liche Modifikationen der angrenzenden Kalkgebirge betrach- 
tet zu haben scheinen. Für eine künftige Theorie des Al- 
pengebirges dürften indess diese vernachlässigten, unschein- 
baren Bildungen leicht von höherer Wichtigkeit seyn, als 
die Kalkgebirge selbst, da gerade sie es sind, durch deren 
Auftreten die Kalkalpen wesentlich von anderen Sediment- 
Gebirgen ausgezeichnet sind, und ihr Vorkommen bei ge- 
nauerer Untersuchung sich in genauestem Zusammenhange 
mit der ganzen Bildungsgeschichte dieser Gebirge erweist. 

Die vorherrschenden Gesteine dieser Bildungen, für die 
ich schon früher die in unserem Oberlande übliche Benen- 
nung Flysch vorgeschlagen habe, sind graue Mergelschiefer 
von geringer Festigkeit, bald mit starkem Kalkgehalt, bald 
mehr thonig oder sandig, und dunkeigraue, sehr feste Sand- 
steine mit Kalk-Zäment und vielen Kalkkörnern, oft so fein- 
körnig und verwachsen, dass sie leicht mit diehtem Kalk 
verwechselt werden könnten, oft auch mit vorherrschenden 
Quarzkörnern als deutliche Sandsteine sich darstellend. 
Schiefer und Sandsteine wechseln ohne feste Regel mit ein- 
ander ab, theils nach grösseren Massen, theils so, dass je- 
des Sandsteinlager von fest ansitzendem Schiefer umschlos- 
sen wird. Auch nach der horizontalen Ausdehnung der 
Xlyschgruppen findet öfters ein Übergang von vorherrschend 
schiefrigen in sandige Gesteine Statt. Organische Überreste 


— 597 — 


sind nicht häufig. Nicht selten sind zwar die Ablosungen 
der Sandsteinlager mit einem kohligen Staube bedeckt, der 
wahrscheinlich vegetabilischen Ursprungs ist, aber niemals 
lassen sich deutliche Formen erkennen. Dagegen findet man 
hier und da Abdrücke von Fucoiden, vorzüglich F, in- 
tricatus und F. Targioni, und als Seltenheit Belem- 
niten. — Diese Flysch-Bildungen erscheinen im Innern der 
Kalkgebirge in mehr oder weniger, zuweilen viele Stunden 
langen, Linsen-förmigen Massen, ungefähr in der Richtung 
des Hauptstreichens der einschliessenden Ketten. Mitten in 
einem noch unzertrennten Kalkgebirge zeigen sich Anfangs 
nur geringe Spuren, bald als Einlagerung zwischen steil 
aufgerichteten Kalkschiehten, bald als Umänderung der Kalk- 
schichten selbst; allmählich wachsen diese Flyschgesteine an 
Mächtigkeit, das Kaikgebirge theilt sich in zwei Ketten, die 
den Rand der Flysch-Linse bilden, die Schiefer und Sand- 
steine erfüllen die Mulde bis auf den untersten Thalgrund 
und erheben sich zu selbstständigen Ketten und Gebirgs- 
gruppen, dann treten die beiden Wände der Mulde wieder 
näher zusammen, der Flysch verliert seine Mächtigkeit und 
keilt sich zuletzt in dem wieder vereinigten Kalkgebirge 
eben so aus, wie er darin seinen Anfang genonmen hatte. 
Gewöhnlich erscheint der Flysch an den beiden Enden der 
Mulde mehr schiefrig, als Kalk- und Mergel-Schiefer, im 
mittleren Theile aber vorherrschend als Sandstein, worin 
der Quarzsand gegen das Kalk-Zäment stark überwiegend ist. 

Eine der merkwürdigsten dieser Flysch-Linsen wird von 
unserem Profil in der Gegend ihrer grössten Breite durch- 
schnitten. Man findet die ersten Spuren derselben am süd- 
westlichen Ufer des Thunersee’s, in der Gegend von Leis- 
sigen, und selbst noch im Suld-Thale ; dann tritt sie ins Za- 
keren-Thal ein, breitet sich darin im Hintergrund immer mehr 
aus und bildet den über eine halbe Stunde langen @ueerdamm 
der Buhleck zwischen den Ketten des Aohgants und .der 
Brienzergräte. Erst im hinteren Entlebuch, zwischen Flühl 

33 ® 


— 508 — 


und Giswyl in Obwalden, erreicht sie aber ihre volle Mäch- 
tigkeit. Ihr allein gehört der 6000 Fuss: hohe : Feuer- 
stein an, so wie die Zagleren, der Neunalpspitz und der 
Glaubenstockh, und von den Kalkketten der Schratten und 
des Pilatus bis an den Sarner-See und die Alpnacher-Aa 
findet man keine anderen Gesteine. im Bürgenberg scheint 
sich die Bildung wieder auszukeilen, und die Nummuliten- 
und Grünsand-Gesteine, die von Sarnen an ihren östlichen 
Rand bildeten, schliessen sich hier wieder an diejenigen des 
Pilatus an und vereinigen sich mit ihnen zu einer einzigen 
Masse. Sowohl an der Bohlech, als am Feuerstein und an 
der Hagleren haben wir Fucoiden gefunden, und‘ an der 
Westseite der lezteren sollen, nach einer freilich nicht ganz 
zuverlässigen Nachricht, auch Ammoniten vorkommen. 

Am Ausgang des Habkerenthales scheint der Flysch un- 
ter den steil südöstlich fallenden schwarzen Kalk der Brien- 
zergräle einzuschiessen; aber schon in der Gegend der 
Bohleck ist das südöstliche Fallen jenes Kalkes in ein nord- 
westliches übergegangen, der Fiysch ist nun deutlich das 
aufliegende Gestein, und auch. auf der andern Thalseite, wo 
die Nummuliten-Sandsteine des Zohgants und der Seefeld- 
Alpen sich mit schwacher südöstlicher Neigung gegen Zab- 
keren hinabziehen, ist der Flysch denselben regelmässig auf- 
gelagert, und-in den tiefen Graben am Fusse der: Bohleck 
kann man die Nummuliten-Gesteine unter dem Flysch durch 
bis in die Mitte des Thales verfolgen. Gleiche Verhältnisse 
zeigen sich längs dem ganzen südöstlichen Fusse der AZoh- 
gant- und Pilatus-Kette bis nach Alpnach; stets ist der 
Numnmuliten-Kalk die tiefere, der Fucoiden-Sandstein die hö- 
here Bildung. — Weniger klar sind uns die Verhältnisse 
gegen den schwarzen, feinsplittrigen, oft schiefrigen Kalk 
der Brienzergräle geworden, doch glauben wir unbedenklich 
auch hier das Verhalten auf der Bohleck, wo der Flysch 
dem Kalk des Augsimalihorns aufgesezt ist, als das regel- 
mässige anerkennen zu sollen. 

Eine niedrige Vorkette der Brienzergräte erstreckt sich 


u 1 ME 


hinter Sörenberg, am Fusse des Rothhorn durch, gegen Glau- 
benbühlen und greift in den Fuss der Flyschmasse ein, so 
dass der schwarze Kalk noch in beträchtlicher Höhe des 
Abhanges heraustritt; aber eine deutliche Auflagerung des 
Flyschs auf den Kalk wird nicht sichtbar. Auf der mittle- 
ren Gebirgsstufe, wo man mit Wahrscheinlichkeit das An- 
stossen der Flysch- und Kalk-Bildung vermuthen darf, findet 
man viele herumliegende Kalkblöcke, die sich durch Farbe 
und Korn sehr von dem Kalk der Brienzergräte unterschei- 
den, und ein Felsriff, der Stammort dieser Blöcke, steigt 
von da gegen den Rothspitz, der mit steilem nördlichem Ab- 
fall seine Schichten gegen SO. einsenkt. Der hier herr- 
schende Kalk ist dicht, mit einem muscheligen Bruch, hell 
rauchgrau oder dunkelroth, nicht selten von sehr dünnen 
Thonblättern durchzogen und schwarze Feuersteinknollen 
einschliessend, manchem jüngeren Jurakalk oder Jtalieni- 
scher Scaglia ähnlich. Es ist wohl anzunehmen, dass die- 
ser Kalk eher mit dem tieferen schwarzen Kalk in Verbin- 
dung stehe, und der südlichen Grenzkette der Flyschmulde 
angehöre, als dass er den Flysch überlagere, wie man aus 
der Fallrichtung seiner Schichten vielleicht schliessen möchte, 
Auch wird unsere Annahme unterstützt durch das nördliche 
Einfallen der Flyschschichten, die zunächst an den Roth- 
spilz angrenzen, eine Thatsache, die wir zwar nicht in der 
Nähe dieses Berges selbst, aber im Ansteigen von: Guswyl 
nach dem G@laubenstock zu beobachten Gelegenheit fanden. 
Das Vorkommen dieses hellen Kalks steht übrigens bis jetzt 
als eine ganz isolirte Erscheinung da, indem weder west- 
lich, noch östlich eine Fortsetzung desselben bekannt ist. 
Verfolgt man die Windgehänge weiter östlich, so er- 
niedrigt sich auf @luubenbühlen, am südlichen Fuss des Roth- 
spitzes, dieser nördliche Gebirgszug zu einem Sattel, durch 
welchen sich das Marienthal mit dem Thale des Sarner- 
See’s verbindet. Eine Menge Trichter-förmiger Vertiefungen 
bezeichnen die Steinart, deren leichter Zerstörbarkeit wahr- 
scheinlich die Entstehung dieser Erniedrigung zuzuschreiben 


AU 


ist, und auf der Höhe des Sattels findet man den -Gyps 
weiss, feinschuppig ins Dichte, mit eingeschlossenen Kalk- 
brocken, und seinen gewöhnlichen Begleiter, die: Rauch- 
wacke, in grosser Ausdehnung anstehend. Gegen Giswyl 
hinunter bildet er in den finsteren Graben des Zambachs 
hohe Abstürze, die beinahe den Thalboden erreichen, 
Unter dem Gyps liegt, mit gleichem südöstlichem  Fal- 
len, der bedeutende Gebirgsrücken des Enzimalthubels, der 
selbst nur eine Vorkette des mauerähnlich schroff abge- 
stürzten Giswylersiocks bildet. Beide haben :wir als die 
äussersten Grenzmassen zu betrachten, welche. die Brien- 
zergräte gegen Obwalden aussenden, und auch die Steinart 
ist wieder derselbe schwarze Kalk und Schiefer, der in der 
. Grundlage des ARothspitzes hervortritt und die -Hauptmasse 
der Brienzergräte ausmacht. Sowohl der Gyps, als der 
Kalk des Rothspitzes wären demnach als eine Einlagerung 
in den schwarzen Kalk anzusehen. Indess ist dem minera- 
logischen Charakter der alpinischen Kalkarten so wenig zu 
vertrauen, dass die wirkliche Identität der Formationen des 
aufliegenden und unterteufenden schwarzen Kalkes immer- 
hin noch bezweifelt werden darf, da der einzig entschei- 
dende Charakter, die organischen Überreste, in beiden fast 
‘ganz vermisst wird. Nur in dem Kalk des Enzimalthubels 
haben wir einen vereinzelten Belemniten gefunden. 
Weniger zweideutig sind die Lagerungs-Verhältnisse im 
mittlen Theile unseres Profiles, Hier ist der Flysch deut- 
lich und gleichförmig den obersten Schichten des Kalk-Ge- 
birges aufgesetzt, wie am Hohgant und im Habkerenthale. 
Die zunächst unter dem Flysch liegende Bildung ist 
ein’ Quarzsandstein, den wir Zohgant-Sandstein nennen wol- 
len: meist feinkörnig, nur selten mit Neigung zu Konglo- 
merat-Bildung, theils bräunlich grau ins Schwärzlichgraue, 
theils bräunlich weiss mit weisser, von Quarz schimmern- 
der Aussenfläche. In diesen Gegenden erreicht der Hoh- 
gant-Sandstein keine bedeutende Mächtigkeit, ja er fehlt zu- 
weilen auch ganz, während er auf dem Hohgant ausschliess- 


lich die oberste nackte Fläche des Gebirges, die Steinige- 
Matt geheissen, bildet, und auch gegen Habkeren und den 
Thunersee zu in einer wohl über hundert Fuss mächtigen 
Lagerfolge fortsetzt. Nicht selten schliesst dieser Sandstein 
theils vereinzelte, theils in grosser Anzahl. zusammenge- 
drängte Nummuliten ein, und auf Gemmenalp, oberhalb Hab- 
keren, kommen in seiner tiefsten Masse Lager von Stein- 
kohle mit Ampullarien, Turritellen, Melanien, Cy- 
thereen u. a. tertiär scheinenden Petrefakten vor.. West- 
lich vom Thunersee lässt sich derselbe fast ohne Unterbre- 
chung bis an die Diablerets, und jenseits der Rhone tief 
nach Savosen hinein verfolgen, und wir finden. ihn daselbst 
ebenfalls stellenweise durch Steinkohle und tertiär schei- 
nende Petrefakten ausgezeichnet. Ich glaube ferner nicht 
zu irren, wenn ich derselben Bildung auch die Petrefakten- 
Nester des Kressenberges, der Gosau, von Aussee und der 
Wienerwand: beizähle. Da nun der Fucoiden-Sandstein, der 
vom Thunersee bis an den Zuzernersee, auf einer Linie von 
wohl 20 Stunden Länge, regelmässig dem Hohgant-Sand- 
stein aufgelagert ist, nicht als tertiär betrachtet werden 
darf, so muss auch wohl der letztere, ungeacht seiner Grob- 
kalk-Petrefakten, dem Sekundär-Gebirge eingereiht werden, 
Dass aber der Zohgant-Sandstein wirklieh schon der Grund- 
lage des Flysches und nicht etwa noch diesem beigeordnet 
werden müsse, ergiebt sich aus seinen Petrefakten, ferner 
aus seinem öfteren Wechsel mit dem tieferen Kalk, vorzüg- 
lich aber aus seinem unabhängigen Auftreten ohne alle 
Flysch-Bedeckung in den Gegenden westlich vom Thunersee. 

Man findet in unserem Profil unter dem Hohgant-Sand- 
stein eine schwache Lage von grauem Mergelschiefer ange- 
zeigt, der sich durch eine Menge grüner Punkte auszeich- 
net. Es scheint auch diese Steinart in mehrfachen Abän- 
derungen ein konstantes Glied der Altersreihe zu bilden 
und die untere Grenze des Hohgant-Sandsteins gegen den 
Kalk zu bezeichnen: bald, wie hier, als Mergel, bald mehr 
dem Sandstein genähert, oder als deutlicher Sandstein, bald 


— 512 — 


iaehr kalkhaltend, stets aber durch seine grünen Punkte 
charakterisirt. | 

Auch die tiefer folgende, wenig mächtige Bildung ha- 

ben wir sowohl an den Schratten als am Ruhikopf aufgefun- 
den, Es ist ein grauer, sandiger Kalk, der vorzüglich durch 
“die Menge und bedeutende Grösse seiner Nummuliten auf- 
fällt. In dem Hohgant-Sandstein übersteigen diese Thiere 
selten dis Grösse eines halben Zolls, während hier viele 
Individuen, ohne eine beträchtliche Dicke zu erhalten, ‘bis 
zur Grösse eines Thalers anwachsen. 

Dieses Lager mit grossen Nummuliten ist übrigens nicht 
scharf getrennt von dem eigentlichen Schratten-Kalk, der in 
mittler Höhe des südlichen Abfalls der Kette unter ihm 
aufsteigt und, nur selten von vereinzelten Partieen grauer, 
sandiger Mergel, oder von Zohgant-Sandstein unterbrochen, in 
einer Mächtigkeit von mehreren hundert Fuss die oberste 
Masse des Gebirges bildet. Es ist ein bräunlich grauer 
Kalk, vom Feinschuppigen ins Schuppig-Körnige übergehend, 
in Lager von ein bis zu mehreren Fuss Mächtigkeit abgesondert. 
Besonders die obersten Lager sind mit organischen Über- 
resten so angefüllt, dass der Stein fast verdrängt wird; aber 
dieselben sind so fest verwachsen, dass es kaum ‚gelingt, 
etwas Deutliches herauszuschlagen, und meist zeigen sich 
dieselben nur in den Umrissen der abgewasehenen Aussen- 
fläche. Diese Umrisse scheinen, theils von der Kreide-Auster 
(0. earinata), theils von einer der Tornatella gigan- 
tea ähnlichen Univalve, theils von Hippuriten herzurühren. 

Vorzüglich aber zeichnet dieser Kalk sich aus durch seine 
fast gänzliche Entblössung von aller Vegetation und die 
fürehterliche Rauhheit seiner. äusseren Fläche, Schwerlich 
lässt sich in unserem westlichen Zuropa eine treuere Vor- 
stellung von der Zybischen Wüste gewinnen, wie neuere 
Reisende sie schildern, als auf diesen öden, stundenweit 
ausgedehnten Kalkflächen, die von einer Menge vertikaler 
Spalten zerschnitten sind und nur hier und da von gelbli- 
chem Quarzsandstein bedeckt werden. An vielen Stellen 


— 593 — 


lässt sich nur mit Gefahr die Steinfläche betreten, weil die 
Spalten so gedrängt, und die Scheidewände in der Höhe 
so scharf sind, dass das Stillestehen oft eben so misslich 
wird, als das Vorwärtsschreiten; nicht selten auch sind 
durch Einstürze und Auswaschung Schluchten entstanden, 
in denen man hineingeworfene Steine ‚längere Zeit von Stufe 
zu Stufe fallen hört. Man kann übrigens nicht bezweifeln, 
‚dass diese Spalten und Löcher, welche in der Gegend zu 
alten Sagen von Verwünschungen und Teufels-Beschwörun- 
gen und neueren Spekulationen von ausgebrannten Vulkanen 
‘Veranlassung gegeben haben, einzig oder doch vorzugsweise 
durch Einwirkung der atmosphärischen Wasser entstanden 
sind, und auf demselben Wege stets weiter fortschreiten; 
denn es lässt sich diese Einwirkung in allen Zwischenstu- 
fen von den nur wenige Linien tiefen Kerben, die von den 
scharfen Kanten ausgehend die Oberfläche der Felsblöcke 
durchziehen, bis zu den mehrere Klafter tiefen Spalten 
verfolgen. 

Nur an wenigen Stellen kann man vom obersten Rü- 
cken über die steil abgerissenen Schichtenköpfe hinunter an 
den nördlichen Abhang des Gebirges gelangen. Hier findet 
man zunächst unter dem Schratten-Kalk bräunliche Mergel 
mit untergeordneten Lagern von hellbraunem schuppigem 
Kalk, und bei einiger Aufmerksamkeit entdeckt man auch 
Steinkerne von Lutraria Jurassi Brone., Ammoniten 
mit ungetheilten Rippen und elliptischem @ueerdurchschnitt, 
undSpatangen, die mit Sp. laevis Derr. übereinzustim- 
men scheinen. In derselben Schichtenfolge, wenn nicht et- 
was tiefer, findet man am Phlatus die Exogyra aquila 
Gorpr., die Exogyra auricularis Goror, und eine Te- 
rebratula, die der T. Defranci Bronc. sehr ähn- 
lich ist. 

Unter diesen Mergeln treten wieder festere Felsmassen 
aus dem Abhang hervor. Sie bestehen aus einem mit sehr 
vielen dunkelgrünen Körnchen übermengten, schwärzlich 
grauen Kalk, den wir, mit Hrn. Moussox, Grünkalk nennen 


a 1 


wollen, im Innern grünlich schwarz, feinschuppig, an der 
verwitterten Aussenfläche braun mit grünen Pünktchen; 
theils deutlich in 6 Zoll dicke Schichten abgesondert, theils 
unabgesondert in eine Hornstein-ähnliche Masse verschmol- 
zen, theils rhomboedrisch zerklüftet. Wir fanden darin 
wohl Trümmer von Schaalen, aber keine deutliche Petre- 
fakten; am Pilatus kommen Nummuliten darin vor, und. 
wahrscheinlich ist es dieselbe Stufe der alpinischen Kreide, 
die bei Seewen, am Hacken bei Schwytz und an der Aubrig 
bei Einsiedlen sehr charakteristische Grünsand-Petrefakten 
in bedeutender Menge einschliesst, u. a Exogyra halio- 
toideaundE.conicaSow.,Grypheacanalieulata Sow., 
Clypeaster Bouei u. s. w. — Die Mächtigkeit dieses 
Grünkalkes wird derjenigen des Schratien-Kalks wenig nach- 
geben, ja vielleicht sie übertreffen. Doch behält nur im 
höheren Theile der Bildung die Steinart ihren ausgezeich- 
neten Charakter; gegen die Tiefe. zu’ verlieren sich .die 
grünen Körner zuletzt ganz, und der Stein geht über in 
einen sehr feinsplittrigen, schwarzen, oder dunkelgrauen 
Kalk, wahrscheinlich mit beträchtlichem Thon- und Kiesel- 
erde-Gehalt, der in deutliche, 6 Zoll dieke Straten abgeson- 
dert ist und mit dünnen Lagern von Mergelschiefer wechselt. 

In der Mitte des nördlichen Abfalls der Kette wird 
durch die tiefen Graben, durch welche die Hilfern ihre Zu- 
flüsse erhält, eine ganz neue Folge von Gesteinen aufge- 
schlossen. Die Schichten fallen nach SO. mit ungefähr 30° 
Neigung, parallel mit den tieferen, in geringer Höhe über 
ihnen noch zu Tage gehenden Schichten des Grünkalks, 
parallel mit der allgemein herrschenden, sehr gleichförmigen 
Schiehtung des Gebirges. Auch wird man durch keine 
merkliche Unterbrechung in der steilen Böschung des Ab- 
hanges auf einen Formations-Wechsel vorbereitet. Und doch 
ist es unverkennbar Molasse, die hier als die Grundlage des 
Grünkalks hervortritt, ein bräunlicher, feinkörniger, sehr 
fester Mergelsandstein mit weissen Glimmerblättchen und 
Spuren von Lignit. Je weiter man hinuntersteigt, desto 


mm. ala = 


deutlicher entwickelt sich der Charakter der Bildung; die 
Sandsteine zeigen @Quarz- und Feldspath-Körner, ihre Farbe 
wird grünlich und blaulichgrau, es erscheinen untergeord- 
nete Lager von rothem Mergel, dicke Massen von Nagel- 
fluh mit Kalk- und Sandstein-Geschieben wechseln mit dem 
Sandstein, und bis nach Marbach hinunter herrscht immer 
gleiches südöstliches Fallen. Es ist dieselbe Folge von Ge- 
steinen, die längs dem ganzen nördlichen Fuss der Ruhikopf- 
und Polatus-Kette sich nach Zusern fortzieht, hier in dem 
südlich fallenden bunten Mergel des Rengglochs Planorben 
und Limneen, und am Rothsee, in der Molasse selbst, Mee- 
res-Petrefakten der jüngsten Tertiär-Zeit enthält, dann in 
den Rigi übersetzt, und überall sich der grossen Molasse- 
und Nagelfluh-Bildung der flächeren Schwestz anschliesst. — 
Auch in diesem Profil wiederholt sich demnach die schon 
oberhalb Vevay, am Gurnigel, am Pilatus, am Rigi und in 
den Si. Galler-Gebirgen beobachtete räthselhafte Erschei- 
nung, dass die tertiäre Molasse von mächtigen Kalkgebirgen 
überlagert wird, welche Ammoniten, Exogyren, Spa- 
tangen und andere Petrefakten der Sekundär-Zeit ein- 
schliessen, und die grosse Regelmässigkeit der Schichtung 
von Marbach bis an die Brienzergräte erhöht noch wo mög- 
lich das Wundervolle derselben, indem sie jeden Gedanken 
an eine lokale Unordnung in der Lagerfolge oder an ein 
Überkippen des Kalk-Gebirges über die Molasse nothwendig 


verdrängen muss, 


Über 


das Verhältniss der untergegangenen und 
lebenden Konchylien - Arten in Siciliens 
Tertiär-Bildungen, 


von 


Herrn Dr. PhıLıppi, 


Die Zahl der in Sicilien von mir gesammelten noch le- 
benden Weichthier-Arten, mit Ausschluss der nackten Mol- 
lusken und der Polythalamien beträgt 471; die der fossilen 
etwa 360. Von den letztern haben etwa drei Viertheile 
ihre lebende Analoge und zwar mit höchst unbedeutenden 
Ausnahmen sämmtlich im Sicilischen Meere. . Etwas über 
die Hälfte davon, 0,57, hat Sicehiens Tertiär-Formation mit 
der Subapenninen-Formation gemein, nur etwa 0,15 mit dem 
Becken von Bordeaux, keine volle 0,05 mit dem Volhymi- 
Podolischen Plateau und kaum 0,04 mit dem Englischen Crag. 

Lveın ($. Principles of Geology vol. III. p. 54) sagt, 
von 226 fossilen Arten Siczliens seyen nur 10 Arten ausge- 
storben, so dass die lebenden über 0,95 ausmachten, wäh- 
rend sie nach meinen Untersuchungen etwa 0,75 betragen, 
In dem angehängten Verzeichniss (App. p. 53—56) finde 
ich indess kaum 150 Arten aufgeführt, und von diesen sind 
nicht 10, sondern 15 als fossil angegeben, wozu noch fol- 
gende kommen müssen: Buccinum musivum, Pano- 


— 517 — 


paea Faujasii (nicht Aldrovandi, wie Drsnayzs an- 
gibt), Cyprina Islandieoides(?), Trochus aggluti- 
nans (?), Turritella subangulata, von denen mir 
wenigstens nicht bekannt ist, dass sie lebend vorkommen, 
so dass das Verhältniss der fossilen zu den lebenden Arten 
sich wie 150: 130 oder wie 100: 86 stellt; eine Zahl, die 
immer noch bedeutend grösser ist, als diejenige, welche 
meine Untersuchungen geliefert haben. 

Aber wenn auch wirklich nur drei Viertheile der fos- 
silen Konchylien . Siexliens ihre lebenden Analoge jetzt in 
dem Sicilischen Meere haben, so folgt daraus dennoch wohl 
unwidersprechlich, dass die klimatischen Verhältnisse, unter 
denen sich die Tertiär-Formation dieser in so vieler Hin- 
sicht interessanten Insel aus dem Meere absetzte, eine sehr 
grosse Ähnlichkeit mit den noch heutigen Tages dort Statt 
findenden gehabt haben müssen und dass also auch die gros- 
sen Pachydermen, die Elephanten, Rhinocerosse und Hippo- 
potame, welche damals den Boden bevölkerten, und ‘deren 
Knochen so häufig und an so vielen Orten in Sicilien ange- 
troffen werden, wahrscheinlich in .einem Klima gelebt ha- 
ben, das von dem jetzigen nur sehr unbedeutend abwich. 

Will man allein nach der grösseren oder geringeren 
Menge der lebenden Analoge einer Formation ihr Alter be- 
stimmen, so müssten unbedingt die sSicikschen Tertiär- 
oder wenn man lieber will, Quartär-Gebilde, (da man nicht 
sagt: Prim-iär, Secund-iär, so sehe ich keinen Grund Quart- 
iär zu sagen, — Quarternär ist offenbar ganz fehlerhaft) zu 
den allerjüngsten, oder nach Lyzır's Eintheilung zur jün- 
gern Pleiocän-Formation gehören. Vielleicht ist man aber 
aus diesem Umstande allein noch nicht berechtigt, einen sol- 
chen Schluss zu ziehen, da die Gesetze der geographischen 
Verbreitung der Mollusken noch so gut wie unbekannt sind, 
und man z. B. sehr leicht für die Wirkung eines ehemals 
heisseren Klimas Erscheinungen halten könnte, welche rein 
lokal gewesen seyn mögen. Erst wenn wir mehrere mög- 
lichst vollständige Faunen verschiedener Meere besitzen, 


— 518 — 


wird dieser besonders für den Geognosten wichtige Punkt 
ähnlichen bestimmten Gesetzen unterworfen werden können 
und erst alsdann auch eben so sichere Rückschlüsse erlauben, 
als die Geographie der Pflanzen. Mögen meine Testacea 
Sieula und die Bearbeitung der Mollusken des Roihen Meeres, 
welche Herr Prof. Eurengers so gütig gewesen ist mir an- 
zuvertrauen, zur Erreichung dieses Zweckes einen brauch- 
baren Beitrag liefern. 

Doch ich kehre von dieser Abschweifung zurück, um 
zu zeigen, dass die nähere Vergleichung die aus den 
blossen oben angeführten Zahlenverhältnissen abgeleitete grosse 
Analogie zwischen den fossilen und lebenden Konchylien 
Siciliens bestätigt. Die Gattungen, welche den wärmeren 
Klimaten vorzugsweise anzugehören scheinen, fehlen unter den 
Versteinerungen Sicıliens ganz oder sind wenigstens äusserst arm 
an Arten und Individuen. So Nerita, Pyrula, Pterocera, Strom- 
bus, Purpura, Terebra, Voluta, Cypraea, Oliva, Tridacna, 
Perna, Crenatula u. s. w.; ja es ist sogar merkwürdig, dass 
von Cypraea wohl $S Arten lebend vorkommen, aber nur 
2—3 fossil. Dagegen sind die Genera, welche jetzt im Sr- 
cibschen Meere die meisten Arten aufzuweisen haben, 
auch fast alle unter den Versteinerungen sehr Arten-reich, 
z. B. Bulla, Rissoa, Trochus , Buceinum, Murex, Peecten, 
Arca, Cardium, Venus. Die Verhältnisse zwischen den ein 
zelnen Familien sind im Allgemeinen dieselben geblieben, 
nur scheint die Zahl der Bivalven im Vergleich zu den Uhni- 
valven in der früheren Periode weit grösser gewesen zu 
seyn, woraus ich glaube schliessen zu können, dass damals 
weit weniger Küsten und namentlich weniger felsige Küsten 
vorhanden gewesen sind, als jetzt; denn an felsigen Küsten 
sind die Univalven bedeutend über die Bivalven vorherr- 
schend, am sandigen Strande und ferne vom Lande haben 
die Bivalven das Übergewicht über die Univalven. 

Viele der Arten, die jetzt im Sieslischen Meere sehr 
"häufig leben, waren eben so zahlreich in den Gewässern, 
aus welchen sich die Tertiärgebilde Szcöliens niederschlugen, 


a) 


z.B. Natica millepunctata, Bucceinum mutabile, 
Trochus pyramidatus oder crenatus, Tr. striatus, 
Cerithium lima und C. vulgatum, Rostellaria 
pes pelecani, Cypraea coceinella, Dentalium 
dentalis, Anomia ephippium, Pecten Jacobaeus, 
P. opereularis, Arca lactea s. nodulosa, Pec- 
tunculus violascens, Cardium echinatum, C. 
tuberculatum u. s. w. Andere freilich, die wir heutigen 
Tages an den Küsten sehr gemein finden, fehlten zu jener 
Periode entweder ganz, oder sie waren wenigstens sehr sel- 
ten und werden nur an wenigen Lokalitäten angetroffen. 
Es sind besonders solche Thiere, die sich nahe an der 
Oberfläche des Meeres, es sei im Sande oder an den Fel- 
sen, aufhalten, wie Littorina Basterotii Payr. Fis- 
surella nimbosa, fast alle Arten Patella, Mytilus 
minimus, der jetzt mit Chthamalus depressus und 
stellatus alle Klippen bedeckt, die Donax-Arten, Tel- 
lina plicata, T. Costae mi, welche beide in sSici- 
lien gar nicht fossil vorkommen, die jetzt überaus häufige 
Mactra stultorum, endlich Venus decussata, ge o- 
graphiea, laeta Porı, welche letztere drei Arten wir 
nirgends in Sicihien fossil gefunden haben. Mein Freund, 
der Prof. C. GemmeLLAro gibt zwar (in den Afti dell’ accad. 
Gioenia, vol. I. p.201.) Venus deeussata als fossil bei 
la Trezza an, allein es ist diess sicher ein Irrthum und we- 
der in seiner, noch in irgend einer andern Sammlung in 
Sicilien ist diese Art versteinert zu finden. Viele Spezies, 
die in jener Periode sehr zahlreich an Individuen waren, 
sind jetzt selten geworden, namentlich Venus radiata 
Br., Cytherea rugosa, Astarte incrassata, Cardita 
arcuata (Chama are. Pors), Arca antiquata. Da in- 
dessen alle diese Arten nach meiner Erfahrung in bedeuten- 
der Tiefe leben, so ist ihre Seltenheit unter den lebenden 
wahrscheinlich nur scheinbar. Andere, die ebenfalls früher 
sehr häufig waren, sind jetzt im sSiezlischen Meere ganz 
ausgestorben, wie Buccinum semistriatum, Den- 


= 020. = 


talium olephantinum, Luceina radula, Venus 
senilis, Cytherea exoleta; welche aber sämmtlich 
mit, Ausnahme des Buccinum- in anderen Gegenden des 
Mittelländischen Meeres gefunden werden. Cytherea exo- 
leta, welche bei Neapel sehr gemein ist, habe ich in Siez- 
lien nie erhalten, doch hat mich Bıvoxa versichert, sie fin- 
de sich bei Palermo, wenn gleich sehr selten, und so mö- 
gen sich manche der in diese Abtheilung gehörigen Arten 
noch im Sicilischen Meere antreffen lassen. 

Ein sehr merkwürdiger Umstand ist es, dass nur zwölf 
lebende Analoge nicht im Mittelländischen, sondern in. frem- 
den Meeren vorkommen, und zwar fünf in der Nordsee oder 
im Englischen Meere, nämlich Bueeinum undatum, Fu- 
sus contrarius, Venus casina, Mya truncata, 
Psammobia feroensis. 

Von Süsswasserbildungen haben wir nur unbedeutende 
Spuren angetroffen, und von Versteinerungen, die dahin ge- 
hören, kann ich nur zwei nennen: Cyrena Gemmel- 
larii mihö und Valvata striata mil, beide aus 
dem Thone von Cefali bei Catania, wo sie vermischt mit 
Meeresresten vorkommen. Einige Helix haben wir bei 
Palermo gefunden, theils in einem sehr neuen, :sich vielleicht 
noch gegenwärtig fortbildenden, Kalktuffe, theils in demsel- 
ben Kalkstein mit den übrigen Meeresversteinerungen, unter 
ganz ähnlichen Verhältnissen, wie man heutigen Tages so 
‘ viele Landschnecken unter den Schaalen der Meeresthiere 
am Strande antrifft. 

Zieht man die Land- und Süsswasser -Konchylien von 
der Gesammtzahl der Sicikschen ab, so bleiben etwa 400 
das Meer bewohnende Arten, und da von diesen etwa 248 
fossil vorkommen, d. i. über zwei Drittheile, so ist kein vol- 
les Drittheil derselben, so zu sagen, nacherschaffen worden, 
nachdem die letzten Gebilde Siczkens aus dem Meere auf- 
getaucht waren. 


a TEE NEE ZEN EEE Er ] 


Vorläufige Nachricht 
über 


‚einige neue Reptilien im Muschelkalke 
von Baiern, 


von 


7 
Herrn Grafen von Münster. 


Seit. 25 Jahren sammle ich sorgfältig die Überreste fos- 
siler Knochen im Muschelkalk der Gegend von Bayreuth, 
welche sowohl in den obern als in den untern Lagen des- 
selben einzeln „ nie zusammenhängend und selten unbeschä- 
digt vorgekommen sind. 

Je, mehr ich dergleichen zusammenbrachte, kiss schwe- 
rer wurde mir eine genaue Bestimmung der Geschlechter 
von Reptilien, zu welchen sie gehört haben könnten, denn 
mit der Zahl der einzelnen Knoehen und Zähne vermehrte 
sich auch die Zahl der verschiedenen Geschlechter und Ar- 
ten, indem ich von den letztern wenigstens S—9 Spezies zu 
erkennen glaubte. 

v. SCHLOTHEIM, welcher der Knochen aus dem Muschel- 
kalk sowohl in der Petrefaktenkunde als in den Nachträgen 


dazu erwähnt hat, war der Meinung, dass sie von See- 


5) 
hunden und Delphinen herrührten: er berief sich 
dabei auf eine schriftliche Mittheilung Cuvier’s. Dieser 
war aber später in den Zecherches sur les ossem. f0ss: 


Jahrgang 1834, 54 


— 522 — 


T. V. u, pg. 355 der Meinung, dass sie zum Theil riesen- 
mässigen Schildkröten, dem Plesiosaurus und ei- 
nem andern unbekannten Saurier angehört haben könnten, 

Dieser Ansicht stimmten später mehrere Naturforscher 
bei: unter Andern Jäcer, der im Muschelkalke Württembergs 
den Plesiosaurus, lehthyosaurus$ und noch einen 
dritten Saurier gefunden zu haben glaubte. 

Kröpen (Verst. d. Mark Brandenburg, p. S7—S9) führt 
auf die Autorität von Cuvier den Namen Plesiosaurus 
an, bemerkt aber, dass Gorpruss nach einer schriftlichen 
 Mittheilung die Wirbel einem Thiere zuschreibt, welches 
ein Mittelglied zwischen Plesiosaurus und Kroko- 
dil wäre. 

H.v.Mexer, (Palaeologica p. 310 und 311) erwähnt eben- 
falls Plesiosaurus- und Schildkröten-Knochen, fer- 
ner hat er in den Beiträgen zur Petrefaktenkunde Taf. Il. 
Fig. 1, 2, 3 Knochen abgebildet, die er Schildkröten 
und Plesiosaurus zuschreibt. 

Wenn ich gleich auf den Grund dieser Bestimmungen 
einen Theil der im Bayreuiher Muschelkalk gefundenen Kno- 
chen den Plesiosauren und Schildkröten beizählen zu kön- 
nen glaubte, so war es mir doch sehr auffallend, dass von 
einer Thiergattung fast immer die nämlichen Knochen — 
nie die ührigen des Thieres gefunden würden: ich wagte 
‚daher bis jetzt nicht, die vielen Knochen meiner Sammlung 
aus dem Muschelkalke näher zu bestimmen, bis ich endlich 
im Monat März dieses Jahrs so glücklich war, ein neben- 
einander liegendes, zum Theil noch zusammenhängendes, 
ziemlich vollständiges Gerippe eines wunderbaren Reptils 
im Steinbruch des Oscherberges bei Laineck zu finden. 

Es brachte mir nämlich ein Steinbrecher ein Stück 
Muschelkalk, worin einige frisch gebrochene Knochen-Frag- 
mente lagen, die auf das Beisammenliegen von mehreren 
Knochen schliessen liessen; ich ging daher gleich in den 
Steinbruch und fand an der Stelle, wo der Stein gebrochen 
war, das daran passende Stück noch in der Felsenwand 


all, en 


sitzend in einer Tiefe von 30’— 40’ unter der Erddecke. 
Ich liess nun die. obern Lagen wegbrechen und ward durch 
die Auffindung ‘des fest. im Stein steckenden Gerippes für 
meine Mühe. und Beharrlichkeit belohnt. 

Nachdem ich die feste Kalkmergel-Lage, womit die Kno- 
chen bedeckt waren, und einen Theil des harten Kalksteins 
mit Hammer und Meissel weggearbeitet hatte, kamen die 
meisten Knochen des Thieres, bis auf den Kopf und einige 
äussere Fuss- und Hand- Knochen, gut erhalten zum Vor- 
schein; nur die vielen Rippen, vorzüglich die sehr feinen 
Bauchrippen waren so zersprungen und zum Theil zer- 
drückt, dass sie nicht unbeschädigt frei zu machen waren. 
Am schönsten erhalten ist die Wirbelsäule, von welcher 
22 Rücken- und Lendenwirbel nebst 17 Schwanzwirbel 
noch vollständig in gebogener Richtung zusammenhängen ; 
der Hals, von welchem auch noch 13 Wirbel mit einander 
verbunden sind, ist ganz verdreht, so dass der Theil gegen 
den Kopf an den Rückenwirbeln liegt; 14 andere Halswir- 
bel lagen noch — zum Theil vereinigt — umher, desglei- 
chen 7 einzelne Schwanzwirbel, so dass im Ganzen wenig- 
stens 73 Wirbel sichtbar sind. Von den Brustknochen ist 
nur ein Hakenschlüsselbein (os coracoideum) zu erkennen; 
vom Becken dagegen die beiden Hüftbeine (/4um) und ein 
Schambein (vs pubis). Beide Oberarmknochen sind unbe- 
schädigt; mit dem zur Rechten hängen noch die Ellenbogen- 
röhre und die Speiche nebst den meisten Knochen der 
Hand zusammen. 

Auch die Oberschenkel- Knochen sind vollständig vor- 
handen; neben dem zur Rechten liegen noch das Waden- 
bein und das Schienbein. 

Das ganze Gerippe nimmt eine Länge von mehr als 
7' ein, und wenn man den fehlenden Kopf mit den äussern 
Hals- und die letzten Schwanzwirbel. dazu rechnet, so 
scheint das Thier eine Länge von 10' gehabt zu haben. 

Die unverhältnissmässige Länge des Halses lässt einen 
Plesiosaurus vermuthen, aber bei näherer Untersuchung 

34° 


= 524 — 


zeigt sich sogleich, dass wir mit einem neuen, noch sonder- 
barern Reptile der Vorwelt zu thun haben, "welches ‘zwar 
zu der langhalsigen Familie der Saurier gehört, 'der ich den 
allgemeinen Namen Meerdrachen (Aaldracon W AcLER) 
‘geben möchte. In den einzelnen Theilen weicht dieses Thier 
‘aber sehr von den Plesiosauren ab. Während bei diesen 
‘die Beinknochen mit den Armknochen eine grosse Ähnlich- 
‘keit haben, zeigen jene die: grösste Verschiedenheit und 
"scheinen von sanz besondern Geschlechtern von Reptilien 
'herzurühren. So ist z. B. der Oberarmknochen gerade, lang 
ünd dünne, wie ihn H. v. Meyer in den Beiträgen (T. N. 
‚Fig. 2. a, b.) abgebildet und mit dem Wadenbein einer 
Schildkröte verglichen hat; die Ellenbogenröhre und die 
Speiche sind ebenfalls lang und dünn; dagegen ist der 
Oberschenkel sehr breit, diek und gebogen, ähnlich dem 
Schenkelknochen des Plesiosaurus, jedoch verhältniss- 
'mässig viel länger; Schienbein und Wadenbein 'sind sehr 
-kurz und breit, wie beim Plesiosaurus. Unter den 
"Wirbeln: herrscht eine noch grössere Verschiedenheit; ei- 
nige scheinen vom Plesiosaurus, andere vom Krokodile, 
‘wieder andere vom Teleosaurus etc. herzurühren. An 
: den Endflächen sind sie jedoch alle wenig vertieft. Die Rücken- 
wirbel sind an der Bauchseite glatt und haben sehr lange 
Dornfortsätze. Die Halswirbel gegen den Kopf zu haben 
in der Mitte der Bauchseite eine Rinne und am Ende der- 
"selben nach vorn 2 Knöpfehen, welche mit der Rinne ge- 
gen den Rücken zu verschwinden. Die Schwanzwirbel ha- 
ben an der Bauchseite einen erhabenen Kiel mit flachen 
Rinnen an der Seite. 

Die Rippen lagen ohne alle Ordnung unter den Wir- 
beln, sind aber so zerdrückt oder stecken noch so fest im 
‘Steine, dass die Zahl derselben nicht bestimmt werden kann. 
Die Rücken-Rippen scheinen bis zum Becken gegangen zu 
seyn, und nach den Fortsätzen der Wirbel zu schliessen müs- 
sen an jeder Seite 22 gewesen seyn. Ausser diesen findet 
sich noch eine wohl eben so grosse Zahl von ganz dünnen 


Bauchrippen, wie beim Pleurosaurus Goldfussii, 
welche aber zum Theil ein stumpfwinkeliges Knie haben, 
wie beim Pterodaetylus medius. Aus den vorhande- 
nen Theilen des rechten Vorderfusses ist deutlich zu ent- 
nehmen, dass er aus einer ziemlich langen spitzen Flosse 
bestand, ähnlich der des Plesiosaurus. 

Vom Kopf ist nichts weiter vorhanden, als: der vordere 
Theil des Unterkiefers; an den Seiten zeigt er kleine sehr 
schwach gestreifte Zähne, an der Spitze sehr grosse Zähne, 
welche diek, nur wenig gebogen und schwach gerippt sind. 

Je genauer man die Überreste dieses sonderbaren Thie- 
res untersucht, desto mehr überzeugt man sich, dass man 
ein ganz neues Geschlecht von wunderbarer Bildung vor 
sich hat, welches die Eigenthümlichkeiten mehrerer Thier- 
Geschlechter in sich vereinigte; ich habe es daher 


Nothosaurus mirabiliıs 


genannt (Bastard-Saurier, von verschiedenen Arten Thie- 
ren. erzeugt). 

Ich lasse jetzt das ganze Gerippe nebst einigen einzel- 
nen Theilen durch einen geschickten Zeichner abbilden, und 
werde später eine ausführliche Beschreibung desselben be- 
kannt machen. 

Die ganze Versteinerung befindet sich in der Bayreu- 
g, an welche ich sie unter der Bedingung 
überlassen habe, dass sie immer in Dayreuth bleiben muss. 


ther Kreis-Sammlun 


Ausser diesem Nothosaurus kommen im hiesigen 
Muschelkalk noch zwei andere Arten vor, welche ich N. 
giganteus und N. venustus nenne. Der erste zeichnet 
sich durch abweichende Knochen aus, die 4- bis 5-mal so 
gross wie die vom N. mirabilis sind, aber viel seltener 
vorkommen. N. venustus findet sich vorzüglich im Nord- 
deutschen Muschelkalk von Niedersachsen und Thüringen, be- 
sonders in der Gegend von Querfurth, seltener in der Ge- 
gend von Bayreuth; er wird kaum den vierten Theil so 
gross, alsN. mirabilis. Der von H,v. Msyer (in den Bei- 


= 20 = 
trägen zur Petrefaktenkunde, Taf. II, Fig. 2.) abgebildete 


Knochen scheint der Oberarmknochen von Nothosaurus 
venustus zu seyn, und der Knochen Fig. 3 könnte das 
obere Ende des Oberschenkels seyn. 

Von den übrigen Reptilien des Baierischen Muschel- 
kalks meiner Sammlung hat H. v. Meyer erst vor Kurzem 
den Conchiosaurus clavatus (loc. cit. Taf. I, Fig. 3.) 
abgebildet und (pg. S—14) genau beschrieben. 

Am häufigsten kommen im Bayreuther Muschelkalk die 
Überreste eines sehr grossen Meerdrachen vor, den ich 
Dracosaurus genannt habe. Ich besitze einen grossen 
Theil Knochen und Zähne dieses Thieres, welche sämmt- 
lich sehr wesentlich von Nothosaurus verschieden sind. 

Die Wirbel kommen denen des Plesiosaurus schon 
etwas näher; die von H. v. Meyer (, c. Taf. II, Fig. S, 
9, und 10.) abgebildeten Wirbel scheinen hierher zu gehören. 
Die beiden ersten sind Schwanzwirbel, der letzte ein Wir- 
bel aus der Mitte des Rückens. Die Bauchseite derselben 
ist glatt, ohne Grübehen. Die Knochen der Extremitäten, 
dessgleichen des Beckens sind von denen des Plesiosau- 
rus sehr verschieden. Der Schädel zeigt am meisten Ähn- 
lichkeit mit dem des Conchiosaurus, die Zähne sind 
stark bis an die Spitze rinnenartig gestreift, sehr lang und 
krumm gebogen; ihre Bildung geschieht vertikal innerhalb 
des Zahns. 

Ein sechster Saurier des hiesigen Muschelkalks, dessen 
Wirbel die charakteristischen Grübcehen des Plesiosau- 
rus haben, wird in meiner Sammlung noch unter dem Na- 
men Plesiosaurus speeiosus mit einem aufgeführt, 
da ich zur Zeit noch keine andere Knochen gefunden habe, 
die ich mit Sicherheit dem Plesiosaurus zuschreiben 
könnte. 

Von einem siebenten Saurier habe ich einen Theil des 
Schädels aus dem Muschelkalk von M... Stift, der mit dem 
Metriorhynehus Geoffroyii H.v.M. oder Steneo- 
saurus rostro-minor Georr. grosse Ähnlichkeit hat 


a 


und von mir vorläufig Metriorhynchus priscus ge- 
nannt ist. 

Ein achter Saurier des Baierischen Muschelkalks kommt 
bei Rothendurg ob der Tauber zu Lenzhof mit vielen Fisch- 
Überresten vor. Die Zähne haben ganz die Gestalt wie bei 
Mastodonsaurus Jaegeri H.v.Meyer’s, sind aber nur 
halb so gross und mehr gestreift; ich nenne ihn Masto- 
donsaurus Meyeri. 

Ausser diesen acht Arten Saurier kommen noch wenig- 
stens 2—3 Arten im hiesigen Muschelkalke vor, von welchen 
eine sehr klein ist, eine andere Wirbel mit sehr starken 
Vertiefungen an beiden Endflächen hat, u. s. w. 

Eine nähere Beschreibung dieser Saurier behalte ich 
mir vor, bis ich Zeit haben werde, sie näher zu unter- 
suchen, 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
| gerichtet, | 


u IN l 


Giesen, den 2. April 1834. 

Es ist nun beinahe ein Jahr, dass ich Ihnen in Heidelberg das 
Versprechen gab, einige Bemerkungen aus dem Tagebuch eines Aus- 
fluges in die oberen und unteren Neckargegenden mitzutheilen. -Meine 
dienstliche Steliung und viele andere dringende Beschäftigungen lies- 
sen mir jedoch seither überhaupt wenig Zeit für geologische Unter- 
haltungen übrig; ja ich kann sagen, dass ich seit dieser Zeit fast ganz 
davon abgezogen wurde. Diess die Ursache, wesshalb ich erst jetzt 
meine Zusage löse. So viel ich mich entsinne, erstreckte sich diese 
vorzugsweise auf eine Mittheilung über das Braunkohlen-Gebirge bei 
Dietesheim, Das Ergebniss meiner Beobachtungen desselben ist Fol- 
gendes; 

Das oberhalb Hochhausen sehr eingeengte Thal des Neckars fängt 
zunächst diesem Orte an, sich zu erweitern und bildet zwischen ihm 
und Dietesheim ein kleines Becken, in welches sich eine partielle Masse 
von plastischem Thone hineingezogen hat. Auf der linken Neckarseite 
erweitert sich dasseloe Busen-förmig gegen das Gehänge des Muschel. 
kalkes hin, welchen man ungefähr 600 Schritte unterhalb Hochhausen 
unter dem Braunkohlen-Gebirge einschiessen sieht. Aufwärts setzt ' 
dasselbe von da nur bis nach Hochhausen fort. Seine grösste Breite, 
in welcher es auf dieser Seite des Neckars zu Tage erscheint, beträgt 
nur wenig über 300 Schritte. Die durchschnittliche Höhe über dem 
Wasser-Spiegel des Neckars lässt sich zwischen 140 und 160° anneh- 
men. Es scheint, als wenn auf der anderen Seite des Neckars diese 
Bildung eine etwas grössere Ausdehnung gewinne, und sogar noch in 
einige kleine Seitenthälcheun sich hinauf erstrecke. Doch liegt sie da 
fiefer und ist mit Diluvial-Lehm und Gerölle bedeckt. Die Ausbildung 
des Neckartbals sowohl, als vieler kleinen Seitenthäler war lange vor 


—_ 59 — 


dem Absatz derselben schon weit vorgeschritten, oder es konnte viel- 
mehr der damalige Zustand dieser Thaleinschnitte nicht viel von dem 
jetzigen unterschieden gewesen seyn. 

Bei Hochhausen hat man in dieser Bildung ein Braunkohlen. Lager 
aufgefunden, mit dessen Abbau man sich jetzt beschäftigt. Das Dach 
unten aus gelbem, oben aus grauem Letten bestehend ist nur 8 bis 9° 
mächtig, Die Kohlen erreichen eine Mächtigkeit von 3 bis 4° und kei 
len sich nach beiden Seiten hin allmählich bis zu wenigen Zollen aus. 
Ihre Erstreckung ins Feld ist noch nicht ausgemittelt. Eine sehr brenn- 
bare schiefrige Braunkohle setzt zum grösseren Theile das Lager zu- 
sammen. Von ihr werden eine Menge wohl erhaltener Holzreste um- 
schlossen, unter welchen sich viele Baumäste noch mit deutlich erhal- 
tener Epidermis finden, die auf Betula und emige Pinus-Arten zu 
schliessen gestattet. Für das Vorhandenseyn vieler Nadelholzreste spre- 
chen aber ausserdem die Textur-Verhältnisse des Holzes und noch weit 
mehr einige Zapfenfrüchte, welche ich auffand. Alle vegetabilische 
Überbleibsel dieses Lagers lassen die grösste Übereinstimmung mit 
denen einiger Lager der Wetterau erkennen, wie zumal das von Dor- 
heim und Bauernheim, welche grösstentheils Nadelholzarten zu enthal- 
ten scheinen. Auch das häufige Vorkommen von mineralisirter Holzkohle 
bei Hochhausen dürfte in dieser Hinsicht zu Vergleichung mit den Wet- 
terauer Kohlen Anlass bieten. 

Im Dach der Hochhauser Kohlen gewahrt man unmittelbar über 
diesen in geringer Mächtigkeit den Braunkohlenletten. Er bildet hier 
einerseits einen Übergang in die Kohle, andrerseits in den plastischen 
Thon. Dieser färbt sich nach und nach durch bituminöse Theile oder 
fein zertheilte Pflanzenreste schwarz. Die letzteren nehmen ab- 
wärts, den Thon verdrängend, zu, bis die reine Braunkohle hervortritt. 

Auf dieser Reise habe ich einige geognostische Durchschnitte von 
den unteren Neckargegenden bis zur Alp entworfen. Doch unterlasse 
ich es, dieselben Ihnen beizufügen, indem Sie theils viel Bekanntes dar- 
in wieder finden und sie wobl auch für eine detaillirtere Arbeit für 
passender halten würden. 

Im höchsten Grade habe ich es bedauert, bei Ihrer Anwesenheit im 
vorigen Herbste zu Giesen nicht zu Hause gewesen zu seyn. Hr. Prof. 
‚Mitscherricn bestimmte mich damals zu einer Reise nach der Eifel, 
welche wir einige Tage vor Ihrer Ankunft angetreten hatten. Ich habe 
viel Interessantes auf diesem für Vulkane so klassischen Boden gese- 
hen; doch wäre es überflüssig, Ihnen darüber zu berichten, indem Hr. 
MitschHerLich diese Gegend im Detail zu beschreiben die Absicht hat, 
und seine: Arbeit, welche über die Vulkane der Eifel viel Licht verbrei- 
ten und manche bis jetzt kaum bekannt gewesene wichtige Punkte be- 
handeln wird, dürfte wohl bald in den Händen des Publikums seyn, 


A. Kuipstein, 


— 550 — 


Berlin, den 25, April 1834. 

In einem Aufsatze, der jetzt in Karstens Archiv gedruckt ist, habe 
ich durch Untersuchung der Versteinerungen des Kalklagers von Fritzow 
bei Cammin in Pommern nachgewiesen, dass dasselbe in der That zum 
Oolith gehört und am meisten dem Englischen Cornbrash entspricht, 
Erst durch diese Untersuchung ist es mir möglich geworden zu erken- 
nen, dass die von mir in meinem Werke über die Versteinerungen der 
Mark Brandenburg beschriebene Isocardia? cornuta nichts an- 
ders ist, als der Steinkern von Hippopodium ponderosum 
Sow., das in Deutschland noch nicht gefunden war, und dass ferner 
die unter dem Namen Pholadomya euglypha beschriebene und als 
Kern abgebildete Versteinerung des Steinkern der Trigonia clavel- 
lata Sow. ist. Letztere Versteinerung hat auch Hrn. v. ZiETEn ge- 
neckt. Denn die von ihm auf Taf. 72 Fig. 1. a. b. c. dargestellte und 
zweifelhaft ale eine Myophoria angegebene Versteinerung ist keine 
andere, als diese, oder doch eine ihr sehr nahe stehende Art, vielleicht 
Trigonia costata Sow. In meiner Abbildung ist die Muskulatur 
im Steindruck zu stark ausgedrückt. Die Steinkerne sind bis jetzt noch 
ein wahres Kreuz für den Petrefaktologen. 


KLöden: 


Freiberg, den 8. Julius 1834. 
Bei meinem letzten Aufenthalte in Schlesien fand ich Thonschie- 
fer. mit Augit-Krystallen, und zwar zunächst an der Grenze zwi- 
schen Thonschiefer und Porphyr, wo jener von diesem gehoben wurde; 
der Augit wurde unbezweifelt beim Auftreten des Porphyrs dem Thon- 
schiefer beigemengt. — Ich gedenke im nächsten Herbste nach dem 
südlichen Italien und nach Sicilien zu reisen. 


A. Kauantz. 


Stockholm, den 17. Julius 1834. 


Ich habe neulich eine Art von mineralogischer Arbeit beendigt: sie 
betrifft die Meteorsteine, welche ich, von der Ansicht ausgehend, dass 
sie Bergarten sind, auf die Weise zu analysiren versucht habe, um dadurch 
zu entdecken, aus welchen Mineralien sie gemengt sind. Obgleich Sie 
diese ganze Arbeit bald in Pocsennorrr’s Annalen finden werden, so will 
ich Ihnen hier das Resultat doch in der Kürze mittheilen. Die Meteorsteine 
sind von zwei Gattungen. Die allgemeinsten nur habe ich untersuchen 
können, die sind alle von einer Gattung. Die zweite Gattung ist sehr 
selten, nur 3 davon sind bekannt: die Meteorsteine von Stannern, Jon- 
. zae und Juvenas. Die allgemeine Gattung enthält folgende Mineralien: 
1) Gediegen Eisen, legirt mit Nickel, Kobalt, Mangan, Magnesium, 
Zinn, Kupfer, Schwefel, Phosphor und Kohle. Wenn es in Salzsäure 
aufgelöst wird, so fallen davon kleine Krystalle ab, welche in der Säure 


_— 1 — 


nicht auflöslich sind, und aus Phosphor-Eisen, Phosphor-Nickel und 
Phosphor - Magnesium (Radical der Talkerde) * zusammengesetzt sind. 
2) Schwefel-Eisen scheint Fe S, und nicht Magnetkies zu seyn, 
5) Magnet-Eisenstein, schwer von den übrigen dem Magnete 
folgsamen Bestandtheilen zu unterscheiden, kommt in den Meteor- 
steinen von Lautotau und Alais als hauptsächlich das Magnetische aus- 
machend vor. 4) Olivin: macht ohngefähr die Hälfte des Nichtmag- 
netischen aus. Lässt sich durch Salzsäure zerlegen. Enthält Nickeloxyd 
und Zinnoxyd. Dies habe ich auch in dem terrestrischen Olivin gefun- 
den. Das Zinnoxyd macht zwischen 1 und 2 Tausend - Theile aus: 
56) Sılikate von Talkerde, Eisenoxydul, Kalkerde, Thon- 
erde, Kali und Natron, in welchen die Kieselerde zweimal so 
viel Sauerstoff als die Basen enthält. Diese machen bestimmt mehrere 
Mineralien aus, welche man aber nur muthmassen kann. Ich vermuthe 
Augit und ein Leuzit-ähnliches Mineral. — 6) Chrom-Eisen und 
7) Zinnstein. Das erste macht ungefähr 1 p. c. des Nichtmagneti- 
schen aus, der letztere findet sich darin nur in Spuren. Beide bleiben 
rückständig, wenn man den Meteorstein mit Flussspath-Säure zerlegt. 
Ich habe mir einige Abschweifungen über die Herkunft der Meteor- 
steine erlaubt, nehme aber die Freiheit, wegen dieser an die Abhand- 
lung zu verweisen, da sie natürlicher Weise nichts Positives enthalten 
können. — L. Svangere hat bei mir ein Amerikanisches Platina-Erz 
analysirt, welches ich von SwEDENSTJErNA als von WorrL4ston bestimm- 
tes Osmium-Iridium erhalten hatte. Es ist aber ein Iridium-Platin 
(Pl? Ir.), welches 9 pe 0. Rhodium und 4 p. c. Kupfer, aber kein Os- 
mium enthält, 


BERZELIVS, 


Mittheilungen an Professor BRONN gerichtet. 


West Point, 28 April 1834. 


Kürzlich hat man einen neuen Fundort fossiler Fische im bitumi- 
nösen Kalke des rothen Mergels und Sandsteines des Connecticut-Tha- 
les entdeckt, ferne von allen bisher bekannten Fundorten dieser For- 
mation. Die geologischen Beziehungen sind eben dieselben, wie in 
Sunderland, Middlessexz u. s. w. Sie finden sich in 40° Teufe an der 
Seite einer, von einem kleinen Strome tief durch die Felsen geöffneten 
Schlucht, 20 E. Meilen von New Haven. Darüber und darunter lie- 
gen grobe Sandstein-artige Konglomerate; die Ichthyolithen-führenden 
Felsarten sind spaltbare Glimmer-Sandsteine und Schiefer in Wechsel- 
lagerung mit bituminösem Kalk begriffen, zwischen dessen Platten die 
Fische liegen. Sie gehören mebreren Arten an, sind in schwarze bitu- 


— 33923 — 


mindse Kohle verwandelt und ihre Schuppen mit den kleinsten Details 
erhalten; doch sind sie schwer in vollständigen Exemplaren zu bekom- 
men: die Köpfe sind meist unvollkommen. 


W, W. Marne. 


Berlin, den 11. Juni 1834. 


Der Aufsatz vow Leonuarn’s in dem letzten mir zugekommenen 
‘ Stücke des Jahrbuchs ist recht schön und belehrend über die. Verhält- 
nisse von Granit und Kreide bei Meissen, und über den Jura bei Hohn- 
stein. Ich war mit Herrn Bernuarp Corra am 20. Mai in. Hohnstein, 
und Sie können glauben, wie sehr ich aufgeregt war, diese wichtige 
Orte zu sehen. Die Erscheinung ist eine der grössten in Europa: von 
der Gegend von Zittau bis Meissen: ist dieses Aufliegen des Grauites 
ununterbrochen, auf so lange Ausdehnung hin! — Dass bei Hohnstein 
das Juragestein hervorkommt, ist wohl recht auffallend, da kein Punkt 
weder in Böhmen, noch in Sachsen oder der Lausitz bekannt ist, wo 
ein ähnliches Gestein vorkäme; indessen ist es doch nicht auffallender, 
als das Erscheinen des Muschelkalks bei Berlin. Der Quadersandstein 
ist unterbrochen, so weit die Jura-Schichten hervorkommen, und diese 
sind nicht von Quadersandstein bedeckt. Die Schichten sind im Stein- 
bruche selbst zu sehen und schön. entblöst. In der Tiefe nehmen sie 
an Mächtigkeit zu, und stürzen sich mit stärkerem Winkel unter den 
Granit; brauner Sandstein, dann Thon, bilden, die Grundlage; dann 
folgt der Kalkstein. Alle diese Gesteine gehören, so weit ich es zu 
beurtheilen vermag, zu den oberen Schichten des mittleren Jura, und 
der angebrochene dunkelgefärbte Kalkstein würde dem ganzen Fränkischen 
und Schwäbischen weissen Jurakalk gleichkommen. Die dunkle 
Farbe und geringe Mächtigkeit würde ihn dem Kalksteine dieser Schich- 
ten in der Weser-Kette gleichstellen , die dort eben so wenig weiss, 
und eben so wenig mächtig sind. Sie wissen, dass der. weisse (oder 
obere) Jura im mittleren Deutschland die Jura-Formationen einschliesst, 
welche den Oxford clay bedecken. Dieser macht die obere Schicht des 
braunen Sandsteins, welcher den mittlen Jura bildet. Ich glaube, diess 
wird einleuchtend, wenn man sieht, dass alle Versteinerungen, welche 
der Kalkstein enthält, dem Coral rag eigenthümlich sind. Die Sand- 
steine darunter enthalten dagegen, was dem Oxford clay und dem 
mittlen Jura gehört, aber nichts, was gewöhnlich zum untern Oolith 
gerechnet wird. Ich werde mir darüber einige Bemerkungen erlauben. 
Im Kabinete zu Freiberg hat man Ammoniten aus dem Kalksteine, 
welche dem ausgezeichneten Am. polyplocos Reim. durchaus 
gleich kommen. Dieser aber, bisher nur Deutschland eigenthüm- 
lich, ist auch noch nie anders, als im weissen Jura gefunden worden. 
— Sehr richtig und gut sind Graf Münster’s Bemerkungen über den 
bei Hohnstein besonders häufigen Am. biarmatus oder longispi- 


—_— 533 — 


n us Sow., gut abgebildet bei Zıeren Tb. XVI, Fg. 4 als A, bispino- 
sus; er gehört den obersten ‘Schichten des Jura zu Cap la Heve bei 
Hävre. 'Sowzrey hat von ihm geredet da, wo er den Am. Birchii 
beschreibt, ihn aber wieder vergessen, wo er den Am. longispinus 
abbildet. Er bemerkt, dass er dem im Lias vorkommenden Am. Bir- 
chii zwar gleiche, allein nicht so viele Spitzen habe, und schneller 
anwachse. Dass er in tieferen Juraschichten vorgekommen seye, wie 
Graf Münster sagt, finde ich nirgends. ‘Er gehört zur Familie der 
Armaäaten,'unterscheidet sich aber von andern ähnlichen, ‘vorzüglich 
vom Am. perarmätüus, durch den nicht breiten, sondern hohen ge- 
wölbten Rücken, wodurch die obere Spitzen-Reihe auf die Mitte der 
Seiten zu stehen kommt. Auch geht nun der obere Lateral-Lobus nicht 
zwischen beiden 'Spitzen-Reihen "stark herab, sondern schon 'unter den 
oberen Spitzen. ‘ ‘Fast alle Steinkerne ‘von Hohnstein gehören dieser 
Art'an. Tiefer liegt ’Am. Koenigii;, "aus 'der Familie der Planula:- 
ten. ‘Was man noch jetzt unter Am: planulatus verstehen könne, 
sehe ich nicht ein; — noch weniger ist es ‘möglich, ‘wenn man bloss 
Namen anführt, ohne auch das geringste von der äusseren Gestalt hin- 
zuzufügen. ‘Am. Koenigii ist im Durchschnitt der Windungen rund; 
diese Windüngen nehmen schnell’ zu; daher sind die inneren Windun- 
gen ziemlich vertieft, wodurch sich der‘ Ammonit sogleich von A..po- 
lyplocus, A!'mutabilis, A. polygyratus und ähnlichen unter- 
scheidet. ' Den oberen ‘Schichten des mittlen: Jura ist er besonders 
eigenthümlich, und in Schwaben und Franken, wie an der Ports 
Westphalica eine’wahre Leitmusch’el!' Auch glaube ich Am. tri- 
plicatus von Hohnstein bemerkt zu haben. — Herr Oberforstmeister 
Corra besitzt in seiner Sammlung ein schönes Exemplar von Nautilus 
aganiticus Montr., welchen Graf, Münster nach SowergryN. sinuo- 
‚sus nennt. Monzrort, dem ScHLorueim folgt, sollte wohl die Priorität 
behaupten, Der Nautilus, welcher zu Faxöe auf Seeland vorkömmt, 
und welchen Scrrorneım als N. Danicus aufführt, ist nicht verschie- 
den davon. Ich habe Stücke vom Randen, von Aichstedt und von Faxöe 
genau verglichen. Der Seiteneinschnitt geht tief, bis zur Mitte, Der 
Sipho liegt über der Mitte. Aber am Bauchrande ist noch eine Ein- 
senkung der Scheidewände, welche einem Sipho gleicht, die Scheide- 
wand jedoch nicht durchbohrt, ebenso wie man diese Einsenkung am 
N. giganteus oder intermedius des Lias findet, der in Württem- 
berg so häufig ist. — Auffallend ist, dass Terebratula vicinalis 
Sc#ror#. recht, häufig bei Hohnstein vorkommt: ich möchte sie nicht 
T. cornuta nennen, was bei Sowergey ein Monstrum ist; - Auch achte 
ich die frühern Schrorzerm’schen Namen. — Eben so sehr hat es mich 
in Verwunderung gesetzt, dort die schöne Varietät von ScHLoTHEim’s 
T. subsimilis zu finden, welche ich als T. Grafiana beschrieben 
und abgebildet habe: sie ist in Freiberg uud in Tharand zu finden. — 
In Freiberg, wie in Berlin ‚sieht.man Gryphaea dilatata, wie 
von den Waches noires im Calvados, eine Leitmuschel für Oxford \clay. 


— 534 — 


— Im Sandsteine unter dem Kalksteine kommt ‚gar häufig, Belemni- 
tes. canaliculatus  vor,..der ‚überall in Deutschland :den. oberen 
Theil. des mittlen Jura, verräth., — Terebratula biplicata..und 
T. perovalis sind wie aus ‚den Brüchen des , Wilibaldsberges ‚bei 
Aichstedt. So ist denn,bei Hohnstein Alles vereinigt, was die Lage- 
rung dieser Schichten nur bestimmen kann, ‚und die Übereinstimmung 
der organischen Reste muss wahre Überraschung hervorbringen: selten 
wird man sie so vollkommen erwarten dürfen, und, Graf Münster’s 
Listen haben das Verdienst,. dieses besonders hervorgehoben zu haben. 

Es verdient Beachtung, dass viele Petrifikate von Hohnstein, wie Aın- 
monites polyplocus und polygyratus, Terebratula subsai- 
milis, biplicata, elongata, Nautilus aganiticus, Pholado- 
mya aequalis in Franken und Schwaben nur in dem weissen Jura- 
kalkstein vorkommen, in Hohnstein. aber in. schwarzen Schichten (wo- 
durch auch schon dieser Kalkstein: sich vom Plänerkalk gar sehr ‚unter- 
scheidet). Diese Schwärze und geringe: Mächtigkeit der oberen Jura- 
schichten, welche doch vom . Genfer-See an ‚bis Coburg so ausseror- 
dentlich durch ihre weisse und durch ihre. gemeinhin viele hundert, Fuss 
übersteigende Mächtigkeit, auffallen , ist ebenfalls den oberen. Jura- 
schiehten der Weser-Kette bei Minden und. in Bückeburg :eigenthüm- 
lich. Die Karte vom ; nördlichen Deutschland lässt. aber ‚sogleich, be- 
‚merken, wie auch wirklich der so sonderbar isolirt hervortretende 
Jurapunkt bei: Hohnstein, ganz in der Richtung und im. Fortlauf der 
Weser-Kette liegt und daher sehr wohl..als, ihre : Forsetzung angese- 
hen werden kann.‘ Fände man noch, die Bückeburger  Kohlenflötze 
darüber, so. wäre. die Analogie vollkommen, 


In der ScuLorueıw’schen Sammlung befinden sich viele Stücke von 
einem Nautilus vom Kressenberge bei Traunstein, den ich nie, be- 
schrieben gefunden habe, und der doch so sonderbar, so merkwürdig in 
seiner Bildung ist, dass er die grösste Aufmerksamkeit verdient und, 
wäre er näher beachtet worden, irgend. einer ‚Meergöitin ihren Namen 
abgeborgt haben würde. Er ist im Kataloge der Scurorseım’schen 
Sammlung als N. squamosus*) aufgeführt, ein Name, der ihm auch 
verbleiben kann. Er gehört zu einer Abtheilung mit N. Aturi Basr. 
von Dax, welchen D’Orsısny Aganis nennt: Sie wissen, dass dieser 
schöne Nautilus einen ungeheuren. Ventral-Sipho und oben, dem Rü- 
‚cken nahe, auf jeder Seite einen zylindrischen Lappen besitzt, welcher 


*) Es ist sonderhar, dass dieser Name in Scntoruzim’s Petrefaktenkunde fehlt, ob- 
schon er schon im v. LEoNHARD’schen Taschenbuche VIl, TI vorkommt, wobei Fi- 
guren und Schweizerische Fundorte zitirt werden, welche zu dem Kressenberger 
nicht passen, so dass es vielleicht angemessener wäre, diese Aressenberger Art 
wegen der ausgezeichneten Form ihrer Loben N. lingulatus zu nennen. — 
Sowergy’s N. zigzag ist mit N. Aturi gleich, die Flügel der Scheidewände ge- 
hen senkrecht, beim Kressenberger sehr schief zur vorigen Windung herab. 


— 539 — 


tief an der Schaale herabgeht.. So auch der vom Kressenberge : sein 
Sipho ist, sehr gross und berührt die vorige Windung, geht aber doch 
noch durch die Wand der Kammern. . Oben‘ zu beiden Seiten ‚senken 
sich auch hier zwei Loben der Scheidewände rückwärts ein, allein ‚nicht 
zylindrische und,..enge, wie bei, jener Art, sondern, von der, äusseren 
‚Seite „gesehen, ‚zungenförmige, vorn weit, hinten konisch zugehend, 
unten bauchig, oben fast gerade, der Peripherie nämlich parallel. ‚Auch 
der zierliche Bogen: des, Sattels ist ausgezeichnet. . Bei dem oben er- 
wähnten Nautilus aganiticus oder N, Danicus verlieren. sich: die 
‚Vertiefungen, wenn sie die Wand erreichen, oder setzen sich Bar über 
den ganzen Durchmesser der Kammerwaud fort, 


L. v. Buch. 


Heidelberg, den 30. Juli 1884., 


“ Die aBwich bildet auf ihrem Wege durch Salzburg: einen een 
Winkel’ *), indem sie. von ‘Krimi im ‚Pinzgau bis St. Johann: in der 
Richtung der 'Zentral-Kette ‘der. Alpen nach O., von da bis: zu, ihrer 
Vereinigung 'mit der. Saal unterhalb der Stadt Salzburg nach N, fliesst. 
Im Anfang bestehen die nördlichen Thalwände derselben aus: aufge- 
richteten und verworfenen Schichten der UrEr-dkruste, welche sich in 
einem Dutzend, von’ der Zentral-Kette an, rechtwinkelig einmündender 
Queerthäler, wie im Gastein-, Rauris-,: Fischer-Thal ete., recht‘ gut 
beobachten ‘lassen. Talk- und Hornblende-führende Gesteine‘,' zumal 
-aber’körniger Kalk, welcher. mit jenen unregelmässig 'wechsellagert und 
Dr. Corra’s Meinung”), dass dieser einst die’ Erdkruste zu bilden‘ 'we- 
sentlich beigetragen, vollkommen‘ bestätiget, setzen jene Schichten haupt- 
sächlich zusammen.’ Die Abschwemmung eines grossen "Theiles dersel- 
-ben hat Veranlassung zu sekundären Ablagerungen uüuterhalb St.’ Jo- 
kann in den. Voralpen geboten, welche‘ aus Sandsteinen, : Thonen,‘Mer- 
geln und deren Übergängen bestehen, worunter die Kalkschichten' jedoch 
-vorherrschen, ‘die dem sog. Alpenkalk angehören, welchem: man 'so 
verschiedene Stellen im Systeme angewiesen, die eben jetzt von den 
meisten‘ Geognosten dem Wiener "und Karpathen - Sandstein unterge- 
‘ordnet und in die Formation der Kreide und des’ Grünsandes gesetzt 
zu werden scheint. Das Erste scheint mir richtig; rücksichtlich des 
Letzten aber würden sich einige Widersprüche beobachten lassen: 

Von St. Johann bis Werfen stehet sogenanntes Übergangs-Gebirge 
zu Tage, mechanische Niederschläge ‚vor der Erscheinung organischer 
Wesen entstanden. Unterhalb Werfen tritt dann die Alpenkalk-Forma- 
tion mit vorherrschendem Kalke von zweierlei Art auf: der eine ist 
dicht und geschichtet und enthält Pflanzen- und Thier-Reste ; der andere ist 


*) Vgl. Jahrb. 1830, S. 153 £. "BR. 
**) Noch früher von MITscHEBLICH geäussert, Br. 


— 3356 — 
’ 
'körnig und ergibt sich als wirklicher Dolomit. "Der "erste Ist dunkel 
'blaulich-aschgrau , zuweilen von Eisenoxyd roth gefärbt und‘ liefert 
‘dann den schönen rothen' Marmor, welcher in den’ herrlichen’ Brüchen 
'anı 'Untersberg so häufig ' gewonnen wird. Dieser Kalk nebst’ dem ihm 
‘untergeordneten Kalksteine wird oft von kleinen Kalkspath- Adern in 
‘allen Richtungen durchsetzt. Von Werfen bis in die Gegend von Salz- 
burg sind die Kalkschichten oft gehoben und zerrissen und bilden 
Berge bis zu 4—6000° Seehöhe. Bei Salzburg ist die Störung der 
Schichten weniger bemerklich, und noch weiter nach 'Norden, zu Te- 
'sendorf, Maria Plain, Mondsee etc., liegen sie noch wie ursprünglich 
auf dem älteren, doch schon etwas’ wellenförmig gewesenen Boden. 
Der. Dolomit hat eine heller aschgraue, zuweilen ganz weisse Far- 

be; er erscheint nie in der Ebene in Wechsellagerung mit den unge- 
störten Schichten des vorigen, sondern bildet isolirte Berge, deren Form 
an eine Eruption denken lässt; er beschränkt sich auf jenes Gebiet, in 
welchem die "gestörten Schichten des Alpenkalkes vorkommen, erhebt 
sich, aber: nicht, bis zu der Höhe, wie diese. \:Am»Nonnenberg, amıOfen- 
„lochberg;. bei.Sulzburg u..s..w. 'sieht.'man ‚die Schichten. des‘ 'diehten 
:Kalkes und.’die darauf ruhenden :Nagelfiuhe sich mit einer: Neigung: von 
„etwa: 50° 'an. die. dolomitische Eruption 'anlehnen.. An.,andern Orten 
aber; am :Geisberge und selbst. in der Dolomit-Masse des Nonnenber- 
ges „sind beide Felsarten so ‚durcheinandergemengt und ‘gehen 'so all- 
mählich: in. einander über,, dass man nicht sagen. kann, wo; die eine auf- 
;höre.und die andere anfange. An ‚einigen‘ Stellen sieht dieses Gestein 
zwar Brececien-artig”) aus, als. ob kleine ‚Dolomit-Geschiebe . durch Do- 
‚lomit-Masse gebunden wären, was mir: jedoch: vielmehr. eine Folge, zer- 
setzender Einwirkung durchsickernder, Wasser‘ zu..;seyn scheint, weil 
das. ‚Konglomerat nie, zusammenhängende ‚Schichten. bildet,’ noch ‘auch 
je. zwischen zwei. Gesteinen ‚von. ‚anderer Natur eingeschlossen liegt. 
‚Ich habe dieselben Erscheinungen. .des ‚Konglomerates . und des allmähli- 
‚chen Überganges beider. Gesteins-Arten „auch, bei. Wien: zu Bertholds- 
‚dorf: und.izu Kalksburg ‚beobachtet, wie. es ‚Dr. Corra, in..der Jura-For- 
mation bei, Donauwörth angetroffen hat. Gehörten jene Dolomite wohl 
„einer dieser zwei letzten Bildungs-Epochen an’? 

....Von Versteinerungen fand ich Fweoides Targionii, F. ts 
und 2E, aequalis in den Thon-, Mergel- und Kalkscehichten von, Ein- 
ring bei Teissendorf, am Berge Maria Plain bei Salzburg, im,Norden 
von Mondsee bei Adnet, Gries und. Oberalm unfern Hallein; — dass 


| 


*#) Ich babe nach der gefälligen Anleitung des Herrn Geh. Hofrathes GmeLm eine 
Analyse beider Dolomite in dessen Laboratorium unternommen, wormach die Zu- 


samnıensetzung ist: hol 
Gewöhnlicher Dolomit Konglomerat-förmigex ‚Dolonüf. 


Kohlensaure Kalkerde . . ... 0,615 PRESSEN NE 
_ Talkerdens rn. 008, 0,378 a N ERN- 
Kieselerde und Eisenoxyd . . .». » 0010 1....... 0,010 


1,003 1,907 


Ja. 

dieselben am Leopolds- und Josephs-Berge bei Wien vorkommen, ist 
bekannt. Ammoniten finden sich in den rothen Marmorbrüchen am 
Untersberg, und bei Adnet, welche ich zwar nicht spezifisch bestimmt 
habe, die aber zuverlässig gleicher Art mit jenen in der Gegend von 
Wien sind. Ammonites biplex und Aptychus imbricatus, die 
bisher als bezeichnend für Lias und Jurakalk betrachtet worden, er- 
scheinen mit jenen Fucoiden bei Adnet. Herr Inspektor Knorr hat 
mir einige Handstücke des Kalkes von Berchtesgaden voll Monotis 
salinaria geschenkt. Im Ofenlochberg und bei St. Gilgen am Wolf- 
gangsee habe ich viele kleine Gryphäen gefunden, die aber nicht 
rein aus dem Gesteine geschlagen werden konnten, um sie zu bestim- 
men; — und an ersterem Orte kommt in ihrer Nähe eine kleine Schichte 
von.Steinkohlen und bituminösem Mergel vor. Bekanntlich enthält die- 
ser Theil des Alpenkalkes auch einige Salz-Ablagerungen, wie der nörd- 
liche Abhang der Karpathen. 

Die Emporhebung der Alpenkette scheint nach der Meinung der 
besten Geognosten in der tertiären Periode Statt gefunden zu haben. 
Nach Erıe De Beaumont wäre die Emporhebung vor der tertiären Zeit, 
aber auch nach dem Niederschlag der Kreidegebirge angedeutet, so 
dass mithin die Formation des Alpenkalkes eine bemerkliche Umwäl- 
zung erst nach Absetzung der Kreide und des Grünsandes erfahren 
hätte. Daher es wohl möglich ist, dass die Organismen der Kreide-, 
Jura- und selbst älterer Perioden mit einander fortlebten, und dass ihre 
Reste nun durcheinander gemengt vorkommen. 


J. Ezaurera oe Bavo, 


Ludwigs-Saline Dürrheim, den 1. August 1834. 


Von den Schildkröten im Torfe haben wir allmählich Überreste 
von wenigstens vier Individuen gleicher Art aber verschiedener Grösse 
aufgefunden, welche an verschiedenen Orten eines bis 20° mächtigen 
Torflagers, und zwar 6'—12’ tief darin umherlagen. Sie scheinen 
Vorrz’n und Duvernoy’n eine neue Spezies auszumachen. (Ich werde sie 
nach Siutögart mitbringen.) Diese Thiere müssen mithin vordem hier 
an Ort und Stelle gelebt haben, was bei unserer hohen Lage in unge- 
fähr 2300° über der Meeresfläche gewiss überraschend ist. Doch viel- 
leicht würde man im Torfe auch Pflanzenreste finden, die der zum Le- 
ben jener Thiere einst nöthigen Temperatur entsprechend wären, Ich 
will desshalb Torfstücke sammeln lassen und untersuchen. — Auch an- 
dere Knochen sind in diesem Torflager gefunden worden, welche theils 
von in hiesiger Gegend noch lebenden Thier-Arten, theils aber von solchen 
abstammen, die einer langen Vorzeit angehören mögen, wie Hirsche, 
Büffel u. s. w. Jene Lager enthalten Stellen (auch noch unter den 
Schildkröten), welche ganz aus Helix-Schaalen bestehen, die beim Trock- 


Jahrgang 1834. 35 


— 5358 — 


nen wie gebrannter Kalk aussehen, und von noch lebenden Arten ab- 
zustammen scheinen. 

Der Bruch im Gyps auf Hohefhöven ist jetzt ebenfalls wieder in 
Betrieb, und schon sind letzthin wieder mehrere Exemplare Ihrer Tes- 
tudo antiqua gefunden worden, welche ins Fürstl, FüRSTENBERGISCHE 
Kabinet nach Donaueschingen kommen werden. 


v. ALtuaus. 


e ——— nn 


Bayreuth, den 22. August 1834. 


1) In der merkwürdigen Höhle bei Rabenstein, in welcher bisher 
neben den gewöhnlichen Höhlen-Bären und Wölfen auch 
fossile Überreste von Elephas primigenius, vom Pferde, 
Schweine, Rennthiere, Fuchse und einer kleinen Katzen- 
Art gefunden worden sind, habe ich auch zwei Oberarm-Knochen 
von zwei ganz verschiedenen Rhinoceros-Arten erhalten. Bei 
der nähern Untersuchung derselben ergab sich, dass der eine dem 
gewöhnlichen fossilen Rh. tichorhinus angehört, von welchem 
Eserron schon früher einen Mahlzahn daselbst gefunden hatte; 
der zweite ganz vollständige und unbeschädigte Humerus ist vom 
Rh. leptorhinus, von welchem bisher, so viel ich weiss, in 
Deutschland keine Überreste vorgekommen waren. 

2) Die diessjährige Ausbeute an fossilen Knochen aus dem hiesigen 
Muschelkalk war höchst interessant und gab mir endlich Aufklä- 
rung über so viele bisher aufgefundene räthselhafte Knochen aus 
dieser Formation. Nach 25jährigen Nachsuchungen war ich die- 
ses Frühjahr so glücklich, das noch zusammenhängende ziemlieh 
vollständige Gerippe eines wunderbaren Sauriers zu finden, den 
ich Nothosaurus (Bastard- Saurier) genannt habe, und von 

. welchem 3 Arten im Muschelkalke vorkommen. Er wird gegen- 
wärtig behufs einer grössern Abhandlung abgebildet; eine vor- 
läufige kurze Beschreibung werde ich diesem Briefe beilegen. 

3) Auch an Fisch-Überresten habe ich aus dem Muschelkalk 
wieder einiges Neue erhalten, namentlich von dem sonderbaren 
Fisch, welcher den Übergang zu den Sauriern bildet und daher 
von Acassız Saurichthys genannt ist. (S. dessen Feuilleton 
additionel pg. 42 im II. Hefte seiner Recherches etc.) Ich 
kannte bisher nur den Saurichthys apicalis: nun habe ich 
noch zwei neue Arten gefunden. Zähne des einen kommen auch 
im Muschelkalk bei Göttingen vor und sind von HerrM. v. MEYER 
in seinen Beiträgen zur Petrefaktenkunde beschrieben und Taf. II 
Fig. 4, 5,6 abgebildet worden, ohne jedoch zu bestimmen, ob diese 
Zähne Fischen oder Sauriern angehören. Auch von einem Hay- 
artigen Fische mit starker Chagrin - Haut erhielt ich ein gros- 
ses Stück von Laineck. 


-— 39 — 


4) Neulich habe ich die ganze Sammlung Kelheimer Fische des 


5) 


6) 


7) 


8) 


9 


De 


‚Oberstbergraths v. Voıtu in Regensburg, deren Acassiz in seis 


nem Feuilleton additionel erwähnt, erworben, und ausser den 
von ihm benannten Arten noch verschiedene unbekannte Fische 
gefunden, worunter ein neues Genus ist, bei welchem die Wirbel- 
Säule mitten durch die Schwanzflosse geht und ein zweites pinsel- 
förmiges Schwanzende bildet. Ich habe diesen Fisch bis zur nä- 
hern Bestimmung von Acassız Undina penicillata genannt. 
Von zwei Arten Hayfischen erhielt ich grosse Bruchstücke 
von Kelheim, und einen schönen neuen Caturus von Solenhofen, 
dem Cat. elongatus Ac. ähnlich, aber verhältnissmässig viel 
breiter mit schr kleinen Schuppen. Ich nenne ihn C. latus. 
Aus dem Kreide-Sandstein (Greensand) der Baumberge bei 
Münster erhielt ich einen neuen grossen Fisch zum Genus Isti- 
cus gehörend, ähnlich dem I. grandis Ac., aber von demselben 
durch die weit grössere Zahl von Wirbeln etc. verschieden, daher 
ich ihn vorläufig I. polyspondylus genannt habe. 

In den Kelheimer Schiefern befindet sich auch eine kleine 
Meer-Schildkröte, welche ich nächstens abbilden und be- 
schreiben werde; ferner eine neue Art Limulus ‚ ein neuer 
Pecten etc. 

Von meinem Bruder in Osnabrück, durch delehen ich meine schö- 
nen und seltenen Kreidefische aus Westphalen erhalten habe, be- 
kam ich in einer Sendung Versteinerungen aus dem Kreidemergel 
von Haldem bei Lemförde zwei ganz neue ausgezeichnete Sca- 
phiten, doppelt so gross als die bekannten Arten, einer mit 
11, der andere mit 7 Reihen kleiner Knoten umgeben, den ich Sca- 
phites ornatus nenne; ferner mehrere schöne sehr grosse 
Hamiten, einen neuen Turriliten und neue Univalven. 
Unter den fossilen Resten des Greensands von Regensburg fand 
ich dieke konische Zähne eines mir noch unbekannten Sauriers; 
sie sind unten rund und gestreift, oben etwas flach und glatt. 

In der Gegend von Altdorf war ich so glücklich, die über einen 
Schuh lange Spitze der Schnautze des Gavial-ähnlichen Thie- 
res mit 16 langen gebogenen Zähnen an jeder Seite zu finden, 
von welchem sich einige Theile des Kopfes in der grossherzogli- 
chen Sammlung zu Darmstadt aus Altdorf befinden, und welchen 
Dr. Kaup nach einer brieflichen Mittheilung Mystriosaurus 
Laurellardi nennt. Vorher hatte ich in Regensburg von Hrn, 
VoırH eine Kiste voll Knochen und Schuppen dieses Thieres ge- 


- kauft, unter welchen sich der mittle Theil des Unterkiefers be- 


findet. Die rechtwinkeligen Schuppen sind sehr gross und dick, 

aber oben und unten glatt ohne die halbsphärischen Grübchen auf 

der Aussenfläche, welche die Schuppen des Teleosaurus be- 

zeichnen; die grössern Schuppen sind aber 3‘ Par. lang, 3° breit 

und 1'”—3'' diek, Die Rücken-Wirbel, welche 27‘ bis 30’! Jang 
35 * 


—- 340 — 


und an beiden Endflächen ein wenig vertieft sind, haben an der 
Gelenkfläche eine Breite von 22‘, in der Mitte des Körpers 
12, sind mithin hier ‘bedeutend dünner. Sie sind von den 
Rückenwirbeln, welche Jäser (Foss. Rept. pg. 7, Tf. IV, Fg. 1) 
beschrieben und abgebildet nat, in der Form wenig verschieden. 

An einigen Stellen, wo der Unterkiefer beschädigt ist, sieht man 
die Ersatz-Zähne deutlich liegen und bemerkt, dass die Zahn- 
bildung innerhalb des Zahns vertikal ging. 


10) Über die bisher in Baiern gefundenen vielen Reptilien aus 


der Flötz-Formation habe ich einen Aufsatz für die Baieri- 
schen Annalen geschrieben. 


41) Im Gypse des Steigerwaldes, welcher dort unter dem Muschelkalk 


vorkommt, habe ich eine Voltzia gefunden, welche von der 
Voltzia brevifolia kaum zu unterscheiden ist. 


'12) Im Keupersandstein jener Gegend, am Schwabenberge, fand 


13) 


ich ein aufrecht stehendes Equisetum, an welchem die Scheiden 
fast eine. Linie vom Schaft abstehen, dieser letzte ohne Scheide 
gleicht dem Equisetites Bronnii v. Sr., die Scheiden ha- 
ben gewölbte breite Streifen mit sehr langen Grannen-ähnlichen 
Spitzen. 

Mehrere neue Fahrenkräuter aus dem Keuper habe ich ab- 
bilden lassen und dem Grafen ©. STERNBERG für das nächste 
Heft mitgetheilt. 


14) Bei meinem Aufenthalt in Regensburg hatte ich Gelegenheit die 


Versteinerungen des sog. Trippels vom Senkhof bei Amberg 
und von Wackersdorf bei Schwandorf in der schönen Sammlung 
v. Voıtu’s zu untersuchen, welcher von ScHLoTBEIM und Gkrar 
zum bunten Sandstein unter dem Lias gerechnet wurde, und aus 
welchem ScrrLotueım den Palmacites annulatus (Petrefakten- 
kunde 396), dessgl. Carpolithus malvaeformis und €. se- 
calis (pg, 422) beschreibt. Es kammen uämlich nach der Äus- 
serung. des Hrn. v. Vorss dort zwei Schichten dieser Trippei- 
Art vor, von welchen die unteren Überreste von Pflanzen und 
die obere Meerwasser-Versteinerungen enthält. Letztere gehören 
— so weit ich sie untersuchen konnte — den Kreide-Formationen an. 
Ich fand darin die charakteristischen Arten Pecten, Exogyra, 
Cy-darites, Frondiculina etc. der unteren Kreide. Bei der Pflaun- 
zenschichte über der Braunkohle fand ich Dicotyledonen- 
Blätter, welche ich auch in der Braunkohle und dem darüber lie- 
genden Eisenstein gefunden hatte, dessgleichen den Folliculi- 
tes Kaltennordhemensis (Zenker) und andere noch nicht 
bestimmte Gräser und Päanzenstiele; ferner einige vollständige 
Tannenzapfen, etwas grösser wie von Pinus picea, und 
die von ScHLoTHEIM angeführten Pflanzen-Arten. Sein Palma- 
cites annulatus ist aber eine Stigmaria. An meinem 
Exemplare sitzen noch einige Blätter am Stamme. 


— wa 7 


45) In der Braunkohle des Fichtelgebirges habe ich ausser einigen 
neuen Arten Fahrenkräutern nun auch ein Equisetum gefun- 
den, welches an das E. arvense erinnert, 

16) Vor Kurzem erhielt ich aus unserm untern Oolitlı einen grossen 
Gaumen-Zahn eines ganz neuen Psammodus, der von allen mir 
bekannten Arten verschieden ist. 

17) Seit einem Jahre habe ich eine grosse Menge fossiler Fische un- 
tersucht, in welchen die Gedärme sichtbar sind. Ich besitze selbst 
gegen 20 Exemplare von den Geschlechtern Leptolepis, Thris- 
sops und Caturus mit deutlichen Gedärmen in den Bauchhöh- 
len. ‘Je mehr 'ich’ aber dergleichen Gedärme untersuche, desto 
weniger kann ich mich überzeugen, ' dass alle unter‘ dem Namen 
Lumbricaria von Gorpruss abgebildete und beschriebene Ar- 
‘ten dahin gehören ‘oder gar Koprolithen seyn sollten. ' 


Die auf Taf. 66, Fg. 3 abgebildete Lumbricaria recta ist un- 
bezweifelt.zu den Koprolithen oder Gedärmen zu zählen, welche wenig- 
stens in 12—15 verschiedenen Formen im Solenhofer Schiefer vorkom- 
men, und deren ich bereits im Jahrbuch der Mineralogie vom Jahre 1830 
pg. 445 erwähnt habe. 

Die meisten der von mir untersuchten Gedärme fossiler Fische ha- 
ben eine ähnliche Form; nie habe ich aber welche gefunden, die länger 
als 14° — 2° Jang und mehr als einmal übereinander gelegt gewesen 
wären, und in keinem Fische solche Gedärme gesehen, wie sie Tf. 66, 
Fg. 1a.b.c, 2 a.c, 4 a.b. oder 5. u. 6. abgebildet sind, oder welche, 
wie einige Exemplare meiner Sammlung Knoten- oder Flechten-föormig 
durcheinander gewunden wären, was sich wohl bei wurmartigen Thie- 
ren, nicht aber bei Koprolithen erklären liesse; eben so wenig habe 
ich in jenen Exemplaren jemals Überreste von Schuppen, Grähten, 
Sand etc. finden können, wie sie in den Gedärmen und Koprolithen 
nie fehlen; die ganz dünnen Arten Lumbricaria haben auch nicht 
die entfernteste Ähnlichkeit mit den Fischgedärmen, selbst der kleinsten 
Fische! 

Noch mehr Zweifel gegen obige Ansicht entstehen bei der Unter- 
suchung des Vorkommens der Lumbricarien an ihrem Fundorte. 

In den obersten ganz dünnen Schieferlagen von, Solenhofen und 
Eichstädt, in welchen ich nie Überreste von Fischen gefunden habe, 
zeigen sich zwischen vielen Tausend Exemplaren von Comatula pec- 
tinata und ©. filiformis eine sehr grosse Menge der grössern und 
mittlern Arten Lumbricarıa, während in den untern Fisch-reichen 
Schieferlagen solche selten, häufiger aber Gedärine und Koprolithen 
vorkommen. Wenn nun jene Lumbricarien auch Fischgedärme wären, 
wie sollten sie denn in so grosser Zahl und so gut erhalten in die 
obersten Fisch-leeren Schichten gekommen seyn? 

Bei Kelheim, wo in vielen fossilen Fischen noch deutliche Gedärme 
zu finden sind, sieht man in der Nähe von Fisch-Überresten auch frei 
liegende Gedärme oder Koprolithen; nie habe ich aber in den vielen 


—_ 3142 — 


on Ort und Stelle untersuchten Schiefern diejenigen Körper finden 
können, welche ich Lumbricaria nenne, während auch bei Kelheim 
die Genera Leptolepis und Thrissops, wie bei Sulenhofen; am 
häufigsten vorkommen! 

Selbst in den Mergellagen des Jura-Kalkes von Streitbzrg, wo 
keine Fische vorkommen, finden sich die Lumbricarien nicht selten, 
Koprolithen und Gedärme kommen nicht ganz flach vor; die Lum- 
bricarien kommen aber in einem Steinbruch bei Eichstädt so flach und 
schwarz gefärbt, wie einige Fucus-Arten vor, von welchen einige neue 
Arten sich den Lumbricarien so sehr nähern, wie die Fischgedärme; so 
kommen bei Solenhofen Fucus-Arten vor, welche ganz in Kalkspath 
übergegangen sind und stielrunde Äste haben. 

Wenn ich hiernach auch nur sehr wenige Lumbricarien für Fisch- 
gedärme anerkennen kann, so bleiben die andern bis jetzt noch fremde, 

nicht genau zu deutende Körper. 


Gr, v. Münster. 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 


1852. 


W. Wurweır: on the recent progress and present state of Mineralogy. 
Cambridye 1832. 8°. (aus dem Report etc.). 


1853. 


DE ı1 Biche: geological manual, 34 edit, 630 pp. 8° and 122 vign. 
London. 

BERTRAND DE Dove: Description geognostique des enviruns de Puy en 
Velay 240 pp. 8° avec 3 pül. Paris. 

BogLayE et VırLer: Geologie de la Moree. Livrais. IV—VI. Paris. 

BouBEE: Promenade au Mont-Dore pour letude de la question des 
crateres de soulevement, 52 pp. 18°, 2 pi. 

BrocuAnT DE Vırtiers: Traduction du manuel de geologie de Mr. DE 
ua Bicne, 724 pp. S°. Paris. 

Auzrx. BRonscnNIART: Tableau de la distribution methodique des Eespeces 
minerales suivie dans les cours de mineralogie, qui a fait au 
museum dhistoire naturelle en 1833. 48 pp. Paris. 

Caucny: Memoire couronne en reponse a la question proposce par 
Vacademie de Bruxelles sur la constitution geologique de la Pro- 
vince de Namur. 148 pp. 4° avec 1 pl. Bruxelles. 

Isaac Hays: Description of the inferior mazillary bones of Mastodon 
in the Cabinet of ihe American philosophical Society, with remarks 
on the Genus Tetracaulodon, 24 pp. 4°., X tabl. Philadelphia. 

ResouL: Geologie de la perivde quaternaire [noch immer viergliedrig!] 
et introduction a Vhistoire ancienne ; 222 pp. 8°. Paris. 


1834. 
L. v. Buch: über Terebrateln, mit einem Versuch, sie zu klassifiziren 


und zu beschreiben, 124 SS. nebst. drei lithographirten Tafeln, 
Berlin 4° (aus den Schriften der königl. Akad. z, Berlin). 


- uM — 


C. G. Enurengers: über die Natur und Bildung der Korallen-Inseln 
und Korallen-Bänke im rothen Meere (eine in d. kön. Akad. d. 
Wissensch. am 22. März 1832 gelesene, im Februar 4834 revidirte 
und gedruckte Abhandlung) Berlin 1834, 58 SS. 4°.) [eben daher. 
— 50 kr.]. 

C. Harrmann: Grundzüge der Mineralogie und Geologie zum Gebrauch 
für höhere Lehranstalten und zum Selbstunterrichte für Gewerb- 
treibende aller Art und Freunde der Naturwissenschaft. Ir. Theil, 
Mineralogie, is, Heft. Nürnberg 8°. S. 1—218, Taf. I—-IIl [1 fl. 
21 kr.]. 

v. Horr: Geschichte der durch Überlieferungen nachgewiesenen natür- 
lichen Veränderungen der Erdoberfläche, — Ilir. Theil, mit Zusät- 
zen zu beiden ersten Theilen. Gotha 8°, [5 fl. 24 kr.]. 

H. G. Bronn: Lethaea geognostica, oder Abbildungen und Beschrei- 
bungen der für die . Formationen 'bezeichnenden Versteinerun- 
gen, {von V—VI Lieferungen die) erste Lieferung, mit 3 Bogen 
Text in 8°., 6 Steindrucktafeln in 4° und 1 Tabelle.in.Fol., Stutt- 
gardt (fl. 1. 48 kr. ]. 


Angekündigt sind: 


G. Cuvier: Recherches sur les ossemens fossiles. Seule et derniere 
edition 'corrigee par Vauteur. VII voll. 4°,, avce planches, cartes 
etc. Paris. [115 Francs, statt der bisherigen 267 Franes]. 
D’Omarıus D’Harcor: Introduction & la Geologie,‘ ou premiere'partie 
des elemens d’histoire naturelle inorganigue, contenant des notions 
dastronomie, de meteorologie et de mineralogie, 894 pp. 8° avec 
8 tableauz et 17 planches. Paris. 


B. Zeitschriften. 


1. Bulletin de la Sociedte gedologigue de France. Paris, 8°. 
Tome IV, (1833 — 34) S. 1— 224. (S.. Jahrbuch ‚1838, S. 218. 
Fortsetzung). 

Geognostische Bemerkungen der Sozietät auf ihren Ausflügen in der 
Gegend um Clermont-Ferrand. S. 6—7 (Gergovia); 7—10 (Vol- 
vic, Puy de la Nugere, Chopine); 10—13 (Puy de Döme); 3 38—51 
(Ment-Dore); 51—52 (Issoire). 

Lecog: Abhandlung über die Monts-Dores. S. 13—18. i 
Crotzet: Bemerkungen dazu (besonders über Erhebungs - Kratere). 
S. 18-19. 

Constant Prevost: dessgl. S. 19—21. 

Lecog: Antwort, S. 21—22. 

Croızer: über die fossilen Reste der Auvergne. S. 22—26. 

Pscuoux: Bemerkungen über deren Alter und Lagerung. S. 26—29. 


— HI ° — 


BertRAnD-GeEsLin: über die Auflagerung ai Granits auf den Lias von 
' Champsaur in Dauphine. S. 29—30. 

Peswaux: Abhandlung über die krystallisirten Gebirge der Auveryne. 
S. 31-33, 37 und 53—54. 

Constant Prevost: Bemerkungen. S. 33. 

Lecop: dessgl. S. 33—37. 

B. Sruver: Neue Forschungen in den Kantonen Tessin und Veltelin, 
S. 51—60, 

Über die Klippe im Mittelmeere an ‘der Stelle der Auoal Julia. S. 71 
(aus Le Temps, 1833, 4. Nov.). 

Über fossile Kanots in Lancashire. S. 72 (Le Voleur, 1833, 31. Okt.). 

Bov£: Mittheilungen aus einem von Lirr von Liriensach hinterlasse- 
nen Journal einer Reise dureh die Karpathen-Kette, in die Buko- 
wina, Transylvanien und das Marmarosch. S. 72—79. 

Caster: über den Granit des Calvados. S. 80—82. 

"MaArRcEL DE SERRES! über Scumerumo’s Beschreibung Lütticher Kno- 
chenhöhlen. S. 85—86. 

Nıcor: über fossile Baumstämme. S. 86—87. 

Kererstein: über seine „Naturgeschichte des Erdkörpers“, S. 8889. 
[Vgl. Jahrb, 1834, .. .]. 

Grocker: über die Versammlung der Naturforscher in Brestau. (S. 

94—98). 

Descenevez: über die Krater-förmigen Erhöhungen auf dem Monäe, 
S. 98—99, [Eine Stelle aus HerscHeLL’s Treatise on Astroönomy, 
London 1833, worin er. die Ringgebirge des Mondes leichfalls nur 
für Kratere halten zu können erklärt.) 

Über die Lagerung der Diamanten im Ural, “Mittheilüngen des Finanz- 
Ministers Grafen Cancrin. 8. 100-103. 

Fr. Horrmann und Escuer Sohn: Beobachtungen über die Porphyre am 
südlichen Rande der Alpen im Kanton Tessin. S. 103—109, nebst 
einer Karte. — Verschiedene Bemerkungen saubal, S. 109—110. 

Pısını: über Dolomisation. S. 112—114. 

Descenevez: Beobachtungen über den Cantal, die Monts 'Dores und 
über die Zusammensetzung vulkanischer‘ Felsarten. S. 144-116. 
und 145, —. Verschiedene , Bemerkungen ‚von, DE , Braumont, Du- 
FrRENoY und Burar, C, Pr£vosr. S. 116—121. 

'Hırran: über einige neue Arten fossiler Saurier. S. 124. 

C. Pr£vosr: über die vulkanischen Gruppen des Nena und des Mont 
Dore. S.'124—129. sch 

Rozer: über die älteren Gebirge 'der. WoyesgrKettk 8..429— 144, und 
211. — Bemerkungen dazu 8. 214-213. 

Fourner: Forschungen über die Revolutionen, ‚welche, die Monts Dores 
betroffen. S. 145—147. — Bemerkungen von „DESsGENEVEZ , C. 
Pr£vosr und Fourner. S. 147—149, 

JuLes Texıer: über die alten Römischen 'Märmorbrüche zu Bona %.: 
Afrika. S. 160-161. 


— 546 — 


Durr£noxr: über die geologische Lagerung des Mühlstein-Quarzfels von 
La Ferte. S. 161—163. — Verschiedene Bemerkungen. — S, 164. 

Über Diamanten in Afrika. S. 164. 

BERTRAND-GesLin: über Platin- führendes Schwefelblei bei Brest. S. 
164—165. 

Dercros: über die in Bourgogne gefundenen Encriniten, S, 165. 

v. Münster: Paläontologische Notitzen: (Fische Crustaceen. Cephalo- 
poden, Pflanzen, Insekten etc.) S. 165—168 [sind auch in dessen 
Briefen in unserem Jahrbuche grösstentheils enthalten], 

ReicuensacH: über das Feuer-Meteor vom 25. Novbr, 1833. S. 168—169. 
(vgl. Jahrb. 1833, S, 425—126). _ 

_ über den Ursprung des Steinöls und seine Beziehungen 
zu den Steinkohlen, dem Terpenthin- Öl. S. 476—484. [Jahrbuch 
1833. S. 523—533). 

Fourner’s Bemerkungen dazu. S, 184—185. 

Pırero: Beobachtungen über das Departement der Basses Alpes. S. 
485—196, nebst Tafel II. — Bemerkungen hiezu S, 196—198, 
Fournet: über die Erscheinungen, welche Silber darbietet, das in 
einer Sauerstoff-Atmosphäre flüssig gehalten wird, und Anwendung 

derselben auf die Geologie. S. 200—201. 

Du Mursarzac: über die Auflagerung des Granites auf Schiefer, auf 
der Insel Mihau an der Nordküste. S. 204—203. 

Virzer: Note über die Quellen und Gruben von Asphalt oder Erdpech 
Griechenlands und einiger andern Gegenden, S. 203—211. 

MurRcEL DE Serres?! Beobachtungen über die Artesischen Brunnen, 
welche neuerlich im Becken von Roussillon oder in den Ostpyrenäen 
gebohrt worden. S. 2413-247. 

HERIcART DE Tuurv: über die von DE GouzER zu Tours gebohrte Brun- 
nen. S. 217. 

Haroıe und Desuayes: über einige Javanische Fossilien und deren Lage- 
zung, S. 217—221. 

Hıssert;: über den Süsswasserkalk und dessen Versteinerungen im 
Kohlen-Gebirge zu Burdiehouse bei Edinburgh. S. 223— ».»» 

[vgl. Jahrb, 1834, S. 468 fi.]. 


2. Gornoi Journal, Petersburg 1833, 4 erste Hefte. 
Heft I. G. Liserı: Beschreibung und mineralogische Beobachtungen in 

der Moldau und Wallachei. 

— U. Kurrınsk: Beschreibung der geognostischen Konstitution des 
Bergdistrikts Bogoslowsk, mit 1 geognost. Karte. 
Die Steinsalz-Gruben Transylvaniens. 

— III. Arcuıov: Geognostische Übersicht des Bergdistrikts Gorobla- 
godatsk i. J. 1830. 
Stosin: Geoguostischer Überblick der Flüsse Kourb, Onon 
und Seleng. 


u 


K. Pu. Scuminp: Vergleichende Tabelle über die jährlichen Er- 
zeugnissse der Bergwerke und Salinen des Russischen Rei- 
ches in Europa und Asien nach amtlichen Quellen. 


— IV. Tesamkowsk: geognostische Untersuchungen der Umgegend von 
Ekatherinburg mit 1 Karte und 1 Durchschnitt. 


N. Revıkortsew: über die Steinkohlen - Gruben des Kreises 
Tcheliabinsk, beim Fort Miask. 


Über den Ertrag des Ural an Gold und Platin i. J. 1832, 
Gold der Altai-Berge. 


3. Journal of the Geulogical Society of Dublin. Vol. TI, 
Part. 1, 1833. 


AH Zinn 3&i oe Inne 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


G. F. Rıcuter: über einige merkwürdige Krystallisa- 
tions-Erscheinungen. (BaumcarTNeER, Zeitschrift für Phys. II. B. 
S. 414 ff.). Manche durchsichtige Flussspath- Würfel zeigen, durch 
zwei gegenüberstehende Seiten angesehen, im Innern häufig seltsame 
Linirungen von verschiedenen, zum Theil dunklen Farben. Im Profile 
des Würfels sind diese Linien den Würfeln -Kanten parallel, laufen 
paarweise in einen Punkt zusammen, und bilden hiernach ein im Innern 
des Krystalles liegendes Quadrat. Dieses Quadrat scheint etwas hinter 
der Oberfläche des Würfels zu liegen. Öfters sieht man dahinter noch 
ein oder mehrere kleinere tiefer im Krystalle, doch so, dass sie sämmt- 
lich einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt haben. Dies Phänomen zeigt 
sich bei Krystallen der Art nach allen sechs Richtungen, in welchen 
man durch ein Hexaeder hindurchsehen kann. Am häufigsten sind diese 
Linien violblau. Die Quadrate an einander liegender Flächen haben 
zwei Endpunkte und die dazwischen liegende Kante mit einander ge- 
mein. Sie bilden sonach, da Dieses rings um den Krystall Statt findet, 
Würfel-Oberflächen, welche parallel der äussern Oberfläche sind und 
mitten in Krystalle inne liegen. Vom Zusammenhange dieser Flächen 
im Innern überzeugt man sich bald, wenn man von einem Krystalle 
ein Ende wegsprengt. Die farbigen Schichten zeigen sich dabei zuwei- 
len dick, oft aber sind sie nur ausserordentlich dünn. Die Schichten hängen 
sehr häufig nicht mit dem Gesteine zusammen, auf'welchem der Krystall 
aufgewachsen ist, noch kommen dieselben sonst auf irgend eine Weise mit 
der Oberfläche des Krystalles in Berührung. Man entfernt hiedurch 
bei näherer Betrachtung des Ursprungs dieser Erscheinung jede Idee, 
als wenn durch Einwirkung von Aussen nach der Bildung des Kırystal- 
les seine Substanz eine andere Beschaffenheit so regelmässig im Innern 
hätte annehmen können. Vielmehr ist zu glauben, dass die Entstehung 
dieser Schichten ursprünglich, d. h. mit dem Krystalle zu einer Zeit 


geschehen sey, und zwar 50, dass nach einem gewissen Zeitraume, 
nachdem die Bilduug einer Varietät Flussspath geendet hatte, eine neue 
von anderer Farbe sich bildete u. s. w. — Der Krystall, an welchem 
diese Beobachtung gemacht wurde, war weingelb, und seine Oberfläche 
umschloss im Innern zwei violblaue Würfel-Oberflächen, deren Färbung 
nicht so dunkel war, um das Licht nicht noch ziemlich stark durch 
den Krystall hindurchgehen zu lassen. Diese blauen Färbungen sind 
jedoch nicht die einzigen, welche an dergleichen Hexaedern bemerkt 
wurden. An einer Varietät von Ehrenfriedersdorf zeigte sich das 
Innere weingelb, nur die Oberiläche war pflaumenblau gefärbt. Grüner 
Flussspath von Cornwallis liess amethystblaue Streifungen im Innern 
wahrnehmen. — Das Richtige der Ansicht, dass diese verschiedenen Fär- 
bungen ursprünglicher Entstehung sind, wird durch andere Krystalle 
bestätigt, welche ganz aus verschiedenen Lagen zusammengesetzt er- 
scheinen, wo eine Umwandlung der einen. Varietät in eine andere 
nach der Bildung des Krystalles noch viel schwieriger anzunehmen ist, 
als eine successive Umhüllung von heterogenen Varietäten bei der Ent- 
stehung. Von Marienberg in Sachsen sind sie sehr häufig. Der Verf. 
kennt Krystalle von daher, welche im Innern weingelb, und ringsum 
von einer gleich dicken Decke von schwärzlich violblauem Flussspathe 
umgeben sind. Andere sind im Innern honiggelb, umschlossen von 
einer violblauen Decke, der berggrüner Flussspath folgt, in welchem 
wieder 2 bis 3 violblaue Würfel-Oberflächen liegen. Das Berg-Gebäude, 
welches diese Krystalle lieferte, hiess zinnerne Flasche. Eine dritte 
Art von Lorenz Gegentrum bei. Freiberg hatte eine weisse undurch- 
sichtige Varietät im Innern und honiggelbe im Äussern. Augenschein- 
lich ergaben die angeführten Beispiele, dass diese Krystalle sich aus 
den verschiedenen Varietäten gleichsam schalen-artig aufgebaut 
haben, Die einzelnen Schalen sind vollkommen mit einander verwach- 
sen, und es gibt Krystalle, bei denen man beim Auseinanderschlagen 
deutlich sieht, wie die Färbung allmählich von einer Ablagerung zur 
andern intensiver und lebhafter wird, aber nicht etwa durch Übergehen 
der Farben in einander nach der Regel der Farben-Scale, sondern so, 
als wenn zuerst nur wenige Theile von Flussspath der einen Färbung 
mit jenen der anderen gemengt und verwachsen und sodann immer 
mehrere mit der Entfernung von einer Fläche, wo diese Mittheilung 
begann, hinzugetreten wären, bis zuletzt nur die hinzugetretene Varie- 
tät allein sich fortgebildet hätte. Dies beobachtete d.Vf. an einem Exem- 
plare von Breitenbrunn in Sachsen ziemlich deutlich. — Dieselben 
schalen-artigen Ablagerungen, oder den Aufbau in Schichten, beobach- 
tete der Vf. auch an Flussspath-Oktaedern aus Derbyshire. Das Innere 
dieser Krystalle war berggrüner, durchscheinender Flussspath, das 
Äussere bestand aus einer graulichweissen und undurchsichtigen Varie- 
tät. — Diese Schalen-artigen Ablagerungen dienen als Anzeigen und 
Merkmale, wie man sich den Aufbau dieser Krystalle denken kann, 
Während der Bildung einer jeden der Schalen muss ein gewisser Zeit- 


= 3990. .— 


raum verstrichen seyn, auch kann die ganze Ablagerung, ihrer Dicke 
nach zu urtheilen, nicht auf einmal entstanden seyn: man würde ge- 
wiss sonst viele Ungleichheiten auf ihrer Oberfläche bemerken. Un- 
gleichheiten sind aber nicht vorhanden, im Gegentheile erscheinen die 
Schichten völlig gleich dick. Angenommen nun, der innere Krystall, 
z. B. ein weingelber, sey zuerst gebildet: ist derselbe mit einer sehr 
dünnen Schichte (oft kaum messbar dicken) blauen Flussspathes um- 
schlossen, dem wieder eine Schichte weingelber Flussspath folgt, so ist 
klar, dass sich dieser Krystall hexaedrisch aufgebaut habe, d. h., dass 
parallel einer schon vorhandenen hexaedrischen Oberfläche Schichten 
anderer Varietäten derselben Substanz sich niederschlugen, oder ange- 
zogen wurden. Gilt dies von wechselnden Varietäten, so ist es wenig 
hypothetisch, dies auch auf Krystalle einer Farben-Varietät über- 
zutragen. Und wirklich, nimmt man dergleichen farbige Krystalle von 
Flussspath, namentlich solche, die aus Englischen. Gruben-Gebäuden 
abstammen, und sieht durch einander gegen überstehende Flächenpaare 
derselben hindurch, so exblickt man sehr häufig Streifungen im Innern, 
hervorgebracht durch hohe und tiefe Nüancirung derselben YVarietät, 
ganz nach der Art, wie heterogene Farben-Varietäten in Schichten an 
einem Krystalle erscheinen. Denkt man sich so rückwärts von der 
Oberfläche bis ins Innerste einen Krystall aus hohlen, gleichsam in ein- 
ander gesetzten Würfeln enstanden, so kommt man zuletzt dahin, den 
ersten Ursprung des Krystalles von derselben Form, aber unendlich 
klein für unsere Sinne sich zu denken. Und in der That, dies ist die 
Art und Weise, wie man jetzt noch Krystalle von Salzen aus wässri- 
gen oder Gas-artigen Auflösungen entstehen sieht, — — Bei diesen 
Fällen sind die Ablagerungen um den ganzen Krystall verbreitet, auf 
allen Flächen desselben vorhanden. Diess findet jedoch nicht immer 
Statt. Die bergakademischen Sammlungen zu Freiberg besitzen Fluss- 
spath-Krystalle von Zinnwald in der Form H. Q., in denen die innere 
Kombination hoch berggrün gefärbt, und die letzte Ablagerung, sich 
nur auf die Oktaeder-Fläche erstreckend, dunkel violblau ist. Merk- 
würdig ist bei dieser Bildung, dass diese blaue Ablagerung auch 
Hexaeder-Flächen zeigt, welche vollkommen in der Ebene der Hexaeder- 
Fläche der inneren Kombination liegen. Andere ebenfalls bekannte 
Krystalle des Flussspathes von Zinnwald haben die Form H. C. Das 
Hexaeder derselben ist von blassen, grünlich grauen Farben, welche 
ins Berggrüne geneigt sind. Die Flächen von C, welche an den Kom- 
binations-Kanten erscheinen, sind mit violblauem Flussspathe bedeckt. 
Aus diesen beiden Beispielen erhellt, dass die Krystallisations-Kraft 
nur auf den Flächen des Oktaeders und des trapezoidalen Ikositetraeders 
fortgewirkt, und die violblaue Ablagerung hervorgerufen hat, oder mit 
anderen Worten, nur auf eine Gestalt der Kombination wirkte, und auf 
den anderen völlig sistirte. 

In diesen Beispielen seltener Schalen-artig entstandener Krystalli- 
sationen war die Oberfläche der neuen Ablagerung der älteren schon 


— 5351 — 


vorhandenen völlig parallel. Es gibt aber auch Krystalle von Fluss- 
spath, an welchen diess nicht der Fall ist. Man kennt ‚aus Illinois 
Hexaeder von grüner Farbe, welche im Innern rosenrothe Oktaeder ein- 
schliessen. Von Freiberg besitzt der Verf. Flussspath-Krystalle H. von 
graulichweisser Farbe, welche eine Kombination H. O. von derselben 
Farbe in paralleler Stellung einschliessen, deren Oberfläche durch einen 
schwachen Überzug von Eisenoxyd hervorgehoben ist. In andern Fäl- 
len ist ein Hexaeder von durchsichtigem berggrünem Flussspathe vorhan- 
den, in dem man wieder ein violblaues Hexaeder bemerkt; in diesem 
ist die Kombination des Oktaeders, Dodekaeders und Hexaeders, O.D.H. 
befindlich, die innere Kombination ist wie das Ganze, das Hexaeder 
im Innern ausgenommen, von blass berggrüner Farbe, und sie zeichnet 
sich nur dadurch aus, dass auf der Oktaeder-Fläche derselben eine 
dunkelviolblaue dünne Ablagerung aufgetragen ist. Den Parallelismus 
aller dieser Gestalten erweist die Theilbarkeit. (Der Fundort dieses 
Krystalles ist unbekannt.) Von Marienberg sind mir noch schwärzlich- 
blaue Dodekaeder bekannt, welche parallel in berggrünen Hexaedern 
innesitzen, und von Zinnwald die Varietät A, 2 von blaulichgrauem 
Flussspathe, in der die Kombination O, H. von dunkelviolblauer Farbe 
befindlich ist. — Die Ablagerungen um den inneren Krystall haben 
in diesem Falle verschiedenere Form, als der innere. Dennoch sind sie 
später entstanden. Man begreift leichter, wie, durch irgend eine gleich- 
mässig über einer Krystallfläche wirkende Kraft, Substanz des Krystal- 
les aus einer Auflösung hat angezogen werden können, und hierdurch 
der Schalen- oder Schichten-artige Aufbau desselben bewirkt worden ist, 
als einzusehen ist, wie ein eingeschlossener Krystall in anderer Form 
sich habe fortbilden können, oder wie eine Ablagerung von anderer 
Form, ais der eingeschlossene Krystall, sich gleichmässig rings um den- 
selben habe bilden können. Begann die Fortentwicklung auf einem 
oder auf mehreren Punkten des inneren Krystalles, und wurde nur erst 
nach und nach dieser Kıystall umschlossen? Oder war die ersie un- 
endlich dünne Schichte der Fortentwicklung mit anderer Form sogleich 
umschliessend um den inneren Kırystall? Diese zwei Fragen bleiben 
noch unentschieden, obgleich einige Fälle für die Fortentwicklung, be- 
ginnend auf mehreren Punkten, entscheidend scheinen. Wo die Hexaceder- 
Ablagerung Statt findet, zeigt sie sich völlig regelmässig und gleich- 
sam wie ein Fingerhut über dieser Fläche auf dem inneren Krystalle 
aufgesetzt. Die hexaedrische Oberfläche dieser Ablagerung trifft nicht 
mit den Hexaeder-Flächen des innern Krystalles zusammen, sondern sie 
endet gegen die Mitte der Krystalle zu regelmässig und wie Treppen- 
artig abgesetzt; die Grenz-Flächen sind jedoch Hexaeder-Flächen. Die 
andere darunter befindliche sichtbare Oktaeder-Fläche ist mit einigen 
kleinen Tetraeder-ähnlichen Vorsprüngen besetzt, welche die Form durch - 
Oktaeder-Flächen abgesprengter Hexaeder-Ecken haben. Sie sind von 
derselben Varietät, wie derjenige Flussspath, welcher die obere Ecke 
überdeckt, und scheinen demnach mit der neuen Ablagerung zu gleicher 


- 551 — 


Zeit entstanden. Denkt man sich, dass diese kleinen Ecken sich paral- 
lel ihren Flächen hexaedrisch vergrössern könnten, so würden sie ein- 
mal eine einzige Ecke zu bilden vermögen, welche, wenn sie gross ge- 
nug anwächst, allerdings die innere Oktaeder-Fläche als Hexaeder-Ecke 
ganz bedecken könnte. Die Erscheinung einer äusseren verschiedenen 
Form im Ganzen betrachtet, ist jedoch so beschaffen, dass’ man dieselbe 
mit zu den Schichten- oder Schalen-artigen Kıystallisations-Erscheinun- 
gen rechnen muss. 

Diese Kırystallisations-Erscheinungen finden sich nicht allein am 
Flussspathe, sondern auch an andern Mineral-Spezien. Am Kalk- 
spathe, kennt der Verf. deren eine ganze Reihe, ferner am prisma- 
tischen Halbbaryte, am rhomboedrischen Flusshaloide, 
am prismatoidischen Gypshaloide, am makrotypen Kalk- 
haloide, am brachytypen Parachros-Baryte, am hemipris- 
matischen Bleibaryte, am hexaedrischen Perlkerate, am 
prismatischen und diprismatischen Olivin-Malachite, 
am rhomboedrischen Talk-Glimmer, am pyramidalen Ku- 
phonspathe, am Feldspathe, am rhomboedrischen Quarze, 
am rhomboedrischen Korunde, am prismatischen Topase, 
am prismatischen Axinite, am rhomboedrischen Turma- 
line (rosenroth), am prismatischen Titan-Erze, am oktaedri- 
schen Kupfer-Erze, am prismatischen Scheel-Erze, am 
hexaedrischen Silberglanze, am pyramidalen Zinn-Erze, 
am prismatischen Schwefel, an der dodekaedrischen Gra- 
natblende, Die Schalen-artige Aufbauung der Krystalle ist daher 
eine Wirkung der Thätigkeit von Krystall-Bildung, welche in der Natur 
sehr häufig getroffen wird. Der Verf. schliesst mit folgenden allge- 
meinem Erfahrungs-Sätzen, welche sich, entweder der eine oder der andere, 
oder mehrere zugleich, an so entstandenen Kıystallen ausgesprochen 
finden: 1) Die Krystallisations-Kraft wirkte gleichmässig um den gan- 
zen eingeschlossenen Krystall, welcher den Mittelpunkt mit der späteren 
Ablagerung gemein hat. Diese neue Ablagerung hat dieselbe Form mit 
der des Kernes, oder sie ist davon verschieden. Die Oberfläche der 
neuen Ablagerung ist von regelmässiger Beschaffenheit, und gleichna- 
mige Punkte liegen gleichweit vom Mittel-Punkte und von gleichnami- 
gen Punkten des inneren Krystalles entfernt. 2) Die Krystallisations- 
Kraft wirkte ungleichmässig stark rings um einen eingeschlossenen 
Krystall, jedoch gleichmässig über allen einer Gestalt angehörenden 
Flächen der eingeschlossenen Kombination. Bei paralleler Form der 
Ablagerung mit jener des Kernes sind daher die Dicken der neuen Ab- 
lagerung uber Flächen einer einfachen Gestalt gleich gross, aber un- 
gleich gross über verschiedenen Gestalten angehörigen Flächen. 3) Die 
Krystallisations - Kraft wirkte ungleichmässig über den verschiedenen 
Flächen einer einfachen Gestalt. Bei paralleler Form sind daher die 
Dicken der neuen Ablagerung über verschiedenen Flächen einer einfa- 
chen Gestalt ungleich gross. Bei verschiedener Form der Ablagerung, 


ur a — 


liegen gleichnamige Punkte der Ablagerung ungleich weit von gleich- 
namigen der inneren Flächen einer und derselben einfachen Gestalt 
entfernt. Die Gestalten sind manchfaltig verzogen, verschoben und 
sonst unregelmässig ausgedehnt. 4) Die Krystallisations-Kraft wirkte 
nur auf gewissen Flächen, die einer einfachen Gestalt angehörten, in 
einer Kombination, und auf den anderen nicht. Die Ablagerung ist von 
paraileler Form und ihre Oberfläche regelmässig; die neue Ablagerung 
daher nach den nicht fortgebildeten Flächen abgeschärft. 5) Die Kry- 
stallisations-Kraft wirkte nur auf einige Flächen einer einfachen Ge- 
stalt in einer Ablagerung von paralleler Form oder ungleicher Form 
fort, und auf anderen Flächen derselben. Gestalt nicht. 6) Die Kry- 
stallisations-Kraft wirkte nur auf einigen Theilen oder Flächen einer 
Krystali-Gestalt, und auf den übrigen n»icht. Hierdurch entstehen Her- 
vorragungen über Krystallflächen mit derselben Gestalt, oder mit frem- 
der, Streifungen, Drusigkeit, Rauheit, Zerfressenseyn, Löcherigkeit, 
Blasenräume u. s. w. über und in Krystallen. 


F. X. M. Ziepz: über einige in Böhmen vorkommende 
Pseudomorphosen. <(Verhändlungen der Gesellsch. des vaterländ. 
Museums in Böhmen. Prag; 1832, S. 43 fi... Ein Theil der Pseudo- 
morphosen geht aus chemischer Veränderung in den Bestandtheilen 
‘des Minerals, unter Beibehaltung der eigenthümlichen Krystall-Form 
desselben, hervor. So der Eisenkies, vorzüglich der hexaedrische 
(viel seltener sind Pseudomorphosen beim prismatischen Eisenkiese). 
Die Form des Minerals ist mit allen ihren Eigenthümlichkeiten der 
Oberfläche unverändert, in der Mischung ist hingegen an die Stelle 
des Schwefels Oxygen und Wasser getreten, und die Krystalle sind in 
Braun-Eisenstein umgeändert; ein oft noch unveränderter Kern im In- 
nern des Krystalles beweist, dass diese Veränderung von Aussen nach 
Innen fortschreitet. Bei Eule finden sich dergleichen Krystalle unge- 
mein häufig, lose auf der Erd-OÖberfläche; es sind Hexaeder & bis 1 Zoll 
gross. Der unveränderte Eisenkies findet sich in dieser Krystall-Ge- 
stalt im chloritischen Thonschiefer, in welchem Gold-führende Gänge 
aufsetzen. Es scheint, dass die Krystalle ihren Umwandlungs-Prozess 
mit der Verwitterung des Schiefers beginnen und, erst nachdem sie 
herausgefallen sind, volienden”). Es ist diess eines von den wenigen 
Beispielen von der Umänderung eingeschlossener Krystalle, welche in 
Lagern mit ibrem einschliessenden Gestein gleichzeitig gebildet vorkom- 
men, und so wie hier im Übergangs-Schiefer finden sich anderwärts 
diese eingeschlossenen Kies-Krystalle in verschiedenen Gesteinen sowohl 
älterer als jüngerer Formationen. Diese eingewachsen gebildeten Eisen- 
kies-Krystalle haben, was auffallend, nicht die Neigung zum Vitrioles- 


*) Mineralien-Händler verkaufen diese Krystalle gewöhnlich für Rutil. 


Jahrgang 1834. 36 


u 


eiren, wie die aus Gängen und Kieslagern kommenden Eisenkiese, und. 
einige Mineralogen habeu desswegen eine Verschiedenheit in der Mi- 
schung derselben vermuthet. Es kommen jedoch auch auf Gängen der- 
gleichen Kiese vor, welche nicht zur freiwilligen Vitriol-Bildung ge- 
neigt sind. Im Gestein selbst, welches die Kryställe umschliesst, dürfte 
wohl die Ursache der Verschiedenheit des Zersetzungs-Prozesses der 
Kiese liegen. So lange von dem eingeschlossenen Krystalle durch das 
Gestein der Zugang des Wassers abgehalten wird, bleiben die. Kiese 
unverändert; dringt aber die Feuchtigkeit hindurch, so wirkt sie zwi- 
schen dem Kiese und dem Gestein als feuchter Leiter einer galvani- 
schen Kette, und die Zersetzung beginnt an der Oberfläche der Kıy- 
stalle ; die entstandene Schwefelsäure wird aber dem Eisenoxyde durch 
das umgebende Gestein entzogen, wirkt auf dieses zerstorend fort, und 
die Form des Kies-Kıystalles wird unversehrt erhalten; der nun einmal 
auf diese Art begonnene Zersetzungs-Prozess hat seinen unmerklichen 
gleichförmigen Fortgang bis zur völligen Umänderung des Kieses in 
Brauneisenstein. 

Ähnliche Umänderungen eingeschlossener Krystalle, wie die vor- 
hergehenden, finden sich auch bei einigen andern Mineralien: so beim 
Augit, von welchem wir Krystalle aufzuweisen haben, welche mit 
unversehrter Gestalt in eine unrein-gelbliche Speckstein-artige Masse 
von geringem Zusammenhange verändert sind. Diese finden sich unter 
den bekannten losen Augit-Krystallen in der Gegend von Borislau im 
Mittelgebirge; die aus Tyrol bekannte Umänderung des Augites in 
Grünerde, von welchem die Krystalle noch im Gestein vorhanden sind, 
ist in Böhmen noch nieht bemerkt worden. 

Die Umänderung des Feldspathes in Kaolin ist eine sehr be- 
kannte Thatsache, weiche besonders bei den Feldspathen einiger Gra- 
nite der Gegend von Karlsbad Statt findet. 

Häufiger und merkwürdiger sind die Pseudomorphosen der zwei- 
ten Abtheilung, welche, auf Gängen gebildet, nichts Analoges mit einem 


'Verwitterungs-Prozesse haben, bei denen der vorhandene Krystall gänz- 


lich zerstört, seine Form aber durch fremde Masse ersetzt und gleich- 
sam nachgebildet wird. Haımınger nennt diese Art Bildungen sehr 
treffend Parasiten. Da sie sich fast ausschliesslich auf Gängen fin- 
den, so befrachtet Zırre solche nach ihren verschiedenen Fundorten, 
und handelt zugleich von den anderweitigen Spuren von Zerstörung 
und Umbildung der Mineralien, welche auf denselben Lagerstätten 
vorkommen. 

1) Gänge von Przibram. Berühmt wegen der Schönheit und 
Manchfaltigkeit ihrer Mineralien, sind vorzüglich diese Erz-Gänge zu- 
gleich voll von Spuren des, nach ‘ihrer Füllung fortdauernden Prozes- 
ses, durch welchen vorhandene Mineralien zum Theile oder gänzlich 
zerstört wurden, und neue sich an deren Stelle bildeten. Unter den 
Mineralien neuerer Entstehung, aus der Zersetzung früher vorhandener 
hervorgegangen , findet sich besonders häufig Weiss-Bleierz. Die 


— 555 — 


vorkommenden Abänderungen sind sehr manchfaltig, fast stets auf 
Bleiglanz aufsitzend, dessen Krystallformen alsdann immer an.der 
Oberfläche beträchtlich zerstört und mit einem dicken Überzuge von 
sogenanntem Blei-Mulm bedeckt sind. Häufig finden sich nebst dem 
Weiss-Bleierz auch Krystalle von Quarz auf dem oberflächlich zerstör- 
ten Bleiglanz. Auch anderwärts hat man die Entstehung des Weiss- 
Bleierzes durch Zerstörung von Bleiglanz bemerkt, und es scheint, dass 
jene Substanz überall denselben Ursprung hat. Den Prozess dieser 
Umbildung zu erklären dürfte Schwierigkeiten haben; einfacher würde 
der Vorgang seyn, wenn sich aus dem Bleiglanz Vitriol-Bleierz gebil- 
det hätte: von diesem Minerale findet sich aber auf den Przibramer 
Gängen nicht eine Spur. Dass die Bildung des Quarzes mit der des 
Weissblei-Erzes gleichzeitig ist und damit im Zusammenhange steht, 
ist wohl zu vermuthen; welche Wechsel-Wirkung der Elemente dieser 
so verschiedenen Mineralien aber dabei Statt gefunden habe, in welcher 
Form und Verbindung die Kiesel-Erde vor ihrer Bildung als Quarz- 
Krystall vorhanden war, ob und wie sie bei derselben auf den vorhan- 
denen Bleiglanz einwirkte und die Bildung des Weissblei-Erzes be- 
dingte: diess zu erklären müssen wir einem vollkommenern Stande der 
chemischen Kenntnisse, als der gegenwärtige ist, überlassen. — Eine 
Umwandelung anderer Art, wahrscheinlich durch blossen Schmeiz- 
Prozess, durch Entwickelung von Wärme bewirkt, bemerkt man eben- 
falls an einigen Abänderungen des Bleiglanzes. Die Krystalle sind theil- 
weise wie durch Abschmelzung der Kanten und Ecken verändert, oft 
aber auch ganz zerstört und in eine eigene Art Tropfstein-artiger 
und geflossener Gestalten verwandelt, welche jedoch nicht so wie 
die beim Kalkstein, Brauneisenstein und vielen andern Mineralien durch 
Vereinigung von Individuen um eimen Punkt oder um eine Linie ent- 
stehen, sendern sich durch deutliche krystallinische Struktur und voll- 
kommene Theilbarkeit, gleich den der vollkommensten Bleiglanz-Krystalle 
unterscheiden. Diese geflossenen Gestalten haben Ähnlichkeit mit 
einer dick Brei-artigen Masse, welche während des Herauswerfens aus 
einem Gefässe erstarrt. Ihre Oberfläche ist von eigenthümlicher sehr 
fein- und gleichförmig körniger Beschaffenheit, welche den sonst star- 
ken Glanz dieses Minerales bloss als schimmernd erscheinen lässt. — 
Die häufigsten Spuren vor sich gegangener Zerstörung finden sich in 
den erwähnten Gängen als Eindrücke von Krystallen von Schwer- 
spath. Die regelmässigen leeren Räume, von den gänzlich zerstörten 
Krystallen dies#s Minerals herrührend, trifft man meist in derben, 
feinkörnigen, zuweilen an der freien obern Seite gedrusten Massen 
von Braunspath, welcher oft mit Quarz, zuweilen auch mit Blende ge- 
mengt ist, wo sich alsdann letzteres Mineral als erster Niederschlag an 
den Wänden der Höhlungen zeigt, oder in dem untern, den Sahlbän- 
dern des Ganges zugekehrten, Theile von Drusen dieser Mineralien 
vorfindet. Diese Eindrücke sind oft gross genug, um die vorherrschend 
Tafel-artige Form der Schwerspath-Krystalle erkennen zu können. Die 


S6 * 


[4 


— 56 ° — 


Wände dieser Eindrücke sind stets rauh, aber ziemlich eben, und zeigen 
sehr deutlich die körnige Zusammensetzung der genannten Mineralien, 
welche sich auf die vorhandenen Schwerspath-Drusen absetzten, und 
sie ganz überzogen; aber noch nie wurde an diesen Höhlungen eine 
Fortbildung der überziehenden Mineralien nach dem Innern der Ein- 
drücke bemerkt, wie diess sonst häufig bei hohlen Pseudomorphosen der 
Fall ist; nie sah man, dass eim dergleichen Krystall-Eindruck mit spä- 
ter gebildeter Masse eines andern Minerales ganz oder zum Theile wie- 
der ausgefüllt wäre, so dass dieses die Form des Eindiuckes angenom- 
men hätte. In der Sammlung des Museums sind Exemplare vorhanden, 
an welchen die Wände sehr grosser Eindrücke dieser Art mit kleinen 
Krystallen von Schwerspath besetzt sind, jedoch stets von anderer Kry- 
stallform, als die des Abdruckes, und diese niemals ausfüllend,<sondern 
stets einzeln stehend ”). 

Wirkliche Pseudomorphosen sind in den Przibramer Gängen minder 
häufig, hauptsächlich kommt vor: 

a) Eisenkies nach Formen von Schwerspath. Die Kry- 
stallformen gehören zu Haur’s Var. Epointee, sind einige Linien gross, 
und so gruppirt wie Schwerspathkrystalle dieser Art zu seyn pflegen, 
nämlich aufgewachsen, zum Theil unregelmässig durcheinander gehäuft 
auf einer Druse von brauner Blende, auf welche sich als spätere Bil- 
dung krystallisirter Spath-Eisenstein, und über diesem erst die Pseudo- 
morphosen von Eisenkies zeigen. Die Formen derselben sind sehr 
scharfkantig. Die Flächen haben jedoch ein feingekörntes Ansehen, und 
die etwas dickern Krystalle sind zuweilen im Innern hohl und zeigen 


*) Haıpınser hat das Nämliche an allen dergleichen Höhlungen beobachtet, und dar- 
auf die Widerlegung der älteren Meinung über die Entstehung der After-Krystalle 
als Ausfüllungen solcher leeren Räume gegründet. Die Entstehung vieler solcher 
Höhlungen bleibt für den gegenwärtigen Standpunkt unserer Kenntnisse der chemi- 
schen Kräfte noch ein Räthsel. Wenn man auch von einigen, z.B. von leeren Räu- 
men von Bleiglanzkrystallen, die sich im @uarz abgedruckt haben, das Verschwin- 
den der Bleiglanz-Masse und das Hinterlassen des Abdruckes erklären kann, so 
würde diess doch mehr Schwierigkeiten finden in dem vorliegenden Falle, weil alle 
uns bekannten Auflösungs-Mittel gewiss viel elıer den Braunspath als den Schwer- 
spath aufgelöst haben würden. Die meisten sehr zahlreichen, manchfaltigen und 
schönen Abänderungen von Schwerspath auf den Przibramer Gängen zeigen sich 
als jüngster Niederschlag; nur in einigen Gangräumen haben sich die älteren Bil- 
duugen desselben unter den später darauf abgesetzten Mineralien erhalten, und 
würden in selben ähnliche Abdrücke hinterlassen, wenn man sie herausschaffen 
könnte. Dass das Verschwinden des ältern Niederschlages von Schwerspath nieht 
durch den darauf abgelagerten Braunspath bewirkt wurde, geht aus der ebenen 
Beschaffenheit der Wände dieser Eindrücke hervor, an welchen keine Spur von 
Fortbildung des Braunspathes an der Stelle des Schwerspathes wahrnehmbar ist, 
wie es sonst häufig bei Parasiten der Fall ist. Es ist unwahrscheinlich, dass die 
neue Bildung des Schwerspathes aus der Zerstörung der ältern hervorgegangen 
ist, so dass sich dieser jüngere Niederschlag nach den Gesetzen der Krystallisa- 
tionskraft aus der Auflösung des ältern gebildet hat, sey diese nun durch eine 
Flüssigkeit oder durch Dampf oder Gas bewirkt worden. 


dadurch, so wie durch die deutlich körnige Zusammensetzung hinrei- 
chend ihren Charakter als Pseudomorphosen *). 

Häufiger als diese sind: 

b) Quarz-Pseudomorphosen, und zwar meistnach Schwer- 
spath-Krystallen. Sie sind stets im Innern hohl und verrathen 
keine Fortbildung nach Innen zu, erscheinen vielmehr. als blosse Über- 
züge, nach deren Bildung der Kern zerstört worden ist. Anders ver- 
hält es sich mit den seitenern Quarz - Pseudomorphosen nach Kalk- 
spath-Krystallen, welche mit einem Überzuge _von Hornstein be- 
deckt sind. Der Kalkspath ist im Innern der Krystalle noch vorhanden, 
und die Bildung der Pseudomorphose daher erst im Beginnen. 

c)Braunspath, über Gestalten von Kalkspath gebildet. Die Krystalle 
sind stets hohl, und gehören unter die seltensten Vorkommnisse der Przibra- 
mer Gänge, obwohl sie anderwärts ungemein häufig und gleichsam ge- 
wöhnliche Erscheinungen sind. Die Formen dieser Pseudomorphosen 
sind Hauy’s metastatigue, eine Krystallform, welche sich unter den 
ungemein häufigen Kalkspath-Drusen dieser Gänge nicht vorfindet, die 
kaum eine andere Form als das stumpfe Rhomboeder, Hıuy’s eqwiaxre 
und die Kombinationen dodecaedre und raccourcgie zeigen. Die jetzt 
vorhandenen Kalkspath-Niederschläge gehören zu den jüngsten dieser 
Gänge, die des Braunspathes zeigen sich zum Theil als viel früher ge- 
bildet, und durch dieselben die vorher vorhandenen Kalkspath-Krystalle 
gänzlich zerstört. Die hier erwähnten Braunspath - Pseudomorphosen 
zeigen eine Fortbildung nach Innen, und unterscheiden sich dadurch von 
den früher erwähnten Eindrücken. 

d) Bildungen von Braun-Eisenstein über Schwerspath. Es 
sind die bekannten schönen sammetartigen Drusen von Braun- 
Eisenstein, ein fast ausschliessliches Eigenthum der Przibramer Gänge, 
Unter ihren meist nierenförmigen Gestaiten finden sich auch, als Über- 
züge über tafelartige Schwerspath-Krystalle gebildete, hohle Pseudo- 
morphosen, die innern Seiten derselben glatt, und die Form der Schwer- 
spath-Krystalle abdruckend, so wie die oben erwähnten Eindrücke. in 
Braunspatb und Quarz. Ein ganz dünner Anflug von Eisenkies über- 
zieht als früherer Niederschlag die innern Seiten; sie finden sich auf 
krystallisirtem Bleiglanz, — und in den durch die gänzlich verschwunde- 
nen Schwerspath-Krystalle entstandenen Höhlungen haben sich stellen- 


*) Man könnte versucht seyn, diese Bildung als Ausfüllung der oben erwähnten leeren 
Räume anzusprechen, zumal da die rauhe körnige Beschaffenheit ihrer Oberfläche 
mit der der Eindrücke fibereinkömmt; allein die ganze Stellung der Drusen und 
die Anordnung der auf selben auf einander folgenden Mineralien zeigen schon hin- 
länglich, dass diese Eisenkies-Pseudomorphosen keine Ausfüllungen von Eindrü- 
cken seyn können. Die gewöhnliche Masse, worin sich die erwähnten Höhlungen 
finden, der Braunspath nämlich, müsste durch spätere Auflösung hinweggeschafft 
worden seyn und so die Eisenkies-Pseudomorphose ihre freie Stellung erhalten 
haben; allein dann wäre gewiss auch der Spatheisenstein, nach seiner ehemischen 


Natur so nahe mit dem Braunspath verwandt, mit zerstört worden, was aber nicht 
der Fall ist» 


—rı 1098, 7 


weise kleine Drusen von Braunspath abgelagert, welche jedoch auf den 
Bleiglanz, und nicht die Brauneisenstein - Pseudomorphosen abgesetzt 
sind. Diese Braunspath-Krystalle sind offenbar später als die Pseudo- 
morphosen gebildet, und zeigen eine Wiederholung des Braunspath- 
Niederschlages, welche, wie es aus Betrachtung der Przibramer Mine- 
ralien sich ergibt, sich mehrere Male ereignet haben mag. 

e) Endlich gehört ein noch etwas zweifelhaftes Vorkommen hierher: 
die Krystall-Diusen von Bleiglanz auf Eiesenkies, Die Krystalle 
sind (Hauy’s Var. octotrigesimale) etwa eine Linie gross, und sehr 
mit einander verwachsen, so dass sie eine zusammenhängende, fast eine 
nierenförmige Druse bilden. Der Bleiglanz ist bloss als sehr dünner 
Überzug auf Eisenkies vorhanden, und die Krystalle bestehen im Innern 
aus letzterem Minerale. Nur bei emigen Krystallen ist die Masse von 
Bleiglanz so dick, dass es gelingt, Theilungs-Flächen hervorzubringen. 
Die Eisenkies-Masse ist körnig zusammengesetzt, mit vielen spiesigen 
Eindrücken durchzogen, so dass sie stellenweise zellig erscheint. Diese 
Eisenkies- Masse sitzt auf zerfressenem Quarz. Die Oberfläche der 
Bleiglanz-Krystalle ist glatt. Nach der Folge der Mineralien zeigt sich 
der Quarz als zuerst gebildet, dann der Eisenkies, und zuletzt der 
Bleiglanz. Es ist dabei das Sonderbare, dass letzteres Mineral bloss 
als dünner Überzug mit eigenthümlicher Krystallform erscheint. Von 
Krystallform am Eisenkies ist nichts wahrzunehmen; dass die Masse 
desselben jedoch vielleicht erst nach ihrer Bildung eine Veränderung 
durch Schmelzung oder theilweise Verdampfung erlitten hat, sieht man 
an den häufigen Höhlungen in derselben, welche hier nicht als Ein- 
drücke von Krystallen zu betrachten seyn möchten. Kies-Bildungen 
dieser Art sind in den Przibramer Gängen sehr häufig, und bilden oft 
sonderbare zellige und zerfressene Gestalten, aber nur bei sehr weni- 
gen wurde dieser Bleiglanz-Überzug beobachtet. 

2) Gänge am Giftberge, in der Herrschaft Horowiz, das Roth-Eisen- 
stein-Lager durchsetzend. Hier finden sich auch Spuren von Verände- 
rungen, durch Zerstörung des Gebildeten hervorgegangen. Es zeigen 
sich nämlich an den vorzüglich schönen Drusen von Schwerspath, zu- 
mal an grossen Krystallen und krystallinischen Massen, Eindrücke von 
Braunspath-Krystallen herrührend, welches Mineral übrigens in dersel- 
ben Krystallform (primitives Rhomboeder) an andern Drusen noch vor- 
handen ist. Es scheint also hier der umgekehrte Fall von dem, bei 
den Przibramer Gängen angeführten; aber auch hier ist der Braun- 
spath der spätere Niederschlag, und man sieht häufig Braunspath-Kry- 
stalle auf Schwerspath-Krystallen aufsitzend, aber fast immer haben sich 
erstere in letztere gleichsam eingegraben, und die Masse des Braun- 
spaths hat auf die des Schwerspaths ätzend gewirkt und so die Ein- 
drücke hervorgebracht, welche sich bei später erfolgter Zerstörung des 
Braunspathes zeigen. 

3) Gänge von Altwossiz und von Ratieboriz. Sie setzen in 
Goeiss auf und scheinen frei von Pseudomorphosen und von Zerstö- 


a 


rungen und Umbildungen von Mineralien, es fehlen unter den Vorkomm- 
nissen dieser Gänge die aus der Zerstörung von Bleiglanz hervorgehen- 
den Bildungen von Weissblei-Erz, Grünblei-Erz und dergl. gänzlich ; 
von Schwerspath findet man nur einzelne Spuren. Der Bleiglanz zeigt 
zwar zerflossene Gestalten, aber sie sind gänzlich verschieden von den 
früher angeführten, und dürften mehr einem gestörten Krystallisations- 
Prozesse, als späterer Einwirkung zuzuschreiben seyn. 

4) Die Gänge von Mies. Auch bier finden sich die schönen Abän- 
derungen von Weissblei-Erz, unter den nämlichen Verhältnissen 
wie in Przibram aus der Zerstörung des Bleiglanzes hervorgegangen. 
Quarz-Drusen mit Eindrücken von Schwerspath an ihrem unteren Theile 
(meist von der sogenannten krummschaaligen Varietät mit tafelartigen, 
mandelförmig und nierenförmig gehäuften Krystallen herrührend), gehö- 
ren zu den gewöhnlichsten Vorkommnissen derselben. Sie sind unter 
dem Trivial-Namen „gehackter Quarz“ bekannt, auch Eindrücke 
von hexaedrischen Bleiglanz-Krystallen finden sich häufig. Wirkliche 
Pseudomorphosen sind hier etwas seltener, aber von sehr merkwürdi- 
gen Umständen begleitet; es zeigen sich 

a) Braunblei-Erz nach Formen von Bleiglanz. Diese sind 
Hexaeder;; das Innere ist zum Theil mit unregelmässigen Räumen durchzogen, 
zum Theil ist die Masse des Bleiglanzes noch erhalten; die Oberfläche 
ist feindrusig; man sieht an dieser parasitischen Bildung ganz deutlich, 
dass das Braunblei-Erz aus der Zerstörung des Bleiglanzes hervorge- 
gangen ist. Demselben Umstande verdanken wohl auch die schönen 
krystallisirten und nierenförmigen Abänderungen dieses Minerals auf 
den Mieser Gängen ihre Entstehung. Die hier angeführte Pseudomor- 
phose ist übrigens der umgekehrte Fall von der Bildung des sogenann- 
ten Blau-Bleierzes, welches bekanntlich eine Pseudomorphose von Blei- 
glanz nach Formen von Braun-Bleierz, also gleichsam regenerirter Blei- 
glanz ist. 

b) Quarz nach Formen von Kalkspath. Die Krystall-Formen des 
letztern, die als Pseudomorphosen bis jetzt bekannt wurden, sind: das 
primitive Rhomboeder, dann ein sehr spitziges Rhomboeder, ferner das 
sechsseitige Prisma R + & in Combination mit einer sehr stumpfen 
ungleichschenkeligen sechsseitigen Pyramide mit einem stumpfen Rhom- 
boeder. Letztere beiden Krystallfornen finden sich an einem und dem 
nämlichen Exemplare und bilden eine Doppel-Druse. Die Gestalten sind 
innen hohl, mit Zellen nach der Richtung der regelmässigen Struktur 
des Kalkspathes durchzogen, und sind bloss von krystallisirtem, und 
körnig und stängelig zusammengesetztem Quarz begleitet. Die spitzi- 
gen Rhomboeder sind sehr rauh und erlauben keine nähere Bestim- 
mung; die stumpfen Rhomboeder sind in Hornstein. verändert, und von 
braunem Eisenocker und Schwarz-Bleierz begleitet. Kalkspath, sonst 
eines der gewöhnlichsten und häufigsten Erzeugnisse der Gänge, feblt 
übrigens unter den ziemlich manchfaltigen Mineral-Bildungen der Mie- 
ser Gänge gänzlich, und bloss diese Pseudomorphosen beweisen zein 


—- 568 — 


früheres Daseyn ; auch andere kalkhaltige Mineralien sind daselbst nicht 
vorhanden. Es ist diess ein Beispiel, dass durch spätere 
Veränderungen in den Gängen früher gebildete Minera- 
lien gänzlich vertilgt werden, 

c) eine Quarz-Pseudomorphose nach einem wahrscheinlich 
bis jetzt unbekannten Minerale. Die Gestalt desselben gehört in 
ein hemiprismatisches Krystall-System und stellt ein geschobenes Prisma 
:mit zwei schiefen Endflächen dar. Haıpinger, welcher zuerst auf diese 
Pseudomorphose aufmerksam machte, hält sie gleichfalls für einen Para- 
siten nach einem bis jetzt noch ganz unbekannten Minerale; es lässt 
sich daher über Verwandtschaft des zerstörten und des nachgebildeten 
Minerals nichts sagen. Die Gestalten sind hohl, im Innern zellig, die 
Oberfläche rauh; sie bilden eine Druse auf körnig zusammengesetzten 
Quarz ohne andere Begleitung. 

5) Die Gänge von Joachimsthal sind gleichfalls voll von Spuren 
vor sich gegangener Veränderungen und zerstörter und umgebildeter 
Mineralien: sie sind jedoch bekannter, und es genügt ihre blosse Er- 
wähnung. Man findet: 

a) hohle Braunspath- Pseudomorphosen nach verschiedenen Kalk- 
spath-Krystallen, sehr häufig. 

‚ b) Pseudomorphosen von Eisenkies nach Formen von Spröd- 
glanz-Erz. ; 

ec) Seltener Pseudomorphosen von Eisenkies nach Gestalten von 
Rothgültig-Erz. 

Als aus der Zersetzung vorhandener Mineralien hervorgegangene 
neue Bildungen sind bekannt: Johannit, Uranblüthe, Pharma» 
kolith und Kobaltblütbe; ferner Uranocker und Nickelocker 
als Produkte von Zerstörung, auf welche die Krystallisations-Kraft nicht 
eingewirkt hat, so dass sie sich zu eigenen Formen gestaltet hätten. 

6) Gänge des Schlackenwalder Zinnstockwerkes. Sie ha- 
ben ebenfalls Umgestaltungen , als Zeugen von Veränderungen des 
Vorhandenen, aufzuweisen. Eine merkwürdige Bildung der Art hat 
Haıpinser beschrieben, nämlich eine Pseudomorphose von. Sch wer- 
stein, nach Krystallen von Wolfram gebildt. Speckstein und 
Steinmark, aus der Zerstörung und Umbildung von Mineralien her- 
vorgegangen, sind hier sehr häufig; doch sind sie formlos. Am Kar- 
pholit kann man eine allmähliche Umbildung, oder einen Übergang in 
Speckstein nachweisen, das Mineral behält dabei seine eigenthümliche 
stängelige Zusammensetzung, und nur in den völlig in Speckstein ver- 
wandelten Massen ist sie nicht mehr ganz deutlich zu erkennen. — Ein 
gleiches Beispiel von Bildung einer Pseudomorphose nach einem bis 
jetzt unbekannten Minerale, wie das oben bei den Gängen von Mies 
angeführte, findet sich auch hier, und es ist dieses noch desshalb be- 
sonders merkwürdig, weil es der Masse nach einem Minerale angehört, 
von welchem bis jetzt keine parasitischen Bildungen bekannt geworden 
sind, nämlich dem Apatit. Es zeigen sich von diesem Minerale’ Ge- 


— ab — 


stalten eines hemiprismatischen Krystall-Systemes mit allen Eigenschaf- 
ten der Parasiten; die Zusammensetzung. derselben ist sehr fein, doch 
deutlich körnig; im Innern etwas porös, zuweilen noch dickschalig, pa- 
rallel den vertikalen Flächen zusammengesetzt, so dass ein Kıystall aus 
mehreren konzentrischen Lagen besteht, ähnlich der Zusammensetzung, 
wie sie an den Idokras- und Epidot Krystallen aus Norwegen bekannt 
ist. Einige haben eine ziemlich rauhe Oberfläche, auf welcher sich 
deutlich sehr kleine Apatit-Krystalle erkennen lassen. Die Farbe der- 
selben ist blass fleischroth; die Grösse der Pseudomorphosen an einer 
kleinen abgebrochenen Druse geht von 1 bis 1% Zoll; im Innern eines 
aufgebrochenen Krystalles ist im körnigen Gemenge der Masse auch 
violblauer Flussspath zu erkennen. Eine derselben ist über $ Zoll gross, 
vorzüglich nett und scharfkantig, so dass man auf den ersten Anblick 
versucht ist, sie für einen ächten wesentlichen Kıystall zu halten. 
Diese, Pseudomorphosen sind auf ein: Gemenge von Quarz und Glimmer 
aufgewachsen, in welchem der Quarz meist krystallisirt erscheint, und 
welchem Krystalle und Körner von schwarzer Blende, und Steinmark beige- 
mengt sind. An einigen Exemplaren zeigen sich Stücke von den Pseu- 
domorphosen auch im Gemenge des Gesteines selbst, aber meist sind 
sie an der gedrusten Seite desselben frei ausgebildet, und nur selten 
mit späterer Bildung von krystallisirtem Spatheisenstein und Flussspath 
bedeckt. Auch hier sind wir ausser Stande, über die Verwandtschaft 
des Minerals zum Apatit, welcher als Parasit in der Form desselben 
erscheint, zu urtheilen. Es ist wohl nicht unmöglich, dass die beiden 
Mineralien, welche die Form zu diesen Pseudomorphosen, der Mieser 
sowohl als der Schlackenwalder, lieferten, einst noch an andern Orten, 
in unverändertem Zustande aufgefunden werden; für jetzt können wir 
sie als analog den Versteinerungen durch Revolutionen der Erdrinde zu 
Grunde gegangener Thier- und Pflanzen-Geschlechter betrachten, wenn 
gleich die Ursache von beiderlei Bildungen gänzlich verschieden seyn 
werden. 


J. C. Boots: über das Arseniknickel von Riegelsdorf in 
Kurhessen (PossEnDorFF, Ann. d. Phys. XXXII. 395 f.). Vor- 
kommen meist nur derb und gemengt mit schaligem Schwerspath; an 
feinkörnigen Zusammensetzungs-Stücken da wo das Arseniknickel an 
Schwerspath grenzt, ist dasselbe gewöhnlich krystallisirt, die Krystalle 
sind Hexaeder mit abgestumpften Kanten und Ecken. Ausserdem findet 
sich das Mineral noch mit stängeligen Zusammensetzungs-Stücken von 
3 bis 3 Zoll Länge, Sie bilden gerade oder krumme Lagen von glei- 
cher Mächtigkeit, wie die Längen der stängeligen Stücke, die die kör- 
nigen Massen durchziehen. Farbe zinnweiss mit einem Stich ins Blau- 
graue. Ergebniss der Analyse: 


— 562 — 


Nickel.“ 01.2 2074 
Kobalb .auuntnu  Wnl37 
Eisemvi ‚2000 a0 395 
Arsenik"s.nnimgans 764 


Die chemische Formel: 
Ni 
Co } As? 
Fe 


oder, wenn man die kleinen Mengen von Kobalt und Eisen nicht be- 
rücksichtigt: ; 
Ni As?. 


Mascnus: über die, unter dem Namen fossiles Wachs in 
der Moldau vorkommende Substanz, in einem Briefe an v. Hum- 
BoLpr. (Ann, chim. phys. 1834. Fevr., LV. 217—218). Ball ist die 
Struktur Amianth-artig faserig, bald der Bruch muschelig. Die klei- 
nen Blättchen, welche die Substanz zusammensetzen, lassen dunklere 
Punkte erkennen, Kocht man sie mit Äther oder absolutem Alkohol, so 
löst sich darin nur Weniges auf, und der übrig bleibende Theil erhält 
ein zerfressenes Ansehen. Doch sind dieser unauflösliche und jener 
auflösliche Bestandtheil so innig mit einander verbunden, dass man sie 
auf mechanischem Wege nicht trennen könnte. Nur Terpenthin-Öl löst 
in sehr hoher Temperatur das fossile Wachs vollständig. Es schmilzt 
ohne Entmischung und Farb-Änderung bei 82° C. (Bienen - Wachs 
schon bei 62°), und besteht im Ganzen aus: 


0,1515 Wasserstoffgas 


0,8575 Kohle fast wie das Öl-erzeugende Gas. 


Boussinsauct: Untersuchungen über die Natur der Phos- 
phorsäure in den natürlichen Phosphorsalzen. (Ann. chim, 
phys. 1834, Fevr. LV. 185—192). Phosphorsäure und wunauflösliche 
phosphorsaure Salze (Natron z. B.), nachdem sie der Rothglühhitze aus- 
gesetzt worden, reagiren anders als vorher, und jene wird dann Pyro- 
Phosphorsäure genannt. Man müsste daher ermitteln können, ob und 
welche natürliche Phosphor-Salze auf wässrigem und auf feurigem Wege 
entstanden sind. Aber die Sache verhält sich nicht so bei den unauf- 
löslichen (natürlichen), wie bei den auflöslichen Salzen. Daher alle 
Nachforschungen nur Phosphorsäure in jenen Salzen ergeben, auch 
wenn sie in pyrogenetischen Felsarten eingeschlossen waren, So 

1) in den alten Gebirgen: das phosphorsaure Blei von Zschopau, 
Huelgoat (Bretagne), Lead hills (Schottland), Pontgibaut (Au- 
vergne); — das phosphorsaure Kupfer von Virneberg bei Rhein- 


— 0 > 


breitbach, der Hureaulit in Limoges, die Uranite, der phos- 

phorsaure Kalk von Arendal; 

3) in den Niederschlag-Gebirgen: das phosphorsaure Blei von Am- 
berg, das phosphorsaure Eisen von Barlington (New Jersey) und 
von Prutnau am Baltischen Meere, der phosphorsaure Kalk von 
Logrono in Estremadura ; 

3) in vulkanischen Gebirgsarten: der phosphorsaure Kalk vom Kap 
Gates in Portugal. 

Wie inzwischen der Apatit Überzug in den Poren der Lava von 
Gates erst nach deren Erstarrung in ihr abgesetzt worden, oder auch 
als Phosphat schon in den Felsarten enthalten gewesen seyn kann, 
welche der Lava zum Materiale gedient, so ist es auch bei anderen 
Felsarten möglich. Denn man kann phosphorsaures Blei u. a. unauf- 
lösliche Phosphor-Salze (Blei, Silber ete.) der Rothglühhitze aussetzen, 
cder sie selbst schmelzen, ohne dass sie in Pyrophosphate verwandelt 
werden. (Umgekehrt werden auch die unauflöslichen Pyrophosphate 
durch Wasser nicht in Phosphate verwandelt). Es ist daher wahrschein- 
lich, dass zur Zeit, wo jene Phosphate sich in der Erdrinde (auf Gän- 
gen u. s. w.) absetzten, nur noch Phosphorsäure existirte, wenn gleich 
zur Zeit, wo unser Erdball weissglühend war, Pyrophosphor-Säure vor- 
handen gewesen seyn muss; und zu jener Zeit kann die Temperatur 
der Erdoberfläche die der Rothglühhitze (des kochenden Quecksilbers) 
gewesen seyn, da anfänglich reine Phosphorsäure sich über der Wein- 
geist-Flamme erst dann als Pyrophosphorsäure zu erkennen gibt, wenn 


sie Syrups-Konsistenz erhält, 


I. Geologie und Geognosie. 


Fr. Horrmann: die Gebirgs-Verhältnisse in der Graf 
schaft Massa Carrara (Karsten, Archiv für Min. B. VI, S. 229 u. 
f.). Die Marmor-Berge von Carrara liegen im nordwestlichen Theile 
der Alpe Apuana, einer, durch kühne Felsen-Gestalten und mehr noch 
durch ihre fast vollständige Isolirung von der Apenninen-Kette sehr 
auffallenden Gebirgs-Gruppe, deren Längen-Ausdehnung von SO, nach 
NW. etwa 5 Stunden, die mittlere Breite ungefähr 21 St. beträgt. Ge- 
gen das Meer fällt dieselbe nicht sehr steil ab, und am Rande einer 
bis zu ihren Gehängen ausgedehnten, etwa stundenbreiten Alluvial-Ebe- 
nen liegen Pietra Santa und Massa. Diese Lage bezeichnet zugleich 
sehr nahe den Ausgangs-Punkt der beiden tief eindringenden engen 
Queer-Thäler der Serravezza und des Frigido.. Nahe gegen NW., in 
Kessel-artiger Thal-Weitung, liegt Carrara. Die höchsten Gipfel dieses 
Gebirges, der Pizzo d’Uccello und die Panis della Croce steigen nicht 
völlig 5800 Par. F. über das Meer empor. Auf der, dem Meere zuge- 


— a 


kehrten Seite erscheinen, als älteste Gebirgsarten, Talk- und Glim- 
merschiefer, welche regelmässig gegen SW. fallen und in ihren 
untern Schichten oder in den innern höhern Theilen der Thalgründe 
der Serra und des Frigido in deutlichen Gneiss übergehen. Sehr häu- 
fig sind in der ganzen Ausdehnung des Schiefer-Gebirges ihre unterge- 
ordneten Kalkmassen verbreitet, besonders zahlreich und mächtig 
aber um Serravezza. „Die meisten erscheinen sehr deutlich eingelagert,. 
und, gleichlaufend mit der allgemeinen Schichtung, von untergeordneten 
Schiefer-Streifen durchzogen. Sie bestehen fast alle aus grauem oder 
fast weissem, lichter oder dunkler geadertem oder gestreiftem, krystallinisch- 
körnigem Kalk, der unter dem Namen Bardiglio bekannt ist. Nächst 
diesen regelmässig eingelagerten Kalkstein-Massen, erscheinen noch an- 
dere im. Schiefer, von minder grosser Regelmässigkeit und ungleich 
manchfaltigerer Ausbildung. Die grösste darunter ist jene, welche den, 
- von Schiefer rings umschlossenen, Monte Altissimo auf der Nordseite 
von Serravezza bildet, der sich zu 4890 F. Seehöhe emporhebt, und 
dessen Südseite gegen den Thalgrund der Serra einen, fast 3000 F. 
hohen, pralligen Fels-Absturz bildet; hier steckt der Kalk wie ein lang- 
gedehnter und stumpf zugespitzter Keil zwischen den Schiefer-Blättern. 
Der Gneiss wendet kurz vor dieser Kalkstein-Masse unter sehr steiler 
Neigung gegen NO. um, während derselbe ausserdem gegen SW. ein- 
fällt; an einer Thalwand ist die Grenze beider Gesteine an einem we- 
nigstens 1000 F. hohen Absturz entblöst, und hier deutlich zu sehen, 
wie der Gneiss steil einschiessend um den Kalk»sich krümmt, Am ent- 
gegengesetzten Abhange des Altissimo stehen die, dem Kalk folgenden, 
Schiefer senkrecht, oder sie fallen gegen ihn selbst nach SW. hin ein; 
es ist folglich höchst wahrscheinlich, dass nur wenig unter der Thal- 
sohle seine Masse sich zwischen den Schiefern ganz auskeilt. — Noch 
merkwürdiger, als dieses Lagerungs-Verhältniss, ist die Zusammenset- 
zung der grossen Kalkstein-Masse des Altissimo. Wo die Schiefer mit 
dem Kalk in Berührung erscheinen , ist letzterer keineswegs sogleich 
ein völlig ausgebildeter Marmor, sondern ein unreiner aschgrauer, 
feinsandig körniger und fast dichter Kalk, den man für Flötzkalk an- 
sprechen würde, fände er sich nicht in so ungewöhnlicher Verbindung, 
Versteinerungen waren nicht vorhanden; nur selten zeigte sich oolithi- 
sche Textur. Gewöhnlich ist der Kalk durch zahllose Klüfte in scharf- 
eckige Bruchstücke zertrümmert, und wenn seine sandig körnige Beschaf- 
fenheit sich deutlicher entwickelt; scheint er eine unrene Dolomit- 
Masse. In ihm kommen Streifen eines an Rauchwacke erinnern- 

den Kalks vor. Weiter gegen das Innere des Bergkörpers hört die mehr 
und weniger starke Kalkstein- und Dolomit-Schaale allmählich 
“auf, und es tritt endlich schöner blendendweisser körniger Marmor 
auf. Die noch prismatisch gestalteten Marmor-Blöcke finden sich immer 
von mehr oder weniger starken Streifen grünen, mit Eisenkiesen erfüllten, 
Talkschiefers eingeschlossen, der sie so gänzlich umhüllt und an 
der Berührung so innig mit dem Marmor verflösst ist, dass es fast. 


_— 565 — 


scheint, als habe die reine körnige Kalkmasse sich einst in flüssigem 
Zustande aus ihm zurückgezogen, Wo er in sie eindringt und sich 
nicht in reinen Streifen ausscheidet, entsteht gewöhnlicher, unrein ge- 
färbter und gestreifter Bardiglio. Mitten in der reinen ausgebilde- 
ten Marmor-Masse sieht man nicht selten noch Spuren dunkelgrauen, 
fast dichten Kalksteins mit unregelmässigen Umrissen eingeschlossen, 
und so innig damit verschmolzen, dass man solche leicht für Stücke der 
unreinen Kalstein-Schaale ansehen könnte, auf welche die umwandelnde 
Wirkung, die den Marmor erzeugte, sich nicht voilkommen zu äussern 
vermochte. — Im östlichen beider Hauptzweige des Serravezza-Thales, 
im Versilia-Thale, fällt der Talkschiefer zunächst steil gegen SW.; mit 
dem Eintreten des tiefen Seiten-Thales von Ruosina kehrt diess YVer- 
hältniss sich um. Es kommt hier kein Gneiss unter den Schiefern zum 
Vorschein, und die letztere fallen thalaufwärts gegen NO. Am Ponte 
Stazzemese legt sich ein unrein grauer Kalk auf die Schiefer, durch 
alle seine Verhältnisse sehr an die Schaale des Monte Altissimo erin- 
nernd. Auf ihn folgt gegen den ©. di Molina, vegelmässig aufliegend, 
der unter dem Namen Mischio di Serravezza bekannte eigenthünliche 
Marmor. Dieser Mischio zeigt eine grosse Menge von zuckerkörnigen 
weissen Kalkstein-Bruchstücken, eingeschlossen in’dunkeleisenrother dich- 
ter Thonstein-Grundmasse, aus welcher sich nicht selten feine Horn- 
blende-Nadeln entwickeln. An den Berührungs-Flächen ist die rothe 
Farbe des Bindemittels auch in die Bruchstücke eingedrungen und man 
sieht hier sehr oft feinschuppige grüne Talk-Überzüge. Diess erinnert 
an Savr’s Vermuthung: der eigenthümliche Marmor möge seine Bildung 
dem Eindringen eines eisenreichen Wackeganges in den Kalkstein ver- 
danken; eine Erscheinung, für welche sich noch mehrfache Analogieen 
nachweisen liessen. — Die rothen Wacke-Adern desMischio dringen Netz- 
förmig in seine, dem allgemeinen Fallen parallel laufende, Decke ein, 
einen reinen, weissen, zuckerkörnigen Marmor. Dieser verwandelt sich im 
Hangenden inBardiglio, welchem durchlaufende dunkle Glimmerstreifen 
ein sehr schön gewässertes Ansehen geben. Unmittelbar über den an- 
sehnlichen Steinbrüchen, welche in diesem Bardiglio betrieben werden, 
ziehen sich, im Dache desselben, die Glimmerstreifen dichter zusammen, 
und bilden eine Schichtenmässe sehr reinen ausgezeichneten Glimmer- 
schiefers. Dieser wird im Hangenden zu schwarzem Thon-Schie- 
fer; auf den, in ansehnlicher Ausdehnung und sehr regelmässig, im 
Hangenden Sandstein folgt, der, in 1—3 F. starken Bänken gespal- 
ten, oft mit Schiefer-Mergeln wechselt, — und über dem Sandstein liegt‘ 
eine mächtige Bank Rauchwacke-ähnlichen Kalksteins. Bei Stazzema 
wird der Sandstein zu feinkörnigem Quarzfels und seine Glimmer-Blätt- 
chen zu wahren Schieferstreifen. Er wechselt endlich mehrfach mit 
sehr ansehnlichen reinen Thonschiefer.- Lagen, und zu oberst der 
gauzen Schichtenreihe legt sich, 1000 F. höher als Stazzema, ein deut- 
licher Glimmer- und Talk-Schiefer, welcher beweist, dass man das Ge- 
biet dieser ältesten Formation des Gebirges noch nicht verlassen hat. 


— 56 — 


Ähnliche konglomeratische Bildungen finden sich untergeordnet in dieser 
Schiefer-Verbreitung noch mehrfach, jedoch nirgends so ausgezeichnet 
und in so auffallenden und eigenthümlichen Verbindungen -— Besondere 
Beachtung verdient die Formation durch ihren stellenweise bedeutenden 
Reichthum an metallischen Fossilien, Eine Talkschiefer-Fels- 
masse im S. von Ruosina ist ganz durchdrungen von feinen Gang- Adern 
und Nestern, welche verschiedene Schwefel-Metalle (Bleiglanz, Blende, 
Antimonglanz, Eisen- und Kupfer-Kies) führen. Diess ganze Vorkommen 
scheint ein ausgezeichneter Beleg für das Auftreten der Metalle in. den 
Gebirgen durch Einsprützung und Sublimation. Eisenglanz-Adern sind 
häufig und durchschwärmen selbst die Gangschnüre der Schwefel- 
Metalle; mächtige Gänge von Roth-Eisenstein, Magneteisen und Eisen- 
glanz erscheinen gleichfalls in den Schiefern und ein Gang der Art hat 
sich um die Klüfte eines ächten Bardiglio-Lagers verzweigt und dieses 
manchfaltig verwirrt und selbst umgewandelt. — Ausser der Schiefer- 
Formation, von welcher die Rede gewesen, breitet sich in der Alpe 
Apuana nur noch eine Kalkstein-Bildung beträchtlich aus; sie 
steigt im Felsen-Kegei der Pania della Croce zu 5728 F. Meereshöhe 
an, und setzt stellenweise Mauern von furchtbarer Steilheit zusammen. 
Im Grossen und Ganzen findet sich diese Kalkstein-Bildung stets über 
der Schiefer-Formation. Nur längs des gegen SW.’ gerichteten Abhan- 
ges der Tambura-Kette ist es umgekehrt; dort zeigen sich die Schie- 
fer stets dem Kalkstein regelmässig aufliegend, und man kann nicht 
anders glauben, als dass diese so steil erhabene Kette in ihrer ganzen 
Ausdehnung am südwestlichen Rande überstürtzt sey. — Die Verhält- 
nisse der innern Ausbildung, oder des Vorkommens der charakte- 
ristischen Abänderungen dieses Kalksteins lassen sich nur schwierig 
unter einem einfachen Bilde zusammenfassen. Der Verf. wählte dess- 
halb die Schilderung einiger deutlicher aufgeschlossenen Durchschnitte, 
wie solche in der Berggruppe von Carrara vorkommen. Unter diesen 
ist keiner so vollkommen und manchfaltig, als der an der NW.-Ecke 
der Gruppe in der Richtung von Castelpoggio nach Tenerano. Castel- 
poggio liegt auf den untersten Schichten der Macigno-Bildung: rother, 
von Eisenoxyd durchdrungener, dichter Kalksteine, wechselnd mit 
rothen oder grauen Schiefer-Mergeln, die nicht selten an die alten 
Thonschiefer erinnern. Hier, wie an andern Orten, wird die Macigno- 
Bildung von Quarz- und Kalkspath-Adern durchzogen, und in Knoten 
oder Streifen stellt sich sehr oft blutrother Jaspis oder Hornstein ein. 
Schichtenfall unter etwa 40° gegen SW. Unter dem Macigno-Gestein 
tritt zunächst schwarzblaue sehr groblöcherige Rauchwacke auf. 
Zuweilen verliert die Felsart ihr Poröses, und wird zu einem Marmor 
von untergeordnetem Werthe, oder es entwickelt sich aus ihr ein regel- 
mässig geschichteter Kalkstein, der nicht selten mit Schiefermergeln 
wechselt, welche voilkommen aussehen wie die Kalk-reichen Thon- 
schiefer-Streifen, die sich häufig mit den alten Kalksteinen in 
den Deutschen Übergangs-Gebirgen finden. Auf den Ablosungen der 


— 567 — 


Kalkstein-Platten kommen Versteinerungen vor, kleine Austern, Pektini- 
ten, Cardien, Terebrateln, und viele Spuren vonKorallen. In den 
Schiefern trifft man zunächst den Fisch-Schuppen vergleichbare Körper- 
chen und Kerne einer Avicula und Corbula. Auf diesen Kalk 
folgt, ungefähr 600 F. unter dem Passe, ungeschichteter löcheri- 
ger, im Allgemeinen krystallinischer Kalk, der oft: Dolomit anzudeu- 
ten scheint und im untern Theile allmählich in schbneeweissen, 
zuckerkörnigen Marmor übergeht. Unter dem Marmor tritt ein, 
allmählich in denselben eingreifender Glimmer- und Talkschiefer 
auf. Mit ihm endigt die hier beobachtbare Sehichtenfolge; denn am 
Scheitelpunkt des Passes hat entgegengesetztes Fallen der Schichten 
Statt, und jenseits, bei T’enerano, erscheint der aufgelagerte Macigno 
wieder. — Was aieser Durchschnitt an der Tecchia in so geringer 
Erstreckung darbietet, zeigt sich in grösserem Maasstabe in allen Queer- 
sehluchten der Berggruppe von Carrara. — Als Kern, weiter im In- 
nern dieser Berggruppe, findet sich stets unter der Schlacken-artigen 
Kalkschaale, mehr oder minder rein, der Marmor wieder. Seine grösste, 
reinste Masse liegt bei Turano, und von dort gegen den Gipfel des 
Monte Sacro. Der Talkschiefer greift in ihm auf ähnliche Weise ein, 
wie am M. Altissimo, und theilt den Marmor im Grossen in sehr deut- 
liche Bänke, welche sich dem allgemeinen Fallen parallel neigen; 
oft sieht man solche unläugbare Schicht-Ablosungen nur durch zarte 
silberglänzende Glimmer- oder Talk-Schuppen angedeutet. . Dieser bis- 
ber sogenannte Urkalkstein geht allmählich in dichten, löcherigen 
und Versteinerungs-reichen Kalk über, so dass am Zusammenhang in 
der Bildung derselben nicht zu zweifeln ist; ja es findet selbst ein voll- 
ständiger Wechsel zwischen allen diesen Gesteinen Statt. Zwischen 
Carrara und Colonata, immer ins Liegende fortschreitend, trifft man 
noch den löcherigen und dichten, Versteinerungen führenden Kalk, da 
wo das Miseglia-Thal zur Linken einmündet, zuerst ein steil SW. fal- 
lendes Gestein, ein Zwischenglied zwischen den Schiefer-Mergeln des 
Flötz-Gebirges und ächtem altem Thonschiefer, das im Liegenden in 
den schönsten Talkschiefer übergeht; der Talkschiefer bildet 
einen mächtigen reinen Streifen,.und ihm folgt sodann im Liegenden: 
eine Parthie schönen weissen, ächten schwarz geaderten Marmors, 
Diesem Marmor folgt aufs Neue wieder ein Wechsel dünn geschichte- 
ten schwarzen Kalksteins mit Schiefern, in zollstarken Platten 
abgesondert. Die Schiefer sind jedoch hier mehr Glimmerschiefer 
ähnlich und der Kalkstein ist seltener ganz dicht, auch führt er keine 
Versteinerungen. Gleich unter diesem Wechsel von Kalkstein und Sehie- 
fer folgt die Hauptmasse des Marmors, Marmor und Dolomit sind 
hier eins und steigen ununterbrochen bis zum Gipfel des M. Sacro. 
Übersteigt man die Masse derselben in östlicher Richtung, so findet 
man zu unterst wieder einen dunkelgrauen dichten, oder fein dolomiti- 
schen Kalk, auf welchem die ganze Marmor-Masse ruht, und stellen- 
weise zeigen sich in einem dem Bardiglio genäherten Kalkstein zahl- 


— 5685 — 


reiche? Streifen und Knauern von Feuerstein. — Im übrigen Theile 
der Verbreitung dieses Kalksteins durch die Alpe Apuana trifft man 
zahlreiche Wiederhelungen und Belege der geschilderten Verhältnisse. 
Nur der Pass über die Kette der Tambura lässt Eigenthümlichkeiten 
wahrnehmen, Hat man die Tambura von NO. her überschritten, so 
verlässt man mit der Brücke unter Vagli di sotto die letztern Spuren 
der bisher vom Thale des Serchio aus durchschnittenen Maeigno-Bil- 
dung, einen feinkörnigen Sandstein, Jenseits, gegen Vagli di sopra, scheint 
noch immer ein dichter, dunkler Kalkstein wiederkeiren zu woilen, 
welcher so oft dem Macigno untergeordnet vorkommt; ihn verschlingen 
indess hier zahlreiche Adern weissen kleinkörnigen Kalkspaths, welche 
bald über die Grundmasse herrschend werden und sie in Marmor um- 
wandeln. Die in der Marmor-Masse häufigen Schiefer-Streifen haben 
nach oben stets den Charakter des von Savı sogenannten Galestroj5 
es sind eisenrothe, häufig auch grüngefleckte, auf den Ablosungen matt- 
schimmernde Blätter, welche gewöhnlich noch in der Mitte zwischen alten 
Thonschiefern und sekundären Schiefer-Mergeln zu stehen pflegen. Bald 
werden sie Talk-reicher, glänzend, und gleichen sodann ganz den alten 
Talkschiefern, bald erscheinen sie matt und bröckelig, so dass man sich 
ins Flötz-Gebirge versetzt glaubt. Jaspis-Streifen und Knoten fehlen 
auch hier nicht. Der im Grossen stets sehr deutlich in rothe Bänke | 
getheilte Marmor schliesst sich hier überall den Galestro-Schiefern 
innig an. Er verzweigt und verwebt sich mit ihnen. Mitten im Marmor 
trifft man Streifen und Adern des rauhen löcherigen und des dichten, , 
ins unrein Dolomitische übergehenden Kalksteins. Auf dem Kamme der 
Gebirgskette liegt ein theils dichter splittriger, theils mehr oder weni- 
ger veränderter, rauchgrauer Kalkstein, in welchem Guiponı einen der 
Turritella ähnlichen Steinkern fand. — Fast der ganze dem ‘Meere 
zugekehrte Absturz der Tambura-Kette ist ausgezeichnet dolomitisch, 
obgleich noch sehr oft in ihm der rein marmorkörnige Kalkstein’ vor- 
kommt. Unter dem Pizzo d’Uccello wird der Kalkstein von Kalkspath- 
und Quarz-Adern durchzogen; auch führt derselbe Feuerstein-Knollen 
und Streifen in Menge. Näher nach Ajola stellen sich auch Knollen 
und Streifen eines feinkörnigen Feldspathes ein, einer Kaolin-ähnlichen 
Masse, seltener deutlich entwickelt; aber über ihre mineralische Be- 
schaffenheit bleibt kaum ein Zweifel, da sie unfern Ajola Gang-ärtig 
auftritt, im Kleinen jedoch mit dem Kalkstein in regelmässigen, meist 
1 bis 3 Zoll starken, Lagen wechselt. In grössern Parthieen des Feld- 
spathes erscheinen häufig kleine Eisenkiese, auch durchsehnüren ihn 
oft Eisenstein-Adern. In der Nähe dieser Durchdringungen ändert der 
Kalk nie sein Korn und bewahrt stets seine regelmässige Schichtung 
sehr vollkommen. — Die um die Alpe Apuana beinahe in der Runde 
sich schlingende Macigno-Formation ist eine graue Sandstein- 
Bildung, welche fast ausschliesslich die nördliche Hälfte‘ der 
Apenninen-Kette zusammensetzt und die bisher für Grauwacke 
gehalten wurden. Diesem Sandsteine sind zahlreiche, in Gruppen zer- 


Va = 


fallende, Kalkstein-Bildungen untergeordnet. Meist herrschen 
dieselben um die Alpe Apuana weit über die Sandsteine und die mit 
inhen wechselnden Schiefer-Mergel. Nur die Zone am Südwestrande, 
von Fosdinovo bis Massa, ist ganz Sandstein. Charakteristisch sind 
für ihn, wie für den Kalk und die Schiefer-Mergel, die Fucoiden-Reste 
(zumal F. intricatus). Der beschriebenen grossen Kalkstein-Bil- 
dung lagert sich die Sandstein-Formation überall auf; und wo der 
Macigno sich dem Kalkstein anschliesst, erscheinen beide einander 
aufs Innigste verbunden. Die grosse Ähnlichkeit und die unmittelbare 
Verbindung, welche die Galestro-Gesteine mit den im ältern Kalkstein 
aufsetzenden Schiefern, ja selbst häufig mit den alten Glimmer- und 
Talk-Schiefern darbieten, erweisen diese Sache auf’s Vollkommenste, 
Wo dieMacigno-Formation vorherrschend aus Kalkstein gebildet wird, 
ist es im Einzelnen oft kaum möglich, die Scheidung beider aufeinander 
folgenden Gebirgs-Bildungen mit Genauigkeit anzugeben; denn ihr 
Schichtenfall ist stets gleichförmig, und die äussere Ähnlichkeit der Ge- 
steine so gross, dass man sie füglich als in einander übergehend be- 
trachten darf. Die Macigno-Formation, trotz ihrer ungeheuren 
Mächtigkeit und des eigenthümlichen Charakters in der Ausbildung ihrer 
Gesteine, ist aber ein geognostisches Äquivalent der grossen nordeuro- 
päischen Bildung: Kreide und Grünsand, Dafür sprechen ihre 
bis hierher beobachteten Lagerungs-Verhältnisse. In Sicilien, wo diese 
Bildung bis aufs Kleinste mit allen Eigenthümlichkeiten auftritt, welche 
sie durch den ganzen Kontinent von Italien auszeichnen, wurde der 
Verf. oft, und in grossen Ausdehnungen, durch die Vollständigkeit ihres 
allmählichen, gleichförmlgen Überganges in die Tertiär-Bildungen über- 
rascht. Es ist ferner ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit vorhan- 
den, dass das Nämliche an sehr zahlreichen Punkten auf dem Kontinent 
von Italien sich wiederhole; die unmittelbare Nachbarschaft von Genua 
bietet dafür mehrfache Belege dar, und von entscheidender Bedeutung 
sind, in solcher Hinsicht, auch die Beobachtungen von De 1a Bicug 
in der Gegend um Nizza. Es ist mithin sehr wahrscheinlich, dass die 
Kalkstein-Masse der Alpe Apuana, welche dem Macigno unmittelbar 
folgt, als Jura-Kalkstein zu betrachten sey, man müsste sie denn, 
wie diess neuerdings von Sıvı geschehen, den untern Schichten der 
Maeigno-Bildung selbst beizählen, eine Ansicht. welche der Verf, nicht 
für die richtige erachtet. Sehr überraschend ist es allerdings Ge- 
steine, wie die beschriebenen, Thon- und Glimmer-Schiefer, Talk- 
schiefer und Gneiss, unter Lagerungs-Verhältnissen und in Ver- 
bindungen zu treffen, welche an deren Gleichzeitigkeit, oder am unmit- 
telbaren Zusammenhange ihrer Bildung mit Versteinerungen-führendem 
Kalkstein des jüngern Flötz-Gebirges keinen Zweifel lassen. Die Schie- 
fer folgen nicht nur unmittelbar in ganz gleichförmiger Verbindung 
jenen Kalksteinen, sondern sie greifen selbst in sie hinein, wechselu mit 
ihnen ab, und verfliessen so innig in ihre Massen, dass der Verf, 
sie für unzweifelhafte Glieder des Flötz-Gebirges selbst 
anspricht. Welches unter den bekannten Gliedern des Flötz-Gebirges die- 
Jahrgang 1834. 37 


= u > i 


ser Schiefer-Bildung als gleichwerthig betrachtet werden könne, dazu 
fehlt es noch an hinreichenden Thatsachen. Die Haupt-Schwierigkeit 
scheint zumal in dem so durchgreifend veränderten, umgewandelten Zu- 
stande jener Gebirgsarten zu liegen. Der Marmor, dessen Auftreten 
so auffallend von seiner innıgen Verschmelzung mit dem Schiefer-Ge- 
stein abhängig erscheint, ist sicher ein durch plutonische Einwirkun- 
gen umgewandelter Kalkstein; man würde daran nicht zweifeln können, 
auch wenn jene zahlreichen Verhältnisse seiner Verbindung mit Dolo- 
miten und löcherigem Kalksteine, seine Entwickelung aus dichtem und 
noch unverändertem Kalkstein, auch eindringende Gangadern u. s. w. 
nicht zu beobachten wären. Sind nun aber diese umwandelnden Wir- 
kungen mit durch das Eingreifen der Schiefer erzeugt worden, so kann 
der rückwirkende Schluss auf die gleichfalls erfolgte Veränderung und 
Umwandelung dieser letzten nicht ausbleiben. Die einzig deutlich un- 
verändert gebliebenen Glieder dieser Schiefer-Bildung scheinen die Ma- 
eigno-ähniichen Sandsteine und der Schiefermergel der 
Gegend von Stazzema zu seyn, und vielleicht auch die in ihrer Nähe 
befindlichen Thonschiefer; ob aber diese Gesteine einst zur Schich- 
tenfolge der Jura- oder der Keuper-Formation gehört haben, darüber 
geben ihre gegenwärtigen Verhältnisse keinen Aufschluss. Glimmer- 
und Talkschiefer sind ganz entschieden das Produkt einer tief ein- 
greifenden Umarbeitung, und ihr inniger Zusammenhang mit dem 
Gneiss lässt den Verf. glauben, dass die wahrscheinlich lang anhal- 
tende Einwirkung, welche alle diese veränderte Gesteine erzeugt hat, 
vom Emporbrechen einer Granitmasse begleitet war, die im Gebiete 
dieses Gebirges nicht fern unter der Sohle tief eingerissener Thalgrün- 
de zurückblieb. Der ganze Vorgang fällt. nach der unmittelbar aus 
der Beobachtung hergeleiteten Thatsache, höchst wahrscheinlich in die 
älteste Zeit von der Bildungs-Periode der Kreide, denn auch die 
ältesten, unmittelbar auf dem Jura-Kalkstein liegenden Schichten 
des Macigno sind noch deutlich von seiner Nähe mit ergriffen und 
zu Galestro verändert worden. In den jüngern Schichten aber findet 
man nicht selten Bruchstücke der glänzenden Glimmer- und Talk-Schiefer 
eingeschlossen, welche die eben erwähnten Vorgänge erzeugt haben. — 
Glimmer- und Talk-Schiefer und in Marmor umgewandelter Kalkstein 
treten ferner gegen S. in dem weit vorspringenden Promontorio Argen- 
taro auf, sodann in der Berggruppe von Campiglia, ferner in den Insel- 
förmig abgeschnittenen Monti Pisani, und der Alpe Apuana gegen N. 
liegt noch die den Golf von Spezzia umgebende Bergreihe, welche 
ein sehr vollständiges, verkleinertes Abbild jener Verhältnisse darbietet. 
Vom Granit, dessen Hervortreten in dieser letzten Periode seiner Er- 
zeugung wahrscheinlich alle jene Erscheinungen veranlasste, weiss man 
in diesem Theile des Festlandes von Italien fast gar nichts; nur bei 
Campiglia soll er vorkommen. Was indess hier noch unter der Ober- 
fläche verborgen blieb, ist auf einer im Meere vorgezeichneten Linie 
gross und mächtig wirklich hervorgetreten, und eine neue Vergleichung 


der vom Verf, auf Elba gemachten Beobachtungen beweiset, dass dort 
der Granit, welcher in mehr als 3000 F. hohen Bergen auftritt, noch 
deutlich in den ältern Apenninen-Kalkstein (unter dem Macigno) ein- 
greift, und ihn, durch unmittelbare Berührung, in Marmor umwandelt. 
— Höchst wahrscheinlich wurden sehr ähnliche Erscheinungen, wie sie 
dem Granit in dem geschilderten Bezirk zugeschrieben worden, durch 
Gabbro-Ausbrüche in der Apenninen-Kette bewirkt, deren Durchbruch 
unmittelbar nach Vollendung der grossen Macigno -Bildung erfolgt 
seyn muss. 


Dorr£nor und Erie pe Beaumont: über die Gruppen des 
Cantal, des Mont Dore, und über die Erhebungen, durch 
welche jeneGebirge ihr gegenwärtigesRelief erhielten, 
CAnnales des Mines. me Serie. T. III, p. 531 etc. et. p. 771 etc.) 
Erhebungen können, nach den Verff., auch in Landstrichen Statt haben, 
deren Oberfläche von Gesteinen vulkanischen Ursprungs zusammenge- 
setzt ist. Wenn geschmolzene Materien über die Aussenfläche des Bo- 
dens ergossen worden und sich in mächtigen Streifen ausbreiteten, so- 
dann aber allmählich erkalteten, um dichte oder Porphyr-artige Gesteine 
zu bilden, so musste deren Oberfläche ziemlich horizontal werden, wie 
diess die häufigen Lavaströme am Fusse unserer noch thätigen Feuer- 
berge darthun. Erheben sich Theile jener Streifen nach allen Seiten 
von einem mehr oder weniger regelrechten Umfange gegen einen Zen- 
tral-Punkt, so ist man berechtigt anzunehmen, dass die äussere Rinde 
unseres Planeten an solchen Stellen die Einwirkung einer aus der Tiefe 
gegen die Höhe thätigen Gewalt erfahren habe. Um die Anwendung 
dieser Hypothese der Kontrole des numerischen Kalkuls zu unter- 
werfen, drücken die Verf., vermittelst der Analysis, einige der geo- 
metrischen Verhältnisse aus, welche durch eine Emporhebung, wie die, 
von der die Rede, sich ergeben müssen. Die Untersuchung der erhal- 
tenen Formeln scheint mit ziemlicher Genauigkeit auf die an den Er. 
hebungs-Kratern beobachteten Haupt-Umstände hinzuweisen. In 
der Anwendung nehmen die Verf. nach und nach in ihren Formeln die 
numerischen Angaben auf, welche sich auf das konische Gehänge der 
verschiedenen Erhebungs-Kratere (Palma, Teneriffa, Santorin u. s. w.) 
beziehen, und weisen eine Art Parallelismus nach zwischen den erhal- 
tenen numerischen Resultaten und den, an den genannten Kegeln 
wahrgenommenen Thatsachen. — Der wichtige und mit vielem Scharf- 
sinne durchgeführte Aufsatz eignet sich übrigens nicht zu einem Aus- 
zuge, Wir müssen uns darauf beschränken die Resultate mitzutheilen, 
welche sich in Betreff der untersuchten Gruppe des Cantals und jener 
des Mont Dore ergeben. Was den Cantal betrifft, so berechtigt nichts, 
denselben mit einem zerrissenen Eruptions-Kegel zu vergleichen; mehrere 
wichtige Thatsachen machen eine solche Vergleichung selbst unmöglich; 


37 °® 


— 572 — 


Alles deutet auf eine Erhebung innerhalb eines‘ grossen basaltischen 
Plateau’s hin, das auf trachytischem Gebilde ruhte, und auf ein neues 
Beispiel der in ihrem Centrum entfernten Erhebungs - Kegel, welche 
L. v. Bucu durch den Ausdruck Erhebungs-Kratere bezeichnet hat. Die 
Gruppe des Mont Dore lässt sich nicht als Ergebniss der Zerstörung 
eines oder mehrerer Eruptions-Kegel ähnlich dem Vesu» und dem Atna 
betrachten; man erkennt die Wirkung mehrerer Emporhebungen, welche 
das trachytische Plateau aufgetrieben und zerrissen haben. Der Puy-de- 
Sancy und die Felsmassen Thuiliere und Sanadoire liegen in den bei- 
den denkwürdigsten Erhebungs-Zentren; und. um diese beide Centra 
nimmt man einige den Erhebungs-Kratern analoge-Erscheinungen wahr, 


Ser 


Ersteigung des Gipfels von Pico de Teyde auf Teneriffa 
durch R. E. Arıson am 23. und 24. Februar 1829. (Phi. Mag. 
N. S. Vol. VIII. p. 23 etc., 140 etc., 195 etc., 248 etc., 433 etc. "). 
Nach dem Glauben der Eingeborenen sollte der Gipfel des Berges zur 
‘ Winterzeit wegen des Schnee’s und der muthmasslichen ausserordentli- 
chen Kälte halber unzugänglich seyn, so dass man selten vor dem Ju- 
nius-Monate ihn zu ersteigen pflegte Der Bericht-Erstatter verliess 
anı 23. Februar 1829 das Augustiner-Kloster Orotuca, dessen Meeres- 
höhe 1100 Fuss beträgt. Die Luft war milde; schwacher NNW.-Wind; 
Thermometer-Stand —= 56°5. Das, was man Camino de C’rasna nennt, 
verdient nicht als Strasse bezeichnet zu werden; es ist, gleich den übri- 
gen Wegen des Landes, nur ein schmaler steiler Fusspfad über Laven- 
Lagen hinaus. Nach einem Ansteigen von 500 F. erreichte man das 
Ende einer schönen Umgürtung von Weinbergen und gelangte nach 
64 Uhr durch die Schlucht (baranco) Penilla. Die Temperatur nahm 
merkbar ab, Die Laven zeigten sich bloss mit zersetztem vulkanischem 
Material und mit verwesten Pflanzen einige Zolle hoch bedeckt; dessen 
ungeachtet war die Vegetation noch sehr üppig. In geringer Weite von 
der erwähnten Schlucht erreicht man eine andere, Pilloni genannt, etwas 
höher als 3000 F. über dem Meeres-Spiegel; sodann folgt die Schlucht 
del Pino Dornajito in 3410 F. Seehöhe. Sie hat ihren Namen von ei- 
ner ungeheuren Fichte, die auf der westlichen Seite der Schlucht be- 
findlich war. Dieser Baum soll, schon zur Zeit der Eroberung des 
Eilandes, mithin vor 360 Jahren, vollkommen ausgewachsen gewesen 
seyn. Eine furchtbare Wasserhose stürzte den gewaltigen Baum am 
7. Novbr. 1826 in die Tiefe der Schlucht hinab. Der noch vorhandene 
Rest des Stammes misst 128 F. Länge und 30 F. im Umfang. — Aus 
der Tiefe der Schlucht lassen sich die verschiedenen Laven-Lagen beob- 
achten. Oben vegetabilischer Boden und zersetzte Lava bis zur Tiefe 
von 3 Fuss. Sodann eine Art vulkanischen Trümmer-Gesteins; das 


*) Hauptzwecke der Ersteigung waren physikalische Untersuchungen; wir beschrän- 
ken uns auf Mittheilungen der den Geognosten interessirenden Angaben. D. H. 


— 7 — 


Bindemittel ist brauner Schlamm und Tuff. Nachher vulkanischer Tuff, 
6 F, mächtig, und basaltischer Trapp, dicht und von dunkelblauer Farbe, 
wechselnd mit braunem Schlamm. Auf dem Boden der Schlucht grosse 
Blöcke von Lava, Hornblende und Augit führend. — Unfern Dornajito 
ist die Oberfläche von zahllosen kleinen Schluchten durchschnitten und 
der Boden hat so geringe Mächtigkeit, dass man die Laven häufig her- 
vortreten sieht. — Weiter aufwärts wurde rlie Natur der Laven stellen- 
weise, der üppigen Vegetation wegen, schwierig erkennbar. Baum-artige 
Haiden (Erica arborea) erreichen mitunter eine Höhe von 16 bis 18F., 
und ihr Durchmesser beträgt oft 6 Zoll und darüber. — Hier scheinen 
Laven aus verschiedenen Öffnungen in zahlreichen Strömen sich ergos- 
sen zu haben, Sie sind von Wacken-ähnlicher Beschaffenheit, schwarz 
gefärbt, etwas blasig, und führen Augit, Hornblende und Olivin; alle _ 
wirken sehr stark auf die Magnetnadel. — Nicht fern von der Haya- 
Schlucht überschreitet man einen alten Lavastrom, der aus einem: Vul- 
kan nach SSW. gelegen hervorgebrochen seyn dürfte; die Masse ist 
trachytisch' und neben den Feldspath-Krystallen fanden sich viele ’Augite. 
— Um 74 Uhr kamen die Reisenden durch die Schlucht Fuera el Monte 
in die Llanos (Ebenen) de Gaspar. Eine Schlucht von. beträchtlicher 
Tiefe liess basaltische Lava erkennen, eine Art Puzzolan von grosser 
Mächtigkeit und einen braunen vulkanischen Schlamm über einer Lage 
dichter schwarzer Lava. Am südwestlichen Ende der Lianos de Gas- 
par, an der Stelle Camina del Alta genannt, findet man einen Strom 
von 'trachytischer Lava, und in der Juradilto-Schlucht unter basaltischem 
Trapp‘verschiedene Schichten von Lava und Schlamm, hin und wieder 
Neigung zu Säulen-artigen Absonderungen zeigend. In geringer Ent- 
fernung hat man einen Bimsstein-Hügel zu überschreiten, der von. der 
erwähnten Wasserhose des Jahres 1826 bis zur Tiefe von 80 F. war 
senkrecht durchschnitten worden. Nun besteht die Oberfläche aus weis- 
sen, zum Theil zersetzten, Lapilli und aus Massen von porphyrartiger 
Lava, hin und wieder mit Bimsstein gemengt. Nun wird die Vegetation 
allmählich wieder üppig; endlich erscheint nur noch Spartium nubi- 
genum. Um 10 Uhr erreichte Arıson die Stelle genannt Ultimo Pino; 
hier geniesst man die Ansicht des Fusses vom Pik. Alle tiefern Thäler 
zeigten sich mit Dünsten erfüllt, während das Meer und die höheren 
Regionen vollkommen klar blieben. Nachdem ein steiler Bimsstein-Berg, 
Montanna Alta, überschritten worden, gelangte man durch die Estancia 
de la Cera und die Cueva de la Machoura in den Cannadas del Pico. 
Der Barometerstand war 50° 5, Die Cannadas sind unermessliche 
Flächen von weissen und gelben Bimssteinen, die sich von WSW. aus 
rings um den Pik erstreckt. Die Oberfläche hat eine Seehöhe von 
8957 F. Der Weg führte nun über eine Masse von Porphyr-Gesteinen, 
La Gayeta, sodann über eine ähnliche, welche die Führer mit dem 
Namen La Estancia de Juan Benitiz bezeichneten, Mau'>kam. an dem 
kleinen erloschenen Vulkan, Montana Negra, auch Los Gorros genannt, 
vorbei. ‘In demselben finden sich mehrere Höhlen, .die als Eiskeller für 


Santa Cruz und Orotava benützt werden. Man füllt sie, zu gewissen 
Jahreszeiten, mit dem am Fusse des Piks gefallenen Schnee. Um 12 
Uhr, wurde der Fuss des Piks erreicht. Die. Oberfläche besteht aus 
röthlich 'gefärbtem Bimsstein und dazwischen zahlreichen grossen-Blöcken 
von Grünstein-artiger Lava, Krystalle von Feldspath enthaltend, und 
aus Massen von Obsidian. Bei der Ankunft war der Thermometer-Stand 
im Schatten: — 44°, stieg jedoch bald bis zu 50°, und bis zu 57°, wo 
dasselbe indirekt dem Einflusse der Sonne ausgesetzt war. — Das Er- 
steigen des Piks hatte auf einem sehr steilen Pfade, über. Bimsstein- 
Ablagerungen hinaus, Statt, zwischen zwei Laven-Strömen: oder vielmehr 
Dämmen, welche sich von der grossen Masse, genannt Mal: Pais. — 
an. der Alta Vista Arriba, 1600 F. über dem Bergfusse — getrennt 
hatten. Diese Ströme sind Haufwerke ungeheurer Laven-Blöcke. von 
sehr. vielartigen Gestalten. Manche zeigen sich mehr :Obsidian-ähnlich, 
andere ‚bestehen aus brauner Porphyr-artiger Lava und enthalten grosse 
Feldspath-Krystalle, noch andere sind erdig, voller. Blasenräume., An 
dem obern Theile der Ströme kommen „mehrere, Blöcke \;von./Phkonolith 
vor. — An der La Estancia de los Ingleses de: Abaxo genannten 
Stelle, 9930 F, Meereshöhe, zeigt sich eine oberflächlich ‚ziemlich ebene 
Bimsstein-Ablagerung von einigen Hundert Quadrat-Fussen. Ausdehnung. 
Gegen NN. einzeln zerstreute grosse, Obsidian-Blöcke..: ;Nöch 128 F. 
höher, an der Estancia de los Ingleses de Arriba, ist .die,.erhabenste 
Stelle, wo das Spartium nubigenum vorkommt,.: Von, hier an 
wurde das Steigen immer beschwerlicher; der Bimsstein'- weicht: unter 
den Füssen und stellenweise war auch der vorhandene Schnee. sehr hin- 
derlich, Nach Verlauf einer Stunde gelangte män ‚zur Alta. Vista Ar- 
riba, 10621 F, über dem Meere; hier ist das Ende: der: Bimmsstein- 
Region, da, wo jene beiden Laven-Ströme einander durchscheiden. Am 
Morgen des folgenden Tages (24. Februar) erreichte Arıson:,jenen; Theil 
des Piks oberhalb der Alta Vista Arriba, genannt Mal Pais. Hier fin- 
det man grosse Lava-Blöcke, sehr verworren über: einander; gehäuft, 
mitunter geräumige Höhlen bildend. Die Lava ähnelt im. Allgemeinen 
jener der beiden vorerwähnten Ströme. Sie scheint im halb-flüssigen 
Zustande noch vorwärts geschritten und beim Abkühlen in die Blöcke 
zersprungen zu seyn. Das Aufsteigen über den Mal Pais ist weniger 
mühsam, als der Weg über die Bimsstein-Ablagerungen, obwohl man 
nicht selten genöthigt wird, von Block zu Block zu springen; nur der 
Schnee belästigte, der in dichten Massen zwischen, den Blöcken lag. 
Nun gelangte der Reisende zur Cuweva de Nieve (Schnee-Grotte). in 
11098 F. über dem Meeresspiegel und in 2141 F. über dem Fusse des 
Piks. Der Eingang in die Höhle führend, misst ungefähr 12 F. Höhe 
und 8 bis 9 F. Weite, Auf den Boden wird man am. Stricke hinunter- 
gelassen, Die Grotte scheint umschlossen von grossen Blöcken erdiger 
und blasiger Feldspath-Krystalle enthaltender Laven, die in halb-flüssigem 
Zustande sich mit einander verbunden haben und stellenweise eine 
Stalaktiten- Decke bilden. Die Höhle dürfte 120 F. lang und unge- 


—_— 975 — 


fähr 20 F. breit seyn. Der. Boden. zeigte sich überdeckt mit Wasser, 
das gegen die Wände hin fest gefroren war, in der Mitte aber nur eine 
dünne . Eisdecke trug. Das ‚Wasser hat, an einigen ‚Stellen, 10 bis 
12 F. Tiefe. Auf dem Boden nahm Arısow eine Pflanze ‚wahr, denen 
aus dem Fucus-Geschlechte am nächsten steheud. Von der Decke hin- 
gen zahlreiche Tropfsteine von Eis, auch von Salpeter und: von einem 
ammoniakalischen Salze herab. Im Grunde der Grotte ist ein Haufwerk 
von Eismassen 'zu sehen, welches die Führer mit dem Ausdrucke „Man 
of Ice“ (der Eismann) bezeichneten. Dieses Gebilde befand sich mehrere 
Jahre hindurch in dem nämlichen Zustande; ein. Beweis von der niedri- 
gen Temperatur jenes Theiles der Grotte, welcher von der äussern Luft 
mehr entfernt ist. Nach Arıson’s Vermuthung beruht die Eis-Erzeu- 
gung auf dem porösen Wesen der Lava und auf der Vermischung, des 
. Wassers-mit ‚Salpeter. — In geringer Entfernung von der Schnee-Grotte 
gelangt man zu einer Bimsstein-Fläche, Rembleta genannt; sie liegt 
11721 F, über dem Meeresspiegel. Hier scheint‘.der alte Krater des 
Piks. gewesen zu seyn, ehe sich der gegenwärtige Kegel bildete, der 
aus der ‚Mitte jener :Flächen zu einer Höhe von 467 .F, emporsteigt. 
Das Ersteigen dieses Kegels, den man Sxgarloaf (Zuckerhut) nennt, 
war ‚der beschwerlichste Theil der Wanderung. . -Die Aussenfläche be- 
steht aus lockerem Bimsstein und aus Asche, so wie aus kleinen. Bruch- 
stücken einer Porphyr-artigen Lava; sie erhebt sich unter einem Winkel 
von 35°, 'näher' nach dem Gipfel. zu aber unter‘ 40%, Arıson brauchte 
noch 45 Minuten, ‚um, bei grösster. Anstrengung, die ‘höchsten: Spitzen 
des Piks, 12188.F. über dem Meere, zu erreichen. Rings um den 
Gipfel zieht sich eine Mauer-artige Einfassung von Porphyr-ähnlicher 
Lava, eine Ellipse bildend, deren Axe aus NW. nach SO, gerichtet ist. 
Der im Innern ‘befindliche Krater dürfte 150 F. Länge, 100 F, Breite 
und 50 F. Tiefe haben.: (In der Regel werden seine Dimensionen grös- 
ser angegeben; der Verf. gesteht, dass er ihn nur geschätzt und nicht 
gemessen habe.) Nach O. hin ist jene Laven-Mauer durchbrochen, allem 
Anschein nach durch eine ‘alte Laven-Eruption, deren Überreste man 
beim Hinansteigen‘ auf dem Bimsstein_ trifft. ‚Gegen S. hin ist die La- 
ven-Mauer ebenfalls gewichen; aber nach N. hin steigt sie noch sehr 
empor. Alle Laven-Massen sind im Zustand vorschreitender Zersetzung; 
ihre Oberfläche ‘ist gebleicht, weiss, wie Kreide, ohne Zweifel durch 
dauernde Einwirkung (der schwefelsauren Gase auf die Thonerde der 
Laven. .‚Seiten-Gehänge und Becken des Kraters fand Arıson ziemlich 
heiss, und in der. Richtung aus WNW,. nach ONO. waren zahlreiche 
Weitungen. von etwa .1'* Durchmesser und. 1 bis 2’ Tiefe, denen zum 
Theil Dämpfe, zum. Theil schwefelige Dünste entstiegen, so dass sie, ob- 
wohl ‚einander. sehr nahe befindlich, dennoch auf verschiedenartige Quel- 
len schliessen ‚lassen, 'Die Temperatur derselben zeigt sich ‚bedeutend 
hoch, indem ein, auf 133° graduirtes, Thermometer barst, als man es ihrem 
Einwirken aussetzte;.die Rinde eines in sie gebrachten Stabes wurde vollkom- 
men verkahlt, Der verdichtete Dampf hatte durchaus keinen Geschmack die 


- 576 — 


Öffnungen aber, welchen die Dämpfe entstiegen, sah man mit den zärtesten, 
Nadel-förmigen Schwefel-Krystallen bekleidet. An mehreren Stellen des 
Krater-Bodens würde eine Teig-artige, aus Kiesel- und Thon-Erde beste- 
hende Masse ‚gefunden; ein in’ dieselbe versenktes Thermometer. stieg 
bis zu 107°. — Da die Fläche der Cannadas, worauf der Pik gelegen 
ist, sehr allmählich ansteigt bis zu einer Höhe von ungefähr 9000 F., 
80 bemerkt man die grosse Erhabenheit dieses Vulkans erst auf seinem 
Gipfel. Die Klarheit der Atmosphäre, selbst in den tiefern Thälern, 
überbietet jene von Italien; sie gleicht ohne Zweifel dem wolkenlosen 
Himmel der meisten Inseln im stillen Meere. Aber es wird dieselbe 
auf dem Gipfelpunkte des Piks noch bei Weitem übertroffen; hier kann 
das Auge, an einem hellen Tage, die ungeheure Ausdehnung eines 
Raumes von 5000 bis 6000 Quadrat-Meilen übersehen. Diese seltene 
Klarheit der Atmosphäre ist sehr wahrscheinlich eine Folge der grossen 
Trockene der Luft, welche über die weit erstreckten Sandwüsten Afrikas 
hinstreicht und von da. nach Teneriffa und den übrigen‘ Kanarischen 
Inseln getrieben wird. — Fragt man nach dem Krater, welcher die 
Quelle aller der Feuer-Ströme gewesen, so ergibt die Lage des Piks, 
dass wenige, oder keine hier ihren Ursprung genommen haben, Sorg- 
fältige Beobachtungen des Cannadas lassen keinen Zweifel, dass sie die 
Ursache der Verwüstungen in der nachbarlichen Gegend waren, dass 
sie den ungeheuren Krater eines alten Vulkans bildeten. Es ist mög- 
lich, dass vulkanische Feuer vorhanden gewesen, als das Eiland sich 
noch in seinem Urzustande befand, und dass die Rinde, welche diesel- 
ben umschloss, endlich an ihrem schwächsten Theile barst, muthmass- 
lich im Centrum, da wo man gegenwärtig die Cannadas findet. Die 
Form derselben ist beinahe halbkreisförmig, von NO. nach WSW. durch 
eine fast nicht unterbroehene Bergkette umgeben, welche stellenweise, 
gleich einer gewaltigen Mauer, bis zu beinahe 1000 F. über die Ober- 
fläche emporsteigt. Gegen N. hin findet man einen Theil der nämlichen 
kreisrunden Kette, allein mit einer weiten Kluft, welche sie von der 
vorher erwähnten trennt; man bezeichnet diesen abgeschiedenen Theil 
mit den Ausdrücken Risco de la Fortaleza und El Cavison, Aus dem 
äussern Theile der Kette treten verschiedene hohe Bergrücken, gleich 
mächtigen Sirebe-Pfeilern hervor, zwischen denen fruchtbare Thäler 
vorhanden sind. Die Fortaleza sendet einen hohen Bergrücken aus, 
dessen oberer Theil den Namen Figayyga genannt wird; er erreicht in 
seinem Zuge nach dem Meere hin, die westliche Grenze des Orotava- 
Thals. Aus der Ostseite der nicht unterbrochenen Kette läuft ein an- 
derer hoher Rücken aus, genannt Pedrogl, La Florida und La Re- 
sbala, welche die östliche Grenze des nämlichen Thales bilden. Nach 
WSW. findet man den Fuss des Piks beträchtlich tiefer an den den 
Cannadas zunächst gelegenen Seiten ; die Oberfläche zeigt sich gänzlich 
verschieden, man vermisst die Kreis-förmigen Bergreihen. Ursprünglich 
mögen die Cannadas kreisrund und bedeutend höher, als gegenwärtig 
gewesen seyn; sie dürften in Folge der ungeheuren Menge ausgewor- 


u 


fenen Materials eingesunken seyn. Allem Vermuthen nach war die 
WSW.-Seite von 'einer: ähnlichen Bergkette:umzogen, wie: die entgegen- 
liegende; allein sie scheint durch eine ‘heftige Katastrophe zerstört 
worden zu seyn, etwa in derselben Periode, als die Klüfte in der noch 
vorhandenen, die. Cannadas umziehenden, kreisrunden Kette sich auf 
thaten. Alles spricht dafür, dass die ganze Insel einst sich allmählich, 
und nach allen Seiten hin, von den Cannadas gegen das Meer hin 
senkte, und dass die schönen Thäler von Orotava und Icod durch im 
Centrum der ‚Cannadas eingebrochene Schichten sich. ‚bildeten, Für 
eine solche Ansicht sprechen die erwähnten Berge Pedrogil, La Florida 
und La Resbala, welche die Ostgrenzev des. Orotava-Thals ‚ausmachen 
und ungefähr das nämliche Niveau und denselben Abfall zeigen, ‚wie 
die ‘gegenüber liegenden Berge von Tiyayga und Icod-el-Alto, welche 
die Westgrenze bilden. Da der obere Theil der Thalseiten unter Win- 
keln-von 60 bis 70° fällt und von üppigem Pflanzen-Wachsthum bedeckt 
ist, so'war nicht zu ermitteln, ob. die Felslagen beider Bergzüge die 
nämliche Reihenfolge aufzuweisen haben. Mehrere kleine, Vulkane sieht 
man hin und wieder zerstreut in den Cannadas; vom. Gipfel des Piks 
betrachtet, gleichen sie Hügeln auf einer sandigen Fläche; an zweien 
lassen sich die Kratere deutlich unterscheiden, und. unverkennbar sind 
die Stellen, wo die Laven-Ausbrüche Statt gefunden. —. Die Oberfläche 
des unermesslichen Kraters istübersäet mit Laven-Massen, welche in _ge- 
wisser Entfernung vom Pik einen Grünstein-artigen. Charakter haben, 
Die genaue Untersuchung ergibt, dass jene Massen in konzentrischen 
Kreisen niedergelegt worden, Diese Erscheinung lässt sich: nur. schwie- 
rig genügend erklären; es seye denn, dass man annehme, sie, wären nach 
dem allgemeinen  Einsenken der Cannadas gebildet worden, als: neue 
Kratere im Centrum sich aufthaten, welehe nach einander wieder zu- 
sammenbrachen und endlich mit mächtigen Bimsstein - Ablagerungen 
überdeckt wurden, die der Pik, oder einer der andern. zahlreichen Yul- 
kane ausgeschleudert hatten, Ausser jenen Laven-Massen waren an. 
den erwähnten Stellen auch ungeheure Bimsstein-Blöcke vorhanden, 
deren manche 12‘ Höhe und beinahe 40° im Umfang hatten; in 
einigen fand man grosse Feldspath-Krystalle, andere zeigten sich von 
Pechstein-artigem Aussehen und schlossen Bimsstein-Theile. ein (oder 
vielleicht auch solche von plötzlich erkaltetem Obsidian). Zum Herabsteigen 
vom Kegel brauchte Arısov nur 5 Minuten, während dem 30 zum Er- 
steigen erforderlich gewesen waren; in ungefähr 1 Stunde erreichte-er 
die Estancia, und nach 6 Stunden die Stadt Orotava. 


Barometrische Messungen des Piks nach den Formeln 
von»LaArtice: | 


PETER Fevitte, Jahr 174 , , BL 12,957 Fuss 


° 
* 


BorDa, 776 2...» RES = Oz 20000 0.12,646  —: 
LamAnon nud Monge, 1785 BRETT ... 12,199. — 
CordierR, 103 : 2. 2 2 a2 000 lee 294 — 
Smith, 1815. m. 0 sn ae 12168, = 
v. Bucu „.. “0 0 0 a 8 ae 12,231 ni 


‚978 — 


Geometrische Messungen: 


P. Fevizze, 1724 (mit zu kleiner Basis) . . .: .: 14,159. Fuss 
HEBERDEN, 1752 0 0 0 0 2 2 ee nenn 1192 0 — 
HERWANDEZ, IIRE UL. 0 0 ee Aue 
Boroa und PınGre, 1771 (mit Rechnungs-Irrthümern) 11,337 — 
Borpa, 76 2. 0 2 EDIT IIZIEE 


Messungen vom Schiffe aus unternommen: 
MAUNEVILLR, EOS NEE » . ‚12,796 Fuss 
BorDa und Pısgre, 1771 en al ee oe 10,88 — 
Caunvea, ISBN TE SEIATAITL S> 
Jonkaronn ann) lan a Bag 1 
or Üpep die Geologie von Teneriffa fügt Arıson am Schlusse Nach: 
stehendes bei. Überall zeigen sich die augenfälligsten Spuren von gros- 
sen Umwälzungen, welche durch vulkanische Aktion bewirkt worden: 
Kratere von 'ungeheurer Ausdehnung und Tiefe; .' durch Eruptionen er- 
zeugte Kegelberge; Lava-Ströme, nach allen Richtungen verbreitet; Ab- 
lagerung weisser und schwarze Lapilli und Tufe; 'schwefelige Dämpfe 
aus‘dem Pik aufsteigend. Die‘ Laven sind höchst verschiedenerlei. Zu 
jenen, welche aus den alten Vulkanen im Zentrum der Insel, insbeson: 
dere aus denen am Pik abstammen, gehören: 1. die basaltischen Laven 
von grosser Dichtheit: sie scheinen die ältesten, und werden meist in 
der Nähe des Meeres getroffen; die mächtigeren gestalteten ‚sich häufig 
prismatisch ; die minder mächtigen sind ähnlich dem Grünstein von Salisbury 
Craigs bei Edinburgh; 2. Laven von Grünstein-artigem Charak- 
ter: sie kommen in grossen Blöcken in den Cannadas del Pico vor, 
ruhend auf Binsstein - Ablagerungen, deren: Mächtigkeit stellenweise 80’ 
beträgt; 3, Trachyte: sie bilden die Wände des Kraters auf dem Gipfel 
des Piks; sie erscheinen meist gebleicht in Folge des Einwirkens schwefe: 
liger Dämpfe. — Die übrigen Laven- lassen sich auf folgende Weise ab- 
theilen‘: 1) die von trachytischem Charakter, dicht, weil sie durch die 
primitiven Ausschleuderungen mit grosser Gewalt hindurch getrieben 
worden; '2) die minder ‘dichten Laven, theils 'von mehr Glas-artigem, 
theils von mehr steinigem Aussehen ; man findet siein der Regel bedeckt 
mit den neuesten Ausschleuderungen. Die unterste Lage der modernen 
Lava’ ist meist ein matter trachytischer Porphyr mit Lapilli überlagert, 
oder mit einem erdigen Konglomerat, welche zuweilen auch im Wech- 
sel auftreten. Darüber trifft man blasige Augit-Lava, mehr oder min- 
der zersetzte Feldspathe enthaltend ; endlich der Oberfläche zunächst 
eine Art basaltischen Trapps,, dem Schottischen Whinstone ähnlich, 
Die meisten dichten Laven wirken sehr auf die Magnetnadel; denn sie 
sind: reich an 'Titan-haltigem Magneteisen. : An der Meeresküste, unge- 
fähr 5 Meilen westwärts von Orotava, kommen Basalte von regelrech- 
ter hexagonaler Gestalt vor. In der Nähe sieht ıwau, ‚auf einer Höhe 
von etwa 120 F. über dem ‚Meere, eine mächtige Lage von thonig- vul- 
kanischem Schlamm, voll’von marinischen Muscheln. Allem Anscheine 
nach dürften diese organischen Reste durch Spalten, welche mit dem 
Meere zusammenhängen, in .den Krater des Vulkaus gekommen und 


— IN — 


später mit dem Schlamm wieder ausgeworfen worden. seyn. (Im Jahr 
1824 ergoss ein Feuerberg auf Lanzerote grosse. Mengen salzigen Was- 
sers, wodurch die nachbarlichen Ländereien sehr beschädigt wurden.) 
Säulen-förmige Laven finden sich nicht bloss in der. Nähe der: Meeres- 
küste, sondern ‘auch in verschiedenen Schluchten auf beträchtlicher Höhe, 
ja selbst in den Cannadas del Pico, die:8000’F. höher sind als das Meer, 
Die Säulen haben meist 1—2 F. im: Durchmesser, sind scharf begrenzt, 
nur selten gegliedert, aber in der Regel gebogen. Sie zersetzeu: sich 
schrell durch 'atmosphärische Einwirkung. Die Basalte setzen auch an 
sehr erhabenen Stellen, 4 bis 5000 F. über dem Meere, und noch ;höher 
in Gängen in Basalt-Breceien auf. Im SW. des Orotava - Thales,' an 
einer Stelle, genannt los Organos, findet sich der Krater eines’ erlosche- 
nen Vulkans, ‘welcher augenfällig zusammengebrochen: ist und: nur ein 
kleines Thal, Agua Mansa, bildet. sDie eine Seite des Schlunds ist noch 
vorhanden und zeigt eine senkrechte,‘ aus Konglomeraten bestehende 
Wand von 150 F. Höhe. Diese:Wand wird: von Trapp - Gängen durch- 
setzt, welche in der Form das‘ Ansehen ‘von Orgelpfeifen haben (daher 
der Name los Organos). Inder Nähe findet man grosse zerstreute 
Massen von Mandelstein-artiger Lava, ‘ganz’ angefüllt mit Krystallen von 
Augit, Hornblende, Idokras, Leuzit, Feldspath und Analzim. — Auf der 
Westseite des Eilandes, im Thale’von Pina; trifft man hoch 'emporra- 
gende Trapp-Gänge; der Zwischenraum‘ zwischen denselben war: ohne 
Zweifel in früheren Perioden mit Breeeien angefüllt, welche wahrschein: 
lich durch Wasserströme zerstört worden; die: 'aus nachbarlichen Vulkanen 
hervorbrachen. Die unwissenden Eingebornen betrachten jene Felsmas- 
sen'als Werke der Guanchen, der Ur-Einwohner‘, oder anderer Wesen. 
Die Basalt-Gänge zeigen sich sehr gewunden.’— Die Laven' eines’ und 
desselben Vulkans erscheinen nicht allein sehrimänchfaltig, sondern’auch die 
Massen einen und den nämlichen Strom’ zusammensetzend weichen auffällend 
von einander ab. In der Nähe des’Kraters pflegt die Lava dicht zu seyn 
und frei von Krystallen; verfolgt man“sie'jedoch mehr abwärts,‘ so fin: 
det man dieselbe blasig und sehr reich ‘an Krystallen. Im Allgemei- 
nen bilden die Laven breite Ströme: von 3''bis 20 F. Mächtigkeit; häu- 
fig kommen grosse massige Blöcke vor; zahlreiche Krystalle von- Augit, 
Hornblende, Feldspath und hin und wieder auch von 'Olivin enthaltend; 
Auf einigen kleinen Vulkanen, Montannetas genannt, sieht man hohl 
halbrunde Massen , ' welche Arıson -als 'vulkanische Bomben’ bezeichnet. 
Sie’ haben gewöhnlich 12° im Durchmesser ;'ihr Inneres ist weniger 
dicht, als die Aussenrinde, letztere erscheint, in Folge der Einwirkung 
von schwefeligen Dämpfen, meist''weiss gefärbt. Manche kleine Bom- 
ben bestehen aus Obsidian, im Inhern“geht ihre Masse in Binisstein 
us Die Montannetas sind überdeckt mit Schlackenstücken; alle zeiger 
die Einwirkung gesäuerter Dämpfe, und werden so leicht wie Bimsstein 
gefunden. — In den verschiedenen Theilen der Insel kommen’ mehrfache 
Abänderungen von Bimsstein vor. Einige sind 'graulichweiss mit rothen 
Flecken; andere schliessen Augit ‘und Feldspath Krystalle’ ein. Beide 


— 5850 — 


Varietäten erscheinen am häufigsten in den Cannadas det Pico und ihre 
Ablagerungen erreichen stellenweise eine Mächtigkeit von 70 bis 80 F, 
Ferner trifft man Bimssteine von Oliven-grüner Farbe mit kleinen Poren; 
andere, grau gefärbt, werden von Adern kohlensauren Kalks durchzogen. 
Endlich gibt es Bimssteime,,: welche‘ dem  Obsidian sehr nahe stehen. 
Die zuletzt erwähnten Abänderungen zeigen sich zumal in der Nähe 
des Piks. Überhaupt aber bedeckt der Bimsstein beinahe alle Plateau’s 
der Insel (welche nichts weiter sind, als erloschene Kratere von einer Aus- 
dehnung von mehreren Quadrat-Meilen). Da, wo Bergströme durch die Laven 
hindurchbrechen und Schluchten von ungeheurer Tiefe bilden, werden die 
Bimssteine in:grosser Mächtigkeit getroffen. Unfern der Stadt Guiamar 
kommen: vorzüglich schöne Bimssteine vor; sie kommen denen von &- 
pari:sehr: nahe und dürften solche selbst übertreffen. — Die weissen 
Aschen müssen als letzte Erzeugnisse einer Eruption, als das Ende der- 
selben verkündend, gelten. Als die dichte Lava aufgehört hatte zu flies- 
sen; wurden die schwarzen Lapilli ausgeschleudert, später die weissen La- 
pilli, jedoch auf geringe Entfernung. : Die letzteren umgeben den Pik 
und bedecken, mehrere Meilen weit, grosse Flächen; die schwarzen La- 
pilli aber werden auch in beträchtlichen Entfernungen von jedem Kra- 
ter gefunden und häufig in mächtigen Ablagerungen an dem Gestade 
des:Meeres. — Die vorhandenen vielartigen Tuffe enthalten gewöhnlich 
viel:kohlensauren Kalk, Sie .liegen zu Theil unterhalb der Lava. Ei- 
nige ähneln sehr dem Trass.. Andere, von den Einwohnern Tosca ge- 
nannt, sind eine Art Peperin; kohlensaurer Kalk, gemengt mit weissen 
Lapilli:. — Von Obsidian kommen mehrere Varietäten auf Teneriffa vor. 
Eine derselben, von grünlichschwarzer Farbe und schillernd,, trifft man 
in ungeheuren ‚Blöcken, 40. bis. 400.Tonnen wiegend, Sie liegen in den 
Cannadas, nahe am Fusse .des ‚Piks,'in 8100 F. Meereshöhe, und 'schei- 
nen bei. den letzten Ausbrüchen; ausgeschleudert worden zu seyn. Ihre 
Gestalt. ist meist sphärisch. Viele, wurden, beiihrem Herabfallen, in Trüm- 
mer zersplittert. ‚Nach aussen. haben. sie nicht selten ein faseriges Ge- 
füge. und verlaufen sich allmählich -in.Bimsstein.. Grosse, halb. ver- 
glaste: 'Feldspath-Krystalle zeigen ‚ sich‘ ‚sehr oft als Einschlüsse jener 
Blöcke,.. Andere sind rein -schwarz gefärbt und von: lebhaftem Glas- 
glanze. Diese bezeichnen die Eingebornen mit dem Ausdrucke Tobona, 
welchen . Namen ihnen die Guanchen gaben, die alle ihre Hau-. und 
Schneide-Werkzeuge daraus bildeten. Sie kommen zuweilen in Strömen 
vor, welche beim Erkalten sich in grosse Blöcke theilten; andere ma- 
chen noch zusammenhängende, ‚weit erstreckte, Ströme aus, deren einer 
von der N.-Seite des Piks bis in den Distrikt von La Guancha ins 
Icod-Thal auf eine ‚Weite von 9—10. Meilen zieht. 


"Höhle im Württembergischen aufgefunden, Am 30. Mai'1834 
wurde unfern Erpfingen (Oberamts; Reutlingen), beim Wurzelgraben, 
durch das: Versinken seiner Tabaksdose, von. dem Schullehrer erstern 


- 581 — 


Orts eine Höhle entdeckt. Der Eingang zwischen zwei Felsen, welcher 
von oben in die Höhle führt, war mit drei grossen, sorgfältig gegen 
einander gekeilten Steinen verschlossen. Die Höhle selber, an deren 
Ende beinahe der Eingang sich befindet, ist 515° lang, und. enthält in 
einer Linie 6 Kammern, welche, beinahe gleich lang, zwischen 24—32’ 
Höhe und 24—48’ Breite haben, jedesmal aber durch Erhöhungen von 
einander abgesondert sind, Neben dieser Haupthöhle sind theils in der 
Höhe, theils in der Tiefe, liuks und rechts, kleinere Nebenhöhlen. Die 
merkwürdigste von diesen befindet sich gleich beim Eingange und bil- 
det einen 30° langen und, den engen Einschlupf abgerechnet, 5—9' ho- 
hen und 10° breiten Gang. Die andern Nebenhöhlen sind zum Theil 
klein und niedrig, aber wegen ihrer ausnehmend schönen Tropfstein- 
Gebilde höchst sehenswerth. Überhaupt zeichnet sich die ganze Höhle 
durch ihre unvergleichlichen, noch unverdorbenen und durch das Ganze 
in der schönsten Abwechselung fortlaufenden Tropfsein-Gebilde aus. Die 
vielleicht Jahrhunderte lang verschlossenen Räume waren früher be- 
wohnt, oder dienten wenigstens Menschen zur Zufluchtsstätte. Nicht 
nur finden sich Stücke von zum Theil künstlich geformten Töpfen, es 
wurden auch zwei Kämme und einige Ringe gefunden. Überall, be- 
sonders aber in einigen Nebenhöhlen, finden sich viele Gebeine, welche 
Menschen von ungewöhnlicher Grösse [?] angehörten, ferner zum Theil 
verglaste [?] und versteinerte Knochen von grossen Thieren, und Zähne, 
Auch wurde eine kleine Strecke eines besetzten Weges entdeckt, so 
wie man Spuren von Mauerwerk gefunden zu haben glaubt. Die Höhle 
ist trocken, die Temperatur sehr mild, die Wege werden gebahnt. Sie 
liegt im Walde an dem sogenannten Höhlen- oder Höllen-Berg, 34 Stun- 
den von Reutlingen, 4 Stunde von Erpfingen und 1 Stunde von Lich- 
tenstein. - 
(Zeitungs-Nachricht). 


Dunvas-Tuomson: Geologie von Berwickshire. (Loup. May. of 
nat. hist. Septbr. 1832, p. 637; Bullet. de la Soc. de Fr. T. III, 
p. xvır.) In dem Landstriche zwischen der Tweed und den Lammer- 
moor-Bergen setzt der, Gyps-Ablagerungen enthaltende, bunte Sandstein 
das Fluss-Ufer zusammen. Er ruht auf .magnesian limestone (Kirch- 
spiel von Eccles) und wechselt mit Porphyr-Bänken (Hadden Rigg). 
Ostwärts Birgkam Haugh treten Mandelsteine am Tweed - Ufer auf, 
Der alte rothe Sandstein erscheint erst mehr gegen N., bei Greelaw 
am Blackadder, und geht allmählich in die Grauwacke der Lammer- 
moor-Berge über, Im Kirchspiele von Polwartk tritt Porphyr aus 
rothem Sandstein hervor. 


Cur. Kappe: über Central- und Reihen-Vulkane. (Athene, 
Heft III. [Auch unter dem Titel: Vermischte Aufsätze von verschiede- 
»en Verfassern, Kempten bei Dınnueimer 1833.] S. 272. fl. 286 #,) 


— 582 — 


Gegen jede Übertreibung der geistreichen v. Bucr’schen Eintheilung 
(der Vulkane in Central- und Reihen-Vulkane sprechen wohl vor 
allen die Vulkane Italiens. Diese bilden nach der Ansicht des Verfs. 
im grossen Vulkanen-System der Erde mit ihren Fortsetzungen einen 
eigenen Zweig, ein kleines System in sich, das, der Streichungs-Linie 
der Apenninen im Durchscknitt (NW. nach SO.) entsprechend, in zwei 
Hauptzügen auseinandertritt, die am östlichen und westlichen Fusse 
dieses Gebirges, hauptsächlich in der Nähe des Meeres, in ungleich auf- 
fallenden Erscheinungen zu Tage liegen. Denn diese Züge, welche 
durch Griechenland nach Asien fortstreichen, zeigen nicht nur in ihrem 
nördlichen Grenzpunkt, im Modenesischen, sondern auch in ihrem 
Streichungs-Gange miteinander, mehrseitige Verbindungen, so dass ich 
sie (gegen Prystanowskı) als Glieder Eines Ganzen betrachten muss, 
dessen Quellen unendlich tiefer liegen, als der Schwefel und Asphalt, 
den sie erzeugen und dessen vulkanische Thätigkeit auf der Westseite 
am höchsten steigt, während sie im Osten durch die lastenden Massen 
des Apenninen- (Jura-) Kalkes zum Schweigen gebracht ist. Jene Thä- 
tigkeit erreicht auf Siciien ihre volle Kraft. Hier und im ‘Golf von 
Neapel sind ihre (Italischen) Brennpunkte. Da treten mit wahren Vul- 
kanen auch Schlamm-Vulkane wieder auf und alle Extreme vereinigen 
sich: woraus folgt, dass. man in Italien wie in den meisten vulkani- 
schen Welt-Regionen weder bloss Reihen-, noch bloss Centrai-Vulkane 
hat, da sich die Thätigkeit ganzer Reihen vulkanischer Züge stellen- 
weise in mächtigen, reichen Gruppen ausspricht. Gruppen und Rei- 
hen fallen hier zusammen. Der östliche Zug der Tialischen Vulkane 
zeigt indess, im Verhältniss zum westlichen, dass jene Eintheilung nicht 
zu verwerfen. Er ist keineswegs gruppenreich ausgebildet und streicht 
nach den Griechischen Inseln fort, den deutlichsten Reihen-Vulkanen 
Europa’s. Sie gehören dem Südosten dieses Erdtheils, wie seinen 
Nordwesten die deutlichsten Central - Vulkane, die Isländischen, aus- 
zeichnen. Da fragt sich aber, in welcher Beziehung die Werkstätte 
der letztern zu derjenigen steht, die die Skandinavischen Länder hebt 
oder gehoben hat. Räthselhaft bleiben alle vulkanischen Regionen, so 
lange ihre individuelle Beziehung zum ganzen Vulkanen-System der 
Erde ein Räthsel ist. 


Rozer: Geologie von Algier und Tittery (in der Barbare:). 
(Ann. du Museum d’hist. nat. 3me Serie. T. II, p. 284. etc.) Das 
Gebilde talkiger Schiefer der Küste der Barbarei ist durchaus das 
nämliche, welches auf der andern Seite des Mittelländischen Meers in 
der Gegend um Toulon gefunden wird. Die tertiären Formationen, von 
denen das Meer begrenzt wird, und die zwischen beiden Atlas-Gebir- 
gen sich so bedeutend entwickelten, gleichen vollkommen jenen, welche 
die Becken der Provence erfüllen und in den Subapenninischen Hü- 
geln vorkommen, Der Lias, welcher die Hauptmasse des kleinen Atlas 


— 583 — 


ausmacht, zeigt viele Analogieen mit jenem der Alpen; wenn die Thone 
nicht in Thonschiefer übergehen, so stehen sie dem Lias von A:w 
u. s. w. ganz nahe, Felsmassen feurigen Ursprungs sind aus der 
Mitte der tertiären Ablagerungen hervorgebrochen und haben die 
Schichten gestört. Alle diese Thatsachen beweisen eine grosse Über- 
einstimmung der geognostischen Phänomene auf beiden entgegenliegen- 
den Seiten des Mittelländischen Meers , und der Verf, achtet sich für 
überzeugt, dass spätere Beobachtungen an den Stellen, welche er nicht 
besuchen konnte, das von ihm erhaltene Resultat nur bestätigen werde. 
Zwischen beiden Atlas-Gebirgen sind die tertiären Formationen auf ei- 
ner Erstreckung von 100 Stunden Länge und 50—60 St. Breite entwickelt. 
Sie treten im nördlichen Gehänge des kleinen Atlas wieder auf, teufen 
unter die Alluvionen von Metidja und bilden alsdann die Hügel-Reihe, 
von der das Meer begrenzt wird. In der Gegend um Oran über 80 
Stunden von Algier ist jenesGebilde noch sehr entwickelt; es setzt den 
Boden der Ebenen von Ägypten, von Syrien u. s. w. zusammen; Bo- 
BLAYE und Virter haben dasselbe in Griechenland wieder gefunden, 
Die tertiären Formationen des nördlichen Europa, jene von Österreich, 
Ungarn u. s. w. sind die nämlichen, wie die Afrikanischen. Die Hand- 
stücke, welche Bov£ mitgebracht, stimmen durchaus überein mit den 
von Rozer gesammelten; auch die fossilen Reste lassen die grösste 
Analogie wahrnehmen. Diese, mit so vieler Sorgfalt auf vielen Stre- 
cken der Erd - Oberfläche erforschte geognostische Gruppe zeigt über- 
all dieselben Merkmale. Ein solches Resultat deutet, nach dem Verf., 
darauf hin, dass die Gesteine, die bezeichnete Gruppe ausmachend, 
durch die Einwirkung von Ursachen abgelagert wurden, welche einst 
über die ganze Aussenfläche des Planeten thätig waren; in ihrer Ge- 
sammtheit stellen sie eine grosse geognostische Epoche dar, die man 
seit langer Zeit durch den Ausdruck tertiäres Gebiet zu bezeichnen 
gewohut ist. Zahlreiche Beobachtungen haben dargethan, dass in 
jener Epoche die Oberfläche der Erde in mit Wasser erfüllte Becken 
getheilt war, welche nicht alle unter sich zusammenhingen. Örtliche 
Verhältnisse mussten von grossem Einflusse auf die Thiere seyn, welche 
in einem jeden dieser Becken lebten, so wie auf die Niederschläge, die 
darin entstanden, und diess war nun desto auffallender, da deren Ober- 
fläche eine weniger grosse Ausdehnung hatte. Es ergibt sich daraus, 
dass der Typus der tertiiren Epoche von der Ablagerung entnommen 
werden muss, deren Merkmale in ihrer Gesammtheit den Beweis dar- 
bieten, dass sie nach dem grössten Massstabe gebildet worden seye. 
In dieser Hinsicht gebührt, so weit die Erfahrungen reichen, dem Sub- 
Atlantischen Gebiet bei Weitem der Vorzug, und Rozerr glaubt, dass 
ihm von nun an alle tertiären Formationen verglichen werden müssen. 
Bei allen schätzbaren Arbeiten von Drsmayes, und ungeachtet der Bil- 
ligung, welche sie erhalten haben, erachtet R. es für unmöglich, das 
relative Alter jener Formation allein nach den organischen Überbleibseln 
zu bestimmen: denn da die Umstände nicht in jedem Becken die näm 


_ 54 — 


lichen waren, so konnten die Gesteinlagen, welche zu derselben Zeit 
(au meöme instant physique) auf der ganzen Erd-Oberfläche niederge- 
schlagen wurden, an jedem Orte verschiedene organische Überreste in 
sich aufnehmen. Daher dürfte es wahrscheinlich kommen, dass die 
Spezies von Muscheln nicht die nämlichen sind. zwischen beiden Atlas- 
Gebirgen und in den Hügeln des Küstenlandes, obwohl die Felsarten 
sich identisch zeigen; zwischen den Atlas-Gebirgen erfolgte die tertiäre 
Ablagerung in einem geschlosSenen Becken, während. dieselbe im Nor- 
den auf dem Küstenlande des grossen Meeres abgesetzt wurden. Ört- 
liche Umstände mussten bedeutenden Einfluss haben auf jene Ablage- 
rungen, die in kleinen Becken (Paris, Bordeaux, London ü. s. w.) ent- 
stunden; -diess ist der Grund, wesshalb das tertiäre Gebiet dieser Ge- 
genden von der allgemeinen Masse so sehr abweicht. Die Naturfor- 
scher, welche jene Becken untersuchten, haben sie in zahlreiche For- 
mationen abgetheilt; es dürfte dieses ohne Grund geschehen seyn und, 
wie im Sub-Atlantischen Gebiete, auch dort nur eine Formation sich 
finden ; ‚aber sie besteht aus weit mehr verschiedeuen Lagen und die 
Erzeugnisse süsser Wasser wechseln mit meerischen Absätzen. Im 
Pariser Becken erkennt der Verf. nur zwei Abtheilungen einer Forma- 
tion, wie zwischen beiden Atlas-Gebirgen: 1) der blaue Mergel, durch 
den Cerithien-Kalk mit dem plastischen Thon vertreten; 2) der Sand, 
Sandstein und Grobkalk, über jenem‘ Mergel ihre Stelle einnehmend, 
vertreten durch alle marinischen und Süsswasser-Sehichten, welche man 
über dem Cerithien-Kalk trifft. Was die sämmtlichen Littoral-Ablagerun- 
‚gen betrifft, welche Desnoxers durch den Ausdruck terrain quuternaire 
bezeichnet hat, so gehören sic ganz bestimmt der Diluvial-Epoche an, 
Nach der Bildungs-Weise des’tertiären Gebiets (in Becken oder an der 
Küste), nach der grossartigen Entwickelung dieses. Gebietes im N. und 
S. des kleinen Atlas, so wie zu Folge der durch Ren&£ Caırrıe erhal- 
tenen Nachrichten, glaubte der Verf. mit Bestimmtheit sagen zu können, 
dass es dieses Gebiet sey, welches den Boden der grossen Sahara- 
Wüste ausmacht. Die Sandsteine und die tertiären Kalksteine finden 
sich daselbst in wagerechten Schichten und bedeckt mit einer gewalti- 
gen Sandmasse, wie man solche so häufig im obern Theile des Sub- 
Atlantischen Gebietes trifft, nur dass der Sand im S. des grossen Atlas 
sehr mächtig entwickelt worden. Da der thonige Mergel im untern 
Theile des tertiären Gebietes in der Sahara-Wüste so gut vorhanden 
seyn muss, wie zwischen den Atlas-Gebirgen, und es eine Eigenthüm- 
lichkeif jener Ablagerung ist, die Wasser zu spannen, so. dürfte es 
nicht unwahrscheinlich seyn, dass man zum grössten Vortheil des un- 
glücklichen Landstrichs mit Erfolg noch Wasser bohren könnte. Carı£ 
hat, in der Wüste von Sahara, kleine Berge gesehen aus thonigen 
Schiefern bestehend, mit eingeschlossenen Lagen grauen Kalkes: diese 
Gesteine scheinen der Lias-Formation anzugehören. Daraus ergibt sich, 
dass dieses Gebilde im nördlichen Afrika sehr entwickelt ist. Es 
muss die Hauptmasse des grossen Atlas zusammensetzen, wie es jene 


— 5 — 


des kleinen ausmacht; die tertiäre Formation erfüllte den Raum zwischen 
beiden Ketten und ihren verschiedenen Verzweigungen. Die Emporhe» 
bungen der Kette des kleinen Atlas und jene‘ des Bou-Zaria-Gebirges, im 
W. von Algier, sind älter, als die Ablagerung des Sub-Atluntischen 
Gebiets. Der kleine Atlas bildete einen der Ränder des Beckens, in 
welchem sich jene Formation im S. der Kette abgesetzt hat, der Bou- 
Zaria eine Insel im Meere, auf deren Küsten dieselbe im N. niederge- 
legt wurde. Aber das tertiäre Gebilde selbst wurde emporgehoben, und 
diese Emporhebung konnte allerdings das Relief der Berge noch um 
_ Vieles vermehren ; einige ihrer Verzweigungen stammen vielleicht davon 
ker. Die Aufrichtung der tertiären Schichten dürfte von den Trachy- 
ten herrühren, welche an der steilen Küste beim Fort Matifow hervor- 
brechen. In den Hügeln des Uferlandes so wenig, als in denen des 
Atlas sieht man Trachyte zu Tag treten; möglich, dass sie im Innern 
des Gebirges sich finden. Die Rollsteine der Ebene von Metidja und 
des Küstenlandes von Algier stammen von den Bergen und Hügeln, 
welche die Ebene begrenzen; die am Meeresufer sich findenden gehören 
fast ohne Ausnahme dem alten Gebiet an. Auf der Oberfläche des Über- 
gangs-Kalkes sieht man deutlich die Spuren der Einwirkung gesäuerter 
Wasser. In Thälern und Berg-Gehängen trifft ‘man noch die Höhlen 
und Spalten, aus dean jene hervorgetreten sind, und die Travertin-La- 
gen, welche sich in der Umgegend finden, beweisen, dass jene Wasser 
Kohlensäure enthielten. Dieser Travertino, am Meeresufer abgelagert, 
hat Muscheln eingeschlossen, die sich hier vorfanden; solche Erschei- 
nungen kommen, wie gesagt worden, am obern Theil der steilen 
Ufer von Algier und längs des ganzen Küstenlandes des Mittel. 
Meeres vor. Die aus dem kleinen Atlas hervorgekommenen Diluvial- 
Wasser strömten, auf ihrem Wege nach dem Meere, in den grossen 
Schluchten und in den geräumigen Betten der Flüsse, welche aus S. nach 
N. die Metidja-Ebene durchziehen, und wovon die fliessenden Wasser 
heutiger Zeit nur eine sehr geringe Breite füllen. 


W. W. Marser: wichtigste Silber-Gruben in Mexiko 
und Süd- Amerika. (SırLıman, Americ. Journ. Vol. XXIV, July, 
1833, p. 226 etc.) In Mexiko hat man ungefähr 500 Städte oder 
Bergwerksorte, die berühmt sind wegen der Silber - Gewinnung, Die 
Zahl der Gruben beträgt wenigstens 3000, jene der Silbergänge oder au- 
derer Lagerstätten des Metalls etwa 4000 bis 5000. Der Gang von @ua- 
nazuato ist unter allen der grösste und am meisten ausgedehnte. Seine 
Mächtigkeit wechselt zwischen 120 und 150 F., man hat denselben auf 
ungefähr 9 Meilen Länge aufgeschlossen. Die Mexikanischen Gänge 
werden meist in primitivem oder Transitions-Gestein getroffen, selten in 
sekundärem. Jene von Zimapan setzen im Grünstein-Porphyr auf, Unter 
den Übergangs-Gebirgs - Massen ist der Kalk am reichsten au Silberer- 
zen. Auch die Grauwacke ist sehr ergiebig; die reichen Gruben von 


Jabrgang 1834, 38 


— 586 — 


Zaeatecas finden sich darin. Die Gruben von Real Cartorce und man- 
che andere in der Nähe von Zimapan bauen in Alpen-Kalkstein [2], des- 
gleiehen jene von Tasco und von Tehilotepec ; die Gänge sind reicher 
in diesem Kalkstein, als in dem Thonschiefer, auf welchem er ruht. Die 
Gruben von Pasco und von Hualgayok in Peru werden ebenfalls in 
Alpenkalk betrieben ; die von Potosi hingegen im primitiven Schiefer. 
Humsorpr hat bereits die wichtige Bemerkung ausgesprocheu, dass, je 
vertrauter wir mit dem geologischen Studium werden, wir um so mehr 
‚die Überzeugung erlangen, dass beinahe kein Gestein vorhanden ist, 
‘welches richt in gewissen Gegenden sich vorzüglich reich an Erzen 
zeigt. — Die gewöhnlichsten Erze in Mexiko sind: Silberglanz, Rothgül- 
tigerz, Schwarzgültigerz, Hornerz, (salzsaures Silber) und Fahlerz. Seiten 
kommt Silberglanz ohne Gediegen-Silber vor; zu Batopilas wurde eine 
Masse Gediegen - Silber von. mehr als 400 Pfund an Gewicht gefun- 
den. Rothgültigerz und Hornerz kommen in Süd-Amerika in gröss- 
ter Häufigkeit vor. Einige erdige Silbererze, Colorados genannt, 
wie in Peru, Pacos, enthalten Silbererze sehr fein eingesprengt in einer 
meist aus Eisenoxyd bestehenden Grundmasse. Sie werden in der Re- 
gel da getroffen, wo ein Silbererz-Gang sich dem Tage nähert. Auch 
Bleiglanz, Eisen- und Kupfer-Kies führen Silber. Der Silbergehalt in 
den Erzen wechselt von 3 bis 4 Unzen im Zentner. Die jährliche Sil- 
ber-Ausbeute während der letzten Jahre des XVIII. Jahrhunderts in 
Mexiko betrug 537,512 Kilogramme; „4; der Gruben, die am meisten er- 
giebigen, liefern nahe 13 des ganzen Betrags. Die meisten Mexika- 
nischen Gruben liegen auf dem Rücken, oder am Gehänge der Kordil- 
leren, zumal an der W.-Seite; sie sind zwischen dem 18 und 24° nörd- 
licher Breite die reichhaltigsten. — Grube von Guanazuato: Besondere 
Beachtung verdient der Umstand, dass der mächtigste Silbergang, vet« 
madre genannt, den Schichten parellel lauft. Man hat denselben auf 
eine Längen-Erstreckung von 14000 Yards, oder ungefähr 9 Meilen auf- 
geschlossen; seine Mächtigkeit beträgt etwa 45 Yards. Die meisten der 
vorhandenen 19 Gruben sind sehr ergiebig. Es kommen hier vor: 
Gediegen-Silber, Silberglanz, Rothgültigerz, Gediegen - Gold, Bleiglanz, 
Blende, Eisen- und Kupferkies, kohlensaures Eisen und Blei- und Fahl- 
Erz. Die Gangarten sind Quarz, Kalk-, Feld- und Fluss-Spath und Chal- 
zedon. Der Gang setzt durch Thonschiefer und durch Porphyr. Jenes 
Gestein dürfte das älteste [?] im Distrikt seyen; es haben Übergänge ın 
Talk- und Chlorit-Schiefer Statt, seine Unterlage bilden die Granite von 
Zacatecas and Penon Blanco. Der Schiefer enthält untergeordnete 
Lager von Syenit, Hornblendeschiefer, Serpentin und Grünstein; Grün- 
stein-Gänge setzen im Syenit auf, und Syenit-Gänge im Grünstein, Auf 
dem Thonschiefer ruhen zwei verschiedene Formationen: Porphyr und 
alter Sandstein; ersterer setzt hohe Piks zusammen, letzterer erfüllt 
die Schluchten und die tiefen Gründe. Der Porphyr tritt in gigantischen, 
gewaltigen Trünmern ähnlichen Nestern auf, mit steilen Abstürzen vou 
1000 bis zu 1500 F. Höhe. Seine Farbe ist meist grünlich; die Grund- 
müsse besteht beim ältesten aus Feldstein, in anderen Fällen nähert 


En 


sich dieselbe dem Phonolith. Die neuern Porphyre enthalten glasigen 
Feldspath und gleichen sehr dem Böhmischen Phonolith, Ungeheure 
grosse Kugeln dieses Porphyrs liegen mitunter isolirt. Die Gesammt. 
heit der Charaktere der Porphyre weiset ihnen ihre Stelle unter .den 
Trapp-Felsarten an, bei Pillalpando führen sie viel Gold. Streichen 
und Fallen derselben ist jenem des Thonschiefers gleich; das Streichen 
aus NW. nach SO., das Fallen unter 45—50° gegen SW. Der alte 
Sandstein ist ein Aggregat von eckigen Quarz-Trümmern, von Bruch- 
stücken von Kieselschiefer, Syenit, Feldstein- Porphyr, gebunden durch 
ein thonig-eisenschüssiges Zäment. Er liegt auf dem Thonschiefer, 
hat jedoch ein entgegengesetztes Fallen. Man trifft auch eine Grau- 
wacke, aus Quarz- und Schiefer-Fragmenten bestehend, und zumal aus 
unverletzten Feldspath-Krystallen, welche dem Gestein ein Porphyr-arti- 
ges Aussehen verleihen. Humsorpr nennt die Felsart Sandstein, oder 
feldspathiges Agglomerat. Das Bindemittel ist thonig- eisenschüssig ; 
dünne Lager von schiefrigem Thon wechseln mit jener Grauwacke (im 
Lande unter dem Ausdrucke Lazero bekannt). Ein, dem Jurakalk ana- 
loger, Kalkstein bedeckt die Grauwacke. Hin und wieder kommen kal- 
kige Breccien vor, Übergangs-Kalk und verschiedene Trapp- Gesteine. 
Auf dem Gang von Guunazuato, dem einzigen des ganzen Distrikts, wird. 
an neunzehn Stellen Erz gewonnen. Sie liefern den vierten Theil von 
allem Mezxikanischen Silber. Die reichste unter diesen Gruben, ja die 
reichste von ganz Mexiko, ist jene von Valenciana. Sie wurde im 
XVI. Jahrhundert eröffnet, später aber wieder verlassen. Man schloss 
dieselbe 1760 von Neuem auf, und bearbeitete sie mehrere Jahre, aber 
unter ungünstigen Verhältnissen; endlich gelangte man wieder zu sehr 
erzhaltigen Mitteln. Im Jahre 1792 fing man einen neuen Schacht von 
30 F. [?] im Durchmesser abzuteufen, in der Hoffnung, bis zum Jahre 
1815 den Gang in einer Tiefe von 1650 F. wieder zu erreichen. Der 
Schacht ist trefflich ausgeführt. — Zacatecas, Fresnillo, Pombrerete, 
und Catorce: Der Distrikt von Zacatecas liegt nordwestlich von jenem 
von Guanazuato und zeigt sich, in geologischer Beziehung, demselben 
sehr ähnlich. Die Gänge setzen in Grauwacke auf: sie sind auf den erha- 
bensten und meist ganz unfruchtbaren Gipfeln weit reicher gefunden wor- 
den, als an den Berg-Gehängen, oder in Schluchten und Thälern, Als 
vorzüglichste Erze kommen vor: Silberglanz, Gediegen - Silber, Roth- 
gültig-Erz, Schwarzgültig-Erz, Hornerz, Silber-haltiger Bleiglanz, Weiss- 
Bleierz, Blende, Kupferkies, kohlensaures Kupfer, Antimonglanz und 
Gediegen-Gold.e Als sekundäre Gesteine treten in Zacatecas zumal 
auf; dichter Kalkstein, Kieselschiefer [?], alter Sandstein- (mit Granit- 
Trümmern) und ein thonig-feldspathiges Konglomerat. Beide letztere 
Felsarten haben nichts gemein mit der Grauwacke. Thonschiefer und 
Porphyre sind ebenfalls vorhanden. Der Distrikt von Fresnillo begrenzt 
jenen von Zacatecas in NW. Die Gruben werden ebenfalls in Grau- 
wacke betrieben; Gänge von Hornerz sind sehr gewöhnliche Erschei- 
nungen. Die Bergwerke von Poumbrerete, nordwestlich von F'resnillo, 


38 » 


= 088. = 


bauen in dichtem Kalkstein, der Kieselschiefer-Lagen umschliesst. Hier 
findet man Rothgültigerz-Gänge von 3 bis 4 Fuss Mächtigkeit, deren 
ganze Masse aus jener metallischen Substanz besteht. Einer derselben 
gab, in Zeit‘ eines halben Jahres, 700,000 Span. Mark Silber. Der 
Distrikt von Catorce liegt etwa 100 Meilen ostwärts von Sombrerete 
und 300 M. nördlich von Meriko. Hier wurden zahlreiche, aber in ih- 
rer. Mächtigkeit sehr wechselnde Gänge im dichten Kalkstein aufgeschlos- 
sen, welcher über Thonschiefer gelagert erscheint. Die Gangarten zei- 
gen sich. sehr zertrümmert, die Erze erdig (sog. colorados), und ei- 
senschüssige Massen von Basalt und von Mandelstein (Olivin, Zeolith 
und Obsidian enthaltend) überragen den Kalkstein. — Pachuca, Real 
del Monte. und Moran. Diese -Bergwerks-Reviere liegen sehr nahe bei- 
sammen. Vier weit erstreckte Gänge, Biscaina, Rosario, Cabrera und 
Enein, durchziehen alle jene Distrikte, ohne ihr Streichen zu ändern, 
und ohne von andern Gängen durchsetzt oder gestört zu-werden. Sie 
werden von einem etwas aufgelösten Porphyr umschlossen. Glasiger 
Feldspath und Hornblende-artige Einschlüsse finden sich in diesem Ge- 
stein, aber kein Quarz. Auf den erhabensten Gipfeln, in der Nähe je- 
ner Felsart, kommen Perlstein-Porphyre vor mit Lagen und rundlichen 
Massen von Obsidian. Auf dem zuerst erwähnten, dem Erz-führenden, 
Porphyr raht Alpenkalk, in welchem einige Bleiglanz - Gänge aufsetzen, 
darüber Jurakalk; sodann folgen Sandsteine und endlich Gyps mit Thon 
gemengt. — Pasco-Gruben. Sie liegen im SW. der Stadt Mexiko, 
Das älteste Gestein ist Thonschiefer; darunter liegt Porphyr,, welcher 
glasigen und gemeinen Feldspath führt und Lager-artige Massen von 
Pechstein; über dem Porphyr ist ein dichter, grauer Alpenkalk aus- 
gebreitet, der sich oft porös zeigt, untergeordnete Lager von Gyps 
und thonigem Schiefer enthält und hin und wieder Univalven umschliesst, 
Auf dem Kalk liegt Sandstein mit kalkigem Bindemittel. Die Gänge 
durchsetzen sowohl den Kalk, als den thonigen Schiefer, zeigien sich 
jedoch in jener Felsart am reichsten. Manche derselben messen 13 F, 
Mächtigkeit: allein die Erzmittel sind sehr ungleich vertheilt, darum ist 
die Ausbeute. höchst wechselnd. (Man darf diese Gruben nicht mit den 
Pasco-Bergwerken von Perx verwechseln. In Peru sind die vorzüg- 
lichsten Distrikte jene von Pasco, Chota und Huantajaya. Silbererz- 
Gänge finden sich sehr häufig; das meiste Silber liefern jedoch nur 
wenige Gruben. Die Bergwerke von Chota liegen in den Andes, un- 
gefähr 70° südl. Br. Die wichtigeren sind jene von Gualgayoc und 
Micuipampa, deren Entdeckung ins Jahr 1771 fällt. Allein die alten 
Peruaner hatten in der Nähe bereits Silber-Gänge aufgeschlossen. Die 
Gänge, Silberglanz, Rothgültig-Erz und Gediegen-Silber führend, durch- 
setzen mitunter den Alpenkalk und einen auf untergeordneten Lagern 
vorkonımenden Hornstein [?]. Der obere Theil der Gänge besteht aus 
einer erdigen, rothen eisenschüssigen Masse, welche Silber enthält und 
den Namen Pacos führt. Stellenweise kommen grosse Erzmassen auf 
der Erdoberfläche vor. Auf einer kleinen Fläche, !a Pampa de Navas 


— 589 — 


genannt, fand man, so wie die Torf-Decke abgeräumt wurde, Silber- 
glanz und Gediegen-Silber, den Gras- Wurzeln anhängend, und oft 
die regellos gestalteten Silbermassen gerade so, als wäre das geschmol- 
zene Metall über weichen Thon ausgegossen worden. Die Gruben von 
Huantajaya liegen im südlichen Theil von Peru, nahe beim Hafen von 
Yguigue, in einer tiefen, durchaus wasserlosen, wüsten Ebene. Das 
Erz ist eine zersetzte Masse, gemengt mit Gediegen - Silber, mit Horn- 
erz, Silberglanz und Bleiglanz. Kalkspath und Quarz kommen damit 
vor. Die Bergwerke sind wegen der grossen Massen von Gediegen-Sil- 
ber berühmt, die hier gefunden wurden; eine einzige Masse wog über 
8 Zentner. Steinsalz wird häufigin der Nähe der Gruben getroffen. — Gru- 
ben von Potosi. Sie liegen unter ungefähr 20° südl, Br. auf dem östlichen 
Gehänge der Andes, in der Nähe der in grösster Höhe‘ befindlichen 
Quellen des La Plata. Ihre Entdeckung fällt in das Jahr 1545. Un- 
geheure Metall-Schätze wurden aus denselben gefördert; wie man aber 
tiefer eindrang, war die Ausbeute geringer. Im Jahre 1804 lieferte Po- 
tosi 400,000 Pfund Silber. Die Gruben von Potosi bauen in Thonschie- 
fer. : Den. Gipfel des Berges bildet ein, Granaten führender :Phorphyr. 
Die Erzgänge sind sehr zahlreich, Ihr Ausgehendes bestand beinahe 
ganz aus Rothgültig-Erz, Silberglanz nnd Gediegen-Silber. ‘Einer der- 
selben, del estano genannt, führte, nach dem Tage zu und gegen die 
Tiefe, viel Zinnkies und Hornsilber. 


Burkart: geognostische Bemerkungen auf einer Reise 
zwischen Ramos und Catorce. (Kirsten, Archiv für Min. VI. B, 
S. 422 ff.) In Charcas ist die grosse, angeblich aus der Nähe der 
Hazienda del Sitio stammenden Meteoreisen - Masse bei der Kirche als 
Rad-Abweiser aufgestellt. Das hervorragende Stück hat eine Höhe von 
2 F.8Z.; die ganze Masse dürfte einen körperlichen Inhalt von 1,7 
Kubikfuss haben und etwa 8—9 Zentner wiegen. Die, mit vielen rund- 
lichen Höhlen versehene, Oberfläche hat durch Regen und Luft ihre 
natürliche Farbe verloren. Eine ähnliche Masse von Meteoreisen wird 
in der Kirche der Hacienda del Poblacion bei Catorce aufbewahrt. — 
Zwischen Catorce. und Mazapil in der Ebene jenseits des Potrero- 
Thales erhebt sich ein schöner Basalt-Kegel. Die Ebene selbst besteht 
aus dem Kalkstein, welcher schon bei Catorce sich zeigt; er umschliesst 
häufig Kieselschiefer. Auf dem Wege von So Eustaguio nach Mazapil, 
bei der Cannada de Tanguitos, tritt der Kalkstein auf, welcher um Ca- 
torce die reichen Silbererz-Gänge führt. Er ist schwarzgrau, ohne fossile 
Reste, aber deutlich geschichtet; Streichen St. 5 und 7 mit Fallen ge- 
gen S. und N. Die Pena prieta (der schwarze Felsen) ist eine, über 
dem Kalk hervorragende, zwischen ihm und Granit gelagerte, Roth- 
Eisenstein-Masse, Die Gruben von Mazapil bauen auf einer Lagerstätte 
zwischen Granit und Kalkstein; sie soll vom Tage nieder bis zu einer 


u an, u 


Tiefe von 500 Varas aufgeschlossen seyn. Die bedeutendsten von al- 
len Gruben ist Albarador. Die Lagerstätte ist durch die grossen Pin- 
gen, Tagebrüche, Schichten u. s. w. auf beinahe 3 Stunden in ihrem 
Streichen sichtbar. Das Streichen ist St. 7 bis 8; Fallen mit 68 bis 
75° gegen W.. Der Kalkstein im Hangenden streicht in St. 8 und fällt 
mit40° gegen SW. Ostwärts der Lagerstätte, im Liegenden, fällt das Ge- 
birge steil ab, und in kurzer Entfernung erreicht man die Ebene. 
Hier sieht man Granit unter den nämlichen Verhältnissen hervortreten, 
wie bei der. Eisenstein-Masse im Thale de los Tanguitos. Über die 
Natur der Lagerstätte liessen sich nur wenige Beobachtungen sam- 
melu. Sie. dürfte ein, dem Granit angehöriger Gang seyn, dem der 
Kalkstein im Hangenden aufgelagert ist. Die Erze sind: dichter Braun- 
Eisenstein, gesäuerte Kupfererze, Kupferglanz, kohlensaures Blei und 
Bleiglanz. 


Pırero und Gurpont: über die Berge des Golfes de la Spez- 
zia und der Apuanischen Alpe. (Biblioth. Ital. 1832. Jul.) Die Vf. 
unterscheiden drei Ablagerungen ; Gneiss und Talkschiefer, ein Kalk- 
Gebilde, zum Theil dolomitisch, zum Theil Muscheln (Peceten, Car- 
dium, Avicula, Ostrea, Terebratula, Astarte, Arca, 
Anomia, Tellina, Melania, Turritella, Trochus, Ceri- 
thium, Serpula, Turbinolia, Cidarites) führend, und eine 
Formation von Sandstein und von sekundären Schiefern mit Fucoiden. 
Den Kalk begleiten Stöcke oder Lager-artige Gänge von Breccien-Mar- 
mor, Der Versteinerungs-reiche Kalk ruht auf dunkelgefärbtem, Amon- 
niten enthaltendem Kalkstein. Die talkigen Gesteine stimmen genau 
mit denen der Alpen überein, und mit jenen aus Savoyen und aus Grau- 
bündten, wo man auch, wie zu Serravezza, Silber-haltigen Bleiglanz 
trifft. Der talkige Gneiss ist feurigen Ursprungs und durch die neptu- 
nischen Gebilde hindurch aufgestiegen, so dass der Dolomit mitunter 
eingeschlossen zwischen talkigen Felsarten getroffen wird. 


Nach ve VirLeneuve ist der Kreide-Gipfeb von Suinte-Beaume von 
zerrissenen Streifen eines tertiären Kalk-Gebiets umlagert, welches über 
600 Meter emporgehoben worden, woraus sich ergibt, dass die Kreide- 
Berge um Toulon und Suinte- Beaume erst nach den neuesten tertiä- 
ren Ablagerungen gehoben wurden; ein Grund mehr, um die Er- 
scheinung der Sainte-Beaume dem Alter der Central-Alpen näher zu 
bringen. Die Schichten der Kette haben nicht vollkommen genau das 
von Besumont angegebene Streichen. Sainte-Beaume liegt zwischen 
zwei vulkanischen Eruptions-Systemen, welche sich aus N, nach S. er- 
strecken; es sind diess die vulkanischen Gebilde von 2a Valette, Olliou- 
les, Saint-Nazaire, und jene von Rougier und Cuudiere bei Tourves. 


— mi  — 


(Ann, du midi de la France ; Cah.3., p. 231; Bullet. de la Soc. geol. 
de Fr, T. III, p. cıv.) ; 


Felsensturz bei Chur. Seit den letzten Tagen des Februar- 
Monates 1834. war man für die Nachbargemeinde Felsberg in grosser 
Besorgniss. Hoch über diesem Dorf heben sich am Galanda senkrechte 
Felswände, die nach ‚oben in zerrissene Köpfe auslaufen. In diesen 
Felsen bemerkte man seit dem 4. März einsturzdrohende Bewegungen, 
und von Zeit zw Zeit. rollten kleinere und grössere Steinblöcke herab. 
Bei näherer, Untersuchung entdeckte man sehr weithin laufende Sprünge 
und Ablösungen in den Felsmassen, wahrscheimlich weil sie gemein» 
‚schaftlich ‘auf: einer verwitterten Grundlage fussen, welche unter der 
aufgethürmten Überlast zu weichen begonnen hatte, Da die Sprünge 
und Ablösungen immer drohender wurden, so war der grösste Theil der 
Einwohner in eine Nachbargemeinde geflüchtet. Am 13. früh Morgens 
um'4 Uhr erfolgte dann der Einsturz einer der Hauptparthieen jener 
Felswände, zum Theil als Massen in der Grösse kleiner Häuser, und 
thürmte sich ausserhalb des Dorfes zu einem furchtbaren Walle auf, 
der wahrscheinlich gegen die noch nachfolgenden Massen eine Abwehr 
für das: Dorf bildet. Noch ist nämlich erst der geringere Theil der Ab- 
lösungen zur Tiefe gewälzt und die andern werden über kurz oder 
lang. ihnen nachfolgen, doch, wie man nun hofft, ohne das Dorf selbst 
zu treffen. 


(Zeitungs-Nachricht). 


v 
Felsensturz ebendaselbst. Im April-Manate 1834 drohte eine meh- 
rere hundert Mal grössere Felsenmasse gerade in der Richtung des Ortes 
sich abzulösen. Täglich bröckelten kleine Steinblöcke herab. Die Bewe- 
gung der Felsen hat sich bereits auf eine Strecke von mindestens 600 F. 
ausgedehnt, die Klüfte haben sich auf mehrere Schuh und einige vor- 
dere Massen bereits um 25 Fuss gesenkt. 


(Zeitungs-Nachricht), 


Lagerstätte des Platins in Siberien (Journ. de St. Peters- 
bourg du '*\2;. Septbr. 1833. Nro. 110). Bekanntlich kommt das Pla- 
tin in Siberien, wie in Amerika, in grössern und kleinern Körnern in 
Gold-haltigem Sande vor. Auch Platin-Massen von ansehnlicher Grösse 
werden mitunter gefunden. Dahin gehören u. a. die vier ausgezeichne- 
ten Massen, welche der Sand unfern der Drmivorr’schen Werke von 
Nyne-Tahil geliefert. Eine derselben, 10 Pfund, 54 Zolotnik wiegend, 
wurde zu Anfang des Jahres 1827 entdeckt und in der Mineralien-Samm- 
lung der Bergwerks-Schule niedergelegt; drei andere, von 19 Pf. 53 
‚Zolotn., 19 Pf, 18 Z. und 13 Pf. 53 Z. an Gewicht, zieren die, au 


— 59 1— 


Platin - Vorkommnissen reiche Sammlung Demiporr’s‘zui St. Petersburg. 
— In Amerika wird das Platin von Gold, ‚von an Magneteisen-Körnern 
reichem Sande, von Zirkonen, Diamanten u. s. w. begleitet. Was 
seine ursprüngliche Lagerstätte betrifft, so kommt jenes Metall nach 
A. v. Humeoror und Boussincaurr auf Adern oder sehr gering mächti- 
gen Gängen in Übergangs- [?] Diorit vor und in’ einem 'syenitischen 
Porphyr-artigen Diorit. Die Gangmassen bestehen aus Quarz und aus 
Pacos, einer braunen eisenschüssigen Steinart; sie’ schliessen das Platin in 
Körnern ein. In Siberien findet man das Platin’ begleitet von Gold, 
von Osmium-Iridium , von Magneteisen - Sand, von Chromeisen-Sand, 
Rutil, Epidot, Granat, Bergkrystall in Krystallen' und Körnern, mitun- 
ter auch von Diamanten. In diesen Platin -führenden ' Ablagerungen 
werden ausser Quarz- und Jaspis-Trümmern, zumal auch 'Diorit- oder 
Grünstein-Fragmente getroffen. Bei Nyne-Tahil zeigen sich ‘zuweilen 
auch kleine dodekaedrische und trapezoedrische Krystalle'eines Minerals, 
welches iheils wie Chrysoberyil, theils wie Smaragd’ gefärbt und’ von 
Diamant-Glanz ist; analysirt wurde diese Substanz bis jetzt noch nicht- 
Unter den Gesteinen, welche am Ural das Platin "begleiten, bemerkt 
man vorzüglich Serpentin. Auch wurde vor einigen‘Jähren Gold’ 'im 
Serpentin in der Nähe des XKyschtym’schen Hüttenwerks aufgefunden. 
Demivorr übersandte neuerdings der mineralogischen Sozietät ein Hand- 
stück von Serpentin mit eingeschlossenem Platin. — ‘Nachstehende Über- 
sicht zeigt die Platin- und Gold-Ausbeute im Ural während ‘der ersten 
drei Monate des Jahres 1833. 


1. Gold. 

Werke der Krone Pud. Pfund. Zolot. 
Katharinendurg » = » 2... 15. 24, 522. 
Zlatousta, a a se. 0.2.00200029. 1. ; 12, 
Bohosoff - » 2. ee. 000.28 . 29... 34. 
Gorohlahodat . » 2. 00.00 I ind ne 


Privat-Werke im Ganzen . „105: .3.:1..32. 
Gesammt-Ausbeute = 180. 18. 664. 


2. Platin. 
Werke der Krone. 
Goroblahodat -. » » 2» ss 2 2 — 2, 51. 
Bohosiok  » 2. 2 em. er lage: 


Privat-Werke. . „:.».. ,»:: 80...,.18., „365% 
Gesammt-Ausbeute = 80. 415. 9144: 


Vorkommen von Gediegen-Silber zu Kongsberg in Norwe- 
gen. Im Junius-Monat wurde eine Masse von Gediegen-Silber zu Tag 


. B 


gefördert, welche vielleicht die grösste ist, die nicht nur daselbst, son- 
dern überhaupt je vorgekommen. Sie wog 14443 Mark an Gediegen- 
Silber, .oder. ungefähr 74 Zentner, und machte .eine gute Zug-Last für 
ein Pferd. | 

(Zeitungs-Nachricht). 


— 


Hypothese über Vulkane und Erdbeben von J. Du Com- 
'MUN (SILLıman Americ. Journ. Vol. XV, p. 12 etc... Der Verf. geht 
von dem Satze aus, dass die Erd-Oberfläche nur bis zu einer Tiefe 
von 44 Meilen vom Wasser durchdrungen werden könne, indem dasselbe 
bier einem Fluidum von grösserer Dichtheit begegne; im offenen 
‘Meere, oder zwischen Fels-Spalten erreiche dasselbe jenes niedrigste 
Niveau; auf der Erd-Oberfläche steige das süsse Wasser höher, als das 
erhabenste Niveau des Meeres, nach dem Verhältniss seiner relativen 
Leichtigkeit und der Tiefe, . in welcher beide Wasser-Massen in Berüh- 
rung kommen; in der Tiefe von 4% Meilen finde sich verdichtete Luft, 
den Verbrennungs - Prozess entzündbarer Stoffe begünstigend und jene 
unterirdischen Feuer in Thätigkeit erhaltend, welche die unmittelbaren 
Ursachen von Vulkanen und Erdbeben sind; es sey folglich keineswegs 
problematisch, warum jene Feuer, aus Mangel an Oxygen, und die sub- 
marinischen durch Wasser nicht :verlöschen; das plötzliche Emporstei- 
gen und Verschwinden vulkanischer Eilande sey leicht erklärbar, ebenso 
der Umstand, dass Erdbeben ohne äusserliche Explosion 'sich um Vieles 
weiter erstrecken und: zerstörender wirken als solche, die mit einem 
vulkanischen Ausbruche verbunden sind u. s. w. — Sehr gewichtige 
Einreden gegen diese hypothetische Annahme stellte B. Ber (loco- eit. 
Vol. XVI, p. 51). Er schliesst mit der Bemerkung, wie es nicht un- 
möglich sey, dass Oxygen aus dem Meeres-Wasser ins Erd-Innere durch 
Einwirken der Elektrizität gelangt sey und hier gleichsam eine flüssige 
Ablagerung bilde, einem Behälter ‘zur Verbrennung metallischer Sub- 
stanzen diensam. 


W. Aınsworrtn: an Account of the Caves of Ballybunian (Dublin, 
1834, 8°, with Engravings). Die Höhlen von Ballybunian 'befinden sich 
an der Küste der Grafschaft Kerry von der Einmündung des Feele in 
den Shannon bis zum Kap Kilconlypoint. Es sind theils wirkliche Höh- 
len, theils Spalten und Löcher, in welche die Brandung des Meeres ein- 
dringt, sie erweitert und verändert, und welche bald in der ‘Richtung 
der Schichten, bald queer auf dieselbe ziehen. Einige von ihnen schei- 
nen eine Veränderung des Niveau’s des Meeres gegen das Land anzu- 
deuten. Sie durchdringen Alaun- und Thon-Schiefer und schwach um- 
schiessende Übergangskalk-Schichten, zu denen sich in diesem Theile von 
Irland überhaupt noch Agglomerate, Grauwacke und Quarzite gesellen, 
welch’ letztere hohe isolirte Berge zusammensetzen, und sich den Am- 


= MM - 


peliten.von Lick Castle verbinden. Überhaupt kommt ‘der Quarzit in 
Irland vor im Kiülarney, in den Grafschaften Joyce, Erris, Donegal, 
Londonderry, Dublin, Wicklow, Kerry, Clare und Tipperary: es ıst 
dasselbe Gebilde, wie in West-Schottland, in Verbindung mit Übergangs- 
Schiefer, Granit, Gneiss (Donegal), seltener mit körnigem Kalke (Dun- 
fanaghy) und Diorit (Killarney harbour). Er bildet die Berggruppe von 
Croagh-Patrick, Nephin und Arrigal. Der Trilobiten-Kalk bildet die 
Becken.im Mittelpunkte der Grafschaften ‚Clare und Limerick, und ist 
öfters durchschnitten und selbst emporgehoben durch »Augit-, Porphyr- 
und Mandel-Steine. Die letztern kommen: namentlich zu Newcastle, 
Limerick, am -Caherparry-Berge, zu Cahertonlish etc. vor. Augit-Brec- 
cien mit Kalk und selbst organischen Trümmern bemerkt man zu Carrick 
und @unnel. Im westlichen Theile von Clare herrschen ‚obere Interme- 
diär-Gebirge, nämlich Thonsandstein mit verdreheten ‘oft an Eindrücken 
reichen Schichten, j 

Zwei Zusätze zu diesem Werke handeln über die Alaun-Sulphate 
und - Phosphate, wovon einige zu Ballybunian vorkommen, und über die 
metallischen Mineralien (Bou£ in Bullet. Geol, 1834, V. 2357 —358). 


"Karsten: über das Erz-führende Kalkstein-Gebirge in 
der Gegend von Tarnowitz (Abhandl. d. k. Akad. d. Wissensch. zu 
Berlin von 1827. Physik. Klasse, Berlin 1830. S. 1—-72. Taf. I-1ID *). 
Das mächtige Oberschlesisch-Polnische Kalk-Gebirge entbehrt der Mer- 
gel- und Sandstein-Schichten gänzlich, wodurch anderwärts die Begren- 
zung der Formationen ausgesprochen ist. Nach S. stösst es an den 
Fuss der Karpathen, nach SW. ruht es auf dem Oberschlesischen Stein- 
kohlen-Gebirge, nach W. und N. wird es von tertiären und Alluvial- 
Bildungen überlagert. Noch weiter südlich ruhen isolirte Kalkstein-Ge- 
birge:und Felsen auf dem Kohlen-Gebirg, als Überreste der einst weiter 
verbreiteten Formation. Die Haupt-Richtung des Kohlensandsteins und 
des Kalk-Gebirges aber, so wie der in ersteren hineindringenden Thäler 
der Clodnitze und der Malapane geht von SW. nach NO., welche All- 
gemeinheit der Richtungen unverkennbar die Richtung der Kräfte an- 
deutet, durch welche das Gebirge gehoben und dessen Zusammenhang auf 
der Oberfläche unterbrochen und die Regelmässigkeit der Schichtung 
überall und zumal da zerstört worden ist, wo das Kalk-Gebirge den . 
Kohlensandstein unmittelbar überlagert. Durch diese Überlagerung wird 
das Kalk-Gebirge seinem Alter nach der Flötz-Periode zugewiesen,. ob- 
gleich es in SO.-Erstreckung unmittelbar auf Grauwacke aufgelagert 
ist, oder Insel-artig aus tertiären Gebirgen hervorragt. Um aber zu 
entscheiden, ob dieses Kalk-Gebirge nur einer, oder mehreren successi- 
ven Flötz-Formationen angehöre, dazu fehlen alle Anhalt-Punkte, und 


*) Verspätung in Druck und Herausgabe obiger Verhandlungen ist die Ursache, warum 
wir diese und einige andere wichtige Abhandlungen erst jetzt liefern. D.R.. 


—-— 59 — 


‚selbst die Versteinerungen der liegendsten und hangendsten Schichten 
sind nicht genugsam hiezu gesammelt und untersucht, Gleichwohl 
erreicht dieser Kalkstein nach seinen oryktognostischen Merkmalen an 
verschiedenen Orten ein sehr ungleiches Ansehen. 1) Von OErNHAUSEN’S 
„weisser Flötzkalkstein“ ist blendend weiss, dicht, nie krystalli- 
nisch, ungeschichtet (oder dabei schon erdig), voll. Feuersteinen und 
——kieseligen Ausscheidungen und erreicht. erst in ‚Polen sein höchstes 
Niveau, weit über Nr. 3; dem er aufgelagert ist. 2) Ein weisser eben- 
falls ungeschichteter, poröser, Rauchkalk-artiger Kalkstein bildet in Ober- 
schlesien die Kuppen der aus Nr. 3 gebildeten Berge. .Er gehört un- 
bezweifelt der Jura-Formation an. (Schimischof, Kalinowiz, etc.) 
3) Ein gefärbter, dichter und krystallinischer , deutlich. .geschichteter 
Kalk bildet überall das Liegende dieses Gebirges, und schliesst viele 
blaue, gelbe und braune, mergelige und erdige Schichten ein. Auch 
wenn er weiss wird, ist die Weisse nicht blendend und nur als grosse 
Seltenheit enthält er kieselige Ausscheidungen. Er erscheint, vorzüglich 
längs der Auflagerung des Gebirges auf der Kohlen-Formation. Er ist 
bisher dem Muschelkalkstein beigezählt- worden, obschon er wahrschein- 
lich weit jünger ist, und hat den Namen des Erz-führenden erhal- 
ten, weil die über ihm lagernden Blei-, Zink- und Eisen-Erze schon 
seit Jahrhunderten den Gegenstand des Oberschlesischen und Polnischen 
Bergbaues ausmachen. Der Bergmann nennt ihn auch den Sohlen- 
kalkstein, weil er den Erz-Lagern zur Sohle dient. : Wo die Erz- 
Lager in den liegenden Schichten des Kalkes fehlen, zeigt das Sohlen- 
Gestein abweichende Charaktere und nähert sich mehr dem Kalksteine 
Nr. 1; aber es ist nicht ausgemacht, ob’ es dann. wirklich die. Fort- 
setzung des Erz-führenlen Kalkes sey, oder ob dessen Äquivalent gänz- 
lich fehle, und höher liegende Schichten auf die Sohle nachrücken. 
4) Das Gestein aber, welches allein. die Erze in sich selbst aufnimmt 
(obschon sie auch oft fehlen können),'das Dachgestein, erscheint in 
allen Farben, ist fast nie geschichtet, reich an Feuersteinen, arm an 
Versteinerungen, bricht meist in unförmlichen Klötzen und ist oft, zu- 
mal zunächst den Erzlagern, sehr drusig. Häufig ist es sehr fest, zu- 
weilen auch mürber, zum Zerfallen geneigt, zerfällt aber nie zu Letten, 
sondern zu sandigem Pulver. Nie, auch wenn die Erze fehlen, ist es 
mit dem Sohlengesteine verwachsen, sondern stets durch eine Letten- 
Schichte sehr deutlich von ihm getrennt. Demungeachtet ist es nicht 
möglich, auch nur die Wahrscheinlichkeit des Zusammenhangs des Dach- 
Gesteines an den einzelnen Punkten, wo es bis jetzt angetroffen waor- 
den, darzuthun. Wo es zu Tage ausgeht, ist es bisher überall ohne 
andere Kalkstein-Bedeckung gefunden worden, so dass man zu glauben 
versucht gewesen, es überlagere den Sohlen-Kalkstein nur Kuppen-for- 
mig und fülle seine Mulden aus. Aber erst kürzlich‘ hat sich in der 
Friedrichs-Grube ergeben, dass es dort wenigstens noch von einem 
andern Kalkstein (Oppatowitzer Kalkstein) überlagert wird, der viel- 
leicht zum weissen Flötzkalk gerechnet werden muss, obschon seine 


—. MB. = 


oryktognostische Übereinstimmung mit dem Sohlen-Gesteine dieser Grube 
nicht zu verkennen ist. 

In der Gegend von Tarnowitz nun ergeben sich nachfolgende lokale 
Verhältnisse: die Stadt liegt 958° über der Ostsee, und der höchste 
Berg, Trockenberg, hat 1120° Rhein. Seehöhe; aber die Abfälle des Bo- 
dens gehen noch viel tiefer herunter, als bis zum Niveau der Stadt. 
Sohlen-Gestein, heller als das von Dach-Gestein überlagerte, bildet einen 
grossen Theil der Umgegend und selbst der Höhen, mit Ausnahme jener 
am Trockenberge, die aus Dach-Gestein bestehen. Ein Gallmei-Lager 
geht südlich von 'Tarnowitz zwischen dieser Stadt und Beuthen, in 
Form eines’ sehr bognigen und ungleichen Streifens von O. nach W.'zu 
Tage. Ein anderer Streifen der Art liegt im W, von Beuthen. Das 
Dach-Gestein erscheint zwischen beiden Streifen wieder mit vielen Tro- 
chiten, aber aus dem ersten von ihnen, wie aus dem Dach-Gesteine, 
ragen viele grosse und kleine Kuppen von Sohlen-Gestein herauf. 
Eine Bleierz-Lage („die Erzlage“ schlechthin genannt) hat bei Tarno- 
witz ein unregelmässiges südliches, südwestliches und westliches Strei- 
chen. Die Mächtigkeit des Dach-Gesteines ist ausserordentlich ungleich; 
es ist von vielen und’ grossen Klüften durchsetzt, die aber nicht ins 
Sohlen-Gestein eindringen, Geschichtet ist es nur im NW., wo es mit 
dem Oppatvwitzer Kalke zusammenstösst, wo auch die Feuersteine sich 
häufen. 

I. Wie das Dach- vom Sohlen-Gesteine stets durch eine Letten- 
schichte getrennt ist, so liegt auch die Bleierz-Lage nirgend unmit- 
telbar auf letzterem, sondern stets durch ein Gesteinmittel von einigen 
Zollen bis zu mehreren Lachtern getrennt in ersterem; oft ist sie hier 
auch nur durch eine Gesteinsscheide angedeutet, oft durch ein Letten- 
schmitz ersetzt, oft edel: bald einfach und von #4” bis 2° mächtig 
(ein Erz-führender Letten), selten wird sie durch einen Klotz von Dach- 
Gestein in zwei Trümmer getrennt. Zuweilen fehlen aber auch Letten 
und Gesteinsscheide ganz, und die Erze erscheinen dann im Dach-Ge- 
stein‘ eingesprengt und verwachsen. Die sehr unregelmässige Ober- 
fläche des Sohlen-Gesteines und der ungleiche Abstand der Erzlage von 
demselben erklärt die Menge von kleinen Sätteln und Mulden, welche 
diese Lage darstellt. Doch ist sein Streichen sehr unregelmässig, und 
seine Erstreckung und sein Zusammenhang an verschiedenen Punkten 
fraglich. Nach N. fällt es wenig, nach S. stark. — Die Erzlage führt 
Bleiglanz (mit 3— 1 Loth Silber pr. Zentner), Schwefelkies, Braunei- 
senstein (theilweise aus jenem entstanden) und mulmiges Eisenoxyd- 
Hydrat; — Bleierde und Weissblei-Erz stellenweise, zumal: am Aus- 
gehenden; — Gallmei ausserordentlich selten, Über der Erzlage im 
Dach-Gestein erscheint stellenweise eine Lage von Brauneisenstein, eben- 
falls mit Bleierzen. Zwischen dem Dach-Gesteine und dem aufge- 
schwemmten Lande hin und wieder fester und mulmiger oder ockriger 
Brauneisenstein. Ein braunes und aufgelöstes, oder poröses Dach-Ge- 
stein geben am meisten Hoffnung zu einer edlen Erzlage darunter, Wie 


‚ mächtig das Dach-Gestein auch werde, immer ist es nur höchst unbe- 
deutend gegen das Sohlen-Gestein. 

Der Verf. hat’ diese Gesteine sehr vielfältigen Analysen unterwor- 
fen. Sämmtliche geschichtete Sohlen-Gesteine Oberschlesiens, von jeder 
Farbe, körnige und krystallinisch-dichte, wie erdige und Kreide-ähnliche, 
haben ihm nie eine Spur von kohlensaurer Bittererde gezeigt, von wel- 
chem Orte (es waren der Proben im Ganzen 16), aus welcher Teufe sie 
auch stammen mochten. _ Sie waren lediglich aus kohlensaurem Kalke 
mit etwas Kieselthon (von 0,0025 bis 0,25 im nämlichen Bruche wechselnd) 
und Bitumen zusammengesetzt; nur die gelblichen und bräunlichen Va- 
rietäten enthielten noch etwas (bis 0,005) Eisenoxyd-Hydrat oder Man- 
ganoxyd. An der Luft verliert sich das Bitumen allmählich aus der 
Oberfläche des Gesteines, und dieses wird hiedurch heller; dagegen 
scheint sich auch der Kieselthon zu zersetzen, das ursprüngliche Eisen- 
oxydul höher zu oxydiren, dadurch seine Festigkeit zu leiden, 'und jene 
gelbliche und bräunliche Färbung desselben zu entstehen. Nie kommt 
Eisenoxydul an Kohlensäure gebunden vor; es ist immer mit etwas 
Thonerde vereinigt. — — Der weisse, poröse, ungeschichtete Kalk- 
stein, Nro. 2, enthält ebenfalls keine Bittererde, unter allen Kalksteinen 
am wenigsten Bitumen und gar keinen Kieselthon. Häufig haben, wohl 
in Folge der Zersetzung des Bitumens, die der Atmosphäre zugekehrten 
Flächen schwarze Ränder, welche bei dem vorhergehenden Kalkstein nie 
gefunden werden. — Der weisse Flötzkalkstein Nr. 1 ist Dolomit. 

Eine andere Reihe chemischer Analysen bezieht sich allein auf die 
Gesteine der Friedrichs - Grube zu Tarnowitz. Die Ergebnisse der 
Zerlegung von 21 Proben des Sohlen-Gesteines werden im Einzelnen 
angeführt, wornach dasseibe durchaus keine Verschiedenheit von den 
vorerwähnten Sohlen - Gesteinen aus andern Gegenden Oberschlesiens 
zeigte. Die kohlens. Kalkerde beträgt daher 0,98 bis 0,86, der Kiesel- 
thon 0,01 bis 0,52, Eisenoxyd mit etwas Thonerde, Bitumen und Ver- 
lust zusammen 0,405 bis 0,006, wobei jedoch die 2 ersteren Bestand- 
theile öfters ganz fehlen. Ausserdem werden die blauen Varietäten noch 
durch Manganoxydul, die gelblichen durch Manganoxyd gefärbt, welche 
Substanzen aber nur in völlig unerheblichen Mengen vorkommen. -— — 
Über das Dach-Gestein der Friedrichs-Grube werden ebenso die 
Ergebnisse von 44 einzelnen Analysen mitgetheilt. Zwei andere über 
die Dach-Gesteine von Maczeikowitz, das fast ganz aus unkenntlieh ge- 
‚wordenen Versteinerungen besteht, und von Himmelwitz weichen nicht von 
ihnen ab. Eben so wenig die Zusammensetzung der Trochiten vom 
Rossberge bei Beuthen, obschon sie ein ganz Kalkspath-artiges Ansehen 
haben. Die kohlensaure Kalkerde betrug überall — 0,61 bis 0,24 (ge- 
wöhnlich 0,56—0,51); die kohlensaure Bittererde — 0,26—0,43 (gewöhn- 
lich 0,32—0,38); das kohlens. Eisenoxydul — (einmal 0) 0,002 bis 0,20 
(gewöhnlich 0,03—0,14)5 der Kieselthon 0,001 bis 0,270 (gewöhnlich 
0,002—0,005); Thonerde mit Eisenoxyd 0,0005 bis 0,0370 (gewöhnlich 
0,005 bis 0,010), dann etwas Bitumen und wieder etwas kohlensaures 


— 593 — 


Manganoxydul und kohlensaures Manganoxyd. Wo Kalkerde in grüsse- 
rer Menge, als den Mischungs-Verhältnissen des Dolomites entspricht, 
vorkommt, lässt sich oft schon mit blossem Auge eingemengter Kalk- 
spath erkennen. Das kohlensaure Eisenoxydul kann die kohlensaure 
Bittererde bis zu einem gewissen Maase ersetzen. Durch tief gehende 
Einwirkung der Atmosphäre ist dasselbe oft in Oxyd verwandelt wor- 
den, welcher Zersetzung jene Dolomite am meisten widerstanden haben, 
welche krystallinisch und arm an Eisenthon sind. Das Dach-Gestein 
über und unter dem Erz-Lager lässt durchaus’ keine weitere Verschie- 
denheit in der Zusammensetzung erkennen, so dass auch darnach diese 
Erzführung ganz zufällig erscheint. Ob das Dach-Gestein auch in sei- 
nem Hangenden so scharf getrennt gewesen seye, wie nach Ansehen 
und Mischung in seinem Liegenden von dem Sohlen-Gesteine durch 
die Letten-Schichte, ist nicht zu ermitteln, da es, mit Ausnahme des 
Oppatowitzer Kalkes im N. und NW., welcher von kohlensaurer Talk- 
erde und kohlens. Eisen ganz frei ist, nirgendwo durch anderes, als 
durch aufgeschwemmtes Gebirge jetzt mehr überlagert wird. Und nur 
dann nimmt das Dach-Gestein, ohne seine dolomitische Mischung (von 4 MG. 
kohlens. Kalk auf 1 MG. kohlens. Bittererde und Eisen) zu verlieren, im 
äussersten Ausgehenden Schichtung an, wenn es in einen zu Mergel 
aufgelösten Zustand übergegangen ist. Die Auflagerung jenes Oppato- 
witzer Kalkes aber lässt sich bis jetzt nur in einem einzigen Stein- 
- bruche südlich von Oppatowitz beobachten, wo ein geschichteter Mergel, 
von welchem Streifen nach unten in den Dolomit und nach oben in den 
Oppatowitzer Kalk hineinwachsen, und sich mit ihnen mengen, die Aufla- 
gerung vermittelt, so dass ein allmählicher Übergang aus der Mischung 
des Dolomits in die des Oppatowitzer Kalkes Statt findet. Der letztere 
enthält 0,917 koblens. Kalkerde, 0,018 kohlens. Bittererde, 0,050 Kiesel- 
thon, 0,005 Thonerde mit Eisenexyd und 0,01 Bitumen (und Verlust). 
Die Beständigkeit der dolomitischen Zusammensetzung des vom 
Sohlen-Gestein scharf geschiedenen Dach-Gesteins kann keine Folge eines 
nur mechanisch erfolgten Niederschlages aus Meeresfluthen seyn. Auch 
die Art seiner Erzführung steht damit wohl in einem bestimmten Zu- 
sammenhange. Denn „die Erzlage,“ wie die Bergleute sie nennen, 
ist kein Lager noch Flötz, das gerade nach seinem (unmittelba- 
ren) Sohlen-, und vor seinem Dach-Gesteine niedergeschla- 
gen wäre; sie hat vielmehr Manches mit Gängen gemein, obschon das 
Saalband fehlt, und die Erze oft nur im Gestein eingesprengt erschei- 
nen. Dämpfe müssen hier in die Schichten eines schon vorhandenen 
Kalk-Gebirges eingedrungen seyn und sich nach ihrer verschiedenen 
Kondensirungs- und Verbindungs-Fähigkeit theils in den geöffneten Spal- 
ten mehr oder minder regelmässig abgelagert, theils durch die Masse 
des Gesteines verbreitet und sich damit verbunden haben. Wäre aber 
zur Zeit der Erzbildung das Dach-Gestein schon Dolomit gewesen, 
warum hätten die Erze sich nicht tiefer hinabgezogen bis hinein in die 
Ablosung zwischen Dach- und Sohlen-Gestein und in die immer unmit- 


—.. 89 — 


telbar unter derselben befindlichen sehr zersetzten, mithin leichter durch- 
dringlichen Kalkstein-Schichten, vor denen die Erzlage oftnur 4—35 Zolle 
entfernt ist? Warum wäre das Gestein um dieselbe gerade immer am 
härtesten und frischesten? Warum finden sich überhaupt Blei-, Zink- 
und Eisen-Erze so oft in Kalk-Gebirgen aller Formationen ‚von Dolomit 
umgeben? So dürfte es leichter seyn, ausser der Erz-Anhäufung auch 
die Unregelmässigkeit der äussern Formen des 2, Gebirges, welches 
bald die Kuppen bildet, bald die Mulden ausfüllt und in seiner SO. — 
NW.-Richtung überall vielfältig unterbrochen erscheint, mit der sekun- 
dären Hebung des ganzen Gebirges und dem Einsinpken der Schichten, 
als mit dem primären successiven Niederschlage der letzteren aus einem 
Wasser-Becken in Verbindung zu bringen. 

Ob jedoch die in Dolomit umgewandelten und die mit Erz ge- 
schwängerten Schichten überall die ursprünglich nämlichen seien, 
lässt sich nicht genau ermitteln, sondern nur aus der Menge im Dolo- 
mit ausgeschiedener Feuersteine folgern, dass sie jünger, als das Soh- 
len-Gestein gewesen seyen. Selbst die wahrgenommene Unbeständig- 
keit in der Zusammensetzung dieses Dolomites, wobei jedoch nie die 
kohlensaure Talkerde mit Eisenoxydul über den Kalk überwiegend wird, 
obgleich das Umgekehrte eintritt, deutet auf eine epigenetische Entste- 
hung des Dolomites, wobei nicht alle Theile des Kalk - Gebirges 
gleichmässig von der eindringenden Substanz durchzogen werden konn- 
“ ten. Weil aber die Wirkung der umbildenden Kraft uubezweifelt von 
unten nach oben ging und diese Wirkung von der ursprünglichen Be- 
schaffenheit der Schichten, wie von ihrer eigenen Richtung zu dersel- 
ben abhängig war, so wird es nicht auffallend seyn, wenn der Dolomit 
nicht, oder nicht überall scharf, von dem auf ihm lagernden Oppatowi- 
tzer Kalkstein abgesetzt ist, sondern allmählich in ihn übergehend gefun- 
den wird. 

II. Das Gallmei-Lager im Süden der Erzlage zieht am Trrocken- 
berge sehr nahe an sie heran, und da sein: Streichen, obgleich durch 
Rücken von Sohlen-Gestein u. s. w. häufig unterbrochen, von O. nach 
W. geht, so trifft es unter rechtem Winkel auf das Haupt-Streichen der 
vorigen, Man sieht es daher in mehreren Klüften längs denı südlichen 
Gehänge des Silber- und Trocken-Berges an den Punkten, wohin das 
Ausgehende der Erzlage treffen würde, an seiner N. und NW.-Seite in 
steilem, südlichem, zuweilen fast senkrechtem Einfallen sich heraushe- 
ben. Gewöhnlich ist es ohne festes Dach ; wo dieses aber vorhanden, 
bemerkt man ein regelmässig südliches Einfallen. Doch ist der Gallmei, 
worauf zahlreiche Gruben bauen, nicht zusammenhängend; seine Lage- 
rung ist höchst unregelmässig; er füllt, zuweilen in mehreren Lagen 
wiederkehrend, vorzüglich nur die im Sohlen-Gesteine vorhanden ge- 
wesenen Gruben und die Klüfte zwischen den vorgefundenen Felsblö- 
eken aus und hat in vielen kleinern und grösseren Mulden seine Haupt- 
Schätze niedergelegt; so dass er:noch an mehreren ganz abgesonderten 
kleinen Stellen abgebaut wird. Mit ihm brechen ockerige und mulmige 


— 60 7 — 


Brauneisensteine und zuweilen abgerissene Stücke von braunem Glas- 
kopf. .Wo Gallmei vorwaltet, treten die Eisenerze zurück, und Bleierze 
sind jetzt nur selten, doch sind einst in oberen Sohleu reiche: Bleierze 
vorgekommen. Südlich von diesem Gallmei-Zuge, zwischen Miechowitz 
und Beuthen, befindet sich mit ihm parallel streichend ein .schon er- 
wähnter zweiter von geringerer Erstreckung, dessen Fallen dem des 
ersten entgegengesetzt, nördlich ist, so dass beide vielleicht nur die 
Ausgehenden einer von „Dach-Gestein“ überlagerten grossen Mulden- 
Ausfüllung sind. Zwischen beiden liegt auch noch ein zweiter Bleierz- 
Zug, der in.die Verlängerung des oben beschriebenen von Tarnowitz 
fallen: würde, von dem er aber durch das erste Gallmei-Lager getrennt 
wird. — — Die Untersuchung. der Gallmei-führenden Lage, wo sie im- 
mer in Oberschlesien vorkommen mag, erweist, dass dieselbe nach 
ihrer Bildung grosse Veränderungeu, Zerreissungen durch Wasserflu- 
then, erlitten habe, hauptsächlich an den jetzigen Rändern oder jetzigen 
Ausgehenden der Mulden, da weiter nach dem Einfallen und unter 
festem Dache die Lagerung regelmässiger, obschon ärmer an Gallmei, 
wird. — Das feste Dach-Gestein heisst bei den Bergleuten Gallmei- 
Stein. Fünf Analysen des Verfs. ergeben zur Genüge dessen völlige 
chemische Übereinstimmung mit dem Dach-Gesteine der Bleierz-Lage, 
deın Dolomite. Die Ergebnisse liegen völlig innerhalb der dort angegebe- 
nen Extreme. — Man unterscheidet in Oberschlesien die tiefere weisse, 
und die höhere rothe Gailmei-Lage. Erstere hat eine Sohle von einer 
stets weissen, sehr aufgelösten, lettigen, thonig-kalkigen Masse, 
die ihrerseits das wahre Sohlen-Gestein bedeckt, aber oft in Bänken ab- 
gelagert, dem in Auflösung begriffenen Sohlen-Gesteine ähnlich und 
leicht damit zu verwechseln ist, andererseits auch zwischen der weissen 
Gallmei-Lage in Schichten vorkommt, und diese selbst in mehrere 
Bänke oder Schichten trennt. Die leichte Verwechselung derselben mit 
dem Sohlen-Gestein ist die Ursache, dass man früher mehrere ‚reiche 
Gallmei-Ablagerungen in grösserer Tiefe nicht erreicht hat,‘ und dass 
man neulich überall bis auf das feste Sohlen-Gestein niederzugehen ver- 
anlasst ist. Jene Masse unmittelbar über dem Sohlen-Gestein scheint 
nur ein,-auf diesem abgesetztes Gemenge von Kalk und Kieselthon (bei 
einer Analyse — 0,71: 0,29) zu seyn; nach dem Hangenden, zumal wo 
sie sich in mehreren Schichten wiederholt, vermindert sich die Menge 
des Kalkes im Verhältnisse zum Thon immer mehr darin, bis sie in 
ihrem Hangendsten zu einem stets weissen oder weissgrauen Letten, 
fast ohne Kalkgehalt, wird. Ein, stets nur unbedeutender, Gallmei-Ge- 
halt ist zuweilen zufällig darin. — Die weisse Gallmei-Lage selbst 
ist ein thoniges Gebilde, worin sich der Gallmei bald in mehr oder 
weniger zusammenhängenden Schichten oder Schnüren, bald in einzel- 
nen Knörpeln, häufig nur in Körnern unter Haselnussgrösse zusammen- 
gezogen hat. Man nennt sie ihres ‚stets aufgelösten und mulmigen Zu- 
standes wegen auch die weiche Lage,'im Gegensatze der dazwischen 
vorkommenden erhärteten Schichten aus voriger Masse, diedann weisser 


— 601 — 


‚Gallmei-Stein heissen. Die weiche Lage besteht, von dem sehr ver 
änderlichen Gehalte mechanisch, doch genau und dem Auge unerkenn- 
bar, damit vermengten Gallmei abgesehen, aus Kieselthon mit fast nur 
Spuren von kohlensaurem Kalke. Dieser Gallmei-Gehalt ist es, der 
diese Lage milde, wenig adhärent, mit der Haue in Würfeln theilbar 
macht, wesshalb sie sich feucht nicht kneten lässt, so dass sie sich dem 
Gefühle des Arbeiters oft besser verräth, als sein Gesicht sie von obt- 
ger Masse, zumal in unteren Teufen, unterscheiden kann. Der Gallmei 
in dieser Lage bildet bald dichte, bald poröse, bald zellige Massen, 
kömmt auch wohl krystallisirt und zuweilen mit Zink-Silikat vor. Diese 
weisse Gallmei-Lage ist aus Anschwemmung durch Wasserflutken ent- 
standen, und in der Masse hat sich dann das Gleichartige vereinigt-und 
gusammengezogen, das Ungleichartige getrennt. Dieselben Fluthen 
haben auch die Vertiefungen des Sohlen-Gesteines gebildet, worin diese 
Lage sich abgesetzt hat. — — Der obenerwähnte weissgraue Letten im 
Hangendsten der weissen Gallmei-Lage bildet die Sohle der rothen 
Gallmei-Lage. Dieser Letten besteht aus 0,56 Kieselerde auf 0,44 
T'honerde mit etwas Eisenoxyd, zufällig auch mit Beimengungen aus 
der Gallmei-Lage von kohlensaurem Zinkoxyd, Zinksilikat und kohlen- 
saurer Kalk- und Bitter-Erde. Wo das rothe Lager kein festes Dach 
hat, dient ihm gelblicher Letten zur Decke, auf welchen aufgeschwemm- 
tes Land folgt; doch sind die ursprünglichen Verhältnisse nicht leicht 
mehr zu ergründen, da die Oberfläche durch alten Bergbau ganz umge- 
stürzt ist. Wo das Gallmei-Lager ein festes Dach hat, da fällt der Un- 
terschied zwischen rother und weisser Gallmei-Lage gänzlich weg, und 
jener Letten bildet die Sohle, welche selbst unmittelbar auf dem Soh- 
len-Gesteine ruhet; auch wird das Lager in diesem Falle häufig taub 
und unedel, wesshalb man es nicht oft unter ein festes Dach verfolgt 
hat. Im Hangenden wird die Lage von dem Dach- oder Gallmei-Stein 
ebenfalls durch einen Lettenstreifen getrennt; nur zuweilen erscheint 
der Gallmei an jenen Gallmei-Stein angewachsen, und setzt in kleine 
Klüfte desselben hinein und ist ihm eingesprengt; so dass dasselbe 
Gallmei- oder Dach-Gestein nur als ein veränderter und erhärteter Theil 
der Gallmei-Lage anzusehen, mit dessen gleichzeitiger Bildung die Bil- 
dung der Zinkerze, obgleich sie im Dach-Gesteine aufsetzen, mithin sein 
Vorhandenseyn bei ihrer Entstehung bedingten, unzertrennlich verbun- 
den ist. Wäre das Zinkoxyd eben so geneigt, wie das Eisenoxydul, in 
Verbindung mit Kohlensäure einen Theil der Bittererde bei der Dolomit- 
Bildung zu vertreten, so würde im Gallmei-Stein das kohlensaure Zink- 
oxyd eben so wenig anzutreffen seyn, als sich im dolomitischen Dach- 
Gestein über der Bleierz-Lage der Friedrichs - Grube Spatheisen- 
stein ausschied. So erläutert sich das entgegengesetzte Verbal- 
ten des kohlensauren Eisenoxyduls und des kohlensauren Zinkoxyds 
während des Prozesses der Dolomit - Bildung gegenseitig. — Wo die 
rothe Gallmei-Lage kein festes, sondern nur ein Letten-Dach besitzt, 
fehlt die weisse Lage niemals, und beide sind durch obigen Letten im- 


Jahrgang 1331. 39 


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mer scharf von einander geschieden. — — Die rothe Lage wird zu- 
weilen mehrere Lachter mächtig, und das durch Eisen- oder Mangan- 
Oxyd gelbbraun, ziegeiroth, fleischfarben oder grün gefärbte Zinkerz, 
Gallmei wie Silikat, erscheint darin theils in mehr oder minder zusam- 
menhängenden und aushaltenden Schnüren und Schichten , theils in 
Knollen und Stücken von der Grösse eines Kindskopfes bis zu der eines 
Hanfkornes. Der Gallmei ist meist dicht, fast nie und nur dann kry- 
stallisirt, wann er poröse wird. Letten-artige Schichten von geringerer 
Regelmässigkeit unterbrechen auch die rothe Lage, welche selbst, in 
allen Farben sogar bis zum Weissen wechselnd, gewöhnlich aus einem 
Gemenge von Kieselthon und Eisenoxyd-Hydrat besteht, worin das 
letztere so überwiegend wird, dass es als Eisenerz benutzt werden 
kann. Kohlensaure Kalkerde fehlt gänzlich darin; aber unregelmässige 
Massen von zerklüftetem Galimei-Steine, der an der Luft schnell in 
scharfkantige Stücke oder gar zu Sand zerfällt, finden sich ein. Von 
der Grösse einer Linse bis zum Gehalte von mehr als 50 Kubikfuss 
kommen diese Massen ohne alle Regel zerstreut darin vor. Auch diese 
Lage erkennt der Arbeiter an ihrer milden nie sich knetenden Beschaf- 
fenheit; um aber die darin enthaltenen Gallmeistein-Stücke vom Galimei 
zu unterscheiden, muss er auf die Verschiedenheit des Tones achten, den 
jener (härtere) gibt, wenn er von der Haue getroffen wird. — In der 
Nähe eines festen Daches nimmt die Menge der Gallmeistein-Stücke in 
der Lage zu; die Mächtigkeit der letztern vermindert und oft zertrüm- 
mert sie sich, und, unter dem Dache fortziehend, werden diese Trüm- 
mer nicht selten taub; die weisse Lage verschwindet, von der rothen 
abgesehnitten, gänzlich, wie sie nächst dem Ausgehenden, an den Mul- 
den-Rändern, immer am mächtigsten ist, während die rothe Lage in um- 
gekehrtem Verhältniss mit ihr an Mächtigkeit zunimmt. 

Das Verhältniss des Gallmei-Gebirges im Süden des Trockenberges 
gegen das Bleierz-Gebirge nördlich von ihm ist selbst in den benach- 
bartesten Gruben nicht zu erkennen. Doch bildet das obenerwähnte 
Dach-Gestein, der Dolomit, überall das Hangende. Die nach Norden 
streichende Bleierz-Lage geht gegen Osten fast zu Tage, und das Gall- 
mei-Gebirge der Trockenberg-Grube hebt sich plötzlich gegen Norden 
aus. Eine Auflagerung findet nirgends Statt, sondern ein nicht völlig 
scharf begrenztes Nebeneinanderiiegen. Das Alter beider Gebilde anbe- 
langend ist bloss zu erinnern, dass die Erz-Führung des Dolomites mit 
seiner eigenen Bildung ganz genau zusammenhänge. 

III. Die reichen Eisensteine der Gegend, bei Nackel und Radezion- 
kau bis Rırdipieckar, lagern lediglich in Vertiefungen zwischen dem Sohlen- 
Gesteine in einer Mächtigkeit von einigen Fussen bis zu mehreren Lachtern, 
bloss unter einer Decke von Letten und aufgeschwemmtem Gebirge. 

Auf die Entstehung des Erz-führenden Gebirges wird einiges Licht 
werfen: 1) dass das Auftreten des Dolomites gegen SO. da beginnt, 
wo der schwarze Porpliyr bei Krzesczowice hervortritt; 2) dass das 
Hauptstreichen des Dolomites mit dem der Höhenzüge und Thäler über- 
einkommt; 3). dass, wo gegen NW. kein Dolomit weiter angetroffen 


— 603 — 


wird, der Basalt vom Annaberg sich in einem wahrscheinlich ununter- 
brochenen Zuge nach NW. forterstrecke (Thal von Malapane bei Dem- 
bie); A) dass längs seines ganzen SW.-Randes sich das Kalk-Gebirge 
höher als der hier angrenzende Kohlen-Sandstein erhebt, sich nach NO. 
allmählich verflächt, dann an seiner Grenze (mit dem Kohlen-Sandstein) 
plötzlieh unter aufgeschwemmtes Land bis auf einzelne Kuppen versinkt, aber 
aufseinen höchsten Erhebungen längs seinem Hauptstreichen jene merkwür- 
dige Erz-erfüllte Dolomit-Schichte von verhältnissmässig doch nur geringer 
Mächtigkeit trägt; 5) dass fast überall da, wo das Kohlen-Gebirge sich 
Kuppen-förmig über die jetzige Oberfläche des angeschwemmten Landes 
erhebt, Gyps auftritt, oder doch gleich unter lefzterem gefunden wird, 
von der Hultschiner Kohlensandstein-Lage an bis nach Wieliczka,. — 
An Stellen, wo der Kalkstein sich noch weit über den aufgeschwemmten 
Boden erhebt, erscheinen die Lagerungs-Verhältnisse zwischen Kalk und 
Gyps völlig unkenntlich. Jeder von beiden könnte dem andern aufge- 
lagert scheinen. So kömmt bei Pschow der Gyps am Fusse des Koh- 
len-Gebirges, und damit der Kalk zum Vorschein, welcher unbezweifelt 
die Umwandelung im Gyps erfahren hat. Kalk und Gyps scheinen an 
und neben einander gelagert. Der Kalk ist ganz das Tarnowitzer 
Soblen-Gestein. In unmittelbarer Berührung und mit ihm verwachsen 
kommt ein poröser, weicher, grau und weissgrau gefärbter Kalk vor, 
welcher, ohne alle Schichtung, das äussere Ansehen der Rauchwacke 
besitzt und sich ganz unregelmässig in die Masse des Schichtkalkes 
hineinzieht, dessen Schichten in NNW, einfallen. Jener poröse, wie 
durch Dämpfe aufgeblähte und zerrissene Kalkstein enthält 0,0845 An- 
hydrit. Eine andere schinnmernde, an den Kanten durchscheinende Va- 
rietät desselben von weisser Farbe, geringer Härte und feinsplittrigen 
Bruche enthält schon 0,128 bis 0,204 desselben, obschon das Fossil noch 
durchaus kein gemengtes Ansehen besitzt. Erst wenn der Anhydrit 
Krystall-Wasser aufnimmt, erkennt man den Gyps. So liegen auch zwi- 
schen dem ausgezeichnet späthigen Gypse von Czernitz Blöcke eines 
Gesteines, welches bald Gyps, bald Kalkstein scheint und etwa 0,54 
Gyps auf 0,46 kohlens. Kalk enthält, und sicher durch Umwandelung 
von Kalkstein entstanden ist. 

An diese Untersuchungen schliesst sich noch eine Reihe von Ana- 
lysen, deren Ergebniss ist, dass es sehr viele mineralische, doch nicht 
vollkommen krystallisirte Verbindungen von Kohlensäure mit Kalkerde 
und Bittererde gebe, welche sich auf keine einfache Mengungs-Verhält- 
nisse zwischen beiden Basen zurückführen lassen, indem sie Gemenge 
von Dolomit mit kohlens. Kalke, oder umgekehrt, sind, wie oben jener 
kohlens. Kalk mit dem Gypse gemengt ist. Dieser Analysen sind noch 
52. Sie beziehen sich grösstentheils auf Dolomite aus sehr verschiede- 
nen Gegenden, welche meistens von L. v. Buch mitgetheilt wor- 
den, und stimmen in ihren Ergebnissen mit den oben angeführten ganz 
überein. Einige andere betreffen verwandte Substanzen. Nro. 23 7, 
stammen von H. L. v. Bucn. 


39 * 


604 


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0200°0 0,70°0 | sseoo | oronio | sseslo | rn ganosgifet "A JTwofod ‘ol 
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605 


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Ca. Krrerstein: die Naturgeschichte des Erdkörpers in 
ihren ersten Grundzügen dargestellt. Erster Band: die Phy- 
siologie der Erde und Geognosie, 394 SS. Zweiter Band; die Breaipaie 
und Paläontologie, 896 SS. Leipzig 1834. 8°, 

Die angedeuteten vier Theile dieses Werkes handeln von den noch 
thätigen Kräften und Veränderungen der Erde, von den anorganischen 
Bestandtheilen der Erdrinde, von der Entwickelungs-Geschichte dersel- 
ben und von den Überresten organischer Körper in ihr, 

Wir wollen zuerst eine Übersicht der Gliederung und Haupt-Ab- 
schnitte des Werkes mittheilen, danu in einiges Detail eingehen. 

Erster Theil: Physiologie. I. Wesen der Grundstoffe, ihre 
Bildung und Umbildung, ihre morphologischen und chemischen Prozesse. 
II. Innere Bewegungen dieser Stoffe: Schall, Licht, Wärme, Elektro- 
magnetismus (S. 37 #.). III. Erscheinungen, bedingt durch die Verhält- 
nisse der Erde zu andern Himmelskörpern (S. 54 ff... IV. Atlimungs- 
und Quellen-Bildungs-Prozess der Erde: Inhalation, Exhalation, mit bei- 
den verknüpfter chemischer Prozess, Rhytmus des Athmens (S. 62 £.). 
— V. Entwickelungs- und Evolutions-Prozess der Erde: Evolution der 
individuellen Körper, so wie der Erde als solcher, Morphologie ihrer 
Straten (S. 90 f#.). — VI. Organismen und ihr Verhältniss zur Erde 
(S, 114 A.) 

Zweiter Theil: Geognosie. Vorwort. — I. Neptunische, 
geschichtete Formationen (S. 129 f.). 1. Killas-F. — 2. Old red sand- 
stone. — 3. Psephit-F. — 4. Bergkaik. — 5. Zechstein. — 6. Millstone- 


grit und Coal measures. — 7. Exeter conglomerate, Magnesia limestone, 
new red sandstone. — 8. Nebra-F. (bunter Sandstein). — 9. Jena-F, 
(Muschelkalk), — 10. Keuper-F. — 11. Parallelismus dieser Straten- 


Systeme. Sie setzen abwechselnd 3 Meeres- und 3 Land-Formationen 
zusammen. — 12. Die Jura-F. (A4te Meeres-F.). — 13) Die vierte Land- 
oder die Weald- und Molasse-F. — 14. Die fünfte Meeres- oder die 
Kreide-F. — 15. Das alpinische Gebirgs-System im Allgemeinen mit der 
Mels- und Flysch-F. — 16. Die Mels-F., oder der rothe Alpen-Sandstein 
als Äquivalent der Straten vom Todtliegenden bis zur Molasse. — 17. 
Die Flysch-Formation oder das Alpenkalk-Gebirge, als Äquivalent der 
Kreide-F. — 18. Das Tertiär-Gebilde. — 19. Die aktuelle Formation, 
oder das System der sich jetzo bildenden Straten. — IH. Vulkanisch- 
plutonische oder krystallinisch- ungeschichtete Gebilde (S. 340 f.). — 
1. Mineralogische Verhältnisse. 2. Geologische und 3. Geognostische 
Verhältnisse derselben, welche die Zeit-Perioden dauten; in welchen 
die plutonischen Gesteinmassen zu Tage traten. 

Dritter Theil. Geologie, Einleitung. I, Kosmogonie,, oder 
Entstehung der Erde (S. 7... — 1. Entwickelungs-Geschichte der 
Erde oder spezielle Geologie (S. 11). A. Die antegeognostische Zeit. 
2. Erste Periode: der Killas-Formatien. 3. Zweite Periode: der Psephit- 
Formation, 4. Dritte Periode: der Zechstein-F. 5. Vierte Periode: der 
Nebra-F. 6. Fünfte Periode: der Jena-F. 7. Sechste Periode: der Keu- 


- ER — 


der-F. 8. Siebente P.: der Jura-F, 9. Achte P.: der Molasse-F, 10, 
Neunte P.: der Kreide- und Flysch-F. 11. Zehnte P.: der tertiären und 
gegenwärtigen Zeit mit den dazwischenliegenden Diluvial-Massen als 
Resultat der Sündfluth. — III. Über die Sündfluth, oder die Erdrevolu- 
tion unmittelbar vor dem Beginne der geschichtlichen Epoche (S. 65 ff.). 
1. Straten, welche man bisher als Resultate einer allgemeinen Wasser- 
Bedeckung, Diluvium, betrachtet, welche jedoch meistens andern Ur- 
sprungs seyn dürften. 2. Das Aufsteigen der Basalte und vieler Gra- 
nite in sehr neuer Epoche, eine Folge: ausserordentlicher vulkanischer 
Aufregung. 3. Die Felsblöcke im Zusammenhange mit diesen Auftrei- 
bungen und einer grossen Fluth, 4. während welcher sich die Lage 
der Erdachse gegen die Sonne, mithin auch das Klima und die Organis- 
men veränderten, 5. wahrscheinlich in Folge der Annäherung eines Ko- 
meten, 6. wie die Traditionen aller alten Völker, die Bibel, und insbe- 
sondere die heiligen Bücher der Indier bestätigen. — IV. Von den Ur- 
sachen der Wanderung des Meeres. V. Von den vulkanischen Erschei- 
nungen und deren Ursachen. VI. Von den Erdbeben, 


Vierter Theil: Paläontologie. Vorwort „... Folgen die 
Thiere nach ihren einzelnen Klassen alphabetisch aufgezählt, und die 
Pflanzen. 


Die Auffassung der Naturgeschichte der Eıde aus einem höheren 
Gesichtspunkte, die Betrachtung derselben nach ihren Gesammt-Bezie- 
hungen, der materiellen Elemente unter sich und wieder der ganzen 
Erde zu andern Weltkörpern, das Streben alle Veränderungen ihrer 
Oberfläche aus ihrer Thätigkeit nach bekannten Ursachen abzuleiten, 
die Sonderung der geognostischen Data von den geologischen Betrach- 
tungen und Folgerungen sind gewiss verdienstliche und zum Theile dem 
Verf. eigenthümliche Erscheinungen in diesem Werke, rücksichtlich deren 
er zwar namentlich mit Lyerr öfters auf gleicher Bahu begriffen ist, 
jedoch ohne, wie er brieflich versichert, mehr als die Übersetzung des 
ersten Theiles davon, und zwar nahe vor Beendigung des Druckes sei- 
ner eigenen Schrift, gelesen zu haben, wodurch ihm auf der einen Seite 
die Originalität der Verfolgung jener Bahn gewahrt blieb, wie auf der 
andern Seite jeder der beiden Verfasser an andern Stellen. mit längeren 
Forschungen  weilet. Im Ganzen ist das Lyerr’sche Werk weit reicher 
an historischen Thatsachen, welche zur Erklärung der vorgeschichtlichen 
zusammengestellt sind, jedoch weniger systematisch, weniger umfassend 
seinen Theilen nach, und ohne, wie Kererstein in seinem 3ten Theile 
thut, zu versuchen, die aus jenen Thatsachen gezogenen Schlüsse zu 
Erklärung bestehender geognostischer Verhältnisse von Formation zu 
Formation fortschreitend anzuwenden. Dem materiellen Inhalte nach 
weicht K. insoferne von Lyerr und vielen neueren Geologen ab, als er 
1) bloss lokale Ursachen zu Erklärung des einstig wärmern Klima’s 
unseres Nordens bis zum Untergange des Mammonts nicht für genügend 
hält; — 2) daher die Veränderung unserer Erdachse durch. Einwirkung 


— 608 — 


eines Kometen, soferne diese je im Reiche der Möglichkeit liege ,. als 
Ursache dieser Wanderung des Klima’s annimmt; 3) dass er: successive 
Hebungen des Bodens in der Stärke, wie wir es noch jetzt bei vulkani- 
schen Katastrophen sehen, zu Erklärung der Anhäufung des Festlandes 
mit seinen Gebirgen überhaupt, jetzt aber auf der nördlichen Hemisphäre 
insbesondere, nicht für genügend hält; 4) von Horr habe gezeigt, dass 
seit Beginn der Geschichte die Gewässer fortwährend im Ablaufe gegen 
die südliche Hemisphäre hin begriffen seyen; 5) welchem Abzuge nach 
mehreren Tausend Jahren wahrscheinlich eine Rückkehr der Gewässer 
nach Norden und eine Abtrocknung grosser Landstrecken im Süden folgen 
werde, was sich in regelmässigen Perioden schon öfters wiederholt ha- 
ben möge und sich noch wiederholen werde, und so zu Erklärung der 
-Abwechselung von Meeres- mit Land-Bildungen in unsern Gebirgs- 
Schiehten dienen müsse; 6) die Erscheinung der Wanderung des Meeres 
selbst aber lasse sich mit Pusrrıps (über die nächsten Ursachen der 
materiellen Erscheinungen des Universums, 1824) von dem ungleichen 
Einflusse der Sonne auf die Erde, während des Periheliums und Aphe- 
linms ableiten, da durch ersteres gegen letzteres genommen die Centripe- 
talkraft um fast „— vermehrt werde, und die Kreis-Bewegung täglich 61 
statt 57 (im Mittel 59) Minuten durchlaufe. Hiedurch müsse ein stär- 
kerer Andrang der Gewässer (und der Luft) unter der Parallele ent- 
stehen, in welcher jederzeit die Richtung der Kräfte liege. Während die 
Erde immer mehr in die Sonnennähe und in rascheren Unschwung komme, 
während die südliche Hemisphäre der Sonne am meisten zugekehrt seye 
(am letzten Dezember, wo die Sonne senkrecht über dem 234° B. steht), 
müsse mithin auch der stärkste Andrang der Gewässer in jener Hemi- 
sphäre Statt finden; da aber die Erde alle Jahre um 1 Minute 2 Sekun- 
den später mit ihrem Perihelion an derselben Stelle ankomme, so werde 
solches in 5223 Jahren einen Quadranten, in 20931 den ganzen Kreis 
der Ekliptik ausmachen, und in 10466 das Perihelion am nördlichsten 
Punkte seyn. 7) Das Perihelion ging jetzt vor 5824 Jahren, oder 4002 J. 
v. Chr., um die Zeit der Mosaischen Schöpfung, durch den Äquator 
auf die südliche Halbkugel über und muss daher in jener Zeit haupt- 
sächlich den Abzug der Gewässer von der nördlichen Hemisphäre be- 
wirkt, und auf dieser einen grossen Theil des trockenen Landes her- 
vorgerufen haben (Puıruırs). 8) Die Schiefe der Ekliptik nimmt fort- 
während, aber jetzt nur um 52 Sekunden in einem Jahrhunderte, ab, 
was erst in 6923 Jahren einen Grad betragen würde. Es würden da- 
her 149,000 Jahre oder 7 Umwälzungen des Perihelion erheischt werden, 
um die Ekliptik bis zum 45° auszudehnen, womit Grossbritannien das 
Klima von Marokko und. Ägypten erhalten würde (Prırrirs). 9) So 
lange im Innern der Erde noch flüssige Stoffe vorhanden gewesen sind, 
musste ihr Andrang nach gewissen Gegenden an der Oberfläche durch 
jenen Kometen ebenfalls erregt werden, was auf das Emporsteigen der 
Basalte und neuen Granite wirken konnte. 10) Der Sitz der Erdbeben 
ist nicht in grosser (vielleicht nicht einmal in bisher unerreich- 


— 609 — 


ter) Tiefe zu suchen, wie Lyerr will u. s. w., sondern vielleicht nur in 
Schwingungen der zwischen den oberen Felsschichten eingeschlossenen 
Luftmassen. — Ohne alle dem Verf. eigenthümlichen und lesenswerthen 
Ansichten bier verfolgen zu können, wollen wir nicht unterlassen, we- 
nigstens eine Ansicht seiner Respirations-Theorie der Erde mitzutheilen, 
weil sie uns am meisten Eigenthümlichkeit zu besitzen und auch, von 
Einzelnheiten abgesehen, am meisten der Beachtung werth scheint: 
HumsoLor’s, Böckmann’s, RuuLann’s, SchügLer’s und Saussure’s Ver- 
suche haben gelehrt, dass alle Gebirgs-Gesteine selbst bis zum Zehnfa- 
chen ihres Volumens Sauerstoff absorbiren, und im Grossen bemerkte 
v. OzynHausen, dass die Luft in Gruben auf Thoneisenstein sich durch 
Einbusse von Sauerstoff verschlechtere. So entsteht eine Inhalation der 
Erde, in deren Folge die ganze Atmosphäre sich gegen sie senken muss. ' 
Andererseits zeigen die bald schweren, Kohlensäure-reichen, bald leich- 
ten Wasserstoff-reichen Wetter der Gruben, welche sich nur je aus ge- 
wissen Gesteins-Schichten entwickeln, der zuerst von HumsoLor be- 
merkte Hauch der Gesteins-Flächen gegen eine Lichtflamme, noch mehr 
aber jener, welcher aus Klüften hervorkommt, und welche beide, eben- 
falls nach v. HumsoLor, durch kohlensaures, Wasserstoff- und Stick-Gas 
veranlasst werden, — endlich zeigen die Wasserquellen, dass eine Luft- 
und Wasser-Exhalation der Erde überail Statt findet. Denn die Theorie 
der Infiltration der Regenwasser, der heberartigen Wasserröhren in der 
Erdrinde etc. reicht nicht zur Erklärung hin; auch gewahrt man nir- 
gends [?] absteigende Quellen in derselben. Die Quellen mit ihrem 
Mineral-Gehalte sind das Erzeugniss gewisser Schichten, und ihr Reich- 
thum an Kohlensäure zeigt wieder ihre Verwandtschaft zu jenen Gas- 
Aushauchungen. Bısenor hat am Laacher See einen kleinen Raum 
nachgewiesen, welcher täglich 600,000 Pfd. Kohlensäure ausstösst. 
Diese Ausströmungen drücken sich in die untern Luftschichten hinein, 
verdichten, heben sie und, mit den Inhalationen in Wechsel-Wirkung 
tretend, veranlassen sie die Barometer-Schwankungen. So wie die Aus- 
strömungen (von Kohlen-, Wasser-Stofl, Schwefel, Wasserdunst) aus 
der Erde in die Atmosphäre treten, werden sie von dieser vermöge ihrer 
Assimilationskraft assimilirt und zu einem Gemische aus Sauerstoff und 
Stickstoff mit ganz wenig Kohlensäure in überall gleich bleibendem Ver- 
hältnisse umgewandelt, so dass also fortwährend Sauerstoff und Stick- 
stoff erzeugt wird, und in soferne ein unausgesetzter Oxydations-Prozess 
bestehet. Jene Kraft ist das Fundament aller, meteorologischen Erschei- 
nungen, Auch die Erde besitzt eine solche Assimilationskraft, vermöge 
der sie die inhalirte, Sauerstoff-reiche, respirable atmosphärische Luft 
morphologisirt [das hiesse „zum Formenkundigen macht!“J, in irrespi- 
rable, an Kohle, Schwefel und Wasserstoff reiche Gas-Arten und in 
Wasser, verbunden mit verschiedenen chemischen Stoffen, umbildet (all- 
gemeiner. Desoxydations-Prozess). Zwischen der Exhalation und Inhala- 
tion muss jedoch ein gewisses Verhältniss, eine Kompensation bestehen, 
welche in der That in einer gewissen periodischen Regelmässigkeit vor- 


—- MB 


‚handen ist, und sich durch die stündlichen, täglichen u. a. Schwankun- 
gen des Barometers verräth, und womit die periodischen Veränderungen 
der Atmosphäre (Regen, Gewitter), die qualitative und quantitative 
Stärke der Wasser- und Gas-Quellen, die Wasser- und Wetter-Ausschwit- 
zu ngen der Gruben-Schichten u. s. w. vielfältigen Beobachtungen ge- 
mäss ab- und zunehmen, (Hier werden viele interessante Belege bei- 
gebracht.) Selbst das Meer sieht man bei völliger Windstille vor Ge- 
wittern in Wallung gerathen und so eine Verbindung mit dem Meteore 
darthun, welche vielleicht in Gas-Entwickelungen besteht. g 

Bei dem geognostischen Theile haben wir nicht verweilt, weil hier- 
in die Ansichten des Vfs. wohl schon mehr bekannt geworden sind, Was 
den paläontologischen anbelangt, so bilden die schon früher vom Verf- 
in seiner Zeitschrift gedruckten Namen-Verzeichnisse fossiler Konchylien 
u. s. w. die Grundlage desselben; sie sind mit Einschaltungen aus 
neueren Werken ergänzt und auch auf die übrigen Klassen ausgedehnt 
worden. Hinter jeder Klasse ist die Anzahl der lebenden und fossilen 
Arten aller einzelnen Geschlechter in derselben angegeben, und sind 
daraus dann allgemeine Resultate abstrahirt worden. Auf den ersten 
Anblick wird man über die im Schluss-Resultate enthaltene Bemerkung 
erstaunen , dass man jetzt 9629 Arten fossiler Pflanzen und Thiere 
kenne, während Derrance deren i.J. 1824 nur 3630 aufgezählt. Aber hier 
ist ein kleiner Irrthum untergelaufen, indem gerade bei den Arten- 
reichsten Klassen der Verf. sämmtliche Synonyme für verschiedene 
Arten hat gelten lassen und so nicht selten statt einer Art 4—5 erhält, 
obschon er selbst hin und wieder die Bemerkung beigesetzt hatte, dass 
ein Name nur Synonym eines andern seye. Überhaupt aber ist auf die 
Reduktion der Synonyme viel weniger Bedacht genommen worden, als 
es die vom Verf, benutzten Werke, auch ohne weitere eigene Studien, 
gestattet haben würden, so dass ein grosser Theil dieses Abschnittes 
nur in manchen Fällen als Namen-Register zum Nachschlagen dienen 
kann. — Bei andern Klassen jedoch, wie bei den Reptilien, sind die 
Synonyme zwar in alphabetischer Ordnung mit aufgenommen, doch nicht 
mit gezählt worden. Andere hier aufgestellte Behauptungen beruhen 
auf sehr unsicherer Basis, wie die von Tuurmann über das Vörkommen 
der Vögel-Knochen in der Jura-Formation, so lang nicht ein namhafter 
Zootom diese Behauptung bestätigt; — die des Vorkommens von Säuge- 
thier-Resten in gleicher Formation, da die in England gefundenen an- 
geblichen Didelphys-Unterkiefer keineswegs so genau untersucht sind, 
dass man nicht auch hier eine Abstammung von Reptilien vermuthen 
dürfte u. s. w. 


L. Pırero: Noteüber den Gyps von Tortona (Mem. Soc. 
geolog. de France 1833. I. 123—128. Tf. VIII.) Der Verf. hatte in 
einer früheren Abhandlung den Gyps von Tortona und Voghera für 
gleich alt mit jenem NO. von Genua, mithin für sekundär ausgegeben. 


— 611 — 


Neuere Untersuchungen aber haben ihm gezeigt, dass der Gyps dieser 
Gegenden, am Fusse der Apenninen auftretend, tertiär seye, So er- 
scheint er im Gebiete von Acgui gegen Alessandria; zu Alice und 
Monte-Rochero; im Hügellande im S, von Novi gegen Montaldeo, wo er 
in’s Tortonische zu Santa Ayata, Costa, Paderna, und von da in’s 
Vogher’sche zu Godiasco, Garlasseu, Torricella, Mairano, Montescano 
und Monte Beccaria übergeht; auch zeigt er sich noch im Piacentini- 
schen zu Vigoleno und Salso, um noch ‚weiter bis gegen Reygio fort- 
zusetzen. Zwar bildet dieser Gyps keine zusammenhängende Schichte, 
sondern nur eine Reihe von einander ganz getrennter Anhäufungen, die 
oft in gleichen Abständen ‚von der Grenze der Tertiär-Bildungen gegen 
die Ebene, oder gegen die älteren Gebirge liegen. Auch konnte seine 
Lagerungs-Folge nicht überall auf eine entscheidende Weise beobachtet 
werden; doch besitzt er überall ein fast gleichartiges Ansehen, 

Die Tertiärgebilde der Subapenninen in den Gebieten von Tortona 
und Voghera bestehen nemlich aus Nagelflue-Molasse, Muschel-Molasse, 
blauem Thonmergel und geibem Sande, der oft zu einer Art Grobkalk 
gebunden ist. Im obern Theile dieser blauen Mergeln nun finden sich 
jene isolirten Gyps-Ablagerungen in Gesellschaft eines grauen, kom- 
pakten Mergelkalkes, der eigentlich nur eine Modifikation jener blauen 
Mergel ist. So sieht man es deutlich in einer tiefen Schlucht bei dem 
Weiler Sant-Alosio, 2 Meilen von Tortona, wo man von unten nach oben 
antrifft: die blauen Mergel mit vielen charakteristischen Testazeen der 
Subapenninen - Formation, in Wechsellagerung mit unregelmässigen oft 
unterbrochenen Lagen eines weisslichgrauen Thonmergel -Kalkes mit 


ähnlichen organischen Trümmern, — dann eine Gyps-Bank in Form an- 
sehnlicher von Kalk und Mergeln umgebener Anhäufungen (umas), — 
darüber eine Bank gelben Mergels, — eine Masse gelblichen Kalksandes, 


mit Austern und Terebratula ampulla, dem Moellon ähnlich, — 
endlich Sand in Wechsellagerung mit mehreren Mergel- und besonders 
kleinkörnigen Pudding-Schichten. — — Zu Santa Agata erscheint der 
Gyps ebenfalls über den blauen Mergeln, aber der ihn einhüllende Kalk 
hat ein mehr konkrezionäres Ansehen, manchen Süsswasserkalken ähnlich, 
und umschliesst viele undeutliche Testazeen - Reste. — — Zu Godiasco, 
unweit Voghero, wo Jod-haltige Mineralquellen nahe bei dem Gypse aus 
der tertiären Meeresformation hervorkommen, sieht man zwar die un- 
mittelbare Unterlage des Gypses nicht, doch stehen die blauen Subapen- 
ninischen Mergel und der Mergelkalk ganz in der Nähe an; der konı- 
pakte oder feinkörnige graublaue Gyps und ein späthiger Gyps laben 
einen blaulichen Mergel mit dünnen Gypsspath - Krystallen, und diese 
eine beträchtliche Schichte von Geschieben und einer röthlichen Erde 
über sich. — Der Gyps im Tortonischen enthält oft Schwefel ; der ihn be- 
gleitende Kalk Schwefel und Schwefeleisen, mit diesem vorkommende grüne 
Mergel auch Drusen kleiner Zölestin-Krystalle. — Diese Kalke haben viele 
Ähnlichkeit mit einem sekundären Apenninen-Kalke, der aber fast über- 
all die bekanuten Fucoiden enthält. — Viele Mineral- und Salz-Quellen 


— Bm — 


entspringen in der Nähe des Gypsgebirges. Die Quelle von Salso ist reich 
an Kochsalz und Bitumen. Die Quellen im Tortonischen sind nur schwach 
gesalzen. Inzwischen kommen auch einige Salzquellen aus einer Art Ma- 
eigno und Schieferthon, unmittelbar unter der grossen Masse des Fucoiden- 
Kalkes bei Bolbio im Trebbia- und im Aveto-Thale zum Vorschein. — 

Eine andere tertiäre Gyps-Ablagerung voll Blätter - Abdrücken ist 
bei Za Stradella oder vielmehr Montescano, wovon schon BreıisLack 
spricht. Man beobachtet dort bei Casa-del-Colombi im unteren Bruche 
von unten anfangend 1) sandige Erde ; 2) eine Schichte späthigen Gyp- 
ses mit Abdrücken; 3) krystallinisch- Spälkiees Gyps; 4) Gyps mit kom- 
pakten oder feinkörnigen weissen Theilen und mit Abdrücken ; 5) Mer- 
gel; 6) eine Bank späthigen Gypses, der die Blätter - Abdrücke haupt- 
sächlich enthält; 7) eine kleine Mergelbank ; 8) eine Mergelbank mit 
Gyps-Krystallen; — nach einem mit Schutt bedeckten Zwischen- 
raum kommt man in den oberen Bruch, wo anfeinander folgen 3—4 Gyps- 
spath-Schichten im Wechsel mit dünnen Mergellagen; Mergel;5 Gyps 
mit grossen Krystallen; — kompakter, graulichweisser, mergeliger Kalk, 
der zum Brennen dient; — noch höher, im Bruche Monte - Arzolo, fin- 
det man eine mächtige Schichte graulichen Kalksandes, Gyps-führend, 
den „obern Sand“ vertretend. Beide untere Brüche zusammen mögen 
16 Meter Mächtigkeit haben, und erreichen 160 Met. Seehöhe; jener 
Sand aber 320 Meter. Viele Spalten setzen durch das Gestein nieder, 
die mit Lehm und Knochen wohl sehr ‚neuer Entstehung ausgefüllt sind. 
Die Lagerung dieses Gypses über den blauen Mergeln lässt sich hier 
freilich nicht unmittelbar nachweisen. Wohl aber ist die Gypsmasse 
von Mairano bei Casteggio, welche wieder jene von Montescano und 
Voghera miteinander ‘verbindet, zwischen den blauen Mergeln und dem 
obern Sande eingeschlossen. 


L. v. Bucn: Einige Bemerkungen über die Alpen in 
Baiern (Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. in Berlin von 1828, Berlin 
1831, Physikal. Klasse, S. 73—84 mit I. Tafel). Die Abhandlung, wor« 
aus wir hier einen zwar verspäteten Auszug mittheilen, hat zur rich- 
tigen Erkenntniss des Alters der Formationen in den östlichen Alpen 
wesentlich beigetragen, welcher die Höhe des Gebirges, die Verrückung 
und Verwerfung der Schichten, ihre spätere theilweise Umwandlung in 
Dolomit und der Mangel an deutlichen Versteinerungen so viele Schwie- 
rigkeiten in den Weg stellten. 

Rücksichtlich der Verbindungs - Geschichte von Talk - und Kalk- 
Erde im Dolomit hält der Verf. für. weniger wahrscheinlich, dass 
die Talkerde einen entsprechenden Gewichts-Theil Kalkerde aus dem 
vorhandenen Kalkgebirge ausgetrieben, als dass sich eine angemes- 
sene Menge kohlensaurer Talkerde mit der vorhandenen  kohlen- 
sauren Kalkerde verbunden, hiedurch das Volumen der Gesteins- 
Schichten beinahe aufs Doppelte vermehrt und so das ganze Gebirge, 
aufgeblähet habe, ohne gerade überall die Regelmässigkeit der 


= Bi — 


Lagerung in den Schichten zu stören. Er beruft sich für seine 
Theorie ferner auf die Beobachtungen Huınıncers (Pocsenp. Ann. XI, 
385), welcher unzusammenhängende Dolomit-Rhomboeder das Innere von 
hohlen ungleichschenkligen Kalkspath-Pyramiden ausfüllen wnd sie nach den 
feinen Sprüngen, die dem ehemaligen Blättergefüge des Kalkspathes 
entsprechen, verbreitet sah. Was in diesen Krystallen die Zeit allmäh- 
lich, kann in dem immer schon vorher in allen Richtungen geborstenen 
Gebirge die Masse rasch bewirkt haben. Die Annahme der Umbildung 
des Dolomites ist nicht etwa eine blosse, auf seine chemische Zusam- 
mensetzung bezügliche, Hypothese; — sie dient zur Beleuchtung der 
ganzen Folge der Gebirge, ihrer Bildungs-Geschichte und vieler verwickel- 
ten Erscheinungen. Der Dolomit bildet in den Bairischen Kalkalpen 
steil sich erbebende, die andern überragende Gebirgszüge, welche einige 
Meilen weit fortsetzen und eben so steil wieder abstürzen, wornach an- 
dere auftreten, welche die Kette in verschiedenen Richtungen durch- 
schneiden. Das Niveau und das Streichen und Fallen der übrig blei- 
benden Kalkschichten werden hiedurch so vielfach verändert, dass es 
äusserst schwierig ist, solche über Thäler und Klüfte hin zu verfolgen, 
Die organischen Reste sind im festen Gesteine für die Untersuchung 
meist zu fest eingeschlossen und verborgen; der Dolomit aber enthält nach 
des Verfs. fortgesetzten Beobachtungen solche gar nicht, höchstens 
rauhe und matte Steinkerne ohne die auf organischem Wege entstandene 
Schaale. Nur von Korallen vermag man noch zuweilen den ganzen in- 
neren Bau zu erkennen. 

Die lokaleren Beobachtungen des Verfs., welche jene allgemeineren 
Sätze auf eine spezielle Weisse deutlich zu machen geeignet sind, be- 
ziehen sich auf den Gebirgs-Durchschnitt vom Tiegernsee bis zum 
-Innthale bei Schwaz, Das allmähliche Ansteigen des Bodens von der 
Oberschwäbischen und Baierischen Ebene, von den Ufern der Donau bis 
zum Fusse der Alpen verräth seine Beziehung zur Hebung der Gebirgs- 
kette. Wo die Hügel sichtbar werden (von Tegernsee), erkennt man 
die Molasse-Formation der Schweitz , alle Glieder der Tertiär-Bildungen 
und oben oder ganz aussen die mit Meeres-Produkten erfüllten Schichten, 
welche Sruper Muschel-Molasse nennt, und die in Baiern reich sind an 
Nummuliten, grossen Trochen, Ampullarien, Buccinen und 
Krabben. Hieher auch die bekannte Schichte vom Kressenberg. Bei 
Sonthofen gleichen diese Gebilde noch mehr dem Londonclay und ent- 
halten Krebse und Krabben noch häufiger. Tiefer gegen das Ge- 
birge sind Süsswasser - Schichten und die Braunkohlen von Miesback 
und von Lenggries unweit der Isar. Die Molasse erhebt sich nun zu Ber- 
gen, welche 2000’—3000' über der Ebene haben. Sie wird fester, und 
ihre Schichten fallen seit Anfang des Tregernsee’s bestimmt südlich, gegen 
das Gebirge. Über Schloss Tegernsee wird das Gebirge mehr 
von Kalkspath durchtrümmert, verliert häufig das Ansehen des Sand- 
steines und nimmt Austern auf. Es scheint nun Stuper’s Gurnigel-Sand- 
stein oder der Flysch, dem Quadersandstein von Pirna analog. Seine 


— 6141 — 


Schichten fallen nordwärts, und noch vor Ende des Tegernsee’s bei Rot 
tach senkt sich Kalkstein darunter, der bald hoch ansteigt, und über 
dessen Natur weder Lagerung noch Versteinerungen Aufschluss gewähren. 
Am Waliberge fallen die Schichten nach S., biegen sich aber weiterhin 
bei Kreuth horizontal und dann höher an der Bergseite in vollem Halb- 
kreise so aufwärts, dass sie am Giptel des Berges Nord-wärts fallen. 
Oberhalb Bad Kreuth zieht die Wolfs-Schlucht queer herein, welche 
den Wasser-, wie den Schichten-Theiler in diesem Gebirge bildet, da 
jenseits derselben auch die Schichten südwärts nach dem Innthale fal- 
len, und der Dolomit, wenn auch Anfangs noch mit viel Kalk gemengt, 
herrschend auftritt und zu noch grösserer immer wachsender Höhe an- 
steigt, als die bisherigen Berggipfel, da jenseits des Achensee’s der 
schroffe Unnütz und der Gufen, ganz aus ihm zusammengesetzt, 7000’ See- 
höhe erreichen. Der Dolomit ist nur auf ihren Spitzen geschichtet, 
weiss, drusig, ganz aus Rhomboedern bestehend. Er setzt bis ins Inn- 
tnal fort: Kalkstein erscheint nicht wieder. Jenseits desselben erscheint 
er, wenn schon geringmächtig, doch nochmals zu grosser Höhe anste- 
hend. An seinem Fusse ist rother Sandstein, der dem rothen Porphyr 
aufgelagert zu seyn pflegt. Die hohen Dolomit-Felsen des Achensee’s 
gehen seitwärts auf der Tyroler Seite noch weit fort. Sie gehen über 
die Vomper-Spitzen, welche den Salzberg von Hall umgeben, bilden 
die hohe Karwendel-Kette, welche am Passe der Scharnitz (Porta 
Claudia) von der Isar zertheilt wird, gehen südlich ins ZLuetasch-Thal 
fort, und bilden die höchsten Spitzen der Bairischen-Gebirge, den Wen- 
delstein und Zugspitz, 9038' hoch; dann endigen sie ganz plötzlich ab- 
fallend. Aber neue Reihen erheben sich gegen Voralberg. 

BuckLanD nun hatte in jener Zeit in den Alpen Äquivalente zweier Eng- 
tischen Formationen, in welchen jedoch die Glieder nicht scharf geschie- 
den seyen, zu finden geglaubt, einer jüngern nämlich, welche fast alle 
Kalksteine der Südseite der Alpen begreifend die Gebilde von der Kreide 
bis zum Muschelkalk inelus., und eine ältere, welche rothen Sandstein 
und Magnesian-Kalk mit den Dolomiten und Salz-Stöcken enthalten 
sollte. Aber theils gehören nach v. Bucu’s Beobachtungen diese beiden 
letzteren offenbar nicht in die Reihe der Flötz-Gebilde, sondern sind 
nur spätere Umänderungen dieser Schichten, oder ganz neu zwischen 
ihnen aufgetretene Massen, und liegen nicht tiefer als höchstens im 
Lias, wie denn eine grosse Übereinstimmung der Formationen vauf der 
Nord- und Süd-Seite der Alpen bei fortgesetzter Untersuchung sich im- 
mer mehr berausstellt. — Was aus Petrefakten sich in dieser Hinsicht 
folgern lässt, ist dieses: Bei den Eisenwerken von Bergen am Chiem- 
see brechen dunkle Mergel-artige Schiefer, ähnlich den Gryphiten-Schie- 
fern Schwabens und den mit Lucinen (Posidonien?) erfüllten in Süd- 
Frankreich. Sie enthalten lange Belemniten, dem B. giganteus 
ähnlich, und Ammoniten aus der Familie der Arieten, welche dem 
Lias fast alle angehören. Abdrücke von solchen finden sich wieder zu 
Rottach bei Tegernsee, die vielleicht A. Bucklandi entsprechen. Im 


— 615 — 


Weissach-Thale über Tegernsee sind die wieder schwarzen Mergelschie- 
fer und. auf dem Kopf stehenden Marmor-Schichten ohne Versteinerun- 
gen. Ähnliche Schiefer brechen wieder am südlichen Abfalle nahe un- 
ter dem Gipfel des Hirschberges über Kreuth, voll Versteinerungen: 
als eine Nucula, der N. ovum Sow. (tb. 476. fg. 1) nahestehend, eine 
Avicula, wahrscheinlich A. aequivalvis, eine Modiola, alle für 
die untern Oolithe bezeichnend, und erstere zwei ganz so vorkommend 
bei Thurnau und Banz. Von Kreuth an kommen viele Kalkstücke von 
den Höhen herab, die voll Linsen-grosser Encriniten-Glieder sind, 
mit vielen Pentacriniten, auch Ammoniten. Hoch über Dorf 
Kreuth auf der Gruber Alp am Setzberge ist eine häufig wiederkeh- 
rende und überall schnell erkennbare Schichte, welche ganz aus Ger- 
villien (G. pernoides LonccnH.) besteht [auch zu Gundershofen]; 
dabei häufig eine Avicula, auch Terebratula ?digona. Diese 
Schichte kommt am Hohlenstein über Bad Kreuth nicht hoch über dem Thale, 
und jenseits des Gebirges auf der Tyroler Seite am Kleinerbach wieder 
vor. In den Schichten hoch am Schildenstein und um Bad Kreuth ist eine 
ästige Stern-Koralle, welche, in Kalkspath verwandelt, sie fast ganz zu- 
sammensetzt, Dazwischen liegen glatte Terebrateln, der T. ovata 
der Jura-Formation ähnlich, und sehr grosse faserige Bivalven [?Pin- 
nogena Sıuss.]! Dann die Fische von Seefeld, zu Dipterus Var. 
gehörig, der sonst nicht höher als in Keuper vorkommt. 


Y1I. Petrefaktenkunde. 


A. Eıron: über De Kır’s Brongniartia, ein neues Trilobi- 
ten-Geschieht (SırLım. Americ. Journ. of Scienc., 1832, April; 
XXTI, 165—166). Der Charakter dieses Geschlechtes ist folgender: 

B. Vorder-Abdomen immer, Hinter-Abdomen meist in drei Lappen der 
Länge nach getheilt durch regelmässige Reihen von Undula- 
tionen, welche über die Glieder weggehen, ohne die gewöhnli- 
ehen. 2 Längenfurchen; Seiten-Theile der Glieder als Fortsetzun- 
gen der Mittel Theile mit ihnen an Zahl übereinstimmend, 

Der Isotelus De Kay’s und der Teil, platycephalus Bıcser 
sind die Typen dieses Geschlechtes. Dazu fügt Eston nun eine dritte 
Art, welche an der Südseite des Mohawk-Flusses, östlich von den Little 
Falls am Erie-Kanal häufig vorkommt. Sie ist vom Vf, als Cancer 
triloboides in SırLım. Journ. XXI. 135 (Note) beschrieben worden, 
und erhält nun den Namen Brongniartia carcinodea von ihm. 
Er hatte vor einiger Zeit Exemplare davon an Bronenıarr geschickt, 
welcher dieselben für Bindeglieder zwischen den Trilobiten und Krab- 
ben erklärte. Euıron hat ein lebendes Krustenthier vor sich, welches 
Dr. J. Eısurs zu Albany beim Cap Horn gesammelt hat, und das 


— 616 — 


sicher auch vom nämlichen Geschlechte ist:und sogar in den meisten 
spezifischen Merkmalen mit der Art vom Mohawk übereinstimmt. ‘Noch 
ein anderes Trilobiten-artiges Thier ‘hat Eıcurs von Neuseeland mit- 
gebracht. = 

Wir entlehnen die Beschreibung des Cancer triloboides hier 
von oben erwähntem Orte: Er ist fast gleich lang und breit, die Sei- 
tentheile sind 4 so breit als der Mitteltheil5 Glieder 4, wovon das hin- 
tere am breitesten [längsten ?] ist und oben klafft[?]. Länge 4‘. Gleicht 
dem Schwanze von Bronensrrt’s Cancer punctulatus [und scheint 
im Ganzen nur ein Schwanz — zu seyn]. 


L. v. Bucn: über Terebrateln, miteinem Versuch sie 
zu klassifiziren und zu beschreiben, eine in der k. Akade- 
mie der Wissenschaften gelesene Abhandlung. Berlin 1834 (124 SS. 
und 3 lithogr. Tafeln, 4°). Nachdem wir bereits mehrere Resuitate der 
Forschungen über die Terebrateln von dem um die Gebirgs-, wie um 
die Petrefakten-Kunde fortwährend gleich bemüheten und verdienten Ge- 
lehrten in unserem Jahrbuche mitgetheilt, erfreut uns endlich das Er- 
scheinen seiner umfassenden und gediegenen Arbeit über alle fossile 
Arten des für den Zoologen und Geognosten hochwichtigen Geschlech- 
tes, dessen Studium für den letzteren nicht minder wichtig, aber der 
Arten-Macherey wegen noch schwieriger, als das dr Ammoniten 
ist. — S. 2—8 führt uns in die Geschichte ein, und würdiget vorzüg- 
lich Cuvıer’s Verdienst um die anatomische Kepntniss der Klasse der 
Brachiopoden, welche er zuerst begründete, obschon mehrere Genrera 
ihm in jener Beziehung noch nicht bekannt waren. [Brieflich be- 
dauert der Verf, Owen’s neueste Arbeit über den Bau der Terebra- 
teln selbst bei Betrachtung ihrer Schaalen noch nicht haben benützen 
zu können.] — SS. 8—22 handeln von den Eigenschaften der 
Terebrate In. Die Terebrateln unterscheiden sich gleich den Bra- | 
chiopoden überhaupt von den übrigen Bivalven durch die gleichseitige 
Bildung ihrer ungleichen Klappen, da sie im Innern doppeltes Herz und 
Blutumlauf, wenn schon nur einfache Ernährungs-Organe besitzen. — 
Rücksichtlich der hierauf gestützten weiteren Entwickelungen über den 
innern und äussern Bau müssen wir uns beschränken, fast lediglich auf 
das schon früher in diesen Blättern selbst Enthaltene (1833, S. 257 bis 
261) zu verweisen, wenn es gleich hier in grösserer Ausdehnung ent- 
wickelt erscheint, und dabei auch auf die Bedeutung der so vielgestal- 
tigen zwei Arme im Innern der Schaale, und auf ihre Anheftungweise 
u. s. w. noch Rücksicht genommen wird. Auch müssen wir uns auf 
jene Mittheilungen rücksichtlich mehrerer unten gebrauchten Kunstaus- 
drücke berufen. — SS. 22—25 beziehen sich auf die geognostische 
Verbreitung der Terebrateln [wovon später]. — SS. 25—29, 
von der Eintheilung der Terebrateln, detailliren die anzu- 
nehmenden Unterabtheilungen noch etwas mehr als früher [Jahrb. 1833, 


— 617 — 


..8.:262—265] geschehen, war, und führen einige leichte Abänderungen 
ein. — SS. 30—32 bieten Erklärungen zur Methode der Beschreibung 
der Terebrateln. Zum Belege des Reichthums, der methodischen Ord- 
nung und des Fleisses in Bearbeitung der einzelnen Arten theilen wir 
die Übersicht derselben mit, wie solche S. 32—118 gegeben ist, rück- 
sichtlich der Erklärung der die Unterabtheilungen bezeichnenden Be- 
nennungen nochmals auf vorigen Jahrgang des Jahrbuches [1833, S. 
258—263] verweisend ”). 


Terebratulae. 
A. Plicatae. 


I. Plicosae; Einfach gefaltete (ganz ausgestorben). 
a. Pugnaceae, der Rand an der Stirne der (horizontal gedach- 
ten) Ventral-Klappe steht höher, als ihre Mitte. 


1. T. acuminata Martin. Derb.32, 5—8; v. Bucu p. 33. Sow. 324, 
1 und 3; 495, 1—3;5 Encycl. meth. 246, 1. In Bergkalk Gross- 
Britanniens. 

2. T. pugnus Muartr. 22, A und 5; v. Buch p. 34, Tf. 1., 18,5 — 
T. reniformis, T. platyloba und T. lateralis Sow. 497, 496; 83, 
1. Wie vorige, 

3. T. ringens’v. Bucu p. 35, Tf. 2, 31.; T, grimace Heraurt. Im 
untern Jura bei Caen. 

4. T. varıans Schrorn., v. Buch p. 36, Tf. 1, 19: — T. socialis 
Psır. —; T. obtrita Derr. —; Encycl. 241. 5. Im mittleren und 
oberen Jura des südwestl. Deutschland, in Braunschweig, selten in 
Frankreich und in Yorkshire. 

5. T. Livonica v, Buch, S. 37, Tf, 2, 30, 

6. T. depressa (et acuta) Lamk., v. Buch p. 38. In Kreidemergel 
von Neufchatel, in Kreide Englands und in chloritischer Kreide 
Frankreichs. 

7. T. Schlotheimii v. Buc# p. 39. Tf. 2, 32; < T. lacunosus 
v. ScHLoTH, Bair Akad, VI. 17. Im Zechstein-Dolomit von Glücks- 
brunn. 

8. T.tedraedra Sow. 83, 4 und 5; v. Buch p. 40. Im Lias (selten 
untern und mittlern Jura) Englands und des SW. Deutschlands. 

9, T. triplicata Phır.. Yorksh. 13, 22. (et biplicata) 24; v. Bucu 
p- 41. Im obern Lias zu Amberg und Whitby. i 

10. T. variabilis v. Sc#rLots, im miner. Taschend. VI. Tf, 1, 4; 
v. Buc# p. 41. Aus Lias? zu Amberg. 

11. T. acuta Sow, 150, 1, 2; Puırr. 13, 25, Encycl. 255, 7, v. Buch 
p: 42. In Lias und untern Oolith Englands. 


*) Der Begriff des „sectirenden Deltidium“ war dort nicht näher bezeichnet, 
und die Abbildung nicht geeignet, ihn zu erläutern. Es umfasst die Schnabel- 
Öffnung nicht, sondern stösst nur einfach an deren untere Seite au, und ist meis- 
tens viel höher als breit, wie das „umfassende“ immer breiter als hoch iat. 


Jahrgang 1834. 40 


12, 


13. 


14. 


15. 


16. 


17. 


18. 


19. 


20. 


21. 


22. 


23. 


24. 


— Bel -— 


T. rimosa v. Buch, Petref. und Terebr. p. 435° v. Zıer. 42, 5. 
Im oebern Lias-Mergel Deutschlands, auch Frankreichs. 

T. furcillata Teovorı, v. Buch p. 43. In obern Lias-Mergeln 
des SW. Deutschlands, Braunschweigs, Lothringens. og 


b. Concinneae: die Mitte der Ventral-Schaale ist höher, als 
der Rand. i 
a. Inflatae: beide Klappen neben in rechtem Winkel zusam- 
menstossend. 

T. concinna Sow. 86, 6; v. Buc# p. 44, Tf. 1, 26. In mittle- 
ren, auch höheren Jura Schichten, zu Avallon, Krakau, in England. 
T. decorata Scurorn.; — v. Buch p., 45; Tf, 2, 365 T. tetra- 
edra Lime. (non Sow.); Encyel, 244, 2. In: den untern Oolithen 
Frunkreischs und zu Amberg. 
T. inconstans Sow. 277, 4, v. Buch p. 45: Im obern Jura Eng- 
lands und Braunschweigs. 
T. plicatella Sow. 403, 1; v. Buca p. 46. _Im mittleren Jura 
in England und Calvados. i Re 
T. octoplicata Sow. — Bronen. Par. 4, 8, v. Buch 47; — 
?T. Gibsiana Sow. 537, 1. — var. b. T. pisum Sow. 5837, 6, 
7. In der Kreide Deutschlands, Rügens, Englands und zu Paris. 
T. Wilsonii Sow. 118, 3; L. v. Bucn 47; — T. lacunosa. Wan- 
LENB. Darm. 6, 1. Im Übergangskalk Scandinaviens, Englands 
und der Eifel. 
Mantiae Sow. 277, 1; v. Buch 48. — Übergangskalk zu Chri- 
stiania, Kölln, in Irland. 


ß. Alatae: beide Klappen neben in scharfem Winkel: zusam- 
menstossend (geflügelt). 

T. alata Bronen. Paris. 4, 6; Nırss. 4, 8. Im obern Jura des 
SW.Deutschlands; v. Buch p. 48, in der Kreide bei Dresden, in 
Frankreich und Schoonen. - 
T. lacunosa Coronna, LANGE, SCHEUCHZ., SCHLOTH, min. Taschenb. 
VII, 1, 25 Zier. 41, 5; 42, 4; v. Bucu p. 49. Im vbern Jura des 
SW.Deutschlands, und Maguesian limestone von Yorkshire, 
T. trılobata Münsr.; Zıer. 42, 45 v. Bucu 515 mit voriger in 
Deutschland. 
T. plicatilis Sow. 118, 1 (und T. lata 502); Bronc. Paris 4, 
5 (und T. octoplicata 4, 8), v. Buch, p. 51. In der Kreide von 
Deutschland, Savoyen, Sussex. 


. T. vespertilio Brocesı I6, 10; Encyel. 245, 15; v. Buch p. 52. 


In der Kreide von Rouen, Perigueuxz und — bei Siena. 


. T. Mautelliana Sow. 537, 5; v. Buc# 53. lu Kreidemergel 


von England, Iügen, Verona. 


27. T. rostrata Sow. 537. 12 (ob auch T.nuciformis und T. acuta 


Sow. 502); v. Bucu p. 53; T. peetunceulata v. SchLoru. im 
min. Taschenb. VII, 4, 5. Im obern Jura Deutschlands , der 


‘28. 
29. 


— 619 — 


Schweitz, Sussex. [Warum hier die SchLorueim’sche Priorität un- 
beachtet geblieben ?] 

T. peregrina v. Bucn p. 53. In Kreide des G@ard-Depts. 

T. Theodori v. Scurorn. Katalog, p. 635 — T, acuticosta 
v. Zıet. 48, 25 v. Bucu 54; in Lias-Mergel des SW.-Deutschlands. 


IH. Dichotomae. Gabelige Falten, bis zum Rande gleich hoch; Del- 


30, 


31. 


tidium sectirend. 


T. subsimilis v. Scuroru. Petrefk. p. 264; v. Buc# p: 56, (T. 
Graafiana) Tf. 2, 28. Im obern Jura mit T. lacunosa im 
SW. Deutschland. | 

T. oblonga Sow. 535, 4—6; v. Bucn p. 57. In Kreide-Mergel 
von Kent, und obern Lias bei Heldesheim. 


32. T. orbicularis Sow. 535, 3. (und T, flabellula, T. furcata, 


33, 


34, 


35. 


36. 


37. 
38. 
39. 
40. 
41, 
42. 
43. 


44. 


y. 45. 


535, 1, 2), v. Buch 58. Im untern Oolith und ? Lias bei Bath und 
Weissenbury. 

T. spinosa Knorr II, ı, tb. B.w., fg. 4. v. Scaroru.; v. Buch 58, 
Im untern Jura zu’Osnabrück, im SW.Deutschland, der Schweitz, 
Frankreich, England. 

T. senticosa v. Scurorn.; v. Zıer.. 44, 15 v. Buch#'p. 59, im un- 
tern! Jura bei Amberg u. a. 

T. substriata v. Schrorn.; v. Buch p. 60; T. striatula v. Zier. 
42, 2. Im obern Jura des SW,Deutschlands und im Muschelkalk 
von Tarnowitz. 


-T, striatula Mant. Suss. 25, 7, 8, 12; Sow. 586, 3, 4,5; v, 


Buch p. 615 T. Münsteri.v. Scntorn. Collect. ‚et Catal.; — 

Puırv. Yorksh. 2, 28. In Kreide von Sussex, Yorkshire, Seeland, 

Westphalen. 

T. Defraneii Bronc. Paris 3, 6; Nırss. 4, 75 v. Buch p. 62; 

Eneyel. 241, 2. In weisser Kreide von Frankreich, Schoonen, 

T. chrysalis v. ScatotH, (Faus. 26, 9) Min. Taschenb. VII; v. 

BueH p. 62. In Kreide von Mastricht und Sicihen: 

T. flustracea v. Schrorn. Katal. p. 65. In Kreide auf Seeland. 

T. gracilis v. Schrorn. Taschenb. VII, Tf. . . 3; Petrefk. p. 270; 

v. Buc# p. 64, Tf. 2, 35; T. rigida Sow. 536, 2. In Kreide von 

Rügen, England. ‘ 

T. pectita Sow.138, 1, Bronc. Par. 9, 3; Nirs. 4,9. In Kreide 

vou England, fähkerbich, ‚Schvonen, Galiziöh. 

T. peetiniformis v. Buch p. 65, Tf. III, A135 Wlan 27, 5.) 

Kreidemergel von Mastricht. 

T.trunc’ata v. Buon p. 66; Eneycl. 243, 2. Bei Palermo und 

in Galizien. 

T. borealis v. Schrorm. Katal. p. 65; v. Buch p. 67; <’T. la- 

cunosa v. Scuroru. Petrefk. II, 20, 6. — ?T. plicatella Darm. 

p. 56, Tf. 6, 2; — ?Atrypa canaliculata ö0. 4, 4. In En- 

kriniten-Kalk Gothlands und der Eifel. 

T. primipilaris v. Schtoru. Katal, p. 64; v. Bucu p. 68, Tf. 8, 
40 * 


— 620 — 


29, T. dichotoma mus, Bonn. — und PT. marginalis Dumm, 
6, 5. Bergkalk der Eifel und ? Gothlands. 
[Ist in den Lieferungen des Heidelberger Comptoirs als T. pa- 
rallelepipeda, neuerlich T. Wilsoni var. Bronn.] 

46. T. Iyra Sow. 138, 2; v. Bucn p. 69; — ?T. costata WAHLEne., 
Nırss., Darm.; — Encycl. 243, 1. In Kreide Englands, Havre’s 
und ? Schoonens. 

47. T. gryphus Scnrorn. II, v. Buch p. 695 Gypidia conchidium 

°  Darm.; Uncites gryphoides Derr.; Pentamerus Knightii 
Sow. In Grauwacke und Bergkalk von Kölln, Gerolstein, Gothland, 
England. 

48. T. prisca v. Scarorn. II, 17, 2; v. Bucn, 71; T. affinis Sow. 
324, 2; Anomia reticulata Wantens.; Atrypa reticulata 
Darm. (T. asper, T. explanatus SchLorH.). ‚In Transitionskalk 
Schwedens, der Eifel, Englands etc. 


„UI. Loricatae. 


49. T. pectunculoides Scnrorn.; v. Buch p. 74, Tf. 1, 4.5 T. te- 
gulata v. Zıer. 43, 4. [non ScnLoru.] Im obersten Jura des SW. 
Deutschlands. [Scheint T, plicata Lamk.] 

60. T. Sayı Morron, v. Buch p. 75, Tf. 2, 38. (T. plieata Say, 
non auctt.) Grüne Kreide von New Jersey. 

51. T. pulchella Nirs. p. 36, Tf. 3, 14, v. Bucn p. 76. — in weisser 
Kreide Schoonens. 

82. T. ferita v. Bucu p. 76, Tf. 2, 37, in Übergangskalk der Eifel. 

53. T. loricata v. Scarorm., v. Buch p. 77; T. truncata Sow. 
537, 3; v. Zıer. 43, 6. Im mittlen Jura von Amberg, Calvados, 
England. 

54. T. Menardi Lam, Buch 78, Tf. 3, 42. In Kreide bei Mans. 

55. T. reticularis [T. reticulata] ScnLortu. Sow.; Bucu 79; T. 
coarctata Sow. 312. Pırr., T. deeussasa Lamk, Im obern Jura. 

56. T. antiplecta v. BucH p. 80, Tf. 2, 39. Mit T, concinna und 
T. pala in Salzburg. 


IV. Cinctae. 


57. T. peetunculus v. ScHhLoru. LANGE, SCHEUCHZER} v. Buch p. 82, 
Tf. 2, 34. Im obern Jura von Amberg. [Eine Varietät oder nahe 
stehende Art, schmäler mit schwächeren Hauptrippen und vielen 
Sekundär-Rippen hat Grar unter dem unrichtigen Namen T. pec- 
tunculoides SchLorH. versendet.] 

58, T. trigonella v. Scnrorn.; v. Zıer. 43, 3; v. Buc# p. 83, Tf. 1, 
85 — T. aculeata CarurLo; — T. Hoeninghausii Derr, Im 
Jurakalk SW. Deutschlands und im Muschelkalk von Tarnowitz und 
des Vicentinischen. 

69. T. quadrifida Lamx. v. Buch p. 84; Tf. 2, 27. Im mittlen Jura 
in Frankreich. 

60°. T, numismalis Lamk. Encycl. 240, 1; v. Zıer, 39, 4, 5; Vv 


— &@1 — 


.»Bucr p, 84, Im obern Lias des SW.Deutschlands und Braun- 

"u uschweigs. A 

61. T. vicinalis ScuLomn, ....;% Bucns p: 855 — T. cornuta 
Sow. 446,4. Oben im mittlen Jura des SW.Drutschlands, Braun- 
schweigs, der Schweitz und bei Ilminster. — var. T. indentata 
Sow. 445, 2, T. digona Sow. Zier. 39, 8 und :T, bidentata 
Zıer. 44, 3. Im SW. Deutschland und bei Dresden. 

62. T. digona Sow. 96; v. Buch p. 86; [non Zıer.] Encycl. 240, 3; 
T. marsupialis v. Scuroru. Im mittlen Jura von Muggendorf, 
England, Frankreich. 

63. T. lagenalis v. Scurorn.; v. Buch p. 87, Tf. 3, 43. Unten im 

. - mittlen. Jura bei Aarau und Amberg. 

64. T. bullata Sow. 435, 4 und v. Buch p. 875 T. bucculenta, 

Sow. Tf. 438, 2. Im mittlen Jura von Amberg; im untern Oolith 

Einglands. 7 

T. diphya Coronna; v. Buch .p. ss, T£. 4, 125; T. triquetra 

Pırr.; T. deltoidea Lamr.; T. antinomia Carurro.; Encycl. 

240, 4. In der Kreide der Lombardei zu Trient, im G@ard-Dept. 

etc., um Moskau; im ?Jurakalk der Karpathen, 

66. T. triangulus Lam. Encycl. 241, 1; v. Buch p. 89. Bei Trento 
in ? Kreide. i 

67. T. sacculus Marrın 46,1, 2, Sow. 446, 1; v. Buck p. 90; T. 
didyma Darm. 6, 7. In Übergangskalk Gothlands und Englands. 

68. T. amphitoma Bronn, Jahrb. III, p. 62; v. Bucu p. 90, Tf. 3, 
45. Übergangskalk Polens, Am Dürrenberg bei Hallein. 


65 


V. Laeves. Glatte (eine ‚früher‘ schon angenommene Abtheilung, 
doch mit höherem Range). 


a. Jugatae (früher Ornithocephalae), 


a. Repandae. Der Sinus der Dorsal-Klappe verräth sich mehr 
durch die Ausbiegung der Stirnkante gegen die Ventral-Klappe 
hin, als durch wirkliche Einsenkung zwischen den Seiten, Jene 
ist gegen diese zurückgebogen (ausgen. T. incisa und T. in- 
curva). Die Arten 68—73 bilden eine natürliche kleine Familie 
der Kreide: Cretaceae, 


69. T. vulgaris Scurorm.; Zıer. 89, 15 v. Buch p..92. Im Muschel- 
kalk des SW.Deutschlands, Thüringens, Tarnowitz. Var. T. radi- 
ata SchrorH. von Tarnowitz. 

70. T. carnea (et T. subrotunda, T. ovata) Sow. 15; Bnonen. 
Par. 4. 9; v. Buch p. 94. In weisser Kreide Fraikreichs, Deutsch- 
lands, Tyrois. 

71. T. incisa Münsr. Scurorn. Kat. 75.; v. Buch p. 95; In Kreide 
auf Seeland. 

72. T. semiglobosa (et T. intermedia, T. subundata) Sow. 
15; Bronen. Par. 9, 4; v. Buch p. 96. In weisser Kreide Frank- 
reichs, Deutschlands, Dänemarks, Schwedens. 


—_— 12 — 


73. T, pumila Lamr.; v. Buch p. 96; Magas pumilus Sow. 
119; Bronen. Par. 4, 9. In weisser Kreide von. Paris und 
England, 

74. T,incurva (et T. exsecata) Scurorm. Katal. p, 655 v. Buck 
p- 97; Tf. 2, 40. In weisser Kreide von Seeland und Quedlin- 
burg. Auch Broccnis tertiäre. T. bipartita wird hieher bezo- 
.gen [welche uns jedoch verschieden scheint], 

75. T. ovoides (T. lata) Sow. 100; v. Bucn p. 98. In Grünsand 
von Angers und Suffolk. 

76 T. longirostris Wanrene.; Nırs. 4, 1; v, Buch p. 98, T£ 1, 3, 
In Schoonen und zu Essen. 

77. T. ornithocephala (et T. lampas) Sow. 101; v. Zıer. 39, 
2; v. Buca p. 99, Tf. 1, 9. Im mittlern und obern Iura im SW. 
Deutschland und zu Oxford. 

78. T. elongata (und T. lata) SchLorn. Münchner Denkschr. 1816, 
7, 7 (und 3); Petref. II, 20, 2; v. Buch p. 100. Im Übergangs- 
kalk am Harz, im Zechstein von Glücksbrunn. 

79. T. linguata v. Bucn p. 101. Im Übergangskalke zu Prag und Hof. 


ß. Excatavae. Sinus der Rückenklappe deutlich zwischen den 
A Seiten eingesenkt. 
80, T. cassidea v, Bucu p. 102: Atrypa cassidea Dırm, Im 
Grauwacken-Gebirge bei Kölln, im Übergangskalk Ostgothlands, im 
Zechstein bei Salza. 

T. sufflata v. Scurorn, Münchn, Deuksch. 1817, 7, 10; v. Buch 
p. 102. Im Zechstein von Glücksbrunn und Gotha. 

81. T.tumida Durm, Schwed. Akad., v. Buch p. 1035 (Atrypa tu- 
mida Dsrm.). Im Übergangskalk @öftlands. 

82. T. concentrica v. Buch p. 103; Im Übergangskalk. von Gerol- 
stein [scheint nicht die seit mehreren Jahren vom hiesigen Comptoir 
unter diesem Namen versandte, sondern unsere T, heterotypa 
zu seyn.] } 

83. T. aequirostris SchrLorm. ; v. Buch p. 104. Im Übergangskalk 
von Reval. ; 

84. T. prunum Darm.; v. Buch p. 105, Im Übergangskalk von 
Gottland. 

85. T. curvata- Scurorn. II, 19, 2, 3 (nicht Petrefk. p. 280, eine 
Delthyris); v. Bucu p. 106. Im Grauwackekalk Polens. 

b. Carinatae. 

a. Sinuatae: Zwei Buchten ziehen in der untern Hälfte der Dorsal- 
Klappe an jeder Seite des Kieles fort; Zwei ‚Falten ihnen ‚gegen- 
über auf der Bauch-Klappe. 

86. T. biplicata (Sow. 90 und 437, 2,3;(T. sella 437,1; T. ma- 
xillata 436, 4, Sow.); — Zier. 40, 3; v, Bucu p. 107, Tf. 4, 
10: Im mittlen Jura Deutschlands und der. Schweitz und in der 
Kreide Deutschlands, der Schweüz, Englands, Frankreichs, Po- 
lens. Auch T. bicanaliculata Scaroru. 


es 


87. T. perovalis Sow. 436, 2,3; v. Buch p. 109; T. insignis 


88. 


89. 


90. 


91. 


92. 


93. 


94. 


95. 


96. 


97. 


Zıer, 40,1. Im:mittleren und obern Jura und in Kreide in Deutsch- 
land, Frankreich und England, — in Polen und Dänemark. Auch 
T. bisuffareimat a-ScHLoTH. 

T. gigantea: Scurora. p. 278; v, Buca p. 1105; T. bisinuata 
Desn. Paris. 65, 15; T, variabilis Sow. 576. In Tertiärschich- 


ten Deutschlands ‚und Frankreichs. [Hätte nicht Brumengacns Be- 


nennung T. grandis die Priorität gehabt?] 

T. ampulla Broccnı 10, 55 v. Buch p. 111. In der Subapenninen- 

Formation bei Syracus. 

T. Harlani (und T. fragilis) Morton in Sırrım. Journ. XVIII. 

3, 16 (und 17); vw. Bucu p. 112. Im Grünsand von New Jersey. 

T. globata (T. sphaeroidalis) Sow. 436, 1; v. Buch p. 112, 

T. bullata‘(Sow.) Zıer. 40, 6. Unten im mittleren Jura Polens, 

SW. Deutschlands, der Schweitz, Englands und bei Caen. ?T. ob- 

esa Sow. aus der Kreide, 

ß. Acutae: der Kiel geht vorstehend vom Schnabel«bis zur Stirne 
und fällt‘ 'gleichförmig ‘und schnell bis zum Rande, ohne Sinus 
dazwischen. 

T. impressa Bronw; Ziet. 39. 11; v. Buch p. 113, Tf. 1, 11. 

In den obern Jura- Mergeln des südwestl. Deutschlands, und in 

Frankreich. 

T. angusta Scurora. Petrefk, p. u, v. Bucu p. 114, Tf. 2, 33. 

Im Muschelkalk Schlesiens. 

T. pala v. Buch p. 114. Tf. 3, 44. Mit T. con cinna im 

Sulzburgischen. 

T. nucleata v. ScuLortu: Zier. 89, 105 v. Buch p. 115. Im obern 

Jura im SW. Deutschland. 

T. resupinata Sow. 150, 3, 4; v. Buch p. 116; Im mittleren 

Jura der Karpathen und im untern Oolith von Ilminster. 


T. Strygocephalus v.Buca p. 117: Strygocephalus Bur- 


tini Derr. Im Grauwacken-Gebiet vom Niederrlein. 


Die Arten sind nach den Formationen in folgender Weise vertheilt: 


Tertiär-F. T. gigantea, ampulla, — 


Kreide-F. T. flustracea, pectiniformis, truncata, chrysalis. — 


T. carnea, incisa, semiglobosa, pumila, incurva, ovoides, 
lougirostris. — , 

T. Sayi, gracilis, pisum, octoplicata, alata, Birss 
tilis, vespertilio, peregrina, Iyra. — 

T. pulchella, Menardi, Defrancii, Harlanı, pectita, stria- 


tula, Mantelliana, depressa, triangulus, diphya. — 


Jura-F, T. substriata, trigonella, pectunculus, pectunculoides 
obere, [und loricata]. — 


T. alata, lacunosa, trilobata, rostrata, subsiinilis, 
perovalis. — 
T. impressa, nucleata. — 5 


— Bu — 


mittle. T. inconstans, varıans. — 
T. biplicata, ornithocephala, Bl lagenalis, orbi- 
cularis ‚‚oblonga. — 
T. plicatella, concinna, pala, antiplecta, Heil rin- 
gens, Spinosa, senticosa [reticulata]. — 
T. resupinata, quadrifida, digona, vicinalis [u. ?globata.J— 
untere:Lias. T. acuta, rimosa, furcillata, numismalis, variabilis. — 
T. tetraedra, triplicata, Theodori. — 
Muschelkalk.T. vulgaris, trigonella, angusta. — 
Zechstein. T. Schlotheimii, elongata, sufflata, lacunosa, — 
Grauwackeu.T. ferita, Wilsoni, Mantiae, acuminata,. pugnus,_ 
Kalkstein. Livonica. — i 
T. primipilaris, Gryphus, Strygocephalus, concentrica, 
cassidea, prunum, borealis. — 
T. tumida, aequirostris, curvata, prisca, linguata 
[? amphitoma und saceulus], 

Ein vollständiges Namen- und Synonymen-Register, ‚nach dem Al- 
phabete geordnet, erleichtert sehr das Nachschlagen. der jedesmaligen 
Art, über die man sich zu belehren wünscht, und woselbst auch die 
Namen der Arten eingeschaltet sind, welche der Verf. noch selbst nicht 
näher zu prüfen Gelegenheit hatte. Diese Arbeit hat, wie die frühere 
über die Ammoniten, das Verdienst, dass sie die Unterscheidungs-Merk- 
male nach ihrem relativen Werthe würdiget und benützt, dass sie neue 
einführet, welche bisher unbenutzt geblieben , insbesondere die Dimen- 
sions-Verhältnisse, dass sie Arten, nicht Individuen beschreibt, die For- 
men von vielerlei Fundstätten mjt einander vergleicht und dem ganzen 
Werke mehr wissenschaftliche Gesichtspunkte zu Grunde legt, als bis- 
her irgend geschehen. Auch ist es verdienstlich und den Gesetzen der 
Wissenschaft gemäss, dass bei den Benennungen das Prioritäts-Recht sorg- 
fältig bewahrt worden. ‚Da v. Schrorueım’s Sammlung nun in Berlin 
steht, so bietet uns diese Schrift nun auch die besten Aufschlüsse über 
manche seiner zweifelhaften Arten, | 


IV. Verschiedenes. 


C. G. Eurengers: über die Natur und Bildung der Ko- 
rallen-Inseln und Korallen-Bänke im Rothen Meere. Ber- 
lin 1834 4°, Nach einer naturgeschichtlichen Einleitung (S. 1—13), nach 
einer Wiederholung der bisherigen Ansichten über die Entstehung der 
Korallen-Bänke überhaupt (S. 13—22) und des Rothen Meeres insbe- 
sondere (S. 22—23), dessen Korallen - Reichthum schon den ‘Griechen 
Suaw, ForskaL, Sıvıcny und Rürrer bekannt gewesen, theilt der Vf. 
mit der gewohnten Präzision aller seiner Schillerungen seine eigene 
Beobachtungen mit über die Verbreitung der Korallen-Bänke im Rothen 


— 625 — 


Meere (S. 24—29), über deren äussere Gestaltung und Form (— S. 33), 
über den Einfluss geognostischer Verhältnisse anf dieselben (— S. 37), 
über den Einfluss der verschiedenen Korallen-Thiere darauf (— S. 43), 
und bringt geschichtliche Zeugnisse über die Frage wegen des Zu- 
wachsens dieser Riffe bei (— S. 44). Die Resultate dieser Forschun- 
gen (immer in spezieller Beziehung zum Rothen Meere) sind folgende 
S. 44—52): 

1) Die Korallen-Bänke finden sich nur auf seichten Stellen, mit- 
hin nur nächst den Küsten und gegen diese hin zunehmend. Nur 
wo vulkanische Hebungen Statt gefunden , erscheinen sie auch im ho- 
hen Meere. — 2) Ihre Form ist immer Tafel- , zuweilen Band - artig; 
sie sind reihenweise geordnet längs der Küste; nie sind sie Ring- oder 
Trichter-förmig. — 3) Die Arabischen Küsten bestehen aus Mergel und 
Gyps (Humam Faraun im Norden; el Gisan im S.), zuweilen aus ter- 
tiärem Sandstein (Nakuhs) , oder aus feinem Konglomerat von Quarz 
und Feldspath mit Dolomit-Zäment (Ras Mahummed), selten aus Lava 
(el Wussem südlich von &um fude), oft aus tertiirem und neuem mür- 
ben Kalkstein mit horizontaler Schichtung und sehr verkleinerten See- 
thier-Fragmenten, welche den oft 6—8 Stunden breiten, nur wenig hügeli- 
gen allmähligen Abfall des mittlen, durch Arabien hinabziehenden Syenit-, 
Porphyr- und Kieselschiefer-Gebirges bis zum Meere bildet. Die flachen 
sowohl, als die bis 300° hohen Felsinseln bestehen fast alle aus einem 
gleichen Kalksteine,, woraus sich nur einige höhere Berge aus jenem 
Konglomerate und Gyps (Tiran), oder Lava (Ketumbul) erbeben. — 4) 
Den Grund aller untersuchten Korallen-Bänke bildet aber jener Kalk- 
stein, in welchem selbst man aber nirgends Korallen - Reste erkennt. 
Zuweilen inzwischen mag eine höchst uhansehenliche Oberfläch-Schichte 
desselben aus Trümmern auf ihm wieder zerfallender Korallen zwischen 
den überlebenden gebildet seyn. — 5) Weder lebende, noch todte Koral- 
len-Stänme bilden irgend wo hoch übereinandergehäufte Lagen ; son- 
dern überziehen die Felsen nur in einer dünnen, 4°—2’, nie aber mehr 
als 9° starken Schichte; welches nämlich die Höhe der stärksten Poly- 
pen-Stöcke ist, und die in tropischen Meeren wohl auch stärker seyn 
mag. — 6) Nur auf Felsboden, nie auf Sand, zeigt sich der lebendige 
Korallen-Überzug. Nur hin und. wieder hatte das aufgerührte Meer et- 
was Sand zwischen den Korallen-Stöcken fallen lassen; — welche Stel- 
len von Fungien, Holothurien und Seesternen sehr geliebt werden. — 
7) Der Vf. hat 110 Arten Korallenthiere aufgefunden, und etwa 10 an- 
dere sind noch von sonstigen Naturforschern beobachtet worden, welche 
zusammen 3 aller bekannten (386) Arten der Erdoberfläche ausmachen. 
(Er hat die bisherigen 158 Geschlechter derselben nach umfassenden 
genauen Untersuchungen der Thiere auf 86 zurückgeführt.) 8) Ihr 
durchgehend äusserst zarter, die Korallenstöcke überziehender Körper 
gestattet nicht, mit Forster, anzunehmen, dass sie feste hohe Wände 
aufführen, so'dass die einen sich gleichsam aufopferten, um die andern 
gegen die Brandung zu schützen und ins ruhige Wasser zu bringen. — 
‚9) Aber in der That scheuen diese. Thiere die Brandung nicht, sondern 


= 626 — 
2 x IR 
lieben sie so, dass in ruhigen Bassins überall mehr Tange, als Korallen 
vorkommen, die grössten und schönsten Korallen aber sich immer am 
Aussenrande der Riffe bilden, insbesondere die massigen (Daedalinen), 
hinter welchen dann auch schon sogleich die ästigen Formen auftreten, 
welche einwärts von jenem Rande in immer kleinre Gestalten überge- 
hen. Nur die schroff aus der Tiefe hervorragenden und über das Meer 
sich erhebenden Felsen, an welchen die hohe Brandung zurückfallen 
muss, waren stets ohne Korallen, nicht aber jene noch so steile Wände, 
über welche die Brandung wegtreiben kann, — 10) Die Korallen-Thiere 
-sind in der Jugend nicht weich, um erst im Alter zu erhärten, sondern 
die harten steinigen und die weichen Korallen sind ganz verschiedene 
Arten und Geschlechter. Aber die Kontraktilität der Thiere selbst ist 
so enorm gross, dass unter dem Merre die Korallen wie mit bunten 
grossen Blumen besäet erscheinen, während sie in unruligem Wasser, 
oder auf das Trockene gebracht nur einen sehr dünnen schleimigen 
Überzug gewahren lassen. —. 11) Selbst an den bevölkertesten Küsten- 
Gegenden findet man in 6 Klafter Tiefe keine Korallen mehr; auch in 
grösserer Tiefe finden die Perlen-Fischer dergleichen nicht. — 12) Wenn 
gleich Austern u. a. Muscheln sich auf Korallen ansetzen, Serpeln und 
Pholaden sie aubohren, so findet man doch nie Korallen-Arten- auf andre 
gewachsen. In den  dicksten !Korallenstöcken aber kann man eine 
Sternzelle öfters bis auf den Boden derselben verfolgen; andere schalten 
sich aufwärts zwischen mehreren derselben ein, je mehr der Stock an 
Oberfläche zunimmt. Daraus ergibt sich, dass ein schiehtweises Übereinan- 
derwachsen successiver Generationen oder verschiedener Arten von Koral- 
len nicht anzunehmen seye; wenn nicht etwa die untere Schichte, durch 
Versandung, vulkanische Hitze und dgl. zuerst abgestorben ist. — 13) 
Mit Ausnahme einiger Sanddünen sind die Inseln jenes Meeres mehr 
in Ab- als in Zunahme ihrer Oberfläche begriffen. Wälle aus Korallen- 
Trümmern häuft die Brandung nirgend auf, — ‘Die Korallen-Thiere, 
welche den untermeerischen Fuss der Inseln, wie ein Kranz, umgeben, 
dehnen sich bald über die ganze Inselfläche aus, wenn Wind und Wellen 
dieselben erst bis zu einer geringen Tiefe unter dem Meeresspiegel abge- 
tragen haben, und schützen sie nun gegen weitere Zerstörung. Die 
horizontale Schichtung des Kalksteines,. welcher der Zerstörung und Ab- 
tragung durch das Meer unterliegt, bedingt somit die Tafel-fürmige Ge- 
stalt dortiger Korallen-Inseln, wie däs massige Granit- und Gneis-Ge- 
birge an Skandinaviens Küste in Form abgerundet zerrissener Felsklip- 
pen in das Meer hinausragt, und wie Trichter-Vulkane im Südmeere 
die ringförmige Bildung jener Korallen-Inseln bedingen mögen. Die ruhi- 
gen Bassins in ihrer Mitte sind der Versandung viel zu sehr ausgesetzt, 
oder ihr Wasser ist viel zu stagnirend und unrein, als dass die Korai- 
len darin eben so fröhlich gedeihen könnten, wie an ihrem äusseren steil 
abfallenden Rande. — Den Beschluss dieser Abhandlung macht ein An- 
hang über die neuen Entdeckungen des Vfs. über die Infusorien hi 
des von Pısror und Schiex verbesserten Mikroscop’s. 


Über 


den Lievrit aus Ungarn, 


ein bei der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte 
zu Breslau am 20 Sept. 1833 gehaltener Vortrag, 


von 


Herrn Dr. Zıpser. 


Bei meinen geognostischen Wanderungen führte mich 
der Weg im Sommer 1832 auch nach Szilvds, einem gräfl, 
Kesrzvicn'schen Dorfe des Borschoder Komitates, wo ich 
die bekannte Ungarische Hospitalität fand, die mich in Stand 
setzte, seine Umgebung näher zu erforschen. Das grosse 
sogenannte Thal, Nagy-völgy genannt, vereinigt mehre Etablis- 
sements, denen der Graf seine vorzügliche Aufmerksamkeit 
schenkt. Man trifft daselbst nebst einer Papiermühle, einer 
Glashütte und Potaschensiederei auch einen Hochofen nebst 
mehreren Frischhämmern an. Bei jenen machte mich der 
Graf auf ein Eisenerz aufmerksam, das er auf keine Art 
schmelzen oder verblasen zu können vorgab. Beim Anschla- 
gen einiger Stücke, die seit sechs Jahren auf derselben 
Stelle lagern, fand ich, dass sie äusserst schwer zerspreng- 
bar waren und ein schillerndes Äussere zeigten. Sie erin- 
nerten mich an das Vorkommen eines ähnlichen Eisensteins, 
welchen ich am Magnetenberge bei Theissholz im Gömörer 
Komitate vor längerer Zeit gefunden, und irrig, wie sich's 
später zeigte, für Chromeisenstein angesprochen habe, — 
Da die Fundstätte dieses problematischen Eisenerzes eine 
halbe Tagereise von Szilvds entfernt liegt, gab ich den 

Jahrgang 1834. 41 


ODE 


Wunseh auf, sie näher zu untersuchen, bis es mir voriges 
Jahr, 1833, möglich geworden, dieselbe auszumitteln. Diese ist 
der Berg Kecskefar bei Szurraskö, einem Dorfe im Zeme- 
scher Komitate. Seit den sechs Jahren, in welchen der Bau 
darniederliegt, fand ich den Stollen zum Theil verbrochen 
und eingestürzt. Er baut, so viel man ausmitteln konnte, 
einen okrigen Brauneisenstein ab, der wahrscheinlich Lager 
im Grünstein bildet. Die starken Regengüsse, die sich in 
den Monaten Juli und August auch in Ungarn einstellten, 
erlaubten keine nähere Untersuchung, die ich mir aber für 
eine günstigere Zeit vorbehalte. Es genüge daher blos die 
naturhistorische Untersuchung dieses fraglichen Minerals, so 
wie seine Analyse, die ich dem bekannten Fleisse meines 
verehrten Freundes des k.k. Bergrathes Herrn Dr. Weurıe 
in Schemnilz verdanke. 


Naturhistorische Untersuchung des gefundenen 
Minerals, 


'Es kommt in derben Massen vor, welche ausgezeichnete 
körnige Zusammensetzungsstücke und eine deutliche Neigung 
zur Theilbarkeit zeigen. Die Farbe desselben ist eisen- 
schwarz mit einer Neigung ins Grüne; an den verwitterten 
Stücken erscheint es braun; der Strich und das Pulver des- 
selben ist grünlichgrau ; der Glanz an den frischen Bruch- 
flächen halbmetallisch ; das spezifische Gewicht wurde nach 
wiederholter Wiegung = 3,900, die Härte = 6,2 nach der 
Mons’schen Scala gefunden. Die Art der Theilbarkeit, die 
Theilungs-Gestalt desselben, so wie die übrigen naturhisto- 
rischen Eigenschaften liesen keinen Zweifel übrig, dass die- 
ses Mineral in die Ordnung der Eisenerze gehört, und dass 
dasselbe eigentlich diprismatisches Eisenerz nach 
Mous, oder Lievrit sey. — Vor dem Löthrohre zeigte das- 
selbe einen geringen Grad von Schmelzbarkeit, und konnte 
nur an den Kanten geschmolzen werden; mit Boraxglas bil- 
det es eiue grüne Perle, welche nach dem Abkühlen blass 
wird ; in Chlorwasserstoffsäure ist es nır zum Theil auf- 


— 629 — 


löslich und die Auflösung hat eine gelbe Farbe, fällt aber 
das Gold aus seiner Auflössung metallisch ; sie enthält dem- 
nach Eisenoxyd und Eisenoxydul. Die Magnetnadel wird von 
demselben deutlich affizirt ; mit kohlensaurem Kali geschmol- 
zen lieferte es eine grüne Masse, welche sich in Säuren 
löst, und Silieiumoxyd zurücklässt, Die erhaltene Auflö- 
‚sung mit Ammoniak im Übermaase versetzt, gab mit klee- 
saurem Ammoniak einen weissen ‚Niederschlag, woraus sich 
ergibt, dass das Mineral Eisenoxydul, Eisenoxyd, Kaliumoxyd, 
Silieiumoxyd und Manganexyd, und, da es geglüht einen Ge 
wichtsverlust erleidet, auch etwas Wasser enthält. 


Analytische Untersuchung des Minerals. 


Da eine wiederholte Untersuchung zeigte, dass das feine 
zerriebene Mineral in Salzsäure nur unvollständig löslich 
sey, so konnte der Eisenoxydulgehalt weder durch die Gold- 
auflösung, noch aus der Menge des gefällten Goldes be- 
stimmt werden; eben so wenig konnte diese Bestimmung 
durch Behandlung der Auflösung mit Schwefelwasserstoff 
aus der Menge des durch das Eisenperoxyd ausgeschiede- 
nen Schwefels Statt finden: es blieb daher nichts anders übrig 
als den Eisenoxydul-Gehalt dieses Minerals durch die Ge- 
wichtszunahme zu bestimmen. Zu diesem Zwecke wurden 
100 Theile dieses Erzes mit kohlensaurem Kali in einem 
Platintiegel geschmolzen, die geschmolzene Masse mit ver- 
dünnter Salpetersäure aufgelöst und, nachdem sie von dem 
Tiegel ganz abgelöst und dieser beseitigt worden, mit 
Chlorwasserstoffsäure versetzt und zur Trockene abgedampft, 
dann im Wasser gelöst und durch ein Filtrum das Sili- 
ciumoxyd geschieden ; die gesammelte Auflösung wurde nun 
mit etwas Ammoniak und dann mit benzoesaurem Ammoniak 
versetzt, um das Eisen:-Peroxyd zu fällen; dieses auf die be- 
kannte Weise gesammelt und geglüht, lieferte 59,96 Eisen- 
Peroxyd;; die Auflösung mit kleesaurem Ammoniak versetzt gab 
einen weissen Niederschlag, welcher gesammelt und geglüht 


10,36 kohlensauren Kalk lieferte, welcher 5,84 Kalziumoryd 
41 * 


= Bi 


entspricht; Die vom Eisen und Kalk befreite Auflösung 
‘wurde nun noch mit kohlensauren Kali versetzt, welches 
einen sehr geringen Niederschlag hervorbrachte, welcher 
sich erst nach 24 Stunden vollständig absetzte, gesammelt 
und geglüht wurde, und nun 0,40 wog. Als derselbe eine 
Zeitlang mit Kali-Lösung digerirt und dann abgewaschen 
und geglüht worden, blieb noch 0,28 desselben zurück, wel- 
ches Gewicht demnach die Menge des Manganoxyds angibt, 
dagegen der im Kali lösliche 0,12 wiegende Bestandtheil 
Alumiumoxyd ist. Das oben gewonnene, wohl gewaschene 
und geglühte Silieiumoxyd aber wog 34,60. Es ergaben sich 
daher folgende Bestandtheile dieses Erzes: 
59,96 Eisenperoxyd, 
34,60 Silieiumoxyd, 
5,84 Kalziumoxyd, 
- 0,28 Manganoxyd und 
0,12 Alumium-Oxyd: hiezu muss aber noch 1,0 
.. 100,80 Wasser gerechnet werden, da dieses 
Mineral durch Glühen einen Gewichtsverlust erleidet. 
Die Summe der Bestandtheile beträgt demnach 101,80 
und es ergibt sich daher ein Zugang in der Analyse von 
1,80, welcher der durch die Analyse bewirkten höheren Oxy- 
dation des Eisenoxyduls zugeschrieben werden muss; nun 
verwandelt aber 1,80 Sauerstoff 15,78 Eisenoxydul in Eisen- 
peroxyd; es muss daher eine, diesem Gewichtszugange ent» 
sprechende Menge von Eisenoxydul in dem Erze enthalten 
seyn.. Dieses als riehtig angenommen enthält dasselbe : 
42,35 Eisenperoxyd enthält Oxigen 12,90 


15,78 Eisenprotoxyd — — 3,58 
34,60 Silieiumosyd — — 18,45 
5,84 Kalziumosyd — -— 1,64 


0,238 Manganoxyd 

0,12 Alumiumoxyd 

1,00 Wasser 
100,00, woraus sich ergibt, dass sich die Sauer- 
stoffımenge aller im Erze befindlichen positiven Metalle sehr 


— 61 — 


dem Sauerstoffe des Siliciumoxydes nähert, und daher 
wahrscheinlich ist, dass dieses Mineral in der Zusammen- 
setzung der Formel 


Ca entspreche. 

Diese Analyse weicht in jedem Falle von den Resul- 
taten der Analyse des Herrn Descostirs ab, welcher blos 

55, Eisenoxyd 
28, Silicium 
12, Kalk 
3, Manganoxyd und 
0,6 Thonerde gefunden hat. 

Mein Freund, Bergrath WenrLE konnte nicht se viel Zeit 
gewinnen, um auch den Lievrit von Elba einer neuen Ana- 
lyse zu unterziehen, welchen Descosrir eigentlich analysirte, 
aber er überzeugte sich durch einen vorläufigen Versuch, 
dass auch dieser Eisenprotoxyd enthalte, welches Descosriz 
übersehen hat. Ob und in wiefern der Zlbaner Lievrit mit 
dem Ungarischen in den übrigen Bestandtheilen überein- 
stimmt, muss noch einer genauern Untersuchung überlassen 
werden. Freuen wird es mich, Freunden der Mineralogie 
damit einen Gefallen zu erweisen, sobald sie mich mit ihren 
Aufträgen beehren. 


Über. 
Kontakt- Verhältnisse 


zwischen vulkanischen Gesteinen und neptunischen 
Bildungen der Wetterau, 


ein re gehalten in 1 Varkameilugg ne: Na- 
turforscher und Ärzte zu Stuiigardt i. J. 1834, 


von 


Herrn Dr. A. Krirstein, 


In einigen der früheren dieser Versammlungen theilte 
ich bereits meine am Vogelsgebirge und in der Welierau 
angestellten Beobachtungen mit über eigenthümliche Erschei- 
nungen, welche im Gebiete des bunten Sandsteines, des 
Greensandes und plastischen Thones zunächst den Berüh- 
rungslinien. vulkanischer Gesteine sich darbieten. Ich er- 
laube mir hier auf einige nicht minder bemerkenswerthe Ver- 
hältnisse noch anfmerksam zu machen, die ich seither bei 
andern in manchfacher Beziehung zu vulkanischen Massen 
stehenden neptunischen Formationen dieser Gegenden wahr- 
zunehmen Gelegenheit fand. 

Mein Vortrag sollte die Darlegung einer Reihenfolge 
von Thatsachen umfassen, welche den Bildungen der jüngern 
Grauwacke oder des Old-red-Sandstone, der Molasse und 
dem Braunkohlengebirge da angehören, wo vulkanische Ge- 


— 633 — 


walten auf eine Umgestaltung derselben thätig waren. Da 
jedoch eine ausführliche Schilderung jener Verhältnisse hier 
zu: weit führen würde und in LeonuArp’s umfassendem 
Werke über die Basalte auch schon der Molasse von Mün- 
zenberg in dieser Beziehung gedacht wurde, beschränke ich 
mich darauf, nur über eine Stelle im Old-red-Sandstone-Ge- 
birge, welche ein den vulkanisirten Massen des bunten Sand- 
steins analoges Verhalten aufzuweisen hat, etwas nähere 
Notitz zu geben. Möchte es mir ausserdem gestattet seyn, 
eine Reihenfolge von Musterstücken der Wetterauer Mo- 
lassebildung vorzulegen. Erschöpfendere Aufschlüsse über 
die denkwürdigen Verhältnisse, welche sich im Gebiete die- 
ser Formation, sowie im Braunkohlengebirge in der Nähe 
vulkanischer Durchbrüche ergeben, behalte ich mir für eine 
geognostische Arbeit über das Wetterauer Tertiärgebirge 
vor, welche ich demnächst dem Drucke zu übergeben beab- 
siehtige. — 

Die Old-red-Sandstone-Formation, welche in den Lahn- 
Gegenden zwischen Marburg und Welzlar eine nicht unan- 
sehnliche Verbreitung gewinnt und unter mächtiger Ent- 
wickelung bald dem Hangenden des jüngeren Thonschiefers 
sich anschliesst, bald über dem Kalkstein der älteren Grau- 
wacke ruht, tritt in der näheren Umgebung von Giesen mit 
der dorthin westwärts sich ausbreitenden grossen Basalt- 
masse des Vogelsgebörges in Berührung. Aus verschieden 
nüaneirten Schieferthonen und damit alternirenden Sand- 
steinen zusammengesetzt, erscheint diese Bildung in jenen 
Gegenden unter dem ihr eigenthümlichen einförmigen Ver- 
halten, ohne dass man irgend eine auffallende Veränderung 
im Innern ihres Verbreitungsgebietes oder zunächst den 
ihr zur Unterlage dienenden älteren Gebirgsmassen gewahrte. 

Anders verhält es sich an der Basaltgrenze. Der ur- 
sprüngliche Charakter der Old-red-Sandstone- Gesteine hat 
sich hier sichtlich geändert und, ehe noch Spuren vulkani- 
scher Gesteine gesehen werden, ist der Beobachter schon 
auf deren unverkennbare Nähe zu schliessen berechtigt. 


634 °— 


Ganz besonders ausgezeichnet treten die durch den: Kon- 
- taet des Old-red-Sandsione mit dem Basalte hervorgerufenen 
Erscheinungen in der Nähe des Dorfes Steinberg "hervor. 
Kaum hat man üasselbe in südwestlicher Richtung verlassen, 
0 finden sich schon 'eine Menge Bruchstücke gefritteter 
Sandsteine. Dem: Basalt- Gebirge in dieser‘ Richtung sich 
zuwendend, werden sie stets häufiger. Man verfolgt sie 
bis zu‘ einer vom Wasser tief ausgehölten Schlucht, welche 
über 600 Schritte gerade der Grenze des Basaltes entlang 
im Old-red-Sandstone eingeschnitten ist und die Massen des 
letzteren oft bis zu einer Tiefe von 20—30 Fuss 'entblöst. 
Aus: weiter Ferne schon fällt die blendend weisse Farbe der 
zum Theil senkrechten Wände dieses Wasserrisses in die 
Augen. — Das Basalt-Gebirge erhebt sich auf der Ostseite 
sanft zu einer flachen, S00 bis 900‘ über dem Meere erhabe- 
nen Höhe, welche die Gegend weithin beherrscht. Der es 
begrenzende Old-red-Sandstone liegt an jener Stelle ungleich 
tiefer und steigt in südwestlicher Richtung gegen den Neu- 
kof hin zuerst allmählich zu beinahe gleichem Niveau mit 
den vulkanischen Massen an. An der ganzen Grenze des 
Old-red-Sandstone hin sind diese sehr modifieirt. Bald ge- 
hören sie dem eigentlichen Basalt, bald dem Deolerit, bald 
wohl auch einem Gesteine an, welches man neuerdings zwi- 
schen beide gestellt hat, — dem Anamesit. 

Die erwähnte Schlucht zieht aus NO. in südwestli- 
cher Richtuug fort und zwar dergestalt, dass "die Demar- 
kationslinie des Basaltes an dem nordöstlichen Ende sich 
ungefähr 25 Schritte von ihr entfernt, derselben in entgegen- 
gesetzter Richtung immer näher tritt. und nicht weit vom 
südwestlichen Ende mit dieser so günstigen Entblössungs- 
stelle zusammentrifft. 

Betritt man die Schlucht an ihrem nordöstlichen "oder 
unteren Ende, so wird man am Eingange ‚auf viele durch 
das Wasser oben herabgeführte Bruchstücke sonst dem 
Old-red-Sandstone fremdartiger Gesteine aufmerksam, welche 


an Umfang zunehmend, sich aufwärts vermehren: und mit 


je) 


Rollstücken vulkanischer Gesteine vermengen. Bald über- 
zeugt man sich, dass sie in der Nähe und zwar an den 
Wänden der Schlucht herauf anstehen. Zuerst treten mäch- 
tige Massen von blassgelbem Schieferthon hervor, in wel- 
chem die Farbe häufig in feinen konzentrisch-linearen Zeich- 
nungen 'nüanceirt. 

Etwas weiter aufwärts wechseln dieselben mit Lagern: 
eines weisslichgelben sehr weichen, aufgelösten Grauwacke- 
Sandsteins ab. Er erscheint, die Schieferthone verdrängend, 
baldin mächtigerer Masse und geht in ein weisses körniges Ge- 
stein über, welches jedoch gleich dem vorhergehenden die Natur 
von Trümmerbildung nicht verläugnet. Dieses besteht aus 
durch die ganze Masse gebleichten Sandsteinen und. klein- 
körnigen Konglomeraten des Old-reds.: Das sonst in ver-: 
schiedenen Nüancen grau und grün gefärbte Schieferthon-ar- 
tige Bindemittel stellt sich hier in fast blendendem Weiss 
dar, wird bis zum Zerreiblichen erdig und färbt ab, wodurch 
das Gestein in einen sehr zusammenhangslosen Zustand ver- 
setzt ist, | 

So weit sind die Felsmassen an den Wänden der Schlucht 
bis zu ungefähr % ihrer Länge beschaffen. Mächtige Blöcke 
vulkanischer Gesteine, welche nun mit aus ihrer Zerstörung 
hervorgegangenem Boden auf der ' gegen die .Basaltgrenze 
hingekehrten Wand sich anzuhäufen beginnen, verkünden 
das nähere Herantreten dieser Grenze. Die mit. solchen 
Blöcken angefüllte schwarze Erdmasse bildet weiter herauf 
zuweilen die ganze Wand der Schlucht und steht in auf- 
fallendem Kontrast den nur wenige Schritte entfernten Mass. 
sen des entfärbten weissen Old-red-Sandstone der‘ anderen 
Wand gegenüber. Er wird gegen das obere‘. Ende des 
Einschnittes wieder fester und gewinnt desto mehr an Con- 
sistenz, je mehr sich der Basalt nähert. . Nesterförmige 
Ausscheidungen eines dichten Email-ähnlichen Gesteins: finden 
sieh ein, welche mit der weissen körnigen Masse zerfliessen. 
Sie werden ‚aufwärts frequenter und grösser, und beinahe 
am äussersten Ende der Schlucht sieht man: dieses’ Gestein 


—- 656 — 


in ganzer Masse anstehen. An dieser Stelle tritt auch 
Dolerit anstehend hervor und zwar iin augenscheinlicher Be- 
rührung mit dem Old-red-Sandstone, Der letztere stellt 
sich hier in einer dichten gefritteten Quarzmasse von hell- 
grauer ins gelblichgraue nüancirenden Farbe und ebenem flach- 
muschelichem Bruche dar. Noch viele kleinere und grössere, 
mehr in ihrem ursprünglichen Zustande erhaltene Quarzkör- 
ner, bald scharf von der Grundmasse gesondert, bald mit 
ihr zerfliessend, sind durch sie verbreitet. 

In kurzer Entfernung von diesem Punkte durchsetzt 
den umgebildeten Old-red-Sandstone eine 5 bis 6° mächtige, 
fast senkrecht aufsteigende, aus zersetztem Basalte mit noch 
vielen frisch ' erhaltenen Trümmern bestehende Masse, welche 
über gangförmiges Eindringen in den Old-red-Sandstone kei- 
nen Zweifel übrig lässt. 

Nur gegen das nordwestliche Ende der Schlucht, so 
weit: Schieferthone anstehend sind, und wo der Basalt sich 
am'Weitesten entfernt, ist Schichtung noch bemerkbar. Wei- 
ter aufwärts wird das Gestein durch Klüfte ungeregelt zer- 
theilt und dergestalt zerrissen, dass häufig isolirte Massen 
in grotesken Formen hervortreten, 

Überblicken wir kurz diese Erscheinungen, so finden 
sie ihre Erklärung leicht in der Nähe und Berührung. der 
basaltischen Massen. Obgleich’ ihre äussere Formen in die- 
ser Gegend mehr auf eine stromweise Verbreitung hin- 
deuten, so scheint doch gerade zunächst der Grenze ein 
Durchbrechen des Old-red-Sandstone Statt gehabt und: die 
denkwürdige Umbildung desselben veranlasst zu haben. Diese 
spricht ‘sich nicht allein durch Veränderung der Gesteins- 
Struktur, der Farbe, wohl auch theilweisse des Bestandes, 
sondern auch durch Umschaffung der Massen - Struktur aus. 
Kohlenstofftheile,, welche hier der Old-red-Sandstone nur 
in geringer @uantität: enthalten haben: dürfte, so wie Ei- 
sen, sind ihm entzogen. Besonderes Interesse gewährt das 
mit ‘dem 'ällmählichen ‘näheren Herantreten der vulkani- 
schen Massen abgestufte Vorschreiten der Umbildung, bis 


— BB 


es da, wo dieselben mit dem Old-red-Sandstone in Kontakt 
treten, die grösste Intensität mit dem zu homogener Masse 
zerflossenen Sandstein erreicht. 


Bemerkenswerth ist noch, dass der vulkanisirte Sand- 
stein, welcher am Rande der weitverbreiteten Basaltmassen 
des Vogelsgebirges an so vielen Stellen nur in Haufwer- 
ken von Blöcken vorkommt, an dieser Stelle auch in an- 
stehender Masse erscheint. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Saline T'heodorshalle bei Kreuznach, '19. Mai 1834. 

Ich sende Ihnen anbei einige Musterstücke von Steinkohlen aus dem 
benachbarten Kanton Obermoschel, auf denen sich ein Anflug von 
Bleiglanz findet. — In Emmerrine, Lehrb, Il. B. S. 72 und in WERNER, 
Verzeichniss des Ohain’schen Min. Kab. S. 367 ist von ähnlichen Er- 
scheinungen die Rede. 


GEYGER, 


Warschau, 24. Juni 1834, 

Ich säume nicht, Ihnen von einer nicht uninteressanten Entdeckung 
Kenntniss zu geben, die ich im vorigen Herbste zu machen Gelegen- 
heit fand. Es ist das frequente Vorkommen von Enkriniten ‚“ in 
_ Weissbleierz verwandelt, auf den Bleierzgängen in Übergangskalk- 
stein von der Bleierzzeche zu Javorzno bei Kielce. Manche von 
den vielfachen Varietäten haben auf den ersten Anblik Ähnlichkeit 
mit Krystallen und sind zum Theil auch dafür gehalten worden, weil 
letztere sich auch häufig unter die Versteinerungen mengen; alle liegen 
lose und mehr oder weniger zerstreuet, oder parthieweise, zusammen 


in dem rothen Letten der Gangmasse, und wechseln von Erbsen- bis 
Wallnuss-Grösse. 


Brönz, 


Bern, 21. August 1834, 


Mit meiner Reise nach Bündten bin ich ausserordentlich zufrieden, 
und ich erwarte nur meine Kiste und ruhige Zeit, um meine Beobach- 


—- 691 — 


tungen ins Reine zu bringen. Der Serpentin hatın Bündten die Stelle 
des Augit-Porphyrs übernommen, er zeigt sich überall als das 
Tiefste, durchbricht alle aufliegenden Gesteine in Buckeln und Gängen, 
und verändert sie auf merkwürdige Weise. Der Schiefer, der an- 
derwärts als Mergelschiefer erscheint, wird in seiner Nähe zu 
glänzendem Thonschiefer, Glimmerschiefer und Talk- 
schiefer, der gewöhnliche Alpenkalk zu Dolomit und weis- 
sem Marmor. Ausserdem treten, in bedeutender Entfernung 
von den Urgebirgsketten und mitten zwischen Kalk- und Dolomitmassen, 
mächtige Stücke von Hornblende-Gesteinen auf, die durch 
ihre Kuppenform und die deutliche Auflagerung auf Kalk, welcher Spuren 
organischer Überreste zeigt, ihren plutonischen Ursprung verrathen. 
Andere Kuppen in ihrer Nähe bestehen aus Diorit und Diorit- 
Mandelstein, identisch mit denjenigen des Kampfstockes in Gla- 
rus und dem von Sonthofen in Südbaiern. Auf der entgegengesetzten 
Seite dr Kalk- und Dolomit-Gebirge treten Quarz-Por- 
phyre hervor, umlagertvon rothen Sandsteinen, die eine grosse 
Ausdehnung gewinnen und in jeder Hinsicht mit dem Konglomerate des 
Sernftthales übereinstimmen. Gegen Engadin zu endlich kommen diese 
manchfaltigen Gesteine noch in Konflikt mit den hohen, vergletscherten 
Syenit- und Granit-Ketten, welche das obere Engadin vom übri- 
gen Bündten trennen, und auch hier findet Auflagerung der körnigen 
Gesteine auf die geschichteten und auf Kalk Statt. Obgleich ich mich 
auf dieser Reise nicht mehr als sonst schonte und mehreremale in Ge- 
fahr war, mit meinen Leuten den Hals zu brechen , so sehen Sie doch 
wohl ein, dass 14 Tage nicht ausreichen konnten, die so äusserst ver- 
wickelten Verhältnisse erschöpfend zu untersuchen. Ich werde daher 
zwar das bereits Gesammelte zu verarbeiten und auf eine geognostische 
Karte zu bringen suchen , allein zur ganz befriedigenden Vollendung 
ist wohl noch eine oder sind gar mehrere Reisen nothwendig. WachH- 
WER hat sich mit mehreren seiner Schüler ebenfalls in Bündten herum- 
getrieben, und auch BErTRAND-GesLın gab mir ein Rendez-vous auf 
Chur und Chiavenna ; leider habe ich beide verfehlt. Im nächsten Heft 
der geographischen Zeitschrift von FrögeL in Zürch sollen auch Aus- 
züge aus den Escuer’schen Papieren über Bündten erscheinen, so dass 
wir bald ein Mehreres über dieses noch so wenig hekannte Land wissen 
werden. Arnorp Escher ist sehr fleissig mit seiner Untersuchung der 
kleinen Kantone beschäftigt, und wir haben von ihm eine sehr genü- 
gende Arbeit über die alpinischen Kreide-Bildungen und die Hebungs- 
Verhältnisse der mittlen und östlichen Schweiz zu erwarten, eine 
Arbeit, die sich unmittelbar an die meinige über die westlichen Alpen 
und über Bündten anschliessen und über beide neues Licht verbrei- 
ten wird. 

Zu meinem Verdrusse sehe ich mich bewogen, gegen einige Äusse- 
rungen von unserem Freund BovE aufzutreten, und möchte Sie bitten, ge- 
legentlich meine Reklamationen zu öffentlicher Kunde zu bringen. Ich 


- 640 — 


glaubte durch meine Untersuchungen über die Molasse diesen allerdings 
verwickelten Gegenstand doch in so weit aufgeklärt zu haben, dass 
kein Zweifel mehr über die Einheit der ganzen Molasse- und Nagel- 
fluh-Bildung, die Einordnung der Nagelfluh des Rigi und der südlich 
fallenden Nagelfluh überhaupt in diese mächtige Formation und über den 
neueren tertiären Charakter der ganzen Bildung erhoben werden könnte. 
Bov£E sucht indess seit mehreren Jahren diese Resultate von Neuem: in 
Frage zu stellen, und in seiner neuesten Kritik der Arbeiten von Erıs 
ps BeAumomT spricht er sich so bestimmt aus, dass man fast glauben 
sollte, seine ihm eigenthümliche Ansicht habe in der Wissenschaft be- 
reits allgemeine Anerkennung gefunden. Dieser Ansicht zu Folge müsste 
nämlich die Nagelfluh des Rigi, und also wohl die ganze Masse der 
südlich fallenden Nagelfluh überhaupt, von der Molasse getrennt und 
der Kreide-Bildung angeschlossen werden , der Tertiärzeit blieben nur 
die vereinzelten Nagelfluhbänke mit Austerschaalen, welche auf dem 
Belpberg und an anderen Punkten mit Molasse abwechseln, und es 
dürfte noch bezweifelt werden, ob Molasselagen, welche Muscheln : der 
Tertiärzeit einschliessen, in einer anderen, als horizontalen oder wenig 
geneigten Lage gefunden werden. Gewiss hätten Escuer und Eszr, 
denen das Einschiessen der Rigi-Nagelfluh unter den Kalk und die 
aufrechte Stellung der Molasselager in der Nähe der Alpen so vielen 
Anstoss gab, nicht ermangelt. den für sie unauflöslichen Knoten durch 
jene Trennung in eine sekundäre und tertiäre Molasse und Nagelfluh 
zu zerschneiden, wenn ihnen die Natur auch nur den scheinbarsten An- 
haltspunkt für diese Ansicht dargeboten hätte. Im Gegentheil ‘finden 
wir aber gerade durch sie, sowie durch H. v. Bucn, Grüner und alle 
früheren Geologen die Einheit der Molasse-Bilduug allgemein als ein 
Faktum anerkannt, und als ich im J. 1825 diesen Gegenstand von 
Neuem zu behandeln hatte, blieb mir nur übrig, die bereits in die Wis- 
senschaft aufgenommene Thatsache durch neue Belege zu unterstützen. 
Der ununterbrochene Zusammenhang der südlich fallenden , vertikal ste- 
henden, und der horizontalen Molasse in allen Durchschnitten, welche die 
Formation bis an den Fuss der Kalkalpen aufgeschlossen haben, das 
Vorkommen von Petrefakten der jüngsten Tertiär - Zeit in steil südlich 
fallender Molasse bei St. Martin, Guygisberg, Gurnigel, Luzern, und 
der gänzliche Mangel älterer Petrefakten selbst in den tiefsten Lagern 
der Molasse scheinen mir wenigstens für den ganzen Theil der Bildung, 
in welchem bis jetzt organische Überreste waren gefunden worden, d.h, 
gerade für die der Alpen vorliegende Hauptmasse, überzeugend den ter- 
tiären Charakter zu beweisen, und alle seitherigen Erfahrungen, die 
Entdeckung von Paläotherien in dem fast vertikalstehenden Sandstein 
am obern Zürichersee, die von Palmblättern in dem Sandstein von 
Utznach, von Süsswasserfischen am Gurnigel u. s. w., haben diess Re- 
sultat fort und fort bestätigen helfen. Bou£ beruft sich zwar auf Fu- 
coiden, welche Berrrann-Gestin in der Nagelflub des Rigi gefunden 
habe, allein, so viel mir bekannt ist, hat B.-G. dieselben nicht im Zäment 


-— 641: — 


der Nagelfluh, oder in untergeordneten Molasse-Lagern, sondern im In- 
nern von Nagelfluh-Geschieben entdeckt, was denselben eine sehr ver- 
schiedene Bedeutung giebt, und gerade das Gegentheil von dem beweist, 
was Boue mit ihrer Hülfe unterstützen möchte, und weder H. Mousson, 
noch H. ArnoLp EscHer’n, welche in den letzten Jahren den Rigi gerade 
in dieser Beziehung mit vielem Fleiss und wiederholt untersucht haben, 
ist es gelungen, je eine Spur von älteren organischen Überresten in 
seinen Lagen aufzufinden. So lange daher Herr Bou£ nicht schärfere 
Beweise für seine Behauptung anzuführen vermag, glaube ich nicht, 
dass die ältere Annahme aufgegeben und einer Trennung der Nagel- 
fluh und Molasse in eine sekundäre und eine tertiäre, oder auch nur in 
eine alt- und neu- tertiäre, Beifall geschenkt werden solle. 


B. StuDEr. 


Dreissigacker den 10. Sept. 1834. 


Seit Kurzem wurde in meiner Nachbarschaft eine geologische Er- 
scheinung wahrgenommen, welche mit der. seit mehreren Jahren in der 
Grafschaft Dumfries in Schottland beobachteten, grosse Ähnlichkeit zu ha- 
ben scheint. Es finden sich nämlich auf der unteren Fläche einer 
Sandstein-Schicht, welche in mehreren Steinbrüchen bei Weikersrode 
unweit Hildburghausen ungefähr 15—18 Fuss unter Tage vorkommt, 
Erhabenheiten, die offenbar Abdrücke von Fährten sind und höchst 
wahrscheinlich Amphibien ihre Entstehung verdanken. Man unterschei- 
det deutlich Fährten von grössern und kleinern Thieren, welche bald ne- 
ben einander herlaufen, bald sich kreuzen; aber auch bei den von einem 
Thiere herrührenden Fussstapfen (welche fast wie bei unserem Fuchse 
in eine Reihe fallen — schnüren, nach der Jägersprache —) wechselt 
stets ein grösserer mit einem auffallend kleineren ab. Die 
grössten, die etwa 8 Zoll lang und nicht völlig halb so breit sind, ha- 
ben auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit einer Menschenhand, an welcher 
der Daumen etwas weit rückwärts steht. Ich bin jedoch geneigt anzu- 
nehmen, dass diese etwas weit nach hinten und nach aussen stehende 
Erhöhung nicht von Eindrücken einer fünften Zehe, sondern von der Hand- 
und Fusswurzel etc, herrührt, und in diesem Falle würden jene Thiere 
vier Zehen an allen Füssen gehabt haben. An mehreren jener Abdrücke 
bemerkt man auch Zeichen von Nägeln. — Unmittelbar unter dieser 
Sandstein-Schicht findet sich eine dünne J.age von ziemlich hartem bläu- 
lichem Letten, welcher im weichen Zustande die Eindrücke von den Füs- 
sen der darüber laufenden Thiere erhielt, und dann durch Austrocknen 
fest wurde, ehe sich die darauf ruhende Sandstein-Schicht bildete, welche 
auf diese Weise Abdrücke von den Vertiefungen der Letten-Schicht lie- 
fert. Man sieht desshalb auch die untere Fläche dieser Sandstein-Schicht 
von erhabenen, ebenfalls aus Sandstein-Masse bestehenden, Leisten in 
den verschiedensten Richtungen fast Netz-formig durchzogen, 


—- 642 — 


welche höchst wahrscheinlich ihre Entstehung den’ Rissen ver- 
danken, die in der Letten-Schicht durch das Austrocknen entstunden, 

Wir verdanken die Entdeckung dieser geologischen Merkwürdigkeit 
Herrn C. Barrn in Hüdburghausen, der zuerst diese merkwürdig ge- 
formten Steine sorgfältiger beachtete, und der mir auch versprochen hat, 
sie durch Zeichnungen (für deren vollendete Ausführung sein Name hin- 
länglich bürgt) und Steindruck getreu darzustellen. Bei ihm sah sie 
einer meiner Kollegen, H. Forstkommissär GLEIcHmAnn, welcher sie so- 
gleich für Abdrücke von Fährten erkannte und auch von den erhabenen 
Leisten die oben erwähnte, mir völlig richtig scheinende Erklärung gab. 
Dieser ertheilte mir die erste Nachricht davon und begleitete mich auch 
vor einigen Tagen, wo.ich die Sache an Ort und Stelle, jedoch von 
der Zeit gedrängt nur flüchtig, untersuchte. Nach dieser flüchtigen Un- 
tersuchung muss ich das Gestein zur Formation des bunten Sand- 
steins nehmen, ungeachtet seine petrographische Beschaffenheit wenig- 
stens in den obern Lagen manche Ähnlichkeit mit Sandsteinen aus jun- 
gen Formationen hat. Ich behalte mir vor, sobald mir meine Zeit eine ge- 
naue Untersuchung gestattet, über das Ganze ausführlichere Auskunft 
zu geben. 


Reınnarp BERNHARDI, 


Mittheilungen an Professor BRoNN gerichtet. 


West-Point, 17. September 1834. 


Sie erkundigen sich in Ihrem letzten Briefe nach dem Vorkommen 
der Cidariten- Stacheln bei uns, insbesondere nach dem von Cida- 
rites glandiferus, den Sie von Lebanon erhalten haben. Aber es 
gibt mehrere Orte dieses Namens. Ich kenne inzwischen mehrere Orte, 
wo Cidariten-Stacheln im Kalke vorkommen, — und wo sie sich fin- 
den, da ist das Gestein allezeit überlagert von einem Kalkstein voll 
Trilobiten, Enkriniten, Lilien-Enkriniten, Pentakri- 
niten und verschiedenen Koralloiden, mithin, wie es scheint, von 
einem Kalke der Oolith- oder Lias-Formation [?]. Die Lilien-Enkriniten 
sind jedoch selten, — Hırcncock’s @eology of: IMassaehuzchls ist im 
Druck erschienen. 


W. W. Maruer, 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 


1830. 


Dusvisson: catalogue de la colleıtion mineralogique, geognostique et 
metallurgique du departement «le la Loire Inferieure. Nantes 8°. 


1831. 


Kurrrer: Handbuch der rechnenden Krystallonomie. Petersburg, mit 
14 Tafeln, 4°, 


1852. 


MorrEN: Memoire sur les ossemens humains des Tourbieres de la 
Flandre. Gand 8°, (vgl. Jahrb. 1834, S. 370.) 
J. REenseL: an Investigation of the Curren!s of the Atlantic Ocean, Lon- 
don 8°, Atlas in Fol. 
1833. 


Bercnaus ; Deutschlands Höhen, 2te Aufl. Berl'n 8. 

J. Reınn. Brum: Lehrbuch der Oryktognosie, Stuttgardt, 486 pp: (als 
Theil der „Naturgeschichte der drei Reiche“ von Biscnorr, Brum, 
Bronn, v. LEONHARD, LeuckarT und Voigt‘) 

C. R. Brurp: Description. historique de sa cullection de mineralogie 
appliquee aux arts. Paris 8°. 

(0. C. D.) Beschluss der Kritik über die bisheri,ge geologische Theorie. 
Kölin. 18 SS. 8°, 

Davrevx: essai sur la constitution geognostique «de la province de Liege. 
Bruxelles in 4°, avec 9 planches de fossiles. 

Cu. Fr. Gauss. Intensitas vis magneticae terresiris ad mensuram abso- 
lutam revocata. Goettingae, 4°. 
Ger. Grauruie: Syntax of Mineraloyy. London, 1 plate in Fol. (Gra- 

phische Darstellung der Verwandtschaft der Mineralien.) 

Js. Lei: Contributions to Geology. Philadelphia 8°. 

Jahrgaug 1834. 42 


—_— 644 — 

Lecog: description pittorcsque du volcan de Pariou. Clermont 8°. 

Linprey and Hurron: The Fossil Flora of Great Britain etc. Nro _ 
IX—XII. (Vgl. Jahrb. 1833. S. 71, 329; 1834, S. 215.) 

Noran: the analogy of revelation and sciences etc. Oxford, 8°. (eine 
orthodoxe Streitschrift gegen die Geologen.) 

G. G. Pusch: Geognostische Beschreibung von Polen. Stuttgardt, 8° 


Ir. Band. 
C.C.R... Die Überfluthungen der bewohnten Länder. Quedlinb. 
und Leipz. 8°. . 


G. G. Cu. Reinwarpr: oratio de geologiae ortu etc. Lugd. Bat. 25 
pp. #°. (aus, den akadem. Verhandl.. abgedruckt.) 

Ls SıuLnıer DE Vaunerro: Memoire sur les alterrag ges des cötes de 
France. Paris, 49 avec 1 carte. 

Jos. Scnixro: Beiträge zur Bergbaukinde, insbesondere zur Bergma- 
schinen-Lehre. Mit Abbildungen. _ Wien 8°. 

W. C. Huco Starınc: specimen academicum inaugurale de Geoloyia 
patriae. Lugd. Bat 4°. 

Wırnam: the internal structure of fossil vegetables. Edinburgh, 4°, 
with 16 plutes.. - (Vgl. Jahrb. 11333, S. 71. Hier eine. neue Aufl.);; 

Vedute dei Volcani d’Iialia, ‚Wien. nie 


1834. 


Wırr. Amsworru: Au Account, «yf the Caves. of Baltyiian (Kerry). 
Dublin 8° with plates. 

Fr. v. Argertı: Beitrag zu eirier Monographie des bunten Sndalehıe, 
Muschelkalks und Keupers , und die Verbindung dieser Gebilde zu 
einer Formation. '366°88. 8! und 2 Steindrucktafeln.  Stuttgardt und 
Tübingen. o‘ i | © a L 

H. T. De’ıa Bieng: Resea rches ‘in Theoreticab 'Geology. London. 

Berruer: Essais par la voie seche pour les mineraux et les combu- 
stibles. Paris, II. &5°. 

Pr, Byranpt: Resume zyreliminaire d’un ouprage eu 4 volumes sur la 
theorie des Volcan:s. 8°, Naples, 1833; Paris, 1834. 

Dourrinoy et ELiE DE. Beaumont! mewoires pour servir a lu description 
geologique de la Frunce. Paris, II. 8°. av. pi. 

Dourrenoy: Memoire sur‘ la positiun geologique. des principales mines 
de fer de la partie vrientale des Pyrenees, accompugne de consi- 
derutions sur Vepoque de soulevement du Canigou et sur la na- 
ture du calcaire ale Rancie. Puris, 8°. av. pi. 

J. Fourwıer: apergu sur les r&volutions successives, qui ‚ont produit la 
configuration actuelle des Monts Dores. 8°. av. pll. 

Tu. EHlawsıns: Memoirs on Ichthyosauri and Plesivsauri. London, ıu 
Fol. with 28 Tabl. [2 Pfd., 10 Schil.] 

Hrum. v. Meyer: die fossilen Zähne und Knoehen und ihre Ablagerung 
in der Gegend von Georgensgmünd, untersucht und abgebildet. 
Frankf. a. M., 124 SS. und XIV Taf. 4°, [3 Guld. — aus dem. „Mu- . 

seum m besonders abgedruckt. ] 


— 645 — 


Murcnison: Outline of the Geology of tke Neighbourhood of Chelten- 
ham. Cheltenh. 8° with engrav. 

F. Le Pray: odservations sur Vhistoire naturelle et sur la richesse mi- 
nerale de ’Espagne. Paris, 8°. avec pll. 

Cu. Zimmermann: das Harzgebirge in besonderer Beziehung auf Natur- 
und Gewerbs-Kunde, Darmstadt, 1834, 8°. 1. 500 SS., II. 117 SS. 
16 Tff. und 1 Karte. ; 


ar 


B. Zeitschriften. 


1. Bulletin de la Societe geologique de France. Tome 
cinquieme; Resume des prugres des sciences geo- 
logigques pendant l’annde 1833. Paris, 1834, 506 pp. 
8°, (vgl. Jahrb. 1834, S. 217.) 

2. Gornoi Journal 1833. (Vgl. Jahrb. 1833, S. 346.) 


Heft V. TscnecLerzorr: Geologische Beobachtungen über den Kreis 
Tscherdin im Gouvt. Perm, — mit 1 geolog. Karte und 
Durchschnitten. r 


— VI. Prorossorr: über die Aufsuchung der Erz-Lagerstätten im nörd- 
lichen Theile des Ural. 


42 * 


Aus, z üg,e, 


I. Mineralogie, Krystailographie, Mineralchemie. 


G. Suckow (im System der Mineralogie, Darmstadt 1834) 
beobachtete 1) am Anhydrit ziemlich vollkommene Spaltbarkeit in 
der Richtung des Prismas von & P; 2) am Cölestin von Dorndurg 
mehrere auch an Sicilianischen Varietäten vorkommende Kombinationen, 
besonders hohes spezifisches Gewicht und röthliche Farbe: 3)am Bora- 
cit neue Kombinationen von homoedrischen und hemiedrischen Gestal- 
ten; 4) am Lazulith Kombinationen der Pyramide mit dem Prisnıa 
und der Endfläche ; 5) an mehreren in vulkanischen Gesteinen einge- 
wachsenen Individuen des Leucits die Kombinationen 202-@0 @; 
6) am Triphan von Massachussetts besondere optische Eigenschaften; 
7) an Krystallen des Wernerits aus Derbyshire Kombinationen, wel- 
che die Fläche o P sehr deutlich repräsentiren,; 8) am Gelbbleierze 
vom Bleiberg in Kärnthen viele Individuen oktaedrischer Krystallforn 
analog dem Strahlkies von Almerode und zwar so mit einander verbun- 
den, dass sie wiederum eine Oktaeder-förmige Gruppe darstellen; 9) an 
Vitriolbleierz-Krystallen fünf Combinationen, von welchen ei- 
nige am Schwerspathe und Cölestine vorkommen , andere denen dieser 
beiden Mineralien so unähnliceh sind, dass sie mit ihnen keine Glieder 
isomorpher Reihen bilden ; 10) am Chlormerkur vier Kombinationen 
von Säulen-artigem Habitus; 11) am Spatheisensteine und Man- 
ganspathe scharf- sowie auch Sattel-artig gekrümmte Polkanten, 
letztere jedoch nur bei einem Kalkgehalte, und an diese Beobachtungen 
schliessen sich noch andere aus dem Kalkgehalte. gewonnene Deutun- 
gen so mancher anderen, krystallographischen Eigenschaften dieser bei- 
den Mineralien; 12) an den säulenförmigen Grün- und Braun-Blei- 
erz-Kıystallen der Kombination &® P- P-2P 2 durch Kreutzungs- 
Zwillinge, deren Neigungswinkel — 72° 22° 4’ ist, und zwar nach 
dem Gesetze: die Zusammensetzungsfläche parallel ei- 
ner Fläche 2P2, die Umdrehungsaxe auf der Zusam- 


— 647 — 


mensetzungsfläche senkrecht. Daran schliesst sich noch das 
aus Vergleiehungen gefundene Resultat, dass diejenigen Braunbleierze, 
welche das meiste Phthor enthalten, die complicirteren Formen bilden; 
13) in der chemischen Konstitution der Rutil-Krystalle aus Sibi- 
rien einen Eisenoxydgehalt = 2,533 p.C., der die auffallenden krystallo- 
graphischen Abweichungen zwischen Rutil und Anatas ebenso, als die 
Analogie zwischen Rutil und Nigrin erklärt; 44) am Chromeisen- 
erze sowohl oktaedrische Zwillinge nach dem Gesetze: die Zusam- 
mensetzungsfläche paralleleiner Oktaederfläche, die 
Umdrehungsaxe auf ihr seukrecht, als auch Granatoeder; 
15) am Tellur die rhomboedrische Kombination 2 R.oR. xR; 
16) am Fahlerze die homoedrischen Krystallformen & 0; © 0.0; 
n 0.» O © und RO. 20 2. Entscheidend sind die Gründe ge- 
gen die Annahme eines gegenseitigen Vertretens der Kupfer- und Sil- 
ber-Bestandtheile, so wie für die Annahme eines Austausches von Anti- 
mon gegen Arsenik ; 17)am Schwefelkies anomale Bildungen, welche 
theils in tiefen, nach dem Mittelpunkte hin Statt findenden, Trichter- 
förmigen Vertiefungen , theils in dergleichen Einsenkungen namentlich 
solcher Flächen bestehen , die in normalen Fällen über andere hervor- 
ragen; 18) am Schwefel Tafel-artige Kombinationen; 19) am Gra- 
phit rhombische Säulen, deren Flächen stumpfe Winkel von 14340 bil- 
den; 20) am Honigsteine auffallende Deformitäten im der Konfigu- 
ration oktaedrischer Krystalle. Allen diesen krystallographischen Nach- 
weisungen sind bildliche Darstellungen beigegeben. 


STROMEYER: chemische Analyse des Allanıts von Iglorsoit 
in Grönland. (Gött. gel. Anz. 1834, S. 737 ff.) Eigenschwere — 3,4492. 
Beim Glühen in einer Glasröhre gab das Mineral etwas Wasser aus, 
blähte sich dabei stark auf und verwandelte sich in eine spongiöse grau- 
gelblich weiss gefärbte Masse, welche sich bei fortgesetztem Rothglü- 
hen anfangs dunkler färbte und eine mehr gelblich braune Farbe an- 
nahm, zuletzt aber nach lange anhaltendem Glühen rothbraun wurde, 
ohne jedoch bei diesem Feuersgrade in Fluss zu kommen. Wurde die- 
selbe aber in einem Platinlöffel bis zum anfangenden Weissglühen er- 
hitzt, 30 schmolz sie rasch zu glänuzendem schwarz gefärbtem Glase. — 
Vor dem Löthrohr blähte sich der Allanit gleich bei der ersten Einwir- 
‘kung der Löthrohrflamme stark auf, fing darauf an zusammen zu sin- 
tern und bei fortgesetztem Blasen zu einer schwarzen sehr spröden 
Glasperle zu schmelzen. — Vor der Marcet’schen Lampe blähte sich 
derselbe nicht allein rasch auf, sondern schmolz auch bald mit ausneh- 
mend grosser Leichtigkeit zu einer sehr glänzenden schwarzen Glas- 
perle. — Mit Borax vor dem Löthrohr zusammen geschmolzen löste er 
sich nur sehr langsam und schwierig in demselben auf, hingegen vor 
der Marcet’schen Lampe mit grosser Leichtigkeit und auf das vollstän- 
digste. Die geschmolzene Perle zeigte während des Glühens und so 


_. gie: — 


lange sie noch heiss war, eine fette honiggelbe Farbe, die beim Erkal- 
ten nur sehr blass grünlich-gelb gefärbt erschien, aber von Neuem er- 
hitzt wieder honiggelb wurde. Dieselbe war vollkommen durchsichtig. 
. — Salz-, so wie Salpeter-Säure bringen den Allanit sehr leicht zum Ge- 
latiniren und lösen ihn mit Unterstützung der Wärme in mässig kon- 
zentrirtem Zustande vollständig auf. Die bei Ausschluss der Luft durch 
Salzsäure erhaltene Auflösung ist farbelos und enthält das Eisen und 
Cerium im strengsten Minimo der Oxydation. Nach einem Mittel aus 
drei nur wenig von einander abweichenden Analysen ist der Allanit 
zusammengesetzt aus: 
Kieselerde, . ne 1. near na en 
Alaunerdenst aus: «lesen m DDR 
Cerium-Protoxyd . . 2 2 2 0 .2.. 21,600 
Eisen-Protoxyd . . 2 2 2°. . 15101 
Mangan-Protoxyd . . 2 2 02. ° 0,404 
Kalle oc lhen. a 08 Ka er lee SEHEN 
Wasser a. ne Kelle el era ara 
99,432 
Der Allanit kommt sonach in seiner Mischung dem Orthit von Ber- 
zetivs am nächsten und unterscheidet sich von demselben hauptsächlich 
nur dadurch, dass dieses Mineral neben dem Cerium etwas Yttrium ent- 
hält, wovon in jenem keine Spur ist. 


En. v. Koserr: über den Onkosin. (ERDMANN und SCHWEIGGER- 
Seiner, Journal für prakt. Chem. Il, 295 f.) Vorkommen in derben, 
zum Theil rundlichen Massen im Dolomit, der kleine Glimmerschuppen 
eingemengt enthält, bei Posseyen unfern Jamsweg im Lungau in Salz- 
burg. Dicht; Bruch feinsplitterig bis unvollkommen muschelig; lichte- 
apfelgrün ins Grauliche und Braunliche; schimmernd und wenig fett- 
glänzend; durchscheinend; an Härte zwischen Steinsalz und Kalkspath; 
Eigenschwere — 2,80. Vor dem Löthrohre sich aufblähend und leicht 
schmelzbar zu weissem, blasigem, glänzendem, etwas durchscheinendem 
Glase. Im Kolben wenig Wasser gebend. In Borax langsam aber voli- 
kommen zu ungefärbtem Glase lösbar. Das feine Pulver wird von kon- 
zentrirter Salzsäure weder vor, noch nach dem Glühen oder Schmelzen 
merklich angegriffen; Schwefelsäure zersetzt es unvollkommen, Resul- 
tat der Analyse: 

Kieselerde, 2... 13... oe 
Thonerder wos. ey. Sa 230588 
Malkerde «u na 2. 0.0 ma 2 a 2ER 
Bisen-Oxydul ..,. wien). .d 2.405, 080 
Kal u 2. VASEN a UN 6558 
Wasser ie a u nalen ee ea 


99,00 


— 649 — 


Die Mischung des Onkosins steht der des Agalmatoliths am‘ näch- 
sten; allein das Löthrohr-Verhalten ist verschieden. Wahrscheinlich ge- 
hört ein Theil des sogenannten verhärteten Talks von Werner 
zu. dieser Gattung. 


 Arım. ConnerL: Analyse des Levyn (Lond. a. Edinb. philos. 
mag. 1834 July, V. 40—44.). Es ist nach Brewster wahrscheinlich, 
dass BerzeLius die auf einem, ihm zur Analyse von ersterem zugeschick- 
ten, Handstücke beisammen sitzenden Krystalle von Levyn und Chabasie 
miteinander vermengt hat und so zu dem Ausspruche gekommen ist, Levyn 
seye nur eine Modifikation der Chabasie. Desswegen unternahm Cox- 
NEL diese neue Analyse von aus Irland (Skye etc.) stammenden Krystallen 
genau nach der dureh Haıpınger beschriebenen Form. Eigenschwere 
— 2,198 bei 55° Fahrenh. Durch Erhitzung verlor das Mineral 0,195 
Wasser. Das Pulver gelatinirt mit Salzsäure unter Temperatur-Erhö- 
hung. Die Zusammensetzung ist: 
Levyn nach Levyn nach Chabasie, 
CoNNEL BERzELIUS BERZELIVUS 
Kieselerde ). . .. 046350 u. .0,4800 =.» 0,5065 
AMlaunendersin |. .....102247.. .....02000... 0,1290 
MRlkerden are ea 0,0072 0,0835 7 0,0937 
FRalkerdents ee. . 2.800407. 7.27% ; 
Natron. 0. 001200155 0 0,1930 8. 0,0170 
DE hl ae er u 3.0: © ragt a LUNG Merken 
NVaSsen me a a ae, (OLSDOR 7. U 0 40,1950 7.007 05900 


4 Eisenoxyd ® [) ® D) o ® 0,0077 « « « @ « ° 
Manganoxyd . - . 2 » 0,0019 , ,„. er 
1,0177 1,1576 0,9952 


Demnach wäre die chemische Formel für die Zusammensetzung des 
Levyn’s 
C 
N! StH3AS? + 5Ag. 
p 
‚Da sich nun zu. dieser abweichenden chemischen Zusammensetzung 
noch krystallographische und optische Verschiedenheiten: von der Cha- 
basie, gesellen, so müssen beide ‚Mineralien als verwandte, doch spezi- 
fisch verschiedene Arten angesehen werden. Die Raute des Levyns hat 
nach. Haınıncer 92° 29’, die der Chabasie 94° 46‘. Jener hat nach‘ 
Brewsrer, wie andere rhomboedrische Krystalle eine Achse mit doppel- 
ter, Strahlen-Brechung,, diese ‚lässt ganz. unregelmässig optisches Ver- 
halten erkennen, 


Ar. Conserr: über den Dysklasit, ein neues Mineral 
von Feroe, Vortrag bei der Edinburger Sozietät, 1834, 6. Jänner, 


(U Institut, 1834, II, 245.) Graf Vırcas BeDEMmAR ‚hat dieses Mineral 
von den Feröern mitgebracht. Es ist rein weiss, etwas opalisirend und 
durchscheinend, stark glasglänzend, etwas härter als: Fluor. Textur 


unvollkommen faserig, Fasern stellenweise divergirend und sehr regel- 


mässig, dem Krystallinischen sich nähernd. Eigenschwere == 2,362, 
sehr hart, schwer zersprengbar, auf welche Eigenschaft sich der Name 


Dysklasit (von öv0rAd@) bezieht. Seine chemischen Bestandtheile sind : 


Kieselerde . . . . 0,5769 
Kalkerde „ . . . 0,2683 


Wasser. . . . 0.0.1471 Es ist mithin ein Quadri- 
Natron „. 2 2 © . 0,0044 Silikat von Kalk - Hydrat, 
Kali - 2.7. +»... 0,0033 nach der Formel 
Eisenoxyd . © . . 0,0032 9StC + 16 Aq. 
Manganoxyd . . . 0,0022 

1,0044 


Nach Davın Brewster besitzt das Mineral eine doppelte Strahlen- 
Brechung, reflektirt ein bläuliches Licht, lässt mithin ein gelbliches durch, 
und ist nicht pyro-elektrisch, 


C. U. Surrarp: mineralogische Notizen über verschie. 
dene Theile von New England. (Sırıman, Amerik. Journ. of Sc., 
XVIII, p. 126 f.) Granaten bei Hannover in einem aus Horn- 


blende und Quarz gemengten Gesteine, hin und wieder mit Schuppen 


von schwarzem Glimmer. Die Granaten, stets Rauten - Dodekaeder und 
sehr vollkommen ausgebildet, zeigen sich durch die ganze Masse verbreitet. 
Bei der Stadt Piermont kommen Granaten in Glimmerschiefer vor, welche 
fast ohne Ausnahme als in die Länge gezogene Rauten-Dodekaeder sich 
darstellen. Staurolithe am Mink Pond unfern der Stadt Landaff'; 
sie gehören, rücksichtlich ihrer Grösse und der Vollkommenheit der Kry- 
stalle, zu den ausgezeichnetsten in den Vereinigten Staaten, auch fin- 
den sich dieselben in der genannten Gegend in grosser Menge. Das 
Gestein ist Gneiss. Die Staurolith - Krystalle wechseln in der Länge 
von 4 bis zu 2 Zoll. Zwillings - Verbindungen werden seltener getrof- 
fen. Granat-Krystalle sieht man oft mit den Staurolith -Krystallen ver- 
wachsen. Auch in den einzelnen Gneiss-Blöcken der Franconia - Eisen- 
Grube kommen häufig Staurolithe und Granaten vor. In derselben Ge- 
gend: Epidot-Krystalle, nicht minder gross und schön, wie die 
"Arendaler, auf Quarz - Gängen, begleitet von Hornblende, Kalkspath, 
Chlorit und Eisenkies, Magneteisen, auf Gängen, von einigen 
Zollen bis zu mehreren Fuss mächtig, im Gneisse, und mit dessen La- 
gen, welche beinahe senkrecht stehen , gleiches Fallen zeigend. Das 
Erz ist vorzüglich dicht und springt, beim geringsten Hammerschlag, 
in rhombische Prismen, deren Winkel ungefähr 100 bis 120° betragen. 
Diese Spaltungs - Fähigkeit ist von grösster Wichtigkeit für den Berg- 


— 61 — 


bau, wie für die Hütten - Arbeiten; auch die blosse Erhitzung von Ei- 
sen-Massen im Ofen ruft jene eigenthümliche Absonderung hervor. Nur 
selten kommen’ dodekaedrische Magneteisen - Krystalle vor, und diese 
sind in Epidot eingewachsen, zuweilen begleitet von Eisenglanz und 
Kalkspath. 


H. Frick: chemische Untersuchung des Nadelerzes 
(Poscenp, Ann. B. XXXI, S. 529 ff): ! 
Schwetelnlen®.sleasenre kenne 
Wismuth..; liae4sl el) verlıenre ie 36,45 
Bleissst aoriı ana kahl. er ee 30 
Kupferun. dns Äntsa alesaelne: vilats 21059 
99,70 


C. Naumann: über eine eigenthümliche Zwillings- 
Bildung des: weissen Speiss-Kobaltes. (Daselbst; S. 537.) 
Lässt sich nicht im Auszuge mittheilen. 


v. Kopei: über das Titaneisen aus dem Spessart (Erv- 
MANN und SCHWEIGGER - SEIDEL’S Journ. für Chem. 1. B. S. 87). Das 
Resultat der Analyse war: 

Titansäure 2 0 ee. 02020 1416 
EisenoxydiY ash als nie 75,00 
Eisenoxydul ı . 2 2 ee 00200 10,04 
Manganoxydull . 2 22 20020000 .0.80 

100,00 

Dieses Titaneisen nähert sich in seiner Zusammensetzung am mei- 
sten den von Corvırr analysirten Arten von Niedermendig [nicht 
Niedermennich], vom Puy [le Puy ?], von Teneriffa, vom Vesuv, Ätna 
u. s. w., dürfte jedoch, aus krystallographischen Gründen, als eigen- 
thümliche Spezies zu betrachten seyn. 


G. Rose: Verhältniss des Augitszur Hornblende. 
(Possenn. Ann. B.XXXI, S. 609 #.) Seit des Verf’s. Entdeekung, dass 
in’den Grünsteinen vom Ural Krystalle enthalten sind, welche bei der 
äussern Form des Augits nur die Spaltungs-Flächen der Hornblende 
haben (sie werden von ihm Uralite genannt), fand er ähnliche Er- 
scheinungen in den Grünsteinen von T'yroö und von Mysore in. Ostin- 
dien; auch weist derselbe solche an aufgewachsenen. Krystallen von 
Arendal nach. Neuerdings vermochte Rose die Zahl der Fundorte 
noch mit einem neuen zu vermehren, indem er die Bemerkung, machte: 
dass auch der sogenannte Smaragdit aus Korsika, welcher in Kry- 


ME 


stallen oder krystallinischen Körnern in 'Saussurit) eingewachsen vor- 
kommt, und damit die, Verde di Corsica: genannte, Felsart bildet, nichts 
anders als Uralit sey. — Der Verf. geht in vergleichenden ‚Betrach- 
tung .der bekannten Hıisıncer’schen Untersuchungen der Smarag- 
dite von verschiedenen Fundorten und seiner Wahrnehmungen ein, 'und 
reiht daran höchst interessante und wichtige Bemerkungen über die 
Arendaler Krystalle, sowie über die Uralite aus dem Ural u. s. w. 
Am'Schlusse sagt er: „Sind die Uralit-Krystalle in Hornblende 
veränderte Augit-Krystalle oder After-Krystalle’ der Hornblende, so sind 
sie das erste Beispiel, dass After-Krystalle- Spaltungflächen haben, Ge- 
wöhnlich besteht das Innere der After-Krstalle in’'einer mehr oder we- 
niger grobkörnigen bis dichten, oder aus einer faserigen Masse; die 
faserigen Individuen- stehen entweder senkrecht -auf’den äusseren Flä- 
chen des After Krystalls, wie bei geschmolzenem Zucker, wenn er sich 
in krystallisirten umgeändert hat, oder bilden Büschel - förmige Aggre- 
gate, die von Aussen nach Innen gewachsen sind, wie bei den After- 
Krystallen des Malachits in der Form der Kupferlasur. Vielleicht be- 
stehen aber auch die Uralit-Krystalle aus faserigen Individuen, die nur 
nicht, wie gewöhnlich, rechtwinkelig oder sehiefwinkelig‘in Büscheln 
gruppirt von Aussen nach Innen gewachsen sind, sondern untereinan- 
der und der Hauptaxe des Augit-Krystalls parallel liegen, und ausser- 
dem noch die bestimmte: Lage gegen ' den’Augit-Krystall 'haben ‚» dass 
die Abstumpfurgsfläche ihrer vorderen: « (stumpfen )  Seitenkante: ‚der 
Abstumpfungsfläche der vordern (scharfen.)' ' Seitenkante des‘ Augits 
parallel ist. ‘Das auffallend. faserige Ansehen und der Seiden - artige 
Schimmer , welchen die Spaltungsflächen des Uralits zeigen, und das 
drusige Ansehen, welches. aufgewachsenen .Uralit - Krystallen eigen ist, 
machen diese’ Ansicht wahrscheinlich. _ Die" regelmässige Gruppirung 
der faserigen Individuen kann durch die Spaltbarkeit des Augits parallel 
den Flächen seines vertikalen. Prismas und. den : Abstumpfungsflächen 
seiner scharfen und stumpfen Kanten veranlasst, und dureh: die grosse 
Ähnlichkeit in der ‘Form zwischen Hornblende iund Augit ‚begünstiget 
seyn.’ Hiebei bleibt 'nun noch eine besondere; Frage, ob 'beihdieser Um- 
änderung die chemische Zusammensetzung des. Augits sich verändert 
oder nicht, ob man also Hornblende und Augit für zwei dimorphe Sub- 
stanzen wie Arragonit und Kalkspath, oder vielleicht richtiger noch 
wie 'Granat und Vesuvian, .oder nur für zwei sehr ‘ähnlich zusammen- 
gesetzte, wie etwa’ Malachit und Kupferlasur ‚anzusehen. hat. Ich habe 
die Frage über .die chemische Zusammensetzung‘ des Augits und 'der 
Hornblende ‘schon früher erörtert. Die chemische Zusammensetzung 
beider: Substanzen ist ‚sich allerdings 'sehr ähnlich, aber nach unserer 
Kenntniss nicht gleich zu setzen. Da wir indessen nicht‘ im Stande 
seyn 'werden , weder für den Augit noch für die Hornblende allgemein 
‚ gültige’ Formeln "aufzustellen, die aufgestellten Formeln immer nur für 
gewisse Fälle gültig sind, nicht aber auf die ganzen Gattungen’ passen, 
50 wäre ’es wohl'möglich , dass grössere Reihen von Analysen uns 


noch auf eine für beide Gattungen gültige Formel führen könnten, 
Die Umänderung der weissen Hornblende oder des Tremolits in weissen 
Augit oder Diopsid durch blosse Schmelzung spricht allerdings für 
gleiche Zusammensetzung des Augits und der Hornblende: aber ehe man 
nicht bewiesen hat, dass bei Schmelzung der Hornblende keine Ver- 
änderung in der chemischen Zusammensetzung , sei es durch Ausschei- 
dung einzelner Bestandtheile oder sonst irgend einen Umstand, vor sich 
geht, kann man diesen Beweiss nicht für entscheidend halten. — Die 
verschiedene Farbe, welche die in den Augit eingewachsenen Horn- 
blende-Theile gewöhnlich, wenn auch nur. in geringem Maase zeigen, 
welche also nach meiner Erklärung der Augit bei der Umänderung in 
Hornblende annimmt, deutet doch auf eine Umänderung der Masse, 
wodurch die Umänderung der Struktur von Augit in Hornblende her- 
vorgebracht wird. Diese Umänderung mag vielleicht darin bestanden 
haben, dass sich das in den Augiten enthaltene Eisenoxydul höher oxy- 
dirte; durch diese höhere Oxydation des Eisens entsteht ein geringeres 
Verhältniss der Kieselsäure zu den Basen, als in dem unzersetzten Au- 
git Statt findet, das aber vielleicht demjenigen sehr nahe kommt, ım 
welchem bei Thonerde-haltigen Hornblenden die Kieselsäure zu den Ba- 
sen steht. Es ist bekannt, dass diese Hornblende - Abänderungen viel 
weniger Kieselsäure enthalten , als die Thonerde - freien, und während 
bei diesen der Sauerstoff der Kieselsäure hinreicht, mit den Basen $ -bis 
neutrale kieselsaure Verbindungen zu bilden, er in jenen kaum hin- 
reicht, um %kieselsaure Verbindungen zu geben. Da Thonerde und Eisen- 
oxyd isomorphisch sind, so kann durch Aufnahme von Sauerstoff und 
Oxydation seines Eisenoxyduls der Augit eine chemische Zusammen- 
setzung erhalten, die mit der mancher Thonerde-haltigen Hornblende 
gleich kommt , und auf diese Weise also auch sich in Hornblende um- 
ändern. Diese Umänderung käme also in diesem Falle der der Kup- 
ferlasur in Malachit sehr nahe, die, wie schon Haıınger gezeigt hat, 
dadurch erfolgt, dass die Kupferlasur 1 At. Kohlensäure verliert und 
ı At. Wasser aufnimmt *). 


*) Welcher Meinnng man aber auch in Rücksicht der chemischen Zusammensetzung 
des Augits und der Hornblende anhängen mag, so würde, falls sich die An- 
sicht von der Umänderung des Augits in Hornblende, worauf, wie mir scheint, 
der jetzige Stand der Dinge hinweisst, bestätigen sollte, man gezwungen seyn, 
Hornblende und Augit für zwei verschiedene Gattungen zu halten, die, ungeach- 
tet der Ähnlichkeit der Form, durch keine Übergänge in einander übergehen, wie- 
wohl die Möglichkeit dazu vorhanden ist, und in geometrischer Hinsicht beide 
auf einander vollkommen reducirbar sind. Wenn aber auch eine Umänderung 
des Augits in Hornblende Statt findet, so schliesst diese eine regelmässige Ver- 
wachsung beider Gattungen nicht aus. Eine solche ist an gewissen Sahlit - Drusen 
‘wahrnehmbar, bei welchen sich die auf den Sahlit-Krystallen .aufsitzenden Horn- 
blende-Krystalle, ohne Beschädigung des darunter befindlichen Krystalls, herun- 
ternehmen lassen, zu deutlich, um sie läugnen zu wollen, und ist gewiss in allen 
Fällen anzunehmen, wo in einer regelmässigen Vereinigung von Augit und Horn- 
blende die letztere vollkommen glänzende, nicht faserige Spaltungsflächen hat. 


————————— 


— 654 — 


Chonikrit und Pyrosklerit, zwei neue Mineral-Spezies, 
beschrieben von F,v. KorerLL. (ErDmann und SCHWEIGGER-SEIDEL’S, 
Journal für Chem. IH. B., S. 51 fl.) Diese Mineralien kommen auf 
Elba miteinander und zuweilen sehr innig verwachsen vor, oft auch in 
Begleitung einer Talk-ähnlichen Substanz, die, theilweise zartfaserig, 
das Gestein in schmalen Adern und Streifen durchsetzt und ebenfalls 
neu zu seyn scheint. | 

Der Chonikrit bildet kompakte Massen von unebeu und unvoll- 
kommen muscheligem Bruche; ist weiss, mit einem Stiche ins Gelbliche 
oder Grauliche; matt, auch wenig schimmernd; durchscheinend, oft nur 
an den Kanten. Ritzt Steinsalz, ritzbar durch Flussspath. Milde. Spez, 
Gew. — 2,91. Vor dem Löthrohr für sich ziemlich leicht und unter Blasen- 
werfen zu grauem Glase schmelzbar. Im Kolben etwas Wasser gebend. In 
Borax langsam zu einem von Eisen wenig gefärbten Glase schmelzend; in 
Phosphorsalz grösstentheils unlöslich. In konzentrirter Salzsäure, als 
Pulver, ziemlich leicht zersetzbar; die Kieselerde scheidet sich ab, ohne 
zu gelatiniren. Chem. Gehalt: 


BKieselerde "u... 2.0.0 weele Sae 
Ehonerden 20. “u ee ee 
Talkerde N elle ne or en ie ee 
Kalkerde st... 0 0 alle dan nen Tran 
Eisen-Oxydull . . . 2... .. 0.1236 
WWassen a a u ee N IE 


Der Pyrosklerit hat krystallinische Struktur, ist nach einer 
Richtung vollkommen spaltbar, nach einer zweiten, zur ersten recht- 
winkelig, zeigt sich ein versteckter Blätter-Durchgang, das Krystallisa- 
tions-System ist folglich rhombisch, vielleicht klino-rhombisch; Bruch 
uneben und splitterig; auf den vollkommenen Spaltungs-Flächen schwach 
Perlmutter-glänzend, auf den Bruchflächen matt; durchscheinend; apfel- 
grün, stellenweise ins Smaragd-Grüne, auch lichte Graulichgrüne; ritzt 
Steinsalz, ritzbar durch Flussspath; Strichpuiver weiss; Spez. Gewicht 
— 2.74. Vor dem Löthrohr schwer schmelzbar zu graulichem Glase; 
in Borax langsam lösbar zu einem von Chrom grün gefärbten Glase; 
wird von Phosphorsalz nur schwer angegriffen; gibt im Kolben Was- 
ser; konzentrirte Schwefelsäure zerlegt das feine Pulver des Fossils 
vollkommen; die Kieselerde scheidet sich ohne Gallert - Bildung ab. 
Chem. Gehalt: 


Kieselerde -. . 2 2 2 2.200.022 37,03 
Thonerde era. Ve vo NIE 
Talkerde'.. 0.0... 0. „ea an 
Eisen-Oxydull . © 2 2 2 0 000.552 
Grünes Chromoxayd . . e © 0... 143 
Wasser iu. erste IR HT TED 

98,10 


—.. 659% — 


Der Pyrosklerit kommt dem krystallisirten Serpentin, Pikrolith u. a. 
w. in mancher Hinsicht sehr nahe, unterscheidet sich aber auffallend 


dureh den Gehalt an Thonerde. 


F. X. M. Zıeer: über den Steinmannit, eine neue Mine, 
ral-Spezies. (Verhandl. der Gesellsch. des vaterl. Museums in Böh 
men in der X1, allg. Versamml, am 10, April 1835. Prag. 1833, S. 34 
ff.) Grundgestalt: Hexaeder; einfache Gestalt: Oktaeder: Theilbarkeit: 
Hexaeder, wunvollkommen, und kaum wahrnehmbar; Bruch: uneben; 
Oberfläche der Krystalle glatt; Glanz metallisch; Farbe rein bleigrau; 
Strich unverändert; Härte — 2,5; Spez. Gew. — 6,833. Die zusam- 
mengesetzten Abänderungen des Steinmannits sind Trauben-förmige, 
halbkugelige und Nieren-ähnliche Gestalten. Die Oberfläche derselben 
drusig, häufig mit deutlichen Krystallen besetzt; die Zusammensetzung 
sehr feinkörnig, meist nicht wahrnehmbar und dann der Bruch fast eben 
und schimmernd, durch den Strich glänzend werdend. Bei einigen Ab- 
änderungen findet sich eine zweite, nach der Oberfläche der nachahmen- 
den Gestalten gebogene, krummschalige Zusammensetzung. Die Scha- 
len sind durch eine dünne Zwischen-Schicht sogenannten Bleimulmes 
von einander getrennt und lassen sich leicht ablösen. Die derben Ab- 
änderungen erscheinen aus äusserst kleinen undeutlichen Individuen 
sehr locker verbunden, so dass sie poröse Massen von zerfressenem An- 
sehen bilden. — Fundort Przibram. Der Nieren-förmige Steinmannit 
kommt mit Quarz, mit Blende und Eisenkies gemengt vor. Die Be- 
gleiter der andern Abänderungeu sind hornsteinartiger Quarz, Eisenkies, 
krystallisirter Schwerspath und Haar- und Draht-förmiges Gediegen-Sil- 
ber. Die zerfressene Abänderung ist mit gleichfalls zerfressenem Eisen- 
kies gemengt, und in den Höhlungen der Masse finden sich sehr kleine 
Krystalle von Weiss-Bleierz zerstreut; auch hier ist Haar-förmiges Ge- 
diegen-Silber ein Begleiter. — Es ist nicht unwahrscheinlich, dass 
manche Abänderungen des sogenannten Bleischweifes zu dieser Mineral- 
Spezies gehören, worüber am besten die Untersuchung des spezifischen 
Gewichtes entscheiden kann. Die meisten Abänderungen des Bleischwei- 
fes sind wahrscheinlich mehr oder weniger innige Gemenge von Blei- 
glanz und Steinmannit, — Durch die Löthrohrflamme auf Koble erhitzt, 
zersprang das Mineral mit Heftigkeit in kleine Stückchen. Eine Probe 
im Glas-Kölbchen über der Weingeist-Lampe erhitzt, zerknisterte mit 
Heftigkeit fast zu Pulver. Vor dem Löthrohre behandelt, schmolz dieses 
Pulver unter Entwickelung von weissem Dampfe, der sich auf der 
Kohle anlegte; dabei liess sich ein Geruch nach schwefeliger Säure wahr- 
nehmen; nach fortgesetztem Blasen bildete sich eine Metallkugel, wie 
bei der Behandlung des Bleiglanzes. Diese auf einem Pfeifenstiele, 
oder auf einer Unterlage von Knochenasche durch die äussere Löthrohr- 
Flamme abgetrieben, bildete Blei-Glas, und es blieb am Ende ein merk- 
bares Kügelchen von reinem Silber. Diese Versuche ergaben als Be- 


— 656 — 


standtheile Blei, Antimon, Silber und Schwefel. Nimmt man den sehr 
geringen Silber-Gehalt als ausserwesentlich ‘oder zufällig in unbestimm- 
ten Verhältnissen an, wie er in den silberhaltigen Abänderungen des 
Bleiglanzes vorhanden ist, so ist das Mineral als eine Zusammensetzung 
von Schwefel-Blei und Schwefel-Antimon zu betrachten und wird in quali- 
tativer Hinsicht mit dem Jamesonit und mit dem Zinkenit übereinkom- 
men, das bedeutend grössere: spezifische Gewicht lässt aber auf ein an- 
deres Verhältniss der Bestanätheile schliessen, als bei den genannten 
Mineralien, von welchen sich der Steinmannit übrigens ‚hinreichend 
durch seine Krystall-Formen unterscheidet. 


A.T.Kuprfer: Handbuch der rechnendenKrystallonomie. 
Mit 14 Tafeln. St. Pelersburg; 1831. Es ist diess die erste Abihei- 
lung eines Werkes, welches, des Verf’s. Absicht gemäss, Alles umfassen 
wird, was die Krystalle Merkwürdiges darbieten, Ursprünglich sollte 
es nichts werden, als eine mit den gehörigen Erläuterungen verbundene 
‘Sammlung der zur Berechnung der Krystall- Winkel nöthigen For- 
meln; nachher kamen einige allgemeine Betrachtungen hinzu, zu wel- 
chen K. durch eine fortgesetzte Beschäftigung mit den merkwürdigsten 
Krystallisations-Systemen sich geführt sah; endlich fühlte er, dass eine 
vorausgeschickte Darstellung des Havy’schen und des Weiss’scheu Sy- 
stems, welches letztere bekanntlich von seinem Urheber nur fragmen- 
tarısch bearbeitet worden, von Nutzen seyn könnte. So ist das Werk 
ein Hülfsbuch für rechnende Krystallographen geworden, in dem man 
neue und bequemere Formeln findet. Alles, was in der Lehre von den 
Krystallen nicht rein geometrisch ist, wurde vom Verf. für ein zweites 
Werk aufgespart. — Wir müssen uns auf Angabe des Inhalts beschrän- 
ken. Einleitung: I. Trigonometrie (geradlinige und sphärische). 
II. Analytische Geometrie der Ebenen. III. Einige Erklärungen aus 
der Stereometrie. Erstes Kapitel. Begriff und Abtheilungen der 
Wissenschaft. Eintheilung der Krystallformen. Vom Gesetz der Sym- 
metrie.. Von den Formen im Allgemeinen, die bei Krystallen vorkommen. 
Von den primären und sekundären Formen. Hauy’s Theorie. Durch- 
gang der Blätter. Wichtige Folgerungen aus der Hauy’schen Theorie. 
Erstes Grundgesetz der Krystall-Bildung, Weıss’s Methode, die Krystall- 
Flächen zu bezeichnen. Verwandelung der Weiss’schen Zeichen in 
Hauy’sche. Eigene Bezeichnungs-Art der Krystall-Flächen, die zur 
Rechnung bequem ist. Verhältniss derselben zur Hauy’schen und 
Weıss’schen Bezeichnungs-Art. Zweites Kapitel. Berechnung der 
Winkel, des Volumens, der Oberfläche der Krystalle. Vom RBhomboe- 
der, Dihexaeder und Quadrat-Oktaeder. Von den Formen, .die durch 
gerade Abstumpfung der Endkanten von dem Rhomboeder, Dihexaeder 
und Quadrat-Oktaeder abgeleitet werden können. Vom Rhomboeder, 
Dihexaeder und Quadrat-Oktaeder insbesondere. Von den Formen des 


— 67 — 
regulären. Systems.» Vom geraden Rhomboidoktaeder und vom Rektan- 
guläroktaeder. Vom schiefen Rhomben-Oktaeder oder vom unsymmetri- 
schen. ‚Oktaeder.' ‘Vom: doppeltschiefen Rhbomben-Oktaeder. Drittes 
Kapitel. Analytische Krystallonomie. ’ Von den Axen. Viertes Ka- 
pitel.. Von der Messung der Krystall-Winkel. Von den Beobachtungs- 
Fehlern. Von: den Instrumenten, welche‘ dazu: dienen, (die Neigungs- 
Winkel: der Krystall-Flächen zu messen, 


H. , Geologie und Geognosie,. 
| S. Hiesert: Geschichte der once Vulkane im 
Be cken von Neuwied "). — Der Schilderung dieses Beckens schickt 
der. Verf. allgemeine Bemerkungen voraus: über die Ursachen vulka- 
nischer Phänomene;, er würdiget die früheren Arbeiten der Geologen, 
so wie.die Forschungen der Physiker , Chemiker und Astronomen, be- 
rührt die neueste Hypothese von den Erhebungen der Gebirge u. s. w. 
Am, Schlusse dieser einleitenden Betrachtungen. (p. XXVIL, ete.) liest 
man Folgendes _ ‚über den Charakter: trachytischer Ausbrüche.; Dass in 
vulkanischen Landstrichen Trachyt-Eruptionen älter sind, als basaltische, 
ist ‚häufig, ‚wahrgenommen worden. Diese öftere Priorität muss man als 
besonders merkwürdig, erachten, obwohl: die bedingende Ursache schwie- 
rig;.zu erklären, vielleicht unerklärbar ist. Sehr. wahrscheinlich steht 
das Phänomen in Beziehung mit der innern Beschaffenheit unseres: Pla- 
neten; d. h.-mit der mineralischen Natur der konzentrischen Lagen, welche 
das Tiefste der Erdrinde ausmachen. Nimmt man eine allmähliche Ab- 
kühlung der. äusseren: Rinde, an, so folgt daraus: 1) dass das Festwer- 
den von der Oberfläche aus,begonnen habe und nach dem Innern fort- 
geschritten sey;; 2). dass,. die ‚Lagen sich ungefähr nach. den Graden 
ihrer Schmelzbarkeit gereihet hätten. Es ist jedoch augenfällig ,, dass 
eine ‚solehe Voraussetzung nicht ‚wohl zulässig ist für die Successions- 
Ordnung, in welcher die Felsmassen ‘gebildet worden, obwohl. sie die 
relativen Lagerungs- ‚Verhältnisse, von Graniten, Trachyten und Basalten 
zu erklären scheint, . Geht man; von der: Ansicht, aus: ‚die, Granite 
seyen die ältesten konsolidirten, vulkanischen Materialien, so: ist eben so 
wohl glaubhaft, dass die Trachyte stets unterhalb der Granite im flüs- 
sigen Zustande sich befanden, und dass die Basalte, in gleicher Beschaffen- 
heit, noch ‚tiefere Stellen behaupteten.. Zuerst mussten folglich, durch 
die granitische Riude hindurch, die Trachyt- und ‚später die Basalt-Erup- 
tionen Statt haben. Allein nicht selten nimmt man eine umgekehrte 
Ausbruchs-Ordnung wahr; Basalte gehen den Trachyfen voran, oder 


*) History of the extinct volkunos of Ihe basin of Neuwied etc. With Maps, 
views elc. Edinburgh; 1832. 


— 653 — 


es zeigen sich beide Felsmassen wechselnd. Indessen ‘ist sehr wohl 
möglich, dass bei den gewaltigen Umwälzungen in‘ den Tiefen unter: 
halb der festen Erdrinde die konzentrischen Lagen von Trachyten und 
Basalten ihre relative Stellung verändert haben, so-dass die angenom- 
mene Eruptions-Ordnung gänzlich umgekehrt scheint. — Der Landstrich; 
welcher Gegenstand von Hırserr’s Untersuchung ist, liegt in Rhein-Preus- 
sen. Er bildet ein Becken, das gegen N. durch die Bergreihe begrenzt 
.ist, in der die Brühl (Brohl) entspringt, nach S. aber von den Bergen, 
aus welchen die Nette herkommt; beide münden in den Rhein. Die 
Erstreckung aus O. nach W. beträgt ungefähr 24 E. Meilen, jene aus 
N. nach S. 6 bis 10 M. — I. Kapitel. Primitive Gesteine 
im Becken von Neuwied (p. 1). Thon- und Grauwacke-Schie 
fer sind allgemein verbreitet; sie setzen die Hefsten wahrnehmbaren 
Schichten zusammen. Nur hin und wieder enthalten sie kleine Glim- 
mer-Schuppen. Stellenweise erscheinen Quarz-Gänge darin. Nicht sel- 
ten zeigen sich die Schiefer in den obern Lagen mehr oder weniger 
eisenschüssig. Überbleibsel marinischer Thiere werden an verschie- 
denen Orten gefunden; so u. a. Spirifer alatus und sarcinulatus un- 
fern Koblenz. In einem Steinbruche am nördlichen Ende der Feste 
Ehrenbreitstein erscheint die daselbst vorhandene feinkörnige Grau- 
wacke kugelig abgesondert, gleich den Basalten. Die Kugeln, nach 
aussen in konzentrische Schaalen; geschieden, haben L— 2 F. Durch- 
messer; die grössten werden am häufigsten gefunden *). — Das Strei- 
chen der Schichten bleibt sich nicht immer gleich: es ist am häufigsten S. 
350 W, gegen N. 35° O0. Auch das Fallen schwankt; die gewühn- 
lichste Neigung dürfte 60 — 70° nach ©. seyn; um Koblenz herum be- 
trägt das Fallen 75 bis 90°. Nur an wenigen Stellen führt der Thon- 
schiefer Erze, Eisen und Kupfer, Obwohl die Felsarten, welche die 
Unterlage des Thonschiefers ausmachen, nicht aufgeschlossen sind, so 
erlangt man dennoch einige Kenntniss derselben durch die in den La- 
ven eingeschlossenen, von der Hitze’in höheren und geringeren Graden 
umgewandelten Bruchstücke, so wie durch einzelne ausgeschleuderte 
Trümmer; dahin gehören: Glimmerschiefer-, Gneiss- und Granit- Frag- 
niente. — I. Kap. Allgemeine Bemerkungen über die 
Schiefer-Berge des Rheinlandes vor Anfang der tertiären 
Ablagerungen (p. 3). Die erwähnten Schiefer - Gebilde des Nex- 
wieder -Beckens machen den kleinen Zentral- Theil einer weit erstreck- 
ten Schiefer-Furmation aus, zu welcher die Felsmassen des Westerwaldes, 
der Eifel, des Hundsrücks , des Taunus und der Ardenner gehören, 
Die Städte Tournau, Namur, Lüttich, Aachen, Bonn, Düsseldorf, 
Dortmund und Paderborn liegen an der nördlichen unregelmässigen 
Grenzlinie dieses Landstrichs; Waldeck und Hanau an der östlichen, 
Frankfurth, Maynz, Kreuznach, der Distrikt an der Saar, Trier, 
Wittich und Mezieres aber an der südlichen Grenze ; die W.-Grenze 


*) Nöccnraru, Rheinland-Westphalen, IV. B. S. 362. 


— 659 — 


zieht in nordwestlicher Richtung bis Tournay. Die Erstreckung aus 
O. nach W. beträgt 250 E. Meilen, jene aus N. nach S. 70 bis 140 E.M. 
Möglich, dass dieselbe Formation , unterhalb der verschiedenen sekun- 
dären Ablagerungen, bis zu den Woyesen und zum Schwarzwalde und 
wohl noch weiter reicht. Die manchfaltigen Reste meerischer Thiere 
weisen uns auf Absetzung aus dem Meereswasser hin. — In welcher 
Periode wurden die Ablagerungen über ‘das Niveau des Wassers erho- 
ben? Hatte dieses auf einmal, oder zu mehreren Malen Statt? — Der 
Verf. erklärt sich für letztere Ansicht. Nach ihm begannen die Erhe- 
bungen während des Bildungs-Aktes der Transitions-Schichten, und 
hielten in Zwischenräumen an so lange als der Prozess, welcher den 
sekundären Gebilden Entstehung gab, von denen jeder in seinem geo- 
gnostischen Charakter von dem vorhergehenden abweicht. ELız Dx Brav- 
MmonT hat zur Aufklärung dieses Theils der Verhältnisse der Schiefer- 
Gebilde wesentlich beigetragen. Er nimmt in Betreff der Rheinlande 
an, dass erhebende Gewalten in einer Richtung von ungefähr S. 15° W, 
nach N. 15° O. gewirkt hätten, Allein eine solche Voraussetzung scheint 
zu schwankend und zu allgemein. Nach dem Verf. dürften in dem geologi- 
schen Zeitraum, während dessen die Ablagerungen der Transitions- und 
der sekundären Gesteine in dem bezeichneten Landstriche Statt hatten, die 
Schiefer-Gebirge mindestens ‚sechs bis sieben allgemeine Katastrophen 
erlitten haben; dabei muss jedoch noch ausgemittelt werden, ob einige 
derselben nicht als Resultate einer dauernden Folge von Erschüt- 
terungen anzusehen sind, oder vielmehr für einzelne Kraft- Äusse- 
rungen der Natur, Ohne Zweifel treten beide Arten von Wirkungen 
wechselweise ein. Ebenso lässt sich noch die Frage aufstellen: ob nicht 
die Emporhebung eines Theiles der Rheinlande die Senkung eines an- 
dern bedingt habe? So würden die hin und wieder im Wechsel vor- 
kommenden Meeres- und Fluss-Ablagerungen erklärbar seyn. Unge- 
achtet dieser Einreden gegen die Besumonr’sche Theorie im Allgemei- 
nen, ist der Verf., wegen des Mangels anderer ähnlicher Untersuchun- 
gen, geneigt im Ganzen die Aufzählung der Epochen, wie solche jene 
Theorie darlegt, anzunehmen, — III. Kap. Alte, in die Länge ge- 
zogene, dem Neuwieder Becken verbundene Thäler (pg- 9). 
In Folge der, im vorhergehenden Kapitel angedeuteten, Katastrophen 
mussten die festen Felsschichten bis auf ihren Grund erschüttert wor- 
den seyn; während ihrer gewaltsamen Emporhebung entstanden tiefe 
Klüfte, Zerreissungs-Thäler (vallees d’ecartement). Die ältesten der- 
selben, wahrscheinlich der ersten Erhebung der Eifel gleichzeitig, dürften 
jene seyn, welche ungefähr eine Richtung aus SW. nach NO. haben; 
so u. a. der Kanal, in dem die Mosel ihren Lauf hat, und das Thal 
westlich von Nürburg und der hohen Acht. An diese reihen sich zu- 
nächst in der Altersfolge die aus W. nach O. erstreckten Thäler, wie 
z. B. die Flussbetten der Brühl und Nette. Einer dritten Klasse von 
Thälern endlich, der zahlreichsten und wichtigsten von allen, gehören 
jene an, die mit dem Rhein-Thale parallel laufen, welches Thal selbst 


Jahrgang 183! 43 


— 660 — 


als ein Zerreissungs-Thal anzusehen ist. Diese, unter einander paralle- 
len, Thäler ziehen aus NW. nach SO., und von ihnen ‘wird der ganze 
von Hıegert untersuchte Landstrich durchschnitten. Mit wenigen Aus- 
nahmen folgten die vulkanischen Eruptionen dieser gemeinsamen Rich- 
tung, — IV. Kapitel. Zustand des Rheinlandes beim Beginne 
der Tertiär-Epoche (p. 15). Mit Zugrundlegung eines, die geogra- 
phischen Beziehungen der tertiären Ablagerungen erläuternden Kärtchens 
werden unterschieden: 1) das märinische Becken von Maynz bis Basel 
(der Verf. bezieht sich auf Bour’s Beobachtungen in dessen geognost. 
Gemälde von Deutschland, S. 382 und 578); 2) das’ Zerreissungs-Thal 
am Unter-Rhein zwisehen Bingen und dem Becken von Neuwied, allem 
Anschein nach Ergebniss einer Emporhebung der Gebirge des Hunds- 
rücks und des Taunus; 3) das obere Süsswasser-Becken von Neuwied; 
es scheint sein Entstehen den emporhebenden Gewalten zu verdanken, 
wodurch die parallelen Gebirgszüge der Eifel und des Westerwaldes 
aufgetrieben wurden; ihm fehlt der Charakter eines Zerreissungs- 
Thales, man vermisst die steilen Gehänge u. s. w. Flüsse trugen zur 
Erweiterung bei; die Formationen das Becken einnehmend bestehen aus 
Sand und aus plastischem Thon, zu denen nahe Gebirge das Material 
lieferten; 4) Kanäle, welche die Wasser aus dem Neuwieder Becken 
abführten; die Schluchten, welche man gegenwärtig ın der Nähe von 
Andernach findet, waren einst nicht vorhanden: an ihrer Stelle befanden 
sich Felsmassen, die, nimmt man Rücksicht auf die Höhen, welche die 
Süsswasser-Ablagerungen des Beckens erreicht hatten, nicht weniger 
als 1000 F. erhaben gewesen seyn dürften; das Rheinihal zwischen 
Andernach und Linz scheint, gleich jenem von Bingen bis Koblenz, in 
Folge einer Zerreissung entstanden and später erweitert, oder auf an- 
dere Weise modifizirt worden zu seyn, so dass es zu dem tiefen Bette 
wurde, durch welches die Wasser ihren Lauf aus dem alten Newwieder 
See bis zum untern Süsswasser-Becken von Kölln nehmen. Auch nord- 
wärts von Andernach dürften Abflüsse Statt gehabt ‚haben durch den 
zerrissenen Brühl-Kanal, der mit vulkanischen Eruptionen in Verbin- 
dung steht und desshalb später ausführlicher zur Sprache kommen wird. 
5) Unteres Süsswasser-Becken von Kölln. Die obere Grenze desselben 
ist nicht wohl mit Genauigkeit anzugeben. Unfern Linz fängt das Rhein- 
Bette an sich zu erweitern, hier findet man Spuren von tertiären Süss- 
wasser-Formationen. Am sSiebengebirge dehnt sich das Thal plötzlich 
noch mehr aus, und von hier an, in nördlicher Richtung bis Düsseldorf, 
spricht Alles für das frühere Vorhavudenseyn : eines geräumigen Süss- 
wasser-Sees. Dieses Becken von Kötln wird nach W. und ©. durch 
die Thoxschiefer- und Sandstein-Berge Westphalens begrenzt. Nicht 
weit von Düsseldorf sind Anzeichen hoch gelegener Kohlen - Gebilde 
vorhanden, welche ursprünglich am Fusse der Thonschiefer-Berge ihre 
Stelle einnabmen, und die höchst wahrscheinlich, als die Tertiär-Periode 
begann, einen nicht unterbrochenen Streifen mit ähnlichen Schichten aus- 
machten, die bei Aachen und Lüttich getroffen werden. In NO. von 


— NBbE 


Düsseldorf stösst man auf Spuren von Grünsand- und Kreide-Forma- 
tionen, einst vielleicht im Zusammenhange mit den gleichnamigen Ge- 
bilden bei Mastricht. Die ältern Süsswasser-Ablagerungen des Köliner 
Beckeus stimmen mit dem des Neuwieder überein. — V. Kap. Die 
alte kreisrunde Spalte, das kreisförmige Becken des 
Laucher-See’s, oder der Laacher See. Eine der ersten vulkani- 
schen Eruptionen in der Gegend von Neuwied hatte augenfällig im 
Becken von Laackh Statt, ausgezeichnet durch seine mehr kreisrunde 
Gestalt. Über die bedingenden Ursachen dieser - Form herrschen ver- 
schiedene‘ Meinungen. Einige nehmen einen Erhebungs -Krater an, 
welche Meinung jedoch nach dem Verf. nicht haltbar seyn dürfte, da 
man in‘der Runde des Laacher Beckens Auswürfe von trachytischen 
Massen trifft, welche Gesteine mit der Entstehung des Beckens gleich- 
zeitig seyn sollen. Die genügendste Hypothese, welche hinsichtlich 
der kreisrunden Becken oder Krater, wie jenes von Laach ist, aufgestellt 
worden, scheint ihm die eines neuen Schriftstellers *) zu seyn, welcher 
glaubt, dass während des Konsolidations-Prozesses der innern flüssigen 
Massen unseres Erdkörpers, eines Prozesses, der wegen der sehr allmähli- 
chen Erkaltung Jahrhunderte lang gedauert haben kann, Gase entstan- 
den seyn dürften, deren Expansiv-Kraft an den schwächern Theilen 
der Erdrinde Risse oder Spalten hervorbrachte. Eine auf solche Art 
entstandene Wirkung würde, nach den ungenannten Geologen, nicht in 
die Länge ausgedehnt seyn, wie jene Spalten, die als Folgen der Em- 
porhebungen von: ‚Bergreihen angesehen werden; ‘sie musste eine mehr 
runde ‘oder ovale Gestalt erhalten. Nimmt man diese Entstehungs- 
Weise für den Laacher Krater an, so bleibt uns das Verschwinden der 
meisten ‚Überbleibsel Statt 'gehabter Ausschleuderungen schwierig er- 
klärbar; diese müssen, als die elastischen Gase frei geworden, zum 
grössten Theile in die unergründlichen Tiefen hinabgestürzt seyn, welche 
sieh aufgethan hatten. Auch Diluvial-Strömungen, die zur Zeit, als‘ die 
tertiäre Periode ihren Anfang nahm, störend einwirkten, führten ‘ohne 
Zweifel Vieles von jenem Materiale hinweg. Der gegenwärtige Durch- 
messer des Laacher Kraters dürfte ungefähr 13 E. Meilen betragen. 
Die längste Erstreckung ist von SW. nach NO. —Er zeigt sich, die 
Richtungen gegen SW. und NO. ausgenommen, mit steil abfallenden 
Thonschiefer-Felsen umgeben. Die Tiefe des See’s ist, der manchfalti- 
gen Ausfüllungen ungeachtet, beträchtlich: sie misst 214 F. Was die 
Seiten-Spalten betrifft, die mit der Zentral-Öffnung des Laacher Beckens 
in Verbindung stehen, so sind dieselben in sehr entsehiedener Art nach- 
weisbar, ungeachtet der später eingetretenen Eruptionen, so wie der 
Wirkung anderer zerstörender Agentien. Die bedeutendste unter die- 
sen Schluchten ist das Thal von Brühl (Brohl), das man von Wassen- 
ach bis zum Rhein verfolgen kann. Andere, von der Zentral-Öfnung 
gleichsam wie Strahlen ausgehende, Spalten begünstigten die spätere 


=) Forein quarterly Review for October 1331. 
45? 


— 662 — 


Eruption basaltischer Laven und werden durch deren Überbleibsel kennt- 
lich: dahin gehört die Schlucht, welche gegen W. bis zum Berge, der 
Gänsehals genanut, zieht, eine andere, die sich in südlicher Richtung 
bis zu den bekannten Steinbrüchen von Niedermendig. erstreckt u. s. w. 
— VI. Kap. Vulkanisches Becken von Rieden (p. 27). Seine Be- 
grenzung ist sehr regelios; daher mag es kommen, dass die früheren 
Beschreiber dieser Gegend ‚auf die Schilderung jenes Beckens wenig 
eingehen. (Der Verf. verweist u. a. auf van DER Wyexr’s Buch... .) 
— Das Riedener Becken war ein Krater, der allem Anschein nach 
sein Entstehen dem ersten Entweichen elastischer Gase zu verdanken 
hat. Hierauf fanden trachytische Ausbrüche Statt; an diese reihten 
sich Ausfüllungen mit vulkanischem Schlamm, welcher den nachbarlichen 
Thälern oder See’n zufloss. Endlich traten basaltische Eruptionen ein. 
Der Verf, unterscheidet hinsichtlich der Ergüsse vulkanischen Schlam- 
mes (Moya, wie er ihn nennt), welchen der Kessel des Beckens gelie- 
fert: 1) jene, die in südöstlicher Richtung von Rieden, dem. Wasser- 
Laufe früher Zeit gemäss, gegen Neuwied hin geführt worden; 2) an- 
dere, welche die Schluchten des Gänsehalses und von Bell einnehmen; 
3) die Ablagerungen im S. von Bell; 4) die in der Näbe von Hohen- 
stein, 5) jene, die einem alten See zwischen dem Gänsehals und Lum- 
merfeld zugeführt wurden, und endlich 6) die Tuf-Lagen im N, und 
W. des Beckens von Rieden. — Basaltische Ausbrüche, welche um das, 
Becken herum Statt hatten, Ihre Zahl beträgt mindestens zwölf; allein 
die Decken von vulkanischem Schlamm und die Vegetation. verhüllen die 
Lagerungs-Beziehungen derselben mehr oder weniger. ‚An; der Ostseite 
und dicht am Rande des Beckens lässt sich u. a, ein Strom von Basalt- 
Lava auf nicht unbedeutende Weite verfolgen, Auch von. Kratern sind 
nicht unzweideutige Beweise vorhanden, In den Tuf- Ablagerungen 
riefen die basaltischen Eruptionen beträchtliche Störungen hervor ; diess 
ist zumal an der Ostseite der Fall. — Am Schlusse des Kapitels findet 
man allgemeine Bemerkungen über Schlamm-Vulkane, veranlasst durch 
die Phänomene des Beckens von Rieden. Von bildlichen Darstellungen 
findet man diesem Kapitel beigefügt: einen idealen Durchschnitt des 
Kraters mit den Hervortreibungen trachytischer Laven durch die Hauf- 
werke loser Trümmer, von denen der ‘Schlund verschlossen gewesen; 
eine andere, Trachyt-Eruption durch Tuff-Ablagerungen darstellend; eine 
Ansicht der Steinbrüche am Gänsehals; einen Durchschnitt vom Bande 
des Beckens bis zu den Tuff-Gebilden von Thur; Ansichten der geräu- 
migen Höhlungen in Tuff, so wie des Thals von Rieden an der West- 
und Südost-Seite, und ausserdem eine geologische Karte des erwähnten 
Beckens, so wie eine Skizze der Verbreitung tertiärer Formationen. — 
VI. Kapitel. Trachytische Eruptionen in der Nähe der 
Brühl-Quelle. (S. 57). Hisgerrt unterscheidet die vulkanischen Becken 
von Fusel, von Wehr, die Ausbrüche aus dem Berge bei Hahnen- 
bach und aus den kleinen Kegel-föürmigen Höhen im S. desselben, end- 


— 66353 — 


lich die Eruptionen des Olbruck-Berges. Das Becken von Fusel dürfte 
nit jenem von Rieden gleiches Alter haben. Einige ärmliche Hütten 
liegen im erloschenen Krater; sie werden, vielleicht richtiger, von Ster- 
NINGER mit dem Ausdrucke Fwuchshöhle bezeichnet. Zur Erläuterung 
der geographischen Verhältnisse des Beckens ist eine Skizze beigefügt, 
Unter einer fast nicht unterbrochenen Tuff-Ablagerung zeigen sich Tra- 
chyte, neuere Basalte und Thonschiefer. In der Geschichte dieses 
Beckens wiederholt sich im Allgemeinen jene des Riedener, ‘Es war 
ein vulkanischer Krater, der Sitz trachytischer Eruptionen; später 
wurde dasselbe angefüllt mit schlammigem Tuff; auch basaltische Aus- 
brüche hatten Statt: sie sind jedoch neuer, als die von Rieden.‘ Der 
Krater von Wehr fällt, was sein Entstehen betrifft, in den Anfang der 
tertiären Epoche; auf die Entweichungen elastischer Flüssigkeiten folg- 
ten trachytische Eruptionen. Aufhäufungen von Trümmern um ‘den 
Schlund nimmt man nicht wahr; die emporgeschleuderten Thonschiefer- 
Bruchstücke müssen in den unermesslichen Abgrund versunken seyn, 
oder sie wurdeu durch Diluvial-Strömungen in ferne Weite geführt. 
Die Gestalt des Wehrer Beckens ist eirund. Der grösste Durchmesser 
aus N. nach S, beträgt ungefähr eine E, Meile; der kleinste, aus O0. 
nach W., nur etwa eine halbe Meile. — Die Eruptionen, welche aus 
den Bergen um Hahnenbach Statt gehabt, unterscheiden sich einiger- 
massen von den bis jetzt beschriebenen, indem keine Krater-Spuren 
nachweisbar sind. Der Verf. betrachtet die Emportreibungen feldspa- 
thiger Gesteine, und sodann den Ursprung des Tuffes, mit welchen der 
alte See von Brühl angefüllt war. Am Perlenkopfe unfern. Hahnen- 
bach haben die vulkanischen Massen, indem sie den Thonschiefer durch- 
brochen, woraus jener Berg besteht, nicht nur sich über deu Gipfel 
desselben ausgebreitet, sondern sie erscheinen auch, am Abhange gegen 
S., als mächtiger Strom. Das vulkanische Gestein ist: seiner Masse 
nach aus Feldspatk- und Hornblende- oder Augit-Theilen zusammenge- 
setzt. Die trachytischen Eruptionen im S. der Hahnenbacher ‘Berge 
lieferten Laven, welche kleine Krystalle von Leuzit und von glasigem 
Feldspatk enthalten. Diese Eruptionen feldspathiger Gebilde müssen 
mit Ausschleuderungen pulverigen Materials verbunden gewesen seyn, 
welche durch die Wasser oder Schlamm hinweggeführt, und theilweise 
untermengt mit plastischem Thon und mit Sand abgelagert wurden.  — 
VII. Kap. Trachytische und basaltische Eruptionen aus 
den westlichen Höhen, wo die Nette entspringt (S. 67). Im 
S. von Nürburg findet man einen Krater, dessen Wände aus Trachyt 
bestehen, ferner einen Gang von Grünstein- oder Trapp-Massen und 
mehrere basaltische Emportreibungen. Der Basalt zeigt sich nicht ver- 
schlackt; er führt Olivin-Theile. Der isolirte Kegel, welcher die Trüm- 
mer des alten Schlosses Nürburg trägt, misst 2015‘ Rheinl, über dem 
Spiegel des Stromes. Sein Gipfel: trägt die Beweise, dass er durch 
vulkanische Eruptionen, welche durch Thonschiefer-Ablagerungen hin- 
durch Statt gefunden, gebildet worden; Massen und Trümmer von ver- 


— 664 — 


schiedenartigem Trachyt, von Mandelsteinen und Basalt, mehr oder 
weniger verschlackt, setzen das Ganze zusammen. Der älteste Aus- 
bruch dürfte trachytischer Natur gewesen seyn. Andere Gesteine 
tragen das Ansehen gewisser Porphyre, von denen die Kohblen- 
Formationen begleitet zu seyn pflegen. Ein anderer wichtiger Punkt, 
die hohe Acht, ist nicht allein eine der erhabensten Stellen des 
vom Verf. geschilderten Landstrichs, sondern selbst der ' ganzen 
Eifel; die Höhe über dem Rheinspiegel bei Koblenz beträgt ungefähr 
2230 F. Die hohe Acht, ein isolirter Kegel, besteht aus Grauwacke- 
Schiefer, welcher Meeres-Muscheln umschliesst, und über dem sich eine 
Basalt-Kuppe befindet. Eine beigefügte bildliche Darstellung ist geeig- 
net, über die Formen-Verhältnisse des Berges und seiner Umgebungen 
nähere Aufklärung zu geben. In der Nähe der hohen Acht und um 
Virneberg hatten zahlreiche kleinere basaltische Ausbrüche Statt; sie 
sind oft in dem Grade unbedeutend, dass der Geolog: ihre Spuren nicht 
ohne Schwierigkeiten zu verfolgen vermag. Zu den neuesten Erschei- 
nungen der Gegend um Nürburg dürfte der Krater beim Dorfe Boos 
gehören. Sein Durchmesser ist sehr bedeutend. Die Wände bestehen 
meist aus schlackigen Basalt-Trümmern, welche sehr viele Thonschiefer- 
Fragmente ‚umschliessen, an denen sich augenfällige,Einwirkungen der 
Hitze zeigen. Unter den ausgeschleuderten Trümmern‘ werden gar 
manche gefunden, die von Thonschiefer oder Grauwacke abstammen, 
und deren Oberfläche verglast ist. — IX. Kap. Rückblick auf 
den progressiven Zustand der Sand- und Thon- Abla- 
gerungen im Becken von Neuwied und Kölln von der Zeit 
an, wo die trachytischen Eruptionen begonnen. (S. 75). 
Als die Wasser des Neuwieder Beckens noch ihre ursprüngliche Höhe hat- 
ten, musste unfern Andernach, wo gegenwärtig ein Schlund vorhanden, 
ein Felsenriff und an dessen Nordseite ein tief eingerissener Kanal 
gewesen seyn, welcher die überströmenden Wasser dem Süsswasser- 
Becken von Kölln zuführte. Der Verf. nimmt für den See von Neu- 
wied eine Längen - Erstreckung von 16 bis 18 E. Meilen aus ©, nach 
W. an, und eine Breite und Ausdehnung von 4 bis 7 M. in der Rich- 


_ tung von N. nach S. Das untere Köllner Becken, welches bei Linz 


seinen Anfang hatte und sich in der Nähe des Siebengebirges beträcht- 
lich erweiterte, war nach W. und O. durch die Thonschiefer- und Sand- 
stein-Berge von Westphalen begrenzt; das Ende dürfte ungefähr da 
gewesen seyn, wo gegenwärtig Düsseldorf liegt. Nach muthmassli- 
chen Berechnungen betrug seine Länge wenigstens 40 E. Meilen und 
die Breite 10 bis 20. Die Formationen, welche im Aufang der Tertiär- 
Epoche die oberen und unteren Süsswasser - Becken am Niederrhein 
einnahmen, bestanden aus Sand, Sandstein und plastischem Tbon, Die 
tiefsten Ablagerungen, loser Sand, stellen sich als die ersten Absätze 
aus süssen Wassern dar. Sandsteine kommen nur hin und wieder vor, 
und sodann stets über dem Sand. Nöcszratu hat beide genau unter- 
sucht und beschrieben. Der plastische Thon, der an vielen Stellen ge- 


funden wird, geht allmählich in Sand über, namentlich in jenen, wel- 
cher sich als ein Gemenge aus Quarz-Körnern und Glimmer - Schüpp- 
chen darstellt. Auch im unteren Becken von Kölln kommt plastischer 
Thon vor, aber weniger rein. Was die in den zuletzt erwähnten Ab- 
lagerungen : vorhandenen pflanzlichen Reste betrifft, so umschliesst der. 
Sand hin und wieder Braunkohlen - ähnliche Theile. Im Sandstein zei- 
gen sich wohl erhaltene vegetabilische Überbleibsel, und im Sieben- 
Gebirge trifft man Stücke von Holzopal, einen Fuss und darüber lang, 
ferner Massen von Halbopal, deren Klüfte zuweilen mit Tropfstein - ar- 
tigem Chalzedon bedeckt sind. Auch gut erhaltene Blätter - Abdrücke 
finden sich : sie erscheinen nicht selten mit Eisenocker überzogen. Das 
angebliche Vorkommen von Gebeinen erloschener Thiere in den unteren 
Sandlagen hat sich nicht bestätigt. Gleichzeitig mit diesen Formatio- 
nen, oder ihrem Beginnen unmittelbar vorhergehend , hatte der vulka- 
nische Ausbruch des Laacher See’s Statt, dessen Krater mit Sand und 
plastischem Thon erfüllt ist. Alle übrigen erwähnten trachytischen Erup- 
tionen traten später ein. — X. Kap, Rückblick auf die Braun- 
kohlen-Ablagerungen, welche, während der Ausbrüche 
von Trachyten und vonälteren Basalten, an die Stelle 
von Süsswaser-Gebilden auseiner früheren Periode 
kamen (S. 81). Die Braunkohlen gehören zu den Europäischen 
Tertiär- Formationen, deren Lagerungs - Beziehungen sehr verwickelt 
und schwierig erklärbar sind; daher die manchfaltigen Ansichten der 
verschiedenen Schriftsteller. Der Verf. benützte bei seinen Untersu- 
chungen vorzüglich die Erfahrungen NösseraArn’s, die Werke STEININ- 
GER’s und die Leonnarv’schen Grundzüge der Geologie, Seiner Be- 
schreibung der fraglichen Braunkohlen - Ablagerungen geht eine Notiz 
voran über die Zunahme der Vegetation, welche am Schlusse der im 
vorhergehenden Kapitel. geschilderten Sand- und Thon - Ablagerungen 
Statt hatten. Um jene Zeit musste die Temperatur der untern Rhein- 
Gegenden bereits in dem Grade sich abgekühlt haben, dass sie jener 
der gemässigten Himmels- Striche näher kam. Diess scheint daraus 
hervorzugehen, dass Eichen, Buchen und andere Waldbäume, in weni- 
ger heissen Landen heimisch, einst gleichzeitig waren mit den fossilen 
Palmen von Kölln: ein Umstand, welcher sehr glaubhaft macht, dass 
die Temperatur des in Frage liegenden Landstrichs jener der südlichen 
Küsten Spaniens oder Italiens ziemlich nahe kam, die, noch heutigen 
Tages, Pflanzen entgegengesetzter Klimate nähren. So hatten z, B. zu 
S. Remo, in den Genuesischen Staaten, dichte Palmen - Waldungen 
lange bestanden, deren Anbau später besonders noch begünstigt wor- 
den um der Zweige willen, welche man bei den feierlichen, Umgängen 
am Palm-Sonntage gebrauchte, Die Palmen um Murcia, deren Prinsus 
schon vor langen Jahrhunderten gedachte, wurden bis zum Jahr 1775 
um ähnlicher frommer.. Zwecke willen gepflanzt. Swınsurne erzählt: 
„Wir verweilten zu Elche, einer bedeutenden dem Herzog von Arcos 
zugehörenden Stadt, erbaut am Rande eines Palmen - Waldes, wo man 


— „666 — 


gerade mit Erndten der schmackhaften Früchte beschäftigt war. Die 
Bäume waren alt, von hohem, kräftigem Wuchse; ihre’ Anzahl dürfte 
über 200,000 betragen haben, Manche derselben sah man mit zu ei- . 
ner Spitze zusammengebundenen Ästen und mit Matten überdeckt, um 
sie gegen Wind und Sonne zu schützen.“ In’den höheren Rheinlanden aber 
muss eine durchaus verschiedenartige Vegetation, kälteren Klimaten 
entsprechend, bestanden, oder sich in jener Periode entwickelt haben. 
Tannen, Buchen, Eichen und Erlen wuchsen, und mit ihnen gleichzei- 
tig die gewöhnliche Heide (Erica vulgaris). Nicht minder wichtig 
ist der Umstand, dass die Braunkohlen - Ablagerungen nur auf eine 
Zeit hinweisen, in welcher gewisse grosse Thiere in den Waldungen 
und Sümpfen Europa’s lebten, ehe der Boden zur menschlichen Wohn- 
stätte geeignet war. Was die untern Rheinlande betrifft, so vermissen 
wir jedoch genauere Angaben. Fausas St. Fonp, sich stützend auf 
Aussagen alter Bergleute, spricht von Hirsch-Gebeiner, die in der erdi- 
gen Braunkohle von Brühl und Lieblar gefunden worden. Nächstdem 
verdienen die Strömungen Beachtung, welche in der tertiären Epoche 
Statt hatten und zu den Braunkohlen- Ablagerungen mitwirkten. Wie 
Bovz sehr richtig bemerkt, müssen, in Folge der klimatischen Differen- 
zen während der Tertiär-Epoche, die Wasser, so über die Erd - Ober- 
fläche hinströmten, in dem Grade heftig gewesen seyn, dass Ausbrüche 
von See’n in neuern Zeiten, und die zerstörenden Wirkungen der Äquato- 
rial-Ströme damit kaum in Vergleich gebracht werden können. Bei Katastro- 
phen solcher Art in den unteren Rheinlanden mussten die in den See’n 
von Neuwied und Kölln vorhandenen Ablagerungen, zumal in ihren 


. oberen Schichten, grosse Störungen erleiden. So findet man um 


Roisdorf nur einzelne Blöcke von den, meist über dem Sand, eine nicht 
unterbrochene Decke bildenden Sandsteinen, an gewissen Stellen ver- 


schwinden sie selbst spurlos, oder es wurde auch der tiefer liegende 


Sand mit hinweggeführt. Hin und wieder traten andere Ablagerungen 
an die Stelle des weggeführten Sandes und Sandsteins. Während des 
Rückzugs des. Wasser bildeten sich an manchen Orten beschränkte 


. Becken, geeignet um kleine See’n und Sümpfe entstehen zu lassen, und 


in diesen örtliche Absätze. "Der Beweis, dass die Vegetation des un- 
tern Rheinlandes während dieses Wechsels der Dinge sich vorzüglich 
entwickelt habe, ist, dass man in der Nähe von Kölln die untersten 


‚Braunkohlen - Ablagerungen oder Schichten bituminösen Thones ihre 


Stelle über den losen Sande einnehmen sieht, dessen Sandsteindeeke 
ganz entfernt worden, oder nur noch im einzelnen Blöcken vorhanden 
ist. — Die Braunkohlen-Formation, mit Einschluss der Lagen von Sand, 
Sandstein und plastischem Thon, lässt sich, obwohl nicht ohne Unterbre- 
chung, verfolgen, als Decke des Gehänges der Schiefer-Berge, vom Becken 
bei Andernach, längs des Laufes des Nieder - Rheins, woselbst sie auf 
beiden Flussseiten, zumal beim Sieben- Gebirge vorkommt. — Der Verf, 
schildert uns: 1) die Braunkohlen - Gebilde im untern See von Kölln, 
welche an die Stelle hinweggeführter älterer Schichten traten; 2) ähn- 


— 667 — 


liche Ablagerungen im obern Neuwieder-See, und 3).die, mit den Braun- 
kohlen- Absetzungen gleichzeitigen, 'vulkanischen Ausbrüche, Was die 
zuerst erwähnten Braunkohlen - Ablagerungen betrifft, so ist sehr glaub- 
haft, dass in jener Periode, als Eiehen, Buchen, Fichten und andere 
Wald-Bäume an den Ufern sich anzusiedeln begannen, sandige oder 
schlammige Landzungen. und kleine Inseln gebildet wurden, in dereir , 
weichem Material Palmen ihre Wurzeln schlugen, so wie zahlreiche 
Wasser-Pflanzen, wovon man die Überbleibsel in den mächtigen, noch 
vorhandenen Lagen von erdiger Brannkohle trifft. Eingetretene perio- 
dische Überschwemmungen versenkten jene neue Vegetation theilweisse 
oder ganz unter sandigen oder schlammigen Lagen, besonders aber un- 
ter Bänken von plastischem Thon, und durch angeschwemmte Holz- 
theile entstanden Wechsel - Lagerungen von Thon und Braunkohlen, 
wie solche in den untern Rhein-Gegenden so häufig vorkommen. STEI- 
NInGER hat mehrere interessante Erscheinungen der Art erwähnt. Eine 
andere Frage ist: warum, im Vergleich zu den Baum - förmigen Mono- 
. kotyledonen, die Überbleibsel von Koniferen , Buchen, Eichen, Erlen, 
so häufig in Braunkohlen - Ablagerungen zu finden sind? Muthmasslich 
wurde viel vegetabilisches Material, das mehr auf ein gemässigtes Klima 
hinweiset, durch periodische oder zufällige Überschwemmungen aus : 
höheren Gegenden, wo bedeutende Temperatur - Differenzen Statt hat- 
ten, den Rhein hinabgeführt; die Absätze ereigneten sich, als die Süss- 
wasser - See’n noch ihr hohes Niveau hatten, auf ähnliche Weise, wie 
solches der Fall ist bei den unermesslichen Aufhäufungen von Treib- 
holz an den Mündungen der grossen Ströme in Nordamerika, wo 
jenes Treibholz aus den Regionen der Fichten in die der Feigen 
und Oliven geführt worden. Diese Ansicht bestätigt sich durch 
die Umstände, unter denen Manche gewisse Braunkohlen - Lager von 
Holz - Struktur gefunden, so wie durch einige ausgegrabene Bäume, 
Palmen und Eichen, welche den Beweis liefern, dass ihr Wachsthum 
in die nämliche Periode fiel. Bei Kölln ist eine Palme in aufrechter 
Stellung getroffen worden, "und unter ähnlichen Verhältnissen auch Di- 
kotyledonen, die sonst nur in temperirten Regionen gedeihen. Es er- 
gibt sich daraus, dass dieselben Fluthen, welche aus entfernten Lagen 
wesentlich verschieden in Hinsicht ihres Klimas, Waldungen hinweg- 
rissen, auch die dicht bewachsenen Ufer von Strömen zu untergraben 
vermochten, oder dass der Rhein in seinem ungestümmen Laufe den an- 
grenzenden Boden fortschwemmte, Erdfälle veranlasste, ja selbst zahl- 
reiche schwimmende Inseln fortführte, und auf diesen manche Bäume, 
welche in dem Boden, der sie getragen, noch immer in aufrechter Stel- 
lung sich zu erhalten suchten. Wurde das weitere Forttreiben gehemmt 
durch Sandbänke oder andere Ursachen , so mengte sich jenes vegeta- 
bilische Material mit dem aus höheren Gegenden herabgeflösten Treib- 
holz. NöscErirtn’s Beobachtungen thun dar, dass am Pützberg unfern 
Friesdorf die obern Lagen aus verschiedenen wechselnden Schichten 
von erdiger Braunkohle bestehen, aus bituminösem Holze, aus Alaun- 
erde und plastischem Thon, in denen man einzelne Baumstämme trifft, 


—. 668 — 


zum Theil den Eichen ähnlich, im Durchmesser von 7—12 F., und ih: - 
rer cberen Theile beraubt, als wären diese gewaltsam abgebrochen 
worden; einige Bäume liegen horizontal, andere stehen senkrecht , in- 
dem sie durch sämmtliche erwähnten Lagen hindurchreichen. — Der 
Verf. weist ferner auf andere Erscheinungen hin, welche während der 
bis dahin geschilderten Ereignisse Statt fanden. Ein grosser "Theil der 
Oberfläche der sandigen oder thonigen Ablagerungen, welcher un- 
bedeckt geblieben , hatte mehr oder minder tiefe Ausweitungen aufzu- 
weisen, die von zurückgebliebenen Wassern Statt gehabter Überschwem- 
mungen erfüllt wurden. In diese kleinen See’n oder Sümpfe, welche 
meist durch Einsenkungen in den obern Lagen des plastischen Thones 
oder der Braunkohlen sich gebildet hatten, scheinen die Überbleibsel zer- 
stückelter älterer Schiefer-Gebilde hineingespült worden zu seyn. Dieses 
Trümmer-Material, gemengt mit bituminöser Substanz der Braunkohlen- 
Lagen, oder mit Theilen der zu jener Zeit vorhandenen Pflanzen, 
auch mit erdigen von den Wassern jener kleinen Seen schwebend ge- 
tragenen Stoffen, dürfte zum Entstehen neuer, in höheren und geringe- 
ren Graden bituminösen Lagen die Veranlassung gegeben haben. Die 
von Deutschen Geologen versuchte Abtheilung dieser Lagen in Kleb- 
schiefer, Polirschiefer und Papierkohle billigt der Verf. nicht; er glaubt 
an gegenseitigen Übergang der darin genannten Lagen. Während: die- 
ses Absetzungs - Prozesses lebten in den Becken zahllose Fische, 
Frösche und Eidechsen von noch vorhandenen Geschlechtern, deren Über- 
bleibsel man stark zusammengepresst zwischen den Schiefer-Blättern der 
Gesteine trifft. In einem Bruche unfern Unkel fand H. Überreste ei- 
nes Insekts. Sehr häufig kommen, unter ähnlichen Umständen, Ab- 
drücke von Blättern und andern vegetabilischen Theilen vor. — Am Sieben- 
gebirge zeigen sich, in absteigender Ordnung, nachstehende Lagerungs- 
Folgen: Lehmboden mit Braunkohlen; Lehm - Schichten ; Braunkohlen 
aus verkohlten Baumstämmen bestehend; (sogenannter) Kleb- und Po- 
lir-Schiefer mit Abdrücken von Süsswasser-Fischen und Pflanzen; Pa- 
pierkohlen mit dergleichen; plastischer Thon. — Die Mächtigkeit der 
Braunkohlen-Ablagerungen ist sehr verschieden ; sie wechselt zwischen 
6 und 32 F. — Mineralogische Merkmale der manchfaltigen Braunkoh- 
len-Arten nach Leonnarn’s Charakteristik. — Als Reste tropischer 
Pflanzen, welche in den Braunkohlen - Ablagerungen gefunden worden, 
erwähnt der Verf.: Cocos Faujasii; Carpolithus Arecaefor- 
mis; C. cocoiformis; C. amygdalaeformis; C. pisiformis; 
C. pomarius; C.lenticularis; Endogenites ?bacillaris, 
— Was die Braunkoblen-Ablagerungen im obern Neuwieder Süsswasser- 
Becken betrifft, so sind dieselben bei Weitem minder zahlreich, als im Becken 
von Kölln: nur Sand und plastischer Thon fiuden sich mächtig ent- 
wickeit. Die Verhältnisse sind übrigens in beiden Becken im Allgemei- 
nen die nämlichen. — Mit Ausnahme des sehr frühzeitigen Vulkans 
von Laach, dürften sämmtliche trachytische Eruptionen und Kratere, 
so wie die Anhäufungen tuffigen Schlammes innerhalb der trachyti- 


— 669 — 


schen Becken in den Anfang der Braunkohlen - Ablagerungs - Periode 
fallen. Die ältesten Basalt - Ausbrüche scheinen mehr mit den obern, 
als mit den untern Braunkohlen - Bildungen gleichzeitig gewesen zu 
seyn. — XI Kap. Emporhebungen gewisser Berge am 
Schlusse der Braunkohlen-Bildung in den unteren 
Rhein- Gegenden (p. 90). In den Ketten des Hundsrücks, des Tau- 
aus und der Eifel hatten einige, jedoch wenig beträchtliche Erhebun- 
gen Statt; als Beweise erwähnt der Verf. der Aufhäufungen von Roll- 
stücken über der Süsswasser-Ablagerung in den untern Rhein- Gegen- 
den, und der später eingetretenen Austrocknung der Süsswasser- See’n. 
Nur von jenen Erscheinungen ist in diesem Kapitel die Rede. Augen- 
fällig sind die Wirkungen, welche sich gezeigt haben müssten, wenn 
selbst nur eine nicht bedeutende Emporhebung des Hochlandes Statt ge- 
funden hätte, von dem aus die See’n am ‘Unterrhein, noch vor dem 
Durchbruche des Engpasses bei Bingen, ihren Zufluss erhielten. Mehr 
untergeordnete Ströme, die gegenwärtig in stärker geneigten Kanä- 
len ihren Lauf haben, würden unwiderstehlich alle Rollstücke, alle lo- 
sen Fels- Trümmer gewaltsam vor sich hertreiben , die, vorübergehend 
aufgehkäuft in den gemeinsamen Kanälen des Rheins und der Mosel, 
ihre Stelle auf der Oberfläche der Süsswasser - Ablagerungen der See’n 
von Neuwied und Kölln finden würden. Auf solche Weise erklärt sich 
das Kiesel-Gerölle hin und wieder über Sand und Sandstein verbreitet, 
Die Quarz-Geschiebe stammen ven den zahlreichen Quarz - Gängen im 
Thonschiefer-Gebirge, welches letztere, leichter zerstörbar, an und für 
sich kein Material zu Rollstücken lieferte. Von besonderem Interesse ist 
eine Kiesel-Gerölle - Ablagerung im Becken von Neuwied, indem sich 
daraus die Höhe ergibt, welche die von der Mosel herrührenden Ab- 
sätze erreichten in der Zeit, als die süssen Wasser, welchen dieselben 
zugeführt wurden, ihr erhabenes Niveau noch behaupteten; man ist 
berechtigt, für die Wasser des obern See’s einen Stand anzunehmen 
von beinahe 800 F. über dem gegenwärtigen Rhein-Spiegel bei Koblenz, 
oder von etwa 1000 F. über dem Meeres-Niveau. Schon Fiusss St. 
Fonp und später Nöcszratn schilderten diese Phänomene. — Solcher 
Art waren die Folgen der Katastrophen, wodurch der Hundsrück, der 
Taunus und die Eifel gehoben wurden. — XII. Kap. Vulkanische 
Thätigkeitim Becken von Neuwied während der Periode, 
als gewisse Berge der untern Rhein-Gegenden eine ge- 
ringe Erhöhung erlitten (p. 94). Gewisse aussergewöhnliche 
‚geologische Änderungen ereigneten sich im Becken von Neuwied, wie 
in jenem von Kölin, ungefähr am Schlusse der tertiären Epoche. 
Diese Periode, bezeichnet durch den beginnenden Abfluss der Rheini- 
schen See’n, fällt sehr wahrscheinlich mit jener zusammen, welche BeaAv- 
Mont an den Schluss seiner Reihe stellt, und die man unter den 
Namen „Sandstein von Fonteinebleau, obere Süsswasser-Formation von 
Paris und von der Insel Wight“, so wie „Faluns de Touraine“ 
kennt. Manche vulkanische Ausbrüche im Becken von Neuwied ge- 


= VOM — 


hören in diese neue Periode, ihre chronologische Folge ist jedoch 
keineswegs genau nachweisbar, Trachytische Eruptionen hatten aufge- 
hört; die. neuern Basalte unterscheiden sich mit wengen Ausnahmen, 
von den ältern durch das minder. dichte, durch ein mehr schlackiges 
und blasiges Wesen. Das ausgeschleuderte lockere Material besteht aus 
basaltischen Blöcken, aus Theilen primitiver Gesteine, losgerissen von den 
Wänden der vulkkanischen Schlünde, aus Schlacken-Trümmern und Lapilli, 
‚und aus vulkanischem Sand; und Asche. Gleich den ältern trachytischen 
und basaltischen Eruptionen: folgten auch die neuen. einer Richtung 
aus NW. nach SO... Im untern See von Kölln hat man zwischen dem 
die Braunkohlen-überdeckenden, Kiesel-Gerölle  Basalt-Blöcke gefunden. 
Im obern See von Neuwied dürften solche Erscheinungen nicht mit 
derselben Evidenz nachweisbar seyn. Die Vulkane, von welchen 
in diesem Kapitel die Rede, tragen ungefähr . den nämlichen Charakter 
wie jener von Boos; sie finden sich im N, der Brühl, und sind der 
Bausenberg, der Herschenberg, der Leileskopf und der Steinberg. Am 
Krater des Bausenberges findet man vulkanische Asche und vulkani- 
schen Sand, und ausserdem Stücke verschlackten Basaltes, welche zier- 
liche Augit-Krystalle so wie Titaneisen enthalten. Ferner sind Trüm- 
mer von den Gesteinen vorhanden, durch welche die Eruption Statt 
hatte, und unter diesen namentlich Glimmerschiefer-Fragmente. Das 
innere Krater-Gehänge ist sehr steil und dicht bewachsen. Sein nord- 
westlicher Theil ist sehr zerstört, muthmasslich durch einen hervorge: 
brochenen Lavastrom, welcher gegen das Pfingstbach-Thal seinen Lauf 
genommen haben dürfte, bei Gönnersdorf auf Überresten lehmig-sandi- 
ger Massen (Briz) ruht, nach W, hin aber von einem Thonschiefer- 
Rücken begrenzt wird. Am Krater des Herschenberges, der im Allge- 
meinen besser erhalten ist, findet man ungefähr ähnliche Verhältnisse; 
basaltisches Material waltet vor, und ist stellenweise durch ein Kalk- 
Zäment gebunden. Die Überbleibsel vom Leileskopf-Krater sind sehr 
unbedeutend. Die Basis des Steinberges besteht aus Thon- oder Grau- 
wacke-Schiefer, durch welchen hindurch die ‘basaltische Eruption sich 
ereignete. Spuren eines Lavastroms sind beobachtbar. In den Säulen- 
förmig abgesonderten Basalt-Massen sind zeolithische Einschlüsse zu 
treffen. — XII, Kap. Austrocknung oder Niveau-Abnahme 
der See’n von Neuwied und Kölln (p. 99). Unter den Umständen, 
welche zu diesem Phänomen beigetragen , oder dasselbe beschleunigt 
haben dürften, verweilt der Verf. bei den vulkanischen Katastrophen in 
den Tiefen, welche auf die genannten Becken, so wie auf den Hunds- 
rück, die Eifel und den Taunus einwirkten; erstere würden dadurch 
eines Theils ihrer Schranken beraubt, und so der Abfluss grosser Was- 
ser-Massen begünstigt worden seyn. Indessen fragt es sich, ob nicht 
auch spätere Umwälzungen in den untern Rhein-Gegenden dabei thätig 
waren. Beim Beginne des Austrocknungs-Prozesses erlitten die vor- 
handenen Ablagerungen von Sand, Sandstein, plastischem Thon und 
Braunkohle mehr und weniger. bedeutende Störungen und Xinwegfüh- 


- SU 


rungen eines Theils ihrer Massen. — XIV. Kap, Ruliger Zwi- 
schenraum von langer Dauer im Becken von Neuwied; es 
hatten wenige.oder keine vulkanische Eruptionen Statt, 
die Austrocknung; schritt 'vor (p. 102). Die. geologischen ' Er- 
scheinungen, von deren Untersuchung die Rede ist, lassen sich sehr na- 
turgemäss in zwei Perioden abtheilen. In der ersten wurden die Süss- 
wasser-Becken am Nieder-Rhein allmählich mit den uns bekannten Ab- 
lagerungen von Sand u. s. w. angefüllt. In diese Zeit fallen die tra- 
chytischen Eruptionen und die ältern Basalt-Ausbrüche. ‘In die zweite 
Perioden gehören die oben ‚augedeuteten Erhebungen gewisser, Gebirgs- 
Theile, so wie das Beginnen des Austrocknens der Süsswasser-Becken 
am. Nieder-Rhein. Auf diese mehr und minder gewaltsame Ereignisse 
folgte ein langer Zwischenraum, in welchem keine, oder nur sehr we- 
nige vulkanische Katastrophen Statt hatten. Wir sahen am. Schlusse 
der tertiären Epoche ‚die letzten Spuren des Vorhandenseyns von Pal- 
men verschwinden. Daraus ergibt sich, dass das Klima des westlichen 
Europa dem gegenwärtigen Zustand der Dinge schon sehr , nahe ge- 
bracht war. Die Regengüsse, die in grösster Menge und .Heftigkeit 
Statt gefunden, ‚durch welche die Thonschiefer-Felsmassen in den, zer- 
stückten Zustand versetzt worden, der in den Sand- und Thon-Ablage- 
zungen des Beckens von Neuwied, und. Kölln unverkennbar ist, hatten 
angefangen nachzulassen. Eichen, Buchen und Fichten blieben. beste- 
hend, während die frühere Vegetation, zum, Theil untergegangen war, 
Für den forschenden Geologen bieten sich andere Quellen der, Beleh- 
rung. Man ‚findet mächtige Torf-Lager, von denen nachweisbar ;ist, 
dass solche vor den grossen Diluvial - Absätzen‘ im nördlichen Deutsch- 
land, ‚oder auf; den Britischen Inseln vorhanden gewesen. Auf den 
Höhen, der Veen, im WW. des ‚Rheins, ist; eine alte Thon - Abla- 
gerung, mit Torf überdeckt, der ‚eine Mächtigkeit von 16 F.. hat. 
Die untersten; Torf-Lagen, ‘weiche unbestimmbare Holz-Reste enthalten, 
ähneln - sehr den: Braunkohlen - Schichten ‚und dürften unmittelbar auf 
dieselben gefolgt:seyn; In den höheren Lagen des Torfes findet man 
Theile von Birken-Holz , Taunen-Zapfen und Hasel-Nüsse ; die obersten 
Lagen, aus schwammigem Moose bestehend, setzen. das ange in Zu- 
sammenhang mit der Vegetation heutiger Zeit, Über das Thier - Leben 
an.den Ufern der ‚Rheinischen See’n in jener frühen Periode gebricht es. an 
näherer Kunde. — Von der Zerstörung und Zersetzung der älteren 
Gesteine im Neuwieder Becken während ‚dieses Zeitverlaufes und 
den dafür sprechenden ‚Thatsachen, wird. später die Bede seyn, 
Mauche,neuen Ablagerungen mussten, als die Vulkane ruhten, entstehen; 
aber sie waren, meist nur von vorübergehender Dauer in Folge der 
das Austrocknen der Sce’n begleitenden Ereignisse. — XV. Kap. Vul- 
kanische Kette, die in der Richtung aus NW. nach SO. 
von der Kempenicher Höhe bis zum Hochstein sich verfol- 
gen lässt (p. 104). Alle hieher gehörenden Ausbrüche dürften ungefähr 
gleichzeitig seyn. Die meisten -llen sich als schlackige Kegel und 


ie 


Hügel dar, Regelmässige Kratere werden vermisst; aber dass auch 
hier Entwickelungen gasförmiger Flüssigkeiten Statt gehabt, leidet: kei- 
nen Zweifel,‘ nur waren die verschiedenartigen Ausschleuderungen von 
Schlacken-Bruchstücken und anderem losen Materiale weniger bedeutend, 
Die Anhäufungen dieser Auswürflinge, zunächst um die engen Schlünde 
bedingten die Kegel- förmigen Berg-Gestalten. Es hatte schnellere 
Verschliessung der Schlünde Statt. Die vorzugsweise hieher gehören- 
den Schlacken - Vulkane sind: :1) der Hügel von Heidnerhof im NW. 
von Kempenich, 1237 F. über den Rhein - Spiegel bei Koblenz. Den 
Gipfel bedecken -schlackige Basalte, in denen hin und’ wieder Augit- 
Krystalle vorkommen, 2) Die neuen Ausbrüche am Rande des vulka- 
nischen Beckens von Fusel. Grosse Lava-Blöcke liegen zerstreut auf 
den Bergen; sie sind untermengt mit Lapilli, mit schwarzem Sand und 
mit’ Asche: 3)’ Neueste Eruptionen das alte vulkanische Becken von 
Wehr begrenzend. Auch ihre Erzeugnisse sind durchaus basaltischer 
Natur. ’°4) Ausbruch im W, des Dorfes Glees. 5) Letzte‘ basaltische 
Eruption nordwestlich von Weibern. 6) Ausbrüche zwischen den ‚Dör- 
fern w. abern' und Volkerfeld. 7) Dergleichen im’ W. des’ Klosters 
Laach. 8) Muthmasslicher Krater unfern des Dorfes Bell. = XVI. Kap. 
Der Hochstein (p. 109). Im SO, des Riedener Beckens "erhebt sich 
ein hoher Thonschiefer-Berg, der durch Laven-Ausbrüche "an 'erhabenen 
Punkten mit zwei Gipfeln ‘versehen wurde. Dieser "Vulkan dürfte je: 
nen 'beizuzählen seyn, von denen’ die verhältnissmässig lange Periode der 
Ruhe unterbrochen wurde. ‘Die ‘erzeugten Massen haben nıehr Ähn- 
lichkeit mit jenen, welche ‘den älteren Ausbrüchen in der Eifel angehö- 
ren, wo, zur Zeit, als dievulkanische Thätigkeit im Neuiwieder Beckeu 
mehr gehemmt war, häufige Eruptionen Statt hatten. Indessen ist diess 
nur Vermuthung, denn die Basis des Hochsteins zeigt sich sehr’ erhaben 
über das alte ‘Niveau 'des Nemvieder See s, so dass man über die, mit 
der Austrocknung verbundenen Umstände nicht näher belehrt‘ wird. Mit 
dem Ausbruche elastischer Gase wurden zugleich viele Bruchstücke 
basaltischer Schlacken emporgeschleudert, viele Lapilli, "grosse Mengen 
von Sand und Asche und namentlich auch zahlreiche vulkanische Bom- 
ben. Am südöstlichen Berg-Gehänge, wo Regengüsse jenes lockere Material 
grossen Theils hinwegschwemmten, hatten Untermengungen desselben 
mit Allavionen, von zersetztem Thonschiefer herrührend, und mit‘ Ge- 
stein-Bruchstücken Statt. Mitunter bildete sich auf diese Weise ein 
vulkanischerfuff. Nach SW. hin findet man über trachytischen Konglomera- 
ten eine Ablagerung von Lapilli und von vulkanischem Sande, 18 bis 
94 F. mächtig. Der vulkanische Sand dürfte von Hoöchstein bis zum 
Dorfe Obermendig geführt worden seyn. Unter den  Fragmenten 
an den Wandungen des Schlunds, die ausgeschleudert wurden, trifft 
man Granite und Glimmer - Blätter. Zuletzt scheint ein Strom von ba- 
saltischer Lava aus der Mündung sich gegen NO. ergossen zu haben. 
Sein Taauf ist an den Haufwerken gewaltiger Blöcke erkennbar, Die 
in der Basalt-Lava angeblich vorkommenden schwarzen Granaten hat 


— (3 — 


der. Verf, nicht gefunden. — XVII Kap. Hoch-Simmer :[Hochsummer), 
Ausbrüche bei Eitringen und Lavafeld: von Mayen und Kot- 
tenheim (p. 112).: Diese Vulkane gehören zu der bereits erwähnten, 
aus NW. nach SO. sich erstreckenden ‚Reihe. Am. Hoch-Simmer. ist 
ein bedeutender Krater-Rest vorhanden, dessen Ränder ungefähr 1100 F, 
über dem .Wasserspiegel der Nette liegen und 1695 F. über jenem des 
Rheins. Die Basis des Berges bildet Grauwacke - Schiefer, der zahlrei- 
che Abdrücke von Meeres - Muscheln enthält. Die Krater- Wände sind 
überdeckt mit Asche und basaltischen Lapilli. Von STEININGER wurden 
in dem vulkanischen Sande, mit welchem die nachbarlichen Berge über- 
deckt sind, manche Mincral- Substanzen nachgewiesen, so u. a. Mag- 
neteisen-Krystalle, glasiger Feldspath, Augit, Titanit u. s. w. Der Berg 
dürfie mehrere: Ströme blasiger und poröser Basalt-Lava ergossen haben 
und dadurch wenigstens der dritte Theil der Krater- Wände: zerstört worden 
seyn. Die Ausbrüche um Etiringen hatten im O. und SO, von Hoch-Simmer 
Statt, am’ westlichen Rande des alten Neuwieder See’s, als dessen Was- 
ser abzunehmen begannen. Die Schlacken-Hügel dieser. Gegend werden 
mit verschiedenen Namen bezeichnet. Ihre Erzeugnisse sind. mif den 
zuvor beschriebenen übereinstimmend. ' Der Verf. fand als Einschlüsse 
mehr und weniger durch. die Gluht veränderte Bruchstücke von: Horun- 
blende-reichem : Granit und von. Giimmerschiefer.; Der -Ursprüng., der 
Lavafelder von Kottenheim und Mayen ist. nicht‘ 'genugsam aufgeklärt. 
Verschiedene . Ansichten von: STEININGER, VAN DER Wrck und Scuurze. 
Der Verf. glaubt’ nicht an einen sehr‘ grossen Krater als den muthmass- 
lichen Mittelpunkt der Eruption. Die Gestein-Masse:: ist dichter, ‘ächter 
schlackiger, schwarzer Basalt. Er umschliesst zahllose‘ Trümmmer pri- 
mitiver Felsarten, Granit, Gneiss,: Glimmerschiefer u; s.:w. Hin und 
wieder kommen’ kolossale Säulen-artige Absonderungen: vor, welche 
nach der Teufe auf fester unzerklüfteter Lava ruhen. — XVII. Kap. 
Lava-Feld von Mendig (p. 116). "Der Verf. sieht das. herrschende 
Gestein als in der Mitte stehend zwischen basaltischem: und: feldspathi- 
gem an, und vergleicht dasselbe zunächst mit PovLerr 'Scrope’s Grey- 
stone. Das beträchtliche Lavenfeld' erstreckt, sich bis auf ungefähr 
1 E. Meile vom Laacher See.s“ Seine‘ Ausdehnung war «sehr 'regellos 
und dürfte in der ‚Richtung von’ N.) nach S. 1 bis % E: M., von ©, 
nach W. aber 2 E. M. betragen.‘ Zur Zeit dieses Ausbruches erlitt das 
Neuwieder Becken ‘eine: beträchtliche Verminderung‘ ‘seines Niveau’s; 
ein grosser Theil der tertiären Ablagerungen des Sees, \untermengt mit 
tuffigem Material, wurde entblöst. Diess zeigt sich augenfällig. aus 
den grognostischen Verhältnissen um Obermendig. Was den Ursprung 
der Mendiger Laven betrifft, die Stelle, der sie entflossen, /so weiss man 
sehr wenig darüber. Einige haben den Laacher See- dafür ansehen 
wollen; allein der mineralogische Charakter der Erzeugnisse beider Orte 
ist wesentlich verschieden. Andere, wie z. B. van DER Wier, su- 
chen den fraglichen Krater im S. des Luacher See’s; der Verf. beob- 
achtete daselbst nur Schlacken-Hügel. Steininser nimmt, als Ursprungs- 


un NEE 


Ort der Mendiger Lava, einen Hügel im W. unfern Obermendig an. — 
Bemerkungen über die mineralogische Beschaffenheit der’Mendiger Lava. 
Zu den vielartigen Einschlüssen der Masse gehören: Granit, Gneiss, 
Thonschiefer, Grauwacke, Kalkstein, Quarz, zum Theil Blei- und Kupfer- 
Erze führend, Glimmer-Blöcke,: Turmaline, Magneteisen, Hauyn, Nephe- 
lin, Titanit, glasiger Feldspath, Augit, Olivin, Leuzit, Opal. — XIX. 
Kapitel. Vulkanische Berge im O. und NO. des Laucher See’s 
(p. 125). Dahin: der Krusterofen, der Rethenberg und einige andere 
Piks in ihrer Nähe, so wie die Ausbrüche von Eick und manche un- 
fern Andernach, gegen NO. aber die Feuerberge von  Fornich. Das 
Vorhandenseyn von Kratern am Krusterofen und Rothenberge bezwei- 
felt der Verf... Ebenso fand er um Eich nur Schlacken-Hügel, Die 
Lava nähert ‚sich: in ihren: Merkmalen jener von Mendig. Sie ‘um- 
schliesst auch manche Feisarten-Trümmer, wie z. B. von Thonschiefer, 
Granit u. s. w.' Die Eruptionen beim Kloster von S£.: Thomas, sowie 
jene in der Nähe der ‚Hack-Mühle, lassen noch genauere Aufschlüsse 
wünschen. Jene‘ beim Dorfe Fornich dürften eingetreten seyn, als 
der Rhein-Kanal im N. der Andernacher Schlucht ungefähr zu seiner 
gegenwärtigen Tiefe eingerissen wurde. Dafür spricht namentlich einer 
der vorhandenen kleinen Lava-Ströme. —.XX. Kap. Vulkane mit 
dem Trass-Thale von Brühl (Brohl) zusammenhängend (p. 
129). Zur Zeit, als die:tertiäre Periode begann, bestand ein See. längs 
des Laufs der Brühl, von der Quelle an bis Burg Brühl.‘ Durch die 
früheren Ausbrüche des Perlenkopfes und der Kratere von Fusel und 
Wehr dürfte der grössere Theil jenes See’s nach und nach mit tufligen 
und andern vulkanischen Produkten .angefüllt worden ‚seyn. Der Er- 
'guss aus dem See hatte zwischen Burg Brohl und Tonistein Statt. Wie 
bereits erwähnt worden, erstreckte sich von Wassenach bis zum Rhein 
ein Zerreissungs-Thal auf eine Weite von 5 EZ, M. Es ist merkwürdig 
seiner steilen Gehänge wegen, so wie wegen der ein- und ausspringenden 
Winkel, die seinen Lauf bezeichnen: Beweise der gewaltsamen Entste- 
hungsart. Der Verf. legt ihm den Namen Trass-Thal von Brühl 
bei, weil dasselbe theilweise mit dem tufligen Schlamm erfüllt ist, wel- 
cher nach seiner technischen Zubereitung als Trass bezeichnet wird. 
Dieser Tuff (Tuffstein) war das Ergebniss jener Vulkane, die nun 
untersucht werden sollen. (Die VII. Tafel enthält bildliche Darstellun- 
gen vom Trass-Thal der Brühl.) — Dem alten See von Gleis war ein 
grosser Theil des noch in: hoher Temperatur befindlichen Schlammes 
zugeführt worden, der sich aus dem’ vulkanischen Kessel von Rieden 
entladen hatte. Man kann denselben als eine tiefe enge Schlucht, un- 
gefähr 5 E. Meilen lang und 4 bis $ E. M, breit, ansehen, nach W. 
begrenzt durch hohe Ränder, die an das Wehrer-Becken anstiessen, 
gegen O. eingeschlossen von dem Thonschiefer Rücken des Laacher 
See’s, und im N. und NO. von einem kreisrunden Berg, der Spitze der 
Lummerfelder Vulkane. Die Verhältnisse des Kraters von Lummerfeld, 
der später zu einem Krater-See wurde, so wie jene des Brühler Trass- 


= u 


Thales findet man durch ein kleines Kärtchen erläutert. Die mit dem 
zuletzt genannten Thale verbundenen Feuerberge gehören zu den inter- 
essantern; ihre: verwickelten Beziehungen erschweren die genäuere Er- 
forschung nicht wenig. Der Verf. theilt die Geschichte derselben in 
eilf Perioden (auf deren Andeutung wir uns beschränken müssen): 
1) die vulkanischen Explosionen hatten ihren Sitz auf einer wenig be- 
trächtlichen Höhe im N. des tertiären See’s von Gleis, das Lummerfeld 
genannt, wo sich ein Krater aufthat, der als Lummerfelder Krater zu 
bezeichnen seyn dürfte. 2) Der Schlund wurde, durch die aus dem 
Gleiser See ihm zutretenden Wasser, in einen See umgewandelt. 3) 
Während der vulkanischen Aktion erfüllte sich der See mit tuffigem 
Schlamm. 4) Ein weniger ansehnlicher Krater, der vom Kunkskopfe, 
öffnete sich seitlich vom Lummerfelder. 5) Später hatte Ergiessung 
des Schlammes ins Brühl-Thal Statt. 6) Die Wände des Kunkskopfer 
Kraters umschlossen theilweise oder ganz einen neuen Krater-See, der 
inzwischen gebildet worden war. 7) Während der fortdauernden Erup- 
tionen des Kunkskopfes erfolgten abermals schlammige Ausbrüche. 8) 
Später gesellten sich, in Folge anderer Eruptionen, basaltische Laven- 
Ströme hinzu. 9) In Folge der letztern traten wiederholte Fortführun- 
gen der neuern Schlamm -Aufhäufungen ein, welche gleichfalls ihre 
Schranken durchbrachen, um sich wie die frühern ins Trass-Thal der 
Brühl zu ergiessen. 10) So wie nun nach und nach dieses Thal mit 
Schlamm angefüllt wurde, staueten die Wasser, welche aus dem obern 
und dem Seiten-Thal der Brühl herausbrachen, und nun erfolgte aber- 
malige Umwandeiung des Thales zu einem See. 11) Ähnliche Ursachen 
veranlassten ein Verdämmen des Seiten-Thales der Kehl: auch hier bil- 
dete sich ein kleiner See. Während dieser Eruption endlich traten sa- 
linische Quellen an den Tag und gasige Exhalationen brachen hervor an 
verschiedenen Stellen des Brühler Trass-Thales, so wie aus den Tiefen 
der mit denseiben verbundenen Seiten-Thäler. — Der vulkanische Tuf, , 
der durchidie Schnelligkeit, mit welcher er in festen Zustand überging, 
zwei Seiten-Thäler geschlossen und die Entsteliung mehrerer See’n be- 
dingt hatte, unterlag bald wieder den zerstörenden Wirkungen der 
Bergströme; nur einzelne mehr und weniger beträchtliche Theile der 
Massen wurden erhalten. — XX1.Kap. Erneuerte Thätigkeit solcher 
Vulkane, welche ihreKraft-Äusserungen bis zum Schlusse 
der tertiären Epoche und selbst noch weiter fortsetzten 
(p. 144). sie gehören zwei Örtlichkeiten an; die erste ist der Laacher 
See, die andere in der Nähe der Humricher Berge, wo die Nette dem 
Rheine zufliesst. Die wiederholten Ausbrüche des Zaacher Kraters 
faliegpohne Zweifel in die Zeit, wo manche “andere der beschriebenen 
ei Vulkane noch in Thätigkeit waren. Ihnen folgte die Eruption 
der Hämricher Berge, von denen man geneigt seyn könnte zu glauben, 
dass sie mitunter bis in die historische Zeit herüberreichten. Es beginnt 
hier eine Periode, wo die vulkanischen Umwälzungen sieh beträchtlich 
verminderten. Die Ufer des Neuwieder Becken fingen an, sich’iunit 


Jahrgang 1834, “4 


— 666 — 


Waldungen zu bedecken; die damals bestehenden Thier-Geschlechter, 
von denen einige gegenwärtig erloschen sind, durchstreiften in Schaa- 
ren jene Waldungen und lebten am Gestade; nur zuweilen wirkten die 
Vulkane feindseelig auf das 'Thier-Leben ein. Der Verf. glaubt, dass zu 
dieser Zeit das westliche Europa am frühesten sey von Menschen be- 
wohnt worden (seine Gründe sollen später folgen). Der Zerstörungs- 
Prozess, was primitive und tertiäre Fels-Schichten betrifft, hatte im 
Vergleich zu früheren Perioden mit abnehmender Stärke Statt; zum 
Theil dürfte die Ursache der letztern Erscheinung in dem veränderten 
Temperatur-Zustande zu suchen seyn, wodurch die Erd-Oberfläche em- 
pfänglicher wurde für Pflanzen- und Tbier-Leben. — XXI. Kap. 
Neueste Ausbrüche des ZLaachker-Kraters (p. 145). Mit Hin- 
weisung auf das V. Kap. nimmt der Verf. an, dass, während des Beginns 
der tertiären Epoche, ähnliche Erscheinungen im Krater von Laach 
sich ereigneten; die Tiefen desselben blieben verhüllt durch mächtige 
Ablagerungen von plastischem Thon und von Sand, die er als Krater- 
See aufgenommen hatte in Folge seines Zusammenhanges mit dem 
grossen See von Neuwied und der Statt gefundenen Vermengung der 
Wasser beider Weitungen. Nach einer Vermuthung des Verfs. stie- 
gen, vielleicht gleichzeitig als der Krater von Laach zum See wurde, 
vulkanische feldspathige Gesteine aus der Tiefe unter Gestalt von Gän- 
gen oder dykes durch den Schlund empor, die meisten Trümmer, welche 
die Mündung schlossen, vor sich wegtreibend, oder sie von ihren noch 
nicht völlig erstarrten Massen umhüllt mit sich fortführend. Einer 
andern Voraussetzung zu Folge wäre loses Material, wie solches tra- 
chytische Eruptionen so häufig zu begleiten pflegt, durch den Krater- 
Schlund emporgetrieben worden, und im Gemenge mit dem Wasser des 
See’s hätten sich tuffige Ablagerungen gebildet, die über dem Trachyt 
ihre Stellen fanden. Dabei ging H. von der Annahme aus, dass die 
frühere trachytische Eruption nicht zu bedeutender Höhe gelangt, son- 
dern unter dem Niveau der Seewasser zurückgeblieben seye. Der 
übrige Theil der Geschichte des Laacher See’s ist augenfälliger. Bei 
der Nähe des grossen Neuwieder Beckens wurde jener Krater mit den 
erwähnten Thon- und Sand-Ablagerungen angefüllt, deren Überbleibsel 
unverkennbar sind. Von dieser Periode an, und fast bis zum Schlusse 
der tertiären Zeit dürften keine gewaltsame Störungen eingetreten seyn. 
Der Verf. unterscheidet die vulkanischen Phänome, welche sich nun ereigne- 
ten in: 1) Ausbrüche in der Runde des Randes vom Laacher See; 2) spätere 
Eruptionen aus den Tiefen des Kraters selbst; 3) Dauer der letzten Phä- 
nomene bis zum Schlusse der tertiären Zeit, ja vielleicht bis zum An- 
fange der neuesten Epoche. Was die ersten, die in der Runde um den 
See erfolgten Ausbrüche betrifft, so hatten sie aus dem, den Rand bil- 
denden; Thonschiefer Statt. Betrachtet man den Laacher Krater als 
eine grosse kreisfornige Weitung, von welcher kleine Längen Spalten 
gleich Strahlen auslaufen, so dürfte letztere nicht ohne Grund, als be- 
diugende Ursache der später aus der Zentral-Öfnung hervorgebroche* 


- 617 — 


nen Basalt-Eruptionen anzusehen seyn; die Richtungen mancher Laven- 
Ausbrüche sprechen entscheidend dafür, dass dieselben durch sehr alte 
Spalten emporstiegen. Der Verf. schildert nun die nach den vier Welt- 
Gegenden den Laacher Krater begrenzenden Vulkane. Am nördlichen 
Rande findet man Spuren einer wenig bedeutenden Eruption, unver- 
schlackte Basalt-Blöcke mehr und weniger verhüllt durch Pflanzen- 
Wachsthum, oder durch den vulkanischen Sand des Sees. Am NW.- 
Rande: ein kleiner Berg mit verschlacktem Gipfel, und ein grösserer, 
der Veitskopf, wo aus Thonschiefer-Schichten eine vulkanische Erup- 
tion Statt gehabt. Schlacken - Theile und Asche, welche man bis 
zur Berges. Spitze verfolgen kann, belehren üher die Beschaffenheit 
des Ausbruchs. Muthmasslich lieferte der Weitskupf zwei unbedeutende 
Ergiessungen, eine gegen den Luacher See zu, die andere in entge- 
gengesetzter Richtung nach dem See von Gleis hin. Die Lava unter- 
scheidet sich nicht wesentlich von jener, welche am Rande des Laacher 
See’s überhaupt gefunden wird. Andere wenig bedeutende Eruptionen 
basaltischer Lava ereigneten sich am südwestlichen, südlichen und östli» 
chen Rande dieses See’s, — Um die aus den Tiefen des Kraters Statt 
gehabten Ausbrüche anschaulicher zu machen, fügte der Verf. einen 
idealen Durchschnitt bei, welcher zeigt, wie der See in der Tiefe mit 
Trümmer-Haufwerken angefüllt und so die Mündung des Schlundes ge- 
schlossen gewesen, darüber aber Ablagerungen von plastischem Thon und 
von Sand, in den obersten Schichten untermengt mit Riedener Tuff, Statt 
gehabt;aus den Tiefen drangen Trachyt-Gänge bis an die untere Grenze der 
Sand- und Thon-Ablagerungen empor. Am Schlusse der tertiären Epoche 
scheint der vulkanische Heerd unterhalb des Laucher See’s sich von 
‚Neuem entzündet zu haben. Die elastischen Stoffe bahnten sich einen 
Weg durch den, seit langer Zeit verschlossenen, Schlund. Das Manch- 
faltige des ausgeschleuderten Materials dient zur Erläuterung der Früh- 
Geschichte des See-Beckens. Es gehören dahin: Trümmer primitiver 
Gesteine (Granit, Gneiss, Glimmer- und Thon-Schiefer) und Bruchstücke 
von vulkanischen Felsarten, jene herrührend von den Krater-Wänden 
während der Entwickelung der elastischen Flüssigkeiten, oder von äl- 
tern Resten, die beim Beginn der Tertiär-Epoche den Schlund geschlos- 
sen hatten, diese, die vulkanischen Massen, abstammend von den in der 
nämlichen Epoche als Gänge aufgestiegenen Trachyt- Gebilden, deren 
Trümmer unter den Wassern des See’s begraben wurden; ferner findet 
man Fragmente vom alten Tuffe, der über den aufgestiegenen trachyti- 
schen Gängen muthmasslich eine zusammenhängende Lage ausmacht ; 
so wie emporgeschleudertes Material der tiefen tertiären Lager, die, erst 
nach den trachytischen Eruptionen, den Laacher See füllten; endlich 
gehören zu den Ausschleuderungen Bruchstücke der. obern Schlamm- 
Lagen, mit Sand und plastischem Thon im Gemenge vorkommend. Dieses 
Alles gehört zu den Ergebnissen der letzten vulkanischen Thätigkeit. — 
In den verschiedenartigen vulkanischen Auswürflingen kommen sehr viel- 
artige Mineral-Substanzen vor: glasiger Feldspath, Hornblende, Augit, 
44 8 


- Wr ! 


Glimmer, Magneteisen, Titanit, Hauyn, Mejonit, Nosin, Sodalit, Nephe- 
lin, Apatit, Cordierit, Melilit, Zirkon, Spinell, rother und schwarzer 
Granat, Olivin u. s. w. — — Der Verf. wendet sich nun zu den Be- 
trachtungen über die fortgesetzte Eruption des Laacher Kraters und 
zu den in dessen Runde Statt gehabten Phänomenen, Diese Ausbrüche 
ereigneten sich aus verschiedenen kleinern Schlünden ; das emporgeschleu- 
derte Material bestand aus erdigen Substanzen, aus Schlamm und aus Ge- 
stein-Trümmern manchfacher Art, wie solche die neuern Eruptionen zu 
‚bezeichnen pflegen. — Die Fragmente primitiver und älterer vulkani- 
scher, aus der Tiefe des Schlundes gewaltsam herausgetriebener Fels- 
massen, begleitet von Emporschleuderungen von Thon und Sand, mit 
Tuf-Theilen untermengt, minderten durch ihre Anhäufung rund um den 
Rand des Kraters an mehreren Stellen dessen ursprünglichen Umfang. 
— XXIII Kap. Vulkanische Höhen im Südosten des Neuwie- 
der Beckens, als die letzten Erscheinungen solcher Art 
in diesem Landstriche (p. 166). Es gehören dahin: der Carme- 
lenberg und einige in seiner Nähe befindliche Ausbruch-Massen; die 
Gruppe der Saftiger Feuerberge ; jene, welche mit dem Namen Hum- 
richs bezeichnet werden, und die des Nickenicher Sattels. Alle, vielleicht 
nur der Curmelenberg ausgenommen, sind durch ‘gewisse Eigenthüm- 
lichkeiten bezeichnet. Ihre Basis findet man, und selbst auf bedeutende 
Weite, bedeckt mit einer tiefen Ablagerung von tufligem Schlamm, in 
deren Trümmern weisser Bimsstein vorherrschet, Während die Bildung 
von Schlacken-Hügeln und Krateren an den Schluss der tertiären Zeit 
zu setzen ist, gehören die Bimsstein-Ausschleuderungen einer spätern 
Periode an. Der Verf. liefert zuerst eine Untersuchung der Vulkane 
nach ihrem ursprünglichen Charakter. Der vulkanische Pik des Carme- 
lenberges erhebt sich etwas mehr als 200 F. über das Niveau des Thon- 
schiefers, aus dem er hervorbrach. Sein Gipfel misst ungefähr 1026 
Rheinische Fuss über dem Wasser-Spiegel bei Koblenz. Er besteht 
vorzugsweise aus Basalt-Schlacken, aus Asche und vulkanischem Sand. 
In der Runde des Berg-Fusses findet sich eine mächtige Ablagerung 
schwarzen Sandes, der Magneteisen, (sogenannten) Semeline und Me- 
hit enthält, Üppiges Pflanzen-Wachsthum erschweren die Untersuchun- 
gen selır. Im N. des Carmelenberges werden andere Ausbrüche ge- 
troffen. Eilf Schlacken-Hügel tragen den Namen Humrichs; sieben 
derselben folgen einer Richtung aus O. nach W., drei streichen nach 
NW., nur einer liegt im Norden. Ob die von den Schlacken-Hügeln - 
umschlossene Vertiefung ein Krater sey, bleibt unentschieden; der Verf. 
erachtet es für glaubhafter, dass jene Hügel aus einer regellosen Spalte 
hervorbrachen. Das dieselben zusammensetzende Material — basalti- 
sche Schlacken, Asche, Sand — unterscheidet sich nicht wesentlich von 
den früher beschriebenen ähnlichen Erscheinungen, Die meiste „Lava 
floss nach Werners Eck: sie bildete einen breiten Strom, der gegen 
hohe Thonschiefer-Felsen anstiess und von da an einer seitlichen Rich- 
tung folgte. In enger Schlucht häufte sich die basaltische Masse zu 
einem wenig beträchtlichen Hügel. Gegen W. und NW. liegen die 


m & 


Plaidter, Kretzer und Krufter Humrichse. Der Nette-Fluss scheidet 
sie von den Saftiger Höhen. Das Gestein, dieselben zusammensetzend, 
weicht von jenem der bisher beschriebenen Berge nicht wesentlich ab. 
Häufig trifft man Effloreszenzen von verschiedenen salzigen Substanzen. 
Für einstige Gegenwart mehrerer Krater sind Beweise vorhanden. — 
Zwischen Nickenich und Kretz findet man einen ausgezeichneten, gegen 
NNO. zerbrochenen Krater, der verschiedene Namen "trägt (Plaidter 
Wegkopf, Nickenicher Sattel und Weinberg). Das die Schlund-Wände 
bildende Material, basaltische Schlacken, Asche und Sand, wurde durch 
spätere Bimsstein-Ausbrüche sehr verhüllt. (Die wichtigern, in diesem 
Kapitel beschriebenen, vulkanischen Berge findet man auf Taf. VIII. ab- 
gebildet.) — Kap. XXIV. Verschiedene erdige und andere 
Ablagerungen, welche am Schlusse der tertiären Epoche 
bestanden (p. 174). Es gehören dahin: 1) die Travertin-Bildungen, 
welche die Stelle der, aus dem Brühler Trass-Thal entfernten Tufstein- 
Lagen einnehmen, so wie die kalkigen Gebilde einiger wenigen andern 
Örtlichkeiten. Im Kalktuff trifft man hin und wieder Bimmssteiu-Bruch- 
stücke, was aber die Travertin-Schichten besonders interessant macht, 
das sind die vegetabilischen und animalischen Überbleibsel, welche sie 
enthalten: Blätter und Zweige von Bäumen (ähnlich den im Trass ein- 
geschlossenen), Fluss- und Land-Muscheln (Helix pulchella, Succinea 
oblonga, Lymneus ovatus und ein Bulimus) und Gebeine und Zähne 
von Säugethieren (Biber, Hirsch, Haase). 2) Gerölle und Gruss, an 
manchen Stellen gemengt mit Schlacken- und Bimsstein-Trümmern und 
mit Asche-Theilen. So liegen u. a. auf der Eicher Lava wechselnde 
Schichten von Dammerde, Lehm und von Bimsstein, das Ganze 27 F. 
und darüber mächtig, darunter eine Lehm-Ablagerung von 15 bis 20 F. 
Stärke mit Fragmenten von Laven u. s. w., noch tiefer Basalt-Schla- 
cken, 15 bis 18-F., und endlich dichter Basalt. 3) Vulkanischer Sand 
von verschiedener Beschaffenheit. Man findet Ablagerungen der letzten 
Art besonders ausgezeichnet im Muifelde. — Kap. XXV. Diluvial- 
Strömung, mit welcher sich die Tertiär-Epoche schloss 
(p. 183). Diese Katastrophe war Folge der Emporhebung unserer Eu- 
ropäischen Alpen-Gebirge, die Strömungen ergossen sich ins grosse 
Thal des Rheins und brachten die Wasser im Neuwieder Becken wieder 
zu ihrem vormaligen Stande. Um den Hergang einigermassen genau 
kennen zu lernen, ist ein allgemeiner Rückblick auf die Beschaffenheit 
der obern Rhein- Gegenden von Maynz bis Basel am Schlusse der 
Tertiär-Epoche nothwendig. Mit Verweisung auf die, in frühern Ka- 
piteln in dieser Beziehung enthaltenen, Andeutungen bemerkt der Verf., 
dass nach Boue’s Ansicht angenommen worden, es wären vor Ablage- 
sung der Molasse auf dem Festlande die Meeres-Wasser, welche einen 
grossen Theil von Europa überdeckten, ausser Verbindung mit dem 
Ozean gewesen, und im Norden der Alpen hätte ein Binnen-See von 
Savoyen bis zum Bonnat bestanden, geschieden vom Baltischen Meere 
durch Gebirge. Begellose Landstriche, in diesen Binnen-See hinein- 
zugend, theilten nach Hissert denselben in sechs bis sieben Becken, 


— 68909 — 


deren eines das Thal zwischen Maynz und Basel war. Gebirgs- 
höhen, in der Richtung des gegenwärtigen Engpasses von Bingen sich 
erstreckend, und den wenig beträchtlichen Raum zwischen den Ketten 
des Hundsrücks und des Taunus einnehmend, trennten jenes Becken 
von dem heutigen Kanal des Rheins zwischen Bingen und Kölln und 
noch weiter nordwärts. Bove vermuthet ferner, es seyen die über die 
Erdoberfläche hin fliessenden Wasser so mächtig gewesen, dass die 
Ergiessungen oder Ausbrüche neuerer See’n, so wie die zerstörenden 
Wirkungen von Äquatorial-Strömen nur ein schwaches Bild ihrer Kraft- 
Äusserungen zu geben vermöchten. Nachdem so’ bedeutende Aufhäufun- 
gen der Europäischen Molasse Statt gefunden, musste nothwendig der 
relative Stand von Land und Meer in den inneren Theilen Europas 
wesentlich verändert worden. seyn. Die aus den Alpenhöhen herab- 
kommenden Fluthen führten von diesen Ablagerungen einen grossen 
Theil hinweg, und nun wurde die Haupt-Strömung des erwähnten Bin- 
nen-See’s bestimmt, ihre Richtung mehr nach der Mitte der grossen Aus- 
‚weitung von Europa zu nehmen. Bei dem Vorhandenseyn mehrerer 
Kanäle — die Verbindung der sechs oder sieben Becken, wovon die 
Rede gewesen, vermittelnd welche durch Niederschläge aus Flüssen 
oder von ausgebrochenen See’n mehr oder weniger verschlossen wor- 
den, waren die Wasser genöthigt, neue Ausgänge zu suchen, und so 
wurde die Zahl jener sieben marinischen Becken vermehrt. Was das 
obere Rheinische Becken betrifft, welches im Vergleich zu den grossen 
Binnen-See’n Europas eine mehr isolirte Lage hatte, so scheint es, dass, 
als die engen Kanäle, vermittelst deren dasselbe dem mehr südlichen 
Becken verbunden war, geschlossen wurden, eine gänzliche Änderung 
in den, jene Weitungen einnehmenden Ablagerungen Statt gefunden 
habe. Dass reine Süsswasser- Absätze das letzte Ergebniss der‘, im 
Becken von Maynz vor sich gegangenen Ausfüllungs - Prozesse. gewe- 
sen, ergibt sich nicht sowohl aus den noch anstehend vorkommenden 
Überbleibseln, als vielmehr aus den ungeheuren losgerissenen und 
fortgeführten Trümmern, die als Denkmale jener ausserordentlichen und 
weit verbreiteten Katastrophen alle Beachtung verdienen. Der Verf. 
beginnt mit einer Schilderung des ursprünglichen Charakters dieser 
Ablagerungen. Die letzten Tertiär-Gebilde, welche das Thal zwischen 
Basel und Maynz charakterisirt zu haben scheinen, betrachtet Bov& 
-als Produkte des grossen Süsswasser-See’s, welcher das Ober-Rheinische 
Becken erfüllte. Man hat dieselben unter verschiedenen Namen be- 
schrieben; der am allgemeinsten angenommene ist Loess (LEONHARD). 
STEININGER und einige Andere bezeichnen die Felsart als Britz oder 
Lehm; Bo u£ nennt sie Süsswasser-Mergel. Dass das Maynzer Becken 
ein Süss wasser- See gewesen, bezeichnet durch diese Löss - Ablagerun- 
gen, ist ausser Zweifel. Die überströmenden Fluthen wälzten sich 
der grossen marinischen Ausweitung zu, die damals in den Zentral- 
Regionen Europas bestand. Am Schlusse der tertiären Zeit, als 
die Süsswasser- Ablagerungen bereits eine beträchtliche Mächtigkeit 


—_— 6831 — 


erlangt hatten, dürfte die Oberfläche unseres Welttheils weit mehr 
‘verändert worden seyn, als diess seit der Emporhebung und der 
Zerreissung der Kreide-Becken der Fall gewesen. Im Neuwieder 
Becken erreigneten sich die Katastrophen zur Zeit, als die Bims- 
stein - Auswürfe der Humricher Berge begannen, als die letzten 
Eruptionen des Laacher Kraters Statt fanden; sie waren Folgen von 
Emporhebungen Alpinischer Berge in der Nähe des Bodensee’s. Über 
die Zeit-Periode, welcher das Ereigniss angehört, fehlt es an genügen- 
den Aufschlüssen; im Becken von Neuwied ist dasselbe nur an den 
'Diluvial-Verwüstungen zu erkennen. Erie pe Besumonr setzt, eine be- 
deutende Erhebung der westlichen Alpen in die Zeit- Periode unmittel- 
"bar nach der neuesten Bildung der Muscheln-führenden Molasse (shelly 
Molasse), gleichzeitig mit den Faluns de Touraine, Die von 
ihm angenommene Richtung ist aus NNO. nach SSW. Nach dieser Ka- 
tastrophe soll jedoch, wie der genannte Geolog zu glauben geneigt ist, 
eine spätere Dislokation eingetreten seyn, welche die Emporhebungen 
der Haupt- Alpen-Kette vom Walliser-Lande bis Österreich, mit Inbe- 
griff der Provencer- Gebirge u. s. w., bedingte ; ungefähre Richtung: 
aus ONO. nach WSW. Sie soll sich noch früher ereignet haben, als die 
losen Fels-Blöcke zerstreut, oder der Diluvial- Gruss verbreitet worden, 
Dem letzten Elevations-System dürfte auch das Diluvium in den Rhein- 
landen zuzuschreiben seyn. Dabei entsteht jedoch die Frage: ob die 
neueste Emporhebung der Alpen-Höhen Europas gleichsam das Werk 
eines Augenblicks gewesen, wie z. B. die mit Erdbeben verbundenen 
Phänomene, oder ob jenes Ereigniss die Folge von Erschütterun- 
gen gewesen, die geraüme Zeit hindurch anhielten? eine Zeit, welche, 
wenn auch kürz aus’geologischem Gesichtspunkte betrachtet, dennoch 
in geschichtlicher Hinsicht beträchtlich gewesen seyn kann. ' Der Verf. 
glaubt an plötzliche Katastrophen, so wie dass, mit der Erhebung der 
erwähnten Bergreihen, zugleich eine bedeutende Landstrecke über das 
alte Meeres - Niveau 'emporgetrieben worden. — Dass das Neuwieder 
Becken an diesen Konvulsionen verhältnissmässigen Antheil genommen, 
leidet keinen Zweifel, obwohl die Phänomene früherer und späterer 
Zeiten hier nicht immer scharf unterscheidbar sind. Eine Thatsache 
‘scheint unzweideutig. ‘An den Ablagerungen schwarzen vuikanischen 
Sandes im Becken ‘von Neuwied, von denen angenommen wird, dass 
sie nach der ersten Katastrophe erfolgt seyen, fand Hısserr auf der 
rechten. Rhein- Seite bei Gladbach stark geneigte Schichten nach. O. 
oder NO. fallend, — Die Erhebung der Alpinischen Berge Europas war 
mit manchfaltigen Umständen verbunden. Als eines der ersten Ereig- 
nisse dürften anzusehen seyn, dass die Strömung im obern Rhein-Beckeu 
einer umgekehtten Richtung folgte, statt aus N. nach S., von S. nach 
N. Ein auderer Umstand war die ungeheure Kraft der Wassermassen, 
welche dieser neuen Richtung gemäss aus dem obern Rhein - Becken 
in das untere getrieben wurden. Ein dritter war das neue Rinnbette, 
welches die Wasser im Engpasse bei Bingen: sich zu bahnen begannen, 
Daran reihten sich die Fortführuugen von Felsblöcken und Gesteins- 


— 632 — 
Massen auf grosse Weite. . Nun hatten Durchbrüche der Wasser durch 
die oberen Löss- Schichten ‚Statt, verbunden mit der . theilweisen 
Wegführung und Wieder - Absetzung an verschiedenen Stellen längs 
dem Laufe des Diluvial- Stromes. ‚Ein sechstes Ereigniss war die 
Untermengung des Lösses mit manchfaltigen Substanzen während 
dessen Dislokation.. Sodann erfolgte die Übersehwemmung, der Wal- 
dungen. und der Untergang. mancher Thier-Ragen. Endlich schloss 
sich als erste Katastrophe, durch die mit grosser Heftigkeit fortgeführ- 
ten Massen des Löss Schlammes, allem Vermuthen ‚nach der Schlund 
bei Andernach, und. die Wasser ‚des See’s wurden nun wieder zu ihrem 
früheren hohen Niveau emporgetrieben..:: (Der Verf. geht in ausführ- 
liche Schilderung. dieser acht Ereignisse ein. .und erläutert sie durch bei- 
gefügte: kleine Karten.) — XXVI. Kap.. Gewaltsame Ereignisse 
inder Nähe von Niedermendig während der Diluvial-Ka- 
tastrophen; Bimsstein-Eruptiomen „aus einer Spalte 
der Lavamassen in der Nähe von Thür (p. 205.). Nach Sreı- 
NINGER wäre die Lage des Lösses bei Nassburg;, durch ein ungewöhn- 
lich heftiges Erdbeben zu erklären; der..Verf.: wendet dagegen ein, 
dass man. jenes Gestein auch an andern Stellen in gleicher Erhabenheit 
träfe. Wichtiger, sind des zuerst genannten ;Geologen Bemerkungen in 
Betreff der Zerreissungs-Spalte in. der Mendiger Lava, die sich auf. ge- 
wisse Weite. verfolgen lässt. Van DER’ Wxer. gibt sehr gewaltsame 
Ereignisse in der Nähe von Niedermendig und ‚Thür zu: seine Erklä- 
rung ist jedoch, nach HisgerT, zu. verworren, .auch..stehen demselben 
keine vorhandenen Thatsachen zur , Seite. — Durch die Laven- Spalten 
hindurch hatten, während der Diluvial-Periode ‚und unmittelbar nachher, 
Bimsstein-Eruptionen Statt, Sie stammen, wie. bereis erwähnt worden, 
von feldspathigen.. Gesteinen ab. Die. Bimsstein-.Stücke. ‘wechseln in 
der Grösse von 3—4 Zoll bis zum kleinsten. Durchmesser, Die Erup- 
tionen, von welchen hier zunächst die Rede;. traten, wie .es scheint, zwi- - 
schen. Niederrmendig und Thür ein, da'wo: heutigen Tages. eine alte 
‚Kapelle steht. Die Stelle ist so erhaben, .dass der: Ausbruch nicht tief 
unterhalb der Diluvial - Wasser vor sich gehen konute. Ein Theil der 
emporgeschleuderten Bimsstein- Stücke fiel auf. .der ' Oberfläche des 
See’s nieder; andere wurden zwischen Spalten ‘und ‚Höhlungen .der 
Lavenmasse geführt und mengten sich hier.mit Sand, 'Thon u. s. ‚w.5 
noch andere Bimsstein - Trümmer trifft man. auf den. ‚Hochlanden ‚im 
W. und SW. von Thür, bei Mayen, Ettringen u. a. a. O.,.ja bis 
zum westlichen Ufer der Nette — XXVI. Kap Schlamm- 
Ausbrüche in der Nähe der Humricher Höhen zur Zeit, 
als die Wasser des Neuwieder Beckens ihr hohes Niveau 
wieder erreicht hatten (p. 208). Die Ursachen, ‘welche das Entstehen 
der Diluvial-Katastrophen bedingten, dürften aller Wahrscheinlichkeit 
nach die Fortdauer der Bimsstein-Ausbrüche begünstigt haben. Die 
Humricher Höhen, deren erhabenster Pnnkt 725° Rheinl. über, dem 
Strom-Spiegel bei Koblenz ist, waren mit Wasser bedeckt; die vorhan- 
denen Kratere mussten zu Krater-See’n werden 5 diess ergibt sich durch 


— 693 — 


‚die Aufhäufungen von vulkanischem Tuff am Fusse jener Berge. Der 
Krufter Humrich dürfte eine der Haupt-Quellen gewesen seyn. Der 
Tuff ist erdig, besteht allem Anscheine nach aus Bimsstein-Staub, zeigt 
graue, gelbe und röthliche Färbung, und umschliesst Bimsstein - Bruch- 
Stücke von: verschiedener Grösse; zufällig kommen auch kleine Thon- 
schiefer-Brocken, basaltische Schlacken u. s. w. darin vor. Von Schich- 
tung nicht eine Spur, wohl aber hin und wieder Absonderungen und 
Zerklüftungen, —:XXVII. Kap. Abnahme des Niveau’s flies- 
sender Wasserim Becken von Neuwied zur Zeit, als die 
‚gegenwärtige geologische Ep oche begann (p. 211). Wie 
im XXV.' Kap. nachgewiesen ‘worden, so hatten die Löss- Schichten 
durch die Diluvial-Katastrophe zum Theil eine Zerstörung erlitten und 
durch das fortgeführte Material wurde der Abfluss der Wasser in dem Becken 
von Neuwied gehemmt,: so dass ihr:Niveau wieder zu 700 F. und mehr 
‚über den: Rhein-Spiegel bei Koblenz betrug. Während dieser Ereig- 
nisse giengen, wie begreiflich,. nicht alle Thiere und Pflanzen im Ge- 
biet der-Rheinlande unter; Gewächse,: die höhere Stellen. einnehmen, 
als die angeschwollenen Wasser, Thiere, welche an solche Orte flüch- 
teten, blieben verschont. Übrigens ist es nicht unwahrscheinlich, dass 
von der Zeit an neue vegetabilische und tlıierische Geschlechter entstanden 
oder sich vielmehr:hier ansiedelten, dem veränderten Zustande, des Bo- 
dens entsprechend. Bald begännen die Wasser zu sinken. Das lockere 
Löss-Material, wodurch: der. Engpass bei Andernach. geschlossen wor- 
(den, wich ‚allmählich den aus den: Alpenhöhen herunter kommenden 
Wassern, wurden nach und nachdem Köllner Becken zugeführt und gelang- 
ten endlich bis:ins Deutsche Meer. Indessen mögen: die Wasser sich den- 
‚noch eine geraume Zeit hindurch»über den Becken des Landes verweilt 
haben; dafür spricht die grosse Ablagerung von Rollstücken auf der 
Ebene zwischen: den Vogesen ‘und: dem Schwarzwalde, ‚die. später: mit 
einem Torf-Schlamm bedeckt würde‘, in welchem: dieselben Thiere und 
Pflanzen vorkommien, «die heutigem Tages noch: in: der Gegend lebend 
getroffen werden.“ Auch das Neuwsieder :Becken: hat Thatsachen aufzu- 
weisen, für das Vorrücken .der'Wasser: zeugend, "So findet sich an 
höheren Stellen über der Lava von. Mendig ein ‚zum Theil diluvia- 
ler Absatz, bestehend aus Bimsstein- und Lava-Trümmern und aus 
Asche u. s. w. — Als die. Alpen- Erhebungen: ihr ‘Ende erreicht hat- 
ten, als die Diluvial - Katastrophen -aufhörten ‘und die 'Wasser. in die 
Rheinthäler zurückgetreten waren, ‘nahm die; jetzige Epoche ih- 
ren Anfang. — XXIX. Kap. Letzte Bimsstein-Eruptionen, 
welche sich auf die gegenwärtige Periode beziehen 
lassen (p. 212). :Der Verf. handelt von den:Bimsstein - Anhäufungen 
am südiiehen und westlichen Rande des alten Neuwieder See’s (so u. a. 
bei Suftiy und Plaidt, von der Nette an, da wo diese dem Rhein sich 
verbindet, bis zur Mündung der Mosel, bei Kretz u. s. w.), ferner un- 
tersucht derselbe die späteren Bimsstein - Ausschleuderungen , die: auf 
die Oberfläche des Neuwieder See’s niederfielen und sich versenkten; 
endlich ist die Rede von den Bimsstein-Aufhäufungen an der nörd- 


_ 64 — 
lichen Grenze des alten Neuwieder See’s,. Was die versenkten 
Bimssteine betrifft, so bezieht sich Hızserr auf die Thatsache, dass 
jene Mineral-Substanzen so lange schwimmen, als dieselben nicht von 
Wasser durchdrungen sind, wenn solches jedoch der 'Fall ist, sich zu 
Boden senken, was’ noch beschleunigt wird, wenn Sand und lehmige 
Theile, wie sie ein schlammiger Strom führt, in die Poren der Bims- 
stein-Fragmente eindringen; auf diese Art bildeten sich die Ablagerun- 
gen, welche die Tiefen des alten Neuwieder See’s erfüllten. ‘Der Verf. 
schildert uns mehrere Phänomene der‘ Art, unter andern die Binısstein- 
Schichten zwischen Neuwied und Engers. — Kap! XXX. Gänzli- 
che Austrocknung des Neuwieder Beckens (p. 229). Drei 
kleinıe zwischen den Text eingedruckte Karten dienen, um den muth- 
masslichen ursprünglichen Zustand der untern Rheinlande darzustel- 
len, so wie deren Beschaffenheit unmittelbar nach der: Diluvial-Kata- 
strophe, und endlich den gegenwärtigen Zustand jenes: Landstriches. 
Hissiset sieht es als wahrscheinlich an,. dass während: der letzten und 
vollkommenen Austrocknung des erwähnten Beckens ein‘ beträchtlicher 
Theil der Formationen, die hier eine Stelle gefunden hatten, ‘durch die 
Wasser fortgeführt wurde, welche bei ‘ihrem . jetzigen” Niveau in den 
Ozean abflossen; nur eine verhältnissmässig geringe Menge der frühern 
Ablagerungen 'ist noch vorhanden. — Nun trat, allem Vermuthen nach, 
auch ein besseres Klima ein. — Kap. XXXT. Ende der Bimsstein- 
Eruptionen (p. 233). Die Ausbrüche , welche, am. Schlusse der 
Tertiär-Epoche, aus ältern vulkanischen Spalten: begonnen): dauerten mit 
zufälligen Unterbrechungen während:eines langen Zeitraums, der auf 
die Diluvial-Katastrophe folgte; dass diese Ereignisse auch noch in der 
historischen Periode 'anhielfen,, dafür.'sind keine Beweise vorhanden. 
Nur gasige Ausströmungen, ‘Mofetten und: mineralische Quellen: hatten 
Statt und gelten noch heutigen Tages als Beweise 'einer fortgesetzten 
wulkanischen Thätigkeit. — Kap. XXX. Änderungen der Ge- 
steins- und Boden-Oberfläche im Neuwieder Becken, in 
der Folge, wieidie Gegend allmählich bewohnt worden 
(p- 234). Der Verf. handelt in verschiedenen Abschnitten von den Än- 
derungen, welche auf ‘die frühesten, geschichtlich bekannten Einwoh- 
ner zu beziehen sind, sö wie: von jenen, die'im ' Mittelalter und in der 
neuen und neuesten Zeit Statt fanden. ‚wien Auszug -würde, für unsere 
Absicht, zu weit führen.) | 

XXXII. Kap. Natur- FERN im Neuwieder Becken 
während der geschichtlichen Zeit (p. 251). 1) Meteorologi- 
sche Änderungen, die eingetreten ‚seyn dürften und auf die Oberfläche- 
Beschaffenheit des Beckens eingewirkt hätten, kennt man nicht. Im 
Volke erhielt sich der Glaube, ‘dass die basaltische Lava der Gegend 
von Mendig einen wesentlichen Einfluss übe auf die Temperatur der 
Luft und auf die .elektrische Beschaffenheit der Atmosphäre. In den 
kaum 100. F. tiefen unterirdischen Steinbrüchen findet man fast während 
des ganzen Sommers Eis, selbst im August-Monate noch nähert’ sich 
die Temperatur dem Gefrier-Punkte, Das Dorf Niedermendig, auf ba- 


— 685 — 


saltischer Lava erbaut, soll noch nie vom Blitze getroffen worden seyn. 
2) Erschütterungen des Bodens. In dem durch Erdbeben so ausge- 
zeichneten Jahre 1755 und 1756 nahmen die Rheinlande keinen grössern 
Theil an solchen Katastrophen, als andere von Lissabon gleich weit 
entfernte Gegenden von Europa; indessen sollen die Bebungen 
bei Koblenz, Düsseldorf und Düren ziemlich heftig gewesen ‚seyn, 
Bei dem 1828 in den Niederlanden Statt gehabten Erdbeben wurde 
die Erschütterung am Unter-Rhein, namentlich von Nimwegen bis Koblenz, 
stark verspürt. 3) Fortdauernde Gas -Entwickelungen und Mineral- 
Quellen.: Briden Phänomenen steht ein sehr hohes Alter zu; sie beweisen, 
dass seit den letzten Bimsstein-Eruptionen die chemische Thätigkeit im 
vulkanischen Heerde ‘der Tiefe nie gänzlich aufgehört habe.. Von den 
entwickelten Gasen verdichteien sieh manche bei ihrer Abkühlung zu 
Salz. Vorzüglich geneigt zum Entweichen solcher luftförmigen Flüssig- 
keiten war der Krater von Laach. Durch diese gewaltige Spalte er- 
hoben sich Luftarten in so ungeheurer Menge, dass sie im Verlauf der 
Zeit dem Wasser des See’s gewisse chemische Eigenthünlichkeiten mit- 
theilten. Kohlensaures Natron ist namentlich als ein Ingredienz nach- 
gewiesen worden. Mofetten sollen nachtheilig einwirken auf die über 
den See fliegenden Vögel: eine Legende, welche an den berühmten 
See von Averno erinnert. Eben so übertrieben ist die Volkssage, dass 
der Krater dreitausend Quellen entstehen lasse. — Andere Mofetten er- 
heben sieh aus dem sumpfigen Boden, welcher den erloschenen Krater 
von Wehr einnimmt. Die Menge des ausströmenden Gases soll so gross 
Seyn,;. dass man sich der ‘Stelle nieht ohne Gefahr nähern kann. : Ferner 
finden sich Mofetten unfern Gleis und Bell. Auch das Brokl-Thal ist 
reich an_ gasigen Exhalationen, die durch salinische Effloreszenzen, 
womit sie den Tuffstein bedecken, sich charakterisiren. — Nicht un- 
wahrscheinlich ist, dass in frühern Zeiten Ausbrüche entzündbarer Gase 
Statt gefunden. Die Erzählung ‘von Tıcırus (Ann. Lib. XIII) dürfte 
darauf zu.beziehen seyn. Alterthums-Kundige sind nicht einig, wo das 
Land der Juhonen zu suchen sey; darum ist.über die Stelle, wo solehe 
Gas-Eruptionen sich ereigneten, nichts Genaues zu sagen. Die Ver- 
breitung der Flamme bis zu den Mauern von Kölln scheint durch ent- 
zündetes Buschwerk, oder durch in Brand gerathene Haiden veranlasst 
worden zn seyn; darauf‘ deuten auch die bekannten Mittel, deren man 
sich zum Löschen bedient haben soll, - Man kennt in England ähnliche 
Phänomene [und die neuesten Ereignisse unfern-der Hauptstadt Baierns 
beweisen, wie es auch in ‘Deutschland nicht an Beispielen fehlt], wo 
Moor-Länder sich von selbst entzündeten, oder durch Zufall in Brand 
geriethen. — Mineral-Quellen findet man viele im Becken von- Neuwied. 
4) Anderungen in den Rinnbetten des Rheins und ‘der ihm zinsbaren 
fliessenden Wasser. Zwischen Koblenz und Andernach, wo der Kanal 
des Rheins eine verhältnissmässig geringe Breite hat, sind keine auffal- 
lende Erscheinungen wahrzunehmen. Von der Tertiär-Epoche an hält 
esüberhaupt sehwer, hierber gehörige Änderungen nachzuweisen, da die 


— 


— 686 


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Sunuy9o4jJsny aydıyewuy 


as n Buoqurassı ‘Jdoysamarg ‘soog uoA aydnıqsny 


-INLAUINOSIAZ Aadıunyg 


"I91eIy} 4ay9DD7 uoap uın punı uauordnug -Ijeseg 
iyam.ıogy pun yoapuıapuy wn 'm sn „yag pun zosny uoA uauol} 
-dnsg ausyeds $Joyuapıayg uoa adıag we ayonıqsny ayasıyjeseg 


= ME 


Zu Verona verspürte man am 2. Juli 4834 um 1 Uhr 48 Min. Morgens 
einen nicht geringen Wellen-förmigen Erdstoss in der Richtung von 
O. gegen W., welcher beiläufig 5 Sekunden dauerte. — Zu Glurns in 
Tyrol wurde am 6. Jul. um 122 Uhr früh ein starkes Erdbeben ver- 
spürt, welches durch ein Sturmwind-ähnliches jedoch dumpfes Getöse, 
theils angekündet, theils davon begleitet gewesen ist. Dasselbe dauerte 
gegen 7 Sekunden, und hatte bei 10 Schwingungen scheinbar in der 
Richtung von Westen gegen Osten. 


(Zeitungs-Nachricht.) 


s 


Burr: über Gang-Bildungen, welche eine Lager-artige 
Entstehung zu haben scheinen. (Karsten, Archiv f. Min., VI 
B. S. 439 ff.) Im Mandelstein- und Schalstein-Gebirge der Gegend von 
Wetzlar, welches sich von der Lahn, östlich vom Dorfe Garbenheim — 
bei einem Streichen in St. 5—7 mit starkem südlichem Einfallen — 
bis auf das Gebirge Heich und weiter erstreckt, finden sich an vielen 
Punkten Eisenstein-Lagerstätten, die aus einem meist sehr milden und 
ganz zerklüfteten Roth-Eisenstein bestehen. Solcher Lagerstätten kom- 
men in jener etwa # Meilen betragenden Ausdehnung mehrere unter 
ganz verschiedenem Streichen, jedoch immer mit flachem Einfallen, in 
einem sehr aufgelösten Mandel- oder Schal-Stein, in mehr oder minder 
und höchstens bis einige hundert Quadrat-J,achter grossen, zusammen- 
hängenden und 4 bis 7 Fuss mächtigen Stöcken vor, oder finden sich auf 
diesem aufgelösten Gebirgs-Gestein beinahe horizontal abgelagert, und 
oft nur mit einigen Zollen Dammerde bedeckt. So war auch schon vor 
mehreren Jahren auf der Fläche der Gebirgs-Haide eine solche Lager- 
stätte, jedoch mit vielem Quarz- und Eisenkiesel gemengt, erschürft 
worden, welche nur eine äusserst geringe südliche Verflächung hatte, 
und unmittelbar unter der 1 bis höchstens 3 F. mächtigen Dammerde, 
2 bis 6 F. stark, vorkam. Neuerdings wurde das Liegende dieser La- 
gerstätte, aufgelöster Mandelstein, an zwei entlegenen Punkten durch- 
sunken, und 1 Lachter unter der obern eine zweite Lagerstätte von 
Roth-Eisenstein ausgerichtet, welche 11 L. mächtig ist. Letztere streicht 
St. 3 und verfiächt sich mit 2—3° gegen SO. Der Eisenstein ist zer- 
trümmert, so dass das grösste Haufwerk in kleinen Stücken, und nur 
etwa 1 davon in Stücken von 3—6 Quadrat-Zoll Grösse vorkonmt, wel- 
ehe grössere Stücke alsdann mit den Zerklüftungs-Flächen noch zusam- 
menstossen, so dass erst bei der Gewinnung die Zertrümmerung des 
scheinbar ganz geschlossen anstehenden Eisensteins sichtbar wird. In 
dieser Lagerstätte finden sich häufig Stücke mit tiefen Rutschflächen 
(Gangspiegel) und zwar parallel wit dem jetzigen fast horizontalen Ver- 
flächen. . Da sich diese Rutschflächen bei den jetzigen Lagerungs-Ver- 
hältnissen nicht bilden konnten, so muss diese Lagerstätte ursprünglich 
ein Gang gewesen seyn, welcher unter grössern Neigungs-Wiukeln in 
festem Gesteine sein Einfallen hatte, späterhin aber in die jetzige bei- _ 


— 639 — 


nahe horizontale Lage gehoben, und dabei ganz zerklüftet worden ist, 
— Auf ähnliche Weise lässt sich das gegenwärtige Vorkommen der 
übrigen Roth-Eisenstein-Lagerstätten erklären und bei mehreren dieser, 
im zerrütteten Gestein eingelagerten Gangstücke, nach dem Streichen 
und Verflächen, gleichfalls ein früherer Zusammenhang als höchst wahr- 
scheinlich annehmen. Auf solch gewaltsame Einwirkung hinweisend 
ist auch das Verhalten des Maudelstein- und Schalstein-Gebirges, wel- 
ches öfter nur in 50 Lachter Entfernung von den Eisenstein-Lagerstät- 
ten ganz fest und mit regelmässigem Fallen ansteht, dagegen immer in 
der Nähe der Lagerstätten ganz aufgelöst und zerbröckelt erscheint, 
Südlich von dieser Eisenstein-Lagerstätte kommen in der Nähe mehrere 
sehr hohe Basalt-Berge vor, und auf dem Gebirge Heide besteht die 
nordöstliche, nur wenige Minuten von der bezeichneten Lagerstätte ent- 
fernte, Kuppe aus Basalt. 


J. Priveaux: geognostische Nachrichten über einige 
Theile der Umgegend von Plymouth, zwischen dem Tumur und 
der Erme. (Transact. of the Plym. Instit., Vol. I, 1830. > Bullet. 
de la Soc. geol. de Fr. T. III, p. xır.) Von den Quellen des Plym 
bis zu jenen der Erme herrscht Turmalin-führender Granit, begrenzt 
durch Übergangs-Schiefer, von welchem er hin und wieder von Glimmer- 
schiefer [? Schistes legerement micaces?] getrennt wird: so u. a. bei 
Meavy und Shaug Prior. Zwischen beiden Fels-Gebilden zeigt sich 
bin und wieder, namentlich unfern Sheepster und zwischen Tlorybrook 
und Blachford, ein Gemenge aus Turmalin, Quarz und Schiefer, wel- 
ches eine nicht unbeträchtliche Mächtigkeit hat. Der Schiefer geht an 
mehreren Orten in Grauwacke über. Von Feldstein-Porphyren sind jene 
Gebirgsarten durchbrochen worden; sie treten in Stücken auf (Walk- 
hampton), oder in Lager-artigen Gängen (Milton und Fancy). Grün- 
stein- (Trapp-) Stöcke werden bei Collwell und Stowford getroffen, 
Zwischen Plymouth und dem Yealm-Flusse gesellt sich der Übergangs- 
Kalk mit Enkriniten, auch Höhlen umschliessend, zum Schiefer, und 
alter rother Sandstein bildet die Küste zwischen der Mündung des 
Yealm und Plymouth, so wie an der Cawsand-Bucht. 


Steine, welche in See’n, Teichen u. s. w. bewegt wer- 
den. (N. Cnıman, SırLıman Americ. Journ. ; XIV, p. 303.) Bei 
Tinmouth im Staate Vermont wurden, jedoch nicht stets in gerader 
Richtung, mehr und weniger grosse Steininassen durch Eis bewegt. 


Bove: Nachrichten über die Gegenden von Narbonne, 
Pezenas, la Corniche zwischen. Nizza und Genua, und einige 
Orte im Vicentinischen. (Bullet. de la Soc. geol. de France. T, III, 


—. 690 — 


p- 324 etc.) Gegend von Narbonne. Das tertiäre Becken von Nar- 
bonne wird von dem der Garonne durch ein: kleines Defile geschieden, 
welches die Aude zwischen Argens und Homps einnimmt, Die tertiären 
Ablagerungen, bedeckt von Alluvionen, setzen zwischen Hervorragun- 
gen von sekundärem Kalk im W. und S. von Narbonne fort. Die 
Alluvionen der Ebene bestehen aus ziemlich grossen Rollstücken von 
sekundärem Kalkstein und von Quarz, zum Theil durch Thon gebun- 
den und hin und wieder eine Mächtigkeit von 15—20 F. erlangend. 
Stosszähne von Elephanten wurden darin gefunden uud eine Lage von 
Ostrea und Pecten (erstere den Austern nicht unähnlich, welche in 
Paris gegessen werden) auf einer Bank von gelblichgrauem Mergel und 
von Sand. Am Fusse der Hügel des Pas-de-Loup, ein gelblichrother 
mergeliger Thon, manche Merkmale einer Süsswasser-Ablagerung tra- 
gend; darüber ein verhärteter mergeliger Thon mit Kalk-Nestern und 
eine Lage von kalkigem Trümmer-Gestein. Bei Wernede treten, mit 
unbedeutendem Fallen gegen N., nach und nach folgende Gebilde auf: 
rothem Mergel mit kalkig-mergeligen Konkretionen; eine Lage aus grossen 
‘Austern (Ostrea Virginica?) bestehend; kalkiger Sandstein mit Mee- 
res-Muscheln ; Sandstein-Stöcke in einem Trümmer-Gestein; mergeliger 
Thon mit einer Auster-Bank (0. crassissima Lam. und noch eine 
Art durch Falten ausgezeichnet) und mit Pecten (P. terebratulae 
formis, MarceL DE Serres); Konglomerat mit Pecten und mit 
Fragmenten von Quarz, von sekundärem Kalk und von Lava; Süss- 
wasser-Kalk mit Röhren -förmigen Höhlungen, aber ohne Muscheln; 
schwärzlicher Süsswasser-Kalk mit Planorben (gegen SW. fallend), 
endlich Rogenstein-artiger weisser Süsswasserkalk. An der östlichen 
Seite des erhabenen Hügels von Nissan zeigen sich folgende tertiäre 
Lagen des Beckens von Narbonne: Süsswasserkalk; Sandstein; rother 
mergeliger Thon; Kiesel-Kalk; mergeliger Thon mit Gypsspath; weis- 
ser Kieselkalk, zum Theil mit Chalzedon-Einschlüssen (allem Anschein 
nach Süsswasser- Gebilde); blauer mergeliger Thon; gelber Mergel; 
sandiger Meereskalk; kalkiger Sandstein; blauer mergeliger Thon; kal- 
kiger Sandstein und blauer mergeliger Thon. Die Gesteine, wie sie 
hier in absteigender Ordnung aufgezählt worden, neigen sich unter 20 
bis 25° nach S. oder SW. Nissan gegenüber bestehen die Hügel eben- 
falls aus tertiärer Formation; naeh Tournars Veriwmuthung ist der 
Schichtenfall jenen der Massen von Nissan entgegengesetzt. — Der 
Weg nach der Abtei Fontfroide im SW. von Narbonne führt Anfangs 
zwischen niedern Bergen aus dichtem und aus blasigem Kalke beste- 
hend. Diesseits Saint-Martin: ein dem Karpathen-Sandstein ähnlicher 
Sandstein aus ONO. nach WSW. streichend. Sodann folgt dichter 
grauer Kalkstein: Streichen aus OSO. im WNW., Fallen unter 35 bis 
45° nach NO. Diese Masse ruht auf einem etwas mehr krystallinischen 
Kalk, der nicht, gleich den vorhergehenden, Terebrateln führt. Beide 
Kalksteine überdecken wechselnde Lagen von grauem mergeligem Thon, 
von eisenschüssigem thonigem Kalk und von mergeligem Sandstein mit 


— 61 — 


Pflanzen-Abdrücken. Diese Schichten fallen gegen SO., jenseits des 
Thales aber neigen sich dieselben in entgegengesetzter Richtung, Im 
SW. der Abtei von Fontfroide, gegen St. Martin de Thoques, beste- 
hen die Felslagen aus der Höhe nach der Tiefe aus folgenden Massen; 
rother mergeliger Thon; grauer mergeliger Sandstein; grauer mergeli- 
ger Thon wechselnd mit Brececien, deren Bindemittel ein grober Sand- 
stein ist, und die aus Bruchstücken von dichtem sekundärem Kalk und 
Quarz bestehen; mergeliger Sandstein; gelber eisenschüssiger Sand- 
stein mit Eisen-Nieren; thoniger Kalk mit grossen Hippuriten und mit 
Cyecloliten, endlich die Brececien, mit grauen thonigen Mergeln wech- 
selnd. Alle diese Lagen zeigen sich etwas gebogen. Bei der Abtei 
von Frontfroide sieht man den mergeligen Sandstein mit Fucoiden zu fünf 
Malen wechselnd mit Kalk, welcher Hippuriten, Sphäruliten, Radiolithen, 
Caprinen, Diceraten, Cycloliten u. s. w. führt. Die Schichten aus 
WSW. nach ONO. streichend, fallen unter 45 bis 60° gegen SO. Un- 
ter den Hippuriten findet sich Bronn’s H. cornu-vaccinum, Auf 
diesem Schichten-Systeme ruhen im O. der Abtei: grauer Kalk, Mer- 
gel mit Fucoiden, sandiger und schwärzlicher Kalk; endlich folgen 
grauer Kalk uud kalkiger Sandstein mit grünen Punkten. Die letzteren 
Schichten neigen sich nach SO, — Man weiss, dass die „Bains de 
Reine“ eine ähnliche Ablagerung, nur nach grösserem Massstabe auf- 
zuweisen hat; sie führt die nämlichen Petrefakten und ausserdem Spa- 
tangus, Rostellaria, Natica, mehrere Terebrateln, Polypiten 
u. s. w. Diese verschiedenen Gesteine scheinen entschieden der untern 
Kreide-Formation anzugehören. Am Pech de Pastouret, im 3. von Nar- 
bonne, zeigen die Berge einen ziemlich mächtigen Kranz von weissem 
oder röthlichem Süsswasserkalk mit Lymneen und Helix. Er ruht 
auf einem Konglomerat von kalkigen Rollstücken. Unter dieser tertiä- 
ren Ablagerung, welche ein höheres Niveau einnimmt, als die Aluvial- 
Ebene von Narbonne, erscheinen wechselnde Schichten von grauem 
glimmerigem Mergel, von schwärzlichgrauem Kalk und von: Fucoiden- 
führendem Sandstein, und in der Mitte tritt eine von einer noch unbe- 
schriebenen Gryphaea-Art ganz durchdrungene Bank auf. In den obern 
Mergeln finden sich grosse Pektiniten, kleine 'Trochiten und Ceritbien, 
drei bis vier Arten von Ammoniten und Enkriniten. Gewisse Lagen 
führen auch Gypsspath. — Der Hügel, auf welchem Beziers erbaut ist, 
zeigt, in aufsteigender Folge, nachstehende Schichten: gelben Mergel 
mit Ostrea, blauen mergeligen Thon, kalkigen Muscheln-führenden 
Sandstein und gelben glimmerigen Sand mit Bänken Muschel-reichen 
Kalksteins. — Gegend von Pezenas. An der Butte de Saint-Simeon 
sieht man, aus der Tiefe nach oben, folgende Lagen: blauen mergeli- 
gen Thon; darüber eine 12 F. mächtige Bank, bestehend aus Trümmern 
von Turritella, Dentalium, Cardium, Ostrea, Cytherea, 
Crassatella und Pectunculus; sodann: gelben Sand, gelblich- 
weissen Mergel, dichten Süsswasser-Kalk, und endlich einen grobkörnigen 
Sandstein mit kieselig-kalkigem Biudemittel und mit Bruchstücken ma- 


Jahrgang 1834. | a5 


— 692 — 


‚rinischer Muscheln. Der Gipfel der „Butte“ ist geeignet, um sich eine 
Vorstellung von der Beschaffenheit des tertiären Beckens von Pezenas 
zu machen; hier sieht man nach S. hin den. Basalt-Strom von Saint- 
.Thibery und den Vulkan von Agde, gegen N. aber die Laven: von 
Nisas, Arcas, Senecous und Clermont u. s. w. — Die basaltische 
Lave von Nisas enthält viel Olivin. Südlich von Nisas eine Auswei- 
tung, welche Manchen als ein Krater gilt. Im kleinen Tiefthal von 
Vareilles setzt ein gelber elimmeriger Sandstein die tiefsten sichtbaren 
Lagen zusammen, darüber erscheinen: Süsswasserkalk mit Planorbis 
und Helix, sandiger Kalk mit Ostrea crassissima, gelber thonj- 
ger Mergel, sandiger Kalk mit Austern, Breccie, ‘weisser kalkiger 
Sandstein mit Quarz-Bruchstücken,, dichter Süsswasser-Kalk, endlich 
basaltische Lava. Ein ähnliches Plateau, Cos de Arcus genannt, sieht 
man etwas weiter gegen N. — Zwischen (aux und Alignan: Süsswas- 
serkalk, welcher auf Sandstein und auf Muscheln-führendem Kalkstein 
ruht. In der Nähe von Alignan: Lagen von vulkanischem Tuff voll von 
Süsswasserkalk-Trümmern u. s. w. — Das tertiäre Becken von Peze- 
nas hat als Basis eine mächtige Ablagerung von blauem mergeligem 
Thon, der sparsam und sehr schlecht erhaltene Muscheln führt; die . 
übrigen Gebilde bestehen aus Wechsel-Lagerungen ‘von Sand,  Sand- 
stein, mergeligem Thon und einigen Bänken Muscheln umschliessenden 
Kalkes, u. a. mit Planorben und Heliciten, woraus sich ein Aufenthalt von 
süssem oder Fluss-Wasser von ziemlicher Dauer ergibt. Die vulkani- 
schen Eruptionen dürften zumal gegen die Zeit Statt ‘gefunden haben, 
wo das letzte Süsswasser-Gebilde abgesetzt wurde und auch nach die- 
ser Periode. — Kohlen-Gebilde von Nefiez. Starker Schichten- 
Fall aus SSO. in SW. Vom Tage gegen die Tiefe zu sieht man fol- 
gende Lagen: Kohlen-Sandstein; mergeligen Thon; dichten bituminösen 
Kalk, Pecten und andere Bivalven führend; rothen oder grauen slim- 
merigen Kalk, Quarz-Konglomerat; dichten eisenschüssigen Kalk; rothen 
schiefrigen Mergel; kleinkörnigen Kohlen-Sandstein wechsellagernd mit 
braunem Mergel; grobkörnigen Saudstein; Kohlenschiefer. mit Fahren- 
kräutern und Kalamiten; Steinkohle; Kohlenschiefer; Sandstein. Die 
Thalseiten, in der Tiefe, wo die Peine fliesst, bestehen aus Porphyr, 
der stellenweise Mandelstein-Struktur annimmt. Diese plutonische For- 
mation macht einen mächtigen Gang aus, welchen die Kohlen-Schichten 
aufgerichtet, emporgehoben, auch die Massen derselben gehärtet haben. 
— Weg von Nizza über Genua nach la Spezzia. Zwischen Nizza 
und Menion bestehen die Höhen aus Grün-Sandstein, aus wechselnden 
Lagen grauen mergeligen und weissen thonigen Kalksteins, ferner aus 
dichtem weissem und aus dolomitischem Kalk. Bei Menton tritt Num- 
muliten-Kalk auf; seine Schichten fallen ‘gegen SW. Jenseits Menton 
kommt Kalk mit Polypiten zum Vorschem. In den Spalten dieser Ge- 
steine sieht man, wie bei Nizza, den röthlich thonigen Kalk (Rısso’s 
Calcaire mediterraneen). An der steilen Küste sind mehrere’ kleine 
Höhlungen wahrnehmbar, welche das Ansehen haben, als wären sie 


— 693 — 


Folgen des Einwirkens der Fluthen; es liegen dieselben indessen weit 
oberhalb des Meeres-Niveaus.. Un Ventimile: Wechsel-Lagerungen von 
grauem Nummuliten-Kalk und grauem Mergel, auch von Mergel und 
glimmerigem Sandstein. Gegen Osten: Grobkalk, feinkörniger mergelis 
ser Sandstein und Mergel, Felsarten jenen von Mislenies in den Kar- 
pathen vollkommen ähnlich, Die Schichten fallen theils nach NW 
theils nach SO. Noch ehe man Espedorete erreicht, zeigt sich Karpa- 
then-Sandstein, unter 30° nach SO. fallend. Diesseits S. Remo: der- 
selbe mergelige Sandstein mit Fucoiden und mit grauen Mergeln; 
Schichtenfall nach NO. und nach SO. Bei Arengaire: ein Streifen von 
neuen Konglomeraten und von Mergel. Zu Port Maurice: schwärzli- 
cher Kalk. Das Vorgebirge ostwärts von Diano besteht ebenfalls aus 
diesem Kalk, welcher mit grauen und weissen kalkigen Mergeln wech- 
selt. Die Schichten fallen bald nach SW., bald nach NO. und erschei- 
nen jenseit Langueglia schr gewunden. Zwischen Alassio und der 
Alluvial-Ebene von Albenga ist, durch den Strassenbau, ein lehrreiches 
Profil entblöst worden; man sieht hier auf das deutlichste nachfol- 
gende Felsarten mit einander wechseln: quarzigen Sandstein mit gro- 
ben Agglomeraten, Bruchstücken von grauem und schwarzem Kalkstein, 
von Quarz, Jaspis, Talkschiefer und einer Art talkigen Gneisses ; tie- 
fer treten rothe und graue Schiefer mit einander wechselnd auf, welche 
an die Übergangs-Gebilde erinnern, sodann folgen grosse Massen quar- 
ziger Sandsteine mit kleinen Quarz-Gängen. Alle Schichten senken 
sich gegen NW. Deutlich sieht man den mergeligen Schiefer mit 
schwarzem Kalk wechseln, in welchem Belemniten vorkommen, zwar 
fast unkenntlieh, aber dennoch jenen des Lias zunächst zu vergleichen, 
Bei diesem Theile der Apenninen wird man lebhaft an gewisse Kar- 
pathen-Gebilde erinnert, namentlich an jene, die in Siebenbürgen von 
Gold-haltigen Porphyr-Eruptionen durchbrochen wurden. Zwischen Al- 
benga und Borghetto bestehen die Höhen, welche die Küste begrenzen, 
aus dem nämlichen thonigen grauen und schwarzen Kalk. Jenseit Fi- 
nale erscheinen kieseliger, unvoilkommen körniger Kalk, graulichweiss 
oder rosenroth, schwärzlich-grauer Kalk mit eingeschlossenen Massen 
taikig-quarziger Schiefer, am Vorgebirge Varigotti treten sodann Fel- 
sen körnigen Kalkes auf. Ähnliche Felsmassen herrschen zwischen 
Noli und Spotorno. Nun folgen quarzig-talkige Schiefer oder modifi- 
zirte sekundäre Sandsieine, die nach SW. fallen, und wechselnde La- 
gen schwärzlicher, so wie sehr zerklüfteter Kalksteine mit steilen Ab- 
stürzen und grossen Höhlen. Bei Suvone zeigt sich Quarzig-talkiger 
Schiefer mit Massen von Serpentint und Euphotid. Diese Gesteine herrschen 
zwischen Savone und Varaggio; ihre Neigung ist gegen SW. Nordwärts 
Savone gibtes blauen Thon mit subapenninischen Muscheln, und im O. jener 
Stadt findet man die nämlichen Tertiär-Gesteine, so wie Konglomerate, 
auf Molasse gelagert. Ehe Arenzano erreicht wird, zeigen sich schöne 
Profile von talkigem und von eisenschüssigem porösem Schiefer, im 
deren Mitte ein wenig mächtiger Serpentin-Gang mit einem Sahlbande 


45 * 


— 691 — 


von weissem Talk entblösst worden. Jenseits Arenzano stehen Serpen- 
tine und Euphotide zu Tag. Am Cap. st. Andre:& mäehtige Bänke 
schwärzlichen schieferigen Kalkes, und in der Nähe ein Trümmmer-Ge- 
stein, bestehend aus Brocken röthlich- und schwärzlich-braunen Feld- 
steins, aus Serpentin- und Talk-Substanz, so wie aus Trümmern grünen 
und grauen umgewandelten Schiefers. Zahllose Kalkspath-Adern durch- 
ziehen diese Breccien Netz-förmig; auch etwas Epidot kommt darin vor. 
Das Ganze dieser Massen scheint mit dem Serpentin- und Euphotid- 
Ausbruch in Verbindung zu stehen, von dem eine mehrere Stunden 
lange Schlucht erfüllt und der Gipfel des Monte Ramazzo gebildet 
worden. Vom Cheravagnia bei Panigaro am Giessbache hinaufsteigend, 
findet man Schichten feinkörnigen schieferigen grauen Kalkes, dem sich 
ein thonig-mergeliger Schiefer verbindet; Streichen aus O. nach W.; 
Fallen gegen S. Höher aufwärts, in fast senkrechter Stellung: unvoll- 
kommen körniger Kalk, Serpentin-ähnlicher talkiger Schiefer, eine Brec- 
cie mit Serpentin-Bruchstücken, ein kalkiges Konglomerat, grauer schie- 
feriger Kalk, talkiger Schiefer (wie oben), Porphyr-artiger Feldstein, 
hin und wieder variolitisch mit, Massen und Theilchen von Titaneisen, 
und endlich eine mächtige Serpentin-Masse. Dichter schwarzer Kalk 
setzt einen grossen Theil des Berges zusammen, auf dessen Gehänge 
Genua erbaut ist. Er wechselt mit schieferigen Mergeln. Bei Albaro 
führen letztere Fucoides intricatus und F. Targioni. Aus dem Apenninen- 
Sandstein treten unfern Bobbio salzige Quellen hervor. In der Stadt 
Genua selbst findet man einige Streifen tertiärer Felsarten. Zwischen 
Genua und Sestri herrschen Wechsel-Lagerungen von Mergel und von 
dunkel gefärbtem Kalk. Jenseits Sestri bestehen die Höhen aus sekun- 
därem Appenninen-Sandstein mit schieferigen Mergeln und grauen dich- 
tem Kalke. Die Lagen erscheinen 'stark gewunden, Bei Matarana 
neigen sich die Schiefer da, wo sie den Serpentin berühren, gegen 
NNW. und erscheinen sehr eisenreich.- In der Nähe von Cardani 
streicht eine Euphotid-Masse aus NW. nach SO. Die Verhältnisse des 
Serpentins und des Euphotids mit dem sekundären System der Apen- 
ninen sieht man schön enthüllt in dem Cravignole-Thal unfern Borg- 
hetto. Ein Gang-artiger Raum ist von beiden plutonischen Massen 
nicht nur erfüllt worden, sondern es breitete sich die feurig-flüssige 
Materie auch oberhalb der Spalte aus, so dass dieselbe eine Champignon- 
ähnliche Gestalt annahm. — — Berg Spitz und Thal Dei Pace. 
Jener Berg ist ein natürlicher und vollständiger Durchschnitt aller se- 
kundären Massen des Picentinischen. In der grossen Schlucht, genannt 
Val di Prak, sieht man, wie der Bergfuss und das Bett der Egna aus 
quarzigem Talkschiefer besteht, in welchem Trapp- und Feldspath-Gänge 
aufsetzen, und der einige Lager oder Stockwerke von Eisenglanz um- 
schliesst. Streichen NO. in SW.; Fallen gegen NW. Besonders. in- 
teressant ist der Lager-ähnliche Gang im Val di Canale. Er hat 1 bis 
3 Fuss Mächtigkeit und sehr regellose Sahlbänder, bestehend aus 
Talkschiefer-Bruchstücken, eingebacken in eine feldspathige Masse. Auf 


- 6% — 


dem Talkschiefer ruht ein ziemlich grobkörniger rother Sandstein und 
diesen bedeckt eine mächtige Masse von Augit-Porphyr; letzteres Ge- 
stein findet man übrigens auch unmittelbar auf dem Talkschiefer und 
die Lagen dieser Felsart erscheinen in solchem Falle sehr gewunden, 
Über dem Porphyr zeigen sich, wagerecht geschichtet, folgende Gebirgs- 
arten in aufsteigender Ordnung: rother Sandstein; gelblicher Sandstein 
mit Braunkohlen-Theilen und mit Spuren von Kalamiten; grobkörniger 
weisser Sandstein, mit Rollstücken von Quarz und von Augit-Porphyr; 
rother und gelber Sandstein; dichter, lichtegrauer Kalk, mitunter in 
kleine prismatische Massen getheilt, wie der Tutenmergel oder die 
Septaria der Engländer; grünlichgrauer Mergel; grauer und gelber 
Sandstein ‚mit Mergel-Nestern; graulich-schwarzer glimmeriger Sand- 
stein; dichter grauer Kalk; grauer und schwarzer Mergel mit einer 
geringmächtigen Kalk-Lage; Wechsel-Lagerungen von erhärtetem Mer- 
gel, gelbem Sandstein und grauem Mergel, so wie von roth- und- 
grauem Mergel; röthlicher Sandstein, rother Mergel, Sandstein, gelb- 
lichbrauner mergeliger Kalk, Sandstein und Mergel mit zersetztem Ei- 
senkies, dichter-grauer Kalk, schieferiger Kalk, dichter Kalk; Wechsel- 
lagerungen von dichtem grauem Kalk mit grauem Mergel, der Spuren von 
Fucoiden zeigt und Terebrateln (T. vulgaris), und Trigonellites 

vulgaris und curvirostris, so wie Plagiostomen und kleine ge- 
wundene Univalven führt; dichter grauer Kalk mit grauen Mergeln, zum 
Theil ganz srfüllt von Pflanzen-Abdrücken (nach A. Bronenurr Voltzia 
brevifolia); brauner dichter Kalkstein, mergeliger Sandstein und ro- 
ther Mergel; — endlich auf dieser letzten, in zahlreiche dünne Schich- 
ten getrennten Masse: eine ungeheure Ablagerung von Jurakalk, der 
zum Theil dolomitisch ist. — Im Val dei Pace, eine Stunde nordwärts 
von Recoaro, mitten in dem von Alluvionen bedeckten Felsbecken: ein 
mächtiger Porphyr-Gang, und in den meist sehr zersetzten Gangmassen! 
Blöcke von nicht angegriffenem Porphyr, welche zum Theil Gyps- und 
Quarz-Krystalle umschliessen. — Val Retassene. Beim Hinabsteigen 
ins Egna-Thal, von Recoaro an, zeigen sich längs des Wegs mehrere 
Gänge feldspathigen Trapps [?] in Talkschiefer aufsetzend. Weiter ab- 
wärts gehen nach und nach alle Sekundär - Schichten zu Tage: 
auch der Jurakalk und die Scaglia. Civillina gegenüber treten 
Gänge von blasigem, theils auch Breccien-artigem Feldstein in buntem 
Sandstein auf. Einer derselben hat 10, ein anderer mehr als 100 F. 
Mächtigkeit. Von allen diesen Gängen wird der Sandstein nicht auf- 
fallend umgewandelt. Noch weiter abwärts erscheint ein 200 F. mäch- 
tiger Augitporphyr-Gang im Jurakalk. Im Retassene-Thal zeigt sich 
jenes vulkanische Gestein deutlich von Scaglia überlagert. Der Por- 
phyr nimmt den Thalgrund ein und scheint nach einer Seite bis Fon-. 
gara, nach der andern bis ins Val Zuccanti und bis Velo fortzusetzen. 

— Der Ena-Berg, nordwestwärts von Schio. Hat man die Wechsel- 
Lagerungen von blauem mergeligem Thon und von Korallen-führendem 

Kalk bei San Georgio überschritten, so erreicht man das Süd-Gehänge 


— 696 — 


des Ena-Berges. Höher erscheinen nach einander: rother Sandstein, 
Kalkstein, den Zechstein vertretend, bunter Sandstein und Muschelkalk; 
basaltische Gänge 13 F. mächtig durchsetzen den bunten Sandstein. 
Bald erreicht man eine kleine, auf eigenthümliche Weise zusammenge- 
setzte Höhe aus Massen von Quarz- und von Hornfels, von Granit, der 
zum Theil Porphyr-artig ist, von einem in Nestern und kleinen Gängen 
vorkommenden Quarz-freien Granit-Gestein u. s. w. Alle diese Bruch- 
stücke grosser Felslagen scheinen von einem sehr zersetzten Augit- 
Porphyr-Teig umschlossen zu werden. Das Ganze ruht augenfällig auf 
den oberen Keuper-Mergeln und auf Muschelkalk ; beide letztere Ge- 
steine sind in dem Grade verändert worden, dass‘der Mergel, gleich 
dem Kalk, ein vollkommen krystallinisches Gefüge angenommen hat. 
Weiter nord wärts geht der Augit-Porphyr zu Tag und enthält hin und 
wieder eckige Bruchstücke von Mergel und von, mehr und weniger 
umgewandeltem, sekundärem Kalk, Der Augit-Porphyr gehört zu dem 
ungeheuren Gang, welcher westwärts ins Zuccanti-Thal fortsetzt, und 
nach ©. in den Jurakalk- und Scaglia-Bergen auftritt. Der oben er- 
wähnte, auf so seltsame Weise zusammengesetzte Hügel, dürfte nichts 
als ein mächtiges Sahlband des Augit-Porphyr-Ganges seyn [ein Rei- 
bungs-Konglomerat]; Übergänge aus Augit-Porphyr in Granit haben 
keineswegs Statt”). Die Nieren von Mangan-Silikat (die angeblichen 
Mangan-haltigen Epidote) kommen nach Pasısı nicht fern von den plu- 
tonischen Gebilden im Jurakalk von Civillina vor (nicht im Muschel- 
kalk, wie Maraschinı angegeben). Am Fusse der Grumoriondo-Berge 
finden sich schöne Beispiele von Muschelkalk, der durch einen Porphyr- 
Gang zu weissem, schwarz geadertem Marmor umgewandelt worden. 
Talk-haltigen, auf ähnliche Weise veränderten Jurakalk beobachtete 
Pasını bei Rovegno und um Arciero. Modihizirten bunten Sandstein 
trifft man noch häufiger; so zumal in der Nähe von Santa Catarina. 


Ba 1 TS A ET, 
*) In Hinsicht des angeblichen Übergangs von Augit-Porphyr in Granit bei Prednzzo 
ist zu bemerken, dass jenes Gestein augenfällig durch einen schönen, Turmalin- 
führenden Granit hervorgedrungen ist; denn die letztere Felsart umschliesst Gänge 
von Augit-Porphyr. Eben so gewiss ist,' dass die blasigen Porphyr-Gesteine, in 
der Höhe des Berges rein augitisch, gegen die Tiefe durch die Menge rothen und 
weissen Feldspathes, so wie durch schwarze Flecken, welche Glimmer seyn dürften, 
ein granitisches Ansehen erlangen. Allein es fragt sich, ob diese granitoidischen 
Parthie’n mit der übrigen Masse von unferhalb der Erdrinde in/die Höhe drangen, 
oder ob das Eigenthümliche ihrer Natur daher rührt, dass der Augit-Porphyr viel 
Granitisches in sich aufnahm. In Schottlund, am Lago maggiore, im Erzgebirge 
haben Übergänge aus Quarz-haltigem Porphyr in einen nicht selten blasigen Granit 
Statt. Bout erklärt, dass er weit entfernt seye, die möglichen Übergänge aus Augit- 
Porphyr in Granit zu bestreiten; nach ihm lassen sich @ priorö Übergänge zwi- 
schen allen Gebilden feuerigen Ursprungs annehmen, die aus den nämlichen Ele- 
menten zusammengesetzt sind; ihre Verschiedenartigkeit beruht bloss auf der 
manchfaltigen Gruppirung der letztern, welche durch vielartige örtliche Ursachen 
bedingt wird. durch chemische Affinität, durch Temperatur-Grade und Elektrizitäts - 
Zustand. Bei Predazzo zeigt sich indessen kein augenfälliger Übergang aus Au- 
git-Porphyr in Granit, 


un 
=. 


- Mi 9 u 


Was die Züge kleiner Höhlen betrifft, welche von Bovs im dichten 
Kalkstein der Gegenden von Nizza und Menton beobachtet worden, so 
bemerkt BosrAyeE, dass von ihm in Morea mehrere Etagen von Höhlen 
beobachtet worden, die er als so viele successive Ufer betrachtet, und 
dass er die Erosion der meisten Kalke dieses Landstrichs durch Wir- 
kyng der Aura maritima erklärt habe, eine Wirkung, welche noch 
heutigen Tages in ziemlicher Weite vom Meere Statt hat. Constant 
Prrivost beobachtete ähnliche Erscheinungen in Sizilien; auch ihm gel- 
ten sie als die Spuren alter Ufer. BoussıncauLr fügt hinzu, dass 
BerrHuorLer die Erosionen des Kalks durch Einwirken des salzsauren 
Natrons, von der Aura maritima dem Kalke zugeführt, erklärt habe; 
dass Bildungen von „chloroxy - carbonate de chaux et de soude“ Statt 
gefunden, welche später durch Regenwasser hinweggeführt worden. 
Bovs£e ist der Meinung, man dürfe keineswegs die chemische Aktion 
ausschliesslich annehmen, um die Erosionen zu erklären, welche das 
Meer auf der Oberfläche der Gesteine bewirke; in den quarzigen, in 
Glimmerschiefer übergehenden Thonschiefern von Collioure und. von 
Pori-Vendre unfern Perpignan finden sich viele Ausweitungen, wie an 
steilen Kalk-Gestaden; die durchaus Kalk-freien Sandsteine von Port- 
en-Bessin im Calvados zeigen überall auf der dem Meere zugekehrten 
Oberfläche tiefe Furchen. Vırzer fügt hinzu, dass er die Bildung der 
Sillaka-Grotte auf dem Eilande Thermia, welche in Glimmer- und in 
Thon-Schiefer befindlich ist, nicht dem Einwirken der Meereswasser zu- 
schreibe,. sondern dass dieselbe, gleich den meisten übrigen Höhlen, 
als Resultat vulkanischer Thätigkeit zu betrachten seyn dürfe, welche den 
entweichenden Gasen einen Ausweg bahnte, und dass die Gase nach 
und nach chemisch auf das Gestein einwirkten. So nur sey die Bil- 
dung der Sillaka-Grotte mitten im alten Schiefer-Gebilde erklärbar, 


F. Le Pray: Tagebuch auf einer Reise durch Spanien ge- 
führt. (Ann. des Mines. 3me serie. T. V, p. 175 etc.) Auf eine 
kurze Zeit beschränkt, um Süd- Spanien zu besuchen, war der 
Berichterstatter genöthigt, die Reise von Bayonne nach Madrid schnell 
zurückzulegen. Die Strasse, welche man zu wählen pflegt, führt nach 
Irun, Tolosa, Bergara, Salinas, Vittoria, Miranda, Pancorbo, Bri- 
viesca, Burgos, Lerma, Aranda, durchschneidet sodann die Kette der 
Sommo-Sierra, und führt über Buitrayge, la Venta de la Cabrera und 
Alcovendas nach Madrid. Über die geologische Beschaffenheit der Ge- 
gend bis zu den Engpässen von Pancorbo bestehen ungedruckte Noti- 
zen von VArızso, Durr:noy und Eu pe Beaumonr, deren Benutzung 
unserem Reisenden indessen gestattet war. Die mächtige Wirkung, wo- 
durch den Pyrenäen ihr gegenwärtiges Relief verliehen ‘worden, ist bis 
Vittoria unverkennbar; sie hat das Ufer des Meeres, in welchem die 
tertiären Gebilde abgesetzt wurden, bis zum Dorfe Arganson, zwei 
Myriameter von Vittoria, zurückgedrängt, Dieses Ufer zieht, gleich den 


— 6% — 


beiden Etagen des Kreide-Gebiets, dem Streichen beider Pyrenäen-Ge- 
bänge parallel, ungefähr W. 18° N. nach O, 18°%;S. Biscaya, Navarra 
und das nördliche Arragonien lassen eine höchst einfache geologische 
Konstitution wahrnehmen; die Strasse von Bayonne naclı Madrid, ziem- 
lich senkrecht mit dem Streichen der Kette, gewährt den lehrreichsten 
Durchschnitt beider Streifen der Kreide-Formation ; nur hin und wieder 
kommen unter denselben Jura-Gebilde zum Vorschein. ‘Von den Ufern 
des Ebro bei Miranda bis zum Fusse der Sommo-Sierra ist eine uner- 
messliche Ebene. Die Plateau’s von Alt- und Neu-Castilien scheinen ihre 
gegenwärtige Erhebung in sehr neuen Zeiten eingetretenen Wirkungen 
zu verdanken, Wirkungen, welche später eintraten, als die Ablage- 
rungen der jüngsten tertiären Gebilde Statt gefunden. Kalkige Mer- 
gel, Gyps und sehr dichte Kalksteine herrschen; unter diesen geschich- 
teten Formationen sieht man mächtige Haufwerke von Sand und Geröl- 
len. Die tertiiren Lagen zeigen sich, bedeutend mächtig, in den er- 
habenen Hügeln um Briviesca (Alt-Castilien), so wie in den Plateau’s 
südwärts von Madrid auf der Strasse nach Andalusien. Dessgleichen 
beobachtet man dieselben an der Cuesta de la Reyna, an den Gehän- 
gen der geräumigen Ausweitung in diesem Plateau, um Aranjuez. Die 
Rollstücke und der Sand dürften den alten Diluvial-Ablagerungen aus 
der Epoche der Aufrichtung der Hauptkette der Alpen gleichzeitig seyn. 
Sie erscheinen stellenweise auf dem Boden von Alt-Castilien und zu- 
mal am nördlichen Fusse der Sommo-Sierra. Diese Ablagerung .er- 
reicht eine grosse Mächtigkeit in den Ebenen, durch welche die Strasse 
von Madrid nach Estremadura führt, zwischen dem Tajo und den mit 
Schnee bedeckten Höhen, welche Alt- und Neu-Castilien scheiden. Das 
.Meer, in welchem sich jene Gebilde absetzten, musste sich in der Rich- 
tung von Bayonne und Cadix ausdehnen, bis in die Gegend von Ar- 
ganson in Biscaya; es reichte über einen grossen Theil von Arrago- 
nıen hinaus und stand ohne Zweifel mit dem Mittelländischen Meere 
in Verbindung vermittelst einer Ausweitung in dem bergigen Landstriche, 
welche Höhen schon damals die Küste von Catalonien und von Valencia 
bezeichneten. Wahrscheinlich dürfte hier die alte Meeresenge von 
Gibraltar gewesen seyn; denn Süd-Spanien wurde ohne Zweifel erst 
in neuern Zeiten von der Kette des Atlas getrennt. Die Kontinuität 
dieses kleinen Mittelländischen Meeres war in der angedeuteten Rich- 
tung nur durch das lang erstreckte Vorgebirge der Sommo-Sierra und 
des Guadarrama unterbrochen, welche gegen WS. mit den Höhen von 
Estremadura und mit jenen der Provinz von Salamanca zusammen- 
hingen.. Hin und wieder erhoben sich einige unbedeutende Inseln über 
die Oberfläche des Wassers: dahin die kleine Kette von Pancorbo, 
Was die Epoche der Erhebung von Central-Spanien betrifft, so fällt 
diese in die Zeit der Aufrichtung der Haupt-Alpenkette. Die Katastrophe 
steht ohne Zweifel in Verbindung mit einer Reihe von Störungen und 
Verrückungen, welche Durrznoy in der Nähe der Pyrenäen nach- 
gewiesen hat und wovon er später die Spuren in mehreren Theilen von 


— 69 — 


Biscaya und Catalonien verfolgte. Die moderne Beschaffenheit des 
Bodens, das Streichen mehrerer Bergketten, der Lauf der Wasser, die 
im mittleren Spanien entspringen, endlich die Schichtung der Gesteine, 
wie man solche an verschiedenen Orten beobachten kann, beweisen zur 
Genüge die Gleichzeitigkeit jener Katastrophe mit dem Auftreten der 
Ophite. — Die Kette der Sommo-Sierra, deren Gipfel zum Theil ihre 
Schnee-Decke nie verlieren, besteht ganz aus Granit, welcher in früher 
Zeit eine mächtige Ablagerung von Gneiss und Glimmerschiefer durch- 
brochen hat. — Madrid liegt auf einem Plateau und am Rande einer 
ziemlich tiefen Einsenkung, in welcher der Mazanares seinen Lauf 
hat. — Von Madrid führt die Strasse nach Estremadura über weit 
erstreckte Ebenen, welche allmählich ansteigen von den Ufern des Tajo 
gegen das bergige Land, das von den beschneiten Gipfeln des Guadar- 
‚rama und der Provinzen Avila und Salamanca beherrscht wird. Thon, 
Sand und Rollsteine herrschen; mehrere tiefe Schluchten lassen die 
Formationen als bedeutend mächtig erkennen. Die Oberfläche ist weit 
unbebaut.. — Jenseits Talaveyra trifft man noch wenig beträchtliche 
Ablagerungen der oberu tertiären Gebilde in dem engen Golfe zwischen 
den Bergen von Avıla und der Sierra de Guadelupe, welche das linke 
Tajo-Ufer begrenzt. Der kleine Flecken Navalmoral aber liegt schon 
auf Granit, und nun hat man die alten Fels-Gebilde erreicht, welche 
einen grossen Theil des Bodens von Estremadura zusammensetzen, 
Die Granite der Sierra de Guadelupe sind von jenen von Trujilo 
durch einen Streifen von Transitions-Schiefern geschieden. Letztere 
zeigen sich regelrecht geschichtet; das Streichen fällt genau mit den 
geographischen Grenzlinien von fa Mancha und Estremadura zusam- 
men. Die Gegend von Logrosan ist keineswegs so reich an phosphor- 
saurem Kalk, als man auf fabelhafte Berichte gestützt glaubte. Das 
Ganze beschränkt sich auf einige kleine Gänge von Quarz und phos- 
phorsaurem Kalke, wie solche u. a. vor den Thoren von Logrosan ge- 
troffen worden. Zwischen Logrosan und Almaden ist in südöstlicher Rich- 
tung eine weit erstreckte, vom Rio-Gargaliga durchströmte Ebene, 
Alte Diluvial-Ablagerungen, meist Geschiebe, bedecken den Boden. Bei 
Casas de D. Pedro fliesst die Guadiana durch ein Plateau von Tran- 
sitions-Gebilden. Bei den Dörfern von Talarrubias und la Puebla 
d’Alcocer trifft man Kupfer- und Eisen-Erze. — Die Gruben von Alma- 
den, in der Provinz la Mancha, sind seit ältester Zeit im Betrieb und 
gegenwärtig sehr ergiebig. Die Gänge sind in dem Grad mächtig, dass, 
ungeachtet des seit vielen Jahrhunderten dauernden Abbaues, die Arbei- 
ter dennoch erst eine Tiefe von ungefähr 300 Metern erreickt haben. 
Im Hauptgange haben die reinen Erzmittel eine Mächtigkeit von 12 
bis 15 Meter. Auch zwischen Almaden und Almadenejor werden viele 
Quecksilber -Erze gewonnen. Man baut gegenwärtig zumal einen 
schwarzen Schiefer ab, der reich an metallischem Quecksilber ist, aber 
nur wenig Zinnober enthält. Die ‚Sierra-Morena, deren südliches Ge- 
hänge steil aus der Ebene von Andalusien emporsteigt,. fällt gegen N. 


- m 


ziemlich sanft ab und verfliesst allmählich mit den schon sehr erhabe- 
nen -Plateau’s von Zz Mancha und Estremadura. Cordova liegt am 
Fusse des steilen Abhanges der Sierra-Morens, am rechten Ufer des 
Guadalguivir da, wo an der linken Flussseite eine weit erstreckte Ebene 
ihren Anfang nimmt. Am Fusse der Kette, und selbst bis zu gewisser 
Höhe, findet man die Geschiebe-Ablagerungen wieder, welche im Nor- 
den des Tajo so häufig sind; hier bedecken sie Kalke, welche 
Muscheln umschliessen, identisch mit den in den tertiären Formationen 
von Korsika enthaltenen. Die ganze niedere Ebene von’Andalusien be- 
steht aus sehr jugendlichen Gebilden, mit denen Castiliens von gleichem 
Alter; aber die mineralogischen Merkmale beider Ablagerungen zeigen 
sich ziemlich verschieden. Längs dem Fusse der Sierra-Morena, in 
nordwestlicher Richtung von Cordova, findet man tertiäre Gebilde, reich 
an Muscheln. Beim Überschreiten der Berge in der Richtung ven SO. 
gegen NW. verlässt man bald das tertiäre Gebiet, um die alten ge- 
schichteten Massen der Sierra zu finden. Beim Dorfe Espiel kommen 
Steinkohlen vor, welche in ihrem Streichen dem Rio-Guadiato zu fol- 
gen scheinen. Die granitische Ebene von Hinojosa und Benalcazar 
reihet sich diesem Berge an. Das ganze linke Uferder Guadiana, so 
wie dieselbe in die Provinz Estremadura eintritt, besteht aus Trans- 
itions - Gesteinen, welche erst unterhalb Orellara, zwischen diesem 
Flecken und der Stadt Serena, endigen. Von hier und bis zur Grenze 
Portugals strömt die Guadiana ın einem sehr niedern, von kleinen 
Hügelreihen umgrenzten Landstrich, dessen Boden aus Diluvial-Abla- 
gerungen zusammengeseizt ist. Badajoz, die Hauptstadt von Estre- 
madura liegt auf niedern tertiären Bergen, deren Schichten mitunter 
stark aufgerichtet erscheinen. Man sieht Berge eines Muscheln-führen- 
den Kalkes, der in mächtige Dolomit-Bänke übergeht; diese Phänomene 
dürften mit auftretenden Diallag- und Hypersthen-Gesteinen in Verbin- 
dung seyn, Felsmassen, welche auch in andern Gegenden von Estre- 
madura, namentlich um Albuguergue, Guarena, Almaden, Cazalla 
u. s. w. sehr häufig getroffen werden. Die Gebilde tertiären Sandes 
der Ebene der Guadiana erstrecken sich gegen NNW., parallel der 
Portugiesischen Grenze. Nach N. wird die Formation durch eine Berg- 
reihe begrenzt, auf deren höchstem Gipfelpunkte das Schloss von Al- 
buquerque steht. Am westlichen Gehäuge dieser Berge zeigen sich 
Wechsel-Lagerungen von Schiefern und von quarzigen Gesteinen ähnlich 
denen, wie sie im südöstlichen Estremadura gefunden worden, Die 
Natur des Felsbodens ist identisch mit jener des Landes von Almaden. 
Auch hier zeigen sich emporgehobene Schichten, und die Aufrichtungs- 
Spalten folgen dem nämlichen Streichen. Das östliche Gehänge der 
Bergkette besteht ganz aus Granit. — Zwischen Albuquerque und Ca- 
ceres, der Hauptstadt des obern Estremadura, sind manche interessante 
Erscheinungen wahrzunehmen an den Stellen, wo Granite mit Schiefern 
und Grauwacken zusammentreffen. Der mittlere Theil des obern.Estre- 
madura wird vorzüglich von Transitions- Gesteinen gebildet, welche 


— WI — 


durch mächtige granitische Bergreiben unterbrochen worden. Die 
Stadt Montaneties, auf dem erhabenen Col einer dieser Reihen, liegt 
ungefähr 400 Meter über der nahen Ebene. Gegen den Rio-Burdalo 
zu lagern sich die tertiären Formationen der Guadianu über jene ältere 
Felsmassen und erstrecken sich nordwärts nach der niedern Ebene, durch 
welche der Rio-Garlig« seinen Lauf hat. Eine kleine Bergkette zieht 
"vom Orellana aus am rechten Ufer der Guadiana hin. Sie besteht 
aus Transitions - Gesteinen und ist offenbar nur eine Fortsetzung der 
gleichnamigen Gebilde, welche am linken Flussufer die Sierra’s d’Alco- 
cer und de Lares ausmachen. In diesem Gebirge findet man mehrere 
Eisenerz - Lagerstätten, besonders von faserigem Roth-Eisenstein, wie 
u. a. in der Nähe von Orellanita. — In südwestlicher Richtung über 
Bengarencia, Zalamea, Higuera und EI Campillo bis Llerena herr- 
schen Schiefer und Grauwacke, aus denen hin und wieder granitische 
Massen hervortreten. Lilerena liegt am Fusse hoher Berge, welche zu- 
mal aus dichtem Kalkstein bestehen, dessen Schichtungs-Beziehungen 
mit jenen der erwähnten Schiefer im Verbande stehen. Bleiglanz, koh- 
lensaures Kupfer u. s, w. gehören zu den häufigen Erscheinungen. 
Diese Formation setzt in südöstlicher Richtung, längs des Rio-Biar, 
bis jenseits @uadalcanal fort, (Die Fortsetzung folgt.) 


B. Stuper: Geologie der westlichen Schweitzer- Alpen. 

Mit einem geologischen Atlas, (Heidelberg und Leipzig, 1834.) Es las- 
sen sich in der Geschichte jeder Naturwissenschaft Beispiele auffinden, 
wo die vereinigten Bemühungen von Forschern ersten Ranges vergeb- 
lich eine Aufgabe zu lösen versuchen, von der man doch glauben möchte, 
es bedürfe nur gewöhnlichen Fleisses, um dieselbe vollständig zu ent- 
ziffern. Meistens liegt dann die Schwierigkeit mehr in der Art und 
Weise, wie man die Aufgabe anzugreifen gewohnt ist, als in dem Ge- 
genstande selbst, und die Auflösung ist oft mehr ein Geschenk des Zu- 
falls, der gerade Jemanden in die besondere Lage versetzt, dass er, ohne 
eben wie Corumzus einen genialen Einfall zu Hülfe nehmen zu müssen, 
fast blindlings den Weg findet, der einzig zum Ziele führen kann, — 
Die Geologie der Alpen wird vielleicht einst in der Geschichte der Ge- 
birgskunde als ein Beispiel dieser Art angeführt werden, Die Entziffe- 
rung dieses Gebirges ist fast seit dem Beginn der Wissenschaft als eine 
- der Hauptaufgaben geologischer Forschung betrachtet worden; Männer, 
deren Name niemals in Vergessenheit gerathen wird, haben ihr einen 
grossen Theil ihrer besten Jahre und ihrer Kräfte geopfert, das Inter- 
esse an den Wundern dieser grossartigen Gebirgswelt führt jährlich 
Tausende aus den gebildetsten Klassen aller Länder in ihre innersten 
Thäler,, auf ihre höheren Pässe und Gipfel, und doch geräth der öffent- 
liche Lehrer immer in sichtbare Verlegenheit, ‘wenn er in seinen Vor- 
trägen auf die Geologie der Alpen zu sprechen kommt, und in den Sy- 
stemen und Lehrbüchern hat dasjenige, was in dem letzten Jahrzehend 


— 


_uns davon bekannt geworden, als eine Reihe von Anomalien, nur in 
Anhängen, Noten und zweifelnden Fragen eine Stelle gefunden. Der 
Gedanke, dass es zur glücklichen Beseitigung dieser Klippe der Wissen- 
schaft nicht sowohl an Genie und an der Zahl der Arbeiter, als an der Auffin- 
dungeines besseren Operationsplanes gefehit habe, bietet sich von selbst dar, 
und billig sollen wir daher bei der Erscheinung eines Werkes, das sich als eine 
Geologie der Schweitzer- Alpen ankündigt, noch abgesehen von allen 
Resultaten, vorerst die Frage anfwerfen, ob der Verf. seinen Gegen- 
stand nach neuen Methoden behandelt habe, die eher, als die bisher 
versuchten, einen sicheren Erfolg versprechen möchten. 

Diesem billigen Verlangen nach einer methodischen Beurtheilung 
seiner Arbeit kommt der Verf. in der Einleitung entgegen. Es ent- 
hält nämlich dieselbe eine kurze historische Darstellung der verschiede- 
nen Wege, die bis dahin in der alpinischen Gebirgskunde eingeschla- 
gen, und der Resultate, die auf ihnen gesammelt worden sind. So sehr 
im Allgemeinen diese Übersicht der neueren Wissenschaft zum Ruhme 
gereicht und einen schönen Wetteifer zwischen Deutschen, Französi- 
schen und Englischen Gebirgsforschern beurkundet, so lässt sich doch 
nicht verkennen, dass die Mehrzahl der Resultate uns nur wie durch 
einen Nebel, mit unbestimmten Umrissen und ohne feste Haltung, er- 
scheinen, dass mehrere der wichtigsten im grellsten Widerspruche un- 
ter sich stehen, und dass das Ganze der Alpen-Geologie mehr ein locke- 
res Aggregat vereinzelter Beobachtungen, zufälliger Bemerkungen und 
genialer Hypothesen darbiete, als eine strenge und zusammenhängend 
durchgeführte Arbeit, wie wir sie über andere Europäische Länder be- 
sitzen. Der Verf. glaubt den Grund dieser unbefriedigenden Kenntniss 
eines so oft bereiseten Gebirges, abgesehen von dem Mangel an Zu- 
sammenhang in den bisherigen Untersuchungen, vorzüglich auch darin 
zu finden, dass man Methoden, die nur auf die geognostische Untersu- 
chung des Flachlandes, oder wenig hoher Gebirge bereehnet waren, 
auch bei dem Studium der Alpen anwenden wollte, ohne sie dem neuen 
Gegenstande gemäss gehörig modifizirt zu haben, während man dage- 
gen gerade dasjenige in diesen Methoden wegliess, was vielleicht allein 
hier Nutzen gewähren konnte. Als nicht anwendbar auf die Untersu- 
chung der Alpen bezeichnet der Verf. bestimmter die sonst so erfolg- 
reiche Werner’sche Methode, nach welcher die Gebirge nach Altersfor- 
mationen studiert werden, sei es, dass man hiezu sich petrographischer, 
oder paläontologischer, oder der Lagerungs-Charaktere bediene, und da- 
gegen vermisst er die sonst immer mit dieser Methode verbundene geo- 
graphische Verfolgung der Felsbildungen, welche zur Darstellung des 
antersuchten Gebietes auf geologisch illuminirten Karten führt. Obgleich 
demnach die den Text begleitende Karte nach den üblichen Grundsätzen, 
d. h. nach Formationen, kolorirt ist, so hat doch der Verf. im Text 
selbst diese Eintheilung nur in zweiter Linie auftreten lassen, und die 
ganze Darstellung schlägt eine eigenthümliche Bahn ein, welche ihm 
durch die letzten Zwecke der geologischen Forschung und durch die 


— 7 — 


Beschaffenheit des Alpengebirgs vorgeschrieben zu seyn schien. An die 
Stelle der Altersformationen wird der neue Begriff von Gebirgsmas- 
sen in die Wissenschaft eingeführt, und unter Gebirgsmasse versteht 
der Verf. eine solche Berggruppe, oder Kettenverbindung, in der wir, 
nach ihrer äussern Gestaltung, Anordnung und Struktur, ein mehr oder 
weniger selbstständiges, nach einem gemeinschaftlichen Prinzip gebilde- 
tes Ganzes erkennen. Jede der fünf Gebirgsmassen, die sich in dem 
gewählten Bezirke unterscheiden lassen, wird für sich in einem beson- 
deren Kapitel behandelt und erhält somit ihre eigene Monographie, in 
ähnlichem Sinn, wie wir bereits Monographieen des Harzes, des Schwarz- 
waldes u. s. w. besitzen. Ein erster Abschnitt jedes Kapitels beschäf- 
tigt sich mit den äusseren, orographischen Verhältnissen, und da diese 
in einem Gebirge von der Ordnung der Alpen in engster Beziehung 
zu der inneren Struktur stehen, so mussten auch die Verhältnisse der 
Schichtung, des Streichens und Fallens und der Lagerung mit behan- 
delt werden, In einem zweiten Abschnitte folgt dann die Beschreibung 
der einzelnen Bestandtheile der Gebirgsmasse, gleichsam die chemische 
Analyse derselben. Der Verf. sucht hier, so viel es die Deutlichkeit 
der Darstellung erlaubt, sich der Zeitfolge anzunähern, indem er zu- 
erst die Steinarten beschreibt, die sich noch zunächst in dem Zustande 
befinden, wie sie durch wässrigen Niederschlag oder mechanische Ag- 
gregation gebildet worden, auf sie die durch spätere Einwirkungen verän- 
derten oder ganz umgewandelten Felsarten folgen lässt, und den Ab- 
schnitt mit denjenigen schliesst, die man unter dem Namen anomale 
Bildungen meist als aus der Tiefe aufgestiegen, oder unter plutoni- 
schem Einflusse gebildete Felsmassen betrachtet. Bei der Beschreibung 
der Sedimentgesteine werden auch die darin vorkommenden organischen 
Überreste angeführt, aber erst am Schlusse jedes Kapitels wird dann 
der Versuch gemacht, theils nach diesen Überresten, theils nach den 
Lagerungs-Verhältnissen, die Sedimentmassen mit den Formationen der 
geologischen Altersreihe zu parallelisiren, und überhaupt die Bedeutung 
und Bildungsgeschichte der Gebirgsmasse zu entziffern. 

Der beschriebene und auf der Karte dargestellte Bezirk umfasst 
die Gebirge, die zwischen dem Thunersee und Genfersee, dem Wallis 
und dem Gebiet der Molasse liegen. Was dem Verfasser von den geo- 
logischen Verhältnissen der übrigen Alpen durch eigene Untersuchung 
bekannt geworden, hat er am Schlusse der Kapitel anhangsweise beige-. 
fügt, und besonders über die näher gelegenen Gegenden, namentlich 
über alle Gebirge des Berner Oberlandes sind diese Zusätze so bedeu- 
tend ausgefallen, dass die geognostische Karte leicht bis an die Reuss 
hätte ausgedehnt werden können. Ohne dem Verf. Schritt für Schritt 
in seiner Beschreibung der fünf Gebirgsmassen zu folgen, wollen wir 
versuchen, die Hauptresultate, zu denen er gelangt ist, in gedrängter 
Übersicht darzustellen. 

Wir heben unter den beschriebenen Gebirgen zuerst die Niesen- _ 
Kette hervor, die gleichsam den Kern des ganzen zwischen dem Thuner- 


und @enfer-See befindlichen Gebirgslandes bildet. Es ist eine in diesem 
Gebiete ganz abgeschlossene, weder östlich noch wesilich fortsetzende 
Kette, die sich zuerst in der schönen Pyramide des Niesens über 7000 
F. erhebt und von da westlich, ungefähr gleiche Höhen behauptend, 
bis in die Nähe von Aögle fortstreicht, wo sie plötzlich wieder abge- 
brochen erscheint. : Sie besteht!fast ausschliesslich: in der Tiefe aus 
Dachschiefer-ähnlichem Mergelschiefer, in der Höhe aus sehr kalkrei- 
chen Sandsteinen und Breccien, ohne alle organische Überreste. Ihre 
Schichten fallen im Allgemeinen gegen NW. Es scheint diese räthsel- 
hafte Bildung eine sehr wichtige geologische Bedeutung zu haben: sie 
trennt nämlich das ganze Gebiet in zwei ungefähr gleich grosse Hälf- 
ten, die, obgleich denselben oder sehr nahe verbundenen Altersforma- 
tionen angehürend, doch einen ganz verschiedenen Charakter tragen, 
gleich als ob es heterogene Stücke zweier ganz unähnlichen Gebirge 
wären. 

Das der Niesenkette nördlich vorliegende Gebirgsland lässt sich 
zum Theil noch als ein Ausläufer des Jura betrachten, der sich in Sa- 
voyen von dem Hauptstamme ablöst, vom Alpenzuge mit fortgerissen 
und bei Thun vollkommen abgeschnitten wird, so dass weiter östlich 
keine Spur mehr davon sich entdecken lässt. Die ihm angehörenden 
Gebirge bilden eine mächtige, am Thunersee fast zugeschlossene, in 
der Gegend von Zweisimmen weit klaffende und gegen den Genfersee 
zu sich wieder verengernde Mulde, indem die der Niesen-Kette zunächst 
anliegende Kette nördliches, die weiter abstehende Stockhorn-Kette süd- 
liches Fallen zeigt. In dieser findet man den Petrefakten zu Folge, 
wenn man an der Nordseite aufwärts steigt, Lias und in grosser Mäch- 
tigkeit - die mittle und obere Oolith-Gruppe entwickelt; der südliche 
Schenkel der Mulde gehört ausschliesslich der letzten an, d.h. der 
Formation des Portlandstone und Kimmeridgeclay, und die älteren 
Oolith-Glieder fehlen hier ganz, so dass die obersten Jura-Bildungen un- 
mittelbar dem Niesen-Sandstein aufliegen. Die Steinart und der ganze 
Habitus des Gebirges ist übrigens so verschieden von denen des 
eigentlichen Jura, dass man, ohne von den organischen Überresten un- 
terstützt zu werden, ihre Identität niemals erkannt hätte: wahre Oolithe 
zeigen sich nur an wenigen Stellen, und nur im Gebirgsstocke des 
Molezon, wo sich die Stockhorn-Kette am meisten dem wahren ‚Jura 
annähert, nimmt der Kalk hellgraue, fast weisse Farben an. Die inneren 
Wände der Mulde werden noch von einer jüngern Bildung bedeckt, die 
sich, theils als ein wenig fester Mergelschiefer, theils als ein dunkler 
feinkörniger sehr kalkreicher Sandstein darstellt, ähnlich dem Maecigno 
oder dem Wiener-Sandstein, und dieselben Fucoiden einschliessend. Es 
ist diess die sogenannte Flysch-Bildung des Simmenthales, die der 
Verf., obgleich nicht mit vollem Vertrauen, als ein in der Kreide-Epoche 
entstandenes Hebungsprodukt betrachtet. Im mittleren Theile der Mulde, 
wo die beiden Kalkwände derselben weit auseinander getrieben sind, 
erlangt der Flysch eine grosse Mächtigkeit und bildet sogar hohe 


— 705 — 


selbstständige Rücken; an den beiden Enden der Mulde aber verschwin- 
det er wieder, ohne die östliche und westliche Grenze des Gebietes zu 
erreichen. Eine zweite ähnliche Flysch-Linse drängt sich im westlichen 
Theile des Gebirges zwischen die Stockhorn-Kette und die aufliegende 
Kette des jüngern Ooliths. Eine dritte entwickelt sich in einer mächti- 
gen, mehrere Stunden weit fortsetzenden Spalte der südlichen Kalk- 
kette, und, merkwürdig genug, zeigen die beiden Seitenwände der Spalte 
in gleichem Verhältniss geringere Dicke, als der davon umschlossene 
Flysch grössere Mächtigkeit erlangt, ja in der Gegend der. stärksten 
Ausdehnung des Flysches scheinen die Kalkwände ganz zu fehlen und 
- jene Bildung tritt unmittelbar mit dem Niesen-Sandstein und der ersten, 
grossen Flysch-Linse in Berührung. — Die Stockhorn-Kette grenzt nicht 
unmittelbar an die Molasse; eine ebenfalls südlich fallende, bald nur 
als einfache Kette, bald als eine breitere Berggruppe sich darstellende 
Gebirgsmasse begleitet sie, ihren nordwestlichen Fuss bedeckend, aus 
der Gegend von Thun. bis an den Genfersee.. Die oberste Masse die- 
ser vorliegenden Gebirgsgruppe besteht vorherrschend aus Sandstein, 
dem Gurnigel-Sandstein des Verfs., und Mergelschiefer mit Fucoiden, 
und scheint sich nicht wesentlich von dem Flysch des Sömmenthales 
zu unterscheiden. Unter ihr tritt Kalk hervor, der, nach seinen orga- 
nischen Überresten zu urtheilen, derselben Alters-Epoche, wie der Kalk 
der Stockhorn-Kette, d. h. dem mittleren Oolith, angehört. Unter dem 
Kalk endlich findet man noch eine, theils aus schwarzem Schiefer, theils 
aus Molasse-ähnlichem Sandstein bestehende Bildung, deren Alter nicht 
mit Sicherheit bestimmt werden kann, die aber vielleicht, wenn man 
einigen Abdrücken von Posidonien vertrauen darf, dem Lias angehö- 
ren möchte. 

Weit kräftiger, als dieser letzteren Gebirgsmasse, ist der alpinische 
Charakter den Gebirgen aufgedrückt, die zwischen der Niesen - Kette 
und dem Wallis aufsteigen und das breite Hochland bilden, aus wel- 
chem die Diablerets, das Wildhorn, der Strubel, die Altels und Blü- 
melisalp sich mehrere Tausend Fuss über die Schneelinie erheben. Diese 
ungeheure Kalk- und Schiefer-Masse wird durch die beiden grossen Queer- 
thäler, welche dem beschriebenen Gebiete zur östlichen und westlichen 
Grenze dienen, unterbrochen, aber nicht abgeschieden. : Dieselben Bil- 
dungen setzen tief in Savoyen hinein, und jenseits dem Thunersee fin- 
det man sie in unmittelbarer Berührung mit der Nagelflue. Aller Wahr- 
scheinlichkeit nach sind sie es, und nicht die vorhin beschriebenen, welche 
gegen Osten hin, in immer neue Parallel-Ketten sich zerspaltend , das 
ganze Kalkgebirge der mittlen und östlichen Schweiz und der..Deut- 
schen Aipen bilden, Die tiefsten Massen dieses Sediment-Gebirges sind 
an der südwestlichen und südöstlichen Ecke unseres Gebietes eutblösst 
und bedeutend gehoben worden, indem hier die äussersten Keile der 
granitischen Bildungen des Montblanc und des Finsteraarhorns in die 
Grundlage desselben eingedrungen sind. Beide Stellen haben, reichen 
Stoff zu wichtigen Beobachtungen über die Kontakt - Verhältnisse zwi- 


“= 


— 706 — 


schen Kalk und Granit geliefert, die sich zunächst an dasjenige an- 
schliessen, was bereits über die Puddinge von Valorsine und die Ver- 
hältnisse an der Jungfrau bekannt geworden ist. Die merkwürdige 
Lagerfolge von zweifelhaftem Charakter, die den Granit oder Gneis von der 
grossen Kalkmasse trennt, wird unter der Überschrift „Zwischenbil- 
dungen“ sehr ausführlich behandelt. Die Alters-Bestimmung der- 
selben findet leider in dem vereinzelten Vorkommen organischer Über- 
reste, die sehr verschiedenen Epochen anzugehören scheinen, sehr 
grosse Schwierigkeiten; denn während man an der südwestlichen Ecke 
in den Zwischen-Bildungen die Fahrenkraut-Abdrücke der Steinkohlen- 
Formation, und, durch eine mehrere Hundert Fuss mächtige Kalkdecke 
davon getrennt, in dem Kalk von Bex Lias-Petrefakten findet, enthalten 
an der südöstlichen Ecke im Profile der Jungfrau die Zwischen-Bildun- 
gen bereits die Petrefakten des unteren oder mittlen Ooliths, und im 
Kalk selbst erscheinen in grösserer Höhe Kreide-Petrefakten. Fast sollte 
man glauben, die Feldspath-Bildungen seyen dort nur bis an die obere 
Grenze des Übergangs-Gebirges oder, wenn wir mit E. pe Beaumonr jene 
Fahrenkraut-Abdrücke dem Lias beiordnen, bis an die untere Grenze dieser 
letzteren Bildung aufgestiegen, an der Jungfrau dagegen sei auch die ganze 
Lias-Bildung von ihnen durchbrochen worden. Doch findet auch diese 
Erklärung ihre grossen Schwierigkeiten. — Die mächtige Kalk- und 
Schiefer-Masse, die den Zwischenbildungen aufgelagert ist, enthält erst 
in ihrem höheren Theile wieder zahlreiche organische Überreste, vor- 
herrschend Nummuliten, daher diese ganze Petrefakten-führende Lager- 
folge den Namen Nummulitenkalk erhält. Die Untersuchung der- 
selben ist von grosser Wichtigkeit, indem sie uns verspricht, die rei- 
chen Petrefakten-Lager der Montagne de Fis und der Diablerets mit 
den analogen Bildungen der Baierischen, Salzburger und Östreichi- 
schen Alpen in Verbindung zu bringen: eine Aufgabe, deren Lösung 
der Verf. in so weit angebalnt hat, als es ihm gelungen ist, den Num- 
mulitenkalk nicht nur von der Rhone bis an den Thunersee, sondern 
durch die ganze Schweitz bis an die Deutsche Grenze zu verfolgen, wo 
seine Untersuchungen sich an diejenigen von MurchIson, SEDGwIck und 
Boue£ anschliessen; die Entstehung dieser Lagerfulge glaubt er, mit der 
Mehrzahl der neueren Geologen, in die ältere oder mittlere Kreide- 
Epoche setzen zu müssen, und zwar ohne eine Ausnahme für diejeni- 
gen Punkte zu gestatten, welche, wie die Diablerets, tertiäre oder ter- 
tiär scheinende Petrefakten zeigen, indem eben eine solche Lagerstätte, 
auf der Ostseite des Z’humersee’s, von Fucoidensandstein bedeckt wird. 
— Zum Theil wohl unerwartet ist die, sowohl in den Gebirgen jenseits 
der Niesen-Keıte, als besonders in diesen südlicheren sich bestätigende 
Beobachtung, dass es nicht die tieferen Massen sind, welche die stärk- 
sten Spuren einer späteren Umwandlung zeigen, sondern gerade die 
obersten, äussersten. So sieht man in den Tobeln, die von der Haupt- 
kette gegen das Wallis auslaufen, die gewöhnlichen grauen Mergel- 
schiefer und schwarzen Kalksteine nach und nach immer stärkern Glanz, 


— 707 — 


grössere Festigkeit und bestimmtere, bunte Farben annehmen, der Kalk 
wird heller und krystallinisch, es’ erscheinen Talkblätter und Quarzdru- 
sen, und man befindet sich zuletzt, während man bei dem südöstlichen 
Fallen der Schichten stets von den älteren zu den jüngeren fortge- 
schritten ist, mitten in der merkwürdigen Bildung des Talk-Kalkes, die 
aus dem Wallis ohne Unterbrechung nach der Tarentaise fortsetzt. 
Ähnliche Umwandlungen. sind mit dem Auftreten des Gypses, oder 
genauer Anhydrites verbunden, der überhaupt in diesen Gegenden 
die Rolle des schwarzen Porphyrs von Süd-Tyrol zu spielen scheint. 
Fast allgemein zeigt sich der Anhydrit auf der Grenze zweier Forma- 
tionen, und das Verfolgen dieser Gesteine hat dem Verf. die schärfere 
Unterscheidung der Gebirgsmassen sehr erleichtert. Besondere Ab- 
schnitte sind den Mineralquellen und dem Taviglianaz-Sand- 
stein gewidmet, welchen letzteren der Verf. als einen Porphyrtuff zu 
betrachten geneigt ist. Wohl aus Versehen sind im Abschnitte über die Mi- 
neralquellen der südlichen Gebirgsmasse die Salzquellen von Bex aus- 
gelassen worden. 

Im ganzen Verlaufe des Werkes ist bei jeder Gelegenheit Rücksicht 
genommen worden auf die neueren geologischen Theorieen, namentlich 
die Hebungstheorie und die Theorie von ELıe pz Beaumont. Obgleich 
der Verf. sich der direkten Kritik enthält, so unterlässt er doch nicht, 
auf die keineswegs seltenen Erscheinungen aufmerksam zu machen, die 
nach seiner Ansicht in der Anwendung und weitern Ausbildung jener 
Theorie’n zu mehr als gewöhnlicher Behutsamkeit auffordern. Am Schlusse 
zeigt er sich geneigt Denjenigen beizutreten, welche die Alpen durch 
sehr oft und einen langen Zeitraum hindurch wiederholte Hebungen ent- 
stehen lassen wollen, indem diese Ansicht allein ihm mit den sonderba- 
ren Verhältnissen verträglich scheint, welche die Nagelfluh und Molasse 
am Fusse der Alpen darbieten. 

Die Ausstattung macht der Verlagshandlung Ehre, und wir wün- 
schen sehr, dass die günstige Aufnahme des Werkes bei dem geognosti- 
schen Publikum sie für ihre Auslagen entschädigen möge. Der Atlas 
enthält, ausser den geologischen, auch an topographischen und orogra- 
phischen Details sehr reichen Karten, sechs Profile, welche in geringer 
Entfernung von einander die vordere Alpenkette von Wallis aus bis 
an die Grenzen der Molasse durchschneiden, und durch treue Dar- 
stellung der Gebirgsformen und viele neue Namen ebenfalls topographi- 
sches Interesse haben. Ein letztes Blatt, das sich bequem in zwei 
Hälften zerschneiden lässt, enthält zwanzig kleinere Zeiehnungen und 
Umrisse. 


He£rıcart DE Taury: Notiz über die Kalkhöhlen von Cusy 
in den Beauges-Bergen und über denGold- und Edelstein-füh- 
renden Sand des Cheran in Savoyen. (Ann. scienc. nat. 1833, Avril; 
XXVIII, 344—368.) Beauges heissen die hohenBerge zwischenChambery, 


Jahrgang 1834. 46 


— 78 — 


Air, Annecy und St. Pierre d’Albigy an der Isere. Sie bestehen aus 
kompaktem Kalke des untern Theils der Kreide - Formation. :Man kann 
nur auf 6 Pässen über steile Bergjoche in sie gelangen und findet von 
ihnen umschlossen einen eigenen kleinen Kanton aus 13 Gemeinden, 
deren Hauptort C'hatelard 1200m über dem Meere liegt. : Die Beauges 
bestehen aus mehreren parallelen Bergzügen aus NNO. nach WSW.; 
sie bieten viele Felswände, Klüfte und Höhlen, und ihre Schichten fal- 
len bald in W., bald in O. und sind häufig gewunden oder steil aufge- 
richtet. Alles verkündet einen gewaltsamen Hergang bei der Hebung 
dieses Gebirgsstocks. Der Cheran und seine Zuflüsse bewässern den- 
selben; unterhalb der Höhlen von Cusy führt er einen der Gegend an- 
scheinend fremdartigen Sand mit Gold und Edelsteinen, als Rubinen, 
Hyacinthen, Granaten, auch Titan und schwarzem Eisenoxyd. Diese 
Höhlen besuchte der Verf. vor mehreren Jahren mit Baron Fovrier, 
doch ohne damals seine Aufmerksamkeit auf das Vorkommen von Kno- 
chen zu richten. Die mitgebrachten 4 Thermometer zeigten um 11 Uhr 
Mittags: das vor dem Eingange der Höhle 249,5 C., das in der ersten 
Kammer 130,5, das in der zweiten 140,25, endlich das in der unteren 
Abtheilung der Höhle 150,75, und eben so yiel in einem Wasserbecken, 
das dem Gefühle nach sehr kalt .zu seyn schien. 

Die Höhlen von Cusy bestehen aus weiten Kammern in drei ver- 
schiedenen Höhen übereinander, und sind durch Schläuche und Gänge 
mit einander verbunden, wovon einer stellenweise nur 0,5 weit ist. 
Ihre Wände sind mit grauen, gelben und röthlichen Staiaktiten überzo- 
gen, wovon einige bis auf den Boden herabreichen. Im: dritten Stock- 
werke dieser Höhlen, 10m — 12m unter dem Eingange zum ersten, be- 
findet sich ein Becken mit klarem Wasser, das oft ansehnlich anwächst 
und sich trübt, ohne dass man Quelle und Abfluss desselben kännte, 
In der Decke sieht man mehrere Öffnungen, welche mit andern Höhlen 
in Verbindung stehen sollen. Die letzte Kammer soll ehedem mit noch 
andern weiteren: und tieferen Höhlen verbunden gewesen seyn, wohin 
aber die Zugänge, allmählich durch Stalaktiten - Bildung verschlossen 
worden wären. Bald wird in diesem Falle wohl auch die dritte Kammer 
nicht mehr zugänglich seyn. — In der grossen Kammer des letzten Stock- 
werkes sah man eine Tipula rivosa und einige Individuen von Cu- 
lex Lapponicus. Die von den Führern angezeigten Fische konnte 
man in dem Wasserbecken nicht sehen ; aber ein wiederholtes Aufwal- 
len darin schien eine Gas-Entwickelung auzudeuten. — An einigen Stel- 
len sind die Wandungen der Höhlen ohne Stalaktiten-Überzug geblieben; 
ja sie sind in dem Grade einer auflösenden Thätigkeit ausgesetzt, dass 
man viele harte unauflöslichere Körper aus der kompakten ungeschich- 
teten Masse des mechanisch niedergeschlagenen Kalkes hervorstehen 
sieht: theils Kiesel-Knollen, theils organische Reste, wie von Am mo- 
niten, Baculitey ‚» Trochiten, Carditen, Terebrateln, Spa- 
fangen, Ananchyten, Caryophylliemu. s. w. 

Der Kalk um die Höhlen ist in seinem unteren Theile lebhaft rauch- 


grau, sehr hart und Politur - fähig; in der Mitte graulich, krystallinisch 
mit rothem, gelbem und braunem Eisenoxyd in Trümmern; in der obern 
Abtheilung weisslich oder gelblich, kompakt, zuweilen körnig, ungleich 
hart, zuweilen zersetzt; am Fusse des Berges im Bette des Cheran ist 
er braun oder schwärzlich und chloritisch, 

Bei dem Anblick dieser Verhältnisse gelangten beide Reisenden, 
jeder für sich, zur Überzeugung von derselben Hypothese, welche Do- 
LoMIEU bereits in diesen Bergen aufgestellt und bei seiner Rückreise durch” 
Grenoble bei Berginspektor ScHrEiser schriftlich hinterlassen hatte, dass 
nämlich bei Bildung dieser Höhlen thätig gewesen seyn müsse „ein gros- 
ser säuerlicher Strom, der aus den Eingeweiden der Erde bei den Erd- 
beben hervorgebrochen, von welchem die Beauges die Merkmale so deut- 
lich ausgesprochen darbieten in der Verrückung, Umstürzung und Em- 
porhebung ihrer hohen Kalkberge.“ 

Woher nun in diesen Kalkbergen jener Sand des Chheran - Bettes, 
welcher nach der Versicherung der Goldwäscher oberhalb der Höhlen 
von Cusy weder Gold noch Edelsteine mehr führen soll? Ebenfalls 
Doromizu hatte seiner Quelle schon nachgespürt. Von den Höhlen bis 
Chatelard führt der Fluss in der That auch nur Kalk, Sand und Kies 
mit kleinen dunklen Kiesel-Geschieben und Kalk-Puddingen. Aber ober- 
halb der Brücke von Cusy, wo das Thal sich ausbreitet, liegen zahl- 
reiche Blöcke und Brocken von Urfelsarten, von Granit, Protogyne, Sye- 
nit, Diorit, Trapp, Hornfels (Corneenne), Euphotid, Quarzit, Amphibo- 
lit, Talkschiefer und anderen talkigen Gesteinen mit schwarzem Eisen- 
oxydul. Stellenweise sind diese Massen durch einen kieseligen Sand 
verbunden und.in unregelmässigen Schichten auf tertiärem Muschelsand 
oder Molasse abgesetzt, welche die Basis der Kalkfelsen der Beauges 
bedeckt, sich zu Hügeln erhebt, hie und da kleine Schichten von Holz- 
artigem Gagat und oft verkohltes Holz enthält, vor Albi steil bis zu 
60m über dem Flusse in vertikalen Schichten ansteigt, welche 0%,25 
bis 0”,30 mächtige Kies- und Pudding-Bänke zwischen sich aufnehmen 
und oben wieder von jüngeren horizontalen Sand- und Geschiebe - La- 
gen aus Urgebirgs - Trümmern bedeckt werden. Dr Saussurz schrieb 
(1785) jene Aufrichtung der untern Sandstein - Schichte einer He- 
bung nach ihrer Absetzung, keinem blossen Einsinken zu. — Jenes 
Gold mit den Edelsteinen kömmt demnach nicht aus den Höhlen, son- 
dern aus den eben erwähnten Gebirgen; und wie die Beschaffenheit 
der Höhlenwandungen — auf einen einstigen unterirdischen Strom hin- 
deutet, so erkennt man vulkanische Wirkungen noch in der Gegenwart 
und der Umwandelung gewisser Felsblöcke in den primardialen Puddin- 
gen, in gewissen verglasten Krystallen (unbekannter Art) des Goldsan- 
des und an verkohltem Holze des Sandsteines. 

Die grössten Goldkörner haben 5—10 Francs Werth, sind aber sel- 
ten, und die Goldwäscher, wovon die ersten in früher Zeit aus grosser 
Ferne gekommen seyn sollen, verdienen nicht so viel, um sich von 
diesem Geschäfte allein zu nähren: sie treiben es in müssigen Stunden, 


46 ° 


— 710 — 


Unterhalb Rumilly kommt kein Goldsand mehr vor. Doch führt auch 
der aus dem See von Annecy kommende Fiers, welcher den Cheran 
aufnimmt, Gold. Das Gold hat bis 23,5 Karath. 


Purandier: Notitz über die Ursachen der Existenz der 
Höhlen im Allgemeinen, und der des Dept’s. dw Doubs ins- 
besondere, vorgeles. b. d. Akad. v. Besangon, 1833 (U’Instit. 1833, 
I, 165—168). Der mechanischen Wirkung des Wassers kann man die 
Grotten-Bildung nicht zuschreiben, weil, wie wir heut zu Tage sehen 
[?], das Wasser die Höhlen vielmehr ausfüllt, als erweitert, und weil 
selbst die Sandsteine noch zu viele Festigkeit besitzen, um dieser Ein- 
wirkung zu unterliegen. — Auch die chemische Wirkung Kohlensäure- 
haltiger Wasser reicht nicht hin, weil erst erklärt werden müsste, wo- 
her alle diese Kohlensäure dem Wasser zukomme. Durchgeht man Kalk- 
Gebirge mit steilen Felswänden, so sieht man sie überall von Klüften 
und Spalten durchsetzt, welche offenbar gleichen Ursprungs, wie jene 
Höhlen, aber ofienbar nicht von Wasserströmen gebildet sind; — wie 
solite auch dasselbe Wasser, welches diese ungeheure Felsmassen ab- 
gesetzt hat, vermögen sie wieder aufzulösen? — Das Einsinken von 
Fels-Schichten oder die Zusammenziehung des Gesteins beim Austrock- 
nen hat wohl Spalten, aber keine Höhlen mit gewölbten Wänden her- 
vorbringen können: wenigstens waren noch andere Ursachen nöthig, 


solches zu vollenden. — Gas-Entwickelungen aus dem Innern der Ge- 
birge sind an und für sich selten, und können das Gebirge auch nur 
bersten machen, nicht aushöhlen. — Endlich die Auflösung löslicher 


oder die Auswaschung loser Materialien, die die Stelle der jetzigen 
Höhlen einst eingenommen hätten, ist eine so wenig den Beobachtungen 
entsprechende Thatsache, dass sie gewiss nur selten gewesen seyn 
kann. 

Vielmehr scheint die Bildung der Grotten der Verbindung folgen- 
der vier Verhältnisse fast ausschliessend zugeschrieben werden zu kön- 
nen. I. Dem Grad von Widerstand, Weichheit oder Härte unserer 
Kalk-Formationen zur Zeit der Umstürzungen, die sie betroffen, und 
ihrer seither fortschreitenden Erhärtung; II. der Temperatur und Dicht- 
heit des Wassers zu jener Zeit. soferue damit seine mechanische Kraft 
zusammenhängt, und der seitherigen allmähligen Verminderung dieser 
Eigenschaften; III. den Emporhebungen vor und während dieser Epoche, 
und den Formen, die sie der Oberfläche des Bodens gegeben; IV. der 
furtdauernden Erniedrigung der Wasserfläche zuerst über dem gunzen 
Lande, dann in den Thälern allein, und dem häufigen ausserordentlich 
grossen Wechsel des Niveau’s. 

Zu I. Dass die Kalkschichten einst, und zwar eiue längere Zeit 
hindurch weich gewesen und nur allmählich, wie ein: hydraulischer 
Mörtel erbärteten, ergibt sich aus ihren oft so ausserordentlichen und 


_- Al1 — 


manchfaltigen Biegungen, ohne dass sie dadurch gebrochen, oder sich 
abschleifend übereinander geglitten wären. Aber diese Biegungen fin- 
den sich im Magnesia-Kalke und in den Sandsteinen fast gar nicht, 
wenig im Lias-Kalk, am meisten im Jurakalke (dortiger Gegend) und 
insbesondere in den obersten Schichten desselben, die mithin zur Zeit 
der Hebungen und Krümmungen noch am weichsten, wie jene ersteren 
schon am härtesten gewesen seyn müssen. 

Zu II. Da es jetzt erwiesen ist, dass die Erde einst eine flüssige 
Masse von der fünffachen Schwere des Wassers gewesen, dass sie 
allmählich erkaltete und so durch Erstarrung zuerst die Ur-Gebirge, 
dann durch Eikaltung des Wassers die spätern Formationen absetzte, so 
muss sich mit dieser Verminderung seiner Wärme und Dichtheit auch 
seine mechanische Kraft allmählich sehr gemindert haben: und war einst 
das Wasser auch nur 24 mal so dicht als jetzt [eine sehr bescheidene 
Voraussetzung für eine so neue Zeit! Wie dicht war damals wohl die 
es comprimirende Luft, in der unsere Säugethiere lebten ?], ‘so konnte 
es ja mit Leichtigkeit die Alpen - Felsblöcke auf die Höhen der Jura- 
Kette hinüberrollen ! 

Zu III. Der Verf. hat schon in einer früheren Abhandlung nachge- 
wiesen, dass der Boden in jenen Gegenden nach mehreren unter sich 
parallelen Linien aus NNO. nach SSW. gehoben, und so Bergketten 
und Längenthäler in ihm gebildet worden sind. Lokale Ursachen ha- 
ben dabei auch eine, weit minder bemerkbare, Queer-Abtheilung der 
letzteren veranlasst, zwischen welchen jedoch die Gewässer, „über die 
Richtung ihres Ahzuges unschlüssig,“ stehen blieben, bald sich in ge- 
schlossenen Thal-Becken sammelten, die nun unterirdisch mit den be- 
nachbarten Thälern zusammenhängen, und bald durch weite Trichter in 
den Boden eindrangen — , durch die noch jetzt die Regenwasser nach- 
fliessen. Diese geschlossenen Becken spielen eine Hauptrolle in des 
Vf’s. Erklärungsweise, 

Zu IV. Wenn auch ein Theil des Wassers anfänglich schnell von 
dem gehobenen Lande abfloss, so zeigen doch die vielen Längenfurchen 
auf den Steil-Abstürzen dortiger Thäler, dass es späterhin langsamer 
‚ [?] vor sich gegangen seyn müsse. Viele andere Verhältnisse deuten 
ferner auf ein wiederholtes Ansteigen der Gewässer unter den gewalt- 
samsten Erscheinungen. Natürlich aber sind uns nur Spuren der mäch- 
tigsten dieser Wasser-Katastrophen übrig geblieben, und viele kleinere 
haben in den Zwischenzeiten Statt gefunden, wie noch jetzt die Ge- 
wässer unserer Thäler jährlich steigen und fallen. Der Boden hob sich, 
die obersten noch weichen Jurakalk-Schichten bogen sich ein, das Meer 
begann sich in der Richtung von den Alpen zum Jura und weiter in 
Bewegung zu setzen, bis die Kämme der gehobenen Kette aus NNO. 
nach SSW. sich ihm queer entgegensetzen konnten, seine Richtung än- 
derten, aber nun auch gewaltsam von ihm zerrissen und zertrümmert 
wurden, so weit sie nicht über dasselbe hervorragten. Queerthäler 
öffneten sich, aber zum grossen Theile blieb das Wasser in geschlosse- 


_— 12 — 


nen Thal-Becken stehen, in deren Boden es dann durch weite Trich- 
ter (die noch jetzt 4 der ganzen Bodenfläche in diesem Becken ein- 
nehmen) eindrang —, sich durch Spalten und über die Schichtungs- 
flächen hin einen unterirdischen Abfluss nach tieferen Stellen suchte 
und so jene Spalten theilweise zu Höhlen erweiterte, welche daher, 
von jenem Becken aus, immer tiefer einschneiden, oft aber auch im 
Innern der Berge grosse Wasser-Behälter bilden. Daher erklärt sich 
auch, warum fast alle Höhlen nur im untern Jura-Stock vorkommen: 
der obere war noch weich, unzerspalten, aber nur noch streckenweise 
vorhanden, und gestattete den Wassern oberflächlichen Ablauf. 

Die Öffnungen der Jurakalk-Gebirge, woraus sich Wasserströme 
ergiessen, lassen sich auf folgende Weise eintheilen : 


1) Höhlen-Mündungen, welche jederzeit reichliches Wasser geben, 
und Zuführungs - Kanälen entsprechen, welche horizontal gehen, 
oder selbst noch tiefer einsinken. Sie entspringen aus Behältern, 
welche über den undurchlassenden Mergel-Schichten des unteren 
Jura-Stockes liegen; der Reichthum ihres Wassers ist dem wenig- 
sten Wechsel unterworfen: zu ihnen gehören die Höhlen, woraus 
die Quellen der Lowe, des Lizon u. s. w. entspringen. 

2) Öffnungen, deren Zuführungs-Gänge gegen sie einfallen; sie ge- 
ben Quellen, deren Reichthum von der Trockenheit oder Nässe 
der Witterung abhängt, ja welche ganz ausbleiben. Diese Quel- 
len fliessen höher, als jene Mergel liegen, und sammeln sich aus 
mehreren senkrechten Spalten, oder kommen unmittelbar von den 
höheren Plateau’s herab, wo sie zuweilen aus einem regelmässigen 
Bette in den Boden verschwinden. Au steilen Felswänden erscheinen 
sie zuweilen als Kaskaden wieder. 


3) Senkrechte Schächte, welche nur zur Zeit anhaltender Regen oder 
grosser Gewitter Wasser geben. Dieses kommt aus Behältern, 
welche zur Wasser-reichen Zeit nicht alles Wasser durch die ge- 
wöhnlichen, tieferen Abfluss-Öffnungen fortschaffen können. So 
die tempörären Quellen der Bröme, der Frais - Puits bei Vesoul 
u. Ss. w. 


4) An Felswänden sieht man oft auch ganz trockene Spalten ausge- 
weitet. Hier hat sich der Wasserlauf tiefer gesenkt durch Zer- 
störung ihrer einst höher gelegenen Abfluss-Schwelle, oder durch 
Auffindung eines neuen Weges. -Durch sie steigt man gewöhn- 
lich durch mehrere zusammenhängende Höhlen zum Spiegel einer 
Wasser-Ansamnlung hinab, deren Wellen einst, als sie noch be- 
deutender war, an den Wänden anschlugen, und sie so erwei- 
terten. 


Alle diese Kräfte aber wirkten einst stärker als jetzt: einst, als 


das Gebirge noch weich, das Wasser schwerer, wärmer, salzig war 
u. 8. w. 


— n13 — 


Terrier: Betrachtungen über die Geologie der Sieben 
Hügel Roms (Bull, geol. de France 1833, III, 264—267). Die 
Italienische Küste von Monte Circello bis Piombino besteht nur aus 
vulkanischen und aus Schuttland-Bildungen. In den Albanischen Ber- 
gen, deren Ausbrüche viele Jahrhunderte gewährt, sind nur die zwei 
Kratere in den See’n von Albano und Nemi ganz erhalten; die Aus- 
würfe der Kratere, worin jetzt die See’n von Bolsenna und Bruciano 
sind, haben das Meer zurückgedrängt und bewohnbares Land gebildet. 
Zwischen beiden Gruppen liegen jedoch noch. andere Vulkane, die weni- 
ger untersucht worden, und deren Thätigkeit länger gewährt hat: die 
Sieben Hügel Roms. Der Tarpejische Fels, welcher zum Capitolinus 
gehört, der Aventinus, der Esquwilinus und Palatinus bestehen aus 
rothen, sehr kompaktem Tuffe, welcher ein Auswurf-Stoff aus Krateren 
scheint, die in den Thälern zwischen diesen Bergen sich befunden 
haben mögen. Schlacken, schwarzer Glimmer und Puzzolane kommen 
dazwischen vor, Mehrere Erd-Erschütterungen haben innerhalb Rom 
selbst Statt gefunden, und der Schlund des Currıvs ist nichts als eine 
grosse Senkung des Bodens, welche zur Bildung des See’s des Currıve 
Veranlassung gegeben hat, dem man einen Abfluss in die Tiber zu 
verschaffen suchte. An der steilen Fläche des Tarpejischen Felsen un- 
terscheidet man sehr dünne Lagen von Pyroxen-Krystallen, die an der 
Basis des gegenüberliegenden Palatinus wieder vorkommen: welche zwei 
Berge, um das Forum zu bilden, wahrscheinlich durch Menschenhand 
getrennt worden sind. Der Esguilinus, im Innern Roms von O. nach 
W. lang hinziehend, bildet mit dem Coelius eine Art geschlossenen 
Thales, worin sich einst der See des Nero befand, den man, um das 
Colyseum zu gründen, ausfülltee Hier mag ein zweiter Krater gewe- 
sen seyn: man findet verkleinerten Bimsstein in diesen Hügeln, wel- 
cher am Capitolinus und Aventinus nieht vorkommt. Der höchste 
aller dieser Berge hat nicht 100m Höhe. — Der Pincius beim Volks- 
thore besteht aus feinem gelbem Sande, welcher Peridot - Krystalle, 
Bimsstein und Madreporen einschliesst. Unter dem Sande liegt grau- 
liche vulkanische Asche, analog der in der Campagna di Roma. Der 
Janiculus und Faticanus bestehen aus Kalkschichten , die an ersterem 
gestürzt zu seyn scheinen: der Travertino, welcher sie bildet, ist jenem 
von Tivoli ähnlich, aber minder porös. Die ganze Umgebung der Stadt 
besteht aus einer Menge kleiner Berge aus rothem Tuff, der sich bis 
Albano erstreckt. In den Flussbetten sieht man ihn auf sehr harter, 
kompakter, basaltischer Lava ruhen, die viele Krystalle von Peridot, 
Arragonit, Gismondin u. s. w. in Drusen enthält. Diese Laven sind 
die ältesten von jenen, welche der Monte Cazo geliefert; ihre Textur 
rührt vielleicht von schneller Abkühlung im Meere her.‘ In einer zwei- 
ten Periode bildete er den Peperin: ein graues Aschen-, Glimmer- und 
.Dolomit-Konglomerat, das besonders um den Albaner See häufig vor- 
kommt, und bis zum Teverone gegen den Monte Sacro reicht, wo die 
Kalk-Formation von Zivoli beginnt. Der Travertino, welchen der Anio 


- 114 — 


oder Teverone, so wie fast alle in die Maremme fliessenden Flüsse ab- 
setzen, droht noch die ganze Campagna zu bedecken. Wenn derselbe 
im Bette des Marta®und Fiora so häufig wird, dass er deren Lauf 
hemmt, so treten sie über das angrenzende Feld, und überziehen es mit 
einer Kalkkruste, wie man besonders zwischen Montalto und Viterbo 
‘sehen kann. In der Ebene von Canino, wo man die schönen Griechi- 
schen Gefässe in den Etruskischen Gräbern findet, muss man einen 
ähnlichen Tuff, der aber grosse schwarze und weisse Geschiebe aus 
Pyroxen, Dolomit, Glimmer und Eisenoxydul enthält, mehrere Zoll tief 
durchbrechen, ehe man den vulkanischen Untergrund, Nemfro genannt, 
erreicht. 


11I. Petrefaktenkunde. 


MaArceEL DE SERRES, Dugrusız und Jean-Jean: Untersuchung, 
über die fossilenKnochen der Höhlen von Lunel-Vieil. (Memoir. 
d. Mus. 1828, IX an.; vı. 3831—463; vırı, 93—159; xı, 313—356°); 
mit vielen lithographirten Abbildungen.) [Es scheint, dass die hier be- 
gonnene Reihe von Abhandlungen an der Stelle des besonderen Wer- -» 
kes erscheine, welche die Vf. über diesen Gegenstand angekündigt 
hatten. Deren Untersuchung über die Hyänen-Arten kann als 
Probe - Abhandlung betrachtet werden, zu einer Zeit geschrieben, 
wo der neue Plan noch nicht an die Stelle des früheren getreten war; 
denn nur so lässt sich erklären, warum die erste Hälfte derselben aus- 
zugsweise den Inhalt des allgemeinen Theiles dieser neuen Reihe von 
Abhandlungen wiedergegeben habe.] ? 


Erstes Buch. 


1. Lage. Die 3 Höhlen von Lunel-Vieil liegen am Fusse des 
Mazet-Hügels, 1 Stunde westlich vom Dorfe, 4 kleine Stunden östlich 
von Montpellier, nahe an der Lyoner Strasse, und 15—18 Meter über 
dem Meere. Ihre Eingänge befinden sich alle auf dem Gute des Herrn 
Gautier. Der tertiäre Kalk, wahrscheinlich Mo&llon, dessen Forma- 
tion sie angehören, enthält zwei Stunden nordöstlich von da bei Sum- 
mieres [vgl. Jahrg. 1830, S. 108 dieser Zeitschr.] noch andere Höhlen. 
Keine der drei Höhlen von Lunel ist über 50 Meter von der andern 
entfernt. Alle enthalten Knochen. — 2. Geschichte. Die soge- 
nannte Grosse Höhle, seit 1800 bekannt, liess 1824 die ersten Knochen 


©) Wir hatten diesen Auszug bisher in der Absicht zurückgehalten, erst die Vollen- 
dung der Abhandlung zu erwarten, aus der er entnommen ist, und welche durch 
das Aufhören der Memoires du Museum unterbrochen worden. 


D. R. 


- Ma — 


entdecken, wodurch M. pe Serres hier sowohl als im Couloir zu Nach- 
grabungen veranlasst wurde, welche so reichliche Ausbeute gaben, 
dass S. die Regierung um Unterstützung anging, welche unter der Be- 
dingniss bewilligt wurde, dass deren ganzes Ergebniss der Fakultät 
der Wissenschaften zu Montpellier zugestellt werde. Eine eigene Kom- 
mission erhielt die Leitung der Arbeiten, welche erst im Jänner 1827 
beendigt wurden, worauf man bald die dritte Höhle entdeckte, und auch 
die dortigen Nachgrabungen begann. 3. Gebirge. Von Tage nieder ent- 
hält der Hügel folgende Gebirgs-Schichten: die Oberfläche des Bodens 
‚besteht aus Diluvial-Lehme mit Kalk- und Quarz-Geschieben, beides, 
wie es in den Höhlen selbst als Ausfüllung vorkommt. Darunter lie- 
gen unregelmässig abgesetzt gelbliche Kalkmergel, welche wahrschein- 
lich schon zur Mo&llon-Formation gehören. Darauf folgen die festen 
Gesteinbänke dieser Formation, wovon die obersten, im Ganzen 2,5—3 
Meter betragend, aus kugeligen Konkrezionen bestehen, gewöhnlich die 
Decke der Höhlen bilden, und dort häufige Effloreszenzen veranlassen, 
welche man tiefer nicht bemerkt. Die unteren Bänke dagegen sind 
homogen. Der Mo&ellon enthält Zähne von Squalus cornubicus 
‚und von Sq. glaucus, und Trümmer vou Pecten, Ostrea, Arca 
und Balanus, welche auch in den obern und untern Schichten des Moe&l- 
lon von gleichen Arten herstammend vorkommen, jedoch häufiger, als bier. 
— 4. Die grosse Höhle, von N. nach S. ziehend, hat 150 M. Länge 
auf 10-12 M. mittler Breite, und 3—4 M. Höhe über der 5—5,5 M. 
mächtigen Diluvial-Ausfüllung. Sie besteht aus zwei fast gleichlangen 
Armen, welche aus N. und SW. her unter stumpfem Winkel zusammen- 
stossen, und der jetzige künstliche Eingang geht durch einen etwas 
tiefer gelegenen Vorraum an der Ostseite des nördlichen Armes. Die 
natürliche Öffnung kennt man noch nicht. Der anfängliche Boden der 
Höhle fällt der Längen-Erstreckung nach gegen Süden, zugleich aber 
auch queer von W. nach O., und auf letzterer Seite ist noeh eine rin- 
nenförmige Auswaschung längs der Höhlen-Wand. Gegen das südliche 
Ende wird zu gleicher Zeit die Ausfüllung höher und die Decke über 
derselben niedriger. Die Ausfüllung besteht von Norden her aus Thon, 
mit grossen Geschieben, welche nach Süden immer kleiner werden, 
während der Thon in Lehm und Sand übergeht und immer ärmer an 
Knochen wird. Gegen Norden sind die Thon-Schichten regelmässig 
geschichtet und nacheinander abgesetzt. Gegen das Süd-Ende sind die 
Wände geglättet und gerundet, dann aber hin und wieder, zumal an 
der Ostseite, mit vielen Aushöhlungen und Vorsprüngen versehen: 
gleichsam ausgefressen durch irgend eine Flüssigkeit. Stalagmiten fin- 
.den sich nur gegen das südliche Ende der Höhle, und auch dort nur 
an den Wänden bis zu 1 Meter Höhe über dem [?] Boden in horizon- 
talen Bändern abgesetzt, wie durch ein Wasser, das jene Wände be- 
spült hätte. Alles deutet auf die andauernde, oder oft wiederholte, aber 
nicht heftige Wirkung eines von Norden hereingekommenen Wassers, 
Jas nicht stark gewesen seyn kann, da es nur wenig erdige Materie 


— 16 — 


in die Seitenspalten von gleichem Niveau geschwemmt hat. An der 
Decke waren anfänglich dicke, fett und zart anzufühlende Efloreszen- 
zen, die sich aber nach Eröffnung der Höhle durch Austrocknung sehr 
zusammenzogen. Der aus Kugel-Konkrezionen zusammengesetzte Moel- 
lon hat unter den Effloreszenzen mehrere Zentimeter tief die Konsistenz 
eines weichen Käses angenommen. Die Decke der Höhle’am Süd-Ende 
ist so nahe unter der in dieser Richtung fallenden äussern Oberfläche 
des Bodens, dass die Wurzeln der Maulbeer-Bäume bis in sie eindrin- 
gen. — 5. Couloir heisst die östlichste unter. den drei Höhlen. Sie 
zieht parallel mit der folgenden, endet in gleicher Parallele mit ihr, 
und theilt die Richtung des Fallens. Sie ist schmal und sehr gewaun- 
den, hat von NO. nach SW. 50m Länge auf 2m mittler Breite, und 
höchstens 4m Höhe. Ihrer geringen Breite ungeachtet enthält sie eine 
Menge von Raubthier- und Herbivoren-Knochen in rothem Lehme. Nahe 
am künstlich erweiterten Eingange ist ein Seitenzweig zur rechten, 
7m lang, welcher voll Knochen war, wovon einige durch Stalagmiten 
an den Fels angekittet. Dreissig M. weiter in SSO. Richtung ist zur 
linken ein zweiter Seitengang, länger und höher als der erste, 14@ weit 
ın NO, fortziehend, und an dem sich erweiternden Ende mit Sand an- 
gefüllt. Beide Arme fallen nach dem Hauptgange. Dieser setzt dann, 
immer enger werdend, etwas mehr westlich als anfangs fort, bis er 
sich zuletzt verliert. An seinen beiden Enden jedoch gehen gerade auf- 
wärts in mehreren Absätzen runde Löcher von 1‘ Weite, durch welche 
Wasser, Lehm u. s. w. hereingekommen seyn könnte; doch hat man 
sie nicht bis zu Tage verfolgt. Die Wände und zumal die Decke die- 
ser Höhle sind überall wie ausgefressen, offenbar durch die Wirkung 
des darin bis zur Decke gestiegenen Wassers. Auch die Lehm-Ausfül- 
lung der Höhle reicht bis zur Decke, obschon die Stalagmiten nur den 
untern Theil der Wände überziehen. Der Lehm in der untern Hälfte 
der Höhle liegt in verschiedenen Schichten übereinander. Die unterste 
ist röthlich, ohne Knochen. Darauf folgt ein röthlicher Niederschlag 
mit kleinen Knochen-Fragmenten und einigen Geschieben. Dieser ent- 
hält die fossilen Knochen. Darüber liegt an mehrern Stellen eine ho- 
mogene Schichte einer weichen, röthlichen Erde, 4—5 Zentimeter dick. 
6. Le Boyau heisst die dritte, zuletzt entdeckte Höhle. Sie ist so eng 
und gewunden, dass man sie von NNO. nach SSW. nur 70—80m weit 
verfolgen kann: alles weitere Vordringen wird durch eingestürzte Fels- 
blöcke und mächtige Sand-Anschwemmungen unmöglich gemacht. Ihre 
Grundfläche und die Oberfläche ihrer Ausfüllungs-Masse fallen in der 
angegebenen Richtung der Erstreckung (südwärts). Ihre Breite ist nur 
1m,5, ihre Höhe 3—4m. Die Hälfte bis drei Viertheile ihrer Höhe wa- 
ren mit Sand ausgefüllt. Der Eingang am N.-Ende ist künstlich. 
Dreissig M, davon sondert sich ein Seitengang schief rückwärts von 
der Höhle ab, Kriecht man am Ende des zugänglichen Theiles der 
Höhle über Sand und eingestürzte Felsen unter die Decke hinan, so 
bemerkt man noch eine weitere beträchtliche Ausdehnung der Höhle. 


—. 417. — 


Wände und Decke sind von Wasser wie ausgefressen. Die Ausfül- 
lungs-Masse ist geschichtet, besteht grösstentheils aus feinem gelbli- 
chem Sande, darunter aus dünnen Schiefern röthlichen Thones, welcher 
unmittelbar auf dem Felsboden der Höhle ruhet, ohne Knochen und Ge- 
schiebe zu enthalten, Diese Schiefer trennen sich bei dem Eingange 
der Höhle leicht von einander ab, und die mittleren zeigen auf ihren 
gekörnten Flächen unregelmässige Eindrücke. Einige kurze Seiten- 
arme fallen gegen die Haupthöhle, und sind manchmal mit Thon aus- 
gekleidet. Die Knochen liegen in obigem Sande und sind bisher nur 
in der Nähe des Einganges ausgegraben worden. Der Wasserstrom, 
welcher sie wahrscheinlich: vom entgegengesetzten Ende an bis dahin 
[also bergan ?] geführt, muss stärker gewesen seyn. Die Knochen ge- 
hören im Allgemeinen denselben Arten an, wie in der yrossen Höhle: 
nur jene von Bären und Löwen fehlen. Alle liegen durcheinander. — 
7. Die Effloreszenzen an der Decke der Höhlen bestehen (nach 
Be£rArD und Bararv, welche diese und die folgenden Analysen veran- 
staltet) aus 0,007 auflöslichen Theilen (organischer Materie, salzs. Na- 
tron, salzs. Kalk, Gyps), 0,750 Kieselerde, 0,140 kohlens. Kalk, 0,060 
Alaunerde, 0,010 Eisenoxyd, bei 0,033 Verlust. Das Kalk - Gestein 
selbst, welches die Höhlen umschliesst, enthält 0,02 Kieselerde: man 
darf daher annehmen, dass durchsickernde Wasser allmählich den koh- 
lensauern Kalk der Felsart aufgelöst und fortgeführt haben, mit Hinterlas- 
sung der Kieselerde, welche sich in dem Überzug der Decke allmählich 
bis zum angegebenen Grade konzentriren musste. — 8. Der untere 
Thon, welcher die Knochen einschliesst, enthält 0,005 auflösliche Ma- 
terie (Kochsalz, Gyps, thierische Materie), 0,810 Kieselerde, 0,030 
Alaun-E., 0,060 Eisenoxyd, 0,037 phosphors. Kalk, 0,020 kohlens. Kalk, 
bei 0,038 Verlust. Der Lehm in den Seitenhöhlen, worin weniger Kno- 
chen vorkomnen, enthält auch weniger thierische Materie. — 9. Der 
obere kiesige Lehm, welcher viele Knochen enthält, ist auch mit 
so vielen und so kleinen Knochen-Trümmerchen durchmengt, dass es 
unmöglich ist, die feineren davon ganz zu trennen. Doch besitzt er 
so wenig organische Materie, dass man annehmen muss, er habe jene 
Knochen erst lang nach dem Tode der Thiere selbst aufgenommen. Er 
besteht (nach der Analyse des Herrn Barros in Paris) im kalzimirten 
Zustande aus 0,863 Kieselerde, 0,023 Kalkerde, 0,022 Alaunerde, 0,055 
Eisenoxyd und 0,026 phosphors. Kalk. Auch der Sand, welcher näher dem 
Ende vorkommt, durch welches diese Stoffe in die Höhle gelangt seyn 
müssen, enthält nicht mehr organische Materie. Der feine Sand 
vom südlichen Ende der grossen Höhle ergab: 0,56 Kieselerde durch 
Eisenoxyd gefärbt, 0,40 kohlens,. Kalk, 0,02 Alaunerde und Eisenoxyd, 
auf 0,02 Verlust. Der gröbere Sand, welcher entfernter von jener 
Stelle, über dem kiesigen Lehme liegt, zeigte sich zusammengesetzt 
aus: 0,66 Kieselerde mit Eisenoxyd, 0,030 kohlens. Kalk-E., 0,03 Alaun- 
erde und Eisenoxyd, auf 0,014 Verlust. 1. Die Stalagmiten, 
welche nur den untern Theil der Wände und einige dort gelegene 


— AS — 


Knochen überziehen, bestehen aus 0,350 Kieselerde mit Eisenoxyd, 
0,005 Alaunerde mit Eisenoxyd, 0,630 kohlens. Kalkerde, auf 0,045 
Verlust. Sie scheinen sich aus der Ausfüllungs- Masse am Boden, 
nicht aber durch von der Decke träufelndes Wasser gebildet zu haben. 
— 11. Die Exkremente der Knochen-fressenden Raubthiere 
(Graecum album) sind weiss, in Form von Ballen, welche bis om, 065 
Durchmesser haben. Andere sind aus 2—3 am Ende abgerundeten, an 
der Basis platten Zylindern zusammengesetzt. Noch andere verlängern 
sich in eine Spitze, wohl durch den Schliessmuskel gebildet. Alle 
hatten eine gleiche Zusammensetzung aus 0,625 phosphors. Kalk-E., 
0,150 kohlens. Kalk-E., 0,120 Wasser, 0,055 kieseligem Lehme mit Ei- 
senoxyd, einer Spur organischer Materie und flusssauren Kalkes auf 
‚0,050 Verlust. Die Knochen selbst [welcher Tbiere ??] waren zu- 
zusammengesetzt aus 0,105 kohlens. Kalk, 0,088 Wasser, 0,740 phos- 
phors. Kalk, 0,041 Kiesel und Eisenoxyd, einer Spur organischer Ma- 
terie und flusssauren Kalkes, bei 0,026 Verlust, wobei der geringe Ge- 
halt an organischer Materie merkwürdig ist, welche sich in eben so 
grosser Menge auch in den halbversteinerten Knochen der obern Meer- 
sand-Formation von Montpellier und in viel grösserer Menge (zu 0,02) 
in den Knochen der Höhle von Argou (Ost-Pyrenäen) findet. — 12, 
Von den verschiedenen Lehm-Arten und von der Weise, 
wie die Knochen darin zerstreut liegen. Im Allgemeinen 
liegt zu unterst ein Lehm, mit solchen fossilen See-Konchylien und 
Haifisch-Zähnen , welche aus zerstörten Moellon-Schichten hieher ge- 
langt sind; darüber ein anderer Lehm, welcher stets um so weniger 
Sand und um so mehr Kalk-Geschiebe mit fossilen Knochen enthält, 
je näher er jedesmal dem alten Eingang der Höhle abgelagert erscheint. 
Knochen kommen nie im Sande vor; sie finden sich stets mit Geschie- 
ben, und zwar häufiger mit Ei- als mit Faust-grossen. Die Knochen 
liegen, einige später in die grosse Höhle gelangte ausgenommen, nie 
oberflächlich, sondern zerstreut mitten in den Schichten des kiesigen 
rothen Thones oder Lehmes, doch etwas häufiger nach den abhängigern 
und tieferen Stellen des Bodens, als auf den höheren, und ohne Be- 
ziehung zur Ärt des Thieres, oder zum Theile des Skelettes, welchem 
sie vordem angehört, durcheinander mit dem Album graecum der 
Hyänen. Diese Exkremente waren jedoch in jenen Schichten am häu- 
figsten, unter welchen die meisten Knochen lagen. Man konnte in ei- 
nigen derselben noch wohl erkennen: Zähne kleiner Thiere, Phalangen 
von Nagern u. dgl. — 13. Erhaltenseyn der Knochen. Die Kno- 
chen der zwei kleinen Höhlen waren mehr zerbrochen, als die der 
grossen, weil [?] sie mehr an deren Rändern anstossen mussten. Sie 
hatten scharfe Kanten, ohne Spur von Abrundung durch Fortrollen, 
Alle Knochen von Raubthieren, wie von Grasfressern hatten ausserdem 
eine Menge kleiner Risse, selbst bis auf die Röhren der Langknochen 
eingehend, in und durch welche der Lehm überall eingedrungen 'war, 
und die letztern oft ganz ausfüllte. Diese Risse konnten nur durch 


- m —- 


Austrocknung der Knochen an der Luft entstanden seyn, ehe sie in die 
Höhle gelangten. Sie mussten also schon vorher von Fleisch befreit 
gewesen seyn, was auch aus dem fast gänzlichen Mangel organischer 
Materie im Lehme erhellt. Der Grad und die Art des Erhaltenseyns 
war bei allen frisch ausgegrabenen Knochen gleich. An der Luft aus- 
troeknend wurden sie härter, Nur die wenigen, in reinem Sande ge- 
legenen Knochen waren vollständiger und nicht so zerreiblich. Einige 
grosse Knochen waren auf eine Art zerbrochen, dass man solches nicht 
von den Zähnen selbst der grössten Raubthiere herleiten konnte. Bei 
andern Knochen von Gasfressern, wie selbst von Löwen und Hyänen, 
darf man nach den Spuren der Zähne zu urtheilen wohl an derglei- 
chen denken; aber auch sehr kleine Raubthiere, wie unsere Füchse, 
haben durch die Lage und Zahl der Splittern an solchen Knochen ein 
Zeichen ihrer Mitwirkung hinterlassen. Einige wenige waren offeu- 
bar benagt, und auch diese mit jenen Rissen bedeckt, An jeinem 
Hyänen- Schädel beobachtete man, wie an jenem von Gailenreuth, 
eine tief eingedrungene aber wieder geheilte Wunde, durch den 
starken Eckzahn einer anderen Hyäne oder eines sonstigen noch grös- 
seren Raubthieres verursacht , woraus folgt, dass diese Raubthiere sich 
lebend wechselseitig selbst angegriffen. Die meisten Knochen jedoch 
müssen auf andere Weise, etwa durch das Anschlagen des Wassers 
[und doch war dieses nur schwach!] in der Höhle zerbrochen worden 
seyn, doch ohne Abrollen. Aus den sorgfältig gesammelten Knochen 
konnte kein ganzes Skelett wieder zusammengesetzt werden. — Hy- 
pothese: Raubthiere konnten in der Höhle gelebt und ihre Beute 
dahin getragen haben; oder die Knochen wurden alle mit dem Lehme 
und den Geschieben durch Wasser in die Höhle geschwemmt. Für 
letztere Ansicht lässt sich anführen: ihre gleichzeitige Ablagerung mit 
jenen Aluvial-Bildungen in diesen Höhlen; dann der Umstand, dass 
mit den letzteren auch in anderen Lokalitäten fossile Knochen von den- 
selben Geschlechtern und Arten gewöhnlich vorzukommen pflegen; der 
Mangel organischer Materie im Lehme; die geringe Anzahl von Bären 
und Löwen, welche durch ihre Überreste in diesen Höhlen angedeutet 
werden, und welche nicht zugereicht haben würden, alle Knochen hier 
zusammenzuschleppen ; während nämlich nach Knox die Hyänen ihre 
Beute nicht fortschleppen. Was die benagten Knochen anbelangt, so 
können sie schon benagt in die Höhlen gelangt seyn. Hätten die Hyä- 
nen und Löwen in diesen Höhlen gelebt, so würden ihre Knochen bes- 
ser, als die andern, erhalten seyn; sie würden über denselben abgela- 
gert seyn; der Knochen-haltige Lehm würde nicht gerade immer in den 
tiefsten und oft engsten Stellen der Höhlen liegen. Die Pflanzenfresser 
überwiegen der Zahl der Reste nach die Fleischfresser, weil es in der 
damals und jetzt lebenden Schöpfung überhaupt so der Fall ist; end- 
lich sind die Nashorne, - Auerochsen etc. doch wohl zu grosse Thiere, 
als dass man annehmen dürfte, sie seyen, wenn auch von Löwen, in 
diese Höhlen geschleppt worden. Auch die zahlreichen Risse der Kno- 


— 720 — 


chen, die Ausfüllung derselben mit Lehm, durch diese oft sehr feine 
Öfinungen und Risse, die grosse Zahl der ganz zerbrochenen Knochen 
deutet darauf hin, dass sie vom übrigen Körper der Thiere getrennt, 
erst an der Luft gelegen, dann durch Bewegung des Wassers zerstos- 
sen und mit Erde ausgefüllt worden seyen. Für die Hypothese aber, 
dass Hyänen diese Höhlen bewohnt und hier ihre Beute verzehrt hät- 
ten, lässt sich anführen: die Menge von Knochen und Exkrementen 
der Hyänen ; die offenbar zerbissenen Knochen, und der selbst verwundete 
und wieder geheilte Hyänenschädel; die Beobachtungen anderer Rei- 
senden, jenen von Knox widersprechend. Die Durcheinandermergung 
der verschiedenen Thierknochen könnte in diesem Falle durch spätere 
Wasserfluthungen in den Grotten bewirkt worden seyn. Die erste Hy- 
pothese scheint jedoch durch die Beobachtung noch ein Übergewicht zu 
gewinnen, dass unsere Raubthiere jetzt doch nirgend mehr so grosse 
Knochenvorräthe zusammenhäufen, während in andern Fällen, wie in 
der Knochenbreccie, in den Ausfüllungen sehr enger Felsspalten 
u. s. w., das Wasser doch ganz unbezweifelt solche Mengen von Kno- 
chen zusammengeschwemmt haben muss. — — 

14. Beziehung zwischen dem Knochen-haltigen 
Lehme der Höhlen und den Knochenbreccien. Eine 
gleiche Ursache scheint die Ausfüllung der vertikalen Felsspalten mit 
Knochenbreccie und die der horizontalen (Höhlen) mit Knochenlehm be- 
wirkt zu haben, Wenigstens sind die fossilen Reste sehr übereinstim- 
meud in denjenigen Breccien sowohl, welche Cuviıer in und ausser 
Frankreich besehrieben hat, als in jenen, welche erst neuerlich entdeckt 
worden sind. Es wird noch insbesondere erinnert an die grossen Raub- 
thier- (Löwen und Panther-) Reste, welche man zu Nizza kennen ge- 
lernt, an die Bären-Reste, welche in der Breccie von Pisa vorkommen, 
au die Entdeckung von Palaeotherium (medium?), Vögeln 
(Bachstelzen, Möven) und Landschildkröten, welche M. pe Ser- 
res neuerlich in der Breccie von Cette gemacht hat. Die Knochen-hal- 
tigen Kluftausfüllungen im Mo&llon zu Baillargues und Vendargues 
(Herault) sind nur erdiger Natur und vielleicht ganz neuen Ursprungs, 
nach der Art der darin enthaltenen Thierreste zu urtheilen. Die Süss- 
wasser-Breecie von Pezenas (Herault) enthält neben vielen Trümmern 
vulkanischer Felsarten Reste des Hirsches mit dem Rieseng« 
weihe und verschiedener Elenn-Arten, Reste von Pferden, von 
Hippopotamen und von Elephas meridionalis Nest. Die 
Knochen-Brecceieu der Jurakalk-Klüfte von Villefranche (Aveyron), 20 
Myriameter vom Mittelmeere, haben mehrere Hirscharten und Hel ix 
nemoralis erkennen lassen. Die Knochen-Breccie von Villefranche 
in der Haute-Garonne gehört wieder dem Mo&llon an, und hat Kno- 
chen von Hirschen, Schafen und Hasen aufzuweisen, aber 
auch von Chaeropotamus in Gesellschaft einer besondern Buli- 
mus- und einigen Helix-Arten. Die Breccien von Perpignan 
(Pyrendes orient.) kommen ebenfalls im Moellon vor. Der Hirsch 


u 


mit dem Riesengeweihe, eine kleme Hirschart und ein 
Schaf haben die vorwaltende Zahl der dortigen fossilen Knochen 
geliefert, Nager, selbst Biber, und der neue Urssus metopo- 
leainus, dann Hühner-artige Vögel kommen mit vor. In den 
Knochenbreccien überhaupt herrschen demnach Wiederkäuer vor, und 
Nagethiere sind durch die Menge der Individuen merkwürdig ; Einhufer 
und Diekhäuter (Nashorn) reihen sich an sie ; Raubthiere erster Grösse: 
Löwen, Panther, Hyänen, Bären, — sowie Vögel und Reptilien (Schlangen 
und Landschildkröten) fehlen nicht; Landkonchylien lebender Arten, zu- 
mal Helix, Bulimus decollatus, Cyclostoma elegans kommen fast über- 
all mit vor ; die Thiere der Knochenbreccie haben ihre Identischen oder 
Analogen theils in kalten, theils in gemässigten , theils in heissen Kli- 
maten:; die ausgestorbenen hauptsächlich in letzteren. — 15. Über- 
sicht der Knochenhöhlen. Zu den Knochen-Höhlen in Ungarn, 
Deutschland, England etc., [welche seit längerer Zeit bekannt sind] hat 
man in den letzten Jahren noch mehrere Französische entdeckt: so BuckLann 
jene von Oiselles bei Besangon (Doubs), BırLauper jene von Saint- 
Macaire bei Bordeaux *), Dumas jene von Sommieres "*), TourNAL, 
Sohn, jene von Bize (Aude), wo zugleich Knochen - Breecien und Men- 
schenreste vorkommen ***), und FArınes und SERRES jene von Argou 
(Ost-Pyrenäen). Diese letzteren Höhlen gehören ebenfalls dem sekun- 
dären Kalke an, und ihre Eingänge sind sehr geräumig. Sie sind 
nach oben geöffnet, die Knochen sind ebenso häufig auf einer kleinen 
Plateforme von den Höhlen, als in denselben, wo sie in drei verschie- 
denen sandigen Lehmschichten vorkommen , welche um so minder fest 
sind, je tiefer unten sie liegen und wo dann auch Knochen und Ge- 
schiebe häufiger werden, Die Knochen sind so sehr zerbrochen, dass 
auch nicht ein ganzer dabei gefunden werden konnte. Sie stammen 
vorzüglich von Pferden her, dann von Hirschen, Oehsen, Nashornen 
und Schweinen. So rührt die Ausfüllung der Knochen-Höhlen und die 
Bildung der Knochenbreceie wohl ohne Zweifel von einer und dersel- 
ben Ursache von sehr ausgebreiteter Wirksamkeit her, von derselben 
Ursache, welche die Bildung des Diluviums veranlasst hat. Auch er- 
scheint der Knochenlehm nicht weiter hinauf in Gebirgs-Gegenden, als 
das Diluvium. Die fossilen Reste in Knochen-Höühlen und -Breecien rüh- 
ren von denselben Thier-Geschlechtern und selbst oft -Arten her; doch 
sind im Allgemeinen in den Höhlen die Raubthier -Reste (Bären, Hyä- 
nen, Löwen) mehr vorherrschend, als in der Breccie. Wenn nun aber 
offenbar Höhlen-Ausfüllung und Breecie so viele Übereinstimmung zei- 
gen, dass beide selbst in Verbindung miteinander vorkommen , wenn 
die Knochen durch Anschwemmungen in die Breccie gelangt sind, wenn 
manche schmale Felsspalten unter den Höhlen (Drreum - Lead), manche 


*) S. die früheren Jahrgänge dieser Zeitschr.) 
==) Vgl. diese Zeitschrift 1830 S. 108, 
*=) a. a. 0. S. 107. 


—_— 7212 — 


Höhlen mit sehr engen Eingängen ihre Knochen ganz offenbar nur 
‚durch Einschwemmungen erhalten konnten : warum sollte man nicht die- 
selbe Ursache für alle Höhlen-Ausfüllungen annehmen, wenn sich nichts 
dieser Annahme ganz unumstösslich entgegensetzt? Denn selbst das Er- 
haltenseyn der zartesten und feinsten Theile an der Oberfläche der Hüh- 
lenknochen kann nicht beweisen, dass sie einst durch Wasser dahin ge- 
schwemmt worden, da das Mittelmeer täglich Theile von Thierkörpern 
ans Ufer spielt, wovon die Knochen aufs Vollkommenste erhalten sind, 
und da die Flüsse täglich sogar dünne und zarte Süsswasser - Muscheln 
dahin führen, an denen sich keine Beschädigung erkennen lässt. Die 
Anhäufung jedoch der obigen Knochen - Ablagerungen kann nicht mehr 
auffallen, als bei vielen jugendlichen Meeres-Gebilden der Fall ist. Über- 
schwemmungen fliessender Wasser, des Meeres im einen, der Flüsse 
im andern Falle, haben jene Anhäufung bewirkt; in noch andern Fällen 
war der Rückzug des Meeres dabei thätig. Kann .man jene Knochen- 
Anhäufungen in einigen Fällen auch wirklich der Thätigkeit der Raub- 
thiere. zuschreiben, so kann man es doch nicht in allen Höhlen , wenn, 
wie zu Bize und Argou, man gar keine Raubthier-Spuren darunter an- 
trifft. Welcher Hypothese man aber auch huldige, immer müssen doch we- 
nigstens der Lehm, die Geschiebe und Land-Muscheln durch Anschwem- 
mung in die Höhlen gelangt seyn. 


Zweites Buch. 


1. Relative Zahl der fossilen Arten. In den Höhlen 
von Lunel- Vieil hat man bis jetzt 32 —33 Säugethierarten gefunden; 
darunter 44 Raubthier-Arten (zumal Hyänen, dann Katzen, Hunde, we- 
niger Bären); 5 Nager (Mäuse, Hasen, Biber, alle selten); 7 Dick- 
häuter (Schweine, Nashorn u. s. w., keines häufig); 7 Wiederkäuer, 
(Hirsche, Ochsen, Pferde), welche an Zahl der Individuen jede der 
übrigen Abtheilungen absolut übertreffen, während an Zahl der Arten 
die Raubthiere sehr vorwalten. Wenn aber. im Ganzen die Zahl der 
Arten und Individuen der Herbivoren vorwaltend ist über die der Raub- 
thiere, so beobachten wir dasselbe noch in der lebenden Schöpfung. 
Die Köpfe der Hyänen sind in verhältnissmässig grösserer Zahl vor- 
handen, als die übrigen Glieder; die Exkremente der knochenfressenden 
Raubthiere sind bei weitem nicht so häufig, als man erwarten müsste, 
wenn diese Raubthiere die übrigen als Nahrung in die Höhle zusam- 
mengeschleppt hätten; die Vögel haben nur wenige Reste hier hinter- 
lassen; die der Landschildkröten sind nach der Individuen - Zuhl nicht 
selten. Landschneeken sind häufig, zumal in der grossen Höhle: beson- 
ders ein Cyclostoma , dem C. elegans nahe verwandt, und eine dem 
Bulimus decollatus nahe stehende Art, Die Lehm - Ablagerung ist von 
Flusswassern gebildet; der Biber ist jedoch die einzige Thierart unter 
den schon genannten, die als Flussthier zu betrachten wäre; doch kom- 
men auch einige wenige Wirbel von Süsswasser-Fischen vor. Endlich 
Überbleibsel von Insekten. — 2. Relative Anzahl der Knochen- 


— 723 — 


theile. Die Knochen müssen ihrer Häufigkeit nach in folgender Ord- 
nung aufgezählt werden, die häufigsten voran: a. Mittelhand- und Mit- 
telfuss-Knochen, b. Schienbeine, c. Sprungbeine, d. Armspindelbeine, Ober- 
armbeine, f. Fersenbeine, g. Oberschenkelbeine, h. Wirbelbeine, 1. Schädel. 
Diese Anordnung ist auf mehr als 2000 untersuchte Knochenstücke gegrün- 
det. Nur sechs Schädel wurden beinahe ganz aufgefunden, doch stets ohne 
den zugehörigen Unterkiefer, dessen 2 Hälften auch immer getrennt la- 
gen. Nur vier Rippen (Löwe, Hyäne, Hirsch, Ochse) kamen noch 
ziemlich ganz vor, alle anderen äusserst zertrümmert. Die Röhrenkno- 
chen waren öfter zertrümmert, als man erwarten sollte, wohl weil ihre 
Länge mit der Festigkeit nicht im Verhältnisse stand. Kurz: alle Kno- 
chen sind so beschädigt, dass man nicht von einer der dort gefundenen 
Thierarten auch, nur das halbe Skelett zusammensetzen könnte; von 
manchen Theilen hat man gar keine Spur gefunden. Waren diese Höh- 
len die Wohnorte der Raubthiere, so könnte man annehmen, dass die 
festeren Knochen darum häufiger vorkommen, weil sie die übrigen zur 
Nahrung vorgezogen. Die Erhaltung der Zähne wird begünstigt durch 
ihre grössere Festigkeit und durch den Umstand, dass die Raubthiere 
solche durchaus nicht verzehren mögen. Demnach überwiegen die ge- 
fundenen Zähne an Zahl die übrigen Knochen nicht, was der ‚Meinung 
nicht günstig ist, dass viele andere Knochen in den Höhlen von Hyä- 
nen verzehrt worden seyen, Die Geweihe waren alle, wenigstens an 
den Enden zerbrochen, — 3. Relatives Alter der fossilen 
Arten. Knochen junger und alter Raubthiere und Grasfresser finden 
sich durcheinander; an manchen Kizferknochen sind die Zähne bis 
auf die Wurzel abgenutzt, an andern sind noch nicht alle aus den Al- 
veolen getreten. Häufig sind die Knochentheile an den Nähten noch 
nicht fest vereinigt. Die Schädel der Hyäncn sind oft noch ganz rund. 
Diese Mengung von Resten alter und junger Raubthiere verschiedener 
Art lässt noch weniger daran denken, dass diese Thiere hier beisammeu 
gewohnt haben. Manchfaltige Altersverschiedenheiten ergeben sich aus 
den Zähnen für die Pferde, aus den Geweihansätzen für die Hirsche 
(von 2—8 Jahren). Indessen bilden die ausgewachsenen Individuen im- 
mer die grösste Anzahl. — 4. Beziehungen der fossilen Ar- 
ten mit den lebenden. Die meisten der fossilen Thiere sind von 
noch lebenden nur als Varietäten, wenige sind als Arten verschieden, 
wie die Löwen oder Tiger, der Luchs, die Hyäne und das Rhinozeros, wor- 
unter die ersteren indessen doch hauptsächlich nur durch beträchtlichere 
Dimensionen von den lebenden abzuweichen scheinen. Die zwei Rhinoze- 
ros-Arten (4) sind die einzigen ausgestorbenen Herbivoren. Aber es ist sehr 
merkwürdig, dass die ausgestorbenen Arten dieser Höhlen ihre Nächstver- 
wandten heutzutage nur noch in der heissen, die andern aher solche 
in der gemässigten Zone haben, was allerdings zu einem Schlusse auf 
'klimatische Veränderungen berechtigen mag. — In einem dieser Abhand- 
lung beigefügten Briefe an Georrror Saınr - Hıramz in Beziehung 


Jahrgang 1834, 47 


— 7214 — 


auf seinen Bericht über Rourın’s Beobachtungen *) suis sn. DE DERRES 
die Frage auf: da in den Höhlen von Lunel die jetzigen Hausthiere, 
namentlich das Pferd und der Ochse, schon in Individuen verschiedener 
Rassen erscheinen, was in älteren Formationen nicht der Fall, ob man 
nieht schon daraus auf die Einwirkung des Menschen auf die Thier- 
Rassen, also auf die schon frühere und gleichzeitige Existenz des Men- 
schen schliessen dürfe, auch wenn man keine Menscheu-Reste mit jenen 
Thier-Resten aufgefunden hätte? Ob man nicht schon der Existenz des 
Meuschen das Verschwinden mancher Thierarten zuschreiben dürfe ? Er 
fügt in einem Anhange hinzu: der Wolf und der Fuchs haben noch 
einen kleinen Höckerzahn hinter dem Fleischzahn. Der Hund hat ihn 
entweder gar nicht, oder nur auf einer Seite, selten auf beiden zu- 
gleich. Bei alten Hunden verschwindet er dann wieder, und seine Wur- 
zelhöhle verwischt sich. Nun sind auch unter den fossilen Unterkiefern 
des Hundes zu Lunel einige mit jenem Zahne versehen, andere nicht. 
Einige Unterkieferbeine selbst sind höher, andere niedriger, nähern sich 
bald mehr den Proportionen wie beim Wolfe, bald denen wie bei’m 
Fuchse. Einige ausgebildete Schienbeine sind länger und dünner als 
die andern. Kurz Alles scheint auch hier auf das Vorkommen verschie- 
dener Rassen zu deuten, | 

5. Beschreibung der fossilen Arten. I. Ursus, Bär, 
1) U. spelaeus Cvv. Schneide-, Eck- und Backenzähne, dann einige 
Knochenstücke des Ober- und Unter-Kiefers. 2) U. arctoideus Cuv, 
Einige Backenzähne und eine Ellenbogenröhre, von ausgewachsenen 
Exemplaren abstammend. Dimensionen der Zähne bedeutend grösser 
uls beim vorigen, so gross als beim braunen Europäischen Bären, nur 
die Breite (Tiefe) beträchtlicher. Der Mangel feiner Kreutz- und Queer- 
Streifung auf den Kronen unterscheidet diese Art vom Europäischen 
braunen und vom Höhlen-Bären, nicht aber von den schwarzen Euroupäi- 
schen und Amerikanischen Bären. Die Ellenbogenröhre hat ebenfalls 
die Dimensionen, wie bei dem schwarzen Europäischen, und wird dess- 
halb zu dieser zweiten Art ‚gerechnet. Eine Tabelle vergleicht die Di- 
mensionen der Schädeltheile des Höhlenbären von Iserlohn und Lunel, 
des Ursus arctoideus von Lunel, des schwarzen Europäischen, des 
schwarzen Amerikanischen und des braunen Europäischen (oder Alpen-) 
Bären [wovon wir, so wie von den übrigen Ausmessungen in der Re- 
gel nichts ausziehen können]. 3) U. meles Lm. Eine Menge von 
Knochenstücken, worunter eine Schnautze, einige Unterkiefer, ein Ober- 
armbein ganz erhalten sind. Alle sind unı etwa 0,05 — 0,08 grösser, 
als die grössten Individuen der noch lebenden Rasse, welche verglichen 
werden konnten, und die wieder um eben so viel von den kleinen ab- 
weichen, Sonst zeigte sich kein Unterschied. 1l. Mustela, Marder. 
4) M. putorius Lin. Zwei Bruchstücke der Ellenbogenröhre, dann 
ein Oberkiefer, ein Oberarmbein und eine Tibia in Curistor’s Sanım- 


*) Vgl. dieses Jahrb. 1830, S 116. 


lung unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der lebenden Rasse. 
II. Lutra, Otter: 5) ein Unterkieferstück mit drei Backenzähnen, 
einer Art angehörig, welche derL. vulgaris nahe verwandt, aber um 
0,25—0,40 länger und dicker und mit viel schiefer stehenden falschen 
Mahlzähnen versehen ist. Die Dicke der Theile ist nämlich verhältniss- 
mässig grösser, als ihre Länge. Auch der Vorderrand des Kronenfort- 
satzes zieht sich bei der fossilen Art mehr nach aussen im Verhältnisse 
des Höckerzahnes, und die Kaumuskel - Grube ist tiefer. IV. Canis, 
Hund. 6) C. familiaris. Zwei Oberkieferstücke, zwei zusammen- 
gehörige Unterkieferhälften, sieben Unterkiefer-Bruchstücke, einige Wir- 
bel und Knochen der Extremitäten zeigen ausgewachsene Individuen 
von verschiedener Stärke an, wovon die grössten jedoch nicht so stark 
sind, als der Wolf, uud welche sich den Doggen oder Fanghunden an 
Grösse und Form am meisten nähern. Die Backenzähne sind nicht ver- 
schieden von denen! des Hausbundes. Der hintere Höckerzahn oben ist 
breiter (oder tiefer) als beim Wolf, was auf ein minder fleischfressen- 
des Naturel deutet, In jenem vollständigen Unterkiefer fehlt der hin- 
tere Höckerzahn, welchen der Fuchs, der Wolf, und auf einer Seite 
auch manche Hunderassen besonders in der Jugend besitzen, ist jedoch 
in einigen andern fossilen Bruchstücken vorhanden. Diese Hunde in- 
dessen, wenn sie gleich durch den Einfluss des Menschen schon von 
ihrer ursprünglichen Form abgekommen zu seyn scheinen, müssen ihr 
doch noch näher gestanden seyn, als unsere meisten jetzigen Hunde- 
Rassen. Ihre Fleischzähne sind sich von der rechten und linken Seite 
mehr genähert, ihre Schnautze ist daher spitzer, ihre Wirbel sind stär- 
ker, als bei den meisten unserer Rassen, mit Ausnahme des Schäferhun- 
des; die Muskeleindrücke sind alle tiefer. Das frühzeitige Erscheinen 
und völlige Verschwinden des hinteren Höckerzahnes im Unterkiefer 
unserer Hunde ist möglich gemacht durch den Umstand, dass der ent- 
sprechende Zahn im Oberkiefer ganz vor jenem steht, uud dass jener 
also durch keinen entgegenwirkenden Zahn zurückgehalten und zur 
Thätigkeit befähigt ist. Dasselbe findet in niedererm Grade beim Fuchse 
Statt, wo desshalb der hintere Höckerzahn auf einer Seite des Unter- 
kiefers in seltenen Fällen ebenfalls mangelt, während beim Wulfe die 
zwei sich entsprechenden Zähne genau übereinander stehen, und daher 
nie einer derselben fehlt. Ein fossiles Unterkiefer-Stück ist verhältniss- 
mässig höher, als die übrigen, und hat einen höheren und spitzeren Eck- 
zahn, durch welche Abweichungen in den Proportionen es sich mehr 
dem des Fuchses als des Wolfes nähert, obschon es für ersteren viel 
zu gross ist. An den Brust- und Lenden-Wirbeln sind die Dornenfort- 
sätze niedriger als beim Wolf, kleiner als beim Doggen. _ Zwei Schien- 
beine deuten zwei Hunde von verschieden starker Rasse an. Das eine 
ist stärker und dicker, das zweite etwas schwächer als beim Wolf, wie 
die Knochen im Allgemeinen. Diese zwei fossilen Varietäten des Haus- 
hundes sind demnach nur in der Stärke verschieden. Sonst könnte man 
sie wohl gar als verschiedene Arten betrachten. 7) C. vulpes Lm, 


47 * 


Di 


Zähne und mehrere Theile der Vorder- und Hinter-Füsse, theils so gross, 
theils etwas grösser, als beim gemeinen Fuchs. Ein Unterkiefer-Zweig 
mit dem Fleischzahn ist nur etwas höher als beim Fuchs, Ein Eck- 
zahn ist etwas grösser und namentlich dicker, vielleicht wie beim 
Schakal, Ein Oberarmknochen, eine Speiche, ein Oberschenkelbein, ei- 
nige Mittelhandknochen etc. sind genau so, wie beim Fuchse, 


Borson: Notiz über einige Fossil-Reste der Tarentaise in 
Savoyen. (Memor. d. Accad. di Torino, 1829, XXXIII, 174—182, 
I pl.) Brochant De Vıruıers hatte gezeigt (Journ. d. Min. 1808, 
Nro. 137.), dass die Glimmer- und Talk-reichen körnigen Kalke, der 
massige Quarz, der Glimmerschiefer und der von Quarz-Puddingen 
: und Urgebirgs-Trümmern begleitete Anthrazit, welcher am Kleinen St. 
Bernhard und zu Villarlurin bei Moutiers oberhalb Dorf Salin Pflan- 
zen-Abdrücke enthält, nicht der Ur-, sondern der Übergangs-Periode an- 
gehöre. Später fand er eine Bestätigung dieser Ansicht durch eine 
Nautilus-ähnliche Versteinerung (Ann. d. Min. II.) in einer Marmor- 
Platte von Vilette zwischen Moutiers und Bourg St. Maurice. Einige 
weitere Belege dieser Ansicht liefert nun der Verf. 


1) Im Breccien-Marmor von Vilette beobachtete er eine zerbrochene 
Muschel, äbnlich der Ostrea pecten Lin., mit 15 Furchen, 
kreisrund, 0mM,016 breit; — in andern Handstücken elliptische 
Theile weissen spathigen Kalkes, die ihm von Nummuliten her- 
zurühren scheinen und bis 0m,031 lang sind; — ferner Körper 
aus glänzenden Spath-Blättern, welche Belemniten zu seyn 
scheinen, theils der Länge nach, stielrund, zugespitzt, 0M,048 lang, 
theils auf dem Queerbruche, kreisrund, 0m,017 breit. 


2) Ein dunkelblauer, homogener, etwas glänzender, Glimmer-freier, 
theilweise in Salpetersäure unter Brausen löslicher, durch Kupfer 
ritzbarer Daehschiefer, ähnlich jenem auf den. Höhen des Cevin 
am Eingange der Tarentaise, lieferte mehrere Belemniten, 
welche aus Kalkspatlı bestehend, auf dem Queerbruche radial fa- 
serig Sind, und wovon einer innen noch mit der konischen Alveole 
versehen war und, so weit er frei lag, 0m,035 Länge hatte, 

s) Ein anderer dunkelblauer, dünnblättriger, durch Kupfer ritzbarer, 
zarter, seidenglänzender Schiefer von den fast unzugänglichen 
Höhen über Aigueblanche euthält neben Glimmer-Blättehen und 
Eisenkies, oft in Würfeln krystallisirt, auch eme Menge Abdrücke 
von Pflanzen, deren Stelle durch kohlensaure Talkerde ersetzt 
ist. Er ist einem andern Schiefer von Servoz :in Faucigny ähn- 
lich, dessen Pflanzen-Abdrücke aber viel undeutlicher sind. Ber- 
TERO und Corsa behaupten in diesen Pflanzen-Eindrücken Aspi- 
dium filix mas, (Aspidites filix mas Coır4), PAspleni- 
um Trichomanes, den Geschlechtern Galega, Phaca, und 


- I 


Astragalus. verwandte Leguminosen, eine insbesondere 
(Phacites alpina Cosua) der Phaca alpina Jıca. nahe ste- 
hend, überhaupt an feuchten Stellen  dortiger Alpen noch lebende 
Gewächse, erkannt zu haben, 

4) Ein schwärzlicher, grober, vor dem Löthrohr nicht schmelzender, 
noch riechender, zu grauem Pulver zerreibbarer Schiefer voll 
Glimmer-Theilchen, aus der Nähe von Montagni, wo man Anthra- 
eit gewinnt, hat einen 0m,250 langen und 0n,050—0m,080 breiten, 
gefurchten und in den Furchen ebenfalls mit Talkerde überzoge- 
nen Eindruck geliefert, den man.ohne seine ungewöhnliche Dimen- 
sionen und seine Ausbreitung an einem Ende von einem Equi- 
setum ableiten könnte. [Die beigefügte Lithographie stellt. einen 
kurzgliederigen Kalamiten dar.) 


M. Prinser: Analyse fossiler Knochen vom Himalaya 
(Journ. of the Asiat. Soc. of Calcutta, 1832, Nro. 3, 6 und 10 > 
Bibi. univers. 1834, Avril, — Scienc. et Arts, LV, 150—151). Dr. 
Srıtseurr sandte 3 Exemplare fossiler Knochen, welche Capit. SLEEmANn 
14 Engl. Meil. NO. von der Residenzstadt Jabalpur an der Nordseite 
des Gebirges gefunden, an P, ein, welche aber zu sehr verstümmelt 
waren, als dass sie hätten näher bestimmt werden können. Sie sind 
in einem vollständiger fossilen Zustande, als die von Royze gefundenen, 
und zwei derselben zeigten folgende chemische Zusammmensetzung : 

| | I. 1. 

Kohlens. Kalkerde . . . . 0,140 — 0,160 

Phosphors. Kalkerde . . 0. 0,855 — 0,710 

Kieselige Faser, Nadel-förmig, 

durch Infiltration hinzugekommen 0,005 — 0,013 

000 yope 


H. T. M. Wırmin: Notiz über Struktur und Lagerung ei- 
nes fossilen Stammes in den Brüchen von Craigleith (ein 
Vortrag b.d. Edinb. :Soz. 1834, 6. Jänn. > U’ Instit. 1834, II, 245—246.), 
Dieser Stamm scheint wegen’ der sechseckigen Form und der Kontinui- 
tät seiner Zellen 'zum Genus Pinites zu gehören, Nach Dr. War- 
Kker’s Analyse sind seine Bestandtheile: Eu 

Kohlensaure Kalkerde . . . 0,5036 

— Eisen 2 2...02405 120° 

2m Wilkerde . 2. 017717 
Kohle, Kieselerde und Wasser . 0,0615 


x 
” T- 


=. @a9 > 


Tu. Brown: über Reste einer Eiche, aus einem Torfe 
bei Lanfyne, Ayrshire, gezogen. ‘Eine Vorles. b. d. Edinb. Soz. vom 
7. April 1834. (VInstit. 1834, S. 335.) Dieses 48° lange Stammstück 
mag mit einigen anderen in 500‘ Seehöhe in seiner Nähe gefundenen 
aus den Caledonischen Wäldern herrühren, welche vor dem 14ten Jahr- 
hundert noch Avondale und Ober-Ayrshire bedeckten und gegen das 
Jahr 1500 zur Zeit der Successions-Kriege zerstört worden seyn mö- 
gen. Der Torf hätte sich dann erst später darüber gebildet. An dem 
oberen Theile ist sogar die Rinde wohl erhalten, aber von Wurzeln 
konnte man keine Spur entdecken. 


Dr. Merten zu Stein am Rheine hat einen Salamander und 
eine Schildkröte aus den Öninger Brüchen erhalten, (Institut, 
1834, II, 261.) 


Dr 14 Fonteneite: über das fossile Kautschuk in den Steinkoh- 
len-Werken der Vendee. (Congres scientif. de France, I, 25.) 


Georrroy St, Hırame: paläontologische Beobachtungen 
auf einer Wanderung nach Vichy im Loire- Dept. (UInstit. 1833. T, 
414.) Der Verf. besuchte die offenen Steinbrüche westlich von Vichy, 
am Rande der Strasse von Saint-Gerand-le-Puy nach Moulins, 300 
Toisen von jenem Orte. Die kleinen Berge der Gegend sind tertiär, 
und Bosc hatte sie bereits als eine Zusammenhäufung von Heliciten, 
Indusien und kleinen Krabben (die an Nanterre erinnern) be- 
schrieben. In die früheren Vertiefungen des Bodens scheint sich spä- 
ter ein Gemenge aus Staub-artiger Materie, aus 6°'—40' dicken Ge- 
schieben und aus vielen Säugethier-Knochen abgesetzt zu haben; je- 
doch umgeben die Knochen-Trümmer immer‘ vorzugsweise die Ober- 
fläche dieser Geschiebe, als seyen sie darauf gekittet ‚gewesen. Ein 
Hammerschlag trennt leicht einen Theil des Gesteims iso,weit, dass man 
sofort im Stande ist, die Knochen von jenen Geschieben, abzunehmen, 
Am häufigsten waren Schädel- oder Kin»nladen-Stücke von Auople- 
therium minimum oder einer ihm nahe stehenden. .Art.. Dann kon;- 
men Reste von 3—4 Wieder käuer-Arten vor. Ein Mittelhand- oder 
Mittelfuss-Knochen ist wie beim Rennthier gestaltet, aber nur so gross, 
wie. beim Rehe.. Ein Schulterblatt zeichnet sich durch die steile und 
stayke Erhebung seiner Leiste aus. 


— 729 — 


“Derselbe: Notiz über die fossilen Knochen im Becken 
der Auvergne (ib. I, 137—138.). Der Verf. hat inzwischen St. Ge- 
rand zum dritten Male und eine grosse Anzahl anderer Fundorte fossi- 
ler Knochen in Auvergne besucht, wie namentlich Vernay bei Vichy, 
Gannat bei Randan, Boulade, Issoire, Gergovie bei Clermont etc. 
Der Indusien-Kalk bei ‚St. Gerand ist voll Cypris faba und Helix 
nemoralis, und die fossilen Knochen sind theils im Innern des 'Ge- 
steines, theils in offenen Spalten desselben. Am häufigsten darunter 
sind die Gebeine eines neuen Anoplotherium (A. laticurvatum), 
welches sogar einmal ein neues Subgenus bilden wird, da sich sein 
Unterkiefer durch grössere Entwickelung des aufsteigenden Astes, durch 
eine mehr kreisförmige Biegung desselben, durch stärkeres Fortsetzen 
nach unten und durch einen Haken am hintern Rande auszeichnet, 
der den andern Arten ganz fehlt. — Ursus cultridens muss der 
Typus eines neuen Genus werden: er besitzt nach Form und Zahl 
die Zähne der Katzen, aber einen zusammengedrückten Eckzahn und 
eine grosse Lücke zwischen den Backen- und den Eck -Zähnen. 
Die fossilen Krokodile nähern sich mehr den lebenden, als den Teleo- 
sauren und Steneosauren, bilden aber gleichwohl ein neues Ge- 
schlecht. Andere ausgezeichnete Knochenreste gehören einer neuen 
Otter, Lutra Valtoni, einer Riesen-Schildkröte und Riesen- 
artigen Vögeln an. 


a 3 


Neue Entdeckung von Iguanodon-Resten (Lond. a Edin- 
burgh philos. Mag. 1834, July, V. 77—78). Bei Maidstone in Kent 
ist ein Bruch in der Shanklin-Sandstein-Formation, wo 8—14'' dicke 
Lagen von Kalk und Sand regelmässig miteinander wechseln. Ein 
Schuss im Kalke, der auch viele Ammoniten, Haizähne u.s. w. enthält, 
brachte ein vollständiges Exemplar eines Iguanodon zu Tage, ging 
aber unglücklicher Weise mitten durch dasselbe, so dass es in viele Trüm- 
mer zerbarst, welche dann sorgfältig wieder gesammelt wurden. So 
ergaben sich 2 Femora, 1 Tibia, 1 Fibula, 15 Wirbel, 2 Schlüsselbeine, 
2 Klauen, 2 Zähne u. s. w. Einer der 32‘ langen Oherschenkel - Kno- 
chen stund fast senkreeht auf die Richtung der horizontalen Schichten, 
mit seinen: unteren Ende im Kalksteine, mit dem obern Theil im Sand, 
woraus hervorgeht, dass, als das Thier zu Boden sank, beide Schichten 
weich. gewesen und die weitere Absetzung derselben schnell erfolgt 
seyn müsse, ehe jenes Bein durch Zerstörung der Bänder seine senk- 
rechte Haltung verlor. Dasselbe lässt sich dann auch für die übrigen 
Schichten schliessen. Diese Absetzung scheint jedoch viel schneller 
gewesen zu seyn, als sie jetzt im Seegrunde regelmässig beobach- 
tet wird, 


— 70 — 


A. Eıton: Vier Kardinal-Punkte in der stratiographi- 
schen Geologie, festgestellt durch die organischen Über- 
reste (Sırcım. Amer. Journ. of Scienc. 1832, Oct.; XXI, 199—200.) 
Es ist möglich, mittelst der Versteinerungen vier Gebirgs-Arten Nord- 
Amerikas vergleichungsweise zu den Europäischen ganz fest zu stel- 
len, Daher wird es von nun auch leicht seyn, die zwischenfallenden 
Formationen zu bestimmen, Die vier sind! 


I. Körniger Kalk: der einzige Kalk ohne organische Reste, 
U. Erz-, oder Kohlen-führender oder Berg-Kalk. 


Konchylien-führender: mit Fungia discoidea, F. polymor- 
pha, Columnaria sulcata, Productus hemisphaericus, 
Calymene Blumenbachii, Asaphus caudatus, Orthocera 
annulata, O. striata, O, undulata, Spirifer ambiguus, 
Turbinolia mitrata, Lithodendron dichotomum plicatum, 
alle bei den Glenn’s und Trenton’s Fällen gesammelt, sind auch ın 
Deutschland, Frankreich und England gefunden und von GoLpruss, 
BRONGNIART, Sowersy, Parrınson beschrieben worden. 

Hörnerstein-führender: Ceratophyllum ceratites, C. vermi- 
culosum, C. flexuosum, C, vesiculosum, C. helianthoides, 
C. quadrigeminum, C. hexagonum kommen bei den Bethlehem 
Caverns in Albany sowohl als in Deutschland, Grossbritannien u. S. w. 
in dieser Felsart vor. Zu Bethlehem, Catskill, Esopus-Strand und am 
Rondout finden sich in derselben Gebirgsart auch noch Sarcinula 
auleticon, S. microphthalma, Orthocera paradoxica, Co- 
nularia 4-sulcata, C. teres, Productus depressus, Gor- 
gonia ripesteria. 


III. Oolith-Reihe. 


Coral rag, Pyrit führend. Astrea stylophora, A. porosa, 
Asaphus Hausmanni, alle von der Südküste des Erie-See’s, kom- 
men auch in Europa in dieser Felsart vor [!!?]. Die vier folgenden 
Arten von den Höhlen des Helderberg’s, nämlich Diploctenium 
pluma, Lithodendron caespitosum, Columnaria alveo- 
lata, Gorgoniainfundibuliformis gehören auch dem Deut- 
schen Coral rag an [??)]. > 


IV, Tertiäre Mergel. 


Mergel- Thon, London clay: mit Plicatula pectinoides, 
Nautilus imperialis, südl. von Amboy bay, New Jersey. 
Schnecken- oder Süsswasser -Mergel mit Planorbis obtusa, 
Limnea longiscata, L. minima. 

Die Argillite mit den Kohlenschichten zwischen den körnigen und 
Kohlen-führenden Kalkstein entsprechen demnach der Anthracit-Forma- 
tion; die obenerwähnten Kohlen-führenden Kalke von den Bethlehem 


- 31 — 


Caverns, Catskill, Esopus, von Pennsylvania, am Hudson und Dela- 
ware-Kanal bis Carbondale, Lehigyh etc. gehören den Great coal Measu- 
res Europa’s an. Ihre Kohle ist die Culm- oder Kilkenny-Kohle Euro- 
pa’s, der man den Namen anasphaltische Kohle geben könnte. 


IV. Verschiedenes, 


Zerstörende Wirkungen der Gewitter. Am 8. Junius 
1834 richteten mehrere Gewitter, von einem gewaltigen Wolkenbruche 
begleitet, bei Neustadt an der Haardt im Bairischen Rheinkreise 
furchtbare Verheerungen an. Am Abend entluden auf einmal nach ei- 
nem heftigen Donnerschlage, der die ganze Umgegend zittern machte, 
vier einander nahe Gewitter auf dem Scheitel des Weinbiet, einer der 
höchsten Kuppen des Haardt-Gebirges, ihre Fluthen und sendeten in 
die acht von dieser Kuppe auslaufenden Thäler solche Ströme, dass 
Felsblöcke von 100 Zentner Schwere auf Viertelstundeu-Weite fortge- 
schleudert, Bäume aus der Wurzel gerissen, Häuser zertrümmert und 
weggeschwemmt, Weinberge und Äcker haushoch ausgewühlt, kurz im 
Zeitraum einer halben Stunde solche Verwästungen angerichtet wur- 
den, wie sich die ältesten Bewohner der Gegend keiner ähnlichen er- 
innern. — Die Strömung des Wassers war so hoch, dass sie Häuser 
im zweiten Stock mit Sand füllten. — Ein Haus verschwand mit allen 
Bewohnern so plötzlich und spurlos, dass man nicht einmal den Fleck 
erkennen kann, wo es gestanden, ; 


(Zeitungs-Nachricht.) 


Im Junius 1834 sind die Spanische Stadt Bergara und ihre Umge- 
bungen durch einen in Folge gewaltiger Regengüsse angeschwollenen 
Bergstrom, welcher Alles auf seinem Wege mit sich fortnahm, schreck- 
lich heimgesucht worden, Man weiss, dass 200 Wohnhäuser mit ihren 
Bewohnern von den Fluthen weggerissen wurden, Die Zahl der Umge- 
kommenen beläuft sich auf 300. Die grosse Landstrasse ist ganz unweg- 
sam geworden, da die Wassermassen, welche von den Höhen herab- 
stürzten, sie nach allen Richtungen hin aufgelockert haben. Ganze 
Stücke des Berges, über den sie führte, wurden abgerissen. 


(Zeitungs-Nachricht.) 


Hansteen erklärt in Folge der Berechnungen, auf seiner zweijäh- 
rigen Reise in Russland und Sibirien angestellt, dass die Hypothese 


- m — 


von einer doppelten magnetischen Axe und -doppelten Polen der Erd- 
kugel durch die Beobachtungen nicht bestätigt werde, und dass die 
scheinbaren Beweise für diese Hypothese, welche eine in Sibirien auf- 
gefundene Linie ohne Irreleitung dieser Meinung zu geben schienen, 
von. der Beschaffenheit der Deklination an andern Stellen und vornehm- 
lich von dem berechneten Resultat von Intensitäts-Beobachtungen gänz- 
lich umgestossen werden. Er hält nun die Hypothese von elektrischen 
Strömen, als Ursache der magnetischen Polarität der Erde, unter allen 
bisher versuchten für die wahrscheinlichste. Baruow hat auf experi- 
mentellem Wege diese Vermuthung zu bekräftigen gesucht. Er liess 
sich einen Globus von Holz machen, um welchen er für jeden zehnten 
Grad mit Metalldrähten einen elektrischen Strom leitete, und fand, was 
auch a priori zu vermuthen war, dass eine Magnet-Nadel, bei welcher der 
Einfluss der Erde neutralisirt war, und die als Neigungs-Kompass bei 
diesem Globus angewendet wurde, alle die relativen Stellungen an- 
nahm, die der Neigungs-Kompass auf den entsprechenden : Breiten der 
Erde annimmt. (Berzetius Jahres-Bericht. XII. Jahrg. S. 48.) 


A. v. Stromgeck; .über die von Fox angestellten Versuche In Be- 
ziehung auf die elektro-magnetischen Äusserungen der Me- 
tall-Gänge. (Karsten, Archiv. f. Min. VI. B. S. 431 f.) Das Re- 
sultat ist, dass der Werlau-Holzappler Gang die elektrischen Eigen- 
schaften der Cornwaller Gänge nicht besitzt, und dass diess durch ir- 
gend eine Eigenthümlichkeit jenes Ganges bewirkt werden muss, in so 
fern sich die Richtigkeit der Fox’schen Beobachtungen bewährt, wie 
solches die neuerdings von Peruerick und Bennerts in Kupfer-Gru- 
ben der Irischen Grafschaft Wicklow und in Cornwall angestellten 
Versuche darthun. (Phil. Mag. 3 Ser. V, 111, 17.) 


Auf dem Landgute Schirwinti soll, am Ufer des gleichnamigen 
kleinen Flusses, oft Bernstein in Stücken von ansehnlicher Grösse 
gefunden werden. Das genannte Gut liegt im Wilnaischen Kreise. 


(Zeitungs-Nachricht.) 


Über die Krystallform des Eises. (Pocceno. An. d. Phys. 
B. XXXIL, S. 399 f.) Vor vielen Jahren fand Brewster bereits, dass 
Eis ein das Licht doppelt brechender Körper sey, dass es eine opti- 
sche Axe besitze, und dass dieselbe senkrecht stehe gegen die Flächen 
der auf ruhigem Wasser gebildeten, wohl auskrystallisirten Eisplatten, 
Es folgte daraus, dass das Eis entweder zum rhomboedrischen oder 
sechsgliedrigen, oder zum viergliedrigen Krystallisations-Systeme gehöre. 


we 


Seitdem sind Eiskrystalle im Reif und in Eishöhlen beobachtet: worden, 
aber die optische Struktur dieser Krystalle hat man nicht. untersucht. 
Eben so ist man über die Krystallisation des Eises in Ungewissheit ge- 
wesen; denn, wenn auch Einige sich überzeugt hielten, das Rhomboe- 
der sey die Grundform des starren Wassers, so gab es doch Andere, 
welche daran zweifeln zu müssen glaubten. Vor Kurzem hat Brewsten 
auf einem kreisrunden , durch eine steinerne Brustwehr gegen die Be- 
wegungen der Luft geschützten Becken mit Wasser, nach einem nächt- 
lichen sehr schwachen Frost, eine vollkommen durchsichtige Blasen- 
freie Eisschicht gefunden, an welcher er, bei näherer Untersuchung, 
die dreiflächigen Spitzen zweier sehr stumpfen Rhomboeder beobachtete, 
die sich über die Eisfläche erhoben. Eine Messung war nicht möglich; 
er fand indess, dass die Krystall-Axen beider Rhomboeder fast senkrecht 
standen auf die Eisplatte, und dass die letztere, im polarisirten Lichte 
untersucht, senkrecht gegen ihre Oberfläche ein positiv einaxiges Ring- 
System darbot. 


Rıcn. Harrın’s Zoological and Medical Miscellany (Philad. 1833, 
IT, 8°) enthält Abdrücke mehrerer vom Verf. früher in andern Zeit- 
schriften eingerückten Abhandlungen, insbesondere: eine Beschrei- 
bung der fossilen Knochen des Megalonyx von White Cave in Ken- 


tucky, — eine Beschreibung der Kinnbeine, Zähne und Schlüssel- 
Beine von M. laqueatus, — die zweier Fucoiden, — die einer 
Wanderung zu den Höhlen Virginiens, — und eine Untersuchung 


der grossen Knochen, welche am Austritte des Mississippi gefunden 
worden. - 


nn 0000 


Preis-Aufgaben. 


Die Sozietät der Wissenschaften zu Harlem hat, zur Be- 
antwortung vor dem 1. Januar 1836, unter andern Preis-Fragen fol- 
gende wiederholt: 


„Was weiss man von der Ursache der Bildung der Sand - Dünen, 
welche sich an verschiedenen Orten der Seeküste Europa’s am 
Rande des atlandischen Ozeans um das Nordmeer erheben und ei- 
nen Theil von Holland beschirmen ? Was weiss man,-oder was lässt 
sich mit Grund vermuthen in Betreff ,.der Zeit, zu welcher diese 
Dünen sich gebildet haben, in Beziehung zu den übrigen geologi- 
schen Formationen? Worin weicht ihr gegenwärtiger Zustand ab 
von ihrem ehemaligen? — Welche Belehrung kann man aus der 
Geschiehte des Landes ziehen in Betreff der Ursache ihres Fehlens 


— 714 — 


an mehreren Orten der Küste des Nordmeeres; unter andern zwi- 
schen Petten und Kamperduin? 


Ferner wiederholte diese Gesellschaft folgende, in frühern Jahren 
vorgeschlagene Fragen zur Beantwortung vor dem 1. Januar 1835: 


1) „Wie ist der gegenwärtige Zustand unserer Kenntnisse von den 
Höhlen in den Kalk-Gebirgen beschaffen, von denen seit Anfang 
dieses Jahrhunderts eine so grosse Anzahl untersucht worden ist, 
vorzüglich um zu sehen, welche Gebeine vormals existirender Thiere 
sich in. grösserer oder geringerer Menge darin aufgehäuft finden, 
und von. welcher Art die Lagerung derselben sey? Lassen sich in 
diesen Höhlen selbst, oder in der Lagerung der Gebeine Zeichen 
auffinden, aus denen man herleiten könnte, welchen Umständen es 
zuzuschreiben sey, dass die Gebeine einiger Säugethiere sich in 
so grosser Menge in einigen Höhlen aufgehäuft finden? *) 


2) Was weiss man gegenwärtig hinsichtlich der menschlichen Über- 
reste, die man in fossilem Zustande findet? Müssen die mensch- 
lichen Gebeine, die man an einigen Orten, theils in Felslagern, 
theils in einem beweglichen Erdreich, mit andern Knochen von un- 
tergegangenen Thierarten gemengt angetroffen hat, mit diesen letz- 


teren in dieselbe geologische Epoche gestellt werden, oder gehören 
sie wohl einen späteren Zeit an? **) 


3) Welche geologische Lagerung. findet man in. den Niederlanden 
in Betreff der Schichten vegetabilischer Überreste verschiedener Ar- 
ten, sowohl derjenigen, welche in mehreren Provinzen die verschie- 
denen Torfmoore bilden, als derjenigen, welche man an den Ufern 
wahrnimmt und bancs de darry nennt? Von welcher Art sind die 
organischen Reste, aus welchen die Masse derselben besteht, und 
diejenigen welche sie einschliessen? Künnen die Lagerung selbst, 


*) Als Antwort auf diese Frage wird eine Aufzählung aller Höhlen in Kalkbergen, 
welche bis dahin untersucht sind, gewünscht, man möge fossile Knochen darin 
gefunden haben oder nicht; wie auch eine Beschreibung der verschiedenen Kno- 
chen, welche sieh darin vorfinden, — worin deren Lagerung in den verschie- 
denen Höhlen sich unterscheide, — und .alles dessen, was ausserdem noch in Betreff 
derselben beobachtet worden seyn möchte. — Auch wird eine Beschreibung der 
versehiedenen Schichten des Erdreichs in diesen Höhlen gewünscht. 


*:) Die Antwort auf diese Frage muss enthalten: die Nachrichten, Beschreibnngen 
und genaue Vergleichungen ‚aller Umstände, welche sich auf den Gegenstand die- 
ser Frage beziehen und in mehreren Ländern beobachtet worden sind; und wenn 
sich ausreichend erweisen sollte, dass diese menschlichen Überreste aus einer 
späteren Zeit stammen, so würde zu bestimmen seyn, ob man in diesem Falle 
mit Fug annelımen könne, das“ diese Gebeine übrigens auch eben so wenig zwi. 
schen den fossilen Knochen: anderer untergegangenen Thierarten vorkonmen ; 
oder ob das Urtheil, darüber etwa noch so lange suspendirt bleiben müsse, bis 
fernere, in mehreren Gegenden der Erde anzustellende Nachforschungen einen 
grösseren Reichthum von Materialien und mehr Aufklärungen über diese Materie 
verschafft baben werden. 


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oder die Natur der Torfarten, mit ihrer Lagerung verglichen, oder 
die organischen Reste etwa, die darin enthalten sind, uns zur Er- 
kennung der geologischen Epoche führen, der die Ablagerung die- 
ser vegetabilischen Stoffe angehört ? 


Verkäufliche Gebirgsarten-Sammlung. 


Die von dem verstorbenen Oberforstrath Professor HUNDESHAGEN 
zu Giesen hinterlassene geognostische Sammlung nebst einer Parthie 
oryktognostischer Stücke ist zu verkaufen. Darauf reflektirende Lieb- 
haber werden ersucht, sich in frankirten Briefen an Herrn Dr, Kuır- 
STEIN nach Giesen zu wenden. 


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